5. Januar 2020

US und Iran: Jetzt gelten andere Regeln

Johannes Poensgen / 42 Kommentare

Die Ermordung General Kassem Soleimanis überschreitet eine rote Linie.

Johannes Konstantin Poensgen

Johannes Konstantin Poensgen studiert Politikwissenschaft und Geschichte.

Während ich das hier schreibe, ist die iranische Reaktion offen. Momentan veraltet alles rasch, und viele Meldungen sind schwer zu verifizieren.

Nur zwei Beispiele: Ich bekomme gerade die Meldung rein, daß irgendwer die Balad Air Base nördlich von Bagdad mit 2 Raketen beschossen hat. Die Amerikaner haben aber, soweit ich das recherchieren konnte, die Balad Air Base seit 2011 weitgehend an die irakischen Streitkräfte übergeben, lediglich einige amerikanische Ausbilder sind dort noch untergebracht.

Da zusammen mit Soleimani der irakische General Abu Mahdi al-Muhandis getötet wurde und das irakische Parlament nun den Abzug der Amerikaner verlangt, ist nicht klar, was der Iran dadurch gewinnen könnte. Während der Besatzung wurde der in sunnitischem Gebiet liegende Stützpunkt aber immer wieder von Aufständischen mit einfachen Mörsern beschossen und erhielt deshalb den Spitznahmen „Mortaritaville“. Das kann also sonst wer gewesen sein.

Andere Behauptungen gehen dahin, daß die Vereinigten Staaten bereits katarische Vermittlung in der Krise erbeten, oder sich über die schweizer Botschaft in Teheran an die iranische Regierung gewandt haben.

Doch zum Großen Ganzen: Zwei Vergleiche drängen sich auf, und beide sind falsch. Der erste bezieht sich auf die beiden Raketenschläge vom 7. April 2017 und vom 13. auf den 14. April 2018 gegen Ziele in Syrien. Damals ging es allein darum, der wegen angeblicher Giftgasangriffe aufgehetzten Pressemeute einen Knochen hinzuwerfen. Das Pentagon erklärte 2017 in einer offiziellen Stellungnahme, daß russische Stellen im voraus gewarnt worden waren. 2018 erklärte der damalige Vereinigungsminister James Mattis immerhin noch (zurecht), daß man ausländische, sprich russische Verluste um jeden Preis vermieden habe.

(Die genauen und Zusammenhänge und alles weitere kann man hier nachlesen.)

Die Ermordung Soleimanis ist das genaue Gegenteil dieser Angriffe, die auf das komplexe System gegenseitiger Erwartungen abgestimmt gewesen waren (eines der Kennzeichen hybrider Kriege). Sie ist eine bisher nicht dagewesene Eskalation. Was uns zum zweiten Vergleich bringt, dem mit den Eliminierungen Osama bin Ladens und Abu Bakr al-Baghdadis.

Beide waren die Anführer irregulärer Truppen, versteckten sich vor den Vereinigten Staaten und wurden, lassen wir anderslautende Vermutungen einmal beiseite, getötet, sobald ihre Aufenthaltsorte ausfindig gemacht worden waren. Soleimani war, trotz allem Geschwätz über einen „Terroristen in Uniform“ aus Mietmäulern, die am 2. Januar noch nicht einmal seinen Namen kannten, General in der Armee eines international anerkannten Staates. Sein Aufenthaltsort war auch kein Geheimnis, er kam gerade mit einem kommerziellen Flugzeug von einer Reise nach Syrien und in den Libanon zurück.

Soleimani, der nicht bloß Befehlshaber, sondern auch der wichtigste Diplomat seines Landes in den umkämpften Gebieten des Mittleren Ostens war und eine Vielzahl unterschiedlichster Akteure persönlich treffen mußte, konnte vor einem Attentat mit den Mitteln eines anderen Staates rein technisch gar nicht geschützt werden. Wie bei allen hohen Amtsträgern bestand sein Schutz vor solchen Angriffen weder in Leibwächtern, noch in der Verheimlichung seines Aufenthaltsortes, sondern darin, daß seine Ermordung eine Grundregel des internationalen Verkehrs verletzen und auf die gleiche Weise beantwortet werden würde.

Seit Jahren gibt es in Irak, Syrien und im Jemen einen Kleinkrieg zwischen amerikanischen und iranischen Spezialeinheiten und Verbündeten vor Ort. Jeder versuchte seine Position für die nächsten Verhandlungen zu verbessern. Dabei waren sich aber beide Seiten der Grenzen bewußt, die gewahrt werden mußten, um eine Eskalation zu verhindern. Die Ermordung eines Generals abseits der Front auf einem zivilen Flughafen sprengt diese Grenzen vollständig.

Deshalb ist dieses Attentat aus Sicht der Kriegsfraktion in Washington ein Geniestreich. Sie hat das vergangene Jahr über feststellen müssen, daß ein neuer Krieg im Mittleren Osten der eigenen Bevölkerung mit keinen der herkömmlichen Mitteln zu verkaufen war. Durch Soleimanis Ermordung hat sie nun die iranische Führung in die Ecke gedrängt:

Nimmt diese Rache, etwa durch die Ermordung eines amerikanischen Amtsträgers, oder durch Raketenangriffe auf amerikanische Schiffe im persischen Golf, dann löst sie den offenen Krieg aus. Trump hat bereits angekündigt, daß jede iranische Reaktion zur sofortigen Vernichtung von 52 ausgewählten iranischen Zielen führen würde, inklusive einiger der bedeutendsten Kulturgüter des Landes. Reagiert sie aber nicht oder nur indirekt durch die Verstärkung des Drucks im Irak und in Syrien, dann verliert sie vor ihren Verbündeten und dem eigenen Volk das Gesicht.

Soleimani war das perfekte Ziel, um die Perser in dieses Dilemma zu bringen. Der Mann war bereits vor seinem Tod ein Nationalheld. Ein Sohn armer Eltern, der mit 13 Jahren auf dem Bau arbeiten mußte, mit 22 den Revolutionswächtern beitrat, in den Krieg gegen den Irak zog, durch waghalsige Kommandoaktionen bekannt wurde und bald zum Divisionskommandeur aufstieg.

Nach dem Krieg war er 22 Jahre lang der Befehlshaber der Al-Quds Spezialeinheit, er sicherte den Einfluß des Irans im Irak nach dem amerikanischen Einmarsch, rettete die verbündete Regierung in Damaskus und zerschlug den Islamischen Staat im Irak. Ein Mann, der trotz mehrfacher Aufforderung nie in die Politik ging, aber eine Nachricht an General David Petraeus sandte: „Gen. Petreaus, Sie sollten wissen, daß ich, Kassem Soleimani, die iranischen Politik gegenüber Irak, Libanon, Gaza und Afghanistan kontrolliere.“

Ein Mann, der sich während der Massenschlachten des Irak-Iran-Krieges gegen die Verschwendung von Leben einsetzte und später in einem Interview erklärte, daß die Frontlinie das verlorene Paradies der Menschheit sei.

Für das praktische Ergebnis spielt es keine Rolle, was am Mythos Kassem Soleimani Wahrheit und was Dichtung ist. Eine Tatsache ist, daß halb Bagdad auf der Straße war, um ihm das letzte Geleit zu geben und zwar einschließlich des Sohns Ali as-Sistanis, des greisen Oberhauptes der irakischen Schiiten.

Eine andere Tatsache ist, daß zum ersten Mal in der Geschichte der Islamischen Republik Iran über der Wahlfahrtstätte der Dschamkarān-Moschee in Ghom die Rote Fahne der Blutrache gehißt wurde. Die Aufschrift besagt so viel wie: „Denen, die das Blut Husseins rächen wollen“. Das bezieht sich auf Hussein ibn Ali, den Enkel Mohammeds und Märtyrerimam des schiitischen Islam. Mehr geht nicht.

Der Mythos Soleimanis allein kann die iranische Regierung zum Handeln zwingen. Das Ergebnis kann für den Iran der amerikanische Einmarsch und für Amerika ein weiterer endloser Krieg sein, der Afghanistan, Irak und Syrien bei weitem in den Schatten stellen würde.

Daß die Vereinigten Staaten den Iran erobern können, wenn sie bereit sind den Preis zu zahlen, daran gibt es wenig Zweifel, ebensowenig daran, daß die Ölanlagen der Golfregion nicht gegen iranische Drohnen und Raketen zu verteidigen sind. Die jemenitische Houthi haben das bereits zur Genüge bewiesen. Das Eskalationspotential ist von dort aus nach oben offen. Erst vor wenigen Tagen absolvierten iranische, russische und chinesische Marineeinheiten ihre erste gemeinsame Übung.

Warum also hat ein amerikanischer Präsident, der, was immer sonst sein Resümee, in militärischen Fragen zurückhaltend war, plötzlich diese fatale Entscheidung getroffen. Zwei Erklärungen sind im Umlauf.

Die allgemein übliche ist, daß Donald Trump, vom Impeachment bedroht und um seine Wiederwahl fürchtend einen Krieg vom Zaun brechen will, um von seinen innenpolitischen Problemen abzulenken.

Die zweite Erklärung wird in Deutschland hinter der Hand, in Amerika inzwischen erstaunlich offen geäußert. Die Rede ist von den jüdischen Zionisten, mit denen Trump sich umgibt, von seinem Schwiegersohn Jared Kushner, dessen Familie Netanjahu nahesteht, oder von seinem größten Wahlkampfspender 2016, dem Kasinomogul Sheldon Adelson, der einmal öffentlich forderte, den Iran mit nuklearer Vernichtung zu bedrohen.

Beide Erklärungen sind nur halb richtig. Für Trumps Wiederwahlchancen ist ein neuer Krieg im Mittleren Osten ein immenses Risiko. Er wurde nicht zuletzt wegen des Versprechens gewählt, Amerika aus weiteren Kriegen herauszuhalten.

Was die ganzen fragwürdigen Gestalten betrifft, die waren 2017, 2018 und 2019 auch schon da. Sie bekamen aber, gar nicht so anders als diejenigen, die ihn wegen seiner harten Worte in der Einwanderungspolitik gewählt hatten, vor allem Symbolisches und Aktionen, die Trump wenig kosteten: Die Anerkennungen Jerusalems als Hauptstadt und der Annexion des seit einem halben Jahrhundert besetzten Golans, zwei Raketenangriffe auf Syrien, die kaum Schaden anrichteten. Dann den Verbleib einiger amerikanischer Truppen in Teilen des von der kurdischen SDF kontrollierten Teils Syriens, sowie die Kündigung des Atomabkommens mit dem Iran, zwei Maßnahmen, die Trump nicht schadeten und allem Medienzirkus zum Trotz nur ein geringes Risiko bargen.

Was sich geändert hat ist folgendes: Durch das laufende Impeachment-Verfahren im Kongreß hat die alte Neocongarde eine bisher nicht dagewesene Macht über den Präsidenten erlangt. Wenn das Impeachment vor den Senat kommt, kann Trump mit einer Zweidrittelmehrheit seines Amtes enthoben werden.

Dazu braucht es 67 Senatoren. Die Demokraten haben 45, zwei sind parteilos, von den 53 Republikanern müßten 20 der Amtsenthebung zustimmen. Das ist eine hohe Hürde, aber machbar. Es stehen genügend bei AIPAC auf der Soldliste und allein bei den nächsten Wahlen müssen 20 republikanische Senatoren ihre Sitze verteidigen (bei den anderen drei republikanischen Sitzen, die zur Wahl stehen, geht der Senator in Ruhestand).

Trump steht innenpolitisch mit dem Rücken zur Wand und der Mord an Kassem Soleimani war der bisher größte Erfolg des tiefen Staates. Spekulationen darüber, was Trump wann hätte anders machen sollen, sind an dieser Stelle müßig und ich überlasse die Lösung dieser Frage den Stammtischstrategen.

Völlig unverständlich sind hingegen die Reaktionen einiger Journalisten, die jetzt den Tod Soleimanis bejubeln und ungefragt ihre transatlantische Bündnistreue bekunden. Darunter besonders diejenigen, die vor iranischen Anschlägen in Deutschland warnen. Dazu nur eines: Die Islamische Republik Iran hat seit ihrem Bestehen asymmetrische Kriege geführt, Milizen in anderen Ländern unterstützt und zu Beginn ihrer Existenz auch im Ausland Dissidenten ermorden lassen. Terrorstrategien der (sunnitisch-wahhabitischen) Marke Al-Quaida oder Islamischer Staat, bei denen wahllos Zivilisten ermordet werden, hat sie nie benutzt.

Wir haben aber genug islamische Gefährder im Land, fast ausschließlich Sunniten übrigens, die auch ohne Befehl aus Teheran jederzeit in die Luft fliegen können. Der Versuch, die öffentliche Meinung dahingehend zu manipulieren, daß sie hinter jedem explodierenden Turban die Strippen der Mullahs sieht, ist der Gipfel der Verantwortungslosigkeit.

Wenn diese Leute unbedingt für Amerika, Israel und Saudi-Arabien in den Krieg ziehen wollen, dann schlage ich ihnen vor, sich bei der US-Army einzuschreiben. Da bekommen sie sogar die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Alles was Deutschland und Europa bei diesem Krieg gewinnen können sind neue Horden von Flüchtlingen. Die Bundesregierung, die etablierten Parteien, sowie unser Staatsfunk, haben sich übrigens in dieser Frage bisher leidlich besonnen gezeigt. Wer das wegen politischer Differenzen in anderen Bereichen nicht sehen will, hat die Grenze der Zurechnungsfähigkeit hinter sich gelassen. Das deutsche Volk, das in seiner breitesten Mehrheit mit dem Schlamassel im Mittleren Osten nichts zu tun haben will, wird es nicht übersehen.

Wessen weltpolitische Vernunft nicht ausreicht, der solle zumindest Folgendes bedenken: Außerhalb winziger Kreise fanatischer Iranhasser, gibt es in Deutschland nicht die geringste Zustimmung für irgendeinen neuen Krieg, der sogar Afghanistan und den alten Irakkrieg in den Schatten stellen würde.

Eine politische Alternative, die in der Unterstützung orientalischer Abenteuer ihr Abgrenzungsmerkmal zum Establishment sieht, verschwindet zurecht im Orkus.


+ Von Johannes Konstantin Poensgen liegt beim Institut für Staatspolitik die kundige Studie vor: Was macht Trump in Syrien? Man kann sie hier bestellen.

+ Außerdem beschäftigt sich Florian Sander in der aktuellen Sezession (Heft 93, Dezember 2019) grundlegend und kenntnisreich mit der Notwendigkeit einer nationalsouveränistischen und damit dezidiert nicht-transatlantischen Ausrichtung der AfD und ihres Umfeldes. Man sollte die Ausgabe – so lange noch verfügbar – hier einsehen und bestellen.

+ Daß moderne Formen des »Antiimperialismus«, weit entfernt des orthodox marxistischen Pendants der Vergangenheit, für die politische Rechte bedeutend sind, erklärte Benedikt Kaiser bereits 2016 in der 71. Sezession. Auch jene kriegerisch-westlerischen Rechtfertigungsideologeme, die heute bei Neokonservativen (»Neocons«) aller Art wieder virulent erscheinen, klagte er hier umfassend an: Der Beitrag ist kostenfrei als PDF verfügbar.

+ Wer sich gleichwohl aus falsch verstandener Bündnistreue zum Westen heraus in eine einseitig antiiranische Propagandastellung einigelt, sollte dank Martin Lichtmesz wissen, welche Träume dort geträumt werden. 


Johannes Konstantin Poensgen

Johannes Konstantin Poensgen studiert Politikwissenschaft und Geschichte.


Kommentare (42)

deutscheridentitaerer

5. Januar 2020 15:03

Eine hervorragende und treffende Analyse.

Allerdings: auch wenn ein Krieg gegen den Iran völkerrechtswidrig und vordergründig gegen unsere Interessen wäre, würden wir, die echte Rechte, von einer Eskalation am meisten profitieren.

Flüchtlingswellen sind besser als stetige Flüchtlingsströme. Und die USA würden sich mit dem Iran auf Dauer verheben. Der Iran ist nicht Irak und die USA von 2020 ist nicht die von 2003.

MARCEL

5. Januar 2020 15:03

Gratulation! Danke für diese akkurate wie gut geschriebene Analyse.
Zu abgestandenen Bündnisträumen einiger Atlantiker mit den USA ein verschmitztes Zitat General De Gaulles:
"Die Russen sind immer in Europa, die Amerikaner nur vielleicht".

Elvis Pressluft

5. Januar 2020 16:12

Was heute nicht klarer ist als vor einer Woche (oder vor einem Jahrzehnt, wenngleich Obama dumm genug war, es verdrängen zu wollen): Wer immer in D.C. regiert, kann nicht zuwarten, bis der Iran die nukleare Angriffsfähigkeit erlangt hat – denn für Israel ist es die Überlebensfrage. Im Zweifelsfall würden die Israelis zuerst handeln, und sie würden das volle Programm abarbeiten, mit in der Tat unabsehbaren Folgen für die Welt. Trump, nachdem er manche frühere Gelegenheit hat verstreichen lassen, entschied sich klugerweise dafür, das Regime durch einen gezielten Schlag zu destabilisieren. Kalkuliertes Risiko, die Rechnung muß nicht aufgehen. Mit Moral hat es wenig bis nichts zu tun (mir ist bekannt, daß die USA vor Jahren auch mit diesem Quasi-General kollaborierten), dafür mit Überlebenswillen: dem Willen, die westliche Welt noch eine Weile am Leben zu erhalten – eine Intention, die man unter deutschen Politikern fast nicht mehr findet.
Poensgens Pointe, es ginge stattdessen um Trumps politisches Überleben, überbietet an Absurdität noch die Kommentare der Systempresse: Fast die Hälfte der republikanischen Senatoren müßte den eigenen Präsidenten stürzen wollen – aufgrund von Anschuldigungen, deren Hinfälligkeit selbst auf der Gegenseite eingesehen wird. „You can’t beat something with nothing“, und die Demokraten haben nichts, keinen glaubwürdigen Kandidaten und kein Programm; deshalb greifen sie nach einem halben Strohhalm namens Impeachment. Eine Woche kann in der Politik eine lange Zeit sein, aber sofern Trump keine unglaublichen politischen Fehler begeht und kein zweites Watergate ans Licht kommt, besteht an seiner Wiederwahl kein rationaler Zweifel. Das im Artikel angebotene Erklärungsmodell kommt dem, was andernorts V-Theorie geheißen wird, näher, als alles, was ich seit Langem auf Sezession rezipiert habe.

Seneca

5. Januar 2020 16:59

Zutreffende Beschreibung der deutschen Betrachtungsweise auf diese Thematik. Die deutschen Konservativen haben ein offensichtliches aber unnötig gestörtes Verhältnis zu Iran wie Klimawandel. Beides sind letztlich unhaltbare Positionen. Mit jedem Tag des Agierens der Amerikaner und Israelis wird für jedermann die Kriegstreiberei offensichtlicher. Es ist „history in the making“ und man bekommt als Deutscher, Japaner, Vietnamese & etc etc ein Gefühl wie es damals gewesen sein muss.

Der_Juergen

5. Januar 2020 17:02

Abgesehen von dem höchst irritierenden Hinweis auf die "Liquidierung Ben Ladens" - der Mann war wohl schon ein knappes Jahrzehnt lang tot, als ihn ein US-Stosstrupp angeblich liquidierte und seinen Leichnam anschliessend, statt ihn der Welt als Beweis zu präsentieren, "nach islamischem Brauch" (!!!) in Meer warf, - ist das ein hervorragender Artikel.

Bisher konnte man den hysterischen Trump-Kritikern aus dem linken und liberalen Lager entgegenschleudern: "Wie viele Kriege hat Trump eigentlich schon begonnen?" Damit konnte man ihnen den Mund stopfen. Nun wird dies bald nicht mehr gehen. Der Iran wird reagieren, und es wird den bisher grössten und gefährlichsten Krieg im Nahen Osten geben. Russland und China werden sich auf iranischer Seite engagieren müssen; alles andere wäre ein Eingeständnis, Papiertiger zu sein.

Selbstverständlich hat Trump diesen Wahnsinnsakt auf Betreiben seiner jüdischen Mentoren begangen. Vom Standpunkt amerikanischer Interessen aus gab es von Anfang an keinen Grund zu einer Konfrontation mit Teheran. Donald Trump gehört zu denen, die zwar berufen waren, ihrer Berufung aber nicht gerecht geworden sind.

deutscheridentitaerer

5. Januar 2020 17:19

@Elvis

Eine atomare Bewaffnung ist für den Iran eine Überlebensfrage. Israel wird auch weiterhin existieren können, so wie ja auch die viel stärker verfeindeten Atommächte Pakistan und Indien noch existieren.

Ob Trumps Schlag nun klug war oder nicht, sei mal dahingestellt. Jedenfalls war er verwerflich und feige. Ich kann dieses ganze Gerede von "in der Politik gibt es keine Moral" und "Staaten haben nur Interessen" nicht mehr hören. Natürlich gelten in der Politik ethische Regeln, genauso wie überall sonst.

Simplicius Teutsch

5. Januar 2020 17:43

@Johannes Poensgen: „Trump steht innenpolitisch mit dem Rücken zur Wand ...“

Auch wenn sie es in diesem Kreis eigentlich nicht mehr verdient hat, möchte ich doch aus einer vergangenen Sezessions-Ausgabe die linke Alt-Feministin Camille Paglia in Erinnerung bringen, wo sie den amerikanischen Mainstream-Medien, wie CNN, Times, Washington Post, etc. „schamlose Parteilichkeit“ gegenüber dem damals neugewählten Präsidenten Donald Trump vorgeworfen hat. Trump hatte von ihnen als neugewählter Präsident der USA nicht eine Minute lang Amts-Respekt zugestanden bekommen.

Habe mir seit 2016 immer wieder mal die CNN-TV-Nachrichten angeschaut. Dort haben die total und durchgängig stringenten Trump-Hasser(!) das Zepter in der Hand. Trump wird in der Berichterstattung nur schlecht gemacht, wird gejagt und gehetzt wie eine tollwütige Wildsau oder verhöhnt wie eine lächerliche Null. Es gibt nichts, was er richtig machen könnte, außer er würde unter Hohn und Spott aufgeben. Das aber macht Trump nicht. - Warum tut er sich das überhaupt an? Er, der Milliardär.

Im Gegenteil, Trump nimmt ohne Zittern und mit einer kalt beleidigenden Retourkutsche den täglich hingeworfenen Fehdehandschuh auf, verschärft und steigert, wo immer möglich, seinen hakenschlagenden Tempo-Spurt, nimmt schlau jede vorübergehende Deckung wahr. Und er hat Ausdauer, das muss man ihm lassen, zeigt sich völlig unbeeindruckt von der Treibjagd auf ihn, gesteht seinen Gegnern nicht mehr Respekt zu, als sie ihm, und wo immer die Gelegenheit sich bietet, keilt er verletzend zurück und sorgt für Durcheinander auf allen Seiten.

Schwer zu prognostizieren, was das Resultat der Donald Trump-Ära einmal sein wird.

Niekisch

5. Januar 2020 18:05

"inklusive einiger der bedeutendsten Kulturgüter des Landes."

Darin waren die pietitistisch- zionistisch-freimaurerischen Kreuzzügler schon immer Experten, vor allem gegen Deutschland in und nach dem Zweiten Weltkrieg. Dem Feind seine hervorstechendsten Erinnerungsstücke zu nehmen, ist entscheidender als manche Division.

Laurenz

5. Januar 2020 19:37

Seit langem ein schlechter Artikel Herrn Poensgens. Warum? Weil er schlicht falsch ist.

Seit über einem ganzen Jahrhundert ist die Politik des Westens, nach 1948 einschließlich die Israels, gegenüber dem Iran/Persien selten dämlich, sagen wir seit 1906, als die Britische Regierung beschloß, die Feuerung von Großkampfschiffen von Kohle auf Öl umzustellen. Wo ist das Öl, welches die Britische Regierung damals meinte? Genau, am Persischen Golf. Dieser Teil des Arabischen Meers und damit des Indischen Ozeans heißt nicht umsonst Persischer Golf.

Schon vorher war die Einflußnahme der Zaren mit der ewigen Sehnsucht nach einem Südmeer-Zugang unglücklich. Das wurde unter Stalin nicht besser, siehe der faschistische anglo-sowjetische Überfall 1941, https://de.wikipedia.org/wiki/Anglo-sowjetische_Invasion_des_Iran
von der Deutschen Geschichtsschreibung, wie üblich, ignoriert, weil dieses Ereignis unter vielen, den deutschen Schuld-Komplex-Mythos unterminiert.
Nach dem 2. Weltkrieg machten die Britischen und US Amerikanischen Regime-Changer den Weg frei, um den frei gewählten Ministerpräsidenten Mossadegh 1953 abzuservieren, weil dieser einen größeren Anteil an den Öl-Gewinnen der westlichen Konzerne für sein Land forderte https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Ajax.

Man installierte wieder die Schah-Diktatur, die 27 Jahre hielt und die iranische Bevölkerung zugunsten des Westens in Armut hielt. Die Iraner hatten so den Kanal vom Schah voll (drastisch durch Volker Pispers geschildert ab 03:15 https://youtu.be/ngqBAIUUCjc nicht immer ganz korrekt, aber im großen und ganzen stimmt es), daß man Mio. von Persern den Schah absetzten, auch gut in den Interviews und Büchern von und mit Peter Scholl-Latour zu erfahren. Das war 1979 vor über 40 Jahren. Die anti-israelische Haltung des Irans basiert einerseits auf dessen Politik im Libanon und andererseits wegen der Jahrzehnte andauernden Ermordung von iranischen Wissenschaftlern durch den Mossad, von denen man meinte, sie würden eine Gefährdung Israels darstellen. Aber selbst Holzköpfen ist klar, daß diese Morde die Mullah-Junta in Teheran eher stützten als schwächten. Auch der militärisch-industrielle Komplex in Israel spielte eine unrühmliche Rolle im irak-iranischen Krieg von 1980-88.
General Soleimani galt als der dritte Mann im Staat, das ist ungefähr so, als ermordete man Herrn Außenminister Maas, was wohl einen deutlich geringeren Verlust für die Menschheit bedeuten würde, als im Falle von General Soleimani.
Die Darstellung Herrn Poensgens im Artikel ist daher vollkommen irreal. Die ganze mediale Debatte, man hätte sich früher gescheut, Herrn General Soleimani zu ermorden, ist doch hinfällig. Man konnte es einfach nicht. Daher ist die Schuld eindeutig bei den iranischen Sicherheitsdiensten zu suchen, diese versagten.
Der Artikel hätte sich von daher lieber daran versuchen sollen, was dazu führte, daß sie versagten.
General Soleimani hatte mit der Perfektionierung des asymmetrischen Krieges den Westen in der Region deutlichst geschlagen und für die erfolgreiche russische Intervention in Syrien gesorgt. Der Westen sieht mit einem 10x so teurem Engagement in der Region in seiner militärischen Führung quasi geistig behindert aus. Selbst Israel hat/te dem nichts entgegenzusetzen. Das historisch niedrige IQ-Problem der US-Army, im Schnitt liegt der iQ dort bei 80, bis in die obersten Ränge zieht sich nur fort, so daß kein anderes Mittel zur Verfügung stand, als einen der hellsten Köpfe des Planeten zu eliminieren, was zu keiner Verbesserung der westlichen Position vor Ort führen dürfte.
Werter Herr Poensgen, so sehr ich sonst Ihre Artikel schätze, aber diesen würde ich an Ihrer Stelle tatsächlich löschen.
Auch Ihre These eines Krieges gegen den Iran ist vollkommen absurd. Der Iran ist heute ca. 5x so stark wie der Irak zu Zeiten Saddam Husseins, eine Invasion vollkommen illusorisch. Wenn sich einer tatsächlich für einen Krieg entschließen würde, so ist es der Iran für einen Krieg gegen Saudi-Arabien, und die iranischen Panzerspitzen wären in 4 oder 5 Tagen in Riad, und die Familie Saud würde schon am 1. Tag durch das Rote Meer schwimmen und die USA hätten wohl Schwierigkeiten ihre Besatzungstruppen dort zu evakuieren. Die Region wird strategisch durch die Raketen der Russische Korvetten im Kaspischen Meer bestimmt. Dagegen kommen auch 5 US Amerikanische Flugzeugträger nicht an. Das hat Präsident Putin 2015, zu Anfang der Russischen Intervention mit deren Einsatz in Syrien dem Westen deutlich gemacht. Seitdem sitzt der Westen auf verlorenem Posten. Das erste Mal seit 1906. Der Nahe Osten ist verloren und die Ermordung Herrn Soleimanis eine eher peinliche kleine Rache, welche die Position des Westens nur allzu deutlich macht. Präsident Trump hat damit, wenn überhaupt, den voraus zu sehenden Abzug aller westlichen Streitkräfte aus der Region nur verzögert, aufhalten kann er ihn nicht.

Franz Bettinger

5. Januar 2020 20:05

@Elvis Pressluft: Für Sie scheinen die Guten und die Bösen festzustehen. Sie unterstellen, der Iran würde die A-Bombe, hätte er sie, auch einsetzen. Dafür spricht nichts. Pakistan, Indien, Israel, Nord-Korea haben die Bombe und setzten sie bislang nicht ein. Obwohl es viel Konfliktstoff gibt. Jedem Staat und Schurkenstaat ist zurecht klar, dass der Einsatz der A-Bombe die Welt gegen ihn aufbringen würde und seine Auslöschung sicher wäre. Außer natürlich den USA. Denen ist das nicht klar.

Cugel

5. Januar 2020 20:11

@Elvis Pressluft
Es war nicht der Iran, der Syrien mit Krieg überzogen hat. Der Iran hat im Gegenteil Rußland bei der Stabilisierung Syriens unterstützt und so dazu beigetragen, daß die Flutwelle 2015 nicht noch größer geworden ist. Es ist auch nicht der Iran, der den Nahen Osten destabilisiert, und es waren nicht die Mullahs, die Adenauer Anfang der 60er gezwungen haben, Moslems als Gastarbeiter ins Land zu holen. Wer "Der Westen" sagt, will betrügen.

Cugel

5. Januar 2020 21:22

@Elvis Pressluft
Möglicherweise habe ich Sie falsch verstanden, und Sie wollten lediglich ausdrücken, daß Trumps Motivation darin bestehe, Israel vom Knopfdruck abzuhalten. Das erschiene auch mir plausibler als Poensgens innenpolitisch begründete These.

Ratwolf

5. Januar 2020 21:57

Hallo Herr Poensgen.
Vielen Dank für den Beitrag.

Ich halte die Ermordung von Soleimanis für keinen Geniestreich. Es sieht aus, wie eine hoffnungslose Kurzschlussreaktion aus den Mechaniken der US-Politik.

Die Schiiten müssen (jetzt) nicht reagieren, und die USA könnten trotzdem ihre "52 Ziele" bombardieren.

Die Darstellung von Trumps Situation vor den Wahlen mit den üblichen "Impeachment" um den Präsidenten gefügig zu machen, finde ich gut.

Es zeigt, dass die Macht eines US-Präsidenten sehr begrenzt ist, und dass dort andere Kräfte die Macht haben.

Die US-Politik in den Wüsten des Orients zeigt sich wiedermal als Desaster.

Man will irgendwie das Öl und die Kontrolle, aber auch nicht als Schurke dar stehen. Die Zuschauer sind aber nicht blöd.

Halbherzigkeit ist wie eine Unentschlossenheit und eine Unsicherheit. Die USA wirken von außen wie ein starker Riese, der unsicher dar steht und nicht weiß, wohin mit seiner Kraft.

Die Ursache dafür ist aber nicht Unsicherheit, sondern divergierende innere Machtzirkel, welche sich gegenseitig bekämpfen.

A. Kovacs

5. Januar 2020 22:40

Der Artikel irritiert. Ich kann mich noch gut erinnern: Kurz nach der Revolution Chomeinis kam es zur Besetzung der amerikanischen Botschaft und, infolgedessen, zum Debakel beim gewagten Versuch, das Botschaftspersonal zu befreien. Nun sollte auch Herrn Poensgen bekannt sein, dass man Botschaften nicht besetzt und das diplomatische Personal als Geisel nimmt. Die schlimmsten Regime haben sich an diese Regel gehalten, nicht aber die Islamische Republik. DAS WAR DIE ROTE LINIE, DIE NICHT HÄTTE ÜBERSCHRITTEN WERDEN DÜRFEN. Mir ist seit diesem Ereignis klar, dass der Iran irgendwann, irgendwie die Zeche wird bezahlen müssen, denn man erniedrigt eine Weltmacht nicht ungestraft. Die US-Amerikaner haben ein langes Gedächtnis, auch wenn die Kommentatoren hier nur Idioten in den US-Amerikanern sehen.

Solution

5. Januar 2020 22:51

@ Der_Juergen

Stimme Ihnen voll zu: Wie es scheint, macht Trump das, was die "Nichtkritisierbaren" von ihm wollen. Er ist zu stark mit ihnen verbunden und würde auch auf Dauer nicht gegen sie ankommen, wäre er gegen sie.

Kommt es zum Krieg mit dem Iran, wird dieser vernichtet oder stark geschwächt. Dazu reibt man sich jetzt schon in Israel und gewissen "konservativen" Kreisen die Hände. Militärisch hat er sowenig eine Chance, wie einst die Indianer.

Nemo Obligatur

5. Januar 2020 23:55

Na, da haben wohl einige Pulverdampf in der Nase. Immerhin kann man in dem vorliegenden Artikel zahlreiche Fakten lesen, die man anderswo nicht findet. Ich maße mir kein Urteil an. Aber mein Eindruck ist, dass der Mittlere Osten der Balkan unserer Zeit ist. Völlig unübersichtlich, da Gut und Böse nicht unterscheidbar sind. Wie sagte Bismarck über den Balkan? Nicht die Knochen eines einzigen pommerschen Grenadiers wert! Es geht heute in Sachen Mittelost immer nur um drei Dinge. Erstens Öl. Aber das Ölzeitalter geht zu Ende. Unser Öl kommt zudem nur zu einem geringen Teil aus dieser Region der Welt (das meiste Öl, das die Straße von Hormus passiert, geht nach Ostasien). Zweitens Israel. Hey, das ist die einzige Demokratie in der Region. Wir sollten sie auch dann unterstützen, wenn wir nicht aufgrund unserer Geschichte sowieso dazu moralisch verpflichtet wären. Sowieso kommen wir die nächsten 100 Jahre aus DER Pflicht nicht heraus. Drittens Terror. Nur zu wahr, was Herr Poensgen schreibt: Die meisten Terroristen sind Sunniten. Die Iraner sind gewiss keine Waisenknaben, aber bislang haben sie uns wenigstens mit Terror leidlich verschont (abgesehen von der Ermordung einiger Dissidenten, Stichwort "Mykonos"). Europa sollte einiges dafür tun, damit es so bleibt.

Es war wirklich keine gute Idee von Trump, den iranischen General liquidieren zu lassen. Aber der General war seinerseits kein Kind von Traurigkeit, und wer das Schwert nimmt, kommt durch das Schwert um. Ich denke, wir werden ein paar Vergeltungsschläge der Iraner sehen, die wiederum mit Gegenschlägen der USA beantwortet werden. Anschließend wird es ruhiger werden. Letztlich wird sich an der Eiszeit zwischen den USA und dem Iran nichts ändern. In ein paar Jahren wird man wieder am Verhandlungstisch sitzen. Der iranischen Führung steht das Wasser bis zum Hals. Zu hohes Bevölkerungswachstum bei zu schlechter Wirtschaftslage, neulich gab es heftige Unruhen. Aber das Land ist von außen nicht besiegbar. Und genauso, wie niemand einen nuklear aufgerüsteten Iran gebrauchen kann, kann niemand direkt neben dem Irak (und übrigens Afghanistan) noch ein instabiles Land am Golf gebrauchen. Hatte ich schon den Jemen erwähnt?

Ich hoffe nur, dass es nicht über den Umweg Syrien eine neue Flüchtlingswelle nach Europa gibt. Wie gesagt: Der Mittlere Osten, die Golfregion, das ist der der Balkan unserer Zeit und ein großes Durcheinander. Besser wäre ein breiter Graben mit einem hohen Zaun dahinter.

Waldgaenger aus Schwaben

5. Januar 2020 23:59

Was der von den USA ausgeschaltete General auf seiner "Reise" durch den Libanon und Syrien wohl alles so unternommen hat? Und wozu er einen Zwischenstop in Bagdad machte, obwohl ihm die eigene Gefährdung wohl bekannt war?

Wir gemeine Zeitungsleser blicken noch weniger als die Akteure des Geschehens durch den Nebel des Krieges.
Aber ganz so einseitig wir ihm Artikel dargestellt, wird es wohl nicht sein. Die USA haben keinen "Helden ermordet", sondern einen militärischen Führer eines Feindes eliminiert.

Was wir aber deutlicher erkennen können, sind die großen Linien. Das US-Imperium hat, wie schon andere Weltreiche vor ihm, seine Grenzen überdehnt. Innere Unruhen oder ein mächtiger Gegner können es ganz schnell zusammen brechen lassen. Der mächtige Gegner ist China.
Trump hat dies richtig erkannt. Seine erste aussenpolitische Amtshandlung war ein Telefonat mit dem Präsidenten in Taiwan.
In den letzten Jahren leitete er den Rückzug der USA aus dem Nahen Osten ein und machte den Europäern deutlich, dass sie sich um ihre Sicherheit selber kümmern müssen.

Freilich muss der Abzug im Nahen Osten mit entrollten Fahnen und klingendem Spiel erfolgen, um nicht zuviel Schwäche zu zeigen. Nachdem nun schon Syrien aufgegeben ist, kann die USA nicht auch noch den Irak und vielleicht auch noch den Libanon zu verlieren.

Wir werden in den nächsten Jahrzehnten einen neuen Kalten Krieg zwischen China und den USA sehen. Wenn in den USA linke Spinner von der Macht ferngehalten werden, wird die USA ihn gewinnen. Entscheidend wird letztlich die Demografie und Attraktivität als Einwanderungsland für Hochqualifizierte sein. In beiden Punkten liegt die USA weit vorne.

Der Traum mancher deutscher Rechter und fast aller Linker, dass Deutschland zusammen mit Rußland die Achse eines Blockes der Blockfreien bilden kann, wird ein solcher bleiben. Der Zug ist abgefahren. Große Staatsmänner vor 10 oder 15 Jahren in Deutschland und Rußland hätten es vielleicht erreichen können. Aber wir wählten Merkel.

Deutschland und Europa wird Schlachtfeld (in Form von Bürgerkriegen) des neuen Kalten Krieges sein und über Jahrzehnte im Elend versinken, oder als Junior-Partner an der Seite der USA halbwegs in Freiheit und Wohlstand leben können - so schaut es aus.

Noch eine Anmerkung zum impeachment-Verfahren: Die Republikaner werden es im Senat scheitern lassen. Fänden sich tatsächlich 20 republikanische Senatoren, die gegen Trump stimmen, wären die Republikaner als Partei tief gespalten. In den Vorwahlen könnte sich ein radikaler Trump-Anhänger durchsetzen, der verspricht den "Putschisten" den Prozess zu machen. Und dieser könnte dann auch die Wahl gewinnen. Ein guter Teil der Wähler in den USA ist unberechbar. Die Senatoren werden das nicht riskieren.

Zum möglichen Gegenschlag des Irans: Über eine symbolische Geste wird dieser nicht hinausgehen. Die USA haben ihre militärische Überlegenheit eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Sie können jeden Führer im Iran ausschalten. Ein preussischer General hat gesagt:
"Nur die Jugend trennt sich leicht vom Leben."
Das gilt auch für die Greise in Teheran.

Matamoros

6. Januar 2020 00:35

@ Der_Juergen @ Solution

Weitestgehende Zustimmung meinerseits, jedoch glaube ich nicht, dass Trump an sich das Problem ist. Das Problem sind Organisationen wie AIPAC, die weite Teile der republikanischen und auch demokratischen Partei auf der Zahlungsliste stehen haben, was letztenendes dazu führt, dass so ziemlich jeder US-Präsident die israelischen außenpolitischen Interessen stärker verfolgt als die eigenen amerikanischen. Trump war mit seinem "America First"-Kurs ein Hoffnungsschimmer und ist es in gewisser Weise immer noch, denn ich betrachte die Situation noch nicht zwangsweise als unumkehrbar. John Bolton, Trumps ehemaliger Sicherheitsberater und maßgeblicher Architekt des Irakkriegs musste im September zurücktreten, da er in "wesentlichen sicherheits- und außenpolitischen Fragen" nicht mit Trump übereinstimmte. Zur Information: Eben jener John Bolton war wie schon erwähnt scharf auf den Irakkrieg, war und ist ein großer Advokat des Staates Israel, wurde auch von der Times of Israel mit dem "Defend Israel"-Award ausgezeichnet und war demententsprechend auch ein heißer Befürworter eines Krieges mit dem Iran. Dass Trump so ein Kaliber entlässt, spricht meiner Ansicht nach eher dafür, dass er diesen Krieg um jeden Preis verhindern will, hoffen wir einfach, dass er reüssiert.

Was die Israel-Thematik angeht müssen sich bestimmte Kreise der europäischen und wohl insbesondere der deutschen Rechte meiner Meinung nach eindeutig hinterfragen. Ich erinnere nur an einen Gauland, der behauptete, dass man "bereit sein muss, für dieses Land zu sterben". Das sehe ich ganz anders, man spricht auch in AfD-Kreisen häufig davon, dass Israel unser Verbündeter im Nahen Osten ist. Nun, mir stellt sich die Frage, wozu wir überhaupt einen militärischen Verbündeten im Nahen Osten brauchen? Liegt der Nahe Osten denn überhaupt in unserem Interessengebiet? Ich denke nicht, denn diese Kriege dienen eigentlich nur einem Staat. Einem Staat, der sehr wohl in der Lage wäre sich selbst zu verteidigen, aber lieber seine "Verbündeten" dazuholt, um für ihn die Drecksarbeit zu erledigen. Alles, was im Nahen Osten für uns interessant ist, nämlich bestimmte Rohstoffe, sind auch ohne irgendwelche dämlichen Kriege zu erreichen, von daher muss von unserer Seite sofort jede Unterstützung für diese Kriege beendet werden, denn letztenendes sind es eben diese Kriege, die Situationen wie 2015 heraufbeschwören. Gerade in Anbetracht dessen sollte man sich zweimal überlegen, ob man als AfD, falls man denn wirklich irgendwann mal als Regierungspartei auftreten wird, Israel und den USA in jeder Situation nach der Pfeife tanzen will. Konkreter sollte man sich, ähnlich wie der RN in Frankreich, einen NATO-Austritt zum Ziel setzen, um zumindest in der Hinsicht unabhängiger zu werden. Das Argument, dass Israel gegen den Islam kämpft, wiegt meiner Meinung nach auch nicht besonders viel, das können sie meinetwegen gerne tun, aber wenn am Ende dabei rauskommt, dass wir den Preis dafür zahlen müssen inform von Flüchtlingskrisen und sonst was, sollten wir darauf verzichten.

Generell sollte uns das geschehen im Nahen Osten nicht großartig kümmern, viel interessanter wäre eine potenzielle Bedrohung durch den Sultan Erdogan, der zumindest den Anschein erweckt, dass er das Osmanische Reich wieder aufbauen will, das wäre für uns aber auch nur insofern interessant, wenn sich diese Expansionsbestrebungen Richtung Europa ausdehnen.

Simplicius Teutsch

6. Januar 2020 01:02

@Kovacs: „ ... auch wenn die Kommentatoren hier nur Idioten in den US-Amerikanern sehen.“

Was soll der Affront? Was soll diese pauschale, unreflektierte Unterstellung, die auf eine rotznasige, dümmliche Provokation der hier Kommentierenden hinausläuft? - Das muss Ihnen doch klar sein.

Ohne Hysterie ist mein eigener Befund zur Lage und zum Zustand des „guten Volkes“ (wie Joachim Fernau die US-Amerikaner gerne bezeichnet hat): Die bisher teils groteske Trump-Ära, wie sie von der militärischen Weltmacht Amerika seit mehr als drei Jahren vor der Welt dargeboten wird, ist mit der Liquidierung von General Kassem Soleimanis möglicherweise auf einen „Kipping-Point“ getrieben worden, hinter dem der schwarze Abgrund gähnt und die Reiter der Apokalypse gerade die Pferde satteln.

@Poensgen vermutet wohl durchaus zutreffend: „Jetzt gelten andere Regeln.“

Laurenz

6. Januar 2020 02:08

@A. Kovacs ... nochmals für die Uneinsichtigen, die zwar schreiben, aber nicht lesen können. https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Ajax

Lotta Vorbeck

6. Januar 2020 02:51

@A. Kovacs - 5. Januar 2020 - 10:40 PM

"Der Artikel irritiert. Ich kann mich noch gut erinnern: Kurz nach der Revolution Chomeinis kam es zur Besetzung der amerikanischen Botschaft ..."

~~~~~~~~~~~~~

... und heimlich feilschten sowohl Demokraten, als auch Republikaner mit den "Mullahs" um Lösegeldzahlungen für die Freilassung der Botschaftsgeiseln.

Als die Geiseln in der Endphase der (ersten) Amtszeit des "Erdnußfarmers" James Earl Carter freikommen sollten, erhöhten die Republikaner just die Lösegeldsumme und baten in Teheran zugleich um Aufschub der Freilassung.

Exakt einen Tag nach seiner Einführung ins Präsidentenamt konnte Carters Nachfolger Ronald Wilson Reagan die Freilassung der Botschaftsgeiseln verkünden.

Andreas Walter

6. Januar 2020 05:09

"inklusive einiger der bedeutendsten Kulturgüter des Landes."

Ja, das hat auch mich in den Nachrichten irritiert. Das hat mit Kampf gegen den Terror aber auch mit Krieg im Zeitalter der Präzisionsbomben nichts mehr zu tun.

An Stelle von Trump würde ich darum sein Hotel in Panama jetzt doppelt und dreifach absichern.

Ach nee, das in Panama hat er schon verkauft:

https://www.travel4news.at/132721/panama-city-marriott-uebernimmt-ehemaliges-trump-hotel/

Bleiben aber noch genug andere Ziele, von denen man sich in Zukunft lieber fern halten sollte:

https://en.wikipedia.org/wiki/The_Trump_Organization

deutscheridentitaerer

6. Januar 2020 08:33

@ A. Kovacs

Der Botschaftserstürmung gingen Jahrzehnte der Demütigung und Missachtung persischer Souveränität durch die Angelsachsen zuvor.

Hartwig aus LG8

6. Januar 2020 08:59

Im Laufe des Jahres 2017 wurde schnell klar, dass Trump nicht an seinen Worten und auch nicht an seinen Taten zu messen ist, sondern einzig an dem, was er bewirkt. Sein erklärtes Ziel war und ist der Rückzug aus Middle East.
Was ist bislang geschehen? Die USA sind quasi aus Syrien raus und haben das Feld den Russen überlassen. Ein enorm schwerwiegender Fakt.
Im Laufe des Jahres 2019 wurde die Absicht konkret, die Truppen in Afganistan deutlich zu reduzieren. Es heisst, dass bislang über 2000 Mann abgezogen wurden. Tendenz anhaltend.
Und jetzt fordert das irakische Parlament den Rückzug der USA aus dem Irak.
Natürlich wird Trump poltern, drohen etc.. Selbstverständlich kann er dieses Land, was zwischen Israel und Iran liegt, nicht so ohne weiteres verlassen. Aber ein "Ami go home" aus Bagdad ist eben kein "ohne weiteres". Am Ende könnte für alle gesichtswahrend ein trump'scher "Deal" stehen, bei dem das Gros der Truppen abgezogen werden kann.
Und der Iran?? Es wird wohl in Bälde die eine oder andere Rauchsäule im persischen Golf aufsteigen. Aber die akute Gefahr eines großen Krieges sehe ich nicht. Die Perser nehmen den tendeziellen Rückzug der USA aus der Region wahr. Falls sie Regionalmachtsansprüche haben und klug genug sind, so arbeitet die Zeit für sie.

Der_Juergen

6. Januar 2020 09:09

Vorzügliche Analyse des ehemaligen US-Diplomaten Philip Geraldi:

https://ahtribune.com/world/north-africa-south-west-asia/iran/3782-end-of-america-imperial-ambitions.html

Maiordomus

6. Januar 2020 09:09

Von diesem Biertisch-Geschwafel oben, das teilweise bis zu verschwörungstheoretischen Wahnvorstellungen ausartet einschliesslich plumpem antisemitischem "Die Juden stecken hinter allem" ist schon deshalb nichts zu halten, weil man zu diesem Zeitpunkt des Geschehens ja über kein recherchiertes Hintergrundwissen verfügt. Eines der wenigen belastbaren, für den Zeithistoriker der Registration fähigen Statements ist dasjenige des republikanischen Leaders und früheren Präsidenten der Ethik-Kommission (also Chefideologe) des US-Parlaments Mitch McConnell. Dieser gehört im Gegensatz zu Donald Trump (der sich übrigens in letzter Zeit mit Mormonen und weiteren amerikanischen Fundis umgab) zum traditionellen konservativen Lager der US-Republianer, so wie man dieses Lager bis zu Barry Goldwater und George Santayana zurückverfolgen kann. (Hillary Clinton war 1964 noch ein "Goldwater"-Girl.) Mit Mitch McConnell muss man nicht einverstanden sein, aber er ist nun mal ein strategisches Schwergewicht.

Dieses Lager war und ist israelfreundlich, ursprünglich radikal antikommunistisch und grundsätzlich anti-liberal, bis hin zur Kritik an der Politik der Eleanor Rossevelt, Kennedy und Johnson, wenn man mich versteht, was damit gemeint ist. Im Rahmen der Republicans gehören diese Leute indes traditionell leider zur "Kriegspartei", was in der Tat bedeutete, dass der reine Pragmatiker und Opportunist Trump nie ihr Mann war, vgl. McCain, der Trump nicht mal an seiner Abdankung gewünscht hat. Am Tage liegt, dass die Demokraten mit ihrer wahnwitzigen Putschpolitik gegen den Präsidenten denselben zur Geisel dieser Kriegspartei gemacht haben. Diese Richtung kann aber weder mit den Juden noch mit den Linken noch mit dem linksliberalen Weltlager der politisch Korrekten, Genderisten und Umvolker gleichgesetzt werden. Natürlich gibt es, in Israel, Amerika und auch Deutschland solche aus dem jüdischen Lager, die ähnlich denken, so wie schon Goldwater jüdischstämmig war, auch natürlich der in der Tat immer wieder übers Ziel hinausschiessende Kalte Krieger William S. Schlamm. In Deutschland gehört Henrik M. Broder in dieses Lager, in der Schweiz Ellen Ringier, publizistisch unterstützt vom am stärksten islamkritischen Publizisten des deutschsprachigen politischen Spektrums, Frank A. Meyer. Dessen Kommentar zum Geschehen im Neuesten Sonntagsblick scheint mir denkwürdig, wiewohl ich für ihn fürchte, dass seine Einschätzung falsch ist.

Nicht das Kommentariat, welches von mir nicht geschulmeistert zu werden braucht, wohl aber die Redaktion von SiN möchte ich bitten, anstelle von panikartigen Äusserungen (vorläufig im Kommentariat platziert) zunächst mal das Geschehen abzuwarten. Trump hätte es meines Erachtens immer noch in der Hand, es nicht zum Äussersten kommen zu lassen. Aber es scheint mir schon klar, dass die Impeachment-Situation ihn gezwungen hat, zumindest bis auf weiteres wieder zur republikanischen Orthodoxie zurückzukehren.

qvc1753

6. Januar 2020 09:22

Die Aktion Donald Trumps steht, erstaunlicherweise, in der Tradition der republikanischen Falken im Präsidentenamt.
Dies ist insofern erstaunlich, da Trump damit Wahlkamof gemacht hat, das er die USA aus den Kriegen im Mittleren osten herausziehen wollte.

Die Liquidierung des iranischen Generals ist letztendlich die Konsequenz der fehlenden Strategie der USA und des strategischen Dilemmas in das sich Trump begeben hat.

Sich aus dem Mittleren Osten zurück zu ziehen, das öffnet den Raum für die Konkurrenten der USA und schwächt de facto seine Verbündeten. Saudi Arabien, Israel und der Irak benötigen in unterschiedlicher Weise die Unterstützung der USA. Man kann aber nicht beides haben: Rückzug aus einer Position und seine Verbündeten stützen.
Der Iran wiederum hat das eindeutige Ziel seine schiitische Revolution zu exportieren und die regionale Vorherrschaft im Golf zu übernehmen. Den Hauptkonkurrenten haben die USA ja bereits ausgeschaltet - den Irak.

Daher auch - nach meiner Ansicht - der Schlag gegen den Iran.

Aus Art und Vorgeschichte dieser Aktion kan man ein gewisses erratisches verhalten ablesen, denn in eine kluge Strategie oder überhaupt eine konzise Strategie ist er nicht eingebettet.
Der Iran hat im ersten Golfkrieg bewiesen, dass Angriffe von außen Nation und Revolutionsführung zusammen zu schweißen.

Was also die Tötung des Generals nun hätte erreichen sollen, das bleibt Trumps Geheimnis.
Die Auflösungserscheinungen des Regimes, das die innere Ordnung durch hunderte von Toten in den letzten Monaten erzwungen hat, die werden nun abrupt aufhören. Zu einladend ist es den äußeren Feind zu beschwören. Und die Iraner werden sich um ihre Führung versammeln.

Trump ist im Besonderen an die Macht gekommen weil er das Establishment bekämpfen wollte. Diese Mischung aus Experten, Think Tanks, langjährigen Politikern und ihren Netzwerken, Lobbyisten und Diplomaten. All dies fiel unter "drain the swamp" (gerne auch als "tiefer Staat" tituliert).
Trump ist da nur ein Aspekt der Tendenz "Das Establishment" und "Die Experten" verächtlich zu machen.
("Fuck experts" war auch beim Brexit ein oftmals geäußerter Gedanke).

Das im State Department auch der eine oder andere sitzt, der die Verhältnisse vor Ort kennt und dem Präsidenten erläutern kennt, das nutzt Trump explizit und willentlich nicht.

Seinen Wählern versprochene Politik war es die USA aus allen als unnütz und schädlich angesehenen außenpolitischen Verpflichtungen und Kriegen heraus zu ziehen.
Damit öffnet Trump aber anderen Mächten Räume und Machtpositionen.
Und dann ist wieder eine Aktion notwendig, die diesen Eindruck konterkariert.

In dieses Muster fällt m.E. auch die Tötung des iranischen Generals.
Trump wird aber nun sich der Konsequenz stellen müssen, das der Iran darauf antworten muss, da sein Regime nicht einen solchen Gesichtsverlust hinnehmen will.

Ab hier kann es nur spekulativ werden aber friedvoller wird es dadurch am Golf nicht werden.
Das Trump die bessere Außenpolitik fährt, dieser Beweis steht jedenfalls nich aus.

A. Kovacs

6. Januar 2020 09:38

@Laurenz, Lotta Vorbeck, deutscherIdentitaerer
Ihre Kommentare treffen nicht den Punkt meiner Einlassung. Der Sturz einer Regierung, Feilschen um Lösegeld, vorhergehende Erniedrigung (wahrscheinlich meinen Sie das Vasallenregime des Schah) – alles richtig. Aber selbst unter Kriegsbedingungen ist eine Botschaft gewöhnlich sakrosankt. Mit der Botschaftserstürmung hat sich das Mullahregime aus der Reihe der zivilisierten Staaten katapultiert, da es selbst diesen allerletzten Rettungsanker staatlichen Miteinanders gekappt hat.
@Simplicius Teutsch
Ich gebe zu, dass ich zu stark formuliert habe, aber urteilen Sie selbst: Ihre Reaktion zeigt mir, dass ich nicht ganz falsch lag. Übrigens mache ich mir bzgl. der US-Amerikaner keine Illusionen.

Lotta Vorbeck

6. Januar 2020 11:04

@Matamoros - 6. Januar 2020 - 00:35 AM

"... Was die Israel-Thematik angeht müssen sich bestimmte Kreise der europäischen und wohl insbesondere der deutschen Rechte meiner Meinung nach eindeutig hinterfragen. Ich erinnere nur an einen Gauland, der behauptete, dass man "bereit sein muss, für dieses Land zu sterben". Das sehe ich ganz anders ..."

___________________________________

+++ "... Wir hoffen, dass die Region bald zur Ruhe kommt und dass die Provokationen von Seiten der derzeitigen iranischen Regierung ein Ende nehmen."

Alexander Gauland, 05.01.2020

Quelle: https://www.presseportal.de/pm/130241/4483803

~~~ ~~~ ~~~

+++ "Der "A.f.D."-Vorsitzende Alexander Gauland hat die Entsendung von Bundeswehr-Marinestreitkräften in den Persischen Golf als "sehr vernünftig" bezeichnet. Damit folgt Gauland der von der U.S.-Regierung erhobenen Forderung nach einer "globalen Koalition" gegen den Iran, der sich vor kurzem der mutmaßlich noch ein paar Stunden amtierende britische Außenminister Jeremy Hunt anschloss, nachdem die iranische Regierung durch die Kaperung eines britischen Tankers eine entsprechende Schützenhilfe geleistet hatte. ..."

Quelle: https://www.radio-utopie.de/2019/07/24/deutschland-in-den-iran-krieg-gauland-kriecht-voran/ - 24.07.2019

Maiordomus

6. Januar 2020 11:04

Die US-Präsidentenwitwe, deren Besuch im Moskauer Butyrka-Gefängnis von Alexander Solschenizyn im "Ersten Kreis der Hölle" sarkastisch-satirisch als Beispiel politisch-naiven Gutmenschentums dargestellt wurde, heisst natürlich Eleanor R o o s e v e l t. Sie ist die Stammmutter dessen, was man heute "american liberalism" nennt, also die linksprogressive Multi-Kulti-Weltanschauung, u.a. radkal kritisiert von James Burnham, dies notabene schon vor 60 Jahren. Ursprünglich segelten, z.B. die Rockefellers, auch die Republikaner auf dieser Linie, bis es dann im Gefolge von Goldwater - Reagan usw. zu einem konservativen Backlash mit Rechtsverschiebung der Republikaner kam. Ein Verfallsprodukt dieser Linie waren die Administrationen Bush. Wie schon mal ausgeführt, wird in einem neuen Standardwerk über die Geschichte des Konservatismus in den USA, dessen Klassiker der politische Denker Russell Kirk war, der Name Trump nicht genannt, weil dieser Immobilienmogul nie als politischer Denker durchgehen konnte. Dies wurde auf dieser Seite übrigens bereits aus Anlass seiner 1. Wahl einhellig festgestellt. Der Befund behält auch künftig seine Gültigkeit, wobei qVC1753 im ersten Abschnitt seines Postings im Prinzip dasselbe festhält, was ich einen Abschnitt früher ebenfalls ausgeführt habe. In diesem Sinn erhebe ich als historisch fundierender Kritiker rein schematischen und allenfalls verschwörungstheoretischen Denkens keineswegs den Anspruch, die Mitforisten pauschal des Biertisch-Gewäschs zu bezichtigen.

Zu meinen langjährigen Gewährspersonen betreffend den Iran gehörte bis zu seinem Hinschied der Schweizer konvertierte schiitische Muslim Ahmed Huber, auch noch ein guter Bekannter von Altnazi Leers, Obama bin Ladin und Saddam Hussein. Sein Verstummen bedeutete und bedeutet das Versiegen einer wertvollen Quelle, waren doch seine Aussagen in der Regel von hohem Realismus in der konkreten Beschreibung, nicht zu verwechseln mit seinen jeweiligen Einschätzungen; so hielt er den Ayatolla Ruholla Chomeini selbstverständlich für theologisch bedeutender und kompetenter als den zum Beispiel für mich bewundernswerten Abu Ali al Hosein ben Abdallah ibn Sina, als Avicenna in die abendländische Philosophie- und Medizingeschichte eingegangen. Zu den für diesen Raum gutinformierten Leuten zähle ich noch den israelkritischen Rechtshistoriker Sami Aldeeb (Lausanne), notabene einen Befürworter des Schweizer Minarettverbotes. Desgleichen wichtig würden derzeit die Gewährspersonen vor Ort aus der Organisation "Christian Solidarity International", deren Nachrichten jedoch noch abgewartet werden müssen. Bloss aus dem Bauch heraus sollte man sich ansonsten über das Geschehen im Iran und im Irak nicht äussern.

Andreas Walter

6. Januar 2020 11:13

Noch hundert Jahre, dann ist auch dort (relative) Ruhe. Wenn nicht gerade Unmengen an Thorium oder Uran dort entdeckt werden, so wie in der Türkei. Der Islam auch dort und seine Eigenheiten sind dem Westen wie Osten nämlich egal, es geht auch dort nur um die Energie der nächsten paar Jahrzehnte, die dort schlummert:

https://www.visualcapitalist.com/map-countries-most-oil-reserves/

Billige Energie vor allem muss es aber sein, die leicht zu fördern oder zu extrahieren, zu konzentrieren ist. Keine Ölsande wie in Kanada oder das Schweröl wie im Osten von Venezuela, sondern das Gute, möglichst schwefelarme will man haben. Iran (und Qatar) hat aber auch viel Gas, ebenso wie Russland, und beides ist auch billiger als das Fracking-Gas aus den VSA.

https://asia.nikkei.com/Spotlight/Asia-Insight/US-China-trade-war-weaponizes-liquefied-natural-gas

https://www.merkur.de/politik/usa-drehen-gashahn-auf-12872198.html

Die Preise für Gas sind derzeit einfach zu niedrig, um die höheren Produktionskosten der Förderung von Fracking-Gas auch in den VSA rentabel zu machen. Auch deswegen will man, braucht man den Krieg im Nahen Osten. Wobei Öl sogar schon angezogen hat, auf 70, doch das verdammte Gas ist immer noch zu billig.

Maiordomus

6. Januar 2020 11:27

PS. O s a m a bin Ladin, wohl nicht schon seit 2001 ein toter Mann.

Imagine

6. Januar 2020 12:58

@Waldgaenger aus Schwaben 5. Januar 2020 23:59
„Was wir aber deutlicher erkennen können, sind die großen Linien. Das US-Imperium hat, wie schon andere Weltreiche vor ihm, seine Grenzen überdehnt. Innere Unruhen oder ein mächtiger Gegner können es ganz schnell zusammen brechen lassen. Der mächtige Gegner ist China. […]
Wir werden in den nächsten Jahrzehnten einen neuen Kalten Krieg zwischen China und den USA sehen. Wenn in den USA linke Spinner von der Macht ferngehalten werden, wird die USA ihn gewinnen. Entscheidend wird letztlich die Demografie und Attraktivität als Einwanderungsland für Hochqualifizierte sein. In beiden Punkten liegt die USA weit vorne.“

Zu den „großen Linien“. Genau diese gilt es zu betrachten!

Was machte die Überlegenheit des Westens in der Vergangenheit aus?

Im Grunde eine Trias: Individuelle Freiheit und allgemeiner wachsender Wohlstand auf Basis des wissenschaftlich-technischen Fortschritts.

Im Westen konnte man besser und freier leben. Das begründete die Systemloyalität der arbeitenden Massen wie auch des kleinbürgerlichen Mittelstands sowie des Gros der Intelligenzschichten.

Aber der wachsende allgemeine Wohlstand ist Vergangenheit. Die arbeitenden Massen verarmen, der Mittelstand schrumpft und immer mehr mittelständische Existenzen gehen kaputt oder kämpfen ums Überleben.

Auch mit den individuellen Freiheiten geht es abwärts zumal individuelle Freiheit an die Verfügung über Geldvermögen verbunden ist. Armut ist Unfreiheit.

Der wissenschaftlich-technisch Fortschritt führt zum Ersatz menschlicher Arbeit durch Maschinen und in Folge dessen zu zunehmender Massenarbeitslosigkeit, Reallohnverlust und steigender Prekarisierung.

Der wachsende Wohlstand der arbeitenden Massen, endete, als der Kapitalismus ab Mitte der 60-er Jahre gesättigte Markte vorfand und ins Stadium des „Überflusskapitalismus“ kam. Da kollabierte das Bretton-Woods-System und es wurden die „Grenzen des Wachstums“ (siehe: „Club of Rome“) propagiert.

Schon damals wurde der sinkende Wohlstand – „Gürtel enger schnallen“ – mit der ökologischen Weltrettung begründet.

Gewinner in diesem System sind nach wie vor die Reichen und insbesondere die Superreichen. Die werden immer reicher, während es bei den 90% des Volkes seit einem halben Jahrhundert immer mehr abwärts geht.

Wie sieht es heute mit den Zukunftsaussichten der nachfolgenden Generationen hinsichtlich allgemeinen und wachsenden Wohlstands sowie individueller Freiheit aus?

Wo findet wissenschaftlich-technischer Fortschritt statt, der das Leben der Menschen verbessert durch wachsenden Wohlstand, sinkende Arbeitszeit und –belastung sowie Zunahme der sozialen Sicherheit und Gerechtigkeit?

Welches System eröffnet den nachwachsenden Generationen Chancen auf eine bessere Zukunft als jene der eigenen Eltern und Vorfahren?

Wenn man die „großen Linien“ rational und nüchtern betrachten will, muss man sich diesen Fragen stellen:
Welches ist das zukunftsträchtigere Gesellschaftssystem? Welches befindet sich im Aufstieg, welches im Niedergang?

Was die mediale Propaganda betrifft, so ist die Situation heute nicht anders als im III. Reich als man bis zur totalen Niederlage und der bedingungslosen Kapitulation den Endsieg mit Wunderwaffen versprach. Oder wie in der DDR, wo man bis zu deren Zusammenbruch die Überlegenheit und den Sieg des Sozialismus behauptete.

Wie schnell wurden nach Kriegsende die Feinde und Besatzer zu „unseren Freunden“ und „Befreiern“ gemacht?

Wie schnell wurden ehemalige linke 68-er-Systemgegner zu Systemapologeten, die ein hohes Lied auf die Marktwirtschaft sangen und den Sozialismus verteufelten?!
Heute betet ein Ex-KBW-Kommunist wie Kretschmann für Merkel.

Und wie schnell wurden ehemalige pro-stalinistische DDR-Karrieristen zu pro-atlantischen Parteigängern?! Und die SED-Nachfolgepartei zu einer neoliberalen?!

Die meisten Menschen handeln pragmatisch und opportunistisch. Sie wählen – häufig kurzsichtig - das, wo sie glauben, dass es ihnen die meisten Vorteile bringt. Heute dies – und morgen vielleicht das Gegenteil.

Der_Juergen

6. Januar 2020 13:46

@Maiordomus

1) Albert ("Ahmad") Huber war als Schüler von Amin Al-Husseini, dem Mufti von Jerusalem, Sunnit und nicht Schiit.

2) Bei meiner Vermutung, dass Osama Bin Laden seit Ende 2001 tot ist, stützte ich mich auf eine solide Quelle, die russische Nachrichtensendung "Post Scriptum" mit Alexei Puschkow. Diese ist streng kremlorientiert und würde keine wichtigen Informationen bringen, die nicht von der Putin-Regierung sanktioniert werden. Puschkow zufolge starb Bin Laden Ende 2001 an seinem Nierenleiden. Die lächerliche Farce um seine angebliche Liquidierung wurde nach Strich und Faden zerzaust. Puschkows "Post Scriptum" hat auch die offizielle Version der Ereignisse vom 11. September 2001 mehrfach als völlig unglaubwürdig bezeichnet und in insgesamt drei Sendungen auch zur "Mondlandung" von 1969 Stellung bezogen. In der ersten wurde sie als "zweifelhaft", in der zweiten als "sehr zweifelhaft" und in der dritten als "erfunden, weil technisch radikal unmöglich" bezeichnet.

3) Welcher US-Amerikaner, der die Interessen seines Landes vertritt, ist eigentlich an einer Konfrontation mit dem Iran interessiert? Keiner. Darauf erpicht sind ausschliesslich Leute, denen israelische Belange wichtiger sind als amerikanische, also die jüdischen Zionisten sowie deren nützliche Idioten, die "christlichen Zionisten" um Pastor Charles Hagee (Hagee 2007 vor AIPAC: "Wir schreiben das Jahr 1938. Der Iran ist Deutschland, und Ahmadinejad ist Hitler"). Für Trumps Wahnsinnsakt ist kein anderer Grund ersichtlich als der Wunsch, die jüdische Lobby durch einen Schlag gegen deren Erzfeind zu beschwichtigen und dann dank ihrer Hilfe die Wahlen zu gewinnen (was nicht leicht ist, wenn man praktisch alle Medien gegen sich hat, und wer die kontrolliert, wissen Sie sehr genau). Was bringt es denn, offenkundige Tatsachen in Abrede zu stellen? Das ist eines so intelligenten und gebildeten Mannes wie Sie es sind doch unwürdig.

Laurenz

6. Januar 2020 13:46

@A. Kovacs .... ausnahmsweise schreibe ich mal einen Kommentar zu Ihren Gunsten auf englisch, in der Hoffnung, daß er in der Redaktion durchgeht.
"Why there is no terrorism in the US?"

"There is no US Embassy......"

Maiordomus

6. Januar 2020 15:27

@Mein letztes Telefonat mit Huber liegt schon über 12 Jahre zurück, und ich habe leider nur 1989 im Gespräch mit ihm (für eine Publikation) Protokoll geführt. Wegen seiner bedingungslos unkritischen Begeisterung für den genialen "Imam Chomeini", wie er ihn stets nannte, hielt ich ihn (fälschlicherweise) als Schiiten in Erinnerung, wiewohl mir bekannt war bzw. in Erinnerung hätte bleiben müssen, dass Huber, als Bekannter von "Professor Dr. Johann von Leers", der sich als vormaliger nationalsozialistischer Christentums-Hasser (Bormann- oder Rosenberg-Anhänger?) durch seine Bekehrung zum Islam für den Rest seines Lebens vor Verfolgung schützte, seinerzeit ebenfalls in Ägypten in eine islamische Religionsgemeinschaft aufgenommen worden war. Wobei ich auch hier mich nicht (mehr) erinnern kann, ob gemäss Hubers Erzählungen die Konversion gleichzeitig oder vielleicht doch noch nach Leers erfolgt sei, und wann und wie genau er diesen Mann kennengelernt habe. Die Konversion zum Islam war jedenfalls Huber eigene, ehrliche Überzeugung. Dessenungeachet erkannte Huber früh, bestimmt schon um 1960, die Schnittmenge der radikalen Islamisten mit Nationalsozialisten, blieb jedoch für schweizerisch-innenpolitische Verhältnisse Sozialdemokrat, allerdings, was ich genau von ihm weiss, nichtsdestoweniger Befürworter sämtlicher der in der Schweiz gestarteten Überfremdungsinitiativen, was zum Beispiel für den Berner Kommunisten und "Vorwärts"-Mitarbeiter, zugleich SP-Mitglied mit Huber, F.K.,für die Schwarzenbachinitiative ebenfalls galt: einen geistvollen gesprächigen esoterischen etwas versponnenen Linken, der Albanien für das Neue Jerusalem und Kuba für das Paradies auf Erden hielt Dafür hatte freilich Huber, der meistenteils und zumal aus religiösen Gründen Antikommunist blieb, nichts übrig. Die politischen Originale sterben nicht leicht aus, und was sich Intellektuelle dieser Sorte mal in den Kopf gesetzt haben, verschwindet bis zu ihrem Tode kaum mehr aus demselben. Es gab und gibt für mich bis anhin nie einen Grund, solche Leute als politische Kriminelle einzuschätzen, da kommen mir verantwortungsunfähige Amtsträger in der Tat verdächtiger vor. Gilt zumal für Leute, die im Auftrag von Geheimdiensten usw. Gerüchte verbreiten, nicht bloss bin Ladin betreffend.

@[email protected] Ihre wirklich logische Korrektur betreffend den Sunniten Huber nehme ich nun aber gern entgegen. Vom grösseren Rest Ihrer Ausführungen bin ich ungefähr so überzeugt wie von der angeblichen Fälschung der Himmler-Rede von Posen, die wohl nur ein Menschenkenner wie Shakespeare so hätte "nacherfinden" können. Sie dürfen sich nicht wundern, dass Sie als Referent mit solchem "Zeugs" eigentlich fast nirgends in Frage kommen, was meines Erachtens aber leider nicht einem Heldentum als Märtyrer der Wahrheit geschuldet zu sein scheint. Es gehört nun aber derzeit nicht zu meinen Prioritäten, Ihretwegen in Sachen Osama bin Ladin bei gewiss vorhandenen DNA-Proben usw. nachzurecherchieren.

Ab Herbst 2001 habe ich immer noch Telefonate mit Huber geführt, mich aber lieber mit ihm über islamische Mystik als über Politisches unterhalten. Man musste davon ausgehen, dass jedes Telefonat abgehört wurde, weswegen Vorsicht angebracht war. Von einem Ableben seines früheren Bekannten Osama bin Ladin habe ich über den Gewährsmann nie eine Andeutung oder Vermutung erfahren, andernfalls würde ich mich daran erinnern. Sicher weiss ich aber, dass Huber sich über die Attentate von 2001 ehrlich gefreut hat und damals keineswegs der Meinung war, wie zum Beispiel ehemalige Schweizer POCH-Leute, der Mossad oder gar der CIA stecke dahinter. Noch beeindruckend scheint mir, dass und wie A.H. bei jeder Erwähnung "vom heiligen Propheten" oder dem "heiligen Propheten Muhammad" sprach und den Hieligen Koran mir gegenüber mehr als einmal arabisch-deutsch rezitierte. Ahmed Huber hätte das Zeug zu einer Romanfigur. Wirklich zu durchschauen vermochte ich den leutseligen Mann nicht. Aber jedesmal war etwas zu erfahren, was zumindest dem Quellenwert von 1001 Nacht (nicht zu unterschätzen) entsprach, diesen oft sogar noch deutlich übertraf, z.B. die Schilderung des Heldenfriedhofs in Teheran, in dem vermutlich jetzt auch der "Märtyrer" Qasem Soleimani seine letzte Ruhe findet. Womit wir endlich wieder beim Thema von Poensgen wären. Damit sind aber meine Beiträge für SiN bei auf weiteres hoffentlich wieder mal abgeschlossen.

Maiordomus

6. Januar 2020 16:51

@Poensgen. Soleimani wurde oder wird doch nicht, wie ich glaubte erwarten zu dürfen, auf dem Teheraner Heldenfriedhof mit dem rot spritzenden Blutbrunnen beigesetzt, sondern gemäss einer von mir zwar nicht überprüften Meldung in seiner Heimatstadt Kerman. Näher weiss ich es nicht, obwohl er nach muslimischen Brauch längst beigesetzt sein müsste. Zum andern: Für eine Verschwörungstheorie genügen 10 Mausklicks. Für wirkliches Wissen abseits offizieller Versionen, die so genau natürlich nie stimmen, braucht es, wenn schon, ein paar Jahre ausschliessliche persönliche Recherche mit Kontakt vor Ort und mit den wichtigsten Experten und Gegenexperten sowie der eidesstattliche Erklärung, dass man keinen anwaltschaftlichen Journalismus betreiben will. Natürlich kann man das nur ausnahmsweise leisten; kurz nach dem Geschehen aber, wie es jetzt der Fall ist, solllte man es nicht so eilig haben wie offizielle Kommentatoren, die ihre Versionen eh noch korrigieren müssen. Lieber ruhig mal abwarten, was geschieht. Gemäss Ernst Jünger, "Die Eberjagd", gibt es noch einen gewaltigen Einfluss auf die Berichte und deren Einschätzung, wenn man die Situation "hinterher" kennengelernt hat.

Kommentiert man bloss den abgegebenen Schuss nach den ersten paar Sekunden (zur Zeit des 1. Weltkrieges waren es Tage und Wochen), weiss man in dieser Zeitspanne noch nicht mal, ob dieser (bei der Eberjagd im Dickicht) getroffen habe oder wenn schon, wie in Sarajewo, bei der Menschenjagd, was dieser Treffer bedeute. In dieser jetzigen Phase, da die wirklich getroffene Sau noch nicht mal aufgefunden worden ist, lohnen sich Sondersendungen und Leitartikel und meinetwegen auch Blogkommentare kaum. Und auch nachher hängt allzu viel von blossen Einschätzungen ab. Dass es die von den Nachrichtenmonopolisten so machen, ist noch lange kein Grund, "gix" für wahr zu halten, daheim vor dem Computer, bloss weil die anderen "gax" sagen.

Elvis Pressluft

6. Januar 2020 17:53

Nachtrag @ Cugel: Ich wollte in der Tat ausdrücken, daß Trump (sicher nicht ausschließlich) dem israelischen Erstschlag zuvorkommen würde, dessen Folgen unabsehbar wären. Was die Person Soleimanis angeht, ist ebenfalls unabsehbar, wieviele Menschenleben er auf dem Gewissen hat … vorhersehbar, leider vorhersehbar war das Aufgebot an Antiamerikanismus und auch Antisemitismus in diversen Kommentaren. Einige Rechte (?) sind hier leider nicht klüger als ihre linken Widerparte. „Herr General S.“ – harter Stoff. Ich war selbst Soldat, schlage aber nicht vor jedem hergelaufenen Lamettaträger die Hacken zusammen. Ein Operettengeneral war S. nun gerade nicht, aber andere Epipheta ließen sich finden; ich lasse es.
Davon abgesehen: Wer sein Leben – oder das Anderer – an die Friedensliebe des Iran heften möchte, mag das tun. Ich hielte dies für im höchsten Maße irrational (um die denkbar mildeste Formulierung zu wählen). Politisches Denken durch konditionierte Reflexe (Hypothesenbildung über Trumps IQ oder die „Amis“ im Allgemeinen – herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag) zu ersetzen ist ein Schema, das wir dem anderen Lager überlassen müssten. Aber manche haben wohl den Ruf gehört: „Unmask! Unmask!“

Maiordomus

6. Januar 2020 18:23

Zur Parabel mit der Eberjagd, d e r rein literarisch wohl unübertroffenen Meisternovelle von Ernst Jünger, glaubte der junge Schütze nach dem Abfeuern noch ein "Loch" in die Luft gebohrt zu haben und damit erst noch die wertvolle Beute vertrieben. Entsprechend wurde er vom Oberjäger vorerst als Versager zusammengestaucht. Wohl eher glücklich-zufällig erwies sich dann der Eber, aufgefunden im Dickicht des Waldes, dann doch noch als getroffen und der Schütze wurde schliesslich das, was man im Wildwestfilm von John Ford später "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" genannt hat, also eine lebende Heldenlegende. Auf den ersten Blick scheint es, als ob Qasem Soleimani aus der Sicht Trumps wirklich der "Eber" gewesen sei, den zu treffen es gegolten habe. Diese dürfte für das Ziel des ersten Schusses durchaus zutreffen. Ob auch für das Gesamtziel der Aktion, den "wahren Eber"?

Ich stellte indes in Frage, ob "die wirklich getroffene Sau" bis anhin schon "aufgefunden worden ist". Sollte Trump zum Beispiel mit dieser Operation zwar dem Iran gegenüber ein Zeichen sogenannter Stärke zwar abgegeben, in Wirklichkeit aber den Abzug ais dem Raum indirekt sogar beschleunigt haben wollen, wäre die Trophäe Soleimani vielleicht gar nicht die Sau, die er wirklich treffen wollte. Eher ging es ihm um den kurzfristigen Applaus der Kriegspartei. Doch gilt auch dafür: Ich weiss es nicht. Und wir können den wahren Pfad der Wildsau derzeit wirklich nicht ergründen, nur dass totsächlich ein Schuss (in Form einer Drohne) abgefeuert wurde, das wissen wir. Ausserdem: Nur historisch total Unkundige verwechseln die "Erlegung" des Generals Soleimani in den möglichen Folgen mit den Schüssen von Sarajewo. Die Gesamtheit der Interessenlagen präsentiert sich anders. Zuletzt kann aber auch mit dem ewigen "cui bono" die Wahrheit nicht erkunden, weil Geschichten von Handlungsinterferenzen leben, das heisst unberechenbaren Elementen sowohl in der Planung wie in der Durchführung und am Ende auch sogar in den Folgen. Der Philosoph Hegel schloss jeweils nicht aus, dass sogar solche Vorgänge zustimmungsfähige Resultate zeitigen können. Die "Vernunft" des Weltgeistes triumphiert über die Unvernunft sämtlicher Akteure. Eine solche Theorie der Geschichte nannte Schophenhauer freilich "ruchlosen Optimismus". Die Sache kann in der Tat noch immer schief herauskommen.

Thomas

6. Januar 2020 19:06

Mir fehlt jedes Mitleid oder Verständnis mit diesem iranischen Warlord. Er ist verantwortlich für den Tod hunderter US-Amerikaner, tausender Araber im Irak, Syrien und Libanon, verantwortlich für die die brutale Gewalt gegen und den Tod iranischer Regimegegner. Seine Liquidation war ein Akt der Notwehr und für Leute seines Schlages normales Berufsrisiko. Jeder US-Präsident, egal ob er Obama, Bush, Clinton, Carter oder Trump geheißen hätte, hätte so handeln müssen. Die Sorgen vor vermeintlichen Gegenschlägen des Iran und Ausweitung des Konflikts mit weiteren Flüchtlingswellen sind Ausdruck von Schwäche und Appeasement gegen ein imperialistisch-aggressives und irrational-barbarisches Regime. Trump hat diese Konflikte in dieser Region nicht verursacht, sondern von seinen Vorgängern geerbt, er sollte zwar seine Truppen mittelfristig aus dieser Region abziehen, dies aber nicht mit Schwäche, sondern mit Stärke. Die hat er in diesem Fall bewiesen. Deutsche Mainstreamjournalisten, die ihn früher und jetzt kritisieren waren dumm, sind dumm und werden immer dumm bleiben. Ein Interview eines intimen Kenners, dieser Region und dieses Warlords, David Petraeus, können sie hier in diesem Interview lesen (Google-Übersetzer):

https://translate.google.com/translate?hl=de&sl=en&u=https://foreignpolicy.com/2020/01/03/petraeus-on-qassem-suleimani-killing-says-trump-helped-reestablish-deterrence/&prev=search

Original:
https://foreignpolicy.com/2020/01/03/petraeus-on-qassem-suleimani-killing-says-trump-helped-reestablish-deterrence/

(Ich hoffe, der Link funktioniert)

heinrichbrueck

6. Januar 2020 19:34

@ Maiordomus
Paul Valéry: „Der Krieg ist ein Massaker von Leuten, die sich nicht kennen, zum Nutzen von Leuten, die sich kennen, aber nicht massakrieren.“

Götz Kubitschek

6. Januar 2020 20:51

so, werte gesellschaft, ich schließe die diskussion früh, denn ich habe sie mit wachsendem, sprunghaft wachsendem mißfallen verfolgt.

für die kommenden beiträge halte ich fest: wir dulden keine ins persönliche gehenden abkanzelungen mehr, auch keine abneigungsbekundungen ad personam, desweiteren auch nicht endlose selbstdarstellungen in ich-form oder eindeutige, also eindimensionale, also dümmliche schuldzuweisungen dort, wo es um die komplexität im maßstab der weltpolitik geht.

also: sachlich, knapp, luzide - so wünschen wir uns die kommentare, und nur diejenige anekdote geht durch, die eine mit mehrwert für eine breitgefächerte leserschaft ist.

gruß!
kubitschek

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