29. Januar 2020

Pflege (1). Wie wollen wir pflegen?

Gastbeitrag / 26 Kommentare

von Frieda Helbig -- Das Thema "soziale Frage" ist in der AfD und ihrem Umfeld neben der Migrationskrise eines der zentralen Themen.

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Ein Teil dieses Diskurses sollte auch die Beschäftigung mit der Pflegesituation im jetzigen Deutschland sein. Denn wie die Gesellschaft und Nation mit pflegebedürftigen Menschen umgeht, berührt den Kern der sozialen Frage bzw. den Kern des solidarischen Zusammenhalts einer Gemeinschaft.

Ein wie auch immer gearteter Sozialstaat scheint nur im Nationalstaat umsetzbar zu sein. Dies bringt Lothar Fritze in Der böse gute Wille treffend auf den Punkt:

„Im Sozialstaat ist eine Solidarität gefordert, die nicht auf einem Kosten-Nutzen-Kalkül beruht. Zu vermuten ist, daß die Akzeptanz von Solidaritätszumutungen – unter sonst gleichen Bedingungen – mit der kulturellen Homogenität der Gemeinschaft und dem Grad des Zusammengehörigkeitsgefühls ihrer Mitglieder wächst.“

Und weiter:

„Ein Wir-Gefühl ist daher auch in dieser Hinsicht eine elementare Voraussetzung, um eine hinreichende Bereitschaft zu entwickeln, für den anderen einzustehen.“ „Auf der Basis eines solchen Wir-Gefühls entsteht die Vorstellung von einem Gemeinwohl, und es wächst die Bereitschaft, Risiken und Lasten gemeinsam zu tragen. Einerseits korreliert die Opferbereitschaft mit dem Grad wechselseitiger Identifizierung, andererseits verringert eine wachsende kulturelle Diversität die Umverteilungsbereitschaft.“

Als Beispiel für diese These kann die Aufnahme von Millionen deutschen Heimatvertriebenen nach Ende des 2. Weltkrieges dienen. Dieser Prozeß war weder für die Heimatvertriebenen noch für die aufnehmende Bevölkerung im verbliebenen Rest-Deutschland leicht. Daß es gelingen konnte, war schlicht der Tatsache geschuldet, daß hier Deutsche anderen Deutschen halfen. (Schon allein wegen dieser Tatsache verbietet sich jedweder Vergleich mit der aktuellen Migrationskrise.) Später sah man etwa bei Hochwasserkatastrophen stets Deutsche anderen Deutschen helfen. Anpackende Migranten mit einem Sandsack in der Hand sah man selbst in den Gebühren-Sendern nicht. Hätte es sie gegeben, hätten wir sie auch präsentiert bekommen. Zurück zum Thema der Pflegesituation:

Im Kontext dieses Artikels geht es um die professionelle Pflege. Auf die Laienpflege soll nur kurz eingegangen werden. Die meisten beruflich Pflegenden arbeiten in folgenden Bereichen:

  • Krankenhaus,
  • stationäre und/oder teilstationäre Langzeitpflegeeinrichtungen (Altenheim, Pflegeheim, Tagespflege),
  • ambulante Pflegedienste.

Generell ist festzustellen, daß sowohl immer mehr alte pflegebedürftige Menschen in Krankenhäusern behandelt werden, als auch immer mehr Menschen in Altenpflegeeinrichtungen medizinische Probleme haben (Wunden, Diabetes, künstliche Ernährung etc.).

Daher war es richtig, eine grundständige umfassende 3-jährige Pflegeausbildung zu schaffen und die starre Trennung zwischen Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege aufzugeben. Dies ist vor allem für die Altenpflege eine Aufwertung als Beruf (bisher z.T. je nach Bundesland 2-jährige Ausbildung).

So verwundert es wenig, daß gerade die privaten Pflegeeinrichtungen gegen das neue Pflegeberufegesetz polemisiert haben. Denn eine Aufwertung der Altenpflege birgt die Gefahr, daß diese Berufsgruppe mehr Geld verdienen möchte. Dann bliebe den Gesellschaftern und Aktionären von großen Altenheimketten weniger Rendite.

Pflege wird im Wesentlichen aus der Krankenversicherung und der Pflegepflichtversicherung finanziert. Dabei sind Leistungen der Krankenversicherung eine Vollkaskoversicherung (alle pflegerischen Leistungen im Krankenhaus, verordnete Pflegeleistungen wie Wundverbände oder Insulininjektionen in Pflegeeinrichtungen oder bei ambulanter Pflege) und Leistungen der Pflegeversicherung eine Teilkaskoversicherung (Körperwäsche, Esseneingabe, Unterstützung bei der Ausscheidung in Pflegeeinrichtungen oder bei ambulanter Pflege). Der Umstand der Teilkaskoversicherung wurde bei Einführung der Pflegeversicherung vor über 20 Jahren geflissentlich von Politikern beschwiegen und ist in den Köpfen der Bevölkerung nicht wirklich präsent. Beim höchsten Pflegegrad 5  übernimmt die Versicherung maximal 2005 €/Monat.

Jeder darf sich gern ausrechnen, wieviele Stunden Pflege er für 2005.- Euro erhält, wenn er maximal pflegebedürftig ist. Es darf gern mit dem üblichen Stundenlohn eines Handwerkers gerechnet werden. Oder sollten beruflich Pflegende, denen wir unsere liebsten Menschen anvertrauen, etwa weniger verdienen als derjenige, der unser Auto repariert?

Dieser Umstand der Teilkaskoversicherung kann dazu führen, daß Pflegeleistungen vom Pflegebedürftigen selbst oder seinen Angehörigen rationiert werden. Denn wenn Pflegegeld und Rente nicht ausreichen, um die Pflegeleistungen zu bezahlen, muß das Ersparte dafür verwendet werden oder Hilfe zur Pflege (Sozialhilfe – SGB XII) beantragt werden. Dabei ist zu beachten, daß Sozialhilfe erst dann gewährt wird, wenn das Ersparte bis zu einem Sockelbetrag aufgebraucht ist und daß auch die Kinder auf eine Unterhaltsverpflichtung hin überprüft werden.

Was bei der Debatte oft vergessen wird, ist die Tatsache, daß die Leistungen zur Pflegeversicherung seit Jahren auf dem gleichen Niveau (siehe oben) eingefroren sind, die Kosten für die Pflege aber immer weiter steigen (Pflegesätze, Fahrtkosten etc.). Diese Preissteigerungen sind den Pflegeeinrichtungen nicht zum Vorwurf zu machen, auch sie müssen wirtschaften und sehen sich mit Preissteigerungen konfrontiert (Löhne, Energie, Datenschutz etc.).

Jede Rentenerhöhung bei Pflegebedürftigen gleicht daher nur eine evtl. Zuzahlung zu den Pflegeleistungen aus, schafft aber keine wirtschaftliche Verbesserung für den Einzelnen, solange der Staat nicht die Leistungen pro Pflegegrad anhebt. Dieser Aspekt sollte gerade unter dem Aspekt der „Rund-um-Versorgung“ von seit 2015 ins Land gereisten Neubürgern immer wieder thematisiert werden. Ein minderjähriger unbegleiteter Flüchtling erhält nahezu eine 24-Stunden-Rundum-Versorgung, ein dementer Deutscher, welcher sein Leben lang arbeitete, darf froh sein, wenn er sich im Altenheim nicht wundliegt.

Diese offensichtliche Schieflage führt zu folgenden Kernfragen:

  1. Welche Art von Pflege möchten wir uns als Gesellschaft leisten - „Satt und sauber“ = billig oder menschenwürdig/menschengerecht = teuer?
  2. Ist Pflege Teil der staatlichen Daseinsvorsorge, oder überlassen wir deren Ausgestaltung dem freien Markt?

Stellt man den Sozialstaat wieder vom Kopf auf die Füße und kehrt zum Nationalstaatsprinzip zurück, sind diese Fragen leicht zu beantworten. Denn dann haben nur Deutsche vollen Anspruch auf Sozialleistungen – und zwar grundsätzlich und egal, wieviel sie eingezahlt haben. Denn wie Lothar Fritze schreibt, ist Solidarität losgelöst vom Kosten-Nutzen-Kalkül. Grundsätzlich keinen Anspruch auf deutsche Sozialleistungen hätten Nicht-Deutsche. Sie könnten diesen Anspruch nur erwerben für die Zeit, in der sie Beiträge im Lande zahlen oder sich privat versichern. Dieses Vorgehen würde die Kosten der Sozialversicherung erheblich senken.

Zu 1.)

„Satt und sauber“ meint eine Pflege, die einer Verwahrung von Pflegebedürftigen gleichkommt. Sie werden ernährt und gewaschen, müssen nicht frieren und haben ein Bett, aber Dinge wie Zuwendung und Rücksicht auf individuelle Bedürfnisse sind nicht inkludiert. Diese Art von Pflege ist mit wenig qualifizierten und motivierten Personal möglich, dementsprechend günstig könnte sie erbracht werden. Nur ein Beispiel: Eine Bewohnerin ist nachts immer wach und kann nicht schlafen, sie schreit und stöhnt. Sie war es zu Hause gewohnt, auf dem Bauch zu schlafen. In der Pflegeeinrichtung wird sie immer auf den Rücken gelegt. Die Lagerung auf dem Bauch ist halt schwieriger, man benötigt fast immer zwei Pflegekräfte. Da sind Schlaftabletten kostengünstiger.

Zu 2.)

Mit Einführung der Pflegeversicherung vor über 20 Jahren schuf man im Bereich der Pflege außerhalb des Krankenhauses einen Pseudo-Markt. Auf der einen Seite reguliert der Staat bzw. die von ihm beauftragten Pflegekassen die Preise, auf der anderen Seite könne Pflegeleistungen von jedem, der bestimmte Voraussetzungen erfüllt, angeboten werden. Hier kommen nahezu alle Unternehmensformen vor – vom Einzelunternehmer über karitative Vereine bis hin zu Aktiengesellschaften. Bei vom Staat quasi regulierten Preisen im personalintensiven Dienstleistungssektor Pflege können Gewinne und Dividende wohl kaum über eine individuelle menschengerechte Pflege erwirtschaftet werden. Zudem ist für den Autor unverständlich, warum mit Geld der Allgemeinheit (Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung) Gewinne erwirtschaftet werden dürfen und wieso diese nicht zu 100% den Pflegebedürftigen zu Gute kommen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, daß das jetzige System nur belegte Plätze in den Einrichtungen vergütet. D.h. bei der jetzigen Ausgestaltung entsteht für die Anbieter von Pflegeheimen, Kurzzeitpflegen, Tagespflegen etc. kein wirtschaftlicher Anreiz Pflegeplätze vorzuhalten. Dies führt wiederrum zu der Situation, daß die Versorgung nach Krankenhausaufenthalten oder bei akuter Verschlechterung der Pflegesituation oft nicht gewährleistet ist. Hier gilt es kritisch zu hinterfragen, ob nicht das Vorhalten von Pflegeplätzen Teil der staatlichen Daseinsvorsorge ist, ähnlich wie das Bereitstellen von Trinkwasser und Energie. Möglich wäre auch, daß der Staat den Verdienstausfall der Angehörigen übernimmt, wenn diese die Pflege übernehmen.

Der Pflege- und Betreuungsnotstand in der BRD ist schon jetzt traurige Realität. Zum einen steigt der Anteil der pflegebedürftigen Alten, zum anderen existieren die bewährten Auffangmechanismen nicht mehr, da die traditionelle Familie oft nicht mehr zur Verfügung steht. Laut Tagesschau vom 14.03.19 arbeiten in der BRD ca. 150.000 Pflegekräfte (meist aus Osteuropa) schwarz in unseren Haushalten. Fazit: Diese Schwarzarbeit ist eine tragende Säule im Pflegesystem. Würde man diese Schwarzarbeit konsequent verfolgen, würde das System kollabieren. Die Kosten der Pflegeversicherung würden explodieren. Der Autor ist der festen Überzeugung, daß es lediglich am politischen Willen fehlt, das Thema Pflegenotstand anzupacken. Denn für Flüchtlingskrise, Euro-Rettung und erneuerbare Energien wurden in den letzten Jahren Milliardenbeträge im Haushalt „gefunden“. Zur Finanzierung der Pflege hätte zum Beispiel einfach die Umwidmung des Solidaritätszuschlages in einen Pflege-Soli gereicht. Aber das war nicht auf der politischen Agenda.

Dieser Artikel ist zunächst in der Februarausgabe der Zeitschrift Recherche D erschienen.


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Kommentare (26)

Lotta Vorbeck

29. Januar 2020 16:21

@Frieda Helbig

Gut daß sich mit Ihnen jemand dieses Themas annimmt, der wie zuvor der Autor des Netztagebucheintrages "Marshallplan für Afrika" über fundierte, eigene, den Diskussionsgegenstand betreffende Erfahrungen verfügt.

"Denn für Flüchtlingskrise, Euro-Rettung und erneuerbare Energien wurden in den letzten Jahren Milliardenbeträge im Haushalt „gefunden“. Zur Finanzierung der Pflege hätte zum Beispiel einfach die Umwidmung des Solidaritätszuschlages in einen Pflege-Soli gereicht." [FH]

So ist es, denn: “Nicht an ihren Worten, an ihren Taten sollt Ihr sie erkennen!"

Gustav Grambauer

29. Januar 2020 16:30

Alle bisherigen Zumutungen waren doch nur Lockerungs- und Erwärmungsübungen, die Eskalation des kunterbunten Krieges gegen die Nazi-Säue beginnt doch gerade erst:

https://www.journalistenwatch.com/2020/01/25/klima-diaet-umweltsaeue/

- G. G.

dirkP

29. Januar 2020 17:33

Ich denke, dass eine Finanzierung der Pflege stattfinden würde, wenn es genug Pflegekräfte geben würde. Vor der letzten BTW war Pflege ein großes Thema und es wurde von den Beteiligten der Debatte herausgestellt, dass selbst bei einer deutlichen Einkommenssteigerung nicht genug Leute zu bekommen sind.
Die größere Angst der Regierenden liegt ja nicht bei der Versorgung der Alten, sondern bei der Erhaltung des wirtschaftlichen Erfolgs. Dafür sind arbeitende Menschen notwendig. Deshalb werden potentielle Arbeiter aus anderen Ländern höher bewertet, als die eigenen Alten.
Ganz nebenbei betrifft der Pflegenotstand auch die Alten der ersten Einwanderergeneration.

In meinem Umfeld gibt es den Wunsch nach einer Pille, die jedem der 75 Jahre alt wird feierlich überreicht wird. Dann hat man wenigstens die Wahl. Dahin sollte die Debatte gelenkt werden, den dieHeime sind voll mit Alten, die diese Pille gerne nehmen würden.

Mboko Lumumbe

29. Januar 2020 18:06

@ dirkP

"In meinem Umfeld gibt es den Wunsch nach einer Pille, die jedem der 75 Jahre alt wird feierlich überreicht wird. Dann hat man wenigstens die Wahl. Dahin sollte die Debatte gelenkt werden, den dieHeime sind voll mit Alten, die diese Pille gerne nehmen würden."

Diesen Wunsch hege ich für mich selbst auch für die Zukunft. Gerade auch angesichts der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung in Deutschland und Europa.

Brisant ist der Aspekt des eventuellen Missbrauchs dieser Pille durch Dritte. Das ist keine Nebensächlichkeit.

Frieda Helbig

29. Januar 2020 18:34

@Lotta: Danke für die Blumen.

@G.G. Ähnliches ist zu Getränken im Ursprungsartikel beschrieben, fiel hier nur leider der gebotenen Kürzung zum Opfer. Stelle es später hier als Kommentar online, wenn gewünscht.

@dirkP: Steile These zum sozialverträglichen Frühableben. Deckt sich jedoch nicht mit den Erfahrungen aus meiner langjährigen pflegerischen Praxis. Gibts hierzu Belege?
Mir stellt sich die Frage, wöllten Ihre 75 jährigen Heimbewohner auch die Pille, wenn sie menschenwürdig/menschengerecht versorgt wären? Lieber tot, als schlecht versorgt, geschenkt. Aber warum nicht gut versorgen, damit sie gerne leben? Sind das unsere Alten, Behinderten etc. nicht wert? Weil sie nutzlos sind und aktuell nix mehr zum BIP beitragen, aber zuvor mächtig gewaltig - der Dank des Vaterlandes? Die totale Vernutzung quasi, nur wer was arbeiten kann, darf leben? Vorteil wäre sicherlich, daß damit ein Thema der sozialen Frage vom Tisch bzw unter der Erde wäre. Sorry, nicht mein Verständnis von Solidargemeinschaft. Kann aber natürlich jeder anders sehen...

tearjerker

29. Januar 2020 19:01

Nach meiner Erfahrung ist das heutige Versorgungsniveau der Pflege besser denn je. Vor 60 Jahren lief die Betreuung ausserhalb des häuslichen Umfelds in der klinischen Pflege auf Sterbebegleitung heraus, während die Betreuer in der ausserhäuslichen Altenverwahrung noch als Wärter bezeichnet wurden. Ein Geldproblem im Gegensatz zum Personalproblem existiert nicht, kann man doch signifikante Summen für jeden Quatsch locker machen. Der Nationalstaat hat damit allerdings gar nichts zu tun, ist unter ihm doch in den letzten 150 Jahren erst das System aufgeblasen worden, aus dessen Kassen sich inzwischen die ganze Welt bedienen kann. So gesehen hat die Invasion der Fremden wirklich etwas für sich, denn im Gegensatz zu den Einheimischen täuschen sie weder sich noch Andere darüber., was man sich unter der Beantwortung der sozialen Frage vorzustellen hat.

Monika

29. Januar 2020 19:30

In irgendeinem Interview wurde der bekannte Palliativmediziner Gian Domenica Borasio
https://www.amazon.de/%C3%9Cber-das-Sterben-wissen-einstellen/dp/3406617085
mal gefragt, was man gegen ein unwürdiges Sterben und einsames Lebensende am besten tun könne. Er antwortete und das werde ich nicht vergessen:
„Viele Töchter haben“.

Gustav Grambauer

29. Januar 2020 21:47

Frieda Helbig

Getränke, da bin ich gespannt. Bis jetzt weiß ich nur vom Genozidversuch über den exzessiven "Trinkmengenempfehlungs"-Kult in Kombination mit der Forcierung der "salzarmen Ernährung" ("bis zu höchstens 6 Gramm am Tag").
https://www.dge-medienservice.de/wasser-trinken.html
https://www.dge.de/?id=485

Wir verbrauchen in unserer Familie alle vier, fünf Monate ein ganzes Pfund (!) allerfeinsten Naturata-Meersalzes, sehr gut für die Denkkraft, und müßten auch wegen unserer geringen "Trinkmengen" eigentlich längst tot sein. Aber ganz im Gegenteil:
https://www.youtube.com/watch?v=pXzhyQ1bMtw

gegenrechnung redaktion:
6g pro tag sind 600g in dreieinhalb Monaten. Das bedeutet: Ihre Familie ist mit dem ganzen Pfund (!) alle vier, fünf Monate wahrlich komplett untersalzt.

Gelddrucker

29. Januar 2020 22:15

Löhne anheben, und die Studienplätze für allerlei wenig nachgefragtes wie Kulturanthropologie drastisch zusammenstreichen.

RMH

29. Januar 2020 22:18

" … und daß auch die Kinder auf eine Unterhaltsverpflichtung hin überprüft werden."

Des weiteren können Schenkungen aus finanziell besseren Tagen bis hin zu 10 Jahren (bspw. bei Immobilien) rückwirkend von den Beschenkten seitens der Ämter rückgefordert werden (sog. Sozialhilferegress). Ich kenne einige Enkel/Kinder, für die es recht eng wurde, als das Geld, dass die Großeltern/Kinder zum Hausbau dazu gesteuert haben oder die Immobilie, die vorab übertragen wurde, vom Amt wegen Vermögensverfall des pflegebedürftigen Schenkers zurückgefordert wurde.

Der Begriff "Pflegeversicherung" ist daher durchaus eine Mogelpackung.

Mich würde einmal interessieren, wie es denn früher in den damaligen "Altenheimen" zugegangen ist, also die Zeit, wo Alte eben noch keine "Senioren" waren und in Heimen untergebracht wurden und nicht in "Residenzen" (allein der oft vorzufindende Begriff "Seniorenresidenz" erscheint löst bei mir einen Verdacht auf Euphemismus aus).

Im Hinblick auf die von @dirkP ins Spiel gebrachte "Pille" geht es vermutlich gar nicht um "sozialverträgliches Frühableben" sondern eher um das Gefühl bei älteren Menschen, damit eine Art von Selbstbestimmung zu erlangen, im Ernstfall eben selber es in der Hand zu haben, wann es Zeit ist, zu sterben. Ich vermute aber, wenn solche Pillen ausgegeben werden würden, würden ab einem gewissen Zeitpunkt sich dann viele nicht mehr daran erinnern, wo sie denn die ominöse Pille hingelegt haben und bis zu genau diesem Zeitpunkt hat man sich ja noch so fit gefühlt etc. und es gar nicht bemerkt, wir man abgebaut hat. Das Leben ist eben auch ein Trickser und bis zuletzt herrscht bei vielen noch das Prinzip Hoffnung. Nicht jeder ist ein Gunter Sachs.

"Zudem ist für den Autor unverständlich, warum mit Geld der Allgemeinheit (Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung) Gewinne erwirtschaftet werden dürfen und wieso diese nicht zu 100% den Pflegebedürftigen zu Gute kommen."

Dieses Prinzip, dass auch Gewinne erwirtschaftet werden dürfen, besteht in allen Bereichen des Gesundheitswesens, welches zu einem großen Teil auch vom Geld der Allgemeinheit lebt, genau so. Warum sollte es in der Pflege groß anders sein. Hintergrund für eine solche Organisation dürfte sein, dass privatwirtschaftlich Organisiertes vieles effizienter und Kostengünstiger bewerkstelligen kann und ein Anreiz auf Gewinn auch entsprechende Investitionen und damit den Einsatz privater Gelder auslöst. Es göbe vermutlich nicht so viele Pflegeheime, wenn diese alle vom Staat erst geplant, organisiert etc. werden müssten. Übrigens: Auch nach außen sich karitativ gebende Institutionen (bspw. die kirchlichen Träger wie Caritas, Diakonie - auf weltlicher Seite dann ASB, AWO etc.) werden mit Sicherheit auch Überschüsse erzielen, die sie dann wieder reinvestieren. Eine Alternative wäre eine komplette Verstaatlichung des Gesundheits- und Pflegewesens (sehe in diesem Punkt keinen großen Unterschied), was ich persönlich selbst als eher "Liberaler" nicht für abwegig und sogar für ernsthaft diskussionswürdig halte und zwar als einer der ganz wenigen Bereiche in einem Staat/ einer Gesellschaft. Könnte im Bereich der Behandlung eines Blicks "nach Links" bzw. in den Bereichen, wo es einen Staat zu geben hat, noch einer der sinnvollsten Bereiche sein. Aber ich habe dazu keine abschließende Meinung.

Frieda Helbig

29. Januar 2020 22:30

@Monika: Stimmt! Traditionelle Familienmodelle können schützen und kompensieren...

@tearjerker: Worauf stützen sich Ihre Erfahrungen? Bitte beachten Sie den im Artikel geschilderten Gegensatz zwischen Verwahrung und Versorgung! Versorgungsniveau besser denn je? Studien belegen eindeutig, daß Pflegekräfte Leistungen implizit rationieren und daß die Kommunikationszeit zwischen Pflegekraft und Patient bzw Bewohner beständig abnimmt. Gut, es gibt jetzt natürlich größere Windeln als früher, da paßt mehr rein, also muß man sie nicht so oft wechseln. Steigerung des Versorgungsniveaus oder lieber jemand der mit mir öfter mal auf Toilette geht?

Laurenz

29. Januar 2020 22:46

Erstens hat der Artikel nicht direkt etwas mit der AfD zu tun, und 2tens, diejenigen, die es tatsächlich betrifft, die Geburten-starken Jahrgänge ignorieren ihr zukünftiges Problem, vor allem die absehbaren zu geringen Einkünfte ganz ohne Pflegebedürftigkeit.
Historisch betrachtet, spielt es aber auch keine Rolle, ob 25 Jahre lang, ein paar Mio. Rentner am Hungertuch nagen. Mit dem Tod dieser Generation hat sich das demographische Problem erledigt. Allerdings wird sich das mit alter weißer Gewalt gegen die privilegiert feudalen Berufsgruppen, wie Beamte, öffentlicher Dienst, Ärzte, Rechtsanwälte, Selbständige, etc. entladen, die sich mit der Hilfe ihrer Lobby-Verbände aus den meisten gesamt-gesellschaftlichen Verpflichtungen schon immer verabschiedet haben.
In der Frage der Pflege ist es grundsätzlich billiger, zu Pflegende zu exportieren als Pflege-Kräfte zu importieren. Beim Import von Arbeitskräften, die in Deutschland bleiben werden, verschiebt man das Problem grundsätzlich auf eine kalkulierbare Zukunft hin, wo entweder die Frage nach neuem "Lebensraum" akut wird, oder man sich, wie die Japaner, gezwungenermaßen dazu entschließen muß, die Bevölkerungsdichte abzusenken und auf Technologie zu setzen.

Der Hauptgrund für eine Pflege- und Renten-Problematik liegt in der Währungsfrage begründet. Da aber die Thematik Währung für die meisten Bürger, auch für Frau Helbig, abstrakt bleibt, kann dieses Thema leider nur durch Fachleute diskutiert werden, wie man am Bundestags-Wahlergebnis der AfD 2013 erkennen kann.
Die soziale Frage ist nicht elementar, schon gar nicht in der AfD, auch ich mußte hier meine Haltung verändern, sie ist nur ein Symptom.

Die AfD ist sich längst noch nicht im Klaren darüber, ob sie eine neue Volks-Partei werden will oder nicht. Momentan sind mit Meuthen und Chrupalla diejenigen am Ruder, die nur Minderheiten aus der privilegiert feudalen Schicht ansprechen möchten, in der die soziale Frage überhaupt kein Thema ist. Daß hier vielleicht die Gefahr besteht, daß sich diese Wähler lieber für das Original Merz oder Lindner votieren, ist beim liberalen Flügel der AfD noch nicht angekommen, das wird sich erst zeigen.

Auch die subventionierten Wohlstands-Schichten werden in den nächsten Jahren grün wählen, dort wird nichts zu holen sein.

Diese Tendenz in der AfD liegt im allgemeinen Trend, alle ehemaligen Volksparteien akzeptieren einen eklatanten Wählerschwund, um beim Status einer Minderheiten vertretenden Partei zu bleiben.
Die Mitglieder der AfD sind eben nicht in der Lage, diejenigen zu Delegierten zu machen, welche diejenige Strömung in der AfD unterstützt, die eine Volkspartei mit der Interessens-Vertretung einer Mehrheit ohne Senior-Bündnispartner werden will.

Nur für diesen sozialen Flügel einer zukünftigen Volks-Partei AfD spielt die soziale Frage eine elementare Rolle. Dazu müßte sich die Partei aber in den nächsten 2 Jahren gewaltig bewegen, das sehe ich nicht.
Selbst zur Entwicklung eines wesentlich wichtigeren Konjunktur- oder Wirtschafts-Programms ist die AfD nicht in der Lage. Man hat sich jetzt gemütlich in der Nationalen Volksfront 2.0 eingerichtet und die Pläne stellen darauf ab, bis zu Pension dort vor sich hinzudämmern. Wir werden es noch erleben, daß die Bundestags-Fraktion der AfD Merkel zur Kanzlerin wählen wird.

Laurenz

29. Januar 2020 23:09

@Gustav Grambauer ... ich schließe mich der Redaktion an, denn ich kann nicht feststellen, daß Ihr Konsum von Meer-Salz irgendwas bringt. Teures Fleur de Sel schmeckt halt gut, aber sonst?
Wenn Sie tatsächlich den spirituell geprägten Natur-Fetischisten folgen wollen, kaufen Sie Himalaya-Salz, das zaubert noch wesentlich besser. Und der Glaube versetzt angeblich ja Berge. https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/gesund-ernaehren/himalayasalz-8638

Ich trage aber die ernste Befürchtung, daß auch @Franz Bettinger von der medizinischen Seite argumentieren wird, daß es völlig egal ist, welches geographisch beheimatete Natrium-Chlorid Sie konsumieren.

Cugel

29. Januar 2020 23:49

@dirkP
"Die größere Angst der Regierenden liegt ja nicht bei der Versorgung der Alten, sondern bei der Erhaltung des wirtschaftlichen Erfolgs. Dafür sind arbeitende Menschen notwendig. Deshalb werden potentielle Arbeiter aus anderen Ländern höher bewertet, als die eigenen Alten."

In der Tat. Arbeit (incl. Lohndrückerei) und Konsum. Die massenhafte Einwanderung dient auch der Aurechterhaltung des Letzteren, mithin dem Hinauszögern der Überproduktionskrise. Nachdem das Absatzgebiet der Ex-DDR gesättigt ist, werden Konsumenten nun eben verstärkt hereingekarrt. Abwehr Weimarer Verhältnisse um jeden Preis. Privatwirtschaftlich nennt man so etwas Insolvenzverschleppung.

Franz Bettinger

30. Januar 2020 05:09

@Salzen und Trinken:
Die (u.a. ärztliche) Empfehlung, wenig Salz (max. 6 gr pro Tag) zu sich zu nehmen, ist ein Fehler, und zwar ein schwer wiegender. Wer wenig Salz (NaCl) im Körper hat, kann sein Körper-Wasser nicht halten (Osmose) und trinkt deshalb mehr als üblich. Der Rat, viel zu trinken, ist notgedrungen das Resultat der falschen Empfehlung, wenig zu salzen. Es sterben sehr viel mehr Alte an zu niedrigem Blutdruck (der selbst durch unnötige ! Blutdruck-senkende Medikamente oder durch Salzmangel bewirkt wird) als an etwaigen Blut-Hochdruck-Folgen. Ich empfehle meinen Patienten das Gegenteil: Trinken, salzen und würzen ad libido, so wie’s schmeckt. Der inneren Stimme folgen, nicht dem Heiler (Arzt oder wem auch immer)! - Bin selbst ein exzessiver Salzer und Würzer (und habe noch nie mein Cholesterin checken lassen, und selbstverständlich gehe ich nicht zur Krebs-Vorsorge. Ein weites Feld ... ).

Maiordomus

30. Januar 2020 07:11

@Grambauer/Redaktion. Zur Salzrechnung. Natürlich gibt es noch jede Menge Salz in Lebensmitteln, die man nicht extra nachsalzen muss, vom Brot ganz zu schweigen, nicht zu vergessen das Auswärtsessen, welches oft ziemlich gründlich gesalzen, wenn nicht versalzen ist. Ich glaube nicht, dass der Verbrauch des eingekauften Kochsalzes der Massstab sein kann. Übrigens hatte Paracelsus einen umfassenden "Salz"-Begriff, darunter verstand er fast alles Stärkende und Konservierende, zum Beispiel auch das Kalkige, im Rahmen seiner Theorie von Sal-Sulphur-Merkur, womit der die noch ältere Lehre von den 4 Säften abzulösen trachtete.

Gustav Grambauer

30. Januar 2020 07:12

Redaktion: "Nur ein Drittel unseres Salzkonsums stammt aus dem 'Zusalzen'. Um die empfohlenen 6 Gramm nicht zu überschreiten, sollten wir nur etwa 1 - 2 Gramm Salz im Haushalt zusalzen. Denn mit Brot, Wurst und Käse sind die restlichen 4 - 5 Gramm schnell erreicht."

https://www.avogel.de/ernaehrung_gesundheit/ihre-ernaehrung/themenuebersicht/richtig_salzen.php

... und bei diesem Anteil dürften wir allein schon mit unserer Liebe zu Käse, Brot und Wurzeln (bei mir der Meerrettich!) zusätzlich der Normaufsicht der Gesundheitsdiktatur, käme sie mal zur Kontrolle zu uns, die Freude an ihren kafkaesken Schablonen "versalzen".

- G. G.

Andreas Walter

30. Januar 2020 08:45

Unsere weiblichen und männlichen Wehrpflichtigen werden (mit) Pflegen, (mit) Pflügen, (mit) Ernten, (mit) Arbeiten während der Grenzschutzbereitschaft, in Grenznähe. An einer hochtechnisierten, nonlethalen Grenze, an der unsere Wehrpflichten der Zukunft ihren Dienst schieben werden anstatt sinnlos in Kasernen rumzulungern oder in Afghanistan.

Dieses Konzept der zukünftig stärkeren Einbeziehung der Grenzen und Grenzzonen in das gesamte Wirtschaftsleben der Nation wird auch zu der längst überfälligen Entlastung der Grossstädte im Inneren führen.

Gerade die Kranken- und Altenpflege ist nämlich eine Tätigkeit, bei der Maschinen, Automation und Technik nur geringfügig, nur zum Teil zur Arbeitsentlastung führen.

Mein Konzept verfolgt nämlich weiterhin das Ziel weniger Menschen pro Fläche, der Natur und Umwelt wegen. Weil es, weil das ohne Grenzschutz aber (zumindest heute noch) nicht möglich ist, wenn die “lieben" Nachbarn (heute Fernreisende) es nicht auch wollen, und sie meinen Garten einfach ungefragt betreten.

Die Alten werden daher nicht abgeschoben sondern folgen den Enkeln, dorthin, wo diese gebraucht werden, nämlich an der Peripherie.
Wer seine Grenzen daher schützen möchte muss die Peripherie fördern, nicht die Städte.

Darum gab' es ja früher auch nur so kleine Fürstentümer. Weil der Bauer/Arbeiter alles gleichzeitig war, sein musste. Die Fürsten allein hätten wahrscheinlich nicht mal ihre eigene Burg verteidigen können.

In einer 2,1 Kinder pro Paar Welt gibt es nun mal beim heutigen Stand (auch) der medizinischen Erkenntnis, Wissenschaft und Technik mehr alte und ältere Leute. Die aber ab 50 eben nicht mehr für alle Aufgaben zu gebrauchen sind.

Ihr könnt mir daher jetzt die Pille schicken, oder wir Deutschen erfinden uns noch mal ganz neu. Möglicherweise auch auf kleinerem Territorium, wenn sich das als opportun herausstellen sollte.

Denn ein Zurück in die "Gute alte Zeit", also in die Vergangenheit, ist für ein ganzes Volk im Alleingang nicht möglich, solange sich andere Völker anders entwickeln, anders entwickeln wollen. Individualität oder Andersartigkeit, dadurch übrigens auch Fortschrittlichkeit, bedarf daher immer einer erfolgreichen, einer wirksamen Abgrenzung, gesunde Abwehrkräfte.

bb

30. Januar 2020 09:04

Wie wollen wir pflegen?

Die Antwort ist einfach: Wie seit Jahrhunderten in der engeren Familie. Und garantiert nicht mit dem Geld fremder Leute.

Nordlicht

30. Januar 2020 10:07

Zu: "Der Autor ist der festen Überzeugung, daß es lediglich am politischen Willen fehlt, das Thema Pflegenotstand anzupacken."

Die Richtung dieser politischen Regelungs-Ideen ist mir nicht klar. Einerseits wird auf Volks-Solidarität (- im urspünglichen Sinne des Begriffes, nicht dieser DDR-Verein) gesetzt. Andererseits wird richtig festgestellt, dass es ohne hunderttausende - meist osteuropäische - Ausländerinnen, versteuerte wie unversteuerte, nicht geht. Die sollen aber ihrerseits von Sozialleistungen ausgeschlossen bleiben.

Fakt ist: Es gibt nicht genug Deutsche für die Pflegeaufgaben. Es gibt auch nicht genug Jugendliche für Handwerks-Berufe, als Studierende in den Ingenieursfächern, zu wenig Geeignete für die Bundeswehr, zu wenig Zuverlässige für die Polizei, zu wenig Lehrer usw.

(Wir sind uns doch einig, dass mindestens 3 Mio. Ausländer, die keine Netto-Steuerzahler sind, d. h. nicht zum Wohlstand unseres Volkes beitragen, ausreisen müssen.)

Wie löst Japan das Problem seine demographischen Probleme? An nationalem Selbstbewusstsein mangelt es nicht, aber die Geburtenrate bleibt niedrig.

Natürlich bin ich für Förderung der Geburtenrate (- natürlich nur der indigenen Deutschen), aber bisher gibt es keinen überzeugenden politischen Ansatz dazu. Sollte ein solcher Ansatz wirksam werden, sind dennoch eliche Jahrzehnte zu überbrücken. Eine Alterspyramide, die wirklich den Namen "Pyramide" rechtfertigt, kann es fühestens in 50 Jahren geben. (Man rechne einmal durch, wie viele Vier-Kind-Familien es dazu braucht.)

Bis dahin: Erhöhung der Lebensarbeitszeit finanziell attraktiver machen, allgemeine Verrentung mit 67 geht nicht. Und: Automatisieren.

tearjerker

30. Januar 2020 13:02

@Frieda Helbig: Meine Einschätzung bezog sich auf Erfahrungen und Erleben in meiner Sippe und den Rückmeldungen von 3 vorhergehenden Generationen, die durchweg eine Verbesserung von Generation zu Generation konstatierten. Die Personalperspektive möchte ich nicht einschätzen. Budgetgrenzen werden zudem immer existieren. Ich erwarte eine Verschlechterung der Situation, die mit Geld allein aber nicht behoben werden kann, da schlicht das Personal nicht einfach an der nächsten Strassenecke zu finden ist.

Imagine

30. Januar 2020 14:57

@dirkP 29. Januar 2020 17:33
„In meinem Umfeld gibt es den Wunsch nach einer Pille, die jedem der 75 Jahre alt wird feierlich überreicht wird. Dann hat man wenigstens die Wahl. Dahin sollte die Debatte gelenkt werden, den dieHeime sind voll mit Alten, die diese Pille gerne nehmen würden.“

Das entspricht vom Denken und Reden dem „Nazi-Style“.

Bei den Nazis gab es Bestrebungen, Renteneintrittsgrenze und Lebensaltersgrenze aus ökonomischen Gründen möglichst eng zusammenzubringen.

Bei den Nazis gab es die Rede von den „Ballastexistenzen“.

In Deutschland nimmt solches Denken zu. Zwischen dem Nazi-Denken und dem wirtschaftsliberalen Denken besteht eine enge Verwandtschaft.

Dies wird von den Wirtschaftsliberalen geleugnet. Dazu gehört, dass man die Verbindung zwischen dem Nationalen und dem Sozialen als Nazi-typisch diffamiert, was völlig falsch ist, denn die Nazis agierten als vom Großkapital und Adel finanziertes und gelenktes Instrument zum Terror gegen die eigene Bevölkerung sowie zur Durchführung eines Raub- und Versklavungskrieges gegen den Osten. Das Letzte, was die Nazis interessierte, war das Volkswohl. Deshalb kapitulierten sie nicht, als der Krieg längst verloren war, sondern ließen das Volk verrecken und Deutschland in Schutt und Asche zerbomben.

Weiterhin zeigt sich in jenem genannten Umfeld, welches Todespillen überreichen will, eine Unkenntnis über den alternsbedingten Pflegebedarf.

In der Altersgruppe unter 75 Jahren liegt die Pflegequote bei 1,4%. Von 75 bis unter 85 Jahren bei 16,3%, wobei erst ab dem 80 Lebensjahr ein stärkerer Anstieg erfolgt. Von 85 bis unter 90 Jahren beträgt die Pflegequote 44,5% und bei 90 Jahre und älter 70,7%.

Das Maximum von 731.026 Pflegebedürftigen ist in der Altersgruppe 75 bis unter 85 Jahre vorhanden, danach nimmt die Zahl drastisch ab. Logisch, denn die Mehrzahl aus diesen Altersgruppen der Menschen ist dann bereits verstorben.

Ab dem Alter von 75 Jahren überwiegen bei den Pflegebedürftigen mit steigendem Anteil die Frauen.

Die Todespille wäre also vor allem für die eigene Mutter bestimmt.

Referenz:
http://www.gbe-bund.de/oowa921-install/servlet/oowa/aw92/dboowasys921.xwdevkit/xwd_init?gbe.isgbetol/xs_start_neu/&p_aid=i&p_aid=81716172&nummer=510&p_sprache=D&p_indsp=105&p_aid=92700670

http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Gesundheitswesen/Datensammlung/PDF-Dateien/abbVI12.pdf

Franz Bettinger

31. Januar 2020 00:40

@imagine: Brauchen Sie, um zu einem Urteil zu kommen, eigentlich immer den Nazi-Vergleich, und unterschwellig das Nazi-Vorurteil "Was die Nazis wollten, muss falsch sein?" Das ist die gleiche a priori dumme Verbohrtheit, die nab von Kommunisten kennt, nach dem Motto: Was vom ideologischen Gegner kommt, kann nichts taugen.

@Laurenz hat das Nötige gesagt: Das Pflege- und Renten-Problem ist (1) in Anbetracht des Großen Austauschs ein Vogelschiss und (2) angesichts der Demographie temporär auf vielleicht 20 Jahre begrenzt, nach denen die dümmlich verehrte Alters-Pyramide zum gesunden Stamm wird (der unten so dick ist wie oben).

Maiordomus

31. Januar 2020 09:01

Es sollte noch mehr qualifizierte und hochqualifizierte Beiträge von Frauen geben; womit dann auch ein wünschenswert höherer Frauenanteil bei den Foristen wohl etwas ansteigen würde. Mich würde noch interessieren, wieviele Schulkinder heute noch "Frieda" heissen. Den Rückgang etwa des Namens "Elisabeth" in Deutschland halte ich für eine Kulturkatastrophe, wobei sich allenfalls noch Kurzformen wie "Lisa" und dergleichen halten. Vor 50 Jahren war "Lieschen Müller" für deutsche Frauen noch Standard, wobei diese "Typenbezeichnung" bei den 68ern bereits im abwertenden Sinn verwendet wurde.

nom de guerre

31. Januar 2020 11:00

@ Laurenz & Franz Bettinger

Sie haben insofern Recht, als das Pflegeproblem aufgrund der Demographie in ein paar Jahrzehnten keines mehr sein wird. Aber jetzt, für die heute Alten ist diese Frage sehr wohl relevant; mit fortschreitendem Alter der geburtenstarken Jahrgänge, sprich Ihrer Altersgruppe(n), wird sie sich noch einmal zuspitzen. Für die Betroffenen ist das, wie eigentlich jeder weiß, der schon einmal einen pflegebedürftigen alten Menschen in der Familie hatte, eben kein Vogelschiss. Dass dieser Nicht-Vogelschiss zumindest für die nächsten 20 - 30 Jahre so gut wie jeden Deutschen betreffen wird, ist aus meiner Sicht Grund genug, sich damit zu beschäftigen, daher freue ich mich über diesen offenbar sehr sachkundigen Artikel. Dieses sicherlich nicht herbeiphantasierte Problem gegen die Migrationsfrage aufzurechnen und als Marginalie zu behandeln, halte ich nicht für zielführend.

Götz Kubitschek

31. Januar 2020 11:31

Pflegeschluß.

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