Syrien – Notizen einer politischen Reise (2)

Von John Hoewer -- Eine Abordnung des syrischen Volksrates begrüßt die Delegation vor einem Verwaltungsgebäude nicht weit hinter der Grenze.

 Gastbeitrag

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Wäh­rend die Abge­ord­ne­ten durch einen Gesand­ten des Volks­ra­tes herz­lich in einer Art Emp­fangs­raum begrüßt wer­den, wird drau­ßen das Gepäck umgeladen.

Der Fah­rer der syri­schen Bot­schaft in Bei­rut ver­ab­schie­det sich. Jede wei­te­re orga­ni­sa­to­ri­sche Abstim­mung erfolgt nun mit den Mit­ar­bei­tern des offi­zi­el­len Pro­to­kolls. Man tauscht Num­mern, kur­ze Abstim­mung über den wei­te­ren Ablauf. Dann besteigt die Dele­ga­ti­on die schwar­zen Limou­si­nen, die zum Trans­port in die Haupt­stadt bereit­ste­hen. Der Kon­voi setzt sich in Bewe­gung. Wie an einer Schnur gezo­gen sur­ren die Autos in Rich­tung High­way. Das gleich­mä­ßi­ge Rol­len der vie­len Rei­fen gleicht einer Art Marsch­tritt, wäh­rend die Fah­rer Geschwin­dig­keit aufnehmen.

Nach dem letz­ten Duty-Free-Geschäft am Weges­rand ist die Auto­bahn in tie­fe Dun­kel­heit getaucht. Fast in bedroh­li­chem Grau erhe­ben sich rings­um Hügel, über die man nicht drü­ber schau­en kann. Gele­gent­lich pas­siert der Kon­voi klei­ne Check­point, an denen stets eine Hand­voll Sol­da­ten ihren Dienst tuen und salu­tie­ren. Ihre Geweh­re hän­gen an klei­nen Haken in den Wach­häu­sern. Alte Kalasch­ni­kows, meist ohne Schul­ter­stüt­zen. Ange­spannt wir­ken die Sol­da­ten nicht. Über­haupt erin­nert auch ent­lang der Auto­bahn noch immer nichts an ein Kriegsgebiet.

Nur wenig Ver­kehr pas­siert den High­way, wäh­rend der Kon­voi durch die dunk­le Wüs­te peitscht. Mit zuneh­men­der Nähe zur Haupt­stadt befreit sich die Auto­bahn aus den in der Dun­kel­heit beun­ru­hi­gend wir­ken­den Fel­sen und fließt ab in die Ödnis der syri­schen Wüs­te. Erst auf der Rück­fahrt bei Tages­licht soll­te Gele­gen­heit blei­ben, die Peri­phe­rie von Damas­kus zu bestau­nen. Die Vor­or­te der Gut­si­tu­ier­ten, die in Auf­bau befind­li­chen Sied­lun­gen, Hotel­an­la­gen. Und der vie­le Müll, der im Umland der Haupt­stadt in der Wüs­te ver­teilt liegt. Zu dun­kel ist es an der Stre­cke – und zu kost­bar die Zeit.

Eine Stun­de ver­hält­nis­mä­ßi­ge Ruhe, um offe­ne Punk­te im Pro­jekt­plan durch­zu­schau­en, Pres­se­mit­tei­lun­gen vor­zu­be­rei­ten. Mit Über­fah­ren der Stadt­gren­ze reißt Damas­kus die vol­le Auf­merk­sam­keit an sich. Der Lap­top ver­schwin­det in der Akten­ta­sche. Ein Poli­zei­mo­tor­rad setz­te sich an die Spit­ze des Kon­vois und schiebt den Ver­kehr regel­recht bei­sei­te. Plötz­lich eine Voll­brem­sung. In Erman­ge­lung von Anschnall­gur­ten brem­sen die Unter­ar­me die Flieh­kräf­te an der Rücken­leh­ne des Bei­fah­rer­sit­zes ab. Ein jun­ger Mann hat­te ver­sucht, zwi­schen den Autos her zu lau­fen, um die gro­ße Stra­ße zu über­que­ren, die an die­ser Stel­le durch ein wuse­li­ges Wohn­ge­biet führt. Gera­de so ver­hin­dert der Fah­rer den Unfall, der jun­ge Mann rennt per­plex wei­ter, beglei­tet von ara­bi­schen Flü­chen, die ihm der Pro­to­koll­mit­ar­bei­ter vom Bei­fah­rer­sitz aus hinterherruft.

Die Wagen­ko­lon­ne pas­siert den Umay­yad Squa­re im Her­zen der Stadt, den gro­ßen Kreis­ver­kehr, der die wich­tigs­ten Stra­ßen ver­bin­det. Im bun­ten Lich­ter­glanz strahlt das die Mit­te des Plat­zes zie­ren­de und von zahl­rei­chen Was­ser­spie­len umge­be­ne Schwert­mo­nu­ment. Durch das Fens­ter strömt die sti­cki­ge Luft einer Groß­stadt. Hup­kon­zert. Klein­bus­se drän­gen sich durch den Ver­kehr, die so mit Men­schen über­la­den sind, daß jeder bun­des­deut­sche Ver­kehrs­po­li­zist einen Herz­in­farkt krieg­te, müß­te er die­ses Schau­spiel anse­hen. Mofas mit drei Pas­sa­gie­ren und behan­gen mit Plas­tik­tü­ten schlän­geln sich vor­bei an den vie­len Autos, aus deren Aus­puff­roh­ren pech­schwar­ze Rauch­wol­ken rauswabern.

Die gro­ße mehr­spu­ri­ge Stra­ße ist nach Shu­kri al-Quwat­li benannt, dem ers­ten Prä­si­den­ten des unab­hän­gi­gen Syri­ens. Die Stra­ße führt gera­de­aus zu auf die Alt­stadt von Damas­kus. Weit kann es nicht mehr sein bis zum Ziel. Tat­säch­lich. Weni­ge Abbie­gun­gen spä­ter ste­hen wir in der Ein­fahrt des Hotels. Gro­ße Sicher­heits­vor­keh­run­gen exis­tie­ren auch hier nicht. Zumin­dest kei­ne sicht­ba­ren, die über klei­ne­re Check-Points des Mili­tärs in der Nähe der gro­ßen Hotels hin­aus­ge­hen, die jedoch den nah­öst­li­chen Durch­schnitt kei­nes­wegs übertreffen.

Im Hotel selbst ist reger Betrieb. Gemein­sam mit dem Pro­to­koll wer­den Zim­mer ver­teilt und Kof­fer zuge­ord­net. Das Pro­to­koll sah vor, das ers­te Abend­essen im Hotel ein­zu­neh­men. Doch die Dele­ga­ti­on hat ande­re Plä­ne. Unse­re Kon­takt­per­so­nen vor Ort haben in einem ande­ren Restau­rant reser­viert – mit­ten in der Stadt, im All­tags­ge­sche­hen. Da das Pro­to­koll jedoch den Fahr­dienst bereits weg geschickt hat­te, ist Impro­vi­sa­ti­on gefragt. „Da, steigt ihr zwei noch in die­ses Fahr­zeug ein.“

Der Pro­to­koll­lei­ter zeigt auf einen grau­en Klein­bus, der an der Stra­ßen­ecke steht. Auf Ara­bisch ruft er den Insas­sen wohl zu, sie sol­len uns etwas Platz machen. Ein in Flecktarn geklei­de­ter Mann zieht die Schie­be­tür auf. Zwei ande­re klet­tern auf die hin­te­re Rück­bank und rei­chen ihre Geweh­re ihren Kame­ra­den, die schon hin­ten sit­zen. Nur die Män­ner vor­ne tra­gen schwar­ze Anzü­ge und Funk­ge­rä­te. „Ara­bic?“, fragt der Bei­fah­rer. Auf unser freund­li­ches „No, sor­ry“ dreht er sich wie­der um und schweigt. Wir sit­zen in der Mit­te der mitt­le­ren Sitz­bank. Eine skur­ri­le Situa­ti­on, irgendwie.

Das Trei­ben der syri­schen Haupt­stadt erregt schnell jedoch mehr Inter­es­se. Die Fahrt führt durch ein leben­di­ges Vier­tel. Eines, das eher gedie­ge­ner zu sein scheint. Es gibt zahl­rei­che Restau­rants und Cafés, mit fran­zö­si­scher, rus­si­scher und ita­lie­ni­scher Küche. Eine Stra­ße ist nach Hugo Cha­vez benannt. Der Stadt­teil macht einen äußerst gepfleg­ten Ein­druck. Vom Stil der Wohn­häu­ser und dem Ambi­en­te könn­te man fast mei­nen, man befän­de sich in einem etwas weni­ger innen­städ­ti­schem Vier­tel von Rom. Biegt man auf die Al Jalaa Stra­ße in nord­west­li­che Rich­tung, fährt man gera­de­aus auf die hell erleuch­te­ten Stadtei­le zu, die auf dem Berg errich­tet sind, der Damas­kus auf die­ser Sei­te der Stadt umgibt. Ein fas­zi­nie­ren­der Anblick.

Wir betre­ten das Lokal, das an einem klei­nen Platz liegt. Über­all sit­zen Men­schen auf den Ter­ras­sen, essen, trin­ken und rau­chen Was­ser­pfei­fe, ohne die es hier nir­gend­wo zu gehen scheint. Wir neh­men Platz an einem gro­ßen Tisch, der für uns zusam­men gescho­ben wur­de. Die Spei­se­kar­te ist üppig, es gibt ört­li­che Spei­sen aber auch Pas­ta und inter­na­tio­na­le Gerich­te. Nur die Ham­bur­ger sei­en aus, läßt eine der vie­len Kell­ne­rin­nen wis­sen. Per­so­nal­kos­ten sind in Syri­en extrem nied­rig, so daß man fast in jedem Gas­tro­no­mie­be­trieb ein Heer an Bedie­nun­gen und Ser­vice­kräf­ten vor­fin­det. Das süf­fi­ge syri­sche Bier jeden­falls wird min­des­tens genau­so schnell nach­ge­schenkt wie in einem Köl­ner Brauhaus.

Unwirk­lich sind die ers­ten Ein­drü­cke, „abge­fah­ren“ die Umschrei­bung, die einem in den Sinn kommt. Gegen Mit­ter­nacht geht es zurück ins Hotel. Am Mor­gen war­ten die ers­ten von letzt­lich über 25 Ter­mi­nen und Gesprächs­part­nern, die in die­ser Woche vor der Dele­ga­ti­on lie­gen. In der Nacht schla­gen israe­li­sche Rake­ten in einem Vor­ort ein und töten meh­re­re Zivi­lis­ten. Wir sind in der Rea­li­tät angekommen.

 Gastbeitrag

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Kommentare (11)

Maiordomus

7. Februar 2020 07:40

Die wohl noch interessansteste selber beobachtete politische Information scheint mir der Hinweis zu sein, dass eine Strasse nach Hugo Chavez benannt ist. Mit dem Hinweis ganz am Schluss über den Raketenbeschuss geht es immerhin mit dem angeblichen Report endlich los. Es fehlt aber der Hinweis, ob man bei der Sache mit den Raketen und den getöteten Zivilisten eigene Wahrnehmungen und Beobachtungen vor Ort gemacht hat oder ob man das nur so zur Kenntnis genommen hat, wie es ein Nahostkorrespondent in Istambul auch zur Kenntnis nehmen kann. Immerhin kommt der letzte Satz anscheinend zur Sache, wenngleich rein aus touristischer Perspektive.

Ansonsten stehen im zweiten Teil dieses im unterdurchschnittlichen Sinne schülerhaften bzw. touristenmässigen Berichtes die Autobahn und das Hotel im Vordergrund. Reisebeschreibungen aus dem 16. oder 18. Jahrhundert aus dieser Region, als man mit Pferd oder Maultier unterwegs war, erhalten eindeutig konkreteren und wertvolleren Informationsgehalt. Wenn meine 92jährige Schwiegermutter und ihr etwas jüngerer Freund von ihrer Dubai-Reise erzählen, ist der Informationsgehalt ähnlich, wobei die Alten im Winter vor allem wegen dem warmen Klima, trotz Klimaerwärmung im mittleren Europa, dorthin reisen. Ich wundere mich, dass der Bericht nicht wenigstens das Wetter thematisiert. Ist heute schliesslich ein Politikum.

Marc_Aurel

7. Februar 2020 10:00

Ich verstehe nicht so ganz, warum man den Bericht in so viele Teile aufsplittet - gerade dann, wenn man sich einigermaßen auf die erzählerische Frequenz/Welle eingestellt hat, ist schon wieder Schluß. Auf einer Seite wie der Sezession, kann man wohl von aufmerksamen und geduldigen Lesern ausgehen, so das mehrseitige Berichte zumutbar sind. Hat das technische Gründe oder terminliche, entsteht der Bericht gerade? ;-)

Der_Juergen

7. Februar 2020 10:01

Ich fand den ersten sowie den zweiten Teil des Berichts weitgehend banal und arm an Informationen. Es ist sicher lobenswert, dass einige AFD-Leute versuchen, sich aus erster Hand über die Lage in Syrien ein Bild zu machen; die Journalisten von der deutschen Qualitätspresse haben dies während des Krieges in aller Regel ja nicht getan, sondern von sicheren Nachbarstaaten aus berichtet und ihre Informationen ausschliesslich aus assadfeindlichen Quellen bezogen. Im Gegensatz dazu hatte und hat das russische Fernsehen mit der (fliessend Arabisch sprechenden) Anastasia Popowa sowie dem Kriegskorrespondenten Evgeni Podubni echte Experten an die Front geschickt.

zeitschnur

7. Februar 2020 10:27

Weil wir es in einem anderen Strang von Kitsch hatten - bitte, nehmen Sie es mir nicht übel, aber dieser Text enthält teilweise Kitsch und verunglückte Sätze:

"Nach dem letzten Duty-Free-Geschäft am Wegesrand ist die Autobahn in tiefe Dunkelheit getaucht. Fast in bedrohlichem Grau erheben sich ringsum Hügel, über die man nicht drüber schauen kann. Gelegentlich passiert der Konvoi kleine Checkpoint, an denen stets eine Handvoll Soldaten ihren Dienst tuen und salutieren. Ihre Gewehre hängen an kleinen Haken in den Wachhäusern. Alte Kalaschnikows, meist ohne Schulterstützen. Angespannt wirken die Soldaten nicht. Überhaupt erinnert auch entlang der Autobahn noch immer nichts an ein Kriegsgebiet."

"Nach dem letzten Duty-Free-Shop am Wegesrand ist die Autobahn..."
Diese Kombination von "Wegesrand" und "Autobahn" ist erschütternd. ich hätte, wenn ich das so zusammenstellen wollte, den "Wegesrand" durch Blümchen, farbigen Straßenstaub und Graswatzen gesäumt, damit irgendwie plausibel wird, wie der Rand eines Autobahn ein "Wegesrand" sein kann. Aber so?
Der Kracher sind aber dann die "Hügel, über die niemand drüber schauen kann", und dies, nachdem sich die "tiefe Dunkelheit" plötzlich doch in ein "bedrohliches Grau" verwandelt hat. Das sind wirklich beachtliche Naturerlebnisse. Ich hätte eigentlich gedacht, dass man ohne weiteres über Hügel drüberschauen kann - wo wir doch durch die atmosphärische Refraktion sowieso je nach Bedarf starrsinniger Physiker gekrümmt um Ecken schauen können, um auch noch den letzten allzu offensichtlichen Widerspruch zu ihren Theorien niedergemäht zu bekommen. Was ist in Syrien los, dass man es dort nicht kann und offenbar sofort den Blick gerade gerückt bekommt: man kann nicht über Hügel drüberschauen, jedenfalls nicht auf der Autobahn. Darüber noch ein wenig zu sinnieren, hätte den Text zu einem surrealen Abenteuerroman gemacht. Und: wer nicht gekrümmt sehen kann, muss rechtsextrem sein wie Assad.
Die "Soldaten, die ihren Dienst tun und salutieren".
So ist das also, und ich dachte immer, Soldaten sind dafür da.. äh, aber naja, wo geradeaus geschaut wird, hängen die Kalaschnokows auch an der Wand. Das ist romantisch, Syrien, das Land dekonstruierten Militarismus. Soldaten gibt es nur noch zum Salutieren, ein paar Museumsstücke, die Schulterpolster sind inzwischen von den Motten zerfressen.

"Mit zunehmender Nähe zur Hauptstadt befreit sich die Autobahn aus den in der Dunkelheit beunruhigend wirkenden Felsen und fließt ab in die Ödnis der syrischen Wüste."
Renitente Autobahnen in Syrien, befreien sich aus - schon wieder - beunruhigend wirkenden - Felsen. Das nenne ich mal eine beseelte moderne Welt. Freiheit den Autobahnen, nieder mit felsigen Wegesrändern. Nie wieder Beunruhigung!

Aber dann kommt gleich die nächste Überraschung: wie "fließt" eine "Autobahn" eigentlich, die sich der Metropole nähert, dennoch "ab in die Ödnis der syrischen Wüste"?
Eben hat sie sich befreit und nun muss sie abließen, offenbar in die Gegenrichtung? Oder wollte der Autor sagen, dass Damaskus identisch ist mit der "Ödnis der syrischen Wüste"?
Bemerkenswert auch, dass die Wüste öde ist, wo die Autobahn lebt und sich gerade befreit hat....
Ja, da kann ich vollen Herzens dem Autor zustimmen, wenn er am Ende schreibt:
"Unwirklich sind die ersten Eindrücke, „abgefahren“ die Umschreibung."
Mit den besten Grüßen auch an meinen collegam @ Maiordomus

Weltversteher

7. Februar 2020 10:50

Maiordomus:
Ganz meine Meinung, auf den Punkt gebracht.
Wir wollen dankbar sein, daß wir wengistens solches zu hören bekommen. Man kann sich aber den Gedanken nicht verkneifen, daß auch der Anspruch der Reise der Art der Schilderung entsprechen mag. Hoffen wir das beste!

Laurenz

7. Februar 2020 13:38

@die bisherigen Kommentatoren

Hier handelt es sich quasi um eine politische Reiseerzählung. Und augenscheinlich will man den Leser nicht überfordern, ein legitimer Ansatz. Daß Sie für die Reise-Erfahrungs-Beschreibung durch Syrien nicht von Interesse ist, kann zwar sein, spielt aber keine Rolle. Wieso kommentieren Sie Ihren Unwillen? Machen Sie doch ein eigenes Medium auf, anstatt hier wertlose Maulaffen feilzubieten.

Mboko Lumumbe

7. Februar 2020 14:18

Durch diese "Notizen einer politischen Reise" in und durch Syrien wurde mir bisher der Eindruck eines Landes vermittelt, das schlimme Zeiten hinter sich hat und doch zu einem einigermaßen "normalen" Leben zurückfinden möchte und hierbei auf einem guten Weg ist.

Das mag banal klingen und eben dies mag ja das rhetorische Mittel sein zum Zwecke.

"zahlreiche Restaurants und Cafés, mit französischer, russischer und italienischer Küche"
"Überall sitzen Menschen auf den Terrassen, essen, trinken und rauchen Wasserpfeife, ohne die es hier nirgendwo zu gehen scheint.
Die Speisekarte ist üppig, es gibt örtliche Speisen aber auch Pasta und internationale Gerichte."
"Das süffige syrische Bier jedenfalls wird mindestens genauso schnell nachgeschenkt wie in einem Kölner Brauhaus."

Man könnte Lust auf Urlaub dort bekommen...

Wenn da nicht auch dieser Teil der Realität wäre: "In der Nacht schlagen israelische Raketen in einem Vorort ein und töten mehrere Zivilisten."

Laurenz

7. Februar 2020 14:38

@Mboko Lumumbe .... Danke, Sie haben das schön beschrieben. Hier tritt bei unseren Mitforisten der Effekt mangelnder Empathie und etwas ekliger Selbstgerechtigkeit auf. Das ist in etwa dasselbe, wenn man den Deutschen nach dem Kriege Oberflächlichkeit vorwirft. Die meisten Menschen sind nicht mit der bewundernswerten Konstitution eines Ernst Jünger ausgestattet und müssen auf anderem Wege erworbene Traumata verarbeiten, eben mit profaner Ablenkung durch normales Leben. Wäre dem anders, wäre Ernst Jünger ja auch nichts besonderes.
Und ja, ich würde auch gerne die Region besuchen, schon lange. Dort befindet sich der historische Endpunkt der Seidenstraße im östlichen Mittelmeer. Die zukünftige Seidenstraße verläuft weiter im Norden.

Weltversteher

7. Februar 2020 20:35

Da das lächerliche Wort nun schon in der Welt ist:
Eine "Wahrheitskommission" (oder hier eben -expedition) wünschen sich unzählige Europäer, die mit dem offiziellen Syrien-Bild nichts anfangen können. Ist das nicht ein nahezu vermessener Anspruch? Um so wichtiger ist für den Leser daher eine "Eichung" des Berichterstatters, um ermessen zu können, was dessen Ergebnisse tatsächlich bedeuten. Die Anmerkungen unseres schweizerischen Dozenten zielten darauf ab.

Mitunter hört sich der Bericht an wie von staunenden Kindern. Als hielte man es nicht für möglich, daß man die ganze Zeit durch potemkinsche Dörfer geführt werden könnte, auch in immaterieller Hinsicht. In Nordkorea sollen keine anderen Reisen möglich sein; ich verweise auf die umfassend dazu vorliegende Kritik.

Wenn es zutrifft, daß alte und neue Muselmanen aus der BRD "inoffiziell" hin- und herreisen können, wäre es ein Gedanke, sich solchen anzuschließen.

Maiordomus

8. Februar 2020 09:34

@Laurenz. Sie haben es gut mit Ihren "Maulaffen". Ja, man könnte selber durch Syrien fahren und es in einem eigenen Medium publizieren. Genau das machte ich 1966, und publizierte es als Report in einer rechten Meinungszeitung, wo dann auch Gerd-Klaus Kaltenbrunner regelmässig gute Beiträge platzierte. Selber befuhr ich das Land mit einem palästinensischen Taxi-Chauffeur, was bereits den bisherigen Stand obigen Reports übersteigenden Quellenwert hatte; erinnere mich ferner natürlich prima an die von John Hoewer oben beschriebenen Hupkonzerte in Damaskus bei der Übernachtung im Hotel Semiramis, welchen touristischen Gesichtspunkt ich im Gegensatz zu meiner mitreisenden Mutter in Sachen Erkenntnissen jedoch nicht in den Vordergrund stellte. Insofern hatte ich bei der Lektüre der kritisierten ersten beiden Abschnitte dieses Berichtes Wiedererkennungserlebnisse. Hingegen berichtete ich 1966 in der besagten Zeitschrift über Gespräche mit Palästinensern, die einerseits über ihre Vertreibung berichteten, andererseits glaubten, bei Adolf Hitler einen "unvollendeten" Kampf gegen die Juden konstatieren zu müssen, eine Meinung, die ich nicht als hilfreich einschätzte. Es war aber doch wichtig, solche Stimmen zur Kenntnis zu nehmen, jedenfalls war es für die damalige Leserschaft informativer als der Schrott der oben dargestellten ersten Kapitel. Sie, @Laurenz, sollten sich mal fragen, ob Sie hier schon einiges geschrieben hätten, was für die deutsche Rechte in Abgrenzung zu Simplifikationen des Gegners zitierbar wäre. Im gedruckten Heft gibt es aber immer wieder solche Trouvaillen. Gute Artikel bleiben, gerade weil der Gegner ständig die Hitlerkeule auspackt, von Bedeutung. Von jedem einzelnen Beiträger, ich meine jetzt nicht die Blogger, wäre zum Beispiel zu erwarten, dass man unter rein intellektuellen Gesichtspunkten besser und sauberer argumentiert als zum Beispiel der gegenwärtige CDU-Generalsekretär. Dies erfordert bei der gegenwärtigen personellen Besetzung jener Partei beileibe nicht schon Genialität, bleibt aber im Sinn des Bestehens vor dem Gericht der Geschichte durchaus ein Erfordernis. Das war im 3. Reich zum Beispiel auch ein Anspruch der Autoren der "Weissen Blätter", so lange sie für diese Publikation noch Papier zugeteilt bekamen. Der Anspruch, geistig sauberer (was im Einzelfall nicht intelligenter bedeuten muss) aufgestellt zu sein als diejenigen, die Recht bekommen, weil sie an der Macht sind, scheint mir ein unbedingter Anspruch einer oppositionellen geistigen Institution zu sein.

Laurenz

8. Februar 2020 14:45

@Maiodomus .... Ihnen fehlt, was ich bedauere, die Empathie zu erkennen, wann etwas kurz und wann etwas detailliert zu beschreiben ist. Nicht, daß ich mehr Empathie für Textlängen hätte, aber ich erhebe auch nicht Ihren Anspruch auf den Thron Chinas.

Auch hier! sind Ihre Einzelheiten interessant zu lesen. Sie haben doch einen Guten Draht nach Schnellroda. Ihr damaliger Artikel, der allerdings in den säkularen Aufschwung-Zeiten des Nahen Ostens geschrieben wurde, wäre doch als Kontrast interessant. Was Ihre Kritik am aktuellen Reisebericht angeht, so kann ich Ihnen nur empfehlen, zu unterscheiden. Die zeitliche Rahmen dieser Reise war kurz, was erwarten Sie da? Um tiefer einzusteigen, braucht man mindestens 4-8 Wochen.

[email protected], sollten sich mal fragen, ob Sie hier schon einiges geschrieben hätten, was für die deutsche Rechte in Abgrenzung zu Simplifikationen des Gegners zitierbar wäre. - Zitatende

Hier schreibe ich in erster Linie für uns. Und was mir, als Autodidakt, von der Redaktion freundlicherweise nachgesehen wird .... ich habe nicht gelernt, Artikel zu schreiben. Aber debattieren kann ich, auch oder besonders mit dem politischen Gegner. Ich verweise nochmal auf alle Groß-Interviews und TV-Debatten hin, welche AfD-Granden im letzten Jahr bis jetzt bestritten haben. Grundsätzlich befindet man sich im Erklärungs-, Rechtfertigungs- und Entschuldigungs-Modus, anstatt, wie der politische Gegner, anzugreifen, vorzuwerfen, zu diskreditieren und zu diffamieren. Diese publiken AfD-Leute, sind wie Sie, Maiordomus, schlicht zu bürgerlich brav. Egal ob es Debatten mit Leuten vom Welt-Moral-Hauptamt (ÖRR) oder sonstige Schwachmaten sind, es geht um die verbale Zerschlagung, der Peinlichkeit preiszugebende politische/r Gegner und Journalisten. In die Medien kommen AfD-Vertreter doch nur, wenn man sie einladen muß oder weil eine Provokation im Raume steht. Von daher, Angriff ist die beste Verteidigung.
Als Eidgenosse müssen Sie doch eine Knarre im Haus haben. Gehen Sie im Denken einfach mal weg von der Philosophie und wenden Sich den Militär-Theoretikern zu. Die Linke ist hier mit schwachen intellektuellen Mitteln außerordentlich versiert und ihr geht es, (quasi wie Adm. Nelson), schlicht um unsere totale Vernichtung. Wem das nicht klar ist, antwortet eben auch nicht mit Clausewitz, sondern läßt sich schlachten.

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