6. Februar 2020

Syrien – Notizen einer politischen Reise (2)

Gastbeitrag / 11 Kommentare

Von John Hoewer -- Eine Abordnung des syrischen Volksrates begrüßt die Delegation vor einem Verwaltungsgebäude nicht weit hinter der Grenze.

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Während die Abgeordneten durch einen Gesandten des Volksrates herzlich in einer Art Empfangsraum begrüßt werden, wird draußen das Gepäck umgeladen.

Der Fahrer der syrischen Botschaft in Beirut verabschiedet sich. Jede weitere organisatorische Abstimmung erfolgt nun mit den Mitarbeitern des offiziellen Protokolls. Man tauscht Nummern, kurze Abstimmung über den weiteren Ablauf. Dann besteigt die Delegation die schwarzen Limousinen, die zum Transport in die Hauptstadt bereitstehen. Der Konvoi setzt sich in Bewegung. Wie an einer Schnur gezogen surren die Autos in Richtung Highway. Das gleichmäßige Rollen der vielen Reifen gleicht einer Art Marschtritt, während die Fahrer Geschwindigkeit aufnehmen.

Nach dem letzten Duty-Free-Geschäft am Wegesrand ist die Autobahn in tiefe Dunkelheit getaucht. Fast in bedrohlichem Grau erheben sich ringsum Hügel, über die man nicht drüber schauen kann. Gelegentlich passiert der Konvoi kleine Checkpoint, an denen stets eine Handvoll Soldaten ihren Dienst tuen und salutieren. Ihre Gewehre hängen an kleinen Haken in den Wachhäusern. Alte Kalaschnikows, meist ohne Schulterstützen. Angespannt wirken die Soldaten nicht. Überhaupt erinnert auch entlang der Autobahn noch immer nichts an ein Kriegsgebiet.

Nur wenig Verkehr passiert den Highway, während der Konvoi durch die dunkle Wüste peitscht. Mit zunehmender Nähe zur Hauptstadt befreit sich die Autobahn aus den in der Dunkelheit beunruhigend wirkenden Felsen und fließt ab in die Ödnis der syrischen Wüste. Erst auf der Rückfahrt bei Tageslicht sollte Gelegenheit bleiben, die Peripherie von Damaskus zu bestaunen. Die Vororte der Gutsituierten, die in Aufbau befindlichen Siedlungen, Hotelanlagen. Und der viele Müll, der im Umland der Hauptstadt in der Wüste verteilt liegt. Zu dunkel ist es an der Strecke – und zu kostbar die Zeit.

Eine Stunde verhältnismäßige Ruhe, um offene Punkte im Projektplan durchzuschauen, Pressemitteilungen vorzubereiten. Mit Überfahren der Stadtgrenze reißt Damaskus die volle Aufmerksamkeit an sich. Der Laptop verschwindet in der Aktentasche. Ein Polizeimotorrad setzte sich an die Spitze des Konvois und schiebt den Verkehr regelrecht beiseite. Plötzlich eine Vollbremsung. In Ermangelung von Anschnallgurten bremsen die Unterarme die Fliehkräfte an der Rückenlehne des Beifahrersitzes ab. Ein junger Mann hatte versucht, zwischen den Autos her zu laufen, um die große Straße zu überqueren, die an dieser Stelle durch ein wuseliges Wohngebiet führt. Gerade so verhindert der Fahrer den Unfall, der junge Mann rennt perplex weiter, begleitet von arabischen Flüchen, die ihm der Protokollmitarbeiter vom Beifahrersitz aus hinterherruft.

Die Wagenkolonne passiert den Umayyad Square im Herzen der Stadt, den großen Kreisverkehr, der die wichtigsten Straßen verbindet. Im bunten Lichterglanz strahlt das die Mitte des Platzes zierende und von zahlreichen Wasserspielen umgebene Schwertmonument. Durch das Fenster strömt die stickige Luft einer Großstadt. Hupkonzert. Kleinbusse drängen sich durch den Verkehr, die so mit Menschen überladen sind, daß jeder bundesdeutsche Verkehrspolizist einen Herzinfarkt kriegte, müßte er dieses Schauspiel ansehen. Mofas mit drei Passagieren und behangen mit Plastiktüten schlängeln sich vorbei an den vielen Autos, aus deren Auspuffrohren pechschwarze Rauchwolken rauswabern.

Die große mehrspurige Straße ist nach Shukri al-Quwatli benannt, dem ersten Präsidenten des unabhängigen Syriens. Die Straße führt geradeaus zu auf die Altstadt von Damaskus. Weit kann es nicht mehr sein bis zum Ziel. Tatsächlich. Wenige Abbiegungen später stehen wir in der Einfahrt des Hotels. Große Sicherheitsvorkehrungen existieren auch hier nicht. Zumindest keine sichtbaren, die über kleinere Check-Points des Militärs in der Nähe der großen Hotels hinausgehen, die jedoch den nahöstlichen Durchschnitt keineswegs übertreffen.

Im Hotel selbst ist reger Betrieb. Gemeinsam mit dem Protokoll werden Zimmer verteilt und Koffer zugeordnet. Das Protokoll sah vor, das erste Abendessen im Hotel einzunehmen. Doch die Delegation hat andere Pläne. Unsere Kontaktpersonen vor Ort haben in einem anderen Restaurant reserviert – mitten in der Stadt, im Alltagsgeschehen. Da das Protokoll jedoch den Fahrdienst bereits weg geschickt hatte, ist Improvisation gefragt. „Da, steigt ihr zwei noch in dieses Fahrzeug ein.“

Der Protokollleiter zeigt auf einen grauen Kleinbus, der an der Straßenecke steht. Auf Arabisch ruft er den Insassen wohl zu, sie sollen uns etwas Platz machen. Ein in Flecktarn gekleideter Mann zieht die Schiebetür auf. Zwei andere klettern auf die hintere Rückbank und reichen ihre Gewehre ihren Kameraden, die schon hinten sitzen. Nur die Männer vorne tragen schwarze Anzüge und Funkgeräte. „Arabic?“, fragt der Beifahrer. Auf unser freundliches „No, sorry“ dreht er sich wieder um und schweigt. Wir sitzen in der Mitte der mittleren Sitzbank. Eine skurrile Situation, irgendwie.

Das Treiben der syrischen Hauptstadt erregt schnell jedoch mehr Interesse. Die Fahrt führt durch ein lebendiges Viertel. Eines, das eher gediegener zu sein scheint. Es gibt zahlreiche Restaurants und Cafés, mit französischer, russischer und italienischer Küche. Eine Straße ist nach Hugo Chavez benannt. Der Stadtteil macht einen äußerst gepflegten Eindruck. Vom Stil der Wohnhäuser und dem Ambiente könnte man fast meinen, man befände sich in einem etwas weniger innenstädtischem Viertel von Rom. Biegt man auf die Al Jalaa Straße in nordwestliche Richtung, fährt man geradeaus auf die hell erleuchteten Stadteile zu, die auf dem Berg errichtet sind, der Damaskus auf dieser Seite der Stadt umgibt. Ein faszinierender Anblick.

Wir betreten das Lokal, das an einem kleinen Platz liegt. Überall sitzen Menschen auf den Terrassen, essen, trinken und rauchen Wasserpfeife, ohne die es hier nirgendwo zu gehen scheint. Wir nehmen Platz an einem großen Tisch, der für uns zusammen geschoben wurde. Die Speisekarte ist üppig, es gibt örtliche Speisen aber auch Pasta und internationale Gerichte. Nur die Hamburger seien aus, läßt eine der vielen Kellnerinnen wissen. Personalkosten sind in Syrien extrem niedrig, so daß man fast in jedem Gastronomiebetrieb ein Heer an Bedienungen und Servicekräften vorfindet. Das süffige syrische Bier jedenfalls wird mindestens genauso schnell nachgeschenkt wie in einem Kölner Brauhaus.

Unwirklich sind die ersten Eindrücke, „abgefahren“ die Umschreibung, die einem in den Sinn kommt. Gegen Mitternacht geht es zurück ins Hotel. Am Morgen warten die ersten von letztlich über 25 Terminen und Gesprächspartnern, die in dieser Woche vor der Delegation liegen. In der Nacht schlagen israelische Raketen in einem Vorort ein und töten mehrere Zivilisten. Wir sind in der Realität angekommen.


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Kommentare (11)

Maiordomus
7. Februar 2020 07:40

Die wohl noch interessansteste selber beobachtete politische Information scheint mir der Hinweis zu sein, dass eine Strasse nach Hugo Chavez benannt ist. Mit dem Hinweis ganz am Schluss über den Raketenbeschuss geht es immerhin mit dem angeblichen Report endlich los. Es fehlt aber der Hinweis, ob man bei der Sache mit den Raketen und den getöteten Zivilisten eigene Wahrnehmungen und Beobachtungen vor Ort gemacht hat oder ob man das nur so zur Kenntnis genommen hat, wie es ein Nahostkorrespondent in Istambul auch zur Kenntnis nehmen kann. Immerhin kommt der letzte Satz anscheinend zur Sache, wenngleich rein aus touristischer Perspektive.

Ansonsten stehen im zweiten Teil dieses im unterdurchschnittlichen Sinne schülerhaften bzw. touristenmässigen Berichtes die Autobahn und das Hotel im Vordergrund. Reisebeschreibungen aus dem 16. oder 18. Jahrhundert aus dieser Region, als man mit Pferd oder Maultier unterwegs war, erhalten eindeutig konkreteren und wertvolleren Informationsgehalt. Wenn meine 92jährige Schwiegermutter und ihr etwas jüngerer Freund von ihrer Dubai-Reise erzählen, ist der Informationsgehalt ähnlich, wobei die Alten im Winter vor allem wegen dem warmen Klima, trotz Klimaerwärmung im mittleren Europa, dorthin reisen. Ich wundere mich, dass der Bericht nicht wenigstens das Wetter thematisiert. Ist heute schliesslich ein Politikum.

Marc_Aurel
7. Februar 2020 10:00

Ich verstehe nicht so ganz, warum man den Bericht in so viele Teile aufsplittet - gerade dann, wenn man sich einigermaßen auf die erzählerische Frequenz/Welle eingestellt hat, ist schon wieder Schluß. Auf einer Seite wie der Sezession, kann man wohl von aufmerksamen und geduldigen Lesern ausgehen, so das mehrseitige Berichte zumutbar sind. Hat das technische Gründe oder terminliche, entsteht der Bericht gerade? ;-)

Der_Juergen
7. Februar 2020 10:01

Ich fand den ersten sowie den zweiten Teil des Berichts weitgehend banal und arm an Informationen. Es ist sicher lobenswert, dass einige AFD-Leute versuchen, sich aus erster Hand über die Lage in Syrien ein Bild zu machen; die Journalisten von der deutschen Qualitätspresse haben dies während des Krieges in aller Regel ja nicht getan, sondern von sicheren Nachbarstaaten aus berichtet und ihre Informationen ausschliesslich aus assadfeindlichen Quellen bezogen. Im Gegensatz dazu hatte und hat das russische Fernsehen mit der (fliessend Arabisch sprechenden) Anastasia Popowa sowie dem Kriegskorrespondenten Evgeni Podubni echte Experten an die Front geschickt.

zeitschnur
7. Februar 2020 10:27

Weil wir es in einem anderen Strang von Kitsch hatten - bitte, nehmen Sie es mir nicht übel, aber dieser Text enthält teilweise Kitsch und verunglückte Sätze:

"Nach dem letzten Duty-Free-Geschäft am Wegesrand ist die Autobahn in tiefe Dunkelheit getaucht. Fast in bedrohlichem Grau erheben sich ringsum Hügel, über die man nicht drüber schauen kann. Gelegentlich passiert der Konvoi kleine Checkpoint, an denen stets eine Handvoll Soldaten ihren Dienst tuen und salutieren. Ihre Gewehre hängen an kleinen Haken in den Wachhäusern. Alte Kalaschnikows, meist ohne Schulterstützen. Angespannt wirken die Soldaten nicht. Überhaupt erinnert auch entlang der Autobahn noch immer nichts an ein Kriegsgebiet."

"Nach dem letzten Duty-Free-Shop am Wegesrand ist die Autobahn..."
Diese Kombination von "Wegesrand" und "Autobahn" ist erschütternd. ich hätte, wenn ich das so zusammenstellen wollte, den "Wegesrand" durch Blümchen, farbigen Straßenstaub und Graswatzen gesäumt, damit irgendwie plausibel wird, wie der Rand eines Autobahn ein "Wegesrand" sein kann. Aber so?
Der Kracher sind aber dann die "Hügel, über die niemand drüber schauen kann", und dies, nachdem sich die "tiefe Dunkelheit" plötzlich doch in ein "bedrohliches Grau" verwandelt hat. Das sind wirklich beachtliche Naturerlebnisse. Ich hätte eigentlich gedacht, dass man ohne weiteres über Hügel drüberschauen kann - wo wir doch durch die atmosphärische Refraktion sowieso je nach Bedarf starrsinniger Physiker gekrümmt um Ecken schauen können, um auch noch den letzten allzu offensichtlichen Widerspruch zu ihren Theorien niedergemäht zu bekommen. Was ist in Syrien los, dass man es dort nicht kann und offenbar sofort den Blick gerade gerückt bekommt: man kann nicht über Hügel drüberschauen, jedenfalls nicht auf der Autobahn. Darüber noch ein wenig zu sinnieren, hätte den Text zu einem surrealen Abenteuerroman gemacht. Und: wer nicht gekrümmt sehen kann, muss rechtsextrem sein wie Assad.
Die "Soldaten, die ihren Dienst tun und salutieren".
So ist das also, und ich dachte immer, Soldaten sind dafür da.. äh, aber naja, wo geradeaus geschaut wird, hängen die Kalaschnokows auch an der Wand. Das ist romantisch, Syrien, das Land dekonstruierten Militarismus. Soldaten gibt es nur noch zum Salutieren, ein paar Museumsstücke, die Schulterpolster sind inzwischen von den Motten zerfressen.

"Mit zunehmender Nähe zur Hauptstadt befreit sich die Autobahn aus den in der Dunkelheit beunruhigend wirkenden Felsen und fließt ab in die Ödnis der syrischen Wüste."
Renitente Autobahnen in Syrien, befreien sich aus - schon wieder - beunruhigend wirkenden - Felsen. Das nenne ich mal eine beseelte moderne Welt. Freiheit den Autobahnen, nieder mit felsigen Wegesrändern. Nie wieder Beunruhigung!

Aber dann kommt gleich die nächste Überraschung: wie "fließt" eine "Autobahn" eigentlich, die sich der Metropole nähert, dennoch "ab in die Ödnis der syrischen Wüste"?
Eben hat sie sich befreit und nun muss sie abließen, offenbar in die Gegenrichtung? Oder wollte der Autor sagen, dass Damaskus identisch ist mit der "Ödnis der syrischen Wüste"?
Bemerkenswert auch, dass die Wüste öde ist, wo die Autobahn lebt und sich gerade befreit hat....
Ja, da kann ich vollen Herzens dem Autor zustimmen, wenn er am Ende schreibt:
"Unwirklich sind die ersten Eindrücke, „abgefahren“ die Umschreibung."
Mit den besten Grüßen auch an meinen collegam @ Maiordomus

Weltversteher
7. Februar 2020 10:50

Maiordomus:
Ganz meine Meinung, auf den Punkt gebracht.
Wir wollen dankbar sein, daß wir wengistens solches zu hören bekommen. Man kann sich aber den Gedanken nicht verkneifen, daß auch der Anspruch der Reise der Art der Schilderung entsprechen mag. Hoffen wir das beste!

Laurenz
7. Februar 2020 13:38

@die bisherigen Kommentatoren

Hier handelt es sich quasi um eine politische Reiseerzählung. Und augenscheinlich will man den Leser nicht überfordern, ein legitimer Ansatz. Daß Sie für die Reise-Erfahrungs-Beschreibung durch Syrien nicht von Interesse ist, kann zwar sein, spielt aber keine Rolle. Wieso kommentieren Sie Ihren Unwillen? Machen Sie doch ein eigenes Medium auf, anstatt hier wertlose Maulaffen feilzubieten.

Mboko Lumumbe
7. Februar 2020 14:18

Durch diese "Notizen einer politischen Reise" in und durch Syrien wurde mir bisher der Eindruck eines Landes vermittelt, das schlimme Zeiten hinter sich hat und doch zu einem einigermaßen "normalen" Leben zurückfinden möchte und hierbei auf einem guten Weg ist.

Das mag banal klingen und eben dies mag ja das rhetorische Mittel sein zum Zwecke.

"zahlreiche Restaurants und Cafés, mit französischer, russischer und italienischer Küche"
"Überall sitzen Menschen auf den Terrassen, essen, trinken und rauchen Wasserpfeife, ohne die es hier nirgendwo zu gehen scheint.
Die Speisekarte ist üppig, es gibt örtliche Speisen aber auch Pasta und internationale Gerichte."
"Das süffige syrische Bier jedenfalls wird mindestens genauso schnell nachgeschenkt wie in einem Kölner Brauhaus."

Man könnte Lust auf Urlaub dort bekommen...

Wenn da nicht auch dieser Teil der Realität wäre: "In der Nacht schlagen israelische Raketen in einem Vorort ein und töten mehrere Zivilisten."

Laurenz
7. Februar 2020 14:38

@Mboko Lumumbe .... Danke, Sie haben das schön beschrieben. Hier tritt bei unseren Mitforisten der Effekt mangelnder Empathie und etwas ekliger Selbstgerechtigkeit auf. Das ist in etwa dasselbe, wenn man den Deutschen nach dem Kriege Oberflächlichkeit vorwirft. Die meisten Menschen sind nicht mit der bewundernswerten Konstitution eines Ernst Jünger ausgestattet und müssen auf anderem Wege erworbene Traumata verarbeiten, eben mit profaner Ablenkung durch normales Leben. Wäre dem anders, wäre Ernst Jünger ja auch nichts besonderes.
Und ja, ich würde auch gerne die Region besuchen, schon lange. Dort befindet sich der historische Endpunkt der Seidenstraße im östlichen Mittelmeer. Die zukünftige Seidenstraße verläuft weiter im Norden.

Weltversteher
7. Februar 2020 20:35

Da das lächerliche Wort nun schon in der Welt ist:
Eine "Wahrheitskommission" (oder hier eben -expedition) wünschen sich unzählige Europäer, die mit dem offiziellen Syrien-Bild nichts anfangen können. Ist das nicht ein nahezu vermessener Anspruch? Um so wichtiger ist für den Leser daher eine "Eichung" des Berichterstatters, um ermessen zu können, was dessen Ergebnisse tatsächlich bedeuten. Die Anmerkungen unseres schweizerischen Dozenten zielten darauf ab.

Mitunter hört sich der Bericht an wie von staunenden Kindern. Als hielte man es nicht für möglich, daß man die ganze Zeit durch potemkinsche Dörfer geführt werden könnte, auch in immaterieller Hinsicht. In Nordkorea sollen keine anderen Reisen möglich sein; ich verweise auf die umfassend dazu vorliegende Kritik.

Wenn es zutrifft, daß alte und neue Muselmanen aus der BRD "inoffiziell" hin- und herreisen können, wäre es ein Gedanke, sich solchen anzuschließen.

Maiordomus
8. Februar 2020 09:34

@Laurenz. Sie haben es gut mit Ihren "Maulaffen". Ja, man könnte selber durch Syrien fahren und es in einem eigenen Medium publizieren. Genau das machte ich 1966, und publizierte es als Report in einer rechten Meinungszeitung, wo dann auch Gerd-Klaus Kaltenbrunner regelmässig gute Beiträge platzierte. Selber befuhr ich das Land mit einem palästinensischen Taxi-Chauffeur, was bereits den bisherigen Stand obigen Reports übersteigenden Quellenwert hatte; erinnere mich ferner natürlich prima an die von John Hoewer oben beschriebenen Hupkonzerte in Damaskus bei der Übernachtung im Hotel Semiramis, welchen touristischen Gesichtspunkt ich im Gegensatz zu meiner mitreisenden Mutter in Sachen Erkenntnissen jedoch nicht in den Vordergrund stellte. Insofern hatte ich bei der Lektüre der kritisierten ersten beiden Abschnitte dieses Berichtes Wiedererkennungserlebnisse. Hingegen berichtete ich 1966 in der besagten Zeitschrift über Gespräche mit Palästinensern, die einerseits über ihre Vertreibung berichteten, andererseits glaubten, bei Adolf Hitler einen "unvollendeten" Kampf gegen die Juden konstatieren zu müssen, eine Meinung, die ich nicht als hilfreich einschätzte. Es war aber doch wichtig, solche Stimmen zur Kenntnis zu nehmen, jedenfalls war es für die damalige Leserschaft informativer als der Schrott der oben dargestellten ersten Kapitel. Sie, @Laurenz, sollten sich mal fragen, ob Sie hier schon einiges geschrieben hätten, was für die deutsche Rechte in Abgrenzung zu Simplifikationen des Gegners zitierbar wäre. Im gedruckten Heft gibt es aber immer wieder solche Trouvaillen. Gute Artikel bleiben, gerade weil der Gegner ständig die Hitlerkeule auspackt, von Bedeutung. Von jedem einzelnen Beiträger, ich meine jetzt nicht die Blogger, wäre zum Beispiel zu erwarten, dass man unter rein intellektuellen Gesichtspunkten besser und sauberer argumentiert als zum Beispiel der gegenwärtige CDU-Generalsekretär. Dies erfordert bei der gegenwärtigen personellen Besetzung jener Partei beileibe nicht schon Genialität, bleibt aber im Sinn des Bestehens vor dem Gericht der Geschichte durchaus ein Erfordernis. Das war im 3. Reich zum Beispiel auch ein Anspruch der Autoren der "Weissen Blätter", so lange sie für diese Publikation noch Papier zugeteilt bekamen. Der Anspruch, geistig sauberer (was im Einzelfall nicht intelligenter bedeuten muss) aufgestellt zu sein als diejenigen, die Recht bekommen, weil sie an der Macht sind, scheint mir ein unbedingter Anspruch einer oppositionellen geistigen Institution zu sein.

Laurenz
8. Februar 2020 14:45

@Maiodomus .... Ihnen fehlt, was ich bedauere, die Empathie zu erkennen, wann etwas kurz und wann etwas detailliert zu beschreiben ist. Nicht, daß ich mehr Empathie für Textlängen hätte, aber ich erhebe auch nicht Ihren Anspruch auf den Thron Chinas.

Auch hier! sind Ihre Einzelheiten interessant zu lesen. Sie haben doch einen Guten Draht nach Schnellroda. Ihr damaliger Artikel, der allerdings in den säkularen Aufschwung-Zeiten des Nahen Ostens geschrieben wurde, wäre doch als Kontrast interessant. Was Ihre Kritik am aktuellen Reisebericht angeht, so kann ich Ihnen nur empfehlen, zu unterscheiden. Die zeitliche Rahmen dieser Reise war kurz, was erwarten Sie da? Um tiefer einzusteigen, braucht man mindestens 4-8 Wochen.

[email protected], sollten sich mal fragen, ob Sie hier schon einiges geschrieben hätten, was für die deutsche Rechte in Abgrenzung zu Simplifikationen des Gegners zitierbar wäre. - Zitatende

Hier schreibe ich in erster Linie für uns. Und was mir, als Autodidakt, von der Redaktion freundlicherweise nachgesehen wird .... ich habe nicht gelernt, Artikel zu schreiben. Aber debattieren kann ich, auch oder besonders mit dem politischen Gegner. Ich verweise nochmal auf alle Groß-Interviews und TV-Debatten hin, welche AfD-Granden im letzten Jahr bis jetzt bestritten haben. Grundsätzlich befindet man sich im Erklärungs-, Rechtfertigungs- und Entschuldigungs-Modus, anstatt, wie der politische Gegner, anzugreifen, vorzuwerfen, zu diskreditieren und zu diffamieren. Diese publiken AfD-Leute, sind wie Sie, Maiordomus, schlicht zu bürgerlich brav. Egal ob es Debatten mit Leuten vom Welt-Moral-Hauptamt (ÖRR) oder sonstige Schwachmaten sind, es geht um die verbale Zerschlagung, der Peinlichkeit preiszugebende politische/r Gegner und Journalisten. In die Medien kommen AfD-Vertreter doch nur, wenn man sie einladen muß oder weil eine Provokation im Raume steht. Von daher, Angriff ist die beste Verteidigung.
Als Eidgenosse müssen Sie doch eine Knarre im Haus haben. Gehen Sie im Denken einfach mal weg von der Philosophie und wenden Sich den Militär-Theoretikern zu. Die Linke ist hier mit schwachen intellektuellen Mitteln außerordentlich versiert und ihr geht es, (quasi wie Adm. Nelson), schlicht um unsere totale Vernichtung. Wem das nicht klar ist, antwortet eben auch nicht mit Clausewitz, sondern läßt sich schlachten.

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