2. Februar 2020

Sonntagsheld (136) – Eiserne Herzen

Till-Lucas Wessels / 30 Kommentare

Der grüne Rächer schlägt zurück

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

Wer ist Tom Radtke? Ist er ein Troll? Ist er ein Whistleblower? Ist er der neue Edward Snowden? Oder ist er einfach nur ein gekränkter Computerfreak mit einem Faible für Strategiespiele, der sich wehrt gegen die als Unrecht empfundenen Distanzierungen seiner Genossen?

Die meisten Leser bleiben vermutlich bereits bei der ersten Frage hängen. Wer zur Hölle ist Tom Radtke überhaupt? Ich versichere: Unwissenden ist kein Vorwurf zu machen – man muß Radtke nicht kennen. Noch nicht jedenfalls.

Bis jetzt ist Tom Radtke vor allem ein 18-jähriger Heißluftballon, der prallgefüllt mit vielen ungeheuerlichen Versprechungen durch den digitalen Orkus wabert. Wenige Tage ist es erst her, da machte der Name des bisher weitestgehend unbekannten Listen-Kandidanten der LINKEN das erste Mal Schlagzeilen, als er folgendes von sich gab:

Sich anläßlich des alljährlichen Erinnerungsstelldicheins über die Emissionspolitik des Dritten Reiches und den ökologischen Kettenabdruck deutscher Panzer zu echauffieren, das ist…nun eigentlich genau das was man von den karikaturesquen Figuren um Fridays for Future und Extinction Rebellion als nächste Steigerung der eigenen Verbaleskalation erwartet hatte. Der Konnex Klimawandel – Holocaust ist keinesfalls erst durch Radtke aufs Tableau gebracht worden, sondern schon länger ein gern genutzter Superlativ der vorherrschenden Klimadebatte (nachzulesen etwa hier, hier oder hier).

Natürlich dauerte es nicht lange, bis Radtkes Tweet in aller Munde war, binnen Rekordzeit distanzierten sich die wesentlichen Akteure der Klimaschutz-Bewegung von ihm, auch die LINKE, für die Radtke auf dem Listenplatz 20 der Hamburger Bürgerschaftswahl kandidiert, kündigte Konsequenzen an.

Das war’s? Noch nicht ganz. Bühne frei für Rächer-Radtke – den Helden, den die Klima-Linke zwar nicht braucht, aber verdient:

Mit dieser Ankündigung katapultierte sich der schon im Verglühen begriffene Eintaggsstern Radtke wieder ans Firmament des vor Zynismus triefenden Himmels der Onlinewelt. Binnen weniger Stunden stieg die Reichweite seines Twitter-Accounts rasant an, befeuert wurde die (sicherlich hauptsächlich hämische) Euphorie noch durch die Tatsache, daß er als System-Admin mehrerer Netzpräsenzen der „Fridays for Future“-Marke tatsächlich Einblicke genossen haben dürfte, die über oberflächliche Informationen hinausgehen.

Es folgte mindestens ein Interview in der WELT, von der taz bis zum Focus arbeiteten sich zahlreiche Medien am ersten „Whistleblower“ der Klimabewegten ab. Dabei bleiben die Vorwürfe, die Radtke erhebt, bisher recht nebulös, klingen aber gleichzeitig ungeheuerlich genug, um den Sensationsdurst seiner Anhänger nur anzufachen: Sie reichen von der Andeutung pädophiler Umtriebe im Umfeld der Hamburger „Fridays for Future“ über den Vorwurf ehelicher Untreue unterschiedlicher Politiker bis hin zu einem internen Machtkampf zwischen Linken und Grünen innerhalb der Hamburger Klimabewegung.

Details zu diesen Punkten kündigte Radtke für einen Livestream am 1. Februar an, in welchem er sich außerdem zu den geschichtspolitischen Themenfeldern äußern wollte, deren übermütige Thematisierung ihn überhaupt erst einer größeren Öffentlichkeit bekanntgemacht hatte.

Pädophilievorwürfe und außereheliche Affären – es fällt auf: Radtke operiert nahezu ausschließlich unterhalb der Gürtellinie. Ein Zug ins Tyrannische geht ihm dabei nicht ab. Ja, es scheint fast so, als wollte Radtke nun jene Welt brennen sehen, die er eben noch vor dem „Klima-Holocaust“ bewahren wollte.

Nun, der 1. Februar kam und Radtke lieferte abermals, aber wieder so ganz anders als das irgendjemand erwartet hatte. Während er die angekündigten Enthüllungen über Luisa Neubauer und Co. mit einem Verweis auf anwaltliche Ratschläge einstweilen zurückbehielt, eröffnete er statt dessen – quasi als „Live-Geschichtsstunde“ eine Partie der 2.Weltkriegs-Simulation „Hearts of Iron IV“ in welcher er sich – auf vielfachen Zuschauerwunsch hin – das Deutsche Reich als Spielpartei auswählte.

Als er sich mit der Lässigkeit des erfahrenen Spielers Panzerdivisionen zusammenstellt, scheint plötzlich auch Radtkes Interesse am CO2-Ausstoß der von ihm gesteuerten Einheiten in den Hintergrund zu rücken. Sachkundig bemerkt er: „Als Deutscher macht’s halt doch Sinn, recht schnell mit Militärfabriken anzufangen“.

Der Rest der Übertragung verläuft, zumindest hinsichtlich skandalöser Geheiminfos, ereignislos, nach etwas mehr als 17 Minuten bricht der Stream ab. In einem weiteren Stream, der am späten Sonntagabend startete und zur Stunde läuft, bleibt Radtke bis auf zwei angeblich private Sprachnachrichten der Aktivistin Luisa Neubauer Beweise für seine Vorwürfe schuldig. Stattdessen spielte er - abermals auf Zuschauerwunsch - unterschiedliche Musikvideos ab unter anderem vom linksradikalen "Jugendwiderstand"-Rapper "Taktikka" und den rechten Künstlern "Chris Ares" und "Komplott".

Es bleibt also zu befürchten, daß sich die wollüstige Aasgeierschaft der im Netz versammelten Newshyänen zu voreilig auf einen übermütigen 18-Jährigen gestürzt hat, der nun versucht, seinen Seiltanz an der Peripherie der Aufmerksamkeit noch ein wenig auszudehnen. Selbst wenn Radtke über sensible Informationen verfügen sollte, ist es unwahrscheinlich, dass er dafür einen saftigen Rechtsstreit eingeht.

Sollte es sich bei den #RadtkeLeaks allerdings um das Finale einer gelungenen Trollinfiltration handeln, so hätten wir es hier mit einem Akt durchaus amüsanter Netzscharlatanerie zu tun, vor dem ich in jedem Fall meinen ureigenen Schlapphut zu ziehen geneigt bin.

Wie dem auch sei – Sie merken: Was Seichtes zum Sonntag. Wer sich den Spaß machen und das Chaos nachlesen will, das der junge Hamburger verursacht hat, der kann auf COMPACT alle Stationen der bisherigen Irrfahrt abklappern.


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.


Kommentare (30)

Laurenz

3. Februar 2020 06:15

Linke Logik ist manchmal so verblüffend dämlich. Nach Herrn Radtke hätten wir aktuell beim von Klima-Nazis verursachten Klima-Holocaust gut 7 Milliarden Klima-Holocaust-Überlebende zu entschädigen. Wie sollte Deutschland das finanzieren? Denn außer uns würde sich daran ja keiner beteiligen.
Selbst Die Linke traut es sich nicht zu, so viel Geld zu drucken.
Und solange die Abgeordneten von Bündnis90/Die Grünen den Fahrdienst des Deutschen Bundestags am häufigsten nutzen, und nur wir, das Volk, in den Auto-freien Gulag umziehen sollen, können wir nur auf die Umsetzung der Maßnahmen der Groko hoffen, bessere linke Politik zugunsten der Rechten hat es nie gegeben. Und bis dahin werden wir mit den Panik-Attacken von Herrn Kahrs unterhalten. "Warum stoppt den keiner?" Ja, warum denn? Warum fragt Kahrs nicht bei Habeck an, warum der sich selbst und seine politischen Fachkräfte nicht stoppt? Hier Katharina Schulze ganz aktuell bei Markus Lanz https://youtu.be/8roJ4xjRXfc Wahlkampf-Spots der AfD können wir uns sparen. Da hilft es auch nichts mehr, wenn Böhmerwaldmännchen wieder irgendwelchen imaginären Internetfaschos die Schuld an linker Blödheit zuweist.
Es wurden nie mehr SUVs an grüne Lehrer-Ehepaare verkauft, als in 2019. Weiter so, Freunde linker Politik.

Solution

3. Februar 2020 09:05

Aus dem Klima-Thema kann man viel machen. Einerseits ist die Argumentation der Klima-Spinner löchrig wie ein schweizer Käse, andererseits haben sie keine praktikablen Lösungen. Angesichts der vielen guten Argumente, z.B. gegen die CO2-These, sowie der drohenden Entindustrialisierung, der Abschaffung der Meinungsfreiheit, der Nichtfinanzierbarkeit und der absoluten Unmöglichkeit, ausreichend "saubere" Energie zur Verfügung zu stellen, kann man sehr gut dagegenhalten. Ein weiterer Vorteil ist, daß jeder davon betroffen ist oder sich mehr oder weniger betroffen fühlt. Wichtig ist, das Thema, wo sinnvoll, immer mit der Masseneinwanderung und deren Kosten/Folgen zu verbinden. Die in immer größerer Zahl erscheinenden, wissenschaftlich fundierten Bücher und Filme zum Thema, die von wissenschaftlich gebildeten Verfassern produziert werden, geben uns ein ansehnliches Waffenarsenal in die Hand. Ich denke da z.B. an Günther Vogl, Hans-Jörg Schmidt oder Eike Roth, die für den Einstieg völlig ausreichen. Nicht zu vergessen: EIKE. Die notwendigerweise wieder aufkommende Diskussion um die Kernenergie wird zu einem Spaltkeil für die Klima-Spinner werden. Die rechten "Troll-Armeen" befinden sich bereits mitten im Gefecht, bringen sie bereits das durch die "Energiewende" akute Risiko eines Blackouts mit allen seinen katastrophalen Folgen ins Bewußtsein der Massen. Die Angst wächst, mit ihr der Resonanzraum.

RMH

3. Februar 2020 10:27

Die causa Radtke ist für mich bislang lediglich ein recht klarer Fall von 15 minutes of fame ...

Evtl. bekommt er ja noch mal 15 weitere Minuten, abwarten, die Wahrscheinlichkeit dafür ist gering.

zeitschnur

3. Februar 2020 11:03

Hier noch mehr zT Klima-FFF-Debunking https://www.youtube.com/watch?v=z2mdJoTNBEw
Eigentlich sollte einem jede Minute mit diesem idiotischen Thema zu schade sein. Aber: The Germans are the best for Doomsday theories.
Und wer diese absurden Doomsday theories so hysterisch zelebriert wie mancher deutscher Jugendlicher, der wird, nachdem er überall Nazis gewittert hat, ohne echt fündig zu werden, jedenfalls nicht da, wo man ihn als Trüffelsau hinschickt (er hätte bei seinen Auftraggebern suchen sollen), irgendwann auch auf den Zug der Enthüllungsstories aufspringen. Bloß ist das Feld schon abgegrast. Tja.
Gähn.

tearjerker

3. Februar 2020 13:01

Ein ‚wer ist wer‘ der öko-industriellen „NGO“ FFF und ihrer Verflechtungen wäre eine feine Sache. Da kann Radtke gern weitermachen. Auch wenn ohnehin jeder weiss, dass FFF keine Organisation für Graswurzel-Protest ist, sondern eine Interessenvertretung des Bündnisses von Parteien, Regierungsorganisationen und ausländischen Konkurrenzinteressen, die sich gegen hiesige Unternehmen richtet und das ganze Land erpressen soll. Auch die Medien sind Teil dieser feindlichen Infrastruktur, während die Wortführer pathologische Karrieristen, Neider und Psychos sind, deren Agenda vor Allem auf die eigene Bereicherung abzielt. Blöd, wenn dann aus Versehen auch noch herauskommt, dass die jahrzehntelang beschworene Symbol- und Geschichtspolitik unter Nachwachsenden bestenfalls noch für ein lausiges Meme reicht. Gut gewählt.

Caroline Sommerfeld

3. Februar 2020 14:14

@tearjerker: Gibt's schon. Die JF hat ein Sonderheft "JF Spezial. Die Akte Greta" herausgebracht (Herbst/Winter 2019), die ganze "Astroturf"-Nomenklatura dahinter wird auch benannt.

tearjerker

3. Februar 2020 19:46

Danke für den Hinweis. Das werde ich mir anschauen.

Franz Bettinger

3. Februar 2020 22:27

Ich bin nicht grundsäzlich gegen Anglizismen, Gallizismen und nette italienische Lehnsworte wie tutti quanti - und nicht nur an dieser Stelle vermisse ich auf SiN den werten Thomas Martini, um uns heimzuleuchten - aber übertreiben sollte man's auch nicht, vor allem, wenn es bessere Worte auf deutsch gibt. Das betrifft übrigens auch das Schau-Laufen auf lateinisch. Immer sich fragen: Wem's bringt's was? Wen will ich beeindrucken? Wissen die SiNners nicht längst, was für 'n schlauer Typ ich bin? - Und einpacken!

debunking = Entlarven, Aufdecken

Nordlicht

4. Februar 2020 00:28

Die bisher genannten Sonntagshelden werden sich vera***t fühlen, in eine Reihe mit diesem Rotzlöffel gestellt zu weren.

RMH

4. Februar 2020 07:57

"mit diesem Rotzlöffel" ….

während andere sich bei dem jungen Herrn an Alfred E. Neumann erinnert fühlten, dachte ich spontan, ob er wohl mit Herrn B. Lucke verwandt ist.

@Franz Bettinger,
Sie haben mit Ihren Anmerkungen zur Sprache und zum "Bildungslatein" durchaus recht. Die Zeiten, wo mancher hier in griechischer Schrift referierte oder andere artifiziell "k" durch "c" und einen Pseudo-vor-1900- Stil pflegten, sind aber zum größten Teil vorbei.

Ein Realismus macht sich breit, bei dem man berechtigterweise auch das "heroischer" streichen kann. Ich finde das gut.

Laurenz

4. Februar 2020 09:12

@Nordlicht ... Undank ist der Welt Lohn.... @Franz Bettingers Tiefer Staat und auch die Nationale Einheitsfront 2.0 haben den Hang arg junge Leute oder psychisch Kranke an die Front des ehemaligen gesellschaftlichen Diskurses zu stellen. Man verspricht sich kostengünstig Reichweite, ähnlich dem Jugendwahn totalitärer Regime. Natürlich gibt es auch Fehlschläge, wenn Philipp Amthor uns weismachen will, er hätte eine Jugend gehabt. In Wahrheit ist der schon im Alter von 26 Jahren reif für die Rente. Was hier tatsächlich passiert, ist grüner Pädo-Mißbrauch, eben nur auf einer geistigen Ebene. Das menschliche Gehirn ist erst im Alter von 25 Jahren vollendet. Das wird aber nicht respektiert. Und wenn Herr Wessels über Tom Radtke schreibt, dann doch deswegen, weil es sich genau um das jugendliche Tretminen-Feld handelt, welches die Deutsche Linke selbst gelegt hat. Nur haben eben nicht, wie beabsichtigt, wir unsere politischen Beine verloren, sondern Stegner, Kahrs & Böhmermann.

Lotta Vorbeck

4. Februar 2020 10:42

@Franz Bettinger - 3. Februar 2020 - 10:27 PM

"Ich bin nicht grundsätzlich gegen Anglizismen, Gallizismen und nette italienische Lehnworte wie tutti quanti ..."

~~~ ~~~ ~~~ ~~~

Heute ausnahmsweise mal nicht in der dritten Person: Den von Caroline Sommerfeld bei ihrem Hinweis an @tearjerker ins Spiel gebrachten, meinerseits nie zuvor gehörten "Astroturf" finde ich genial.

zeitschnur

4. Februar 2020 11:15

Die Sprache, die Sprache, armes Fränzchen, ist ein Waffenarsenal, ein Blick in die Seele der Zeit und ein Baukasten und dem Intelligenten und Phantasievollen auch ein Spiel, aber nicht jeder, der (freiwillig) als homo erectus auf die oben zwei Beine verzichtet, ist schon auf der Höhe des Menschenmenschen sprachgewandt... Und immer war sie, die Sprache, die des Menschen, nicht des Balbulus, ein Steckenpferd des unberufenen Primaten, der darüber wachen zu müssen meinte und sie weder kannte noch liebte. Der Neid ist auch eine der sieben Todsünden... Er hat alles Sprechen mit Tierernst versetzt, aus vielen Dimensionen die eine gemacht, womöglich noch stolz auf die Stabilität seiner Sprachlosigkeit. Nichts weiß er von Ironie, Persiflagen, Zitaten, Satirischem, von der Erfahrung der Sprachlichkeit in den Tiefen des Meeres; von Rhetorik hat er noch nie gehört, ja, er hält letztere für die Sünde par excellence und die "Acedia", die alte Chefin dieser Siebenertruppe, die "Trägheit", ist seine Göttin. Wer der Jugend und Youtube fern steht, und deren "Jargon", der wird wohl kaum verstehen, diese surreale Begriffswelt als Älterer am besten ironisch zu spiegeln.
Gegenfrage by the way :-))):Wann haben Sie zum letzten Mal gelacht über das alles?

micfra

4. Februar 2020 12:44

Kinder halt.

Laurenz

4. Februar 2020 23:09

@zeitschnur ... wenn Sie schriftlich eine romantische Stimmung in Ihrer Muttersprache erzeugen wollen, und das auch noch schaffen, ist das Kunst. Die Exotik einer fremden Sprache zu nutzen, ist keine Kunst.
Hinzu kommt, daß Sprache untrennbar mit unserem Denken verknüpft ist. Umso primitiver man Sprache und umso primitivere Sprache man nutzt, umso primitiver wird das eigene Denken. Problematisch, nicht? Nicht umsonst werden die Jahrgänge ab 1990 von Jahr zu Jahr blöder.
Desweiteren stimmt Ihre Aussage über unseren Sprachgebrauch nicht mehr. Es betrifft nur noch gewerbliche und wissenschaftliche Sprache. Darüber hinaus im Volke betrifft es nur die Zeit unserer eigenen Jugend, zeitschnur. Aktuell handelt es sich bei über 60% der in Deutschland konsumierten Musik um deutschsprachige Musik.

Gracchus

5. Februar 2020 09:59

@Laurenz: Ich kann leider keinen Zusammenhang zwischen zeitschnurs Kommentar und Ihrer Erwiderung erkennen.

zeitschnur

5. Februar 2020 11:17

@ Laurenz

Nee, verehrter Laurenz, Kunst ist, wenn jemand es schafft, eine romantische Stimmung zu erzeugen. Allerdings bitte ohne dieses deutschgetümelte, aber wesenlose Gezerre à la Thomas Martini, dessen aggressive Ergüsse und Belehrungen man in der guten alten Zeit, als es noch Achtung vor echter Bildung gab (meine Brillengläser beschlagen gerade) als borniert bezeichnet hätte und die Ihren gleich mit dazu (pardon!).
Ich weiß, dass manche unter "romantisch" und "Kunst" das verstehen, was ich für "Kitsch" halte. Übrigens ist der meiste Rap sogar Kitsch par excellence, aber nicht wegen seines Stils, denn der ist legitim und kann Kunst sein, auch auf Englisch, auch in einer Mischung aus Englisch und sonstetwas. Übrigens: der Begriff "Kitsch" wird als solcher unübersetzt in andere Sprachen übernommen, weil es ihn in anderen so nicht gibt. Es ist nur das Deutsche, das das eine vom anderen mit einem wachen Gefühl voneinander zu unterscheiden weiß. Ich kann hier an der Stelle eine Reflexion von Saul Friedländer dazu empfehlen, die aufzeigt, wie sehr totalitär bewachte und konzipierte Kunst Kitsch ist und sich vom Tod nährt, wobei allerdings das, was heute unter "Kunst" auf den Markt kommt, im wesentlichen Kitsch ist: https://www.amazon.de/Kitsch-Tod-Widerschein-Nazismus-Nationalsozialismus/dp/3596179688

Die Kunst ist und bleibt frei. Und warum? Weil der Mensch den Odem Gottes in sich trägt und deshalb zur Freiheit berufen ist. Freiheit heißt, in Ordnungen zu schwingen, die nicht instinkt-, nicht triebgeleitet sind. Nur Tiere sind eingesperrt in das Nuancenfeld ihrer Instinkte, Triebe und Laute. Der Mensch mag abgestürzt sein in diese Begrenztheit seit Eden, aber er hat seine Sprachfähigkeit von Gott und die ist so gewaltig, dass wir davon wohl nur dann etwas ahnen, wenn wir beten. Das Gebet hat uns trotz allem immer noch menschlich gehalten. Mit "Gebet" meine ich die tiefe innere und vertraute Haltung und Ansprache hin zu Gott, keine rituellen Leiern (obwohl auch die gut sein können und den Einstieg ins innere Beten geben können).
Wirklich große Sprache und Dichtung entgrenzt eine nationale Sprache nach innen und außen, in die Tiefe und in die Erhabenheit. Sie macht Tiefes, Inneres sichtbar, ohne es zu veräußern.
Es ist ganz wesentlich der Atheismus und Agnostizismus, der die Sinne dafür stumpf gemacht hat und die Sprache verarmen lässt und formalisiert, auf die kontrollierte Geräuschebene hinabpresst.
Wo immer in dieser Welt Sprachkunst auftritt, tut sie es im Verbund oder in nächster Nachbarschaft zur Religion, wozu ich auch die Liebe (nicht gewisse Regungen in tieferen Körperregionen) zähle. Ich weiß, dass Ihnen das nicht passt und manchem anderen hier, es ist aber die Wahrheit und lässt sich leicht prüfen!
Es ist daher kaum wesentlich, ob in eine Sprache auch fremde Wörter oder Zitate oder dergleichen integriert werden. Gerade das Deutsche, auch das "klassische", strotzt nur so davon, eben weil wir einstmals, als es noch viele religiöse Menschen gab hier, ein geistvolles Volk waren. Sie wissen sicher auch nicht, dass das, was wir für die genuin deutsche Grammatik halten, teilweise durch das Lateinische erst etabliert wurde.
Mit Regeldenken, patriotischem Schwall und mangelnder literarischer Bildung werden Sie niemals das rekonstruieren können, was aus der Tiefe eines Herzens gesagt wird, das alles, was es tut, in der Sehnsucht nach dem Göttlichen aufgehoben weiß. Ob Sie "im" nun mit Dativ" oder ohne verwenden, dürfte dagegen eher unwesentlich sein, und, wenn es so entkernt kommt wie bei Ihnen oben, keinen inneren Sinn und keine innere Notwendigkeit erkennen lässt, als altertümliches Getue und Kitsch wirkt. Es gibt nun mal keine Formen ohne lebendigen Inhalt, lieber Laurenz, und das ist wohl bei vielen Rechten das Hauptproblem, dass sie tatsächlich glauben, durch eine Restauration von bestimmten "alten" Formen" stelle sich der Inhalt gleich auch noch dazu ein. Aber genau das ist falsch, denn nicht die Form schafft Inhalt und Geist, sondern der Geist in seiner unermesslichen Freiheit und Fülle schafft je neue Formen, immer als Schwestern der alten, die Familienähnlichkeit bleibt dennoch unverkennbar.

Franz Bettinger

5. Februar 2020 23:11

@zeitschnur schreibt: "Es ist nur das Deutsche, das das eine vom anderen voneinander zu unterscheiden weiß." Sie meint, nur "das Deutsche" - die deutsche Intelligenz, das deutsche Gefühl? - vermag Kitsch von Kunst zu trennen. Engländer, Franzosen oder Griechen vermögen das nicht. Sie haben nicht einmal ein Wort dafür. Es gibt Leute, die diese Aussage für patriotischen Kitsch halten.

Kitsch hat immer etwas mit Lügen zu tun! Oder mit Einseitigkeit und auch Langweiligkeit. Kitsch lässt einen nicht bewegt und Rätsel ratend zurück. - Die Mona Lisa zum Beispiel. Ja, da wird @MD aufschreien wie einst beim Schiller (der eben auch mal daneben haute. Wieso auch nicht). Kitsch ist auch, alles von allen Klassikern für gut halten zu müssen. Kitsch ist auch Kritiklosigkeit, bzw. das unausgesprochene und politisch korrekte Kritik-Verbot an bestimmten Werken bestimmter großer Meister.

Ein typisches Beispiel religiösen Kitsches ist z.B. folgender zeitschnürische Satz: "Die Kunst ist frei, weil der Mensch den Odem Gottes in sich trägt und deshalb zur Freiheit berufen ist." Der Satz ist voller falschem Pathos, und die Gute merkt's nicht mal.

Laurenz

6. Februar 2020 01:06

@Gracchus

Zitat-
@Laurenz: Ich kann leider keinen Zusammenhang zwischen zeitschnurs Kommentar und Ihrer Erwiderung erkennen. -Zitatende

Das hatte ich von Ihnen auch nicht erwartet.

@zeitschnur .... ich habe Ihren Beitrag genau gelesen. Sie haben nichts Fundamentales auf den Tisch gelegt, außer Ihre persönliche Sicht der Dinge. Im Gegensatz zu vielen anderen hier auf SiN, erwarte ich auch keine Untermauerung mit großen Namen, Ihr Name reicht.
Ihr Trennung zwischen Tier und Mensch ist so nicht haltbar. Es existieren außer uns sehr wohl Tiere, vor allem Rabenvögel, die sich im Spiegel selbst erkennen und komplexe Denkaufgaben lösen können. Auch Tiere und Pflanzen kommunizieren, und nur Ihre unwissende Überheblichkeit, welche sich aus der Tradition der Kirchen-Geschichte ergibt, streift deswegen den Größenwahn. Sehen Sie nicht, daß Ihre Haltung jegliche Neugierde auf das Unbekannte ausbremst, jegliche Evolution verhindert? Weder unser Geist ist göttlich inspiriert noch unser 4-Beiner-Skelett der 2-Beinigkeit angemessen. Ich könnte Ihnen mit der These zustimmen, daß wir göttlich benutzt werden. Das ergäbe Plausibilität der göttlichen Existenz.
Desweiteren haben Sie das Beten und seinen Ursprung nicht verstanden. Beten ist keine "Ansprache" zu einem machtlosen hübschen Gottesbild, einer Götze, nein, vielmehr dient es unserer Wahrnehmung, unserem inneren Hören, eine Art Meditation, die uns in die Lage versetzt, zu verstehen, was die Göttliche Allmacht will. Und dieser göttliche Wille wabert durch das Universum, auch ganz ohne unsere Existenz. Ihr inneres Hören ist vor 2.000 Jahren taub geworden. Wenn Ihr innerer Dialog beim Beten immer plappert, wie wollen Sie, zeitschnur, da etwas Göttliches wahrnehmen? Ein eklatanter innerer Widerspruch.

Was die Sprache angeht, so hatte ich nicht erwartet, daß Sie die Politik hinter der Sprache nicht verstanden haben. Wieso können die meisten der ehemaligen älteren DDR-Bürger russisch. Genau, weil die Sowjets die militärische Option und damit die politische Macht ausübten. Rundfunkanstalten, Medien haben in in der ehemaligen BRD/Trizone ihre Lizenzen von den Alliierten erhalten. Da die Franzmänner nur Bittsteller waren, hatten sie keinen Einfluß.
Genauso handhabten das die Inkas. Im Westen also nichts Neues. Was meinen Sie, wie die Serben 500 Jahre osmanische Herrschaft überlebten oder die Juden 1.900 Jahre Diaspora? Weil sie ihre Sprache und damit die eigene Art zu denken pflegten.
Nur unsere deutsche Oberschicht hatte immer Probleme deutsch sprechen, mal Latein, mal Französisch, heute Englisch, beliebige Menschen.
Deutsch? Nein.
Sie wissen doch um die Debatte, als Mozart 2 deutschsprachige Opern schrieb.

Und Sie haben mich weiter nicht verstanden. Ich hatte noch nie Probleme, spanische, französische, englische oder sonstige fremde Lieder zu singen. Aber es ist doch klar, daß in dem Augenblick, indem man in einer anderen Sprache singt oder spricht, das Bewußtsein und das Denken verschoben wird. Wenn wir beide zusammen die Marseillaise singen, mutieren wir nicht sofort zu Franzmännern, aber trotzdem fühlt es sich anders an, als wenn wir "Das Wandern ist des Müllers Lust" zum Besten geben. Und natürlich verändert sich Sprache, die einfacheren Werke Goethes sind heute noch gut zu verstehen. Aber zB Torquato Tasso ist schon ganz schön weit weg, der Nachteil einer Schrift-Kultur.
In Europa sprechen die meisten Menschen immer noch deutsch und russisch, nicht englisch. Von daher ist das eine klare politische Aussage. In Nord-Amerika sprechen die Kanadier und die US Amerikaner englisch. (In 50 Jahren wird die Amtssprache der USA spanisch sein). Dazu kommen noch ein paar Australier. Nur 4% der Inder sprechen fließend englisch. https://indienheute.de/wie-viele-sprechen-eigentlich-gutes-englisch-in-indien/
Das heißt, die meisten Menschen auf dem Planeten sprechen chinesisch. Auch das ist neuerdings eine politische Aussage.
Und was hat die politische Hoheit über die Sprache nun mit "Rechts" zu tun? Eben, nichts.
Rechts ist es, möglichst viele Sprachen und Kulturen erhalten zu wollen. Ihr ewig gestrige Kultur-marxistische Sicht der Dinge wird bald chinesische Vokabeln pauken dürfen.

zeitschnur

6. Februar 2020 11:07

@ Sprach-, Literatur- und Kitschexperten

Der beste Kalauer war der:

"Sie haben nichts Fundamentales auf den Tisch gelegt, außer Ihre persönliche Sicht der Dinge. Im Gegensatz zu vielen anderen hier auf SiN, erwarte ich auch keine Untermauerung mit großen Namen, Ihr Name reicht."

Hahaha! Meine persönliche Meinung IST fundamental, @ Laurenz.
Und jetzt bin ich gespannt, was Sie nun untermauert durch große Geister dazu zu sagen haben. Sie verstehen geradezu professionell grundsätzlich nicht, was ich schreibe und verzapfen durch was immer getroffen einen ziemlichen Unsinn. Darauf kann ich nicht antworten. Ich erkennen den Bezug zu dem, was ich schreibe, nämlich auch nicht.

Und, @ Bettinger, "das Deutsche" - was werde ich damit wohl gemeint haben, außerhalb Ihres Kitsch-Kunst-Kopffüßlertums stehend? Nein, nicht die deutsche Volksseele, und darum hätten Sie sich den Rest auch sparen können, unsinnig wie er ist. Sie können es kaum verbergen, wie Sie nun das Kitsch-Haar in meiner Suppe suchten. Ich muss an Kinderspiele denken, damals, dieses Nachbarsmädel, das anderen die Zunge raushängte und "Sellwwaa" keifte, sogleich pariert von der anderen kleinen Hexe, die ihr Sprüchlein aufsagte: "Was man spricht, das ist man selber, sagen alle dummen Kälber".
Meine Eltern lachten darüber beim Abendessen.
Zunge also rein, das "sellwwwaaa" verkniffen und nun Obacht: "Das "Deutsche" war in dem Zusammenhang nun mal - wer hätte es gedacht - die deutsche Sprache mit den Spuren, die natürlich Reflexion und Unterscheidungsvermögen in ihr hinterlassen haben. Und noch mal Obacht: "das Deutsche" ist NICHT "der Deutsche".
Mannmannmann.

Gracchus

7. Februar 2020 01:22

Zu köstlich! Der Ausgangspunkt war m. E. die Verwendung von Anglizismen .... Wenn Sie @Laurenz noch verraten würden, wie dieses Gewaber, das Sie mit der göttlichen Allmacht (auch bezeichnend für die sprichwörtliche Heidenangst) identifizieren, seinen wabernden Willen artikuliert, so dass Sie, der Sie beim Beten laut Selbstauskunft nicht "plappern wie die Heiden" (Jesus), diesen Willen innerlich vernehmen ... Bei dem, was Sie so von sich geben - durchaus wertvolle Einsichten, aber meist unter viel Wortschutt begraben -, kommt mir der leise Verdacht, es wird Ihnen eher von einem jener Geister, die verneinen, Gott aber am wenigsten zur Last fallen, eingeflüstert.

Laurenz

7. Februar 2020 14:28

@zeitschnur .... in medias res
Zitat-Wirklich große Sprache und Dichtung entgrenzt eine nationale Sprache nach innen und außen, in die Tiefe und in die Erhabenheit. Sie macht Tiefes, Inneres sichtbar, ohne es zu veräußern.- Zitatende ....

Selbst bei unseren territorialen Gegnern galten wir mal als Volk der "Dichter & Denker". Selbst ein Popular-Autor, wie Karl May, war mit ca. 100 Mio. verkauften Büchern im Ausland erfolgreich und ist einer der meist übersetzten deutschen Autoren überhaupt. Von daher ist auch Ihre fundamentale Haltung auch nicht fundamental, Karl May nahm schon vor mehr als 100 Jahren fast dieselbe ein. Und wir wollen doch Karl May nicht als Fundamentalisten einstufen, maximal als christlichen Fundamentalisten. Zumindest war er allerdings fast so reichhaltig mit Phantasie begabt, wie Sie, zeitschnur.

Zitat- Wirklich große Sprache und Dichtung entgrenzt eine nationale Sprache nach innen und außen, in die Tiefe und in die Erhabenheit. Sie macht Tiefes, Inneres sichtbar, ohne es zu veräußern. -Zitatende

Können Sie nachvollziehbare Beispiele benennen, sonst verbleiben wir ja beim Pathos-Beleg @Franz Bettingers.
Und jeder Künstler muß leben, außer er ist von zuhause aus reich. Im ersteren Falle erübrigen sich die Debatten über jegliche Künstler-Problematik.

Zitat -Es ist ganz wesentlich der Atheismus und Agnostizismus, der die Sinne dafür stumpf gemacht hat und die Sprache verarmen lässt und formalisiert, auf die kontrollierte Geräuschebene hinabpresst. -Zitatende

Mit Verlaub, das ist lächerlich. Die größten deutschen Dichter waren keine Gläubigen, sondern allesamt Freimaurer. 1.000 Jahre tiefes Dunkel im Geiste hängt Ihrer Haltung an, zeitschnur. Hier entbehrt Ihrer Haltung jeglicher historischen Grundlage, Sie propagieren mit veralteter Propaganda.

Zitat- Sie wissen sicher auch nicht, dass das, was wir für die genuin deutsche Grammatik halten, teilweise durch das Lateinische erst etabliert wurde. -Zitatende ...

Natürlich, wie die meisten Menschen mit Latinum, lernte ich Deutsche Grammatik im Latein-Unterricht, sicherlich nicht mein bestes Fach. Wir entstammen einer Nicht-Schrift-Kultur, die alles auswendig lernte.
Wir hatten das neulich schon. Nicht-Schrift-Kulturen leiden im wesentlichen unter Katastrophen kosmischen Ausmaßes, die das Wissen in den Köpfen vernichtet. Schreib-Kulturen, bleiben, bis auf die Mathematik vielleicht, immer am Zeitpunkt des Geschriebenen hängen, was in unserem kosmischen Ablauf das Geschriebene im Augenblick der Vollendung veraltet sein läßt. Frei erzählte Geschichten passen sich an.
Als man sich bei uns entschloß, zu schreiben, adaptierte man eben, recht opportun, lateinische Grammatik ohne allerdings den Satzbau zu romanisieren. Wir betonen auch immer noch die erste Silbe.

Zitat- Wo immer in dieser Welt Sprachkunst auftritt, tut sie es im Verbund oder in nächster Nachbarschaft zur Religion, wozu ich auch die Liebe (nicht gewisse Regungen in tieferen Körperregionen) zähle. Ich weiß, dass Ihnen das nicht passt und manchem anderen hier, es ist aber die Wahrheit und lässt sich leicht prüfen!
-Zitatende

Nein, das läßt sich in keiner Weise belegen. Ihr Glauben bleibt immer verkopft, ähnlich den Juden, die beim klischee-behafteten Gequatsche während des Betens ihren eigenen Gott nie hören können. Bei den Buddhisten können wir vielleicht einen Übergang finden, den inneren Dialog zu beenden. Liebe, zeitschnur, ist ein kostbares Gut, jeder sucht nach ihr, anstatt nach der eigenen Liebe zu fragen. Und wie viele liebende Blanko-Schecks können Sie als Mensch in einem Leben ausstellen? Weniger quatschen, machen.

Zitat-Mit Regeldenken, patriotischem Schwall und mangelnder literarischer Bildung werden Sie niemals das rekonstruieren können, was aus der Tiefe eines Herzens gesagt wird, das alles, was es tut, in der Sehnsucht nach dem Göttlichen aufgehoben weiß.-Zitatende

Bisher schrieben nur Sie, zeitschnur, von Regeln. Ich kann weder in @Franz Bettingers Beitrag, noch in meinem, dazu irgendetwas finden.
Sie kennen doch die Debatte im Islam, ob Gott nur im Arabisch Mohammeds mit Seinen Followern kommuniziert. Sie selbst studieren irgendwelche verheiligten Geschichten in Hebräisch oder Aramäisch. Wenn Ihr Gottchen so mächtig ist, wie Sie unterstellen, wieso hat er seine Gesetze nicht gleich in ein ein paar hundert Sprachen verlegt? Es wird doch kein Problem sein, göttliche Botschaften direkt nach Pretoria aus der Wüste auch in Kishuaheli zu posten? Ihr Kultur-Marxismus widerspricht Ihrem eigenen Handeln.

Zitat- Es gibt nun mal keine Formen ohne lebendigen Inhalt, lieber Laurenz, und das ist wohl bei vielen Rechten das Hauptproblem, dass sie tatsächlich glauben, durch eine Restauration von bestimmten "alten" Formen" stelle sich der Inhalt gleich auch noch dazu ein.-Zitatende

Ich erwarte in keiner Weise, daß Sie meine Beiträge lesen. Hätten Sie es getan, schrieben Sie nicht solch einen Unsinn. Ich fordere grundsätzlich eine modernistische Haltung in der Neuen Rechten. Meine Liebe zu Geschichte dient nur der Schulung, was in der Vergangenheit mit den üblichen menschlichen Befindlichkeiten ging oder nicht ging. Also beziehe ich mich immer auf das zukünftig Machbare. Für gescheiterte politische Modelle, wie die auf SiN häufig favorisierte Reichs-Idee oder andere fehlgeschlagene Gesellschaftsmodelle habe ich nichts übrig. @Franz Bettinger oder ich favorisieren rein einen Bezug auf unsere kulturelle Identität oder Herkunft, nichts anderes. Systemfragen lenken nur von diesem wesentlichen Punkt ab. In der Identitätsfrage, in der Vernichtung der jeweiligen Identität, liegt auch historisch immer der Hauptangriffspunkt herrschaftlicher Systeme. Und Sie, zeitschnur, gehören eindeutig zu den Kultur-Marxisten, welche die eigene Identität, zugunsten einer fremden, leugnen. Sie können Sich natürlich für jede andere Identität entscheiden, aber der Mensch ist nicht in der Lage, sozialistisch/globalistisch alle Identitäten anzunehmen. Im Sozialismus vegetiert jeder nur noch vor sich hin. Ihre Haltung ist das Sinnbild des Vegetierens, die Verantwortung, ewig wartend, irgendeinem Erlöser zuschiebend. Das ist zutiefst undeutsch.

Und was Lebendigkeit angeht, so Ist Ihre geistige Lebendigkeit vor 2.000 Jahren gestorben. Sie studieren ewig gestrig das längst Tote, anstatt sich dem Lebenden, dem Neuen, der Zukunft zuzuwenden.

Laurenz

7. Februar 2020 14:29

@Gracchus

Meine Rede ist: nein, nein.

Cugel

7. Februar 2020 16:07

Hebt euch hinfort, o ihr eitlen Spötter, törichten Knilche, die ihr, auf kontrollierter Geräuschebene gefangen, der Gnade göttlichen Odems nicht im geringsten würdig seid!
Veräußerlichtes Gelichter, heidnisches Gewürm, was wißt ihr vom Universum!

Franz Bettinger

7. Februar 2020 21:21

@Nemesis: Der Aderlass (zum Kurieren von fast allem) erxistierte 2000 Jahre. Beweist die lange Tradition, dass die Methode was taugt? Nein. Der Aderlass hat weit mehr Menschen unter die Erde gebracht als auf ihr gehalten.

Weder das Massen-Argument (1,5 Mrd Chinesen glauben an xy) taugt etwas, noch das Zeit-Argument (seit 2000 Jahren gibt es die Methode, also...) noch das Autoritäts-Argument (der Nobel-Preisträger A aber sagt, blabla...).

Übrigens betrügt die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) sich selbst und andere. Ein Freund von mir (Arzt) hat 6 Monate in Peking in einer Geburts-Klinik gearbeitet, die damit warb, zur Schmerz-Ausschaltung ausschließlich Akupunktur einzusetzen (sogar beim Kaiserschnitt) . Erst nach meinem Nachbohren gab der (von Akupunktur und später von Homöopathie überzeugte) Freund zu, dass gleichzeitig stets auch "eine kleine Spritze" gesetzt wurde. Widerwillig gestand er: "Morphium". Von seinem Glauben abgebracht hat ihn dieser Betrug nicht. Die Freundschaft ist seit September 2015 beendet, small wonder.

Franz Bettinger

7. Februar 2020 21:28

@Nemesis: Ich habe in meiner Praxis (auch) Akupunktur praktiziert. Am Ende habe ich bewusst die falschen Punkte gestochen - die guten Plazebo-Resultate waren dieselben. Ähnliche Teste hat die englische Akupunktur-Gesellschaft sehr wissenschaftlich durchgeführt; sie kam zum gleichen Ergebnis: Punkte und Meridiane taugen nichts.

Und doch ist etwas dran an der Akupunktur, Stichworte: Gate Control, Renshaw Zelle, Alpha- und Gamma-Nerven-Fasern. (Das ist übrigens schon seit >1975 bekannt.) Ganz kurz, wie's läuft, wenn ich darf: Wenn man sich irgendwo stoßt, greift man reflexartig an die Stelle des Schmerzes und reibt sie. Das lindert den Schmerz. Nichts anderes tut die Aku-Pressur. Die taktilen (schnellen) Alpha-Fasern (die durch das Reiben ihre Aktions-Potentiale abfeuern und den Tastreiz übertragen) erreichen dieselbe Renshaw Zelle im Rückenmark (Couche 5) einen Bruchteil einer Sekunde vor den langsameren Gamma-Nervenfasern, die den Schmerz übertragen wollen, aber nicht können, weil die RZelle durch den Alpha-Reiz kurzfristig blockiert ist. Das Tast- und das Schmerz-Einfallstor (The Gate) ist geschlossen.

Laurenz

8. Februar 2020 01:05

@Cugel

Der Gott, der das Eisen schuf, liebte keine Knechte.

Urzeit war es,
da Ymir hauste:
nicht war Sand noch See
noch Salz'ge Welle,
nicht Erde unten,
noch oben Himmel,
Gähnung grundlos,
doch Gras nirgend.

Keine Märchengeschichte von 7 Tagen.

zeitschnur

8. Februar 2020 15:26

@ Laurenz

Der altnordische Schwulst ist der Bringer. "Nicht Erde unten" und natürlich auch "noch oben Himmel", deswegen muss man am Schluss, falls einer doch aus Versehen glaubt, es gäbe zwischen den beiden nichtexistierenden Zuständen saftige Weiden, womöglich mit nordischen Elchen drauf, oder nein: Rentieren, ja genau, und am Weidenrand einen samischen Hirten in leuchtend bunten, Trachten, mit feuerroten Troddeln und einem hübschen Strickmützchen... wo war ich stehengeblieben, also: nicht dass einer auf die Idee kommt, das alles vor seinem angeregten Ginnungagap-Auge sehen zu wollen, er sei ernüchtert, aus dem Märchentraum aufgeschreckt, denn es gilt: "Doch Gras nirgend".
Hach, es läuft mir eiskalt den Rücken herunter, welch ein Weltengähn, grundtrüber Spinst wahngetränkt, und Tage gab es auch noch nicht, nur den großen Gähnung-grundlos-Tag, den Tag der Tage, anbrandete die kommende Röte des Ymir.
O marvelllous, Bill, take a picture, a real germanic giant, undo ... plplpppp. Wallwallwallhallhallhall.

Da ist mir die nüchterne Version doch lieber:

"Und die Erde war wüst und leer,
und der Geist Gottes schwebte über den Wassern."

Ach übrigens, @ Laurenz, wie lange das so ging, steht nicht dabei. Woher haben Sie nur das mit den 7 Tagen Tohuwabohu?
Das haben Sie in Ihrem Christenwundbrand vermutlich übersehen.
Und eine klitzekleine germansiche Frage hätte ich doch an Sie:
Wie lange haben dann Odin, Vili und Ve gebraucht, um Ymir zu lynchen und anschließen die Welt aus seinen Leichenteilen zu formen?
Märchenhafte Jahrmillionen?
Bevor Sie antworten, bedenken Sie, wie schnell Götter verwesen.

Laurenz

8. Februar 2020 17:07

@zeitschnur ... die Skaldenlieder der Edda, hier ein Ausschnitt aus der Völuspa, wurde von Ihresgleichen in Alt-Isländisch aufgeschrieben. Ich sah davon ab, alles zu posten, angesichts meiner Auffassung, daß Sie, wie es sich auch bestätigt, eh nicht verstehen. Zugegeben, die Komplexität der Dichtung ist auch schwer.
Wie profan und billig ist dagegen ... Zitat-"Und die Erde war wüst und leer,
und der Geist Gottes schwebte über den Wassern." -Zitatende
Was für Wasser, wenn die Erde wüst und leer ist? Wahrscheinlich hatte sich Gott verlaufen und hielt sich gerade über dem Jupiter-Mond Europa auf. Macht ja auch nichts, eh wurscht.

Zitat Genesis 1.1 ff.

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde;
Gen 1,2 die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.
Gen 1,3 Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.
Gen 1,4 Gott sah, dass das Licht gut war. Gott schied das Licht von der Finsternis
Gen 1,5 und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag.
Gen 1,6 Dann sprach Gott: Ein Gewölbe entstehe mitten im Wasser und scheide Wasser von Wasser.
Gen 1,7 Gott machte also das Gewölbe und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes vom Wasser oberhalb des Gewölbes. So geschah es
Gen 1,8 und Gott nannte das Gewölbe Himmel. Es wurde Abend und es wurde Morgen: zweiter Tag.
Gen 1,9 Dann sprach Gott: Das Wasser unterhalb des Himmels sammle sich an einem Ort, damit das Trockene sichtbar werde. So geschah es.
Gen 1,10 Das Trockene nannte Gott Land und das angesammelte Wasser nannte er Meer. Gott sah, dass es gut war.
Gen 1,11 Dann sprach Gott: Das Land lasse junges Grün wachsen, alle Arten von Pflanzen, die Samen tragen, und von Bäumen, die auf der Erde Früchte bringen mit ihrem Samen darin. So geschah es.
Gen 1,12 Das Land brachte junges Grün hervor, alle Arten von Pflanzen, die Samen tragen, alle Arten von Bäumen, die Früchte bringen mit ihrem Samen darin. Gott sah, dass es gut war.
Gen 1,13 Es wurde Abend und es wurde Morgen: dritter Tag.
Gen 1,14 Dann sprach Gott: Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein, um Tag und Nacht zu scheiden. Sie sollen Zeichen sein und zur Bestimmung von Festzeiten, von Tagen und Jahren dienen;
Gen 1,15 sie sollen Lichter am Himmelsgewölbe sein, die über die Erde hin leuchten. So geschah es.
Gen 1,16 Gott machte die beiden großen Lichter, das größere, das über den Tag herrscht, das kleinere, das über die Nacht herrscht, auch die Sterne.
Gen 1,17 Gott setzte die Lichter an das Himmelsgewölbe, damit sie über die Erde hin leuchten,
Gen 1,18 über Tag und Nacht herrschen und das Licht von der Finsternis scheiden. Gott sah, dass es gut war.
Gen 1,19 Es wurde Abend und es wurde Morgen: vierter Tag.
Gen 1,20 Dann sprach Gott: Das Wasser wimmle von lebendigen Wesen und Vögel sollen über dem Land am Himmelsgewölbe dahinfliegen.
Gen 1,21 Gott schuf alle Arten von großen Seetieren und anderen Lebewesen, von denen das Wasser wimmelt, und alle Arten von gefiederten Vögeln. Gott sah, dass es gut war.
Gen 1,22 Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und vermehrt euch und bevölkert das Wasser im Meer und die Vögel sollen sich auf dem Land vermehren.
Gen 1,23 Es wurde Abend und es wurde Morgen: fünfter Tag.
Gen 1,24 Dann sprach Gott: Das Land bringe alle Arten von lebendigen Wesen hervor, von Vieh, von Kriechtieren und von Tieren des Feldes. So geschah es.
Gen 1,25 Gott machte alle Arten von Tieren des Feldes, alle Arten von Vieh und alle Arten von Kriechtieren auf dem Erdboden. Gott sah, dass es gut war.
Gen 1,26 Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land.
Gen 1,27 Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.
Gen 1,28 Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen.
Gen 1,29 Dann sprach Gott: Hiermit übergebe ich euch alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten. Euch sollen sie zur Nahrung dienen.
Gen 1,30 Allen Tieren des Feldes, allen Vögeln des Himmels und allem, was sich auf der Erde regt, was Lebensatem in sich hat, gebe ich alle grünen Pflanzen zur Nahrung. So geschah es.
Gen 1,31 Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut. Es wurde Abend und es wurde Morgen: der sechste Tag.
So wurden Himmel und Erde vollendet und ihr ganzes Gefüge.
Gen 2,2 Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er geschaffen hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte.
Gen 2,3 Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig; denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte.
Gen 2,4 Das ist die Entstehungsgeschichte von Himmel und Erde, als sie erschaffen wurden. Zur Zeit, als Gott, der Herr, Erde und Himmel machte, usw. und sofort. -Zitatende

Ihr kreationistischer Müll aus dem Kindergarten des orientalischen Fantasy-Genres bringt uns jetzt wie weiter?

Schon mehr als 1.000 Jahre, bevor Ihre Wüstenräuber die Jebusiter auslöschten, stellten wir das Siebengestirn dar, heute noch exakt im unseren Mythos "Der Wolf & die 7 Geislein" verbrieft.
Die Erinnerung der Aborigines reicht ca. 60.000 Jahre zurück, die Erinnerung der Edda bis in die Würm-Eiszeit.
Über angebliche gute 6.000 Jahre kommen Sie nie hinaus.

zeitschnur

9. Februar 2020 00:26

@ Laurenz

Bevor Sie den Tastaturschließmuskel nicht mehr finden, beenden wir diese unfruchtbare Debatte lieber. ist mir eh zu wenig relevant.
Nur ein Tipp: das "Wasser" in Gen 1 ist nicht das Meer, sondern die sogenannte Urflut, auf Hebräisch "tehom".
Der Zustand des Tohuwabohu hat keine definierte Dauer.
Die beiden Schöpfungserzählungen bedürfen eines besonnenen und tiefen mystischen Verstehens. Im Judentum gelten sie als einige der schwierigsten Texte, an die man am besten keine unreifen oder emotional undisziplinierten Leute ranlassen sollte.

Die Frage, wie ud in wie vielen Tagen der gute Ymir zur Welt umgebaut wurde von den drei besagten altnordischen Göttern haben Sie wohlweislich umgangen. Es ist hoffnungslos. Was glauben Sie mir, wie viel Interesse ich habe, mit Ihnen oder Ihren Pappkameraden um Jahrtausende zu streiten?
Richtig: gar keine, weil das nicht mein hermeneutischer Horizont ist.
Ihr vulgäres Textverständnis müssen Sie mit sich selbst ausfechten. Mythen sind keine Laborberichte, sondern literarische Texte. Aber wer Kitsch für Kunst hält, verwechselt auch eine Schöpfungserzählung mit einem MINT-Versuchsaufbau.
Die Fastnacht naht.
Unter Pappnasen und Larven lässt sich schwer atmen, da leidet auch das Denken am Ende.
Die Frivolität solcher Ergüsse ist mir peinlich.
Aber sie sind ganz auf der Höhe der Merkelzeit.
Und passen auch zu dem Auftritt des Burschen, um den der Artikel oben eigentlich ging.
Hic transit gloria mundi. O Germania, ubi sunt gaudia tua!
Was will man machen.

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