9. Februar 2020

Sonntagsheld (137) – Buntes zum Tag X

Till-Lucas Wessels / 15 Kommentare

Rationale Antifas, unverhoffte Anrufer und eine Unterschrift

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

Mit der Wahl des FDP-Kandidaten Thomas Kemmerich hat Björn Höcke nicht nur einen politischen Coup der Sonderklasse gelandet, sondern mir auch die Suche nach dem und irgendwie auch die Kürung des Sonntagshelden abgenommen. Wohin die Meriten zu wandern haben ist diesmal so klar wie selten.

Die notwendige Komplizenschaft der Altparteien entbehrt dabei einer gewissen Tragik nicht. In manchen Fällen ist die quälende Konsequenz mit der dieser Tage die eigenen politischen Massengräber (etwa für die Thüringer FDP) ausgehoben werden, schon fast körperlich spürbar – ob hier Mitleid oder Hochgenuß angemessen ist, mag jeder für sich selbst entscheiden.

Wenig überraschend auch: Der rasch aufkeimende Aktionismus der bundesweiten Antifa-Netzwerke, die ganz im Sinne der Bundesregierung sicherstellten, daß jegliche Keimlinge etwaigen Rückgrats sofort planiert und die betreffenden Querulanten zurück ins Glied gepfercht wurden. Ich schreibe das mit sanftem Gleichmut, wir kennen das alles, die FDP vermutlich nicht.

Aufgefallen ist mir indes das Vorherrschen eines fast fiebrigen Entscheidungstag-Empfindens, welches die breite Einheitsfront wohlig durchschauert. Die Sehnsucht nach dem großen historischen Augenblick in welchem der so lange beschworene Faschismus endlich nach der Macht greift und (ebenfalls: endlich!) mit allen zu Gebote stehenden Mitteln vernichtet werden darf, treibt nicht nur die Antifa, sondern auch Bodo Ramelow und Guy Verhofstadt um. Dass die Unterschrift des letztgenannten Liberalen in beinahe hieroglyphischer Einfachheit die Abwärtsspirale seiner deutschen Schwesterpartei piktographiert – wieder so ein sanfter Wink des Schicksals.

Das Tag-X-Gefühl ist im übrigen auch keine bundesdeutsche Eigenheit – in Österreich hatten Linksextreme genau diesen Slogan zum Programm gemacht, um auf die Koalition von ÖVP und FPÖ zu reagieren. Natürlich bedarf diese Revolutionsterminierung immer der historischen Rückbindung: Glücklicherweise ist die deutsche Geschichte voll genug mit bösen Daten, um nahezu jedes Ereignis ungeheuerlich zu finden, weil es „75 Jahre nach x, oder gerade einmal 60 Jahre nach Y“ stattfindet. Dieser eskalatorische Krisenkult und die damit verbundene rhetorische Hysterie war es, die eine Erfurter Antifa-Gruppe zu einer überraschend sachlichen Analyse der Sachverhalte animierte:



Ein weiteres amüsantes Bonmot zur ganzen Causa lieferte (wieder einmal) der YouTube-Aktivist Klemens Kilic, der die Linken-Fraktionschefin Susanne Hennig-Wellsow zu später Stunde anrief, um ihr – als Thomas Kemmerich – eine Allparteien-Koalition gegen die AfD vorzuschlagen. Das kurze Telefonat läßt sich hier anhören und war u.a. Spiegel, MDR und Tag24 eine eigene Schlagzeile wert.

Abschließend bleibt mir noch, darauf hinzuweisen, daß heute Abend um 19:30 Uhr Benedikt Kaiser im Livestream von Martin Sellner zu Gast sein wird, um eine umfassende Analyse der politischen Lage in Thüringen vorzunehmen. Wer sich auf den aktuellen Stand bringen möchte, sollte das nicht verpassen!

 

 


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.


Kommentare (15)

Simplicius Teutsch

9. Februar 2020 18:02

Demokratie-theoretisch ist die Causa Thüringen eine Katastrophe für das politisch-mediale Merkel-Regime. Aber das nimmt man sehenden Auges in Kauf.

Erst mal muss der nationale Widerstand in Deutschland endgültig gebrochen werden. Danach kann es nur noch besser werden. Dann ist der Weg frei zur moralischen Supermacht und zum Klima-Weltmeister. Man will zu den Guten gezählt werden. Raus aus der Nazi-Verlierer-Rolle, rüber auf die Seite der Sieger, das ist, neben der Lust am pubertären Chaos und der Lust am Einprügeln auf minderwertige „Gesinnungsverbrecher“, vermutlich der emotionale Grundantrieb der linken Antifa-Typen. Und Otto Normalverbraucher hat die bei jeder Erpressung und Auspressung zugewiesene Nazi-Rolle ebenfalls gründlich satt.

Thorsten Hinz,
ein überragender Solitär auf der Rechten, brachte in der letzten Ausgabe der JF (Nr.7/20), ohne den aktuellen Bezug auf Thüringen, das Unheil der totalen militärischen und moralischen Niederlage 1945 und das Dilemma der deutschen Nachkriegspolitik, einen Ausweg in die Zukunft zu finden, auf den Punkt; deutlicher kann man die deutsche Tragödie nicht ausdrücken:

„Aus innerer Not befreit die Bundesrepublik sich von Deutschland.“

Und auf diesem seit langem eingeschlagenen bundesrepublikanischem Weg ist die AfD, vor allem der unbeugsame Höcke und sein Flügel, ein Hindernis, das aus dem Weg geräumt werden muss. Umerziehung, Korruption und Einschüchterung funktionieren hier in Thüringen offensichtlich nicht.

Franz Bettinger

9. Februar 2020 20:49

Sind die Mauermörder schon zurück? Die Rufmörder sind's auf jeden Fall!

Franz Bettinger

9. Februar 2020 21:18

Nie vergessen: Ein- und uraufgeführt hat das System der bedingungslos gewissenlosen Unterordnung: Merkel. Wer waren ihre ersten Opfer? Kohl, Merz, Stoiber, Koch, Wulff, Oettinger, Röttgen etc... . La Merkel entließ sie sang- und klanglos; und erstaunlicherweise: ohne Widerstand in den Reihen der CDU und der Medien zu finden. Was uns zum Kern der Sache bringt: Die Medien! Ohne das Triumvirtat bzw. Triumfeminat Merkel-Springer-Mohn keine ruchlose Macht-Ausübung, kein Atomausstieg, keine Griechenland-Rettungen, keine offene Grenzen, keine Volksauslöschung. Seit den Kaffeekränzchen dieser Ladys Macbeths heißt es 'Na also, geht doch!', und der Merkelismus machte Schule. Die Demokratie hat sich mit dieser Damen-Riege gewaltig verändert und unterscheidet sich nur noch in Nuancen von einer Diktatur.

RMH

9. Februar 2020 21:45

Was würde eigentlich passieren, wenn Höcke allen ernstes anböte, gegen eine Koalition CDU/FDP/AfD in Thüringen sich aus der Politik komplett zurückzuziehen, einschließlich Mandatsaufgabe?

Nicht, dass ich das ernsthaft vorschlagen würde, aber als Gedankenspiel durchaus interessant, denn wenn man es durchspielt, käme man meiner Meinung nach zum Ergebnis, dass es nicht an ihm liegt, sondern an der bloßen Existenz der AfD.

Ordo

9. Februar 2020 22:17

Gehört die Antifa Erfurt auch zum antideutschen/prozionistischen Spektrum? Die kritische Haltung zum Islam scheint dafür zu sprechen. Ironischerweise kommen die einzigen Wortmeldungen von links, die noch ein kleines bißchen Restverstand bei den Verfassern vermuten lassen, genau aus dieser Ecke. In der Szenezeitschrift "Bahamas" gibt es sogar ganze Artikel, die man mit Abstrichen auch von rechts mit Gewinn lesen kann. Auch der Sellner hat mal eine Leseempfehlung ausgesprochen.

Maiordomus

9. Februar 2020 22:29

Guy Verhofstadt hielt vor gut 5 Jahren eine rhetorisch wohl eine einmalig brillante, geradezu lehrbuchreife Rede, welche in die Geschichte des europäischen Parlaments eingegangen ist: eine radikal-kritische Suada - ohne Manuskript! - an die Adresse von Griechenlands anwesendem Premier Zysiadis. Diesem warf er vor, zum Beispiel die in Griechenland notwendige Auseinandersetzung Kirche - Staat (dieselbe wäre auch in Deutschland überfällig!) verschlafen zu haben sowie in Sachen Steuern eine durch und durch unkompetente Vogel-Strauss-Politik zu betreiben. Dieses einmal erreichte Format fehlt ihm heute, vielleicht aus Nähe-Blindheit, für eine wahrhaft kritische Betrachtung der deutschen Verhältnisse. Trotzdem scheint mir sein geistiges Gesamtformat doch noch ein paar Ligagrössen höher zu veranschlagen als bei Jean-Claude Juncker oder bei U. v. L., der Tochter des verstorbenen, einst noch achtbaren Ministerpräsidenten Albrecht.

Fritigern

10. Februar 2020 08:17

Was wir durch die letzten Tage gelernt haben ist, dass die große Mehrheit unserer bundesrepublikanischen Landsleute wirklich felsenfest davon überzeugt ist, dass es sich bei Höcke und der AfD tatsächlich um Faschisten handelt. Das ist kein riesiger Witz, die glauben das halt nun mal wirklich.

Ich kaufe denen ihre Angst und ihre Erschütterung auch tatsächlich ab, der Großteil unserer Landsleute hat nun das Gefühl, dass 33 noch gerade eben so verhindert wurde und die Demokratie sich wehrhaft gegen den erstarkenden Faschismus gezeigt hat.

Bisher war ich mir eigentlich immer recht sicher, dass die Linken und die Cuckservatives die Faschismus Vergleiche nur taktisch anwenden, da die Nazikeule ja nach wie vor sehr viel wiegt aber die große Masse hierzulande glaubt wirklich, dass der Faschismus gerade auf dem Vormarsch sei. Ich dachte immer die Linken wären nur derartig moralisch verdorben und verlogen (was sie natürlich nach wie vor sind) und würden deshalb überall Faschismus sehen aber dem ist nicht ganz so. Nur eine kleine Minderheit der Linken benutzt Faschismusvorwürfe aus taktischen Gründen, der Großteil von ihnen hat wirklich Angstpsychosen und denkt wir holen bald die Armbinden wieder raus.
Die Nennung von offensichtlichen ethnischen Veränderungen und Kritik an jenen ist für die BRDlinge per Definition Faschismus.

Was wir auch aus den letzten Tagen gelernt haben ist, dass die Patriotenmafia auch scheinbar mal wieder irgendwo faschistoide Umtriebe entdeckt hat.

Gotlandfahrer

10. Februar 2020 09:49

Danke, herrlich. Nach dem Antifa-Tweet frage ich mich, worin - außer in dem Umstand, dass sie die Demokratie NICHT retten wollen (könnte sich der VS das bitte notieren?) - sie sich von "Rechts" denn nun unterscheiden? Gegen Bildungsurlaub und Azubi-Tickets hat ja kein Rechter was.

Adler und Drache

10. Februar 2020 10:43

Es wäre schön und angemessen gewesen, Christoph Kindervater als "Sonntagsheld" zu würdigen und seine Rolle etwas näher zu beleuchten.

Laurenz

10. Februar 2020 11:02

Heute Morgen ist nicht nur ein Stuhl (GKs), Hirte, sondern schon der 2te in Berlin gefallen. AKK0815 tritt als Parteivorsitzende zurück und wird nicht Kanzler-Kandidatin, letzteres ist bedauerlich für uns. Werde die Sendung Herrn Kaiser und Herrn Sellners nachholen, gestern war mir Weidel bei Will wichtiger. Weidel ging zwar als Punktsiegerin aus der Runde, weil sich Kühnert, Wagenknecht, Altmeier, Kubicki und Amann selbst zerfleischt haben. Letztere hatte das am Ende auch verstanden. Aber, in den entscheidenden Sekunden war Weidel sprachlos. Das wird wohl daran liegen, daß Weidel in Anbetracht der gegnerischen Angriffe tatsächlich so empfindet.

Maiordomus

10. Februar 2020 11:43

@Fritigern. Es genügt schon, wenn in Deutschland etwa 20%, darunter diejenigen in wichtigen Institutionen der Bildung, Kirche, Medien, glauben, was sie dargetan haben. Dies macht vernünftige politische Verhandlungen unter eigentlich vernünftigen Leuten, die es unter den 80% , darunter auch Politiker, durchaus gibt, nahezu unmöglich.

RMH

10. Februar 2020 21:17

"gestern war mir Weidel bei Will wichtiger. Weidel ging zwar als Punktsiegerin aus der Runde, weil sich Kühnert, Wagenknecht, Altmeier, Kubicki und Amann selbst zerfleischt haben. "

Wer nach dieser Sendung noch von irgendeiner Querfront-Fähigkeit von Frau Wagenknecht träumt, der hat den Schuss noch nicht gehört. Die Dame mit der den Stalinismus verherrlichender Vergangenheit hat sich (nicht zum ersten mal) glasklar als politischer Feind der AfD und aller Rechten und konservativ-Liberalen geoutet und buhlt lediglich um einen sich zum kleinen Teil mit der AfD überschneidenden, gemeinsamen Wählerkreis. Die will die Wähler, aber bestimmt keine sozial denkenden Patrioten, dass wurde überdeutlich kommuniziert.

Warten wir mal ab, was der Sonntagsheld am kommenden Montag in Dresden zu dem Ganzen sagen wird und ob Merkel bis dahin noch überhaupt, wie geplant, die Legislatur zu Ende zu bringen darf. Die Ereignisse beschleunigen sich aktuell doch sehr.

Franz Bettinger

11. Februar 2020 03:00

Ja, @Lotta, bei meinem Gebrauch des Begriffes "neo-faschistisch“ für die Merkel-Clique habe ich kurz gezögert. Grundsätzlich hat Benedikt Kaiser recht, man sollte solche Begriffe wie Nazi, Faschist oder Stalinist nicht gebrauchen, denn wissenschafts-historisch sind diese Zuschreibungen heute völliger Unsinn. Aber die Deutschen sind ohnehin so dumm (geworden), denen setze ich meine groben Keile auf ihre groben Klötze.

Maiordomus

11. Februar 2020 10:00

@RMH. Es ist völlig logisch, dass man vom politischen Gegner die Wähler will, nur diejenigen, was denn sonst? So macht es auch Kurz in Österreich.

Franz Bettinger

11. Februar 2020 10:32

Es gibt wieder Hexen. Deutschlands Bürger werden von den Block-Parteien nicht nur jeden Tag belogen, erpresst und als GEZ- und Steuer-Zahler gemolken - ihnen wird auch ständig die Dämonisierung der AfD untergejubelt. Gegen die Hexen scheint alles erlaubt. Sperrt die Konten, kündigt die Jobs, fackelt den Besitz ab, verbrennt sie! Die Wähler der AfD werden von einem staatlich finanzierten und gelenkten Mob - von der Antifa=Neofa (M. Klonovsky) über die Gewerkschaften bis zu den Kirchen - malträtiert, wie es in diesem Land erst einmal geschah, im Jahr 1936. Wie wird es mit den Hexen (die man einst anders nannte) heuer weitergehen? Die Maske ist runter.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.