1. August 2018

Sparta wird Söhne brauchen – Eine Konservativenbeschimpfung

Till-Lucas Wessels

PDF der Druckfassung aus Sezession 85/August 2018

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

»Ihr seid die junge Garde der konservativen Konterrevolution!«, rief der brandenburgische AfD-Landesvorsitzende Andreas Kalbitz am 17. Februar in die biergewärmten Gesichter von gut 360 Teilnehmern des Bundeskongresses der Jungen Alternative im hessischen Büdingen.

Nun ist Kalbitz einer, dem dieser Artikel gerade nicht gewidmet ist (man höre sich mal seine Rede an, die er dieses Jahr auf der Winterakademie des Instituts für Staatspolitik hielt). Und genau deshalb gehe ich davon aus, daß er seine Äußerung in Büdingen als Vorwurf und als verzweifelte Herausforderung gemeint hat.

Sie trifft nämlich genau ins Schwarze. Was sich an diesem Wochenende in der Nähe von Frankfurt traf, war in der Tat jung, konservativ und konterrevolutionär. Aber das Ziel des »Konters« war nicht gleich klar: Ging es gegen die 68er-Revolution, die an diesem Wochenende unentwegt geschmäht wurde? Oder zog die Junge Alternative unbewußt gegen etwas zu Felde, das zum Kernbestand unserer Weltanschauung gehört?

Wer Kalbitz genau zugehört hat, ahnt: Ja, die JA-Revolte richtete sich gegen die Konservative Revolution.Erste kurze Rekapitulation: Konservative Revolution, was war das nochmal? Ein paar wildgepflückte Stichworte mögen genügen: Reichsidee, Antiliberalismus, Nationalbolschewismus, Querfront statt Bürgertum, Elite, Jungkonservative, die Suche nach einem neuen Mythos, Verachtung des Egalitarismus, Stauffenberg.

Zweite kurze Rekapitulation: Konservative Revolution, was bedeutete das für die Neue Rechte? Nicht weniger als das Leben, will ich sagen. Oder weniger pathetisch: Die Konservative Revolution ist die Geburtsstunde unserer Denkschule und unseres Milieus. Es war die Wiederentdeckung der Ideen ihrer Autoren, die eine wirksame rechte Metapolitik jenseits des Nationalsozialismus überhaupt erst ermöglichte.

Dritte kurze Rekapitulation: Neue Rechte, was heißt das für uns? Nun, eigentlich ist das eine Fremdzuschreibung, vor allem aber eine Anerkennung unserer politischen Authentizität. Wer »Neue Rechte« sagt, und ist er auch unser ärgster Widersacher, der belohnt Jahre erfolgreicher Theoriearbeit in Deutschland, Frankreich und Italien, indem er eingesteht: Das ist etwas anderes, so etwas hat es bisher nicht gegeben, es hat eine Geschichte, ja, aber es ist neu.

Was also hat nun die Junge Alternative mit alldem zu tun? Gar nichts. Und genau das ist das Problem. Denn was die JA als destillierte Parteiformation darstellt, findet sich nur wenig verdünnt auch in vielen anderen Organisationen unseres Lagers. Es ist ein Vorgang, der seit geraumer Zeit zu Recht als »Selbstverharmlosung« beschrieben wurde, ohne daß man recht begriffen hat, wieviel Wahrheit in diesem Wort steckt.

Als wir vor der Selbstverharmlosung warnten, meinten wir früher nur den mangelnden Biß der Begriffe, die allesregierende Angst vor der zu großen Provokation, die Selbstunterwerfung unter die kommunikativen Spielregeln des Establishments. Kurzum: Wir kritisierten das Ausarten der Mimikry, die uns von den Linken stets vorgeworfen wurde.

Inzwischen ist der Widerstand eine Generation älter geworden und wir müssen mit Erschrecken feststellen: Ein Großteil dieser Generation meint das alles ernst. Es sind junge Menschen, die nicht aktiv geworden sind, weil sie Alain de Benoist, Ernst Jünger, oder Julius Evola gelesen haben, sondern den Newsfeed der AfD oder den von Compact.

Ihr Sehnsuchtsort ist nicht Hyperborea, das Imperium Romanum oder die Heilige Stadt, sondern die Bundesrepublik vor der Flüchtlingskrise (abzüglich einiger Ausländer und sozialdemokratischer Zugeständnisse) oder vielleicht sogar die wilhelminische Kaiserzeit.

Das klingt jetzt wie Gemecker aus dem Elfenbeinturm, aber es sollte klar sein, daß es hier nicht vordergründig darum geht, wer welchen Orchideendenker gelesen hat und wer nicht. Es braucht nicht jeder über Zukunftskonzepte für eine künftige Ordnung Europas, über die Neustrukturierung unserer Gesellschaft durch die Digitalisierung oder über eine rechte Antwort auf die soziale Frage diskutieren.

Aber es gibt Menschen unter uns, die das machen müssen. Und wenn diese Menschen in ein paar Jahren bis ins Vieraugen-Gespräch hinein nicht über den theoretischen Gehalt einer PEGIDA-Rede hinauskommen, dann haben wir ein Problem.

Die Folge ist eine sich bereits abzeichnende, ungesunde Gemengelage, in der diejenigen, die über die bloße Selbstverwaltung des Untergangs hinausdenken, ihre politische Theorie von ihren Handlungen abkoppeln und mit ihren Aktionen die Logik des Status Quo bedienen, während sie daheim ihr jeweils persönliches Faible pflegen, ohne es jemals an der Realität messen zu müssen.

Daraus ergibt sich nicht nur die Gefahr aus Resignation geborener exotischer Extremismen, sondern vor allem eine Vereinheitlichung und Selbstbeschneidung der internen Debatte, die in letzter Instanz zum tragischen Spiegelbild der bundesdeutschen Willkommenskultur wird. Ich will von den Besuchern einer IfS-Akademie in Schnellroda keine Wutbürgerpropaganda über vergewaltigende Flüchtlingshorden oder die Politik von Angela Merkel hören. Wer ohne profunde Kenntnis der derzeitigen Lage zu einer solchen Veranstaltung kommt und eine Einweisung in den tagespolitischen Wasserstand erwartet, hat dort ohnehin nichts verloren.

In der linksradikalen Hausbesetzerszene kursiert seit einiger Zeit der Begriff der »Freiraumfalle«, der eine Entwicklung beschreibt, die man andernorts vielleicht als »Vereinsmeierei« bezeichnen würde. Gemeint ist in beiden Fällen die aktivistische Beschränkung auf die Verwaltung eines erkämpften Freiraumes, die mit einer gesamtgesellschaftlichen Bedeutungslosigkeit einhergeht.

In diese Falle läuft der grundsätzlich ausgerichtete Teil des Widerstandsmilieus dieser Tage geradewegs hinein, und ich brauche nicht zu erwähnen, daß die ohne Zweifel notwendigen vorhandenen Strukturen ein Teil dieser Falle sind. Die Gewißheit, jeden Montag in Dresden für ein paar Stunden die Straße für sich zu haben, das beruhigende Gefühl, daß es jetzt endlich eine »echte Opposition« im Parlament gibt, die das Schiff schon schaukeln wird, und die allmonatliche Großaktion der Identitären Bewegung reichen aus, um ein enormes Maß an politischem Gestaltungswillen einzuhegen.

Diese Pause sei dem Montagsdemonstranten gegönnt, sie sei gegönnt dem AfD-Wähler, der eine Familie zu ernähren hat – und denjenigen ohnehin, die nicht müde werden, jahrzehntealte rechte Gemeinplätze täglich aufs neue in den digitalen Orkus zu blasen und dabei so zu tun, als handele es sich um bahnbrechende Erkentnisse.

Für diejenigen jedoch, die den Anspruch haben, als politische Subjekte in die Zukunft zu wirken, ist diese Endstation fatal: »Wir wollen keinen Stehplatz im Salon, sondern das Ende der Party« – dieser Satz ist für die Neue Rechte programmatisch geworden. Er ist die Scheidelinie, die den Neurechten vom Konservativen trennt, und das ist heute wichtiger als jemals zuvor. Mit diesem Anspruch geht die Pflicht einher, die rechten, die richtigen Antworten auf die Fragen der Zukunft parat zu haben, wenn sie die Zeit an uns stellt.

Nun liegt es in der Natur der Sache, daß diese Antworten auf die Fragen des dritten Jahrtausends nicht von denjenigen kommen können, die sich im bierseligen 1848er-Ghetto der nationalfreiheitlichen Konsensgemeinde versammelt haben. Was uns aber momentan allenthalben begegnet, ist eine Jugend, die so zu werden droht wie ihre Großeltern, die in den Brauhäusern, Bibliotheken und Kneipsälen saßen, als vor ihren Fenstern die 68er die logische Konsequenz aus der Reeducation und dem Einrosten der wissenschaftlichen Strukturen zogen. Es ist die ewige Sehnsucht des Konservativen nach Heimat und Ordnung, die sie in die Arme der Schützenvereine, Parteien und Stammtische treibt, um dort erfüllt von einer fast erotischen Wollust ihre Geschäftsordnungsanträge zu stellen.

Wir erleben heute mitten unter uns die letzten Reproduktionszuckungen eines abgewirtschafteten Bildungsbürgertums, dem eigentlich nichts
außer Bürokratie und Verwaltung geblieben ist – beides Gebiete, in denen sich der Konservative noch so richtig verwirklichen kann, weil die Linken
viel zu faul dafür sind.Das alles ist keinesfalls neu, aber es ist eine Roßkurdebatte, die alle paar Jahre neu geführt werden muß. Unangenehm berührt stellen wir also fest, daß die Neue Rechte, zumindest so, wie sie uns heute begegnet, zwar sehr erfolgreich darin war, den ungemütlicheren Teil des vergangenen Jahrhunderts inhaltlich aufzuarbeiten, sich aber bisher darum gedrückt hat, sich der bequemeren Hälfte zu stellen.

Das Resultat: Der Spießbürger, der alte Feind kehrt wieder. Diesmal belastet er uns jedoch nicht mit seinem Ostgebietefimmel und historischer Opferzahlenklauberei, sondern mit der bräsigen Besserwisserei des Klassensprechertums, das angekommen ist, bevor die Reise überhaupt begonnen hat.

Dazu gesellen sich die klassischen Begleiterscheinungen: Ungelenke Enthemmung und Verbalradikalismus, wenn es darum geht mit dem politischen Gegner aufzuräumen, kontrastieren mit einer Harmlosigkeit im Denken, die längst seehofersche Züge angenommen hat. Wer die AfD für zu handzahm, ideenlos und liberal hält, der kann sich ja mal ein paar von den Vorstellungsreden der verschiedenen Vorstandskandidaten der Jungen Alternative auf YouTube ansehen.

Mit politischem Gestaltungswillen hat das alles nichts mehr zu tun. Auf theoretischer Ebene ist es ein dramatischer Rückschritt hinter die Erkenntnisse und Ansätze der Konservativen Revolution und der Nouvelle Droite, auf praktischer Ebene ist es ein lächelndes Abtreten aus dem Kreis der Verantwortlichen in die Masse derer, die gezogen werden möchten. Wir wissen, daß dieser Menschenschlag sehr gut geeignet ist, zum Steigbügelhalter des Totalitarismus zu werden, weil er im Zweifelsfall die Rendite wählt und nicht die Aktentasche.

Ob er dabei zum willfährigen Koalitionspartner wird oder als wirkungslose Opposition im inhaltlich ausgesaugten Vakuum seines Freiraumes den Dienst versieht, das ist nebensächlich.

Man verstehe mich indes nicht falsch: Ich denke nicht, daß der Nachwuchs an jungen Kameraden, der in den letzten drei Jahren von der politischen Debatte in die Burschenschaften, IB-Gruppen, JA-Verbände undsoweiter gelockt wurde, grundsätzlich schlechtere charakterliche Qualitäten mitbringt als diejenigen, die sich dort schon vor dem Durchbruch rechter Weltanschauungen in die mediale Öffentlichkeit versammelten.

Allerdings verfügten diese Gruppen bis zum patriotic turn zwangsläufig über interne Ausbildungs- und Auslesemechanismen, sei es der höhere Repressionsdruck von außen, die dünne Personaldecke, die dazu führte, daß jeder Aktive gleichzeitig Intellektueller, Medienprofi und Saalschützer sein mußte, oder die schlichte Tatsache, daß es nahezu unmöglich war, mit rechter Politik Geld zu verdienen.

Spätestens mit dem Einzug der AfD in den Bundestag hat sich besonders dieser letzte Punkt erledigt. Heute gilt: Wer rechts ist, lesen und schreiben kann und einen Job sucht, der findet in der Regel auch einen.

Das hängt weniger mit sinistren Seilschaften zusammen, die irgendwann in düsteren Burschenkellern zum Klang von Preußens Gloria mit bundesbrüderlichem Blut besiegelt wurden als mit dem enormen Personalbedarf, den ein solcher umfassender und anhaltender parlamentarischer Erfolg mit sich bringt. Zwar ist die Fluktuation in den zu besetzenden Stellen teilweise recht groß, aber für den geneigten jungen Konservativen stellt das keine große Herausforderung dar: Irgendwo gibt es bestimmt einen Landesverband, oder einen Abgeordneten, der gerade wieder jemanden braucht.

Was macht das mit jungen 18-, 19-, 22-jährigen Rechten: sich politisch in einer Umgebung wiederzufinden, in dem die riesige Finanzpumpe AfD eigentlich jeden mit einer Stelle versorgen könnte, von der er zumindest leben kann? Vor allem aber: Was macht das mit unserem Milieu? Am Anfang, als die ersten Landtagswahlen gewonnen wurden, hatte man den Eindruck, daß sich hier ein nachhaltiger Generationenvertrag verwirklicht: Die jungen Aktivisten und ihre Organisationen bilden die Leute aus, nehmen sich den nötigen dynamischen Aktionsraum, um Schüler und Studenten weltanschaulich und charakterlich reifen zu lassen, und können
sich mit Ende Zwanzig darauf verlassen, daß es zur Not ein infrastrukturelles Rettungsnetz gibt, das sie solidarisch auffängt, nachdem sie ihre
Zeit, ihre Gesundheit und die Chance auf ein bürgerliches Leben unter dem Radarschirm für die Sache geopfert haben.

Nun hat sich aber dieses Rettungsnetz mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit über die Neue Rechte gelegt und droht sie mit all den Charakterkorrosionen an Niedrigkeit, Durchschnittlichkeit und Gemeinheit zu verkleben, die das Geld dort verbreitet, wo sich der Idealismus mit ihm einläßt. Die Dankbarkeit, ohne
Angst vor dem finanziellen Ruin politischen Aktivismus betreiben zu können, wird so rasch zur Anspruchshaltung auf eine Beschäftigung, die Arbeit in parlamentarischen Ausschüssen, die eigentlich eine unserer schärfsten Waffen gegen die Etablierten ist, wird zum bloßen Job, der nur noch
dem Lebensunterhalt oder schlimmer: dem eigenen Karriereerfolg dient.

Doch damit nicht genug: Weil der parlamentarische Hunger nach Schlipsträgern nach wie vor ungestillt ist, wenden sich die findigen Vermittler und Kuppler immer jüngeren Aktivisten zu, um sie so schnell wie möglich zu »amthorisieren« (um auf den jüngsten CDU-Pinsel im Bundestag anzuspielen) und in die eigene Arbeitsweise einzupassen.

Das alles ist ein Spiel auf Zeit, es ist das überhastete Aufbauen der Fassade auf einem Fundament, das noch gar nicht richtig ausgehärtet ist und von welchem zudem dauernd Baustoff abgetragen wird, um die Außenwände noch höher zu türmen. Implodieren wird dieses Bauwerk spätestens dann, wenn die ersten Generationenwechsel anstehen, wenn diejenigen in Partei und Bewegung, die teilweise seit frühester Jugend ihre Lebenszeit für ihr Ideal eingesetzt haben, Platz machen für diejenigen, für die ein paar Tage Urlaub bloß einen Krankenschein entfernt sind.

Von den zwei skizzierten Hauptproblemen (der Abwanderung fähiger Aktivisten mit Temperaturerhöhung in die klimatisierte Sterilitätder Abgeordnetenbüros und der weltanschaulichen Verbürgerlichung des Milieus) halte ich letzteres für das dramatischere, weil es mit dem ersten in einer katalysierenden Wechselwirkung steht. Denn: Unser ganzes politisches Handeln – egal ob es von einem Sellnerschen Optimismus geprägt ist, oder von Spenglers Legionärsethos – muß am Ende darauf ausgerichtet sein zu siegen.

Es ist kein Hobby, keine Arbeit und kein Job, sondern die Antwort auf die Frage »Und Du?«, die das Schicksal uns gestellt hat. Aus diesem Grund müssen wir in allem, was wir tun, besser sein als unsere Gegner, und wir dürfen uns nicht davor fürchten, tatsächlich zu gewinnen.

Das Ziel unseres Weges ist hoffentlich nichts anderes als die politische Macht; gegenüber denen, die uns vorangegangen sind, gegenüber denen, über die wir diese Macht ausüben werden und gegenüber den Generationen, die mit den Folgen unserer Machtausübung leben werden, ist es unsere Verantwortung, dieser Macht gewachsen zu sein, so gut es eben möglich ist.
Die charakterliche Eignung für den Umgang mit dieser Verantwortung, die notwendige (Aus-)Bildung, und die Treue zur eigenen Überzeugung bei gleichzeitiger Bereitschaft zu konstruktiver Selbstkritik – alles das sind Dinge, die in den Parlamenten und Parteien nicht gedeihen werden.

Was also wäre der logische Schritt für eine progressive Neue Rechte, die bereit ist, sich ihrer Verantwortung im weltanschaulichen Mosaik zu stellen? Theoretisch gesprochen gilt es, dem Elitengedanken, der einer der Grundpfeiler rechter Weltanschauung ist, zu seinem Recht zu verhelfen. Dabei geht es vor allem um die stetige Selbstvergewisserung des eigenen Anspruchs und nicht um Selbstgerechtigkeit und Standesdünkel.

Auf praktischer Ebene wird die Neue Rechte nicht darum herumkommen, mittelfristig professionelle, nachhaltige und institutionalisierte Ausbildungsangebote zu schaffen, die sicherstellen, daß diejenigen, denen die Arbeit in Ausschüssen und Gremien nicht genügt, einen Anknüpfungspunkt finden, von dem aus sie wachsen können. Der maßgebliche Schritt an dieser Stelle muß meines Erachtens die Erweiterung der inklusiven und inzwischen tendenziell auf Konsum ausgerichteten Vernetzungsveranstaltungen (Großakademien des IfS, Aktivistenwochenenden der IB, etc.) um exklusive Ausbildungsveranstaltungen sein, die die fachlichen
Kompetenzen fördern, charakterliche Exzellenz fordern und dazu das praktisch-technische Wissen vermitteln, das nötig ist, um den Tiger der Postmoderne zu reiten. Eine solche Veranstaltung kann vom Lesekreis bis zum Seminarwochenende reichen. Sie kann aber auch Sprungbrett sein zu etwas Größerem, einer mutigen und dreisten Vision: einer rechten Schulungsanstalt irgendwo zwischen Platons Akademeia und spartanischer Agoge, die denjenigen, die bereit sind, ein Jahr ihres Lebens zu investieren, eine professionelle Kaderausbildung gibt.

Dieser Aufsatz ist nicht gedacht für diejenigen, die in ihm beleidigt werden. Er ist auch nicht gedacht für die Maulhelden und Durchgeknallten, die ihn für einen Aufruf halten, endlich wieder die bösen Lieder, Parolen und Uniformen auszupacken, um den Liberalinskis eins auszuwischen. Weder ist er adressiert an die Rechtsextremismusexperten oder den Verfassungsschutz, deren Analysen sich von denen der erwähnten Durchgeknallten nur unwesentlich unterscheiden werden, noch an diejenigen, die sich in jüngerschem Anarchismus durch die Götterdämmerung schmökern.

Er ist gedacht für die intellektuelle, ihrer historischen Verantwortung bewußte Neue Rechte, die sich durch die Ereignisse der letzten Jahre in die Realpolitik gezwungen sieht und nun zwischen Tagesgeschäft, Strukturaufbau und Bedeutungsschwund neben der übermächtigen Partei auf dem langsam zusammenwachsenden Organigramm ihren Platz sucht.

Die Mosaikrechte, die potentiell fruchtbarste außerparlamentarische Kraft unserer Zeit, ist kein fauler Kompromiß und kein Einheitsbrei, sie ist ein metapolitisches Myzel unterschiedlicher Akteure, die in ihr um die Deutungshoheit konkurrieren. Sie soll verwirklichen, was uns
die Linken einst versprochen haben: argumentative und analytische Vielfalt als Stärke, Fairneß in der inhaltlichen Auseinandersetzung und unbedingte Solidarität im Angesicht des Feindes. Genau aus diesem Grund müssen wir dafür sorgen, daß die Mosaikrechte nicht zu einer Großen
Koalition wird.


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.


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