Sparta wird Söhne brauchen – Eine Konservativenbeschimpfung

PDF der Druckfassung aus Sezession 85/August 2018

 Gastbeitrag

Fremde Federn reichen Beiträge ein. Sind sie gut, bringen wir sie.

»Ihr seid die jun­ge Gar­de der kon­ser­va­ti­ven Kon­ter­re­vo­lu­ti­on!«, rief der bran­den­bur­gi­sche AfD-Lan­des­vor­sit­zen­de Andre­as Kal­bitz am 17. Februar in die bier­ge­wärm­ten Gesich­ter von gut 360 Teil­neh­mern des Bun­des­kon­gres­ses der Jun­gen Alter­na­ti­ve im hes­si­schen Büdingen.

Nun ist Kal­bitz einer, dem die­ser Arti­kel gera­de nicht gewid­met ist (man höre sich mal sei­ne Rede an, die er die­ses Jahr auf der Win­ter­aka­de­mie des Insti­tuts für Staats­po­li­tik hielt). Und genau des­halb gehe ich davon aus, daß er sei­ne Äuße­rung in Büdin­gen als Vor­wurf und als ver­zwei­fel­te Her­aus­for­de­rung gemeint hat.

Sie trifft näm­lich genau ins Schwar­ze. Was sich an die­sem Wochen­en­de in der Nähe von Frank­furt traf, war in der Tat jung, kon­ser­va­tiv und kon­ter­re­vo­lu­tio­när. Aber das Ziel des »Kon­ters« war nicht gleich klar: Ging es gegen die 68er-Revo­lu­ti­on, die an die­sem Wochen­en­de unent­wegt geschmäht wur­de? Oder zog die Jun­ge Alter­na­ti­ve unbe­wußt gegen etwas zu Fel­de, das zum Kern­be­stand unse­rer Welt­an­schau­ung gehört? 

Wer Kal­bitz genau zuge­hört hat, ahnt: Ja, die JA-Revol­te rich­te­te sich gegen die Kon­ser­va­ti­ve Revolution.Erste kur­ze Reka­pi­tu­la­ti­on: Kon­ser­va­ti­ve Revo­lu­ti­on, was war das noch­mal? Ein paar wild­ge­pflück­te Stich­wor­te mögen genü­gen: Reichs­idee, Anti­li­be­ra­lis­mus, Natio­nal­bol­sche­wis­mus, Quer­front statt Bürgertum, Eli­te, Jung­kon­ser­va­ti­ve, die Suche nach einem neu­en Mythos, Verachtung des Ega­li­ta­ris­mus, Stauffenberg.

Zwei­te kur­ze Reka­pi­tu­la­ti­on: Kon­ser­va­ti­ve Revo­lu­ti­on, was bedeu­te­te das für die Neue Rech­te? Nicht weni­ger als das Leben, will ich sagen. Oder weni­ger pathe­tisch: Die Kon­ser­va­ti­ve Revo­lu­ti­on ist die Geburts­stun­de unse­rer Denk­schu­le und unse­res Milieus. Es war die Wie­der­ent­de­ckung der Ideen ihrer Autoren, die eine wirk­sa­me rech­te Meta­po­li­tik jen­seits des Natio­nal­so­zia­lis­mus über­haupt erst ermöglichte.

Drit­te kur­ze Reka­pi­tu­la­ti­on: Neue Rech­te, was heißt das für uns? Nun, eigent­lich ist das eine Fremd­zu­schrei­bung, vor allem aber eine Aner­ken­nung unse­rer poli­ti­schen Authen­ti­zi­tät. Wer »Neue Rech­te« sagt, und ist er auch unser ärgs­ter Wider­sa­cher, der belohnt Jah­re erfolg­rei­cher Theo­rie­ar­beit in Deutsch­land, Frank­reich und Ita­li­en, indem er ein­ge­steht: Das ist etwas ande­res, so etwas hat es bis­her nicht gege­ben, es hat eine Geschich­te, ja, aber es ist neu.

Was also hat nun die Jun­ge Alter­na­ti­ve mit all­dem zu tun? Gar nichts. Und genau das ist das Pro­blem. Denn was die JA als destil­lier­te Par­tei­for­ma­ti­on dar­stellt, fin­det sich nur wenig ver­dünnt auch in vie­len ande­ren Orga­ni­sa­tio­nen unse­res Lagers. Es ist ein Vor­gang, der seit gerau­mer Zeit zu Recht als »Selbst­ver­harm­lo­sung« beschrie­ben wur­de, ohne daß man recht begrif­fen hat, wie­viel Wahr­heit in die­sem Wort steckt.

Als wir vor der Selbst­ver­harm­lo­sung warn­ten, mein­ten wir frü­her nur den mangelnden Biß der Begrif­fe, die alles­re­gie­ren­de Angst vor der zu gro­ßen Pro­vo­ka­ti­on, die Selbst­un­ter­wer­fung unter die kom­mu­ni­ka­ti­ven Spiel­re­geln des Estab­lish­ments. Kurz­um: Wir kri­ti­sier­ten das Aus­ar­ten der Mimi­kry, die uns von den Lin­ken stets vor­ge­wor­fen wurde.

Inzwi­schen ist der Wider­stand eine Genera­ti­on älter gewor­den und wir müs­sen mit Erschre­cken fest­stel­len: Ein Groß­teil die­ser Genera­ti­on meint das alles ernst. Es sind jun­ge Men­schen, die nicht aktiv gewor­den sind, weil sie Alain de Benoist, Ernst Jün­ger, oder Juli­us Evo­la gele­sen haben, son­dern den News­feed der AfD oder den von Compact.

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