4. März 2020

Warum „zu radikal“ gerade radikal genug ist

Ellen Kositza / 107 Kommentare

Wie finden Sie diesen Buchtitel? Sitzt? Oder zu derb?

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Es ist nur der Untertitel. Der eigentliche Titel lautet The Childfree-Rebellion, auf gut deutsch etwa: der Aufstand der Kinderfreien. „Kinderfrei“, das ist der Autorin wichtig. Kinderlosigkeit würde womöglich Mitleid hervorrufen. Kinderfreiheit hingegen, das soll cool und up-to-date, jedenfalls selbstbestimmt klingen.

Die Autorin Verena Brunschweiger hatte vor einem Jahr eine aufsehenerregende Streitschrift verfaßt: Kinderfrei, nicht kinderlos. Das Buch machte Furore. Über den Inhalt wurde debattiert, in Print, Rundfunk und TV.

Aber anders als die Debattenschlager etwa eines Thilo Sarrazin – was Frau Brunschweiger besonders ärgert – wurde es eben mehr besprochen denn verkauft. Wir dürfen uns immer noch bei der 1. Auflage bedienen. Vermutlich fanden die potentiellen Leser Sarrazin zwar krass, aber bedenkenswert, das Brunschweiger-Pamphlet hingegen deutlich überdreht.

Immerhin finden sich 218 Kundenrezensionen zu Brundschweigers 2019er-Buch auf amazon.de, ausgerechnet und aberwitzigerweise diese Zahl, die man leicht mit dem „Abtreibungsparagraphen“ 218 in Verbindung bringt. Selbstverständlich ist Frau Brunschweiger als „Anti-Natalistin“ nicht „Pro-Choice“, was ein liberaler Standpunkt wäre. Nein, sie nennt sich ausweislich „Abtreibungsbefürworterin“.

Ihr erstes Buch zum Thema "Kinder-Nein danke" hatte jedenfalls ordentlich polarisiert. 37% der amazon-Kundenbewerter vergaben volle fünf Punkte, 58 % gaben nur einen Punkt - dies vermutlich nur, weil es die Null-Punkte-Option nicht gab.

Nun hat Brunschweiger, 39 Jahre, Frau Dr., verheiratet, gebürtige Passauerin, beurlaubte Lehrerin eines Regensburger Gymnasiums, nachgelegt. In ihrem zweiten Buch zum Thema hat sie aufgeschrieben, was ihr widerfahren ist in jenem aufreibenden letzten Jahr, als sie durch die Sprechschauen wanderte und sich mit „80% Ablehnung“ ihrer Thesen konfrontiert sah.

Womöglich schreibt diese gebärfeindliche Frau irrelevanten Psycho-Kram, mit dem sich die Beschäftigung nicht lohnte. Man könnte es so sehen. Man könnte es einfach abperlen lassen. Eine andere findet Segelschiffe unmöglich, noch eine andere haßt vielleicht Bartträger. Es wäre in Ordnung. Es muß ja niemand ein Segelschiff besitzen oder einen Bart tragen - umgekehrt wird es keinem verwehrt, sich beides anzuschaffen. Leben und labern lassen!

Nur: Die Autorin sattelt auf fragwürdige Trends, die längst wirkmächtig im Gange ist. Der Umweltaspekt ist das eine. Daß Kinder "zuviel Co2 verbrauchen" und daß durch Staatsknete (etwa Baukindergeld) „hervorgelockte“ Kinder anderswo „ganze Arten aussterben“, ist eines ihrer Hauptargumente. In einer gerade unter jungen Frauen verbreiteten klimahysterischen Atmosphäre fallen solche Bedrohungsszenarien sicher auf ( dann un-)fruchtbaren Boden.

Zweitens feiert die Anti-Natalisten-Bewegung ohnehin seit einiger Zeit fröhlich Urständ'. Bücher titels Vögeln für Vaterland? Nein, danke!; Die Uhr, die nicht tickt: kinderlos glücklich; No kid: 40 Gründe, keine Kinder zu haben oder zuletzt: Die Mutterglücklüge – Regretting Motherhood werden (meist von den üblichen Feuilletondamen) als Erkenntnisgewinne und Emanzipationsvolltreffer gepriesen.

Für Leser ohne hinreichende Immunkräfte (und wer ist schon gänzlich immun gegen ideologisches Dauerfeuer?) dürfte das propagandistisch wirksam sein.

In anderen Ländern ist die Mode „Kinderverzicht aus Klimagründen“, folgt man Frau Brunschweiger, schon viel weiter verbreitert. Die Autorin beteuert, in Indien, der Schweiz, Großbritannien, USA, Neuseeland, Rußland… etc.  sei man in puncto radikaler Kinderverhütung fortgeschrittener als in Deutschland, diesem ohnehin rechten Hort des Bösen. In anderen Ländern klebe der Slogan Save the earth, don´t give birth ("Die Welt behüten heißt Kinder verhüten") „wie selbstverständlich“ an Laternenpfählen etc.

Prinz Harry und seine Meghan [wohlgemerkt: letztere bei der Geburt des Erstlings knapp 38 Jahre] wollen sich aus Umweltbewußtsein auf zwei Kinder beschränken. Andere Popstars machen mit. Meine Töchter haben mir berichtet, daß heute niemand nolens volens an entsprechenden Youtube- und ähnlichen Formaten vorbeikommt, wo selbstsicher auftretende knapp Volljährige ihre Entscheidung für eine Sterilisation begründen.

Frau Brunschweiger nun könnte cool & lapidar ihre Entscheidung vorstellen. Aber sie schreibt fortwährend mit Schaum vor dem Mund. Wenn sie Mütter mit Babys im Arm sieht, ätzt sie: „Fuck Trophies“.  Sie nennt Kleinkinder „Heulbojen“ und brandmarkt Eltern, die „stundenlang darüber palavern“ (wenn Eltern sprechen, stehen hier synonym auch „faseln“, „labern“, gar „unterirdisches Gelaber“ zur Verfügung), daß sie beim Bäcker auf eine Tüte verzichten. Brunschweiger: „Wie wäre es, statt krampfhaft zu versuchen, weniger Plastik zu benutzen, in dem eigenen Lebensplan einfach mit einem Plastikkonsumenten weniger zu rechnen?“

Bei so viel Gift und Galle (beides gibt es hier, in diesem verrückten Büchlein, potenziert; ich könnte ellenlang zitieren) war ich neugierig, mit welcher Persona wir es hier zu tun haben.

Drum hab ich gegooglet und gefunden: eine adrette, gepflegte Person, schmal und hübsch, die rosa Pumps trägt, „live“ fast unbedarft, jedenfalls äußerst höflich und biegsam wirkt und einen anheimelnden, deutlich bayrischen Dialekt spricht. Verrückte Welt!

Ausweislich ihres neuen Buches haben wir es bei Dr. Verena Brunschweiger entgegen allen Augenscheins aber mit einer bekennenden „Radikalfeministin“ und „Ökosozialistin“ zu tun. Ihren Ärger über immer noch – also trotz der sog. Umweltkatastrophe - gebärwillige Frauen faßt die Autorin in zahlreiche schiefe Bilder. Beispielsweise seien nach Veröffentlichung ihres ersten Buches im Lehrerzimmer „Blicke wie Dolchstöße in meine Richtung abgeschossen“ worden. Blicke? Dolche? Schießen? Solche Stilblüten häufen sich - erstaunlich für eine Deutschlehrerin:

Wer sich ein Kind unbedingt einbildet, bekommt es auch, selbst wenn er/sie dadurch aus Umweltgesichtspunkten rücksichts- und verantwortunglos gegenüber diesem Kind handelt.

Schon klar. Dieses eingebildete Kind. Und dessen beknackte Erzeuger. Mit dieser verkorksten Spezies „Eltern“ mag eine intellektuelle Hochbegabung vom Schlage Brunschweiger nämlich kaum reden:

Wo steht geschrieben, daß man total scharf sein muß auf [Kinder-]Lärm und Leute, mit denen kein Gespräch möglich ist?

Im Fortgang dieser „Streitschrift“ reagiert die Autorin immer absurder und aggressiver. Sprachbilder wie „glatt/zart wie ein Kinderpopo“ erscheinen ihr verschwörungsaffin als fiese „pronatalistische Werbung“. Sie verdammt bereits den Terminus „Fruchtbarkeit“ und gerät dabei sowohl reichlich durcheinander als auch  in ihrem Furor vom Hölzchen auf's Stöckchen:

Gerade für rechte Gruppierungen ist eine Art »Wurfpropaganda« oftmals das zentrale Element. Nun kann man fragen, welchen Sinn es ergibt, sich jeweils gegenseitig die Vokabel »rechtsradikal« oder »faschistisch« an den Kopf zu werfen. Ich finde, dass man mit diesen Begriffen richtig umgehen und sie nicht beliebig auf alle möglichen abweichenden Meinungen übertragen sollte um dann damit ein irgendwie undefinierbares, allgemeines Böses zu fassen. Es lässt sich aktuell der Versuch feststellen, den Begriffen des »Faschismus« oder des »Rechtsradikalismus« dadurch die politische Schärfe zu nehmen, dass man sie möglichst entgrenzt verwendet.

Hm. Okay.

Dann macht Frau Dr. aber weiter:

Die Neuen Rechten lieben das Gebären [! cool], denn so können sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Mehr »einheimische« Kinder werden zum Grund, um Flüchtlinge und Migranten abzuweisen und gleichzeitig befestigt man patriarchale Verhältnisse, indem man die eigenen Frauen in einer ideologiekonformen Rolle beschäftigt hält. Dieses antifeministische Rollenbild, das die Frau als Mutter sieht und als sonst nichts, wird glorifiziert. Gerade in Deutschland haben wir es mit einem Mutterkult zu tun, der sich m. E. nicht von der Zeit des Nationalsozialismus trennen lässt.

In meinen Augen ist das: pathologisch, oder? Jedenfalls ist Frau Brunschweiger sich sicher, daß die promiskuitive Nichtmutter hierzulande – nein, auch anderswo – durch den sprichwörtlichen gesellschaftlichen Fleischwolf gedreht werden. Beleg?

In einem Versuchsaufbau an der Cornell University wurde festgestellt, dass ein und dieselbe fiktive Figur unterschiedlich bewertet wurde, wenn man sie einmal mit zwei Partnern im Laufe ihres bisherigen Lebens vorstellte und ein anderes Mal mit zwanzig.  Die konservative Frau wurde nicht nur (emotional) stabiler eingeschätzt, sondern auch kompetenter. Vielleicht lassen sich Frauen, die sich öfter trennen, einfach nur weniger bieten – und das ja völlig zu Recht?

„Das ja völlig zurecht “: Naklar. Bisserl pauschal zwar, aba paßt scho. Manderl sin scho fies.

Frau Brunschweiger wurde in diversen Interviews gefragt, ob es denn nicht eine Art Frauensolidarität geben könne, gerade wegen der Gendergerechtigkeit. Sie aber:

Ich werde deswegen grantig, wenn ich immer wieder vorrangig danach gefragt werde, ob Mütter denn nicht auch erheblich diskriminiert seien. Mit Fragen wie diesen zwingt man mich in gewisser Weise dazu, mich als Antinatalistin ins pronatalistische Narrativ einzupflegen.

Eins ist klar: Hier liegen wirklich schwerwiegende Probleme vor!

Nun ist diese Lehrerin …ähem, beurlaubt worden. Sie unterrichtet derzeit nicht am Regensburger Albrecht-Altdorfer-Gymnasium, jener Schule, die nach einem „ausgewiesenen Antisemiten“ (V.B.) (1480-1538) benannt ist.  Die Sache ist kompliziert.  SIE hat zwar tatsächlich selbst um eine Beurlaubung gebeten. Die wurde aber stante pede bewilligt, obwohl Frau Brunschweiger den Antrag nicht fristgerecht eingereicht hatte. Extrem fies.

Klar: Überall sind die Gebärgeilen, die Natio- und Natalisten am Werk oder die Neue Rechte, alle wollen die totale Gebärmaschine! Kritische Frauen, vor allem kritische kinderlose Frauen, werden mundtot gemacht!

Frau Brunschweiger sieht es so:

Es stellt sich die Frage, ob das Problem tatsächlich darin besteht, dass eine Lehrkraft eine politische Haltung an den Tag legt, oder ob es eher darum geht, dass es sich um eine linke handelt. Linkspolitisches Engagement löst immer schon eine weit größere Beunruhigung aus als rechtes. Das war auch zu meiner Jugendzeit so, als Antifa-WGs regelmäßig abgehört und überwacht wurden.

Logisch. Wir alle kennen diese rechten Oberstufengruppen, die staatlich unterstützt wurden, wohingegen man „alles Linke“ mit dem eisernen Besen auskehrte. Gestern wie heute, was sonst? Der Autorin begegnen Stolpersteine, woauchimmer sie hinschaut:

Die Bezeichnung »Parents-for-Future« enthält für mich einen Widerspruch, über den ich persönlich jedenfalls nicht hinwegkomme. Ich bedauere in diesem Kontext, dass auch Greta Thunberg (…) stark pronatalistisch argumentiert. Viele Artikel betonen, warum gerade nationalistische, rechtskonservative Männer Thunberg nicht leiden können, dabei ist sie ihnen in diesem, zentralen Punkt, der Reproduktionsbejahung, willige Erfüllungsgehilfin.

Das klingt gemein –und wenigstens unfreiwillig komisch und anzüglich.

Blöde Journalist*innen („von Männern fühle ich mich häufiger verstanden“) haben die Autorin zudem häufig gefragt, ob sie denn kein Mitleid verspüre mit Menschen, die keine Kinder zeugen/gebären können?

Frau Brunschweigers coole Antwort:

Warum sollte ich mit Leuten übermäßig Mitleid haben, deren zutiefst egoistischer, narzisstischer Wunsch nicht in Erfüllung geht? Die eigenen Gene weitergeben, wenn es so viele Lebewesen gibt, die auf ein liebevolles Zuhause warten? Wenn es so viele Möglichkeiten gibt, anderen zu helfen, sich selbst zu verwirklichen, die Welt zu einem schöneren Ort zu machen – und dann soll man einstimmen in das Wehklagen von Menschen, die sich auf so ein Projekt versteifen? Die von  Rührseligkeit befallenwerden und im Selbstmitleid versinken, wenn sie andere beneiden, weil diese einen Kinderwagen vor sich herschieben.

Nun beinhaltet diese schmale Büchlein nicht nur drastische Ansichten, sondern reichlich Kurioses. Drei Beispiele.

Einmal besucht die Autorin ein Restaurant, in dem auch eine Familie mit Kindern speist. Letztere verhielten sich zwar zum Glück  insgesamt „passabel“. Sie

„starrten allerdings vollkommen ungeniert meinen Begleiter an – einen fast zwei Meter großen, sehr schlanken Mann in den Vierzigern mit einem Gehstock. Sicher eine ungewöhnliche Erscheinung, aber doch kein Grund, dass einem dauerhaft die Kinnlade herunterklappt. Der familiäre Rahmen diente hier als sicheres Terrain, um einer Technik zu frönen, die man als »Othering« bezeichnet, denn die Eltern hatten am Verhalten ihrer Kinder offenbar nichts auszusetzen. Mein Begleiter durfte hemmungslos angestarrt werden.“

Zweitens:  Ein Freund (35, Techniker) tätigt einen Lego-Großeinkauf. Die Kassiererin „flötete ihm entgegen“:

»Da werden sich die Kinder aber freuen!“. Der Freund reagierte cool: »Welche Kinder?« Man muss nicht infantil sein, um Spaß zu haben an Dingen, die aggressiv [!] nur auf Kinderzugeschnitten sind, obwohl auch Erwachsene daran Freude finden könn(t)en.

Kommentar überflüssig.

Drittens: Frau Brunschweiger sieht „im Internet“ ein „aufwändig gestaltetes Brautkleid“. Auf Bauchhöhe ist ein Baby projiziert. Die Überschrift lautet: „Der Traum jeder Frau“.  Frau Brunschweiger fühlt sich sofort an „Propaganda der Dreißiger Jahre“ erinnert. Sie tadelt, zudem werde hier für „Ausgrenzung und Stigmatisierung von Frauen gesorgt, deren Traum nicht in diese Richtung geht.“

Nun ja. Geben wir aus: zwei, drei Runden Mitleid mit Personen, die durch Haß und Abwertung die eigene Position vergülden müssen.

Wer unbedingt will: Hier kann man die Childfree-Rebellion erwerben.


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.


Kommentare (107)

RMH

4. März 2020 23:01

Als böser Eugeniker finde ich es ganz gut, dass Frau B. keine Kinder bekommen will.

Nur, Leute wie diese Dame sollten dann schon ein Attest vom Arzt - pardon, im Falle der Feministin Frau B. natürlich von einer Ärztin - vorlegen, in dem bestätigt wird, dass keine Kinder mehr möglich sind (bspw. durch entsprechenden Eingriff), sonst wirkt es unglaubwürdig (man kennt das ja, lauthals allzeit Wasser predigen und irgendwann, Schwupps, kurz bevor der Ofen ausgeht, ist dann doch Wein im Glas bzw. Braten in der Röhre). Die Pille belastet bekanntermaßen die Gewässer und das Trinkwasser und das geht dann ja alleine schon unter den über allen anderen Aspekten allein- und ausschließlich seligmachenden Umweltschutzgesichtspunkten, für die man nach Frau B. keinen Nachwuchs mehr haben darf, nicht mehr (von den anderen Nebenwirkungen braucht man gar nicht erst anfangen, zu reden).

Putzig fand ich eine Überschrift bei SPON über einem Interview mit Frau B, wonach Kinderlose nach Auffassung von Frau B. den besseren Sex hätten (kann sie ja offenbar prima vergleichen - aber Priester reden ja auch über sexuellen Verkehr). Solche Behauptungen finde ich immer klasse, denn dafür müsste man erst einmal sich darüber einig sein, was "guter Sex" überhaupt ist, damit man "besseren" definieren kann. Das Interview war im Bezahlteil des ehem. Arbeitgebers von Herrn Relotius und dafür gebe ich dann doch nichts aus.

Überhaupt ist es doch recht durchsichtig, dass diese Frau auf dem alten Geschäftsmodell reitet, "ich hau jetzt mal derb polarisierend auf den Putz" und dann verkaufen sich meine Bücher, denn den x-ten Erziehungsratgeber von einer Lehrerin will ja sonst keiner mehr kaufen. Scheint aber nicht aufgegangen zu sein, wenn man die Auflagen betrachtet.

Also lassen wir dieser Dame ihre 15 Minuten Ruhm. Und die, die Kinderwunsch haben, erfüllen ihn sich zumeist auch - ohne Rücksicht auf Frau B. Evtl. ja auch "Klimagerecht" durch Adoption von Waisen aus der dritten Welt - nun sind halt da … die Fuck Trophies anderer … und womöglich auch noch im selben Restaurant, in dem man in Ruhe speisen möchte. Das Leben ist schon eine einzige Zumutung …

PS: Und ja, jetzt ergibt die Behauptung des WDR-Chors, dass Omas - lt. Definition Frauen, die Kinder bekommen haben, die wiederum Kinder haben - Umweltsäue seien, doch wieder einen Sinn. Danke an Frau B. für die Aufklärung.

Thorsten B

4. März 2020 23:05

Interessant auch die Aussage Brunschweigers in einem heute in der WELT abgedruckten Interview; nach Reaktionen gefragt sagt sie:
"Auffällig war, dass mir viele Männer geschrieben haben – die coolen Männer, ich nenne sie Reproduktionsverweigerer. Darum geht es in dem neuen Buch auch ganz dezidiert um diese Männergruppe."
Anschaulicher kann man die "Thymotische Unterversorgung" (Marc Jongen) kaum beschreiben...

Niedersachse

5. März 2020 01:02

Würde Frau Brunschweig es ernst meinen mit dem "Klimaschutz durch Birthstrike", würde sie sich auf völlig andere Bevölkerungsgruppen beziehen. So aber bleibt nur pathologischer weißer Selbsthass...
Kranke, neurotische Menschen wie Frau Brunschweiger gibt es in jedem Land auf der Welt, doch nur in westlich geprägten Ländern bekommen sie eine dementsprechend große Bühne, da sie genau das Bevölkerungs- Auslöschungsprogramm propagieren, das sich deren verkommene Regierungen sowieso als Ziel auserkoren haben.

Lotta Vorbeck

5. März 2020 01:43

EK: "Wer unbedingt will: Hier kann man die Childfree-Rebellion erwerben."

Ja, Antaios liefert jedes Buch. Nein danke. Man muß nicht jedes Buch haben.

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"... In meinen Augen ist das: pathologisch, oder?" [EK] - Claro ist das pathologisch. Was denn sonst?

Jahrgang 1980, die Madame Doktor. Während ihrer Kindheit ist das Substrat bereitet worden, auf dem solche weder Blüten noch Früchte hervorbringenden Hybridpflanzen prächtig gedeihen.

""In anderen Ländern ist die Mode „Kinderverzicht aus Klimagründen schon viel weiter verbreitert." Die Autorin beteuert, in Indien, der Schweiz, Großbritannien, USA, Neuseeland, Rußland… etc. sei man in puncto radikaler Kinderverhütung fortgeschrittener als in Deutschland" - führt die Verena Brunschweiger aus."

Die UdSSR sowie das Rußland unter Jelzin verzeichneten eine exorbitant hohe Abtreibungsrate. "Abort machen" war weder teuer, noch rechtlich kompliziert.
Inzwischen gewährt Russland, vom Präsidenten Putin angeregt, beträchtliche Zuschüsse die die Familiengründung für junge Paare erleichtern oder überhaupt erst ermöglichen. Neben finanziellen Zuwendungen, sorgt man landesweit für die Schaffung von familiengerechtem Wohnraum. Mit jedem Neugeborenen erfolgt eine signifikante Steigerung der staatlichen Zuwendung an dessen Familie. Die Höhe dieser Zahlung korreliert mit dem regional unterschiedlichen Preisniveau. Darüberhinaus werden aktuell die materiellen Voraussetzungen dafür geschaffen, künftig jedem Schulkind in seiner Schule ein gesundes Mittagessen anbieten zu können.

Laurenz

5. März 2020 06:13

https://www.spiegel.de/panorama/keine-kinder-wegen-des-klimas-wir-kinderlosen-haben-den-besseren-sex-a-0d0e8259-4fca-4bb0-bb15-1f40ebf8c41d

kostenpflichtig beim Relotius

Obskure Behauptung. Als ob Braunschweiger den Sex ihrer Mitmenschen ausnahmslos überwachen würde.
Ich finde die fundamentale Idee Braunschweigers klasse. Erstmals in der Menschheitsgeschichte rottet sich die Dummheit selbst aus.
Natürlich sind Publikationen Braunschweigers auf den falschen Buchmärkten unterwegs. Asien, Süd-Amerika und Afrika wären die richtigen Zielgebiete.
Auch die Logik Braunschweigers läßt zu wünschen übrig. Würde Braunschweiger ein Kind gebären, und dann Suizid begehen, hätten wir adhoc eine CO2-Einsparung und mit etwas Glück, mehr Hirn zu verzeichnen. Kinder furzen weniger Methan als Erwachsene. Und was macht es für einen Sinn, Menschen aus ökologischen Gründen einzusparen, wenn man den nun weniger bevölkerten Raum mit frei laufenden Wölfen oder sonstigen Primaten auffüllt?

Lotta Vorbeck

5. März 2020 08:31

@Laurenz - 5. März 2020 - 06:13 AM

Gibt es Buchhandlungen in Afrika?

Homeland

5. März 2020 09:35

Wenn ich mir vorstelle, dass diese pathologisch schwer angeschlagene Person nahezu jeden Tag dem Gegenstand ihres formidablen Hasses gegenüberstand, bin ich dann doch einigermaßen befriedigt darüber, dass ihr in diesem Verwaltungsstaat ein formaler Fristwahrungsfehler kulanterweise erlassen und damit die Frustwahrung mit Lehrauftrag beendet wurde.

Es ist vollkommen in Ordnung, dass sich derlei Wesen das Nicht-Kinderkriegen auferlegen, besser sich noch ihre eigene Sterilisation befehlen. Sie liefern damit einen bedeutenden Beitrag zum Aussterben des Asozialen in den so genannten liberalen Demokratien des Westens.

Markus

5. März 2020 09:42

Die Inversion der Natur. Gut, dass sie keine Nachkommen hat. Meine Empfehlung für derartige Leute ist immer Suizid für das Klima.

Vera

5. März 2020 09:42

Danke für Ihre treffende Kritik an diesem wahrhaft unsäglichen Machwerk. Frau B. ist für mich eine dieser Priesterinnen des Todes. Frauen, die sich aus egoistischen, egozentrischen Gründen dem größten Geschenk verweigern, welches die Natur uns anvertraut hat: die Gabe, das Leben weiterzugeben. Denn würden alle ihrem Beispiel folgen, wäre die Menschheit in Kürze ausgestorben. Tatsächlich bedaure ich es nicht, daß solche Menschen keine Kinder haben, nein im Gegenteil. Das ist gut so. Konsequenter fände ich es aber, in Hinblick auf die CO2-Ersparnis, wenn sie auch dem eigenen Leben möglichst bald ein Ende setzen würde.
Der Feminismus hat uns Frauen verraten, weil er uns diese großartige Gabe, das Leben weitergeben zu dürfen, madig gemacht hat. Weil er Mütter zu Frauen zweiter Klasse gemacht hat. Weil er nicht begreift, wieviel Macht und Stärke Mutterschaft bedeutet. Weil er uns Frauen und unser Leben in Schablonen männlichen Denkens und Handelns zwingen will, anstatt uns unser Frausein ganz entfalten zu lassen. Weil er uns unseren Schutzraum, die Familie, zerstört, der uns Entfaltung ermöglicht.
Wenn ich höre oder lese, unsere Gesellschaft sei wieder auf dem Weg ins Matriarchat, kann ich nur lachen. Denn die Frauen, die uns in dieser Gesellschaft als Vorbilder dienen sollen, die in Machtpositionen platziert wurden, haben jeden Zug von Mütterlichkeit und Weiblichkeit abgelegt und sich ganz und gar an das männliche Raster angepasst.
Es geht überhaupt nicht darum, Frauen auf ihre Mutterrolle zu reduzieren, sondern ihnen die Möglichkeit zu geben, auch diese Rolle frei ausfüllen zu können. Ohne durch Karrierezwänge oder finanzielle Nöte eingeschränkt zu werden. Es geht um eine echte Wahlfreiheit. Und darum, die wunderbare (Auf-) Gabe der Mutterschaft zu wertschätzen und zu achten. Das ist für mich wahrer Feminismus – denn wir sind die Hüterinnen des Lebens und der Liebe.

Utz

5. März 2020 09:55

Nun denn, neue Rechte, nährt das Vorurteil: bekommt Kinder!

Brettenbacher

5. März 2020 10:17

@Laurenz
" Erstmals in der Menschheitsgeschichte rottet sich die Dummheit selbst aus."
Ein Bravo- für die Bemerkung wie für den Vorgang.
Auch ist die Dame ein Prachtsexemplar dafür, daß Dummheit keine zerebrale Kategorie ist, sondern eine seelische.

Laurenz

5. März 2020 10:18

@Lotta Vorbeck

https://www.biblio.com/bookstores/africa/1299

https://bookriot.com/2017/01/30/50-must-visit-beautiful-bookstores-on-six-continents/

Unter dem Stichwort "bookshops in Africa" findet man einiges.
In Kenia läuft das ganze klein-wirtschaftliche Leben über mobiles Telefon, auch Kreditvergabe und Bezahlung. Da muß man sich als Anbieter von Büchern anpassen und Übersetzer in Kishuaheli beauftragen.
In Südamerika kommt man mit Spanisch und Portugiesisch weiter, und in Asien mit den jeweiligen Landesprachen.

Adler und Drache

5. März 2020 10:49

Es ist schon interessant, welche noch so obskuren Nischen gewiefte Spürnasen auftun, um sich dort zu profilieren und Geld zu machen. Wichtig ist jedenfalls irgendeine Verbindung mit "rechts", dann klappt es. Sollte irgendwann ein Umschwung stattfinden und die Rechte nicht mehr die Position des metaphysisch absolut Bösen einnehmen, wird das alles wohl einfallen wie ein Kartenhaus.
Zusammengefasst: Präsentiere irgendeine dämliche Idee und pumpe deinen "Kampf" dagegen auf, indem du dir Kraft von rechts borgst. - Das ist leider unsere systemstabilisierende Funktion! Gegen uns erhält noch jeder Kokolores sein Recht ...

Lotta Vorbeck

5. März 2020 11:30

@Laurenz - 5. März 2020 - 10:18 AM

https://www.biblio.com/bookstores/africa/1299

https://bookriot.com/2017/01/30/50-must-visit-beautiful-bookstores-on-six-continents/

Unter dem Stichwort "bookshops in Africa" findet man einiges.

~~~~~~~~~~~~

+ Link1:

die Suchliste enthält unter "Countries" den Senegal, Kenya, Seychelles und South Africa

Einzig unter "South Africa" sind 29 Buchhandlungen in Südafrika aufgelistet.

+ Link 2:

liefert zu "beautiful bookstores in Africa" insgesamt 8 Treffer

nennt Buchhandlungen in Äthiopien, Marokko, Nigeria, dem Senegal, Südafrika

Imagine

5. März 2020 12:07

Unbestreitbar werden Kinder unter heutigen gesellschaftlichen Bedingungen zu einem teuren Hobby und gehen mit hoher zusätzlicher Arbeitsbelastung sowie damit verbundenen Freiheitseinschränkungen einher.

Sogar höchstrichterlich wurde festgestellt, dass selbst ein gesundes Kind einen wirtschaftlichen Schaden darstellt und daher einen Anspruch auf Haftung und Unterhalt durch einen Arzt begründet.

Solange Eltern durch ihre Kinder einen gravierenden Einkommens- und Konsumverzicht erleiden sowie durch große Mehrarbeit belastet werden, solange wird der Anteil der kinderfreien Paare hoch sein.

Da gibt es eine klare Kausalität. Das sieht man deutlich im Vergleich von BRD und Frankreich bzw. BRD und DDR.

sok

5. März 2020 12:08

@ Adler und Drache: Die Rechte hat die Position des mathaphysisch absolut Bösen.

Interessant finde ich, dass es wissenschaftliche Untersuchungen zu der Frage gibt, wie es der Linken gelungen ist, die Mehrheitsmeinung durchzusetzen, dass die Rechte böse ist.

Untersuchungen über Erziehung und Idendität haben ergeben, dass es gelungen ist, die Kinder in Deutschland durch Druck daran zu hindern, ein deutsches Natinalbewusstsein zu entwickeln.

Was bisher übesehen wurde ist, dass der Druck auf die Rechten, um die Entstehung eines in Europa normalen Nationalbewusstseins zu unterdrücken, seit Generationen auf Kinder ausgeübt wird .

Ein Hoffnungsschimmer ist, dass der Druck auf Kinder nachweislich gesundheitsschädlich ist. Wenn das bekannt würde, könnten einige Linke vielleicht davon überzeegt werden, ihre Idelogie nicht ihren eigenen Kindern aufzuzwingen.

Schon wenn klar würde, dass die bösen Rechten weniger depressiv sind, würde sich die öffentliche Debatte grundlegend ändern.

Mboko Lumumbe

5. März 2020 12:44

@ Vera
Danke.
--------

Wie wäre es mit der Verwendung des Begriffes Familismus? Denn in der Familie liegt für mich die wahre Begründung und Behütung des Lebens und der Liebe.

Familismus ist als Begriff bereits in Verwendung und Bedarf keiner Einführung. Warum hört und liest man davon recht wenig?

Maiordomus

5. März 2020 13:18

@Brettenbacher. Was Sie über "Dummheit" als eher seelische als "zerebrale" Kategorie ausführen, wobei natürlich auch das Seelische zerebral ist nicht, wie Descartes glaubte, in der Zirbeldrüse beheimatet, das scheint mir eine tiefsinnige uralte Erkenntnis zu sein. Thomas von Aquin spricht von sittlicher Dummheit, welche durchaus noch mit der Intelligenz des Superklugen kompatibel sein kann. Eine Eigenschaft durchaus auch von intelligenten Leuten. Solche sind, auch auf sehr hohem Niveau, durchaus in der Lage, selbst offensichtliche Realitäten auszublenden. Beispielsweise vernahm ich dieser Tage im Austausch mit zwei der besten Kenner/Kennerinnen des deutschen Parlamentarismus, beide auf dem Gebiet habilitiert, dass die AfD versuche, die parlamentarische Demokratie "kaputtzumachen", gemeint die Vorgänge der letzten 4 Wochen: Nicht erwähnt der Antrag aus der SPD Nordrhein-Westfalen, die Stimmen der Opposition bei der Gesetzgebung auszuschliessen, nicht erwähnt, Merkels Quasibefehl zum Rückgängigmachen einer Wahlentscheidung eines Landesparlaments, nicht erwähnt die zwar nicht protokollierten "Klo"-Abmachungen, zu schweigen von der Sache mit Erschiessen und GULAG am Tag vor der Ministerpräsidentenwahl derselben Partei. Wie ist es da möglich, absolute Spitze in der Parlamentspublizistik zu sein?

t.gygax

5. März 2020 13:19

@buckliger versager
Eine Frage an die "Bademeister": müssen solche extrem persönlichen, eigentlich intimen Bekenntnisse hier der Öffentlichkeit dargeboten werden?

bademeister: nein.

Adler und Drache

5. März 2020 13:38

@ buckliger versager:

"Sein Herr antwortete ihm: Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du hast doch gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe. Hättest du mein Geld wenigstens auf die Bank gebracht, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten. "

RWDS

5. März 2020 14:00

Ich nutze die Argumente der Frau Brunschweiger genau andersherum. Gerade durch meine Kinderlosigkeit, muss ich diese Klimahysterie nicht mitmachen.

Wer sich mit den Befüwortern von Abtreibungen und "Kinderfreiheit" beschäftigt, wird sowieso schnell feststellen, dass damit eher ein Geburtendschihad gegen die Weißen forciert wird. Der Migrant aus Nahost (und der Orientale daheim sowieso) bekommt jedenfalls fleißig weiter Nachwuchs und scheint sich um "deren Zukunft" zumindest klimatechnisch keine allzu großen Sorgen zu machen.

Maiordomus

5. März 2020 14:18

@Lumumbe. Zum Lob der Familie können Sie jede Menge Empfehlungen sogar ausserhalb frommer Gemeinplätze in päpstlichen Enzykliken nachstudieren, was aber wohl nur noch sehr gläubige Katholiken beeindruckt. Nicht zu vergessen die Heiligkeit der Familie mit dem biblischen Grundmodell Jesus - Maria - Josef, dazu Jesu Grossmutter Anna, welche im Heiligenkult und auch in der Heidenmission matriarchische Muttergottheiten zu ersetzen hatte, zum Beispiel in Ste. Anne in der Bretagne und allgemein am kirchlichen St. Anna-Tag vom 26. Juli. "Anna Selbdritt" steht auch für eine dreifache Generationenfolge. Die entsprechenden ikonografischen Darstellungen ergänzen die weihnachtlichen von der heiligen Familie.

Zur Familie: In den sog. Christdemokratischen Parteien Europas hat man sich längst an "andere Modelle" angepasst, was nicht nur für die CDU gilt. Noch interessant und keineswegs im Zusammenhang mit Religiösen stehend, gibt es ein Standardwerk moderner Betriebswirtschaft: "Familyness" von Corinne Mühlebach, eine ausgezeichnete schön gedruckte Dissertation der Handelshochschule St. Gallen (wo auch Rolf Peter Sieferle lehrte), publiziert um 2004. Hier wird aufgezeigt, was für enorme soziale und natürlich auch volkswirtschaftliche Werte ein traditioneller Familienbetrieb verkörpert und generier. Sehr wichtig natürlich der Hinweisen, dass und wie gerade Familienbetriebe erst recht Modernisierung benötigen, soll das, was an ihnen wertvoll ist, auch für Gegenwart und Zukunft transportabel sein. Ebenfalls klar und längst durchgesetzt, dass in modernen kleinen und mittleren Betrieben mit Familientradition die Führungsfunktion der Frauen immer wichtiger wird, dabei schon zu früheren Zeiten nicht zu unterschätzen war. Starke Unternehmerinnen früherer Generationen verdankten vielfach ihre Position einer familiären Tradition, gelegentlich dem einst als ehrwürdig angesehenen Witwenstand. Der berühmteste Markenname in letzterer Eigenschaft ist und bleibt der Champagner "Veuve Cliquot". Prosit!

Wahrheitssucher

5. März 2020 14:30

@ Vera

Dank für Ihren Beitrag! Er gehört für mich zum Allerbesten und Wahrsten (kann man „wahr“ überhaupt steigern?), was je auf SIN veröffentlicht worden ist.
Ihr Name ist wahrhaft ein Zeichen!

Waldgaenger aus Schwaben

5. März 2020 14:39

Über dieses Wesen, Frau zu nennen weigere ich mich, ist hier schon genug gesagt. Mir fällt jedenfalls nichts mehr Intelligentes ein, was ich über es zu sagen hätte.

Aber auf einer Metaebene vielleicht noch eine Anmerkung.
Das Problem unserer Zivilsation ist doch, dass heute jeder noch so banale oder dumme Gedanken zwischen Buchdeckel pressen kann. Das Buch als Vermittler und Bewahrer hochwertiger und wohl überlegter Gedanken verliert seine Bedeutung. Was aber bleibt noch? Was werden Nachgeborene von unseren Tagen lesen?

Man sollte vielleicht einen Verlag gründen, der von Autoren nur handgeschriebene Manuskripte in Sütterlin annimmt und nur auf handgeschöpftes Büttenpapier druckt.

kommentar1

5. März 2020 15:09

Liebe Frau Kositza,

ich lese seit Bestehen der Webseite auf sezession.de mit – zunächst „kritisch-beobachtend“, dann mit zunehmenden Interesse und irgendwann zum Erkenntnisgewinn – und nun muss ich das erste Mal einen Artikel kommentieren, da mir (Vater eines Sohnes) der Fall Brunschweiger seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf geht, weniger wegen der von Frau Brunschweiger vorgetragenen Inhalte, sondern wegen des gesellschaftlichen Umgangs mit ihr.

Wie unfassbar stark hat sich doch der „Diskursrahmen“ in den letzten 10 (?) Jahren verändert. Vor einiger Zeit noch hätte man Frau Brunschweiger die (ich glaube wirklich: ärztliche) Hilfe zukommen lassen, die sie so offensichtlich braucht. Und heute wird sie zum Diskurs zugelassen, verlegt, in Talkshows eingeladen und – Sie schreiben es ja: sogar positiv – besprochen.

Das Mitleidsheischende. Wirklich, ganze 80% der „Leser“ sind mit ihrem Schwachsinn nicht einverstanden? Echt fies. Das mit der Beurlaubung fand ich auch sehr witzig. Erst klang es so, als habe man sie vom Dienst entfernt (Frechheit!) und dann hat sie einfach nur ein Sabbatjahr genommen.

Das Ranschmeisserische an das aktuelle Thema Klimawandel finde ich ebenfalls augenfällig. So anti-humanistisch und gleichzeitig konjunkturritterhaft. Widerlich. Vielen Dank auch für die Titelsammlung – irre!

Mussten Sie beim Lesen nicht auch an den Mann von Frau Brunschweiger denken? Man mag ihn sich gar nicht erst vorstellen, so leid tat er mir. (Ist er das? Ab 00:56: https://www.welt.de/icon/partnerschaft/article206296357/VerenaBrunschweiger-Geburtenstopp-bis-sich-alles-wieder-beruhigt-hat.html)

Bei der äußeren Beschreibung von Frau Brunschweiger stimme ich jedoch nicht mit Ihnen überein. So: https://cdn.prod.www.spiegel.de/images/2b3bb15a0001-0004-0000-000001404138_w948_r1.77_fpx54_fpy44.jpg schaut ein Mensch mit einer radikalen Agenda. Da ist nichts unbedarft. Ich nehme diesen Blick als Feindmarkierung wahr. So im Sinne von: Dort steht er, der Feind, der das Gegenteil von dem will, was ich für erstrebens-, erhaltens- und verteidigenswert halte. Und da muss auch das Mitleid, das ich ansonsten für den wohl tatsächlich pathologischen Fall Brunschweiger empfinde, aufhören.

Auch stimme ich Ihnen ob der Wirksamkeit des so entfachten „ideologischen Dauerfeuers“ nicht zu: Das versandet. Auch wenn das Feuilleton aus allen Rohren schießt. Insbesondere die Menschen auf dem Land, aber zunehmend, subkutan, auch die in der Stadt, finden sowas einfach nicht normal. Die augenfällige Unattraktivität der Lebensmodelle à la Stokowski (löchriges BA/MAStudium, mit Ach und Krach bestanden, Leben in einer Schuhschachtel in der hässlichsten Stadt Deutschlands, auf bento Textblöcke hin- und herschubsen) kann so ganz offensichtlich nicht mit z.B. (!) dem einer soliden Hausfrau und Mutter eines Klempnermeisters im Allgäu mithalten. Auf keiner Ebene. Da ist doch etwas sehr stark ins Rutschen gekommen. Und die zunehmende Hysterie der (noch) Diskursbestimmenden bzw. eben die Popularisierung von Autorinnen vom Schlage von Frau Brunschweiger ist doch auch ein Zeichen dafür, dass denen das Wasser bis zum Halse steht.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie alles Gute

Ein Leser

heinrichbrueck

5. März 2020 15:27

Komisch, aber die „sittliche Dummheit“ der vergangenen Jahrtausende war nicht in der Lage gewesen, ein Zerstörungswerk zu hinterlassen, was die demokratische Verdummtheit in nur zwei Generationen kaputtmachte. Wir sind mit diesem Machwerk wohl auf dem Höhepunkt feministischer Geisteskrankheit angekommen. Gegen solches Irresein muß man auch nicht kämpfen, die Programmierung der Personalakte ist ein Selbstläufer. Wer diesen Selbsthaß im Zerstörungsmodus heilen möchte, darf sich nicht anstecken lassen. Die Befallenen werden mehrheitlich jede Selbstheilung ablehnen, jede Kritik als Bestätigung ihrer Pathologie umdefinieren; weil sie in einer gottlosen Ideologie, einer seelischen Ersatzleere, ihr Getrenntsein von Wahrheit und Logik überhaupt nicht denken können.
Und nein, die AfD wird die Demokratie nicht „kaputtmachen“, die Demokraten werden es tun. Am Ende gewinnt der Metzgermeister, der für seine Fleischerei einen Erben gezeugt, anstatt übermäßig falsche Lesezeit vergeudet zu haben. Er könnte der guten Gebärstreikenden doch nicht helfen. Wo die Lebenslügen nicht mehr kompatibel sind, werden getrennte Wege eingeschlagen. Wenn der Selbstmord die ungeborenen Opfer miteinschließt, ist Mitleid angebracht, auch wenn es keinen Sinn macht, diese Logik erklären zu wollen. Wer seinen eigenen Erben nur Zerstörungsabsicht unterstellt, sie als Schädling des Planeten ansieht, dürfte vom eigenen Erbgut auch keine Rettung erwarten. Die Saat geht auf, keine Zukunft mehr.

Niekisch

5. März 2020 15:35

Bei einer kleinen Recherche zu diesem merkwürdigen Furunkel am Arsch des Verfalls fand ich denn doch einen originellen Einfall dieser "Dame". Sie bezeichnete gebärende Frauen als "Inkubator des Patriarchats" Ansonsten sollten wir uns nicht allzusehr mit ihr beschäftigen. Es lohnt nicht.

eike

5. März 2020 15:59

"Frau B. ist für mich eine dieser Priesterinnen des Todes."

Na ja, nu mal sachte. Sie hat ja nicht ganz Unrecht.

In einer Welt, die klar auf den Bevökerungskollaps zusteuert und besonders in einem Land, das hoffnungslos übervölkert ist, das Kinderkriegen zu subventionieren, ist kriminell. Die BRD mit 60 Millionen könnte ein angenehmer Lebensraum sein.

Natürlich traut sie sich nicht, Klartext zu reden: In ein übervölkertes, von Arbeitslosigkeit gebeuteltes Land Millionen von Arbeitlosen zu importieren ist absoluter Wahnsinn. Aber einfache Logik ist der selbsternannten "Radikalen" denn doch zu radikal.

Gotlandfahrer

5. März 2020 16:37

Diese „Frau“ (fällt nicht ganz leicht, so eine Person mit dieser Ehrenbezeichnung zu titulieren), hat insofern nicht ganz Unrecht, als dass zu leben an sich bereits eine Verletzung der Menschenrechte darstellt, denn geboren worden zu sein widerspricht dem Selbstbestimmungsrecht, insofern wir – nach allem, wovon man ausgehen muss – nicht gefragt wurden, ob, wo, wie aussehend und wann und bei wem wir leben wollen. Wenn man dann noch bedenkt, dass unser Körper eine biochemische Maschine mit diversen Unannehmlichkeiten ist, ja nicht einmal unser Bewusstsein vollends von uns selber beherrscht wird, ist die Erkenntnis, nur ein Geschöpf mit minimalem Gestaltungsspielraum zu sein, schon eine arge Enttäuschung. Eigentlich ist so eine Welt eine Frechheit, wenn nicht gar ein Verbrechen an den Geschöpfen. Gott ist ein Schuft, man sollte die Bibel als Schurkenroman lesen, dann macht alles einen Sinn, so drückte es das kommunistische Känguru aus. Ideengeschichtlich ist die Dämonisierung der diesseitigen Welt ja nix Neues und kommt in unterschiedlichsten Varianten vor.

Dieses bedauernswerte Geschöpf ist ganz offensichtlich mit seinem Leben überfordert und versucht sich dadurch zu stabilisieren, dass es dem Leben wie es ist Schuld daran gibt. Meine Erfahrung ist, dass man solchen Menschen nicht helfen kann. Hoffen wir für sie, dass sie sich durch die Freiheit ihrer Entscheidung selber friedlich aus dem Gen-Pool entfernen können, damit sie Ruhe vor sich finden. Hier soll nämlich noch kräftig weitergelebt werden, und damit wollen wir sie ja nicht belästigen.

Vera

5. März 2020 16:58

@eike: Was Sie da Schreiben ist einfach Blödsinn. Klar wäre es überhaupt kein Problem, wenn nur noch 60 Millionen Deutsche in der BRD leben würden. Faktisch sind es auch nur noch knapp 60 Mio. Deutsche, der Rest sind Ausländer. Und die Deutschen sind hoffnungslos überaltert und auf dem allerbesten Weg, auszusterben. Natürlich ist es vernünftig, daß der Staat Familien unterstützt…wobei dieser Staat sich dabei nicht gerade verausgabt hat und erst als die demographische Lage eigentlich bereits unumkehrbar wurde, Maßnahmen ergriffen wurden. Meinetwegen könnte man auch sämtliche Leistungen streichen, wenn Familien stattdessen von Steuern und Abgaben befreit würden.
Andererseits ist es absolut sinnvoll in sämtlichen Entwicklungsländern, die die derzeitige Bevölkerungsexplosion verursachen, Geburtenkontrolle zu betreiben. Was aber auch nicht bedeutet, gar keine Kinder mehr zu bekommen, sondern die Geburtenzahl so einzuschränken, daß es sozial und ökologisch vertretbar ist. Auch eine konsequente Ein-Kind-Politik reduziert die Bevölkerung mit jeder Generation um mehr als die Hälfte.
Leute wie Frau B. jedoch benutzen das Umweltargument, um ihren Hedonismus und ihren asozialen Egoismus zu verbrämen. Deren Lebensstil ist meist überhaupt nicht umweltfreundlich (dickes Auto, großes Haus oder Luxuswohnung, Fernreisen, usw.) oder auf das Gemeinwohl ausgerichtet. Ihre Kälte und ihre Bitterkeit sind ihr ins Gesicht geschrieben.

Utz

5. März 2020 17:35

@ Vera
>> Natürlich ist es vernünftig, daß der Staat Familien unterstützt…wobei dieser Staat sich dabei nicht gerade verausgabt hat und erst als die demographische Lage eigentlich bereits unumkehrbar wurde, Maßnahmen ergriffen wurden. Meinetwegen könnte man auch sämtliche Leistungen streichen, wenn Familien stattdessen von Steuern und Abgaben befreit würden.<> Beispielsweise vernahm ich dieser Tage im Austausch mit zwei der besten Kenner/Kennerinnen des deutschen Parlamentarismus, beide auf dem Gebiet habilitiert, dass die AfD versuche, die parlamentarische Demokratie "kaputtzumachen"...<<

Geht es nur mir so, daß ich solche Aussagen, zudem von "Habilitierten", befremdlich finde? Was ist das für eine Kindergartensprache? Kann man von gebildeten Menschen nicht erwarten, daß sie differenzieren, oder sich zumindest doch von solchen propagandistischen Nullaussagen fernhalten?

Lotta Vorbeck

5. März 2020 17:36

@eike - 5. März 2020 - 03:59 PM

"Frau B. ist für mich eine dieser Priesterinnen des Todes."

Na ja, nu mal sachte. Sie hat ja nicht ganz Unrecht.

In einer Welt, die klar auf den Bevökerungskollaps zusteuert und besonders in einem Land, das hoffnungslos übervölkert ist, das Kinderkriegen zu subventionieren, ist kriminell. Die BRD mit 60 Millionen könnte ein angenehmer Lebensraum sein.

~~~~~~~~~~~~

" ... In Deutschland findet aktuell eine gar nicht einmal so heimliche Bevölkerungsexplosion statt. Die wird in den kommenden Jahren noch weiter in einem spektakulären Ausmaß explodieren, weil immer mehr Araber, Afros und ähnliche gebärfreudige Vollversorgungssuchende und in ihrem Schlepptau ihre Familien unkontrolliert ins Land eindringen, welche wiederum ihrerseits für eine rasende Menschenvervielfältigung sorgen werden. In Großstädten, doch selbst auf dem Lande, insbesondere aber in den Kreissälen kann man das Wuchern derjenigen, die Verena bestimmt nicht gemeint hat, mit bloßem Auge beobachten.

Sie aber kaut das ausgekaute Kaugummi aus den 80ern, wonach angeblich Helmut und Dieter Helga und Petra noch getreulich zu Babywurfmaschinen umfunktionieren, obwohl die Letzteren sich doch nichts sehnlicher wünschten, als den ganzen Tag wie bekloppt Malochen zu gehen. Diesmal jedoch im Namen eines halluzinierten Klima-Schwachsinns ..."

- notierte der Kleine Akif am 12. März 2019 zu Verena Brunschweiger

---

Quelle:

ACH VERENA BRUNSCHWEIGER …
https://der-kleine-akif.de/2019/03/12/ach-verena-brunschweiger/

Mauerbluemchen

5. März 2020 17:47

@eike und Vera

Ach wenn es doch wenigstens brauchbare 60 Millionen wären! Tatsächlich ist dieses unglückliche Volk mittlerweile auf gut 20 - 25 Millionen gebärfähiger Frauen und (theoretisch) wehrtüchtiger Männer zusammengeschrumpft und von diesen zwei Dutzend Mill. sind mindestens fünf Sechstel so gehirngeschwaschen/reeducated/selbsthaßzerfressen/korrupt, daß sie auch nur unbrauchbarer Ausschuß sind (wie zB diese psychotische Irre mit ihren albernen Büchelchen).

Die Lage ist demographisch viel schlimmer als man in den noch friedlich-putzigen Ecken dieses Landes denken mag.

Aber sei's drum - auch wer mit dem Rücken zur Wand steht, kann und soll bis zuletzt kämpfen, für alles übrige sorgt Gott.

Nordlicht

5. März 2020 18:16

Mode „Kinderverzicht aus Klimagründen“ - aber leider nicht dort, wo die Geburtenrate so hoch ist, dass sich die Bevölkerung nicht selbst ernähren kann, sondern an den Sozialschläuchen der "weissen" Wohlstandsländer hängt. Und weil die nicht genügend hergeben, machen sich Millionen schlagkräftige Männer auf nach Deutschland, Frankreich, Schweden und andere Länder, wo sie gut abgreifen können.

Man kann es denen nicht verdenken - es war schon immer so, dass die Dummen ausgenommen werden. IQ hin oder her (- siehe Sarrazin): Praktische Lebensklugheit haben die Zuwanderer.

Der Gebärfeindin würde ich zunächst danken, dass sie sich ihren Kindern nicht zumutet. Alsdann würde ich ihr ein Ticket in den Iran, Nigeria oder ein anderes geburtenreiches Land ihrer Wahl spendieren, in den Ländern möge sie ihre Thesen verkünden. Ich denke nicht, dass sie dort drei Tage überlebt.

Skaansdirmo

5. März 2020 18:17

Selbst wenn man ihr vor dem Hintergrund der Weltbevölkerung recht geben wollte: Es ist ja kein Zufall, daß solche Ideen in Gesellschaften entstehen, wo man kaum noch Kinder kriegt. Für Afrika oder Teile Asiens hat sie ja recht: Die dortigen Gesellschaften - und übrigens auch ihre in Deutschland lebenden Vertreter - müssen dringend davon abgebracht werden, so viele Kinder zu bekommen, wie sie es aus der Vergangenheit gewohnt sind. Ein Geschmäckle bekommt es aber, wenn solches Gedankengut in Völkern um sich greift, die sowieso schon geburtenarm sind. Desungeachtet, wenn man ihre Texte liest, drängt sich schon der Gedanke an eine psychische Erkrankung auf. Von daher ist es ethisch fragwürdig, sie zu verlegen oder in Talkshows einzuladen. Viel verletzender finde ich die Mokanterie, mit der viele dezidiert Rechte, die es eigentlich besser wissen (und fühlen) müßten, das Kinderkriegen weit von sich weisen. Eltern nehmen für ihre Kinder einiges in Kauf, finanziell, gesundheitlich und auch sonst. Wer sich dem entzieht, damit anderer Leute Kinder einmal seine Rente zahlen, handelt zutiefst unsolidarisch. Keine Rente für Kinderlose! Die können ja für sich selber vorsorgen.

Franz Bettinger

5. März 2020 18:39

@Imagine: Ich habe nichts dagegen, dass Menschen ein teures Hobby (wie Sie es nennen) haben: ihre Kinder. Die Kosten dafür sollten die Hobby-Gärtner aber in allererster Linie selbst tragen und nicht dem Staat aufdrücken. Die Linken aber wollen auch noch dafür bezahlt werden, und nicht zu knapp: für den "gravierenden Einkommens- und Konsum-Verzicht" und die "große Mehrarbeit“, die Kinder machen. Als ob es nicht genug staatliche Unterstützung gäbe. Wo soll das enden? Und welche Familien profitieren von der ganzen Staatsknete? Na, die kinderreichen! Und wer ist das?

@Imagine, rechnen Sie doch die verschissenen Windeln gegen das elterliche Kinder-Glück auf. Welche Bilanz kommt bei einer solchen Rechnung raus? Ich hoffe: eine sehr positive. (Wenn nicht, dann sollten Sie das Hobby wechseln.) Instinktiv wissen das auch die meisten Eltern, sonst würden sie keine Kinder "machen“. Wenn Kinder ein Nachteil (für Eltern) wären, gäb's keine (Kinder), und es hätte sie nie gegeben. In kaum einem Land auf der Erde wird mehr für Kinder getan als in der BRiD. Und deshalb kommen sie ja aus Afrika und Rumänien und von überall her. "In der brd wirst du neben allem anderen noch für's Kinder-Machen bezahlt," hört man.

@Diese linke Versorgung-Mentalität! Warum haben Sie persönlich Kinder gewollt, @imagine? Aus finanziellen Gründen? Um sich abzusichern? Oder aus altruistischen sogar? Um die Gesellschaft zu bereichern, die Renten zu sichern? Toll. - Sie haben hoffentlich wie jeder gesunde normale Mensch aus emotionalen, egoistischen, guten selbstsüchtigen Gründen Kinder bekommen. Es war ihr Wunsch, ihr Vergnügen, ihres allein und das ihrer Frau. Und nun wollen Sie, dass die Gesellschaft für ihr Vergnügen bezahlt? Mit Geld, Steuervergünstigungen, kostenloser medizinischer Mit-Versorgung der Kinder, Extra-Urlaub, Gratis-Schulen, Gratis-Lernmittel, Gratis-Universitäten, Kinder-Geld, Mütter-Geld, Vater-Geld, Extra-Renten? Sie wollen "noch besser abgesichert und versorgt" werden? Was für eine erzlinke Einstellung!

Neben dem monetären Aspekt gibt's den nicht mit Gold aufzuwiegenden anderen Aspekt, der hoffentlich bei Ihnen und all den anderen "Kinder-Kriegern" (pun intended; zu deutsch: Doppelbedeutung beabsichtigt) die Hauptrolle spielt: Liebe, Freude, Zukunft und das Gefühl, seine Gene weiterzutragen. Das sollte reichen. Es reicht in der ganzen Welt. Nur BRiD-lern reicht es nie.

Franz Bettinger

5. März 2020 18:50

Es stimmt schon: In einer überbevölkerten Welt (und nur dort) ist jedes Kind eine Belastung für das Gemeinwesen. China hat das damals richtig erkannt, mit seiner Ein-Kind-Politik richtig reagiert und dafür von den grenzenlosen Menschen-Beglückern der Marke Links-Grün Senge bezogen.

Oswald Spenglers dictum von der Geburtenschwäche als Kennzeichen für den Niedergang einer Kultur hat für seine Zeit und womöglich alle Zeiten vor ihm gegolten, heute gilt das nicht mehr. - Wo aber beginnt die Phase einer Über-Bevölkerung? Man könnte dies an ökonomischen Fakten festmachen wollen, ich aber gehe an diese Frage eher intuitiv heran. Sie können das, was ich jetzt sage, als rein persönliche Sache und auch als zu pathetisch oder sogar dekadent abtun. Ich glaube aber, es steckt mehr dahinter.

Ich empfand 1972 die Einführung von Studien-Beschränkungen in Form des numerus clausus als ein Zeichen, dass mehr Menschen / Kinder auf deutschem Boden nicht gut wären. Für mich lag, wo die Freiheit der Berufswahl beschnitten wird, eine rote Linie. Und so beschloss ich sehr bewusst und ohne Groll (meine Frau brauchte länger dazu) keine Kinder in die deutsche Welt zu setzen. In einem anderen Land wäre es womöglich anders gewesen. Denn die Entfaltungs-Möglichkeiten eines Menschen hängen sehr mit der Wahl seines Berufs zusammen. Zur gleichen Zeit, als in Deutschland und nur dort (wieder mal ein falscher deutscher Sonderweg) der n. c. eingeführt wurde, fand das Ausland bessere Wege, mit dem Ansturm auf Studienfächer (wie Medizin) fertig zu werden: die meisten Länder führten den intra-universitären n. c. ein. Sie machten nicht die (von Land zu Land, ja sogar von Schule zu Schule unvergleichbaren) Abiturnoten zum Angelpunkt der Studienerlaubnis, sondern die Leistungen auf der Uni selbst. Kein Student in Belgien (wo ich dann an der UCL studierte; was ein Glück war, das ich damals nicht begriff), also kein Stundet beklagte sich, wenn er wegen schlechter Kenntnisse in Anatomie durchfiel. Er hätte sich aber zu Recht beklagt, wenn er wie in Deutschland wegen schlechter Mathe- oder Deutsch-Noten nicht einmal die Chance bekommen hätte, sich als Mediziner zu bewähren. Es sind scheinbar nebensächliche Dinge wie diese, die einen entscheidenden Einfluss auf die Wahl des persönlichen Lebensweges haben. Das nur nebenbei.

Franz Bettinger

5. März 2020 18:57

In dem Idealen Staat, den die Linken mit ihrer Versorgung-Mentalität haben wollen, hätte ich nicht studiert, ich hätte auch keinen Beruf erlernt, ich hätte mir die 90-Stunden-Woche in der Klinik nicht angetan, sondern ich wäre Vater geworden. Sechs mal Vater. Das ist doch viel sinnvoller als Malochen, viel Freude-spendender! Keine Entfremdung von der Arbeit. Kein tyrannischer Chef. Kein Ärger mit dummen oder anspruchsvollen Patienten, mit Rentenjägern, Kuren-Gangstern. Leider gibt's diesen idealen Versorgungsstaat nicht. Irgendwer muss für die Kohlen sorgen. Und das sind Leute wie ich und meine Frau, die konsequent für ihre eigene Kinderlosigkeit vorgesorgt haben. Ja, das hat Vorteile. Man ist und bleibt sein eigener Herr, kann Risiko-Sportarten pflegen und einiges wagen. - Aber ach, es hat auch Nachteile. Ich werde nie wissen, welche Freuden mir versagt blieben, ganz zu schweigen vom Alter, wo ich griesgrämig und gelangweilt vor mich hin stieren und mich fragen werde, wozu. Ich nehme’s in Kauf. Das ist rechts!

Franz Bettinger

5. März 2020 19:01

Noch eins, und dann ist Schluss, falls man mir nicht schon vorher die Luft abgedreht hat: Ich bin nicht gegen Kinder. Vor Kositzas Sieben ziehe ich den Hut. Sieben Kinder, das hätte auch für mich ein Lebenskonzept sein können. Es kam anders. Wir, d.h. meine Frau und ich, haben Kinder „erfolgreich vermieden“.

Die Argumentation von Verena Brunschweiger, Kinder verbrauchten zu viel CO2, ist Schwachsinn, weil: CO2 ist super, und global warming is welcome! Darüber brauchen wir Rechten nicht mehr zu debattieren. Wenn doch, dann besser auf einem eigenen Strang. Finis Franzis.

quarz

5. März 2020 19:34

Darin liegt freilich der Kern der Krisis: in der Abkehr von der Annahme, „daß mit dem Menschen, über seinen Kopf hinweg und ohne daß er gefragt worden wäre, etwas gemeint ist“ (Pieper). Die Folgen dieser Abkehr ziehen sich durch alle Ebenen menschlicher Reflexion. Erkenntnistheoretisch zeigen sie sich im Glauben, dass die Welt „konstruiert“ sei und nicht vorgefunden. Der Epistemologe William Alston sieht darin – durchaus im theologischen Sinn – die Ursünde am Werk. Und die Geschichte der Metaethik im 20. Jahrhundert ist eine eindrucksvolle Illustration des geradezu verzweifelten Kampfes um die Etablierung eines normativen Ersatzgötzen, der es uns erlaubt, wie ehedem über das Sollen zu sprechen ohne es aber ernst nehmen zu müssen. Triviale Ausläufer dieser Krise finden sich dann, wenig überraschend, auch in der Textproduktion philosophisch unbedarfter ZeitgenossInnen wie der Frau Braunschweiger, die in mir eher Mitleid als Zorn erweckt, weil sie - wie ein Insekt im Limonadenglas - in den Zumutungen einer geistigen Situation zappelt, die zu verstehen ihre intellektuellen Kräfte offenbar bei weitem überfordert.

@sok
"Interessant finde ich, dass es wissenschaftliche Untersuchungen zu der Frage gibt, wie es der Linken gelungen ist, die Mehrheitsmeinung durchzusetzen, dass die Rechte böse ist."

Können Sie mir dazu bitte eine Quelle nennen?!

Gelddrucker

5. März 2020 19:34

@Vera:

"Aussterben" ist eine mit Verlaub sehr lachhafte Vokabel. Selbst wenn man die alten wegnimmt, die assimilierten europäischen Deutschen wegnimmt, sind es immernoch 40 Millionen+

Die Dänen mit 5 Millionen, Tschechen mit 10 Millionen oder Portugiesen mit knapp 10 wären demnach also längst ausgestorben?

eike

5. März 2020 19:38

Ich wage zu behaupten, daß keiner Kinder in die Welt setzt, um der Gemeinschaft einen Dienst zu erweisen, sondern allein um die eigenen Lebenvorstellungen zu realisieren.

Insofern bricht das ganze Hedonismus-Gerede in sich zusammen oder kehrt sich gar um: Hedonisten sind die, die unser übervölkertes Land mit zukünftigen Arbeitslosen beglücken, weil sie das so putzig finden.

Und einen Grund, diesen Wahnsinn auch noch aus der Staatskasse zu finanzieren, gibt es ebensowenig wie den, den Kauf meines Mercedes' zu bezuschussen, der immerhin noch die Autoindustrie ankurbelt.

Maiordomus

5. März 2020 20:39

Zur sittlichen Klugheit, bei Thomas und biblisch, vgl. das Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen

@Heinrichbrück

Gemäss Thomas von Aquin ist die sittliche Dummheit, welche sich durchaus paaren kann mit der Superklugheit des Hochmuts, eine Art Verblendung, das Gewissen betreffend. Sie ist zu verstehen aus dem Gegensatz zur sittlichen Klugheit, nicht zu verwechseln mit dem, was ein IQ-Test messen kann. Memoria hat aber auch damit zu tun, dass man sich, im biblischen Sinn, so erinnert, wie es der Gottesmutter Maria nach der Verkündigung eigen gewesen soll: "Maria bedachte dies und behielt alles in ihrem Herzen." Das ehrliche und redliche Erinnern ist in diesem Sinne die erste Tochter der Klugheit. Gemäss Thomas besteht die selbe aus drei Untertugenden, vgl. Josef Piepers Traktat über die Klugheit:

1. Memoria: das sogenannte "seinstreue" Gedächtnis, nicht zu verwechseln mit Lernkapazität beim Memorieren, aber die ehrliche Bereitschaft, sich "richtig zu erinnern", vgl. was später die Psychoanalytiker und Tiefenpsychologen als Anamnese gesehen haben, ein Zurück zu den Ursprüngen mit möglichst wenig Verdrängung und Selbstverleugnung: sich ehrlich erinnern zu wollen; sich auch bei der Gewissenserforschung nicht vorsätzlich seinen eigenen Gunsten erinnern zu wollen. Das ist zuerst und zuletzt eine Frage der Haltung, nicht zu verwechseln mit einem verlangten "Haltung zeigen" auch nur schon als Bedingung, um bleiben zu dürfen, was man bisher gewesen. Bei der sittlichen Dummheit belügt man zumal sich selber. Man sieht den Splitter im Auge des Bruders, aber nicht den Balken im eigenen Auge.

2. Docilitas. Die Fähigkeit, sich etwas sagen zu lassen, auch verwandt mit dem sittlichen Gehorsam, was eigentlich nichts anderes ist als die Bereitschaft, auf einen anderen zu hören, ein Horchen auf den guten Rat, nicht zu verwechseln mit den Finger anfeuchten und diesen in die Luft heben um zu schauen, woher der Wind weht.

3. Sollertia, die Fähigkeit, die Wahrheit zu ertragen, sowohl gegen sich selber als allgemein, der Mut zur Wahrheit. Damit ist sogar noch Entschlusskraft im Vollzug des als wahr Erkannten verbunden. Eine Eigenschaft, ähnlich wie die obigen, welche im biblischen Sinn einer "klugen Jungfrau" zukommt. Deren biblischer Prototyp ist abermals die Jungfrau und nachmalige Gottesmutter Maria im Augenblick der grössten Zumutung ihres Lebens: nämlich dass der Engel ihr eine Schwangerschaft verkündigte, obwohl für sie galt, dass sie "keinen Mann erkenne". Gerade aus der Sicht einer kritischen Bibellektüre sollte man sich vergegenwärtigen, was für eine Zumutung es für das Mädchen aus Nazareth sein musste, diese Schwangerschaft zu akzeptieren. Ihr ja, "es werde", das sog. "Fiat" der Gottesmutter, ist meines Erachtens im Sinne von Kositza der wirklich "radikale" Gegensatz zur "kinderfreien" Frau Brunschweiger. Zwischen diesen beiden Frauen klafft der grösstmögliche anthropologische und sittliche Abgrund, was hier durchaus wertungsfrei gesagt ist. Es gibt nämlich auch in der Bibel zwei Parteien. Neben der christlichen Hisbollah (Partei Gottes, aber nicht politisch gemeint) gibt es noch die Partei der oppositionellen Engel, für welche die Losung galt. "Non serviam" - ich werde nicht dienen. Die biblischen Namen dieser Engel mache ich mit Rücksicht auf Frau Brunschweiger hier lieber nicht publik; jenen auch bei Dante, Goethe und Dostojewskij auf hohem Niveau literarisch dargestellten Wesen aus der unsichtbaren Welt wird eine hohe Klugheit bis hin zur Raffinesse zugeschrieben, aber eben gerade nicht die von Thomas von Aquin zitierte "sittliche Klugheit".

Biblisch ist von törichten und von klugen Jungfrauen die Rede, bei welch letzteren zumal die Tugend der Aufmerksamkeit, der "attente" nach Simone Weil, im Vordergrund steht. Es hat nebst vielem anderen auch zu tun mit dem sittlichen Empfinden für den Augenblick, den richtigen Zeitpunkt, wohl nicht bloss "wann der Herr kommt". Welches Wort zum Beispiel zur rechten Zeit am richtigen Ort das richtige ist. Gilt auch für den Bundestag. Die Gefahr des Rhetorikers ist es manchmal, dass die Worte mit ihm durchgehen. Das ist als Frage des Taktes auch eine Frage der sittlichen Haltung. Beispielsweise hatte der durchaus redegewaltige Abgeordnete Curio heute die wesentliche Aufgabe, die schamlose Instrumentalisierung der Mordtat in Hanau als politisches Verbrechen im Zusammenhang mit seiner Partei zurückzuweisen. Dafür analysierte er den klar wahnhaften, paranoiden Charakter des der Tat zugrundeliegenden Memorandums, einschliesslich sogar der Untersuchungs- Ergebnisse von neutralen Fachleuten. Das war nicht nur klug, das war intelligent, es im Bundestag so zu präsentieren. Das Gegenteil, und ein unfreiwilliger Bezug der Angelegenheit mit der AfD, kam aber mit dem Satz zum Ausdruck, sinngemäss; dass eine solche Tat das Wahnwerk eines Kranken sei; geistig Gesunde hingegen, die mit der Politik usw. nicht einverstanden seien, "wählen AfD", als Werbespot im Anschluss an eine Art Krankheitsbeschreibung bei der völlig falschen Gelegenheit, mit welchem der gesamte vorherige rhetorisch gelungene Aufbau wieder zerstört wird. Das war nicht nur ein Fehler, das war eine Dummheit, und zwar, weil er nun seinerseits mit der Verbrechensanalyse Wahlkampf machen wollte, "sittliche Dummheit" im Sinne von Thomas von Aquin.

Eine auch geistesgeschichtlich bedeutsame Deutung der Kardinaltugenden der Klugheit, der Gerechtigkeit, der Tapferkeit und des Masses erschien ausgerechnet zur Zeit des Dritten Reiches aus der Feder des katholischen Philosophen Josef Pieper, später einbändig zusammengefasst unter dem Titel "Das Viergespann", heute antiquarisch vielfach erhältlich. Es war für die damalige Zeit eine aussergewöhnlich mutige Publikation.

Kositza: Danke! Wieder viel gelernt.

Franz Bettinger

6. März 2020 00:11

@Skaansdirmo fordert: „Keine Rente für Kinderlose. Die können ja für sich selber sorgen.“ Für mich selber sorgen, was die Rente betrifft? Das hätte ich liebend gern. Durfte aber nicht. So will es das Gesetz. - Bin kinderlos und habe bisher knapp 400.000€ in die Rentenkasse gezahlt. Wozu habe ich das gemacht, wenn ich später, Ihrer Vorstellung von Gerechtigkeit folgend, keine Rente erhalten soll? Auch bin ich mit meinen nicht gezeugten Kindern diesem Staat nicht zur Last gefallen. Die Beiträge für die Krankenkassen (für Kinder), für Kita, Kindergarten, Schule und Unis, all das habe ich mit meinen Steuern für anderer Leute Kinder mit-finanziert. Ich beklage mich nicht, dass es so war und ist, aber irgendwo reicht mir allmählich das Gemolken-Werden. Können Sie das verstehen?

Laurenz

6. März 2020 08:56

@Maiordomus .... für die philosophische Interpretation Ihres letzten Beitrags danke ich Ihnen. Vom denken her, fand ich den äußerst hilfreich.
Das Verbrechen Ihrer angeführten Philosophen und Publizisten ist es allerdings, die Mitglieder einer Gewalt-tätigen politisch-religiös verkauften Räuberbande und deren weibliche Patronin als moralisches Beispiel zu verwenden und quasi reinzuwaschen.

Maiordomus

6. März 2020 09:35

@Bettinger. Bei aller einhelligen Ablehnung von Frau Brunschweigers Thesen spürt man in diesen Binnen-Kolumnen eine interne Spannung und zugleich eine weltanschauliche Differenz betreff Kinder, wobei gerade noch "Kinder statt Inder" (die Inder kommen des Reimes wegen an die Kasse) bei den national denkenden mehrheitsfähig ist.

Bei einem unterdessen gelöschten Nebenstrang mit einem noch erschütternden Text eines Invaliden, der sich mit seinen Bekenntnissen zum Teil selber erniedrigte, war auf einer ungewöhnlichen, nämlich Schopenhauerischen Basis, vom Verzicht auf Kinder die Rede. Auch Ihre, @Bettinger, geharnischte Antwort auf @Skannsdirmo ist mehr als nur zu respektieren; Sie haben sich in der Tat für Ihre Lebensentscheidung in keiner Weise und auch nicht gleichsam zu entschuldigen.

Bei aller tragischen Lächerlichkeit der Thesen von Frau Brunschweiger bis hin zum "besseren Sex" der Kinderlosen, welche nämlich zum Beispiel nicht durch schon vorhandene Kinder bei diesem "Geschäft" abgelenkt werden, bleibt bei Frau Brunschweiger darauf hinzuweisen, dass ihre These unfreiwillig etwas "Katholisches" beinhaltet, ausserdem von Tolstoi, zwar vielfachem Vater, in seinem Kurzroman "Kreutzersonate" geteilt wurde und schon in der Antike von den Manichäern, welche bei ihrer bewussten Lebensfeindlichkeit Frau Brunschweiger sogar noch am nächsten gestanden sein dürften. Ich gehe nicht davon aus, dass diese Frau ihre eigenen Gedanken geistig einordnen kann, weil dazu nämlich in der Tat eine gründliche Kenntnis des Manichäismus und der Sektengeschichte erforderlich wäre.

Worin liegt aber das Christliche, zumindest Paulinische und das Krypto-Katholische bei Frau Brunschweiger? Es geht um die sogenannten Evangelischen Räte, zu denen nun mal die freiwillig gewählte Armut und zumal der Verzicht auf Familie und Fortpflanzung gehören, was freilich mit dem Ideal der "Keuschheit" gleichgesetzt wurde, wobei "besserer Sex" in Form zum Beispiel von Homosexualität bis hin zu Päderastie zumindest als vielfach unvermeidliche, als Sünde zu bezeichnende Praxis dazu gehörte. Weswegen natürlich die Regel des heiligen Benedikt persönliche Freundschaften ebenso verbietet wie das Aufsuchen von Brüdern in deren Zelle; "besserer Sex" konnte für Phantasievolle, vgl. den Isenheimer Altar, auch in der Phantasie und mit Onanismus praktiziert werden, wozu das Sündenbewusstsein keineswegs immer nur ein Hemmnis war, wie man ja auch beim Marquis de Sade nachlesen kann: der Reiz des Verbotenen, in keiner Weise mit der arbeitsähnlichen *ehelichen Pflicht" zu verwechseln. Das ist aber beim Katholizismus und erst recht bei Tolstoi natürlich nicht die Hauptsache. Dem Apostel Paulus und dem Mönchsvater Benedikt oder Altpapst Benedikt ist ja in einer Weise vorzuwerfen, dass sie die obigen Praxis des "besseren Sex" empfehlen würde.

Was es aber im authentischen Christentum gibt, aber auch bei Schopenhauer, beim Buddhismus, beim alten (nicht mehr so geilen) Tolstoi, der Reue empfand über seine einstigen Zumutungen an seine Frau: die asketischen Ideale! Also das, was Nietzsche an Schopenhauer und am Christentum kritisierte, wiewohl er heimlich von der Keuschheit schwärmte, weil er genau wusste, dass diese in freiwilliger Praxis einen klaren Zugewinn von geistiger Freiheit bedeutet, was einem genialen und höchst kreativen Homosexuellen wie Platon seinerseits längst klar war.

Wir nähern uns also der Hauptsache, um die es offenbar sogar der "besseren Sex" praktizieren wollenden Frau Brunschweiger geht: dem Status perfectionis, dem "Stand der Vollkommenheit". Es ist für Frau Brunschweiger vollkommen klar, dass ihr Lebensentwurf im Vergleich zu den mehr oder weniger karnickelhaft sich vermehrenden der bessere sei, mehr noch: trägt zur Rettung, Erlösung der Welt bei. Damit sind wir voll beim Manichäismus angekommen, einer innerweltlichen Erlösungsideologie, welche gemäss dem Hauptwerk von Eric Voegelin "Order and History", unterschwellig in allen modernen Ideologien weiterwirkt, sowohl in Sachen Lebensfeindlichkeit, den Frageverboten bis hin zur Wirklichkeitsverleugnung und der klaren Einteilung der Welt in die Guten und die Bösen; letztere galten anthropologisch früher als "links", so wie die linke Seite, das Linke, volkskundlich das Schlechte ist. Heute wurde dies auf das böse Rechts umgedreht, welches aber nichts anderes ist als ein Ersatz für das Elementar-Linke.

Damit sind wir aber noch immer nicht beim Mönchsvater Benedikt, aber auch nicht bei dessen Namensvetter, dem Ratzingerpapst angekommen, der erst neulich wieder den Zölibat verteidigt hat und mit diesem Einfluss sogar seinen Nachfolger wieder auf Linie gebracht zu haben scheint: der Status perfectionis ist und bleibt eine Erwählung einzelner, welcher erst noch auf eine spezielle Begnadung angewiesen wäre. Von daher ist klar, dass etwa die grossen Mystiker, auch Mystikerinnen beim Christentum und im Buddhismus vielfach das sogenannte Sexualleben hinter sich gelassen haben; im Sinne von Freud vielfach auch eine enorme Leistung der Sublimation erbracht. Wie jedoch Luther und andere Zölibatskritiker auch von heute längst mit guten Gründen dargetan haben, sogar mit Bezugnahme auf Paulus, funktioniert natürlich der Zwangszölibat nicht.

Aber: Zu den bedeutendsten Errungenschaften der katholischen Kirche im Abendland gehört durchaus die Ablehnung des Ehezwangs und der Hinweis, dass es bessere Lebensformen als die Ehe geben könne; und auch, dass der Mensch, je stärker er sich dem Stand der Vollkommenheit nähert, desto weniger auf Fortpflanzung angewiesen sei. Allerdings nur nach dem auch biblischen Motto: "Wer es fassen mag, der fasse es." Die grosse Mehrheit wird nie dazu gehören, weswegen die Gefahr, die Menschheit könne aussterben, nicht gegeben ist.

Tolstoi wiederum verstieg sich im Alter zu einer geradezu sektiererischen, dem Manichäismus nahe stehenden Keuschheitstheorie: Würde die ganze Menschheit sich zur Keuschheit bekehren, wäre dies eine Art Vollendung der Schöpfung und das Aussterben der physischen Menschheit sozusagen der Übergang zu einem jenseitigen Zustand geistiger vollkommener Existenz. Das war und ist aber, wie Tolstois eigenes Familienleben durchaus bestätigte, glücklicherweise nicht machbar.

Was aber ist an all diesen zum Teil absurden Theorien allenfalls noch ein vernünftiger Rest? Ehe und Familie sind auf alle Fälle nicht der Status perfectionis! In diesem Sinn kann es auch keine Pflicht zur Gründung einer solchen geben. Eine Frau ohne Kinder, im früheren Sinn eine "ledige" Frau, ist nicht weniger wertvoll, sondern kann sogar eine Heilige werden, jedenfalls ein ganz aussergewöhnlicher Mensch. Und auch an einer Entscheidung wie der Ihrigen, Herr @Bettinger, gibt es eigentlich nichts zu bekritteln. Hingegen scheint es mir sehr fragwürdig, dass der Lebensentwurf der Frau Brunschweiger über ihre Einbildung hinaus irgend etwas Vorbildliches hätte, sofern sie glaubt, auf diese Weise zur "Rettung der Welt" beitragen zu können. Es sei denn, wie von einigen Foristen bemerkt, sie erspart möglichen eigenen Kindern die Zumutung, mit einer solchen Mutter aufzuwachsen.

Imagine

6. März 2020 09:52

@Franz Bettinger 5. März 2020 18:39
„Ich habe nichts dagegen, dass Menschen ein teures Hobby (wie Sie es nennen) haben: ihre Kinder. Die Kosten dafür sollten die Hobby-Gärtner aber in allererster Linie selbst tragen und nicht dem Staat aufdrücken. Die Linken aber wollen auch noch dafür bezahlt werden, und nicht zu knapp: für den "gravierenden Einkommens- und Konsum-Verzicht" und die "große Mehrarbeit“, die Kinder machen. Als ob es nicht genug staatliche Unterstützung gäbe. Wo soll das enden? Und welche Familien profitieren von der ganzen Staatsknete? Na, die kinderreichen! Und wer ist das?“

Das ist absolut nicht meine Position.

Kinder zu bekommen, zu pflegen und zu erziehen ist kein Hobby wie die Ausübung eines Extremsports, Luxus-Reisen oder das Sammeln von teuren Autos. Sondern es handelt sich um gesellschaftlich notwendige Reproduktionsarbeit, die für das Überleben und den Wohlstand einer Gesellschaft unverzichtbar ist. Und diese Arbeit sollte daher adäquat bezahlt werden. Aber dazu später.

Kinder zu pflegen und zu erziehen, war für die Oberschicht – die „bessere Gesellschaft“ – immer lästig und sie übertrugen diese Arbeit ihrem Personal. Selbst Stillen wollten die feinen Damen nicht, das überließen sie Ammen. So wie die gesamte Hausarbeit von ihrem Personal geleistet wurde und die Pflege und Erziehung der Kinder von Kindfrauen und privaten Erziehern und Lehrern.

Dass die Pflege und Erziehung weitgehend dem Personal überlassen wird, hat sich in der „High Society“ mit Ausnahme der Ammen bis zum heutigen Tag nicht geändert, statt Muttermilch von fremden Frauen erhalten die Säuglinge heute Industrieprodukte.

Wer einen gutbezahlten Job hat, kann sich Nannys und Tagesmütter leisten oder bereits im Säuglingsalter sein Kind, das noch nicht sprechen oder laufen kann, in einer Krippe angeben.

Dass unter diesen Umständen immer mehr Kinder psychosoziale und kognitive Defizite und Fehlentwicklungen aufweisen und das Volk weitgehend nur noch aus Psychopathen und kognitiv Defizitären besteht, ist logische Folge. „Aber die Wirtschaft braucht eben die Arbeitskraft der Mütter“ – wie es selbst auf Seiten der ehemals konservativen CDU/CSU heißt.

Über diesen Zusammenhang zwischen Berufstätigkeit der Mütter und den Folgen für die Kinder zu sprechen, ist heute ein Tabu, nicht nur „links“, sondern auch „rechts“.

Zur Bezahlung der Reproduktionsarbeit ist zu sagen, dass es ein System braucht, das vorrangig die Opportunitätskosten ausgleicht, d.h. den Einkommensverlust durch die Reproduktionsarbeit.

Das heißt, es geht nicht darum ein gleichmacherisches System zu etablieren, dass „Welfare-Queens“ hervorbringt, sondern im Gegenteil zum Ziel hat, dass intelligente und gebildete Eltern sich Kinder leisten können, ohne einen großen Einkommens- und damit verbundenen Konsumverzicht erleiden zu müssen. Denn zu Konsumverzicht sind die wenigsten in diesem System sozialisierten Menschen bereit oder in der Lage, wie sich jetzt bei der Coronavirus-Epidemie zeigt. Eher lassen viele ihre Kinder verwahrlosen als einem Konsumverzicht zu leisten. Als in der Primärversorgung tätiger Arzt kann man dies tagtäglich beobachten.

Wer sich ernsthalft mit Entwicklungspsychologie auseinandergesetzt hat, weiss, dass – salopp formuliert - dumme Eltern dumme Kinder produzieren. Denn Kinder lernen durch Imitation und Identifikation. Nur ist es ein Tabu, diesen Zusammenhang offen auszusprechen.

Ein vernünftiges System der Bezahlung der Reproduktionsarbeit wird analog der Lohnspreizung in der Gesellschaft differenzieren müssen. So kann es durchaus sein, dass die Reproduktionsarbeit von hochgebildeten und hochqualifizierten Eltern um den Faktor 10 höher bezahlt wird.

Ein differenziertes System der bezahlten Reproduktionsarbeit wäre ein großer gesellschaftlicher Fortschritt. Selbstverständlich müsste dies über Steuererhöhungen finanziert werden. Das werden reaktionäre Rechte mit allen Mitteln verhindern wollen.

Maiordomus

6. März 2020 10:03

@Laurenz. Ja, die Mutter Gottes musste schon für vieles herhalten. Sie ist neben vielem anderen auch die Patronin, die einem hilft, mit dem Sterben "fertig zu werden". Die letzten Worte von Ernesto Che Guevara de la Serna sollen, gemäss Hans Magnus Enzensberger, gelautet haben: "Ave Maria Purissima". Sie haben ihn abgeknallt, es war aber immer noch tröstlicher als dass ein paar Typen der SA am 1. Juli bei ihrer Erschiessung durch die SS ausriefen: "Heil Hitler!" Kommen Sie mir jetzt aber nicht mit der "Bolschewistin" Maria von Nazareth. Che wurde mutmasslich schlicht von einer frühesten und tiefsten unbewussten Prägung eingeholt.

reclusivekali

6. März 2020 10:15

Es ist merkwürdig, dass Frau Brunschweiger Lehrerin ist (oder war).

Was die Entscheidung für oder gegen Kinder betrifft, ist es sich selbst gegenüber irreführend, sie mit ideologischen Argumenten zu begründen, wie das Frau Brunschweiger tut (Kinder als "Klimazerstörer", oder: Kinderkriegen, weil das der Vorstellung von der Rolle der Frau entspricht). Manche Frauen haben einen Kinderwunsch (ob der nun in ihrer Persönlichkeit angelegt oder durch z.B. eine glückliche Kindheit gefördert worden ist), andere keinen. Entweder man hat den Wunsch nach einem Kind, einfach um seiner selbst willen, dann wären alle Begründungen für diesen Wunsch nur überflüssig und unehrlich. Oder man will halt keines - dann braucht man auch nicht den Klimawandel zu bemühen und andere Menschen zu hassen, die andere Wünsche haben als man selbst.

Hartwig aus LG8

6. März 2020 10:33

@ Bettinger
... fragt, wofür er seine Rentenbeiträge entrichtet hat.

Im Rentensystem der BRD entrichten Sie, werter @Bettinger, Ihre Rentenbeiträge für den Unterhalt der Generation Ihrer Eltern und ggf. Großeltern. Mit Ihrem eigenen Altersunterhalt hat Ihr Rentenbeitrag nichts zu tun.
Ihr Unterhalt im Alter muss dann von der Generation der Kinder besorgt werden ... Ihrer Kinder ... oder eben der Kinder Ihrer Generation.
Ich bin sicher, Sie wissen das. Ich will Sie auch nicht attackieren. Mir geht lediglich dieses oft gehörte "meine Beiträge - meine Ansprüche" auf die Nerven. Wenn ich heute Rentenbeitrag zahle, dann weiss ich, dass davon meine beiden nunmehr über 80jährigen Eltern unterhalten werden. Ob für mich im Alter gesorgt wird, entscheidet nicht MEIN Beitrag, sondern der Beitrag meiner Tochter und meiner Söhne.
So ist das Grundprinzip (ohne sämtliche Details um rentenrelevante Tabak-, Benzinsteuer, Einwanderer etc.).

Franz Bettinger

6. März 2020 11:08

@Imagine schreibt: "Beim Kinder-Kriegen handelt es sich um gesellschaftlich notwendige Reproduktions-Arbeit, die für das Überleben und den Wohlstand einer Gesellschaft unverzichtbar ist, und diese Arbeit sollte adäquat bezahlt werden.“ Ach, seit wann? So einen Murks schrieb nicht mal Karl Marx. Wieso kam in den Jahrhunderten vor Ihnen noch nie einer auf eine so absurde Idee? (Außer vielleicht Adolf Hitler mit seinem Lebensborn-Programm, bei dem, wie Sie es skurriler Weise auch fordern, "intelligente und gebildete Eltern Kinder" haben sollten. Aber den als Vorbild meinen Sie wahrscheinlich nicht.) - Wer gibt denn seine Kinder frühest-möglich in die Kita und den Kindergarten? Grüne und Linke. Die typische rechte Frau bleibt zu Hause, kocht, kümmert sich um die Kinder und abends um die Laune des Ehemanns. Ja, lachen Sie drüber, wenn Ihnen danach ist. Aber mir ist so eine „altbackene" Frau tausendmal lieber als die modernen anderen. - Entschuldigen Sie, @Imagine, dass ich mich an Ihnen abreagiere. Ich weiß, Sie meinen es nicht immer so, wie's rüber kommt; Sie legen mir allerdings immer wieder den Ball auf den Elfmeter-Punkt. Das ist unwiderstehlich. In Vielem haben Sie recht, auch wenn Sie kritisieren: „Die Wirtschaft braucht die Arbeitskraft der Mütter“. Nur das ewige Lamentieren gegen Kapitalisten Reaktionäre Rechte kann ich nicht mehr hören. Ich sagte es schon mal: Sie kämpfen die Schlachten der Vergangenheit. Das ist langweilig. Übrigens: Sind Kinder nicht oft auch ein Reichtum, und nicht nur spirituell sondern auch pekuniär? In der Dritten Welt in jedem Fall! Und ich denke, in der Ersten Welt auch.

Waldgaenger aus Schwaben

6. März 2020 11:14

@Hartwig

Was Sie schreiben ist richtig. Wissenschaftlich formuliert ist es im Mackenroth-Theorem
https://de.wikipedia.org/wiki/Mackenroth-These

„Nun gilt der einfache und klare Satz, daß aller Sozialaufwand immer aus dem Volkseinkommen der laufenden Periode gedeckt werden muß. Es gibt gar keine andere Quelle und hat nie eine andere Quelle gegeben, aus der Sozialaufwand fließen könnte, es gibt keine Ansammlung von Periode zu Periode, kein ‚Sparen‘ im privatwirtschaftlichen Sinne, es gibt einfach gar nichts anderes als das laufende Volkseinkommen als Quelle für den Sozialaufwand ... Kapitalansammlungsverfahren und Umlageverfahren sind also der Sache nach gar nicht wesentlich verschieden. Volkswirtschaftlich gibt es immer nur ein Umlageverfahren.“

Man kann sich das verdeutlichen an einem kleinen Beispiel:

EIn isoliertes Dorf auf einer Insel hat 1000 Einwohner und lebt von der Ertägen der umgebenden Felder und Fischfang. Die Alten und Kranken werden von den Arbeitsfähigen mitversorgt.
Wenn nun keine Kinder mehr geboren würden, würden die Arbeitsunfähigen, die Alten und Kranken verhungern. Genauso wei wenn die Arbeitsfähigen alle die Insel verlassen würden.
Ihre Altersvorsorge in Form von Geldscheinen oder Goldmünzen unter den Matrazen würden ihnen so wenig nützen wie Besitz an Booten, Angeln, Netzen, Häusern und Feldern. Wenn niemand arbeitet, wird nichts produziert. Ganz einfach.

zeitschnur

6. März 2020 12:39

Ich frage mich schon, was eigentlich mit einer Kultur los ist, die solchen gequirlten Schwachsinn, oder sagen wir doch: solcher Hass- und Hetzliteratur im öffentlichen Raum überhaupt Beachtung schenkt.
Davon abgesehen hat die Frau B. offenbar keinerlei Ahnung von den Gepflogenheiten des NS-Staates, was man von einer Germanistin mit Dr.-Titel aber erwarten sollte.

Ein paar Fakten dazu:
Der NS-Staat betrieb nachweislich keine pronatalische, sondern wesentlich eine antinatalische Politik. Dies hat die Historikerin Gisela Bock in ihrer Habilschrift nachgewiesen: "Zwangssterilisation im Nationalsozialismus. Studien zur Rassenpolitik und Frauenpolitik (= Schriften des Zentralinstituts für Sozialwissenschaftliche Forschung der Freien Universität Berlin, Band 48), Westdeutscher Verlag, Opladen 1986, ISBN 3-531-11759-9; Neudruck: Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat, Münster 2010, ISBN 978-3-86991-090-1 (zugleich: Habilitationsschrift, TU Berlin 1984)"
Ich habe das Buch teilweise gelesen, und da erscheint ein völlig anderes Bild als dieser pauschale Stuss, den unsere in welchem Gänsefach auch immer promovierte Autorin B. behauptet. Die NS förderten nicht Mutterschaft um jeden Preis, auch waren sie nicht zwingend auf "ideologische Rollenmodelle" fixiert. Das alles war erheblich komplizierter. Den NS ging es darum, nur noch bestimmte Menschen geboren werden zu lassen, alle anderen sollten verhindert werden. Die eugenischen Konzepte des NS stammten aus links-liberalen Gehirmen und waren in den USA in den frühen Jahrzehnten des 20. Jh bereits durch rassistische Umtriebe gegen Schwarze, aber auch deutschstämmige Amerikaner bereits durchexerziert worden, dazu kamen massenhafte Zwangssterilisationen in den USA bei Personen, von denen man der Meinung war, sie sollten ihre Erbanlagen möglichst niemals weitergeben. Man muss dazu sagen, dass die klassische Konservativ-Rechte, v.a. wenn sie konfessionell gebunden war, mit diesen Ideen nichts zu tun hatte. Die antinatalische Politik der Nazis kann nur aus dem Kontext der linksliberalen Ideengeber verstanden werden.
Die Vergabe von Mutterkreuzen erfolgte keineswegs an alle Frauen mit mindestens 4 Kindern. Die Ehrung vielfacher Mütter ist allerdings an sich keine Erfindung der NS, sondern stammte aus den frühen 20ern, v.a. in Frankreich, wo es auch nicht darum ging, Frauen auf "ideologische Rollen" festzulegen, sondern darum, die hohen Ausfälle an Nachwuchs durch den 1. WK zu kompensieren. https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A9daille_de_la_Famille
Auch die Einführung des Muttertages unter den NS hat keinen antifeministischen Kontext, sondern folgt Vorbildern aus den USA, wo ein solcher Ehrentag schließlich 1914 überall eingeführt worden war, nachdem er zuvor in vielen Bundesstaaten bereits 1909 bestand. Nun muss man aber wissen, dass dieser Tag nicht auf antifeministische, sondern auf vernünftige feministische Initiative hin entstand. Er kam aus der methodistischen Frauenbewegung, die u.a. wollte, dass Frauen endlich anerkannt werden für ihre große Aufgabe, die sie durch Kindererziehung leisten (was leider tatsächlich vielfach und seit Jahrhunderten nicht geschehen war, und es trifft auch objektiv eine massive Frauenverachtung v.a. im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit zu - jeder kann sich darüber in den Quellen versichern) und auch - ausdrücklich - dass es ins gesellschaftliche Bewusstsein rückt, wie grausam es ist, Kinder nur als Kanonenfutter und Mittel zum Zweck anzusehen. Man sollte künftig mehr beachten, welchen Schmerz es für Mütter bedeutet, wenn ihre Söhne im Krieg verheizt werden.
Dass diese pazifistische Initiative hinter dem Muttertagswunsch dann in vielen westlichen Ländern aufgegriffen wurde, die Welle an Verheizen der Kinder aber damit weder gestoppt noch verhindert wurde, - im Gegenteil -, ist eine Tragik für sich, legt aber den Verdacht nahe, dass damit, zuletzt auch im NS-Staat, feministische Ambitionen bewusst instrumentalisiert wurden. Eine vermeintliche Rückkehr in "ideologische Rollenmodelle" im NS lässt sich kaum bleibend nachweisen, allenfalls für die ersten Jahre, allerdings sah es in den Zwanzigern nicht sehr viel besser aus, sprich: es war eher zeittypisch. Hitlers Reden enthalten relativ frauenfreundliche Worte, betonen ihre große Rolle für die ganze Gesellschaft, natürlich in einem Rollenmodell verstanden, das aber nicht starr verstanden wurde. Es wird heute auch immer wieder behauptet, man habe im NS Doppelverdiener "verboten", um Frauen "zurückzudrängen". Das trifft so nicht zu. Hier versucht eine einseitige feministische "Forschung", nun alle möglichen Details als "frauenfeindlich" zu verbuchen, die allerdings andere Hintergründe hatten. Man hat das Einkommen von Doppelverdienern mit einem neuen Steuergesetz 1934 der vollen Progression unterworfen, als würde einer das alles verdienen. Das stellte Doppelverdienerehepaare ungünstiger als zuvor, aber finanziell immer noch günstiger als wenn nur einer gearbeitet hätte. Prinzipiell ging es um das Doppelverdienen angesichts von Millionen von Arbeitslosen, nicht primär um "Frauenarbeit ja oder nein". Frauen waren zur Zeit des NS-Staates sogar zunehmend beruflich tätig, was zeigt, dass es nicht um Rollenmodelle, sondern um neue Gesellschaftsmodelle ging, die je den Erfordernissen angepasst wurden. Das Bild auf Männer und Frauen im NS ist nicht identisch und auch nicht einmal wirklich verwandt mit klassischen Rollenmodellen.
All diese Differenzierungen gehen in die Betonköpfe vieler unserer Zeitgenossinnen aber leider kaum hinein, warum auch immer. Es ist mir als Frau ultrapeinlich, weil es alles, was man Frauen an Hirnlosigkeit einst unterstellte, geradezu in Reinform bestätigt, man kann auf seltsame Gedanken kommen, wenn ausgerechnet solcher Dreck dann öffentlich gehyped wird und vernünftige Frauen zunehmend niedergemacht werden. Ich sehe es schon vor mir, wie unsere ganze schöne rechtliche Gleichstellung in naher Zukunft wegen dieser bekloppten Weiber zurückgefahren werden wird mit dem Argument, man habe nach 100 Jahren Erfahrung mit Frauen an der Macht ja nun so seine Erfahrungen gemacht... Merkel und Co werden der Sache der Frauen noch mal zum Verhängnis.
Ob dieser Unsinn, den Frauen da verzapfen, allerdings wirklich von Frauen stammt, bezweifle ich (s.u.). Auch bezweifle ich, dass Frauen dem mehrheitlich wirklich anhängen.
Kaum eine macht sich die Mühe, die Sache mal genauer zu prüfen und zeichnet sich eben durch das gute alte Mitläufertum aus.
So unterirdisch wie das Machwerk der Frau B. hat sich bisher kaum jemand aus dem Fenster gelehnt, und es ähnelt v.a. in vielen einzelnen Punkten eher den antinatalischen NS-Konstrukten als etwas anderem. Ich finde aber, dass die Töne, die man auch manchmal hier im Forum hört, diesem Machwerk nicht sehr fern stehen. Es ist letztendlich der Sache nach egal, ob man "kinderfrei" ist, um das Klima zu schützen oder die Bevölkerungsexplosion zu stoppen. Das eine steht dem andern mental sehr nahe, auch wenn die hasserfüllte Sprache der Frau B. bisher kaum getoppt wurde. Wer im Ernst meint, dass Kinder das Problem dieser Welt seien, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Es ist aber der bequemste Weg, den eigenen Versäumnissen und Fehlentscheidungen mit weitreichender Wirkung aus dem Wege zu gehen. Indes: unsere schöne neue deutsche Welt ist durch die antinatalische Denkweise, die seit Jahren durchschlägt, ja keineswegs besser geworden - wie auch?
Fazit: solche "Feministinnen" sind genau genommen der Gipfel des Antifeminismus, denn sie bedienen genau dieselben Ressentiments, die Jahrhunderte lang von narzisstischen Männern in Kirche und Gesellschaft bedient wurden: dieselbe Verachtung der Mutterschaft als der vielleicht wichtigsten Rolle, die ein Mensch einnehmen kann, die totale Überbewertung von äußerer, physischer Macht, von Karriere und Geld, die gnadenlose Verheizung menschlichen Lebens für sinnlose ökonomische und machtpolitische Ziele - dem stand die traditionelle Mutter immer entgegen und vermenschlichte damit immer noch die Gesellschaften, so verkommen ihre "Elite"-Männer auch gewesen sein mochten. Ebenso stand die Mutter, sofern man sie nicht bis in ihre letzten Mutterrechte hinein ent-rechtete, auch immer einer allzu ideologischen Erziehung im Wege, weil sie sich immer noch vorbehielt, was sie ihren Kindern für Werte vermittelte. Heute schleimen "Feministinnen" diesem unguten, eigentlich tatsächlich sehr traditionellen Maskulinismus schwanzwedelnd auf Knien hinterher. Wer sich fragt, wem mit solchen Machwerken gedient wird, wem da aus der Seele gesprochen wird, der wird zutiefst erschrecken müssen.

heinrichbrueck

6. März 2020 12:47

Wenn Schuldscheine als Tauschmittel benutzt werden, dann gibt es keine Rentenkasse für Eltern und Großeltern. Bettinger wurde reingelegt. 400000 für das Zinssystem. Das System des Geldverteilens anders organisiert, und dieser Rentenbetrug hätte nicht stattfinden müssen, sogar die Steuern könnten viel niedriger ausfallen, und die Waren wären immer noch in ausreichenden Maßen vorhanden. Was ist Geld? In der Schule wird Blödsinn erzählt, die Universität bildet Systemlinge aus, danach die Käfigbewohner arbeiten, um den tollsten Vogel im schönsten Käfig abzugeben. Dieses Thema geht an die eigentliche Substanz des Systems. Die Produktivität eines Volkes nicht als Dividende gehandhabt werden kann, sondern ein Enteignungsmechanismus die Vögel schröpft, deren Einverständnis vorausgesetzt, und die Schuldenkasse als Zinsmagnet den Nachkommen vererbbar gemacht wird. Solche Vögel nennt man konservativ. Sie verbleiben in ihren putzigen Denkvolieren.

sok

6. März 2020 12:52

@ quarz Die gewünschte Quelle ist:

Ulrich Schmidt-Denter: Auswirkungen der "Holocaust-Erziehung" auf die Idenditätsentwicklung Jugendlichere mit und ohne Migrtionshintergrund. Psychologischer Unterricht (2017), Heft 30, S. 7-10

Laurenz

6. März 2020 14:31

@Maiordomus ..... ich komme Ihnen natürlich nicht mit der Ur-Bolschewistin, sondern der Ur-Mutter oder der geringeren männlich kosmischen Ur-Energie. Aber sahen das die von Ihnen Zitierten genauso, wie wir beide?

@Franz Bettinger & Imagine .... beim Kinder - oder Nicht-Kinderwunsch einen eigenen Willen, (auf den hier extrem viele Wert legen,) zu unterstellen, erachte ich als unbewußte Anmaßung. Beim vermehrten Kindermangel - oder -losigkeit, handelt es sich nicht um ein individuelles Symptom, sondern um ein Massenphänomen, welches auf gesellschaftlichen Umständen oder einer propagandistischen -, wie auch auf einer medizinischen Manipulation beruht. Alle Frauen haben eine Ur-Angst, Kinder zu bekommen und verlassen zu werden. Auch frühere häufige Todesfolgen im Kindbett stecken uns im Blut. Sind die Kinder dann da, will man sie in der Regel nicht mehr hergeben. Diese emotionale Situation/Befindlichkeit hat mit der Technisierung nicht Schritt gehalten, und ist eben im Verhaltens-Muster uralt. Daß unsere Über-Bevölkerung auch einen natürlichen Einfluß auf unsere Geburten-Rate hat, will ich nicht in Abrede stellen. Die Gefahr einer Überbevölkerung regelte sich in der menschlichen Historie, wie auch im Tierreich von selbst. Aber heute greift eben der geisteskranke Humanismus ein, der mit human rein gar nichts zu tun hat.

Die mangelnde Sicht auf die Renten-Problematik @Franz Bettingers basiert auf dem ärztlichen Lobby-Feudalismus.
Anwälte, Ärzte, Beamte, Selbständige etcetc., beteiligen sich gar nicht am Generationenvertrag, sondern sorgen dafür, daß nur die Mehrheit der Volks-Idioten alle unangenehmen Kosten aufgebrummt bekommt. Hier liegt die große Chance der deutschen Rechten bei Wahlen den Sack zuzumachen. Bisher verliert man aber lieber die Wahlen.

@reclusivekali ... nein, es entspricht dem alten Klischee der Gouvernante oder Hauslehrerin. Und wenn Sie darüber nachgedacht hätten, wüßten Sie auch, warum sich das Klischee des kinderlosen Lehrers entwickelt hat.

@Maiordomus @Franz Bettinger

Sie schreiben momentan sehr plausibel, aber in Teilen, was das "Christliche" oder "Katholische" angeht, so muß ich Ihnen widersprechen.
Die orientalische Werte-Kultur schaltet den körperlichen Bezug ab. Wer verbot die Olympischen Spiele? Der erste katholische Kaiser Theodosius.
Deswegen können echte Katholiken/Christen nie Heilige werden.
Es geht beim Heiligtum, auch wegen des aus dem Heidentum/Schamanismus entstandenen Zölibats, nicht nur um eine Einheit zwischen Körper und Geist, sondern um die Gegenwart des eigenen Traum- oder Energiekörpers (Castaneda), teils sichtbar im katholischen Heiligenschein. Warum "scheint" der Heilige? Weil sein Bewußtsein, sein Energiekörper bei ihm, also gegenwärtig ist und nicht, wie üblich, woanders. Der Heilige ist also ganz im Sein, etwas was die deutsche Sprache explizit ausdrückt. Wenn Sie etwas reparieren, es heile machen, machen Sie das Objekt wieder "ganz" oder gesund im Sein.
Den meisten Menschen ist das als Individuum nicht vergönnt. Entweder ist man heilig, handelt makellos, oder man ist es nicht. Was tut der Normal-Sterbliche? Er "ist" nicht entzweit, er ist zu zweit, oder zu mehreren. Für das nicht-ganze Dasein, sucht man sich, um "ganz" zu werden einen oder mehrere Partner, im Regelfall Mann und Frau(en) und erlangt dadurch "Vollständigkeit". Unsterblichkeit, erlangt man im Gegensatz zum Heiligen, durch Kinder und geht nach dem Tode nach Hel zur Frau Holle.
Erst die Kirche macht das Zölibat zu einer moralischen Frage und ritualisierte das Wissen darum, und somit wurde es vergessen. Es ist keine Frage von Moral, sondern eine Frage der Lebensenergie. Sexuelle Energie, die wir Normal-Sterblichen verbraten, und die, ob nun Kinder herauskommen oder nicht, verbrät unser (spirituelles) Bewußtsein, da es sich bei Spiritualität und sexuellem Antrieb um dieselbe Energieform handelt. Das beim Sex verlorene Bewußtsein (man ist nach dem Akt etwas dumpf im Hirn), dient zur Bewußtseinsformung etwaiger Kinder. Denn deren Bewußtsein muß ja irgendwoher kommen.
Wenn uns Frau Kositza erzählt, daß Ihre schönen Töchter alle unerwartet unterschiedlich "auftreten", obwohl Sie doch Geschwister sind, liegt das schlicht daran, daß Jede Einzelne nie dasselbe Stück Bewußtsein der Eltern abbekommen kann, es ist immer ein anderes. Wenn Frauen Töchter gebären, kopieren sie sich selbst, gebären sie Söhne, wollen sie Evolution betreiben.
Zum Glück der Männer existieren Frauen, die ihr Lebensglück in der körperlichen Nachfrage der Männer empfinden. Aber da Frauen die Briefseite, also das Angebot verkörpern, und Männer nachfragen (Geldseite), was Frauen besitzen, (Karl Grammer: Frauen heben den Sex und Männer wollen ihn haben,) sind großzügige Frauen leer. Sie haben nichts übrig für einen. Und daher bevorzugen Männer in der Partnerschaft Sex-sparsame Frauen, weil die etwas für einen (an Energie) übrig haben und diese Energie, soweit nötig, sparsam zur Bindung des Mannes benutzen.
Von daher können wir die Moral vergessen, es entscheidet jeder für sich selbst, welches Leben mit viel oder wenig Sex, mit viel oder wenig Spiritualität, er führen will. Es hat alles Konsequenzen, aber es existieren hier keine Sünden, Unfug.
Wer die Thesen Bert Hellingers kennt, Zitat- Von Bert Hellinger - Konzept und Praxis der systemischen Psychotherapie - Aus dem Buch "Zweierlei Glück"
Wenn ein Ausgleich Zwischen Eltern und Kindern nicht möglich ist....
Der bisher beschriebene Ausgleich von Nehmen und Geben ist nur unter Ebenbürtigen möglich. Zwischen Eltern und Kindern ist das anders. Kinder können Eltern nichts Gleichwertiges zurückgeben. Sie möchten es gerne, können es aber nicht. Es herrscht ein nicht aufhebbares Gefälle von Nehmen und Geben
Zwar bekommen Eltern auch etwas von ihren Kindern und Lehrer etwas von ihren Schülern, das Ungleichgewicht wird dadurch aber nicht aufgehoben, sondern nur gemildert. Den Eltern gegenüber bleiben die Kinder immer in der Schuld, und daher kommen sie auch nicht von ihnen los.
So wird die Bindung der Kinder an die Eltern durch das Bedürfnis nach Ausgleich, gerade weil es unerfüllbar bleibt, zusätzlich gefestigt und gestärkt. Die andere Wirkung ist, dass die Kinder später aus der Verpflichtung herausdrängen, und das hilft dann bei der Trennung von den Eltern. Wenn einer etwas nicht ausgleichen kann, drängt er weg.
Der Ausweg ist, dass Kinder das, was sie von den Eltern bekommen haben, weitergeben, und zwar in erster Linie an die eigenen Kinder, also an die nächste Generation, oder in einem Engagement für andere. Wer diesen Ausweg wahrnimmt und weitergibt, kann viel von den Eltern nehmen.
Was zwischen Eltern und Kindern und zwischen Lehrern und Schülern gilt, das gilt auch sonst. Wo immer ein Ausgleich durch Zurückgeben und Austausch nicht (mehr) möglich und angemessen ist, können wir uns von Verpflichtung und Schuld doch noch entlasten, wenn wir von dem Empfangenen weitergeben. So fügen sich alle, ob sie nun geben oder nehmen, der gleichen Ordnung und dem gleichen Gesetz.
Börries von Münchhausen beschreibt das im Gedicht: Der goldene Ball
Was auch an Liebe mir vom Vater ward,
Ich hab's ihm nicht vergolten, denn ich habe
als Kind noch nicht erkannt den Wert der Gabe
und ward als Mann dem Manne gleich und hart.
Nun wächst ein Sohn mir auf, so heiß geliebt
wie keiner, dran ein Vaterherz gehangen,
und ich vergelte, was ich einst empfangen,
an dem, der mir's nicht gab - noch wiedergibt.
Denn wenn er Mann ist und wie Männer denkt,
wird er, wie ich die eignen Wege gehen,
sehnsüchtig werde ich, doch neidlos sehen,
wenn er, was mir gebührt, dem Enkel schenkt. -
Weithin im Saal der Zeiten sieht mein Blick
dem Spiel des Lebens zu, gefasst und heiter,
den goldnen Ball wirft jeder lächelnd weiter,
- und keiner gab den goldnen Ball zurück! -Zitatende

Ist das nicht bewegend?

Wenn also Eltern Heilige sein wollen, müssen Sie anders handeln als Bert Hellinger es vorgibt. Sie müssen sich das den Kindern Gegebene zurückholen, und die Verluste im Bewußtsein damit wieder ausgleichen.

Marc_Aurel

6. März 2020 14:32

Für die Argumentationslinie von Verena Brunschweiger und Gesinnungsgenoss*innen finde ich kaum Worte die angemessen sind.

Es scheint so, als hätte die Dame zentrale Aspekte der links-grünen Ideologie, wie sie heute gelebt wird und die meiner Ansicht nach in dieser Prägung aus der Feder transatlantischer Denkfabriken stammt, miteinander querverwoben und verdichtet, wie etwa: Klimahysterie, „Feminismus“, Antinationalismus (im Prinzip die üblichen Nazihalluzinationen) und Gendergaga.

Das Ergebnis ist dann ein Konzentrat durchzogen von hartnäckiger Dummheit, Heuchelei, Realitätsverweigerung, Intoleranz, Hypermoral und vor allem auch einer Kaltschnäuzigkeit und Menschenverachtung, die ihresgleichen sucht.

Da wir hier nicht nur von Frau Brunschweiger, sondern von Frau Dr. Brunschweiger sprechen, wie Kubitschek sagen würde, unterstelle ich bösartige Absicht.

Leid tun mir die armen jungen Mädchen, die sich aufgrund solcher Machwerke allen Ernstes, kaum geschlechtsreif, sterilisieren lassen. Anstatt der Natur und den eigenen Eltern zu danken für ihren gesunden Körper, etwas für das andere Frauen die gern eigene Kinder hätten, aber aus medizinischen Gründen nicht können, ein Auge geben würden, haben sie nichts Besseres zu tun, als sich selbst nachhaltig zu verstümmeln.

Maiordomus

6. März 2020 15:20

Zum Vorrang der praktischen Vernunft in der Politik

@imagine. Hartwig. Was Sie ausführen betreffend Kinder und auch das Rentensystem ist knochentrockene praktische Vernunft. Es handelt sich also um höchst kompetente Beiträge von Ihrer Seite.

Der Nachweis, dass das Denken der Frau Brunschweiger in intensivster Sektentradition seit dem Aufkommen des Manichäismus besteht, hat im Gegensatz dazu nichts mit diesen praktischen Fragen zu tun; ist bloss ein Hinweis auf die "geistige Situation der Zeit" (Buchtitel Carl Jaspers), mit der sich ein "rechtsintellektuelles" Organ nun mal befassen muss. Es wäre wichtig zu lernen, wie man Elemente des Zeitgeistes, die sektiererisch anmuten, analysieren kann. Weil man sonst, wie schon 1933f. und 1968f., in den Strudel einer Gegenaufklärung gerissen wird, den "Triumph der Gesinnung vor der Urteilskraft" (Lübbe).

Dieses Prinzip wird in besonders reiner Form, nicht mal unbedingt links oder rechts, von der als "Kind" verkauften jungen Erwachsenen Greta Thunberg verkörpert. Nichts bliebe da weniger zu erwarten als reale Sachkompetenz oder ausgewiesene Wissenschaftlichkeit statt Papageien-Geplapper. Desgleichen hat die Charlotte Corday von Kassel die postulierte Erschiessung von 800 000 Menschen mit tausendfach herumgebotenen Computer-Worthülsen betr. Massnahmen gegen den Klimawandel angereichert: bei noch hübschem Arm-Gestikulieren: man müsse endlich von der "Meta-Ebene" wegkommen! Dabei hätte sie bei ihrem Hinweis auf erneuerbare Energien hinzufügen können: Auch in Auschwitz musste man heizen! Aus stalinistischer Sicht war nun mal aber, wie Parteipräsident Riexinger sinngemäss ergänzte, die praktische Vernunft für den Aufbau eines "nützlicher Arbeit" dienenden Lagersystems GULAG erforderlich.

Greta, klar keine Stalinistin, geht stärker in Richtung Jeanne d'Arc, eine der fragwürdigen Propagandafiguren in der Heiligengeschichte, was die politisch weder saubere noch dumme Gegenseite beim Prozess in Rouen klar durchschaute. Die wie viele Heilige depressiv veranlagte Schulstreikerin ist keine Analphabetin. Aber niemand erwartet von diesem Mädchen eine Entwicklung des 2. Hauptsatzes der Thermodynamik an der Wandtafel oder nur mal ein Promille der mathematisch-naturwissenschaftlichen Sachkompetenz eines Daniel Bernoulli oder Leonhard Euler, welch letzterer faszinierende "Briefe an eine Prinzessin" schrieb: für mehr als 95% der heutigen "Klimajugend" mutmasslich eine totale Überforderung. Mit anderen Worten: Es geht nicht um Aufklärung. Am Werk ist eine neue religiöse Bewegung, insofern ernst zu nehmen, und deshalb in dieser Eigenschaft auch zu deklarieren. So wie zum Beispiel die "Gender"-Bewegung.

"Nicht-Ausschluss" als Bsp. für Primat Gesinnungsethik

Als ich dieser Tage an einer Hochschule ein "All-Gender WC ohne jeglichen Ausschluss" benutzte, weil gleich das nächste beim Haupteingang, war mir jenseits von Realsatire klar, dass es sich hier um einen Sakral-Raum handelte. Weil es hier um das Heilige, den 4. Grundwert nach Max Scheler geht, ein allerhöchstes gesinnungsethisches Prinzip: der Nichtausschluss. Das All-Gender-WC steht, um ein Beispiel zu nennen, das ich auch im Diskurs um dieses Thema von einer Studentin und einem Studenten vernommen habe, im Gegensatz zum Beispiel zu einem in ländlichen Gegenden noch übrig gebliebenen Schulzimmer mit Kreuz: weil ein solches nun mal einen "ausschliessenden" Charakter habe. Dabei ist mir freilich klar geworden, dass dieser "ausschliessende" Charakter von Anhängern der Gender-Ideologie viel stärker wahrgenommen wird als zum Beispiel von Muslimen, welche sich bei Forderungen nach Abhängen von Kreuzen und Verboten von Weihnachtsliedern in der Regel Zurückhaltung auferlegen. Ohnehin ist das Prinzip des "Nicht-Ausschlusses" natürlich kein Bestandteil des Islam; vielmehr hat man natürlich auch ausserhalb von Mekka kein Problem mit dem Ausschluss von Nichtmuslimen. Religionsfreiheit würde ein Muslim nicht gerade auf diese Weise begründen.

Probleme lieber mit praktischer Vernunft anpacken!

@imagine. Hartwig. Bleiben Sie beim Primat der praktischen Vernunft, und betonen Sie dieselbe immer wieder bei Debatten. Es wäre auch ein Palliativ gegen jede Art von Fanatismus. Ehrlich gesagt hat Kinder zeugen, Kinder bekommen, Kinder erziehen, die persönliche und, das schleckt keine Geiss weg, die soziale und demografische Bedeutung dieses "Sachverhalts" im höchsten Ausmass mit einer total geforderten "praktischen Vernunft" zu tun, ¨über die sich ein Kinderloser wie Kant nun mal halt auch nur theoretisch geäussert hat. Kant selber war nun mal der Theoretiker der praktischen Vernunft; für deren Anwendung musste man längst nicht so gescheit sein wie der Philosoph, sondern ähnlich wie der dümmste von drei Brüdern, die einen Löwen machen kannten, hauptsächlich im Klettern höchst geschickt sein. Raten Sie mal, wer von den dreien nicht gefressen wurde.

Zum All-Gender WC: wäre es, zum Beispiel nur das Anliegen, ein dringendes praktisches Problem zu lösen, vergleichbar dem Bedarf an Schirmständern, könnte man ein solches WC natürlich nicht als "Sakralraum" bezeichnen. Solange es nämlich nur um ein "Bedürfnis" ginge, nicht um etwas "Grundsätzliches", ein bedingungsloses "Zeichensetzen". Auch bei SiN würde ich Debatten um praktische Fragen vernünftiger finden als reine Feindbild- Abgrenzungen, zum Beispiel von den "Räuberbanden" in der Kirche (@Laurenz) oder von der "Mauerschützenpartei". Fünf Stimmen von denen, und wäre es die vom unseligen Mielke höchstpersönlich, wären als Stichentscheid für ein vernünftigeres Grenzregime mit Handkuss entgegenzunehmen (wiewohl leider kaum zu erwarten.). Alles andere hat mit praktischer Politik zur Lösung von Problemen nichts zu tun.

Zum neuen Artikel von Kubitschek, betreff zum Beispiel von Höcke. Betrachten wir Höcke nicht ideologisch, sondern als praktischen Politiker: so hat er im Parlament von Erfurt vielleicht nicht alles, aber vieles richtig gemacht. Auch in der Summe umstrittener Äusserungen hat er mit extremistischen Aussagen die Quote von Ramelow, etwa dessen Bekenntnisse zu Stalin als Kriegsherr und zu Lenin als politischer Stratege, wohl nicht erreicht, was nicht ausschliesst, dass Ramelow für deutsche Verhältnisse zur Lösung praktischer Fragen trotzdem politikfähig ist. Man sollte ihn nicht mit der dieser Tage flächendeckend zitierten stalinistischen Extremistin gleichsetzen.

Jenseits von vergleichbaren Extremismus-Belegen kann vor Pegida in Dresden enttäuscht sein, obwohl seine Präsenz dort wohlüberlegt war. Und auf der Grundlage einer gewissen praktischen Erfahrung mit Demokratie und Parlamentsreden war oben auf dieser Kolonne schon mal kritisiert, was Curio im Bundestag nebst Klugem auch fundamental Dummes, gemeint Sittlich-Dummes und Praktisch-Dummes, geäussert hat. Also Fehler gemacht, wie hier nun mal Fehler etwa von Herrn Meuthen kritisiert wurden. Es scheint fraglich, ob Meuthen in Erfurt ähnlich geschickt politisiert hätte wie Höcke; umgekehrt passt dieser nachgewiesenemassen nicht unbegabte Politiker weniger für die Verhältnisse im traditionell liberalen Baden-Württemberg (historisch im besten Sinn liberal) als möglicherweise Frau Weidel. Am Ende zählen in beiden Bundesländern die Resultate.

Der Primat der praktischen Gesichtspunkte würde heissen: problemlösungsorientierte Debatten zu führen anstelle von Distanzierungen aufgrund von Gesinnungen. In Erfurt jedoch können weder Höcke noch Ramelow in die Kategorie der politischen Sektierer eingeordnet werden. Auch die Sache mit dem Handschlag müsste man aus der Sicht von Schachspielern beurteilen; sowohl das Angebot war politisch bedacht wie die Abweisung logisch, wenn schon aus linker Sicht die Wahl Kemmenichs propagandistisch als "Potsdam" verkauft wurde und glaubhaft zu machen war: "Angela schützt das Recht." Ein politischer Deal zwischen Höcke und der SED sowie auch allen anderen Parteien würde nur in einem absoluten Notfall denkbar und wäre noch stärker als die Zusammenarbeit der Linken mit der CDU auf Vereinbarungen auf der Toilette angewiesen. Die Sache mit dem WC-Deal betr. CDU wurde von Ramelow natürlich dementiert. Falls an diesem Ort Politik gemacht wird, führt man darüber keine Protokolle. Dies hätte man in der einstigen DDR bei einem Profi namens Putin schon vor etwa 40 Jahren lernen können, falls derselbe dort noch Zeit für die Erteilung von Kursen für Anfänger gefunden haben sollte.

Maiordomus

6. März 2020 15:56

@Waldgänger aus Schwaben. Ihr Modell von der "Insel" existierte im Mittelalter im Prinzip auf Island, legiferiert in der Gràgàs-(Graugans)-Verfassung aus der Zeit um 1130, im 13. Jahrhundert weiterentwickelt und seit dem 19. Jahrhundert der rechtsgeschichtlichen Forschung zugänglich. So wie die harte tägliche Arbeit auf dem Land und zur See war eine Bauordnung mit einem analogen Solidaritätsprinzip zum Brandschutz notwendig und als Bedingung für die Dauer der Besiedelung der Insel ein nicht auf blosses Privatglück angelegtes Ehe- und Familienrecht, in dem natürlich das Problem "besserer Sex" noch so wenig geregelt war wie die Befriedigung der Bedürfnisse von Randgruppen. Zu einer klar diskriminierten Randgruppe gehörten gemäss älterem germanischem Recht jedoch noch nicht die Homosexuellen, sondern diejenigen, welche Sex mit Tieren praktizierten. Allein die Befürchtung, dass auf diesem Wege Ungeheuer gezeugt werden könnten, erforderte eine diesbezügliche Gesetzgebung.

Das ältere Ehe- und Familienrecht war klar auf das Überleben der nächsten Generation ausgerichtet. Archaische Modelle können für uns natürlich kein Vorbild sein. "Kinder auf die Welt stellen" war aber garantiert weder ein Hobby noch sonst eine Freizeitbeschäftigung, sondern eine durch Religion und jede Art von Gesetz und Brauch geschützte Elementaraufgabe des Überlebens eines Volkes. Dies hat primär auch mit Liebe nichts zu tun, wiewohl diese damals trotzdem eine vergleichsweise zu heute verbindliche Angelegenheit gewesen sein dürfte, ergänzt durch den unbedingten germanischen Grundwert der Treue, welcher selbstverständlich in keiner Weise von der SS begründet worden ist. Die erste Selbstlegitimation der letzteren weitgehend kriminellen Vereinigung bestand, wie hier schon mehrfach dargetan, aus Kameradenmord, begangen hauptsächlich an Braunhemden. Die Täter haben sich dafür durchwegs freiwillig hergegeben. Das altgermanische Wertesystem sollte in diesem Sinn zwar kritisch reflektiert, aber gewiss nicht aus "Nazi-Perspektive" verstanden werden.

Imagine

6. März 2020 17:28

@Franz Bettinger 6. März 2020 11:08
„Imagine schreibt: "Beim Kinder-Kriegen handelt es sich um gesellschaftlich notwendige Reproduktions-Arbeit, die für das Überleben und den Wohlstand einer Gesellschaft unverzichtbar ist, und diese Arbeit sollte adäquat bezahlt werden.“ Ach, seit wann? So einen Murks schrieb nicht mal Karl Marx. Wieso kam in den Jahrhunderten vor Ihnen noch nie einer auf eine so absurde Idee?“

Warum gab es weltweit vor 1883 keinerlei staatliche Sozialversicherung?

Und warum gibt es heute diese in allen industriell hochentwickelten Gesellschaften?

Warum hat Frankreich eine wesentlich höhere Geburtenrate?

Warum bekommen in der WEST-Deutschland – nicht DDR(!) – seit den 70-er Jahren die Akademiker im Mittelstand die wenigsten Kinder?

Vor 50 Jahren stand ich mit der Forderung nach einem kostendeckenden Kindergeld noch ziemlich allein da. Seit kurzer Zeit finde ich die Forderung nach bezahlter Reproduktionsarbeit auch bei einigen klugen Frauen, die begriffen haben, dass sie durch den vom Neoliberalismus okkupierten Feminismus mit der Propaganda einer angeblichen „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ betrogen und übervorteilt wurden.

Bislang konnten mit dem feministischen Ideologie die Geschlechter gegeneinander ausspielt werden.

Bislang noch scheinen aber nur wenige Männer zu kapieren, dass bezahlte Reproduktionsarbeit auch ihnen Vorteile und Arbeitsentlastung bringt.

Auf Basis dieser Erkenntnis könnten beide Geschlechter gemeinsam und solidarisch dafür kämpfen, zumal es für beide - Frauen wie Männer - mehr Entlastung, mehr Wohlstand und Freiheit bringen würde. Dadurch würde auch der Terror mit den Unterhaltszahlungen für geschiedene und/oder getrenntlebende Väter aufhören. Denn dann würde die Gemeinschaft für die Reproduktionskosten aufkommen, sie ist es ja auch, die davon profitiert. Denn die Kinder von heute sind die Arbeitskräfte von morgen.

@Bettinger:
„Die typische rechte Frau bleibt zu Hause, kocht, kümmert sich um die Kinder und abends um die Laune des Ehemanns.“

Das bringt mich tatsächlich zum Lachen. Woher bekommen die rechten Männer ihre Frauen? Aus dem Museum? Sind die aus vergangenen Epochen, waren die tiefgefroren und sind nunmehr aufgetaut worden?

Es gibt erfreulicherweise zunehmend selbstbewusste und gebildete Frauen, deren Bedürfnis es ist, ein richtiges Frauenleben zu leben, wozu auch eigene Kinder gehören, anstatt ein fremdbestimmtes Lohnarbeiterdasein mit Dreifachbelastung ( Erwerbsarbeit, Hausarbeit, Kinder) zu fristen.

Freiheit bedeutet vor allem Freiheit vom Zwang zur Erwerbsarbeit. „Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört.“ (Marx, Das Kapital, III. Band)

So wie es früher gebildete Frauen in der Oberschicht gab, die zugleich Mutter und Citoyen waren, so kann ich mir vorstellen, dass zukünftig ein ähnliches Frauenleben in den gebildeten Schichten häufiger zu finden ist. Nur die kapitalistische Wirtschaftsstruktur verhindert dies.

Diese modernen Frauen entsprechen jedoch in keiner Weise jenem als „typisch rechte Frau“ beschriebenen Heimchen. Nach meiner Erfahrung scheint ein derartiger Frauentyp, der in einer patriarchalischen Beziehungsstruktur leben möchte, auch immer seltener zu werden. Auch die Spitzenfrau der AfD lebt ein völlig anderes Leben.

Lotta Vorbeck

6. März 2020 19:30

@Marc_Aurel - 6. März 2020 - 02:32 PM

"... Leid tun mir die armen jungen Mädchen, die sich aufgrund solcher Machwerke allen Ernstes, kaum geschlechtsreif, sterilisieren lassen. Anstatt der Natur und den eigenen Eltern zu danken für ihren gesunden Körper, etwas für das andere Frauen die gern eigene Kinder hätten, aber aus medizinischen Gründen nicht können, ein Auge geben würden, haben sie nichts Besseres zu tun, als sich selbst nachhaltig zu verstümmeln."

~~~~~~~~~~~~

Begegnet man jungen Russinnen, egal ob während der Arbeitszeit am Postschalter, als Zugbegleiter, als Museumsbedienste, als Aufsicht im Kulturpark, als Verkäufer im "Magazin" eines Provinzstädchens oder nach Feierabend während der Weißen Nächte am Newa-Kai, ist es mit Händen zu greifen, warum W.W.Putin den verlöschenden Stern des "Werte-Westens" als "eine Kultur des Todes" bezeichnet.

Lotta Vorbeck

6. März 2020 19:53

@Franz Bettinger - 5. März 2020 - 06:39 PM

"... In kaum einem Land auf der Erde wird mehr für Kinder getan als in der BRiD. Und deshalb kommen sie ja aus Afrika und Rumänien und von überall her. "In der brd wirst du neben allem anderen noch für's Kinder-Machen bezahlt," hört man." ..."

~~~~~~~~~~~~

Fürwahr - indem sie Heerscharen von Ausländern für lau Unterkunft, Krankenversicherung, Sozialhilfe und Kindergeld gewährt, erschuf die BRiD ein zuvor nicht existentes Biotop in denen die Familien der Anderen prächtig gedeihen.

Lotta Vorbeck

6. März 2020 19:54

@Franz Bettinger - 6. März 2020 - 11:08 AM

"... Wer gibt denn seine Kinder frühest-möglich in die Kita und den Kindergarten? Grüne und Linke. Die typische rechte Frau bleibt zu Hause, kocht, kümmert sich um die Kinder und abends um die Laune des Ehemanns. Ja, lachen Sie drüber, wenn Ihnen danach ist. Aber mir ist so eine „altbackene" Frau tausendmal lieber als die modernen anderen. ..."

~~~~~~~~~~~~

Baby-Boomer die mit dem Gedanken der Familiengründung schwanger gingen, für die wäre es während der 1990er-, spätestens während der 2000er Jahre an der Zeit gewesen, diese Absicht zu realisieren.

Heutzutage gibt's - und die müssen nicht mal aufwendig beworben werden - sogar nationale Heiratsbörsen.

Wo hätte man denn vor der Zeit des allgemein verfügbaren Internets eine dieser "altbacken" orientierten Frauen finden können? Die althergebrachten, in papierbasierten Medien geschalteten Kontaktanzeigen waren kein billiger Spaß. Und derjenige, der sich dieser Methode zu bedienen versuchte, um eine der "altbackenen" Gefährtinnen zu suchen, mußte sodann ernüchtert feststellen, daß es keineswegs seinem Belieben anheim gestellt war, wie ein solches Inserat formuliert sein durfte, um "veröffentlichungsfähig" zu sein.

Franz Bettinger

7. März 2020 09:01

@Imagine: Sie wollen allen Ernstes, dass Mann und Frau für ihre "Reproduktions-Arbeit" bezahlt werden. Wie? Pro Fuck? Pro Kind? Für Zwillinge das Doppelte? Aber nur für Deutsche? Herrlich, einen solchen Beruf würde ich sofort wählen, wäre ich noch im reproduktions-fähigen Alter. Man kann die Soziale Hängematte auch zu eng stricken. Man kann alles übertreiben. Und Deutschland übertreibt! In NZ gibt es weder einen Renten- noch eine Kranken-Kasse, in die jeder einbezahlt. Beides wird aus dem allgemeinen Steuertopf bezahlt. Genial einfach! Umgerechnet ungefähr 1000€ erhält ein Neuseeländer, der mit 65 Jahren in Rente kommt, ein Paar also 2000€. Nicht übel, denken die Leute, und freuen sich drauf. In der BRiD hingegen wird man auch in 100 Jahren noch klagen, es gäbe von allem immer zu wenig. Es gibt offenbar unterschiedliche Mentalitäten von Volk zu Volk.

Frankreich und Russland haben eine höhere Geburtenrate, weil diese Länder weniger dicht besiedelt sind; und nicht wegen dem Kindergeld, denke ich jedenfalls.

Hartwig aus LG8

7. März 2020 09:49

Frau Brunschweiger ist ein zur Karrikatur übersteigertes Exemplar des Prototypen, dessen Herkunft sehr trefflich und nicht ohne Humor von Thomas Hoof beschrieben wird:

https://ef-magazin.de/2008/09/02/624-emanzipation-knaben-und-knaebinnen

Maiordomus

7. März 2020 10:16

@zeitschnur. 6. März 12.39. Geschätzte Dame! So genau, wie Sie mit Bezug auf Literatur, selbst "nur teilweise gelesen", argumentieren, aber nun mal kompetent konsultiert, bleibt Ihr Beitrag schätzenswert. Klar, wird wissenschaftliche Literatur nicht immer von der ersten bis zur letzten Seite gelesen, zumal dann nicht, wenn ein gutes Register vorhanden ist. Das Studium dieser Literatur liefert Massstäbe, wie ich dieselben Ihnen gegenüber vorige Woche selbst für das nach wie vor unterschätzte, aber für ökologisches Denken bedeutsame Schrifttum von Ernst Jünger über Käfer als wegleitend bezeichnet habe.

Wenn die Debatte wirklich ernst wird, ist Genauigkeit wichtiger als Gesinnung. Ich hoffe, Sie verstehen mich wieder etwas besser. Musste mich auch selber auf dieser Seite, trotz berüchtigter Detailkrämerei, dann und wann schon korrigieren lassen, wovon man am Ende auch nur selber profitiert. Ergo: weiter so!

PS. Zu Ihrer Thematik: Die Forschungsliteratur zu Reichshebamme Nanna Conti sowie deren Sohn Leonardo Conti, beide Bürger von Lugano (die Mutter jedoch deutscher Herkunft) ist hier zur Vertiefung ergiebig. In gewissem Sinn erschreckend ist das gerade aus heutiger Sicht in vieler Hinsicht "fortschrittliche" und "vorurteilslose" Umgehen mit Konzepten, die zum Beispiel gar nicht nach dem Geschmack der altmodischen katholischen bayrischen Hebammen waren. Darüber musste sich Frau Conti immer wieder sehr ärgern, und auch hier Sohn orientierte sich deswegen am "gottlosen" und progressiven Flügel des Nationalsozialismus.

Zur Thematik der Fortpflanzung liest man im NS-Polemikbuch von Rose/Leers, "Mönche vor Gericht" (1938), aus katholischer Sicht "leider" gar nicht schlecht dokumentiert, die These, dass das Mönchtum auch deswegen abzulehnen sei, weil es zugunsten von allerlei Perversitäten wie ebenfalls der Priesterzölibat das Weitergeben hochentwickelten Erbgutes verhindere, was immerhin voraussetzt: es gab auch physisch und geistig immerhin sehr "hochentwickelte" Kleriker. Letzteres ist im Rückblick auf die abendländische Geistesgeschichte schwer zu bestreiten.

zeitschnur

7. März 2020 10:23

@ Imagine, @ Franz Bettinger

Ich zitiere aus @ Imagines letztem Kommentar:

"@Bettinger:
„Die typische rechte Frau bleibt zu Hause, kocht, kümmert sich um die Kinder und abends um die Laune des Ehemanns.“

Das bringt mich tatsächlich zum Lachen. Woher bekommen die rechten Männer ihre Frauen? Aus dem Museum? Sind die aus vergangenen Epochen, waren die tiefgefroren und sind nunmehr aufgetaut worden?

Es gibt erfreulicherweise zunehmend selbstbewusste und gebildete Frauen, deren Bedürfnis es ist, ein richtiges Frauenleben zu leben, wozu auch eigene Kinder gehören, anstatt ein fremdbestimmtes Lohnarbeiterdasein mit Dreifachbelastung ( Erwerbsarbeit, Hausarbeit, Kinder) zu fristen.

Freiheit bedeutet vor allem Freiheit vom Zwang zur Erwerbsarbeit. „Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört.“ (Marx, Das Kapital, III. Band)

So wie es früher gebildete Frauen in der Oberschicht gab, die zugleich Mutter und Citoyen waren, so kann ich mir vorstellen, dass zukünftig ein ähnliches Frauenleben in den gebildeten Schichten häufiger zu finden ist. Nur die kapitalistische Wirtschaftsstruktur verhindert dies.

Diese modernen Frauen entsprechen jedoch in keiner Weise jenem als „typisch rechte Frau“ beschriebenen Heimchen. Nach meiner Erfahrung scheint ein derartiger Frauentyp, der in einer patriarchalischen Beziehungsstruktur leben möchte, auch immer seltener zu werden. Auch die Spitzenfrau der AfD lebt ein völlig anderes Leben."
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Liebe Männer, manchmal könnte ich mir die Haare raufen: das ist doch nicht Ihr Ernst? Diese Klischees! Ihre Kritik, @ Imagine, an @ FBs Kitschbild, ist zwar berechtigt, aber genauso kitschig und irreal.

@ FB Also ich bin ja bekanntermaßen libertär, trotzdem koche ich sehr gern, freue mich, wenns meiner Familie schmeckt, und das Wohl des Mannes ist einem natürlich nicht egal. Alles andere wäre pervers. Aber lassen Sie sich hier von Erfahrenen sagen, dass die Realität wesentlich weniger zweidimensional ist und im übrigen Ehen, bei denen einer sich ständig um "die Launen" des anderen kümmern müsste, bereits höchst gefährdet ist. Sie bedarf zweier verantwortungsbewusster, willenstarker und unabhängiger Köpfe, aber auch Demut (Dienstbarkeit) beider und sehr viel Liebe und Geduld, um langjährig zu bestehen.

@ Imagine
Ihr Freiheitsbegriff verurteilt per definitionem in der praktischen Realität (mit Grüßen an @ Maiordomus, dessen Notengebung ich hier erheblich anzweifle) 99% der Menschheit zum Stand des Unfreien. Wer irgendetwas in diesem Leben muss, KANN nur unfrei sein. Na prima - das ist eine echte Ermutigung für Betroffene und darum überflüssiges Gelaber. Und just fällt mir der alte Poesiealbumspruch ein "Plagt dich in tiefster Brust/ das harte Wort 'du musst'/ dann sag dir froh und still, das schöne Wort 'ich will'" (man nennt das auch "Den Stier an den Hörnern packen"). Das kann nicht Ihr Ernst sein: Sie proklamieren damit faktisch, dass nur reiche Leute frei seien. Ist das nicht eher dem pubertären "Ich will machen was ich will" verwandt als einem kraftvollen männlichen Freiheitsbewusstsein, das auch im Zwang noch eine Souveränität aufbaut?! Sieht man sich aber diese Reichen an, wird einem schlecht, denn niemand ist unfreier, in aller Regel oberflächlicher, unentwegt mit Äußerlichem befasst, steht mehr unter dem Bann des Reich- und Mächtigbleibenmüssens als sie. Ich weiß schon, dass Sie vielleicht die Pennälerträume dieses Burschen aus "Les vacances de Monsieur Hulot" träumen von lauter gaaaaanz frei und selbstverwirklicht arbeitenden Männern und vor allem Frauen (die Heldin des Filmes hält ihn für einen Spinner und ignoriert ihn grinsend), die gaaaaanz freiwillig zusammenlegen, damit aaaaaallle nichts mehr müssen in diesem Leben... Ja, Leute, die nie dem Zwang getrotzt haben, ihn nie gemeistert haben, die den Kampf des Geborenwerdens und Gebärens abgenommen bekamen, werden unreife Persönlichkeiten bleiben. Und am Ende müssen sie doch das Hemd anziehen, das keine Taschen hat. Welche Sorte Freiheit war das? Das Fatale am Zwang des Reichtums ist, dass der Reiche so verblendet wird, dass er nicht erkennt, dass er Sklave ist und eine Kernlosigkeit entwickelt, die er für "Erfolg" hält. Jeder noch so ungebildete kleine Mann hat hier ein deutlicher differenziertes Selbst- und Fremdbewusstsein.
Meine Antwort darauf: Freiheit ist eine innere Sache. Kann nur eine innere Sache sein. Freiheit kann nur dann als solche angesehen werden, wenn sie grundsätzlich trotz aller äußeren Umstände im Herzen eines Menschen aufrecht bestehen bleibt.
Liebe Männer, muss Euch eine Frau sagen, dass nichts Euch mehr verdirbt als Eure mangelnde Kampfbereitschaft, Eure Bequemlichkeit und Feigheit, Eure kindischen Träume von Frauen, die Euch dienen und Staaten, die Euch alles abnehmen, ohne dass Ihr damit wüsstet, was Ihr eigentlich wollt in diesem Leben?
Und noch eine Replik, @ Imagine, von den Frauen, die "früher" "Mutter und Citoyenne" waren - an welches Früher denken Sie denn so? Und an wie viele Frauen genau? Eine zwei, vielleicht fünf unter Millionen? Und an welche Schicht? Ich weiß nur, dass die Ambitionen der Olympe de Gouges, einen Status als Citoyenne im revolutionären Frankreich zu erhalten, sie am Ende als Girondistin dastehen ließen und auf die Guillotine brachten. Die Herren Revolutionäre verstanden unter "Citoyen" tatsächlich nur den weißen Mann. Nicht die Frau und nicht Menschen aus den Kolonien oder anderer Hautfarbe.

Maiordomus

7. März 2020 10:27

@Imagine. Ich habe den Eindruck, die "Frauenfraktion" ist auf dieser von Frau Kositza vorgegebenen Seite klar im Vorteil. Sehe ich es falsch, dass etwa, im Gegensatz zum "Männer"-Thema Ernst Jünger mit Grenz-Situationen am Rande der Zivilisation, hier ein themenbezogener Vorsprung auch an existentieller Lebenserfahrung vorliegt? Abgesehen davon, dass die Damen nicht zuletzt durch manchmal fundierteres Detailwissen brillieren.

zeitschnur

7. März 2020 10:44

@ Maiordomus

Das sind für mich zwei verschiedene Kategorien: Um abzusehen, dass das Bild von einer angeblich absolut pronatalischen Politik des NS-Staates, das die Frau Dr. B. behauptet, völlig falsch ist, genügt es, dass ich von Gisela Bock Aufsätze (vollständig) und ihre Habilschrift teilweise gelesen habe (sehr umfangreich), zumal für die Frage hier nicht jedes Kapitel der Forschungsarbeit relevant ist. Die geschätzte Dame kontert dem Lehrer Lämpel halt, so wie auch neulich bei Jünger, und nicht, dass die Pfeife noch explodiert, Sie müssten mich jetzt sehen, ich lächle nämlich breit vor mich hin...

Um eine Assoziation über Jüngers Insektenmanie zu haben (und das ist etwas kategorial anderes!), muss ich keine Sekundärliteratur lesen. Da genügt es, ihn selber zu lesen und eben die Assoziation zu haben. Ich gebe ja zu, dass ich einen Hang zum Grotesken haben und es gerne aufspieße und vielleicht ein bisschen oder für den Geschmack mancher massiv übertreibe, aber ich bleibe dabei: Diese Insektenmanie wirkt auf mich wie ein surreales Spiel mit spacigen Playmobilfigürchen, mir fallen gewisse Passagen aus der Apokalypse ein, wenn ich etwa Bilder von Jüngers Mistkäfern in ihrer futuristischen "Rüstung" sehe. Kann ja auch sein, dass ich damit einen Aspekt der ganzen Sache beleuchte, der bisher unbeleuchtet blieb, oder?

Nemesis

7. März 2020 10:47

@Imagine
„… sondern im Gegenteil zum Ziel hat, dass intelligente und gebildete Eltern sich Kinder leisten können, ohne einen großen Einkommens- und damit verbundenen Konsumverzicht erleiden zu müssen. Denn zu Konsumverzicht sind die wenigsten in diesem System sozialisierten Menschen bereit oder in der Lage, wie sich jetzt bei der Coronavirus-Epidemie zeigt.“

Intelligenz besteht nicht nur darin Gedanken entwickeln zu können, sondern diese auch in seinen Konsequenzen ab- und einschätzen zu können.
Konkret: Wer nur Kinder bekommt weil er dann (nach Ihrem Ansatz) auch keinen Konsumverzicht hinnehmen muß, der setzt doch – logischerweise - Generationen in die Welt, die exakt dieses Verhalten weiterträgt ( in Ihren Worten: „Kinder lernen durch Imitation und Identifikation.“)
Damit verstärken Sie doch exakt den Ansatz, den Sie ständig kritisieren.
Sie können für „Reproduktionsarbeiten“ (was für eine Terminologie) so viel bezahlen wie Sie möchten, das wird noch nicht einmal ansatzweise das unserer "Kultur" zugrunde liegende Problem lösen.
Anders formuliert:
Wenn eine bestimmte Art zu Denken in eine dermaßen Katastrophe führt, dann hilft noch mehr von dieser Denke auch wieder heraus.
Ganz bestimmt.

„So kann es durchaus sein, dass die Reproduktionsarbeit von hochgebildeten und hochqualifizierten Eltern um den Faktor 10 höher bezahlt wird.“

Ah ja.
Hochgebildetet.
Und hochqualifiziert.
Es stellt sich dabei nur die Frage:
In und zu was?

heinrichbrueck

7. März 2020 13:38

„Wenn niemand arbeitet, wird nichts produziert.“

Der technische Fortschritt wird ausgeblendet. Deshalb geht die Rechnung nicht auf. Unterschied zwischen früher und heute. Moderne Arbeitsteilung: https://www.youtube.com/watch?v=8ua3wgnGH7o Die Arbeitszeiten sind aber gestiegen, weil mehr Frauen für Geld arbeiten müssen. Wo liegt der Fehler?

„Ich sehe es schon vor mir, wie unsere ganze schöne rechtliche Gleichstellung in naher Zukunft wegen dieser bekloppten Weiber zurückgefahren werden wird mit dem Argument, man habe nach 100 Jahren Erfahrung mit Frauen an der Macht ja nun so seine Erfahrungen gemacht... Merkel und Co werden der Sache der Frauen noch mal zum Verhängnis.“

Macht ist, solche Sätze schreiben zu lassen.

Franz Bettinger

7. März 2020 17:09

@Zeitschnur und @Imagine: Sie reagieren vorhersehbar und wie auf Knopfdruck. Sie haben kein Gespür für die absichtsvolle Übertreibung. Ich versuche, alte Begriffe wieder zu beleben; Begriffe, von denen die Modernisten glauben, sie hätten sie endgültig verbrannt und ein für allemal in den Dreck getreten, Begriffe wie Rechts und Reaktionär, altbacken und gar ‚Heimchen am Herd‘. Ich versuche, (linke) Pawlovchen Reflexe aufzubrechen, die Menschen von der eng geführten Leine zu lassen, sie zu de-konditionieren, und ihnen die antrainierte Schuld und Scham zu nehmen. Ich nutze absichtlich herausfordernde Worte und Bilder und manchmal auch eine ’sexistische’ Sprache. Ich will damit die Festgefahrenen provozieren und erneut zum Nachdenken (über ihre Begriffswelt und bestimmte Worte) bringen. Ich gehe deshalb gern an die Wurzeln. Das verwirrt die Gefesselten. Sie sind es nicht gewohnt, belegen zu müssen, wieso Rechts böse ist, wieso die Nazis Kriegstreiber waren, warum die arbeitende (und von ihrer Arbeit entfremdete) Frau besser sein soll als das "Heimchen am Herd, das für ihren Mann und die Kinder" da ist und das seine Arbeit, ja sein Leben liebt. @Imagine hat mir bis heute keine Definition von Rechts geliefert. Er kann es nicht. Ohne die Matritzen von Marx und Genossen ist er hilflos. Wie so viele Linke und Grüne. Aber auch wie manche Katholiken und eingefleischte Vegetarier. Ja, ich wiederhole: 'Meine typische rechte Frau' bleibt zu Hause, wenn ich arbeite und Geld verdiene. Sie kocht, kümmert sich um Garten, Haushalt und Kinder und abends um die Laune des Ehemanns. Sie ist treu und überwindet die üblichen Reibungen im Alltag. Dabei kann sie eine ungewöhnlich schöne gesunde liebenswerte und interessante Frau bleiben (wie meine). Sie kann durchaus viel lesen, wandern, radfahren, segeln und paddeln; und natürlich kann sie ihre eigenen Freunde und Interessen haben - neben, nicht statt der Familie! Das sind die Frauen, die ich mag und bewundere: „Frauen mit Eigenschaften“!

Vera

8. März 2020 01:17

@imagine: „Warum hat Frankreich eine wesentlich höhere Geburtenrate?“
Aus mehreren Gründen.
1. Frankreich hat einen erheblichen Ausländeranteil. In diesen Familienstrukturen gibt es eine signifikant höhere Geburtenrate als bei den autochthonen Franzosen. Das wird auch der Hauptgrund dafür sein, daß in Deutschland die Geburtenrate in den letzten Jahren wieder leicht gestiegen ist. Machen wir uns nichts vor.
2. In Frankreich erhalten Familien großzügige Steuerentlastungen. Das ist ein sehr sinnvolles Mittel der Familienpolitik, weil dadurch der produktive Teil der Gesellschaft bei der Reproduktion unterstützt wird, und nicht der Anteil, der gänzlich auf Staatskosten lebt. Es wäre auch eine sinnvolle Politik für unser Land. Natürlich kann man argumentieren, daß man auf diese Weise sozial schwache Familien benachteiligt. Aber der Gesellschaft kann es andererseits nur nutzen, wenn sich der produktive Anteil der Bevölkerung mehrt, und nicht der unproduktive.
3. Frankreich ist immer noch ein katholisches Land. Selbst wenn die Religion in den jüngeren Generationen immer weniger eine Rolle spielt, hat sich bei denjenigen, die zurzeit im reproduktiven Alter sind, noch immer ein recht „konservatives“ Familienbild erhalten. Eine Familie mit drei Kindern wird als ganz normal betrachtet. Hierzulande formt dagegen die Ein- oder Zwei-Kind-Familie das gängige Bild.
4. In Frankreich werden Kinder rigoros wegorganisiert. Die Mütter gehen häufig schon 8 Wochen nach der Geburt wieder arbeiten, die berufstätige Frau ist die Norm, ganztätige Fremdbetreuung in Kitas oder bei Tagesmüttern, den „Nounous“, ebenso. Das entlastet zwar die Frauen, ist aber eine ungeheure psychische Belastung für die Kinder. Studien zufolge sind französische Kinder besonders verunsichert und unglücklich. Ich führe dies auf die Fremdbetreuung zurück, und auf Mütter, die bereits in diesem System großgeworden sind und dem eigenen Nachwuchs selbst weniger „Mütterlichkeit“ entgegenbringen können. Französische Frauen sind stark, selbstbewußt, emanzipiert…aber kalte Mütter. Sind das die „Citoyennes“, die Sie meinen?

Maiordomus

8. März 2020 07:10

Vera Cruz - Frauengeschichte einer Sonntagsheldin besonderer Art

@Wahrheitsssucher/der Name @Vera. Der Vorname Vera ist zumal spanischer Herkunft und hat auf speziell christliche Weise mit dem "Wahren" zu tun: Namenstag von Vera ist nämlich der 3. Mai, der Tag der Kreuzauffindung; ergänzend der 14. September, Kreuzerhöhung. Vera meint im christlichen Verständnis "Vera Cruz" , das wahre Kreuz; nebst anderem ein hispano-amerikanischer fromm designierter Städte-Name.

Was hat es nun aber mit dem "wahren Kreuz" für eine Bewandtnis? Es hängt mit der Legende einer frühen Christin zusammen: St. Helena, Mutter des Kaisers Konstantin, welch letzterer mit dem Zeichen des Kreuzes am Himmel in der Schlacht bei der Milvischen Brücke 312 gegen seinen Gegenkaiser Galerius gewonnen haben will; bis heute aber ist nicht klar, ob das Zeichen am Himmel, welches am Vorabend den Ausgang der Schlacht verkündete, wirklich ein Kreuzzeichen war und nicht etwa das Zeichen des Lichtgottes Sol invictus. Konstantin, erst auf dem Sterbebett getauft, wusste zu jenem Zeitpunkt noch nicht, was er wirklich glaubte: für alle Fälle setzte er zur Unterstützung des Schlachtenglückes auf die damals triumphierenden Mysterienreligionen: den Mithraskult (Geburtstag 25. Dezember), Sol invictus (ebenfalls am 25. Dezember geboren) und den Kult Christi (nicht am 25. Dezember geboren, jedoch zur Verdrängung der anderen Kulte für diesen Geburtstag nachträglich designiert). Wie auch immer: der Sieg an der Milvischen Brücke war ein Sieg der orientalischen Mysterienreligionen gegen das alte traditionelle griechisch-römische "Heidentum", wobei schon Galerius bereits auf die neuen Ideologien gesetzt hatte. Die Ausgangslage zumal des Christentums war vor dem Edikt von Mailand (313) im Vergleich zu früher klar günstiger geworden.

Dass unter den orientalischen Mysterienreligionen das Christentum sich durchgesetzt hat, hängt mit der Rehabilitierung eines ursprünglichen Schandzeichens, nämlich des Kreuzes zusammen (für die Heiden ein Ärgernis, wie schon Paulus feststellte, weswegen die Christen früh mit einem gekreuzigten Esel karikiert wurden).

Für diese Rehabilitierung wichtig wurde eine historische oder doch eher sagenhafte Reise der Mutter von Kaiser Konstantin, "Kaiserin" Helena, nach Jerusalem, nach einer frommen Überlieferung im Jahre 329. Helena, ursprünglich eine "Wirtin" mit nicht allzu gutem Ruf, soll in Jerusalem nach dem Kreuz gefahndet haben, und zwar nach dem "echten Kreuz", womit wir beim Namen "Vera Cruz" angekommen sind: angeblich aufgefunden am 3. Mai 329. Gegraben wurde an und bei einem Brunnen auf dem Berg Golgatha, auf Ratschlag eines jüdischen Weisen beziehungsweise Stadtmächtigen. Entsprechend kamen, der Legende gemäss, drei Kreuze zum Vorschein. Nicht klar war, welche Kreuze diejenigen der beiden Mitgekreuzigten, der sogenannten Schächer, waren, und welches nun mal als das "echte Kreuz", Vera Cruz, zu betrachten sei.

Um hier auf quasi "empirischem" Wege Abhilfe aus dem Dilemma zu schaffen, wurde, je nach Überlieferung oder Ikonografie, eine Kranke oder gar eine Tote aus der Stadt auf Golgatha raufgetragen. Die Tote (oder Kranke) wurde der Reihe nach auf je eines der aufgefundenen Kreuze gelegt. Von der Dramaturgie her, dem Spannungsbogen, ist klar, dass die Frau wohl erst beim dritten Versuch wieder zum Leben erwachte. Damit wurde zugleich noch der Gedanke der Auferstehung illustriert. Zugleich verfügte man nun über das "Echte Kreuz", Vera Cruz, als Basis für einen zumal im Mittelalter und in der frühen Neuzeit extrem praktizierten Reliquienkult. Fast jede Kirche wollte im Altarbereich einen Splitter dieses allerheiligsten heiligen und wahren Kreuzes haben. (Luther, Gegner des Reliquienkultes, spottete, bei der Summe dieser Andenken müsse Jesus ein sehr starker "Gewichtheber" gewesen sein.) An der Echtheit der für Kultzwecke verwendeten Kreuzpartikel ist zu zweifeln; Untersuchungen des Holzes gäben immerhin Anlässe zu Falsifizierungen, wobei im Sinne von Karl Popper der Name @Vera dann sogar eine neue Bedeutung im Sinne des kritischen Rationalismus annehmen könnte: die Wahrheit als Perspektive im Angesicht des Falschen. Auf jeden Fall gibt es keine Wahrheit ohne Kriterien, wie Falsches ausgeschieden werden kann. Schon Sokrates wusste nur sicher, was ethisch falsch war, nicht unbedingt, was er als das Wahre wirklich tun sollte. Falsch war für ihn zum Beispiel die Furcht vor dem Tode, weshalb für den Siebzigjährigen ein Exil nicht mehr in Frage kam, trotzdem seine Freunde das Bestechungsgeld für seine Befreiung schon bereit gehalten haben sollen.

So geht es nun halt mal zu beim "Leben nach der Wahrheit", wozu Kierkegaard erläuterte: "Sokrates die Frage - Jesus die Antwort".

Sicher erscheint der Einfluss der Kaiserinmutter Helena auf die Geschichte der Ikonografie: das Kreuz blieb fürderhin, ab dem 4. Jahrhundert, kein Schandzeichen mehr. Die Kreuzigung wurde unter den christlichen Kaisern abgeschafft und verboten; dafür wurde das Kreuz nicht nur zum Ehrenzeichen, sondern gar zur Waffe, teilweise wurden an Kreuzen sogar Schwertklingen angebracht, um auf diese Weise "nach diesem Zeichen" siegen zu wollen - in hoc signo vinces. Dies ist mir beispielsweise noch am Grabe des spanischen Generalissimus Franco im "Tal der Gefallenen" beim Escorial aufgefallen, als der Caudillo noch dort beigesetzt war.

So hatten es aber vermutlich weder Jesus noch Paulus, der erste Ideologe des Kreuzes, wirklich gemeint. Die heilige Helena bleibt jedoch die Heilige des Kreuzes; der weibliche Heiligenname aber, der dem Kult des echten Kreuzes geschuldet ist, lautet "Vera", mit den Heiligkreuztagen als primärem Namenstag. Der Name ist dann auch zum Beispiel bei Nonnen beliebt geworden, weswegen auch noch weitere Selige und Heilige mit diesem Namen möglich sind. Der Name ist immerhin ein Appell an Wahrheit, Wahrhaftigkeit und kritisches Denken. Bei Calderons Grossem Welttheater wurde jeweils die Weisheit durch eine Nonne dargestellt, "Schwester Vera" sozusagen.

Waldgaenger aus Schwaben

8. März 2020 08:45

@Lotta Vorbeck 6. März 2020 19:54
He. he woher kennen Sie mich?

@Maiordomus

Mein Beispiel von der Insel sollte nur dem Argument vorbeugen, dass eine kapitalgedeckte Altersvorsorge eine pronatalistische Politik zum Zwecke der Altersvorsorge überflüssing machen würde.

Zu Ihren Aussage, dass Brunschweigers These etwas "Katholisches" beinhalte, eine Anmerkung, ja fast schon ein Widerspruch.
Die Stellen in den Evangelien, wie die evangelischen Räte, die gerne von Kritikern (nicht von Ihnen!) als Beleg für eine lebensfeindliche Haltung des Christentums oder eines frühen Sozialismus' im Christentum angeführt werden, wurden alle noch in der Überzeugung verfasst, dass die Wiederkunft Christi unmittelbar bevor stehe (Naherwartung). Wobei teilweise die Naherwartung schon überging in die Parusieverzögerung.
Nur wenn man sich diesen Glauben der Autoren der Texte im vergegenwärtigt , versteht man die Texte richtig. Ehe und Anhäufen Besitz sind überflüssig, wenn sie Wiederkunft Christi unmittelbar bevor steht.

Nimmt man diese Grundierung weg, entartet das Christentum in der Tat zum Manichäismus. Den Unterschied will ich mit Bildern darstellen:

Das Christentum sieht die Welt als Apfelkern, ein harter Winterfrost, der Tod am Kreuz und die Auferstehung, hat die Keimsperre (https://www.gartenjournal.net/apfelbaum-samen) überwunden und der Kern beginnt auszutreiben.

Weltanschauungen wie der Manichäismus oder auch der Buddhismus sehen die Welt als Gärbottich und die Zeit als Feuer unter ihm, das den Geist abdestillieren soll.

Imagine

8. März 2020 17:42

@zeitschnur 7. März 2020 10:23
„Ihr Freiheitsbegriff verurteilt per definitionem in der praktischen Realität […] 99% der Menschheit zum Stand des Unfreien.“

Es geht hier nicht um einen Freiheitsbegriff, sondern um die Realität von menschlicher Existenz.

Denn zum einen unterliegt der Mensch durch seinen Körper einem Naturzwang (Stoffwechsel, Triebstruktur), ähnlich wie ein Tier. Er muss Essen, Trinken, Ausscheiden. Dazu gehören auch der Sexualtrieb und der Vermehrungstrieb.

Zum anderen ist der Mensch als Zoon politikon gesellschaftlichen Zwängen unterworfen, aber in unterschiedlicher Weise, je nach Zugehörigkeit zu einem Stand, zu einer Kaste oder zu einer Klasse. In der kapitalistischen Klassengesellschaft befreit sich die herrschende Klasse vom Zwang zur gesellschaftlichen Reproduktionsarbeit. Dafür sind die modernen Nutz- und Arbeitsmenschen zuständig, die Lohnarbeiter. In der modernen hocharbeitsteiligen Gesellschaft haben sie wie Rädchen in einer Maschine zu funktionieren.

Zudem eignet sich die herrschende Klasse den Großteil des gesellschaftlichen Reichtums an und überführt diese in ihr Privateigentum. Vgl. https://www.welt.de/wirtschaft/article172684758/Oxfam-42-Milliardaere-besitzen-so-viel-wie-die-halbe-Welt.html

Diese gesellschaftliche Realität – nicht meine Definition - macht „99% der Menschheit zum Stand des Unfreien.“

@zeitschnur:
„Meine Antwort darauf: Freiheit ist eine innere Sache. Kann nur eine innere Sache sein. Freiheit kann nur dann als solche angesehen werden, wenn sie grundsätzlich trotz aller äußeren Umstände im Herzen eines Menschen aufrecht bestehen bleibt.“

Die Religiösen beherrschten es schon immer perfekt, die Anpassung an äußere Zwänge in innere Freiheit umzudeuten.

Das war und ist die ideologische Hauptfunktion der Kirchen zum Zwecke des Herrschaftserhalts. Zur Belohnung dürfen die Kirchenfürsten wie die Reichen leben. Vgl. https://www.bild.de/regional/frankfurt/franz-peter-tebartz-van-elst/so-sieht-das-protz-haus-heute-aus-39844732.bild.html

Die Propaganda des Liberalismus redet den Arbeits- und Nutzmenschen ein, sie seinen freie Menschen. Die Liberalen propagieren die Illusion von Freiheit, sie sind die schlimmsten Lügner und Betrüger. An der der Spitze: die Libertären. Denn ihr Gesellschaftsmodell kann niemals so funktionieren, wie sie es behaupten.

zeitschnur

8. März 2020 21:39

@ Imagine

Sie schreiben

"Die Religiösen beherrschten es schon immer perfekt, die Anpassung an äußere Zwänge in innere Freiheit umzudeuten."

Damit gehen Sie an dem, was ich meinte, aber vorbei. Sie deuten das iS des "Aus der Not eine Tugend machens".

Da ich kein materialistisches Weltbild habe, was bedeutet: Die Geistordnung, insbesondere die neue durch Christus, ist zwar irgendwie dem vergleichbar, was wir kennen, aber dennoch in keiner Analogie. Wir schaffen keine Abstraktion aus der materiellen Welt hin in einen geistigen Freiheitsbegriff. Es ist doch wurstegal, wie viel Geld Sie haben - es ändert an der von Ihnen erwähnten Triebstruktur doch gar nichts, und sie schafft letztendlich die Unfreiheit, von der Sie sprechen. Unterm Strich müssen alle, ob arm oder reich, der Erfüllung dieser Triebstruktur hinterherrennen, manche mit großer Mühe und im Schweiß ihres Angesichts, manche halt nicht, was sie dann auch noch glauben lässt, sie seien "frei". Ich würde nüchtern sagen: nein, sie haben nur viel Geld und manchmal die schale Genugtuung der Macht. Freier sind sie nicht.
Dazu muss man aber etwas tiefer bohren, um das zu verstehen. Ich akzeptiere, dass das für Sie nicht relevant ist, aber für mich eben schon, daher möchte ich schon, dass Sie meine Denkwelt nicht in eine materialistische Schablone ziehen. Für Sie ist es einfach nicht relevant so, das ist okay.
Ich glaube wirklich an die Überlegenheit dieser Geistordnung, die jetzt schon "Berge versetzt" und am Ende zu einer Verwandlung in einen neuen Leib und eine basileia tou theou führt, wie Johannes der Täufer es sagte, wie Jesus es bestätigte und Paulus es weiter durchdachte.
Die Erkenntnis, dass materielle Triebbefriedigung ohne besondere Hindernisse nie im Leben Freiheit schafft, kennt aber beileibe nicht nur das Christentum. In Asien etwa wird diese materielle Haben-Sicht als Hindernis zur wirklichen Freiheit angesehen (vgl Leben des Buddha), und die Episoden Jesu mit Reichtum und Reichen gehen in ähnliche Richtung.
Das meint: Es ist ein hauchdünner begrifflicher Grat zwischen den verschiedenen Konzepten von Freiheit und Unfreiheit.

Nemesis

9. März 2020 08:08

@Maiordomus
"Zugleich verfügte man nun über das "Echte Kreuz", Vera Cruz, als Basis für einen zumal im Mittelalter und in der frühen Neuzeit extrem praktizierten Reliquienkult. Fast jede Kirche wollte im Altarbereich einen Splitter dieses allerheiligsten heiligen und wahren Kreuzes haben."

Na, wenn das mal kein Materialismus in Reinkultur ist.
Wissen Sie zufällig, ob es über die Grundlagen und das Auftreten des Reliquienkultes nähere Untersuchungen gibt (wann wo zum Erstenmal aufgetreten, wie ausgebreitet etc.)?
Das fände ich wirklich interessant.

Laurenz

9. März 2020 08:32

@Imagine ... Ihr letzter Beitrag war hervorragend analysiert und trifft, vor allem historisch, ins Schwarze.
Unsere eidgenössischen Freunde, das muß eben auch mal bemerkt werden, stimmen manchmal, völlig opportun, gegen ihr höheres Maß an relativer Freiheit ab.
Wenn in der Schweiz nur die Schweizerische Nationalbank Geld schöpfen dürfte, würde das die Freiheit des einzelnen Schweizers stärken, aber die Schlagkraft der Schweizer Großbanken auf internationaler Ebene schwächen.
Daher stimmten die Eidgenossen gegen ihre persönliche Freiheit zugunsten des Mammons ab.
Ich hatte das für unsere Schweizer Freunde persönlich bedauert, denn das Totenhemd hat keine Taschen. Aber das ist, wie die neue Zür'cher schreibt, Demokratie.

Imagine

9. März 2020 15:03

@Nemesis 7. März 2020 10:47
„Konkret: Wer nur Kinder bekommt weil er dann (nach Ihrem Ansatz) auch keinen Konsumverzicht hinnehmen muß, der setzt doch – logischerweise - Generationen in die Welt, die exakt dieses Verhalten weiterträgt ( in Ihren Worten: „Kinder lernen durch Imitation und Identifikation.“)“

Zu kurz gedacht.

Der Weg zur intellektuellen Leistungselite setzt Leistungsfähigkeit und Leidensbereitschaft sowie in der Regel lange Jahre des Konsumverzichts voraus. Nur so kann man Top-Leistungen erreichen. Das ist ein steiniger Weg.
Psychologisch gesprochen, erfordert es Sublimierungsfähigkeit. Sublimierung bedeutet Aufschub von Bedürfnissen zugunsten höherwertiger Ziele.

Eine Gesellschaft, die das Erreichen dieser intellektuellen Ziele nicht entsprechend durch Einkommen, Sozialstatus. Privilegien etc. belohnt, ruft nur wenig Sublinierungsbereitschaft hervor. Zumal wenn sich insbesondere bei akademischen Berufen – von Ausnahmen abgesehen - „Leistung nicht mehr lohnt“ bzw. nicht mehr entsprechend belohnt wird.

Die Anzahl der Frauen mit Kindern sowie hoher Qualifikation und Leistungsfähigkeit ist in Deutschland sehr gering. Es fehlen folglich Mütter, deren Verhalten hinsichtlich geistiger Tätigkeit von ihren Kindern imitiert werden kann und mit deren Werten und Zielen sie sich identifizieren können.

Was sind die Gründe dafür?

Eine Gesellschaft, die intellektuelle Leistungseliten entwickeln will, muss diese bei Zielerreichung auch entsprechend belohnen. Genau dies geschieht in Deutschland nicht. Das System in Deutschland ist leistungsfeindlich.

Kinder bedeuten nicht nur Konsumverzicht, sondern vor allem auch viel Arbeit und Verzicht auf freie Zeit. Wenn man Hausarbeit, Pflege und Erziehung von Kindern an andere Personen (bezahltes Personal, Großeltern) delegieren kann, dann lassen sich Kinder und berufliche Tätigkeit eher miteinander vereinbaren.

Der Partner/Ehemann als „Hausmann“ löst das Problem der Opportunitätskosten nicht, weil dann dessen Erwerbseinkommen wegfällt. Aber ich kenne einige – sehr seltenen - Familien, wo die Frau einen Top-Job mit Top-Einkommen innehat, wo so eine solche Konstellation mit dem Mann als „Hausmann“ existiert.

Ein Inhaber eines großen Radiologiezentrums erzählte mir, dass er aufgrund seiner negativen Erfahrungen keine Radiologinnen mit Kindern mehr einstelle, weil diese Frauen den notwendigen fachlichen Weiterbildungsaufwand nicht leisten konnten.

Bezahltes Personal für Hausarbeit, Pflege und Erziehung von Kindern ist teuer. Und Deutschland ist auch bei den Akademikereinkommen ein Niedriglohnland.

Imagine

9. März 2020 15:23

Deshalb gibt es in Deutschland so viele „kinderfreie“ Akademikerinnen.

Imagine

9. März 2020 16:04

@zeitschnur 7. März 2020 10:23
„Und noch eine Replik, @ Imagine, von den Frauen, die "früher" "Mutter und Citoyenne" waren - an welches Früher denken Sie denn so? Und an wie viele Frauen genau? Eine zwei, vielleicht fünf unter Millionen? Und an welche Schicht?“

An die Frauen mit höherer und höchster Bildung. Bildung verstanden als Allgemeinbildung auf höchstem historischem, wissenschaftlichem und technischem Bildungsniveau.

Das Angebot für diese Allgemeinbildung gab es damals noch an Gymnasien mit Humboldtschem Bildungsideal sowie an klassischen Universitäten. Es gab in der BRD diese Frauen in der Phase zwischen postfaschistischer anti-frauenemanzipatorischer Nachkriegsgesellschaft und der beginnenden Dekadenzphase mit Massengymnasien, Massenuniversitäten und feministischer Pseudo-Emanzipation.

Das war die Zeit von in den 60ern bis Anfang/Mitte der 70-er. Da gab es sehr intelligente, historisch und wissenschaftlich interessierte, sehr belesene und hochgebildete Frauen. Die waren selten, aber es gab sie. Pro Altersjahrgang geschätzt in der Dimension von ein Promille. Und sie waren intelligenter und gebildeter als ca. 99% der Männer.

Maiordomus

9. März 2020 16:15

@Imagine.

"Die Religiösen beherrschten es schon immer perfekt, die Anpassung an äußere Zwänge in innere Freiheit umzudeuten."

Falls dieser Satz authentisch von Ihnen ist: habe das selten erlebt hier, aber das wäre ein Aphorismus unweit von Marie von Ebner-Eschenbach. Solche Trouvaillen ergeben sich, wie sie betont, am Ende einer langen Gedankenkette. Ich kann sonst mit vielem, was hier gesagt wird, vermutlich gilt das gegenseitig, nicht einverstanden sein: aber dass diese Debatten überhaupt noch geführt werden, wesentlich. Endlich tauchte auch wieder mal das Wort Freiheit auf!

Nemesis

9. März 2020 23:15

@Imagine
„Zu kurz gedacht. Der Weg zur intellektuellen Leistungselite setzt Leistungsfähigkeit und Leidensbereitschaft sowie in der Regel lange Jahre des Konsumverzichts voraus. Nur so kann man Top-Leistungen erreichen. Das ist ein steiniger Weg. Psychologisch gesprochen, erfordert es Sublimierungsfähigkeit."

Lange Jahre des Konsumverzichts gilt aber nur für diejenigen, die sich selber durchbeißen müssen. Wenn die Eltern aufgrund Ihres Status den sie sich erworben haben über entsprechendes Einkommen verfügen (Leistungseliten) um z.b. das Studium ihrer Kinder ausreichend finanzieren zu können, dann ist nicht automatisch gesetzt, daß diese unbedingt großartige Sublimierungsarbeit leisten müssen (ich schreibe das deswegen, weil ich das in vielen Fällen selbst erlebt habe (mir geht es hierbei nicht um Neid, die Dinge sind eben, wie sie sind).

Für diejenigen, die sich selber durchbeissen müssen, d‘accord.
Und selbstverständlich gibt es auch Eltern, die einen entsprechenden Status erreicht haben, über entsprechendes Einkommen verfügen (Leistungselite) und ihren Kindern trotzdem Sublimierungsarbeit abnötigen.

Meine Schlußfolgerung daraus ist, daß die von Ihnen genannte Sublimierungsfähigkeit sowie deren Vermittlung nicht per se an die Eigenschaft Leistungselite gebunden ist, sondern von den jeweiligen Individuen (Eltern) abhängt und zwar unabhängig davon, ob sie nun intellektuelle Leistungseliten sind oder nicht. Denn das kann auf Handwerker oder andere Berufsgruppen genauso zutreffen.

Eine allgemeine Ableitung, daß Leistungseliten per se so (oder anders) seien, kann ich nicht daraus schließen.

Für mich persönlich überhöhen Sie die Eigenschaft des Intellektes.
Der Intellekt ist das Eine, wie Menschen dann tatsächlich handeln, noch mal etwas ganz Anderes. Denn wäre es anders, wie wären dann die monströsen Perversionen des 20. Jhrd. möglich gewesen?
So etwas dürfte es dann ja eigentlich gar nicht gegeben haben: Aufklärung durch, intellektuelle Höchstflüge und Höchstleistungen durch und dann…

Der Intellekt hat unbestreitbar auch seinen Wert.
Aber er ist nicht Alles.
Und er macht Menschen auch nicht automatisch besser.

Maiordomus

9. März 2020 23:38

@Nemesis. Die Vulgärform des Reliquienkultes läuft nicht auf Materialismus hinaus, sondern auf Fetischismus. Dass "leibliche" Andenken von Bedeutung bleiben, ist volkskundlicher und natürlich psychologischer Elementarbefund. Oetinger formulierte zwar nicht ganz in diesem Sinne: "Leiblichkeit ist das Ende (final gemeint) aller Wege Gottes." Die Sache ist komplexer als hier angedeutet. Zum materiellen Aspekt des Auferstehungsglaubens etwa Karl Barth, der keineswegs ein Materialist war: "Es bleibt dabei, das Grab war leer!" Dass die "Leere" des Grabes aber mit eine Basis des christlichen Glaubens darstellt, hätte und hat meines Erachtens auch Meister Eckhart beeindruckt. Die verschiedenen Deutungen der Thematik sind bereits sehr beeindruckend dargestellt im Standardwerk von Albert Schweitzer über die Geschichte der Leben-Jesu-Forschung. Es muss nicht immer Bruno Bauer sein, bei dem sich alles in Legende und Literatur auflöst. Es geht nie ohne einen Rest Leiblichkeit, was mit dem Reliquienkult freilich oft höchst unbeholfen ausgedrückt wird. Letztlich spielt dieser Gesichtspunkt auch bei der Hostie und deren Deutung eine Rolle, Ein weiterer Deutungsansatz, der zwar heterodox wäre, jedoch nicht eigentlich materialistisch, wäre der alchemische: hier geht es um das Prinzip der Verwandlung. Ebenfalls noch interessant der Ansatz des keineswegs mehr christgläubigen Franz Anton Mesmer, vg. dessen astrologisch orientiertes Freimaurergrabmal auf dem Friedhof in Meersburg: das Leben ist nun mal Berührung. Das setzt zumindest eine Art von Feinstofflichkeit voraus, die Mesmer "fluidum" genannt hat. das ist mit einem rein materialistischen oder gar mechanistischen Weltbild nicht zu verwechseln.

Laurenz

10. März 2020 00:16

@Maiordomus @Imagine ...
jetzt, wo es darauf ankäme, hätten Sie Sich ruhig mal etwas weiter aus dem Fenster lehnen können. Ihr recht defensive Argumentation nehme ich Ihnen nicht ganz ab. Imagine hat zu sonst, den Nagel recht auf den Kopf getroffen, und wir haben es der freiheitlichen Gesinnung der Redaktion zu verdanken, daß wir es lesen konnten. Wenn Sie den abrahamitischen Einfluß in Asien anschauen, so wurde dieser, wenn kommod, integriert. Bei uns und im Orient hingegen, basiert er rein auf Ausgrenzung und Polarisierung. Denn Sie, Maiordomus, wissen nur zu genau, daß beim Glauben, ob nun Klima, Kommunismus, das Gute, etcetc. jegliche Argumentations-Basis ihr Ende findet. Die Religiösität findet nur ein Ende, wenn jemand an die Wiederkehr des Führers glauben will. Da gibt es nur den Strang oder doch das Kreuz? Die Erlöser-Fähigkeiten eines jesualen Habecks finden in Anbetracht einer zwingenden Realität ein jähes Erwachen. Dann sind die Wunder vorbei.

pasquill

10. März 2020 09:33

Durch dieses Buch wird der philosophische Antinatalismus, der in der Regel mit philosophischem Pessimismus einhergeht wie bei Schopenhauer, Akerma oder Benatar, ausschließlich auf die Ökodimension hin zentriert und dadurch die Debatte verflacht und diskreditiert. Bei den genannten Autoren ist das ganze metaphysisch grundiert und mit vielen guten Argumenten versehen, unter anderen auch ökologischen. Diese Argumente gilt es meines Erachtens ernst zu nehmen, so wie ich es tue, obwohl ich mir erlaubt habe, ein Kind zur Welt zu bringen (und begeisterte Mutter bin).
Aber dass der Welt ein mit antinatalistischen Argumenten unterfüttertes Gebärmoratorium gut täte, steht für mich ausser Zweifel. Die hemmungslose Menschenproduktion weltweit ist das Kernproblem und die geheime - oder auch offensichtliche - Ursache vieler weiterer globaler Probleme, wie Umweltschädigung und Migrationsströme. Wir hier in Deutschland werden doch mit der irrsinnigen Migrationspolitik gezwungen, den noch irrsinnigeren Geburtenüberschuss vieler Länder Afrikas oder der islamistischen Internationale aufzunehmen, was in den entsprechenden Ländern zu überhaupt keiner Entlastung führt, weil der Menschenschwund durch Emigration binnen kürzester Zeit wieder durch Neugeborene aufgefüllt ist.
Ich halte es für eine absolute Notwendigkeit, jedwede Form von Entwicklungshilfe (sofern man sie überhaupt für nötig hält) zwingend an die Voraussetzung strikter Geburtenkontrolle binden, in den Dritt-Welt- oder Schwellenländern, die eine solche erhalten.
Im Grunde wäre eine weltweite 1-Kind-Politik und damit ein milder Antinatalismus das Gebot der Stunde. Asiatische Tigerstaaten wie Südkorea zum Beispiel haben genau das gemacht zu Beginn ihres wirtschaftlichen Aufstiegs: ein-Kind-Politik wie die Chinesen, geboren (!) aus der Einsicht, dass vielzuviele Menschen, die das Land nicht ernähren und versorgen kann, das stärkste Entwicklungshemmnis sind.

Maiordomus

10. März 2020 09:41

@Laurenz. Ihnen fehlen, wie ich aufgrund Ihrer "Führer"-These schliesse, Detailkenntnisse, vor allem Grundkenntnisse der Religionsphilosophie,, vgl. das Standardwerk "Religion nach der Aufklärung" von Hermann Lübbe, wo Religion als Praxis der Bewältigung von Kontingenz im Hinblick auf Ihre (begrenzt) mögliche Rationalität analysiert wird, so wie Kant natürlich auch seine Reflexionen gemacht hat über die Möglichkeiten und Grenzen der Religion innerhalb seiner Modelle der theoretischen und praktischen Vernunft, vgl. noch Kants Schrift über den "Streit der Faktultäten".

Derzeit lese ich gerade mit grossem Gewinn eines der besten Bücher von Albert Schweitzer "Geschichte der Leben-Jesu-Forschung", wo auf siebenhundert Seiten auf sehr hohem Niveau die aufgeklärte Kritik für eine vernünftige Auslegeordnung breit dargestellt wird. Wie Sie wissen, gab es schon seit der französischen Enzyklopädie, aber doch vor allem in Deutschland schon im 19. Jahrhundert eine Religionskritik mit vernünftigen Ansätzen, etwa bei Heinrich Eberhard Gottlob Paulus, Sohn eines wegen Geisterseherei abgesetzten Evangelischen Pfarrers, dann natürlich Bruno Bauer, nach Schweitzer das erste skeptische Leben Jesu, nicht zu vergessen David Friedrich Strauss, später von Nietzsche radikal kritisiert, um dessen Berufung als Professor nach Zürich ein Volksaufstand ausbrach, in dessen Gefolge die Universität um ein Haar geschlossen worden wäre. Ohne dass Schweizer sich Bruno Bauers Thesen anschlösse, spricht er doch vom "Bleibenden an Bruno Bauers Kritik". Im Gegensatz zu Ihnen glaube ich aber, hat Albert Schweitzer von Religion, ausserdem von Johann Sebastian Bach, über den er ein fast unübertreffliches Buch schrieb, einiges verstanden, sogar klar mehr als von Medizin; seine Errungenschaften auf religiösem Gebiet und Johann Sebastian Bach sind entsprechend weniger umstritten als seine afrikanischen humanitären Konzepte, wiewohl als Versuch, Überzeugungen in Praxis umzusetzen, wenigstens im Ansatz wirklich achtenswert, vgl. das Buch von Al Imfeld: "Mission am Ende", auch eine kritische Auseinandersetzung mit Albert Schweitzer. Sie und Habeck oder gar die Fernsehpredigerin vom Zwangsgebührensender, die zur Erstürmung der Parlamente aufrief, sollten da zuerst noch ein bisschen nachdenken. Auch Polemik kann auf Sektenniveau entarten.

Selber bin ich vermutlich bei denjenigen, gegen die Sie hier stets polemisieren, bis hin zu "Räuberbände", wohl hundertfach verhasster als Sie; weil ich nun mal als ausgewiesener Befürworter einer radikalen Trennung von Kirche und Staat und vor allem als Kirchensteuergegner nicht nur eine Meinung habe, sondern in dieser Sache politisch aktiv war und Verfasser von protokollierten Papieren, die zum Beispiel von Religions- und Kirchenkritiker Karlheinz Deschner ernst genommen wurden.. Um Leute, die in der polemischen Art argumentieren wie etwa Sie, sind die Protagonisten der "Systemkirchen" meines Erachtens direkt dankbar.

Nemesis

10. März 2020 09:46

@Imagine @Maiordomus
"Die Religiösen beherrschten es schon immer perfekt, die Anpassung an äußere Zwänge in innere Freiheit umzudeuten."

Ist heute mal wieder Tag des stereotypen Denkens?
Na, dann will ich auch mal kalauern:

Und Revolutionäre versuchten schon immer, wirkliche innere Freiheit durch äußere Zwänge zu zerstören.

So what?

1. Wirkliche innere Freiheit kann nur unabhängig von äußeren Zwängen sein. Es wäre sonst keine innere Freiheit, sondern lediglich ein Reiz-Reaktionsschema auf externale Stimuli.
M.a.W.: Es wäre etwas rein Externales.

2. Es gibt nicht keine äußere Zwänge.

3. Selbst wenn es gelingt, bestimmte äußere Zwänge zu beseitigen: Was würde es nützen, wenn ich keine wirklich innere Freiheit hätte, diese auch anzunehmen (was dann aber auch logischerweise das Ablehnen implizieren muß)?

4. Man kann sich mit Allem selbst betrügen.
Und das wahrscheinlich noch viel leichter als Andere.

@E. Kositza:
Tja, wenn er das nicht weiß, dann weiß ich auch nicht mehr (weiter).
Nicht aber, daß das ein außergewöhnlicher Bewußtseinszustand bei mir wäre…
:))

Ah, ich sehe gerade, er wußte es.
Ich wußte es...
@Maiordomus: Danke

Maiordomus

10. März 2020 11:03

@Laurenz. Ich habe indes nicht gesagt, dass Sie quasi überhaupt nichts von Religion verstehen würden, überhaupt Ihnen keineswegs permanent Unrecht gegeben. Ihre Ausführungen von ganz weiter oben zur "Urmutter" waren in der grossen Richtung vermutlich nicht weit davon von dem entfernt, was der berühmte Nietzsche-Weggefährte Bachofen in seinem 1 800- Seiten-Werk "Das Mutterrecht" dargetan hat. Religiosität aber als Eingeständnis und Bewältigungsaufgabe seiner eigenen "Kontingenz" des Daseins (auch ein Grundbegriff der Existenzphilosophie) hat jedoch nichts mit dem Bedürfnis nach Bevormundung zu tun; stünde - im Status perfectionis nach Meister Eckhart - näher bei Nietzsches "vollständigem Nihilismus" als Emanzipationszustand als dem "unvollständigen Nihilismus", dem Bedürfnis nach einer Ersatzreligion, vgl. die Grünen so weit zu Sektierern verkamen; zum unvollständigen Nihilismus nach Nietsche, wo zum Beispiel, siehe Dostojewskij, eine Heiligenikone abgehängt wird und dafür ein Bild eines Chefideologen aufgehängt. Dieses Verfahren ist, zumal nach Nietzsche, als Verfehlung einer Befreiung noch schlimmer als wenn man die alten Ikonen an ihrem Ort hätte stehen lassen. Die Bilderstürmer nämlich, die alte Bilder durch neue ersetzen, halten sich im Vergleich zu den Altgläubigen für stärker emanzipiert, haben sich aber gerade wegen dieser Illusion noch weiter von der Möglichkeit einer Befreiung wegbewegt.

zeitschnur

10. März 2020 11:04

@ Nemesis, @ Maiordomus

"Reliquien" tauchen bereis im NT auf, und zwar in der Apostelgeschichte (Apg 19):

"12 Sogar seine (d.i. Pauli) Schweißbinden und Tücher, die er auf der Haut getragen hatte, nahm man weg und legte sie den Kranken auf; da wichen die Krankheiten und die bösen Geister fuhren aus."

In der sich entwickelnden Reliquienverehrung im Christentum treffen allerings verschiedene religionsgeschichtliche Motive zusammen, nicht nur die wundertätiger Gegenstände. Die kirchliche Regel, dass in jedem Altar Reliquien eines Märtyrers sein müssen, stammt möglicherweise aus der antiken Altarkonzeption des Menschenopfers: der Altar IST gewissermaßen das Menschenopfer. Auf den Opfern wurde einst weitergeopfert. Eine ähnliche Meinung ist auch im kirchlichen Bereich immer wieder zu hören, dass Christus selbst "der Altar sei": Christus altare nostrum, eine Ableitung aus Hebr 13,10. Diese Sentenz war normalerweise im Spätmittelalter aber dreigliedrig angelegt und wurde von Luther befragt: Christus altare nostrum est, Holocaustum nostrum et totum incensum cor nostrum est . (Christus ist unser Altar, unser Brandopfer und unser Weihrauch ist unser Herz). Vom Heiligen, insbesondere dem Märtyrer gilt, dass er "christusförmig" geworden ist und von ihm dieselben Wirkungen ausgehen können wie von Jesus, er heilte, Dämonen austrieb und Sünden vergab. Auch werden in der Johannesapokalypse Märtyrerseelen unter einem himmlischen Altar geschaut. Der Gipfel der Reliquien war neben dem Heiligen Kreuz v.a. der in legendäre und fantastische Ferne verschwindende "Gral" (das Gefäß, aus dem Jesu beim letzten Abendmahl mit seinen Jüngern trank), später das Grabtuch von Turin und diverse Bluthostien, deren Kult ebenfalls im 15. Jh zu Wallfahrtswegen animierte. Verschiedene legendarische Verknüpfungen von bestimmten Reliquien und bestimmten wunderbaren Wirkungen können exakt beschrieben werden, zB das berühmte Walpurgisöl, das einmal im Jahr aus dem Schrein der hl. Walburga tropft und Heilwirkungen haben soll.

Nun ist jeder Fetischismus seiner Anlage nach materialistisch konfiguriert, auch diese Reliquienverehrung. Über dem allen steht der gewaltige Satz Jesu zu Thomas "Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben".
Dennoch gehört das zeichenhafte Wunder wesentlich in das Wirken nicht nur Jesu, sondern auch seiner Apostel. Er hat sie ausdrücklich ausgesandt, um zu heilen, wie er es selbst tat. Diese Heilungswunder und Exorzismen sind allerdings Zeichen auf ein Größeres hin.
Theologisch steckt dies in einer argumentatorischen Sackgasse: ja, wie nun?
Im Prinzip eine Wunderheilung als Tor zu einem Glauben, der keine Zeichen mehr braucht, also immateriell und wirklich spirituell wird?
Kirchlich kennt man die weitere Sentenz, Gott baue seine ganz Gnade auf die Natur, also auch deren physische Wirklichkeit, um sie zu übersteigen.
Meine Erfahrung ist freilich, dass es eine haarscharfe Gratwanderung ist, denn die meisten Katholiken, sofern fromm, scheinen sehr stark in diesen materiellen Grundlagen zu verharren bzw letztendlich auch kirchlicherseits festgehalten zu werden.
Immer wieder wird daher der Vorwurf des magischen Denkens gegenüber all dem formuliert.

Bei Interesse: ich habe gerade eine Studie von dem evangelischen Theologen Marco Frenschkowski dazu gelesen: "Magie im antiken Christentum". Sie legt den Begriff der Magie sehr differenziert auseinander.
Das Phänomen der Reliquienverehrung, das auch andere Religionen sehr gut kennen und teilweise genauso extrem praktizieren ,wird darin erwähnt. Es hat zweifellos einen magischen Charakter, und die Behauptungen der zeitgenössischen jüdischen Gelehrten gegen Jesus, er sei teuflisch inspiriert, die in mehreren Evangelien berichtet werden, zeigen die große Unsicherheit auf im Umgang mit derlei Phänomenen, legen aber eine Abgrenzung magischer Handlungen von der Vollmacht Jesu in der Intention des Evangelientextes nahe.
Es ist eine schwierige Frage.

Maiordomus Hinweis darauf, dass Christus leiblich auferstanden ist, in einer durchaus materiell beschriebenen Erscheinung (er hat Hunger und isst, Thomas kann seine Wundmale fühlen, er hat eine Stimme), aber so, dass er von allen, denen er erscheint erst gar nicht erkannt wird, ist wichtig: Das Materielle wird nicht verneint, aber so, wie wir es bisher kannten, wurde es verlassen wie ein Grab. Angesichts der neuen materiellen Realität des Auferweckten und Verwandelten ist alles, was wir bisher materiell kannten "leer".
In diesem Licht wiederum verlieren dann auch die Reliquien ihre Bedeutung, weil sie der "Leere" des Alten angehören. Es ist der Auferweckte, der uns erlöst, nicht der bloß Gemarterte.
Die fromme Fiktion, dass Gegenstände der "leeren" Physis "hinübergerettet" werden oder gar selbst retten können in den verwandelten künftigen Leib, ist theologisch letztendlich unhaltbar.

Maiordomus

10. März 2020 12:12

@zeitschnur. Hätte dem, was Sie da ausführen, iwenig hinzuzufügen oder gar zu widersprechen. Noch beeindruckend das Zitat "Christus holocaustum nostrum est et totum incensum cor nostrum est". Diesen "Holocaust" dürfen Sie heute jederzeit leugnen, weil er im Gegensatz zur Zeit Calvins (Hinrichtung Servetos 1583) nicht mehr zu den höchsten Werten als Bedingung der Möglichkeit zur Zugehörigkeit zur Zivilgesellschaft gezählt wird. Hätten Sie ihn zur Zeit von Miguel Serveto und Giordano Bruno (hingerichtet am 17. Februar 1600 in Rom) geleugnet, wäre es Ihnen zweifelsohne schlimmer ergangen als heute Horst Mahler.

Aus volkskundlicher Sicht würde ich den Reliquienkult als Bestandteil einer älteren Religionsdidaktik würdigen; was seine "Heilwirkung" betrifft, hatte Franz Anton Mesmer (1734 - 1815) dazu seine eigene, natürlich heterodoxe Theorie: den sogenannten Animalischen Magnetismus. gemäss seiner Wiener Doktorarbeit über die kosmischen Einflüsse auf unseren Körper. Als sogenannte Alternative Heilmethode wäre dies wohl nach Paracelsus einer der theoretisch möglichen fünf Heilungswege, aufgrund deren einer manchmal ganz überraschend wieder gesund werden kann. Der fünfte, nicht mit dem Magnetismus zu verwechseln, wäre: Heilen, wie Jesus geheilt hat: Nimm dein Bett und geh!

Imagine

10. März 2020 13:46

@pasquill 10. März 2020 09:33
„Diese Argumente gilt es meines Erachtens ernst zu nehmen, so wie ich es tue, obwohl ich mir erlaubt habe, ein Kind zur Welt zu bringen (und begeisterte Mutter bin).
Aber dass der Welt ein mit antinatalistischen Argumenten unterfüttertes Gebärmoratorium gut täte, steht für mich ausser Zweifel. Die hemmungslose Menschenproduktion weltweit ist das Kernproblem und die geheime - oder auch offensichtliche - Ursache vieler weiterer globaler Probleme, wie Umweltschädigung und Migrationsströme. Wir hier in Deutschland werden doch mit der irrsinnigen Migrationspolitik gezwungen, den noch irrsinnigeren Geburtenüberschuss vieler Länder Afrikas oder der islamistischen Internationale aufzunehmen, was in den entsprechenden Ländern zu überhaupt keiner Entlastung führt, weil der Menschenschwund durch Emigration binnen kürzester Zeit wieder durch Neugeborene aufgefüllt ist.
Ich halte es für eine absolute Notwendigkeit, jedwede Form von Entwicklungshilfe (sofern man sie überhaupt für nötig hält) zwingend an die Voraussetzung strikter Geburtenkontrolle binden, in den Dritt-Welt- oder Schwellenländern, die eine solche erhalten.“

Chapeau!

Eine sehr gute Argumentation.

Aber es geht nicht nur „Birth Control“, sondern auch um eine Bevölkerungspolitik, welche dafür sorgt, dass ein gesellschaftlicher Fortschritt möglich wird.
Dazu ist Voraussetzung, dass der hochintelligente und hochgebildete Teil der Bevölkerung Kinder bekommt.

Menschen brauchen Kontrolle und Führung. Dazu braucht es gemeinwohlorientierte und verantwortungsvolle Eliten, die zu vernünftigem Handeln in der Lage sind, Vernunft ist nicht nur „Verstand“, sondern Verstand verbunden mit menschenfreundlicher und gemeinnütziger Moral.

Um moralisch handeln zu können, braucht es Triebbeherrschung und Sublimierungsfähigkeit, denn man muss in der Lage sein, gegen die eigenen aktuellen Triebbedürfnisse im Sinnes des Gemeinwohl, des Rechts und der Moral zu handeln.

Das ist leichter gesagt, als getan. Es braucht dazu sowohl eine strenge Erziehung mit dem Ziel einer entsprechenden Überich-Entwicklung sowie Internalisierung von Disziplin wie auch Bildung im Sinne der Entwicklung eines möglichst hohen Denkvermögens, Wissens und Können.

Während die Alltagssprache und Basisrechenvorgänge spontan erworben werden können, ist dies beim wissenschaftlichen Denken und Können nicht der Fall, sondern bedarf besonderer Institutionen, deren Bildungsziele (Persönlichkeitsentwicklung, Studierfähigkeit) nur ein sehr geringer Prozentsatz der Bevölkerung erreicht.

Die Rede vom angeblich "gesunden Menschenverstand" ist aus wissenschaftlicher Sicht Nonsens. Denn das Alltagsbewusstsein wird meist von unbewussten und häufig irrationalen Motiven bestimmt.

Menschen, die befähigt sind, kompetent Führungs- und Leitungsaufgaben auf Basis eines fundierten wissenschaftlichen Wissens auszuführen, sind sehr rar, sie machen m.E. geschätzt bei Männern 1 Prozent und bei Frauen 1 Promille aus.

Die Elite der Elite („Crème de la Crème“), welche befähigt ist, einen Staat zu führen oder wissenschaftliche Top-Leistungen in Forschung und Entwicklung zu bringen, ist noch seltener.

Das System der formalen Demokratie bringt populistische, raffinierte und rücksichtslose Existenzen nach oben. Dass eine Führungspersönlichkeit wie Helmut Schmidt unter formaldemokratischen Bedingungen in einer Parteiendemokratie ganz nach oben kommt, ist eine historische Ausnahme.

Warum unterscheide ich bei der Führungskompetenz zwischen Männern und Frauen?

Frauen sind von Natur aus anders. Ihr Leben und Erleben ist von einem hormonellen Monatszyklus bestimmt. Nur sie können schwanger werden und ein Kind austragen. Und bei den Frauen ist der Vermehrungstrieb aka „Kinderwunsch“ viel stärker. Mutter zu werden, gehört zur Natur der Frau. Gewollte Kinderlosigkeit ist nicht die Regel, sondern die Ausnahme.

Die Sexualität von Frauen ist anders als bei Männern. Ob dies (nur) die Folge eines Gesellschaftssystems mit repressiver Sexualmoral ist, wie von einigen Sexualforschern behauptet wird, ist die Frage. Empirisch ist zu beobachten, dass sich das Sexualverhalten bei den meisten Frauen ändert, wenn sie Mutter geworden sind und wenn sie alternsbedingt infertil werden.

Zudem unterscheidet sich das Sexualverhalten von vielen Oberschichtsfrauen von jenem monogamen Normalverhalten der Frauen in proletarisch-kleinbürgerlichen Schichten.

Triebbeherrschung ist schwierig. Sie bedarf einer besonderen Erziehung und Bildung. Nur wenige Menschen sind in der Lage, ihren Nahrungstrieb willentlich zu steuern. Daher die vielen Adipösen, die es nicht schaffen, ihren Körper und Fresstrieb zu beherrschen. Nicht wenigen katholischen Priestern fällt es schwer, ihren Sexualtrieb – obwohl sie es wollen - unter Kontrolle zu halten und machen daher Kinder zu ihren Sexualobjekten.

Der Vermehrungstrieb treibt nicht wenige Frauen in irrationale Verhaltensweisen sowie zu gröblicher Missachtung des Kindeswohls und des Gemeinwohls. So wählen heutzutage gar nicht so selten Frauen bewusst eine Existenz als Alleinerziehende und lassen sich künstlich befruchten oder trennen sich, wenn sie schwanger geworden sind bzw. das Kind geboren haben.

In Schweden kann man per Internet männliches Sperma aus dem Katalog auswählen und sich ein Set zur künstlichen Selbstbefruchtung bestellen.

Kinderwunsch und Kinderliebe gehören keineswegs zwangsläufig zusammen und in vergangenen Zeiten waren Kinder offen ein sklavenähnliches Objekt der Ausbeutung durch ihre Eltern.

Zur Kinderliebe gehört der Wunsch der Eltern, dass es ihren Kindern besser gehen soll, als ihnen selbst. Und dafür sind sie bereit, Verzicht zu leisten. So war dies noch bei meinen Eltern und Großeltern noch der Fall.

Von dieser Kinderliebe scheint heute bei vielen kaum etwas übrig geblieben zu sein.

heinrichbrueck

10. März 2020 16:21

„Im Grunde wäre eine weltweite 1-Kind-Politik und damit ein milder Antinatalismus das Gebot der Stunde. Asiatische Tigerstaaten wie Südkorea zum Beispiel haben genau das gemacht zu Beginn ihres wirtschaftlichen Aufstiegs: ein-Kind-Politik wie die Chinesen, geboren (!) aus der Einsicht, dass vielzuviele Menschen, die das Land nicht ernähren und versorgen kann, das stärkste Entwicklungshemmnis sind.“

Praktizierter Völkermord.
China. Die Mehrheit der Han-Chinesen 1-Kind-Politik, ethnische Minderheiten 2-Kind-Politik.
Verkündete ein Bundeskanzler: Deutsche 1 Kind, Türken 2 Kinder; ein Argument der Stunde? In Deutschland mußte der Völkermord versteckt praktiziert werden, sozusagen über die Zuwanderungsschiene. Die Chinesen sind obrigkeitshöriger. Mit der Fachkräftenummer hätte man den Chinesen nicht kommen können, diese Beleidigung wäre verstanden worden.
Was Europäer, Weiße, vom Rest der Welt unterscheidet, ist mangelndes Verständnis im jeweiligen Verhalten. Der Europäer hat Mitgefühl mit den Kindern, die an irgendwelchen Grenzen herumgereicht werden, und unterstellt gleichzeitig diese Art zu denken, den Kindern und ihren Nachkommen. Schlagen sie den Europäer dann tot, ist sein objektives und philosophisches Denken immer noch nicht kuriert, seine Selbstaufopferung grenzenlos, der Zuständigkeitsbereich seiner Großzügigkeit im planetarischen Ausmaß unterwegs; die Vorstellungskraft seiner eigenen Welt, sein Ehrgefühl, im und durch das Fremde projizierte Realisation zukünftigen Träumen und Wunschvorstellungen. Aber nur der Europäer denkt so. Andere nutzen dieses Denken aus.

Maiordomus

10. März 2020 17:37

@Imagine. Gut, dass Sie das Wort "Kinderliebe" wieder aufgreifen, womit wir an die Basis des Artikels von Kositza zurückgekehrt sind. Es geht indes grundlegend um die Grundlagen einer Kultur, die sich selber noch als lebensbejahend sollte begreifen können. Goethe hat in seinen "Noten und Abhandlungen zum Westöstlichen Divan" das Lebensbejahende seinerseits zur Grundlage Epochen charakterisiert, die durch einen das "Fruchtbringende" und "Herzerhebende" fördernden "Glauben" geprägt seien, was bei Goethe, dem notorischen "Heiden", positive Wertungen sowohl des Islam als auch des Katholizismus ermöglicht hat; zu letzterem beachte man seine wunderschöne Erzählung "Das St. Rochusfest zu Bingen". Falls es einen wesentlichen Unterschied zwischen Katholizismus und Islam gibt, so Goethes Andeutungen in der Predigt eines Bischofs, so liegt derselbe in der "Gnadengabe" der Trinkfestigkeit, siehe die damaligen Produktionsverhältnisse in und um Bingen, wo 34 Jahre nach Goethes Tod Stefan George in eine Weinhändlerdynastie "fränkischer" Herkunft hineingeboren werden sollte.

Nemesis

10. März 2020 18:45

@Imagine
"Um moralisch handeln zu können, braucht es Triebbeherrschung und Sublimierungsfähigkeit, denn man muss in der Lage sein, gegen die eigenen aktuellen Triebbedürfnisse im Sinnes des Gemeinwohl, des Rechts und der Moral zu handeln...
Von dieser Kinderliebe scheint heute bei vielen kaum etwas übrig geblieben zu sein"

"Also,
wenn das große Dao verkommt,
gibt es die Menschlichkeit und Redlichkeit.
Wenn Wissen hervortritt und Schlauheit,
gibt es großen Betrug.
Sind die Beziehungen der Familie nicht im Einklang,
gibt es Kindesliebe und Sorgepflicht.
Wenn in Staat und Familie nur Unordnung herrscht,
gibt es treue Minister."

Laotse, TaoTeKing

"Moral ist die Tugend der Zuspätgekommenen."
(nach Hans-Georg Möller)

Imagine

10. März 2020 20:59

@Maiordomus 10. März 2020 12:12
„Aus volkskundlicher Sicht würde ich den Reliquienkult als Bestandteil einer älteren Religionsdidaktik würdigen; was seine "Heilwirkung" betrifft, hatte Franz Anton Mesmer (1734 - 1815) dazu seine eigene, natürlich heterodoxe Theorie: den sogenannten Animalischen Magnetismus. gemäss seiner Wiener Doktorarbeit über die kosmischen Einflüsse auf unseren Körper. Als sogenannte Alternative Heilmethode wäre dies wohl nach Paracelsus einer der theoretisch möglichen fünf Heilungswege, aufgrund deren einer manchmal ganz überraschend wieder gesund werden kann. Der fünfte, nicht mit dem Magnetismus zu verwechseln, wäre: Heilen, wie Jesus geheilt hat: Nimm dein Bett und geh!“

Messmer versuchte, mit seiner Theorie des „Animalischen Magnetismus“ Hypnosewirkungen zu erklären.
Medizinhistorisch gehört Messmer in die Ära der vorwissenschaftlichen Medizin.

Heute ist wissenschaftlich geklärt, worauf die Heilkraft der Hypnose basiert.

Aber dies ist noch nicht ins Allgemeinwissen der Bevölkerung - auch nicht jenes Teils mit Gymnasialbildung und akademischen Studium - übergegangen, genauso wenig wie die grundlegenden Erkenntnisse eines Feuerbachs über Religion, eines Marx über Ökonomie und eines Freuds über Tiefenpsychologie.

Auch ich habe während meiner Schulzeit davon nichts mitbekommen und im Medizinstudium keine grundlegenden Kenntnisse über Tiefenpsychologie, Neurosenentstehung sowie Psychosomatik erhalten. Allerdings sind mir – und dies gibt es heute auch nicht mehr – in meinem sozialwissenschaftlichen Doppelstudium wichtige Kenntnisse über Ökonomie, Psychoanalyse und Soziopsychogenese von qualifizierten akademischen Lehrern vermittelt worden.

Aber die kritische Sozialwissenschaft, kritische Psychologie und kritische Medizin existieren heute an den Hochschulen nicht mehr. Die akademischen Lehrer dieser Generation sind längst im Rentenalter oder verstorben.

Für die wissenschaftliche Entwicklung der Hypnosetheorie gibt es zwei wesentliche Schritte, nämlich die sog. Erste Schule von Nancy mit Hippolyte Bernheim (1840 – 1919) sowie Ambroise-Auguste Liébeault (1823–1904). Die grundlegende Erkenntnis war, dass die Hypnosewirkung auf Suggestion beruht.

Sigmund Freud besuchte 1889 Bernheim und wurde von ihm über Experimente und Erfahrungen mit dem „posthypnotischen Auftrag“ informiert. Das Phänomen der posthypnotischen Suggestion hatte einen entscheidenden Einfluss bei der Entwicklung von Freuds Theorie des Unbewussten und der Steuerung menschlichen Verhaltens durch unbewusste Motive.

Freud selbst behandelte längere Zeit mit der vom Wiener Arzt Josef Breuer (1842-1925) entwickelten Methode der Hypnokatharsis. Später entwickelte Freud dann die psychoanalytische Methode („talking cure“), behielt aber ein Teil des Settings („Couch-Methode“) bei.

Freud übersetze Bernheims Buch über „Die Suggestion und ihre Heilwirkung“.

Der nächste entscheidende Schritt in der Entwicklung der Hypnosetheorie erfolgte durch Emile Coué (1857-1928?), auch als Zweite Schule von Nancy bezeichnet. Coué erkannte, dass die entscheidende Wirkung der Hypnose auf Autosuggestion basiert.

Die „Heilwirkung“ von materiellen Gegenständen (Reliquien, „Wundermittel“, heilenden Steinen etc.) basiert aus wissenschaftlicher Perspektive im Wesentlichen auf Projektion, Suggestion und Autosuggestion.

In der Medizin ist dies als „Placeboeffekt“ bekannt.

Maiordomus

10. März 2020 23:53

@Imagine. Wunderbar, was Ihnen über Mesmer endlich aufgefallen ist. Vor allem seine "Vorwissenschaftlichkeit" ist mir im Vergleich zu Freud und Jung in den letzten 40 Jahren nicht aufgefallen, zumal wenn ich an Freuds Experimente mit seinen empfohlenen Nasenoperationen als chirurgische Behandlungen gegen den Onanismus denke. Man lernt nie aus. Jung schient mit Recht angemerkt zu haben: "Wissenschaftlich geprüft" sei die heutige Ausdrucksweise für das einstige "Roma locuta causa finita".

Monika

11. März 2020 10:03

Ich wollte zu diesem leidigen Thema nichts schreiben und die vielen spitzfindigen Kommentare lese ich kaum.
Nun doch
Jesus:
„Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich, weint über euch und eure Kinder! Denn es kommen Tage, da wird man sagen: Wohl den Frauen, die unfruchtbar sind, die nicht geboren und nicht gestillt haben.“ Lk 23,28
Es gibt keinen vernünftigen Grund Kinder zu bekommen. KEINEN
Mir fällt nur ein Lied von Wolf Biermann ein, sein „Willkommenslied an Marie“ ( eine seiner Töchter).
Darin heißt es:
„Wir müssen vor Hoffnung verrückt sein“.
Biermann hat so ca. 10 Kinder von verschiedenen Frauen und ist glücklich mit seiner Sippe. Sagte er irgendwo.
Ja, wir müssen vor Hoffnung verrückt sein!
Sind wir aber nicht. So hoffen wir auf kranke, minderjährige Waisenmädchen, die aus fernen Landen zu uns kommen, wie in das gelobte Land, das für uns kein gelobtes Land mehr ist.
Ja, wir sind ver-rückt, aber nicht vor Hoffnung.

Maiordomus

11. März 2020 10:34

@Imagine (Nachtrag). Dass man einander nicht missversteht. Würde jederzeit zu Ihnen in die Sprechstunde kommen, um meine Zuckerwerte und anderes wieder mal zu überprüfen.

Und was die Sache mit Sigmund Freud, Wilhelm Fliess und die Affäre Emma Eckstein betrifft, so bewegt sich diese, ausser dass sie klar schlimmer war, weil Emma Eckstein bei der "Sexualoperation" an der Nase zu verbluten drohte wissenschaftlich etwa im Bereich der umstrittenen Geschichte Mesmers betr. die Behandlung des Fräulein Paradis. Die Meinung, wir lebten heute in einem speziell wissenschaftlichen Zeitalter, wäre mehrfach in Frage zu stellen. Die Appelle der Schulstreikerin Greta an die Wissenschaftlichkeit sind nun mal in Sachen Reflexionsgrad kaum im Promillebereich von Roger Bacon oder gar Johannes Kepler, repräsentieren aber den heutigen Stand des in der Öffentlichkeit vorherrschenden Verhältnisses Wissenschaft - Weltbild. Und mit wie vielen Meteorologen haben Sie sich schon über die Bedingungen der Theoriebildung unterhalten? Oder was man zum Teil von "Hirnforschern" über abstrusen Blödsinn betr. "Denken" erfährt! Zu schweigen von zureichenden Reflexionen über das Ich, einigen ist nicht mal die Basis der Fragestellung betr. "Das Ich und sein Gehirn" (Popper/Eccles) bekannt. In ihrem primitiven Weltbild fallen zumal Vermittler von oberflächlich Angelesenem über das Gehirn und "dessen Denken" sogar noch hinter Kant zurück. "Die Wissenschaft denkt nicht" (Heidegger) scheint mir als Schlagwort aktueller denn je. Immerhin scheint es in Deutschland derzeit 280 Professuren im Bereich "Gender" geben, von denen wiederum zahlreiche ihre Berufung dem politischen Postulat der "Frauenförderung" verdanken, was mit Behinderteninklusion zu verwechseln peinlich wäre und eigentlich den unbedingt nötigen Respekt vor der auch wissenschaftlichen Gleichberechtigung der Frau vermissen lässt.

Die Spitze meiner Bemerkungen betrifft die Unterscheidung von vorwissenschaftlichen und wissenschaftlichen Epochen und namentlich dem Verweis auf Wissenschaftsideologien. Dieselben hat es nun mal zu allen Zeiten gegeben, und es gibt sie auch heute. Auf dem Gebiet der Logik war das Mittelalter alles andere als vorwissenschaftlich, es gab Errungenschaften, etwa auf dem Gebiet der Supposition, hinter denen sogar Kant und andere zurückgeblieben sind. Sogar das galenische System der älteren Medizin hielt sich auch deswegen so lange, weil es wissenschaftstheoretisch durchaus gewissen Ansprüchen genügte, was auch für die ältere Astronomie gilt, beispielsweise die Planetenberechnung von Tycho Brahe, wiewohl das Tychonische Weltbild nur ein Übergang war, für Johannes Kepler, Tychos Assistent in Prag, aber durchaus nützlich. Kepler wiederum war wohl einer der grössten Wissenschaftler aller Zeiten, vor dessen wissenschaftlichem Niveau sich zum Beispiel der Wissenschaftliche Sozialismus, die Psychoanalyse, auch ein C.G. Jung mit seiner 1950 in einer Zeitschrift veröffentlichten Theorie von der Lichtnahrung und selbstredend jede Menge heutiger "Hirnforscher" oder "Klimaforscher" schlicht blamieren würden, zu schweigen von den Politologen, von denen sich allzuviele betreffend ihrer Wissenschaftlichkeit Illusionen zu machen scheinen. So hat Kepler die Astrologie, auf welche er nun mal einen wesentlichen Teil seines Broterwerbs angewiesen war, auf intelligente Weise zu einer auf praktischer Vernunft beruhenden Beratungswissenschaft umgebaut, wobei eine solche stets auf das Weltbild der zu Beratenden, zum Beispiel des Generals Wallenstein, ausgerichtet sein muss; so wie die therapeutischen Erfolge von klugen, persönlich nicht perversen Exorzisten gemäss einer medizinhistorischen Dissertation von Cécile Ernst sich im Frankreich des 17. Jahrhunderts durchaus sehen lassen konnten; wobei aber Kepler als Astrologe Wallensteins in Sachen Rationalität dann schon eine ganz andere Liga darstellte. So war er denn in der Lage, auf der Grundlage von Axiomen und Theoremen einer weiterentwickelten Astrologie, angewandt auf eine realistische Analyse der Gegenwart, seinem General Ratschläge zu geben, für welche, bezogen auf unsere Zeit, Merkel vielleicht heute noch dankbar sein dürfte, zumal deren von Politologen mitberatener Generalsekretär wohl unter 10% der Intelligenz Keplers auf die Waageschale bringen dürfte; wobei Wallenstein auf für ihn unangenehme Analysen so wenig vernünftig zu reagieren vermochte als man dies heutigen Politikern zutrauen dürfte. Es bleibt aber dabei, @imagine, dass natürlich Kepler wie später der genialische Franz Anton Mesmer das astrologische System als weltbildmässige Konsensbasis für Beratungen nutzte, so Einschätzungen, zum Beispiel die Zukunft betreffend, von den Planetenbahnen und ähnlichem mal abgesehen, stark weltbildabhängig sind. Eine in Betracht fallende Voraussetzung für die Qualifikation als Experte ist das gemeinsame Weltbild, siehe Hexenprozesse, deren Errungenschaften aus heutiger Sicht nicht zu unterschätzen sind; a) betonten dieselben die Verantwortung des Menschen für Wetter und Klima bis hin zur Strafbarkeit bei Vergehen b) war man sich einig, dass zum Beispiel betr. Wissen über Böse, Dämonologie, ein abgeschlossenes Studium mit Diplom unbedingt notwendig ist, was dem Fortschritt der Justiz durchaus dienlich war; vgl. heute die Funktion etwa von Rechtsextremismusexperten, deren Wissen im Einzelfall ähnlich wie dasjenige der Hexenrichter nicht zu unterschätzen ist, auch wenn ihnen manchmal Personenverwechslungen unterlaufen.

Natürlich gab und gibt es in jeder Epoche Personen, denen wissenschaftliches Denken zum Lebensinhalt geworden ist und je zu ihrer Zeit in ihrem Bereich das Maximum herausgeholt haben. Eindrücklich lässt sich dies im noch allgemeinverständlichen hervorragenden Aufsatz von Albert Einstein in der Frankfurter Zeitung vom 9. November 1930 über Johannes Kepler nachlesen:

Danach waren Johannes Keplers Beobachtungen des Mars-Transits durch die Sonne in Verbindung mit einem schlechthin genialen Einfall und entsprechenden Schlussfolgerungen eine - unter noch äusserst hilflosen technischen Bedingungen - einer "Höchstleistung" in der Geschichte der Wissenschaft überhaupt, "die Entdeckung der Erdbahn durch Mars": Wie es nämlich Kepler gelungen war, aus dem Mars eine Art "Laterne" innerhalb des Sonnensystems zu machen, den archimedischen Punkt, von dem aus er dann die Gesetze Planetenbahnen zu konstruieren vermochte. Dies sei nicht eine Rechenleistung gewesen, sondern dem "Genie" Keplers zu verdanken, obwohl allein schon seine Rechenoperationen der höchsten Bewunderung wert gewesen. Was aber Einstein zutiefst beeindruckte, sie der Umstand, dass aus den empirischen Daten die Lösung nicht unmittelbar, sondern erst in einem unermüdlichen Wechsel von Hypothesen und Überprüfungen entsprungen sei. Einstein wörtlich:

"Es scheint, dass die menschliche Vernunft die Formen erst selbständig konstruieren muss, ehe wir sie in den Dingen nachweisen können. Aus Keplers wunderbarem Lebenswerk erkennen wir besonders schön, dass aus blosser Empirie allein die Erkenntnis nicht erblühen kann, sondern aus dem Vergleich des Gedachten mit dem Beobachteten."

Dies ist nun mal eine Art von wissenschaftlichem Denken, welches zu allen Zeiten nur einer sehr kleinen Zahl von Akademikern (im älteren Wortsinn, ob mit oder ohne Diplom) vorbehalten blieb. Selbst noch bei der letztes Jahr mit dem Physiknobelpreis ausgezeichneten Entdeckung extrasolarer Planeten durch zwei Genfer Forscher des CERN kam es weniger auf Millionen- und Milliardeninvestitionen für Forschungen an als dass den beiden Wissenschaftlern bei ihren Forschungen auch noch was eingefallen ist.

@Imagine. Medizinhistorisch noch spannend scheint mir aus dem Bereich der "vorwissenschaftlichen" Medizin, dass gemäss der diesbezüglichen Erkenntnistheorie von Paracelsus der spätere "Kausalsatz" des mechanistischen Weltbildes noch nicht gilt. Für den Kausalsatz gilt (vereinfacht): Gleiche Wirkungen sind auf je gleiche Ursachen zurückzuführen, vgl. die etwas simplen Warnungen "Rauchen tötet" bei Zigarettenpackungen. Für Paracelsus, der sich übrigens auch schon wiederholt mit dem Krebs "Ursprung und Heilung" auseinandergesetzt hat, gilt jedoch, dass entsprechende Vergiftungen nur eine von fünf möglichen Ursachen sein können, die auch nur dann wirken, wenn das "ASTRUM", der Zeitfaktor, dies zulässt. Dasselbe hat jedoch selbstverständlich wiederum nichts zu tun mit herkömmlichen Auffassungen von Astrologie, die dann Kepler erst recht hinter sich gelassen hat.

Es gibt kein wissenschaftliches Zeitalter; sehr wohl aber Wissenschaftler in fast allen Zeitaltern. Wenn ich denke, mit welcher relativ unglaublichen Genauigkeit der Grieche Eratosthenes als Geometer und Geodät den Umfang der Erdkugel auch aufgrund der Winkelberechnungen von Sonnenstrahlen annähernd zu berechnen vermochte.

Maiordomus

11. März 2020 11:38

@Nemesis. Ihr Zitat von der "Moral als Tugend der Zuspätgekommenen" ist ein typisch auf den Augenblick und die Situation bezogener Aphorismus. Ein schlagfertiges Moment in einer Debatte, aber kein ernstliches Argument.

Der Unterschied zwischen Moral und Moralismus ist meines Erachtens nachweisbar grösser als der zwischen Islam und Islamismus. Ausserdem fällt noch auf, dass und wie man sich aus der Ablehnung des Moralismus bei der Linken höchst unklug in den gegenteiligen Irrtum treiben lässt. Dabei waren zum Beispiel weder Machiavelli noch Hobbes Immoralisten; für die Denker der britischen Rechten, ob Whigs oder Tories, war stets noch der common sense von Bedeutung, was wiederum was anderes ist als ein mehr oder weniger willkürliches Verständnis des gesunden Menschenverstandes, nämliche eine Mischung aus pragmatischer und traditionaler Legitimation, der Anwendung von Prinzipien keineswegs abgeneigt.

links ist wo der daumen rechts ist

11. März 2020 12:17

Radical Chic / „Hört ihr die Kinder weinen?“

Nach all den Abschweifungen noch kurz vor Schluß zwei Anmerkungen.

Natürlich erinnert eine attraktive, reproduktionsfähige, aber -unwillige Frau in Ihrem Trotz-Gestus an die Erscheinungsform des weiland „Radical Chic“ genannten Protest-Selbstverneinungsgestus.
Interessant nur, daß Wikiblödia dieses Begriff ins Deutsche mit „Toskana-Fraktion“ übersetzt…
Regalweise Forschungsliteratur könnte man dazu schreiben.

Stichwort „Kinderliebe“:

Naja, wir wissen spätestens seit Lloyd deMauses „Hört ihr die Kinder weinen?“, daß „Kinderliebe“ eine sehr späte geschichtliche Erscheinung ist; an den weniger kinderliebenden Vorformen knabbern wir ja noch intergenerationell bzw. wiederholen Kinder ihre diesbezüglichen Ängste in ihrem Aufwachsen, was z.B. auch die Vorliebe für an sich verstörende Kinderbuchklassiker erklärt (etwa John Burninghams „Was ist dir lieber…“; Theweleit hat darüber schön geschrieben).

Nicht unwesentlich, daß deMause im genannten Buch in der Einleitung gerade die verschwiegenen Kindheitserfahrungen der Deutschen betr. Krieg und Vertreibung erwähnt (der deMause-Übersetzer Theweleit hat zumindest DAS nicht gelesen…).

In einem weiteren Rahmen (und damit kommen wir zu einem genuin rechten „Framing“ zurück) hat dieses Dilemma Gabriele von Arnim in ihrem Buch „Das große Schweigen“ beschrieben, einem der Fragestellung nach eher klassisch linksliberalen Buch.
Sie entwirft ungefähr in der Mitte des Buches folgendes Szenario:
Eine Familie sieht Mitte der 80er im Fernsehen Lanzmanns „Shoah“; es folgen die erwartbaren Fragen bzw. Vorwürfe der Enkelkinder an die Großeltern. Tenor: wie konntet ihr so lange schweigen? Unerwartete Reaktion: wenn wir nicht geschwiegen hätten, wäre die Familie auseinandergebrochen.
Hintergrund: ein Elternteil der fragenden Kinder hatte ein Vertreibungsschicksal und wurde indirekt für den Tod eines Geschwisterchens verantwortlich gemacht. DAS war der eigentliche Grund des Schweigens und das Familientabu schlechthin.
Und Schicksale wie DIESE haben gerade auch viele Alt-68er verdrängt.

Weiteres kleines Seitenstück.

Ein Schweizer Analytiker hat die bildlichen Darstellungen der Muttergottes mit dem Christuskind untersucht; ich teile seine Folgerungen nicht in allem, aber frappierend ist tatsächlich, auf wie vielen Bildern die manchmal fast brutal wirkende Distanz zwischen Kind und Mutter überwiegt…
Tja, unser kinderliebendes christliches Abendland.

Deshalb: vergesst Frau Brunschweiger (der Name allein hat fast schon Märchen-Qualitäten!), und hört auf die weinenden Kinder in euren Familienbiographien.

Imagine

11. März 2020 12:32

Die Geschichte der Hypnosetherapie zeigt auf, welche wissenschaftlichen Revolutionen im Verständnis menschlichen Verhaltens und dessen Steuerung durch Information, Kommunikation und psychosozialem Framing stattgefunden haben.

Selbstverständlich werden diese Kenntnisse und Techniken zur Herrschaftsausübung und zur politischen und ökonomischen Manipulation des Massenverhaltens im Sinne eines „Brain-Engineering“ eingesetzt.

Und dies im Rahmen eines Systems, in dem die Ökonomie nicht nicht dem Zweck dient, die Menschen mit notwendigen Gütern und Dienstleistungen zu versorgen, sondern der arbeitende Mensch ein Mittel ist, aus Geld mehr Geld zu machen. Alles dreht sich um Plusmacherei und Profit ohne Rücksicht auf die Beschaffenheit der menschlichen Natur und ihrer Bedürfnisse.

So ist inzwischen der „Mütterentzug“ zum Zwecke des Einsatz dieser Mütter in der Profitmaschinerie zur Normalität geworden.

Ökonomisches System und menschliche Elementarbedürfnisse geraten immer mehr in Konflikt und Widerspruch. Genau dies wird ideologisch geleugnet und verdreht. Sei es durch die Medien mit ihren ideologischen Söldnern, sei es durch andere ideologische Dienstleistungsberufe, wie Erzieher, Lehrer, Psychotherapeuten, Wissenschaftler etc.

Die Folgen sind massenhafte Identitätsdiffusionen und –störungen. Die meisten Menschen sind nicht mehr in der Lage, ein logisch konsistentes, widerspruchsfreies Bewusstsein hervorzubringen, sondern entwickeln eine fragmentierte „Patchwork-Identität“ mit sowohl rationalen wie auch zugleich total irren Inhalten.

Das kann man überall beobachten. Nicht nur bei Frau Brunschweiger. Sondern in der gesamten Gesellschaft. In den Medien, in Parteien, in der Wissenschaft, bei Religiösen, bei politischen Aktivisten aller Richtungen, in Fan-Gruppen usw. usf.

Die Menschen bemerken nicht die Widersprüche in ihrem Bewusstsein. Zum einen, weil falsches Denken, Dummheit und Geistesverwirrtheit nicht weh tun, zum anderen weil diese Menschen verinselte und selbstreferentielle Milieus bilden, die den Diskurs mit widersprechenden Positionen meiden und immer nur nach Bestätigung der eigenen Meinungen und Vorurteile suchen.

Cugel

11. März 2020 21:40

@Imagine
"Dass unter diesen Umständen immer mehr Kinder psychosoziale und kognitive Defizite und Fehlentwicklungen aufweisen und das Volk weitgehend nur noch aus Psychopathen und kognitiv Defizitären besteht, ist logische Folge. „Aber die Wirtschaft braucht eben die Arbeitskraft der Mütter“ – wie es selbst auf Seiten der ehemals konservativen CDU/CSU heißt.
Über diesen Zusammenhang zwischen Berufstätigkeit der Mütter und den Folgen für die Kinder zu sprechen, ist heute ein Tabu, nicht nur „links“, sondern auch „rechts“."

Volle Zustimmung hinsichtlich der negativen Effekte. Ein Tabu ist das aber nur dort, wo man sich selbst fälschlich und teilweise in betrügerischer Absicht als links oder - und das sind im allgemeinen die Klügeren und/oder ehrlicheren - als liberal bezeichnet. Was echte Linke dazu sagen, wissen Sie selbst am besten.

"Wer sich ernsthalft mit Entwicklungspsychologie auseinandergesetzt hat, weiss, dass – salopp formuliert - dumme Eltern dumme Kinder produzieren. Denn Kinder lernen durch Imitation und Identifikation. Nur ist es ein Tabu, diesen Zusammenhang offen auszusprechen."
Der Juergen möge hier zu lesen aufhören: Sie bleiben wieder einmal bei der Viertelwahrheit. Klug- oder Dummheit spielen in diesem Zusammenhang eine untergeordnete Rolle. Auch Affen und selbst Nichtsäuger lernen durch Imitation. Volkmar Weiss hat den tatsächlichen Sachverhalt in "Die Intelligenz und ihre Feinde" zusammengefaßt, als Ergebnis seiner in den 1970ern im Auftrag der SED durchgeführten Forschung zur Vererbung der Intelligenz. Er durfte danach auf diesem Gebiet nicht weiterforschen.

"Ein vernünftiges System der Bezahlung der Reproduktionsarbeit wird analog der Lohnspreizung in der Gesellschaft differenzieren müssen. So kann es durchaus sein, dass die Reproduktionsarbeit von hochgebildeten und hochqualifizierten Eltern um den Faktor 10 höher bezahlt wird."

Ist das der Weg zur klassenlosen Gesellschaft?

Es gibt im übrigen keine "Reproduktionsarbeit".
Diese materialistische Sicht, die Verdinglichung des Menschen und seiner Bezüge ist die Wurzel des modernen Desasters.
Abstraktion ist notwendig, aber unzulässig, wenn sie wesentliche Eigenschaften und Beziehungen des zu analysierenden Systems vernachlässigt oder ignoriert. Rechts weiß man das. Sie schreiben im übrigen viel Richtiges. Schade, daß Sie in ihrem ideologischen Gefängnis verharren.

Zur Freiheit: Diese besteht wesentlich in der Freiheit vom Bedürfnis und vom Begehren. Sie besteht nicht in der Freiheit von der Lohnarbeit. Der verfemte Spruch ist wahr, und Marx hat die Dinge unzulässig vereinfacht. Er hat, da der Hammer sein einziges Werkzeug war, überall Nägel gesehen.

Nemesis

12. März 2020 00:36

@Maiordomus
Zudem sollte hierbei nicht außer Acht gelassen werden - und wie von @Imagine oben vollkomen zu Recht angemerkt -, daß "das Phänomen der posthypnotischen Suggestion einen entscheidenden Einfluss bei der Entwicklung von Freuds Theorie des Unbewussten und der Steuerung menschlichen Verhaltens durch unbewusste Motive hatte".
Nachdem ich nun von Ihnen erfahren konnte, daß Freud zudem eine Theorie der Nasenoperation als chirurgische Behandlung gegen den Onanismus entwickelt hat, könnte die Vermutung nahe liegen, daß auch bei der Entwicklung dieser Theorie eine posthypnotische Suggestion einen entscheidenden Einfluss gespielt haben könnte.
Jedenfalls ist dies - aus meiner Sicht - nicht gänzlich auszuschließen.

Maiordomus

12. März 2020 09:12

@Nemesis. Glaube feststellen zu dürfen, dass die Debatten weniger auf gegenseitige Polemik ausgerichtet sind wie auch schon und unbeschadet von Differenzen vieles gesagt wird, was zu einer Auslegeordnung unseres Verständnisses der Gegenwart beiträgt. So verstand ich auch Ihre spitze Bemerkung über den Moralismus. Schon dass Sie diese in Form eines Zitates präsentierten, deutet an, dass es nicht unbedingt das Endresultat Ihres persönlichen Denkens sein müsste.

Was Debatten über Freud u. Co. betrifft: Medizinhistorisch gesehen war Freud der wohl beste und weltweit einflussreichste, auch brillanteste Schriftsteller wohl der letzten 200 Jahre mit enormer Auswirkung auf das Denken, sogar und nicht zuletzt auch kritisches Denken. Letzteres gilt analog für Friedrich Nietzsche. Aber beide, Nietzsche und Freud, sollten als Wissenschaftler nicht überschätzt werden. Auf diesem Gebiet waren sie eher das Niveau von Goethe als etwa das von Newton, Kepler oder Einstein, welche ich übrigens nicht zu reinen Szientisten reduziere; sie vermochten im Gegensatz etwa zu Vulgärpositivisten in verschiedenen Systemen zu denken; zu schweigen davon, dass es etwa Kepler nicht um Weltraumfahrt usw. ging, sondern zuerst und zuletzt um das Staunen über die Wunder der Schöpfung, die er durchaus über die Geheimnisse der Mathematik zu erschliessen versuchte. "Hier trete keiner ein, der nichts von Geometrie versteht", soll bekanntlich am Eingangstor der Platonischen Akademie gestanden haben. Was aber nicht bedeutete, dass man "nur von Geometrie" etwas zu verstehen hatte. Es gab, um noch einmal auf Kepler zurückzukommen, durchaus den "Geist des Feinsinns" bei ihm, wie das Blaise Pascal in einer wichtigen erkenntnistheoretischen Unterscheidung auf den Punkt gebracht hat: Der Wissenschaftler verdient dann den Namen eines Philosophen, wenn er sowohl im Geist des Feinsinns, Esprit de finesse, wie auch im Geist der Geometrie hohen bis höchsten Ansprüchen genügt. In diesem Sinn war vermutlich auch Johann Sebastian Bach ein Philosoph, genau so wie Albert Schweitzer, dem wir eine der nach wie vor besten Bach-Biographien verdanken. Zu den bemerkenswertesten Aussagen von Karl Popper (jedoch nur im mündlichen Gespräch so vernommen) gehört: Wir sollten uns - auch aus Respekt vor Johann Sebastian Bach - nicht zu viel auf einen eigentlich objektiv nicht nachweisbaren "kulturellen Fortschritt" einbilden. Da wir nun aber von der Hauptbasis ausgehen, vgl. @Monika, vgl. @Wolf Biermann @vgl. die Dame Weltretterin, deren Namen man sich definitiv nicht merken sollte: das Kinderkriegen, so sei in diesem Zusammenhang an die Familien Bach und Bernoulli erinnert, wobei ganz gewiss die Frauen dieser Familien noch stärker zu würdigen wären. Eines ist aber sicher: wissenschaftliche, kulturelle und auch arbeitsfleissmässige absolute Höchstleistungen liessen sich sogar mit einem Familienleben mit vielen Kindern verbinden! Wozu jedoch, das muss auch ehrlich gesagt werden, in diesen Fällen über den Frauenanteil hinaus auch noch Hausangestellte gehörten. Letztlich halt doch eine arbeitsteilige Gesellschaft, die gemäss Karl Marx und Friedrich Engels teilweise auf "Ausbeutung" beruhte; eine Analyse freilich, die in jedem einzelnen Fall des "Ausgebeuteten" jedoch individuell analysiert werden müsste und nicht so leicht in eine Carl-Schmittsche Theorie von Freund und Feind, den Guten und den Bösen, auseinanderdividiert werden kann.

@Imagine. Was Sie über die Hypnosetherapie ausführen und ihre Folgen, scheint mir in der Tat sehr hintergründig. Popper ging noch weiter: Er war, gemäss seinen Ausführungen an einer Tagung in Zürich 1986, zutiefst der im Einzelfall jeweils begründeten Auffassung, dass Ideologien und Weltbilder wesentlich auf Suggestionen beruhen!

PS. Aus Sicht der Wissenschaftsgeschichte bin ich mir nicht sicher, zumindest für Deutschland, dass, trotz gewaltiger Zunahme der Bildungschancen, ich betone "Chancen", es nicht erwiesen ist, dass "wissenschaftlich" denken heute bei wesentlich mehr Menschen zur Anwendung kommt als noch vor 100 Jahren. Wobei jedoch ganz klar die Lage der Frauen sich verbessert hat. So wie jedoch etwa der Marxismus nicht im Ernst als eine wissenschaftliche Weltanschauung angesehen werden kann, gilt diese Einschränkung natürlich auch für den Feminismus, der allerdings wie zum Beispiel die Anthroposophie von Rudolf Steiner oder der Animalische Magnetismus von Franz Anton Mesmer oder die Psychoanalyse natürlich wissenschaftsfähige Elemente enthalten kann. Dei 280 Genderlehrstühle bilden klar den Bestandteil einer aktuellen Theologischen Fakultät, was durchaus mit einem gewissen Respekt gesagt werden darf. Zu bedenken bleibt jedoch der für mich noch nicht völlig widerlegte Satz von Karl Popper: "Die Theologie ist ein Fehler."

PS. Zu Freud: Ob er den Medizinnobelpreis verdient hätte, wage ich zu bezweifeln, nur schon beim Gedanken an die Affäre Emma Eckstein; dass er aber zu einem der besten Literaturnobelpreisträger geworden wäre, liegt für mich auf der Hand. Hochverdient war der Goethepreis für Sigmund Freud in der grandiosen Eröffnungs-Trias Stefan George - Sigmund Freud - Leopold Ziegler!

Götz Kubitschek

12. März 2020 09:22

badeschluß.

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