1. Oktober 2018

Die Europäer und die anderen

Gastbeitrag

von Andreas Vonderach

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  • Sezession

PDF der Druckfassung aus Sezession 86/Oktober 2018

Unter europäischer Kultur versteht man im allgemeinen die abendländische Kultur. Sie entstand im frühen Mittelalter aus der Synthese von Elementen der antiken Mittelmeerkultur, des Christentums und der Kultur der nordalpinen (germanischen und keltischen) Völker. Im Mittelalter dehnte sie sich auf die nordgermanischen und westslawischen Völker aus und eroberte das nach dem Ende der Völkerwanderung zeitweise zu großen Teilen an den Islam verlorene Spanien zurück. Der Osten und Südosten Europas gehören nicht zur westlichen, sondern zur christlich-orthodoxen Kultur, die Rußland und die Balkanstaaten einschließlich Griechenland umfaßt. Beiden Kulturen sind die Wurzeln in der Antike, das Christentum und die Zugehörigkeit zur indogermanischen Sprachfamilie gemeinsam.

Was die abendländische Kultur von allen anderen Hochkulturen unterscheidet, ist der Prozeß der Säkularisation, in dessen Folge die kulturelle Moderne entstanden ist. Das religiöse Weltbild wurde von einer rationalen Weltsicht abgelöst, die die zunehmende Beherrschung der Natur ermöglichte. Beginnend mit der Renaissance in Italien, setzte sich der Rationalismus vor allem im 17. und 18. Jahrhundert zuerst in Nordwesteuropa durch. Verbunden damit war eine zunehmende Verrechtlichung und Pazifizierung der Gesellschaft. Sie wurde begünstigt durch die individualistische Tendenz des westlichen Christentums, durch die europäische Kleinfamilie, die die Reproduktion an die ökonomischen Ressourcen band und das individuelle Leistungsprinzip förderte, die geographisch bedingte Fragmentierung in viele Staaten und Nationen, was selbständige Entwicklungen und Konkurrenz förderte, und durch eine sich immer wieder ausbildende Tendenz zur politischen Selbständigkeit kleiner Gemeinden, aus der schon bei den Griechen wie auch im Mittelalter demokratische Ansätze erwuchsen. Anders als in anderen Kulturen gerieten die rationalen und wissenschaftlichen Ansätze, die es zum Beispiel auch in der Antike oder in China gab, in einen sich selbst verstärkenden Prozeß positiver Rückkopplung, der bis heute anhält. Die Europäer zeichnen sich auch heute durch ihren ausgeprägten Individualismus aus.

Alle nichtwestlichen Länder einschließlich Japan und andere asiatische Länder sind dagegen kollektivistisch. In individualistischen Gesellschaften wird zur Selbständigkeit erzogen, es gilt das Ideal der eigenen, unabhängigen Meinung. Die kulturellen Normen sollen nicht nur äußerlich anerkannt, sondern auch verinnerlicht werden (»Schuld-« versus »Scham-Kultur«). Weitere Besonderheiten sind die Wertschätzung der individuellen Freiheit, die sich seit der Zeit der Griechen und Germanen bis in die neuere europäische Geschichte zieht, die Tendenz zum Realismus statt Mystizismus, und die geachtete Stellung der Frau, die ein germanisches Erbe ist.

Anthropologisch gehören die Europäer zu den Europiden. Das heißt, sie gehören zu einer der drei Großrassen oder Rassenkreise des Menschen. Die Europiden sind vor allem durch eine charakteristische, reliefreiche Physiognomie mit im Verhältnis zum Hirnschädel kleinem Gesicht, tiefliegenden Augen, vorspringender schmaler Nase, kleinen Wangenknochen und tiefen Wangengruben charakterisiert. Haar, Augen- und Hautfarben sind tendenziell heller. Zu den Europiden gehören auch die Bewohner Nordafrikas und des Nahen und Mittleren Ostens.

Diese Gliederung, die auf den sichtbaren morphologischen Merkmalen beruht, wird durch moderne, genomweite DNS-Untersuchungen bestätigt. Dabei weisen die
Bevölkerungen Indiens und des Nahen Ostens (einschließlich Nordafrikas) einen größeren Abstand zu den übrigen Europäern auf.
Gemessen mit dem Fixations-Index von Sewall Wright (FST) sind die Populationsunterschiede recht gering, wenn man sie mit der Variabilität der Individuen innerhalb der Populationen vergleicht. Sie tragen nur zu etwa zehn bis 15 Prozent zur Gesamtvariabilität bei, während etwa 85 Prozent der Variabilität auf den Unterschieden innerhalb der Populationen beruhen. Dieser Wert von zehn bis 15 Prozent ist bemerkenswert gleichbleibend, egal ob man Blutgruppen, verschiedene Arten von DNS-Polymorphismen oder Schädelmaße betrachtet.

Für einige politisch korrekte Genetiker und Anthropologen ist das der Grund, zu bestreiten, daß es überhaupt Rassen beim Menschen gibt. Tatsächlich entspricht der Grad der Rassendifferenzierung damit dem bei Säugetieren zwischen Subspezies (Rassen) üblichen Niveau, das zwischen fünf und 20 Prozent liegt. Es gibt also keinen Grund, beim Menschen nicht von Rassen zu sprechen. Bei statistischen Untersuchungen mittels Diskriminanzanalyse, egal ob mit morphologischen oder genetischen Merkmalen, kann man die Menschen zu nahezu 100 Prozent ihren jeweiligen Herkunftsgruppen (Rassen) und teilweise auch ihren Völkern oder ethnischen Gruppen richtig zuordnen.

Diese Unterschiede sind nicht nur äußerlicher Art. Es gibt Unterschiede in der Anatomie des Skeletts und entsprechend von Gang und Bewegung, der Lage und Größe innerer Organe, des Verlaufs kleinerer Muskeln, Gefäße und Nerven, bei physiologischen Parametern wie Hormonen, Grundumsatz und Wärmeregulation, ja selbst in der Furchung der Großhirnrinde. Selbst die Chromosomen zeigen unter dem Mikroskop erkennbare Unterschiede in ihrer Bandenstruktur und Gestalt.

Auch psychologische Temperamentsunterschiede sind durch die Untersuchungen von Daniel G. Freedman (1927–2008) an Neugeborenen verschiedener Rassen nachgewiesen. Schon aus theoretischen Gründen sind solche sehr wahrscheinlich. Es ist bekannt, daß psychische Merkmale einschließlich des IQ in beträchtlichem Maß durch genetische Einflüsse bedingt sind. Wenn aber auch psychische Strukturen eine genetische Basis haben, unterliegen sie ebenso den populationsgenetischen Gesetzen wie andere Merkmale und sind der Wirkung von Selektion und Gendrift (zufälligen Schwankungen der Genfrequenzen) ausgesetzt.

Die Neugeborenen chinesischer Herkunft erwiesen sich als passiver und weniger leicht erregbar als diejenigen europäischer Herkunft. Die europiden Säuglinge unterlagen in ihren Stimmungen größeren Schwankungen und reagierten stärker auf Störungen ihres Wohlbefindens oder auf akustische oder optische Reize. Negride Säuglinge waren ähnlich reizbar wie die europiden, zeigten aber vor allem stärker entwickelte motorische Fähigkeiten, viele von ihnen konnten schon bei der Geburt den Kopf hochhalten. Die Ergebnisse Freedmans wurden durch spätere Untersuchungen auf weitere ethnische Gruppen ausgeweitet. Säuglinge australischer Ureinwohner haben ein ganz eigenständiges Merkmalsprofil, zu dem ebenso große motorische Fähigkeiten gehören wie bei den Negriden, aber auch
eine ähnliche Passivität wie bei den siniden Mongoliden.

Japanische Neugeborene und die nordamerikanischen Navajo-Indianern zeigen ein ähnliches Verhalten wie die chinesischen Säuglinge, letztere (logisch wäre:
ERSTERE) übertreffen diese sogar in ihrem stoischen Temperament. Obwohl alle Rassen einer einzigen Art des Homo sapiens angehören, haben sie sich nicht alle in gleichem Maße vom archaischen Homo sapiens der Altsteinzeit entfernt. Menschheitsgeschichtlich alte, archemorphe Merkmale (früher nannte man sie primitive Merkmale) wie allgemeine Knochengrobheit, ein großer Gesichts- und im Verhältnis dazu kleiner Hirnschädel, eine niedrige, fliehende Stirn, betonte Überaugenwülste, massige Wangenknochen, Prognathie des Untergesichts oder große Zähne finden sich in unterschiedlicher Häufigkeit auch noch in heutigen
Populationen.
Archemorphe Merkmale haben sich vor allem in Randlagen und Rückzugsgebieten erhalten, wie zum Beispiel bei den Australiden, die die archemorphste rezente Gruppe darstellen.

Allen diesen Gruppen ist gemeinsam, daß sie auf sehr alten kulturellen Entwicklungsstufen verharrten, und schon vor Ausbreitung der Europäer von ihren kulturell und biologisch progressiveren Nachbarn in unwirtliche Weltregionen abgedrängt worden sind. Die Australier, die Feuerlandindianer, die Wedda auf Ceylon, die Negritos auf den Andamanen und die afrikanischen Buschmänner lebten als nicht seßhafte Jäger und Sammler noch bis vor kurzem in der Altsteinzeit.

Es ist offensichtlich, daß eine enge Korrelation zwischen der biologischen Dimension Archemorphie-Neomorphie und der kulturellen Entwicklungsstufe besteht, die die Völker der verschiedenen Weltregionen vor der Ausbreitung der Europäer erreicht haben. Die progressivsten Formen finden sich dort, wo die Menschen schon früh eine agrarische Lebensweise angenommen und auf dieser Grundlage autochthone Hochkulturen entwickelt haben. Auch zeitlich läßt sich anhand von Skelettfunden nachvollziehen, wie sich die Menschen in den Hochkulturregionen schon vor Jahrtausenden veränderten, während sie in jenen Weltregionen, wo
sie bei ihrer alten Lebensweise blieben, weitgehend unverändert blieben.Vor diesem Hintergrund erscheint die Diskussion über psychische
Rassenunterschiede, insbesondere über die Unterschiede beim Intelligenz-Quotienten (IQ), in einem anderen Licht.

Die Weltverteilung des IQ zeigt bekanntlich erhebliche Unterschiede. Der durchschnittliche IQ der autochthonen Bevölkerung beträgt in Ostasien 105, in Europa 100, in Südostasien 90, in Nordafrika, dem Mittleren Osten, Indien und Amerika 85, in Schwarzafrika 75 und ist am niedrigsten bei Australiern (62) und
afrikanischen Buschmänner (56). Daran, daß hier kulturelle und soziale Faktoren eine Rolle spielen, kann kein Zweifel bestehen.

Der britische Psychologe Richard Lynn sieht in den Anforderungen, die das Eiszeitklima stellte, die Ursache für die höhere Intelligenz der Siniden und der europäischen Europiden. Das Leben in den nördlichen Breitengraden unterlag einem größeren Selektionsdruck als in den tropischen oder subtropischen Regionen. Während in den warmen Regionen Afrikas und Südasiens die Menschen mehr Sammler als Jäger waren, standen sie in den nördlichen Regionen vor den kognitiven Problemen, die die Jagd auf große Säugetiere im offenen Grasland stellte. Ebenso waren hier die Erfordernisse und Schwierigkeiten bei der Herstellung von Behausung und Kleidung und der Entfachung und Hütung des Feuers größere.

Archäologen haben gezeigt, daß Jäger und Sammler in tropischen und subtropischen Regionen mit nur etwa zehn bis 20 Werkzeugen auskamen, während die in nördlichen Region zwischen 25 und 60 benötigten. Im Norden waren schon die Jäger und Sammler darauf angewiesen, Lebensmittel zu bevorraten, um den Winter zu überleben. Alle diese Anforderungen erzeugten einen verstärkten Selektionsdruck in Richtung auf kognitive Fähigkeiten.

In der Folge werden die erst einmal erreichten kulturellen Fortschritte selbst die Evolution kognitiver Fähigkeiten begünstigt haben. Sie ermöglichten, daß der ständige Selektionsdruck in Richtung Robustizität abnahm und sich grazilere Typen durchsetzten. Das häufige Vorkommen kleinerer körperlicher Defekte wie Kurzsichtigkeit, Farbsehstörungen und Deformationen der Nasenscheidewand, sowie der Verlust zahlreicher Riechgene in der europäischen und ostasiatischen Bevölkerung bezeugen das Nachlassen des Selektionsdruckes, den der Zwang zum Überleben unter naturnahen Bedingungen ausgeübt hatte.

Der Fortpflanzungserfolg belohnte zunehmend ein Sozialverhalten, das an eine komplexe Gesellschaft angepaßt war. Der Verlust motorischer Fähigkeiten bei Mongoliden und Europiden erscheint so als das Ergebnis des nachlassenden natürlichen Selektionsdrucks. Gleichzeitig liegt es nahe, die Friedfertigkeit und
geringe Provozierbarkeit sowie den hohen IQ der ostasiatischen Mongoliden als Anpassungen an das Leben in einer zivilisierten Großgesellschaft zu interpretieren.
Da in allen Kulturen bis auf die europäische seit dem 19. Jahrhundert der soziale Erfolg mit einem überdurchschnittlichen Fortpflanzungserfolg verbunden war, züchteten die Kulturen sich so selbst über viele Generationen auf die Eigenschaften hin, die in ihnen soziales Prestige und sozialen Aufstieg ermöglichten. In bäuerlichen Gesellschaften auf bäuerliche Tugenden wie Voraussicht und Geduld, in Händlergesellschaften auf kaufmännische und in Kriegergesellschaften auf kriegerische Tugenden hin.

Bislang wissen wir nicht, wie groß der genetische Beitrag zu den IQ-Unterschieden zwischen den Rassen ist. Es ist möglich, daß er nur eine geringe Rolle spielt. Erst die Aufklärung über die molekulargenetischen Grundlagen der Intelligenz wird uns Klarheit verschaffen.
Genetische Untersuchungen von Henry Harpending, Gregory Cochran, John Hawks, Eric T.Wang, Jonathan Pritchard und Joshua M. Akey haben im menschlichen Genom Hinweise darauf gefunden, daß sich die Evolution des Menschen durch Selektion in den letzten 40000 Jahren und besonders seit der letzten Eiszeit vor etwa 10000 Jahren erheblich verstärkt hat. Es gibt Hinweise darauf, daß die Veränderungen bei Europäern und Ostasiaten stärker waren als bei Afrikanern. Dabei betrifft nur ein Fünftel der neu evoluierten Gene alle Menschen, während bis zu vier Fünftel rassenspezifisch sind. Ein großer Anteil der durch Selektion veränderten Gene betrifft das Gehirn und das Nervensystem. So zum Beispiel das Mikrocephalin-Gen und das ASPM-Gen, die beide die Gehirnentwicklung
steuern. Beide zeigen eine deutliche geographische Korrelation zur Gehirngröße und dem IQ.

Den IQ- und Temperamentsunterschieden entsprechen die Erfahrungen, die man mit den unterschiedlichen Rassen in multikulturellen Gesellschaften und Einwanderungsländern gemacht hat. Die intelligenten Ostasiaten, selbst wenn sie als ausgebeutete Arbeiter wie für den Eisenbahnbau in den USA ins Land kamen, stiegen überall, wie die Beispiele in Amerika, Europa, Indochina oder Indonesien zeigen, rasch in den Mittelstand und die wirtschaftliche Elite auf, während die Schwarzafrikaner überall auch noch nach Jahrhunderten in vergleichsweise niedriger Stellung verharrten und nur sehr wenigen von ihnen der soziale Aufstieg gelang. Als noch schwieriger erwies sich die Integration der australischen Aborigines in die moderne Gesellschaft, von denen die meisten am unteren Rand der Gesellschaft verblieben; 90 Prozent von ihnen leben von der Sozialhilfe.

Durch ihre Aggressivität, auch in sexueller Hinsicht, zeichnen sich in Einwanderungsgesellschaften immer wieder die Araber aus. Bei eher ruhigem Grundtemperament sind unter ihnen nach psychologischen Untersuchungen Choleriker zwei- bis dreimal so häufig wie bei Europäern. Daß die schlechte Integrierbarkeit der Araber nicht nur am Islam liegt, zeigt die Tatsache, daß schon antike Autoren wie Pompeius Trogus (1. Jh. v.Chr.), Claudius Ptolemäus (2. Jh. n.Chr.) und Ammianus Marcellinus (4. Jh. n.Chr.) aus Nordafrika und dem Nahen Osten von der Aggressivität der Bewohner, von dem starken Sexualtrieb der Männer und der Verschleierung und Wegsperrung der Frauen berichten, lange vor dem Islam.

Mit 15,6 Prozent weisen die Araber den weltweit höchsten Wert des mit impulsiver Aggressivität verbundenen MAOA-2R-Allels auf. Die hier aufgeführten Befunde verweisen darauf, daß für die Frage der Integrationsfähigkeit in moderne Gesellschaften neben den unbestreitbaren kulturellen Faktoren (deren Beharrungskraft man auch nicht unterschätzen sollte) auch genetische Einflüsse eine Rolle spielen können. So wie es aussieht, holen wir uns in Europa mit einer Dritten-Welt-Bevölkerung auch Dritte-Welt-Verhältnisse ins Haus. Es hilft nicht, das Thema zu tabuisieren, und es stellt sich die Frage, wie eine aufgeklärte Gesellschaft damit umgehen soll.


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