4. März 2020

Coronavirus (2) – der Schwarze Schwan?

Gastbeitrag / 45 Kommentare

von Eva-Maria Michels -- Ist der Coronavirus der Schwarze Schwan der aus dem ausgehenden 20. Jahrhundert geerbten Weltordnung?

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Ist er das Requiem für den US-basierten Finanzkapitalismus, für Globalisierung und billigen Konsum um jeden Preis, für gesellschaftlichen Liberalismus?

Während sich die planwirtschaftliche Wirtschaftsordnung und die sozialistische Gesellschaftsordnung spätestens mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion selbst diskreditierten, schien der progressive Liberalismus bis zum Ausbruch des Coronavirus vor 6 Wochen als historischer Sieger in die Annalen einzugehen. Seine Leuchtkraft läßt zwar gerade in den alten, westlichen Konsumgesellschaften schon seit einigen Jahren stark nach, doch schien er bisher für die wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich führenden Schichten alternativlos zu sein.

Kritik an der schönen, neuen Welt des Billigkonsums für die Massen als Gesellschaftskitt taten sie wahlweise als "rückständig", als "reaktionär", sogar als "rechts" und zuglech als "sozialistisch" ab, oder aber sie echauffierten sich über die Immoralität des kleinen Mannes, der bei einem Monatsgehalt von 1500 € lieber bei kik ein in Bangladesh gefertigtes T-Shirt für 5€ kauft als ein aus fairem Handel stammendes oder in Italien produziertes für 150€.

Beide Sichtweisen beweisen jedenfalls, daß die Globalisten den Kern der Globalisierungsproblematik ignorieren und die Probleme, die sich durch die offene Konkurrenz von Billig- und Hochlohnstaaten ergeben, nicht verstehen.

Die Ankunft des Coronavirus in Europa war kein Schicksalsschlag, dem die Europäer nichts hätten entgegensetzen können, sondern sie ist die Folge der globalistischen Ideologie, die darin besteht, systematisch sich dem Entferntesten näher zu fühlen als dem Nächsten und das Subsidaritätsprinzip, das sowohl langfristig wirtschaftlich am effizientesten als auch moralisch am gesündesten ist, mit Füssen zu treten.

In einer natürlichen, traditionellen Ordnung, die auf dem Subsidaritätsprinzip beruht, treiben Staaten zwar durchaus Handel miteinander, und Unternehmen können auch im Ausland Produktionsstätten bauen; doch die Staaten sorgen dafür, daß Faktoren wie Transportkosten, Lohnunterschiede, Arbeitsschutzkosten undsoweiter bei den Verkaufspreisen der Importe berücksichtigt werden. Aus ökonomischen Gründen würden kurze Handelswege deshalb automatisch bevorzugt. Dadurch blieben bestehende Industrien erhalten, Staaten blieben in den lebenswichtigen Bereichen relativ autark, Massenarbeitslosigkeit würde verhindert und Markteingriffe durch den Wohlfahrtsstaat wären nicht nur vermeidbar, sondern würden mit großer Wahrscheinlichkeit verhindert.

Staaten der Dritten Welt könnten durchaus am internationalen Handel teilnehmen, würden sich aber vor allem am Bedarf des lokalen Binnenmarktes und am Austausch mit Ländern der Region orientieren. Damit käme das Wirtschaftswachstum weiten Schichten im Lande zu Gute und nicht hauptsächlich nur der urbanen Oberschicht und den Multinationalen. Vor allem aber würden eine am Subsidaritätsprinzip orientierte Politik und Marktwirtschaft sämtliche internationalen Organisationen sowie Klimarettungs- und Freihandelsinitiativen überflüssig und illegitim machen, denn unsinnig lange Lieferwege, und damit ein Teil der Umweltverschmutzung, fielen weg, und Staaten könnten ihre bilateralen (Handels)beziehungen frei und an Eigeninteressen orientiert aushandeln.

Doch in der modernen liberalen Weltordnung des Globalismus sieht es ganz anders aus: Die westlichen Unternehmen schlossen in der Heimat einen Standort nach dem anderen und entließen die europäischen Arbeiter in die Arbeitslosigkeit, während sie mit Hilfe weitestgehend rechtloser chinesischer Arbeiter in China (und auch in anderen asiatischen Staaten) billig für den Konsum der europäischen Bevölkerung produzieren.

Möglich wurde diese Entwicklung nur durch das Agieren einer globalistisch orientierten Elite, die aus ideologischer Verblendung und infolge von wirtschaftlichen Eigeninteressen eine Wirtschaftspolitik verfolgt, die die finanziellen Gewinne multinationaler Unternehmen dem Allgemeinwohl ihres jeweiligen Staates überordnet und damit zu einer Situation führt, in der Gleiches mit Ungleichem verglichen wird: Hochentwickelte Hochlohnstaaten müssen mit unterentwickelten Niedriglohnstaaten konkurrieren und ziehen dabei natürlich finanziell den Kürzeren.

Damit dieses offensichtliche Ungleichgewicht nicht auffällt und damit auch die arbeitslos gewordenen Europäer Anteil am billigen Konsum haben, der den multinationalen Firmen, den Aktionären und häufig auch den in Aufsichtsratsmitglieder verwandelten Politrentnern Gewinne beschert, schaffte die Politik den Wohlfahrtsstaat in Europa, der mit seinen massiven Umverteilungsmechanismen in den Wirtschaftskreislauf eingreift und den verbliebenen heimischen Wirtschaftsakteuren immer höhere finanzielle Lasten auferlegt.

Nicht nur die Wirtschaft ist also ganz auf Konsum ausgerichtet, sondern auch der liberale Staat. Er stellt die Interessen des kurzfristig Kapital verzehrenden Konsumenten über die des langfristig Wohlstand schaffenden Produzenten. Die europäischen Steuer- und Abgabenzahler müssen dieses System, das den Wohlstand sowohl von Individuen und als auch von Staaten zugunsten multinationaler Unternehmen umverteilt und langfristig vernichtet, direkt finanzieren.

Die Folge der konsumorientierten Wirtschaftspolitik ist, daß die westlichen Wohlfahrtsstaaten noch massiver verschuldet sind als die einzelnen Haushalte in den Ländern und daß die Substanz, von der die Konsumgesellschaften gegenwärtig noch zehren, wesentlich schneller dahinschmilzt als der Nordpol. Verschärft wird das Problem durch die Zentralbanken, die Unmengen von ungedecktem Geld in die Finanzmärkte pumpen und durch die dortigen finanzielle Gewinne, die von jeder realen Produktivitätssteigerung losgelöst sind, die Entkopplung der Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft zu Ungunsten von letzterer weiter vorantreiben.

Der Globalismus führt durch Lieferwege über große geographische Distanzen, die Zerstörung traditioneller Lebensformen, rücksichtslose Plünderung natürlicher Ressourcen und fehlenden Arbeits- und Umweltschutz in unterentwickelten Ländern zu Bürgerkriegen, schweren sozialen Verwerfungen sowie zu Umwelt- und Gesundheitsschäden insbesondere in den armen Regionen der Erde.

Um diese offensichtlichen Probleme zu "lösen", benötigen die Globalisten teure, hauptsächlich von den noch reichen Staaten finanzierte und gerne mit der Elite der armen Staaten besetzte Internationale Organisationen, die sich in der Realität als völlig unfähig erweisen, reale Probleme vernünftig, realitätsnah und im Interesse der betroffenen Regionen zu lösen.

Die Internationalen Organisationen sind technokratische Bürokratiemonster, die einerseits alle Staaten gleich behandeln trotz offensichtlicher kultureller, religiöser, wirtschaftlicher und politischer Unterschiede und somit das Kräfteverhältnis zwischen den Staaten manipulieren und die andererseits versuchen, die progressiv-globalistische Agenda für alle Mitglieder und entgegen deren kulturellen, religiösen, wirtschaftlichen und politischen Unterschieden verpflichtend durchzusetzen.

Beispielhaft dafür sind die Klimarettung und die Freihandelsabkommen. Bei der Klimarettung sollen die entwickelten Staaten mit hohen Umweltschutzauflagen dafür zahlen, dass Multinationale in der Dritten Welt Mensch und Umwelt zerstören dürfen. Beim Freihandel sieht es genauso aus: Die in der Dritten Welt billig produzierten Waren können die Märkte der entwickelten Staaten fluten, ohne daß diese eine Chance haben, ihre teureren Produkte außerhalb ihrer eigenen Märkte mit einer kaufkraftstarken Klientel abzusetzen. Globalismus ist damit eine Waffe zur wirtschaftlichen und damit politischen Zerstörung und Machtumverteilung weg von Europa hin zu Multinationalen und zur Dritten Welt.

Diese auf dem Kopf stehende Wirtschafts- und politische Ordnung könnte nun vom Coronavirus hinweggefegt werden. Auf den Finanzmärkten zwischen New York, London, Hongkong und Tokyo werden gegenwärtig täglich Billionen von ungedeckten, da aus dem Nichts gezauberten Geldern so schnell vernichtet wie sie geschaffen wurden.

Alleine zwischen dem 23. und 25. Februar wurden am technologielastigen S&P500 Index mehr als 1 700 Billionen US$ vernichtet. Es ist die schnellste Kurskorrektur der Geschichte seit dem Schwarzen Montag 1987. Selbst die Aktien von führenden Börsenunternehmen wie Apple, Nike, Mastercard verlieren täglich an Wert.

Die Chip-Aktien sind regelrecht im freien Fall, da die meisten Chips in China produziert werden, und die US-Produzenten Lieferengpässe bis zur Überwindung der Coronaviruskrise befürchten. Die wenig optimistischen Ankündigungen des amerikanischen Center of Disease Control, das die amerikanische Öffentlichkeit aufruft, sich auf das Schlimmste vorzubereiten, tut ein übriges, um die Moral an den Aktienmärkten zu untergraben.

Der Dow Jones verlor innerhalb einer Woche mehr als 3200 Zähler, d. h. mehr als 10 % seines Hochs von letzter Woche. In Europa sieht es nicht besser aus, die Frankfurter und Pariser Börse sind im Steilflug nach unten. Die Anleger flüchten massiv in die Staatsanleihen, die Zinsen sinken noch weiter und die Renditen für 10 und 30jährige US-Staatsanleihen haben schon ein neues Rekordtief erreicht.

Deutsche Staatsanleihen versprechen inzwischen sogar keinen positiven Ertrag mehr. Am 23. Februar traten die CEOs von Disney, Salesforce und Vodaphone sowie die Mitbegründerin von BlackRock zurück. Sogar der Goldpreis beginnt zu sinken, obwohl Gold traditionell ein Zufluchtswert in Krisenzeiten ist.


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Kommentare (45)

Gelddrucker

4. März 2020 08:08

Schön wäre es, wenn das Virus dazu beiträgt, den Globalismus einzudämmen und Menschen dazu anregt, kritisch über diese Auswüchse des Turbokapitalismus nachzudenken, der von den linken Offene Grenzen-Parteien fleißig befeuert wird.

Im übrigen sind diese Turbo-Kapitalisten-Globalisten auch diejenigen, die massiv Werbung für Migration machen, um die fallenden Bevölkerungszahl in den westlichen Ländern aufzufangen. Dieser Aspekt wird viel zu wenig hervorgehoben und würde uns sehr helfen - denn die Investmentfreaks, Großbänker und Konzernchefs kann niemand leiden - das haben Linke, Rechte und Mittige gemeinsam. Nur die Rechte hat das einzige Mittel, um diesen Leuten ihr Fest zu versauen.

Franz Bettinger

4. März 2020 09:03

@Ratwolf schrieb (im anderen Strang) sinngemäß: "Die Virus-Theorie ist ein Modell, das einiges erklären kann; man kann damit arbeiten." Stimmt, man kann damit arbeiten und Macht ausüben wie mit dem Modell Klima, dem Modell Aderlass oder dem Modell des lobenswerten Eiters (Galen, Paracelsus). Nur haben all diese Modelle überhaupt nichts mit der Wirklichkeit zu tun.

Wie bitte? Die Virus-RNA ist aber nachweisbar (beim HIV- und beim Corona-Virus). Ja. Geier sind auch nachweisbar. Sie sind jedoch nicht die Ursache für das Aas, an dem sie fressen. Der Tod des von Geiern, Aas-Bakterien und Viren befallenen Tieres wurde durch andere Dinge verursacht, z.B. durch eine Hyäne oder einen Jäger. Die Chance, bei einem überfahrenen Igel HIV-Viren (und eine Menge mehr) zu entdecken (wenn man nur danach suchte), ist riesig. An Toten (und schwer Erkrankten = Abwehr-Geschwächten) wird man viele Passagiere finden, darunter schmarotzende appropriately named "Passenger-Viren“, die sich auf ihnen (wie Aasgeier) niederlassen.

Franz Bettinger

4. März 2020 09:15

Leute, die Medizin kann viel weniger, als sie euch weis macht. Der Slogan "Geld oder Leben“ ist Quatsch mit Soße. Privat-Patienten leben gefährlicher als Kassen-Patienten. Weil man sie abzocken kann, kommen Privat-Patienten in den Genuss unnötiger Arzt-Besuche, Neu-Einbestellungen, unnötiger Diagnostik und unnötiger Operationen wie unnötigen, teuren Therapien überhaupt. Die ganze IGEL-Liste ist fauler Zauber. Privat-Patienten sitzen keinesfalls in der ersten Reihe, auch wenn sie im Wartezimmer schneller dran kommen. (Bei mir übrigens nicht.)

@Ratwolf: Was leuchtet Ihnen eigentlich an den genial einfachen und auch für Laien verständlichen Henle-Koch-Postulaten nicht ein? Viren erfüllen diese nun einmal nicht. Wie wollen Sie als Anwalt der Viren die peinliche Tatsache weg-erklären, dass Sie jemandem HIV oder den Masern-Virus auf jedem denlbaren Weg verabreichen können, der so Inokulierte aber nicht krank wird? Damit ist doch alles gesagt!

Was das Impfen betrifft, so möchte ich das Fass hier an dieser Stelle nicht aufmachen. Ich habe gegen DT, Polio, Pertussis und MMR geimpft. Nicht gegen FSME, Hepatitis B, Hib, HPV und Grippe. Wenn auf SiN später mal ein Impf-Strang (vielleicht sogar im Zusammenhang mit Corona) aufgemacht wird: gerne mehr. (Auch zu Impfschäden.)

Andreas Walter

4. März 2020 09:52

Reisende würde es auch in einer nationaleren Welt geben. Verheerende Epidemien gab es aber auch schon zu Zeiten mit weitaus weniger Menschen auf der Erde.

Wie weit wollen Sie also zurückrudern, Frau Michels? Bis vor die Zeit der Segelschiffe - oder sogar vor die der Karawanen? Oder sogar die der Nomaden? Nur noch Jäger, Fischer und Sammler? Wobei auch die manchmal wandern, woanders hinziehen müssen. Wenn's zu kalt oder zu trocken wird.

Ganz so einfach ist das eben nicht zu erklären, wann, wo und warum so etwas immer wieder passiert. Normalerweise geht es mit kälteren Klimaepochen einher, die dadurch auch für schlechtere Ernten und weniger Vegetation sorgen. Hunger, Kälte, zu viel Regen, zu wenig Sonne, dadurch auch mehr Feuchtigkeit, Schimmel, Verdorbenes schwächen und schwächten dann die Widerstandskraft der Menschen. Das wird wohl so auch schon vor und während der Justinianischen Pest gewesen sein. Was dann aber auch die Hunnen auf den Plan gerufen hat, denn die hatten die gleichen Probleme in Asien nur eben als Nomaden.

Völlig zu vermeiden sind solche Dinge daher nie, nur kann man den Umgang mit ihnen in Zukunft noch deutlich verbessern. So wie es dadurch zum Beispiel heute auch ein Tsunami Warnsystem in vielen Ländern gibt, das es vor 2004 noch nicht gab. Auch das ist Evolution.

Fritz

4. März 2020 10:06

Sehr gute Ananlyse; habe die Zusammenhänge noch nicht so schlüssig und bündig dargestellt gesehen.

Den Satz "Bei der Klimarettung sollen die entwickelten Staaten mit hohen Umweltschutzauflagen dafür zahlen, dass Multinationale in der Dritten Welt Mensch und Umwelt zerstören dürfen. " Sollte man ausdrucken und sich an die wand hängen.

Franz Bettinger

4. März 2020 10:37

Obwohl der PCR-Test die Standard-Methode für den Nachweis viraler Infektionen ist, weist er eine sehr hohe Rate falsch-negativer und falsch positiver Ergebnisse auf. Das heißt die Test-Genauigkeit (accuracy) ist niedrig! Die Sensitivität des Corona-Virus-PCR-Tests (positiver Test bei Infektion) liegt bei 88%, die Spezifität (negativer Test trotz Infektion) bei 90%. Das klingt für den Laien nach viel, ist aber erschreckend wenig! - Mit den hohen Prozentzahlen wird absichtlich Augenwischerei betrieben. Statt das AR (Absolute Risiko) abzubilden, das meist verschwindend klein ist, veröffentlich man lieber das RR (Relative Risiko). Auch die meisten Ärzte wissen kaum Bescheid (was Bio-Mathematik betrifft) und lassen sich von Big Pharma in die Irre führen. "Sie sind positiv getestet,“ bedeutet (bei HIV oder bei CV), dass die Wahrscheinlichkeit infiziert zu sein unter 10% liegt. Die Wahrscheinlichkeit, dass man nicht infiziert ist, beträgt also 90%, wenn man im Schnelltest positiv testet. Siehe dazu auch hier (für den Laien leichter verständlich): https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/01/14/hiv-schnelltests-sind-haeufig-falsch-positiv

Melezy Przikap

4. März 2020 11:07

Alle Denkfehler in diesem Beitrag einzeln zu würdigen, wäre sinnlos. Also beginne ich im* Anfang.
Die Möglichkeit eines „schwarzen Schwans“, eine Volkswirtschaft zum Zusammenbruch zu bringen, besteht schon seit ca. 3250 Jahren, als der Mensch begann, Zinsgeld zu verwenden. Er ist keine „Erbschaft“ aus der Weltordnung des 20. Jahrhunderts.
Die Zusammenhänge sind schon seit Jahren genauestens und unwiderlegbar von Stefan Wehmeier dargelegt worden. Ich erinnere mich an einen Kommentar seinerseits vor einigen Jahren hier. Hätte man sich damals mit seinen Entdeckungen und vor allem seinen Schlussfolgerungen auseinandergesetzt, bestünde kein Bedarf an verschwurbelten Beiträgen, wie diesen hier, der nur von einem zeugt: Angst vor dem Unverstanden.

*das stimmt schon so.

Maiordomus

4. März 2020 11:18

@Eva Maria-Michels. Ob der Begriff des Subsidiaritätsprinzips, seinerzeit vom protestantischen Rechtsphilosophen Johannes Althusius für Ostfriesland entwickelt und dann zum Beispiel von der katholischen Soziallehre (Oswald von Nell-Breuning) übernommen, einfach so als Prinzip des Welthandels übernommen werden könne, scheint fraglich. Eher würde ich an Ihrer Stelle von einer Analogie zum Subsidiaritätsprinzip schreiben.

Das Wichtigste zum Subsidiaritätsprinzip, auf Deutsch in einem Lehrbuch das "Prinzip der ergänzenden Hilfeleistung" genannt:

1. Im Falle einer Konkurrenz zwischen gesellschaftlichen Lösungen und staatlichen Lösungen hat die noch vorpolitische (nicht unpolitische) gesellschaftliche Lösung den Vorrang. Bei der politischen Lösung setzt man dort an, wo eine möglichst direkte Bürgermitbestimmung am ehesten gewährleistet werden kann.

Zur Praxis: Für einen Skilift in einer Berggemeinde ist nicht wie in Nordkorea Pjöngjang zuständig, sondern zum Beispiel eine auf Eigeninitiative gegründete lokale Skiliftgenossenschaft, in die man sich einkaufen kann usw., wobei nebst Privatpersonen der örtliche Verkehrsverein, die Hotels und die Grundbesitzer Teilhaber sind. Erst in zweiter Linie, wenn es anders einfach nicht zu machen ist, engagiert sich Kommune allein, die aber selbstverständlich schon bei der Gründung Mit-Teilhaber sein kann; und wenn das alles nicht möglich ist, wird die Zuständigkeit an das Ministerium zum Beispiel eines Bundeslandes verlagert; wenn noch einmal nicht möglich wäre, kommt der Gesamtstaat zum Zuge, welcher zwar im Sinne des Subsidiaritätsprinzips ergänzende Subventionen (auch zur Tourismusförderung) ausschütten kann. Da wäre nicht mal die EU ausgeschlossen, wiewohl diese sich dafür im Gegenzug in die Angelegenheit mit Vorschriften einmischen würde. Aber eines ist klar: Weder Berlin noch Brüssel sind die im Sinne des Gemeinwohls (Zweckbestimmung des Subsidiaritätsprinzips) vernünftigen erst- und letztentscheidenden Problemlösungsinstanzen. Gilt zum Beispiel auch für Windräder: solche sollten von den unteren Instanzen sowohl bewilligt als auch verhindert werden könnten. Wobei Mitbestimmung mit Selbstverantwortung verbunden bleibt, zumal in finanzieller Hinsicht; was zwar - wie gesagt - "ergänzende" Subventionen von oben nicht ausschliessen müsste. Dies wäre subsidiäres Handeln in einer freiheitlichen Ordnung mit dem mündigen Konsumenten und dem mündigen Bürger als Handlungssubjekten im Vordergrund. Sehr viel Platz hätte es bei diesem Gedankengut für das Genossenschaftsprinzip, siehe die ursprünglichen Ideen von Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Funktioniert ehrlich gesagt nicht mehr ganz so wie zu Gründungszeiten!

2. Komplexer ist die Sache mit dem "Subsidiaritätsprinzip" in Sachen Handel und Welthandel. Das ethische Postulat aus der Schweiz (einem Land mit historisch noch relativ funktionierendem Staatsaufbau von unten nach oben statt umgekehrt) lautete zur Zeit des 2. Weltkrieges: "Danke für Südfrüchte, wir haben zu Hause Äpfel!". Dies war ein Grundsatz für eine Notlage in der mit dem Notstand begründeten Epoche einer staatlichen Wirtschaftslenkung zur Zeit der Weltkriege. Auch wenn es vernünftiger wäre, Obst aus eigenen Produktion zu konsumieren als etwa Granatäpfel aus Costa Rica, gibt es an dieser Entscheidung nun mal wenig zu verstaatlichen, es sei denn wir wünschen einen hochobrigkeitlichen Öko-Sozialismus. Auch beim Fleischessen sollte man die Wahl zwischen selbst geschossenem Hirsch und importiertem Elch nicht mit der Anwendung des Subsidiaritätsprinzips verwechseln.

Die Thematik "Selbstversorgung" mit kurzen Transportwegen und Überschaubarkeit bleibt natürlich ein ethisches und nur zum Teil politisches Problem, das zwar in einer subsidiären politischen Ordnung vielleicht gefördert werden kann, vielleicht auch nicht. Klar scheint mir, dass @Eva Maria Michels "mit der natürlichen traditionellen Ordnung" wohl auch noch demografische Hintergedanken verbindet. Natürlich ist es richtig, sich solche Gedanken zu machen.

Unterschwellig sehe ich eine Problematik, wie sie zum Beispiel in der Schweiz der sehr stark ökologisch orientierte rechtsstehende Agrarpolitiker Valentin Oehen vor 50 Jahren postuliert hat: Die Demografie eines Landes sollte der Fähigkeit angepasst werden, wie weit die Bevölkerung sich mit einheimischer Produktion selber versorgen kann. Ist dies nicht mehr der Fall, herrscht "Übervölkerung". Dagegen wandten sich in der Schweiz 1970 und 1974 die damals eine respektable Ja-Stimmenzahl erreichenden "Überfremdungsinitiativen". Wären Sie angenommen worden, hätte der Zentralstaat für ihre Durchführung massiv gestärkt werden müssen, in Richtung einer fast diktatorischen Bevölkerungspolitik. Da hätte das Subsidiaritätsprinzip längst nicht mehr funktioniert. Das meint @Eva Maria Michels wohl nicht so. Sie muss sich aber folgendes vergegenwärtigen: die konsequente Durchsetzung Ihrer Auffassung von "Subsidiaritätsprinzip" im Welthandel würde eine sehr strenge ökosozialistische und natürlich auch nicht praktizierbare Wirtschaftsordnung voraussetzen mit Regelungskompetenzen, die mit der ursprünglichen Idee des Subsidiaritätsprinzips nichts mehr oder fast nichts mehr zu tun haben.

PS. Wegen der oben angesprochenen und natürlich nur skizzierten Probleme wird klar, warum der Schweizer Politiker Christoph Blocher, von wenig informierten zum Zweck der Bekämpfung als "Rechtspopulist" eingestuft, die Überfremdungsinitiativen von 1970 und 1973 ablehnen musste. Dieselben beruhten auf ganz anderen Grundlagen wie die (angenommene, aber nicht vollzogene) Initiative gegen die Masseneinwanderung von 2014. Ein Vollzug der Initiative hätte mit "Ausländer raus" gar nichts zu tun gehabt, welches Schlagwort bis heute nichts mit den von der SVP vorgeschlagenen Begrenzungsmassnahmen zu tun hat. Wahr aber ist, dass der Sinn des Subsidiaritätsprinzips wie ganz oben von mir erläutert, mit beliebig austauschbarer "multikultureller Bevölkerung" schwer kompatibel geht. Das Subsidiaritätsprinzip will zum Beispiel der Mentalität, der Freiheitstradition, den wirtschaftlichen und kulturellen Bedingungen der verschiedenen Sprachregionen, Kantone und Regionen gerecht werden, zum Beispiel dem Abstimmungsverhalten der Landsgemeindekantone. Diese sollen denn auch ihre Problemen nach ihrer Façon lösen. Man sollte auch anerkennen, dass der nichteinheimische Bevölkerungsanteil etwa in den besonders globalisierten Räumen Genf, Basel und Zürich (Stadt) einen anderen Stellenwert hat als in den mehr ländlichen Kantonen. Hier besteht in der Tat ein Zusammenhang mit dem Subsidiaritätsprinzip. Die Entscheidung zwischen (z.T. einheimischen) Äpfeln und Bananen hat aber nichts damit zu tun. An die Zeit der alten Überfremdungsinitiativen erinnert jedoch die aktuelle und keineswegs als Panik gemeinte Mahnung gegen die "10-Millionen-Schweiz". In diese Richtung laufen auch die Bemühungen der stark aussenseiterischen Schweizer Umweltbewegung "Ecopop". Ich kann mir zwar vorstellen, Frau @Michels, dass es bei den dortigen Aktivisten solche gibt, die sehr ähnlich denken wie sie. Die Probleme sind leider bis jetzt nur angedacht, aber noch längst nicht zu Ende gedacht, geschweige denn, dass irgendetwas in diese Richtung vollzogen würde.

RMH

4. März 2020 12:04

Was hat jetzt der sog. Corona-Virus mit dem "Globalismus" zu tun?

Wie @Andres Walter schon richtig ausführte, gab es Epidemien schon lange vor den Zuständen, die hier als globaler Kapitalismus dargestellt werden. Oder war die Pest etwa doch die Geisel Gottes für das sündhafte Verhalten der Menschen? Irgendwie klingt der Artikel ein bisschen danach ... danke Corona, du führst uns wieder auf den Pfad der Tugend des sog. "subsidiären" Handels bzw. subsidiären Wolkenkuckucksheims ...

Zusammengefasst, der Artikel ist nicht schlüssig. Der erste Artikel zum Thema von Frau Michels war klar besser.

Das die (im Vergleich zur Pest oder spanischen Grippe etc.) relativ harmlose Corona-Epidemie jetzt als Vorwand dafür herhalten darf, schon lange überfällige Korrekturen auf den Finanz- und Produktionsmärkten durchzuführen, mag sein und hierin erscheint ja auch eine gewissen Plausibilität. Es mag einfacher zu sein, Arbeitnehmern zu erklären, du verlierst jetzt deinen job, weil die Weltwirtschaft wg. der Epidemie ins schleudern gekommen ist als die Wahrheit, die da lautet, unsere Industrie wird gerade wg. des politisch gewollten und gebilligten CO2-Wahns massiv umgebaut, die alten Technologien wie bspw. der Automobilindustrie des Zeitalters des Verbrennungsmotors werden nunmehr zum Ausproduzieren in Billiglohnländer verlagert (dort wird diese Technologie dann noch 25 bis 50 Jahre produziert werden, aber eben nicht mehr bei uns) und die schöne, neue Industrie braucht eben nur noch maximal (blind aus dem Bauch heraus von mir geschätzt) ein Fünftel der bisherigen Arbeitskräfte. Und auch die werden dann nicht zwingend alle bei uns angesiedelt sein.

Da ist so ein Virus schon eine feine Sache - deus ex machina.

So ein Virus ist auch eine feine Sache, wenn bei weiterhin ungeschmälertem Gelddrucken und 0-Zinspolitik jetzt einmal zumindest an den Börsen eine überfällige Korrektur - oder besser "Schur" - vorgenommen wird, ermöglicht dies doch, dass das nach wie vor sprudelnde Geld wieder bei niedrigeren Kursen investiert werden kann und nicht mehr auf irgendwelchen Konten vor sich hindümpelt.

Aber bitte:
Verwechseln wir doch hier nicht Ursache und Wirkung!
Das, was gerade geschildert wurde, wäre auch gänzlich ohne Corona eingetreten, ja viele Ökonomen haben dies auch schon lange vorausgesagt.

Die "Corona"- Rezession mag in den USA jetzt außerdem den Demokraten helfen, Trump den Nimbus des ökonomischen Erfolges zu nehmen und ihm damit die Wiederwahl zu verbauen.

Ggf. wird daher das Ganze jetzt auch entsprechend beschleunigt, aber Corona ist dann auch hierbei nur der Vorwand, aber nicht die wahre Ursache. Die entsprechenden wirtschaftlichen Turbulenzen waren nach den gängigen ökonomischen Berechnungen schon lange angestanden und eigentlich überfällig. Corona mag ein Katalysator sein, aber der Virus ist nicht der Initiator.

tearjerker

4. März 2020 12:24

Wir steuern mit oder ohne Virus auf das Ende des sozialdemokratischen Gesellschaftsmodells und der Linken hin, dessen Ideen in den letzten 150 Jahren die abendländischen/westlichen Länder prägten und die Agenda der politisch Handelnden bestimmte. Die Hobbsche Realität wird sich wieder Bahn brechen, und das werden vor Allem privilegierte Gruppen wie Alte, Kranke, Frauen zu spüren bekommen, die zwangsläufig unter Druck kommen, wenn der zu verteilende Kuchen kleiner wird. Vorher wird der Apparat Amok laufen und dann kraftlos dahin siechen. Der Beitrag macht den Fehler, die Globalisierung primär unter ökonomischen Gesichtspunkten einzuordnen. Das hat man schon in den 90igern gemacht, als es darum ging, die Globalisierung zu pushen und auf positive Aspekte verwies, die freier Austausch ökonomisch gesehen nun mal hat. Der wesentliche politische Aspekt besteht jedoch eher in den Strukturen, die etabliert werden um jegliche eigenständige Handlungsfähigkeit der Mitglieder in der globalisierten Zone zu unterbinden. Eigene Strukturen sind die Grundlage echter Souveränität wie die Übergriffigkeit der Organisationen wie UN. EU, WHO und unzähliger NGOs in lokale Angelegenheiten demonstriert. Wenn die Pleite von Banken, Staaten und Sozialversicherungen die Neuordnung erzwingt (irgendwann in den nächsten 20 Jahren), dann sollte die Rechte über zahlreiche eigene Organisationen verfügen, die, ähnlich wie bei den Sozis 1918 direkt einspringen und als Blaupause dienen können.

Niekisch

4. März 2020 12:31

"Privat-Patienten leben gefährlicher als Kassen-Patienten".

@ Franz Bettinger 4.3. 9:15: Grundsätzlich stimme ich dem Ergebnis Ihrer geballten Kompetenz zu. Aber auch die Ausnahmen sollten wir beachten: Nach einem schweren Sturz vor ein paar Wochen kam ich -gesetzlich versichert- in die Notfallambulanz eines hiesigen Krankenhauses, traf dort einen ebenfalls gerade gestürzten Bekannten -privat versichert-. Er wurde sofort versorgt, ein MRT geschrieben und über die Notwendigkeit der OP entschieden, so dass keine Nachteile wegen Zeitablaufs entstehen konnten. Ich geriet an einen ahnungslosen, frisch aus Syrien gekommenen Assistenz (Hilfs-?) Arzt, der mich nur mit einem wackeligen Mullverband versehen ohne Schmerzmittel auf den nächsten Tag vertröstete, wo ich dann eine Überweisung an einen Orthopäden wegen MRT verwies, weil das Krankenhaus MRTs für gesetzlich Versicherte nicht anbietet. Es gelang mit nach längerem Hin und Her durch Eigeninitiative einen MRT-Termin in einer radiologischen Praxis zu erhalten. Mehrere Ärzte bestätigten mir, dass ein so später Termin zu einem nicht mehr abwendbaren Schaden führen könne. Erst ein erneutes, nettes, bittendes Gespräch am Empfang der rad. Praxis brachte mir einen früheren Termin, weil vom Kontingent für die Privatpatienten ein Termin abgezwackt wurde. Da sieht man mal...

Im übrigen ist es schade, dass der Ernst Jünger -Strang dem Cacher der Bademeisterei zum Opfer gefallen ist, geschlossen wurde. Gerne hätte ich noch auf Ihren anregenden Kommentar v. 3.3. 21:39 und des "Meisters" Maiordomus Texte geantwortet. Vielleicht kommt das Thema noch einmal auf den Tisch.

Imagine

4. März 2020 12:38

Inzwischen besteht bei Experten weitgehend Konsens darüber, dass ca. 80% der mit COVid-19 Infizierten einen symptomarmen oder sogar symptomfreien Verlauf aufweisen, der keinerlei medizinische Hilfe benötigt.

Bei den restlichen 20% sind können drei Gruppen zu unterschieden werden:
1. Infizierte mit Gesundheitseinschränkungen, die zu Arbeitsunfähigkeit, Bettlägerigkeit führen, aber die keine speziellen medizinischen Interventionen benötigen, um wieder gesund zu werden.
2. Infizierte, die medizinische Hilfe benötigen wie Medikamente, Sauerstoffzufuhr, Infusionen etc.
3. Lebensbedrohlich Erkrankte, deren Überlebenschance ohne Hightech-Intensivmedizin gegen Null geht. Dafür gibt es eine begrenzte Anzahl von Behandlungsplätzen (in der BRD gegenwärtig 60).

Bislang basiert die Annahme, dass ca. 80% der mit COVid-19 Infizierten einen symptomarmen Verlauf aufweisen auf Schätzungen, nicht jedoch wissenschaftlichen Forschungsergebnissen. Dazu müsste nach(!) einer Corona-Epidemie eine Stichprobe aus der Normalpopulation mittels zuverlässiger Tests untersucht werden.

Wenn die Annahme zugrunde gelegt wird, dass nur 20% manifest erkranken, dann werden 80% der Infizierten nicht als solche erkannt. Man muss also die Zahl von 80.000 manifest erkrankten Chinesen mit dem Faktor 5 multiplizieren, um die Gesamtzahl der Infizierten zu bestimmen. Das ergibt 400.000.

Kann aber auch sein, dass sich herausstellt, dass nur 10% manifest erkranken. Das ergäbe dann eine Gesamtzahl von 800.000 Infizierten.

Auf jeden Fall ist es gelungen, die Ausbreitung des Virus in China durch die Quarantänemaßnahmen der Regierung erfolgreich zu bekämpfen.

Sofern die veröffentlichten Zahlen die Realität wiedergeben, ist also davon auszugehen, dass es inzwischen 400.000 – vielleicht auch 800.000 – Chinesen gibt, die gegen COVid-19 immun geworden sind, darunter Tausende aus dem Bereich des medizinischen Personals (Ärzte, Pflegekräfte etc.), wobei allerdings 6 Todesfälle zu beklagen sind

Natürlich ist es ein riesiger Vorteil bei einer zu erwartenden neuen Welle von COVid-19-Infizierten über hunderttausende von immunen Arbeitskräften zu verfügen, darunter tausende von medizinischen Spezialkräften. Diese Menschen können nunmehr bei Neuerkrankungen eingesetzt werden, ohne einen Hochsicherheitsinfektions-Selbstschutz betreiben zu müssen. Man kann somit im Vergleich zu jetzigen Situation eine Vielzahl von lebensbedrohlich Erkrankten mit „extrakorporaler Lungenersatztherapie“ behandeln

Vor der chinesischen Regierung und den am Kampf gegen das Coronavirus engagierten Menschen kann man nur den Hut ziehen. Bravo China!

bb

4. März 2020 12:54

Das Problem Deutschlands hieß nie Globalisierung, sondern Masseneinwanderung. In einem überbevölkerten Land ohne nennenswerte Ressourcen sind wir auf Freihandel und Globalisierung angewiesen. Die Wahrheit ist, dass die Globalisierung für uns eine Steilvorlage war, die wir wieder treffsicher in ein Eigentor verwandelt haben.

Maiordomus

4. März 2020 13:27

@RMH. Wie in anderen Fragen scheint Ihre Kritik eine ähnliche Richtung zu haben als meine ausführlichere und grundsätzlichere: das mit dem "subsidiären Wolkenkuckucksheim" bei Frau Eva Michels sehen Sie ähnlich wie ich es kritisiere, weil meines Erachtens das mehr formale Verfassungsprinzip der ergänzenden Hilfeleistung (siehe meine Erläuterung oben) auf einen Bereich übertragen wird, wo es meines Erachtens als Problemlösungsprinzip nicht oder doch nur sehr beschränkt tauglich ist.

Ein gebuertiger Hesse

4. März 2020 13:55

Stark, daß Kostiza und Kubitschek zum brandaktuellen Thema Impfungen gleich ein neues Buch herausgegeben haben: https://antaios.de/gesamtverzeichnis-antaios/einzeltitel/93111/es-gibt-lektueren-die-impfungen-gleichen
Da soll nochmal einer sagen, Rechte seien rückwärtsgewandt!

Nath

4. März 2020 14:02

Zunächst möchte ich mich Niekisch anschließen und mein Bedauern über die allzu rasche Schließung des Jünger-Strangs ausdrücken. Manchmal muss man eine Weile überlegen, um zu gedanklichen Ergebnissen zu gelangen, die man für mitteilenswert erachtet. Schließlich findet man dann etwas, das nicht bereits von anderen Kommentatoren zum Thema beigesteuert wurde. Oft genug passiert es einem jedoch, dass man in dem Augenblick, wo man in sich "Heureka" ausrufen möchte, den "Badeschluss" verkündet sieht.
Glücklicherweise glaube ich ich eine Brücke zwischen Jünger und dem hier behandelten Thema gefunden zu haben. Doch auch jetzt erlaube ich mir keine Schnellschüsse. Mal sehen. ob es bis zum Badeschluss noch reicht.

heinrichbrueck

4. März 2020 14:14

Das Subsidiaritätsprinzip wird nicht ausreichen. Das System ist unternehmer- und arbeiterfeindlich, soweit dieses Prinzip Privatunternehmer ansprechen würde. Die globalen Konzerne, deren Verzweigungen Mafiastrukturen ähneln, sind damit nicht gemeint.
Wenn die Linken Revolution machen, -„ein Prozent der Reichen erschossen haben“-, dann sind die Produktionsverhältnisse zwar immer noch da, aber man muß schon anerkennen, so ganz unlustig ist die Truppe nicht. Was auch wieder sichtbar werden läßt, wer nicht regiert.
Die Globalisten verstehen ziemlich genau, was sie mit Absicht ins Werk setzen. Der Zentralbanken- und Ressourcenkontrolle keine Verständigungsprobleme zu unterstellen, müßte zugegeben werden, daß die liberale Weltordnung nicht von Opportunisten regiert wird, sondern von Leuten mit Plan. Es reicht nicht aus, die Opportunisten zu kritisieren. Und Pläne lassen sich nicht erschießen, wie marxverstrahlte Linke im politischen Clownskostüm annehmen können.
In einer hochtechnologisierten Welt, eine Antwort auf die Globalisierung, müssen die Arbeitszeiten zurückgefahren werden (Arbeit für Essen, nicht für Geld). Sonst fließt das Geld in fremde Taschen; ein Selektionsprozeß gegen das Eigene.

JohannesStreck

4. März 2020 14:31

@Bettinger und Niekisch: Der ergraute Moskauer Leiter einer Intensivstation vertraute mir einmal die Erkenntnis an, daß die Medizinwissenschaft direkt vor dem Aberglauben rangiert.

Franz Bettinger

4. März 2020 14:37

Pest, Syphilis, Cholera, Typhus und die großen, schlimmen Grippe-Epi- oder Pandemien waren echte Seuchen, die, als sie stattfanden, jeder im Ausbreitungsgebiet mitbekam - nicht aufgrund einer Propaganda-Presse, sondern durch eigene Anschauung. DAS ist der wesentliche Unterschied zu den uns eingeredeten Krankheiten von heute. Und dies sollte unser Erkenntnis-Organ (das Gehirn), falls es noch richtig tickt, auch locker erkennen können. Tut es aber bei der Mehrzahl der Zeitgenossen nicht. Der Instinkt, der entwicklungsgeschichtlich viel älter ist als die menschliche Vernunft, ist viel verlässlicher. - Es gibt ja auch Leute, die glauben, wenn sie Eisberge in warmen Gewässern sehen, in denen vorher noch nie Eis gesehen wurde wie 2006 vor Dunedin / NZ, dass es wärmer würde. Bei diesen Leuten handelt es sich ausschließlich um Erwachsene (meist um Lehrer und Zeitungsleser). Kinder kämen nie auf so einen Unsinn.

Franz Bettinger

4. März 2020 14:54

@Niekisch: Ohne hier weit vom Thema abschweifen zu wollen, aber: Ein MRT gehört eigentlich nie in die (frühe) Primär-Diagnostik. Ein MRT wird nach einem Unfall heute wohl deshalb gemacht, weil’s den Machern ordentlich Geld bringt, während eine völlig ausreichende 'native' Röntgen-Untersuchung (die selbst oft unnötig wäre, könnten die Fachleute, insbesondere die neuen aus SieWissenSchon, noch ordentlich manuell untersuchen) zur Stellung einer Diagnose völlig ausreichend wäre. Dass Privat-Patienten schneller drankommen, scheint mir der einzige Vorteil für diese Armen zu sein. Sie sagen: "Ärzte bestätigten, dass ein so später Termin zu einem nicht mehr abwendbaren Schaden führen könne.“ Ich bestätige ihnen das nicht. Es handelt sich um klassische Berufs-Propaganda, wie sie auch im KfZ-Bereich und überall vorkommt. Stets nach dem cui bono fragen!

Franz Bettinger

4. März 2020 15:04

Nachschlag für @Niekisch: Ihnen kein Schmerzmittel zu verordnen, war der Hauptfehler des ‚Arztes‘. Es werden überhaupt viel zu wenig Schmerzmittel verabreicht, und wenn doch, dann oft ziemlich unterdosiert (vor allem in Frankreich). Bei einer Rippenprellung (klingt harmlos, kann aber wegen schmerzbedingter Schonatmung zu tödlichen Lungenentzündungen führen) gebe ich z.B. grundsätzlich stärkste Schmerzmittel (und zwar Tildidin = Valoron, ein Opiat). Wer mal in den Genuss von Opiaten gekommen ist, weiß, wie segensreich diese sind. Es ist ein großer Irrtum zu glauben, damit zurückhaltend sein zu müssen.

Franz Bettinger

4. März 2020 15:38

Vielleicht ist's übertrieben, aber das Motto der CV-Macher könnte sein: „Wir hauen dir den Kopf ab, dann hast du keine Zahnschmerzen mehr.“ Im Ernst: Der C-Virus ist harmlos. Die weltweiten Überreaktionen auf den CV aber sind eine Katastrophe: wirtschaftlich, sozial, an der Börse und last not least: der Vertrauensverlust der Bevölkerungen in ihre Regierungen. Letzteres hat vielleicht auch etwas Gutes.

Laurenz

4. März 2020 16:51

Als während der 99er Kriegs- und Wirtschaftskrise Hans Eichel und Gerhard Schröder nichts anderes einfiel, als in den Euro, "italienisch", massiv abzuwerten, wurde durch die neu geschaffene EZB das Prinzip der Bundesbank, den jährlichen Produktion-Fortschritt von ca. 2% nicht mehr in die aufwertende Währung zu stecken, aufgehoben. Unsere Wirtschaft mutierte zur Billig-Lohn-Wirtschaft (Volker Pispers). Nicht die 1.500 Euro monatliches Einkommen sind das Problem, sondern der Außen-Wert des Euros.
Desweiteren macht es keinen Sinn, heimische Unternehmer mit Umwelt- und sonstigen Auflagen zu belasten, wenn man nicht gleichzeitig vergleichbare Importware mit denselben nicht-tarifären Auflagen belegt, eindeutig links-liberaler "Schwachsinn".
Von nun an wich die Deutsche Wirtschaft vom ökonomischen Prinzip ab.https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96konomisches_Prinzip
Das wäre in ungefähr so, als würde Frau Kositza in einer Buchbesprechung die Bild-Zeitung offerieren.
Deutschland war auch zu Deutschmark-Zeiten Exportweltmeister, nicht in Stückzahlen, aber in der Handelsbilanz. Der Billig-Lohn-Modus ersparte viele Investitionen, um weniger neue und hochpreisige Produkte entwickeln zu müssen, was sich vor allem für Dax-Vorstände und Aktionäre auszahlte.
Der Souveränitäts-Verlust, der mit globalen Wirtschaftskreisläufen einhergeht, und die zwangsläufige ökologische Belastung dadurch, wird vor allem von den Grün-Angemalten nie thematisiert. Im Fokus dortiger "Klima"-Politik steht die De-Mobilisierung des Bürgers, nicht die der Güter.

Auch mit regional, je nach Herkunftsland, vorgeschriebenen Mindestlöhnen, hätte man einige Produktionszweige im Euroland behalten können. Die deutsche Autobahn wird als Lagerhalle (auch) für (ausländische) Großkonzerne (Just-in-time-Logistik) mißbraucht und viel zuwenig besteuert. Hier wird Volksvermögen zugunsten von Aktionären umgeschichtet. Dasselbe Problem existiert bei Datenautobahnen. Mobil-Funk und Netz zu privatisieren, ist neo-liberaler Schwachsinn. Hier handelt es sich um hoheitliche Aufgaben und Strukturen.
Fallende Aktien- und Rohstoffmärkte haben wenig mit der Analyse des Artikels zu tun. Wir befinden uns am Ende eines 10jährigen Zyklus, und wir brauchen eine kleine Zäsur weltweit. Was die Sozialstaaten und deren Schulden angeht, so liegt das Problem auch nicht bei der Analyse des Artikels. Sozialstaaten sind deswegen, u.a., hoch verschuldet, weil politisch starke Minderheiten sich aus der Solidarität herausnehmen, und speziell in Deutschland die jeweiligen Sozial- und Krankenkassen seit 50 Jahren für gesamtgesellschaftliche Aufgaben geplündert werden. Die mangelnde Ausgaben-Disziplin in den Haushalten, und damit der irre Schuldenstand resultiert in erster Linie aus den hohen Personalaufwendungen (Länder-Haushalte ca. 95%), so wie nie finanzierte Pensions-Forderungen von Beamten und der zu Beamten ausgleichenden Rententrägern des Öffentlichen Dienstes außerhalb der Deutschen Rentenversicherung.
Die sogenannte Staatsschuldenkrise wurde bisher durch 0-Zins-Politik umgangen, was quasi einer indirekten Steuer gleich kommt.

Diese Schuldenberge sind entweder durch Inflation oder durch Staatsbankrott zu eliminieren. Andere Optionen existieren nicht. Die links-liberale These, daß Sozial-Kosten die Staatsschulden verursacht hätten, ist unhaltbar.

In den Amerikas gibt es bis auf übrige Kolonien, mit französischem Kolonial-Euro oder Jamaica und Antigua etc., überhaupt keine nennenswerten Sozialsysteme. Und die dortigen Staats-Schulden-Quoten dort sind nicht besser als in Europa.

Was Konsum und Nachhaltigkeit angeht, so hätte man natürlich schon seit 20 Jahren Verpackungs-Pfand erheben, und Gehäuse zur Wiederverwendung normen können, aber uns links/grün-gefärbten Versager haben noch nicht mal einen ordentlichen Dosenpfand hinbekommen.
Was den Konsum in Ostasien angeht, so ist dort der Nachhol-Bedarf an Konsum extrem hoch. In Einkaufszentren und Geschäften, bei jedem, der sich das leisten kann, werden die Klima-Anlagen auf 16 Grad Celsius runter gedreht. Und um diesen Status zu gewährleisten, wird ein Kohle-Kraftwerk nach dem anderen gebaut. Das kann auch niemand verhindern, außer der niemand marschiert dort ein. Man muß dies aus dem kolonialen Erbe heraus verstehen. 500 Jahre Maßregelung, Genozide, Besatzung, Bevormundung, Diskriminierung haben einfach Spuren hinterlassen. Ostasien ist kein Ashram-Aufenthalt.

Was die Klamotten-Nummer angeht, so hat das vor allem mit dem Angebot billiger Arbeitskräfte zu tun, da nutzt auch kein Fair-Trade irgendwas. In Ungarn Hand-genähte Ludwig-Reiter-Schuhe kosten eben 450 Euro. Die kann man auch reparieren lassen, und die halten im Regelfall länger als der Träger. Aber man braucht sich nichts vorzumachen, ein qualitativ hoch-wertiges Hemd für um die 90 Euro geht in Asien für 5 US$ aus dem Werk raus. Die übrigen 86 Euro gehen für Transport, Zwischenhändler und die Verkäufer drauf. Heutzutage könnte man auch bei uns solche Hemden herstellen, mit günstigen Online-Direkt-Marketing. Es besteht eben kein Grund Technologie zum Nähen, Färben und Gerben zu entwickeln, solange Bangladesch und Indien billig sind. (Wir verkaufen aber deutsche Industrie-Nähnadeln dahin). Auch die jetzt aktuelle Sanitäts- und Pharma-Problematik hat wenig oder nur bedingt mit einer angenommenen Hochlohn-Problematik zu tun. Wir haben in Deutschland mit die höchsten Medikamenten-Preise des Planeten. Das berühmte Aspirin kostet in Spanien einen Bruchteil des deutschen Preises. Es hat mit reiner und legalisierter Gewinnmaximierung zu tun. Es ist die Aufgabe der Politik, hier Vorgaben zu machen. Man kann jedem Pharma-Konzern vorschreiben, einen Teil seiner Produktionsstätten in Deutschland zu unterhalten, wenn er hier seine Medikamente verkaufen will.

Ganz egal, was man davon hält, in meinem Wohnort befand sich ein Produktionsbetrieb für homöopathische Medikamente. Der Betrieb mit 6 Angestellten wurde geschlossen, weil EU-Richtlinien den Betrieb unrentabel machten. Gelten die EU-Richtlinien auch in Indien?

(Die Damen unter den SiN-Lesern mögen nach EU-Richtlinien für Lippenstift suchen, mutmaßlich sind die im Produkt verwendeten Farben schlicht pures Gift.)

Gotlandfahrer

4. März 2020 17:06

Hm. Zunächst herzlichen Dank für den wertvollen Beitrag. Emotional bin ich bei Ihnen. Auch Ihrem Schluss, das Subsidiaritätsprinzip wieder zu stärken, stimme ich zu.

Ansonsten ist mein spontanes Gefühl folgendes: Es ist doch womöglich unser, nicht nur, aber speziell, westliches Denken, das uns darin „gefangen hält“, Ursache-Wirkungsprinzipien zu beschreiben, also Modelle, die bekanntlich nie vollständig sein können. Diesem Vereinfachungsprinzip, also der Abstraktionsfähigkeit, sind einerseits sämtliche Fortschritte zu verdanken, soweit sie nicht zufällig zustande kamen. Selbst die anspruchsvollsten, bewährtesten weil erfahrungsbasierten Lehren sind solche Modelle, und sei es die Thermodynamik. Auch ich wende in genau diesem Moment dieses Vereinfachungsprinzip an, allein schon aufgrund der Einschränkung durch Sprache. Demzufolge sind erst recht alle Ideologien und Richtigkeitsphantasien Produkte dieses auswählenden Zusammensetzenkönnens. Jede Handlungsempfehlung, die auf einem ausgewählten Ursache-Wirkungsprinzip fußt, ist damit langfristig sehr wahrscheinlich eine Fehlerproduktionsanleitung. Diese Sätze sind trivial, sie besagen ja nur, dass wir nur wissen können, dass wir nichts wissen. Und trotzdem bleibt uns ja nichts anderes, als uns mit diesem Prinzip durch den Erkenntnisnebel zu tasten.

In diesem Tasten fällt auf, dass zu oft bestätigend vorgegangen wird, ganz gleich welche Annahmen getroffen wurden. Wir kämen ja auch sonst, würden wir stets nur „das wird aller Voraussicht nach irgendwann auch nichts mehr taugen“ feststellen, nicht voran. Wir sagen also, etwas verhält sich so und so, z.B. die globalistischen Eliten wollen dies, deswegen machen sie das usw., und wir finden reichlich Material zur Bestätigung. Tja, und trotzdem läuft es nicht so, wie wir es uns denken. Ich bin kein Dekonstruktivist oder Relativist, der behauptet, man dürfe nichts außer einem reinen Verstand als gegeben hinnehmen, ferner stimme ich Ihnen ja auch vom Tenor her zu, aber dennoch: Diese Modelle von Großkapital / Konsumenten, alternativ zum Beispiel auch, sehr schön, das der Anywheres / Somewheres etc. sind hilfreiche und nicht gänzlich falsche Orientierungsbilder, bieten aber noch keine Antwort auf: Warum ist das so? Und: Und jetzt?

Denn was hilft uns eine - ja weiß Gott nicht an den Haaren herbeigezogene - Feststellung, dass „der liberale Staat (…) die Interessen des kurzfristig Kapital verzehrenden Konsumenten über die des langfristig Wohlstand schaffenden Produzenten (stellt).“ ? Ist „rücksichtslose Plünderung“ etwas, was wir überhaupt fassen können, angesichts dessen, dass jedes Leben im Rahmen seiner Möglichkeiten giert, also ggf. nur aufgrund kognitiver Beschränktheit nicht über ein befriedigendes Sattheitsgefühl hinaus verbraucht, was sich verbrauchen ließe (sind im Schatten satt dösende Löwen also nur deswegen nicht rücksichtslos am Plündern, weil sie sich ihren Vorteil hierdurch einfach nur nicht vorstellen und realisieren können)?
Wenn „Kräfteverhältnisse zwischen den Staaten“ „manipuliert“ werden: Wäre etwas anderes überhaupt möglich?

Anders gefragt: Die „geerbte“ Weltordnung, der liberale globale Turbokapitalismus, ist dies tatsächlich eine vom Menschen, von vielen, aber einzelnen Menschen, erschaffene – künstliche (?) - Welt, die auf Ideologie und Lehren, also Vereinfachungsprinzipien beruht, und deren Fehlerhaftigkeit damit bereits durch ihr Erdachtsein angelegt war? Könnte sie also durch eine bessere Idee, und sei es die der nationalen Selbstbestimmtheit oder eines Subsidiaritätsprinzips, korrigiert werden? Wer müsste was tun, damit es besser wird? Oder ist das, was die Welt macht, eine notwendige Folge einer vorangegangenen Abfolge von zu Gleichgewichten strebenden, Kräftewallungen ausgesetzter Elemente, wobei die wallen Kräfte sich wechselwirkend aus Energie, Wachstum, womöglich freiem oder doch nur aufgeformtem Willen und Zufällen speisen, womit sich die Elemente in stets neuen Hierarchien, also neuen zeitweiligen Gleichgewichten, anordnen? Sind es nicht diese Hierarchien der Elemente, die einerseits dem Kräftefluss seine zeitweilig energetisch höchste Entfaltung ermöglichen (z.B. Mangelüberwindung durch Seßhaftigkeit, die durch Wehrfürsten ermöglicht wird, oder eine erst auf industrieller Ebene sinnvolle Fließbandproduktion), die aber andererseits über die (notwendigen) Hierarchiestufen hinweg über- und unterproportionale Energieteilhabe bewirkt, was seinerseits Dynamik und Unruhe hervorruft. Ist also die permanente, zuweilen weniger oder mehr auftretende Herausforderung der hierarchischen Mitte (ordnungsliebende Staatsbürger, Somewheres, Sesshafte) womöglich unvermeidbarer Teil des Seins, somit weder einerseits nur Folge eines miesen Plots erbärmlicher Eliten (die hierarchisch oben sind), die durch Globalisierung reicher werden wollen, noch andererseits Ausfluß einer Blutrünstigkeit von Hyänen (die hierarchisch aus Hyänensicht nicht hoch genug sind), die die Reichsten 1% erschießen wollen? Ist der Angriff auf unser Leben also nicht einfach eine Folge des Waltens der Kräfte, die die Elemente / Menschen zu dem treiben, was sie tun, selbst wenn man ihnen ein Bewusstsein und Entscheidungsspielraum zuschreibt? Müssen wir uns nicht trotzdem gestehen: So und nicht anders kann es nur sein? Was haben wir denn aufzubieten, um weiter sein zu können?

Der Coronavirus wäre demzufolge – was die Ausbreitungsgeschwindigkeit angeht - zwar ein Phänomen, das mit der Globalisierung stattfindet, aber dann doch wieder nur ein „Schicksalsschlag“, weil die Globalisierung mit ihren ganzen - aus Vorphasensicht gewertet: Abschaumerscheinungen - Schicksal ist.

Kapitalismus oder Kommunismus. Oder Internet of Everything. Ohne Gott und König muss sich jeder, der nicht oben ist, immer einem Angeordnetwerden durch die erwehren, die es aus Sicht der Mitte nicht wert sind, es zu tun. Wer in der Mitte ist, ist weiterhin immer die leichter erreichbare Angriffsfläche für die, die keinen Nutzen für sich im Bewahren sehen. Der ordnungsliebende Bürger lebt in einem ständigen Zweifrontenkrieg. Der Nationalstaat war dabei nur eine zeitweilig energieflußoptimale, also eine ein zeitweiliges Gleichgewicht ermöglichende Hierarchisierung, deren Nachhall unseren romantischen Sinn für freies Bürgerdasein anspricht. Es wird etwas Neues geben, die EU in ihrer Beschaffenheit ist nur ganz sicher nicht hierarchisch energieflußoptimal angeordnet, das erledigt sich von alleine.

Auch wenn ich ein sehr vereinfachendes Ursache-Wirkungsprinzip ausgewählt habe: Was kommt, werden wir sehen, die Herausforderungen der hierarchischen Mitte bleiben.

Niekisch

4. März 2020 19:56

@ Franz Bettinger 4.3.14:54+15:04:

Ihnen besten Dank für die Hinweise. Bei den ganzen divergierenden Diagnosen und neuen Verordnungen, die ich zwischenzeitlich erhielt, habe ich als harter Dauersportler ganz einfach den Schmerz 4 Wochen lang ertragen, den Kapselriss unter Anwendung von Arnikasalbe von selbst zusammenwachsen lassen und meine üblichen vorsichtigen Dehn- und Streckübungen praktiziert, allerdings nicht zur Seite und schon humpele ich wieder im Garten herum und räume das Laub weg.

@ Nath 4.3. 14:02: Guter Tipp..das versuchen wir.

Nordlicht

4. März 2020 21:24

Dem kritischen Text stimme ich weitgehend zu, aber der Satz "... mehr als 1 700 Billionen US$ vernichtet ..."ist mE unwahr, sofern damit gemeint ist, es seien Werte vernichtet worden.

Sowenig durch steigende Bösenkurse Werte geschaffen werden, ist auch bei fallenden Kursen kein realer Schaden entstanden. (Das ist meine laienhafte Ansicht, bin kein Ökonom, nur Ingenieur.)

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Wenn man sich die Globalisierung das immer fortgesetzte Outsourcing und immer kleinteiligere Produzieren quer über den Globus anschaut, so ist dies - lediglich - der Endpunkt einer Entwicklung, die mit der über die regionalen Bereiche hinausgehende Spezialisierung Mitte 19. Jh. begann. Entscheidender Faktor sind die Transportkosten - wenn sie niedrig sind, lohnen sich längere Wege hin zum besseren bzw billigeren Produzenten.

Als Deutschland begann, das Eisenbahnnetz auszubauen, entstanden die ersten weitgreifenden Produktions- und Distributionbeziehungen für Massenware. (Für Spezialwaren gab es schon vor Marco Polo globale Märkte.)
Mit Ausbau des Autobahnnetzes sanken die Transportkosten weiter. Da lohnte es sich, Kleider in der Türkei nähen zu lassen und mit dem Lkw über die Balkanroute in die EWG zu bringen.
Nach 1990 gab es einen gewaltigen Schub mit der Eingliederung von Osteuropa, praktischerweise auch mit billigen Lkw-Fahrern.

Die Globalisierung funktioniert einerseits durch billige See- und Lufttransporte, einen gewaltigen Schúb ergab das Internet mit den dadurch ermöglichten Kooperationen: Ein Grafiker zB entwirft eine Lebensmitttelverpackung, daraus werden in einem thailändischen Büro die Vorgaben für die Druckmaschinen programmiert, diese stehen in Bulgarien, dort werden die laminierten Pappen hergetellt, aus denen in Stuttgart die Milchtüten gefaltet und gefüllt werden.

Frage: An welchen Stellen des globalen Produktions- und Distributionssystems soll man ansetzen, um kleine, regionale Verbindungen zu stärken? Meiner Ansicht bei den Transportkosten. Der angenehme Nebeneffekt: Enegieverbrauch und Emissionen sinken.

ullrich

4. März 2020 21:27

Das Hauptproblem der deutschen Eliten ist die mangelnde Demut. Als erstes wurde die Religion über Bord geworfen und der Mensch masste sich göttliche Qualitäten an. In Buch Genesis steht: Gott sprach ... und es wurde ... Durch das glückliche Zusammentreffen von internationaler Arbeitsteilung, technischem Fortschritt, niedrigem Ölpreis und manipuliertem Zins hatten die deutschen Eliten den Eindruck alles beschliessen zu können, egal wie irre, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Die Summen des ausgegebenen Geldes werden immer Größer. Begonnen hat das alles mit der Abwrackpremie, dann kam die Griechenlandrettung, die Bankenrettung und die Aufnahme von Millionen von Migranten. Letzter Höhepunkt ist Ursulas Green Deal mit über 1000 Mrd. Die größenwahnsinnige Ideologie ist, man muss nur genug Geld drucken und damit läßt sich dann jedes Projekt zum Erfolg führen auch ohne Strukturreformen. Die Coronakrise beginnt nur die Grenzen aufzuzeigen. Es wird noch viel schlimmer kommen. Denn mittlerweile ist man über das Verwerfen Gottes weit hinaus. Mittlerweile kämpft man gegen die über Jahrhunderte gewonnen Erkenntnisse der Wissenschaften. Ganz objektiv betrachtet wird der Weg den die Linken mit der Deindustrialisierung in Deutschland gehen zu gravierenden Versorgungsengpässen in allen Bereichen führen. Bis hin zur Hungersnot. Ich übertreibe dies keineswegs. Ohne industrielle Landwirtschaft z.B. werden auf dieser Erde, nicht nur in Deutschland, Milliarden verhungern. Ohne innovative chemische/phamarzeutische Industrie wird es zu Seuchen kommen. Und wenn die Energieversorgung nicht funktioniert erfrieren Menschen. Hoffentlich lernen die deutschen "Eliten" ihre Lektion bevor es zum Äußersten kommt.

Lumi

4. März 2020 22:25

@Franz Bettinger in "Coronavirus (1)" am 28. Februar um 10:51: "Eine spezifische Therapie gibt es auch für KEINE einzige Virus-Erkrankung. (Nennen wir sie halt mal so, faute de mieux.)"

Als medizinischer Laie, der auf den eigenen Körper zu hören versucht und Sport für wichtig hält, dessen Eltern andererseits Ärzte sind und ihr Leben lang auf Sport verzichtet haben, lese ich ihre Ausführungen mit viel Sympathie. Auch in puncto berufsständische Propaganda und Betrügerei pflichte ich Ihnen bei (wobei ich es für die Medizin nicht beurteilen kann).

Nun aber mal ein unschönes Praxisbeispiel: Ein paar Tage nach einer Knutscherei bekam ich so einen merkwürdigen Ausschlag zwischen Lippe und Nase und am Mundwinkel. Ich dachte, es wäre eine Reaktion auf die viele Chemie, welche das Mädel in ihre Frisur investiert hatte. Ab und zu, wenn auch selten, kam diese Seuche wieder.

Erst nach ein paar Jahren hab ich gelernt, daß es Herpes ist. Und zwar war er infolge einer Lebensmittelvergiftung ausgebrochen und dann via Schmierinfektion ins Auge gelangt. Da wurde es dann ernst, da ich erst mal dachte: och, das Fremdkörpergefühl im Auge wird schon wieder weggehen … Das war falsch. Nun hab ich halt Narben auf der Hornhaut; Sterne sehen nicht mehr exakt punktförmig aus, sondern wie kleine Strichmännchen.

Der Augenarzt sagte bei der letzten Kontrolle, es wäre jetzt weg, aber die Viren würden noch in den Nerven sitzen und könnten wieder auftauchen, um ihr Unwesen zu treiben. Es scheint, der Herpes ist ein Trittbrettfahrer und kommt mit anderen Krankheiten, also wenn man geschwächt ist. Zum Glück bin ich so gut wie nie krank und es kommt weniger als einmal im Jahr, und offenbar immer weniger.

Und es kriegt übrigens nicht jeder oder jede, auch wenn die Durchseuchung mit diesen Viren wohl recht hoch ist. Bei wem es ausbricht, der hat halt einfach Pech gehabt. Und wenn man mal überlegt, dann muß das auch stimmen, denn sonst hätten nahezu 100% der Bevölkerung Herpes.

Jedenfalls gab es damals, wo ein Auge betroffen war, eine spezifische Therapie in Form einer Salbe (Aciclovir und ähnliche Namen), die mehrmals täglich, am besten auch einmal nachts, aufzutragen war, denn, wie der Arzt sagte: Das Virus schläft nicht. Das wäre dann doch ein Gegenbeispiel zu ihrer These? Oder wie sehen Sie das?

Nemo Obligatur

4. März 2020 22:28

An dem Artikel ist so gut wie alles falsch.

Die Verbreitung des Corona-Virus hat nichts mit dem Wirtschaftssystem, der Globalisierung oder einer One-World-Ideologie zu tun. Zu allen Zeiten gab es Epidemien und viele davon waren weitaus schlimmer als Covid-19 (Pest, Pocken, Cholera, Spanische Grippe). Es ist ein seuchenpolizeiliches Problem, zu lösen durch Hygienevorschriften, Verhaltensmaßnahmen und medizinische Forschung.

Dann wird im Artikel unterstellt, "multinationale Unternehmen" seien die Quelle aller Übel. Die meisten Unternehmen oberhalb einer gewissen Größe operieren heute "multinational". Gegen Austausch und Handel über Staatsgrenzen hinweg ist nichts einzuwenden. Dass die Wirtschaft letztlich für den Konsumenten da sein sollte, dürfte sich von selbst verstehen. Für wen sonst? Am Ende sind auch Unternehmer Konsumenten und haben ein Eigeninteresse an einer hinreichenden Güterversorgung. Eine Wirtschaft, die nur vom Produzenten her denkt, hat keinen Sinn, außer man möchte das stalinistische System der Industrialisierung wieder einführen. Die Produktion dient der Gewinnerzielung, selbstredend im Rahmen der gesetzlichen Grenzen. Daran ist nichts verwerflich. Über richtige und gerechte Besteuerung ließe sich reden, muss geredet werden.

Es ist auch ein Irrtum, dass die "Multis" das Klima zerstören und der Staat dann dafür zahlen muss. Die Kosten der Klimapolitik werden Produzenten und Konsumenten aufgebürdet, wer welchen Anteil Steuerlast letztlich trägt, entscheidet der Markt im weitesten Sinne. Und der Markt ist eine verdammt effiziente Institution, solche Fragen zu klären. Ein gutes Beispiel ist das Bestellerprinzip für Immobilenmakler. Man kann das verallgemeinern: Soweit der Staat irgendwo irgendwas zahlt, ist es ebenfalls immer der Steuerzahler, der haftet. Reden wir also lieber über Steuerpolitik.

Die Arbeitslosigkeit war in Deutschland schon lange nicht mehr so niedrig wie heute. Nicht alles muss Industrie sein. Dass die sog. Dritte Welt oft nicht vom Handel profitiert ist wohl eher ein Märchen. Man schaue auf den Aufstieg Ostasiens. Noch nie haben so viele Menschen in Wohlstand und Sicherheit gelebt. Wo dies nicht der Fall ist, vor allem in Afrika und Südamerika, dort spricht man oft vom "Fluch der Rohstoffe". In den rohstoffreichen Staaten etablieren sich gerne korrupte Eliten. Dies hat aber weniger mit dem Welthandel als mit schwachen Institutionen und Bad Governance zu tun. Eher gibt es dort zu wenig Globalisierung als zuviel.

Richtig ist, dass es bei zunehmenden Freihandel viele Gewinner gibt, aber auch viele Verlierer. In Summe ist der Vorteil höher als der Nachteil. In einem wohlgeordneten Staat muss eine soziale Balance hergestellt werden. U.a. dazu dienen Steuern und der Sozialstaat. Das Ideal wird hier nie erreicht, denn Steuerzahler versuchen eben dies zu vermeiden, während Transferempfänger gerne ihre Einnahmen maximieren möchten. Das ganze System ist ständig in Bewegung.

Was bei der Globalisierung unter die Räder zu kommen droht, ist die eigene Kultur. Die großen Städte sehen heutzutage gleich aus, in den Kinos laufen die gleichen Filme, im Radio die gleiche Musik usw. Wirtschaftliches Gewinnstreben verträgt sich oft nicht mit kulturellen Aktivitäten. Das ist ein großer und bedauerlicher Verlust, dem entgegenzuwirken gilt. Andererseits, und das ist die gute Nachricht, ermöglicht materieller Wohlstand die Pflege kultureller Interessen. Wo alle auf dem Acker pflügen und säen müssen, wird es keine Theater, Buchandlungen und Hochschulen geben. Auch keine "Sezession".

Das waren nur einige Punkte, die mir aufgefallen sind.

Simplicius Teutsch

4. März 2020 22:56

@Franz Bettinger. Das ist auch meine Meinung in Bezug auf die sogen. Corona-Virus-Pandemie: Es ist ein riesengroß, global aufgeblasenes Medien-Phänomen, das auf die Gespräche und schließlich das Verhalten der Zeitgenossen in Politik, Firmen, Schulen und ins Private übergegriffen hat und hysterische Reaktionen erzeugt.

Mir mangelt es immer noch an der Vorstellungskraft, diese ins Zentrum aller Berichterstattung gestellte, gefährliche Brisanz des Problems zu erkennen. - Auch wenn ich da, in dieser Angelegenheit, offensichtlich nicht auf AfD-Kurs bin: „Die AfD-Bundestagsfraktion hält eine Schließung der Schulen in Deutschland für sinnvoll.“ - Na gut, sollen sie mitmachen. Das macht das Kraut auch nicht fett.

Bisher 257 bekannte Infektionen, nicht Tote, mit Corona-Virus in Deutschland. In Deutschland sterben jeden Monat ca. 75.000 Menschen an allem Möglichen. Vielleicht sind da auch ein paar Tote dabei, wo der Arzt möglicherweise Corona-Viren in der Leiche nachweisen kann. Und vielleicht kann man diese Viren sogar als Auslöser für den Tod des Toten verantwortlich machen. Aber würde das die derzeitige hysterische Dramatisierung rechtfertigen?

Um ihren Job besorgte Politiker, Firmenchefs, Schuldirektoren, Messe-Veranstalter und sonstige Veranstalter machen doch bei dieser medial und politisch beförderten Hysterie nur deshalb mit – mit teilweise extrem sichtbar um das Gemeinwohl besorgten Gesichtern (habe gerade CNN eingeschaltet: die amerikanischen Demokraten sind ja auch so was von ekelhaft verheuchelt! - unerträglich), weil man nicht ganz sicher sein kann, ob am Ende nicht doch so etwas wie die Pestseuche herauskommen kann. - Aber nach aktueller Lage!?

Franz Bettinger

5. März 2020 01:01

@Lumi: Da müssen Sie sehr tief unten geknutscht haben. Der Herpes genitalis ist jedenfalls, so sagen Micobiologen, die Ursache für den oralen H. Frisierte Mädchen soll man sowieso nicht küssen. Wer sich frisiert, verheimlicht auch andere Sachen. Und ich meine das nur zum Teil im Spaß. Bei Herpes: schmieren Sie (wie die Türken es machen) Zahnpasta drauf, das kostet nix und trocknet die Bläschen recht schnell aus. Auch hier helfen die angebotenen, schön klingenden Virus-Cremes nicht. Die Frage, woher Sie den Hornhaut-Herpes haben (oder auch jeden anderen), ist eigentlich falsch gestellt. Denn auch dieser Virus befindet sich ÜBERALL. Harvard Medical School schreibt: "Autopsy studies show that 100% of people over age of 60 have Herpes virus in their body - specifically in the trigeminal ganglion that supplies the nerves to the eye. It is a matter of how your body responds to the infection that determines what happens to your eye.“ Wie ich schon einmal schrieb: „Ce n'est pas le gerne, c’est le terrain, qui importe“ (UCL). Es kommt nicht auf den Keim (in ihnen) an, sondern auf ihre momentane Abwehrlage. Ist die gut, fangen Sie sich nichts. „Trittbrettfahrer“ ist ein treffender Ausdruck für alle Viren und die Bakterien. Ich nannte sie „Geier“. Mikrobiologen sprechen von "Passagier-Viren". Es gibt keinerlei Therapie außer: die Abwehr stärken. Wie? Versuchen Sie, glücklich zu sein. Wenn Homöopathie Sie glücklich macht, nehmen Sie das Zeug. Wenn Sport, Sex, Beten Sie glücklich macht … Sie wissen schon, hier hör ich auf, sonst flieg ich raus aus SiN. Der Bademeister klatscht schon mit dem nassen Handtuch.

Laurenz

5. März 2020 05:48

Zitat- Auf den Finanzmärkten zwischen New York, London, Hongkong und Tokyo (Tokio) werden gegenwärtig täglich Billionen von ungedeckten, da aus dem Nichts gezauberten Geldern so schnell vernichtet wie sie geschaffen wurden.
Alleine zwischen dem 23. und 25. Februar wurden am technologielastigen S&P500 Index mehr als 1 700 Billionen US$ vernichtet. Es ist die schnellste Kurskorrektur der Geschichte seit dem Schwarzen Montag 1987. Selbst die Aktien von führenden Börsenunternehmen wie Apple, Nike, Mastercard verlieren täglich an Wert. -Zitatende

In einem deutsch geschriebenen Artikel sollten anstatt us amerikanischer Billionen deutsche Milliarden verwandt werden.
Auch die hier zitierte panisch gehaltene Einschätzung der Situation ist wenig hilfreich und der historische Vergleich unlauter. Wir sind hier auf SiN und nicht beim Relotius. Der Standard der SiN-Philosophen sollte auch in ökonomischen Fragen eingehalten werden.

Bewertungen von Aktien-Depots werden anhand der Börsenkurse, also anhand aktuell gehandelter Umsätze in einem Wert, zB Deutsche Bank, vorgenommen. Existieren keine Umsätze, so wird der Kurs geschätzt und die Schätzung als solche auch kenntlich gemacht.

Durch den Hochgeschwindigkeits-Handel bieten in liquiden Werten auch anonym angezeigte Handels-Volumina nur noch wenig Anhaltspunkte. Es kann sich ja immer um dieselben tausend Aktien handeln, die hin und her geschoben werden und das Handelsvolumen aufblähen.
Im Artikel wird korrekt beschrieben, daß fallende Aktienkurse deflationär sind, wie steigende inflationär. Das war schon immer so, siehe der Tulpen-Crash in 1637, und passiert aus Mangel an besseren Bewertungsmöglichkeiten, was nicht heißt, daß Börsenkurse als Bewertung von Unternehmens-Beteiligungen gut wären. Aber was wäre die Alternative?
Und das Geld im Tulpen-Crash war nicht weg, es steckte bloß in anderen Taschen. Die Börse erschafft nichts, der Kuchen bleibt immer gleich groß, nur die Stücke verändern sich.

Historisch ist das gut festzumachen. Bei der Währungsreform von der Reichsmark in die Deutschmark verloren alle Bürger ihre Sparguthaben, während Aktien-Besitzer, Grundstücks- und Immobilien-Besitzer bereits am Punkt 0 über Vermögen verfügten. Ob das so richtig oder falsch war, darüber läßt sich trefflich streiten, aber der historische Fakt ist unumstößlich, und das in einer damaligen Wirtschaftslage am absoluten Tiefpunkt.
Die große Mehrheit der Besitzer von Anleihen waren enteignet. Das betrifft vordergründig Deutschland. Nach wie vor besitzen nur 6% der deutschen Bevölkerung Aktien. Für die restlichen 94% spielen weder die Trauer noch die Parties der Pussies an der Börse eine Rolle. Auch unsere Gesetzeslage ist debattierbar. Institutionelle Anleger, wie Versicherer, dürfen Kundengelder nur zu 9% in Aktien anlegen und werden gezwungen europäische Schrott-Staatsanleihen zu Staatsmonopol-kapitalistischen EZB-Preisen zu kaufen. Welcher Kleinanleger würde schon Portugal 10 Jahre bei einer Rendite von 0,16% kaufen? Eben, keiner. Aber Versicherer müssen es tun, weil die EZB den Staaten die Zinsen beim überteuerten Ankauf schenkt/erläßt, Plan-Wirtschaft, DDR 2.0, im Euroland-Maßstab.

Im anglo-amerikanischen Sprachraum ist das anders. Dort sind die Altersversorgungen von Klein-Anlegern zu 60% in Aktien angelegt und nicht in Anleihen. US Treasuries werden meist von US Banken, den Eigentümern der FED, gehalten, ein todsicheres Geschäft. Man kauft die Staats-Schulden der US Bürger und druckt quasi das Geld zur Staats-Kredit-Vergabe selbst.
Was Frau Michels vergessen hat, zu erwähnen, ist, daß der Anteil des Aktionärs am vorhanden Kuchen gleich bleibt, egal wie die Bewertung aussieht, Geldmengen bleiben abstrakt. Was macht denn der Großanleger mit dem Verkaufs-Erlös, wenn er Aktien verkauft hat? Rohstoffe, Immobilien? Das Geld muß doch irgendwohin.
Wenn also jemand, inflationsbereinigt, was ich hier anzweifle, den aktuellen Crash mit dem von 1987 vergleicht, so muß dazu eine Referenz benannt werden. Das fand hier aber nicht statt. Es existierten 1987 auch keine Unternehmen wie heute, die aus reiner Luft bestanden, wie zB FB oder Gugel.
Was die keynesianische, also sozialistische Geldpolitik der USA, Japans, Chinas und der EZB angeht, so ist hier die Notwenigkeit zu beachten, daß aus Luft erschaffenes Giralgeld vom Konsumkreislauf zu trennen ist, sonst würden wir in eine Hyper-Inflation geraten, die tatsächlich ein Problem darstellte. Und das ist den Politikern und Notenbankern bisher gelungen. Allerdings ist diese Gefahr auch ihr Trauma, von daher das Mantra einer Sparpolitik im Sozialwesen. Inflation wird aus einem variablen Warenkorb berechnet. Das statistische Bundesamt in Wiesbaden steckt immer die Konsumgüter dort hinein, deren Preise am wenigsten angestiegen sind. Die Inflation des zum Konsum verfügbaren Geldes muß inflationiert, also weniger wert werden, damit die Staaten ihre Schulden im Griff behalten. Verliert das Geld an Wert, verlieren auch die Schulden an Wert. Und Staatsausgaben, werden aus dem tatsächlichen, erarbeiteten Konsum-Geld finanziert...... das fehlende Geld in den Budgets, also die Schuldenaufnahme, früher ja, heute nur noch bedingt, siehe oben die Versicherer und Kleinanleger. Zur inneren Inflation kommt im globalen Handel der Außenwert einer Währung.
Der Euro hat zB zum Thai-Baht in 10 Jahren um 22% abgewertet. Produkte aus Thailand, wie Sanitäts-Produkte als Bestandteil des Warenkorbes sind um 22% teurer als vor 10 Jahren und damit Bestandteil unserer Inflation.

Die einzige tatsächliche ökonomische Auswirkung einer Hausse oder Baisse, speziell auf die Geldmenge, sind die Lombard-Kredite. Die Kredit-Vergabe mit Wertpapieren als Besicherung steigt und fällt mit den Kursen mit. So mancher unvorsichtige Unternehmer/Anleger wurde schon mit Lombard-Krediten von Banken enteignet.
Jeder Leser kann seine Bank fragen, wie viel % seines Depot-Wertes seine Bank beleihen würde.

RMH

5. März 2020 07:45

Die AfD spielt bei Corona offensichtlich das Spiel, einmal Populist, immer Populist und zwar auf allen Gebieten - das, was in Griechenland zur Zeit sich abspielt, sollte aber das Thema der AfD sein, zumal Corona hier als wunderbare Ablenkung von dem sich anbahnenden 2015 2.0 gebraucht wird. Und beim Thema Migrationskritik hat die AfD die Marke geprägt bzw. eine Kernkompetenz und nicht beim Verteilen von Pestmasken etc.

@Nemo Obligatur,
Ich möchte Ihnen recht geben. Es fällt auf, dass bei SiN sich oftmals eine recht unreflektierte Industrie- und Wirtschaftsfeindlichkeit breit macht. Insbesondere, wenn es sich um große, internationale Industrien und - Achtung! Puddingbegriff! - "Konzerne" aus dem Westen handelt. Da werden bei manchem offenbar ganz andere Bewusstseinsschichten angesprochen, als die rationalen.

Fakt ist jedoch, selbst mit ganz hypothetisch allen Ausländern raus etc., wären wir in diesem Land noch bei deutlich über 40 Mio Einwohnern und die können nicht alle ihren Sellerie und ihre Bohnen in ihrer kleinen Datsche selber kultivieren …. und ihre selbst wieder zu recht gedengelten Mofas bewegen (Nichts gegen Hobby-Gärtnerei oder Auto-Schrauberei. Da bin ich auch auf beiden Feldern unterwegs - aber das als ernsthafte Alternative für ein ganzes Volk zu sehen, halte ich für naiv. Wir sind seit weit über 100 Jahren im Schwerpunkt eine Industrienation, die von Anfang an mit der ganzen Welt handelte und das ohne nennenswerte, eigene Kolonien. Deutschland ist eigentlich ein Inbegriff für globales Wirtschaften. Der Wohlstand des Landes und die Fähigkeit, auch 2 Kriegsniederlagen verkraften zu können, hat hierin ihre Hauptursache. Nicht umsonst wird Deutschland von allen anderen Ländern diesbezüglich zumindest argwöhnisch beobachtet).

Lotta Vorbeck

5. März 2020 08:38

@RMH - 5. März 2020 - 07:45 AM

"Es fällt auf, dass bei SiN sich oftmals eine recht unreflektierte Industrie- und Wirtschaftsfeindlichkeit breit macht. Insbesondere, wenn es sich um große, internationale Industrien und - Achtung! Puddingbegriff! - "Konzerne" aus dem Westen handelt."

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Ach. - Wenn der Feind nicht als solcher bezeichnet wird, dann ist er quasi weg?

Maiordomus

5. März 2020 09:01

@Bettinger. Ihre Ausführungen über vordergründig weniger politische Themen, die aber viel politischer sind, als man denkt, machen Sie wohl nicht nur für mich zu einem interessanteren Foristen, als wenn man hier von Ihnen vernehmen würde, dass Sie mit Merkels oder der Grünen Politik nicht gerade einverstanden sind. Der Leib (im durchaus psychophysischen Sinne verstanden) wie auch das, was im 16. Jahrhundert, als z.B. die Syphilis aufkam, die "Artzney" genannt wurde, war schon damals kulturhistorisch um einiges substanzieller als die rein politischen und vielleicht sogar religiösen Konstellationen.

RMH

5. März 2020 10:15

"Ach. - Wenn der Feind nicht als solcher bezeichnet wird, dann ist er quasi weg?"

@Lotta Vorbeck,

falsche Beschreibung des von mir genannten Vorgangs. Aber ich weiß, wer Feind ist oder nicht, bestimmen immer noch Sie ...

Imagine

5. März 2020 11:40

Wie kommen Fachleute wie ich dazu, das Coronavirus als gefährlich einzustufen?

Bei einer Mortalität von ca. 0,5% sagen andere: „Was soll es, bei manchen Grippe-Epidemien sind viel mehr gestorben!“

Als statistische Aussage stimmt dies. Aber 0,5% von 10.000.000 Infizierten macht 50.000 Tote und das sind 50.000 Einzelschicksale, die - geschätzt - für 200.000 und mehr Menschen Verlust, Schmerz und Trauer bedeuten.

Darüber einfach hinwegzugehen, ist Ausdruck eines Mangels an Empathie sowie psychosozialer Verrohung.

Als tätiger Arzt bin ich immer einer Paradoxie ausgesetzt gewesen. Einerseits müssen alle meine Patienten früher oder später sowieso sterben. Keine Medizin kann die natürliche Lebensaltersgrenze wirklich verlängern, denn die ist biologisch wie bei den Tieren vorgegeben. Was man heute tut, weil man daran so gut verdient, ist die Sterbensphase mit hohem Aufwand zu verlängern. Wirklich älter werden die Menschen nicht, sondern nur statistisch. Das ist wissenschaftlich belegt, auch wenn die Propaganda von Medizin-, Pharma- und Versicherungsindustrie das Gegenteil behauptet.

Obwohl ich mir immer dieser Paradoxie bewusst war, habe ich als Arzt um jedes Leben gekämpft. Habe meine Diagnostik und Therapie gewissenhaft betrieben, egal wie alt die Menschen waren. Das gehörte zu meiner Berufsidentität.

Finanziell hat sich dies nicht gelohnt – im Gegenteil. Am besten verdient man mit Husch-und-Pfusch-Medizin. Der zeitliche und energetische Aufwand pro Patient ist dabei am geringsten und der Profit am höchsten. Wer gute Medizin macht, bestraft sich finanziell selbst. So ist dieses System konzipiert.

Aber ich bin nicht Arzt geworden, weil man als Mediziner, wenn man „clever“ und gewissenlos genug ist, mit schlechter Medizin viel Geld machen kann.

Die meisten meiner damaligen Mitstudenten waren – wie ich - Idealisten und wollten wirklich helfen, gute Ärzte werden und gute Medizin machen. Die Zeit war eine andere, wir waren Teil der „Love-and-Peace“-Generation. Wir gehörten zu den heute verachteten „Gutmenschen“, die egalitär und solidarisch dachten und handelten. Wir wollten das klassenlose Krankenhaus; wir wollten das System der ambulanten Versorgung verändern; jeder Arzt sollte wie in den Krankenhäusern ein Gehalt bekommen. Das System der privatwirtschaftlichen Praxen, wo der Arzt am meisten verdient, wenn er eine schlechte Fließband- und Rezeptblock-Medizin macht, sollte überwunden werden.

Kurze Zeit später hatte die System-Sozialisation einen ganz anderen Normotyp von Studenten hervorgebracht, denen es vor allem um die drei „K“ ging: Karriere, Kohle, Konsum. Gegen Ende meines Studiums arbeitete ich als wissenschaftliche Hilfskraft und Tutor, zum Teil mit eigenen Lehrangeboten.

Die neuen Studenten hatten ganz andere Wertorientierungen und Ziele als unsere Generation zuvor. Die dachten „pragmatisch“ im Sinne einer Optimierung ihrer persönlichen Vorteile. Der Grund dafür lag zu einem großen Teil an den durchgeführten Schulreformen. Als Schüler waren sie in der Schule mit dem eingeführten Punktesystem konditioniert worden, wo jeder versuchte, möglichst gute Noten zu bekommen, weil die Überflussproduktion von Abiturienten bereist im vollen Gange war und der Numerus Clausus zur Normalität der attraktiven Studiengänge gehörte. Dadurch entwickelte sich eine Psychologie des Konkurrenzverhaltens von Menschen unter den Bedingungen von Mangel.

Zu meiner Zeit ging man ins Uni-Sekretariat und ließ sich im gewünschten Studiengang einschreiben. Zulassungsbeschränkungen gab es nur im Medizin-Studium. Aber die Relation von Bewerbern und Studienplätzen war beim Medizinstudium eine ganz andere als heute. Wer damals - wie ich - nicht so gute Schulnoten hatte, aber Wehrdienst geleistet hatte, musste eine gewisse Wartezeit von einem oder wenigen Semestern in Kauf nehmen, bis er einen Medizinstudienplatz erhielt.

Mit der individuellen Risikobewertung ist wie beim „Russischen Roulette“. Üblicherweise hat ein Revolver 6 Patronenkammern. Die Überlebenswahrscheinlichkeit ist 83%, die Mortalität 17%. Nehmen wir im Gedankenexperiment an, es gäbe einen Revolver mit 1000 Patronenlagern. Dann wäre die Überlebenswahrscheinlichkeit 1:1000, also 5 Mal höher als beim Corona-Virus.
Würden wir dann so einen Revolver uns an die Schläfe setzen und abdrücken?

Und ist es nicht a-sozial, anderen Menschen so ein Risiko zuzumuten? Und ein viel höheres für kranke und/oder alte Menschen?

Die Antwort würde mich interessieren.

Sandstein

5. März 2020 12:06

"Inzwischen besteht bei Experten weitgehend Konsens darüber, dass ca. 80% der mit COVid-19 Infizierten einen symptomarmen oder sogar symptomfreien Verlauf aufweisen, der keinerlei medizinische Hilfe benötigt."

Und mit Experten meinen Sie dann konkret wen @Imagine?
..finde es immer wieder erstaunlich wie schnell Experten aus dem Boden sprießen.

Was ich aber noch erstaunlicher finde ist die Tatsache, dass es Kommentare gibt, die Covid-19 in eine größere Geschichte einzubetten versuchen.
China hat jetzt also angeblich 80.000 hochspezialisierte und immune Arbeitskräfte im medizinischen Bereich, ist also vobrereitet auf die nächste Empidemie. Klingt nach einem ziemlich großen Plan der KP in China, finden Sie nicht? Da waren die Risiken des 3-Schluchten-Bauprojekts aber kalkulierbarer!

1) Eine Erstansteckung mit Covid-19 sorgt eben nicht für eine Ausbildung von Immunkörpern bei den Infizierten
2) Es gibt Berichte und Tests, die nahelegen, dass es Patienten mit 2t Infektionen gibt
3) Es gibt unterschiedliche Standpunkte hierzu: 2-stufiger Verlauf der Erkrankung bzw. Neuinfektion.
4) Genauso wie das SARS Virus sich veränderte, wird es nicht noch einmal eine Epidemie mit Covid-19 geben, sondern einem modifizierten Virus. Da können Sie dann Ihre angeblich ausgebildeten Immunkörper an der Pfeiffe rauchen.
Es gibt genau aus diesem Grund bis heute keine wirksame Grippeimpfung.

Unter diesen Gesichtspunkten ist es schon sehr mutig, China hier auch zu nur irgendwas gratulieren zu wollen. Aktuell wird übrigens über einen erneuten Anstieg der Neuinfektionen berichtet.

"Auf jeden Fall ist es gelungen, die Ausbreitung des Virus in China durch die Quarantänemaßnahmen der Regierung erfolgreich zu bekämpfen."
..also auch das einfach Unfug, bitte informieren Sie sich.

Abschließend: Sie haben da sowieso einen sehr exklusiven Standtpunkt, passt aber zu Ihren Ausführungen i.S. "Expertentum".

limes

5. März 2020 13:18

Für Globalisierung und Machbarkeitswahn muss die Zeche gezahlt werden. Brauchen wir wirklich Erdbeeren und Spargel mitten im Winter (die übrigens lausig schmecken)? Schneekanoneneinsatz am geschundenen Feldberg und anderswo? Flugreisen zu Schnäppchenpreisen? Server mit ausuferndem Stromverbrauch für Smart Homes, Serienstreaming und Ballerspiele im Internet? Jedes Jahr ein neues Smartphone, Tablet und Notebook?

Es ist eben nicht wahr, dass die Menschen von Globalisierung und Machbarkeitswahn profitieren. Vorsichtshalber spricht ja @ Nemo Obligatur von »Konsumenten«, nicht von Menschen. Die Menschen verlieren in Machbarkeitswahn und Globalisierung menschliche Würde (indem sie zu »Konsumenten« werden), sie entbehren menschliches Maß, menschliche Beziehungen und sogar ein menschliches Ende.

Was zum Beispiel die Schneekanonen angeht, so stehe ich auf dem Standpunkt, dass es in Zeiten des naturgegebenen (!) Klimawandels keinen Anspruch auf Skifahren für alle gibt. Im Übrigen ist Skifahren ein Sport, und ich plädiere dafür, nicht nur die Schneekanonen zu verschrotten, sondern die Skilifte gleich mit. Wer in den Genuss einer Abfahrt kommen will, der soll vorher aufsteigen! Ich weiß, dass man nach einem solchen Wintersporttag zufriedener ist als nach halsbrecherischem Pistenrummel, und man hat auch etwas für seine Abwehrkräfte getan.

Das Märchen von den niedrigen Arbeitslosenzahlen ist längst widerlegt. Dabei spreche ich von sinnstiftender Arbeit, von der man eine Familie ernähren kann, und aus der man einen Teil seiner Identität schöpft. Arbeit: keine Jobs!

Sicher: Wir sind weit mehr gereist als unsere Eltern, und gemessen an unserem Nachwuchs sind wir doch Stubenhocker. Um diese Steigerung beizubehalten, müssten unsere Enkel zum Mond und zu unseren Nachbarplaneten fliegen.

Ich weiß: Schon immer hat es Miesmacher und Bremser des Fortschritts gegeben, die meinten, die Geschwindigkeiten beim Reisen mit der Eisenbahn oder dem Automobil seien dem Menschen nicht bekömmlich, und dergleichen mehr.

Aber jetzt ist gleich mehrfach eine neue Qualität erreicht: Die Globalisierung beraubt Völker ihrer Identität und Verteidigungsmöglichkeiten. Mit der Entwicklung der KI hat man das Tor der Hölle aufgestoßen, und mit der Transplantationsmedizin mutieren Mediziner zu Monstern.

Um den Bogen zum Thema zu schlagen: China brüstet sich aktuell mit einer fragwürdigen Doppel-Lungen-Transplantation: »Zwischen Lug, Trug, Seuche und Tod: Dr. Chens Doppel-Lungen-Transplantation bei Coronavirus-Patient«. Quelle:

https://www.epochtimes.de/china/zwischen-lug-trug-seuche-und-tod-dr-chens-doppel-lungen-transplantation-bei-coronavirus-patient-teil-1-a3172585.html

Lumi

5. März 2020 19:44

@Franz Bettinger: Nur interoral geknutscht, hat offenbar zur Infektion gereicht, wie es auch der landläufigen Meinung entspricht. Danke für den Zahnpastatipp. Interessant, die Harvard Medical Meldung hinsichtlich 100% - paßt ja genau zu meinen laienhaften Überlegungen.

Infolge Lebensmittelvergiftung mit Fieber war meine Abwehrlage sicher suboptimal. Eine Schmierinfektion (durch gedankenloses morgendliches Augenreiben) wie vom Augenarzt vermutet scheint mir plausibel, denn das ist ja sozusagen eine Massenmigration von Viren auf die Hornhaut im Gegensatz zu nur ein paar wenigen, die dort vielleicht vom Immunsystem ständig abgewiesen oder eliminiert werden.

Ruewald

5. März 2020 23:50

Zum Thema Globalisierung ein in mehrerer Hinsicht empfehlenswertes Buch:
Evi Hartmann, Wie viele Sklaven halten Sie? Über Globalisierung und Moral, (Campus-Verlag), 2016.
Die Autorin ist Mutter von vier Kindern und BWL-Professorin an der Uni Erlangen-Nürnberg, ihre Spezialgebiete sind globale Netzwerke und Supply Chain Management.

Als Quereinsteigerin ins Gebiet der Ethik kommt sie zu provokanten und erfrischenden Einsichten und lebenpraxisbezogenen Schlußfolgerungen - m.E. Ansätze, um aus der Sackgasse der philosophischen Ethik herauszukommen. Fand ich anregend und dürfte auch für die Philosophin Dr. Sommerfeld interessant sein.

Einige Kostproben:
"Spätestens seit den Aufklärern kursiert der Mythos, daß das Bindeglied zwischen Wissen und Handeln die Vernunft sei. Dem ist zu widersprechen. (S. 111)
Der Mensch ist zwar vernunftbegabt (Reiter), aber affektgesteuert (Elefant). Der Reiter kann den Elefanten zwar mit Disziplin und und eisernem Willen herumreißen – aber nicht lange. In 80% der Fälle nicht einmal für die Dauer einer Diät, beweist die hohe Abbrecher- u. JoJo-Rate." (130)
"Versuche nicht die Person zu verändern, ändere die Situation! Z.B. Wer abnehmen will, sollte sein Essen auf kleine Frühstückstellern zu sich nehmen. (131) – Abstinenz durch Absenz." (117)
Einüben moralischen Handelns durch operante Konditionierung ....

Die Autorin listet 18 Spielregeln der Globalisierung auf (S. 158 ff); eine Auswahl:
4. Das Spiel ist ein Nullsummenspiel: mein Gewinn – dein Verlust. (im Gegensatz zu @Nemo Obligatur)
6. Einmal Verlierer – immer Verlierer.
9. Ein Spielabbruch ist in den Spielregeln nicht vorgesehen.
10. Spielverluste nehmen einen progressiven Verlauf.
14. Selbst Gewinner können zu Verlierern werden.
Diese Höllenmaschine verfügt über eine eingebaute Eskalation.
Das Beispiel Kenias zeigt dies illustrativ: auch früher hatte Kenia Schulden – aber seit es das Spiel mitspielt, hat es dreimal so viele. Viele Entwicklungsländer sind in dieser Schuldenspirale gefangen...
Schuldenschnitt? Selbst das wäre kein Spielabbruch, denn es entstehn neue Abhängigkeiten, wie der argentinische Schuldenerlaß 2001 belegt: 2014 war das Land schon wieder nahe dem Staatsbankrott.- Inzwischen verhökern vor allem viele afrikanische Länder ihr ohnehin knappes Ackerland zu Spott-preisen ("Land Grabbing"), um ihre Schulden wenigstens so minimal bedienen zu können, daß sie noch mehr Kredit bekommen. (159)
Der Kapitalismus hat den Imperialismus abgelöst. Wo früher Kolonialmächte mit Truppen einmarsch- ierten und das Land mit Waffengewalt besetzten, wedelt jetzt der Gläubiger mit dem Schuldschein – und kriegt das Land nachgeworfen. Die Geschichte wiederholt sich – aber in in anderen Farben. (160)

Der Stil der Autorin gefällt mir zwar nicht (viele Anglizismen, oft etwas schnoddrig), aber der Inhalt ist lesens- und das Anliegen begrüßenswert.

Ein weiteres (Standard)Werk: Michel Chossudovsky (Ökonomieprofessor und Direktor von GlobalResearch, Canada), "The globalization of poverty" (deutsch. "Global brutal).

Franz Bettinger

6. März 2020 00:41

@Lumi: Kennen Sie die elf Feinde des Auges? Es sind die zehn Finger und das Taschentuch.

Imagine

6. März 2020 10:05

„ Arzt hält 278 000 Corona-Tote in Deutschland für möglich

Der Chef-Virologe der Berliner Charité hält es für möglich, dass sich das Coronavirus erst dann nicht weiter verbreitet, wenn zwei von drei Menschen zumindest vorübergehend immun sind, weil sie die Infektion schon hinter sich hätten.

Christian Drosten rechnete der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vor, was das bedeutet: „Bei einer Gesamtbevölkerung von 83 Millionen wären zwei Drittel fast 56 Millionen Menschen, die sich infizieren müssten, um die Ausbreitung zu stoppen. Bei einer Mortalität von 0,5 Prozent wäre in dem Fall mit 278 000 Corona-Todesopfern zu rechnen.“

Drosten erklärte aber auch: Jedes Jahr würden in Deutschland 850 000 Menschen sterben. Das Altersprofil sei ähnlich wie bei den Todesfällen durch das neue Virus. Heißt: „Bei langsamer Verbreitung werden Corona-Opfer in der normalen Todesrate verschwinden.““
https://www.bild.de/news/inland/news-inland/coronavirus-mehr-als-150-neue-faelle-in-deutschland-insgesamt-ueber-400-lufthansa-streicht-mehr-als-7000-fluege-69089326.bild.html

zeitschnur

6. März 2020 10:18

@ Franz Bettinger

Mich würde interessieren, was Sie von der These halten, die sich auch hier in diesem Wikiartikel findet: https://de.wikipedia.org/wiki/Infektionsverst%C3%A4rkende_Antik%C3%B6rper
Dort werden infektionsverstärkende Antikörper beschrieben, die man auch beim Coronavirus vermutet. Es heißt:

"Bei den SARS-CoV-2 Viren wird eine infektionsverstärkende Wirkung vermutet. Hinweise darauf sind die milden Verläufe bei Kindern, welche potenziell noch nie eine Coronavirus Infektion hatten, verglichen mit den schwereren Verläufen älterer Menschen, welche in ihrem Leben potenziell bereits mit einer Coronavirusinfektion zu kämpfen hatten und Antikörper dagegen bilden konnten."

Es gibt dann einen Link zu einem journalistischen Artikel, der allerdings zeigt, wie spekulativ das Ganze ist. Scheinbar nachgewiesen ist der Effekt bei Denguefieber. Dort erkrankt man aber niemals am selben Typ des Fiebers, sondern nur wieder an einem ähnlichen, so wie man es ja auch sonst kennt von inzwischen mutierten Erregern, gegen die man natürlich nicht immun bleibt, wenn man an einer älteren Form einmal erkrankt war. Woher die Sicherheit kommt, dass Antikörper die Infektion verstärken, habe ich nicht verstanden. Vielleicht können Sie dazu etwas sagen?
In der allgemeinen Hysterie wird ja auch immer wieder behauptet, der derzeitige Erreger mutiere ganz schnell. Meine Frage ist: woher weiß man das so genau? Und: wie schnell mutiert er? Denn damit kann man ja das Horroszenario entwerfen, dass Menschen alle paar Wochen am selben, aber inzwischen soweit mutierten Virus erkranken, dass sie nie mehr gesund werden. Von einem solchen Szenario habe ich allerdings noch nie sonst etwas gehört.
Über eine Antwort würde ich mich freuen. Danke.

Götz Kubitschek

6. März 2020 10:25

so, badeschluß. morgen geht's weiter.

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