Sonntagsheld (140) – Unter Linken

Das Myzel im Honigtopf

 Gastbeitrag

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Das Myzel im Honigtopf

 

Für vie­le Akti­vis­ten gleicht das Anti­fa-Outing einem Rit­ter­schlag, einer in ihrer Wich­tig­keit nicht zu unter­schät­zen­den Initia­ti­on. Wenn das eige­ne Gesicht zum ers­ten Mal auf einem lin­ken Fahn­dungs­pla­kat auf­taucht, wenn das ers­te Mal ein Graf­fi­ti an der Haus­tür mit Gewalt und Tod droht, dann ist der Schritt aus der eige­nen Kom­fortzone end­gül­tig getan. Ein Zurück in die Anony­mi­tät gibt es dann nicht mehr. 

Aus eige­ner Erfah­rung kann ich sagen: Das hat vor allem etwas Befrei­en­des und es ist ein wich­ti­ger Mei­len­stein auf dem Weg von „neben­bei“ und Belie­big­keit hin zu einem neu aus­ge­rich­te­ten Lebens­ent­wurf. Trotz­dem geht jeder Nach­wuchs­ak­ti­vist damit anders um. Wäh­rend der eine ver­sucht, das Unver­meid­li­che so lan­ge wie mög­lich her­aus­zu­zö­gern, war­tet der ande­re gekränkt auf den ers­ten Arti­kel und beginnt schon an den feind­li­chen Recher­che­s­truk­tu­ren zu zweifeln. 

Unse­rer­seits betrei­ben wir kaum „Anti-Antifa“-Arbeit. Sicher, man nimmt schon war, wenn mal wie­der eine fri­sche Lar­ve auf­taucht, oder irgend­ein neu­es Ple­num sei­ne Arbeit ankün­digt, aber das sind Infor­ma­tio­nen, die der durch­schnitt­li­che Rech­te eher im Vor­bei­ge­hen wahr­nimmt, als ihnen aktiv nach­zu­ge­hen. Ein Akti­vist der ita­lie­ni­schen Casa Pound sag­te ein­mal zu mir: „Die Anti­fa ist wie die Medu­sa. Wenn Du sie anschaust, erstarrst Du zu Stein.“ Will sagen: Kon­zen­trier‘ Dich auf Dei­ne Arbeit und laß‘ Dich nicht von Dei­ner Para­noia lähmen. 

Indes haben die ver­gan­ge­nen Jah­re gezeigt, daß Nach­for­schun­gen im links­ex­tre­men Milieu durch­aus ihre Berech­ti­gung haben; aller­dings weni­ger im Sin­ne der „Nazis haben Namen und Adres­sen“-Akti­vi­tä­ten der Anti­fas. Loh­nens­wer­ter und frucht­ba­rer erscheint der Blick auf die enge per­so­nel­le Zusam­men­ar­beit, die zwi­schen gewalt­tä­ti­gem Links­ex­tre­mis­mus und (halb-)offiziellen Insti­tu­tio­nen von gesell­schaft­li­chem Rang und Namen (wie z.B. Stif­tun­gen, Par­tei­en, aber auch Stu­den­ten­ver­tre­tun­gen) besteht; die Namen Mat­thi­as Quent, Patrick Gen­sing und Georg Rest­le sei­en hier als Stich­wor­te genannt.

Daß man sich bei der Offen­le­gung die­ser Netz­wer­ke und bei der Wahl der Metho­de durch­aus von außen inspi­rie­ren las­sen kann, haben in den ver­gan­ge­nen Mona­ten eini­ge iri­sche Stu­den­ten bewie­sen. Als im Dezem­ber 2019 ein neu­er Twit­ter-Account mit dem Namen „Irish Stu­dents Against Fascism“ auf­tauch­te, wird sich zunächst wohl nie­mand haben – vor den Denun­zia­ti­ons­tä­tig­kei­ten links­ex­tre­mer Akti­vis­ten erscheint kaum eine aka­de­mi­sche Insti­tu­ti­on gefeit. 

Die Betrei­ber des Accounts waren mit dem offen for­mu­lier­ten Ziel ange­tre­ten, rech­te Akti­vi­tä­ten an iri­schen Uni­ver­si­tä­ten zu doku­men­tie­ren und durch „direk­te Aktio­nen“ (also: öffent­li­che Denun­zia­ti­on und tät­li­che Angrif­fe) zu unter­bin­den. Damit schie­nen sie durch­aus Erfolg zu haben – immer­hin gene­rier­ten sie inner­halb weni­ger Wochen über 2000 Fol­lower, dar­un­ter unter ande­rem die Uni­on of Stu­dents of Ire­land (USI), die größ­te offi­zi­el­le Stu­den­ten­ver­tre­tung in Irland, die über 374.000 Stu­den­ten vertritt. 

Offen­bar unter­schei­det sich die­se iri­sche “Stu­den­ten­ge­werk­schaft” nur unwe­sent­lich von ihren deut­schen Gegen­parts, den „ASten”, „Stu­Ras”, „Stu­Pas”, usw. Wie in Deutsch­land auch, ist auch die iri­sche Hoch­schul­po­li­tik fest in den Hän­den lin­ker Akti­vis­ten, wel­che die­ses Enga­ge­ment häu­fig als Sprung­brett für eine poli­ti­sche Kar­rie­re (mit Vor­lie­be in der iri­schen Green Par­ty) nutzen. 

Doch zurück zu den „Irish Stu­dents Against Fascism”; die­se nah­men näm­lich in den Wochen nach ihrer “Grün­dung” ver­mehrt Kon­takt zu unter­schied­li­chen Ver­tre­tern der USI auf und baten um Mit­hil­fe bei der Suche nach mög­li­chen Rech­ten in den Semi­na­ren und Vor­le­sun­gen. Auf wie­viel Wohl­wol­len und Hilfs­be­reit­schaft sie in die­sem Zusam­men­hang stie­ßen, das wird nun deut­lich. Denn bei dem Account mit dem klin­gen­den Namen „Irish Stu­dents Against Fascism“ han­delt es sich kei­nes­falls um taten­hung­ri­ge Anti­fa­schis­ten, son­dern um einen rech­ten „Honey­pot“, des­sen Ziel die Auf­de­ckung links­ex­tre­mer Zusam­men­hän­ge an den iri­schen Uni­ver­si­tä­ten und ins­be­son­de­re in der Uni­on of Stu­dents of Ire­land ist.

Für den 6. März hat­ten die Akti­vis­ten eine gro­ße Ver­öf­fent­li­chung mit den Namen rech­ter Stu­den­ten ange­kün­digt, statt des­sen offen­bar­ten sich die Betrei­ber als kon­ser­va­ti­ve Jour­na­lis­ten. Seit einer guten Woche wer­den nun auf www.theburkean.ie in unre­gel­mä­ßi­gen Abstän­den Mit­schnit­te von Tele­fo­na­ten und pri­va­te Nach­rich­ten­ver­läu­fe ver­öf­fent­licht, in denen sich vor allem die USI als anti­fa­schis­ti­sche Vor­feld­or­ga­ni­sa­ti­on ent­puppt. So hat­ten unter­schied­li­che Füh­rungs­mit­glie­der der Gewerk­schaft den “Irish Stu­dents Against Fascism” zuge­si­chert, Namen von rech­ten Stu­den­ten durch­zu­ste­chen; ande­re zeig­ten sich offen gegen­über heim­li­chen Abhör­maß­nah­men in den Räu­men der Young Fine Gael (eine libe­ra­le Stu­den­ten­grup­pe), oder äußer­ten sich posi­tiv zu gewalt­tä­ti­gem Vor­ge­hen gegen miß­lie­bi­ge Kommilitonen.

Wer sich mit den Details der Recher­che aus­ein­an­der­set­zen will, kann das hier tun; wie gesagt: Es kommt in unre­gel­mä­ßi­gen Abstän­den neu­es Mate­ri­al dazu. Inzwi­schen ver­zeich­net das Pro­jekt übri­gens die ers­ten tat­säch­li­chen Erfol­ge: Ein ers­ter Amts­trä­ger der USI ist auf­grund der Ver­öf­fent­li­chun­gen vor weni­gen Tagen zurück­ge­tre­ten, ande­re dürf­ten folgen.

 

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Kommentare (6)

Nordlicht

15. März 2020 19:01

Das ist eine wirklich schöne und nützliche Geschichte.

Würdige Sonntagshelden, die konservativen Aktivisten.

Phil

15. März 2020 19:41

Warum nicht Xavier Naidoo?

Laurenz

15. März 2020 23:11

Wir brauchen auch gar keine linke Anti-Antifanten-Recherche betreiben. Die buckeln alle sowieso im stramm-deutschen Kad(av)er-Gehorsam weltweit. Alle in einen Sack, paßt. Wir können vielmehr an einer positiven linken Liste arbeiten, extrem seltene Linke mit Hirn, wie zB Rainer Rupp und ähnliche. Wenn dann raus kommt, wen wir gut finden, werden auch die letzten, mit Hirn gesegneten Linken ausgegrenzt werden. Und damit befreien wir die Linke von dem letzten Rest, was noch stört, der Fähigkeit selbständig zu denken.

Dieter Rose

16. März 2020 12:58

Gestern Abend im TV
mit dem Brustton der Überzeugung
und harmlosem Blick:
"Jetzt darf sich die Gesellschaft
nicht auseinander dividieren lassen."
sagen die, deren Tagesgeschäft gerade
das seit langem ist.
Hass und Abgrenzung.

Rheingold

16. März 2020 15:45

Anti-Antifa-Arbeit wäre übertrieben. Dennoch braucht sich keiner unbestellte Antifa-Ritterschläge gefallen lassen. Meist handelt es sich dabei um übele Nachrede und Sachbeschädigung, also Straftaten. Die linke Szene ist dumm und extravertiert, so daß ihre Vertreter leicht über soziale Medien identifiziert werden können. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist auch der Straftäter in den örtlichen IL-, Asta-, FFF-Kreisen zu finden. Man schaue sich besonders die immer wiederkehrenden Gestalten genauer an. Hat man noch keine Beweise, so können sie spätestens bei der nächsten Aktion nicht mehr unerkannt davonkommen. Auch eine Geldstrafe ist nicht nur Genugtuung, sondern tatsächlich auch eine heilsame Lehre für die oft noch bei ihren Eltern wohnenden Burschen.

Laurenz

16. März 2020 17:29

@Dieter Rose ... ich wäre im Angesicht Anne Wills beinahe von der Kautsch gefallen, als Laschet meinte, alle!!!!!! Fraktionen im deutschen Bundestag würden angesichts der Krise mitziehen.