125 Jahre Jünger – parodistisch

Der Streit über die Frage, ob es sich bei Ernst Jünger um einen unserer großen Autoren handelt, flammt bei Jubiläen regelmäßig wieder auf.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Wenn auch die Schär­fe aus der Aus­ein­an­der­set­zung ver­schwun­den ist, weil Jün­gers Werk mitt­ler­wei­le zum offi­ziö­sen Kanon gehört, so schei­den sich an Jün­ger den­noch die Geis­ter. Wer also noch nicht über­zeugt ist, daß es sich bei Jün­ger um einen der Gro­ßen han­delt, dem sei ein Blick auf die Par­odien emp­foh­len, die auf Jün­gers Werk ver­faßt wurden.

Eine Par­odie, als die Nach­ah­mung eines Wer­kes, hat nur dann einen Effekt, wenn das Ori­gi­nal über cha­rak­te­ris­ti­sche Eigen­schaf­ten ver­fügt, die es von ande­ren unter­schei­det. Das läßt sich für ein Gen­re, etwa den Arzt­ro­man, leicht bewerk­stel­li­gen, weil sich Kli­schees leicht par­odie­ren las­sen. Bei ein­zel­nen Autoren muß das Werk über einen Wie­der­erken­nungs­wert ver­fü­gen, da die Par­odie sonst ins Lee­re läuft. Alle gro­ßen Autoren haben ihre Eigen­hei­ten und las­sen sich par­odie­ren, so daß die Treff­si­cher­heit der Par­odie Aus­kunft über den Stil­wil­len des Ori­gi­nals gibt.

Daher ist eine Par­odie in der Regel kei­ne Respekt­lo­sig­keit, son­dern ein Aus­druck der Wert­schät­zung, der nicht unbe­dingt mit dem eige­nen Geschmack über­ein­stim­men muß. Ernst Jün­ger war nicht nur durch sein umfang­rei­ches Werk Ziel von Par­odis­ten, auch sein Jahr­hun­dert­le­ben, sei­ne Inter­es­sen und sei­ne Wahr­neh­mung in der Öffent­lich­keit gaben Anlaß zu Par­odien. Lei­der spielt die­se Form der Wür­di­gung in der Lite­ra­tur kaum eine Rol­le, wes­halb wir etwas aus­führ­li­cher zitie­ren werden.

Die meis­ten Par­odien stam­men aus den 1950er Jah­ren, weil Jün­ger damals stark im Fokus der Öffent­lich­keit stand. Außer­dem war das dama­li­ge Publi­kum noch gebil­det genug, um eine Par­odie zu ver­ste­hen (die Vor­aus­set­zung für jede Form des intel­li­gen­ten Wit­zes übri­gens). Das dürf­te ein Grund sein, war­um in spä­te­ren Zei­ten, als Jün­ger mit­un­ter auch gro­ße Auf­merk­sam­keit erfuhr, nicht mehr zu die­sem Mit­tel gegrif­fen wur­de. Ein wei­te­rer liegt in der Ver­här­tung der ideo­lo­gi­schen Fron­ten über­haupt, die für fei­ne Zwi­schen­tö­ne unemp­fäng­lich machte.

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Fan­gen wir an mit Hans Rei­mann (1889–1969), einem säch­si­schen Publi­zis­ten mit kon­ser­va­ti­ver Grund­fär­bung, der Zeit sei­nes Lebens den „Sprach­dumm­hei­ten“ auf der Spur war und dabei unter ande­rem sei­ne 17bändige Lite­raz­zia ver­öf­fent­lich­te. Im ers­ten Band (1952) nimmt er sich das Aben­teu­er­li­che Herz (Zwei­te Fas­sung) vor. Auch wenn es sich dabei streng­ge­nom­men um kei­ne Par­odie, son­dern eine humor­vol­le Kri­tik han­delt, zeigt sie doch, wo eine Par­odie anset­zen muß. Einem Zitat Jün­gers folgt die Replik:

„Läden, in denen man nur sel­ten Frau­en erblickt, sind sol­che, in denen man Eisen­wa­ren verkauft.“ 

Aber Herr Jün­ger! Wahr­schein­lich woll­ten Sie sagen: „Frau­en sieht man sel­ten in Eisen­wa­ren­ge­schäf­ten.“ Das ist bei­na­he so über­wäl­ti­gend, als stel­le man den Lehr­satz auf: „Qua­dra­te, die rund sind, sind sol­che, die man Kreis nennt.“ Wir hat­ten es vermutet.

„So emp­fin­det der Mann, wenn er gewis­se Läden, wie etwa den Gemü­se­la­den betritt, bereits einen ganz lei­sen Anflug des unge­hö­ri­gen, wie über­all, wo er Gebie­te berührt, auf denen die Frau regiert. Zuwei­len erblickt man auch den Mann der Gemü­se­frau, der häu­fig gno­men­haf­te Züge trägt.“ 

Aber Herr Jün­ger! Da braucht es kei­nen Gal­lup und kei­ne Enquete, um uns ver­bür­gen zu las­sen, welch schwin­del­erre­gen­der Gip­fel selbst­ge­fäl­li­ger Nar­re­tei hier erklom­men ward. Wer von den anwe­sen­den Män­nern hat jemals einen Gemü­se­la­den mit Herz­klop­fen betre­ten? Hän­de hoch! – Nie­mand. Doch, da hin­ten einer… ah, Herr Nebel! (Schei­det aus wegen Befan­gen­heit.) Und wer hat schon mal im Gemü­se­la­den einen Gnom gesich­tet? Hän­de hoch! Wie­der­um bloß Herr Nebel. Nun, das eine ist sicher: wir alle, die wir Jün­gers pro­fun­de Ent­de­ckung bestau­nen, wir alle suchen kein Gemü­se­la­den mehr auf, ohne Aus­schau zu hal­ten, ob hin­ter Blu­men­kohl, Möh­ren und Sel­le­rie nicht etwa ein Wich­tel­männ­chen kauert.

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Einer der bekann­tes­ten Par­odis­ten über­haupt ist der Wie­ner Robert Neu­mann (1897–1975), der sich in den 1920er Jah­ren mit sei­nem Band Mit frem­den Federn einen ent­spre­chen­den Namen mach­te. Er hat sich 1955 Auf den Mar­mor­klip­pen zur Brust genommen:

Es jodel­te im Cho­re hin­aus in die Pech-Schwär­ze der Raben-Nacht, und Bru­der Otho, der neben mir dahin­schritt, sah sich gleich mir an jene Zeit erin­nert, da wir bei­de mit den Pur­pur-Kor­sa­ren segelten—doch hat­ten wir das Gemet­zel nur mit­ge­macht, um unse­re Lehens­pflich­ten zu leis­ten: nicht daß wir jemals in hohem Ernst Jün­ger des Ober­förs­ters gewe­sen wären. Auch damals, lavie­rend zwi­schen Sag­unt und Tra­pez­unt, gab es kei­ne pon­ti­sche Bran­dungs-Lücke in jenem Schreck-Meer, durch die wir eine Brü­cke hät­ten erspä­hen kön­nen, um unser Schiff aus Mein-Tat und Nei­dungs-Werk an sie zu steu­ern und uns an Land zu ret­ten. So wan­der­ten wir aus nach innen, unse­re Runen rück-ver­si­chernd zwi­schen den Zei­len unse­res Herbariums.

In den Kor­sa­ren-Tagen ward ein Irr­tum erst dann zum Feh­ler, wenn man gefähr­lich lan­ge in ihm beharr­te. So bar der Vor­nehm­heit hat­ten die Hin­ter-Sas­sen des ost­ge­bo­re­nen Ober-Förs­ters sich erwie­sen, daß man mit­un­ter am Klip­pen-Rand selbst nied­rig-stir­ni­ge Ran­da­lis­ten, Okto­bris­ten, Har­fe­nis­ten und Gebär­den-Schwin­ger ange­sichts der sich lip­pen-üppig gleich einen Dir­nen-Mund ent­fal­ten­den Grau­ens-Blu­me der Schlacht-Ver­lust-Gefahr in stum­me Gedan­ken fal­len sah. 

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Mit den Tage­bü­chern Strah­lun­gen gelang Ernst Jün­ger nach 1945 das gro­ße Come­back als Schrift­stel­ler. Die Popu­la­ri­tät, aber auch der hohe Ton der Auf­zeich­nun­gen führ­ten zu zahl­rei­chen Par­odien. Eine der bekann­tes­ten ist von Armin Eich­holz (1914–2007), der als Jour­na­list und Thea­ter­kri­ti­ker tätig war und 1954 die gesam­mel­ten Par­odien In fla­gran­ti veröffentlichte:

12.5.: Ent­zü­cken­de Albern­hei­ten in Goe­thes „Iphi­ge­nie“ ent­deckt; Inter­punk­ti­on stel­len­wei­se doch recht frag­wür­dig, auf­fal­lend die Ver­mei­dung des Wor­tes „gelb“.

Im Magen ange­stau­te Luft mit einem gewal­ti­gen Stoß unver­se­hens nach oben ent­wi­chen. Per aspe­ra ad astra, bes­ser viel­leicht: in tenebris com­pri­mor – in luce explo­do. Doch spielt Wil­lens­frei­heit mit. 

Besuch von H., die mir eine Bel­lis peren­nis mit­brach­te, ein beson­ders präch­ti­ges Exem­plar, wie ich es, glau­be ich, zum letz­ten Mal in Krit­schew am 19. Sep­tem­ber 1941 nach­mit­tags um halb vier Uhr gese­hen habe.

17.5.: Ich muss mich ent­schlie­ßen, den gest­ri­gen Tag für ungül­tig zu erklä­ren, da ich die­ses Heft ver­legt hat­te. Das Bon­mot über die Lie­bes­paa­re in den moder­nen fran­zö­si­schen Stü­cken ist mir inzwi­schen entfallen. 

„Jetzt wis­sen Sie mehr über mich als ich selbst“, sagt der Enkel von Richard Strauß zu sei­nem Inter­view­er. Eine der tief­grün­digs­ten Erkennt­nis­se über das Wesen des Jour­na­lis­mus; viel­leicht müss­te man zwei Jour­na­lis­ten sich wochen­lang gegen­sei­tig inter­view­en las­sen, um zu den letz­ten Wahr­hei­ten die­ser Welt vorzustoßen. 

Mit dem Zahn­sto­cher end­lich einen seit Tagen ein­ge­klemm­ten Spei­se­rest ent­fernt. H. meint, es han­de­le sich um eine Faser der Bras­si­ca ole­racea botry­tis (Blu­men­kohl vom 11.5.). So tra­gen wir alle die Ver­gan­gen­heit mit uns.

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Ganz ähn­lich hat sich der eben­falls als Jour­na­list täti­ge Wolf­gang Buhl (1925–2014) bereits ein Jahr zuvor in sei­nem Band Äpfel des Pega­sus den Tage­bü­chern Jün­gers gewidmet:

Paris, 23. Sep­tem­ber: Tre­te nach einem Tel­ler Sup­pe wie­der in die­se ste­ri­le Mate­rie ein, mit leich­tem Zau­der, wie der­glei­chen wohl immer die Flieh­kraft der Anzie­hung zugesellt. 

Unter der Post ein Brief Fried­rich Georgs, dem ein Gedicht von spä­ter Pris­ma­tik bei­liegt. „Doch Home­ri­de zu sein, auch nur als letz­ter, ist schön.“ 

Abends bei der Doc­tores­se, die mir das Hüh­ner­au­ge vom 13.9. ent­fern­te. Wei­de­te lan­ge im Anblick des Prä­pa­rats, um sia­me­si­schen Fäden nach­zu­ge­hen. So hält man sich auf der Höhe der Geistigkeit.

Paris, 28. Sep­tem­ber: Rück­fall des Hüh­ner­au­ges vom 13. 9., deu­te das als Wie­der­ge­burt im Geist des Nova­lis, frei­lich luzi­fe­ri­schem Einschlag. 

Früh zu Picas­so. Fin­de dort M., der im Ruche der Män­ner­min­ne steht; abscheu­lich. Gespräch über die Anar­chie des Bei­strichs seit Hen­ri Berg­son, gebe die Bedeu­tung des Null­punkts zur Replik, über des­sen Struk­tur sich der Haus­herr verliert.

Mit­tags Sar­di­nen, dann in den Ely­säi­schen Gär­ten, die ich bei schö­nem Flor fin­de. Im Halb­schlaf auf einer Bank leb­haft mit Groß­va­ter Domi­nik kom­mu­ni­ziert, was Aus­blick auf Unaus­sprech­li­ches geben sollte.

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Auch in der DDR erschie­nen in den spä­ten 1950er Jah­ren von Man­fred Bie­ler und Rolf Schnei­der Par­odien auf Ernst Jün­ger. Da Coro­na die Biblio­the­ken geschlos­sen hat, konn­te ich die Tex­te nicht ein­se­hen (falls jemand dar­über ver­fügt, möge er sie ergän­zen). Eine auch ohne Coro­na unauf­find­ba­re Par­odien­samm­lung jün­ge­ren Datums stammt von Tom Wolf (geb. 1964), der heu­te vor allem als Autor von Kri­mis, die im Bran­den­bur­gi­schen spie­len, bekannt ist. In sei­nem Auf dem Mamor­ku­chen. Hei­te­re Ernst-Jün­ger-Stil­übun­gen (1995) unter­nimmt einen Gang durch Jün­gers Werk: In Stuhl­ge­wit­tern, Der aben­teu­er­li­che Harz, Der Gast­ar­bei­ter, Afri­ka­ni­sche Spü­le, Sieb­zig ver­west VI lau­ten die Ver­ball­hor­nun­gen der Titel. Als Kost­pro­be Der Wald­staat:

Wald ist hier, Wald ist da, Wald ist über­all. Wald ist auf den Stra­ßen, den Fel­dern, den Wei­den, auf dem Dach, im Kel­ler und im Gebü­sche. Im Wal­de steckt die baum­bil­den­de Kraft, doch nicht im Bau­me die wald­bil­den­de. Wohl kann der Wald den Baum bil­den, nicht so der Baum den Wald. Nur ver­än­dern tut der Wald den Baum. Ein Wald ohne Baum ist unmög­lich, wohl aber Bäu­me. Manch einer sieht, so erzählt uns der Wahl­spruch des Vol­kes, den Wald, nicht hin­ge­gen den Baum. Genau so gut könn­te man sagen: Wenn einer das Volk nicht sieht, wird er den Men­schen nie sehen

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Um schließ­lich zum Jahr­hun­dert­le­ben Jün­gers zu kom­men, zunächst ein Comic-Strip, der im Sep­tem­ber 1968 in der Jün­ger (sehr kri­tisch) gewid­me­ten Aus­ga­be der Streit-Zeit-Schrift erschien:

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1976 unter­nahm es der Phi­lo­soph Ger­hard Fun­ke (1914–2006) in sei­nem anonym erschie­ne­nen Buch Bes­tia­ri­um phi­lo­so­phi­cum, Jün­ger in Anleh­nung an ein zoo­lo­gi­sches Kom­pen­di­um zu bestimmen:

Das EJÜNGER ist das ein­zi­ge Tier der alten deut­schen Fau­na, das die­se selbst, beson­ders Käfer, Schlan­gen, Schmet­ter­lin­ge qua­si als Zoo­lo­ge beschreibt; es wird bei sol­chem Tun immer erns­ter, aber auch jün­ger (daher wohl z.T. der Name); ursprüng­li­chen Gestalt und Herr­schaft einer beson­de­ren Amei­sen­art, Arbei­ter genannt, vor allem inter­es­siert, dann sub­ti­le Jag­den auf alles sons­ti­ge auch, längs der Zeit­mau­er und über die Linie hin­weg, ver­an­stal­tend, sieht das EJÜNGER sei­nen ent­wick­lungs­ge­schicht­li­chen Aion ver­ge­hen; und so wan­delt es sich vom Obser­va­tor und Kon­ser­va­tor sei­ner Tie­re zum Kon­ser­vie­rer sei­ner selbst, sich logi­scher­wei­se schließ­lich wie sei­ne Schmet­ter­lin­ge auf­spie­ßend und dabei abster­bend; die moder­ne Form des in den Ätna sprin­gen­den Empe­do­kles, näm­lich – muta­tis mutan­dis – sich auf sei­nen Nadel ste­ckend – ein gro­ßer, bun­ter, glas­kla­rer und nun ganz toter Riesenfalter.

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Ganz zum Schluß ein Cover, das die Tita­nic zum 100. Geburts­tag von Ernst Jün­ger zier­te. Damals war die Tita­nic noch witzig:

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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Kommentare (7)

Nemo Obligatur

29. März 2020 19:05

Danke für die köstliche Auswahl. Gegen Parodien spricht ja nichts. Heilige Schriften kennen wir nicht mehr. Die Parodien von Eichholz und Buhl sind gut, in den besten Stellen sogar liebevoll.

"17.5.: Ich muss mich entschließen, den gestrigen Tag für ungültig zu erklären, da ich dieses Heft verlegt hatte. Das Bonmot über die Liebespaare in den modernen französischen Stücken ist mir inzwischen entfallen. "

Da hätte womöglich der Meister selbst geschmunzelt und notiert: "Auch so etwas kommt vor."

Andere tragen teils einen boshaften Charakter, was eine wirkliche Parodie entwertet.

Maiordomus

29. März 2020 21:15

Zu den Jünger-Kritikern, bei den Beispielen teilweise auch in annähernd parodistischer Form, gehörte, bei gleichzeitiger Kritik an Hermann Hesse, Max Frisch und anderen, auch Karlheinz Deschner in seinem durchaus beachtlichen Buch "Kitsch, Konvention und Kunst" sowie einem weiteren literaturkritischen Titel. So ganz daneben war er in der Regel nicht. Diese Stilblüten verlieren sich aber, je mehr das Werk sich seiner späten Reife nähert.

H. M. Richter

30. März 2020 20:09

"Auch in der DDR erschienen in den späten 1950er Jahren von Manfred Bieler und Rolf Schneider Parodien auf Ernst Jünger. Da Corona die Bibliotheken geschlossen hat, konnte ich die Texte nicht einsehen (falls jemand darüber verfügt, möge er sie ergänzen)."
[E. L., s.o.]
__________________________________________

Manfred Bieler:
„Paris, 12. Januar 1942
Frühstück bei der Doctoresse. Während sie mir ein Mittel gegen Frostbeulen verschrieb, machte ich eine Bemerkung, die mir leider entfallen ist.“
[In: M. B., Walhalla, Literarische Parodien, "Das erste Pariser Tagebuch nach Ernst Jünger", Hamburg 1988, S. 77.]

Rolf Schneider:
„So gingen wir durch den Reben-Hain, indem wir unsere stolzen Jäger-Köpfe leicht gesenkt hielten unter der Abend-Glut, deren Farben die Purpur-Trauben in sich aufnahmen. Wisset denn, daß Ihr unsere Gefühle nur ermessen könntet, wenn Ihr wie wir die Nächte durchzecht hättet am Lilien-Hange und der Muskat-Wein Eure Augen trunken gemacht hätte in langen Astral-Nächten."
[In: R. S., Aus zweiter Hand: Literarische Parodien, Berlin (Ost) 1958, S. 13.]

Kriemhild

31. März 2020 11:15

Was Ernst Jünger dieser Tage sauer aufgestoßen wäre, ist der Umstand, dass die edle Zunft der Entomologen durch die profane Wissenschaftlichkeit der Epidemiologen so restlos in den Schatten gestellt wird. Zumal die Entomologen von Haus aus viel von Staatsbildungs- und Vergesellschaftungsprozessen verstehen; wohingegen die Epidemiologen engstirnig auf ihre Infektionsstatistiken blicken und alle Notwendigkeiten der Staats- und Gesellschaftserhaltung ausblenden.

RMH

31. März 2020 20:50

Nicht 100% zum Artikel passend, aber:

E. Jünger wäre 125 Jahre geworden, Friedrich Hölderlin wäre am 20.03.2020 250 Jahre alt geworden, also doppelt so alt (diese Konstellation ist etwas besonderes).

Wäre schön, hier auf diesen Seiten auch noch etwas zu Hölderlin aus diesem Anlass lesen zu dürfen.

antwort kubitschek:
dürfen Sie in der 95. sezession lesen, die am freitag aus der druckerei kommt. darin: ein siebenseitiger briefwechsel über die frage nach hölderlin und dem katastrophischen leben.

Ratwolf

1. April 2020 05:02

Der Humor tut gut.

"Ehrfurcht" ist ein Gefühl, welches mich lähmt. Jünger und Goethe strahlen viel davon aus.

Ich werde sie dennoch lesen. Versprochen.

Bei der Reihung fällt auf, dass das Niveau der Parodien über die Jahre hinweg nach unten hin abflacht.

Was man von der sezession nicht sagen kann.

Götz Kubitschek

3. April 2020 08:35

schluß mit lustig.

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