4. April 2020

Netzfundstücke (47) – Akademie, Höcke, Gaia

Jonas Schick / 12 Kommentare

Die letzte Winterakademie zum Thema »Lektüren« hallt weiterhin nach.

Daß die Konzeption und der Ablauf des Wochenendes Wesentliches hinterlassen haben und auf zukünftige Akademien abstrahlen werden steht außer Frage. Das zeigt nicht zuletzt der demnächst im Verlag Antaios erscheinende und von Götz Kubitschek und Ellen Kositza herausgegebene Sammelband Es gibt Lektüren, die Impfungen gleichen (kann hier vorbestellt werden).

Er greift einen zentralen Gegenstand der Erörterungen der Vortragstage auf, nämlich die Lektüren die erschütterten, die neuordneten, die bisher unsichtbare Türen aufstießen. Lektüren also, die sich in den eigenen Lebensweg eingesponnen, wenn ihm nicht sogar eine ganz andere Richtung gegeben haben.

Die einzigartige Stimmung dieser Ausnahmeakademie haben wir für Sie indes in einem Impressionsfilm auf YouTube eingefangen:

Und ungeachtet des aktuellen Stillstands können Sie sich gewiß sein, das Coronavirus wird dem kein Abbruch tun. So war es, so wird es wieder sein.


Indes machen die Jungs der Bürgerinitiative Ein Prozent e.V. munter weiter und setzten sich für die aktuelle Ausgabe ihres Podcasts »Lagebesprechung«, der die Coronakrise aus rechter Perspektive beleuchtet, auf ein Gespräch mit dem Vorsitzenden der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag, Björn Höcke zusammen.

Thema waren unter anderem die Auswirkungen des neuen Infektionsschutzgesetzes auf die Subsidiarität der Bundesländer, Grenzschließungen gegen die Ausbreitung des Virus, Krisen als Zeiten der Exekutive und die Rolle der AfD in diesen Tagen. Über folgenden Link gelangen Sie direkt auf die Netzseite des Podcasts:

https://podcast.einprozent.de/

Hörenswert ist auch die vorangegangene Episode mit dem Freilich-Herausgeber Heinrich Sickl, der von den Auswirkungen der Coronakrise in Österreich berichtete. Also ruhig auch einen Blick in das Archiv werfen. Außerdem ist der Podcast auf allen gängigen Plattformen von iTunes bis Spotify verfügbar.


An dieser Stelle noch einmal Björn Höcke:

Während „Corona“ die Schlagzeilen beherrscht, während unser Land wahrscheinlich der deutlichsten Zäsur seit 1945 und 1989 entgegentaumelt, für die die Pandemie nur ein Katalysator gewesen sein wird, während das Versagen des politischen Establishments für immer mehr Menschen im Land am eigenen Leib erfahrbar wird, haben einige wenige in der einzig relevanten Oppositionskraft nichts Besseres zu tun, als die Einheit unserer Partei in Frage zu stellen.

Nachdem der AfD-Bundesprecher Jörg Meuthen in bester Petry/Lucke-Manier das Spaltbeil ausgegraben und am Mittwoch in einem Interview auf Tichys Einblick (hier zu lesen) die Auftrennung der AfD in eine »bürgerlich-konservative« und eine »sozialpatriotische« Partei vorgeschlagen hatte, reagierte Höcke auf diesen Vorschlag am Donnerstag mit einem Facebookbeitrag (hier zu lesen).

Wie das obige Zitat bereits deutlich werden läßt, widerspricht er Meuthen explizit und hebt die Einheit der Alternative hervor. Außerdem verweist er in diesem Zusammenhang auf den jüngst im Verlag Antaios erschienen kaplaken von Manfred Kleine-Hartlage Konservativenbeschimpfung, den er sich anläßlich seines Geburtstages zu Gemüte geführt hatte.

Auf Meuthens Einlassungen gemünzt zitiert er Hartlage mit folgender Passage:

Konservative versuchen, just die Machthaber zu beschwichtigen, die sie bekämpfen müßten. Ihre Politik, durch höfliche, sachlich fundierte Kritik zu den etablierten Eliten (wieder) zugelassen zu werden, geht an der Tatsache vorbei, daß den Adressaten die inhaltliche Richtigkeit der Kritik völlig bewußt ist – was ihnen aber fehlt, ist der gute Wille, es besser zu machen: Das destruktive Moment ihrer Politik ist nicht Versehen, sondern Absicht, weswegen sie in den sie kritisierenden Konservativen auch nicht die loyalen Bürger sehen können, die sie sind, sondern zu bekämpfende Feinde.

Und legt die Lektüre des Bandes seinen Parteifreunden ans Herz. Jedoch ist zu befürchten, daß die konstruktiven und treffenden Hinweise Hartlages bei der adressierten Zielgruppe auf taube Ohren stoßen werden. Die Erfahrung zeigt, daß die liberal-konservative Sphäre nur eingeschränkt lernfähig und überaus beratungsresistent ist.

Hartlages beißende Kritik am servilen Typus des »Konservativen« erhalten Sie hier.
Die gesamten drei Bände der aktuellen 23. kaplaken-Staffel hier.


Wie wir beim Verlag Antaios schon seit dem Inkrafttreten der Notfallmaßnahmen stetig betonen, läßt sich die Zeit der Ausgangssperre am besten mit Lektüre verbringen. Anstatt nun in eine manische Betriebsamkeit zu verfallen oder die neugewonnenen Stunden am Smartphone und Netflix zu vergeuden, empfiehlt sich die Entschleunigung und ein in sich Kehren.

Eine Möglichkeit dazu gibt der auf ökologische Sachliteratur und Zeitschriften spezialisierte oekom verlag, der den sinkenden Absatzzahlen des Buch- und Zeitschriftenhandels mit einer Gratis-Offensive seiner Periodika begegnet.

Unter https://www.oekom.de/publikationen/zeitschriften/c-305 haben sie kostenfreien Zugriff auf Zeitschriftenpublikationen des Münchener Verlags. Leider nur als PDF; wer es unbedingt in gedruckten Buchstaben vor sich haben möchte, der muß zum Drucker greifen.

Von den eingestellten Publikationen sind derweil lediglich GAIA und Naturpark wirklich zu empfehlen. Slow Food, Bio und politische ökologie bestechen hauptsächlich durch flache Zeitgeistigkeit. Während GAIA ökologische Fragen wissenschaftlich ausleuchtet (hier lohnen sich insbesondere die Artikel „Wachsen oder weichen!?“ und „Fläche unter Druck“), beschäftigt sich Naturpark mit klassischem Natur- und Artenschutz.

In diesem Sinne ein lektürereiches Wochenende!



Kommentare (12)

brueckenbauer

4. April 2020 12:27

Wir haben hier das alte und grundlegende Problem: Wie gehen wir mit Leuten um, die uns schlecht behandeln? Behandeln wir sie genauso schlecht - oder so, wie wir von ihnen behandelt werden wollen?
Und erst danach stellt sich die zweite Frage: Wenn wir sie besser behandeln: erwarten wir, dass sie darauf in einem überschaubaren Zeitraum positiv reagieren?
Das Evangelium beantwortet die erste Frage mit Ja und die zweite mit Nein.
Bei Kleine-Hartlage habe ich den Eindruck, er nimmt die zweite Frage zu wichtig.

Laurenz

4. April 2020 13:02

Herr Höcke ist viel zu Menschen-freundlich.

Gauland, Chrupalla, Weidel, Storch haben eine mehr klare Vorstellung von dem, was und wer die AfD trägt. Die AfD der Neuen Länder wird gerne überbewertet.
Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen allen sagen, während der letzten 3 erfolgreichen Landtagswahlen gab es für Thüringen Wahlkampf-Hilfe aus Hessen und dem Saarland. Umgekehrt oder sonstwo werden Sie das kaum finden. Das hat ganz konkret etwas mit der Beliebtheit Herrn Höckes bei den Patrioten im Westen zu tun. Die AM würde in dieser Form nie ihren Allerwertesten hoch kriegen und das wird man sonstwo, außer gesponsort mit linker Staatsknete, auf freiwilliger Basis auch kaum finden.
Lang lebe die Freiheit!!! (Auch wenn Sie aktuell gerade in Deckung springen muß.)

RMH

4. April 2020 13:10

"Die Erfahrung zeigt, daß die liberal-konservative Sphäre nur eingeschränkt lernfähig und überaus beratungsresistent ist."

Das gilt für die, die sich unter dem"Flügel" vereinen, mindestens ebenso. Nach meiner Erfahrung sogar schon von der Grunddisposition her mehr, da ein liberal geprägter Geist deutlich weniger fundamentalistisch ist und auch den in unserem System bereits als eine der Grundbedingungen der demokratischen Konsensfindung angelegten Pragmatismus nicht verteufelt, sondern denknotwendig auch in seinem Instrumentenkoffer hat (neben anderen), als ein von der (vermeintlichen) "Wahrheit" Überzeugter. Diese scheinen sich ja auch durch irgendwelche Schriften als "geimpft" (gegen was eigentlich?) anzusehen (übrigens eine deutlich zu weit gehende Vereinnahmung eines E. Jünger Zitats - E. Jünger stellte schließlich auch ein mal fest: "Ein guter Satz hat viele Fenster." Das Zumachen der Fenster bis auf eines, welches einem persönlich am meisten ins eigene Konzept passt, ist mithin nicht die Art echter, freier Geister) oder sonst meint, über Quellen der "Wahrheit" zu verfügen, während die anderen naive Spielpuppen der Mächtigen seien, die sich nach Belieben den Etablierten an den Hals werfen würden.

Überheblichkeit ist deutlicher, ja prägender Ausdruck des Flügels und seiner Anhänger - wer einen Verlag betreibt oder Metapolitik oder Autor ist, sollte die Attitude des Überheblichen im Portfolio haben und auch eine gewisse Arroganz pflegen, um Erfolg haben zu können. Ohne gesunden Hauch von Exzentrik kein Erfolg in diesen Bereichen, denn das Laue gibt es ja bereits im Übermaß. Im Bereich der Parteipolitik ist das jedoch anders. Hier gilt nach wie vor uneingeschränkt das, was Max Weber bereits in seinem berühmten berühmten Vortrag "Politik als Beruf" vor etwas über 100 Jahren festgehalten hat. Wer das Interview von Meuthen einmal ohne Scheuklappen liest, wird zur Kenntnis nehmen müssen, dass sein Ansatz eben gerade nicht von der Lust an der Spaltung geprägt ist, sondern ein sehr pragmatisch und ergebnisoffen vorgetragener Denk- und Diskussionsanstoß ist, der jeder Seite ein Maximum an Erfolg wünscht (so viel "Toleranz" erkenne ich bei den Lordsiegelbewahrern des Flügels jedenfalls nicht). Meuthen ist sehr nah bei Max Weber und durchaus auch Machtbewusst.

Laurenz

4. April 2020 18:11

@brueckenbauer ..... meine persönliche Wahrnehmung der Situation ist, relativ betrachtet, radikal. Und es ist schwierig für mich, die richtigen Worte zu finden, um die Wahrnehmungs-Blase der anderen zu durchdringen, und ihre Aufmerksamkeit auf das Tatsächliche zu lenken. Einige wenige aus unserem Lager verstehen das grundsätzlich aus eigener Wahrnehmung.
Die Merkel-Front agiert wider bessere Wissens, und es geht ihr nicht darum, uns in die politische Bedeutungslosigkeit fallen zu lassen, sondern um unsere virtuelle Vernichtung, was der historisch physischen Vernichtung gleich kommt. Aufgrund des "wider besseren Wissens", kann kein sinnhafter Dialog zustande kommen, weil er von der Gegenseite nie ernst gemeint wäre. Seit Jahren sind Interviews mit AfD-Vertretern nichts anderes als Verhöre und AfD-Vertreter sind, bis auf Curio, nicht in der Lage, dies zu verstehen und die Situation zu drehen.

Es geht also nur noch darum, die oder wir. Bis vor kurzem spielte sich dieser politische Kampf noch in Wahlen ab, die Rechte durch den unbeliebten/ungeliebten liberalen Hemmschuh behindert. Auch eine Frau Lengsfeld hat bei Achgut nicht begriffen, daß Broder'sche Zitate über die Vergangenheit wieder aktuell sind. Sie soll ruhig weiterhin glauben, "Ihre" CDU, längst vor 22 Jahren exekutiert und ersetzt, wäre noch irgendwie existent oder wieder belebbar, lächerlich. Das ist reines Abgleiten ins Religiöse, eine eklatante Wahrnehmungs-Störung.

Wem die Konsequenz dieses politischen Kampfes, der für Freundlichkeiten keinen Platz über hat, nicht klar geworden ist, wird "alternativlos" unter die Räder kommen.
Mir ist sehr wohl bewußt, daß ich auf SiN mit der mehrheitlich perfiden Mischung aus Katholizismus und Humanismus nicht durchdringen werde.
Aber ich wende mich an diejenigen, die im Geiste frei davon sind. Der Gott, der das Eisen schuf, wollte keine Knechte. Ein Schmied, von was auch immer, muß frei, ohne Blockaden agieren können.

@RMH .... Ihre hiesige Analyse empfinde ich als sehr durchmischt. Ich tendiere eher zu Mausfeld, der im Gegensatz zu Ihnen, den Liberalismus als die fundamentalste totalitäre Ideologie einstuft. Im Angesicht von Mausfelds bezwingender Logik, sind Karl Marx und Alfred Rosenberg Waisenknaben. Sie, RMH, können Sich ja gerne das Buch "Warum Konservative immer verlieren" bei Antaios bestellen. Wer selbst nachdenkt, weiß das auch so. Zentral ist hier das rationale Handeln, mit dem Unverständnis des Irrationalen, mit über alles stehender Besitzstandswahrungs-Sucht gekoppelt, die generell mit immer weiter gehenden Kompromissen belastet und unausweichlich durch den politischem Gegner dem Ende zugeführt wird, siehe "Zu oft allein zuhaus'" Kühnert. Der aktuelle Haken bei durchweg allen politischen Kräften Deutschlands, auch der AfD mit ihren liberalen Weichspülern und den Sozial-Patrioten (früher mal die Kanalarbeiter der SPD), ist der egozentrische Blick mit der Verehrung eines Minderheiten-Kults.
Meuthen, Pazderski und Lengfeld kloppen sich unbewußt um 3 - 8 % der Wähler mit Herrn Lindner, und mit Broder erkauft man sich die Legitimation zur Nationalstaatlichkeit. Auch unsere Mitbewerber sind nicht besser, siehe hier Lars Klingbeil sagt es hier ganz deutlich, die SPD steht nur noch für 4-8% Minderheiten. Klingbeil spricht hier exemplarisch über Sarrazin, einer der wenigen Linken, neben Wagenknecht/Lafontaine, der Mehrheiten im Auge hat, und dafür soll er gefeuert werden.
https://youtu.be/_iXZJSKMMj4

Die AfD, da haben Sie, RMH, Recht, ist keinen Deut' besser. Höcke ist der Einäugige unter den Blinden, damit meine ich nicht seine polarisierende Ausstrahlung, die ist überdurchschnittlich. Man muß es eigentlich wie die Staatsratsvorsitzende ( wird immer wahrer) machen, nur Umfragen und Sarrazin lesen um Mehrheiten in der eigenen Wahrnehmung zu erfassen. Natürlich kämen wir zu anderen Schlußfolgerungen als unsere Welt-Kaiserin.
Und Ihre These, ob Meuthen Max Weber nahe steht, mag ja auch auf SiN Lorbeeren erheischend sein, aber interessiert in der Realität keine Sau. Meuthen mutiert, wie Lengsfeld, zu einem Autisten Scharping, dern seine Soldaten in den Krieg schickt, um gleichzeitig mit einer gekauften Gräfin Wasserspiele auf Mallorca zu inszenieren. Einen größeren Felix Krull im Geiste hat es nie gegeben, ein Geisteskranker, aus der Geschlossenen der SPD-Psychiatrie abgehauen, als deutscher Kriegsminister. Was Sie verkannt haben, RMH, die Sozial-Patrioten sind Mehrheiten viel näher als jede andere politische Kraft in Deutschland, die Arroganz von Herrn Kalbitz hin oder her, interessiert auch niemanden. Wir müssen nur den geweiteten Blick auf Mehrheiten ganz populistisch formulieren und in der Partei gegen die Widerstände der weichgespülten Besitzstandswahrer durchsetzen.

Gracchus

4. April 2020 18:21

Zur AfD:

1. Die Kritik von Kleine-Hartlage trifft. Warum aber darüber ein ganzes Buch schreiben, wenn zwei Sätze reichen? Meine These ist und war, dass sich die Liberal-Konservativen den "rechten Rand" ins Boot geholt haben, um gegenüber den etablierten Parteien einen gewissen Druck aufbauen zu können. Dass Meuthen nun, noch bevor die etablierten Parteien Angebote machen, einen Rückzieher machen will, ist machtstrategisch nicht so klug.

2. Im Anschluss an RMH finde ich, Kleine-Hartlage sollte sich über Servilität nicht so lustig machen. Was man braucht, sind doch Staatsdiener. Leute, die dem Gemeinwohl dienen - und den Staat eben nicht als Beute sehen.

3. Ebenfalls in Anschluss an RMH: Das Liberalen-Bashing sollte man sich verkneifen. Ich halte Höcke für integer und von liberaler Seite eine Kooperation für möglich. Richtig scheint mir, die Interessen derjenigen Wähler zu vertreten, die sonst niemand vertritt, nämlich die von Kleine-Hartlage genannten Arbeiter, Angestellten und kleinen bis mittelständischen Selbständigen. Welche unterstützenden Massnahmen da denkbar sind, kann ich nicht sagen, bin aber sicher, dass entlastende Massnahmen wie Steuersenkungen und der Abvau bürokratischer Hürden dazu gehören, also: weniger Staat.

4. Wo ich Höcke nicht zustimme: das Hohelied auf den Nationalstaat. Wenn er behauptet, Solidarität sei nur in Nationalstaaten möglich, ist das m. E. schon empirisch falsch. Das ist der blinde Fleck. In erster Linie entstehen Solidarität etc. in familiären und freundschaftlichen Beziehungen, in kleinen, durch persönliche Kontakte geprägten Gemeinschaften. Der Nationalstaat ist der Versuch, dies qua mythischer Imagination eines Volks über den unmittelbaren Nahbereich auszudehnen. Ich frage mich, ob er nicht vielmehr Solidarität absorbiert bzw. aufzehrt. Er ist kein organisches, sondern ein höchst artifizielles Gebilde und dient momentan dem Globalismus bzw. hat ihn hervorgebracht. Institutionen wie die EU sind ersichtlich mangels Durchsetzungsmacht auf die Nationalstaaten angewiesen.

Laurenz

4. April 2020 20:32

@Gracchus ..... wie @Maiordomus befleißigen Sie Sich neuerdings des Witzbold-Wesens. Sie verkaufen uns den aktuellen Ist-Zustand als etwas Neues und Ihre diesbezügliche Haltung so, als ob alle anderen etwas anderes als Sie sehen würden. Genau das, was Sie hier beschrieben haben, ist der entscheidende Punkt der Debatte , wird von der Mehrheit der AfDler und des Bundesvorstandes nicht mitgetragen.

Der Multi-Nationalstaat ist sogar laut den einstigen Worten der Staatsratsvorsitzenden gescheitert, wird aber trotzdem weiter von der Merkel-Front propagiert. Von daher gesellen Sie Sich ruhig zu unseren Meuthen'schen Weichspülern, welche unser Volk und unsere Nation abgrundtief verraten.

RMH

4. April 2020 20:44

Nur einmal zur Klarstellung:

Ich bin sicher kein Meuthen-Anhänger, aber die Art, wie er mittlerweile mehr oder weniger oft sogar als krank dargestellt wird, löst bei mir Widerspruch aus.

Vom Gesamtpaket her ist Meuthen in sich stimmig und schlüssig, insbesondere auch bei Wirtschaftsthemen, da steht er in der Tradition großer Denker. Man mag es mögen oder nicht, aber das ist eben alles schlüssig und man braucht nur sagen, ja, stimme ich zu, oder eben nein, das ist nicht mein Ding,

Anders hingegen Höcke. Höcke ist ein 100%- Patriot. Wenn er von und über Deutschland als Volk und Nation spricht, ist das auch komplett glaubhaft und schlüssig (habe ihn selber schon live als Redner erlebt und seit dem hat er bei mir einen Stein im Brett). Das sog. "Sozialpatriotische" hingegen kaufe ich einem ehem. Beamten und Schulmeister einfach nicht ab. Das wirkt aufgesetzt und überhaupt wie aus einem Think-Tank künstlich konstruiert, in der Hoffnung, die große wirtschafts- und sozialpolitische Lücke irgendwie zu schließen, die Leute, die einfach nur für Deutschland und Deutsche deutscher Abstammung sind, naturgemäß haben. Bei diesem Konstrukt, namens Sozialpatriotismus, merkt man zudem, dass man maximal ins Herumgeiere kommt, da man sich ja dennoch vom Nationalsozialismus und den echten Linken irgendwie abgrenzen will und auch muss. Das Gesamtpaket ist mithin beim Flügel über das echt Patriotische hinaus nicht glaubhaft vorhanden - nach wie vor. Das wirkt oftmals aufgesetzt bis hin zu sozialem Mimikri.

Komplett unabhängig davon geht es aber genau darum, was @Laurenz richtig beschreibt:

"Wir müssen nur den geweiteten Blick auf Mehrheiten ganz populistisch formulieren"

Exakt darum geht es. Möglichst viele zu sammeln, die dem Establishment und den bisherigen Parteien schon lange im Grunde genommen Ade gesagt haben. Damit überspannt man naturgemäß den Bogen einer reinen Programmpartei - und genau das ist die große Kunst eines Ladens, der sich "Alternative für Deutschland" nennt. Aber dieses "Unmögliche" im Blick zu haben, dass ist die Anforderung. Insofern erteile ich dem pragmatischen Diskussionsansatz von Meuthen, einmal über 2 Parteien zu diskutieren, am Ende meiner eigenen Meinungsbildung dazu ganz persönlich eine Absage. Die AfD hat die Anlagen, eben mehr zu sein als eine reine Programmpartei. Sie ist einfach eine starke Marke. Und hoffentlich schafft sie es nach wie vor, viele hinter sich zu versammeln.

Kriemhild

4. April 2020 22:57

Sehen wir es doch mal ganz nüchtern: der Versuch, über das "Projekt AfD" das deutsche Volk zu erhalten und den deutschen Staat wieder in die Spur zu setzen bzw. zur Vernunft zu bringen, ist gescheitert. Den Herrschenden ist es gelungen, auch dank zahlreicher Fehlleistungen aus eigenen Reihen der AfD, die neue Partei auf eine Weise zu stigmatisieren, aus der jetzt kein Weg mehr herausführt. Vielleicht in einem sich abspaltenden Osten, aber mit Sicherheit nicht im Westen. Dort ist die AfD schlicht und einfach erledigt, ein totes Pferd. Für konservative und rechte Vordenker muss es jetzt dringend darum gehen, über neue Wege und Ansätze nachzudenken. Diese könnten in Richtung eines neuen republikanischen, das Land revitalisierenden Verfassungsprojekts gehen, Stichwort Artikel 146 GG, wobei dieses Projekt auch diejenigen Nichtdeutschen einschließen sollte, die sich zu Deutschland bekennen und Ja zu diesem Land sagen. Auf zu neuen Ufern, heißt also die Devise, statt sich in AfD-interne Parteikämpfe zu verbeißen, die nirgendwohin mehr führen. Seien wir ein wenig mehr konservative Revolutionäre statt uns mit engem Blick an parteipolitische Strukturen und Auseinandersetzungen zu klammern.

Gracchus

5. April 2020 00:10

"Das Weiche besiegt das Harte." (Laot-se)

@ Laurenz
Sorry, wenn ich Ihnen den Platz als Forums-Witzbold streitig mache. Aber ihren Kommentar verstehe ich wieder nicht. Was ich sage, ist ziemlich banal, und mit Meuthen habe ich nichts am Hut. Aus meiner liberalen Sicht kann ich gut mit Höcke leben, auch wenn ich nicht mit allem übereinstimme und seine Inszenierungen manchmal daneben gehen - und zwar weil ich ihn für integer und lauter halte und seinen Ansatz für frischer. Liberal ist eben nicht gleich liberal und bedeutet keinen FDP-Klientelismus. Ihnen das jetzt auseinanderzuklamüsern habe ich keine Zeit. Kurz: Die Bürger sollten ihrer Angelegenheiten so weit wie möglich selber regeln (können).

Ansonsten bin ich RMH der Meinung, dass die AfD lagerübergreifend sammeln sollte, v. a. die sog. einfachen Leute und den Mittelstand.

Die BRD ist für mich ein ziemlich künstliches Gebilde, und m. E. geht das Volk dem Staat voraus, nicht umgekehrt. Solidarität geht daher aus dem Volk hervor, nicht aus dem Staat. Völker können ganz ohne Nationalstaat bestehen. Bestes Beispiel: das jüdische. Woher wir Deutschen unseren Staatsfetischismus haben, kann man jetzt lange philosphieren; wahrscheinlich aus einem Identitätsmangel.

Wo verrate ich bitte sehr damit unser Volk? Kann man ein Volk, das Jahrzehnte Merkel wählt, überhaupt verraten?

Franz Bettinger

5. April 2020 09:26

Prof. Meuthen hat in Petry-Lucky-Laune das Kriegsbeil ausgegraben und wird wie unlucky Petry in der Wüste der Bedeutungslosigkeit enden. Denn so was macht man nur einmal.

Laurenz

5. April 2020 10:31

@Gracchus .... ein freudig schmetterndes Helau

Zitat-"Das Weiche besiegt das Harte." (Laot-se) -Zitatende, sagten die Messer der Mörder Cäsars zu dessen Korpus.

Sehen Sie, in Ihrer Antwort werden Sie über Ihre Sicht der Dinge wesentlich konkreter, und so hat tatsächlich jeder die Möglichkeit abzugleichen. Sie haben vollkommen Recht, über Höcke'sche Inszenierungen kann man nachdenken und sich auch Veränderungen vorstellen, vielleicht sich auch der Raute bedienen oder von B’nai B’rith Orden vergeben lassen.
Silone würde heutzutage sein Zitat verändern... "Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‹Ich bin der Faschismus›. Nein, er wird sagen: ‹Ich bin der Neo-Liberalismus>".

RMH hatte sich getäuscht. Die AfD ist nach der FDP die Partei mit den wohlhabendsten Mitgliedern und Sie können Sich selbst überlegen, wer in dieser Partei den Schnitt nach oben zieht. Hier geht es also nicht darum, dem Wahlvolk eine Alternative anzubieten, sondern, wie Sie es handhaben, dem Wahlvolk das Bisherige als Alternative in Blau zu verkaufen. Als ob Pazderski & Meuthen nicht wüßten, daß beide mit den eigenen Wählern politisch nichts gemein haben. Hier liegt der Verrat begründet. Und mit den bisherigen Machthabern der Merkel-Front Koalitionen zu beabsichtigen .... hat es im Nach-Wende-Deutschland je einen größeren Verrat gegeben? Der Verrat wurde bisher durch die Haltung der Sozial-Patrioten verborgen, wobei man Letztere nun ganz offensichtlich zu verraten gedachte.

Die SPD-Politik wider die eigene ehemalige Klientel war immer offensichtlich, von daher wählen nur noch die Profiteure des SPD-Regimes SPD.
Hier Mausfeld für Sie https://youtu.be/-kLzmatet8w

Niekisch

5. April 2020 19:33

"Seien wir ein wenig mehr ( konservative können wir auch weglassen, niekisch ) Revolutionäre statt uns mit engem Blick an parteipolitische Strukturen und Auseinandersetzungen zu klammern."

@ Kriemhild 4.4. 22:57: Meine Rede, gnädige Frau, seit eh und je. Dennoch findet dieses langjährige Bemühen hier https://diskuswerfer.wordpress.com/ auch nicht den allergrößten Anklang. Dabei bietet der vorpolitische Raum die besten Möglichkeiten für metapolitische und damit mainstream- überwindende Arbeit.

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