16. April 2020

Resilienz?

Heino Bosselmann / 94 Kommentare

Die Zahlen und Figuren zum Wuhan-Virus interessieren mich nicht mehr, ich beargwöhne eher die fortdauernde Angst.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

  • Sezession

Was geschieht, ist nur ein weiteres Beispiel für die Kontingenz von Leben und Dasein. Abgesehen von der relativen Harmlosigkeit von Corvid-19 im Vergleich zu anderen existentiellen Herausforderungen: Wir sterben nun mal an irgendwas, das in unser Leben tritt. Dem sollte man entgegensehen. Das ist wichtiger als Impfungen, Heilung und Genesung. Vom Tod genas noch niemand.

Und man vergleiche in den Zeiten der Sorge und Vorsorge gerade jetzt unser vermeintliches Elend mit dem Sterben der Arten, der Mitgeschöpfe, verursacht allein durch unser immer weiter entgrenzendes Leben.

Insofern erscheint die derzeit allgegenwärtige Phrase „Bleiben Sie gesund!“ unangemessen. Man kann sich Mut wünschen, Glück, ein gutes Geschick, aber wenn man erkrankt, hat man damit einfach couragiert zurechtzukommen, indem man die Haltung strafft und seine Kräfte mobilisiert, so gut es geht. Täglich ertragen Millionen Menschen fürchterliche Krankheiten und Verletzungen. Man darf als Mensch auf Hilfe hoffen, nicht aber auf ewige Gesundheit.

In Kenntnis einer über Jahrzehnte erfolgten physischen und psychischen Verzärtelung von Mensch und Gesellschaft hätte man es freilich erwarten müssen, daß eine medizinisch gewichtige Bezeichnung für ein unklare Ansteckungskrankheit ausreicht, namentlich den Westen in eine grundstürzende Krise zu treiben. Geschichtlich gesehen ein geradezu peinlicher Vorgang im Vergleich dazu, wie unsere Vorfahren Heerscharen apokalyptischer Reiter nicht nur auszuhalten vermochten, sondern bei aller Trauer und allem Schmerz daran sogar wuchsen und reiften.

Tränen und Wehklagen gehört dazu, und niemand ist zum Heldentum verpflichtet. Auch Ärzte, Pfleger und Kassiererinnen sind – Bei allem Respekt! – keine Helden; sie tun ihre Pflicht. Das ist redlich. Mag sein, Redlichkeit sollte höhergehalten werden als Heldentum.

Angst ist menschlich, natürlich, gesund; aber sie darf nicht ins Würdelose münden. Die eigene Furcht beherrschen zu können ist Grundbedingung erwachsenen Daseins.

Bevor die „Corona-Krise“ begann und in der allgegenwärtigen monströsen Vergrößerung des stachlig anmutenden Virus ihr beredtes Symbol fand, war ein Modewort im Dauergebrauch: Resilienz. Was ist nun damit? Jetzt gerade gilt es, resilient zu sein. Aber Modewörter zeigen eben nicht an, was gerade Fakt ist, sondern deuten vielmehr auf das, was vermißt wird. Mit Empathie, Toleranz, Bildung usw. verhält es sich ebenso. Diese Worte sind im Schwange, deuten aber mehr als einen Bestand die Leerstellen an.

Nein, es geht nicht um Lässigkeit, schon gar nicht um Verantwortungslosigkeit und Zynismus. Um so mehr ist der Widerstand gegenüber den eigenen Affekten gefordert, gesunder Menschenverstand, die Unterscheidung von Zahl und Phänomen, das Herstellen von Zusammenhängen und das Beachten von Kontexten, letztlich die Entwicklung jener Urteilskraft, die einen besser als Expertenmeinung aus der Gefangenschaft von Fiktionen und Zuschreibungen in eine Freiheit finden läßt, die offensives Handeln und Hilfsbereitschaft ermöglicht.

Aber bevor sie ausgebildet und eingeübt ist, wäre zu beherzigen, was die Vermessenheit der Gegenwart vergessen ließ: Demut. Offenbar war sie den Alten wesenseigen, weil die täglich und unmittelbar erfuhren, daß es plötzlich vorbei sein konnte mit dem bißchen Glück und dem bißchen Leben. Und daß man besser dankbar war, wenn alles gerade mal noch zusammenhielt und man sich seines Daseins im Augenblick sogar freuen konnte. Darin bestand das rechte Maß, im Wissen um die Unwahrscheinlichkeit der eigenen Existenz, in die Einsicht darin, daß man eben nicht das Maß aller Dinge ist, sondern von etwas viel Größerem als dem eigenen Selbst gemessen wird.

Stets darf man hoffen, nie aber sicher sein. Es gibt keine Garantien, kein Anrecht auf ein Leben ohne Leid, Mangel und Krankheit. Niemand wünscht sich das Böse, aber täglich sollten wir davon ausgehen, daß es uns trifft. Mag ja sein, wir wurden gerade jetzt darüber belehrt, worum es eigentlich geht. Damit hätte „Corona“ sogar einen gewissen Zweck erfüllt, wenn uns zur Erkenntnis verholfen wäre, wie unwichtig all die Anhaftungen sind, die wir früher für unabdingbar hielten.

Es geht um Weniges, aber dieses Wenige hält uns, selbst wenn wir nicht gesund bleiben. Wir bleiben es über kurz oder lang ohnehin nicht, ebensowenig wie uns dieses Leben bleibt.


Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

  • Sezession

Kommentare (94)

Stefanie

16. April 2020 12:16

Bleiben Sie gesund!
Das ist ein ein Imperativ. Er fordert uns zu etwas auf, was doch gar nicht in unserer Macht steht, bei aller Eigenverantwortung. Krank werden wird zur Befehlsverweigerung. Die Weitergabe eines Keimes - auch unwillentlich und unwissentlich wird gleichgesetzt mit Körperverletzung. Es gilt als unverantwortliche anderen zu nahe zu kommen, zu berühren, Körperflüssigkeiten auszutauschen. Das was zu jeder Existenz gehört wird zum Verbrechen. Andersherum kann man auch das Krank werden demjenigen zurechnen: hätte er mal esser aufgepasst, selber Schuld, ist halt unnötig Risiken eingegangen. So eine Einstellung tötet am Ende jede Solidarität ab, so sehr sie auch beschworen wird. Am Ende wird Gesundheit zur Regelgröße, die von Gesellschaftsingeneuren eingestellt werden kann: Blutdruck, Cholesterin, Virenlast. Am besten jederzeit per Fitnessarmbad zu überwachen, eingepflegt in die eigene virtuelle Identität.

Franz Bettinger

16. April 2020 12:23

Es sind die alles verschlimmernden Maßnahmen der Politik und die übliche schädliche antivirale Medizin, die zur Zeit Coronas zu unnötig vielen Toten führt. Nicht der harmlose Virus, sondern die skandalöse Isolierung alter Menschen und die toxischen Therapien auf den Intensivstationen haben zu Not und Tod geführt. Sie sind das Problem, nicht Corona. Historisches zum medizinischen Aspekt:

Es war kein Zufall, dass bei dem 29-tägigen Ärztestreiks in Israel 1973 die Sterblichkeitsrate im Land die niedrigste je ermittelte war. Sie sank um fast 50 %. - Dasselbe geschah 1976 in Kolumbien bei einem Streik der Ärzte in Bogota. Der "National Catholic Reporter" berichtete, dass während der 52 Tage, die der Ausstand dauerte, die Sterberate um 35% fiel. Das Gleiche war in Kalifornien zu beobachten und 1978 in England. - Trotzdem scheint nichts imstande zu sein, die dogmatische Überzeugung zu erschüttern, die Kunst der Medizin hätte heute einen Höchststand erreicht - obwohl ein Heer medizinischer Koryphäen anderer Meinung ist.

Deshalb könnte sich paradoxer Weise der Umstand, dass wir wegen der momentanen Quarantäne keine "normale Medizin" erleben (dass also Krankenhaus-Aufenthalte aus anderen Gründen, w.z.B. Hüft-Ops, entfallen) als Glück herausstellen. Und all dies, obwohl viele an den toxischen Anti-Corona-Maßnahmen und Therapien unnötig sterben werden. Die Statistik wird es zeigen. Der Verzicht auf eine Behandlung kann durchaus die bestmögliche Behandlung sein.

zeitschnur

16. April 2020 13:28

Diese Betrachtung ist zwar kurz, aber tiefgründig. Sie sprechen hier ein Ungleichgewicht sondergleichen an, das sich unmerklich eingeschlichen hat in unser "Kollektivbewusstsein".
Die Homöostase der Gemeinschaft ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Und es ist durchaus möglich, dass üble Kräfte das gerade auch weidlich ausnutzen. Aber diese Gemeinschaft wird irgendwann auch genesen aus dieser Krankheit des Geistes.
Ich höre schon, wie manche Ihnen entgegnen könnten: Das ist Fatalismus, was Sie da predigen.
Wenn einer das sagte, würde ich ihm widersprechen und sagen: Aber nein, Herr Bosselmann will keinen Fatalismus, sondern er will, dass man das, was kommt und gewissermaßen nicht planbar ist und bleibt (gleich welche Fiktionen von "Steuerung" sich besessene Leute ausdenken), aktiv annimmt und gestaltet. Dazu gehören natürlich auch Widrigkeiten des Lebens.
Ich bin immer wieder fasziniert von den Geschichten um Jesus, der ja bekanntlich Kranke heilte - allerdings heilte er offenbar nur die, die auch heil werden wollten. Wirklich schwer Gezeichnete liefen ihm nach, flehten ihn an, ließen nicht locker, bis er sie heilte. Der geistig gesunde Mensch strebt auf Heilung, nicht auf eingebildete Krankheit.

Wir dagegen leben in einer Welt, die vermutlich zumindest physisch gesünder als je ist, weil wir insgesamt doch sauberes Wasser, ausreichend Nahrung und einigermaßen geordnete Verhältnisse haben, es gibt Krankheit, aber auch sehr viel Hilfe und vor allem ist Krankheit heute weitgehend eine Frage älterer Menschen, die immer älter werden - man sehe sich das Lebensalter vor 100 Jahren an, das könnte manchen aus dem derzeitigen Wahn heilen. Grippewellen und Noroviren gehören nun mal nicht ins Drama - das gehört gewissermaßen zur Immunisierung dazu. Und wenn sie dramatisch werden, dann wurde garantiert vorher unsachgemäß geimpft wie dieser medizinisch unberufene und irgendwie von einer fixen Idee besesssen wirkende Gates es schon wieder vorhat, nachdem er in Indien zahlreiche Todesopfer und Schwerstgeschädigte mit seinen Quacksalberprojekten verursacht und derzeit - so hörte ich aus meinem Umfeld läuten - in Afrika. Oder es war eine schlechte Zeit, in der die Menschen vorgeschwächt waren. Und immer nahmen sie es hin.

Wir heute wollen offenbar endlich mal so richtig krank sein und gegängelt werden, eine hochpathologische Haltung vieler, Zeichen einer bodenlosen Infantilität und Fahrlässigkeit. Für das Gefühl, endlich mal ein spaciges Drama zu erleben, das aber eigentlich eher großes Kino ist, für dieses schale Linsengericht geben Deutsche, in eine Art Sado-Maso-Ebene verschoben, aber auch viele andere Völker, mal locker so ihre Freiheitsrechte auf.
Ich habe die surreale Erfahrung gemacht, dass einige Menschen in meinem Umfeld, die aber eine Minderheit darstellen, wie Wahnsinnige all den Schrott glauben, der aus Berlin kommt und tagtäglich in den Massenmedien breitgetreten wird, und dies in der Form, dass sie unbedingt Panik haben WOLLEN und unbelehrbar dafür sind, dass längst hochrangige Experten klar und sachlich nachgewiesen haben, dass eigentlich keine echte Gefahr vorliegt. Anstatt erleichtert zu sein, hassen sie einen dafür, dass man ihnen ihre Angst nehmen will.

Für mich ist die Sache klar: diese Leute sollen dann eben in ihrer wahnhaften Angst steckenbleiben. Auf sie kann man keine Rücksicht mehr nehmen. Man muss sie liegenlassen und untergehen lassen, wenn sie es denn unbedingt wollen. es kann nicht sein, dass wir alle Co-Wahnsinnige werden wie in einem Suchtkrankenhaushalt. Die Karawane wird nämlich weiterziehen, und auch diese inkompetenten Geldsäcke und Machtwahnen wie Gates, der auf mich ehrlich gesagt inzwischen größenwahnsinnig wirkt, haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht: eben weil man nicht alles vorausplanen KANN. Auch sie nicht, egal, was sie alles zu lenken versuchen.

Denn das ist die wirklich gute Botschaft in Herrn Bosselmanns Überlegungen: Niemand kann perfekt planen, auch nicht diese Elitentypen, die vermutlich schon versuchen, die ganze Welt zu unterjochen. Auch sie werden untergepflügt vom wirklichen Leben und haben ihm dann aufgrund ihres Machbarkeitswahnes nichts mehr entgegenzusetzen.
Man kann eher gespannt sein, welche Kreativität derzeit in den geistig gesund Gebliebenen freigesetzt wird!

Homeland

16. April 2020 13:49

"Es geht um Weniges, aber dieses Wenige hält uns, selbst wenn wir nicht gesund bleiben. Wir bleiben es über kurz oder lang ohnehin nicht, ebensowenig wie uns dieses Leben bleibt."

Was ist das Herr Bosselmann, die junge Attraktive aus dem Navi, die sagt: "Im Kreisel gerade aus und dann weiter Richtung jenseitiger Erlösung!" ?

Sie lassen sich von den Sirenen, die Ihnen was von notwendiger Demut vor der Volksgemeinschaft ins Ohr träufeln, den falschen Weg singen. Sie haben sich das süße Volksupdate herunterladen lassen, das in die Besinnlichkeit abbiegt. In der bitteren Version geht die Ansage im Kreisel, der ein Wendehammer ist, so:

"Die Organisation Corona übernimmt erst einmal vorübergehend, aber unbefristet, die Amtsgeschäfte bis sie von einer SicherheitsImpfung und einer SolidaritätsApplikation abgelöst wird, in jedem Fall aber bis zur Neugestaltung des Reichstags in 2021, um bis dahin überall geregelte Korrekturwahlen zu gewährleisten und um nach Möglichkeit einen wiederkehrenden Befall der Bevölkerung zu verhindern, auf eventuelle Empfehlung unserer Experten auch länger. Diese Regelung gilt ab sofort, also unverzüglich."

Die Stimme aus diesem Navi ist eine alte Führerin und es ist mir ein aufrichtiges Anliegen, deren Demut von der Ihren zu trennen, die Ihre zu beherzigen, und jener entgegen zu treten. Der abstrakte Ausweg mag uns helfen, die schon verschobenen Wegemarken wieder zu finden und an ihren Platz zurück zu schaffen und keine Neuvermessung zuzulassen.

Ein gebuertiger Hesse

16. April 2020 14:00

Manches nicht unbedingt auf die Goldwaage legen. "Bleiben Sie gesund" ist - auch - ein Gruß bzw. eine höfliche, ja freundliche verbale Abrede. Gerade in einer Zeit der verordneten Kontaktvermeidung ist es gut, wenn Leute, und seien es auch nur Fremde auf der Straße, im Supermarkt, ein zusätliches Wort aneinander richten. Dieses mag in der Sache zwar sogar falsch sein, doch hat die Floskel ein menschenfreundliches Eigengewicht.

Brettenbacher

16. April 2020 14:24

@Ein gebuertiger Hesse
".. menschenfreundliches Eigengewicht".
Sehr schön und sehr gut !

Lotta Vorbeck

16. April 2020 14:48

@Ein gebuertiger Hesse - 16. April 2020 - 02:00 PM

Manches nicht unbedingt auf die Goldwaage legen. "Bleiben Sie gesund" ist - auch - ein Gruß bzw. eine höfliche, ja freundliche verbale Abrede.

~~~~~~~~~~~~

+ Diese "freundliche, verbale Abrede" [EgH] ist ein anschaulicher Indikator dafür, wie quasi über Nacht die obrigkeitlich vorgegebenen, aktuellen Narrative, beflissen als die vermeintlich eigenen antizipiert und in der Absicht weitergetragen werden, sich unausgesprochen des Konformismus seines jeweiligen Gegenübers zu versichern.

+ Diese "freundliche, verbale Abrede" [EgH] katapultiert den eigenen Blutdruck in jene ungesunde Höhe, wie es zuvor das einem seit den 1990er Jahren allerorten vor den Latz gehauene "Schönen Taach noch." / "Schönen N'abend noch." vermochte.

Stefanie

16. April 2020 15:07

@Homeland
"Die Organisation Corona übernimmt erst einmal vorübergehend, aber unbefristet, die Amtsgeschäfte bis sie von einer SicherheitsImpfung und einer SolidaritätsApplikation abgelöst wird, in jedem Fall aber bis zur Neugestaltung des Reichstags in 2021, um bis dahin überall geregelte Korrekturwahlen zu gewährleisten und um nach Möglichkeit einen wiederkehrenden Befall der Bevölkerung zu verhindern, auf eventuelle Empfehlung unserer Experten auch länger. Diese Regelung gilt ab sofort, also unverzüglich."

Und über die neuen Reiseregelung über den "known traveller" führen die Datenkraken in puplic private partnership ein neues Meldesystem ein, über das sich
Die Bewegungsfreiheit ähnlich "privatrechtlich" bewirtschaften lässt wie die Meinungsfreiheit auf den großen Plattformen. - Natürlich gedeckt durch die Kooperation mit den "demokratischen Staaten."
Wir sehen hier die Machtergreifung einer Allianz aus Big Brother, Big Pharma und Big Data.

Lotta Vorbeck

16. April 2020 16:10

@Stefanie - 16. April 2020 - 03:07 PM

Wir sehen hier die Machtergreifung einer Allianz aus Big Brother, Big Pharma und Big Data.

~~~~~~~~~~~~

"Alles nur zu Eurem Besten!"
"Alles nur zu Eurer Sicherheit!"

- flötet es aus den semistaatlichen Propagandageneratoren.

"Und für die, die sich hartleibig der Gates-Buffet-Rockefeller-NWO verweigern, haben wir noch freie Betten in der Psychatrie."

- verkündet derweil drohend das BREAKING-News-Schriftband am unteren Bildschirmrand.

---

BILL heißt Rechnung - Und Gates bedeutet Pforten

https://youtu.be/NMxQVAWfsH4

am 16.04.2020 veröffentlicht

Laurenz

16. April 2020 16:26

Sie geben meinen Empfindungen und Gedanken Struktur und Worte, wirklich schön geschrieben.
Das tut Herz und Seele gut.
Zitat-Vom Tod genas noch niemand-Zitatende oder auch "Das Leben endet immer tödlich".

Bin der Redaktion dankbar, daß dies nicht wegzensiert wurde. Denn die Mehrheit hier wird diese Aussage nicht teilen, auch wenn diese sich rein auf das irdische Dasein bezieht und keine Versprechen auf ein etwaiges solches oder solches Jenseits macht, was, wenn versprochen, uns nur von unserem Auftrag auf Erden ablenken soll.
Und ohne große Philosophie widerspreche ich den Stoikern, auch wenn die Stoa als Lebensart verführerisch erscheint. Nur diejenigen, die krank waren und sonstwie litten, wissen es zu schätzen, wenn es Ihnen wieder gut geht. Daher textet Till Lindemann von Rammstein auch "Geadelt wird, wer Schmerzen kennt."
https://youtu.be/ZkW-K5RQdzo (03:10)

und verkauft teutonisch weiße Männlichkeit, vor Dreck, Schweiß und Blut strotzend, erfolgreich von Japan, Australien bis Mexiko als Gegenmodell der männlichen Weicheier auf dem SiN-Kommentariat, die nur um sich selbst trauern.

@HB explizit .... das mit dem "Bleiben Sie gesund" würde ich nicht so eng sehen. Einen "Guten Tag" wünschen oder das "Grüß Gott" aus dem deutschen Süden ist doch auch nicht besser. Als ob wir auf den Rest-Tag und seinen Unwägbarkeiten immer so großen Einfluß hätten. Und tägliche Begegnungen mit Gott können auch arg langweilig werden.

@zeitschnur .... ich wurde schon desöfteren angehalten, mich etwaiger Angriffe auf die Abrahamiten hier zu enthalten. Das funktioniert allerdings nur solange, wie Sie auf Ihre antike Karl-Marx-Propaganda verzichten.

Zitat - Ich bin immer wieder fasziniert von den Geschichten um Jesus, der ja bekanntlich Kranke heilte - allerdings heilte er offenbar nur die, die auch heil werden wollten. -Zitatende

Ich bin immer wieder fasziniert von den Geschichten um @Franz Bettinger, der ja bekanntlich Kranke heilte - allerdings heilte er offenbar nur die, die auch heil werden wollten.

Preiset unseren Messias Franz!

Alter Schwede, wer geht sonst freiwillig zu einem Heiler?

Glücklich sind diejenigen, welche arm im Geiste sind. Helau!

Sara Tempel

16. April 2020 17:15

Treffend analysiert, Herr Bosselmann! - Die banale Floskel: "Bleiben Sie gesund" zeigt nur ein angepasstes Verhalten ohne den Widerstandsgeist, den unsere Zeit dringend braucht. Ich persönlich bevorzuge: "Für die Freiheit"! - Andererseits habe ich selber den Fehler gemacht, zu glauben, ich könnte durch regelmäßige Grippeschutzimpfungen meinem Schicksal ein Schnippchen schlagen. Erst meine - wohl daraus resultierende - neurodegenerative Erkrankung hat mich Demut gelehrt. Die Natur selbst sorgt für Ausgleich, daher würde es mich nicht wundern, wenn der Welt nun eine echt gefährliche Pandemie beschert würde, die nicht zuletzt die Machteliten träfe. - Bis dahin benötigen wir alle Resilienz um der Angst zu trotzen, die eine sich etablierende Diktatur verbreiten muß.
Der ehemalige Kanzler Helmut Schmidt sagte schon: „Ich habe den Verdacht, dass sich alle Terrorismen, egal, ob die deutsche RAF, die italienischen Brigate Rosse, die Franzosen, Iren, Spanier oder Araber, in ihrer Menschenverachtung wenig nehmen. Sie werden übertroffen von bestimmten Formen von Staatsterrorismus.“

RMH

16. April 2020 18:32

"Auch Ärzte, Pfleger und Kassiererinnen sind – Bei allem Respekt! – keine Helden; sie tun ihre Pflicht."

Das war für mich der Satz des Tages. Der gesamte Artikel ist wichtig, leider wird er wie der Rufer in der Wüste bei den meisten unbeachtet bleiben.

Ich bin angewidert davon, wie ein Land, welches seine Helden seit Jahrzehnten schmäht, jetzt irgendwelche Held/*Innen aus dem Hut zaubert, selbst wenn es sich dann am Ende nur um Werbung handelt, die eben so nett "sozial" verpackt wird. Ich kaufe bei Euch Krämern nicht mehr ein!

Ich bin angewidert, wenn ich in der Öffentlichkeit sehe, wie hässliche, dicke Menschen mit Diabetesfüßen Masken tragen, um ihre erbärmliche Existenz abzusichern. Alle haben Schiss um ihr kleines bisschen Leben. Jahrzehntelang jammern die meisten über Gott, die Welt und ihr besch ... Leben und wenn der Tod anklopft, ist es auch wieder nicht recht.

PS:
Heute geht der Preis für den Misanthropen des Tages an mich.

Niekisch

16. April 2020 19:28

"die toxischen Therapien auf den Intensivstationen haben zu Not und Tod geführt....Der Verzicht auf eine Behandlung kann durchaus die bestmögliche Behandlung sein."

@ Franz Bettinger 12:23: Meine Frau, eine erfahrene und verantwortungsbewußte Krankenschwester in den verschiedensten Arbeitsbereichen, lässt höflich anfragen, was Sie da genau meinen. Doch hoffentlich nicht: Erstickende Patienten einfach sterben lassen..

Homeland

16. April 2020 20:48

Yep @Stefanie, so ist es es. Und jetzt harre ich dem was kommt mit Interesse, wie sich also APO (mittlerweile unüberschaubares Meer an Aktivisten) und PO (Alternative) darauf einstellen, oder sollte ich sagen, rüsten? Und, wird sich das APO-Mosaik hinter der PO versammeln? Spannend, denn die wirkliche Bewährungsprobe kommt erst jetzt.

quarz

16. April 2020 20:51

@Stefanie

"Bleiben Sie gesund! Das ist ein ein Imperativ. Er fordert uns zu etwas auf, was doch gar nicht in unserer Macht steht"

Nur an der grammatischen Oberfläche. Darunter verbirgt sich aber ein Optativ.

limes

16. April 2020 21:14

@ Niekisch: Sie schreiben: » …hoffentlich nicht: Erstickende Patienten einfach sterben lassen …«

Doch darauf wird es wohl hinauslaufen, und zwar womöglich unter Umständen, die bislang sogar Tierärzte bei Haustieren zu lindern vermochten.

»„Unsere Bestände gehen zur Neige.“ Besonders drastisch seien die Probleme bei den Narkosemitteln Propofol und Isofluran, beim Schmerzmittel Sufentanil oder dem Beruhigungsmittel Midazolam. Sie alle werden auch bei künstlich beatmeten Patienten eingesetzt.« So die Lagebeschreibung unter https://www.oldenburger-onlinezeitung.de/nachrichten/drastische-lieferprobleme-bei-narkosemitteln-38978.html

Aus einem Bericht des Gatestone Institute aus Spanien heißt es: »In Dokumenten, die mehreren spanischen Medien zugespielt wurden, wies der katalanische medizinische Notfalldienst (Servicio de Emergencias Médicas) Ärzte, Krankenschwestern und Krankenwagenpersonal an, die Familien älterer Patienten, die am Coronavirus erkrankt sind, darüber zu informieren, dass "der Tod zu Hause die beste Option ist". ... Das Protokoll riet dem medizinischen Personal auch, auf die Erwähnung des Mangels an Krankenhausbetten in Katalonien zu verzichten.«

»Vor der Lage bleiben - Deutschlands Feuerwehr im Pandemie-Modus«, lautet der Titel einer aktuellen Reportage von n-tv. Teaser: »Gerade jetzt in der Corona-Krise müssen sie funktionieren: Rettungssanitäter und Feuerwehrleute. In Großstädten wie Berlin ist der Transport von Kranken und Verletzten die Aufgabe der Feuerwehr. Doch jetzt droht der Ausnahmezustand. Die dringend erwartete Schutzausrüstung, vor allem Masken, bleiben aus.«

Schwierig genug, unter diesen Bedingungen »vor der Lage« zu bleiben. Doch die »Lage« wird täglich weiter vorangetrieben, indem man die Grenzen für »humanitäre« Einwanderung offen hält.

limes

16. April 2020 21:21

»Bleiben Sie gesund« kann man selbstverständlich bildungsbürgerlich als Optativ bezeichnen. Als Imperativ im herkömmlichen Sinne verstehe ich es nur im kommerziellen Umfeld. Im privaten Umfeld ist es für mich ein zärtlicher Imperativ. »Heb Sorg!«, wünschten einander Schwob und Schwäbin schon Jahrzehnte vor SARS-CoV-2.

Martin Heinrich

16. April 2020 21:51

@RMH
Sie sind kein Misantroph, Sie sind nüchtern, realistisch.

Ich habe momentan Urlaub. Höhepunkt meines Corona-Tages im sozialen Umfeld ist um 10 Uhr der Gang zum Bäcker, ein Kaffee und ein Croissant draußen im Stehen, dann weiter zum Einkaufen in den Lebensmittelladen. Immerhin scheint die Sonne.
Aber wenn ich diese Angst sehe, diese gebeugten Körper. Schleichend. Huschend. Ausweichende Blicke. Angst, Angst, Angst. Ist da irgendjemand, der kraftvoll ist, klaren Blickes, munter ausschreitend? Nichts! Niemand ... Schon die Körperhaltung aller bettelt geradezu um Verlängerung der Corona-Schutzhaft, Maskenpflicht, Handy-"Datenspende" ... Immer besser verstehe ich jetzt, dass die Wikinger es als größtes Unglück betrachteten, alt zu werden, statt jung auf dem Schlachtfeld zu sterben. Oder man greife zum japanischen Hagakure, dem Ehrenkodex der Samurai. "Wann ist ein Mann ein Mann?" Diese Frage, die heute drängender als je ist, sollte wir nicht allein Herbert G. überlassen ...

Frieda Helbig

16. April 2020 21:56

@Bosselmann und RMH:
Pflegekräfte werden zu Helden GEMACHT gerade, wir Pflegende sehen uns eher nicht als Helden. Wir machen einfach unsere Arbeit unter wie schon jahrelang beschissenen Bedingungen. (Ich glaub beschissen kann man nicht steigern.)

@Niekisch:
Was Bettinger wohl damit sagen will ist, daß nicht jeder 87 Jährige Coronainfizierte beatmet werden will. Einige hochbetagte Infizierte wollen lieber in Ruhe gelassen werden und sterben. Und mit guter Palliativmedizin erstickt niemand, Stichwort: regelmäßig absaugen...

@Laurenz:
Und ja, heilen setzt auch geheilt werden wollen voraus, denke ich...

HomoFaber

16. April 2020 22:10

“Doch hoffentlich nicht: Erstickende Patienten einfach sterben lassen.”

Doch auch hier sollte man vorsichtig sein:

https://www.frankenpost.de/region/oberfranken/laenderspiegel/Gefahr-durch-das-Beatmungsgeraet;art2388,7210803

https://www.doccheck.com/de/detail/articles/26271-covid-19-beatmung-und-dann

Simplicius Teutsch

16. April 2020 22:24

„Und Gott sah das alles an, ...“ Genesis 1,31

„Einer ARD-Umfrage zufolge befürworten 95 Prozent der Deutschen die Kontaktsperre … Lediglich drei Prozent der Bundesbürger lehnen diese sogenannte Kontaktsperre ab“, hieß es am 24.03.2020.

Und der Abstands-Gebieter von Bayern "sah das alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut." - Annales Bavariae, 16.04.2020.

Ich komme ins Wackeln, so wie bereits das Münchner Oktoberfest 2020 wackelt. Wo bin ich selber stehen geblieben? Wo bin ich hingekommen? Versammelt sich hier auf dieser Plattform der anti-coronäische Narrensaum der Gesellschaft? Und ich aber bin gerne eine Teil davon.

Doch die Zeit der Neandertaler war auch irgendwann zu Ende. Der moderne Mensch, der Homo sapiens sapiens, übernahm uneingeschränkt und vollständig Platz und Herrschaft.

„Die Zeit ist erfüllt, der Homo sapiens sapiens formica ist nahe. Kehrt um, Ihr Waldgänger, und glaubt an eure Quarantänemeister!“ Simplicius Teutsch, 1,1

*formica = Ameise

Franz Bettinger

16. April 2020 23:24

@Niekisch: Mit meiner Aussage "Der Verzicht auf eine Behandlung kann durchaus die bestmögliche Behandlung sein“ ist gemeint, was Hippokrates in seinem Ärzte-Eid (den übrigens kein Arzt je leistet) einfordert: Primum Non Nocere: Erste Pflicht des Arztes ist, mit seinem Tun keinen Schaden anzurichten. Dieses Postulat wurde immer schon verletzt, siehe die Zur-Ader-Lasser, aber heute mehr denn je; man werfe nur einen Blick in die Geschichte der Medizin. Horror! Wir haben es heute mit einer Unmenge schädlicher Behandlungsformen zu tun, allen voran die verschiedenen Krebs-Therapien (aber auch viele andere: Bluthochdruck, Diabetes …). Man erlaube mir die kleine Abschweifung:

Autopsie-Studien beweisen, dass nur 1/7 aller Brustkrebs-Fälle zum Tode führt, und lediglich in 1/3 der Fälle entsteht überhaupt eine erkennbare Krankheit. - Durch technische Verbesserungen der Früherkennung (z.B. Mammographie) nahm die Zahl der gefundenen ! Brustkrebse merklich zu, was einer naiven Gesellschaft als Beweis dient, dass sich die Krebsprognose durch Früherkennung verbessert hätte. Dabei wurden bloß früher lebenslänglich stumme Krebs-Veränderungen zu Krankheitsfällen hochstilisiert, was die bis dato peinlichen + enttäuschenden Therapie-Statistiken verbesserte. Die Epidemiologie spricht vom Fehlschluss des overdiagnosis bias.

In Australien, dem "Homeland des Hautkrebses" hat man dies erkannt und sämtliche diesbezügliche Früherkennung abgeschafft. Sie hatte nachweislich mehr geschadet als genutzt. Und auch beim Prostata-Krebs hat die Medizin inzwischen GsD nachgegeben und die Sinnlosigkeit der Früherkennung eingestanden.

Gracchus

16. April 2020 23:58

Eine der stärksten Sachen, die ich von Herrn Bosselmann gelesen habe. Mir gefällt natürlich der existentialistische Ton. Ein Qualitätsmerkmal: Wenn etwas beim zweiten Lesen gewinnt. Und das tut's. Es gibt zwar einige Punkte, wo ich einhaken würde, inhaltlich, aber sei's drum.

Franz Bettinger

17. April 2020 00:15

Zur Veranschaulichung, Anekdote "Hic Rhodos, hic salta". Ersticken - ein Notfall:

„Vier Liter O2 reichen nicht,“ sagte die Nachtschwester, während sie dem Mann mit der Vakuum-Pumpe Schleim aus dem Rachen saugte. Sie meinte Sauerstoff. Der Mann blickte aus blassen Augen und engen Pupillen. Die Atmung ging angestrengt, die Bronchien pfiffen. 18 Tabletten, drei verschiedene Atemsprays inklusive eins mit Kortison, und es reichte nicht.

Da liegt er nun und resorbiert die Arznei nicht mehr. Jana. hatte Nachtdienst. All die Schändlichkeiten dieses Mannes flogen ihr wie im Zeitraffer durch den Kopf. Brosche war berühmt für Backpfeifen, die einen immer überraschten und aus der Schulbank fegten. Willi, Beate, Roswitha, fast jeden hatte es getroffen, Jana selbst auch. Der Abdruck der schlagenden Hand war zwei Tage lang in ihrem Gesicht sichtbar gewesen. Thoms Blick, sein Lächeln, das ihr Mut machte, ging ihr durch den Sinn. Was wohl aus Thom, der Katze, geworden ist?

Brosches Lungenbläschen reagieren nicht mehr. Jahre lang waren sie eingepeitscht worden, erst mit Nikotin, Teer und Kohlenmonoxid, dann mit Katecholaminen, Dopingmitteln und reinem Sauerstoff. Sie haben ihre Schuldigkeit getan. Ist es so? dachte Jana.

Oder bin ich nur zu dumm, dem armen Kerl zu helfen? Als Jana die Volksschule verließ und aufs Gymnasium kam, war Brosche schon 50. Sie verlor den ehemaligen Klassenlehrer aus den Augen. Nun war er wieder da. 77 Jahre alt.

Die Möglichkeiten schienen ausgereizt. Er schwitzte. Seine Augen flatterten wie ein frisch gefangener Vogel durchs Zimmer. Zum Sauerstoff-Schlauch, zur Decke, zum Licht, zum Fenster, zu der Ärztin, die er nicht erkannte, zur offen stehenden Tür, zur Schwester. Brosches Angst verbrauchte Luft und Energie. Die Theophyllin-Infusion bewirkte nichts erkennbar Nachmessbares. Jana hatte den ehemaligen Schullehrer auf die Intensiv verlegt, wo sie Dienst hatte. Sie lagerte ihn halb-sitzend und spritzte Beta-Mimetika, dann Kortison in immer höheren Dosen. Sauerstoff auf 8 Liter. Null Erfolg. Das Gesicht des Mannes war spitz geworden wie das eines Habichts. Seine alten Augen blickten die junge Ärztin an, als wollten sie ihr zurufen: Hic Rhodos, hic salta! - Zeig jetzt, was du drauf hast, Mädchen!

Dabei hätte Jana nach Brosches Vorhersage gar nicht hier sein dürfen, nicht Ärztin werden dürfen, so ungeeignet sei sie - seiner Ansicht nach - für die höhere Schule gewesen. Brosches ungünstige Prognose lag frisch und abrufbereit in Janas Kopf: „Für's Gymnasium taugt sie nicht. Tut mir leid, Ihnen nichts Günstigeres mitteilen zu können, Frau Doktor Halbstein. Aber Ihr kleiner Käfer zeigt auch mit elf Jahren keinen Ansatz von Vernünftigkeit. Verspielt, unkonzentriert, die Noten recht mittelmäßig. Das Lyzeum wird aus Jana eine Versagerin machen. Lassen Sie ihre Tochter da, wo sie ist.“ Er meinte bei ihm in der Volksschule. Noch ein Spruch jagte Jana durch den Sinn: Man sieht sich im Leben immer zweimal.

Sie injizierte ein Sedativum. „Vielleicht nimmt's ihm die Angst, vielleicht ist das ein Weg oder die Rettung.“ Doch Jana wurde enttäuscht. Sie spritzte Bicarbonat und dann Morphium. Endlich sank der Puls. Der Stress ebbte ab. Doch Brosches Kampf war nicht vorbei. Der Körper des Volksschullehrers war immer noch in höchster Not und stemmte sich gegen das Schicksal. Sein Geist aber schien daneben zu stehen, als ginge ihn das ganze Getue nichts mehr an. Der typische erlösende Morphium-Effekt, dachte Jana. Das Leid und die Schmerzen sind nicht weg, aber sie gehören einem nicht mehr, sie gehören einem anderen. Mit Morphium in den Adern sieht man sich förmlich sterben, steht daneben, hat nichts mehr damit zu tun, ist schon gegangen. Der alte Mann schlief ein.

Oberflächlich besehen sah's nach Besserung aus. Brosches Atmung flachte ab. Jana entnahm arterielles Blut. Sollte sie jetzt schon mit maschineller Beatmung beginnen? Einen dieser elenden Beatmungsfälle herstellen? Sie wollte die Blutgas-Werte abwarten. Die Infusion stoppte, ein Gerinnsel blockierte offenbar die Vene. Jana brauchte einen neuen Zugang zum Gefäßsystem. Die Halsvenen des alten Kämpfers waren gestaut, sie traten dick hervor. Jana tastete nach der Halsschlagader. Die Carotis-Arterie pulste wie ein Dampfhammer. Dicht vor dem schrägen Sterno-Cleido-Mastoideus stach sie die dickste Venen-Nadel in Herzrichtung durch die Haut, und traf das Gefäßbündel.

Das Blut schoss in hohem Bogen aus der Kanüle Jana ins Gesicht. Es pulste über ihren Kittel, überall hin. Einfluss-Stauung, dachte sie. Die Katheter-Spitze hätte aber auch in der Schlagader liegen können statt in der Vena Jugularis Interna. Eine arterielle Infusion? Die wäre tödlich gewesen. Sie zog die Nadel aus dem Hals. „Nein, lassen Sie das! Es geht schon, danke“ Die Schwester zog wieder ab mit ihrem Handtuch. Janas Gesicht blieb blutig.

Es verging Zeit, ehe ihr ein Schlüsselbein-Katheter gelang. Blutdruck und Puls fielen. Die Atmung wurde schnappend. Brosche kotete ein. Jana intubierte, sie begann mit Beutel-Beatmung und sah dabei zur Seite. Sie hasste die große Maschine, die neben dem Bett auf den Einsatz lauerte, als hätte sie eine Seele. Jana glaubte, in der eigenen Hand mehr Gefühl für die nötigen Pump-Bewegungen zu haben als der Lungen-Automat. Kalzium, Atropin und eins-zu-zehn verdünntes Adrenalin wurde gespritzt. Der Patient reagierte nicht. Er gab jeden Widerstand auf. Er hörte auf, selbständig zu atmen, er starb. Der Körper starb. Die Seele war schon voraus gegangen.

Jana machte keine Anstalten, mit einer Herzmassage zu beginnen. Sie orderte nicht den MAX und auch nicht den BENNET. Sie stand neben ihrem alten Lehrer, hielt seine Hand, tat aber nichts zur Wiederbelebung. Die Schwestern reagierten irritiert. Sie knieten in den Startblöcken, und es fiel kein Schuss. Nachdem Jana eine geraume Zeit untätig neben dem Bett des Toten verbracht hatte, benachrichtigte sie die Angehörigen. Die herbei geeilte Ehefrau erlitt einen bühnenreifen Kreislaufkollaps und wurde kurz flach gelegt. Jana war ebenfalls mit den Nerven am Ende. Der Blick des von den Schwestern ins Bild gesetzten und zur Hilfe geeilten Oberarztes drückte Verachtung aus. Die anderen Assistenzärzte hätten ihm wenigstens einen Maschinen-betriebenen Leichnam übergeben, die Halbstein übergab Tote. Jana sehnte sich zurück, nochmal mit offenen Augen Studentin sein zu dürfen.

„Was mach ich falsch, Eddy?“ „Nichts! Misstraue Hayo und dem Chef und allen, in denen der Trieb zu strafen mächtig ist. Wenn die Typen selbst sich die Guten und Gerechten nennen, vergiss nicht, dass ihnen zum Pharisäer nichts fehlt als: Macht. Also sprach Zarathustra!“ also sprach Eddy am nächsten Morgen mit gespieltem Pathos. Er war wie üblich mit dem Rennrad gekommen, wischte sich den Schweiß von der Stirn und sprach den zweiten Satz, den Jana nicht mehr vergessen sollte und der ihr den Tag rettete: „Pink Puffer haben keine Chance, ganz egal was du tust. Ein Pink Puffer ist die prognostisch schlechteste Variante aller Asthma-Formen.“ Dann sagte Eduardo übergangslos was scheinbar sehr Banales, was seine Kollegin paradoxerweise aber ebenfalls enorm aufrichtete: „Deutschland hat im Nationen-Ranking den dritten Platz belegt, seltsamer Weise hinter Rumänien, und du Jana solltest mehr an die frische Luft gehen und Sport treiben wie ich. Du siehst blass aus.“

Ed redete von der Olympiade in Los Angeles. „Rumänien? Ein Witz!“ sagte Kalle Dix. Jana fragte sich, worin der Witz bestand. „Die Rumänen sind wohl besser gedopt gewesen,“ meinte Eduardo. „Ist doch belanglos. Jedenfalls haben die Gauner drei Goldene mehr im Säckel,“ sagte Kalle.

Dass die zwei Kollegen den Tod des alten Brosche einfach hinnahmen und nicht in Hayos Posaune stießen und sie der Untätigkeit bezichtigten, tat Jana gut. Was hatte Eddy kürzlich noch gesagt? 'Der Patient hat das Problem, nicht wir. Lass dich nur nicht von Mitleid beherrschen. Und trau dich was!' Ja, das hatte er gesagt. Jana hatte sich getraut, jemanden sterben zu lassen, ohne vorher das Füllhorn der Medizin über ihm auszuleeren. Sie war in Gedanken bei dem toten Pink Puffer, der in einem der Kühl-Fächer im Keller lag und auf die Bestatter wartete. Sie hörte nur mit einem Ohr zu.

HomoFaber

17. April 2020 04:22

Aus der oben verlinkten Frankenpost:

“In dem Beitrag beschreibt Schindler die schlechten Chancen von Beatmungspatienten und schildert überraschend gute Verläufe von betagten Patienten, die sich eine invasive Beatmung verbeten haben. Für ihn stelle sich die Frage, so Schindler, ob die Behandlungsrichtlinien nicht korrigiert werden müssten. Sie sehen gegenwärtig vor, dass man bei Covid-Patienten den Notfall gar nicht erst abwartet, sondern sie bei schlechten Werten der Sauerstoffsättigung im Blut und bei Atembeschwerden schon in einem frühen Stadium in Narkose versetzt und beatmet.”

Wohl auch eine Möglichkeit, um Covid-Patienten vor lauter Panik über den Jordan zu bringen.

FranzJosef

17. April 2020 10:12

@ Bosselmann

Sie waren Lehrer am Gymnasium. Als Kollege frage ich Sie:
Wenn Sie Ihren Text in Philosophie in der Oberstufe eingesetzt hätten, was wäre das Lernziel der Stunde gewesen?
Die Schüler sollen lernen, dass sie krank werden können?
Wäre das der von Ihnen beabsichtigte Lernfortschritt der Schüler?

Fredy

17. April 2020 10:35

@Franz Bettinger

Das hab ich erst kürzlich auch gelesen. Die richtige Quelle ist aber hier: https://www.kelter.de/77-dr-norden

Ich werde grundsätzlich bei Leuten stutzig, die Ihre eigene Branche in Bausch und Boden verdammen, sich selbst aber für die einzig wahren, letzen aufrechten Mohikaner halten. Das heißt aber nicht, dass ich manchem nicht zustimmen könnte. Ein jeder hat wohl - je länger die Lebenszeit desto mehr - eigene Erfahrung mit Ärzten und Krankenhäusern gemacht, selbst und mit Familienangehörigen. Nein, Bettingers Franz, so einfach ist das nicht.

Der Gehenkte

17. April 2020 10:44

Für alle, die das nicht ohnehin schon tun - es sollte eine Selbstverständlichkeit, ein Ritual aller selbstmächtigen Menschen sein, mindestens ein Mal im Jahr:

Seneca lesen!

Fredy

17. April 2020 10:46

@Franz Bettinger

Was ist Blutspenden anderes als moderner Aderlass? Sie sagen gefährlich und schädlich? Kann ich aus eigener Erfahrung nicht bestätigen. Subjektiv glaube ich sogar, dass es hilft, hohen Blutdruck verbessert etc.

Ich kenne auch einen, der jahrelang gegen die gängigen Krebsbehandlungsmethoden gewettert hat. Er schwor auf Dr. Hamer & Co. Als er selbst dann Krebs hatte, und der ganze Heilpraktiker- und Barbierscheiß nicht half, ging er halt doch zur Chemotherapie. Ob er wirklich ganz geheilt ist, weiß ich nicht. Er lebt jedenfalls heute noch und hat eine andere Meinung als früher.

Es ist bei Ärtzen wie bei Anwälten: 2 davon, und man hat 3 verschiedene Meinungen. Ein bisschen weniger Dogmatik und etwas mehr Selbstzweifel würde jedem angesichts der Meinung von Kollegen (wenn man diese nicht samt und sonders für Vollidioten hält) gut stehen.

Niekisch

17. April 2020 11:55

@ Franz Bettinger: Besten Dank für Ihre drastischen Hinweise. Bei all Ihrem Bemühen - verzeihen Sie bitte - scheint mir aber doch ein wenig - wie bei mir gegenüber der Juristerei- überzogene Berufskritik aufzublitzen.

Laurenz

17. April 2020 12:13

@Frieda Helbig @Laurenz

Ach nee...

Ca. 65% der Kommentatoren wollen aber nicht geheilt werden, obwohl Heilung möglich ist.

@Frieda Helbig @HB & RMH

Pflegekräfte sind zu dämlich, um sich zu organisieren. Nehmen Sie Sich ein Beispiel an der Piloten-Gewerkschaft Cockpit oder den Mitarbeitern der Deutschen Flugsicherung. Sie könnten kurzfristig alle Profit-orientierten Pflege-Konzerne in die Tonne hauen, und damit die Politik zwingen, zu agieren. Mit 5.000 oder 6.000 Euro brutto im Monat und besseren, menschlichen Dienstzeiten werden wir keinen Pflegekraft-Mangel mehr haben.

@FranzJosef @HB

Ich war nur Schüler. Und Ich erinnere mich. Schüler sind meist blöd, was auf viele Lehrer abfärbte, was kein Wunder ist, wenn man den ganzen Tag mit Blöden verbringt. Ich erachte Ihren Beitrag als dementsprechend.
Um Sterblichkeit fühlen zu können, muß man leiden. Das ist jungen gesunden Menschen kaum vermittelbar. Das Lernziel ist also wenn überhaupt, nicht, daß Schüler sterben werden können, sondern, daß sie in absehbarer und überschaubarer Zeit sterben werden.

Laurenz

17. April 2020 12:16

@Fredy .... mein Vater mißtraute Ärzten und ging meist zu Professoren, nicht eingedenk dessen, daß diese weniger mit heilen, sondern mehr mit Forschung beschäftigt sind. Professoren forschten ihn tot.

Franz Bettinger

17. April 2020 12:27

@Fredy (10:35). Sie schreiben: "Das hab ich erst kürzlich auch gelesen. Die richtige Quelle ist aber hier." Und dann verweisen sie auf irgendwelche Arzt-Romane. - Was soll das? Unterstellen Sie, ich hätte obige Anekdote irgendwo abgeschrieben? Ich habe sie als junger Arzt selbst erlebt und schon vor langer Zeit zu Papier gebracht. Für Ihre Art von Humor habe ich kein Verständnis.

Frieda Helbig

17. April 2020 12:46

@Laurenz:
Ist es in Ihren Augen verwerflich, nicht geheilt werden zu wollen? Also auf bestimmte Therapien in bestimmten Lebenssituationen zu verzichten? Für mich legitim und Ausdruck freien Willens. Oder meinten Sie etwas anderes?

Entschuldigen Sie bitte, aber ich laß mich als Pflegekraft ungern als zu dämlich von Ihnen bezeichnen. Ich selbst bin ehrenamtlich in zwei berufspolitischen Vereinen engagiert. In Bayern wird den Pflegenden noch immer die Einrichtung einer Kammer verweigert! Und wir Pflegekräfte werden nicht einfach flächendeckend streiken, wie Piloten oder Lokführer, da wir sonst Menschenleben riskieren würden. Daß unser moralischer in Ordnung ist indem wir Schutzbedürftige nicht im Stich lassen, wird uns nun als Dämlichkeit ausgelegt? Gern können Sie uns Pflegekräften unter die Arme greifen und konstruktive Vorschläge bringen, wie wirs besser machen können...nur fürchte ich, daß es nicht so einfach ist, wie Sie es postulieren!

Franz Bettinger

17. April 2020 13:14

@DieAngstDesTormanns (Kommentar zum Schweizer Kardiologen vom 15. April 2020 - 20:53). Dazu würde ich gern noch kurz Stellung nehmen:

Der @Tormann, ein Intensivmediziner, berichtet (in einem ähnlichen Stil und Duktus wie sein Schweizer Kollege) von schlimmen Fällen, wie sie in Kliniken täglich vorkommen und deshalb für unsere Betrachtung ohne Relevanz sind, Laien aber wohl beeindrucken können. Er schreibt: "Selbst wenn mir die Existenz von Viren nicht bekannt wäre, wäre ich blöd, hier nicht an eine Lungen-Infektion zu denken.“ Echt? @Tormann, könnte ihr Patient nicht auch an einer Raucher-, Silikose- oder Farmer-Lunge oder einer sekundär infizierten Lungen-Embolie verstorben sein? Hatte er schon lang ein Asthma und ein Emphysem oder Metastasen? An was sterben denn die Leute, die so etwas mit sich herum schleppen? An dem Virus, der das Fass zum Überlaufen bringt wie der Alkoholiker am letzen Glas Schnaps?

@Tormann gibt zu, dass Viren die Kochschen Postulate nicht erfüllen und dass das Gegenstand von Diskussionen sei, die bereits in den 1930er begannen. Ich sage dazu, dass diese Diskussionen eben nicht mehr geführt wird. Sie sollte wieder ins Zentrum der Mikrobiologen rücken. Beweist endlich, was ihr behauptet! Und wer die Verbindung von Viren zu einer Krankheit nachweisen kann, dem wird Dr. Stefan Lanka die versprochenen 100.000€ aushändigen. Es ist aber noch keinem gelungen. Also strengt euch mal an. Aufgrund eines faulen Zaubers die ganze Welt lahm legen. Ein Skandal ist das!

Ein gebuertiger Hesse

17. April 2020 13:52

@ Franz Bettinger

"Aufgrund eines faulen Zaubers die ganze Welt lahm legen. Ein Skandal ist das!"

Gut, wenn Sie es so klipp und klar sagen. Nichts anderes steht im Zentrum.

zeitschnur

17. April 2020 13:55

@ RMH

Drastisch, aber wahr, was Sie da sagen. Es kam ja neulich schon in dem Helbig-Artikel zum Ausdruck: einerseits jammert man herum, dass die "Apparatemedizin" einen nicht sterben lassen wolle, andererseits lechzen dieselben Leute, die sonst so herum heulen, nach dem Einsatz von "Beatmungsgeräten" bei Sterbenden, als sei der skandalträchtige Tod bei Hochaltrigen jederzeit vermeidbar, wenn man nur will.
Ich kenne übrigens einige, die sich eine solche Behandlung in ihrer Patientenverfügung ausdrücklich verbitten. Diese Leute sind meistens selbst im medizinischen Bereich tätig gewesen und wissen, was das bedeuten würde.
Dass ohnehin auf Intensivstationen grundsätzlich ca. 10-15% der Patienten mit Lungenversagen rechnen müssen (auf Intensiv liegen stets nur die allerschlimmsten und riskantesten Fälle - auch das scheint man heute zu vergessen), wird derzeit so hingestellt (so auch in einem Kommentar in einem der vorigen Stränge von einem "Arzt" (?)), als sei's wegen Covid 19, dabei ist das immer so und "normal". Die meisten, die jetzt so obszön von Beatmungsgeräten sprechen, wissen wahrscheinlich gar nicht, was das für eine Schinderei für den Patienten ist und dass man sie möglichst vermeiden sollte, wenn es irgend anders geht. Im übrigen ist es absolut verfehlt, Sterbende damit zu quälen, deren Atmung sowieso im Sterbeprozess immer schwächer wird - auch das ist normal. Es ist nicht redlich, hier nun seit Neuestem zu behaupten, die "ersticken" alle. ich möchte darauf hinweisen, dass das Sterben immer mit einem Ende der normalen Atmung einhergeht. man kann das eigentlich in jedem populärwissenschaftlichen Text auch nachlesen, wenn man denn offen geblieben ist für die Wirklichkeit, die auch vor Covid19 schon galt: https://www.netdoktor.de/palliativmedizin/was-passiert-beim-sterben-13164.html
Auch @ Franz Bettingers Geschichte macht das deutlich.

@ RMH: Sie haben mehr als recht: Man kann das dämliche und infantile Geheule in unserer Kultur eigentlich nur noch mit drastischen Worten entlarven. Und selbst dann kapiert der Zeitgenosse es oft nicht. Natürlich machen sich Ärzte gelegentlich auch gerne wichtig mit Horrorgeschichten, in denen sie die einsame Rolle des Helden haben. Und hier knüpft auch die derzeitige Heroisierung gewisser Berufsgruppen an, die nur ihre Pflicht erfüllen so wie wir anderen übrigens auch. das alles ist eine Daily Soap geworden, eine Art "Schwarzwaldklinik 2.0".

Offenbar leben viele in einer beschämenden Kinderwelt, sind nie erwachsen geworden und glauben zwar nicht mehr an den lieben Gott, dafür aber an den Arzt und ihren Apotheker, deren Bildungsniveau in den letzten Jahrzehnten allerdings rasant absank. Ich kenne einige jüngere Ärzte, die noch nie in ihrem Leben ein anspruchsvolles Buch gelesen haben oder dergleichen. Das Bild hat sich extrem verschoben. Es gibt keine Hans Carossa- oder Ernst Weiß-Typen mehr, auch keinen Gottfried Benn. Man nähert gewaltsam durch ein technokratisches Studiendesign den heutigen Arztgenotyp dem perfekten Fachidioten an, der den Körper für eine Maschine hält und die Schläuche in die richtigen Öffnungen zu stecken weiß, wenn seine digitalen Messapparate ihm irgendwelche Kurven zeigen, von denen er im Multiple-Choice-Examen die richtige Interpretation angekreuzt hat. Neuesten Medizinschrei lernt er aus dem Ärzteblatt. Mit Heilkunst hat das alles wenig zu tun.
Die sprunghaft gestiegene Wendung hin zur Alternativmedizin hat gute Gründe ...

zeitschnur

17. April 2020 14:02

@ Frieda Helbig, @ Laurenz

Es ist auch gar nicht leicht, Anliegen der Pflegekräfte politisch hörbar zu machen. Da ich selbst als therapeutische Mitarbeiterin lange Jahre auch in Pfegeeinrichtungen tätig war, ging ich zusammen mit Pflegern im Jahr 2002 auf eine Demonstration in Stuttgart mit, die auf die damals schon verheerenden Zustände aufmerksam machte. Dem ortsansässigen Fernsehen wars nicht mal eine Minute der Erwähnung wert, während ansonsten stundenlang über irgendein Sportereignis berichtet und diskutiert wurde.
Und ich sage Ihnen, @ Laurenz was (FH weiß es sowieso): Das ist Absicht, das ist politische Bosheit, gezielte Ausbeuterei, und die Pfleger sind die allerletzten, die man dafür auch noch anschwärzen sollte.

zeitschnur

17. April 2020 15:02

Interessant dazu ein Kommentar von Raphael Bonelli, der das "Bleib gesund" als Übergriff auffasst und als Psychoterror - https://www.youtube.com/watch?v=bxfBDpGF6es

Laurenz

17. April 2020 15:13

@zeitschnur & Frieda Helbig

Frieda, Sie haben mich falsch verstanden. Die Moral müssen Sie ausklammern. Denn mit der Moral, dem Gewissen erwischt Sie und sie (die Pflegekräfte) die Politik am Allerwertesten, ebenso, wie kirchliche Mitarbeiter meist ausgeplündert und ihrer Lebenszeit beraubt werden.
@Franz Bettinger schrieb mir von einem Arzt-Streik in Israel 1973. Die Sterbe-Quoten sanken rapide. Sowas geht zumindest, wenn man das will.
Etwas kenne ich mich mit Pflegediensten und Pflegeheimen aus. Beide Dienste schließen einen Vertrag, entweder mit den Angehörigen oder der Gemeinde, bei letzterem im weiteren Sinne mit dem Landeswohlfahrtsverband. Wenn Sie streiken, ist es erstmal ein Problem des Trägers, der Einrichtung, den Vertrag zu erfüllen. Die Institutionen können ja auch sofort den Streik beenden, und Ihre, Frieda Helbig, Forderungen erfüllen. Wenn Sie immer noch moralische Gewissensnöte haben, pflegen Sie nur diejenigen, die keine Verwandschaft haben, denn Verwandschaft, nicht Sie, ist vordergründig für Pflegebedürftige verantwortlich. Dann müssen die eben selbst ihre Angehörigen pflegen. Das führt dann auch zu weniger aus den Augen, aus dem Sinn.
zeitschnur, ich weiß das alles, aus eigener Anschauung mit meiner altvorderen Verwandschaft. Ich habe selbst 2 Jahre lang ehrenamtlich mit eingeschränkten Mitbürgern aus dem betreuten Wohnen eine Sing-Gruppe gemacht. Das ist aber ein Unterschied, ich bin nicht davon abhängig. Sie sind doch diejenige, die postuliert, "hilf' Dir selbst, dann hilft dir Gott".
Der ganze Gesundheits-, Pharma- und Pflege-Komplex, inklusive der Sozial-Arbeiter-Mafia, ist ein ökonomischer Riesen-Kuchen. Die Frage ist, wie viel Stücke schneiden sich diejenigen ab, die den härtesten Job da haben. Das hängt nur von den Betroffenen selbst ab. Jammern hilft hier nicht, gnaden- und erbarmungsloser Angriff hilft.
Frieda Helbig, Ihre Moral, Ihr Gewissen können Sie Sich deswegen schenken, weil das rein vom Selbstmitleid, Ihrem eigenen Ego, Ihrem Selbstbild geprägt ist. "Ich bin ein guter Mensch". Moralisten sind Egoisten. Wenn Sie dazu mehr wissen wollen, hören Sie Sich Bert Hellinger, Eckhart Tolle an oder lesen Sie Carlos Castaneda. Besser als jede Philosophie.

Frieda Helbig

17. April 2020 16:20

@Laurenz:
Danke für Ihre Ratschläge!

Problem: Es gibt keine reinen Marktbedingungen bei Pflegeleistungen, mithin kann der Träger die Preise nicht beliebig gestalten. Diese müssen diese mit den Pflegekassen verhandeln, also staatlichen Institutionen, die dem Primat der Beitragsstabilität verpflichtet sind. Sie sehen, mein Träger kann meine Forderungen nicht einfach erfüllen. Täte er dies und bekommt dies nicht refinanziert, geht er pleite. Das hat weniger mit meinem moralischen Kompaß zu tun, als mit politischer Ausgestaltung des Systems.

Würden Sie der größten Berufsgruppe im Gesundheitswesen eine Kammer zugestehen? Oder dürfen diese nur Ärzte und Psychotherapeuten haben und sich somit selbständig organisieren? Und leider kann man eine Kammer nicht selbst gründen, denn dazu bedarf es einen Beschluß des Landesparlaments.

Gracchus

17. April 2020 16:51

@Bosselmann: Wo ich doch einhaken würde: Demut. Würde Demut nicht auch bedeuten, erst einmal zu akzeptieren, dass die Menschen so reagieren, wie sie nun reagieren? Was m. E. nicht so eindeutig auf einen Nenner zu bringen ist. Weshalb ich?

@zeitschnur
finde, dass sie da etwas pauschalieren: Wo sind das denn ein und dieselben Leute? Es geht ja um die Frage, wie man "Apparatemedizin" sinnvoll einsetzt. Und da
treffen Sie wiederum den Nagel auf den Kopf: Die heutige Medizin hält den Körper für eine Maschine. Das erweist sich als desaströs.

@Frieda Helbig, zeitschnur
Ich bin zwar in keinem Pflegeberuf tätig, aber das frage ich mich schon seit meinem Zivildienst und von in der Pflege tätigen Verwandten her, wie schäbig wir mit Pflegekräften umgehen. Ich kann das nur als Verdrängung von Krankheit, Alter und Tod deuten.

@Laurenz: "Moralisten sind Egoisten" - soll jetzt hier in der Diskussion genau was besagen?

Laurenz

17. April 2020 17:20

@Frieda Helbig .... Ich kann Sie nicht heilen, solange Sie nicht geheilt werden wollen. Hätten Sie Sich mit der Geschichte der Gewerkschaft Cockpit, der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer oder der jüngeren Geschichte der Deutschen Flugsicherung auch nur 5 Min. beschäftigt, brauchten wir die Debatte nicht zu führen. Im Falle der ersten beiden hat sogar die groß-deutsche Medien-Landschaft auf sie eingeschlagen, weil die falschen Interessensgruppen den Neo-Liberalismus leben und davon profitieren.
Solange Sie im typisch deutschem, vorauseilenden Gehorsam für ihre gesellschaftlichen Gegner mitdenken, wird das nichts. Wenn morgen Frieda Helbig als Gewerkschaftsführerin der Deutschen Pflegekräfte den General-Streik ausruft und die Verdoppelung der Einkünfte und bessere Altersversorgung fordert, passiert was? Wie lange halten Ihre Parlamente das durch, 1 Woche, 2 Wochen? Selbst, wenn man die Bundeswehr aktivierte, maximal 1 Division verfügbar, wäre das ein Tropfen auf den heißen Stein. Sie sehen doch, 2 Virus-Versager, Wieler und Drosten, schafften es 2009 der Staatsratsvorsitzenden so mir nichts dir nichts eine halbe Milliarde aus den Rippen zu leiern. Und jetzt stellt Staatsknete überhaupt kein Problem dar. Wenn Sie, Frieda, genügend politischen Druck im Dampfkessel erzeugen, bekommen Sie ihre 20 oder 25 Milliarden Euro, die sie zur Verbesserung ihrer Arbeitsumstände brauchen, einfach deswegen, weil die Abhängigkeiten im Grunde eindeutig geklärt sind.

Laurenz

17. April 2020 17:43

@Gracchus ... "Moralisten sind Egoisten". Ich habe auf der SiN schon öfters darüber geschrieben. Sie werden es vielleicht gelesen, aber mutmaßlich wieder vergessen haben.
Bei Bert Hellinger finden Sie das Wesentliche recht schnell unter seinem Werk "Geben und Nehmen in menschlichen Beziehungen".
Bei Eckhart Tolle finden Sie das wesentliche in Seinem Werk "Jetzt". Allerdings halten es die meisten nicht durch, das kleine Buch zu lesen, der Verstand wehrt sich gegen seine Entmachtung, deswegen empfehle ich es als Hörbuch.
Bei Castaneda ist es im Grunde egal, welches Buch Sie zur Hand nehmen, Er schreibt im Grunde immer über dasselbe, jeweils aus einem anderen Blickwinkel. Mein liebstes Buch von Ihm ist "Das Feuer von innen" (The fire from within).
Castaneda schreibt über "den Weg des Kriegers" oder im weiteren Sinne, wie man ein Zauberer wird. Da unsere Wahrnehmung und unsere Lebensenergie begrenzt sind, gibt es eben tausend Tips, wie man Energie gewinnt, und unsere Wahrnehmung renaturiert, vor allem mit der Abkehr vom eigenen Ego, welches beim modernen Menschen zuviel Raum in der Wahrnehmung einnimmt.

In den Zauberer-Linien, die Castaneda beschreibt, konnten nur die Zauberer Menschen helfen und sie heilen (wie zeitschnurs Jesi), denen die Menschen egal waren. Alle Zauberer, denen die Menschen nicht egal waren, konnten dies nicht tun, weil sie in Gefahr geraten, ihr eigenes Ego zu hofieren, Mitleid zu empfinden, jemand sein zu wollen. Der Exzess des Egos ist quasi die eigene Gottwerdung.

Und Mitleid ist immer Selbstmitleid, eine eigene Projektion in die Situation des Bemitleideten. Also, Mutter Theresa war eine der größten Egoisten auf dem Planeten, außer, die Versorgten wären ihr egal gewesen.

MARCEL

17. April 2020 17:48

Danke für diesen Beitrag!
Ja, Mut zur eigenen Endlichkeit ist Mut zur Freiheit! Eine immer neu zu übende und zu erringende Freiheit.
Und Freiheit hier auf Erden ist fast so flüchtig, wie die Erscheinungen des Auferstandenen in der Osterzeit...

Frieda Helbig

17. April 2020 17:57

@Laurenz:
Vielleicht lassen Sie sich auch nicht von mir heilen? Wer weiß...

Und wahrscheinlich kann man einfach nicht Äpfel mit Birnen vergleichen!

Seis drum, die Argumente scheinen ausgetauscht zu sein...
Lassen Sie mich nur eins noch festhalten: Das Benennen von (vermeintlichen) Mißständen ist kein Jammern, sondern zuerst einmal ein bloßes Feststellen.

@Gracchus:
Ich weiß es nicht...vielleicht sind ja auch in der Umkehrung alle Nicht-Moralisten keine Egoisten...

RMH

17. April 2020 18:33

Sehen wir uns an, was Ernst Jünger zu solchen Lagen sagte:

"Der Kultus der der Gesundheit und der Kultus der Krankheit sind in gleichem Maße unangenehm"

"Der Kranke ist das taktische, die Krankheit das strategische Objekt der Medizin."

"Das Fleisch von Leuten, die dem Kultus der Gesundheit frönen, ruft kannibalische Gelüste hervor".

Findet man in diesem Buch (dort Epigramme):

https://antaios.de/antaios-liefert-jedes-buch/94260/fassungen-i

Ich möchte ergänzen, dass ich mich daran zu erinnern glaube, dass Ernst Jünger in einem Interview anlässlich seines 100. Geburtstages zur Frage, wie er es geschafft habe, so alt zu werden, geantwortet hat:

Ich war in meinem Leben nie in Krankenhäusern - nur in Lazaretten.

Ich denke, Franz Bettinger und Ernst Jünger hätten sich gut verstanden (gilt natürlich auch für andere, aber der F.B. legt sich bei dem Thema gut ins Zeug - muss honoriert werden).

Gracchus

17. April 2020 22:01

Na, Laurenz, jetzt fangen Sie ja schon wie Maiordomus an und geben Lektürelisten aus - aber ich hatte Sie einfach gefragt, was ihr Einwurf hier in der konkreten Diskussion besagen sollte. Das können mir auch ihre Hausgötter nicht sagen.

HomoFaber

17. April 2020 23:50

Der Tod hält Ernte wie jedes Jahr. Mal magere Ernte, mal fette Ernte.
Big Brother aber erntet jetzt alle Seelen.

Laurenz

18. April 2020 02:09

@Gracchus .... bleiben Sie bei Ihren Fußnoten. Frieda Helbig hat mich schon verstanden.

Thomas Martini

18. April 2020 03:12

"zeitschnur 17. April 2020 15:02
Interessant dazu ein Kommentar von Raphael Bonelli, der das "Bleib gesund" als Übergriff auffasst und als Psychoterror"

Die Grußformel "Bleiben Sie gesund" ist in "Zeiten von Corona" eine Art Äquivalent zum Deutschen Gruß während des Nationalsozialismus. Der Unterschied ist nur, dass es niemand verbindlich anordnen musste. Das hat die Disziplinarmacht - im Gegensatz zur Souveränitätsmacht - nicht nötig, da sie "keine Todesmacht, sondern eine Lebensmacht, deren Funktion nicht das Töten, sondern die vollständige Durchsetzung des Lebens ist." (Michel Foucault, "Der Wille zum Wissen", zitiert nach Byung-Chul Han, "Pychopolitik - Neoliberalismus und die neuen Machttechniken", S.38)

Wer Mitmenschen zum Abschied völlig aus dem Kontext gerissen und unaufgefordert mit der Parole "Bleiben Sie gesund" behelligt, lässt unter der Oberfläche ungewollt seine Systemgläubigkeit durchblicken. Etwa nach einem telefonischen Beratungsgespräch, das ein Kundenberater vom "Home Office" aus führt, sagen wir mal über Duftkerzen oder Nagellack, nur um dann Ende bedeutungsschwanger anzusetzen: "Ach ja...und bleiben Sie gesund!"

Je öfter ich die Ansage "Bleiben Sie gesund!" so höre, in Anbetracht von "Corona-Regeln" wie Kontaktsperren, Mindestabständen, Besuchsverboten und Hygienekonzepten, klingt sie in meinem Ohren wie: "Heil Hitler!".

Laurenz

18. April 2020 09:18

@Thomas Martini ....klingt in Ihren Ohren nicht alles wie "Heil Hitler"?

Franz Bettinger

18. April 2020 09:36

@Thomas Martini schreibt: "Wer seine Mitmenschen zum Abschied völlig aus dem Kontext gerissen, unaufgefordert mit der Parole 'Bleiben Sie gesund' behelligt, lässt seine Systemgläubigkeit durchblicken.“ Volltreffer! Und auch der Vergleich mit dem deutschen Gruß trifft die Lage. Damals wie heut outet sich der so korrekt Grüßenden nicht nur als Dummkopf, sondern auch als Mitläufer eines Unrechts-Systems! - @TM, Sie haben mir gefehlt!

Gracchus

18. April 2020 10:54

@Laurenz
Ach ja? Frieda Helbig:
"Ich weiß es nicht...vielleicht sind ja auch in der Umkehrung alle Nicht-Moralisten keine Egoisten..."

Ok - Sie wissen es selbst, was Sie Ihr Einwurf sollte.

zeitschnur

18. April 2020 11:02

@ Thomas Martini

Interessanter Gedanke. Tatsächlich war der Ruf "Sieg! Heil!" ähnlich aufgeladen: Es gab den "Krieg", der zunächst auch damals kein Schlachtfeldkrieg, sondern hybrid angelegt war (gegen Versailles, gegen Arbeitslosigkeit, gegen den Kommunismus, gegen das "internationale Judentum", gegen "Rassenvermischung" und: auf Hygiene bedacht). Einige nachvollziehbare, von den Deutschen tatsächlich notvoll erlebte Motive v.a. sozialer und ökonomischer Art wurden mit völlig hirnrissigen zu einem "Gesundheits"-begriff verbacken, der als "Heil" propagiert wurde. Garant für das "Heil" war der "Ermächtigte". Durch den gemeinsamen Schlachtruf wurden alle in diese damalige Psy-Op gezwungen.

In einem anderen Setting liegt heute tatsächlich eine ähnliche Situation vor. Dadurch, dass es heute mit nahezu gesichtslosen Personen wie Merkel oder "Institutionen" einhergeht, Mediendauerbeschallung, die das, was Goebbels inszenierte, weit überragt an Finesse, sehen viele die Parallele immer noch nicht.

Inzwischen habe ich von mehreren sehr alten Menschen gehört, dass das alles sie an das 3. Reich und die damalige Stimmung erinnert, dass es aber all das Irre und Psychiatrische, das damals die Oberhand gewann, wesentlich übersteigt.

Man steckt kritische Ärzte und Anwälte mal eben so in die Psychiatrie, lässt aber einen amerikanischen Geldsack, der medizinisch total unqualifiziert ist und keinerlei exekutive Gewalt hat, im deutschen Fernsehen fast 10 Minuten lang Unsinn daherschwätzen, in dem größenwahnsinnige Sätze fallen wie "Wir werden 7 Milliarden Menschen impfen" oder solche, die eindeutig belegen, dass dieses "Wir" diesen Impfstoff nicht sauber entwickeln und testen wird, sondern folglich als lebensgefährlichen Dreck auf den Markt zwingen will, um damit fast die ganze Menschheit zu beglücken. Wer ist eigentlich dieses medizinisch inkompetente und politisch nirgends legitimierte "Wir"? Mir stellen sich eher an diesem Punkt Fragen nach geistiger Gesundheit. Ist dieser alte weiße Mann etwa der geheime Weltenführer, ausgestattet mit allen Souveränitätsrechten über alle Menschen? Wenn bislang einer solche Dinge öffentlich herausposaunte, musste er zum Arzt - nicht die, die das etwas merkwürdig oder aber sogar bedrohlich fanden. Und dass ein Sender wie die ARD das ohne kritische Rückfragen überhaupt sendet, ist entweder ein Ausdruck von völliger Absonderung aus jedem gesunden, wahrscheinlich aber anständigen Denken. Oder aber es beschleicht einen doch der Verdach auf eine Verschwörung.

Wenn die Irren anfangen die Gesunden zu beherrschen und - das ist alter Topos - die Gesunden zu Irren abstempeln, wenn sie den Wahn nicht mitmachen, gehört mit in die soziale Symptomatik aller psychiatrischen Phänomene. Der Irre braucht immer stützende Co-Irre.

Ich bin dazu übergegangen auf diesen neuen Faschistengruß zu antworten: "Ich bin gesund!"

Wenn etwa alle Deutschen diesen Irren, die uns einreden wollen, dass wir alle krank sind oder potentielle Ansteckungsmörder, obwohl wir derzeit im Querschnitt sogar toppgesund sind (möchte mal wissen, wie viele Leute derzeit wegen grippaler Infekte zum Doktor gehen — um mich herum ist alles so gesund wie selten!), zeigen würden, dass sie das für plemplem halten, wären diese Scharfmacher schnell am Ende mit ihren Anstaltslatein. Nachdem nun selbst der Lindner von der FDP verlauten ließ, dass man hier eigentlich eine echte Expertenkommission hätte einberufen müssen und auch das RKI zugeben musste, dass der ganze Lockdown—Hype null gebracht hat (aber pssst — ARD und ZDF melden das natürlich nicht!), nachdem nicht nur körperlich, sondern auch sonst gesunde Professoren längst nachgewiesen haben, dass die Ansteckungsgefahr über Oberflächen und Luft nicht nachweisbar ist, ziehen Merkel und Söder die Psy-Op weiter durch und fuchteln nun mit dem noch sinnloseren Mundschutz herum, der übrigens wahrscheinlich mehr Atemnot verursacht als diese lächerliche Erkältung, die 80% der Leute nicht mal bemerken, wenn sie sie haben.

Die ganze Sache ist neben vielem anderen ein Psychotest für die Bevölkerung. Und denen, die das alles hörig mitmachen, ist nicht klar, dass sie sich damit selbst segregiert haben aus einem freien und selbstbestimmten Leben. Tatsächlich genügt es den Irren, wenn nur ein Teil den Co-Wahnsinnigen gibt, aber dieser Teil wird sich nicht wieder umdrehen können, sondern er ist bereits gebrandmarkt.

Noch eine kurze Replik zu Abschiedsgrüßen: Traditionell beinhaltete der Willkommensgruß entweder einen Segen oder die Geste des Hausöffnens. Der Abschied war IMMER ein Segen. Das ins Deutsche übernommene Adieu (bei uns als "ada" oder "ade" oder tschüs" oder "tschö" bekannt) bedeutet auf Deutsch "Gott befohlen". Dann das regionale "Pfüa di" oder in Oberschwaben auch "Pfüa Gott", das auf Segen und Bewahrung Gottes anspielt. Das heute übliche "Auf Wiedersehen" stammt eher aus dem privaten Bereich, aber auch dem ökonomischen, etwa wenn der Kunde den Laden verlässt. Auch dieser Gruß ist schon vergleichsweise sinnlos, wenn kein Zusammenhang gegeben ist, in dem man sich wiedersehen wird bzw könnte.
Das heißt: Die alten Abschiedsgrüße haben den anderen dem allmächtigen Gott anempfohlen, dies aber ganz allgemein.
Und es war nicht das Schlechteste - seitdem wir das ausmerzen wollten, sind dann eben diese neuen Grüße gekommen, die keinen Segen enthalten, die nicht mehr auf die existenzielle Unsicherheit, aber auch den Gott, der über allem still waltet, verweisen. Grüße sind nun Keulen geworden. Das alles hat seine Vorgeschichte.

Franz Bettinger

18. April 2020 13:17

@Zeitschnur antworte auf den Befehl „Bleiben Sie gesund!“ mit „Ich bin’s.“ Ich antworte: „Quatsch, ich habe Besseres + Wichtigeres zu tun.“

Wer nach all dem immer noch glaubt, der ganze Spuk, der uns seit 9/11 in jährlich grasseren Varianten heimsucht, sei nur ein Irrtum oder nur einer bedauerlichen Inkompetenz geschuldet, wer nicht längst die Verschwörung sieht, die uns täglich offener und unverschämter angrinst und auf eine moderne Versklavung der Menschheit hinausläuft, dem ist nicht mehr zu helfen.

Ich erlebe in den letzten Tagen eine Veränderung in mir, eine Unlust und eine Resignation vor dem Irrsinn, der sich überall breitmacht. Es gibt eigentlich nichts mehr zu tun. Aufklärung? Wen denn? Wir erreichen ja niemanden. Die geballte Medienmacht der Verschwörer bügelt uns nieder oder pflügt uns gar unter. @Grambauer's Trump gab ein wenig Hoffnung. Über Ostern sollte sich alles entscheiden. Zu sehen ist: nichts.

Niekisch

18. April 2020 15:37

"Je öfter ich die Ansage "Bleiben Sie gesund!" so höre, in Anbetracht von "Corona-Regeln" wie Kontaktsperren, Mindestabständen, Besuchsverboten und Hygienekonzepten, klingt sie in meinem Ohren wie: "Heil Hitler!"."

@ Thomas Martini 18.4. 3:12: Bei mir ist es anders: Der Heilruf assoziiert bei mir nicht ein Gesundb l e i b e nwollen, sondern einen damaligen Anruf zum Gesundw e r d e nwollen.

"auch der Vergleich mit dem deutschen Gruß trifft die Lage. Damals wie heut outet sich der so korrekt Grüßende nicht nur als Dummkopf, sondern auch als Mitläufer eines Unrechts-Systems!"

@ Franz Bettinger 18.4. 9:36: Wollen Sie das wirklich in dieser Unbedingtheit aussagen und damit viele Millionen Deutsche beleidigen? Millionen, die freudig und völlig zu Recht die Rückkehr Kölns, des Saarlandes, Österreichs, der Sudeten, Danzigs, des Memellandes zum Reich mit diesem Gruß bejubelten, der eben auch dem Einschlagen eines eigenen Weges zu eigenem Heil galt, das uns Deutschen zum weit überwiegenden Teil unserer Geschichte verweigert wurde. Allerdings gerieten die Deutschen mit der Suche nach einem eigenen Heilsweg, wie Jakob Taubes einst Dr. Hans- Dietrich Sander in einem Brief mitteilte, an die Grenze des zwischen den Völkern Zulässigen, weil die Juden den Heilsweg als alleine ihnen vorbehalten betrachteten und auch heute noch betrachten, wenn der "Sabbat des Gedenkens" in die Betrachtung mit einbezogen wird.

Ein gebuertiger Hesse

18. April 2020 15:39

@ Bettinger
"Aufklärung? Wen denn? Wir erreichen ja niemanden. Die geballte Medienmacht der Verschwörer bügelt uns nieder oder pflügt uns gar unter."

Ja, mitunter denke auch ich, es wäre gescheiter, sich wie einer jener "Aufklärer" des Londoner Hyde Parks sich mit einem Schild auszustatten und "Leute, wir werden verarscht. Corona ist ein Vorwand für unsere Totalüberwachung" draufzuschreiben und wer weiß wie unermüdlich die Straßen zu durchwandern. Doch wäre es gescheiter als was? Als hier zu lesen und zu kommentieren? No way. Jeder der Hiesigen weiß um den stolzen Eigenwert von SiN. Aber als zusätzliche Anstrengung könnte es sich durchaus lohnen. Wer weiß, wie viele Leute man auf diese - freilich etwas verzweifelt anmutende - Weise erreichen würde. Gibt es vielleicht schon Vorlagen für T-Shirts und ähnliches? Wenn nicht: Freiwillige und Mutige vor.

Laurenz

18. April 2020 15:45

@zeitschnur @ Thomas Martini .....

Jeder Mensch/Irre meint aber, alle anderen seien bekloppt. Nur in Gesellschaften, die das Individuum fördern, ist irre sein angesagt.

Von daher, werte @zeitschnur, was unterscheidet "Heil Hitler" von "Grüß' Gott"? Genau, nichts. Sind das in Bayern jetzt alles Gott-Faschisten?
Als ob der Gruß "Glück auf" der Bergwerks-Gewerken jemals ein Gruben-Unglück verhindert hätte.
Etwas weniger konstruieren und an den Haaren herbei ziehen vielleicht?

Der spanische Gruß, "hola guapa", welcher mir noch am meisten zupaß käme, geht bei uns auch nicht mehr, weil zu übergriffig. Jaja, Laurenz der Sex-Faschist oder doch eher Macho-Nazi?

Welches Schweinderl hätten's denn gern?

Fredy

18. April 2020 16:24

@Franz Bettinger

Keine Sorge. Grambauer und Konsorten werden wie üblich so tun, als wäre nie Unsinn gepostet und geglaubt worden, und bald die nächste dumme Sau durchs Dorf treiben um den Hoffnungslosen Futter zu geben.

DieAngstDesTormanns

18. April 2020 17:19

Sehr geehrter Herr Bettinger, ich hatte gehofft, dass sie etwas genauer darauf eingehen, was auch Koch selbst zu seinen Postulaten geschrieben hat. Nämlich dass er trotzdem von einer Infektionskrankheit bei der Cholera ausging, obwohl es nicht gelang, sie in Tieren anzuzüchten.

„Von dieser Voraussetzung (dem 3. Postulat, Anm. Tormann) ausgehend, müssen wir dann eine Reihe von Krankheiten, bei denen es bisher noch nicht oder doch nur in unvollkommener Weise gelungen ist, Versuchstiere zu inficiren und damit den dritten Theil des Beweises zu liefern, dennoch als parasitische ansehen. Zu diesen Krankheiten gehören Abdominaltyphus, Diphtheritis , Lepra, Recurrens, asiatische Cholera.“
Zitat: Über bakteriologische Forschung. Vortrag in der 1. allgemeinen Sitzung des X. internationalen medicinischen Congresses am 4. August 1890 von R. KOCH. Berlin 1890. Verlag von August Hirschwald.

Zudem habe ich darauf hingewiesen, dass die Lepra und Syphillis die klassischen Postulate nicht erfüllen. Welchen Schluss ziehen Sie daraus für die genannten Erkrankungen?

Wie sieht es denn eigentlich nun mit dem Coronaviren aus. Für den ersten SARS-Virus 2002/2003 gelten sogar eine Erweiterung der Kochschen Postulate als erfüllt (Fouchier et al. „Koch’s postulates fulfilled for SARS Virus“ Nature 2003, Vol. 423). Statt der ursprünglich 3 Kriterien, werden hier sogar 6 erfüllte Kriterien beschrieben (so gelang die Isolierung, Kultivierung, Filtrierbarkeit, Infektion im Tiermodell und anschließende Re-Isolierung, sowie Antikörperbildung gegen das Virus). Die Arbeit wurde im Mai 2003 veröffentlicht, SARS war aber bereits Ende 2002 ausgebrochen. Gott sei Dank hatte man mit den Eindämmungsmaßnahmen nicht bis zur Veröffentlichung gewartet.

Was berichten die Wissenschaftler über den SARS-Cov-2? Park et al. „Virus Isolation from the first patient with SARS-VoV-2 in Korea“, J Korean Med Sci. 2020 Feb: Nasen- und Rachenschleim der ersten in Korea erkrankten Frau wurde einer Zelllinie zugegeben. Die Zellen zeigten eine starke Schädigung und man konnte aus ihnen das Virus isolieren (Elektronenmikroskop plus Analyse des kompletten Genoms, welches bis auf 9 Mutationen mit dem Virusgenom aus Wuhan übereinstimmte). J. Shi et al. „Susceptibiliy of ferrets, cats, dogs, and other domesticated animals to SARS-coronovirus 2“, Science: Das Virus löste im Tierversuch an Frettchen und jungen Katzen deutliche Entzündungen der Lunge aus (siehe vor allem die Supplemental Materials für diesen Artikel, insbesondere Abbildung S3 und S7). Matsuyama et l. „Enhanced isolation of SARS-CoV-2 byTMPSS2-expressing cells“, PNAS,Mar 31, 2020: Die Autoren beschreiben die Kultivierung des Virus in der Zellkultur. Haveri et al. “Serological and molecular findings during SARS-Cov-2 infection“, eurosurveillance.org: Ein finnischer Patient entwickelte Antikörper gegen das Virus.

Welchen Schluss ziehen Sie daraus? Ich finde, dass man die Aussage, die Kochschen Postulate seien für die beiden SARS-Viren in keiner Weise untersucht oder in der Diskussion, in dieser Härte und Strenge nicht formulieren kann. Eine Möglichkeit bliebe dann noch, die genannten Untersuchungsmethoden in ihrer Gesamtheit anzuzweifeln (Tierversuch, Antikörpernachweis, Mikroskopie, Detektion des gesamten Genoms, PCR). Jedoch hoffe ich, dass man mir hier verzeiht, dass ich bis dahin weiterhin mit Schutzkleidung zu meinen Patienten gehe.

Stefanie

18. April 2020 19:07

@Tormann

Die Kategoriesierung von Krankheitserregern ist sicher interssant. Meinetwegen kann man den Viren auch gerne ihre eigene Kategorie geben, so wie man es schließlich mit den Pilzen gemacht hat. In diagnostischer Hinsicht ist es wohl auch ganz nützlich zu wissen, mit wem oder was man es zu tun hat. Doch die Besonderheit dieses possierlichen Biestes ist es eigentlich, daß es in 90-99% (je nach Statistik) praktisch gar nichts bewirkt, bei den Verbliebenen aber dafür umso heftiger. Statt sich hier auf dieses Virus und seine Verbreitung einzuschießen, wäre es doch umgekehrt viel interresanter, sich zu fragen, weshalb es diese Minderheit so heftig trifft. Und es scheint ja doch sehr spezielle Bedürfnisse zu haben: Auf einem anderen Blog fand ich diese Auflistung sämtlicher ungarischen Corona-Todesfälle:
https://koronavirus.gov.hu/elhunytak
(Google is your friend und Übersetzer)

Gracchus

18. April 2020 19:09

@DieAngstdesTormanns
Das sei Ihnen verziehen. Als Handke-Leser sowieso. Ich bin Ihnen sogar dankbar.

Stefanie

18. April 2020 19:22

@DieAngstDesTormanns

Die Kategoriesierung von Krankheitserregern ist sicher interessant. Meinetwegen kann man den Viren auch gerne ihre eigene Kategorie geben, so wie man es schließlich mit den Pilzen gemacht hat. In diagnostischer Hinsicht ist es wohl auch ganz nützlich zu wissen, mit wem oder was man es zu tun hat. Doch die Besonderheit dieses possierlichen Biestes ist es eigentlich, daß es in 90-99% (je nach Statistik) praktisch gar nichts bewirkt, bei den Verbliebenen aber dafür umso heftiger. Statt sich hier auf dieses Virus und seine Verbreitung einzuschießen, wäre es doch umgekehrt viel interessanter sich zu fragen, weshalb er diese Minderheit so heftig trifft. Und er scheint ja doch sehr spezielle Bedürfnisse zu haben.
Auf einem anderen Blog fand ich diese Auflistung sämtlicher ungarischen Corona-Todesfälle:
https://koronavirus.gov.hu/elhunytak
(Google is your friend und Übersetzer)
Und demnach braucht der Virus schon einen sehr bestimmten Boden um zu gedeihen. Wäre es da nicht praktischer von dieser Seite an das Problem heranzugehen: Wie bereite ich dem Virus möglichst wenig Nährboden - bei mir selbst und in der Gesellschaft- und wie schirme ich den zugänglichen Boden am besten ab?
Außerdem ist es, denke ich, falsch, sich auf den Zugang des Virus über die ACE II Rezeptoren zu fixieren. Ich befürchte, daß besonders die heftigeren Symptome über die Psyche ihren Ausgangspunkt nehmen.
Was hätte Sie vor einem halben Jahr einem Menschen mit einem grippalen Infekt gesagt? Vermutlich: Legen Sie sich ins Bett. Viel Tee trinken. Wird schon wieder.
Heute machen Sie einen Abstrich und sagen: Schauen wir mal, ob sie den neuen chinesischen Killervirus haben (implizit). Was wird das wohl für einen Effekt bei dem Patienten haben? Vielleicht diesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Nocebo-Effekt
Ich vermute, daß auch Ärzte bei einer solchen Diagnose anders reagieren und anders behandeln - und im schlimmsten Fall eben noch mehr Schaden anrichten, weil sie glauben irgendetwas (am besten Drastisches) tun zu müssen.
Denn umgekehrten Fall, den Placeboeffekt, berücksichtigt man meines Wissens bei klinischen Studien. Wird hier dieser negative Effekt auch mit in die Gleichung einbezogen?
Wenn man darüber nachdenkt, ist der ganze Corona-Zirkus in den Medien ein zielich übles Voodoo-Ritual.

Gustav Grambauer

18. April 2020 20:35

Fredy

Habe für Sie mal meine Beiträge hier überschlagsweise gezählt: Es sind etwa 400. Unerfreute Rückmeldungen kann ich an den Fingern einer Hand abzählen. Soweit meine Beiträge Prognosen enthielten, sind diese dank gründlicher Arbeit und eines gewissen Schneids, den ich mir hierbei zugute halten darf, allesamt messerscharf eingetreten.

"Es irrt der Mensch
Solang` er strebt."

Vor Ostern habe ich in den sieben Jahren erstmals danebengelegen. Das ist der Preis eines gewissen denkerischen Mutes, einer gewissen geistigen Risikobereitschaft.

Wie sieht Ihre Bilanz aus? Sehe bei Ihnen kaum mehr als Motzereien darüber, daß die Welt nicht so ist, wie Sie Ihrer Meinung nach sein müßte und wer alles nicht so spurt, wie er Ihrer Meinung nach spuren müßte.

Die Frage, ob uns alle die Verzögerung des von Trump angekündigten und meiner Prognose zugrundeliegenden "Sturms" alarmieren sollte, müßte zu komplex formuliert werden, um Sie im Rahmen der Erwiderung auf Ihren Kommentar aufzuwerfen.

- Kommentariat Grambauer

Fredy

18. April 2020 21:15

@Grambauer

Einmal mehr liegen Sie daneben. Ich bin ein kleines Licht. Ein Furz in der Weltgeschichte, wie wir alle. Nur wenigen gelingt es eine Spur in der Buchse der Geschichte zu hinterlassen. Mir sicher nicht. Die Welt ist wie sie immer war, trotz aller Weltverbesserer in Tausenden Jahren. Ich darf einige Jahre zuschauen und kommentieren. Meine Möglichkeiten sah ich immer auf mein persönliches Umfeld beschränkt. Was sind wir selbst, angesichts des Zeitraums und des Alls? Unwichtig. Und doch denkt jeder, es ginge nicht ohne ihn selbst. Ich schreibe hier tatsächlich nur selten, und wenn dann kurz, und ja, meist eher negativer, bremsender Art. Zustimmer und Applaudeure gibt es auch stets genug. Meist ist schon alles gesagt, zu viel schon wiederholt, von zu Vielen, die meinen es ginge ohne sie nicht, viel dann breitgetreten und ausgewalzt. Wenn der Strom zu stark wird, habe ich das Bedürfnis entgegen zu schwimmen.

Es ging gar nicht um Sie persönlich, sondern allgemein um den Typus, den ich hier - stellvertretend mit ihrem Namen - sah. Bin nicht unversöhnlich, und wenn ich ihnen Unrecht tat dann reiche ich die Hand. Da bricht mir kein Zacken aus der Krone. Ebenso zu Dr. Frank Bettinger. Kann doch zu 80% zustimmen. Nur diese Dogmatik in der Sache stört mich. Aber vielleicht würde man real versöhnlicher und auch unsicherer diskutieren.

Lotta Vorbeck

18. April 2020 22:24

@Ein gebuertiger Hesse - 18. April 2020 - 03:39 PM

Wer weiß, wie viele Leute man auf diese - freilich etwas verzweifelt anmutende - Weise erreichen würde. Gibt es vielleicht schon Vorlagen für T-Shirts und ähnliches?

~~~~~~~~~~~~

Ja, gibt es.

Eines der aktuellen, eher unverfänglichen Motive finden Sie hier: https://static.shirtzshop.de/motifs/p11598_cd6e1e4f.png

Franz Bettinger

18. April 2020 23:30

@Niekisch, Sie fragen: "Wollen Sie das wirklich in dieser Unbedingtheit aussagen?“ - Nein, will ich nicht. Ich dachte an andere als die von Ihnen zu recht erwähnten, freudigen, begrüßenswerten Ereignisse, die den Vertrag von Versailles revidierten, als ich den Vergleich zu jenem Unrechtssystem zog, das es in Teilbereichen aber eben auch war.

@Hesse: Der unvergleichliche Sven Liebig machte es vor, als er als Sensenmann mit Sarg im Geschleppt durch die Innenstadt zog und in alle Gassen rief: „Bringt eure Toten raus!“ Es war, wie @Grambauer so schön schrieb, zum Niederknien! Hier nochmals die gespenstige Szene:
https://www.youtube.com/watch?v=sC4EbjtBeQs&feature=youtu.be

@Stefanie: Danke, dass Sie auf den Nocebo-Effekt aufmerksam machen. Die Epidemiologen wissen um die NNH (Number Needed to Harm), die der NNT (Number Needed to Treat) gegenübersteht und diese oft weit übersteigt. Ob der @Tormann diese Kennziffern (für den Schaden respektive den Nutzen von therapeutischen und diagnostischen Verfahren) kennt, bezweifele ich. Später mehr dazu.

@Grambauer: Danke. Ich bewundere ehrlich Ihren Schneid, den sie mit Fug und und Recht besitzen. Auch Dank für die Hoffnung, die Sie mir weiterhin machen!

@Fredy: Schön, dass Sie’s relativieren. Danke für die Hand.

zeitschnur

19. April 2020 00:40

@ Tormann, @ Franz Bettinger

Das 1. Kochsche Postulat stellt schon mal fest, dass der bei einem Erkrankten (!) nachzuweisende Erreger bei einem Gesunden NICHT gefunden werden darf.

Nun wird alleine schon damit der gesamte Corona-Popanz über den Haufen geworfen, denn es scheint typisch bei dieser "Krankheit" zu sein, dass geradezu massenhaft völlig Gesunde ihn auch aufweisen.

Vielleicht sollte man an dem Punkt innehalten und sich fragen, ob dieses "Virus" überhaupt der Verursacher der Krankheitssymptome ist, wenn er so massenhaft anderswo bei völlig Gesunden ebenfalls anzutreffen ist. nach Prof Püschels Obduktionen lässt sich bislang bei keinem der angeblichen Coronatoten nachweisen, dass er wirklich "daran" gestorben ist.

Es wird zwar stets gesagt, dass im Kontext von Viren sehr oft diese Postulate nicht erfüllt werden können. Wenn das aber so ist, sollte man die Theorie von den Viren als "Parasiten" endlich als zweifelhaft ansehen und nicht verbissen und starrsinnig, ja geradezu pathologisch weiterhin darauf bestehen, dass sie schuld am Krankheitsgeschehen seien.

Wenn die Krankheitstheorie, au deren Basis all das behauptet wird, was man uns da erzählt, offenkundig untauglich ist, um die angebliche Krankheit zu beschreiben bzw zu analysieren und nachzuweisen, dass ist offensichtlich die Theorie für die Tonne, oder das angebliche "Virus" eine RNA-Sequenz, die bei Gesunden und Kranken, also als Normfall in allen Organismen erscheint.

Es ist daher geradezu pathologisch, wenn man nun Sterbende aller Art, auch die, die wegen eines Motrradunfalls auf Intensiv liegen, kurz noch mal auf "Covid19", also hypothetisch eine Sequenz geprüft werden, die sowieso jeder Organismus mit Blutkreislauf aufweist, testet, und dies mit einem lumpigen, extrem fehleranfälligen Test, und ihn anschließend zu einem "Coronatoten" erklärt.

Den 83 Mio Deutschen erzählt man, sie seien alle potenziell krank und Überträger, Inkubationszeiten werden immer länger, demnächst wahrscheinlich 100 Jahre, so dass wir also immer im Startloch zu "Corona" stehen oder angeblich Todesengel für andere sind und dies lebenslang.

Man muss wirklich einen Tunnelblick haben, um so etwas im Ernst zu glauben.
Ich warte immer noch auf vernünftige Nachweise von Instituten, die nicht vom Staat und nicht von der WHO oder Herrn Gates gesponsert werden.

Franz Bettinger

19. April 2020 04:50

@Tormann: Es hat gute Gründe zu fordern, dass alle drei Henle-Kochschen Postulate erfüllt sein müssen, um von einer Infektion zu sprechen. Denken Sie nochmals über mein Tabak-Beispiel nach. Fällt Innen denn gar nicht Ihr zirkuläres Begründungs-Muster auf? Lepra, Syphilis und Cholera erfüllen nicht das 3. Postulat. Welchen Schluss ich daraus ziehe? Dass damit hinfällig wird, diese Krankheiten als Infektions-Krankheiten anzusehen. Was denn sonst!

Mir ist das Pettenkofer-Experiment bekannt, der 1892 zwar nicht Liter-weise, aber immerhin eine Phiole (10 ml) voller angeblich Cholerabakterien-haltiger Brühe getrunken hat, ohne Cholera zu bekommen. Diesen Selbst-Versuch sollen Dutzende seiner Studenten wiederholt haben, immer ohne sich mit Cholera zu infizieren. Der Nobelpreisträger an der Université Catholique de Louvain, wo ich die Ehre hatte Medizin zu studieren, also dieser berühmte Zytologie und Biochemiker (Christian, Viscount de Duve) hatte uns die Sache so erklärt: Max von Pettenkofer hat einfach nicht genug Brühe getrunken. Wir glaubten dem hohen Mann. Sollte man aber nicht. So hoch kann keiner sein, dass man keine Beweise von ihm zu fordern hätte.

Zu Ihren Sach-Argumenten: Die Fouchier-Experimente wurde nur mit zwei Affen durchgeführt. Diese lächerlich geringe Zahl desavouiert bereits das Experiment. Darüber hinaus ist für den SARS-Virus 2002/2003 das 3. Postulat nicht erfüllt. Die Krankheit SARS konnte nach Zufuhr des Erregers bei einem der Makaken nicht ausgelöst werden. Hautausschlag und Lethargie sind ja wohl etwas anderes als SARS! Den 2. Affen hat man zu früh geschlachtet. Ob die anderen Postulate erfüllt wurden, entzieht sich meiner Kompetenz. Schade, dass Dr. Lanka - trotz Anschreibens - sich nicht bei mir gemeldet hat. Er wüsste es und wäre hier eine große Hilfe. Außerdem handelt es sich um von Rivera explizit für Viren modifizierte Postulate, also nicht um die strengen Originale von Henle und Koch. Wie soll es auch grundsätzlich möglich sein, eine Krankheit im Makaken zu beobachten, wenn der Affe 6 Tage nach der "Infizierung" schon getötet wird? Wieso nicht leben lassen und schauen, was geschieht? Ich bezweifele, dass das zitierte Fouchier-Experiment den peer review-Sturm überlebt hat. Aber wir verlieren uns im Detail. Das können wir beide hier auf SiN nicht ausdiskutieren.

Ich wäre froh, wenn der Corona-Betrug - denn das ist es, mit oder ohne den Glauben an ein kausatives Virus - dazu führte, eine profunde Debatte über die Existenz und ggf. Bedeutung von Viren anzustoßen. Es ist bitter nötig. Nur, warum sollten Big Pharma und Bill Gates ein Interesse an der Wahrheit haben, wo doch enorm viel dreckiges Geld mit Impfen verdient werden kann, und in Zukunft wohl noch viel mehr.

Übrigens wird klar, dass hinter Ihnen, @TormannMitDerAngst, Drosten als Backup und Stichwortgeber steht. Hinter mir steht keiner. Ist aber auch nicht nötig. Wie gesagt braucht man nicht Virologe, ja nicht einmal Mediziner zu sein, um zu erkennen, was hier gespielt wird.

Stefanie

19. April 2020 07:59

@Fredy
In-House-Prophezeiungen haben nun mal einen gewissen Anteil falsch-positiver und falsch-negativer Ergebnissse. Aber das Erscheinen des Ahriman zur Hauptsendezeit an Ostersonntag im Ersten spricht doch deutlich für Herrn Grambauers Qualitäten.

Stefanie

19. April 2020 08:05

@quarz

16. April 2020 20:51
@Stefanie

"Bleiben Sie gesund! Das ist ein ein Imperativ. Er fordert uns zu etwas auf, was doch gar nicht in unserer Macht steht"

Nur an der grammatischen Oberfläche. Darunter verbirgt sich aber ein Optativ.

Danke, wieder was gelernt.
Aber trotzdem: Wenn mir früher jemand jenseits von Geburtstagen Gesundheit wünschte, dann geschah das meistens in anderer Form: "Immer schön gesund bleiben!" "Halten sie die Ohren steif! "Kommen Sie gut übern Winter!"
Daß diese spezielle Floskel jetzt so große Verbreitung findet, geht auf Beeinflussung von oben zurück. Und eine gewisse semantische Nähe zum "Heil!" ist auch nicht zu übersehen.

tearjerker

19. April 2020 08:31

„so gelang die Isolierung“. Die Virologie behält sich vor, den Begriff der Isolation anders zu verwenden als der Rest der Biologie und die als Bestätigung des entsprechenden Kochschen Postulates im Test erzeugten Filtrate stellen nicht die ‚Reinkultur‘ dar, wie sie bei Nicht-Viren zur Bestätigung des Postulates vorausgesetzt wird.

quarz

19. April 2020 09:55

@Stefanie
"Und eine gewisse semantische Nähe zum "Heil!" ist auch nicht zu übersehen."

Losgelöst vom leidigen historischen Kontext gibt es doch nichts Besseres, was man einem Menschen wünschen kann als Heil. Die Bibel und andere religiöse Schriften, denen es ums Ganze und Essentielle des menschlichen Wohlergehens geht, strotzen vor Passagen, in denen es um das Heil geht.

RMH

19. April 2020 10:33

Werden wir doch einmal ganz konkret:

Wer von den hier Mitlesenden und Mitschreibenden hatte bereits offiziell Corona?

Wer kennt zumindest persönlich und konkret Corona-Fälle in seinem Freundes-Bekannten-Verwandten- Kreis?
Bei Nachbarn, Kollegen etc.?

Bis lang war Corona für mich eine komplett anonyme Sache aus den Nachrichten, bis ich heute eine Nachricht von einem Freund, der seit vielen Jahren im außereuropäischen Ausland wohnt, erhalten habe und der mir schreibt, dass er und seine Frau bereits vor ein paar Wochen bestätigt Corona hatten und dass er sogar deshalb ins Krankenhaus musste. Beide sind jetzt aber offiziell wieder gesund.

Wie geschrieben, bislang war mir kein einziger, konkreter Fall persönlich bekannt und ich habe - bilde ich mir zumindest ein - einen recht großen Bekanntenkreis (auch über meinen Wohnort hinaus) und lebe zudem in einer mittleren Stadt, wo normalerweise auch ordentlich "getratscht" wird.

Außer ein paar wenigen, "vorsorglichen" Quarantänen , die zu Hause abzusitzen waren und bei denen dann auch keine Erkrankung entstanden war, habe ich bis heute keinen konkreten Fall gekannt.

Oder redet man über die "Seuche" offenbar nicht, wenn man betroffen war?

Franz Bettinger

19. April 2020 10:48

Die Virologie war einmal das, was heute die Gender- "Wissenschaften“ sind: ein Furz im Kopf. Kein seriöser Forscher hatte damals geglaubt, dass sich die Vorstellung von infektiösen Mikropartikeln, die man auch im stärksten Mikroskop nicht sehen konnte und deren Gestalt man sich auch nach Erfindung des Elektronen-Mikroskops nicht so recht ausmalen konnte, dass sich diese Idiotie bestimmter Geldmacher wie Pasteur und Koch tatsächlich durchsetzen könnte. - Doch ist es so gekommen. Die Virologie hat sich etabliert, und mit dem Gendertheater könnte es auch so kommen, wenn wir den Quatsch nicht bald beenden. Die ersten Hürden hat der Mega-Unsinn ja schon genommen: Steht das 3. Geschlecht nicht bereits in den Reisepässen drin?

Die AfD hatte zu Beginn einmal in ihrem Partei-Programm stehen (und ich habe aktiv daran mitgearbeitet), dass nur evidenz-basiertes Wissen anerkannt werden sollte, dass mithin sämtliche Dogmen und Konsenses der Medizin von Epidemiologen auf Sattelfestigkeit zu prüfen seien. Nichts fürchtet Big Pharma mehr als das. Ich glaube, mittlerweile hat die AfD diesen Programmpunkt wieder verwässert oder ganz fallen gelassen. Mit Frauke Petry wäre das nicht passiert. Diese Frau konnte wissenschaftlich denken und argumentieren. Schade, dass sie nicht mehr bei uns ist. Ja, ich weiß, es gab gute Gründe.

DieAngstDesTormanns

19. April 2020 11:43

Sehr geehrter Herr Bettinger, sie schreiben, Drosten sei mein Einflüsterer. Einige Sätze vorher muss ich jedoch lesen, dass Sie Herrn Lanka um backup und Stichworte anschreiben mussten. Ist Ihnen hier ein Widerspruch bewusst? Ich stimme übrigens zu, dass Bill Gates eine ganz suspekte Person mit einer unappetitlichen Agenda ist.

Schön, dass Sie auch den Pettenkoferschen Selbstversuch nennen. Ein Mann mit Mut und Überzeugung. Man stelle sich vor, er hätte statt des Selbstversuchs nur eine Geldsumme ausgelobt. In der wirklichen interessanten Doktorarbeit „Die Choleratheorie Max von Pettenkofers im Kreuzfeuer der Kritik – Die Choleradiskussion und ihre Teilnehmer“ von G. Reschke wird eine bedenkenswerte Überlegung zum “geglückten“ Ausgang formuliert (im Internet abrufbar, S. 58f und S. 99ff.): Aus Pettenkofers Tagebuch soll hervorgehen, dass er sich bei früheren Arbeiten mit Cholerapatienten eine Cholerainfektion zugezogen hatte und deshalb schon vor dem Selbstversuch eine Immunität besaß. Im Übrigen wird hier sein Schüler C. Emmerich genannt, der einen Selbstversuch nur knapp überlebte. Aus diesem Selbstversuch einen Beweis gegen die Infektiosität der Cholera abzuleiten, sollte nur mit Vorsicht geschehen. Jedenfalls kann ich mir jetzt sicher sein, dass Sie die Kochschen Postulate strenger anwenden als Koch selbst (darum ging es mir, als ich den Vortrag von Koch zitierte).

Ich danke Ihnen auch für die Kritik der SARS-Arbeit (eine Kontrollgruppe und höhere Zahlen an Tierexperimenten erscheinen sinnvoll). Welche Anzahl an Versuchstieren würden Sie sich wünschen? In J. Shi et al. „Susceptibiliy of ferrets, cats, dogs, and other domesticated animals to SARS-coronovirus 2“ wurden Untersuchungen an nichtinfizierten Kontrolltieren vorgenommen. Hier blieb das Lungengewebe unauffällig. Die Zahl an Versuchstieren wird Sie aber sicherlich nicht zufrieden stellen. Ich formuliere noch einmal so konservativ wie möglich: Ich finde, dass man die Aussage, die Kochschen Postulate seien für die beiden SARS-Viren nicht im Geringsten untersucht oder erfüllt, in dieser Härte und Strenge nicht formulieren kann, da doch eine Reihe an Forschungsergebnissen hierzu vorliegen. Hier von einem endgültigen oder abschließenden Urteil zu sprechen, wäre unwissenschaftlich. Wünschenswert wäre eine eingehende Kritik der vorliegenden Arbeiten durch die „Skeptiker“ sowie ein plausibles Gegenmodell, das über „weil Vorerkrankungen“ hinausgeht (siehe unten). Bis dahin bleibe ich bei meiner Schutzausrüstung (Tormann mit Angst). Verzeihen Sie mir.

Ich antworte auch jetzt erst auf den Toten. Er war medikamentös gut eingestellter Hypertoniker. Lungenembolie, Metastasen, Silikose waren in der Computertomographie nicht zu sehen. Eine Farmerlunge? Beruflich bestand kein Kontakt zu schimmligen Heu, er war kein "Farmer". Bei genauerem Nachdenken ist mir jedoch der langjährige Asthmatiker eingefallen, der die Beatmung überlebt und auf Normalstation verlegt wurde. Und ein anderer Patient mit aktiver Tumorerkrankung ist ganz ohne Beatmung ausgekommen! Haben diese trotz dieser Vorerkrankungen überlebt? Oder mit diesen? Oder gerade wegen diesen? Ein letztes oder gar kein Glas Schnaps?

zeitschnur

19. April 2020 11:47

@ Tormann

Sehr interessant ist diese Analyse eines Juristen, die er als Privatperson hergestellt hat. Er geht darin auch auf die niemals erfolgten ordentlichen Nachweise und Studien ein, ich zitiere einmal dies:

"Man vergleiche dies mit der Falldefinition zu Corona:

Klinisch-epidemiologisch bestätigte Erkrankung: Spezifisches klinisches Bild von COVID-19, ohne labordiagnostischen Nachweis, aber mit epidemiologischer Bestätigung (Auftreten von zwei oder mehr Lungenentzündungen (Pneumonien) in einer medizinischen Einrichtung, einem Pflege- oder Altenheim).
Spezifisches oder unspezifisches klinisches Bild von COVID-19, ohne labordiagnostischen Nachweis, aber mit epidemiologischer Bestätigung (Kontakt zu einem bestätigten Fall).
Labordiagnostischer Nachweis bei bekanntem klinischen Bild, das weder die Kriterien für das spezifische noch für das unspezifische klinische Bild von COVID-19 erfüllt. Hierunter fallen auch asymptomatische Infektionen.
Quelle: Falldefinitionen des Robert Koch-Instituts zur Übermittlung von Erkrankungs- oder Todesfällen und Nachweisen von Krankheitserregern, Stand: 24.03.2020."

https://www.urteilsanalyse.de/kurzfassung-corona-virus-in-deutschland-recht-und-justiz-die-bundesweiten-ausgangsbeschraenkungen-juristisch-betrachtet/

Der Jurist weist sachlich und nüchtern nach, dass selbst die Zahlen, die das RKI herausgibt, wenn man sie glauben will, niemals das hergeben, was draus gemacht wird, zahlreiche Widersprüche und Fragen aufwerfen und insbesondere in keiner Weise die Ausgangssperren und Kontaktverbote rechtfertigen. Der rechtliche Grundsatz der Verhältnismäßigkeit wird massiv verletzt.

Es hätte genügt, die nationalen Grenzen zu schließen, die Epidemie einfach laufen zu lassen, vermutete Risikogruppen zu warnen, ihnen freiwillige Selbstisolierung zu empfehlen, dieselbe auch gegebenfalls zu finanzieren und ansonsten den Ball flach zu halten. Die Risikopatienten haben wie in jeder anderen Hinsicht nach unserer Verfassung das Recht, sich der Gefahr auszusetzen, wenn es ihnen nicht wichtig ist, den meisten Menschen hierzulande macht das Virus ja nachweislich gar nichts aus.

Vergleiche mit Italien oder China sind irrational, weil der Verlauf von Infektionen auch von den Rahmenbedingungen in einem Volk bzw einer Region abhängt. Relevant für uns sind nicht die echten oder vermeintlichen Horrorzahlen der Medien irgendwo, sondern die realen zahlen hier bei uns.

Vielleicht trommelt sich solche Vernunft und Nüchternheit ja auch einmal zu unseren Regierenden durch.
Die katastrophalen Folgen der erzwungenen Isolation insbesondere für die Kinder, der wirtschaftliche Zusammenbruch gerade der Ärmeren wird nach den aktuellen Erkenntnissen erheblich mehr Opfer fordern als das Virus.
Das Ding gehört endlich vom Kopf wieder auf die Füße gestellt!

Franz Bettinger

19. April 2020 12:28

@Tormann: Irrtum! Ich habe zwar versucht, mit Lanka Kontakt herzustellen, dies ist mir aber nicht gelungen. Vielleicht wird’s ja noch! „Aus Pettenkofers Tagebuch soll hervorgehen… .“ Das ist Hörensagen und also irrelevant. Was ist mit den Dutzenden seiner Studenten? Hatten die auch alle Cholera (also Immunität), bevor sie die Phiole tranken? Selbstverständlich beweisen diese „Versuche“ nichts. Dafür fehlen ihnen die soliden epidemiologischen Voraussetzungen (z.B. große randomisierte Doppelblind-Studien). Ich fand sie dennoch erwähnenswert. Was die Anzahl der Versuchstiere angeht, so muss man sich zuerst fragen, ob nicht in der Tat gar wesentlich mehr (vielleicht 100 Makaken) in dem Experiment inokuliert wurden, aber 98 völlig gesund blieben und lediglich die zwei erkrankten „aus offensichtlichen Gründen“ (des Betrugs) Erwähnung fanden. So geht Big Pharma ja bekanntlich seit langem vor. Ich hoffe, das ist Ihnen bekannt. Big Pharma verschweigt Studien, deren Ergebnisse unerwünscht sind. Sie schreiben ferner "In Shi's 'Susceptibiliy of ... other domesticated animals to SARS-coronovirus 2' wurden Untersuchungen an nicht infizierten Kontrolltieren vorgenommen. Hier blieb das Lungengewebe unauffällig.“ Ja, was erwarten Sie denn bei nicht infizierten Tieren, die sie nicht infizieren? Verstehe nicht, was Sie meinen. Es ist doch auffällig, dass man den leichtesten Schritt des Experiments, den Provokationstest an Tieren (3. Postulat) an nur zwei Affen vorgenommen haben will. Extrem schwierig bis unmöglich sind Isolierung und Purifizieren des angeblichen Virus. Hat man den Virus endlich sauber isoliert (ohne andere Bakterien oder Gifte oder immunogene Zellbestandteile) und in ausreichend großer Zahl (nach Kultivierung) griffbereit, müsste man doch jubeln und so viele Tiere testen wie nur möglich, denn alles andere wäre nicht aussagefähig. Dass man genau dies nicht gemacht hat, bestätigt den Betrugs-Verdacht. Ich nehme, wie oben schon gesagt, allerdings an, man hat's gemacht und war mit dem Ergebnis nicht einverstanden.

Franz Bettinger

19. April 2020 12:54

@Tormann: Zum geglückten Ausgang von Pettenkofers Cholera-Selbstversuch hatte de Duve (UCL) übrigens eine simple Erklärung, die für mich als Wildwasser-Fahrer und Wanderer später Bedeutung gewann, denn ich nehme nie Trinkwasser im Kajak oder beim Wandern mit. Ich trinke aus dem Bach, den ich gerade paddele, ohne je dadurch krank geworden zu sein. De Duve's Erklärung: Auch wenn es krank machende Keime enthält, wird das Getrunkene durch die Salzsäure des Magens unschädlich gemacht (unspezifische Resistenz) vorausgesetzt, es passiert den Magen nicht im Schwall und endet ohne HCl-Kontakt im Zwölffingerdarm. Und deshalb trinke ich auch immer nur stets "drei Handvoll“ Flusswasser auf einmal. So machen es Tiere übrigens auch. Und deshalb können sie aus jeder dreckigen Brühe trinken.

Gracchus

19. April 2020 13:26

@Stefanie
Der Tormann referiert zur Virus-Forschung. Ob sich daraus die politischen Massnahmen rechtfertigen lassen, ist wiederum eine andere Frage.

Und ich glaube auch, dass die Psyche dabei eine entscheidende Rolle spielt; wie sehr, ist individuell verschieden und eine noch grössere Grauzone als das Virus.

Die existentielle Verunsicherung war vorher da. Sie braucht aber das Virus, um sich zu objektivieren und zu legitimieren. Auch die Symptome, die bei schweren Verläufen beschrieben werden, passen: Angst = Enge = Atemnot.

Kubitschek hat auf ein Demo-Schild verwiesen: "verbietet uns endlich was!" Meine These: Hier meldet sich das postmoderne fluide Ich, das keinen Halt mehr in sich findet und für sich keine Grenzen ziehen kann..

Die Massnahmen kann man daher verhaltenstherapeutisch deuten und dienen der Ich-Stabilisierung. Die Deutschen sind mit den Massnahmen vollkommen oder mehrheitlich einverstanden. Die Flüchtlingskrise hat ja u. a. gezeigt, dass die Gesellschaft keine Grenzen ziehen kann.

Die Politiker und politischen Kommentatoren betätigen sich schon seit Jahren als Virologen. Die Metapher war wohl schon "immer" - nun ja - virulent, hat aber in den letzten Jahren einen erneuten Auftrieb erhalten, indem man vor - rechten, konservativen, reaktionären - Gedanken warnte, mit denen man sich doch bitte nicht infizieren sollte, und vor Trägern diesen Gedanken, von denen man bitte Abstand halten sollte.

Noch ein Hesse

19. April 2020 13:28

@ Grambauer:
Die Fed ist de facto verstaatlicht. Die WHO bekommt kein Geld mehr. Anklage gegen Hillary Clinton. Trump twittert mit der Q-Flagge auf dem Weißen Haus (Photoshop, aber immerhin.) Ja, Ostern ist rum; ja, natürlich geht uns alles viel zu langsam, aber: der Sturm ist da.
Ansonsten: Wieder mal ein großartiger Kommentar-Thread, in dem v. a. Thomas Martini das Wesentliche zu "Bleiben Sie gesund!" gesagt hat.

Franz Bettinger

19. April 2020 13:30

@Laurenz fragt, ob ich denn ein Gegenmodell zu den Viren hätte. Was verursacht denn eigentlich all die Krankheiten? Meine Antwort: Es ist ein weites Feld. Kurz gefasst: Gene (Huntington, Diabetes), Stress (Abwehrschwäche = AIDS), Bakterien (Staphylokokken), Gifte (Tabak, Wespen), rein mechanische Irritationen (Patagonien-Staub, Mehlstaub, Ruß), Allergien (Gräser), Unfälle und die ganz ganz große Kiste der Psychosomatik. Früher war die Hauptursache für fast alles: der Hunger.

DieAngstDesTormanns

19. April 2020 14:19

Sehr geehrter Herr Bettinger, auf eine höhere Zahl an Versuchstieren kann man sich gerne einigen. Das gewünschte Ergebnisse hier nicht angegeben wurden, bleibt eine Annahme, die sich weder bewiesen noch widerlegen lässt. Damit will ich nicht sagen, dass unbequeme Studien nicht vertuscht werden. Eine geringe Versuchszahl an sich ist noch kein Beweis für einen Betrug. Damit will ich nicht sagen, dass kein Betrug vorliegt.

Zum Selbstversuch: Sie schreiben von Dutzenden Studenten? Woher nehmen Sie diese Zahlen? Wie viele waren es genau?

Zur Versuchsdurchführung: „Dazu führte er am 7. Oktober 1892 im Kreise seiner Mitarbeiter den Versuch durch, in dem er zuerst seine Magensäure neutralisierte und anschließend einen Kubikzentimeter einer kräftigen Bakterienbouillonkultur einnahm. Um sicherzugehen, dass er möglichst alle Vibrionen in den Magen bekam, spülte er das Glas noch mit Leitungswasser nach (...). (G. Reschke, Choleratheorie, S. 101).

Das Argument der Magensäure scheint in den Hintergrund zu treten.

„Es ist anzunehmen, daß sich Pettenkofer während seiner Nachforschungen in dieser Zeit selbst infizierte, da er am 27. Juli 1854 von Brechdurchfällen und Krämpfen geplagt wurde.“ (G. Reschke, Choleratheorie, S. 26).

Reschke verweist dabei auf das Notizbuch von Pettenkofer: „Untersuchungen und Beobachtungen über die Verbreitungsart der Cholera. Literarisch-artistische Anstalt der I. G. Cotta ́schen Buchhandlung I, S.I-III und Locher 1988, S.95-96.“ Ist das Hörensagen?

@Zeitschnur: Danke für die interessanten Daten. Ich bin auch der Meinung: Man hat ein „Bekenntnis zum globalen Handel“ (Angela Merkel) als wichtiger eingestuft als eine frühzeitige Grenzschließung/Einreisesperre etc. Jetzt haben wir eine Krankheit im Land, die unsere Alten und Kranken besonders gefährdet (und zumindest in meiner persönlichen Erfahrung auch Nichtvorerkrankte). Zudem hat sich unsere Regierung von den drastischen Maßnahmen der chinesischen Regierung inspirieren lassen.

Valjean72

19. April 2020 14:52

@zeitschnur:

Tatsächlich war der Ruf "Sieg! Heil!" ähnlich aufgeladen: Es gab den "Krieg", der zunächst auch damals kein Schlachtfeldkrieg, sondern hybrid angelegt war […] Einige nachvollziehbare, von den Deutschen tatsächlich notvoll erlebte Motive v.a. sozialer und ökonomischer Art wurden mit völlig hirnrissigen zu einem "Gesundheits"-begriff verbacken, der als "Heil" propagiert wurde. Garant für das "Heil" war der "Ermächtigte". Durch den gemeinsamen Schlachtruf wurden alle in diese damalige Psy-Op gezwungen.

Das deutsche Wort, bzw. der Wortbestandteil „heil“ hat eine alte (tiefe) und durchweg positive Bedeutung.

Heilung, heilig, Heiligtum, Heiland, etwas heil machen, eine heile Welt, Petry Heil, Waidmanns Heil usw.

Zitat von Franz Bettinger @Thomas Martini:

Und auch der Vergleich mit dem deutschen Gruß trifft die Lage.

Der sächsische Geschichtsschreiber Widukind von Corvey schrieb folgendes über die Königskrönung Ottos I. am 7. August 936:

Als dieser eintrat, ging ihm der Erzbischof entgegen... und schritt vor bis in die Mitte des <b<Heiligtums, wo er stehen blieb. Dann zum Volke gewandt... sprach er: 〉Sehet, hier bringe ich euch den von Gott erkorenen und einst vom großmächtigen Herrn Heinrich bestimmten, nun aber von allen Fürsten zum Könige gemachten Otto; wenn euch diese Wahl gefällt, so bezeugt dies, indem ihr die rechte Hand zum Himmel emporhebt.〈 Darauf hob alles Volk die Rechte in die Höhe und wünschte mit lautem Zuruf dem neuen Herrscher Heil.

(Quelle: wissen.de )

Heute ist die Verwendung dieses Wortes über alle Maßen stigmatisiert (der „deutsche Gruß“ ohnehin) und ich meine dies ist kein Zufall …

micfra

19. April 2020 15:39

Ich mag Ihre Texte in letzter Zeit sehr. Ich finde darin etwas von der Unterscheidung zwischen dem Zeitlichen und dem Ewigen. Sie treffen den Nagel auf den Kopf, wir können nicht mehr richtig leben vor lauter Angst vor dem Ende unseres sinnentleerten erbärmlichen Lebens.

Niekisch

19. April 2020 16:41

@ Franz Bettinger 18.4. 23:30: OK, auch ich sehe die anderen Seiten, unterdrücke für mich aber nicht die einen.

@ Valjean72 19.4. 14:52: Danke für Ihre Hinweise. Zum "deutschen Gruß". Ich sah einen Filmausschnitt eines US-amerikanischen Armee- Reporters von April 1945 aus, wenn ich recht erinnere, dem Raum Paderborn. Auf Lastwagen eng zusammengedrängt wurden deutsche Gefangene durch die Stadt gefahren. Am Straßenrand eine Reihe von jungen Frauen mit ernstem Blick, die rechte Hand zum Gruß erhoben. Eine erschütternde Szene, aufzeigend, was Deutschland und Deutschsein damals a u c h ausmachte, jedenfalls mehr als Pawlowsche Reaktionen.

zeitschnur

19. April 2020 17:23

@ Valjean

Das ist richtig - "Heil" ist ein alter und sehr tiefer Begriff. "Heil Dir, o König ..." war ein Ruf, aber eben ein Segensruf, aus dieser Tiefe heraus verstanden. Lateinisch kennen wir es als "Salve!". Er beinhaltet die Verknüpfung von Gesundheit (Heilsein) mit Heiligkeit (im Glanz Gottes sein).
Im Nationalsozialismus wurde diese tiefe alte Bedeutung aber seltsam verwässert:
Im "Sieg, Heil!", das alle sich zubrüllten, blieb unverständlich, um welches "Heil" genau es für wen eigentlich ging.
Im "Heil Hitler!" wird ebenfalls nicht klar, ob das den alten Segensruf meint (also als "Heil Dir, Hitler!" verstanden) oder ob es im Sinne einer engen Apposition ("das Heil, Hitler") aufgefasst wird. Beide Varianten sind gottlos und schreien nach einem innerweltlichen und innerweltlich, geradezu hygienisch und aggressiv kriegerisch und gewalttätig erzeugten "Heil". An die traditionell implizierte Heiligkeit dachte da niemand mehr.

Meine sehr frommen katholischen Vorfahren in Bayern, wollten diese Formel nicht sagen. Meine Großtante erzählte mir, sie habe wegen des starken Drucks, wenn man den Gruß mit "Grüß Gott" beantwortete, ein "Drei Liter!" zwischen den Zähnen herausgezischt.
Das heißt auf gut Deutsch: Sehr traditionelle deutsche Katholiken ließen sich von der Scheintraditionalität des Hitlergrußes nicht täuschen.

Laurenz

19. April 2020 18:07

@zeitschnur .... zwar blieb Hitler Katholik und wurde auch nie exkommuniziert, aber Hand auf's Herz, Sie haben nicht verstanden, was "Heil Hitler" und was es mit dem Germanischen Heil auf sich hat?
Wie auch im Bolschewismus ersetzt der Führer Gott. "Man hat einen Anschlag auf den Führer verübt" heißt so viel wie, "man hat einen Anschlag auf Gott verübt". "Heil Hitler" bedeutet also das Heil Hitlers ist mit uns, wie früher in etwa "Gott mit uns". Die germanischen Herzöge waren immer angesagt, mit denen das Heil (also Glück) war. Un ob ein römischer Cäsarengruß weniger fragwürdig war, wie der sogenannte "Deutsche Gruß" läßt sich sicherlich bezweifeln. Fachkundige Historiker sind sich weitestgehend einig, daß Cäsar nach eigenen Angaben um die 1 Mio. Gallier im gallischen Krieg um die Ecke bringen ließ.
Wenn man dem König Heil wünscht, dann deswegen, weil das eigene Heil davon abhängt. Das finden Sie schon im antiken Ägypten oder auch in den indigenen amerikanischen Kulturen, daß quasi der Anführer/König auch im Tod die toten Bürger im jenseits in die Unsterblichkeit führt. Das ist, mit Verlaub, keine Erfindung der Jordan-Plantscher.

@RMH .... ich kenne nur Boris Johnson, aber nicht persönlich.

zeitschnur

19. April 2020 18:47

@ Laurenz

Sie kennen sich wirklich nicht gut aus mit katholischem Denken und vor allem dem Kirchenrecht. Ihr ganzes Denken ist besessen von der Idee, Christliches müsse irgendwie verschwiemelt "abrahamitisch" und damit "marxistisch" sein. Ich empfehle hier endlich eine - in Ihrem Fall sicherlich distanzierte - sachgerechte Recherche. Das schadet auch dem germanischen Atheisten nichts. Sie haben so oft interessante Ideen, aber wenns um Christentum geht, geht der Kurvenausschlag ganz tief runter.

Also:
1. Es gibt in der Kirche zwei Arten von Exkommunikation. Die erste ist die "latae sententiae", zu Deutsch die Tatstrafe. Wenn Sie sich durch eine bestimmte definierte Tat außerhalb der Communio stellen, SIND sie auch ohne kirchliche Feststellung exkommuniziert, das traf auf Hitler zu.
Die zweite ist die "ferendae sententiae", zu Deutsch die Spruchstrafe. Hier wird jemand wegen offener Häresie durch den Bischof oder den Papst durch ein ausdrückliches Urteil ausgeschlossen. Dies erfolgte bei Hitler nicht, obwohl es sicher hätte sein müssen - ich verteidige die Willkür Roms ja nicht.

"Excommunikation" bedeutet jedoch niemals, dass einer aus der Kirche ausgeschlossen ist, sondern nur, dass er von den Sakramenten und Sakramentalien ausgeschlossen ist. Er bleibt jedoch Teil der Kirche.

2. Hitler war kein praktizierender Katholik mehr. Ich verbitte mir, diesen Mann angesichts meiner tiefkatholischen Familienangehörigen als im selben Sinne "Katholik" zu bezeichnen. Hitler hätte durch Antrag beim Bischof jederzeit wieder zu einer Beichte zugelassen werden können (von der er ausgeschlossen ist v.a. wegen der Morde, die er verantwortet), die ihn zurückversetzt in den Gnadenstand. Meines Wissens hat er das nie getan.

Valjean72

19. April 2020 19:13

@Niekisch. Dank zurück für die Schilderung der Lastwagenszene kurz vor Kriegsende. Ein starkes Bild, traurig aber auch mächtig. Tief sind wir seither gesunken ...

Niekisch

19. April 2020 19:31

@ Valjean72 19.4. 19:13: Gerne! Noch ein Tipp. Suchen Sie doch einmal bei Youtube "Letze Aufnahmen der Wehrmacht. Da sehen Sie den Abzug deutscher Truppen aus der CSSR. Achten Sie bitte auf die Gesichter. Die Generation meiner Eltern. Ich lasse mich nicht täuschen und belügen und betrügen. Da mag zeitschnur in dem Beitrag vor dem Ihren schreiben was sie will.

Elvis Pressluft

19. April 2020 20:32

Den Diskurs der Mediziner verfolge ich weiter (aus der mittleren Distanz des interessierten Laien), möchte jedoch eine simple politische Überlegung bzw. Frage einwerfen: Es geht (nochmals) um Höckes im GK-Interview betontes Konstrukt der „Politikfähigkeit“. Zeigt nicht „Corona“ in äußerster Deutlichkeit das Politikverständnis der Mächtigen in diesem Lande – und hat sich nicht die AfD davon übertölpeln lassen wie vordem das Linkskartell in Thüringen? Politik unter Merkel heißt atemberaubende Prinzipien- und Skrupellosigkeit … ja, wußten wir alle schon etwas länger. Und doch: Die Wendigkeit, mit der innerhalb kürzester Zeit von blasierter Gleichgültigkeit auf extremen Alarmismus und ebenso extreme Repression umgeschaltet wurde – niemand hatte das wirklich auf der Rechnung, oder? Ebensowenig wie den Tanz der Lemminge, die Unterwerfungsreflexe einer breiten Mehrheit. Die AfD schätzt sich glücklich, daß dieses Jahr keine Wahlen mehr anstehen – aber wer sagt uns, daß es A.D. 2021 besser aussieht? Wir befinden uns, wie mancherorts erkannt wird, bereits in einer Art Vorwahlkampf. Wohltaten aller Art werden bedenkenlos verteilt, um die Leute bei Laune und auf Linie zu halten; das wird sich bis zur Btw eher noch deutlich steigern.
Um Meuthen und seine Kumpane geht es natürlich nicht, aber ich würde gern ein politisches Konzept, eine Strategie der patriotischen Kräfte demonstriert bekommen, die darüber hinausreichte, daß „irgendwann die Stimmung kippen muß.“ Wenn wir nichts Besseres aufbieten können, wiederholt sich im kommenden Jahr die Katastrophe, ganz egal in welcher Konfiguration (rrg, schwarz-grün – austauschbar). Vielleicht kann man momentan (!) nur zuwarten, aber nicht beliebig lange.

Götz Kubitschek

19. April 2020 21:52

badeschluß.

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