22. April 2020

Gruppendenken, Überreaktionen, Ängstlichkeit

Gastbeitrag / 29 Kommentare

von Florian Sander -- Es gibt sozialpsychologische Aspekte der Corona-Krise, die nicht vernachlässigt werden dürfen.

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Die Nachrichten zur Krise und vor allem zu den restriktiven staatlichen Maßnahmen überschlagen sich.

Föderalismus und kommunale Selbstverwaltung tun in Deutschland ihr Übriges: Je nach Ort und Bundesland ist das Spektrum an verhängten Maßnahmen durchaus sehr unterschiedlich. Nicht nur Politiker und Mediziner, sondern auch Juristen streiten zugleich um deren Sinnhaftigkeit, Angemessenheit und Verhältnismäßigkeit.

Ihre Zuspitzung fand die Sache in einem Eilantrag der staats- und coronaskeptischen Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht Beate Bahner, die die Maßnahmen darin für verfassungswidrig erklärte und von einer nicht geringen Minderheit der Bevölkerung in ihrer Argumentation gestützt wurde. Doch dann der Paukenschlag: Bahner wurde am Ostersonntag in die Psychiatrie zwangseingewiesen. Wenig später wurde über YouTube eine Audiobotschaft Bahners an ihre Schwester veröffentlicht, in der sie die Situation aus ihrer Sicht schildert.

Als dann noch auf Bestreben der Heidelberger Polizei Bahners Netzseite vorübergehend abgeschaltet wurde, da sie dort mutmaßlich zu Straftaten – in Form derzeit verbotener politischer Kundgebungen gegen die Maßnahmen – aufgerufen hatte, löste dies beträchtliche Empörung aus. Und dies nicht nur bei den Corona-Skeptikern, sondern auch bei des Verschwörungstheoretisierens gänzlich unverdächtigen Rechtsexperten wie dem Berliner Jura-Professor Niko Härting, der dies für einen Eingriff in die Meinungsfreiheit hielt und erklärte, daß man die Maßnahmen auch überzogen oder hysterisch kommentieren können müsse.

Die Sache mit den „Fakten“

Bei Corona und der unzweifelhaft drastischen Reaktion des Staates (bzw.: der Staaten) darauf zeigt sich, wie in der Vergangenheit bereits bei ganz anderen Themen, eine drastische gesellschaftliche Spaltung. Schon werden die üblichen Verdächtigen aus dem linksgrünen Dunstkreis aktiv, die sich inzwischen gerne als „Faktenfinder“ und „Faktenchecker“ betätigen und dadurch den (selbst aus gänzlich un-rechter, konstruktivistischer Sicht) falschen Anschein erwecken, es gäbe im politischen Diskurs lediglich „objektive Fakten“, die selbstverständlich von etablierten politischen und medialen Akteuren stets berücksichtigt würden, während alternative, rechte Kräfte lediglich mit Fake News arbeiteten.

Daß in politischen Debatten oft eher Fragen der Bewertung relevant sind, oft auch Definitionen von Begriffen und von Konzepten, Deutungshoheiten und Sprachpolitik; dass auch die angeblichen „Fakten“ gerne nur durch bewußtes Ausblenden anderer Fakten zustande kommen – das wird von diesen selbsternannten Experten nur allzu gern ignoriert.

Dementsprechend besserwisserisch-naserümpfend fiel denn auch der Duktus des„Volksverpetzer“-Artikels zu Bahner aus, in dem davon die Rede ist, die Anschuldigung, die derzeitigen Maßnahmen dienten dazu, eine Art Diktatur aufzubauen, entbehre „natürlich“ jeder Grundlage. Regierungsloyaler hätte es gewiß auch der Regierungssprecher selbst nicht formulieren können. Die Aussagen der „Verschwörungsideologen“ seien u. a. von „selektiver Wahrnehmung“ geprägt – freilich ein Phänomen, von dem die „Volksverpetzer“ gänzlich ausgenommen sind, mit ihrem jederzeit und überall objektiven Blick auf die „Fakten“.

Sarkasmus beiseite: Selektive Wahrnehmung ist freilich ein bei allen Menschen und allen Gruppen vorkommendes sozialpsychologisches Phänomen (auch beim „Volksverpetzer“, der eben immer nur jene „verpetzt“, die aus Altparteiensicht nicht opportun sind, wie es so viele alte und neue Medien des Establishments praktizieren). Doch in die aktuellen Corona-Diskurse spielen noch andere Phänomene dieser Art hinein, die vor keiner der beiden Seiten Halt machen. Was passiert hier gerade – und wie ist der Vorgang um Bahner aus konservativer Sicht zu bewerten?

Beate Bahner und die Zwangseinweisung

Ganz gleich, wie hoch die Qualifikation des jeweiligen „Experten“ auch sein mag, vom Studenten bis hin zum Harvard-Professor: Ferndiagnosen verbieten sich, sei es nun im Fall Bahner oder gegenüber mutmaßlich narzisstischen US-Präsidenten.

Der Autor dieser Zeilen war ca. drei Jahre lang als Verhaltenstrainer u. a. für Polizeistudenten tätig und hat diese im Zuge dessen auch für den Umgang mit psychisch kranken Bürgern ausgebildet. Zwei wesentliche Erkenntnisse daraus gilt es hier festzuhalten.

Erstens: Polizisten sind in den allermeisten Fällen – was niemanden verwundern wird – nicht qualifiziert festzustellen, ob jemand in eine Psychiatrie zwangseingewiesen werden muß und wie sich eine Psychose, die dieses rechtfertigen würde, überhaupt manifestiert.

Zweitens, und dies ist hier die noch viel wichtigere Folgerung: Die Grenze zwischen psychischem Normalzustand und psychischer Störung ist fließend.

Ja, es stimmt: Manche öffentlichen Äußerungen von Frau Bahner sind irritierend, teils kryptisch, scheinbar (?) manchmal sarkastisch gemeint, manchmal widersprüchlich und – nicht untypisch für verschwörungstheoretische Wortmeldungen – durch einen recht „blumigen Duktus“ geprägt („dunkle Mächte“).

Doch: Reicht dies aus, um jemanden als psychisch krank zu etikettieren – und damit de facto als seriösen Gesprächspartner aus dem politischen Diskurs auszuschließen, insbesondere wenn die Betreffende bereits nach kurzer Zeit die Psychiatrie wieder verlassen konnte? Schwerlich!

Tatsache ist (und dies läßt sich durchaus als zentrale Erkenntnis der Psychiatrischen Soziologie festhalten): Psychische Krankheiten sind letztlich immer noch soziale Konstruktionen – selbst wenn manche von ihnen (nicht alle!) auch neurologisch messbar sind. Erst die gesellschaftliche Kategorisierung als „psychische Krankheit“ macht bestimmte Zustände zu psychischen Krankheiten – eben sobald wir sie bzw. die aus ihnen resultierenden Handlungen und Interaktionen als deviant, als sozial abweichend kategorisiert haben.

Und die Grenze wird hier – in manchen Fällen, die nicht die Regel sind, aber vorkommen, auch recht willkürlich – gezogen durch jene, denen wir Profession und Expertise zurechnen. „Objektiv“, d. h. rein naturwissenschaftlich „faktisch“ erkenn- und erklärbare psychische Krankheiten sind hoch selten. Auch wieder so ein Punkt, wo jeder, der vorgaukelt, „Fakten“ zu liefern, wenn er eine skeptische Aktivistin auf eine psychische Krankheit reduziert oder derart etikettiert, letztlich manipuliert– oder, mit dem „Volksverpetzer“ gesprochen, „selektiv wahrnimmt“.

Es ist keine Frage, daß jemand, der beispielsweise blutrünstige Killer halluziniert, die nicht da sind, als psychotisch gelten muss. Aber wie sieht es aus, wenn man überall Verschwörungen wittert, ohne dabei Halluzinationen zu haben? Sie einfach sicher erwartet, sie aber nicht direkt „vor sich sieht“? Hier bewegt sich auch jeder professionelle Beobachter in einer Grauzone der Bewertung, in der letztlich gelten muß: Im Zweifel gegen die Zwangseinweisung – so abstrus einem manche Theorien über eine flache Erde oder Echsenmenschen auch scheinen mögen. Aber: Es ist massiv zu bezweifeln, daß auch alle Profis dieses feine, aber doch so wichtige Differenzierungsvermögen an den Tag legen - von Polizisten, die nun einmal meistens psychologische Laien sind, ganz zu schweigen.

Wie auch die (immerhin nach Meinung eines Rechtsprofessors) völlig überzogene Abschaltung der Netzseite Bahners gezeigt hat, leben wir momentan in einer Zeit, in der auch die Nerven staatlicher und politischer Akteure blank liegen. Und eben hierin liegt die eigentliche Gefahr der derzeitigen Maßnahmen: Im Dammbruch, im Ausnutzen, in stellenweise sichtbarer Willkür, aber auch in – nach Meinung ehemaliger Verfassungsrichter! – handfesten verfassungsrechtlichen Bedenken.

Wer all dies nach dem Muster der regimetreuen angeblichen „Faktenfinder“ der – ja, man muss es inzwischen so sagen – Systemmedien abtut als „Verschwörungsideologie“, der entlarvt sich selbst als jemand, dem politisch offensichtlich nicht an der Möglichkeit echter Opposition gelegen ist und das Establishment und dessen Postulate als alternativlos und scheinbar unfehlbar betrachtet.

Das „Groupthink“-Phänomen

Dabei ist es das, gerade in Zeiten wie diesen, eben nicht. Denn auch, wenn man keine großangelegte Verschwörung hinter dem, was derzeit passiert, vermuten muss, so läßt sich doch zumindest auch die Möglichkeit eigentlich ganz alltäglicher sozialpsychologischer Phänomene feststellen, die auch vor Spitzenpolitikern und Regierungen – empirisch nachgewiesenermaßen – nicht haltmachen.

Anschaulich gezeigt hat dies der Sozialpsychologe Irving Janis, der Anfang der 70er Jahre das Buch „Victims of Groupthink“ veröffentliche – eine Studie über die Auswirkungen des Gruppendenkens in politischen Entscheidungen bis hin zur höchsten Ebene. Gruppendenken bezeichnet den (im sozialen Alltag sehr häufigen, aber eben gerade bei kollektiv bindenden Entscheidungen mitunter hoch schädlichen) Vorgang, daß innerhalb von Gruppen Einzelne ihre Meinung an die vermutete Gruppenmeinung anpassen und dadurch eine mitunter falsche oder unrealistische Gruppenmeinung gegen jede Vernunft immer weiter stabilisiert und etabliert wird. Je abgeschotteter die Gruppe von ihrer sozialen Umwelt ist, desto stärker ist der Effekt, da die Gruppe so zunehmend immer mehr um sich selbst kreist.

Am drastischsten ist dies bei (natürlich besonders abgeschotteten) Untergrund-Gruppierungen wie etwa der RAF zu beobachten gewesen, aber eben auch auf elitären und dadurch faktisch oft isolierten politischen Führungsebenen „ohne Bodenkontakt“, die in der Abgeschiedenheit etwa eines Politbüros in illusionären Vorstellungen über politische Verhältnisse verharrten. Die Entscheidung zum Irakkrieg 2003 dürfte ebenfalls in diese Kategorie fallen, ebenso wie andere fatale Entscheidungen etwa im Kontext des Vietnamkriegs, der Schweinebucht-Invasion und mehr.

Janis erforschte auch die Kommunikation in sogenannten Furchtappellen, also Botschaften mit der Absicht, durch Erzeugen von Furcht eine Verhaltensänderung beim Empfänger zu bewirken. Betrachtet man diese Forschungsschwerpunkte im Kontext der gegenwärtigen Ereignisse, so fragt man sich: Was würde Janis wohl zu den aktuellen politischen Vorgängen in Deutschland (und auch anderswo) sagen?

Es ist durchaus nicht weit hergeholt zu vermuten, daß die besonders herausgehobene Rolle des Robert-Koch-Instituts (RKI) und seiner Berater für die Bundesregierung – unter relativer Auslassung von allen möglichen anderen, eigentlich nicht minder führenden Virologen – zu einem Prozess des Gruppendenkens auf höchsten Ebenen geführt hat, im Zuge dessen die Positionen der Virologen eben jene Gruppenmeinung darstellen, an die sich alle anpassen, während die Appelle aller anderen Experten, die alternative Vorschläge vorlegen und vor der wirtschaftlichen Katastrophe warnen, ungehört verhallen.

Dies ist ohne jeden Zweifel im Bereich des Möglichen, und man muß lediglich über langjährige sozialpsychologische Forschung (und damit handfeste, „faktenorientierte“ Wissenschaft) informiert sein, um derlei für möglich zu halten. Echte „Faktenfinder“ würden sich auch dafür interessieren, anstatt sich unreflektiert zu ehrenamtlichen Regierungssprechern aufzuschwingen.

Angst als treibender Motor

Klar ist auch: Die Politik kommuniziert derzeit massiv mit Furchtappellen. Die Botschaft „Die Welt wird danach nicht mehr die gleiche sein“, dramatische Sätze wie „Es geht um Leben und Tod“ etc. fallen nicht einfach so – sie sollen eine Abschreckungswirkung erzeugen. Wenn man der Politik guten Willen unterstellen will, dann durch die Intention bedingt, Infektionsketten zu verringern.

Eine Kritik an gängigen Verschwörungstheorien, die dem Autor dieser Zeilen stets plausibler erschien als jene, dass die etablierten, globalistischen Akteure so bösartig oder undemokratisch nicht seien, daß sie derlei versuchen würden, ist jedoch die Feststellung, dass diese in der Regel einfach viel zu durchschnittlich, zu inkompetent, zu unorganisiert, zu uneinig, zu undiszipliniert und, ja, einfach zu „menschlich“ sind, um derlei fertigzubringen.

Anders gesagt: Bei der Regierung und den sogenannten Spitzenpolitikern liegen derzeit die Nerven blank. Einerseits wittert man – besonders wohl im Bundesgesundheitsministerium und in den Staatskanzleien der Ministerpräsidenten – die politisch verführerische Möglichkeit, sich als „Krisenmanager“ zu profilieren, was einem in Umfragen und potenziell bei Wahlen zu gute kommen könnte, da in Krisenzeiten die Menschen dazu neigen, „Experimente“ vermeiden zu wollen und die Regierenden zu stützen. Doch neben derlei Erwägungen dominiert noch etwas anderes: Die pure Angst – Angst davor, am Ende als zu lasch, zu zögerlich dazustehen. Doch: Politiker sind nicht die einzigen, deren Handeln in derlei Situationen von Angst geprägt ist.

Es braucht keine Fachexpertise in Verwaltungssoziologie, um zu wissen, daß staatliche und kommunale Bürokratien sogar strukturell „ängstlich“ veranlagt sind. Der Verwaltungsbeamte als solcher ist – Ausnahmen bestätigen die Regel – zunächst einmal schon von Berufswegen Opportunist. Anders käme er nicht durch den Tag: Sein Berufsleben besteht darin, Entscheidungen „von oben“ umzusetzen. Auszuführen. Zu exekutieren.

Wer zur Verwaltung geht, ist in den seltensten Fällen glühender Idealist. Dies wäre ein drastisches Karrierehindernis. Der höhere Verwaltungsbürokrat ist tendenziell ängstlich: Er ist von Amts wegen „verantwortlich“ – und er hält (als öffentlich Bediensteter: öffentlich) den Kopf hin, wenn etwas grundlegend schiefgeht. Daher neigt er dazu, sich für alle Fälle rechtlich abzusichern, lieber eine Warnung zu viel als eine zu wenig abzusetzen. Dies gilt um so mehr im seit jeher hochbürokratisierten Deutschland, das in vielerlei Fragen immer etwas ängstlicher, aber dafür und dadurch auch oft – das muß man eingestehen – sorgfältiger und akribischer vorgeht als andere.

Man kann vermuten, daß die derzeitigen Zustände eben auch daraus resultieren: Das Fehlen des mediterranen Laissez-faire, welches Italien und Spanien mit zu den größten Opfern der Krise hat werden lassen, aber auch das Fehlen der skandinavischen Grundgelassenheit, die Schweden derzeit so handeln lässt, wie es handelt (wie es scheint, ohne die zuvor geunkten drastischen Folgen), sorgen dafür, daß Deutschland in Relation gesehen vermutlich nochmal mit einem oder zwei blauen Augen davonkommt, was die gesundheitlichen Folgen von Corona angeht, aber daß wir es eben auch mit einem überreagierenden, in Angst verharrenden Apparat zu tun haben, der das rechte Maß aus den Augen verloren hat.

Was jetzt geboten ist

All diese Feststellungen negieren übrigens nicht die Theorie, daß es da draußen intransparent organisierte Globalisten gibt, die derzeit händereibend und perfide viel langfristigere Pläne mit den Folgen der Krise verbinden – und diese wirklich auf eine Weise ausnutzen wollen, die zur endgültigen Aushebelung unseres Nationalstaates, unseres Sozialstaates und unserer Demokratie führen kann. Und doch ist zu bezweifeln, daß derzeit jedes Rädchen im bürokratischen Getriebe Deutschlands bzw. in den Altparteien, das die besagten Maßnahmen vorantreibt und verteidigt, Teil irgendeiner groß angelegten Verschwörung ist. Das braucht es dafür nicht – es braucht nur die üblichen Gesetze der Sozialpsychologie, die immer und überall zuschlagen, aber eben nur manchmal eine derart verheerende Wirkung in sich tragen.

Vor allem unsere ökonomische Lage, aber eben auch die zunehmenden staatlichen Überreaktionen – in Verbindung mit den Zahlen zum Virus selbst, zur relativ geringen Sterblichkeitsrate und mit der wichtigen, nun wahrlich nicht nur von Verschwörungstheoretikern, sondern auch von renommierten Experten getätigten Feststellung, daß längst nicht jeder, der mitC orona gestorben ist, auch an Corona gestorben ist – zeigen deutlich auf, daß wir uns allmählich besinnen müssen.

Das ist insbesondere ein Auftrag an die einzig verbliebene echte Oppositionspartei in Deutschland: Aufgabe der AfD muß es jetzt sein, auf ein schnelles Ende der massiven Grundrechtseingriffe hinzuwirken – und zugleich auch auf ein zügiges Wiederhochfahren unserer Wirtschaft, deren aktuelle Entwicklungen uns gefährlicher zu werden drohen, als es das Virus wohl je könnte.


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Kommentare (29)

MARCEL

22. April 2020 17:14

Die NR sollte vor allem die Versäumnisse der Regierung Merkel klar brandmarken: 2012 gab es alarmierende Ergebnisse einer Analyse zu einem hypothetischen Virus-Befall. Geschehen ist seit damals nichts, daher die jetzigen Zwangsmaßnahmen der Regierung. Zudem blieben (bleiben?) bei uns die Grenzen zu lange offen etc.
Last not least: Warum werden eigentlich in China diejenigen verfolgt, die vor Covid-19 warnen, während es hierzulande anscheinend andersherum läuft?
Darauf will ich hinaus: Sollte die Einstellung zu Corona zu einem Glaubensdogma innerhalb der NR mutieren, dann hat sie fertig. Dann droht ihr eine lange Quarantäne.

quarz

22. April 2020 17:26

"Erst die gesellschaftliche Kategorisierung als „psychische Krankheit“ macht bestimmte Zustände zu psychischen Krankheiten"

Was die Gesellschaft beiträgt, ist eine Gesundheitsnorm, die zum Maßstab genommen wird, um Abweichungen von dieser Norm als Krankheit zu werten. Das haben wir aber genauso bei physischen Krankheiten und in Analogie bei Funktionsstörungen unbelebter Objekte. Die Uhr gilt nur deshalb als "kaputt", weil sie den ihr von uns zugedachten Zweck der Zeitmessung nicht erfüllt. Den Atomen, aus denen die Uhr besteht, ist es aber ziemlich egal, welche Zwecke wir individuell oder gesellschaftlich mit ihrer Strukturierung verbinden.

Sollen wir deshalb nun sagen, die Funktionsuntüchtigkeit der Uhr sei kein objektves Faktum, sondern nur ein "soziales Konstrukt"? Und wenn dies bei der Uhr inadäquat ist, warum soll es dann bei der psychischen Krankheit adäquat sein?

t.gygax

22. April 2020 17:42

Zu Beate Bahner ein Videokommentar des Psychiaters und Neurologen Prof. Dr. Raphael Bonelli, der als Fachmann Stellung nimmt. https://www.youtube.com/watch?v=efTsH9kZlR8

Rosenkranz

22. April 2020 17:54

Ja, ja, die Wirtschaft. Herr Sander, huldigen Sie jetzt dem Liberalismus, indem sie sie die Wirtschaft über die Gesundheit der breiten Bevölkerung stellen wollen?
Das Virus wurde ins Land getragen, weil man sicher auch aus einer zunächst wirtschaftlichen Denkweise es unterlassen hat, rechtzeitig die Flugverbindungen nach China, Iran, etc. auszusetzen und sofort die Leute in Quarantäne zu stecken. Dort ist der große Fehler gemacht worden, die anschließend die Freiheiten der Bürger eingeschränkt haben. Wenn sich das Virus in Großstädten ungehindert ausbreitet, dann werden Kühllaster bestellt und Massengräber ausgehoben. Auch kein schöner Anblick in Friedenszeiten.

Und bedenken Sie auch, daß wir auch etwas von unserer Seele verlieren, wenn wir weiter so übel wie derzeit über Ältere und Risikogruppen reden, frei nach dem Motto: Wenn es den anderen erwischt, ist es ja nicht so schlimm für mich. Vom schwierigen Abschiednehmen und Beerdigen in diesen Zeiten, will ich gar nicht reden.

Tja und dann die Geheilten, die aus der aktuellen Statistik Gefallenen, weil sie ja als gesundet gelten, wie zum Beispiel ein vorher kerngesunder Mann Mitte dreißig, der auf einmal eine böse Fibrose in der Lunge hat und die Nierenfunktion so gestört ist, daß man sich nicht sicher sein kann, ob er nicht demnächst doch noch zur Dialyse muss. (Frontbericht)

Gehen wir in diesen Zeiten noch einmal in uns und fragen uns ob wir mit wirtschaftlichen Exzessen, Massentourismus und Konsumparty so weitermachen wollen wie bisher, oder ob jetzt vielleicht mal die Zeit ist darüber nachzudenken, um etwas zu ändern. Die Wirtschaft schwankt über die Jahrzehnte immer wieder, aber der Tod bleibt.

RMH

22. April 2020 19:59

"Aufgabe der AfD muß es jetzt sein, auf ein schnelles Ende der massiven Grundrechtseingriffe hinzuwirken"

Zusätzlich sollten die finanziellen Corona-Soforthilfen einmal genau unter die Lupe genommen werden, die einen guten Teil der Kleinunternehmer und Mittelständler, welche die "rasch und unbürokratisch" Hilfen gutgläubig beantragten, mit einem Bein in den Knast bringen, da die entsprechende gesetzliche Grundlage und die entsprechenden Ausführungsrichtlinien jeglichem Bestimmtheitsgebot nur noch spotten.

Nur einmal ein kleines Beispiel:
Die Soforthilfen setzen die Behauptung eines Corona-bedingten, sog. "Liquiditätsengpass" für einen Zeitraum von 3 Monaten voraus.

Wer jetzt schlicht kaufmännisch rechnet, der nimmt bei einer Liquiditätsbetrachtung selbstverständlich die Personalkosten mit rein.

ABER:
Wenn man dann einmal irgendwo im Kleingedruckten der ausführenden Ministerien nachsieht, dann sind bei der Ermittlung des Liquiditätsengpasses die Personalkosten ausdrücklich nicht zu berücksichtigen, bzw. werden die Personalkosten nicht anerkannt.

Das widersprich jeder Üblichkeit eines ordentlichen Kaufmanns.

Wer also kaufmännisch seine Liquidität berechnet hat und einfach den Antrag "schnell und unbürokratisch" ausgefüllt und eingereicht hat, der kann sich bei einer nachträglichen Überprüfung auf den Vorwurf des Subventionsbetruges freuen.

Da stellt man sich die Frage, warum macht die Politik so etwas?

Mein Vermutung:

Die Unternehmen sollen bitte schön ihr Personal in Kurzarbeit 0 schicken (auch, damit sie sich nicht in den Betrieben anstecken etc.), wenn sie Probleme mit den Personalkosten haben. Das zahlt dann die solidarisch finanzierte Arbeitslosenversicherung, mithin Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit ihren Beiträgen und nicht der Staatshaushalt. Der daraus im Folgejahr vermutlich resultierende steigende Beitragssatz ist einem ja heute offenbar egal (dabei können steigende Lohnnebenkosten die Arbeitslosigkeit steigern).

Wenn dann wg. anderem "Sach- und Finanzaufwand" noch ein Liquiditätsengpass entsteht, dann erst soll es die "unbürokratischen" Soforthilfen geben. Wer steckt denn oft hinter Sach- und Finanzaufwand?
Kredit- und Leasinggeber etc. - mithin Banken!

Unter dem Strich dienen - zugespitzt formuliert - dieses Hilfen eben auch den Banken und nicht nur den Unternehmen. Der arbeitende Pöbel und die doofen, noch hier produzierenden Unternehmen, haben gefälligst ihre Kurzarbeit über Beiträge selber zu finanzieren (gut, der linke "Faktenchecker" wird mir jetzt mit irgendwelchen Bundeszuschüssen an die Agentur für Arbeit kommen ^^ ).

Und das Beste:
Die "unbürokratischen" Soforthilfen darf der Unternehmer dann selbstredend mit der Jahressteuererklärung 2020 versteuern ...

Ich hoffe, diesen Subventions-Irrsinn nimmt die AfD auch einmal aufs Korn.

Gelddrucker

22. April 2020 20:44

Ich möchte kein Politiker sein aktuell, egal ob links rechts sonstwas.

Tut man nichts, riskiert man eine echte Epidemie, gerade da das Virus unbekannt ist.
Dann heisst es, die Politik reagiert nicht/spät/falsch.

Tut man zuviel, wittern alle, die überall eine Verschwörung suchen, diese natürlich auch hier.

Dazu kommt noch, dass man selbst keine Ahnung hat und auf Hinweise von Ärzten angewiesen ist. Da gibts natürlich auch wieder 100 Leute mit 100 Meinungen.

Gruselige Situation, habe schon fast Mitleid mit den Gruselgestalten, die ich sonst eher verachte.

Gelddrucker

22. April 2020 22:02

@Reeto:

Das sage ich immer wieder. Da gibts vereinzelt Videos auf Youtube von Curio, aber die Mehrheit hat immernoch den Eindruck es gäbe "zunehmend" Menschen mit Migrationshintergrund. Und sogar im eigenen Lager haben viele noch nicht kapiert, dass sie in Ethnien denken MÜSSEN, um Erfolg zu haben. Denn der Import von Nichteuropäern ist der Import von linken Wählerstimmen, zu mindestens 95%. Diese Tatsache muss allen patriotisch gesinnten Altparteienwählern und liberalen AfD'lern klargemacht werden.

Allerdings: Die jetzige Corona-Situation sollte man aussitzen und die Umfragewerte für nicht so dramatisch halten. Die Grünen fallen noch drastischer und ich bin überzeugt, auch die werden sich leider wieder erholen. Aktuell dominiert Corona alles und jegliche sonstige Information geht unter. Abwarten.

zeitschnur

22. April 2020 22:29

"Der höhere Verwaltungsbürokrat ist tendenziell ängstlich: Er ist von Amts wegen „verantwortlich“ – und er hält (als öffentlich Bediensteter: öffentlich) den Kopf hin, wenn etwas grundlegend schiefgeht. Daher neigt er dazu, sich für alle Fälle rechtlich abzusichern, lieber eine Warnung zu viel als eine zu wenig abzusetzen. Dies gilt um so mehr im seit jeher hochbürokratisierten Deutschland, das in vielerlei Fragen immer etwas ängstlicher, aber dafür und dadurch auch oft – das muß man eingestehen – sorgfältiger und akribischer vorgeht als andere."
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Interessant: also ich habe das 2015 gerade umgekehrt erlebt.
Schon vergessen?
Oder ist das nun die rechte Variante einer bipolaren Beziehung zu den "Fakten"?

Ansonsten: es wäre schön, wenn das alles nur ein gruppendynamisches Phänomen wäre. Zwischenfrage: war die Grenzöffnung auch nur von daher zu erklären?

Der Artikel redet sich die Realität mE schön, damit sie erträglich wird. Wichtige Anhaltspunkte dafür, dass hier sehr wohl eine Art Verschwörung im Gange ist, umgeht er einfach:
Dass dieses Coronaszenario sowohl von der Bundesregierung als auch von einer amerikanischen Universität, die seltsamerweise immer im Spiel ist derzeit, wenn es um angebliche "Fakten" geht, der Gates-FOundation etc. vorausgespielt wurde (Event 201) - wer das nicht seltsam findet, der sollte mir erklären, wie man das mit Gruppendynamik erklären will.
Dass der Herr Drosten sowohl im bereits schon einmal erfolgten Schweinegrippen-Drama, das keins war, völlig versagt hatte, nun ausgerechnet jetzt wieder der Hauptakteur in Sachen falscher Beratung ist (https://www.achgut.com/artikel/bericht_zur_coronalage_07.04.2020_unsere_coronaprofis). Ob das wohl einfach nur Gruppendynamik ist?
Dass bewusst Zahlen gefälscht und verzerrt werden, die erforderlichen Studien NICHT durchgeführt wurden und damit eine beruhigende Erkenntnis über das Virus unterblieb? Soll das alleine der Gruppendynamik geschuldet sein?
Dass Gates in der ARD eine wirklich wahnhafte Idee verbunden mit einem wahnhaften Machtanspruch ("Wir werden 7 Milliarden Menschen impfen"), und verbunden mit der offenen Ankündigung, diesen Impfstoff nicht ausgereift auf den Markt zu bringen - macht ja nichts, wenn dabei Menschen draufgehen oder dauerhaft geschädigt sind, ohne dass es Rückfragen vom Moderator oder eine Erklärung aus Berlin für diesen kryptoweltherrschaftlichen Auftritt eines Oligarchen im deutschen Fernsehen gäbe.

Nee - also wer es sich so einfach macht und alles auf verstehbare Filterblasendynamiken zurückführen will, die womöglich auch noch gut gemeint sind, wird vielleicht kalt eingeholt von der Realität. So irrational wir alle sind, so sehr stinkt dieser Coronazirkus zum Himmel. Es kann zwar durchaus sein, dass auch noch ein paar der genannten sozialpsychologischen Strukturen mit gewuchert sind, aber die vielen, vielen Fragen, wo etwa das Parlament bleibt, wieso man eine hochgefährliche Maskenpflicht für nichtinfektiöse Menschen einführt, die nicht nur extrem unhygienisch und gefährlich für den Träger, sondern auch gefährlich für alle Menschen mit Hyperventilationssyndromen oder allergischen oder chronischen Atemwegserkrankungen ist, gerade die vielen Allergiker ist, die derzeit mit Blütenstaub kämpfen und schon so kaum Luft bekommen - auch hier wieder hat man die Auswahl zwischen Dummheit und Bosheit, in jedem Fall aber schlimmster Fahrlässigkeit der Regierenden.
oder wie erklärt man sich sozialpsychologisch, dass diese Regierung ignoriert, dass Herr Streeck nirgends in infektiösen Haushalten auch nur ein einziges Coronavirus auf den Oberflächen oder in der Luft nachweisen konnte, ein Befund, den übrigens auch Püschel für die Obduktionsräume angeblicher Coronatoter so angab: sie hätten nirgends dieses Virus auf Oberflächen oder in der Luft gefunden. Wenn das aber so ist - wieso kommt man den Leuten jetzt, nach Wochen, mit dieser pathologisch zu beargwöhnenden Maskenpflicht? Will man sie so erniedrigen? Ihnen drastisch suggerieren, wie gefährlich es immer noch sei - auf Kosten der intimsten Freiheitsrechte des einzelnen und unter Inkaufnahme schwerer Gesundheitsbeeinträchtigung vieler?

Sie sehen: dieser Artikel ist unbefriedigend, weil er ebenfalls wichtige Fragen nicht stellt, die aber notwendig gestellt werden müssten, wenn man sich zu diesem Thema äußern will.

Beate Bahner verzweifelt vermutlich an diesen Hin- und Herschraubereien, die das tiefere und dringlichere Problem völlig ignorieren und reagiert darauf mit schwärzestem Sarkasmus.

Gracchus

22. April 2020 23:16

Zu Bahner: Wie sie die Sache schildert, lag weder Eigen- noch Fremdgefährdung vor, und die ganze Massnahme war rechtswidrig. Dafür spricht auch, dass sie nach 24h wieder raus war. Was die Polizisten, die, das darf man nicht vergessen, auf ihre Bitte hin gerufen worden waren, da geritten hat? Übereifer? Unabhängig davon wirkt Bahners ganzes Verhalten reichlich bizarr. Jetzt lese ich, sie distanziere sich. Von ihr geht gewiss keine politische Gefahr aus. Dass ihr Antrag vor dem BVerfG keinen Erfolg haben konnte, hätte jeder Zweitsemester sagen können, und selbst wenn sie jahrzehntelang nichts mit Ö-Recht beruflich am Hut hatte - es setzt sich dich kein Anwalt hin und haut einfach so was raus, ohne vorher im Kommentar nachzuschlagen.

M. E. wieder ein wohltuend differenzierter Beitrag, und ich teile insbesondere Sanders Ansicht, dass das, was passiert, sozusagen in der Systemlogik liegt. Verschwörungstheoretische Hypothesen muss man gar nicht bemühen - sofern man nicht System und Verschwörung synonym gebraucht.

Leider verstärkt sich der Eindruck, dass viele deutsche Bürger den neuen obrigkeitsstaatlichen Stil begrüßen, ja total darauf abfahren.

Und wiederum der Eindruck: Viele würden den Lockdown noch gerne fortsetzen. Die Gründe hierfür nennt indirekt @Rosenkranz.

micfra

23. April 2020 00:19

Sehr guter Artikel, der bei mir offene Scheunentore einrennt. Ergänzend möchte ich nur, dass die AfD ein denkbar schlechtes Bild als Opposition abgibt. Und das nicht nur wegen Meuthens liberalen Putschversuches, auch aus MV hört man von der AfD nur, in der Krise gibt es keine Opposition. Die Berliner AfD trat und tritt für Lockerung bei Maskenpflicht ein u.s.w. Der mitteldeutsche Psychoanalytiker hat sich auch zu Wort gemeldet mit einem bemerkenswerten Artikel:
https://www.rubikon.news/artikel/die-corona-religion

Laurenz

23. April 2020 00:43

@Rosenkranz .... mit Verlaub, Unfug. Entscheidend für das Überleben eines Menschen ist der Zustand seines Immun-Systems. Ist dieser Zustand schlecht, bleibt jede Krankheit gefährlich. Nachwievor sind die Sterbe-Raten/Zahlen total lächerlich. In Anbetracht viel gefährlicherer Krankheiten mit einer wesentlich höheren Todesfolge, dürften wir nie mehr irgendeinen Laden aufmachen, geschweige noch irgendetwas arbeiten. Nicht den Artikel Herrn Bosselmanns gelesen? Das Leben endet so oder so immer tödlich. Daran ändert auch ihre Angst vor dem Tod nichts, auch nicht um eine Haaresbreite.
Und wären mehr Tote nicht Klima-freundlich oder was wollte uns das Oma-Umwelt-Sau-Lied des WDR denn sonst uns sagen, wenn nicht alte Leute "sterbt" endlich......

Heinrich der Seefahrer

23. April 2020 07:46

Nach einer Infektion mit dem (banalen!?) Influenza A-Virus kann man 6 bis 8 Wochen sich unheimlich schlecht, eben krank fühlen und krank sein, man kann eine Herzmuskel-entzündung kriegen und sogar als jüngerer Mensch daran sterben.
Die Domäne dieser Atemwegserkrankungen ist die Winterzeit bis Ende April. Dann schwindet deren Virulenz (und im Sommer kommt dann übrigens der Verdauungstrakt mit seinen Viren dazu.) Krankheit hat eine physische und eine seelische Dimension und eine soziale, was schon Rudolf Virchow erkannte.
Wir können annehmen, dass dies auch mit diesem neuen Atemwegs-Virus so läuft…. Und das ist nach meiner Ansicht die einzige reale Chance zur langsamen Beendigung der angeordneten Maßnahmen des Staates und seines Machtapparates.
Florian Sander beschreibt stringent und überzeugend die sozialpsychologischen Phänomene mit und ohne Verschwörungstheorien. Was lässt sich jedoch aus allem nach der Krise folgern? Ist jemand dann verantwortlich zu machen aus dem Kreis der sogenannten Führungselite, der Wissenschaftler, der ehrenamtlichen Observationskräfte, der willigen Staatsbürger? Können die unreflektierten Maßnahmen bei der nächsten (Grippe) Welle verhindert werden? Haben Schweingrippe-Pandemie, Bankenkrise, Asylkrise 2015 irgendetwas im Reaktionsmuster des Staates verändert?
In seinem Schlussplädoyer versucht Florian Sander sozialpsychologisch gesehen, dem ganzen einen Sinn, eine Perspektive, ein Stück Hoffnung zu geben, mit Verweis auf eine starke(?) Opposition. Es mag tröstlich sein, wenn wir Ozeanien hinter uns lassen könnten oder mit Guy Montag neu anfangen würden.

zeitschnur

23. April 2020 11:02

Hier noch ein Beitrag, der sich nicht in gepflegter Theorieanalyse ergeht (s. Link), sondern die notwendigen Fragen stellt, auch solche gesundheitspolitischen, wie es etwa kommt, dass seit "Corona" die KH Leerstände haben oder angeblich 40% weniger Herzinfarkte passiert sein sollen, notwendige OPs nicht mehr gemacht werden etc.
Das heißt, im Schutzschild von "Corona", das leider nicht stattfindet (woher sonst die leeren Intensivbetten?!), gefährdet man nun vorsätzlich Menschenleben in allen möglichen anderen Krankheitsgeschehen. Auch alles bloß Gruppendynamik? Oder, @ Gracchus - wenn das System nicht verschwörerisch handelt, muss es von so unsäglich dummen, ignoranten und fahrlässigen Menschen besetzt sein, dass Sie mir erklären müssen, wie es kommt, dass Herr Sander meint, der Deutsche sei halt ganz besonders vorsichtig und besonnen.
Aber ich sag Ihnen was: Um mich herum höre ich immer mehr Menschen sagen, dass sie in Zukunft nur noch im äußersten Notfall zum Arzt oder gar in ein KH gehen. Und sehr viele davon haben Angst, in den Fängen geistesgestörter Gesundheitsfaschisten für irgendetwas abgestempelt zu werden, das sie für immer ihrer Gesundheit und Freiheit berauben könnte.
Es ist wirklich ernst. Als Buchtipp hier vielleicht von Juli Zeh "Corpus Delicti", eine Dystopie über den kommenden Gesundheitsfaschismus, den sie als Juristin offenbar vorausgeahnt hatte, als sie 2010 den Roman schrieb.

https://www.youtube.com/watch?v=wpIprNzn_mY

Lotta Vorbeck

23. April 2020 11:31

@micfra - 23. April 2020 - 00:19 AM

Der mitteldeutsche Psychoanalytiker hat sich auch zu Wort gemeldet mit einem bemerkenswerten Artikel:
https://www.rubikon.news/artikel/die-corona-religion

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Die Corona Religion - Robert Stein im Gespräch mit Dr. Hans-Joachim Maaz

https://youtu.be/hyNglctkUFk

NuoViso.TV

Am 21.04.2020 veröffentlicht

Der Psychiater und Psychoanalytiker Dr. Hans-Joachim Maaz gehört zu den wenigen mutigen Menschen in dieser Zeit, die offen über ihre Beobachtungen der Pandemie sprechen.
Im Gespräch mit Robert Stein geht er auf mögliche Ursachen einer immer stärker um sich greifenenden Hysterie ein, deren Gründe sehr vielschichtig sind.

Zum einen kritisiert er die Rolle der Medien, die spätestens ab 2015 auf eine strikte Verteidigung des Regierungshandelns eingeschwenkt sind. Was damals unter dem Stichwort „Humanität" als moralische Waffe eingesetzt wurde, um kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen, ist heute der „Gesundheitsschutz". Dazu braucht es eine Berichterstattung die sich an Angsteinflößung orientiert und daher einen ständigen hohen Panikpegel benötigt, denn sonst wären ja alle derzeitigen drastischen Maßnahmen fragwürdig. Alle anderen kritischen Themen wie Klima, Umwelt, Migration, Energie, Finanzen etc. gibt es nicht mehr, sondern nur noch Bilder von Intensivstationen in Krankenhäusern, Särgen und Mangel an Schutzkleidung. Diese einseitige und vollkommen falsche Berichterstattung fördert diese Massenhysterie und -panik noch mehr. Gleichzeitig werden alle Stimmen und Fakten, die entängstigend wirken, gnadenlos von einer völlig eingeschüchterten Bevölkerung niedergemacht.

Dr. Maaz sieht diese Panik aber auch als ideales Werkzeug um alle verdrängten und unterdrückten eigenen Angst- und Bedrohungsgefühle aus der eigenen Lebensgeschichte wiederzubeleben. So kann jetzt alles wunderbar auf das Virus übertragen werden mir der irrigen Hoffnung, mit einem siegreichen Kampf gegen die Infektionsgefahr alle aufgewühlten Sorgen wieder beruhigen zu können, beziehungsweise gelöst zu haben.

Unsere Gesellschaft verwandelt sich mit so unglaublich großer Geschwindigkeit in eine Richtung, die die Wenigsten auch nur ansatzweise für möglich gehalten hätten.

MARCEL

23. April 2020 13:08

Die berechtigte Fundamentalkritik an der Regierung Merkel darf nicht bei der postulierten Harmlosigkeit dieses Coronavirus ansetzen, sondern muss ihren Ausgangspunkt beim jahrelangen Rückbau der deutschen Infrastruktur (auch im Bereich Gesundheit) nehmen. Nur von dort lässt sich das "Wegsperren", das uns auferlegt ist erklären.

Franz Bettinger

23. April 2020 13:45

Der häufigste und gravierendste Fehler sowohl der Polizei als auch des Dienst habenden, aufnehmenden Psychiaters (der oft Anfänger ist) - ist das Unterlassen einer Fremd-Anamnese. Die Befragung des Umfeldes des psychisch zu Beurteilenden ist der verlässlichste Schlüssel zum schnellen Erfassen des Geschehens. Skandalöser Weise wird darauf in der Psychiatrie tage- ja wochenlang verzichtet und die Menschen (mit einer "freiwlligen Selbsteinweisung") für 6 bis 8 Wochen entmündigt / kaserniert. Dies sind (als Arzt) meine eigenen Erfahrungen mit Psychiatrien. Erbärmlich!

Die meisten psych. Ausnahmezustände („Erkrankungen“) beginnen schleichend und nicht plötzlich; sie kündigen sich an. Deshalb ist die Befragung z.B. des Hausarztes und der Angehörigen so eminent wichtig. Bei einer Frau wie Frau Bahner, die bisher nie psychisch auffällig wurde und bis zum Vortag noch ihren Mann im Beruf gestanden hat, ist die Annahme einer plötzlichen Verrücktheit geradezu eine Ungeheuerlichkeit. Auf so einer Gummi-Grundlage könnte man jeden in eine Zwangsjacke stecken. Im Zweifel gegen die Zwangseinweisung! Ja, selbstverständlich! Wenn das für die Verantwortlichen keine disziplinaren Maßnahmen nach sich zieht, dann gute Nacht! Dr. Rafael Bonelli sieht (in dem von @t.gygax verlinkten Interview ab 22’38 bis etwa 32') „keinen psychiatrischen Fall“ in Beate Bahner.

Wie allerdings Audio-Botschaft an die Schwester und die spätere Verleugnung derselben zu erklären sind, steht auf einem anderen Blatt. Ich denke, die Frau will einfach ihre Karriere überleben und deshalb der etwas beschämende Abgang. Doch wer weiß?

@Laurenz (00:43): wieder mal erfrischend + unschlagbar kurz und kräftig!

Nordlicht

23. April 2020 14:50

Die Causa "Bahner" ist m.E. nicht geeignet, über "Gruppendenken, Überreaktionen, Ängstlichkeit" zu reflektieren.

Es waren auch nicht ihre inhaltlichen oder juristischen Äusserungen, welche zu der kurzfristigen Verbringung in die Psychiatrie führten, sondern ihr erratisches Verhalten. Nach den Psychiatrie-Gesetz BaWü kann und muss die Polizei sie dorthin und einem Arzt zuführen, wenn Gefährdung (- selbst oder anderer) gesehen wird. Dort wurde Frau Bahner fachmedizinisch untersucht, nach einem Tag und der gesetzlich vorgesehenen Prüfung durch einen Richter auf freien Fuss gesetzt. (Ihr "Widerstand gegen die Staatsgewalt" dürfte keine Bestrafung nach sich ziehen, weil die Fachmedizinerin ja gerade momentane Unzurechnungsfähigkeit attestiert hatte.)

Was die "unzweifelhaft drastischen Reaktion des Staates (bzw.: der Staaten)" angeht, sehe ich zunächst - bis Mitte März - vorwiegend Versäumnisse von Regierung und Behörden - Verharmlosung, zu späte Grenzkontrollen und unterlassene Gesundheitstests bei Flugreisenden aus Infektionsgebieten etc. Die Mängel an Ausrüstung und Katastrophenschutz-Plänen sind evident.

Kurz gesagt: Die Regierung mit ihren Beratern war und ist in grossen Teilen ahnungslos und konzeptlos. Das ist jedoch keine deutsche Besonderheit, sondern fand und findet sich (- wie man in den internationalen Medien sieht) in allen Ländern. In Variation des Merkel-Wortes: "Das ist für uns alle Neuland." Das hätte nicht sein müssen, aber es war und ist offensichtlich in vielen Ländern so.

Eine "Überreaktion" sehe ich seitdem bekannt ist, dass die Kliniken gähnend leer sind und die befürchteten Massen an nach Beatmung flehenden Patienten keineswegs in die Intensivstationen strömen. (Das scheint anderswo schwieriger zu sein, in Spanien und Frankreich mit über 7.500 bzw. 5.000 "serious cases" (- D: 2.900). Schweden und Schweiz melden anteilig ebenfalls mehr ernste Fälle und auch Tote. (Ich unterstelle nun einmal, dass die veröffentlichten Daten der Grössenordnung nach stimmen.)

Seitdem bekannt ist, dass der vielzitierte Ausbreitungsfaktor R unter 1 ist, stellt sich die Frage nach der "Überreaktion" täglich dringender. Die Regierung Merkel macht entgegen den früheren eigenen Kriterien mit den Restriktionen weiter und kann mE nun keine Naivität mehr geltend machen. Der CDU hat ja der Corona-Aktivismus seit Mitte März Pluspunkte in den Wählerumfragen gebracht, was Merkel dazu veranlassen könnte, dies Spiel mit der "Ängstlichkeit" der Bürger und dem Vertrauen auf die bewährte Kanzlerin weiter zu treiben. Aus CDU-Sicht optimal wäre wohl, das Ganze bis zu nächsten Bundestagswahl Sept. 2021 zu verlängern, nächste Kanzlerin wäre dann wieder Merkel. Das wäre für mich die Apokalypse.

Die Geduld des Volkes hat jedoch mE Grenzen, und das dürften nach einer Normalisierung in den nächsten 4 Wochen verlangen (- mit Ausnahme von Großveranstaltungen). Dann, so ist zu hoffen, gibt es genügend Zeit für die Oppositionspartei, die Vorgänge kühl-analytisch aufzuarbeiten und gute Argumente gegen die Ganzgrosskoalition zu entwickeln.

Gotlandfahrer

23. April 2020 15:36

Danke Herr Sander für den fundierten, informativen und mich sehr überzeugenden Beitrag.

In der Tat vermisse auch ich derzeit den Gesang der AfD, der so langsam wieder anschwellen könnte.

Gracchus

23. April 2020 16:32

@zeitschnur
Wie sieht denn ihre Verschwörung und ihre Definition von Verschwörung aus? Unterliegen Verschwörungen nicht sozialpsychologischen Faktoren? (Als spiritueller Mensch glaube ich indes an das Wirken dämonischer Kräfte, diese wirken dann aber auch auf kaum beobachtbare Weise in das sozialpsychologische Feld hinein - ich weiss aber nicht, ob Sie derlei meinen.)

Die Analyse Sanders ist m. E. weder schön noch einfach. Denn solche Dynamiken, sind sie erstmal am Laufen, können kaum mehr gestoppt werden, weil sie eigene Verstärker-Schlaufen ausbilden. Damit, dass die Analyse mit mehreren Akteuren, die trotz unterschiedlicher Ziele zusammenwirken, rechnet, rechnet sie auch mit Komplexität.

tearjerker

23. April 2020 17:39

„Die Nachrichten zur Krise und vor allem zu den restriktiven staatlichen Maßnahmen überschlagen sich.“
Die Medien machen die Story und hetzen die Bevölkerung untereinander auf. Ansonsten: Kaum Opfer der Pandemie und zum Ausgleich die Vernichtung der Lebensgrundlagen von Milliarden, was bisher immer der Ausgangspunkt für Massenmord und Weltenbrand war. Eine Farce, in der Autoren und Darsteller mangels echter existentieller Herausforderungen diese einfach spielen um dabei das ganze Theater abzufackeln, denn es soll ja möglichst realistisch rüberkommen.

Andreas Walter

23. April 2020 17:47

Vor die Aufgabe gestellt sich zu wehren und zu schützen, was ist (derzeit) schwieriger?

Sich vor dem Virus zu schützen, sich vor dem eigenen Staat zu schützen, sich vor einem anderen Staat oder Interessenverband (im weitesten Sinne) zu schützen oder vor einer Gesellschaft ausser Rand und Band, einem Lynchmob , Bürgerkrieg oder Revolution gleich?

Die Antwort ist erschreckend und zugleich einfach.

Corona ist daher nicht das Problem. Corona ist nur ein Trigger, meine Name ist deine Furcht vor mir. Oder wie Oppenheimer sagte:

"We knew the world would not be the same. A few people laughed, a few people cried, most people were silent. I remembered the line from the Hindu scripture, the Bhagavad Gita. Vishnu is trying to persuade the Prince that he should do his duty and to impress him takes on his multi-armed form and says, »Now, I am become Death, the destroyer of worlds.« I suppose we all thought that, one way or another."

https://youtu.be/NEQV8hN0Knc

Ratwolf

23. April 2020 18:04

Der Artikel ist ein Gewinn

Ein Badener

23. April 2020 18:21

@RMH
Ich möchte hier ein paar fachliche Ergänzungen hinzufügen:
- Nein, Sie stehen als Unternehmer nicht mit einem Bein im Knast, wenn sich Ihr Liquiditätsengpass als doch nicht gravierend herausstellt. Hintergrund ist, dass zumindest in Baden- Württemberg, der Zuschuß steuerbar ist und "schlimmestenfalls" zurückgezahlt werden muss.
- Der Hinweis das keine Lohnkosten reingerechnet werden sollen/dürfen, bringt doch dem Unternehmer nur den Vorteil das er bei einem Kleinbetrieb die vollen 9000€ zur Bewältigung seiner Fixkosten verwenden kann und daraus nicht auch noch die Löhne zu zahlen hat.
Zu Ihrer Vermutung:
Ja, wenn Sie Ihre Mitarbeiter nicht bezahlen können, schicken Sie diese in Kurzarbeit und feuern sie diese nicht gleich, Sie könnten diese später noch brauchen.
Und nochmal ja, die Beitragssätze dürften in Zukunft steigen. Ob gegebenfalls höhere Beitragssätze oder mehr Arbeitslose besser oder schlechter sind, beurteile jeder für sich selbst.
Zur Politik-/Bankenkritik:
Wenn Sie mit den Krediten über Ihre Bank üblicherweise Sachwerte angeschafft haben, dann freut sich Ihre Bank tatsächlich wenn Sie Ihren Kredit auch zurückzahlen. Denn diese ist für Sie ja auch in Vorleistung getreten.
Weiter gibt es dann auch noch Verpächter, Telefon- und Strombanbieter, Anbieter von Zeitschriftenabos, und und und... und alle finden es gut wenn Sie Ihren vereinbarten Verpflichtungen nachkommen. Wenn nötig auch mit einer Liquiditätshilfe vom Staat vielmehr des Steuerzahlers.
Und zu Ihrem Besten möchte ich noch folgendes Anmerken.
Soll der Zuschuss denn etwa steuerfrei sein?
Einfach so mal 9000€ mitnehmen und sich des Tages freuen? Wenn Sie ein positives Betriebsergebnis haben, zahlen Sie selbstverständlich steuern, wenn Sie mit den 9000€ "Sachen" bezahlen, zahlen Sie auch damit Steuer, auch wenn es nur die Umsatzsteuer ist.
Welchen Subventionsirrsinn soll die AfD denn in der Hinsicht unter die Lupe nehmen?
Ich bin garantiert kein Freund dieser Regierung, aber ich glaube Sie haben keine Vorstellung wie vielen Kleinunternehmern, Gastronomen und Selbstständigen diese 9000€ den Allerwertesten gerettet haben.

zeitschnur

23. April 2020 19:40

"Es ist keine Frage, daß jemand, der beispielsweise blutrünstige Killer halluziniert, die nicht da sind, als psychotisch gelten muss. Aber wie sieht es aus, wenn man überall Verschwörungen wittert, ohne dabei Halluzinationen zu haben? Sie einfach sicher erwartet, sie aber nicht direkt „vor sich sieht“? Hier bewegt sich auch jeder professionelle Beobachter in einer Grauzone der Bewertung, in der letztlich gelten muß: Im Zweifel gegen die Zwangseinweisung – so abstrus einem manche Theorien über eine flache Erde oder Echsenmenschen auch scheinen mögen. Aber: Es ist massiv zu bezweifeln, daß auch alle Profis dieses feine, aber doch so wichtige Differenzierungsvermögen an den Tag legen - von Polizisten, die nun einmal meistens psychologische Laien sind, ganz zu schweigen."
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Diese Sätze fand ich schon beim ersten Lesen des Artikels extrem oberflächlich und irgendwo auch übergriffig, obwohl sie Zurückhaltung einer Übergriffigkeit suggerieren. Vielleicht weil sie sich trotzdem mit einer gewissen Überheblichkeit über Meinungen und Positionen anderer stellen.

Es ist absolut zweifelhaft ob jemand, der sich von Killern verfolgt fühlt, wirklich als "psychotisch gelten muss". Die Unterstellung, dass er ja nur halluziniere, müsste erst einmal zweifelsfrei bewiesen werden, und da fängt es ja schon an.

Wir haben aus der unseligen Pädophiliegeschichte gelernt, wie man jahrzehntelang Kindern nicht geglaubt hatte, dass sie missbraucht würden, weil man ihre Erzählung von vornherein als Lüge, Einbildung oder Wahnvorstellung abtat.

Ob und inwieweit jemand, der sich etwa verfolgt fühlt, nur halluziniert oder zutreffend ist, sollte man nicht so einfach unterscheiden wollen. Wir haben zB bei dem mutmaßlichen Täter von Hanau diese Information, er habe sich von einem Geheimdienst verfolgt gefühlt, der nur Merkel und dem Verfassungsschutz bekannt sei.

Man konnte etwa folgendes über ihn in der Mainstreampresse lesen. Ich zitiere etwas länger - damit man klarer sieht, wie schwer es ist, hier solche oberflächlichen Gewissheiten zu entwickeln, die alleine schon durch die Darstellung forciert werden, aber bei genauem Hinsehen unzutreffend sind:

"R. folgt in seinen Ausführungen immer wieder der gleichen Logik: Er hat aufgrund seiner außergewöhnlichen "Gehirnkapazität" besondere Gedanken, die von einer Geheimorganisation überwacht und anschließend umgesetzt werden. Davon fühlt er sich gleichzeitig geehrt und bedroht. Nach eigenen Angaben hat er 2002, 2004 und 2019 bei verschiedenen Polizeidienststellen Anzeigen wegen illegaler Überwachung gestellt, die aber ohne Ergebnis blieben. Außerdem habe er sich an verschiedene Privatermittler gewandt und Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft in Hanau und beim Generalbundesanwalt in Karlsruhe eingereicht.
Seine "Überwacher" seien Deutsche mit starken Verbindungen in die USA. Ihr Vorgehen stehe in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Kalten Krieg. Allerdings will R. an sich selbst auch körperliche Verletzungen "satanischen Ursprungs" festgestellt haben. Ähnliche Aussagen finden sich auch in dem Video, das er wenige Tage vor den Hanauer Todesschüssen auf Youtube veröffentlichte. Darin spricht er auf Englisch von unterirdischen Militäreinrichtungen in den USA, in denen Kinder misshandelt und getötet würden. Dort würde auch dem Teufel gehuldigt.
Zu Beginn seines Manifests entwirft der 43-Jährige, der nach seinen Bluttaten auch seine Mutter und schließlich sich selbst getötet hatte, ein komplexes rechtsradikales Gedankengefüge. Darin stellt er einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem "schlechten Verhalten bestimmter Volksgruppen" und deren "kompletter Vernichtung" her. Das betreffe: "Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten, Israel, Syrien, Jordanien, Libanon, die komplette saudische Halbinsel, die Türkei, Irak, Iran, Kasachstan, Turkmekistan (sic), Usbekistan, Indien, Pakistan, Afghanistan, Bangladesh, Vietnam, Laos, Kambodscha bis hin zu den Philippinen." R. benutzt Begriffe wie "Säuberung" und "reinrassig", die er anschließend mit religiösen Ideen wie der Wiedergeburt und eines Paradieses auf Erden verbindet. Den Islam schließt er als "destruktiv" aus.
Folgen:
Ausdrücklich geht er auf das Thema "Frauen" ein. Mehrfach betont der Mann, der nach den Angaben auf seiner Webseite Bankkaufmann gelernt und ein BWL-Studium abgeschlossen hatte, dass er nie eine feste Freundin hatte. Er begründet das mit seinen besonders hohen Ansprüchen, vor allem an das Äußere seiner Partnerin. Der deutsche Politikwissenschaftler Peter R. Neumann schrieb bei Twitter, für ihn sei der Mann ein sogenannter Incel. Diese sogenannten "Involuntary Celibates", unfreiwillig Enthaltsamen, hassen Frauen. Sie fühlen sich als Opfer, weil ihnen weibliche Liebe, Intimität und Sex aus ihrer Sicht vorenthalten werden. Gleichzeitig werden Frauen im Bestreben nach Überlegenheit entmenschlicht.
Diese verschiedenen Argumentationsketten führt R. in dem Schluss zusammen, dass er handeln müsse, wie er es getan habe. An anderer Stelle verweist er in dem Dokument auf seinen schriftlichen Nachlass, was zumindest den Schluss zulässt, dass er mit der Ermordung mehrerer Menschen öffentlich wahrgenommen werden wollte."

https://www.n-tv.de/politik/Hanauer-Taeter-fuehlte-sich-als-Genie-article21589873.html

Dieser Text strotzt nur so von Voreingenommenheiten und unzulässigen Bewertungen und Interpretationen und vor allem groben Fehlschlüssen.
Ich schicke gleich voraus, dass den mutmaßlichen Täter hier nicht verteidige, sondern versuche, mit den vorhandenen Information sorgfältig und fair umzugehen.

Wer das so liest, sagt manipuliert: ja klar, der Typ war doch verrückt und rechtsradikal auch noch.

Der Informationsgehalt des Textes ist jedoch mehr als dünn, wenn es um Faktisches geht:

Er hat sich seit Jahren verfolgt gefühlt, schrieb sich selbst besondere Gehirnleistungen zu und vermutet einen satanistischen Hintergrund.
Nun wird hier nirgends der Frage nachgegangen, ob er tatsächlich außergewöhnliche Gehirnleistungen aufwies, die man rekonstruieren könnte. Das müsste aber getan werden, bevor man vorschnell urteilt.
Da es unzweifelhaft MKUltra-Projekte seit Jahrzehnten gab und gibt (vgl. dazu das sehr gut recherchierte Buch von Dr. Marcel Polte), in denen ebenso unzweifelhaft satanistische Hintergründe neben vielem anderen im Spiel sind, können wir NICHT sagen: Nur weil er sagt, er sei davon geprägt worden, hat er eine Psychose. Es kann sein, was er sagt - wer hat das denn sauber recherchiert und überprüft? Niemand. Man macht es sich verdammt leicht. Und tatsächlich ist das MKUltra-Treiben bekannt für Kindesmissbrauch, Satanismus und Persönlichkeitsspaltung und -steuerung von außen durch Gedankenkontrolle.

Die Behauptung, er sei "rassistisch", kann ich in dem, was hier berichtet wird, nicht als bewiesen ansehen. Seine Wut und Vernichtungsabsicht gegen bestimmte Länder basieren hier nicht auf klaren "rassischen" Kausalitäten, sondern offenbar auf der Basis eine moralischen Verkommenheit dieser Länder. Er scheint nicht ausgesagt zu haben, dass diese Länder aufgrund einer rassischen Verfasstheit so verkommen seien. Warum er sie als verkommen ansieht, klärt der Artikel nicht, sondern suggeriert nur einen "rassistischen" Hintergrund. Die Rede von einem Paradies und Rassenreinheit gehört offensichtlich in einen anderen gedanklichen Kontext, den der Text einfach nur zusammenmontiert mit dem Hass auf bestimmte Länder, der aber beim "Täter" nicht besteht bzw bestehen muss. Das Gerücht von den unterirdischen Militäranlagen, in denen Kinder gefoltert und missbraucht würden, ist inzwischen so stark im Umlauf, dass ich vorsichtig bin mit einer Einschätzung. Es ist im Bereich des Denkbaren und Möglichen, dass da was dran ist. Man muss es offen lassen. Die massiven schwersten Verbrechen des militärisch-medizinisch-industriellen Komplexes v.a. der USA sind vielfach nachgewiesen und sprengen - ähnlich wie der Holocaust - zwar das harmlose Denken eines Normalbürgers, sind aber dennoch grausige Wirklichkeit und haben inzwischen zahlreiche Weltteile total verwüstet.
Es ist sehr gefährlich, alle Überbringer der wahren Zusammenhänge als "psychotisch" abzuqualifizieren.
Es wäre erst noch zu prüfen, was bei dem Hanauer Täter wahr und was falsch ist. dass sein Zorn auf bestimmte Länder in einer Schischabar zum Ausbruch kam, mag man ja noch irgendwie "verstehen", aber wieso geht er heim und tötet seine Mutter? Und warum sperrt man postwendend den grünen Vater in eine Psychiatrie (auch her wieder dieses Motiv!)?
Der Reinheitsanspruch des mutmaßlichen Täters gegenüber Frauen würde zu einer frühen Traumatisierung ja durchaus passen.
Das alles stinkt doch zum Himmel!

Was dann im Artikel noch die "Theorien über eine flache Erde" und "Echsenmenschen" sollen, muss man zurückfragen. Der Autor montiert das suggestiv auf dieselbe Ebene wie das Sichverfolgtfühlen ohne Sichtbarkeit für andere.
Ersteres ist schlicht eine andere Meinung im Bezug auf die Weltgestalt. Das ist legitim und wird seit Jahrhunderten von Vertretern derselben teilweise sehr gut begründet, aber ausgegrenzt. Es ist das Problem des Autors, wenn er Dingen, die sich seiner wissenschaftshistorischen Ignoranz entziehen, das Etikett "abstrus" aufklebt. Es haben sich schon öfters wissenschaftliche Narrative vollkommen umdrehen müssen. Die Idee, es gäbe Echsenmenschen war mir selbst lange gänzlich unbekannt. Ich glaube daran nicht, weil für mich alle Menschen von Gott geschaffen sind als Menschen. Aber was ist mit unserer tierischen Mitkommentatoren, die sich für Abkömmlinge von Urprimaten mit Affenschnauze halten? Ist das auch abstrus? Was unterscheidet das eine vom anderen? Und nein, die Affenschnauze ist kein "wissenschaftliches" Faktum, sondern genauso hypothetisch wie der Echsenmensch. Auch mein Glaube an die göttliche Herkunft des Menschen ist Glaube — ebenso wie die Affenschnauzen— oder Echsenmenschtheorie. Belügen wir uns doch bitte nicht selbst.

Ich hoffe gezeigt zu haben, dass es ausgesprochen schwierig ist, hier zu differenzieren. Sobald man glaubt, von außen beurteilen zu sollen, ob jemand psychotisch ist, wird es gefährlich. Legitim ist eigentlich v.a. wenn einer selbst kommt und sagt: ich habe ein Problem, helft mir.

Beate Bahner ist nach allem, was ich von ihr gehört habe, eine Frau, die mit einem sehr eigentümlichen und extremen Sarkasmus arbeitet. Das mag einem unsympathisch oder sympathisch sein: psychotisch ist das nicht.

Maiordomus

23. April 2020 20:04

Soeben habe ich von einem in Rechtsfragen sehr bewanderten Freund aus der Schweiz eine Warnung halten, wonach Kubitschek gemäss "Zeit" für den Verfassungsschutz ein "Verdachtsfall" sei.

Meine Antwort an denselben, unbeschadet von Kritiken, die ich nicht zuletzt auf diesen Kolonnen wahrgenommen habe: Geistig, moralisch, intellektuell, bildungsmässig und von der politischen Integrität würde ich Kubitschek und nicht zuletzt auch dessen Gattin dem gegenwärtigen Verfasssungsschutzvorsitzenden, einem unverdünnten Regierungsbeauftragten, welcher Maassen zu korrigieren habe, als überlegen einschätzen, um nicht zu sagen haushoch überlegen, was im Hinblick auf solche "Untersuchungen" natürlich als peinlich einzuschätzen ist. Ein Grund auch, warum ich meine Teilnahme an den hier geführten Debatten als sinnvoll einschätze. Auch denen hier gegenüber, mit denen ich mich durchaus auf nebst vielleicht fruchtlose auch auf immer wieder und mehrheitlich auf für mich anregende Streitgespräche einlasse. Auch den hier zur Debatte stehenden Artikel von Florian Sander finde ich zum Beispiel besonnen und lesenswert.

nom de guerre

23. April 2020 20:38

Ein beachtenswerter Artikel.

Unabhängig vom Geisteszustand der Beate Bahner fände ich im Übrigen eine juristische Überprüfung aller Corona-Maßnahmen dringend geboten – nicht nur wegen deren einschneidender Wirkung, sondern auch wegen der unbestimmten Dauer und der unklaren Kriterien für die Rückkehr in den Normalzustand. Ob es unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismäßigkeit zulässig ist, Pflegeheimbewohner (um nur ein Beispiel aus dem gesamten Komplex herauszugreifen) über Monate oder gar Jahre – Karl Lauterbach redet laut Tichys Einblick von einem Lockdown bis 2022 – von ihren Angehörigen abzuschirmen, erscheint zumindest fraglich. Die „Kollateralschäden“ dieses Vorgehens dürften auf der Hand liegen.

@ Rosenkranz

„Die Wirtschaft“ ist aber doch nicht nur die „Konsumparty“, die Sie gerne beendet sehen möchten, sondern das, wovon wir alle leben. Im Übrigen wird ja munter weiter konsumiert, nur nicht bspw. bei einem Gastwirt, dem gerade das ganze Frühjahrsgeschäft samt Übernachtungsgästen entgeht, sondern bei Amazon und Netflix. Ist das wünschenswert? Und außerdem ist es eben nicht „nur“ die Wirtschaft, die gerade lahmgelegt ist.

@ Maiordomus – off topic, aber vielleicht darf ich trotzdem

Habe das von Ihnen dieser Tage zum wiederholten Mal empfohlene Riesenrad von Volker Mohr gerade zu Ende gelesen. Es lohnt sich. Man kann das Buch nicht hellsichtig nennen, denn er be- oder umschreibt ja im Grunde nur die Lage, in der wir uns tatsächlich befinden, aber das macht er sehr gekonnt. Gleichzeitig muss ich feststellen, dass ich keines der Bücher, die ich bisher von Mohr gelesen habe und die fast alle u.a. die Brüchigkeit der Realität(swahrnehmung) thematisieren, so beklemmend empfunden habe wie dieses.

RMH

24. April 2020 07:10

@Ein Badener,

ich weiß aktuell nicht, wie die Formulare in Baden-Württemberg aussehen, aber in Bayern steht gefühlt an jeder zweiten Ecke die Drohung mit dem Subventionsbetruge. Und es geht nicht darum, dass etwas zurückzuzahlen ist, wenn die Liquidität sich wieder erwarten im Nachhinein (!) besser dargestellt hat (die Angaben müssen ja bei der Antragsstellung(!) zumindest richtig bzw. plausibel gewesen sein. Es geht darum, dass gerade am Anfang die Leute kaufmännisch ihre Liquidität berechneten und dabei selbstredend auch Personalkosten, die ja bei weitem nicht so unproblematisch via KuG abgepuffert werden können, wie Sie tun (bevor KuG greift, sind erst Überstunden und Urlaub zu bezahlen und dann muss erst Kurzarbeit einmal überhaupt wirksam im Betrieb eingeführt worden sein. So lange läuft also die Lohnuhr weiter, lässt sich noch ergänzen), einbezogen haben (zu Personalkosten stand in Bayern am Anfang auch nichts in der Richtlinie dazu, ebenso auch nichts in den Eckpunkten des Bundes) und später findet man im Kleingedruckten, dass der Personalaufwand nicht zu berücksichtigen sei (mittlerweile steht es sehr ausdrücklich an allen möglichen stellen, da dieses Thema ja mir nicht als einzigem aufgefallen ist).

Zusammengefasst: Es läuft das alte Spiel der Politik: Greife in die Sozialkassen, wo es geht, Steuern nur so einsetzen, dass man viel Eigenwerbung damit bekommt und man sie am Ende zurückholen kann oder möglichst wenige das Gnadengeschenk berechtigt erhalten können.

Dass es Kleinunternehmer "den Arsch gerettet" hat, wage ich nicht zu bezweifeln, aber bedenken Sie, dass auch hie die klare Regel gilt, der Zuschuss ist nicht für den Lebensunterhalt zu verwenden - da soll man dann Hartz IV für nehmen.... (oder man bekommt auf entsprechenden Druck durch vorhanden Lobby hin noch nachträglich irgendeine Sonderregelung durchgeboxt).

Zu diesem Punkt:
" ... nur den Vorteil das er bei einem Kleinbetrieb die vollen 9000€ zur Bewältigung seiner Fixkosten verwenden kann und daraus nicht auch noch die Löhne zu zahlen hat."

Das ist so nicht richtig, ich habe selber Schreiben von Krankenkassen gesehen, in denen diese bei einem Stundungsantrag für Sozialbeiträge deutlich schreiben, dass diese Zuschüsse zur Bezahlung der Sozialabgaben selbstredend heranzuziehen seien (jeder denkt eben nur an seine eigene Tasche).

Mein Fazit zu dem Thema:

Mit ganz heißer Nadel gestrickt, gut gemeint, aber am Ende ein Chaos und ein kleines Minenfeld.

Maiordomus

24. April 2020 07:47

@nom de guerre. Volker Mohr, in der Schweizer und süddeutschen Literatur ein totaler Aussenseiter, der aber seit Jahren konsequent seinen Weg geht, schreibt auf einem Niveau, das meines Erachtens heute in deutscher Sprache kaum ein Dutzend Autoren erreichen.

Götz Kubitschek

24. April 2020 15:13

badeschluß

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