Deutschland – nur noch Siedlungsgebiet?

von Felix Dirsch
PDF der Druckfassung aus Sezession 88/Februar 2019

 Gastbeitrag

Fremde Federn reichen Beiträge ein. Sind sie gut, bringen wir sie.

Die Kon­zep­tio­nen, die im west­li­chen Aus­land wäh­rend des Krie­ges zur Bestra­fung Deutsch­lands vor­ge­legt und dis­ku­tiert wur­den (unter ande­rem Kaufman‑, Nizer‑, Hoot­on- und Mor­gent­hau-Plan), waren für die deut­sche aka­de­mi­sche Geschichts­wis­sen­schaft stets ein hei­ßes Eisen.

Da die Ver­fas­ser dem Juden­tum ange­hör­ten, müs­sen deren Kri­ti­ker mit dem Anti­se­mi­tis­mus-Ver­dikt rech­nen. Wäh­rend die eta­blier­te His­to­ri­ker­zunft (auch aus die­sem Grund) zumeist ver­harm­lo­send von einer blo­ßen »Mor­gent­hau-Legen­de« (Bernd Grei­ner) gespro­chen hat, hal­ten ver­schwö­rungs­theo­re­ti­sche Krei­se sol­che Vor­stel­lun­gen schon per se für einen Ver­nich­tungs­feld­zug der ehe­ma­li­gen Kriegs­geg­ner Deutsch­lands, ohne die Wer­tig­keit zu prüfen.

Die Wahr­heit dürf­te eher im wei­ten Feld zwi­schen die­sen Extre­men lie­gen. Eine His­to­ri­sie­rung tut auch hier Not. Einen der geheim­nis­um­wit­ter­ten Plä­ne ent­nimmt man meist aus ver­schie­de­nen Denk­schrif­ten des Finanz­mi­nis­ters Hen­ry Mor­gent­hau jr. und sei­nes Umfeldes.

Der frü­he­re Her­aus­ge­ber einer land­wirt­schaft­li­chen Fach­zeit­schrift ver­trat die Über­zeu­gung, daß »Men­schen, die dem Boden nahe sind, dazu ten­die­ren, ein ruhi­ges und fried­vol­les Leben zu füh­ren«. Die­se Memo­ran­den reprä­sen­tier­ten im Sep­tem­ber 1944 wenigs­tens für kur­ze Zeit die amt­li­che Poli­tik. Haupt­ziel war bekannt­lich die voll­stän­di­ge Ent­in­dus­tria­li­sie­rung des Ruhrgebietes.

Die Umset­zung die­ser Inten­ti­on hät­te in ihrer Kon­se­quenz wahr­schein­lich den Hun­ger­tod für Mil­lio­nen Deut­sche bedeu­tet und wäre von Goe­b­bels’ pro­pa­gan­dis­ti­scher Über­trei­bung der Ver­wand­lung des Rei­ches in einen »rie­si­gen Kar­tof­fel­acker« nicht weit ent­fernt gewesen.

Die­ses Extink­ti­ons-Sze­na­ri­um war aber im Regie­rungs­ap­pa­rat Roo­se­velts aus unter­schied­li­chen Grün­den hef­tig umstrit­ten. Oppo­si­ti­on betrie­ben jene, die die Pro­duk­ti­ons­kraft des besetz­ten Deutsch­lands bewah­ren woll­ten, damit Repa­ra­ti­ons­for­de­run­gen erfüllt wer­den können.

Ande­re oppo­nier­ten aus Grün­den der Huma­ni­tät, gemäß der man nicht »Bru­ta­li­tät mit Bru­ta­li­tät« bekämp­fen dür­fe, wie es US-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Hen­ry Stim­son aus­drück­te, wie­der ande­re aus juden­feind­li­chen Moti­ven. Der Wider­stand nahm in der Mei­nung der Öffent­lich­keit grö­ße­re Aus­ma­ße an, als sie davon Wind bekam.

Die Washing­ton Post gei­ßel­te die eli­mi­na­to­ri­sche Absicht:

Von mil­lio­nen­fa­chem Erschie­ßen abge­se­hen, wird fast alles Erdenk­li­che vor­ge­schla­gen, um Deutsch­land und das deut­sche Volk zu zerstören.

Hin­zu­wei­sen ist aber dar­auf, daß es in der öffent­li­chen Debat­te auch nam­haf­te Befür­wor­ter des genann­ten Ent­wurfs gege­ben hat. In der deut­schen Nach­kriegs­pu­bli­zis­tik (Cas­par von Schrenck-Not­zing!) hat man nicht nur auf die fun­da­men­tal-destruk­ti­ven Ten­den­zen, son­dern vor allem auf die re-edu­ca­to­ri­schen Vor­schlä­ge hin­ge­wie­sen, die sich in der Gedan­ken­welt Mor­gent­haus und sei­ner »boys« finden.

Im Gegen­satz zu dem ein­fluß­rei­chen Regie­rungs­mit­glied Mor­gent­hau fun­gier­te der Anthro­po­lo­ge Ear­nest A. Hoot­on eher als Außen­sei­ter. Der Pro­fes­sor an der Har­vard-Uni­ver­si­tät streb­te danach, auf nach­hal­ti­ge Wei­se zu ver­hin­dern, daß von Deutsch­land je wie­der Gefah­ren aus­ge­hen könnten.

Er rück­te bio­lo­gisch-gene­ti­sche Vor­ge­hens­wei­sen in den Vor­der­grund, die ihm adäquat erschie­nen, Rück­fäl­le der Besieg­ten dau­er­haft aus­zu­schlie­ßen. 1943 ver­fass­te Hoot­on einen Arti­kel in der Zeit­schrift P.M. (Peabo­dy Maga­zi­ne, New York).

Er ist über­schrie­ben: »Breed War Strain Out of Ger­mans« (»Züch­tet den Deut­schen ihre Ver­an­la­gung zum Krieg ab«). Die sich in der Nähe des Ras­sen­vo­ka­bu­lars (»Breed«) befind­li­che Wort­wahl ist offen­kun­dig. Hoot­on geht unor­tho­dox an die Pro­ble­ma­tik heran.

Über­blickt man die welt­wei­ten Euge­nik-Debat­ten in der ers­ten Hälf­te des letz­ten Jahr­hun­derts, über­ra­schen sei­ne For­mu­lie­run­gen nicht. Eines sei­ner Wer­ke trägt den Titel Apes, Men and Morons (»Affen, Men­schen und Schwachsinnige«).

Hoot­on zeig­te durch­aus Skru­pel. Er ahn­te, daß er sich mit sei­nen bio­lo­gis­ti­schen Gedan­ken auf ein Ter­rain wag­te, das leicht in die Nähe sei­ner schärfs­ten Geg­ner zu gera­ten droh­te. Er riet davon ab, nur die an Ver­bre­chen Schul­di­gen zu stra­fen, da die prä­gend-men­ta­len Kräf­te der Gesamt­be­völ­ke­rung auf die­se Wei­se unbe­rührt blei­ben müßten.

Kol­lek­ti­ve Ver­hal­tens­wei­sen ent­stün­den, so eine auch heu­te wis­sen­schaft­lich gän­gi­ge Mei­nung, durch das Zusam­men­wir­ken von Erb­gut und Milieu­be­din­gun­gen. Den deut­schen Natio­na­lis­mus woll­te er aus­drück­lich aus­rot­ten, nicht die deut­sche Bevöl­ke­rung; dar­über hin­aus plä­dier­te er für die »Erhal­tung und Fes­ti­gung wün­schens­wer­ter deut­scher bio­lo­gi­scher und sozia­ler Fähigkeiten«.

Ohne bio­lo­gi­sche Maß­nah­men sei aber kei­ne sol­che dau­er­haf­te Ver­bes­se­rung mög­lich. Das, was erhal­ten wer­den woll­te, muß­te also erst noch geschaf­fen wer­den. Der Volks­cha­rak­ter soll­te gewan­delt wer­den. Unver­hoh­len pos­tu­lier­te Hoot­on »Umvolkungs«-Maßnahmen im Sin­ne der Entnationalisierung.

»Die Zie­le … schlie­ßen die Reduk­ti­on der Gebur­ten­ra­te ›rein‹ deut­scher Kin­der, die Neu­tra­li­sie­rung der deut­schen Aggres­si­vi­tät durch Aus­züch­tung und die Ent­na­tio­na­li­sie­rung indok­tri­nier­ter Ein­zel­per­so­nen ein.«  Rela­tiv kon­kret wird er im letz­ten Absatz:

Ermun­tert wäh­rend des Zeit­rau­mes der Ober­auf­sicht und Beset­zung die­ser Staa­ten durch Mili­tär- und Zivil­per­so­nal der Alli­ier­ten Mit­glie­der die­ser [frem­den] Grup­pen, deut­sche Frau­en zu hei­ra­ten und sich dort auf Dau­er nie­der­zu­las­sen. För­dert wäh­rend die­ser Zeit auch die Ein­wan­de­rung und Ansied­lung in den deut­schen Staa­ten von nicht-deut­schen Natio­na­li­tä­ten, beson­ders von Männern.

Ange­sichts des Män­ner­über­schus­ses, der durch die jüngs­ten Ein­wan­de­rungs­wel­len nach Euro­pa auf­ge­baut wur­de, muß man sich gera­de die­sen letz­ten Satz auf der Zun­ge zer­ge­hen las­sen. Hoot­ons Plä­ne, für die er sowohl wäh­rend als auch nach dem Zwei­ten Welt­krieg in den USA kein grö­ße­res Echo erzie­len konn­te, wären heu­te wohl nicht ein­mal eine Rand­no­tiz wert, hät­ten sie nicht (jeden­falls in der Sache) bei vie­len Nach­kom­men der Erleb­nis­ge­nera­ti­on öfters Zustim­mung gefunden.

Viel­fach dis­ku­tiert ist der gera­de bei der kri­ti­schen Intel­li­genz (beson­ders nach 1968) ver­brei­te­te Hang zur Inter­na­li­sie­rung deutsch­feind­li­cher Dok­tri­nen. Der lin­ke und libe­ra­le »Gut­mensch« hier­zu­lan­de ist stolz auf das »We are proud of not being proud«, wie es der Fern­seh­mo­de­ra­tor Jan Böh­mer­mann auf den Punkt gebracht hat.

Die auto­ag­gres­si­ve, hyper­mo­ra­lis­tisch auf­ge­la­de­ne Aver­si­on gegen das Eige­ne als Reflex auf die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Bar­ba­rei ent­fal­tet jedoch kei­ne kathar­ti­sche Wir­kung. Das läßt sich mit zuneh­men­dem chro­no­lo­gi­schen Abstand vom Drit­ten Reich gut erkennen.

Von einem »auto­ge­no­zi­da­len Dra­ma« (Peter Slo­ter­di­jk), ja, von »auto­ge­no­zi­dia­ler Selbstex­klu­si­on« (Micha Brum­lik) wird man spre­chen kön­nen, wenn man eini­ge Bei­spie­le der ver­brei­te­ten natio­nal­ma­so­chis­ti­schen Nei­gun­gen herausgreift.

Zumeist zeigt sich in die­sem Kon­text die Ver­wen­dung bestimm­ter natur­haft-regres­si­ver Meta­phern und Voka­beln, die bereits im Umfeld des Mor­gent­hau- und Hoot­on-Plans kur­sier­ten: Boden, »Stück Land«, bewirt­schaf­ten, Acker, Sied­lungs­ge­biet und so fort.

Erwünscht ist die Ver­nich­tung der Lebens­grund­la­ge des eige­nen Vol­kes, der angeb­lich noch »frucht­ba­re Schoß« sol­le end­gül­tig besei­tigt wer­den. Die Frank­fur­ter Ver­fas­sungs­ju­ris­tin und Vize­prä­si­den­tin des Hes­si­schen Staats­ge­richts­ho­fes Ute Sack­s­of­sky drückt ihren Haß auf jed­we­de Bevöl­ke­rungs­po­li­tik dras­tisch aus:

Gehen wir davon aus, daß es um die Wei­ter­ga­be deut­schen Erb­gu­tes nach der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gewalt­herr­schaft nicht mehr gehen kann: Was wäre eigent­lich so schlimm dar­an, wenn die Deut­schen aus­ster­ben soll­ten (was ohne­dies noch ein paar Jahr­hun­der­te dau­ern dürf­te)? Das Ter­ri­to­ri­um, auf dem sich der­zeit Deutsch­land befin­det, könn­te der Natur zurück­ge­ge­ben oder (das ist wahr­schein­li­cher) von ande­ren Men­schen besie­delt werden.

Eben­so aus­sa­ge­kräf­tig ist das die Bio­deut­schen zu Min­der­wer­ti­gen stig­ma­ti­sie­ren­de Dik­tum des sati­ri­schen Pole­mi­kers und Autors Wiglaf Droste:

Das deut­sche Volk hat die mora­li­sche Ver­pflich­tung aus­zu­ster­ben, und zwar subi­to. Jeder Pole, Rus­se, Jude, Fran­zo­se, Schwarz­afri­ka­ner usw. hat genau­so vie­le Rech­te auf deut­schem Boden, von dem gespro­chen wird, als sei er hei­lig und gebe­ne­deit, zu leben wie irgend­ein Deut­scher – wenn nicht sogar noch mehr.

Nicht viel anders hört sich das bei der »Grünen«-Politikerin Sieg­lin­de Frieß an:

Ich woll­te, daß Frank­reich bis zur Elbe reicht und Polen direkt an Frank­reich grenzt.

In die­se Samm­lung paßt gut ein von dem Publi­zis­ten Micha­el Klo­n­ovs­ky über­lie­fer­tes Zitat einer Köl­ner Pas­to­rin im Zusam­men­hang mit der jüngs­ten Migrationswelle:

… Wer sagt denn, daß Deutsch­land den Deut­schen gehört? Das ist ein Stück Land, das bewirt­schaf­tet wer­den muß, damit die Men­schen leben können.

Von den genann­ten Ent­wür­fen ist inhalt­lich leicht der Bogen zu Gegen­warts­kon­tro­ver­sen zu schla­gen. Mor­gent­hau, Hoot­on, Nizer und Kauf­man gehör­ten alle­samt lin­ken und libe­ra­len Eli­ten an. Ihnen ging es vor­nehm­lich dar­um, die Pax Ame­ri­ca­na, die sowohl nach dem Ers­ten Welt­krieg als auch nach 1989 als welt­po­li­ti­sches Schlag­wort Kar­rie­re mach­te, welt­weit umzu­set­zen: Frei­heit, Frie­den und Wohl­stand soll allen Völ­kern gebracht wer­den – im Sin­ne eines Oktroy auch den Feind­staa­ten Japan und Deutsch­land, denen immer­hin die anfangs zuge­dach­te Exter­mi­nie­rung erspart blieb.

Das Ziel des Frie­dens nach US-Gus­to, das mit der Absicht der Errich­tung einer New World Order stets Hand in Hand ging, folg­te einem bestimm­ten Sche­ma, das Carl Schmitt in sei­nen Arbei­ten über Groß­räu­me tref­fend her­aus­stellt: Zuerst dien­te die Pax Ame­ri­ca­na nach dem Sezes­si­ons­krieg der inner­ame­ri­ka­ni­schen Befrie­dung; spä­ter mutier­te die­se groß­an­ge­legt-ambi­tio­nier­te Pro­gram­ma­tik zur Ver­brei­tung »impe­ria­lis­tisch-kapi­ta­lis­ti­scher Umdeu­tung« (Schmitt), ähn­lich der Monroe-Doktrin.

Auch sie hat­te ursprüng­lich einen rein defen­si­ven Cha­rak­ter, spä­ter indes­sen funk­tio­nier­te die US-Eli­te sie in eine »pan-inter­ven­tio­nis­ti­sche Welt­ideo­lo­gie« (Schmitt) um. Bereits seit den Haa­ger Kon­fe­ren­zen von 1899 und 1907 sind die Bestre­bun­gen, zwi­schen­staat­li­che Bestre­bun­gen auf höhe­rer Ebe­ne zu ver­recht­li­chen, mit Hän­den zu greifen.

Das dies­be­züg­li­che Groß­pro­jekt der Zwi­schen­kriegs­zeit, der Völ­ker­bund, schei­ter­te aus ver­schie­de­nen Grün­den. Seit 1945 sor­gen Dut­zen­de ein­fluß­rei­cher Orga­ni­sa­tio­nen und Netz­wer­ke (UN, die Bret­ton-Woods-Insti­tu­tio­nen IWF sowie Welt­bank, WTO, EU, Nato, Inter­na­tio­na­ler Straf­ge­richts­hof, Bil­der­ber­ger-Kon­fe­renz, Coun­cil on For­eign Rela­ti­ons und vie­le wei­te­re) für die bereits fort­ge­schrit­te­ne Durch­set­zung einer teils offen­sicht­li­chen, teils unter­schwel­li­gen glo­ba­len Agenda.

Deren ulti­ma­ti­ve Zie­le sind noch nicht erreicht: Die Ver­fech­ter einer sol­chen Neu­en Ord­nung for­dern unter ande­rem die Ent­mach­tung der Natio­nal­staa­ten, die För­de­rung uni­ver­sel­ler Migra­ti­on, die Ver­mi­schung der Reli­gio­nen und die Ver­brei­tung der Macht supra­na­tio­na­ler Orga­ni­sa­tio­nen, deren For­de­run­gen die Neue Ord­nung konkretisieren.

Natür­lich darf man nicht den Feh­ler machen, der in ver­schwö­rungs­theo­re­ti­schen Ela­bo­ra­ten omni­prä­sent ist: die Reduk­ti­on kom­ple­xer Vor­gän­ge auf kon­spi­ra­ti­ve Ereig­nis­se, für die angeb­lich nur weni­ge Per­so­nen ver­ant­wort­lich sind. Die Macht glo­ba­ler Orga­ni­sa­ti­on resul­tiert in ers­ter Linie aus der zuneh­men­den Rele­vanz von staa­ten­über­grei­fen­den Strö­mun­gen in tech­ni­schen, öko­no­mi­schen und poli­ti­schen Zusammenhängen.

Den­noch soll­te man den (wenigs­tens sekun­dä­ren) Ein­fluß finan­zi­ell und poli­tisch poten­ter Per­sön­lich­kei­ten nicht über­se­hen, die bestimm­te all­ge­mein-pro­gram­ma­ti­sche Ansät­ze in kon­kre­te Pro­jek­te über­set­zen. Der US-Inves­tor unga­ri­scher Her­kunft Geor­ge Soros und der im Janu­ar letz­ten Jah­res ver­stor­be­ne ehe­ma­li­ge euro­päi­sche Kom­mis­sar für Wett­be­werb und ein­fluß­rei­che Spin­dok­tor, der Ire Peter Suther­land, zäh­len zu den bekann­ten Köp­fen, die ihren Kampf um die Auf­lö­sung der Völ­ker offen aussprechen.

Suther­land gestand 2015 so offen wie nur mög­lich: Jeder, der ihm vor­hal­te, daß er »dazu ent­schlos­sen wäre, die Homo­ge­ni­tät der Völ­ker zu zer­stö­ren, hat ver­dammt noch mal abso­lut recht! Genau das habe ich vor! Wenn ich es mor­gen tun könn­te, wür­de ich sie zer­stö­ren, mein eige­nes Volk eingeschlossen.«

Das jüngs­te Groß­pro­jekt, das die alte Eli­ten­pro­gram­ma­tik der Depo­ten­zie­rung von Volk und Natio­nal­staat ein Stück wei­ter vor­an­trei­ben will, ist der Glo­ba­le Pakt für siche­re, geord­ne­te und regu­lä­re Migra­ti­on, kurz: UN-Migra­ti­ons­pakt. Die aus­drück­li­che Absicht die­ser Ver­ein­ba­rung, wel­che die meis­ten Mit­glieds­staa­ten der Ver­ein­ten Natio­nen unter­zeich­net haben, ist die Ord­nung der welt­wei­ten Migration.

Die Rech­te der Migrie­ren­den wer­den haar­klein erwähnt. Sie erschei­nen bei­na­he als das neue Sub­jekt welt­po­li­ti­scher Akti­vi­tä­ten. Um die Auto­chtho­nen schert sich der im Dezem­ber ver­ab­schie­de­te Text über­haupt nicht. Als Beru­hi­gungs­pil­le für die, die sich um die Sou­ve­rä­ni­tät der Natio­nen sor­gen, wird das Recht der Unter­zeich­ner­staa­ten, die Ein­wan­de­rung selbst zu regeln, garantiert.

Der Teu­fel steckt jedoch wie über­all im Detail. Punkt 15 betont zwar die natio­na­le Sou­ve­rä­ni­tät der Staa­ten, die man die­sen als Sub­jek­te des Völ­ker­rechts ohne­hin nicht neh­men kann, aber mit einem nicht unwich­ti­gen Vor­be­halt: »im Ein­klang mit dem Völkerrecht«.

Die­ser Zusatz wird ent­we­der ger­ne über­le­sen oder als peri­pher abge­tan. Nun besteht das Völ­ker­recht zum nicht gerin­gen Teil aus Ver­ein­ba­run­gen, die in ihrer juris­ti­schen Gewich­tung nicht von vorn­her­ein abseh­bar sind. Sie ent­wi­ckeln sich häu­fig durch gewohn­heits­mä­ßi­ge Anerkennung.

Sind die Nor­men ein­mal gän­gi­ge Pra­xis völ­ker­recht­li­cher Über­ein­kunft, haben sie gemäß der rechts­py­ra­mi­da­len Vor­rang­re­ge­lung im Kol­li­si­ons­fall Prio­ri­tät vor inner­staat­li­chen Geset­zen. Die Gewähr­leis­tung der Sou­ve­rä­ni­tät wird dann das Papier nicht wert sein, auf dem sie steht.

Die Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on, die bei ihrer Unter­zeich­nung ledig­lich einen mini­ma­len Schutz für Flüch­ten­de sicher­stel­len woll­te, ist haupt­säch­lich durch exzes­si­ve Inter­pre­ta­ti­on längst zum völ­ker­recht­li­chen Ein­falls­tor für grö­ße­re Migra­ti­ons­be­we­gun­gen geworden.

Es ist nicht all­zu schwer, den tie­fe­ren Sinn des »Teu­fels­pak­tes« zu erken­nen. Er soll die zuneh­men­de Zahl an Bevöl­ke­rungs­aus­tausch­pro­gram­men, die meist als Relo­ca­ti­on, Resett­le­ment, Neu­an­sie­de­lung und so fort umschrie­ben und fak­tisch längst prak­ti­ziert wer­den, vor­der­grün­di­ge Legi­ti­mi­tät verleihen.

So wur­de bei­spiels­wei­se 2016 die Erar­bei­tung eines UN-Neu­an­sied­lungs­rah­mens bekannt. Die Begrün­dung lautete:

Durch den heu­te vor­ge­leg­ten Vor­schlag soll ein dau­er­haf­ter Rah­men mit einem ein­heit­li­chen Ver­fah­ren für die Neu­an­sied­lung inner­halb der EU geschaf­fen werden.

Es bleibt zu befürch­ten, daß sich im Lau­fe der Zeit Migra­ti­on als Men­schen­recht her­aus­kris­tal­li­siert und sogar ein­klag­bar wird. Das wür­de aber bedeu­ten, daß jene staat­li­chen Hoheits­ge­bie­te, die beson­ders attrak­tiv für Neu­an­kömm­lin­ge sind, zu blo­ßen Sied­lungs­ge­bie­ten degra­diert würden.

Die Fol­gen kann man sich unschwer aus­rech­nen. Als gra­vie­rends­te Kon­se­quenz läßt sich lang­fris­tig der Kol­laps der euro­päi­schen Rechts- und Sozi­al­staa­ten aus­ma­chen. Die »län­ger hier Leben­den« (O‑Ton Ange­la Mer­kel), deren Mit­spra­che­mög­lich­kei­ten sehr begrenzt sind, wären dann auch noch der Res­te ihrer Vor­tei­le gegen­über den erst seit Kur­zem hier Ver­wei­len­den beraubt.

Ein sol­ches wahr­schein­li­ches Sze­na­rio läßt sich nicht anders denn als »Zivi­li­sa­ti­ons­bruch« charakterisieren.

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