Achsenzeit: Rom – Warschau gegen Paris – Berlin

von John Hoewer
PDF der Druckfassung aus Sezession 89/April 2019

 Gastbeitrag

Fremde Federn reichen Beiträge ein. Sind sie gut, bringen wir sie.

Vier­zehn Jah­re lang war Matteo Sal­vi­ni Abge­ord­ne­ter zum Euro­päi­schen Par­la­ment, bevor er auf die natio­na­le Regie­rungs­bank wech­sel­te. Für die dies­jäh­ri­gen Euro­pa­wah­len kün­digt Sal­vi­ni einen »Euro­päi­schen Früh­ling« an. Es wer­de ein neu­es Euro­pa wach­sen, das einen ande­ren Schritt an den Tag legen wer­de, als die bis­he­ri­ge EU der Büro­kra­ten, ver­kün­de­te er zu Beginn des Jah­res in Warschau.

Sal­vi­nis Besuch in Polen steht in einer gan­zen Rei­he von Son­die­run­gen hin­sicht­lich einer ver­tief­ten Zusam­men­ar­beit kon­ser­va­ti­ver und rech­ter EU-Geg­ner. Dies ist gewiß nicht neu. Neu jedoch ist, daß nicht weni­ge die­ser Kräf­te nun nicht mehr als Oppo­si­tio­nel­le, son­dern als Regie­rungs­be­tei­lig­te in den euro­päi­schen Wahl­kampf eintreten.

Dem­entspre­chend von her­aus­ge­ho­be­ner Bedeu­tung ist Sal­vi­nis Ver­such, neben den tra­di­tio­nel­len Part­nern, etwa aus Frank­reich und Öster­reich, suk­zes­si­ve mit­tel- und ost­eu­ro­päi­sche Par­tei­en in die­se Alli­anz der EU-Geg­ner ein­zu­rei­hen, die ita­lie­ni­sche Beob­ach­ter auch als »Inter­na­tio­na­le der Sou­ve­rä­nis­ten« bezeichnen.

Mit dem Tref­fen in War­schau soll­te so ein wei­te­rer ent­schei­den­der Grund­stein für eine Ach­se Roms mit den Regie­run­gen der Visegrad­staa­ten gelegt wer­den. In Polen gou­tier­te man die­se Annä­he­rung. Pre­mier­mi­nis­ter Mateusz Mora­wi­ecki ließ ver­laut­ba­ren, er stim­me den EU-kri­ti­schen Tönen des ita­lie­ni­schen Vize­pre­miers durch­weg zu.

Aus­tre­ten wol­le man aber kei­nes­wegs, ergänz­te etwa Polens Innen­mi­nis­ter Joa­chim Brud­zinski, son­dern eine star­ke Posi­ti­on ein­neh­men, um die EU grund­sätz­lich zu ver­än­dern. Abzu­war­ten bleibt, ob die gemein­sa­men Nen­ner die­ser Ach­se stär­ker sein wer­den, als die ihr von Beginn an imma­nen­ten inhalt­li­chen Wider­sprü­che, ins­be­son­de­re die völ­lig ver­schie­de­nen Ver­hält­nis­se zu Putins Rußland.

Die »Ach­se Rom–Warschau« ist ein Gegen­ent­wurf. In War­schau traf Sal­vi­ni auch Jaros­ław Kac­zyn­ski, den Vor­sit­zen­den der regie­ren­den Par­tei Recht und Gerech­tig­keit (PiS). Sal­vi­nis ange­streb­te Ach­se mit War­schau soll ein star­ker Gegen­pol zur bis­he­ri­gen Domi­nanz des deutsch­fran­zö­si­schen Bünd­nis­ses und den immer wie­der in Ber­lin und Paris for­mu­lier­ten Inte­gra­ti­ons­vor­ha­ben darstellen.

Immer­hin, so das Kal­kül Sal­vi­nis, wird mit Groß­bri­tan­ni­en dem­nächst einer der größ­ten Gegen­spie­ler des deutsch-fran­zö­si­schen Motors weg­bre­chen. Davon betrof­fen wäre unmit­tel­bar auch das Schick­sal der Frak­ti­on der Euro­päi­schen Kon­ser­va­ti­ven und Refor­mer (EKR), der nicht nur zahl­rei­che bri­ti­sche Abge­ord­ne­te ange­hö­ren, son­dern auch PiS, deren größ­ter natio­na­ler Wider­sa­cher, die Bür­ger­platt­form, wie­der­um Teil der CDU-domi­nier­ten Euro­päi­schen Volks­par­tei (EVP) ist.

Bereits im Herbst des ver­gan­ge­nen Jah­res hat­ten sich Sal­vi­ni und Ungarns Regie­rungs­chef Vik­tor Orbán gegen­sei­tig umwor­ben. Orbán begrüß­te die ita­lie­nisch-pol­ni­sche Annä­he­rung im Janu­ar. Orbán, der zwi­schen­zeit­lich mit einem Aus­tritt aus der EVP koket­tier­te, lenk­te nach einem Kri­sen­tref­fen mit EVP-Frak­ti­ons­chef Man­fred Weber (CSU) des­sen­un­ge­ach­tet vor­erst ein und bekräf­tig­te, wei­ter­hin Teil der EVP blei­ben zu wollen.

Nur schein­bar ist Orbáns Loya­li­täts­be­kun­dung zur EVP wider­sprüch­lich. Immer­hin ist der bei lin­ken und libe­ra­len Kräf­ten ver­haß­te Regie­rungs­chef als Teil der Euro­päi­schen Volks­par­tei bes­ser vor Sank­ti­ons­ver­su­chen sei­ner euro­päi­schen und inter­na­tio­na­len Geg­ner geschützt.

Und: Als eine Art Brü­cken­kopf der Zuwan­de­rungs­geg­ner kann er sei­ne Posi­tio­nen und die sei­ner inter­frak­tio­nel­len Ver­bün­de­ten direkt in die Rei­hen der EVP tra­gen, in denen sich eini­ge wei­te­re Par­tei­en befin­den, die sich teil­wei­se min­des­tens rhe­to­risch in Oppo­si­ti­on zum christ­de­mo­kra­ti­schen Zuwan­de­rungs­rausch bun­des­deut­scher Prä­gung zu stel­len wagten.

Nament­lich etwa die For­za Ita­lia (mit der auch Matteo Sal­vi­ni zeit­wei­se an einem natio­na­len Bünd­nis schmie­de­te), Les Répu­bli­cains um ihren neu­en Par­tei­chef Lau­rent Wau­quiez sowie die spa­ni­sche Volks­par­tei (Par­ti­do Popu­lar), die ihrer­seits ers­te regio­na­le Koope­ra­tio­nen mit der neu­en Rechts­par­tei VOX eingeht.

Auch die Öster­rei­chi­sche Volks­par­tei (ÖVP) ist Teil der EVP und kor­ri­gier­te im Bünd­nis mit der Frei­heit­li­chen Par­tei Öster­reichs (FPÖ) wenigs­tens ihren Kurs in Sachen Zuwan­de­rung. Hin­zu kom­men zahl­rei­che klei­ne­re Par­tei­en, nicht weni­ge aus den migra­ti­ons­kri­tisch gepräg­ten ost­mit­tel- und ost­eu­ro­päi­schen EU-Staaten.

Nicht zuletzt gerie­ten auch Horst See­hofer und die CSU mehr­fach in die Kri­tik, weil sie eine gewis­se Nähe zu Orbán such­ten und sich zuwan­de­rungs­skep­ti­schen Tönen hin­ga­ben. Daß die EVP also kein mono­li­thi­scher Block ist, wis­sen Orbán und Sal­vi­ni genau.

Nicht zu ver­ges­sen ist fer­ner, daß es ins­be­son­de­re in den Visegrad­staa­ten sowie auf dem Bal­kan rechts­of­fe­ne bezie­hungs­wei­se zuwan­de­rungs­kri­ti­sche Abweich­ler inner­halb der euro­päi­schen Fami­lie der Sozia­lis­ten und Sozi­al­de­mo­kra­ten gibt.

Auch in die­sem Wis­sen for­mu­lier­te Orbán sei­ne Hoff­nung, daß im zukünf­ti­gen Euro­pa­par­la­ment sowie inner­halb der EU-Insti­tu­tio­nen ins­ge­samt jene Kräf­te die Ober­hand gewin­nen sol­len, die sich gegen die Poli­tik der unbe­grenz­ten außer­eu­ro­päi­schen Zuwan­de­rung positionieren.

Das erklär­te Ziel ist also, den direk­ten Ein­fluß auf die Insti­tu­tio­nen der EU zu ver­grö­ßern, um von innen her­aus die Agen­da von Par­la­ment und Kom­mis­si­on zu ver­än­dern – wäh­rend durch natio­na­le Wahl­er­fol­ge und Regie­rungs­wech­sel über­dies der Ein­fluß im Euro­päi­schen Rat sowie im Rat der Euro­päi­schen Uni­on deut­lich gewach­sen ist.

So ver­wun­dert es nicht, daß ins­be­son­de­re Sal­vi­ni und die Lega ihren euro­pa- und außen­po­li­ti­schen Ansatz geän­dert haben. An die Stel­le radi­ka­ler Aus­tritts­ra­bu­lis­tik trat eine Poli­tik, die auf die Bil­dung kon­struk­ti­ver Mehr­hei­ten abzielt und die ganz gezielt dar­an arbei­tet, auch aus rech­ter Sicht neue Macht­zen­tren zu schaf­fen und die­se gegen die EU-kon­for­men, bis­he­ri­gen Eck­pfei­ler der euro­päi­schen Poli­tik in Stel­lung zu bringen.

Nach­dem sich das ita­lie­nisch-fran­zö­si­sche Ver­hält­nis zum Jah­res­en­de 2018 dras­tisch ver­schlech­ter­te, streck­te Sal­vi­ni sei­ne Hand nach Deutsch­land aus, um nicht zuletzt Frank­reich und nament­lich Emma­nu­el Macron zu brüs­kie­ren. Kon­kre­te Adres­sa­ten in Deutsch­land nann­te Sal­vi­ni nicht.

Sal­vi­ni sag­te wei­ter­hin, daß Euro­pa nicht wegen den Rechts­par­tei­en wie der Lega und der AfD in Gefahr sei, son­dern weil es seit Jahr­zehn­ten von den stets sel­ben Kräf­ten schlecht regiert wer­de. Eine Neu­ge­burt Euro­pas kön­ne jedoch durch eine stär­ke­re Annä­he­rung zwi­schen Ita­li­en und Deutsch­land gesche­hen, äußer­te Sal­vi­ni mit kla­rem Ver­weis auf die innen­po­li­ti­schen Pro­ble­me Frankreichs.

Das deutsch-fran­zö­si­sche Bünd­nis habe der euro­päi­schen Gemein­schaft kaum etwas Posi­ti­ves gebracht, wes­halb Sal­vi­ni sich für die »Erneue­rung einer Ach­se Rom – Ber­lin« aus­sprach, um so dem fest­ge­fah­re­nen Kon­ti­nent durch die Zusam­men­ar­beit der bei­den größ­ten euro­päi­schen Indus­trie­mäch­te, wie er sag­te, neue Impul­se zu verleihen.

Sal­vi­ni äußer­te die­se Adres­se als Gast der ver­sam­mel­ten Aus­lands­pres­se, am Sitz der Asso­cia­zio­ne del­la Stam­pa Este­ra in Ita­lia, der er die­se Idee als Resul­tat eines Gesprächs mit dem deut­schen Bot­schaf­ter vor­trug, der ihn eine Woche zuvor am Amts­sitz des ita­lie­ni­schen Innen­mi­nis­ters besucht hatte.

Es war dies ein diplo­ma­ti­scher Fron­tal­an­griff auf Macron und sein Ver­hält­nis zu Deutsch­land, nur knapp einen Monat vor der Erneue­rung des Ély­sée-Ver­trags im Janu­ar 2019. Des­sen tie­fe­re Inten­ti­on schien der ansons­ten bis­wei­len hys­te­ri­schen Pres­se bei­der­seits der Alpen jedoch ent­gan­gen zu sein, die sich in Pole­mi­ken ob der his­to­risch kon­no­tier­ten Wort­wahl Sal­vi­nis erging.

Euro­pas Rechts­par­tei­en ver­spü­ren Auf­wind. Ins­be­son­de­re Sal­vi­ni in sei­ner Funk­ti­on als Innen­mi­nis­ter hat gezeigt, daß poli­ti­sche Ver­än­de­run­gen mög­lich sind, wenn­gleich die Umset­zung eige­ner Maß­nah­men in Zweck­ko­ali­tio­nen und im Span­nungs­feld einer aggres­siv-feind­li­chen und wahr­heits­ver­zer­ren­den Medi­en­land­schaft lang­sa­mer durch­führ­bar sind, als man­cher Anhän­ger viel­leicht hoffte.

Nichts­des­to­we­ni­ger wird durch­aus sicht­bar, daß rech­te Kon­zep­te posi­ti­ve Ver­än­de­run­gen und dadurch zuneh­men­de Akzep­tanz auch auf par­la­men­ta­ri­schem Wege errei­chen kön­nen. Gleich­zei­tig stärk­te eine wei­te­re Ver­schie­bung der Kräf­te­ver­hält­nis­se auf euro­päi­scher Ebe­ne die poli­ti­sche Situa­ti­on auf natio­na­ler Ebene.

So kön­nen durch eine erhöh­te Anzahl gleich­ge­sinn­ter Regie­rungs­part­ner in Rat und Euro­päi­schem Rat die der EU zur Ver­fü­gung ste­hen­den Sank­ti­ons­mit­tel schlicht blo­ckiert wer­den. Ins­be­son­de­re Straf­maß­nah­men gemäß Arti­kel 7 des Ver­tra­ges über die Euro­päi­sche Uni­on bedür­fen zum Teil solch gro­ßer Mehr­hei­ten, daß die­se schon jetzt nur schwer­lich durch­setz­bar sind.

Erhöh­te sich die Anzahl rech­ter Regie­run­gen, wäre die­ses Instru­ment der EU-kon­for­men Regie­run­gen nahe­zu aus­ge­schal­tet. Min­des­tens bis 2020 kann eine ideo­lo­gisch moti­vier­te Sank­tio­nie­rung durch Ent­zug von Struk­tur­för­der­mit­teln eben­falls nicht erfolgen.

Eine Kür­zung bezie­hungs­wei­se Umschich­tung von EU-Mit­teln als Sank­ti­ons­maß­nah­me im gel­ten­den Mehr­jäh­ri­gen Finanz­rah­men (der­zeit 2014 – 2020) ist euro­pa­recht­lich schlicht unzu­läs­sig. Es besteht der­zeit rea­lis­ti­scher Grund zu der Annah­me, daß sich die jüngs­ten Wahl- und Regie­rungs­er­fol­ge rech­ter Par­tei­en auch in den kom­men­den Euro­pa­wah­len wider­spie­geln werden.

Nicht ver­wun­der­lich ist folg­lich, daß EU-kon­for­me Beob­ach­ter die Sor­ge vor einer gemein­sa­men, gro­ßen Euro­pa­frak­ti­on der Rechts­par­tei­en umtreibt. Der­zeit sind die rech­ten EU-Skep­ti­ker im Euro­pa­par­la­ment auf drei Frak­tio­nen ver­teilt, die EVP nicht eingerechnet.

Eini­ge wei­te­re rech­te Abge­ord­ne­te, dar­un­ter auch das fran­zö­si­sche Urge­stein Jean-Marie Le Pen, sind zudem frak­ti­ons­los. Allein die Bilanz der sie­ben ursprüng­li­chen AfD-Ver­tre­ter steht dabei sinn­bild­lich für die tra­dier­te Unzu­läng­lich­keit, eine star­ke rech­te Frak­ti­on inner­halb des Euro­pa­par­la­ments zu bilden.

Die Euro­pa­wah­len wer­den somit zum zwei­ten Flü­gel des von Matteo Sal­vi­ni ange­führ­ten Zan­gen­an­griffs auf das der­zei­ti­ge Gefü­ge der EU. Das Poten­ti­al einer star­ken Rechts­frak­ti­on über­schät­zen die EU-Kon­for­mis­ten dabei nicht.

Eine sol­che Frak­ti­on gene­rier­te nicht bloß erheb­li­che Res­sour­cen. Sie könn­te, aus­ge­stat­tet mit der ent­spre­chen­den Mann­stär­ke, auch insti­tu­tio­nel­le Ansprü­che anmel­den, wel­che die Arith­me­tik des EUGe­fü­ges auch über das Euro­pa­par­la­ment hin­aus ver­än­dern würde.

Ihre inter­nen Inte­gra­ti­ons­kräf­te böten Poten­tia­le zur ver­ste­tig­ten trans­na­tio­na­len Ver­tie­fung rech­ter Hand­lungs- und Reso­nanz­räu­me weit über jene min­des­tens sie­ben Staa­ten hin­aus, die eine sol­che Frak­ti­on umfas­sen müß­te. Mit ihrer insti­tu­tio­nel­len und außen­wirk­sa­men Strahl­kraft wäre sie ein zen­tra­ler Akteur.

Hin­zu kommt, daß die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche S & D‑Fraktion infol­ge des Bre­xits stol­ze 20 Abge­ord­ne­te ver­lie­ren wird. Damit wäre – je nach Wahl­er­geb­nis – die bis heu­te bestehen­de, infor­mel­le Mehr­heit von EVP und S & D gefähr­det, was wie­der­um eine Blok­ka­de der Mehr­heits­fin­dung im Par­la­ment begünstigte.

Sal­vi­ni zielt also wesent­lich auf die­se bei­den zen­tra­len Inte­gra­ti­ons­mo­to­ren ab, wenn er statt den Aus­tritt Ita­li­ens zu for­cie­ren, nun die Mehr­heits­ver­hält­nis­se inner­halb der gesam­ten EU in Fra­ge stel­len will.

Sal­vi­nis Anlauf reicht dabei län­ger zurück, als bloß bis zu sei­ner Ernen­nung zum Vize­pre­mier. Im Febru­ar 2015, auf einer Kon­fe­renz im römi­schen Stadt­teil Tras­te­ve­re, äußer­te Sal­vi­ni sein Ziel, erst Ita­li­en und dann ganz Euro­pa ver­än­dern zu wol­len: »Wir spie­len, um zu gewin­nen!«, so sei­ne kla­re Bot­schaft an die damals rund ein­hun­dert Zuhörer.

Hin­ter­grund der Kon­fe­renz: die Schaf­fung einer Platt­form unter dem Namen mil­le patrie (»Tau­send Vater­län­der«). Eine Art poli­ti­sches Labor der dama­li­gen Lega Nord (heu­te: Lega), das neben euro­päi­schen Spit­zen­po­li­ti­kern wie Sal­vi­ni und dem heu­ti­gen Fami­li­en­mi­nis­ter und dama­li­gen Euro­pa­ab­ge­ord­ne­ten Loren­zo Fon­ta­na ins­be­son­de­re auch zahl­rei­che Intel­lek­tu­el­le, Schrift­stel­ler, Denk­fa­bri­ken und Jour­na­lis­ten invol­vier­te, des­sen Krei­se im wei­te­ren Ver­lauf aber auch noch ande­re par­la­men­ta­ri­sche und außer­par­la­men­ta­ri­sche Kräf­te einbezog.

Zweck die­ser Werk­statt war letzt­lich die inne­re Ver­net­zung mög­lichst vie­ler Akteu­re, die das Ziel einer Erneue­rung Euro­pas und sei­ner Natio­nen ein­te. Trei­ben­de Kraft die­ser Platt­form war damals die umtrie­bi­ge Mai­län­der Denk­fa­brik Il Taleba­no um Vin­cen­zo Sofo, dem Lebens­ge­fähr­ten von Mari­on Maré­chal Le Pen.

Auch von dort her rüh­ren die pri­vi­le­gier­ten Bezie­hun­gen zwi­schen Lega und Ras­sem­ble­ment Natio­nal (vor­her: Front Natio­nal), die frei­lich abseits sol­cher Details in viel­ge­stal­ti­gen intel­lek­tu­el­len Struk­tu­ren im Hin­ter­grund par­la­men­ta­ri­scher Ver­bin­dun­gen aus­ge­reift wurden.

Daß Matteo Sal­vi­nis Lega ihr Ziel einer natio­na­len und euro­päi­schen Erneue­rung heu­te als Regie­rungs­par­tei ver­folgt, ist also zwei­fels­frei Ver­dienst auch der bestän­di­gen Kärr­ner­ar­beit eines weit­ver­zweig­ten poli­ti­schen Umfel­des, das weit über den rein par­la­men­ta­ri­schen Betrieb hin­aus reicht und die Grund­la­ge dar­stell­te, ins­be­son­de­re in Ita­li­en eine »Revo­lu­ti­on des Wan­dels« mög­lich zu machen, die nun wie­der­um auf die euro­päi­sche Ebe­ne ausgreift.

Der Auf­bau neu­er Ach­sen und Macht­zen­tren erfolgt somit ent­lang die­ser lang­jäh­ri­gen und auch abseits des poli­ti­schen Tages­ge­schäf­tes geschmie­de­ten Alli­an­zen. Alli­an­zen jener Kräf­te, die ent­we­der bereits regie­ren, es mit­tel­fris­tig tun könn­ten oder zumin­dest von ihrem Poten­ti­al her in der Lage wären, kon­struk­ti­ve poli­ti­sche Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men, wie es auch Orbán dezi­diert betont.

Der nun beschwo­re­ne Auf­bruch in einen »Euro­päi­schen Früh­ling« muß dabei eine wei­te­re Etap­pe eines rech­ten Evo­lu­ti­ons­pro­zes­ses dar­stel­len, der sich sowohl insti­tu­tio­nell als auch welt­an­schau­lich voll­zieht und des­sen Kern von dem Wil­len getra­gen wer­den muß, sich in die Lage zu ver­set­zen, eine grund­sätz­li­che poli­ti­sche, sozia­le und öko­no­mi­sche Ver­än­de­rung und orga­ni­sche Neu­ord­nung in Euro­pa herbeizuführen.

Schei­tern muß dabei einer­seits der, des­sen poli­ti­sches Fun­da­ment aus sub­stanz­lo­sem Pro­test­ha­bi­tus und rea­li­täts­frem­der Bür­ger­par­tei­ro­man­tik besteht, und ande­rer­seits jener, der weder den Mut noch die Inspi­ra­ti­on auf­brin­gen kann, aus Träu­men Visio­nen zu schaf­fen und aus Visio­nen als­dann sol­che Kon­zep­te abzu­lei­ten, die als Grund­la­ge für ein neu­es, jun­ges Euro­pa wirk­mäch­tig wer­den können.

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