Energie und Moderne – vorletztes Kapitel

PDF der Druckfassung aus Sezession 89/April 2019

Der »rea­le Libe­ra­lis­mus« erscheint 28 Jah­re nach dem Zer­fall der Sowjet­uni­on immer noch als alter­na­tiv­lo­ser Sie­ger über die Geschich­te. Das Amal­gam aus markt­wirt­schaft­li­chem Kapi­ta­lis­mus und par­la­men­ta­ri­scher Demo­kra­tie reüs­siert als glo­ba­le Blau­pau­se einer für end­gül­tig erklär­ten Gesellschaftsform.

In den letz­ten Jahr­zehn­ten leg­te die aggres­si­ve US-ame­ri­ka­ni­sche Außen­po­li­tik der »Demo­kra­ti­sie­rung« davon Zeug­nis ab: Sie »hat einem gro­ßen und anlei­ten­den Ziel zu die­nen: die aktu­el­le Zeit des ame­ri­ka­ni­schen Ein­flus­ses in Genera­tio­nen demo­kra­ti­schen Frie­dens zu ver­wan­deln«, so Geor­ge W. Bush jr. 1999 bei einer Rede in der Ronald-Rea­gan-Prä­si­den­ten­bi­blio­thek in Kali­for­ni­en kurz vor sei­ner ers­ten Amtszeit.

In der­sel­ben Rede hob er außer­dem die Ver­bin­dung aus libe­ra­lem Wirt­schaf­ten und demo­kra­ti­scher Pra­xis her­vor: »Das Argu­ment für den Han­del ist nicht nur ein mone­tä­res, son­dern auch ein mora­li­sches. Wirt­schaft­li­che Frei­hei­ten erzeu­gen Gewohn­hei­ten der Freiheit.

Und Gewohn­hei­ten der Frei­heit erzeu­gen Demo­kra­tie­er­war­tun­gen.« Jedoch wird beim Per­p­etu­ie­ren der­lei libe­ra­lis­ti­scher und neo­kon­ser­va­ti­ver Glau­bens­sät­ze gern über­se­hen, daß die Exis­tenz moder­ner Gesell­schaf­ten auf einer Vor­aus­set­zung beruht, die spä­tes­tens seit der Ölkri­se 1973 als fra­gil gel­ten kann: (fos­si­le) Energie.

Bei­de Sphä­ren, sowohl die öko­no­mi­sche als auch die sozia­le, sind in höchs­tem Maße von dau­er­haf­ten Ener­gie­flüs­sen und ener­ge­ti­schen Res­sour­cen abhän­gig. Für den markt­wirt­schaft­li­chen Kapi­ta­lis­mus west­li­cher Pro­ve­ni­enz war und ist der durch die fos­si­le Ener­gie pro­du­zier­te Mehr­wehrt uner­läß­lich und konstituierend.

Der Gang von der Agrar­ge­sell­schaft über die Indus­tria­li­sie­rung in die post-moder­nen Dienst­leis­tungs­ge­sell­schaf­ten finanz­ka­pi­ta­lis­ti­scher Prä­gung wäre ohne die Nutz­bar­ma­chung von Koh­le, Öl und Gas undenk­bar gewe­sen. Zur Ver­an­schau­li­chung: Ein Bar­rel Öl lie­fert eine Ener­gie­men­ge, die dem Äqui­va­lent von 25 000 Stun­den mensch­li­cher Arbeits­kraft entspricht.

Addiert man zum bis­her ver­brauch­ten Öl noch die in den wirt­schaft­li­chen Pro­zeß ein­ge­brach­ten Men­gen an Koh­le und Gas hin­zu, schla­gen etwa 750 Mil­li­ar­den mensch­li­che Arbeits­le­ben zu Buche, die durch fos­si­le Ener­gie­trä­ger in die wirt­schaft­li­che Pro­duk­ti­on der moder­nen Gesell­schaf­ten flossen.

In die­sem Zusam­men­hang zeig­te Max Weber 1923 am Bei­spiel Eng­lands auf, daß ohne eine Ver­ko­kung der Koh­le der indus­tri­el­le Auf­schwung Anfang des 18. Jahr­hun­derts zum Erlie­gen gekom­men wäre: »Über­all brach­te die Wald­ver­wüs­tung die indus­tri­el­le Ent­wick­lung an einem bestimm­ten Punkt zum Still­stand. Von der Bin­dung an die orga­nisch gege­be­nen Stof­fe des Pflan­zen­rei­ches eman­zi­pier­te sich die Eisen­ver­hüt­tung erst durch Ver­wen­dung der Stein­koh­le« – der »unter­ir­di­sche Wald« ret­te­te den ober­ir­di­schen und garan­tier­te das öko­no­mi­sche Wachstum.

Seit der Indus­tria­li­sie­rung stieg die Ver­wen­dung fos­si­ler Brenn­stof­fe unent­wegt, wäh­rend zeit­gleich der Anteil mensch­li­cher Arbeit in der Land­wirt­schaft und in der pri­mä­ren Ener­gie­pro­duk­ti­on in Kor­re­la­ti­on zum rea­len Preis von Lebens­mit­teln und Treib­stoff sank.

Die­ser Preis­ver­fall schlug sich kom­bi­niert mit dem durch die Ener­gie­auf­wen­dung erzeug­ten Mehr­wert in all­ge­mei­nem Wohl­stand nie­der; frei­wer­den­de Arbeits­kraft wur­de in höher qua­li­fi­zier­te Berei­che und Dienst­leis­tungs­sek­to­ren umge­lenkt, um die wach­sen­den Bedürf­nis­se der neu­en Kon­sum­ge­sell­schaft zu befrie­di­gen, deren erhöh­te Nach­fra­ge wie­der­um erst aus dem Ein­satz fos­si­ler Brenn­stof­fe und Inno­va­tio­nen rührte.

Ein sich selbst­ver­stär­ken­der Pro­zeß der Ver­nut­zung war in Gang gekom­men, der (um Ernst-Wolf­gang Böcken­för­des Dik­tum auf die­ses Feld zu über­tra­gen) von einer gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Sub­stanz lebt, die er selbst nicht (wieder-)herstellen kann.

Indes­sen zehrt die libe­ra­le, »offe­ne« Gesell­schaft von den tech­ni­schen und wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ten des öko­no­mi­schen Sek­tors. Die kapi­ta­lis­ti­sche Tri­ni­tät aus Indus­tria­li­sie­rung (Ener­gie­nut­zung), Wohl­stand und Mobi­li­tät ent­zog das gemei­ne Indi­vi­du­um sei­ner ange­stamm­ten Bin­dun­gen an Boden und (fami­liä­rer) Gemein­schaft, was Ent­gren­zung, sozia­lem Lais­sez-fai­re und indi­vi­dua­lis­ti­schem Selbst­ent­fal­tungs­stre­ben die Tore öffnete.

Hier­bei nahm die Erfin­dung der Eisen­bahn (Mobi­li­tät) eine Schlüs­sel­rol­le ein: Mit ihrem Erschei­nen explo­dier­te der Bedarf und die Pro­duk­ti­on sowohl im Kon­sum­gü­ter­sek­tor als auch im Maschi­nen­bau und der Schwer­indus­trie. Die Stadtag­glo­me­ra­ti­on etwa des Ruhr­ge­biets, und die damit ver­bun­de­ne Bal­lung von Bevöl­ke­rung und Indus­trie, konn­te über­haupt erst durch das Trans­port­mit­tel Eisen­bahn entstehen.

Im Wind­schat­ten der Dampf­lok trans­for­mier­te sich die Gesell­schaft von einer agra­risch gepräg­ten zu einer indus­tri­el­len, in der Unter­neh­mer, Indus­trie­ar­bei­ter und spä­ter auch Ange­stell­te das Bevöl­ke­rungs­bild bestimm­ten. Märk­te und Waren­tausch, Arbeits­markt und Lohn­ar­beit ver­dräng­ten die tra­di­tio­nel­le Ver­bin­dung zwi­schen Pro­duk­ti­ons­ein­heit und Soli­dar­ge­mein­schaft des Mit­tel­al­ters – Zusam­men­schlüs­se von Pro­du­zen­ten waren simul­tan genos­sen­schafts­ar­ti­ge Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen und kapi­ta­lis­ti­sche Betrie­be gewesen.

Der »alte« Kapi­ta­lis­mus ver­kör­per­te eine gemischt­wirt­schaft­li­che Ord­nung, inso­fern als die öko­no­misch-tech­ni­sche Ent­wick­lung der indus­tri­el­len Pro­duk­ti­on an ethi­sche Wer­te des Wirt­schaf­tens gebun­den war (sie­he Zins­ver­bot der Zünf­te) und damit die Akti­vi­tä­ten eines Betriebs direkt mit sei­ner Ver­ant­wor­tung für das gesam­te sozia­le Leben verband.

Wenn man also dem libe­ra­len Wirt­schaf­ten eine kon­ser­va­ti­ve Alter­na­ti­ve gegen­über­stel­len möch­te, so stün­de mit der kor­po­ra­ti­ven Wirt­schafts­ord­nung des Mit­tel­al­ters ein Ori­en­tie­rungs­punkt zur Ver­fü­gung, wel­cher der Ent­fes­se­lung, die Bezug­nah­me auf Ord­nung, gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung und einen Aus­gleich der Gesamt­heit der Inter­es­sen entgegensetzte.

Aller­dings war das neue, mit ener­ge­ti­schen Hilfs­mit­teln am Lau­fen gehal­te­ne Pro­duk­ti­ons­re­gime mit sei­ner exor­bi­tan­ten Mehr­wert­al­lo­ka­ti­on dazu in der Lage, durch eine Umver­tei­lung in Form des Sozi­al­staa­tes fürs Ers­te sei­ne ato­mi­sie­ren­de Wir­kung abzu­fe­dern und die sozia­le Für­sor­ge vom Soli­dar­ver­band der Fami­lie auf den Staat umzulegen.

Das sorg­te aber zeit­gleich für eine Auf­lö­sung fami­liä­rer Bin­dun­gen, als von nun an zum Bei­spiel die Pfle­ge der älte­ren Fami­li­en­mit­glie­der an Hei­me, finan­ziert durch staat­li­che Alters­vor­sor­ge und Kran­ken­kas­sen, über­tra­gen wer­den konn­te. Im 20. Jahr­hun­dert unter­spül­ten Wohl­stand und Sozi­al­staat die Insti­tu­ti­on »Fami­lie« und beraub­ten sie ihres gemein­schaft­li­chen Gewichts.

Die fort­schrei­ten­de Arbeits­tei­lung einer aus­ufern­den sozia­len Dif­fe­ren­zie­rung ließ die tra­di­tio­nel­len Geschlech­ter­rol­len als über­kom­me­ne Relik­te dunk­ler, »repres­si­ver« Ver­gan­gen­hei­ten erschei­nen. Die Frau wur­de vom Arbeits­markt »ent­deckt«, die Kin­der­be­treu­ung orga­ni­siert, die Rol­len­ver­tei­lung aufgehoben.

Spe­zi­ell im Dienst­leis­tungs­sek­tor sind vie­le Tätig­kei­ten andro­gy­ner Natur, und das Geschlecht ist damit kein limi­tie­ren­der Fak­tor der Aus­übung mehr. Hohe Schei­dungs­ra­ten, Beschrän­kung auf die Kern­fa­mi­lie, sin­ken­de Gebur­ten­ra­ten und die »Ehe für alle« sind Fol­gen des Bedeu­tungs­ver­lusts eines einst­mals kon­sti­tu­ie­ren­den Ele­ments euro­päi­scher Gesellschaften.

Auch in die­sem Kon­text kommt der Fak­tor »Mobi­li­tät« zum Tra­gen: War der »Hei­rats­markt« bis Mit­te des 20. Jahr­hun­derts auf­grund des regio­na­len Hori­zonts für die meis­ten Deut­schen über­schau­bar gewe­sen, so ergibt sich in den Zei­ten von Auto­mo­bil, Part­ner­bör­sen, stän­di­gem Wohnrt- und Arbeit­ge­ber­wech­sel, eine gefühlt uner­schöpf­li­che Oppor­tu­ni­täts­struk­tur der Part­ner­wahl, die eine stän­di­ge, »bes­se­re« Alter­na­ti­ve zum Sta­tus quo suggeriert.

Man ist nicht mehr mit dem Gege­be­nen zufrie­den, son­dern sucht das Opti­mier­te – wie das Wort »Hei­rats­markt« impli­ziert, ist auch die engs­te der mensch­li­chen Bin­dun­gen nicht von der Feil­bie­tung auf ver­meint­lich »unver­bind­li­chen« Märk­ten ver­schont geblie­ben: Im »rea­len Libe­ra­lis­mus« wird alles zur Ware, wird alles zum Marktprojekt.

Ähn­li­ches gilt für die Migra­ti­on. Man kann die Ent­gren­zung als das Ergeb­nis von Ener­gie­auf­wen­dung und tech­no­lo­gi­schem Fort­schritt betrach­ten – Flug­zeug, Auto und Bahn als Vehi­kel des Kos­mo­po­li­ten. Zeit­gleich wird Migra­ti­on als funk­tio­na­ler Pro­zeß der Arbeits­kraft­be­schaf­fung ver­stan­den, der die Ver­nut­zungs­ma­schi­ne am Lau­fen hal­ten soll.

Wie bereits erwähnt, sinkt als Fol­ge der Über­fluß­ge­sell­schaft die Fer­ti­li­täts­ra­te der Auto­chtho­nen; es man­gelt, wenn man so möch­te, am mensch­li­chen Treib­stoff für das Pro­duk­ti­ons­re­gime. Sofern sich die Migran­ten in das bestehen­de Sys­tem ein­pas­sen und nicht in Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten abkap­seln, sind sie als­bald den­sel­ben (wirt­schaft­li­chen) Zwän­gen unter­wor­fen wie die ein­hei­mi­sche Urbe­völ­ke­rung. Ihre Gebur­ten­ra­te gleicht sich an die der Deut­schen an und das Spiel der aus­län­di­schen Arbeits­kraft­be­schaf­fung muß von neu­em beginnen.

An die­sem Teu­fels­kreis wird deut­lich, war­um im Ein­gang des Auf­sat­zes vom Auf­brau­chen der gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Sub­stanz die Rede war, die das sys­te­mi­sche Geflecht aus Ener­gie­ver­sor­gung, Indus­trie- und Kon­sum­struk­tu­ren nicht rege­ne­rie­ren kann.

Zwar konn­te der all­ge­mei­ne Über­fluß, der sich ab dem »Wirt­schafts­wun­der« der 1950er Jah­re über das Land gelegt hat­te, die Ris­se in der Fas­sa­de des »rea­len Libe­ra­lis­mus« kaschie­ren und über­tün­chen, jedoch kop­pelt die Pro­spe­ri­täts­trun­ken­heit nega­tiv zurück und erzeugt selbst mehr Pro­ble­me als sie zu lösen vermag.

Trotz der nach­tei­li­gen sozia­len (Neben)-Effekte und ihrer desta­bi­li­sie­ren­den Wir­kung für das Gemein­we­sen, ist die Geschich­te des »rea­len Libe­ra­lis­mus« eine Geschich­te des mate­ri­ell ver­stan­de­nen Erfol­ges. Wie auch immer sich sei­ne Zukunft gestal­ten wird, man kann ihm sei­ne der­zei­ti­ge Domi­nanz über den euro­päi­schen Kon­ti­nent und sei­ne welt­wei­te Strahl­kraft kaum absprechen.

Gleich­wohl ist das letz­te Wort kei­nes­wegs gespro­chen, das Ende der Geschich­te noch nicht erreicht. Denn unab­hän­gig von sei­nen sozia­len Unzu­läng­lich­kei­ten setz­te auf­grund des unge­zü­gel­ten Ener­gie­ver­brauchs des libe­ra­len Wirt­schafts­sys­tems zudem eine Pro­ble­ma­tik ein, die Rolf Peter Sie­fer­le im Epo­chen­wech­sel als »Umwelt­kri­se« beschreibt: Die Natur sei von einer »Kri­se« erfaßt, »sie steht an der Schwel­le zu einer Trans­for­ma­ti­on in einen ande­ren, neu­ar­ti­gen Zustand, der sich von den über­kom­me­nen Natur­zu­stän­den in wesent­li­chen Zügen unter­schei­den wird«.

Sie­fer­le sieht die »Umwelt­kri­se« als »Resul­tat der Unter­kom­ple­xi­tät des Steue­rungs­ver­mö­gens kul­tu­rell-indus­tri­el­ler Struk­tu­ren in Rela­ti­on zur höhe­ren Kom­ple­xi­tät von Natur­zu­sam­men­hän­gen, die ihrer­seits Rand­be­din­gun­gen die­ser kul­tu­rell-indus­tri­el­len Struk­tu­ren bil­den, von die­sen jedoch in einer Wei­se gestört wer­den, daß die Erfül­lung die­ser Rand­be­din­gun­gen nicht mehr gewähr­leis­tet ist«.

Anders aus­ge­drückt ste­hen die moder­nen Gesell­schaf­ten mit ihren natür­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen in einer Dis­so­nanz, die letzt­lich in der sub­stan­ti­el­len Stö­rung oder sogar im völ­li­gen Kol­laps des Gesamt­sys­tems resul­tie­ren muß. Damit nicht genug, sind die Res­sour­cen, von denen die »kul­tu­rell-indus­tri­el­len Struk­tu­ren« zeh­ren, endlich.

Weber erkann­te, daß »der Raub­bau an den Boden­schät­zen sei­ne zeit­li­chen Gren­zen haben« wird, das »eiser­ne Zeit­al­ter« höchs­tens ein Jahr­tau­send andau­ern kön­ne. Der Ein­tritt bevöl­ke­rungs­rei­cher Schwel­len­län­der wie Chi­na oder Indi­en in die Pha­se wirt­schaft­li­chen und indus­tri­el­len Wachs­tums spitzt die Lage sowohl in Bezug auf die »Umwelt­kri­se« als auch die Res­sour­cen­knapp­heit wei­ter zu.

Die deut­sche Ener­gie­wen­de kann in die­sem Zusam­men­hang als der Ver­such gel­ten, über alter­na­ti­ve (erneu­er­ba­re) Roh­stoff­quel­len »Fort­schritt« und Wachs­tum zu sichern, indem sie die nega­ti­ven Effek­te des indus­tri­el­len Kom­ple­xes ver­rin­gern und die Abhän­gig­keit von limi­tier­ten Res­sour­cen been­den soll.

Der­weil steht die­ses Unter­fan­gen vor dem Para­do­xon, daß es in sei­ner abso­lu­ten Kon­se­quenz einen Schritt zurück in die Flä­che bedeu­tet, der ohne eine ein­schnei­den­de Ver­rin­ge­rung des Ener­gie­ver­brauchs kei­ne Siche­rung der Elek­tri­zi­täts­nach­fra­ge garan­tie­ren kann.

Unter den aktu­el­len tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen bedeu­tet Ener­gie­wen­de Schrump­fung statt Wachs­tum, wes­we­gen sie als ener­ge­ti­scher Heils­brin­ger der Über­fluß­ge­sell­schaft ins Lee­re läuft. Letz­ten Endes scheint die Begren­zung der Ent­fes­se­lung der Moder­ne unaus­weich­lich, sei es nun in Bezug auf gesell­schaft­li­che Insti­tu­tio­nen oder den Energieverbrauch.

Der Blick auf die­se Pro­zes­se ist für die »Neue Rech­te« von gro­ßem Inter­es­se, und zwar in mehr­fa­cher Hinsicht:

1. Die ener­ge­ti­sche Per­spek­ti­ve durch­leuch­tet die Mecha­nis­men moder­ner Gesell­schaf­ten und ihre Schwach­punk­te und Defi­zi­te. Sie befä­higt uns zu einer genaue­ren Beschrei­bung des libe­ra­len Sys­tems und bewahrt uns davor, Poli­ti­ken imple­men­tie­ren zu wol­len, die bereits am bestehen­den Ener­gie­re­gime und sei­nen sozia­len Anreiz­struk­tu­ren schei­tern müssen.

2. Sie ruft uns die Rele­vanz der Öko­lo­gie und unse­re eige­ne Posi­ti­on zur sel­ben zurück ins Gedächt­nis. Wie soll aus rech­ter Per­spek­ti­ve Ener­gie­nut­zung erfol­gen? Wie gestal­tet sich rech­ter Natur­schutz? Unser urei­ge­nes The­ma liegt schon viel zu lan­ge brach und wur­de in Gestalt der Grü­nen an eine Par­tei ver­äu­ßert, die selbst Teil des Pro­blems ist und nicht sei­ne Lösung.

3. Sie zeigt uns, daß eine sta­bi­le Indus­trie­ge­sell­schaft eine Illu­si­on bleibt, inso­fern als sie mate­ri­ell, sym­bo­lisch und nor­ma­tiv »auf dem Ver­zehr von Bestän­den« beruht.

4. Sie stellt die Fra­ge nach der natio­na­len Sou­ve­rä­ni­tät, denn nur wer selbst­be­stimmt über sei­ne Ener­gie­res­sour­cen ver­fügt, ist souverän.

Ers­te Schrit­te zur Fokus­sie­rung der ener­ge­ti­schen Per­spek­ti­ve in unse­rem Milieu sind bereits getan: Tho­mas Hoofs Arti­kel »Das Ende der Reich­lich­keit« in der Som­mer­aus­ga­be der Vier­tel­jah­res­schrift Tumult von 2018 ela­bo­riert den hoch­dy­na­mi­schen Pro­zeß der Moder­ni­sie­rung ent­lang sei­ner Ener­gie­zu­fuhr, wäh­rend das Inter­net­ma­ga­zin anbruch-magazin.de danach strebt, die Öko­lo­gie für die Rech­te zurückzuerobern.

Jetzt geht es dar­um, die The­ma­tik der Ener­gie­nut­zung und ihrer gesell­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen wei­ter zu ver­fol­gen sowie die damit ver­bun­de­ne Posi­tio­nie­rung zur öko­lo­gi­schen Fra­ge den ihr in der Neu­en Rech­ten zuste­hen­den Raum zu verschaffen.

Wir ste­hen am Anfang eines Epo­chen­wech­sels, der maß­geb­lich durch ener­ge­ti­sche Varia­blen aus­ge­löst wur­de und auch von ihnen geprägt sein wird. Wenn die kom­men­de Epo­che eine Epo­che der Rech­ten wer­den soll, dann brau­chen wir Ant­wor­ten auf die sys­tem­im­ma­nen­te Insta­bi­li­tät des Libe­ra­lis­mus, die über den The­men­kom­plex der Nati­on und Migra­ti­on hinausgehen.

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