Sieben Thesen über den Konservatismus

von Gerd Klaus Kaltenbrunner
PDF der Druckfassung aus Sezession 91/August 2019

 Gastbeitrag

Gastbeitrag

Auch bei miß­traui­schem Blick auf die Sze­ne nicht nur der Bun­des­re­pu­blik, son­dern der west­li­chen Welt über­haupt, kann man ernst­haf­te Anzei­chen einer kon­ser­va­ti­ven Besin­nung kaum übersehen.

Wenn ange­sichts der Gefahr einer Öko­ka­ta­stro­phe und der Leh­ren von zwei Jahr­hun­der­ten Revo­lu­ti­on nicht mehr die pro­gres­si­ve Ent­fes­se­lung der indus­tri­el­len Pro­duk­tiv­kräf­te, die ste­ti­ge Stei­ge­rung des Lebens­stan­dards und die Ver­wirk­li­chung einer sozia­len Uto­pia zeit­ge­mäß sind, son­dern die Ver­hü­tung des Welt­un­ter­gan­ges, die Bewah­rung der Natur und die umsich­ti­ge Ver­wal­tung der immer knap­per wer­den­den Bestän­de, dann ist schwer ein­zu­se­hen, wie die­se von den »Gren­zen des Wachs­tums« uns auf­er­leg­ten Not­wen­dig­kei­ten durch eine pro­gres­sis­tisch-eman­zi­pa­to­ri­sche Theo­rie und Pra­xis bewäl­tigt wer­den könnten.

Dazu bedarf es viel­mehr einer Ehren­ret­tung und Erneue­rung von Grund­sät­zen, Ein­sich­ten und Tugen­den, die man in einem sehr bestimm­ten Sinn für kon­ser­va­tiv erklä­ren kann. Die seit dem Zeit­al­ter der Auf­klä­rung ent­stan­de­nen lin­ken Ideo­lo­gien – vom klas­si­schen Libe­ra­lis­mus bis zum Mar­xis­mus – waren durch­weg davon aus­ge­gan­gen, daß sich durch zuneh­men­de Güter­er­zeu­gung unwei­ger­lich auch die Lebens­qua­li­tät ver­bes­se­re und daß das Ziel der Mensch­heit in unun­ter­bro­chen fort­schrei­ten­der Indus­tria­li­sie­rung, Tech­ni­sie­rung, Urba­ni­sie­rung, Homo­ge­ni­sie­rung und Aus­beu­tung der Natur bestehe.

Wer das bezwei­felt (und die Zahl der Zweif­ler wächst von Jahr zu Jahr), der kann sich in einem geis­tes­po­li­ti­schen Sin­ne schwer­lich als »links« oder »pro­gres­siv« ein­ord­nen. Denn er stellt mit die­sem Zwei­fel die gesam­te pro­gres­sis­ti­sche Phi­lo­so­phie der letz­ten zwei Jahr­hun­der­te in Fra­ge, um sich, wenn­gleich bis­wei­len unbe­wußt, Prin­zi­pi­en und Ideen zu nähern, denen von jeher kon­ser­va­ti­ve Kri­ti­ker sowohl des Kapi­ta­lis­mus als auch des Sozia­lis­mus gehul­digt haben.

Er wird schließ­lich den Ver­dacht hegen, daß die gro­ßen Auf­ga­ben des zu Ende gehen­den 20. Jahr­hun­derts nur von einem kon­ser­va­ti­ven Ansatz her zu bewäl­ti­gen sind. Kon­ser­va­tis­mus war zu kei­ner Zeit ein in dem Maße sys­te­ma­tisch geklär­ter Begriff wie sei­ne Gegen­spie­ler auf der lin­ken Sei­te, also Libe­ra­lis­mus, Sozia­lis­mus, Anar­chis­mus etc. Die Besin­nung auf die Ety­mo­lo­gie des vom latei­ni­schen con­ser­va­re (bewah­ren) kom­men­den Wor­tes hilft nicht viel, denn jeder­mann, auch der Anar­chist, will irgend etwas bewahren.

Es gibt kei­ne poli­ti­sche Rich­tung, ein­schließ­lich der revo­lu­tio­närs­ten, die nicht irgend­ei­ne pri­mä­re Beja­hung, ein bestimm­tes Bewah­ren­wol­len vor­aus­setzt. Inso­fern hat alles poli­ti­sche Den­ken zumin­dest auch kon­ser­va­ti­ve Ele­men­te, wie Ernst Nol­te und Mar­tin Puder etwa für den Mar­xis­mus nach­ge­wie­sen haben. Es gibt aber auch nie­man­den, der alles, genau­so wie es ist, bewah­ren will. Auch der kon­ser­va­tivs­te Mensch ist mit der Wirk­lich­keit, dem Sta­tus quo, nicht völ­lig ein­ver­stan­den, auch er will durch­aus vie­les verändern.

Wäre die kon­ser­va­ti­ve Denk­wei­se und Lebens­hal­tung nur eine gra­du­el­le Ange­le­gen­heit, dann lohn­te es sich kaum, sie aus­führ­li­cher dar­zu­stel­len. Sie wäre dann ein­fach das Nega­tiv der »Lin­ken«. Doch in Wirk­lich­keit ist Kon­ser­va­tis­mus mehr als eine Sache des Gra­des. Er hat sei­ne eige­nen Grund­mo­ti­ve, Gehal­te und The­sen, aus denen allein er ver­stan­den wer­den kann. Er bedeu­tet eine unver­wech­sel­ba­re geis­ti­ge Atti­tü­de zu Welt und Leben, die sich viel­leicht in sie­ben Grund­an­nah­men zusam­men­fas­sen läßt.

Ers­tens: Men­schen sind begrenz­te, unglei­che, end­li­che und des­halb auf Dis­zi­plin und Bin­dung ange­wie­se­ne Wesen. 

Der Kon­ser­va­ti­ve ist – aus wel­chen Grün­den immer, aus ange­bo­re­ner Skep­sis, aus Erfah­rung oder aus schmerz­li­cher Ernüch­te­rung – nicht davon über­zeugt, daß der Mensch ein von Natur aus gutes, nur durch außer ihm lie­gen­de Umstän­de ver­dor­be­nes Wesen sei. Er glaubt, daß der Mensch nicht ohne äuße­re Ord­nun­gen, die stets auch ein gewis­ses Aus­maß an Zwang und Repres­si­on mit sich brin­gen, jene Gerech­tig­keit und Frei­heit errei­chen und bewah­ren kön­ne, die die Lin­ke als gesell­schaft­li­chen End­zu­stand verkündet.

Die Lin­ke jeder Spiel­art – von den Libe­ra­len über die Sozia­lis­ten bis zu den Anar­chis­ten – hält den Men­schen für von Natur aus gut. Der Mensch ist für sie viel­leicht noch nicht erzo­gen, doch immer­hin zum Guten erzieh­bar. Der Kon­ser­va­ti­ve hin­ge­gen hält den Men­schen wenn schon nicht für erb­sün­dig, so doch für erb­schul­dig. Sei­ne Anthro­po­lo­gie kann sich nicht nur auf Arnold Geh­len und Kon­rad Lorenz stüt­zen, und sie ist auch nicht als säku­la­ri­sier­ter Able­ger einer ein­sei­ti­gen Erb­sün­den­leh­re abzutun.

Es las­sen sich für sie durch­aus außer­christ­li­che Bele­ge fin­den. »In der Regel tun die Men­schen ein­an­der Unrecht, wann immer sie Macht dazu haben«, heißt es schon bei Aris­to­te­les. »Viel des Furcht­ba­ren gibt es, doch nichts ist furcht­ba­rer als der Mensch«, beginnt eine Chor­stro­phe in der sopho­klei­schen »Anti­go­ne«, wel­che Aus­sa­ge der chas­si­di­sche Baal­schem auf sei­ne Wei­se dahin abkürzt: »Der Mensch ist furchtbar.«

Und Pes­ta­loz­zi, der alles ande­re als ein Mis­an­throp war, lie­fert dazu die nähe­re Begrün­dung: »Der Mensch … ist von Natur, wenn er, sich selbst über­las­sen, wild auf­wächst, träg, unwis­send, unvor­sich­tig, unbe­dacht­sam, leicht­sin­nig, leicht­gläu­big, furcht­sam und ohne Gren­zen gie­rig und wird dann noch durch die Gefah­ren, die sei­ner Schwä­che, und die Hin­der­nis­se, die sei­ner Gie­rig­keit auf­sto­ßen, krumm, ver­schla­gen, heim­tükkisch, miß­trau­isch, gewalt­sam, ver­we­gen, rach­gie­rig und grausam.

Das ist der Mensch, wie er von Natur, wenn er, sich selbst über­las­sen, wild auf­wächst, wer­den muß; er raubt, wie er ißt, und mor­det, wie er schläft. Das Recht sei­ner Natur ist sein Bedürf­nis, der Grund sei­nes Rechts ist sein Gelüst, die Gren­ze sei­ner Ansprü­che sind sei­ne Träg­heit und die Unmög­lich­keit, wei­ter zu gelan­gen. In die­sem Grad ist es wahr, daß der Mensch, so wie er von Natur ist und wie er, wenn er, sich selbst über­las­sen, wild auf­wächst, sei­ner Natur nach not­wen­dig wer­den muß, der Gesell­schaft nicht nur nichts nützt, son­dern ihr im höchs­ten Grad gefähr­lich und uner­träg­lich ist.«1

So ist, für­wahr, der Mensch beschaf­fen. Er ist der gebo­re­ne Wil­de. Er bedarf der ihn dis­zi­pli­nie­ren­den Gegen­kräf­te, die man nach der mehr sub­jek­ti­ven Sei­te Erzie­her, nach der mehr objek­ti­ven Gehäu­se nen­nen kann. Er kann nicht Mensch im Voll­sinn wer­den, wenn er sich selbst, sei­ner ursprüng­li­chen Wild­heit, sei­nem stets lau­ern­den Drang zum Unge­heu­ren über­las­sen bleibt.

Zwei­tens: Men­schen sind ange­wie­sen auf Ein­sich­ten und Ori­en­tie­run­gen, die sie weder aus dem ange­bo­re­nen Instinkt­vor­rat noch durch ratio­na­les Kal­kül und sub­jek­ti­ve Erfah­rung gewin­nen kön­nen. Das Arse­nal die­ser Ein­sich­ten und Ori­en­tie­run­gen ist die Über­lie­fe­rung, die durch die Geschich­te sich hin­durch hal­ten­de Tradition.

Der Kon­ser­va­ti­ve ver­tei­digt das Men­schen­recht auf Ver­gan­gen­heit. Eine erin­ne­rungs­lo­se Frei­heit ist leer.2 Der Mensch kann nicht ohne Erin­ne­rung mensch­lich sein. Er bedarf der Über­lie­fe­rung. Sei­ne Iden­ti­tät und Inte­gri­tät fin­det er durch die Ein­wur­ze­lung in geschicht­lich tra­dier­te Bestän­de, durch die Annah­me einer »Geschich­te«, der er sei­ne Loya­li­tät ent­ge­gen­bringt. Tra­di­ti­on ist eine kunst­vol­le Aus­deh­nung und Ver­tie­fung unse­res Gedächt­nis­ses, eine über­bio­lo­gi­sche Wei­se von Fort­pflan­zung und Vererbung.

»Wie weni­ges haben und sind wir«, sag­te Goe­the, »was wir im reins­ten Sin­ne unser Eigen­tum nen­nen! Wir müs­sen alle emp­fan­gen und ler­nen, sowohl von denen, die vor uns waren, als von denen, die mit uns sind. Selbst das größ­te Genie wür­de nicht weit kom­men, wenn es alles sei­nem eige­nen Innern ver­dan­ken wollte.«

Und Gil­bert Keith Ches­ter­ton fügt die­ser Ein­sicht ganz im Sin­ne Bur­kes hin­zu: »Tra­di­ti­on bedeu­tet, der tiefs­ten und ver­kann­tes­ten aller Klas­sen, unse­ren Vor­fah­ren, Stimm­recht ein­zu­räu­men. Sie bedeu­tet Demo­kra­tie für die Toten. Tra­di­ti­on lehnt es ab, der anma­ßen­den Olig­ar­chie der zufäl­lig heu­te Her­um­lau­fen­den das Feld allein zu überlassen.«

So dach­ten auch Gör­res, Savi­gny, Jacob Grimm, Bachofen und in unse­rem Jahr­hun­dert Whit­ehead. Den­ken so blo­ße Roman­ti­ker und Tra­di­tio­na­lis­ten, von Haus aus Unmün­di­ge, Zurück­ge­blie­be­ne oder starr­sin­ni­ge Eman­zi­pa­ti­ons­ver­wei­ge­rer, die zäh an ver­jähr­ten Vor­stel­lun­gen hän­gen? Sehr leicht stellt sich in die­sem Zusam­men­hang das Wort von den »Ewig Gest­ri­gen« ein, das Schil­ler nicht ohne Anzüg­lich­keit einem Man­ne in den Mund legt, der damit die Treue gegen den Kai­ser vor sich selbst ver­ächt­lich machen will … Dis­rae­li, der geni­als­te kon­ser­va­ti­ve Prak­ti­ker, warn­te vor der Zer­stö­rung der über­lie­fer­ten Sub­stanz und pro­phe­zei­te eine Rache der »erzürn­ten Tradition«.

Tra­di­ti­on aber, so kön­nen wir ergän­zen, ist nur insti­tu­tio­nell zu garan­tie­ren. Nur Insti­tu­tio­nen ver­mö­gen das Kapi­tal an Ein­sich­ten, Erfah­run­gen und Lebens­re­geln zu reprä­sen­tie­ren, das jedes Zeit­al­ter für das nach­kom­men­de treu­hän­de­risch ver­wal­ten muß. Sie ste­hen für das Urfak­tum fun­da­men­ta­ler Auto­ri­tät; in ihnen ver­kör­pern sich, nach einem Wort von Whit­ehead, die durch­gän­gi­gen Züge unse­rer Erfahrung.

Drit­tens: Erst in den gro­ßen Insti­tu­tio­nen fin­den die Men­schen vor sich selbst Schutz; nur in ihnen gewin­nen sie über­haupt erst Gestalt, Stand­ort und Handlungsspielraum.

Der Kon­ser­va­ti­ve ist Insti­tu­tio­na­list. Insti­tu­tio­nen sind, wie Geh­len gegen­über Ador­no beton­te, »Bän­di­gun­gen der Ver­falls­be­reit­schaft des Men­schen«, sozia­le Arte­fak­te und For­men, die von uns aske­ti­sche Akte der Selbst­zucht, der Ein­schrän­kung und Unter­wer­fung erhei­schen. Insti­tu­tio­nen sind jene sta­bi­li­sie­ren­den Stüt­zen und For­men, mit­tels derer ein sei­ner Natur nach ris­kier­tes, extrem kor­rum­pier­ba­res, zum Ver­fall berei­tes, unsta­bi­les, affekt­über­las­te­tes und an instink­ti­ven Regu­lie­rungs­me­cha­nis­men armes Wesen sich gleich­sam von außen her ver­steht, hoch­hält und hoch­schwingt, um sich selbst und sei­nes­glei­chen über­haupt erst erträg­lich, zu einem kul­ti­vier­ten Wesen zu machen.

In den Insti­tu­tio­nen kos­mi­siert sich der Mensch, bän­digt er sei­ne ers­te »wil­de« Natur. Die Insti­tu­tio­nen – Recht, Eigen­tum, Fami­lie, Kult, Staat und so wei­ter – sind die Gehäu­se des Men­schen. In ihnen fin­det er Schutz und Gebor­gen­heit, sei­nen Ort und Sta­tus in der Gesell­schaft. Sie ver­kör­pern ihm gegen­über jedoch auch das Rea­li­täts­prin­zip; sie bedeu­ten Gren­ze, Ver­pflich­tung und Zwang. Insti­tu­tio­nen sind Arte­fak­te, sie sind »künst­li­che« Ein­rich­tun­gen, wie die wört­li­che Über­set­zung des latei­ni­schen Wor­tes lau­tet. In ihnen rich­tet der Mensch sich auf die­ser Welt ein, an ihnen rich­tet er sein Leben aus.

Wo pro­gres­si­ve Geis­ter bloß das Abschnei­den alter Zöp­fe oder men­schen­freund­li­che Refor­men sehen wol­len, neigt des­halb der Kon­ser­va­ti­ve eher dazu, einen Schwund an mensch­li­cher Sub­stanz, ein Ver­schleu­dern kul­tu­rel­len Erbes, ein Nie­der­rei­ßen von schüt­zen­den und stüt­zen­den Schran­ken wahr­zu­neh­men. Dann wird der Mensch, so fürch­tet er, schnell pri­mi­ti­vi­siert, zurück­ge­schleu­dert in die chao­ti­sche »Natür­lich­keit« sei­ner unsi­cher gewor­de­nen Antrie­be. Das ist, um es in einem mytho­lo­gi­schen Bil­de zu sagen, der apol­li­ni­sche Wesens­zug des Konservativen.

Er bejaht die über­lie­fer­ten Insti­tu­tio­nen nicht, weil sie alt, son­dern weil sie Ord­nun­gen sind. Er bejaht die über­lie­fer­ten Insti­tu­tio­nen nicht aus einer nost­al­gie du pas­sé her­aus, son­dern weil sie For­men sind, die »das Leben ord­nen, aus­rich­ten und gram­ma­ti­ka­li­sie­ren.« Er bejaht die über­lie­fer­ten Insti­tu­tio­nen nicht, weil er sie für »natür­lich« hält, son­dern weil sie sozia­le Kunst­wer­ke sind und weil, wie Bur­ke in einer genia­len Maxi­me sagt, »art is man’s nature«.

Ist der Kon­ser­va­ti­ve, der als Insti­tu­tio­na­list ein gewis­ses Aus­maß an Ent­frem­dung sowie den Pri­mat der gro­ßen sozia­len und poli­ti­schen For­men vor dem Bedürf­nis nach Eman­zi­pa­ti­on bejaht, des­halb ein bor­nier­ter Reak­tio­när, der sich gegen jeden Wan­del mit Ingrimm sträubt und den jewei­li­gen Sta­tus quo unver­än­dert erhal­ten will?

Ist er not­wen­dig ein Apo­lo­get der Ober­klas­se, die, wie Max Sche­ler behauptet,4 dank­bar und ehr­fürch­tig auf die Ver­gan­gen­heit, die gute alte Zeit, dage­gen angst­voll und trüb­sin­nig in die Zukunft zu bli­cken pflegt? Kaum ein Vor­ur­teil ist so ver­brei­tet wie jenes, daß Kon­ser­va­tis­mus und Wan­del sich aus­schlie­ßen, daß der Kon­ser­va­ti­ve grund­sätz­lich ent­wick­lungs­feind­lich sei und, wie von Met­ter­nich berich­tet wird, über gesell­schaft­li­che Ver­än­de­run­gen hin­aus sogar noch jeden Jah­res­wech­sel instink­tiv verabscheue.

Wie wenig die­se Unter­stel­lung der kon­ser­va­ti­ven Denk­wei­se gerecht wird, beweist schon ein flüch­ti­ges Stu­di­um eini­ger kon­ser­va­ti­ver Klas­si­ker. Bur­ke sag­te zwar mali­zi­ös: »Der Geist der Neue­run­gen ist gewöhn­lich das Attri­but klei­ner Cha­rak­te­re und ein­ge­schränk­ter Köp­fe. Leu­te, die hin­ter sich auf ihre Vor­fah­ren bli­cken, wer­den auch nie vor sich auf ihre Nach­kom­men sehen.«

Doch unmit­tel­bar dar­auf rühmt er gera­de an der eng­li­schen Nati­on ihr Ver­ständ­nis dafür, »that the idea of inheri­tance fur­nis­hes a sure princip­le of con­ser­va­ti­on, and a sure princip­le of trans­mis­si­on; without at all exclu­ding a princip­le of impro­ve­ment« – »daß die Idee der Erb­lich­keit – wir kön­nen auch sagen: der Über­lie­fe­rung – ein siche­res Prin­zip der Erhal­tung und auch der Wei­ter­ga­be bie­tet, ohne im gerings­ten ein Prin­zip der Ver­bes­se­rung auszuschließen.«5

Von Dis­rae­li stammt das Wort: »Assist pro­gress, resist revo­lu­ti­on.« Und eben weil er sich, wie Bur­ke, bewußt war, daß die Insti­tu­tio­nen geschicht­li­che Schöp­fun­gen mensch­li­cher Pra­xis sind (»A nati­on is a work of art and a work of time«), sah er auch kei­nen Grund, wes­halb die Ent­wick­lung bei den momen­tan bestehen­den sozia­len Gebil­den ste­hen­blei­ben sollte.

Dis­rae­li hat dar­aus auch als Staats­mann die prak­ti­schen Kon­se­quen­zen gezo­gen, indem er die eng­li­schen Kon­ser­va­ti­ven zu einer Par­tei akti­ver Sozi­al­re­form umwan­del­te, die vor radi­ka­len Umge­stal­tun­gen nicht zurück­ge­schreckt und im Zei­chen der »Tory Demo­cra­cy« auch gro­ße Tei­le der Arbei­ter­schaft für sich zu gewin­nen vermochte.6 Des­halb lau­tet ein wei­te­res kon­ser­va­ti­ves Prinzip:

Vier­tens: Die Welt, soweit wir sie ken­nen, befin­det sich in stän­di­gem Wan­del, und Ord­nung ist in einem sol­chen evo­lu­ti­ven Uni­ver­sum nur mög­lich als Pro­zeß, als fluk­tu­ie­ren­de Ordnung. 

»Bei einem Fluß ist es nicht mög­lich, zwei­mal hin­ein­zu­stei­gen in den­sel­ben – auch nicht ein sterb­li­ches Wesen zwei­mal zu berüh­ren und zu fas­sen im glei­chen Zustand – es zer­fließt und wie­der strömt es zusam­men und kommt her und geht fort.« Die­ses Wort stammt von Hera­klit, dem ers­ten Kon­ser­va­ti­ven unter den Phi­lo­so­phen. Das Uni­ver­sum ist flüs­sig und flüch­tig, das Leben eine Rei­he von Über­ra­schun­gen, und Dau­er nur ein rela­ti­ver Begriff.

Sta­bi­li­tät ist nicht Still­stand. Was so aus­sieht, ist nur die Atem­pau­se eines Augen­bli­ckes, die tem­po­rä­re Platt­form einer zur Rei­fe gedie­he­nen Lebens­ge­stalt. So wie unse­re Stim­mun­gen bestän­dig wech­seln, gibt es auch in der Welt­ge­schich­te kein Gleich­ge­wicht. Wir tür­men müh­sam Stein um Stein auf­ein­an­der und wis­sen doch, daß wir am Ende hin­ab müs­sen, daß kein Stein auf dem ande­ren bleibt, daß Sta­tik gleich­be­deu­tend wäre mit dem Ende der Evo­lu­ti­on, daß Ungleich­ge­wicht, Unab­ge­schlos­sen­heit, Vor­läu­fig­keit zu den bestim­men­den Kenn­zei­chen alles Lebens gehören.

Das schein­bar sta­bi­le Uni­ver­sum zer­brö­ckelt unter unse­ren Füßen, unauf­halt­sam zer­streut sich die Ener­gie, die Quel­len der natür­li­chen Pro­zes­se wer­den schwä­cher, und sogar die Mate­rie löst sich auf. Zugleich aber spü­ren wir in uns eine gegen­läu­fi­ge Ten­denz, einen élan vital, einen Durst nach Dau­er und Ver­ewi­gung, füh­len wir uns im Bun­de mit den auf­wärts­ge­rich­te­ten, mutie­ren­den Bewe­gun­gen, die dem phy­si­ka­li­schen Ver­fall ent­ge­gen­ge­setzt sind, wie sie im all­jähr­li­chen Früh­lings­er­wa­chen und in der Evo­lu­ti­on immer kom­ple­xe­rer Orga­nis­men zum Aus­druck kommen.

In sol­cher Per­spek­ti­ve, die wir getrost hera­kli­tisch nen­nen dür­fen, gewinnt ein apo­kry­phes Jesus-Wort einen tie­fen Sinn: »Wer­det Wan­de­rer!« Wan­de­rer ist, wer der Ver­su­chung wider­steht, sich in die­ser Welt end­gül­tig ein­rich­ten zu wol­len. Die­se Hal­tung des homo via­tor unter­schei­det den ech­ten Kon­ser­va­ti­ven vom Reak­tio­när. Der Reak­tio­när hängt an einer bestimm­ten geschicht­li­chen Gestalt, die er fixie­ren oder, wenn sie bereits ver­gan­gen ist, unver­än­dert repe­tie­ren will.

Reak­ti­on ist unschöp­fe­risch. Sie ver­harrt in einer rein nega­ti­ven Anti-Hal­tung gegen­über dem Wan­del und ver­mag des­halb auch nicht als Kor­rek­tiv des­sel­ben zu wir­ken. So war die kle­ri­ka­le Reak­ti­on in Frank­reich auf nichts ande­res aus als auf die Wie­der­her­stel­lung des Anci­en régime; so woll­ten die Deutsch­na­tio­na­len in der Wei­ma­rer Repu­blik eine Rück­kehr der Hohen­zol­lern und ver­bün­de­ten sich aus Haß gegen den kai­ser­lo­sen Staat lie­ber mit Hit­ler, anstatt zu ver­su­chen, die kon­ser­va­ti­ven Grund­sät­ze unter den neu­en Bedin­gun­gen zu erproben.

Eben­so reak­tio­när war die Hal­tung über­wie­gend früh­li­be­ra­ler Unter­neh­mer, für die der pro­le­ta­ri­sche Sozia­lis­mus kei­ne Her­aus­for­de­rung von Gewis­sen, Phan­ta­sie und sozia­lem Gerech­tig­keits­sinn dar­stell­te, son­dern bloß eine Ange­le­gen­heit der Poli­zei, deren Auf­ga­be es sei, die Arbei­ter nie­der­zu­knüp­peln. Der Kon­ser­va­ti­ve ist sich, anders als der Reak­tio­när, der Tat­sa­che bewußt, daß Tra­di­ti­on nicht ein­fach erhal­ten wer­den kann, son­der ver­tieft und ver­mehrt wer­den muß. Der Kon­ser­va­ti­ve weiß, daß Ent­wick­lung ohne Erhal­tung des Bestehen­den nur ein Über­gang von einem Nichts zu einem ande­ren ist, daß Fort­schritt vor allem in der schöp­fe­risch ver­jün­gen­den Über­nah­me der Ver­gan­gen­heit besteht.

Der Kon­ser­va­ti­ve weiß aber auch, daß die für den Men­schen lebens­not­wen­di­ge Sta­bi­li­tät nicht gleich­be­deu­tend mit Wan­del­lo­sig­keit ist. Sta­bi­li­tät ist die Bedin­gung nicht­ka­ta­stro­phi­schen Wan­dels: künf­ti­ger Ent­wick­lung eben­so wie künf­ti­ger Bewahrung.

Insta­bil hin­ge­gen ist ein Zustand, in dem die Art und das Tem­po des Wan­dels die Schaf­fung von Ord­nung unmög­lich machen; oder ein Zustand, in dem eine schein­bar sta­bi­le Ord­nung, die in Wirk­lich­keit ver­kalkt und hohl ist, ihren eige­nen Unter­gang her­bei­ruft; oder eine Ord­nung, die viel­leicht auf den ers­ten Blick schöp­fe­risch und pro­gres­siv scheint, tat­säch­lich aber sich nur um den Preis einer öko­lo­gi­schen, kul­tu­rel­len und wirt­schaft­li­chen Hin­ter­las­sen­schaft zu ver­wirk­li­chen ver­mag, die kom­men­de Genera­tio­nen aller Wahr­schein­lich­keit nach ver­flu­chen werden.7

Man kann nicht zwei­mal in den­sel­ben Fluß stei­gen, sag­te Hera­klit. Aber er sag­te auch: Sich wan­delnd ruht das All. Es gibt durch­gän­gi­ge Züge der Erfah­rung und Kon­stan­ten gleich­sam über­ge­schicht­li­cher Art, die dem geschicht­li­chen Wan­del trot­zen. Wir kön­nen den Wan­del erken­nen, weil es Bestän­de, Struk­tu­ren und Wir­kungs­zu­sam­men­hän­ge gibt, die in ihm durchhalten.8

In einer sich per­ma­nent wan­deln­den Welt, einer world in pro­cess, die der tech­no­lo­gi­sche Mensch zuneh­mend durch in der Schöp­fung gleich­sam nicht vor­ge­se­he­ne Ein­grif­fe – bis hin­ein in die psy­cho-phy­si­sche Inte­gri­tät und die Erb­an­la­gen des Indi­vi­du­ums – zu ver­än­dern ver­mag, lau­tet ein wei­te­res kon­ser­va­ti­ves Prinzip:

Fünf­tens: Der Mensch muß regiert werden.

Das vor­ran­gi­ge Pro­blem unse­rer Zeit liegt nicht dar­in, daß wir uns von allen Auto­ri­tä­ten eman­zi­pie­ren (wie uns die soge­nann­ten Pro­gres­si­ven ein­re­den wol­len), son­dern in der Gewin­nung von regier­ba­ren Ord­nun­gen mit regier­ba­ren Men­schen. Der neu­zeit­li­che Mensch des Wes­tens hat man­che Tyran­nen besei­tigt – Unwis­sen­heit, Hun­ger und frü­hen Tod –, nicht aber die Not­wen­dig­keit, regiert zu werden.9 Alle revo­lu­tio­nä­ren Bewe­gun­gen, die jene Not­wen­dig­keit außer Kraft set­zen woll­ten, sind gescheitert.

Und alles spricht dafür, daß ihr Schei­tern bei der Errich­tung einer herr­schafts­lo­sen Gesell­schaft nicht durch his­to­ri­sche Zufäl­le bedingt, son­dern bereits im Anspruch selbst ange­legt ist. Der Libe­ra­lis­mus ging davon aus, daß die unter der Devi­se »Lais­ser-fai­re« statt­fin­den­de tech­no­lo­gisch-öko­no­mi­sche Expan­si­on unbe­grenzt wei­ter­ge­hen kön­ne. Er ver­trau­te dar­auf, daß die­ses von ihm als Fort­schritt gedeu­te­te Wachs­tum sich von selbst, wie von einer »unsicht­ba­ren Hand« gelenkt, sta­bi­li­sie­ren und har­mo­ni­sie­ren würde.

Es gäbe, so mein­te er, einen Zustand prästa­bi­li­sier­ter Har­mo­nie unter den indi­vi­du­el­len Inter­es­sen, der sich sozu­sa­gen auto­ma­tisch ver­wirk­li­che, wenn man nur die­sen Inter­es­sen frei­en Lauf gäbe. Die­se Über­zeu­gung bestimm­te auch das libe­ra­le Staats­ver­ständ­nis. Sie ist durch die Ent­wick­lung seit dem 19. Jahr­hun­dert über­holt. Und die Erfah­run­gen des 20. Jahr­hun­derts spre­chen nicht dafür, daß sich auf der Ebe­ne gesell­schaft­li­cher Grup­pen jene Har­mo­nie ein­stel­len kön­ne, die im Zeit­al­ter des Früh­li­be­ra­lis­mus unter den als ihren eige­nen Glü­ckes Schmie­de ver­stan­de­nen Indi­vi­du­en mißlang.

Ange­sichts der öko­lo­gi­schen Kri­se, des zuneh­men­den Man­gels an Roh­stof­fen, der Kern­spal­tung und der Mög­lich­keit gene­ti­scher Mani­pu­la­ti­on ste­hen näm­lich die Inter­es­sen auf dem Spiel, die kei­nen Anwalt unter den ver­schie­de­nen gesell­schaft­li­chen Grup­pen haben. Die­se Inter­es­sen kön­nen nicht auf das inter­ne Kräf­te­spiel der par­ti­ku­la­ren Kol­lek­ti­ve der Indus­trie­ge­sell­schaft ver­wie­sen wer­den; auch ein unter dem miß­ver­ständ­li­chen Begriff Demo­kra­ti­sie­rung for­cier­tes Wachs­tum an Selbst­ver­wal­tung der in den wirt­schaft­li­chen, kul­tu­rel­len und sons­ti­gen Orga­ni­sa­tio­nen Täti­gen bie­tet kei­ne Gewähr dafür, daß Inter­es­sen, die fak­tisch alle tei­len, auch mit Nach­druck wahr­ge­nom­men werden.

Die­ser all­ge­mei­nen Inter­es­sen kann sich nur der Staat anneh­men – und zwar in dem Maße, in dem er fähig und wil­lens ist, auch den Erpres­sun­gen orga­ni­sier­ter par­ti­ku­la­rer Inter­es­sen zu wider­ste­hen. Er kann sich dann nicht damit begnü­gen, bloß als Voll­zugs­or­gan der diver­gie­ren­den gesell­schaft­li­chen Kräf­te tätig zu sein, und sich dar­auf ver­las­sen, daß die not­wen­di­gen Vor­aus­set­zun­gen und Rah­men­be­din­gun­gen indi­vi­du­el­ler Frei­heit, öko­lo­gi­schen Gleich­ge­wichts usw. sich als Resul­tat der kon­kur­rie­ren­den Inter­es­sen­grup­pen von selbst ergeben.

Arbeit­ge­ber, Gewerk­schaf­ten, Indus­trie, Han­del, Land­wirt­schaft, Mas­sen­me­di­en stel­len über­aus wirk­sa­me Orga­ni­sa­tio­nen je bestimm­ter Grup­pen­in­ter­es­sen dar, aber sie sind nicht imstan­de, jene Inter­es­sen kon­kret-all­ge­mei­ner Art, die allen par­ti­ku­la­ren Inter­es­sen vor­aus­lie­gen, zu ihrer eige­nen Sache zu machen. Patron und Reprä­sen­tant die­ser Inter­es­sen, die andern­falls sich nicht wirk­sam arti­ku­lie­ren könn­ten, ver­mag nur der Staat zu sein, ein Staat, der eine gewis­se Eigen­stän­dig­keit gegen­über den in der Gewerk­schaft wirk­sa­men Mäch­ten zu erhal­ten oder zu errin­gen in der Lage ist.10

Es mag sein, daß die­se For­de­rung nach einem star­ken Staat ange­sichts der zuneh­men­den Unre­gier­bar­keit der west­li­chen Län­der und des ver­brei­te­ten Res­sen­ti­ments gegen Herr­schaft über­haupt uto­pisch wirkt. Für die­se Uto­pie der Kon­ser­va­ti­ven spricht frei­lich, daß die ent­ge­gen­ge­setz­te Uto­pie eines Abster­bens von Staat und poli­ti­scher Herr­schaft kei­ne mög­li­che Alter­na­ti­ve dar­stellt, da sie zu einem Tota­li­ta­ris­mus der gesell­schaft­li­chen Mäch­te und damit zum Ende der okzi­den­ta­len poli­ti­schen Kul­tur füh­ren würde.11

Die hal­tend-auf­hal­ten­de Macht gegen­über jener Macht, in der »alles gemischt ist ord­nungs­los und wie­der­kehrt uralte Ver­wir­rung«, ist gewiß nicht der Staat allein. Denn der Staat lebt von Vor­aus­set­zun­gen, die viel­leicht sogar Pri­vat­sa­che sind, doch eine Pri­vat­sa­che von aller­größ­ter Bedeu­tung für die öffent­li­che Sache eines geord­ne­ten poli­ti­schen Gemeinwesens.

Und wenn die­se nur vom ein­zel­nen zu leis­ten­den Bedin­gun­gen nicht gege­ben sind, ver­mag der Staat kei­ne hal­ten­de, daseins­schüt­zen­de und ‑sta­bi­li­sie­ren­de Macht zu sein. Er ist dann ein Koloß auf töner­nen Füßen oder gar, um an ein ande­res düs­te­res Bild aus der Bibel zu erin­nern, das apo­ka­lyp­ti­sche Tier, der all­feind­li­che Abgott-Dra­che mit den sie­ben Köp­fen aus der Tie­fe, dem der Satan Macht, Thron und Gewalt ver­leiht. Des­halb lau­tet ein wei­te­rer kon­ser­va­ti­ver Grundsatz:

Sechs­ten: Obwohl Teil der Natur, bio­ge­ne­tisch in tiefs­ten Ver­gan­gen­hei­ten ver­wur­zelt und gesell­schaft­lich geprägt, wird der Mensch unter sei­nem ihm mög­li­chen Niveau begrif­fen, wenn er nicht als ein von Natur zur Frei­heit beru­fe­nes Wesen ver­ehrt wird.

Frei­heit wird vom Kon­ser­va­ti­ven in ihrer dia­lek­ti­schen Span­nung zur Bin­dung gese­hen. Auf­grund sei­ner rea­lis­ti­schen Anthro­po­lo­gie weiß er die indi­vi­du­el­le Frei­heit bes­ser gesi­chert, wenn sie nicht ein­li­nig eman­zi­pa­to­risch ver­stan­den wird, son­dern ein Gegen­ge­wicht in Gestalt insti­tu­tio­nel­ler Bedin­gun­gen und Gren­zen erhält.

Im kon­ser­va­ti­ven Frei­heits­be­griff ist alle­mal auch das Moment des Gehor­sams gegen­über Bin­dun­gen ent­hal­ten, deren Urhe­ber nicht die par­ti­ku­la­re Sub­jek­ti­vi­tät ist, ohne daß er des­halb, wie anschei­nend Hegels Phi­lo­so­phie, Frei­heit auf blo­ße Unter­wer­fung unter das Gesetz der Insti­tu­tio­nen zurück­füh­ren wür­de. Viel­mehr ver­hält es sich so, daß die Insti­tu­tio­nen ihrer­seits auf Leis­tun­gen ange­wie­sen sind, die nur der ein­zel­ne als frei­es Wesen voll­brin­gen kann.

Gegen­über jedem sozia­len Monis­mus oder Kol­lek­ti­vis­mus, der das Heil von der Gesell­schaft erwar­tet, wird damit auf kon­ser­va­ti­ver Sei­te die alte Leh­re hoch­ge­hal­ten, daß das mensch­li­che Indi­vi­du­um Selbst­be­stand hat, daß es, obwohl ver­floch­ten in man­nig­fal­ti­ge Abhän­gig­kei­ten, und sich in die­sen ver­wirk­li­chend, doch auch »Zweck sei­ner selbst« ist, wie Aris­to­te­les, Tho­mas von Aquin und Kant über­ein­stim­mend sagen.

Eine sol­che Leh­re hat durch­aus auch prak­ti­sche Kon­se­quen­zen in poli­ti­scher Hin­sicht. Der für einen star­ken, über den gesell­schaft­li­chen Grup­pen ste­hen­den Staat ein­tre­ten­de Kon­ser­va­ti­ve ist kei­nes­wegs der Mei­nung, daß die Regie­rung das Recht oder die Pflicht habe, sich in alles und jedes ein­zu­mi­schen. Eine von einem star­ken Staat geschütz­te freie Gesell­schaft, ein »Sys­tem der rela­ti­ven Selbständigkeit«,12 kann nicht bestehen, wenn man alle Ver­ant­wor­tung dem Staat zuschiebt.

Indi­vi­du­el­le Ver­ant­wort­lich­keit ist die unab­ding­ba­re Grund­la­ge der poli­ti­schen Kul­tur des Wes­tens, zu der Jeru­sa­lem, Athen und Rom auf ver­schie­de­ne Wei­se bei­getra­gen haben. Es wäre frei­lich zynisch, indi­vi­du­el­le Ver­ant­wor­tung einer armen Gesell­schaft zu pre­di­gen. In einer rela­tiv rei­chen Gesell­schaft soll­te sich das von sel­ber ver­ste­hen. Wir haben uns dar­an gewöhnt, daß der Staat immer mehr zum Ver­sor­gungs­staat wird und dar­über hin­aus sei­ne im stren­gen Sin­ne des Wor­tes staat­li­chen Auf­ga­ben vernachlässigt.

Wir haben uns dar­an gewöhnt, daß der Staat zuneh­mend Dienst­leis­tun­gen über­nimmt – von der Erzie­hung über die Gesund­heits­pfle­ge bis zur Alters­für­sor­ge –, für die ver­ant­wor­tungs­be­wuß­te Men­schen in hohem Maße durch­aus sel­ber auf­kom­men könn­ten. Dem mensch­li­chen Indi­vi­du­um wird trotz stei­gen­den Lebens­ni­veaus weni­ger Selbst­er­hal­tungs­sinn zuge­mu­tet als einem Eich­kätz­chen oder einem Biber. Eine sol­che ver­sor­gungs­staat­li­che Hal­tung ist, wie gesagt, in einer armen und unge­bil­de­ten Gesell­schaft durch­aus zweckmäßig.

Doch ist es wirk­lich zu viel ver­langt, daß mün­di­ge Men­schen, die heu­te mehr ver­die­nen als der alte Mit­tel­stand, auch Ver­ant­wor­tung für sich und ihre Ange­hö­ri­gen über­neh­men und zum Bei­spiel Kin­der­er­zie­hung, Alters­ver­sor­gung und Siche­rung für den Krank­heits­fall wei­test­ge­hend in eige­ner Regie trei­ben? Es ist eine kaum zu leug­nen­de Tat­sa­che, daß wir auf die Dau­er das weni­ger zu wür­di­gen wis­sen, was wir durch anony­me Appa­ra­te schein­bar gra­tis zuge­wie­sen erhal­ten. Des­halb geht auch die Rech­nung nicht auf, daß die Loya­li­tät der Bür­ger in dem glei­chen Maße zunimmt, in dem sie ver­sor­gungs­staat­lich betreut wer­den. Im Gegenteil.

Der admi­nis­tra­tiv betreu­te Mensch ver­fällt gegen­über dem Staat immer mehr in eine pas­siv for­dern­de, »ora­le« Hal­tung, in jene »gren­zen­lo­se Pleon­e­xie«, die bereits Max Sche­ler als einen beherr­schen­den Zug unse­res Jahr­hun­derts bezeich­net hat.13 Das Wort Pleon­e­xie bedeu­tet Begehr­lich­keit, Anma­ßung, eine Grund­hal­tung infan­til-regres­si­ven Glücks­ver­lan­gens. Auf die­sen Begriff kann in einer sozi­al­psy­cho­lo­gisch fun­dier­ten Theo­rie der ent­wi­ckel­ten west­li­chen Indus­trie­ge­sell­schaf­ten kaum ver­zich­tet werden.

Zwar wird gewohn­heits­mä­ßig immer noch von »Vater Staat« gespro­chen; fak­tisch behan­deln ihn jedoch immer wei­te­re Krei­se als uner­schöpf­li­che Milch­kuh: »Man legt sich ihm an wie einer Mut­ter­gott­heit mit unzäh­li­gen Brüs­ten«, schreibt der des Kon­ser­va­tis­mus gewiß nicht ver­däch­ti­ge Psy­cho­ana­ly­ti­ker Alex­an­der Mitscherlich.14 Selbst­ver­ant­wor­tung und Selbst­be­stim­mung bedeu­tet immer auch Selbst­be­gren­zung, Selbst­be­herr­schung, Distanz zu sich selbst und zumin­dest den Gedan­ken an sei­ne »Sub­mis­si­on unter das Höhe­re« (Schel­ling). Des­halb lau­tet ein wei­te­rer Grund­satz kon­ser­va­ti­ver Philosophie:

Sie­ben­tes: Der Mensch ist nicht nur ein gesell­schaft­li­ches, son­dern auch ein kos­mi­sches Wesen.

Zu den Ord­nun­gen, in denen der Mensch lebt, und auf die er unauf­heb­bar ange­wie­sen ist, gehört auch die Natur, die Ord­nung des Kos­mos. Das Gebot der Demut, das den meis­ten Reli­gio­nen eigen­tüm­lich ist, läßt sich in Hin­blick auf die­se Natur­ver­haft­etheit des Men­schen, der sel­ber ein Teil der Natur ist, auch ohne direk­ten Bezug auf reli­giö­se Offen­ba­run­gen begrün­den. Das Wesen einer sol­chen Hal­tung, die der Hybris, der hoch­mü­ti­gen Über­heb­lich­keit, ent­ge­gen­ge­setzt ist, besteht dar­in, die eige­ne Grö­ßen­ord­nung im Uni­ver­sum nicht zu verkennen.

In einer sol­chen kos­mi­schen Per­spek­ti­ve erscheint der Mensch pri­mär als Erbe und Schuld­ner. Ange­mes­sen ist ihm dann nicht das Betra­gen eines impe­ria­lis­ti­schen »maît­re et pos­ses­seur de la natu­re« (Des­car­tes), son­dern das eines Hüters einer ihn tra­gen­den und umgrei­fen­den öko­lo­gi­schen Frie­dens­ord­nung, der sich, nach einem Wort Mar­tin Hei­deg­gers, als »Hirt des Seins« versteht.

Die Expan­si­on der neu­zeit­li­chen Natur­be­herr­schung durch Tech­nik und Indus­trie ließ sich von dem Gedan­ken lei­ten, daß alle durch mensch­li­che Ein­grif­fe ver­ur­sach­ten Schä­den durch wei­te­re Ein­grif­fe wie­der aus­ge­gli­chen wer­den kön­nen. An die Stel­le des sym­bio­tisch­sym­pa­the­ti­schen Ver­hält­nis­ses zwi­schen Mensch und Natur, das die außer­eu­ro­päi­schen Kul­tu­ren aus­zeich­ne­te, soll­te das des­po­ti­sche Ver­hält­nis tota­ler Ver­füg­bar­keit treten.

Heu­te wis­sen wir, daß die unse­ren eige­nen Fort­be­stand als Gat­tung gefähr­den­de Insta­bi­li­tät aller Lebens­ver­hält­nis­se umso grö­ßer wird, je mehr wir als angeb­lich auto­no­me, kein ande­res Maß als das der belie­bi­gen Mach­bar­keit aner­ken­nen­de Her­ren in unse­rer Umwelt ein­grei­fen. Je mehr wir machen, was wir auf­grund unse­rer tech­no­lo­gi­schen Macht kön­nen, des­to weni­ger ver­mö­gen wir das Feld unse­rer Ein­grif­fe zu steuern.

Wenn wir uns in tech­ni­scher, poli­ti­scher und öko­lo­gi­scher Hin­sicht nicht unein­sich­ti­ger stel­len wol­len, als wir sind, dann ergibt sich ange­sichts der Tat­sa­che, daß heu­te zum ers­ten Mal die mensch­li­che Umwelt in pla­ne­ta­ri­schem Umfang zu einer abhän­gi­gen Varia­blen gewor­den ist, die unbe­ding­te For­de­rung, daß jeder mani­pu­la­ti­ve Ein­griff in die Natur beweis­last­pflich­tig ist.

Die expan­sio­nis­ti­schen Neue­rer haben die Beweis­last dafür zu tra­gen, daß ihre Ein­grif­fe die öko­lo­gi­schen Bedin­gun­gen nicht ver­schlech­tern. Das ist eine erz­kon­ser­va­ti­ve For­de­rung, die sowohl für die kapi­ta­lis­ti­sche als auch die sozia­lis­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on der Wirt­schaft in ihrer bis­he­ri­gen Gestalt eine radi­ka­le Pro­vo­ka­ti­on bedeu­tet. Denn bei­der Legi­ti­ma­ti­ons­ideo­lo­gie ist ein anthro­po­zen­tri­sches Men­schen­bild, das in sei­nen extre­men Aus­prä­gun­gen einen zur puren Wut gestei­ger­ten Natur­haß verrät.

Die­se kos­mi­sche Per­spek­ti­ve, dem Kon­ser­va­tis­mus von jeher eigen­tüm­lich, bie­tet gewiß nicht die Garan­tie für ein kon­kre­tes natur- und men­schen­ge­rech­tes Gesell­schafts­pro­gramm. Doch immer­hin ver­mag sie zumin­dest eine gewis­se Sen­si­bi­li­tät dafür zu ver­mit­teln, wie die Din­ge nicht ange­gan­gen wer­den kön­nen und sol­len. Wie sie kon­kret bewäl­tigt wer­den sol­len, ist eine Fra­ge spe­zi­el­ler fach­wis­sen­schaft­li­cher Kennt­nis­se, tech­ni­scher Mög­lich­kei­ten und poli­ti­scher Durchsetzbarkeit.

In kos­mi­scher Per­spek­ti­ve geht es kei­nes­wegs bloß um etwas mehr Umwelt­schutz, son­dern um das grund­sätz­lich neue Kon­zept einer Ord­nung, die sich nicht selbst zer­stört: einer öko­lo­gi­schen Frie­dens­ord­nung, die die außer­mensch­li­che Natur nicht län­ger als blo­ßen Roh­stoff oder als Skla­vin ansieht, son­dern als Part­ner mit eige­nem Anspruch. Eine kon­ser­va­ti­ve Theo­rie, die die­se Ein­sich­ten ernst nimmt, ist nicht roman­tisch, son­dern ver­nünf­tig und lebensgerecht.

Sie steht vor der para­do­xen Auf­ga­be, ein Kon­zept revo­lu­tio­nä­rer Bewah­rung zu ent­wi­ckeln, den Ent­wurf einer Ord­nung, in der Bewah­ren mög­lich und sinn­voll ist.  Eine sol­che kon­ser­va­ti­ve Theo­rie könn­te in einer gewan­del­ten Spra­che zum Aus­druck brin­gen, was auch die alt-neue Bot­schaft der mythi­schen Über­lie­fe­rung des Men­schen­ge­schlechts ist: »… daß eine wohl geord­ne­te Huma­ni­tät nicht mit sich selbst beginnt, son­dern die Welt vor das Leben setzt, das Leben vor die Men­schen und die Ach­tung der ande­ren Wesen vor die Selbst­lie­be; und daß selbst ein Auf­ent­halt von ein oder zwei Mil­lio­nen Jah­ren auf die­ser Erde … nicht als Ent­schul­di­gung dafür die­nen kann, sie sich gleich einem Ding anzu­eig­nen und sich dar­in scham­los und rück­sichts­los zu verhalten.«15

In einer sol­chen Per­spek­ti­ve wird der Zwang zur per­ma­nen­ten Rebel­li­on eben­so durch­bro­chen wie die Ver­skla­vung unter die Des­po­tie quan­ti­ta­ti­ven Wachs­tums. Pro­me­theus ver­liert den ers­ten Platz im Hei­li­gen­ka­len­der. Das Gefühl der Ent­frem­dung, der Iso­liert­heit und der Furcht vor Sinn­lo­sig­keit und Ver­gäng­lich­keit weicht dann der mythi­schen Ahnung, die Anzens­gru­bers Stein­klop­fer­hanns so for­mu­liert hat: »Du g’hörst zu den Allen und dös Alls g’hört zu Dir. Es kann Dir nix g’schehn.«

Die letz­ten zehn Jah­re stan­den im Zei­chen eines uto­pi­schen »Prin­zips Hoff­nung«. Welt­frem­de Hoff­nun­gen sind jedoch beson­ders gefähr­lich, wenn sie sich mit pro­test­le­ri­scher Gereizt­heit gegen alles Bestehen­de und einer Nei­gung zu üblen Ver­ein­fa­chun­gen ver­bin­den. Sie locken dann auf Abwe­ge, die zu beschrei­ten weit Schlim­me­res als Zeit­ver­geu­dung bedeu­ten kann. Um über­haupt wis­sen zu kön­nen, was wir in die­ser Welt ver­nünf­ti­ger­wei­se erhof­fen dür­fen, bedarf es der Reha­bi­li­tie­rung eines ande­ren Prin­zips: des »Prin­zips Wirklichkeit«.

Die Kon­ser­va­ti­ven der sieb­zi­ger Jah­re haben nur dann eine heil­sa­me Funk­ti­on, wenn sie die Ent­de­ckung der Wirk­lich­keit, ich wage es zu sagen: die Kon­ver­si­on zur Wirk­lich­keit als ihre Auf­ga­be anneh­men. Dem wäre noch hin­zu­zu­fü­gen, daß zur Wirk­lich­keit nicht nur der All­tag, die Arbeit und der tech­ni­sche Umgang mit den Din­gen, son­dern auch das Ästhe­ti­sche, das Gegen­sätz­li­che und das Geheim­nis­vol­le, die Tie­fen­di­men­si­on des Sei­en­den gehören.

Dazu gehö­ren auch die Erleuch­tun­gen und Über­lie­fe­run­gen, der Schatz der indi­vi­du­el­len und sozia­len Erkennt­nis­se, Sinn­ge­bun­gen und Lebens­for­men, deren wir nicht ent­ra­ten kön­nen, wenn wir den Rück­fall in die Bar­ba­rei ver­mei­den wol­len.  Es gilt heu­te eine gan­ze Rei­he von Nor­men, Hoff­nun­gen und Leit­bil­dern zu begra­ben – und eini­ge ver­ges­se­ne wie­der zu ent­de­cken. Unter den Trüm­mer- und Schrott­hal­den des Fort­schritts­glau­bens fin­den wir Ein­sich­ten und Maß­stä­be, die uns zu alt-neu­en Kraft­quel­len wer­den können.

Es geht, para­dox gespro­chen, um eine Phi­lo­so­phie revo­lu­tio­nä­rer Bewah­rung auf der Grund­la­ge einer umfas­sen­den poli­ti­schen Öko­lo­gie und einer sowohl rea­lis­ti­schen als auch groß­her­zi­gen Anthro­po­lo­gie, die sich nicht um die Dop­pel­stre­big­keit, Gegen­sätz­lich­keit und Zwie­se­lig­keit des Men­schen, sei­ne schwan­ken­de Stel­lung zwi­schen Schick­sal und Mach­bar­keit, Gegen­wär­tig­keit der Ver­gan­gen­heit und Gegen­wär­tig­keit der Zukunft betrügt. Ein Aspekt die­ser Wider­sprüch­lich­keit ist auch der Gegen­satz zwi­schen kon­ser­va­tiv und pro­gres­siv, links und rechts. Ich hal­te die­sen Gegen­satz für »ewig«.

Es han­delt sich um zwei nicht wei­ter auf­zu­lö­sen­de Grund­hal­tun­gen, die sich in den ver­schie­de­nen Gestal­ten – reli­giö­sen, phi­lo­so­phi­schen, künst­le­ri­schen und poli­ti­schen – durch die Jahr­tau­sen­de hin nach­wei­sen las­sen. Bei­de gehö­ren, wie Systole und Dia­sto­le, zu den Kon­sti­tu­en­ten der mensch­li­chen Geschich­te. Sie haben ein­an­der ergän­zen­de Funk­tio­nen, und jede von ihnen hat ihre eige­nen Frag­wür­dig­kei­ten und Entartungen.

Die Fra­ge lau­tet des­halb nicht, wel­che der bei­den Funk­tio­nen »wahr« ist – bei­de ent­spre­chen der mensch­li­chen Natur, auf kei­ne von ihnen kann ver­zich­tet wer­den: eine Ein­sicht frei­lich, zu der sich eher Kon­ser­va­ti­ve denn Radi­kal-Pro­gres­si­ve oder Revo­lu­tio­nä­re beque­men. Die Fra­ge lau­tet viel­mehr, wel­che der bei­den ant­ago­nis­ti­schen Funk­tio­nen heu­te und in abseh­ba­rer Zukunft ver­stärkt wer­den muß, und wie die­je­ni­ge, der für eine bestimm­te Zeit der Vor­rang zukommt, vor Ent­ar­tung, Ver­fall und Schan­de bewahrt wer­den kann.

Ich glau­be, daß heu­te und in abseh­ba­rer Zukunft eine kon­ser­va­ti­ve Erneue­rung not tut, und daß eine Kul­tur, ein Staat oder sonst ein gro­ßes Gemein­we­sen umso fort­schritt­li­cher (im Sin­ne von: rei­cher an Offen­heit, an Viel­falt, an Chan­cen, an Erkenntnis‑, Ori­en­tie­rungs- und Kor­rek­tur­mög­lich­kei­ten) sind, je mehr kon­ser­va­ti­ve Ele­men­te sie auf­wei­sen, sofern sie auch die gro­ßen Errun­gen­schaf­ten des durch Anti­ke und Chris­ten­tum in Gang gesetz­ten okzi­den­ta­len Eman­zi­pa­ti­ons­pro­zes­ses zu sichern verstehen.

 Gastbeitrag

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