1. Dezember 2018

Jordan B. Peterson: 12 Rules for Life.

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Eine Rezension von Felix Dirsch

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Jordan B. Peterson: 12 Rules for Life. Ordnung und Struktur in einer chaotischen Welt, München: Wilhelm Goldmann Verlag. 575 S., 20 €

Der glänzendste Stern am Himmel des Weltkonservatismus ist derzeit der kanadische Psychologe Jordan B. Peterson. Er ist praktisch-therapeutisch wie auch als Dozent tätig. Dieser Hintergrund prägt seine Schriften maßgeblich, von denen das Buch 12 Rules for life schnell zum Weltbestseller avanciert ist. Bekannt wurde er vor allem durch Interviews, die im Internet ein Millionenpublikum erreichten. Peterson gilt als umstritten, da er Grundsätze der »politischen Korrektheit« wie auch des Gender-Hauptstromes engagiert ablehnt.

Während deutsche Konservative häufig vom Staat ausgehen und das Individuum höchstens an zweiter Stelle rangiert, ist es bei Peterson umgekehrt. Er betrachtet ein geglücktes Leben als eines, das es schafft, Ordnung ins Dasein zu bringen. Das klingt trivial, ist aber in letzter Konsequenz äußerst schwierig, da uns Chaos (aufgrund der unabweisbaren kontingenten Daseinsfaktoren) immer wieder einholt. Der Autor spricht von der Kunst, »heroism of genuine Being« zu verwirklichen, und diese Umschreibung ist gewiss nicht zu hoch gegriffen. Das angebliche Übergewicht gesellschaftlicher Einflüsse, von Linken unisono behauptet, hinterfragt er standhaft.

Schon die erste Regel »Steh aufrecht und mach die Schultern breit« beginnt mit einem Paukenschlag: Das Verhalten des Hummers dient in wohlbestimmter Hinsicht als Vorbild für Menschen. Peterson erklärt exemplarisch, was es bedeutet, sich nicht von unsicheren Erwartungen verstören zu lassen, sondern an einer besseren Zukunft zu arbeiten.
Praktische Fälle erörtert die Studie ebenso wie zahlreiche Beispiele aus Mythologie, biblischer Glaubenslehre, chinesischer Philosophie (»Yin und Yang«) und Weltliteratur (Milton, Alexander I. Solschenizyn, Carl G. Jung und andere). Peterson interpretiert viele Archetypen, die zeigen wollen, wie das Chaos in der Welt zu bannen ist. Besonders die biblischen Schöpfungserzählungen wie auch der Beginn des Johannes-Evangeliums stellen heraus, wie der Logos die Unordnung des Kosmos verdrängt. Die Publikation 12 Rules wird in der Aufmachung eines Lebenshilferatgebers präsentiert; ihre Aussagen reichen indessen weit über gängige Empfehlungen dieses Genres hinaus.

Zu den Schwerpunkten der Argumentation zählen neben der persönlichen Entwicklung des Einzelnen, die Peterson am Herzen liegt, Ratschläge zur Erziehung. Sie darf seiner Ansicht nach auf bestimmte Arten von Strafe nicht verzichten. Wenn man in diesem Jahr nur zu einer Lektüre greifen sollte, dann zu dieser! Die gelegentliche Unsitte von Abschweifungen sollte niemanden abschrecken.

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12 Rules for Life von Jordan B. Peterson kann man hier bestellen.


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