Markus B. Klöckner: Sabotierte Wirklichkeit

Markus B. Klöckner: Sabotierte Wirklichkeit. Oder: Wenn Journalismus zur Glaubenslehre wird, Frankfurt a. M.: Westend 2019. 240 S., 19 €

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Sabo­tie­ren unse­re Leit­me­di­en die Wirk­lich­keit? Mar­kus B. Klöck­ner beklagt, daß in den »ton­an­ge­ben­den Medi­en« ein enger Mei­nungs­kor­ri­dor ent­stan­den sei, der im Extrem­fall und bei gleich­zei­tig man­gel­haf­ter Qua­li­täts­kon­trol­le zu einem »Fall Relo­ti­us« geführt habe. In vie­len Fel­dern der Bericht­erstat­tung wür­den unlieb­sa­me Fak­ten aus­ge­blen­det, es gäbe eine rea­li­täts­fer­ne Gewich­tung man­cher Ereig­nis­se, ins­ge­samt beweg­ten sich die Leit­me­di­en in einer eli­tä­ren Mei­nungs­bla­se. Klöck­ner hat sein Buch in drei Groß­ka­pi­tel aufgeteilt.
Im ers­ten wid­met er sich der »Zen­sur«, womit er einer­seits die berühm­te »Sche­re im Kopf«, ande­rer­seits die Rekru­tie­rungs­pra­xis der gro­ßen Redak­tio­nen und den »Stall­ge­ruch« meint, der jeman­dem anhef­ten müs­se, wenn er in Medi­en­häu­sern reüs­sie­ren wol­le. Im zwei­ten Kapi­tel geht es um die »Medi­en­wirk­lich­keit«. Hier ana­ly­siert Klöck­ner eini­ge kon­kre­te Fäl­le an ein­sei­ti­ger oder »gefram­ter« Berichterstattung.
Im drit­ten Kapi­tel unter­sucht er die »Herr­schafts­nä­he« der Jour­na­lis­ten. Der Autor spricht von umfas­sen­der »men­ta­ler Kor­rupt­heit«. Damit wäre das Pro­blem mit die­sem Buch auf den Punkt gebracht. Ers­tens exis­tiert die­ses Sub­stan­tiv nicht: »Bestech­lich­keit« wäre das rich­ti­ge Wort. Zum ande­ren walzt Klöck­ner ein Pro­blem aus, das ande­re vor ihm (ers­te Adres­se: Uwe Krü­ger) schon prä­zi­ser und sprach­lich gekonn­ter getan haben. Bei­spiel­satz: »Wir könn­ten außer­dem beto­nen, dass der jour­na­lis­ti­sche Beruf, trotz gewiss nicht ganz nied­ri­ger Anfor­de­run­gen, eben nicht nur ein Beruf ist, für den man Abitur benö­tigt und stu­diert haben muss.«

Dar­an ist alles ver­quast, vom Kon­junk­tiv über die vie­len Füll­wör­ter bis hin zur Aus­sa­ge. Das Buch ist zudem von einem onkel­haf­ten Duk­tus (»Doch, lie­be Leser und Lese­rin­nen, ver­zei­hen Sie mir bit­te, wenn ich das gera­de­her­aus sage: …«) durch­zo­gen. Satz für Satz um je knapp die Hälf­te gekürzt, wäre dies ein pas­sa­bles Buch gewe­sen. Immer­hin, und in eini­gen Pas­sa­gen dringt die Bot­schaft durch, haben wir wirk­lich ein Pro­blem mit kri­ti­scher Bericht­erstat­tung, mode­ra­ti­ons­tech­ni­schen Schief­la­gen und medi­al ver­brei­te­ten Welt­an­schau­un­gen. Wo die Gegen­sei­te sich habi­tu­ell als »Dra­ma­queen« ver­brei­tet, wäre es rat­sam, selbst äußerst nüch­tern zu argumentieren. 

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Sabo­tier­te Wirk­lich­keit von Mar­kus B. Klöck­ner kann man hier bestel­len.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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