1. Februar 2020

Necla Kelek: Die unheilige Familie

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Eine Rezension von Thomas Schmidt

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Necla Kelek: Die unheilige Familie. Wie die islamische Tradition Frauen und Kinder entrechtet, München: Droemer Knaur 2019. 336 S., 19.99 €

Die muslimische Feministin Necla Kelek wirft dem Islam vor, die Institution einer »unheiligen Familie« hervorgebracht zu haben. Das von »archaischen islamischen Vorstellungen geprägte« Familienbild unterscheide sich grundlegend vom Familienbild europäischer Kulturen, mit dem Kelek sich identifiziert.
In ihrem Buch macht die Autorin das Innenleben islamischer Familien sichtbar und arbeitet kulturelle Unterschiede heraus. Während einige Muslime sich erfolgreich in europäischen Kulturen assimiliert hätten, habe sich auch eine islamische Gegengesellschaft gebildet, für die der Islam (Kelek knüpft hier an Max Weber an) eine auf Beute- und Machtgewinn ausgerichtete »Herren- und Kriegerreligion« sei.
Die Frau habe in der Geschichte die erste Beute des Islam dargestellt. Der Koran enthalte detaillierte Regelungen für die Zwangsverheiratung der von Mohammed bei seinen Raubzügen erbeuteten Frauen. Abseits davon habe Mohammed die Ehe als Geschäft definiert, bei dem die Frau wie anderer Besitz für eine Gegenleistung zwischen Familien übergeben werde. Er habe sich dabei an Praktiken der Prostitution und des Umgangs mit weiblichen Sklaven orientiert. Als System der Unterwerfung beruhe der Islam auf Hierarchien, in denen die Frau den niedrigsten Rang einnehme. Die Mitsprache der Frau sei in diesem Verständnis von Ehe und Familie in jedem Fall nicht vorgesehen.

Die Ehre des Mannes und dessen Rang in der Hierarchie werde im Islam durch seine Fähigkeit zur Anwendung von Gewalt und durch die Demütigung anderer definiert. Traditionell geprägte islamische Männer seien gegenüber Frauen daher häufig gewalttätig. Schwiegermütter, ältere Geschwister oder ältere Ehefrauen in den auch in Deutschland unter arabischen Muslimen verbreiteten polygamen Ehen würden ihrem höheren Rang in dieser Hierarchie ebenfalls durch Gewalt und Demütigung Ausdruck verleihen, die sich gegen jüngere Frauen richteten. 80 Prozent der Frauen, die in Frauenhäusern in Deutschland Zuflucht suchten, kämen aus islamischen Familien, die außerdem von Vernachlässigung der Kinder und Bildungsferne geprägt seien.

Dieses Geschlechterbild und Verständnis von Ehe und Familie präge Teile des Islam bis in die Gegenwart. Die islamische Familie sei nicht, wie in den Kulturen Europas, eine Schule des freien Menschentums, die der Heranbildung von zur Eigenverantwortung fähigen Menschen diene, sondern beruhe auf der Verfügung des Mannes über Frauen und Kinder. Sie sei »ein Gefängnis«, das nicht unter dem Schutz der staatlichen Ordnung in Deutschland stehen dürfe. Das »in muslimischen Gesellschaften herrschende Patriarchat« müsse »gestürzt« werden. Dazu solle der deutsche Staat muslimische Frauen in ihrer Selbstständigkeit stärken.

Dies stelle sich als schwierig dar, da viele Muslime dagegen Widerstand leisten würden. Dieser Konflikt müsse jedoch im Interesse der freiheitlichen Gesellschaft ausgetragen werden. Es gehe »um unsere Identität«. Den Sozialwissenschaften wirft Kelek vor, kein Interesse an dieser Problematik zu haben. Bei zentralen islam- und migrationsbezogenen Herausforderungen gebe es »elementare Bereiche, die weder erforscht noch problematisiert werden«, darunter auch die hier angesprochenen. Es finde eine »fatale Ausblendung von Fakten« statt, was »auch dem Diskriminierungstabu, der Angst vor der Rassismuskeule geschuldet« sei.

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Die unheilige Familie von Necla Kelek kann man hier bestellen.


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