Gunnar Heinsohn: Wettkampf um die Klugen

Eine Rezension von Erik Lommatzsch

 Gastbeitrag

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Gun­nar Hein­sohn: Wett­kampf um die Klu­gen. Kom­pe­tenz, Bil­dung und die Wohl­fahrt der Natio­nen, Zürich: Orell Füss­li 2019. 232 S., 12 €

Gun­nar Hein­sohn, der sich seit Jahr­zehn­ten mit Fra­gen der Bevöl­ke­rungs­po­li­tik befaßt, nimmt nun die glo­ba­le Wirt­schafts- und Tech­nik­ent­wick­lung in den Blick. Bei der Betrach­tung des welt­wei­ten Trends wer­de, so Hein­sohn, der Fak­tor Bil­dung / Kom­pe­ten­zen meist falsch betrach­tet. Aus­ge­gan­gen wer­de davon, daß Bil­dung /Kompetenz allein eine Fra­ge von finan­zi­el­len Vor­aus­set­zun­gen und ent­spre­chen­den Pro­gram­men sei. 

Hein­sohn wider­spricht klar. Als Maß­stab die­nen ihm ein­deu­ti­ge Ergeb­nis­se wie die mit­tels TIMSS (Trends in Inter­na­tio­nal Mathe­ma­tics and Sci­ence Stu­dy) ermit­tel­ten Zah­len oder die Anzahl regis­trier­ter Paten­te. Betrach­tet man das gegen­wär­ti­ge »Welt­sys­tem«, so ergibt sich eine Drei­tei­lung, wobei Ost­asi­en ein­deu­tig vorn liegt. Hier wer­den die höchs­ten TIMS­S­Wer­te gemes­sen, 30 bis 50 Pro­zent der Kin­der errei­chen das Ergeb­nis »advan­ced«. In den »Euro­päi­den Gebie­ten« (neben Euro­pa Ruß­land, USA, Kana­da, Isra­el und Aus­tra­li­en) kom­men noch zwei bis 20 Pro­zent auf die­sen Wert, im Rest der Welt sind es null bis zwei Prozent. 

Hein­sohn ope­riert vor allem mit dem Wert der »Cogni­ti­ve Abi­li­ty« (CA). Die­se »mißt mit ihrer Kon­zen­tra­ti­on auf Mathe­ma­tik und Natur­wis­sen­schaf­ten objek­ti­ver als jedes ande­re Ver­fah­ren, was für geis­ti­ge Hoch­leis­tun­gen unver­zicht­bar ist«. CA sei erkenn­bar unter­schied­lich aus­ge­prägt; ein Fakt, der im Sin­ne eines illu­so­ri­schen Gleich­heits­ide­als nicht akzep­tiert wer­de, was ver­hee­ren­de Fol­gen für wirt­schaft­li­ches und poli­ti­sches Agie­ren habe. Hein­sohn beläßt es bei der Fest­stel­lung der Unterschiede. 

Mit Aus­sa­gen über deren Ursa­chen hält er sich zurück, er räumt ledig­lich ein, CA sei »kei­ne ewig fest­lie­gen­de Grö­ße«, und ein Gen, »das geis­ti­ge Fähig­kei­ten vor­ab fixiert«, kön­ne nie­mand benen­nen. Unter den Bei­spie­len, die Hein­sohn für die Bedeu­tung der CA anführt, gehört der Ver­gleich von Gha­na und Süd­ko­rea. Letz­te­res Anfang der 1950er Jah­re kriegs­zer­stört, ers­te­res kolo­ni­al unab­hän­gig gewor­den und als »Mus­ter­land für west­li­che Ent­wick­lungs­hil­fe vor­ge­se­hen«, star­te­ten zur glei­chen Zeit als »Öko­no­mie­zwil­lin­ge« – und drif­te­ten dann bekann­ter­ma­ßen bezüg­lich ihrer Ent­wick­lung erheb­lich aus­ein­an­der. Ein ande­rer Ver­gleich: 2018 brach­ten es 400 Mil­lio­nen Ara­ber auf 922 Paten­te, das nicht ein­mal zehn Mil­lio­nen Ein­woh­ner umfas­sen­de Isra­el auf 1899 Paten­te. Groß im Kom­men sei China. 

Der­zeit behin­dern­de Fak­to­ren wie rück­läu­fi­ge Bevöl­ke­rung oder Ein­schrän­kun­gen beim frei­en Wirt­schaf­ten wür­den den Auf­stieg nicht auf­hal­ten. CA sei der­zeit welt­weit rar. Da sie nicht belie­big »erzeug­bar« sei, müs­se der eige­ne Man­gel durch Abwer­bung aus ande­ren Län­dern aus­ge­gli­chen wer­den. Genannt wird die Zahl von 40 Mil­lio­nen Hoch­qua­li­fi­zier­ten, die im Jahr 2020 fehl­ten. Über die Zukunft ent­schei­de der Erfolg im »Wett­kampf um die Klu­gen«, ver­bun­den mit dem Fern­hal­ten von wenig oder gar nicht Qua­li­fi­zier­ten, wel­che nicht nur das Niveau sen­ken, son­dern auch ver­sorgt wer­den müssen. 

Hein­sohns Aus­blick gip­felt in einer zwei­ge­teil­ten Welt. Russ­land, die USA und Chi­na könn­ten mit klei­ne­ren Staa­ten eine ein­ge­heg­te »Kom­pe­tenz­welt«, bil­den, die sich von den übri­gen Ter­ri­to­ri­en abschir­me. Hier befän­de sich ein Drit­tel bzw. im Lau­fe der Zeit ein Vier­tel der Gesamt­be­völ­ke­rung. Auf der Kar­te, die Hein­sohn bei­gege­ben hat, gehört Deutsch­land noch zum Bereich der »Kom­pe­tenz­welt«. Ob das bereits Anlaß zu Opti­mis­mus geben soll­te, sei dahingestellt.

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Wett­kampf um die Klu­gen von Gun­nar Hein­sohn kann man hier bestel­len.

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