1. August 2018

Alexander, Diener Gottes: Vater Arsenij

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Eine Rezension von Sophie Gatzmaga

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Alexander, Diener Gottes: Vater Arsenij, der Verurteilte ZEK 18376. Priester, Gefangener, geistlicher Vater, Wachtendonk: Hagia Sophia 2018. 262 S.,18.50 €

Daß Dissidenten recht haben könnten und es tatsächlich eine Energie gibt, die, den gesamten Raum erfüllend, unermeßlich wie unerschöpflich ist, beginnt man beim Lesen der Erinnerungen an Vater Arsenij (1894–1975) zu ahnen. Dieser hat als Sohn Moskauer Bürgersleute, als Kunsthistoriker und Priestermönch wie Millionen seiner Landsleute alles Böse, dessen sie nur fähig war, von der Weltrevolution auf dem Boden seiner russischen Heimat zu leiden: von systematischer Bespitzelung, Verhaftungen, Verhören, Berufsverboten, mehrfachen langjährigen Verbannungen und bis zu einer sechzehn Jahre währenden Haft in einem Vernichtungslager.

Ein Wunder ist nicht bloß die Tatsache, daß Vater Arsenij seine jahrzehntelange Verfolgung ungebrochen überlebt hat, sondern auch, daß er inmitten der Hölle auf Erden stets unter dem Schutz des Allerhöchsten stand und anderen diesen Schutz und Beistand vermittelt hat. Die Erinnerungen zahlreicher Schicksalsgenossen an Vater Arsenijs Wirken und sein Leben im Lager (herausgegeben von einem, der seinen Namen – nicht untypisch für die orthodoxe Tradition – demütig verhüllt) liest man voller Staunen, vielleicht sogar Zweifel. Es erscheint nämlich geradezu phantastisch, daß dieser schwächliche Häftling ZEK 18376 alle Torturen eines »Straflagers besonderen Regimes« wie jeder andere Gefangene durchlitt, obwohl er Zugang zu jener außerordentlichen Energie hatte und über sie verfügen konnte, wie ihr Einsatz für die Nöte seiner Nächsten (sogar die von der Gegenseite) zeigt.

Man erfährt unter anderem von Vater Arsenijs Überwindung von Raum, Zeit und den Elementarkräften, um einen Mithäftling im Erfrierungskarzer zu retten oder die Kraft seines bloßen Kreuzzeichens, das einen tonnenschweren Baumstamm von einem Sturz in die falsche Richtung ablenkt. Neben solchen evangelisch anmutenden Wundern zeugt auch die heroische Selbstlosigkeit, die dieser Mann Gottes in böser Zeit unerschütterlich an den Tag legte, von der Existenz jener »höheren« Energie, die nicht nur ihn, sondern auch unzählige andere durch jede Not gerettet und bewahrt hat und die sich nun anschickt, Vater Arsenijs Heimat nach den Vernichtungen und Erniedrigungen des 20. Jahrhunderts wiederaufblühen zu lassen. Jedermann, der unter der Herrschaft des Bösen in seiner Heimat leidet, ist gut beraten zu lernen, wie man diese Energiequelle anzapft. Der Verlag Hagia Sophia bietet mit seiner Übersetzung der in der späten Sowjetunion als Samisdat erschienenen Erinnerungen an Vater Arsenij der deutschen Leserschaft die Möglichkeit dazu.

Vater Arsenij kann man hier bestellen.


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