Alexander, Diener Gottes: Vater Arsenij

Eine Rezension von Sophie Gatzmaga

 Gastbeitrag

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Alex­an­der, Die­ner Got­tes: Vater Arsenij, der Ver­ur­teil­te ZEK 18376. Pries­ter, Gefan­ge­ner, geist­li­cher Vater, Wach­ten­donk: Hagia Sophia 2018. 262 S.,18.50 €

Daß Dis­si­den­ten recht haben könn­ten und es tat­säch­lich eine Ener­gie gibt, die, den gesam­ten Raum erfül­lend, uner­meß­lich wie uner­schöpf­lich ist, beginnt man beim Lesen der Erin­ne­run­gen an Vater Arsenij (1894–1975) zu ahnen. Die­ser hat als Sohn Mos­kau­er Bür­gers­leu­te, als Kunst­his­to­ri­ker und Pries­ter­mönch wie Mil­lio­nen sei­ner Lands­leu­te alles Böse, des­sen sie nur fähig war, von der Welt­re­vo­lu­ti­on auf dem Boden sei­ner rus­si­schen Hei­mat zu lei­den: von sys­te­ma­ti­scher Bespit­ze­lung, Ver­haf­tun­gen, Ver­hö­ren, Berufs­ver­bo­ten, mehr­fa­chen lang­jäh­ri­gen Ver­ban­nun­gen und bis zu einer sech­zehn Jah­re wäh­ren­den Haft in einem Vernichtungslager. 

Ein Wun­der ist nicht bloß die Tat­sa­che, daß Vater Arsenij sei­ne jahr­zehn­te­lan­ge Ver­fol­gung unge­bro­chen über­lebt hat, son­dern auch, daß er inmit­ten der Höl­le auf Erden stets unter dem Schutz des Aller­höchs­ten stand und ande­ren die­sen Schutz und Bei­stand ver­mit­telt hat. Die Erin­ne­run­gen zahl­rei­cher Schick­sals­ge­nos­sen an Vater Arsen­ijs Wir­ken und sein Leben im Lager (her­aus­ge­ge­ben von einem, der sei­nen Namen – nicht unty­pisch für die ortho­do­xe Tra­di­ti­on – demü­tig ver­hüllt) liest man vol­ler Stau­nen, viel­leicht sogar Zwei­fel. Es erscheint näm­lich gera­de­zu phan­tas­tisch, daß die­ser schwäch­li­che Häft­ling ZEK 18376 alle Tor­tu­ren eines »Straf­la­gers beson­de­ren Regimes« wie jeder ande­re Gefan­ge­ne durch­litt, obwohl er Zugang zu jener außer­or­dent­li­chen Ener­gie hat­te und über sie ver­fü­gen konn­te, wie ihr Ein­satz für die Nöte sei­ner Nächs­ten (sogar die von der Gegen­sei­te) zeigt. 

Man erfährt unter ande­rem von Vater Arsen­ijs Über­win­dung von Raum, Zeit und den Ele­men­tar­kräf­ten, um einen Mit­häft­ling im Erfrie­rungs­kar­zer zu ret­ten oder die Kraft sei­nes blo­ßen Kreuz­zei­chens, das einen ton­nen­schwe­ren Baum­stamm von einem Sturz in die fal­sche Rich­tung ablenkt. Neben sol­chen evan­ge­lisch anmu­ten­den Wun­dern zeugt auch die heroi­sche Selbst­lo­sig­keit, die die­ser Mann Got­tes in böser Zeit uner­schüt­ter­lich an den Tag leg­te, von der Exis­tenz jener »höhe­ren« Ener­gie, die nicht nur ihn, son­dern auch unzäh­li­ge ande­re durch jede Not geret­tet und bewahrt hat und die sich nun anschickt, Vater Arsen­ijs Hei­mat nach den Ver­nich­tun­gen und Ernied­ri­gun­gen des 20. Jahr­hun­derts wie­der­auf­blü­hen zu las­sen. Jeder­mann, der unter der Herr­schaft des Bösen in sei­ner Hei­mat lei­det, ist gut bera­ten zu ler­nen, wie man die­se Ener­gie­quel­le anzapft. Der Ver­lag Hagia Sophia bie­tet mit sei­ner Über­set­zung der in der spä­ten Sowjet­uni­on als Samis­dat erschie­ne­nen Erin­ne­run­gen an Vater Arsenij der deut­schen Leser­schaft die Mög­lich­keit dazu. 

Vater Arsenij kann man hier bestel­len.

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