11. Mai 2020

Gemeinnützigkeit und VS

Götz Kubitschek / 28 Kommentare

Es ist symptomatisch: Ein schlampiger ZEIT-Journalist streut falsche Behauptungen, hat seine Schlagzeile und wird sich nie entschuldigen.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Zur Sache: Am 8. Mai verkündete einer der minder wichtigen ZEIT-Journalisten, daß der von Erik Lehnert und mir geleitete Verein für Staatspolitik e.V. (der als Arbeitsplattformen das Institut für Staatspolitik, IfS, und die Zeitschrift Sezession trägt) seine Gemeinnützigkeit verloren habe und daß es uns nicht mehr möglich sei, Spendenquittungen auszustellen.

Beide Aussagen sind falsch. Unser Verein hatte zwar seine Gemeinnützigkeit für eine gewisse Zeit verloren. Diesen Vorgang haben wir aber nicht politisch eingeordnet, sondern im Rahmen einer Überprüfung sehr vieler ebenfalls gemeinnütziger Vereine interpretiert: Auch liberale oder linke Institutionen verloren aufgrund von Satzungsüberprüfungen das Recht, steuerabzugsfähige Quittungen auszustellen.

Bei uns monierte das Finanzamt einen marginalen Formfehler. Unsere Steuerkanzlei und unsere Anwälte besserten nach, reichten aber zugleich Beschwerde gegen diese harte Interpretation ein: Was in der alten Fassung fehlte, war ein Zusatz, der etwas verdeutlichte, was sich ohnehin von selbst verstand.

Um es an einem Beispiel zu veranschaulichen: "Er machte sich auf den Weg und kam pünktlich" oder "Er machte sich rechtzeitig auf den Weg und kam pünktlich". Beanstandet wurde sozusagen, daß wir das Wort "rechtzeitig" nicht in den Satz eingefügt hatten.

Das Finanzgericht Sachsen-Anhalt ist nun in seinem Urteil vom 21. April unserer Argumentation gefolgt und hat die Entscheidung des Finanzamts aufgehoben, und zwar rückwirkend zum 1. Januar 2020. Für uns bedeutete das: Wir konnten hunderte Spendenquittungen rückwirkend ausstellen und haben unseren Förderern außerdem in einem Rundschreiben diese frohe Botschaft mitgeteilt. Den ein oder anderen Unterstützer (um nicht zu sagen ziemlich viele) hat das veranlaßt, kräftig nachzuwürzen.

Nichts, aber auch gar nichts hat dieser Gemeinnützigkeitsstreit mit der Äußerung des Bundesamtes für Verfassungsschutz zu tun, man beobachte unsere Arbeit nun, weil man Anhaltspunkte für den Verdacht habe, wir seien dabei, die freiheitlich-demokratische Grundordnung in Frage zu stellen. Ein Verdacht vor Anhaltspunkte ist ja nicht besonders viel, vor allem dann nicht, wenn er von einer offensichtlich von der extremistischen Mitte gekaperten Behörde geäußert wird. Auch etliche linke Vereine und Gruppierungen werden zu Unrecht vom VS beobachtet oder eingestuft.

Glücklicherweise gibt es weiterhin genügend Vereine oder Projekte, die trotz solcher Voreinstufungen ihre Arbeit gemeinnützig betreiben können. Auf diese Weise bleibt das Meinungsspektrum noch immer breiter, findet die Konsensstörung noch immer so statt, wie wir und andere das wollen und nicht so, wie es Herrn Haldenwang oder dem ZEIT-Reporter in den Kram paßte.

Letzterer wird nun die Unterlassung unterzeichnen und ein Sümmchen an unseren Rechtsanwalt überweisen müssen. Entschuldigen wird er sich natürlich nicht. Aber vielleicht wird ihm doch heiß hinter den Ohren, wenn er sich vergegenwärtigt, daß er jahrelang für ein fettes Monatsgehalt am wohl dümmsten Buch recherchiert hat, das je über uns geschrieben wurde. Was macht so einer, wenn er mal seine Leistung bilanzieren soll? Die dummen Netzwerk-Bildchen vorzeigen, mit denen in seinem Büchlein ganze Doppelseiten vollgemalt sind, ohne daß irgendetwas "aufgedeckt" wäre?

Egal. solche Leute sind nicht das Problem. Problematisch ist, daß es Leute in AfD und Umfeld gibt, die plötzlich, also selektiv, ernst nehmen, was Haldenwang oder Reporter XY belegfrei dahererzählen. Plötzlich wird intern die berühmte, weil verlogene Trennungsformel laut, die stets nur Konkurrenzverhältnisse verschleiern soll: Man müsse nun Verantwortung zeigen und "Schaden von der gemeinsamen Sache" abwenden.

Fürs Protokoll: Der größte Schaden liegt dann vor, wenn man das, was die Gegner behaupten, ernst nimmt, weil es einem gerade in den Kram paßt. Alternatives Verhalten wäre: reden lassen, beobachten lassen, schlampern lassen. Und ein Bierchen öffnen.

P.S. 1: Wer unser Institut nun spontan unterstützen will (wir kaufen davon kein Bierchen!) kann dies hier tun. Betreff bitte: "Es ist ZEIT".

P.S. 2: Das Gespräch zum Getränk - die Krisentrinker - kann man sich mal anhören. Manchmal beobachten wir uns, als seien wir Käfer, die über eine Landstraße zu krabbeln versuchen ("befahrene" Landstraße, würde das Finanzamt jetzt monieren): Den Mittelstreifen haben wir erreicht. Mal schauen, ob wir's nach drüben schaffen.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.


Kommentare (28)

H. M. Richter

11. Mai 2020 10:02

Eine Ergänzung: Nach den ersten diesbezüglichen Hinweisen habe ich mir mehrfach den betreffenden ZEIT-Komentarstrang angeschaut. Wurde in diesem darauf hingewiesen, daß es sich bei der Grundaussage des Artikels um eine schwerwiegende Falschmeldung handelt, so wurde ein solcher Kommentar beispielsweise gelöscht mit der Bemerkung: "Entfernt. Bitte belegen Sie Ihre Aussage mit entsprechenden Quellen."

Wurde anschließend an anderer Stelle eine Quellenangabe nachgereicht, so wurde dieser Kommentar dann wiederum gelöscht mit der Begründung: "Entfernt. Bitte verzichten Sie auf die Publikation rechtsradikaler Quellen."

Soviel zum Thema: Niemand hat die Absicht, einen Meinungskorridor zu errichten.

Niekisch

11. Mai 2020 10:24

Herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg!

Homeland

11. Mai 2020 10:35

Der schlampige Journalist und der eifrige Herr Haldenwang wissen wohl, warum sie vorne stehen und wem sie dienen, wenn sie einen Blick zurück auf jene werfen, die hinter ihnen die Richtung weisen und ihre Auftraggeber sind.

Wer solche Situationen kennt, in denen man sich herumschlagen muss mit Dingen, die einem aufgezwungen werden, um einfach Sand ins Getriebe zu bringen, der gönnt Ihnen dieses Bierchen, danach, in der entspannten Genugtuung.

So ist es richtig. Und auch richtig schön.

Ein gebuertiger Hesse

11. Mai 2020 11:16

Tolles Gespräch zwischen GK und EL. Ein Prost auf den Etappenerfolg!

Nachtflug

11. Mai 2020 11:47

Besagter Mensch trägt intern bereits den Spitznamen Zahlenfuchs.

RMH

11. Mai 2020 12:11

Evtl sollte man als Journalist auch einmal Paragraph 52 AO lesen, bevor man etwas in die Welt hinaus posaunt, dann dürfte es selbst einem Laien klar werden, dass dies ein großes Spielfeld ist. Apropos Spielfeld:

Es ist bedauerlich, dass die Gemeinnützigkeit zum Spielfeld politischer und weltanschaulicher Kämpfe geworden ist. Mit seiner Entscheidung zu  Männermitgliedschaften bei einer Loge hat der BFH aber selber den Ball ins Spiel gebracht. Strategisch unklug halte ich es, wenn profilierungsfreudige Abgeordnete der AfD, wie Frau Miazga, ihrerseits meinen, dass Feld zu beackern. Solche Schüsse können mittelfristig nach hinten los gehen. Das Imperium vergisst nichts.

Heinrich Loewe

11. Mai 2020 13:22

Ihren Blog habe ich vor ein paar Tagen angesehen; er ist köstlich und könnte ikonisch werden. Habe ich da galliges Gelächter gehört? Bitte gern ab und zu nachlegen!

Marc_Aurel

11. Mai 2020 15:06

@RMH: Man kann das was Frau Miazga macht natürlich aus einer gewissen Perspektive heraus auch profilierungsfreudig nennen, ich würde aber eher sagen sie ist sehr aktiv und leistet wichtige Aufklärungsarbeit in einer zunehmend professionellen Art und Weise, etwa mit ihrer Videoreihe über die 68ziger Bewegung, ganz im Gegensatz zu einigen anderen AfD-Parteifreunden, von denen man entweder gar nichts hört oder nur dann etwas, wenn es wieder einmal darum geht, sich von irgendwem zu distanzieren. Gerade diese politische und metapolitische Kärrnerarbeit ist ja das, was bei rechten Parteien wie der AfD und FPÖ oft deutlich zu kurz kommt.

Niekisch

11. Mai 2020 17:40

Solche Gespräche wie zwischen GK und EL gab es mit vergleichbarer Analyse auch schon vor 60 Jahren. Bei mehreren war ich anwesend: da konstatierten wir allerdings nicht nur männliche, sondern auch schon weibliche Korsettstangen, hofften nicht mehr auf ein Stumpfwerden des Verdächtigungsmessers, wollten den Gordischen Knoten gar nicht erst mehr durchschlagen, sondern mit den Stricknadeln unserer Freundinnen auflösen, weil wir wussten, dass gegen das allmächtige Macht- und Beobachtungskartell ein Ändern des Zeitgeistes nur durch schlechtestenfalls jahrzehntelange Basisarbeit zu erreichen ist. Evtl. auch durch einen von ganz außen einschlagenden Blitz ganz ohne unser Zutun. Denke ich zurück, so sahen wir die Sache nicht unrealistisch.

 

Niekisch

11. Mai 2020 17:48

II.: Im Gegensatz zu heute riskierten wir damals kameradschaftlich ohne jedes Zögern unsere bürgerliche Existenz. Auch wir -nicht ich, weil noch Weltkriegssoldaten in alliierter Haft waren-- dienten in der BUWE, studierten, heirateten, bekamen Kinder und regelmäßig Besuch von seltsamen Menschen in der Wohnung, die mit dem Eintreten der Tür und Waffengebrauch drohten, selbst in der Unterwäsche wühlten, die Kinder verschreckten und ganze Kisten Unterlagen, selbst Kohlepapier zum Entziffern mitnahmen. Entgegenkommenderweise durfte beim Arbeitgeber wegen Krankmeldung angerufen werden, bevor es zum Kommissariat ging, wo man dann geknipst wurde und Fingerabdrücke genommen wurden. Die beschlagnahmte Bibliothek konnte nach 1 Jahr wieder abgeholt werden. Und das alles wegen des Verfassens eines Gedichts mit angeblich rechtsradikalem Inhalt.

Ergo: Alles schon dagewesen!

Bisher nicht erlebt habe ich allerdings, dass ich in einem Kommentar ein gefälschtes Foto entlarve, ein anderer Nutzer das bestreitet und dann hier beide Kommentare gelöscht werden, ein neuer mit weiterer Aufklärung nicht veröffentlicht wird. Prompt kam auch Badeschluss. Wie soll sich da jemals irgendetwas ändern?

antwort kubitschek:
es hat sich jahrzehntelang nicht viel geändert, egal, was wer wann wo worüber veröffentlicht hat, und deshalb haben wir es manchmal satt und denken still und leise darüber nach, ob es äußerungsformen oder verhaltenslehren gebe, die weniger einfallslos sind als das immer wieder gleiche.

Andrenio

11. Mai 2020 18:03

Verdachtsfall=Ehrentitel

 

MartinHimstedt

11. Mai 2020 19:43

@H. M. Richter

Solcherlei Vorgänge sind derart krass, dass man sie im besten ganz weit wegschiebt: Zumindest ich würde darüber wahnsinnig werden, würde ich mir länger damit den Kopf zerbrechen – was im Übrigen auch das alleinige Ziel des Feindes ist.

Ich hatte über ähnliche Vorgänge für ein Antaios-Buch berichtet, welches wohl nun nicht erscheinen wird. Zunächst hieß es immer, dass man seine Postings mit Quellen belegen muss, da man sonst gesperrt (etc.) werden würde. Als Quelle zulässig waren aber lediglich der öffentlich-rechtliche Rundfunk, SPON, ZON – und irgendwelche unbedeutenden Regionalblätter. Links auf welt.de wurden gerade noch so geduldet, wenn diese nicht allzu oft vorkamen. Sezession ging natürlich gar nicht, aber auch bereits Roland Tichy war verboten, weil dieser ein rechter Verschwörungstheoretiker sei. Dort hatte ich es unter anderem mit der intellektuellen Speerspitze des deutschen Musikjournalismus zu tun. Prost, Mahlzeit!

Andreas Walter

11. Mai 2020 19:52

Klasse "Podcast", Hörbeitrag.

Auf die Frage, warum "Lumpen" Leute wie euch hassen gibt es allerdings auch eine Antwort.

Ebenso auf die, warum meist "Lumpen" die Macht in der Hand halten.

Weil "Lumpen" ihren Selbstwert eben aus jener Macht ziehen die sie vergessen lässt, dass sie "Lumpen" sind. Es geht da meist um Minderwertigkeitskomplexe und Selbstwertgefühl, und wie man dieses erhöht.

Je feiner der Zwirn um so grösser darum die "Verbrecher", die ihn tragen.

Oder, wie es mein Vater ausdrückte: Je dunkler die Anzüge um so grösser die Verbrecher, die in ihnen stecken.

Das Halten und Tragen der Macht beinhaltet zudem immer auch ein "dunkles" Element, eine "dunkle" Seite, im Ährenbündel symbolisiert durch die Axt. Oder auch Doppelaxt.

Die Axt steht dabei für das männliche Element (für Schutz, Wehrhaftigkeit, der Krieger), die Ähre (Nahrung, Versorgung) für das Weibliche.

Die systematische Unterdrückung der männlichen Energie in Deutschland seit 1945 (jedoch nicht nur hier) ist daher der Hauptgrund für all die Verzerrungen, die wir heute beobachten.

 

Niekisch

11. Mai 2020 20:02

"denken still und leise darüber nach, ob es äußerungsformen oder verhaltenslehren gebe, die weniger einfallslos sind als das immer wieder gleiche."

Das, werter Herr Kubitschek, ist aller Ehren wert und führt hoffentlich zu umsetzbaren Ergebnissen. Es stimmt, zu lange und zu oft wurde auf ausgeleierten Gleisen mit abgenutzten Waggons gerollt.

limes

11. Mai 2020 21:25

Nach mehr als einem halben Jahrhundert, in dem ich in politischer Abstinenz und Ignoranz aufwuchs und lebte, machte mich als (in guten demokratischen Zeiten) ausgebildete Redakteurin der Umgang der Medien mit der Bürgerbewegung PEGIDA stutzig. Es hat Jahre gedauert, mich von den Mainstream-Medien und anderen Organen des Geld-Macht-Establishments zu emanzipieren, und immer wieder schreckte ich bei der Internetrecherche vor Hinweisen auf »rechtsextremistische«, »vom VS beobachtete« Medien und Institutionen zurück. Damit lernte ich umzugehen, indem ich meinem Verstand vertraute. Ich glich, was ich las, mit dem ab, was mich meine Lehrer als totalitär zu erkennen gelehrt hatten.

Von manchen rechten Buben werde ich als »Boomerin« oder (zu Unrecht) mit dem frivolen Prädikat »2015 Gefallene« verachtet. Ich »fiel« schon vor der Grenzöffnung, wie oben beschrieben anlässlich der Medienhetze gegen PEGIDA.

Ob rechte Buben oder VS: Niemand wird mich aufhalten, meinem Gewissen zu folgen um Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat zu verteidigen.

Das bedeutet für mich, das IfS zu unterstützen und kritisch zu begleiten.

RMH

11. Mai 2020 21:28

@Marc_Aurel,

Sie haben recht. Ich hätte Frau Miazgas Engagement nicht erwähnen sollen, da es den Eindruck einer Antipathie hinterlassen hat. Stattdessen hätte ich eher auf der Basis "Gemeinnützigkeit ist immer auch die Gemeinnützigkeit der Andersdenkenden" argumentieren sollen. Ich selber sehe es schon als starkes Stück an, eine Gemeinnützigkeit bspw. an Mitgliedern und/oder Zusammensetzung eines Vereins festzumachen als an dessen die Allgemeinheit fördernden Zwecken und Zuwendungen, aber ich bin ja auch kein Finanzrichter. Schön aber, dass es auch Finanzrichter gibt, welche die eigentlich vorhandene grundsätzliche Linie der sachlichen Urteile der Finanzgerichtsbarkeit nicht verlassen, nur weil es irgendwelchen politisch motivierten oder entsprechend angewiesenen Beamten ursprünglich mal so eingefallen war. Das zeugt davon, dass der Rechtsstaat noch lebt.

Franz Bettinger

11. Mai 2020 22:52

Immer wieder werde ich gefragt,  wann wir denn nach D zurückkehren. Die Antwort ist nicht: Sobald wir können. Sie ist auch nicht: Wenn die Merkel-Maßnahmen aufgehoben sein werden. - Aber warum dann immer noch nicht? Weil Merkel und Maas noch im Amt sind. Weil man sie noch nicht verjagt hat. Weil die Diktatorin nach wie vor herrscht und hetzt. Weil ihre Maßnahmen willkürlich unter jedem Vorwand aufs Neue ausgerufen und wie gesehen ohne großen Widerstand im Volk auch durchgesetzt werden können. Weil Merkels Söldner und Schergen durchgreifen wie einst SA und SS. Merkels Spiel ist noch nicht zu Ende. Deshalb kommen wir nicht zurück in dieses Land. 

Maiordomus

12. Mai 2020 08:16

@Bettinger. Erbitterung um nicht zu sagen Fanatismus gehört seinerseits zu den Faktoren, die einen politisch, übrigens auch geistespolitisch handlungsunfähig machen können.

quarz

12. Mai 2020 13:34

@Homeland

"einen Blick zurück auf jene werfen, die hinter ihnen die Richtung weisen und ihre Auftraggeber sind."

Bei den Figuren, die neuerdings allerorten an die Schalthebel der Jagdverwaltung aufrücken, ist wohl länger zurückliegende und stetig wirksame Prägung im Spiel. Äußerlichkeiten ins Treffen zu führen, ist schlechter Stil. Dennoch: ich frage mich, warum uns mittlerweile von so vielen einflussreichen Stellen George-Grosz-Visagen entgegenglotzen, in denen offenbar der kumulierte Opportunismus eines gedankenarmen Beamtenlebens zur Physiognomie geronnen ist. Da lässt sich schwerlich der Gedanke abweisen, dass die Persönlichkeit ihrer Träger in jener Entwicklungsphase verhangen ist, in der nach freudscher Lehre das Ausscheidungsorgan in besonderem Maße libidinös besetzt ist, und dass die mit dessen Kontrolle  einhergehende Verbissenheit ihren Niederschlag im Antlitz findet. Wahrscheinlich sind solche Gestalten das Fundament, auf denen das System Merkel steht.

Wahrheitssucher

12. Mai 2020 14:45

@ Franz Bettinger

Was ist ihre Erklärung dafür, dass es im Ausland, außerhalb Deutschlands noch restriktiver zugeht?

Laurenz

12. Mai 2020 15:17

@Maiortempel @Bettinger

Möchte Maiordomus zustimmen.

Selbst der schnellste Mensch des Planeten ist langsamer als sein eigenen Probleme und ungelösten Konflikte. Die deutsche Frage holt einen irgendwann auch in Tasmanien ein. Es gibt nur eines, sich der Schwierigkeit im hier und jetzt stellen.

Franz Bettinger

13. Mai 2020 09:24

@W.sucher: „Im Ausland strenger“? Bei uns in Übersee nicht. Aber wie sollten auch 3 Polizisten, die ohnehin bei Verstand (also auf unserer Seite) sind, ein Gebiet so groß wie das ganze Saarland überwachen können, wenn sie’s denn wollten? Wo ich lebe, halten gefühlt 50% Corona für einen Hoax ( = Verarschung, Trickbetrügerei), und täglich werden es mehr. Prime Minister Jacinda Ardern geht, wenn ich die Stimmung in unserer Bay richtig beurteile, gerade die Bach runter. Daselbe höre ich auch von anderen gegenden NZ's (Taupo, Haast, Bay of Islands...). Die Leute hier sind down to erath und können anscheinend unterscheiden zwschen hard facts (Gesamtsterblichkeit, an der sich in NZ, und anderswo, nichts verändert hat) und weak Fakten (gestorben an Corona, Suicid, Liebeskummer), die der Manipulation, Interpretation oder schlicht der Lüge unterliegen.  Das Lügen-Regime nutzt sich ab. So it goes.

links ist wo der daumen rechts ist

13. Mai 2020 11:36

Beobachtung 1: Kampf und Ohnmacht

 

Angeregt durch den Hinweis auf dieses Gespräch

https://www.youtube.com/watch?time_continue=1&v=uePW0ibMGOs&feature=emb_logo

fiel mir Folgendes auf:

Es ist doch interessant, wie man sich gegenseitig ein bißchen in Lagerfeuermentalität der „Normalität“ versichert (Attribute Familie, Beruf, Bildung, Steuerzahler, Wehrdienst usw.).

Generell, und das hat nichts mit links oder rechts zu tun, wird, wer sich mit dem Establishment anlegt, zuerst bekämpft und zuletzt, wenn alle Zähne gezogen sind, verlacht oder ignoriert. Die Feinde triumphieren, die Weggefährten wenden sich aus Prestigegründen ab. Die – auch gruppenmäßig verstärkten – symbolischen Widerstandsakte gleichen dann dem berühmten Pfeifen im Wald; oder man torkelt gleich im Niemandsland zwischen den Lagern herum.

Im Kampfmodus hingegen lebt man und vegetiert nicht dahin, souverän ist man deswegen aber noch lange nicht.

links ist wo der daumen rechts ist

13. Mai 2020 11:47

Beobachtung 2: Souveränität und Ohnmacht 

Fällt es nur mir auf, daß der Umgang mit dem Kommentariat in jüngster Zeit ähnlich wirkt (ich weiß, lieber HL, wilde Analogien!) wie die ambivalenten Corona-Maßnahmen bestimmter Regierungen: 1500 Zeichen oder 1,5m Abstand… Aber die Debatten werden dadurch nicht gehaltvoller, im Gegenteil, alles wirkt wie nach einer großen Erschöpfung. Man macht noch irgendwie mit. 

Zudem kommt der Badeschluß (die Ausgangssperre) immer unvermittelter (8.Mai 1945, das Jahr 1945 im Film, aber auch Hölderlin…), wobei ich zugeben muß, daß in letzter Zeit einige wieder ordentlich ihre zeitgeschichtlichen Steckenpferde geritten haben. 
So wissen wir jetzt wieder einmal, daß zwei Weltkriege geführt wurden, um endlich einen relativ homogenen Nationalstaat namens Israel gründen zu können, daß die Russen am liebsten bereits 1940 bis zum Atlantik marschiert wären und v.a. natürlich, daß es keinerlei Zwiespalt gab zwischen Deutschlands legitimen Interessen und seinem Regime 1933ff. Man lernt halt nie aus. 

ff
 
 

links ist wo der daumen rechts ist

13. Mai 2020 11:57

Sapperlot, exakt 1447 Zeichen (mit Leerzeichen) wurden nicht akzeptiert, deshalb ein vermeidbares Addendum als Fortsetzung von Beobachtung Zwo.

Ein freundliches Salve an RMH in den gesperrten Nachbarkommentarstrang.

Ja, Erhart Kästner ist ein ewiger Geheimtipp. Mag er in den früheren Büchern noch einer Stilisierungsobsession erlegen sein wie über weite Strecken Ernst Jünger, so hat er sich mit dem „Aufstand der Dinge“ tatsächlich von allem frei geschrieben; souverän auch in der Beschreibung seiner Ohnmacht. Da muß man ihn mit ganz Großen wie Kafka vergleichen.

qvc1753

13. Mai 2020 14:58

@Franz Bettinger: 
da ich in den letzten Wochen via Videokonferenz mit diversen Kollegen in Europa gesprochen habe und natürlich immer die jeweilige Situation erstmal Thema war, wundere ich mich. Kollegen in Italien unterlagen einer strikten Ausgangssperre, streng kontrolliert z.T, von Militärpolizei. Gleiches in Frankreich - Passierscheine, Polizeikontrollen, Strafanzeigen bei Verstoß. Alles eine Frage des Blickwinkels, gewiss. Aber eine 200.00 € Knolle vom Ordnungsamt ist gewiss keine Strafanzeige und die SS oder SA hat sich mit derlei auch nicht abgegeben. 
Mir scheint uns verrutschen gerade bisweilen die Maßstäbe. 

Wahrheitssucher

13. Mai 2020 16:24

@ Franz Bettinger
 

Du glückliches Neuseeland!

Aber warum und woher dieses überwiegend internationale Unisono? Warum in Russland?

Auf Merkel schimpfen reicht nicht...

Franz Bettinger

14. Mai 2020 10:26

Herzzerreißend, diese Hippies vor dem 'Dangerous Kitchen‘ heute und wie sie sich (demonstrativ das Gesetz übertretend) gegenseitig in den Arm nahmen und minutenlang an sich drückten. Ich selbst war nie ein Fan des 'hugging', aber heute tat es richtig gut, dem zuzuschauen zu einer Zeit, wo auch in NZ noch das 2m-Abstands-Gebot gilt. - Ich stelle bei vielen, Linken wie Rechten - allerdings leider vor allem Nicht-Kiwis - ein neues Selbstbewusstsein fest, ein Dagegen-Halten. Die Graswurzeln wachsen! 

@1753: Die Maßstäbe verrutschen, da haben Sie recht; und am Ende stehen SS und SA. - Das glauben Sie nicht? Hätten Sie 2014 an 2 Mio. illegale Einwanderer geglaubt? Und 2019 an eine globale Maskenpflicht? Merken Sie nicht, wohin die Reise geht? 

@W.sucher: „Warum dieses weltweite Gleichverhalten?“ Ja, das ist die große Frage. Wir werden es bald wissen. 

@Und: Das müsst ihr euch ansehen, so geht Politik:  https://www.youtube.com/watch?v=4qapsMWNPlI&feature=youtu.be

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