25. Mai 2020

Leben, wo gestorben wird

Heino Bosselmann / 84 Kommentare

Alles Leben ist so wundervoll wie fragil, die Auflösung, das Chaos gewiß, der Kosmos, die Ordnung eine Ausnahme. Mors certa, hora incerta.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

  • Sezession

Von Niklas Luhmann stammt das treffende Wort von der „Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation“, aber diese Unwahrscheinlichkeit kann nicht minder für das Leben selbst, die Daseinsform der Eiweiße, gelten, daher die biologische Leere im All ringsum. Bisher fand man exterrestrisch nicht mal ein Virus: Es wäre begeistert gefeiert worden.

Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik gibt die unumkehrbare Richtung an: Zunahme der Entropie, fortschreitender Zerfall. Wir können nicht gegenan. Daß das Leben den Tod besiegen wird, ist eine religiöse Beschwörungsformel aus innerer Verzweiflung heraus, physikalisch und biologisch gilt das Gegenteil. Gelassenheit läge darin, sich mit diesem Geschick abzufinden. Es gewinnt unweigerlich der Tod, jedenfalls im principium individuationis. Auf ihn wird zugelaufen, individuell wie universell, unerbittlich und sehr verläßlich. Er ist das Schwarze Loch, um das wir kreisen. Unsere beharrliche Gegenwehr bedingt allen Kultus, der stets Anspruch auf eine Ewigkeit erhebt, die es für uns nicht gibt. Wir trösten uns im Als-ob, streben aber der Auflösung zu.

Zum naturgegebenen Vergängnis kommt die humane Beschleunigung der Vernichtung. Die menschliche Gesellschaft hat zur Sicherung ihrer Existenz einen unbeschreiblichen Massenmord an den Mitgeschöpfen verschuldet. Das ist der größte Frevel, den wir als Gattungswesen auf dem Gewissen haben, unsere eigentliche Erbsünde.

Was wir uns selbst antaten, selbst Völkermorde, erscheint dagegen marginal und fällt nur ins Gewicht, weil wir allein unserer vermeintlich aparten Art eine höhere Würde zuschreiben als jedem anderen Wesen. Aus der Schuld gegenüber der Natur kommen wir nicht mehr heraus. Die Artenvielfalt als Grundlage der Evolution ist mittlerweile irreversibel verloren. Wir drehten die Schöpfung zurück, vergewaltigten, verkrüppelten und verstümmelten sie und erweisen uns als die Art Leben, die bereit ist, allen anderen das Leben zu nehmen, um diese Opfer für unsere inflationierte Weiterexistenz zu verstoffwechseln.

Dies verstehen wir als „Wachstum“. Für die Pflanzen und Tiere gilt, seit wir sie unterwarfen, viel mehr das „Stirb!“ als das „Werde!“ Uns erscheint das selbstverständlich, denn wir können nicht anders, als den Planeten zu verwursten, auf dem wir entstanden. Es gelingt uns dank hochtechnologischer Finesse im industriellen Tempo beschleunigter Reproduktionskreisläufe immer effizienter und geradezu auf faszinierende Weise. Wir messen und rechnen das durch.

Man schaue sich daraufhin einen gewöhnlichen Super-Markt aufmerksam an. Dank Excel eine aufgeräumt durchsterilisierte Leichenhalle nichthumanen Lebens! Allerdings ist der ideale Kunde, der Profi-Shopper, der XXXL-Verbraucher, auch ein toter Mann, weil so viel gar nicht zu verschlingen und körperwarm durchzudverdauen ist, schon gar nicht auf gesunde Weise. Daher schließt an Markt und Verbrauch der medizinisch-pharmakologische Komplex an. Vom Discounter geht’s in die Dialyse. Mindestens wird man medikamentös „eingestellt“, um noch ein paar Jahre konsumieren zu können.

Ein paar Tage im März rang man mit der Prognose einer erklecklichen Reduktion der überzähligen Menschheit zugunsten der geschundenen Natur und durfte zum Fatalismus bereit sein, gegebenenfalls mit abzutreten. Aber selbst das angekündigte große Sterben erwies sich als Farce. Nichts Feierliches dabei, keine Verzweiflung, sondern statt „Übersterblichkeit“ nur wieder Nervosität, neue Ängste, ja Panik und ein exekutives Management von Verordnungen, das darauf reagierte und am Regieren mal richtig Spaß empfand.

Aber einfacher angeschaut: Wir leben stets, wo gestorben wird. Das gilt es einfach auszuhalten, auch als Mysterium der Kontingenz in dem Sinne: Es wird mich treffen. Allein die Frage nach dem Wann und Wie ist zunächst nicht zu beantworten, weil unkalkulierbar. Unser Leben ist ein Tanz mit dem Tod, der uns letztlich heimführt und so zur Ruhe bringt. Die Varianten zu sterben sind so vielfältig wie das Leben selbst; wir wünschen uns einen möglichst angenehmen, schmerzarmen und vor allem späten Tod nach einem genußvollen und reichen Leben, aber es gibt nach wie vor leidvolle und häßliche Formen des Sterbens.

Vor allem: Schon im nächsten Moment könnte es uns ereilen. Mag sein, gerade darin liegt eine höhere Gerechtigkeit, aber vermutlich ist das ebenso Zuschreibung wie all unsere verbastelten Hoffnungen. Wir treffen Vorsorge, wir schützen uns, wir verbannen den Tod ebenso aus dem Sichtfeld wie den Müll, wir glauben an dies und das, dennoch: Mit der Geburt beginnt das Ende, das jäh erfolgen kann, trotz Vitaminen und gesunder Lebensweise, trotz Yoga, Fahrradhelm und Rauchverbot. Eine Lebensversicherung gibt es nur als finanzielles Konstrukt und eben nicht im Wortsinne. Man höre Brahms‘ „Deutsches Requiem“: „Denn alles Fleisch ist wie Gras …“

Wenn die von dem „neuartigen Corona-Virus“ ausgelöste Covid-19-Erkrankung nun trotz der vergleichsweise moderaten Infektions- und Todesrate tatsächlich eine „Pandemie“ sein sollte, dann gilt es, sie einfach hinzunehmen. Selbstverständlich, man wird sich folgsam die Hände waschen, sich artig die eklige „Alltagsmaske“ vorbinden, vorbildlich in die Armbeuge niesen, die Umgebung desinfizieren, nicht mehr zu arg in die Aura anderer Menschen eindringen und sicher einen Impfstoff mehr entwickeln. Aber es wird weiterhin daran gestorben werden, wie an abertausenden anderen Ursachen. Kindlich könnte man sagen: Am Tod stirbt man eben, mit und ohne Mund-Nasen-Schutz. Nein, das ist nicht zynisch, sondern Alltag. Noch im vorvorigen Jahrhundert stellten die Schreiner ihre Särge auf der Straße aus, als Gebrauchsgegenstände.

Daß uns ein Wesen umwirft, das an sich nicht mal ein Lebewesen ist, kaum ein „Keim“, obwohl wir es als eine Art seeigelhafte Stachelkugel plakatieren, hat sogar Charme. Je ausgefeilter und überzüchteter und empfindlicher die Menschen und ihre Infrastruktur, um so anfälliger ihre so perfektioniert erscheinende Kunstwelt. Schon lange galt als unnormal, wer keine Allergien und Unverträglichkeiten herzuzählen wußte. Unsere Gesellschaft war lange vor der vermeintlichen Seuche extrem idiosynkratisch. Ab jetzt aber wird bereits jeder angebotene Handschlag als Übergriff gelten und Erschrecken auslösen.

Gerade jene westlichen Wohlstandsgesellschaften, die schon jahrzehntelang vor keiner existentiellen Herausforderung mehr standen, weil die Opfer für ihren Komfort vor langer Zeit und von anderen erbracht wurden, haben ihre Vitalität und Widerstandskraft folgerichtig so sehr eingebüßt, daß es keinen Krieg braucht, sondern die Variante einer asiatischen Atemwegserkrankung bereits ausreicht, sie völlig umzuwerfen und eine kollektive Angstneurose auszulösen. Die Hochkultur sieht sich von einem trockenen Wuhan-Husten bedroht.

Wenn beispielsweise in Sachsen-Anhalt erst noch ein Infizierter gemeldet wurde, dem es nicht unbedingt schlechtging, dann kein Krankheitsfall mehr bekannt wird, das ganze Bundesland aber Mundschutz trägt, sich im „Social-Distancing“ übt und die Pleite riskiert, dann ist genau das nicht nur unfreiwillig kurios, sondern symptomatisch.

Wird diese Obsession aus politischen Gründen oder aus würdeloser Angst weiter und weiter getrieben, bleibt zu fürchten, daß genau dies das Miteinander zersetzt – mit der Folge nicht des individuellen, aber des kulturellen Todes und dem Ergebnis einer Zombie-Gesellschaft. Nur sind dann nicht wie in Horror-Schocker die Infizierten die Zombies, sondern die Gesunden, die sich um das Symbol des Mundschutzes scharen. – Selbst wenn niemand mehr „positiv getestet“ ist, wird es wie im Thriller heißen: „Es ist irgendwo da draußen!“ Und klar, irgendwas kommt schon, denn: „Wir haben hier keine bleibende Stadt.“ Hebräer 13, 14. Unser Dasein bleibt prinzipiell obdachlos.

Mut und Haltung! Wir haben immer dort zu leben, wo ringsum gestorben wird.


Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

  • Sezession

Kommentare (84)

Der_Juergen

25. Mai 2020 18:00

Der bisher wohl beste Beitrag von Heino Bosselmann auf diesem Blog.

RMH

25. Mai 2020 18:12

"Die menschliche Gesellschaft hat zur Sicherung ihrer Existenz einen unbeschreiblichen Massenmord an den Mitgeschöpfen verschuldet."

???

Das liegt in der "Natur" des "Natürlichen". Andere Geschöpfe würden uns fressen und fressen uns auch, wenn sie könnten/können. Das Aussterben von Arten geschah auch schon vor dem Menschen und es ist ein modernes Märchen, dass die Natur sich in einer Art von "natürlichem Gleichgewicht" befände und alles quasi in Friede und Freude vor sich hinvegetieren und leben könnte. Das widerspräche auch der Evolutionstheorie. Die Prozesse laufen evtl. anders - insbesondere langsamer - ab, als wir sie erkennen, aber sie laufen ab.

Das der Mensch auch "schonend" oder schonender mit seiner Natur umgehen kann, entspricht  seiner natürlichen Vernunft und reinem Nützlichkeitsdenken - so kann er sicher stellen, dass er eben nicht aussterben wird, noch mehr von ihm Leben können und auch noch Generationen auf Generationen folgen können. Er schlägt damit der Natur ein Schnippchen. Alle Lust will Ewigkeit (F.N.) - und im Reich der Gene ist es die Ewigkeit der Weitergabe der Erbinformation verbunden mit den Möglichkeiten der Rekombination und Mutation (die Biologen mögen mich Fachfremden bitte berichtigen).

Niekisch

25. Mai 2020 18:31

"Mut und Haltung! Wir haben immer dort zu leben, wo ringsum gestorben wird."

Ja, es akzeptieren und im Sinne unserer Altvorderen ein Leben führen, das uns in den Augen der uns Nachfolgenden als würdig und ehrenvoll gelebt habend erscheinen lässt, dem in ihren Herzen ein Platz für uns bereitgehalten ist bis ins nächste Herz und möglicherweise sehr viele Herzenskammern als Schatzkammer ewigen Weiterlebens über die Generationen hinweg.

Mehr kann nicht sein und mehr soll auch nicht sein.

zeitschnur

25. Mai 2020 19:15

"Daß das Leben den Tod besiegen wird, ist eine religiöse Beschwörungsformel aus innerer Verzweiflung heraus, physikalisch und biologisch gilt das Gegenteil. Gelassenheit läge darin, sich mit diesem Geschick abzufinden." -

Nicht Verzweiflung, sondern Hoffnung! Gleich, was physiskalisch und biologisch gilt: es gibt die geistige Sphäre, und was da gilt, sehen wir jetzt noch gar nicht ab.

Ansonsten ein Artikel mit ausgezeichneten Gedanken, vielen Dank. Vor allem die Zeichnung einer Welt, die nicht nur gott- und geistlos geworden ist, sondern auch feindselig gegenüber dem materiellen Dasein, um das kleine bisschen materielle Leben zu "sichern". Wir sind soweit, nun nicht mehr nur die Natur zu massakrieren, sondern uns selbst zu liquidieren für die Illusion, damit dem Tod zu entgehen, angeführt von einer wahnsinnigen, selbsternannten "Elite", die ihr Überleben nicht geistig, sondern biologisch in die Unsterblichkeit hinein sichern will.

Ich möchte wieder appelieren daran, ein anderes Verständnis zu Krankheit und Tod zu gewinnen: beides sind - christlich betrachtet - in der ursprünglich guten Natur Transformationen in ein Besseres hin. Mikroben sind nicht unsere Feinde, sondern eine Art Heinzelmännchen. So gesehen sind die, die nicht sterben können, in der selbstgeschaffenen Hölle der Transformationsverweigerung und Erstarrung wie Lots Weib im Rückblick auf Sodom.

RMH

25. Mai 2020 19:48

"Mikroben sind nicht unsere Feinde, sondern eine Art Heinzelmännchen."

@zeitschnur,

bei ihrer Vorstellung würde ich dann den nordischen Weg dem heutigen Weg als ehrenvoller vorziehen:

Lieber vom echten Feind erschlagen und nach Walhall einziehen als von den Heinzelmännchen nach Helheim gebracht.

Idise

25. Mai 2020 19:55

Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Dem kann ich mich so gar nicht anschließen. Klar, die Mißstände der Fortschrittsgläubigen, aber dieses "wir", dem ich mich so gar nicht zugehörig fühle. Schön war am Anfang der Moment, als das schwarze Loch angesprochen wurde. Doch wo bleibt die Weiterentwicklung eben dessen? Wie tröstlich, daß ein schwarzes Loch stets wächst und wir nicht ewig in Umlaufbahnen kreisen, sondern eines Tages den Ereignishorizont passieren werden, hinab zur Singularität, vereint, ohne Zeit. Der schöne Gegenpart zum Chaos. Bereit zu neuem Anfang? Wer weiß, doch lässt sich die große Wiedergeburt nicht ausschließen. Sollte es ein ursprüngliches Wissen geben, diese ursprüngliche Ahnung, das vielen von uns hier bewußt innewohnt, so wird es wohl das sein, was an Geist weitergegeben wird. Denn der Ursprung ist immer schön und das lässt hoffen. Auch in dieser so verkommenen und dekadenten Welt. Denken wir im Zeitstrahl doch Strecken weiter und freuen wir uns darauf!

quarz

25. Mai 2020 20:10

Es ist ja tröstlich, dass man zur Abwechslung mal nicht spezifisch als alter, weißer Mann an allem Schuld ist, sondern als Mensch ganz allgemein und dadurch Gesellschaft im Schuldturm bekommt.

Dass wir gerade in einem todesvergessenen Zeitalter leben, ist wohl wahr. Aber solche Zeitalter wechseln sich immer wieder mit Epochen ab, die durch starkes Todesbewusstsein geprägt sind. Große Teile des Mittelalters waren eine solche Epoche, aber auch die Barockzeit - trotz all dem sinnenfreudigen Jubel, mit dem damals das Leben gefeiert wurde.

Das Urteil aber, dass der Mensch, die missratene Kreatur, am besten vom Erdball verschwinde, wie es hier zwischen den Zeilen zu vernehmen ist, auf dass "die Natur" aufatmen könne, leitet sich aus menschlichem Normengepräge ab. Der Natur selbst ist es egal, ob in ihr viele Arten vorkommen oder nicht, sie empfindet sich auch nicht als "geschunden". Das sind Projektionen des menschlichen Denkens. Sie würden mit dem Menschen verschwinden. Und die Natur würde wieder, wie vor dem Auftauchen des Menschen, durch Vulkanausbrüche und Meteoriteneinschläge in ihrer organischen Ausbreitung gehemmt. Ob ihr das lieber wäre? Extinktion ja, aber wenn schon, dann "Bio"?

 

 

Gustav Grambauer

25. Mai 2020 20:49

"Leben, wo gestorben wird" - Heino Bosselmann 

Die allgemeine Degeneration ist so weit fortgeschritten, daß, soweit ich sehen konnte, vor zwei Wochen niemand in der Öffentlichkeit oder Halböffentlichkeit den - für Schäuble bemerkenswerten - Schlag ins Gesicht von Mutti und ihren Kumpels entlang der Ill-Gates-Schiene realisiert hat. Schäuble hatte leise angemerkt, daß das Grundgesetz die Menschenwürde über das Recht auf Leben stellt. Die Vulgärdarwinisten können gar nichts mehr anderes erfassen als nur noch Abweichler von ihrem pc-konformen Gusto des Darwinismus, auf die sie sich dann als Meute stürzen. Auch im sogenannten alternativen Spektrum hat noch nicht einmal irgendjemand die Lunte im Machtkampf gerochen, geschweige denn hat irgendjemand bei Schäuble das allerletzte Rudiment humanistisch gebildeten oder auch nur stoischen Denkens bzw. den allerletzten Hauch erahnt, der noch von einer Mit-Würde-Schiffbruch-Erleiden-Haltung herwehte. Das Lieber-Tot-als-Rot, vor fünfzig Jahren noch voraussetzungsloser Konsens, würde heute überall nur gelangweiltes Unverständnis auslösen. Die Leute sind inzwischen nahezu ausnahmslos so tief gesunken, mit völliger Selbstverständlichkeit davon auszugehen: "Wer tot ist, braucht sowieso keine Würde mehr".

Es werden großteil dieselben sein, die einem seit März am liebsten ins Gesicht springen würden, wenn man noch wagt, das Wort Lebensfreude auszusprechen. Können nicht sterben und nicht leben! 

- G. G.

Gustav Grambauer

25. Mai 2020 21:32

So stirbt man:

"Auf dem langen braunen Tuchrock von meinem Großvater war wohl nie ein Staubkorn. So ist er auch gestorben. Blank geputzt auch die Montur der Seele, sagte Oberpfarrer Stempel. ... Er lag in der großen Stube, wo sein Webstuhl stand. Als es soweit war, mußten wir alle kommen, meine Eltern, die Großmutter, die Onkels. Dann der Lehrer. Dann der Schulze. Dann der Pastor. Großvater Hussak kam von allein. Der Sarg, den Großvater sich von seinem Freund, dem Obermeister Rehan in Lübbenau, hatte machen lassen, stand auch in der Stube. Auf ihn war fein des Großvaters brauner Rock gelegt. Auch seine Fellmütze, die weiße Kniehose und die Schnallenschuhe. Er sah ganz feierlich aus, wie er da in seinem Bett lag, und alles hatte er selbst gewebt. Ganz still waren alle, als er das heilige Abendmahl empfing. Dann sagte er: „Lassen Sie Reveille blasen, Herr Pastor!“ und richtete sich auf. Sie mußten ihm helfen, sich anzuziehen. Mein Vater mußte ihm das Haar glattkämmen. Es sah aus, als wollte er ausgehen. Aber da wurde ihm krüselig, und er wäre beinahe hingefallen. ...

Gustav Grambauer

25. Mai 2020 21:33

(- ausnahmsweie zwei Teile -)

... Sie wollten ihn wieder ins Bett tragen. In diesem Augenblick brachte mein Onkel, Vaters Bruder, das Sterbestroh in die Stube. Nämlich es war damals Brauch, daß die Bauern in unseren Dörfern nicht im Bett sterben wollten, um das Bett nicht durch den Tod zu verderben. Sie wurden daher in ihrer letzten Stunde auf eine Strohschütte auf den Fußboden gelegt. Mein Großvater aber wurde zornig, als er das Stroh sah. Sie mußten ihn angezogen in den Sarg legen. Ich habe laut geheult. Meine Großmutter auch. Dann war es lange Zeit still. Bloß der Pastor betete. Da rührte sich der Großvater wieder. Er fragte: „Ist das Tor los?“ Es erwartet einen Gerechten“, sagte der Pastor. „Kann ich so vor den himmlischen König hintreten?“ fragte mein Großvater. „Ist die Montur proper?“ Er hatte die Augen zu dabei. Keiner antwortete ihm. Dann sagte er laut: „Tritt gefaßt!“ Und dann murmelte er noch was und straffte sich ganz lang und lag still. Sie warteten noch eine Zeit. Dann trat der Pastor zu ihm und streichelte ihm über den Kopf. „Er ist eingezogen“, sprach er. Siehe, so starb mit siebzig Jahren mein Großvater Johann Preisgott Grambauer, Kunstwebermeister und Bauer. Als ein Soldat und Mensch und Künstler, und innerlich und äußerlich proper, wie er gelebt hatte." - Welk: "Die Lebensuhr ders Gottlieb Grambauer", Hinstorff (1974), Seite 35

- G. G. 

heinrichbrueck

25. Mai 2020 21:46

Zwischen Mord und Totschlag sollte unterschieden werden. Der Tod mag uns totschlagen, aber er ermordet uns nicht. Mit diesem Wir der „menschlichen Gesellschaft“, dieses Denken ohne konkreten politischen Bezug, kann ich immer weniger anfangen. Meinem Schuldkonto nicht aufzuhalsen. Diese Ode an den Tod, als ob alle Menschen gleich wären. Für das Menschenopfer, der Natur gegenüber, dankt der Mensch, nicht die Natur. Wenn der Westen morbid ist, freut sich der Süden usw.

@ zeitschnur

Wie wird man denn „geistig unsterblich“? Im christlichen Kontext scheint die Politik Urlaub zu genießen. Wir siegen alle im Alleingang, na klar.

MARCEL

25. Mai 2020 21:49

Manchmal helfen Fragen weiter, so sagte es mein Prof. einmal und formulierte: Wie viel an Geburt steckt eigentlich im Tod? Und wie viel Tod steckt in jeder Geburt? Die ist erstmal ein Schock für das Neugeborene.

Wie dem auch sei: Leben und Tod sind aufeinander bezogen und nur als Paar zu haben. Sollte uns das über Gebühr ängstigen? Wer zudem weiß, wofür (und nicht nur woran) er stirbt, der weiß auch, für was er gelebt hat. Auch hier liegt in unserer Gesellschaft so viel im Argen. Gerade Jüngere wissen oft nicht, wofür sie leben sollen. 

Gracchus

25. Mai 2020 22:58

Schön existentialistisch. 

Das Hebräer-Zitat am Ende ist allerdings verkürzt wiedergegeben - wohl Bosselmanns Befindlichkeit geschuldet. Ich denke an eine schön paradoxe Erzählung von Borges: Der Unsterbliche - so auch der Titel - vegetiert in seiner Unsterblichkeit dahin, ihm wird bewusst, dass nun nichts mehr von Bedeutung ist; denn alle Bedeutsamkeit wächst den Dingen aus ihrer Vergänglichkeit, ihrer Bedrohung durch den Tod zu. Also macht er sich auf die Suche nach dem Antidot, der Quelle, die ihn wieder sterblich macht ...

Physikalisch und biologisch könnte man sich den Tod auch einfach als Transformation der Materie denken, wie @zeitschnur. Was auf der Strecke bleibt, ist das indviduelle Bewusstsein, sofern man Materialist ist. Agamben sieht zum Beispiel die Corona-Massnahmen als Konsequenz eines medizinisch-biologischen Denkens, das biologisches und geistiges Leben strikt trennt. 

Ich vermute fast, dass jeder ein Wissen von der Unsterblichkeit der Seele in sich trägt. Es gehört wahrscheinlich hartes Training dazu, sich von einer rein materialistischen Anschauung zu überzeugen - auch wenn ebenso gilt, dass die meisten ihr Ich mit dem Körper und dessen Bedürfnissen identifizieren. 

 

pirol

25. Mai 2020 23:03

'Wenn ich mich im unmittelbaren Sterbeprozess befinde ...'- so eine Patientenverfügung - sei dieses zu tun und jenes zu unterlassen. Im weiteren Sinn ist Leben die Gestaltung dieses Sterbeprozesses, der mit der Geburt beginnt. 
Die Natur, die Evolution, kann die Menschheit wie eine lästige Plage abschütteln und wird sich danach weiterdrehen.  
Wer von Schöpfung und Schöpfer redet hat Beständiges im Blick - so der Hebräerbrief: '... sondern die Zukünftige suchen wir'. Der Tod, der dem Sünder vor dem Sündenfall verheißen war, führt den, der Gut und Böse erkannt hat, durch die Auferstehung zum ewigen Leben in einer neuen Schöpfung.
Andere glauben, die Ewigkeit durch Technik bezwingen zu können. Todkrank oder bereits verstorben lassen sie Ihre Körper einfrieren, damit sie in einer besseren Zukunft zu Leben und Gesundheit erweckt werden. Ähnlich funktioniert die Übertragung des Bewusstseins in Maschinen, so die Dokumentation 'Plug & Pray' (2010): Will man go beyond biology? 
Die Relation von Geist, Seele und Leib, von Materie und Bewusstsein, sind alte Menschheitsfragen. Ich sehe keine Antworten, die wesentlich besser wären als biblische 'Er formte ihn aus Erde und blies ihm den Lebensodem in die Nase'.
Walhalla, Zion, die grauen Anfurten oder nur die Erinnerung der Nachgeborenen - haben wir diese Wahl oder ist das Projektionen, die helfen oder verblenden?     

Fredy

25. Mai 2020 23:21

Das sind nun wahrlich keine Weisheiten. Tot ist Tod, davor ist Leben. Dazwischen steht das Sterben. Und das macht den Menschen Angst, sicher nicht das Nichts danach (was man nicht erlebt, kann man nicht vermissen / wer nicht mehr ist, hat nichts verpasst). Und sterben kann man auf vielfältige Weise, oftmals können wir es nicht beeinflussen. Das ist das Wesentliche.

zeitschnur

25. Mai 2020 23:46

@ heinrichbrueck

Missverständnis: ein Christ wird nicht "geistig unsterblich", sondern er wir auferweckt, nachdem im Verweslichen ein unverweslicher Same gesät wurde und aufging.

@ RMH

Die "Heinzelmännchen" bringen nicht irgendwohin, sondern sie helfen als Winzlinge und schaden nicht, wie man uns glauben macht. Mehr wollte ich nicht sagen. Ein anderes ist: Wer dann nach diesem Äon wohin kommt, wird auf einer anderen Ebene entschieden. Paulus: "... man habe denn recht gekämpft ...". Will sagen: Das bloße Kämpfen um etwas sollte man nicht als Garantie auffassen. Nicht, dass es am Ende nichts wert ist, weil man falsch investiert hat.

Brettenbacher

26. Mai 2020 00:26

O

@ quarz

Köstlicher !

Daß  von Euch her der Strahl sensend in die Bosselmannschen Schuld- und Schambinsen fährt, das wundert den nicht, der weiß, daß Ihr die Maria Menz kennt.

 

 

 

Laurenz

26. Mai 2020 00:41

Interessant, wie viel man über eine der wenigen Offensichtlichkeiten schreiben kann. Das, was HB schrieb, ergibt sich doch von selbst, auch ohne, daß man es formuliert. Natürlich ist der Text bis auf ein paar Stellen, wo sich ein gewisser Zynismus durch gräbt, schön geschrieben. Allerdings wäre der Text nicht geschrieben, sterben auch die Unbewußten trotzdem. In einer biologischen Frage möchte ich nachfragen. Bis ca. in das Alter von 25 Jahren bauen wir uns auf, dann sind wir quasi fertig. Und ab da, wenn wir quasi fertig produziert sind, bauen wir ab. Den Alterungsprozeß habe ich leicht verstanden. Aber wie funktioniert es, daß er nicht sofort, nach der Geburt einsetzt?

@zeitschnur

über das Jenseits mag ich nicht debattieren, auch wenn ich @RMH zustimme. Wobei man das dem Djihad ähnliche nordische Prozedere meist nur auf eine reale Begebenheit, das allen in der Schlacht in der Spätzeit des Heidentums oder im Islam reduzierte. Die geistige oder energetische Schlacht, "vincet, qui se vincet", wird meist übergangen.

Aber ganz egal, welche Glaubens- oder Haltungswelt sich nach dem Tode als wahr erweist, mit dem irdischen Leben wird es meist nichts mehr zu tun haben. Außer, die asiatischen Sub-Kontinentalen behielten Recht und man wird zB als Ratte wiedergeboren.

Von daher, zeitschnur, sind religiöse Gedanken meist Ablenkung vom hiesigen Tun. Solange wir hier sind, sollten wir unseren irdischen Auftrag ausführen und uns weniger über das jenseits Gedanken machen.

Brettenbacher

26. Mai 2020 08:33

"Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik gibt die unumkehrbare Richtung an: Zunahme der Entropie, fortschreitender Zerfall. Wir können nicht gegenan." (Bosselmann)

Aber Gertrud Fussenegger - die wir nicht vergessen sollten - versucht es doch:

Der große Obelisk - Gedanken und Erfahrungen beim Lesen und ...

books.google.de › books

Gertrud Fussenegger. dissipierten Energien widersetzt. Diesen Satz in Kürze zu erklären: Der Begriff Entropie ist ein physikalischer Begriff und bezieht sich auf ...

Gertrud Fussenegger - 2018 - ‎Literary Collections

Nordlicht

26. Mai 2020 08:33

"Das ist der größte Frevel, den wir als Gattungswesen auf dem Gewissen haben, unsere eigentliche Erbsünde. Was wir uns selbst antaten, selbst Völkermorde, erscheint dagegen marginal und fällt nur ins Gewicht, weil wir allein unserer vermeintlich aparten Art eine höhere Würde zuschreiben als jedem anderen Wesen."

Wäre da nicht diese aparte Sprachwucht, könnte man diesen Text für ein GRÜNEN-Pamphlet oder einen Annalena-Monolog bei Anne Will halten.  Befremdlich.  

Wird hier ernsthaft behauptet, dass dem Menschen keine höhere Würde zukommt als Pflanzen und Tieren?

Und dann das merkwürdige Verquirlen von Buddhismus ("Even if killing a single mosquito would end all cases of malaria in the world for ever, the (Theravada) Buddhist philosophy would be to abstain from killing the mosquito.") und der von Augustinus erfunden Erbsünde. 

Laurenz

26. Mai 2020 09:13

@Nordlicht

Auch HB weiß, daß wir ohne töten nicht auskommen, egal, ob Pflanzen oder Tiere. Aber Er meint wohl genau diese Schicksalhaftigkeit.

Augustinus hat die Erbsünde nicht erfunden, auch nicht die Sünde.

Zitat-Wird hier ernsthaft behauptet, dass dem Menschen keine höhere Würde zukommt als Pflanzen und Tieren?-Zitatende

Genau. Falls wir nach Gottes Ebendbild erschaffen wurden, ist Gott schon lange vermodert. Und unzählige neue Götter wurden geboren und starben wieder.

Adler und Drache

26. Mai 2020 09:42

Herr Schopenhauer hat also auch zu uns gefunden. 

 

Andreas Walter

26. Mai 2020 09:58

@Gustav Grambauer

Beeindruckend, wie auch Sie schreiben können. Doch auch die Geschichte selbst, ihr Großvater, beindruckend. Wie geht das, wie hat er das gemacht, geschafft, frage ich mich, und woher nimmt man diese Kraft, einfach, ja was? Loslassen, zu gehen? Ich breche schon in Tränen aus wenn ich nur daran denke. Selbst die Beerdigung eines ehemals guten Freundes war für mich eine mittelgrosse Katastrophe, während alle anderen viel tapferer waren als ich. Doch es gibt so viele Menschen, die ich mag, die ich liebe, geliebt und gern gehabt habe, wie soll das erst in Zukunft daher werden. Manchmal fürchte ich mich schon regelrecht davor.

Andreas Walter

26. Mai 2020 10:01

Zu Bosselmanns Text:

Von enormer Reichweite, Blicktiefe, auch wenn er hier die Gegenkraft erstmal völlig außen vor lässt. Eine hervorragende Beschreibung immerhin der einen Seite der Medaille, wie ich sie hier noch nie beschrieben gelesen habe. Doch von auch welch unfassbarer Kraft ist dann ebenso der Pol, der manch 21-jähriges Mädchen zum schönsten und lebendigsten macht, was es auf der Welt zu schauen gibt? Ihre Existenz wäre völlig sinnlos, ja, gar unwahrscheinlich, wenn dahinter nicht auch eine ebenso gewaltige Kraft stecken würde wie hinter dem grossen Attraktor. Das göttliche Feuer selbst, auch wenn es viele nur als einen Funken bezeichnen.

Nur zur Sonne sehen reicht da aber nicht aus, doch es gibt auf der Erde auch Menschen, die dem Feuer schon viel näher waren. Keiner von ihnen ist davon unbeeindruckt geblieben:

https://youtu.be/Y__dxTaGEp0

Der Ort, an dem wir leben, ist daher ein ganz besonderer, ebenso wie darum auch das Leben selbst. Aufgespannt genau in der Mitte zwischen zwei unfassbaren Kräften, die jede für sich genommen völlige Zerstörung jeglicher Struktur, De-formation bedeutet. Egal ob als Plasma oder womöglich Bose-Einstein-Kondensat. Hihihi, doch woher kam dann überhaupt jemals das Licht, wenn doch Finsternis und "Eis" angeblich unser aller und allem Schicksal ist?

Der_Juergen

26. Mai 2020 10:11

Die Verbrechen der Menschheit, besonders gewisser Teile von ihr, gegenüber den Tieren sind nicht mit der "Grausamkeit" von Tieren gegenüber anderen Tieren zu vergleichen. Die Schlupfwespe, die ihrem gelähmten Opfer Eier auf den Leib legt, damit die Larven den hilflosen Wirt dann fressen können, ist kein vernunftbegabtes Wesen. Allerdings widerlegt das - schon von Darwin zitierte - Beispiel der Schlupfwespe die Vorstellung, die Welt könne ausschliesslich die Schöpfung eines allgütigen Gottes sein. Es weist darauf hin, dass es zwei Schöpfer gibt, einen hellen und einen dunklen - oder aber, dass ein einziger Schöpfer jenseits von Gut und Böse, jenseits von Hell und Dunkel steht. bzw. beide Charakteristiken in sich vereint. (Auf die Evolutionstheorie, deren Schwächen Darwin selbst einsah und die von seinen Anhängern vulgarisiert wurde, gehe ich nicht ein, da sie mir eine Beleidigung des gesunden Menschenverstands zu sein scheint und dieses Thema hier vor geraumer Zeit schon ausführlich erörtert wurde, im Zusammenhang mit Dawkins und dem Bombardierkäfer.)

Gerade den Hinweis auf die grausame Tyrannei des Menschen gegenüber seinen Mitgeschöpfen fand ich in diesem Bosselmann-Artikel besonders stark.

Man lese hierzu das grandiose Buch "The Impeachment of Man" von Savitri Devi. Es gibt auch eine deutsche Fassung, deren Titel mir entfallen ist.

 

RMH

26. Mai 2020 10:28

@Nordlicht,

zu Ihrem Beitrag ein Satz von Hölderlin:

"An das Göttliche glauben

Die allein, die es selber sind"

(F. H. "Menschenbeifall")

Mögen die Linken vom Affen abstammen, wir hingegen sind Gottes Schöpfung.

Der Beitrag hat seine Schwäche in der Wiederkehr des "Der Mensch ist doch nichts anderes als ..." -Formel und seine absoluten Stärken im Memento mori.

zeitschnur

26. Mai 2020 10:33

@ Laurenz

Habe ich mir Gedanken übers "Jenseits" gemacht? Wo hier? "Jenseits" im gängig-heidnischen Sinn verstehe ich eh nicht, auch nicht als christianisierte Einrichtung. Interessant ist hier: "Hebräer" heißt "Jenseitiger", aber nicht in diesem genannten Sinn, sondern iS des "Fronarbeiters", dessen, der aus seiner eigentlichen freien Existenz "in der Gestalt Gottes und im Bild Gottes" gestürzt ist. Das "Jenseits" ist diese "ägyptische" Weltzeit. HB hat die Zielsetzung des Satzes im Hebr weggelassen: "Wir haben keine bleibende Stadt hier (also: im Jenseits/Abseits), sondern die Zukünftige suchen wir."

Jemand sagt oben irgendwo, das sei bei HB "existentialistisch". Ja, das kann man so sehen. Diese "Geworfenheit" ist dagegen die "Erbsünde", man kultiviert den eigenen Absturz aus der freien Existenz. In Christus aber erhält man Zugang zu einer Restauration und Überschreitung.

"Sterbenmüssen" als Folge der Übertretung meint in Gen3: in der Transformation des Sterbens steckenbleiben, darin zu erstarren und zu Staub zu werden. Nicht weiter zu kommen. Unreif zu fallen. Der Baum der Erkenntnis stand ja vielleicht für das Zukünftige, das, was man erkennen würde nach der Transformation (als einem Guten). Es war Zeichen in das Zukünftige, aber durfte verfrüht nicht berührt werden? Viele sagen: ich habe nur Angst vor dem Sterben (der Transformation), nicht vor dem Tod (der Erstarrung). Tja.

Waldgaenger aus Schwaben

26. Mai 2020 11:02

"Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik gibt die unumkehrbare Richtung an: Zunahme der Entropie, fortschreitender Zerfall. Wir können nicht gegen an. Daß das Leben den Tod besiegen wird, ist eine religiöse Beschwörungsformel aus innerer Verzweiflung heraus, physikalisch und biologisch gilt das Gegenteil. "

Das ist erstens eine unzulässige Grenzüberschreitung von der Physik hin  zur Metaphysik ("Alle Straßen münden in schwarze Verwesung").  Und zweitens auch noch physikalisch falsch. Und "ex falso quod  libet".

 Die bekannten Gesetze der Physik sind zumindest im Prinzip alle reversibel.

Weiteres hier:

http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2018/03/22/stephen-hawking-und-das-informationsparadoxon-schwarzer-loecher/

1/2

Waldgaenger aus Schwaben

26. Mai 2020 11:02

2/2

Ein Beispiel auch in wikipedia:

Getrennte gleich schwere Gase mischen sich wenn die Klappe zwischen ihnen entfernt wird. Da die Gasatome / Moleküle nun chaotisch umherfliegen, entmischen sich sich nach sehr langer Zeit "zufällig" wieder und der Anfangszustand ist wieder hergestellt. Diese Entmischung widerspricht einer deterministischen Formulierung des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik, die eine Abnahme der Entropie ausschließt.

siehe hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Wiederkehrsatz
 

Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik gilt nicht für "unendlich" (aus Menschensicht) lange Zeiträume.

 

 

 

Lotta Vorbeck

26. Mai 2020 11:19

@Gustav Grambauer - 25. Mai 2020 - 09:32 PM

Beeindruckend. - Glücklich, wer so zu sterben vermag, wie der wendische Weber Gottlieb Grambauer!

Caroline Sommerfeld

26. Mai 2020 11:42

Man kann derzeit das Kind am besten ins Bett philosophieren, vorlesen ist ihm gerade nicht so wichtig. Kind: "Corona ist ja nicht gut für den Menschen, aber gut für die Natur." Ich: "Ui, steile These, gefährlich, wenn man den Gedanken zuendedenkt." Kind: "In China hat sich die Luft schon sehr verbessert seit Corona, weil die Menschen nicht mehr fliegen und wegen Autoabgasen und Fabriken und so." Ich: "Ja, eh. Aber will das die Natur so?" Er:"Würd sie gern, glaub ich. Aber Gott ... also ohne den Menschen ... nee, ich glaube, Gott wollte uns ja. Sonst wäre er ja Corona!"

zeitschnur

26. Mai 2020 12:08

Interessant ist der allerletzte Abschnitt des Artikels. Mit der C-Krise, der herbeigeführten, wurden faktisch alle sonstigen "identitären" Debatten und echten oder vermeintlichen Nöte obsolet gesetzt: Die Vereinzelung angesichts einer drohenden 0,0125%-Gefahr für Leib und Leben des gesichtslosen Individuums schafft Untote, die wie in steril-unsichtbaren Kapseln über den Erdkreis taumeln und an den Landesgrenzen wie Fliegen im Fliegenglas abprallen. Wir haben die Fiktion des Nationalstaates zurück, aber es wird offenbar, sinnbildlich, dass es die Krfat der Kultur so niemals gab, so schnell kann man sie kassieren. Noch wird den Zombies Futter zugeführt, aber irgendwann wird das versiegen. Echte Solidarität werden die meisten bis dahin verlernt haben. Sie werden dann nach dem Tod schreien, aber er wird vor ihnen fliehen. Diese Flaschengeister haben ihn mithilfe eines zweiten Todes ausgetrickst. Es ist eigentlich die Hölle, was sich da anbahnt. Die echte, furchtbare Hölle - es gibt sie sehr wohl, und nein, sie ist leider nicht leer: die Fremde dieser Weltzeit wird konserviert, offenbart sich in ihrer ganzen Jenseitigkeit, der wird Überschritt skandalisiert, eine gigantische Verführungsmaschinerie hindert nun jeden einzelnen am Überschreiten seiner jenseitigen (also hießigen) Existenz hin in die Zukunft der Freiheit. O Gott!

zeitschnur

26. Mai 2020 12:21

@ Caroline Sommerfeld

//Kind: "Corona ist ja nicht gut für den Menschen, aber gut für die Natur."//

Ich muss da spontan daran denken:

"Aus dem Rauch kamen Heuschrecken über die Erde und ihnen wurde Kraft gegeben, wie sie Skorpione auf der Erde haben. Es wurde ihnen gesagt, sie sollten dem Gras auf der Erde, den grünen Pflanzen und den Bäumen keinen Schaden zufügen, sondern nur den Menschen, die das Siegel Gottes nicht auf der Stirn haben. Es wurde ihnen befohlen, die Menschen nicht zu töten, sondern nur zu quälen, fünf Monate lang. (...) In jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen, aber nicht finden; sie werden sterben wollen, aber der Tod wird vor ihnen fliehen. (...) (Die Heuschrecken) haben als König über sich den Engel des Abgrundes; er heißt auf hebräisch Abadon, auf griechisch Apollyon." (Apk 9,3ff)

Der Abadon ist allegorisch die "Scheol", die Unterwelt, da, wo die in die Erde gebannten Toten erstarrt schlafen bis zum Tag der Auferstehung in die Verwandlung für die einen oder der Auferstehung des Gerichts ohne Verwandlung für die anderen.

Maiordomus

26. Mai 2020 12:48

Die Entdeckung von heute war für mich weniger der obige Hauptbeitrag, der das Wesentliche unserer Tage zum Ausdruck bringt, nämlich, was Jünger schon immer betonte, die vergessene realistische Relation des Menschen als "homo necans" (Standardwerk meines Lehrers Walter Burkert) zum Tode, als des Rätsels Lösung für das Pseudonymn "Gustav Grambauer", nämlich den wahren Vornamen des ausserhalb der einstigen DDR kaum bekannten Ehm Welk, den ich als permanenter Bücherleser seit 1955 bisher nicht auf dem Radar hatte. Dass das Hauptwerk des Autors schon 1937 gedruckt wurde, spricht für die beachtliche Qualität vor allem jener Veröffentlichungen aus der damaligen Zeit, es waren nicht wenige, deren Autoren sich durch Mut ausgezeichnet haben. G.G. hat auf dieser Seite, bei aller Achtung, wohl nie vergleichbar stark, eindrücklich und einprägsam geschrieben. 

quarz

26. Mai 2020 13:04

@Brettacher

"daß Ihr die Maria Menz kennt"

Da sitz ich nun zur Mittagsstund' / und grüble mir die Birne wund / wann diese Kenntnis, wenn auch leis' / ich offenbarte diesem Kreis.

Franz Bettinger

26. Mai 2020 13:11

Wir sind schuld? Wieder mal? Weil wir Tiere essen? Essen nicht auch Tiere Tiere? Ein paar Viecher sterben aus? Und? Die meisten Arten, die es je auf dem Planeten gab, hat es längst von der Stange gehauen. Deshalb heule ich mich abends nicht in den Schlaf. Dinosaurier mag ich durchaus. Aber mehr in Comic-Heftchen. Eigentlich bin ich froh, dass mir nach Verlassen des Hauses kein T-Rex oder ein Trüppchen Veloci-Raptoren gegenübersteht. Nach meinem Geschmack sorgen schon die importierten Neubürger in Parks und in Bahnhofs-Nähe für Abenteuer genug. Wenn's nach mir ginge, dürften auch Stechmücken, Tauben und kurzschnäuzig gezüchteten Modehunde auf einen Schlag tot umfallen, Wespen sowieso. Aber bitte, ich propagiere hier keinen Massenmord an Pestbakterien, Krokodilen und Malaria-Überträgern. Mir ist schon klar, dass die Al-Qaida unter den Stechern (in NZ), die Sandfliege, bestimmt irgendwie nützlich ist + daher ein unbedachter Schlag beim Terrassen-Frühstück mit Avocado, Fünf-Minuten Ei und Blick auf die Bay den Tod einer in der Natur unersetzlichen Terror-Mücke bedeuten kann. Dennoch mach ich's + plädiere auf schuldig,

Franz Bettinger

26. Mai 2020 13:29

Ich weiß nicht, ob’s hierher passt, aber es hat mit der Hybris des Menschen zu tun und hat mich umgehauen, obwohl ich kein Esoteriker bin:  

https://www.youtube.com/watch?v=VG3WkiL0d_U  Madonna in Israel auf dem Song Contest als symbolschwere Stanistin von Extinction Rebellion, dem Kult der Illuminaten. Das X-Symbol auf dem linken Auge und groß auf der Brust, sowie einem riesigen Q auf dem Bauch (das Q von Qanon?), das Ganze im roten Umfeld des Teufels. Madonna trägt eine Corona. Sie wird entkleidet und erscheint darunter als sexy Walküre (?). Säulen (Symbole) werden getragen von Mönchen mit Esels-Gesichtern (dumme Gläubige? Menschen?). Sie werfen die Kutten ab, am Ende auch die Esels-Gesichter (das Eselhafte, die Dummheit?). Darunter erscheinen Engel (?). Am Ende erstrahlt siegreich die Freimaurer-Pyramide.

Franz Bettinger

26. Mai 2020 13:30

ff: Text-Ausschnitte: Everyone must stand alone. You are not what you seem. They are so naive. (Die Menschen oder die Illuminaten? Hier beginnt der Song 2 Gesichter zu bekommen, 2 Interpretations-Möglichkeiten.) They think we are not aware of their crimes  (Wessen Verbrechen? Die der Illuminaten? Die der Menschen: macht keinen Sinn.) Not everyone that’s here is gonna last. You ain’t woke. (Woke = Erwacht = die rote Pille der Rechten?) Im Hintergrund stürzt die Freiheitsstatue zusammen. Come give life. We only get one, so we gotta live it right. (Rechts!) It’s the future where we come from … being hard … being stars. It’s the future where you gotta pay the cost. (Es wird abgerechnet werden.) But I’ll rise above it all, yeah! (Ich werde über all dem auferstehen. Wer? Die Pyramide, die Illuminaten!) Wake up! 

Laurenz

26. Mai 2020 14:13

@Franz Bettinger

Wenn Dich neben Deinen ganzen sportlichen & politischen Aktivitäten doch mal der Müßiggang plagen sollte, magst Du doch vielleicht mal in Erwägung ziehen, Carlos Castaneda zu lesen. Zwischen der christlich humanistisch (sozialistisch?) geprägten Nüchternheit HBs, dem orientalistisch orientierten SiN-Forum und Deiner Dir eigenen universalen Natürlichkeit als kosmisches Geschöpf, findet in meinen Augen nur CC eine tatsächliche Auflösung, die nur so vor Plausibilität strotzt, auch wenn diese sich weitestgehend im phänomenalen Bereich abspielt. Das liegt natürlich daran, daß Carlos selbst "verwestlicht" war und für den heutigen westlichen Menschen (inklusive Russen) schrieb.

Franz Bettinger

26. Mai 2020 14:30

@Idise und @quarz: "Schön war der Moment, als das schwarze Loch kam“, und „Wenn schon Extinktion, dann Bio.“ Köstlich! 

@Laurenz fragt: „Warum setzt der Alterungsprozess nicht sofort nach der Geburt ein?“ Weil es sich - wie beim Wachstum, das irgendwann aufhört, dem plötzlichen Ausbruch der Pubertät und der Menopause - beim Altern um ein angeborenes Programm handelt, nicht um Verschleiß. Deshalb müsste man - rein theoretisch - auch in dieses Programm (verstände man es) manipulierend eingreifen können. Es müsste (Mutations-bedingt) natürliche Störungen dieses Alterung-Programms geben. Wir kennen in der Medizin die Progerie, das beschleunigte Altern, bei dem 18-Jährige wie 80-Jährige aussehen. Es gibt mE nur einen umgekehrten Fall, bei dem eine 80-Jährige, die seit 66 Jahren im Koma liegt, immer noch wie eine 14-Jährige aussieht.  

Hartwig aus LG8

26. Mai 2020 14:40

"Die Alternative ist der Freitod" so ähnlich hatte Schäuble vor langer Zeit geantwortet, als er naßforsch nach seinem neuen Leben im Rollstuhl gefragt wurde. Das war keine "ich bin nicht behindert sondern nur anders"-Sprechblase, sondern man hörte das Abwägen heraus, dass womöglich gar nicht so hundertprozentig pro "neues Leben" ausfiel.

Doch, @Grambauer, mich ließ die jüngste Widerrede Schäubles ebenfalls aufhorchen.

 

Maiordomus

26. Mai 2020 14:44

@Bettinger. Interessant ist für mich aus meiner gegenwärtigen Lektüre, wie häufig bei Meister Eckhart und Thomas von Aquin die Stechmücke vorkommt, durchaus mit kritischer Reflexion, was sich Gott wohl bei deren Erschaffung gedacht habe. Eckhart schliesst nicht aus, dass die Mücke im Einzelfall ihr Wesen "vollkommener" trifft als wir Menschen, unsererseits im Einzelfall, und Thomas sinnierte, dass unser Verstand nicht mal so weit sei, das Wesen einer Mücke zu durchschauen. Als Schwalbenliebhaber gehe ich davon aus, dass ein massives Zurückgehen der Mücken, da und dort schon der Fall, ökologisch nachhaltiger negativ wirken würde als Bevölkerungsdezimierung im Promillebereich durch den Coronavirus, zumal wenn wir den durch denselben angerichteten Schaden im Bereich "Lebenszeitdiebstahl" bedenken. Da fällt schon jede nicht einigermassen zwingend indizierte Abtreibung wohl ca. dreissigfach ins Gewicht. 

Laurenz

26. Mai 2020 16:08

@Franz Bettinger

Interessant, reiche Menschen des Planeten geben doch Milliarden für die Altersforschung gegen die Alterung aus, bisher erfolglos. Nicht, daß ich was gegen das Sterben hätte, aber dann könnte ich zumindest nochmal einige Bibliotheken angehen.

In Bio hatte ich gelernt, daß bei der Re-Produktion von Zellen, immer weitere Fehler in der jeweiligen Doppel-Helix auftreten, welche die Alterung verursachen würden. In diesem Prozeß, habe ich ebenso mal gelesen, erneuere sich der Mensch so alle 7-9 Jahre, nur eben älter. Das hieße ebenso, daß die heutige Frau Kositza bei der Geburt Ihrer Kinder physisch gar nicht gegenwärtig war, und nur noch kopierte Erinnerung gespeichert ist. Falls dies wahr ist, sind unsere früheren Körper bereits gestorben, wir hatten es nur nicht bemerkt.

@zeitschnur

ich hatte geantwortet, aber meine Antwort wurde wohl als zu blöd oder defätistisch erachtet.

Augustinus

26. Mai 2020 19:11

Folgender Gedanke

"Die menschliche Gesellschaft hat zur Sicherung ihrer Existenz einen unbeschreiblichen Massenmord an den Mitgeschöpfen verschuldet. ..."

geht in die Richtung Speziesismus,

de.wikipedia.org/wiki/Speziesismus 

also der Vorstellung, dass Menschen, Tiere und vielleicht auch Pflanzen gleichwertig seien.

Daneben basieren Bosselmanns Ausführungen auf dem Pantheismus

de.wikipedia.org/wiki/Pantheismus 

kurz, von der Vorstellung der göttlichen Natur.

Als Atheist und Nihilist, lehne ich sowohl den Speziesismus, wie auch den Pantheismus (oder jeglichen Theismus) ab.

Lumi

26. Mai 2020 19:43

(1) ΗΒ: Massenmord an den Mitgeschöpfen. Unentrinnbare Schuld gegenüber der Natur. Irreversibler Verlust der Artenvielfalt als Grundlage der Evolution. Verwurstung des Planeten. Kurzum, der sterbliche Mensch als tödlicher Parasit des lebenden Planeten.

Ein Blick in die Erdgeschichte zeigt, daß Arten auch ohne menschliches Zutun ausgestorben sind. Der Planet ist nicht statisch, sondern bisweilen sehr dynamisch, und dabei rücksichtslos gegenüber dem Leben. Er ist kein geschlossenes System, sondern offen zum Kosmos, von wo wir nicht nur Licht und Wärme empfangen.

Darwin selbst hat noch anerkannt, daß der Fossilbericht seine Theorie nicht stützt, war aber sicher, daß die fehlenden Bindeglieder noch gefunden würden. 160 Jahre später warten wir immer noch. Mutation und Selektion sind schön erkannte Wirkprinzipien, aber die Entstehung der Arten erklären sie nicht. Die Evolutionstheorie stützt sich nicht auf Fakten, sondern auf die Annahme, daß in radiometrischen 4,6 Milliarden Jahren alles gewürfelt werden kann.

(2) Mit dem Psychovirus Corona erleben wir eine Infantilisierung & Senilisierung, die ich für unmöglich gehalten hätte. Irgendwo zwischen Geistesschwäche und Geisteskrankheit. Ein Schnupfen in den Beneluxländern ist nun offiziell eine Pandemie. Gesunder Menschenverstand? Gilt nicht mehr.

Lumi

26. Mai 2020 19:45

(3) Hora incerta. Damit mögen sich nicht alle abfinden. Alte, aber diskrete Meldung von Mitte April: Nach Minister Thomas Schäfer wurde im hessichen Finanzministerium ein weiterer Abgang verbucht. Nach polizeilichen Angaben ist von einem selbstgewählten Freitod auszugehen. Sicherlich nur tragische Koinzidenz. Was denn sonst.

Hessen: Nach Tod von Thomas Schäfer – Zweiter Suizid im Finanzministerium

https://www.fr.de/hessen/hessen-thomas-schaefer-zweiter-suizid-finanzministerium-zr-13655044.html

Augustinus

26. Mai 2020 22:07

@Franz Bettinger

"Ich weiß nicht, ob’s hierher passt, ..."

Nein, es passt hier nicht. Ihr Kommentar geht in die Richtung klinische Paranoia.

Nix gegen Selbstdenken oder Kritik, aber man sollte aufpassen, dass man nicht immer weiter abdreht.

Franz Bettinger

26. Mai 2020 23:47

@Lau: Was du in der Schule über das Altern gelernt hast, ist teilweise Unsinn. Klar kämpft das Immunsystem ständig gegen Schäden an (wie ein guter Gärtner gegen das Wetter, Laub, Dürren) und klar werden DNS-Fehler, die sich bei Zellteilungen (durch Zufall oder Stress) einstellen, ständig durch spezielle Enzyme repariert (Telomerasen), aber das hat nur wenig mit dem Programm des Alterns zu tun. Es gibt Zellen, die teilen sich nie, z.B. die Hirnzellen. Leonard Hayflick fand 1961 etwas Wichtiges über die spezifische jedem? Zelltyp eigene und begrenzte Teilungs-Kapazität von Zellen heraus: Das Hayflick-Limt liegt bei Fibroblasten (Bindegewebe) bei 50 Mitosen, in denen sie „völlig stark und jung“ bleiben, dann sterben sie rasch ab. (Programm?!) Es war nichts weniger als die Entdeckung, dass Zellen sterblich sind. Aber es gibt tatsächlich Ausnahmen. Und die Hayflick-Theorie wurde weiter entwickelt. Es würde hier zu weit führen, das Thema zu vertiefen.

Simplicius Teutsch

26. Mai 2020 23:49

Schön beschrieben, Herr Bosselmann.

Die „Lebensversicherung“ ist übrigens eine Versicherung auf den „Todesfall“. (Wenn es eine reine Risikolebensversicherung ist, also keine kapitalbildende, dann wird nur ausgezahlt im Todesfall.)

Ratwolf

27. Mai 2020 00:28

Im Bewusstsein seiner eigenen Sterblichkeit lebt es sich viel besser. Dann sieht die Welt plötzlich ganz anders aus.

Es ist ein Problem unserer Zeit, dass viele situativ in ihren Wahn glauben, dass sie unsterblich sind und auch glauben, so lange konsumieren können.

Hier kommen dann oft die Christen, die eine Auferstehung in Fleisch und Blut anbieten. Ist das wirklich besser, als der Wahn von der Unsterblichkeit oben?

Diese Verdrängung des eigenen und der folgende Wahn ergibt sich auch bei einer Abtreibung, denn physiologisch bildet die Genese des Fötus die eigene Existenz ab. Geist und Körper sind eine Einheit. Können nun nur nicht mehr als solches gedacht werden. Irgendwann kommt es aber wieder hervor.

"biologische Leere im All ringsum" - Das ist ein interessanter Impuls. Ist das denn wirklich so? Geht man in die Biochemie, wundert man sich, dass die ganzen Strukturen asymmetrisch sind. Wenn das Leben ein Zufallsprodukt einer Ursuppe wäre, dann müssten beide Spiegelbilder nebeneinander existieren. Die bisherigen Erklärungsmuster dafür sind unbefriedigend. Als Lösung bietet sich an, dass das Leben aus dem Weltall kommt. Dann allerdings wäre das Universum viel älter. Und der Urknall wäre zu Gunsten eines pulsierenden Universums aufzugeben.

Gustav Grambauer

27. Mai 2020 00:34

Franz Bettinger

"... Madonna ... X ... Q ... Säulen ... Esels-Gesichter ... Freimaurer-Pyramide"

Aus Sicht der - echten, d. h. hermetisch arbeitenden - Satanisten: billiger Budenzauber für die Neverland-Kindererwachsenen, die mit den paar hingestreuten Krümeln verhöhnt werden, und für die Fußtruppen, denen man ab und zu `nen Lutscher hinhalten muß. Auch muß das Fluidum immer wieder imprägniert, der Egregor immer wieder gepflegt werden, wofür es nichts Effektiveres gibt als Megarituale, und seien sie noch so kitschig und verzerrend. (Binsenweisheit, das war sogar bei der FDJ irgendwie bekannt.) Auch dieses Megaritual gibt keine Aufschlüsse über Magie i. e. S., dafür ist es ein gutes Anschauungsbeispiel für das sogenannte Predictive Programming.

- G. G.

Laurenz

27. Mai 2020 03:49

@Franz Bettinger

Man kann sehr wohl Madonna Madonna sein lassen. Bei Nuclear Blast 

https://www.nuclearblast.de/de

geht es gar nicht ohne Satanismus, Teufelszeug oder was auch immer. Aber 98% der 120 oder 130 Metal-Bands, die dort unter Vertrag sind, leben von irgendwelchen Jobs oder Unterricht und werden nie reich oder einflußreich dabei, einfach die Kirche im Dorf lassen.

Was allerdings unsere Freimaurer-Freunde oder auch GoodFellows angeht, so sieht die Nummer ganz anders aus. Immerhin wurden die Vereinigten Staaten von Amerika von Freimaurern gegründet und in Europa ließ man nichts unversucht, um die adligen Kumpels mit denen man in den Logen soff, zu beseitigen, auf welche Art auch immer.

Hier hört der Spaß auch ganz sicher auf, denn ich wüßte nicht, daß irgendwer besagte Freimaurer-Logen abgeschafft hätte. Mein Vorschlag für unsere Freimaurer-Freunde, in Sibirien gibt es noch viel frei zu mauern, bei uns ist doch schon alles zugebaut.

RMH

27. Mai 2020 07:30

Die Popsängerin Madonna ist ein gutes Beispiel für die Welt ohne Gott, die sich dann eben in Selbstvergottung versucht, um so auch dem Tod ein Schnippchen schlagen zu können oder zumindest noch mehr aus dem bisschen Leben "herauszupressen" (je nach Sichtweise).

Diese Geheimlehren sind uralt, existieren und haben nichts gegen äußerlichen Bohei zur Maskerade. Der Kernvorwurf gegen die Maurerei von ernsthaften Kritikern war nie deren oberflächliches Erscheinen oder Logen-Tam-Tam mit sich gegenseitig materielle Vorteile zuschustern (letzteres kann in jedem schnöden Tennisverein genau so geschehen) sondern das gerade diese äußerlich wahrnehmbaren Logen ein Stück weit Tarnung für Hochgrade etc. seien, bei denen es dann um ganz anders gehen soll (eben auch die Selbstvergottung). Die Masse der aktiven Freimaurer soll davon oftmals selber keine Ahnung haben und stellen lediglich die Fassade dar.

Da hat G.G., der in Dingen der Esoterik, Hermetik, Okkultismus und Tradition sowie Anthroposophie einer der besten (wenn nicht der beste) Kommentatoren hier ist, recht.

Andreas Walter

27. Mai 2020 07:45

@Franz Bettinger

So “abgedreht“ wie Augustinus behauptet sind Sie zwar nicht, doch betrachten Sie den Film mal nur aus israelischer Sicht und Madonnas Auftritt als "Nabucco für Arme". Die Eselsmasken sind nämlich Atemschutzmasken. Ein Thema also, das in Israel nicht erst seit Corona aktuell ist:

https://youtu.be/GB2U4TwS_Xs

Gustav Grambauer

27. Mai 2020 09:20

Franz Bettinger

Madonna war gestern. Seit März hat das Volk anstelle von Popstars, Sportlern, Schauspielern, Sitarzupfern, Wüstengeneralen, Fernsehköchen, Kosmonauten, Literturpäpsten und Motivationstrainern die Bundesschnabeldoktoren ("Star-Virologen") und Datenmodellierer gebührend anzuhimmeln!

- G. G.

RMH

27. Mai 2020 09:54

Der altägyptische Gott Seth, der in der hermetischen Tradition eine Rolle spielt, wird übrigens auch gerne  (aber nicht ausschließlich) mit einem Eselskopf dargestellt.

zeitschnur

27. Mai 2020 10:04

Zu @ Franz Bettingers "klinischer Paranoia" (@ Augustinus) und den Ideen  von @ RMH, GG et al

Ich sehs auch als Verhöhnung. In den letzten Jahren häufen sich diese Shows. Greulich war auch die Performance bei der Einweihung des neuen Gotthardtunnels.

Eine Deutung dieser satanistischen Ritual-Darstellungen sollte man sich sparen. Alles, was hässlich, böse und inhuman ist, alles, was destruktiv, mörderisch, sadistisch, quälerisch und ausbeuterisch, alles, was den Menschen die Lebensfreude und den Atem nimmt, wird unermüdlich zelebriert mit den entsprechenden Triggersymbolen.

Ich habe aber eine ganz andere Frage: Warum stimmen die Menschen diesem Höllenschmutz zu, indem sie es fraglos in so großer Zahl konsumieren?

Dass so viele der derzeitigen Corona-Show zustimmen hängt damit zusammen, dass das, was in diesen finsteren MM-Auftritten eingeübt wurde, nun langsam aber sicher jeden Zellkern vergewaltigt.

Es ist dies eine Willensäußerung so vieler. Im Märchen wird das als ein Verschreiben an den Satan beschrieben, das irreversibel ist. Der Wille zur Macht im Jetzt in Wahrheit also Wille zur Ohnmacht und Vernichtung in der Zukunft? Die Freimaurerei weiß um das Dilemma und will das Chaos, das sie schafft, dazu nutzen, eine neue Stadt zu erbauen. So furchtbar das Unheil ist, das sie anrichten - gelingen wird es ihnen nicht. Es ist gut, wenn man eine Hoffnung über das alles hinaus hat, die nicht vor dieser Chaos-Grenze verharrt.

zeitschnur

27. Mai 2020 10:30

@ HB und @ Lumi

Was das "irreversible Aussterben von Arten" betrifft: Darwinistische Ammenmärchen! Nicht nur Menschen "rotten" Arten aus - das tut die Natur in diesem Konzept schon selber. Es sollten evolutionär neue Lebensnformen entstehen, langfristig. Andererseits tendiert der struggle für life gen 0 Arten. Eine in sich absurde und unwissenschaftliche Theorie ohne empirischen Anhalt und in gigantischen Zeiträumen, in die man fantastisch alles projizieren kann. SciFi oder SciFantasy eben.

Ich sehe die Panik, es stürbe alles mögliche aus, kritisch: Wir wissen, dass die Wüste blüht, sobald die Rahmenbedingungen dafür gegeben sind. Vorher ist auch dort alles "ausgestorben". Die Erde und das Meer bringen von selbst alles wieder hervor, sobald sie können. Die angeblich ausgestorbenen Riesentiere (Saurier): niemand hat vollständige Skelette gefunden, das ist Hollywood-Science. An "Urtieren" fand man aber sehr wohl das Mammut. Ich sage voraus, dass es in dem Moment plötzlich wieder da ist, indem die Bedingungen dafür gegeben sind.

Versteinerte Meeresschnecken etc.: Woher wissen wir, dass es sie lebendig nicht mehr gibt? Wir haben die Meere nur zu einem winzigsten Bruchteil erforscht. Wir würden staunen, wenn wir wüssten, was da unten alles lebt und webt.

Was ich damit sagen will: Es ist eben auch Hybris zu glauben, der Mensch könnte "den Planeten auslöschen" oder gar das "Klima wandeln". Ich sehe nur eine geschundene, aber keine verschwundene Natur.

 

Maiordomus

27. Mai 2020 10:34

Die wahre Madonna befindet sich, wiewohl auf ihre Art "Madonna war gestern" (Bettinger) im niederschlesischen Altwilmsdorf (Wallfahrtsort) und beim Hedwigsgrab in Trebnitz, beides acht der grossen ausserrömischen katholischen Heiligtümer des einschlägigen Welterbes. Von dort wurden im Jahr der "Befreiung" wohl mehr Deutsche vertrieben als von sonstwo, die Madonna immerhin, sie ist geblieben, hatte von den Polen nicht allzu viel zu befürchten, schon fast im Gegenteil. Vgl. noch meine Anmerkung zu Wessels über Trebnitz und die heilige Hedwig. Der Name der urdeutschen Landesmutter, eigentlich Hedwig von Andechs, nähert sich in Sachen Beliebtheit bei den Neugeborenen etwa dem Quantum der Adolfe.

Laurenz

27. Mai 2020 12:54

Liebe Freunde der Sezession im Netz. Diesmal gehen mir manche Ihrer Visionen etwas zu weit, zumindest was die Realität angeht.

Wer tatsächlich einen Übergang zur Anderwelt erleben will, geht im November in der Morgenstunde aus dem Haus um den flachen Nebel auf den Wiesen zu sehen, der Atem des (lokalen) Drachens für jedermann wahrnehmbar. In der Anderwelt leben sie noch, zeitschnurs Geschöpfe. Und wer keine Lust hat rauszugehen, nutzt eben seine Imagination beim Lesen über Haukes Schimmel auf der Hallig.

@Maiordomus

Gemäß Michelangelo nutzte man früher Damen als Madonnen-Modell, die wenig spendabel gegenüber Männern mit ihren weiblichen Reizen waren. Nur diese haben reine Gesichter. Allerdings, daß müssen auch solche Künstler, wie Michelangelo eingestehen, hatten diese Frauen meist mit einem Mutter-Dasein nichts zu tun. So sehr ich Michelangelos Pieta bewundere, sie ist in sich erlogen, um etwas darzustellen, was man sich wünscht, aber nicht ist.

@alle Madonna-Verteufler

hier ein nettes 5-Akkord-Liedchen Madonnas aus 1998, welches ich gut ertragen kann, ist doch ganz nett gemacht, das Video vielleicht für unsereins etwas zu italienisch melodramatisch. Und daß wir hier uns über Madonna unterhalten, die für mich als Künstlerin vernachlässigbar ist, zeigt mir bloß, daß Madonnas Promoter, bezüglich ihrer Reichweite alles richtig gemacht haben, was von der kommerziellen Naivität mancher SiN-Teilnehmer zeugt.

https://youtu.be/NHydngA5C4E (04:11)

Der_Juergen

27. Mai 2020 13:14

@Zeitschnur

Ich bin mir mit Ihnen in der Ablehnung der Evolutionstheorie einig, aber glauben Sie ernsthaft, die Dinosaurier seien eine Erfindung? Schon nicht vollständige Skelette erlauben eine recht genaue Rekonstruktion des gesamten Skeletts.  Ein für die traditionelle Paläologie genierliche Tatsache ist übrigens, dass auf griechischen Amphoren waschechte kleine Meeressaurier neben Delphinen und Schildkröten zu sehen sind... Von den mexikanischen Tonfiguren, die auf ca. 1500 v Chr. datiert werden, ganz zu schweigen.

Laurenz

27. Mai 2020 13:49

@Der_Juergen & @Zeitschnur

eine Mehrheit erachtet Ihre Ablehnung der Evolution als absurd. Für Ihren Kreationismus liegt kein Beweis vor, nur Glauben. Glaubensbekenntnisse sind aber nie eine Grundlage für Debatten. Entweder man glaubt oder man glaubt nicht. Warum muß man mit einem Glauben hausieren gehen? Und die philosophische Deutung ist eindeutig, Glauben bedeutet Nicht-Wissen. Es bedeutet auch kein intuitives inneres Wissen. Inneres Wissen erschließt sich aus der eigenen Wahrnehmung oder der ererbten Wahrnehmung unserer Vorfahren und nicht der beschriebenen Wahrnehmung anderer.

Bevor Sie beide hier weiter Maulaffen feilbieten, wäre es doch der Debatten-Kultur auf SiN würdig, wenn Sie entweder bei Ihren Beiträgen auch Fakten auf den Tisch legen -oder Ihre Phantasie-Geschichten als solche kenntlich machen würden.

zeitschnur

27. Mai 2020 15:43

@ Laurenz

Glauben liegt auch bezgl der E-Theorie vor. Wissen gibt es da leider nicht. Ist also eine Frage, welcher Glaube der bessere ist. Und: Mehrheit entscheidet nun mal nicht über Wahrheit ... im Gegenteil eher ...

@ Der_Juergen

Ja, ich glaube im Ernst, dass es kein Dinos gab. Aber ich bezweifle nicht, dass es gewisse Meerestiere gibt, wie den Leviathan oder diese gigantische Krake, von der man stets spottete, sie sei Seemannsgarn, bis man eben doch Leichen davon fand. Oder Landdrachen wie den Behemot. Ich habe auch kein problem mit dem Yeti. Bei den Sauriern handelt es sich um eine Uminterpretation älterer Erfahrungen und Überzeugungen. Lesen Sie den Wiki-Artikel nur mal aufmerksam, dann geht Ihnen auf, dass hier keine neuen Erkenntnisse, sondern neue Interpretation und Umschöpfungen alter Stoffe vorliegen. Der Artikel strotzt geradezu vor Unwissenschaftlichkeit! Nicht nur bei Corona werden wir vera...scht. https://de.wikipedia.org/wiki/Entdeckungsgeschichte_der_Dinosaurier

Maiordomus

27. Mai 2020 16:54

@Laurenz. Es stimmt wohl, auch die Sphynx bei den Pyramiden von Gizeh äugt wie die Gottesmutter von Michelangelo "verlogen" drein. Wer weiss schon, was eine solche Frau "denken" mag oder auch ihr Schöpfer im Augenblick der künstlerischen Idee, siehe die Sonette von Michelangelo.  Es kümmert die Sphynx in tausend Jahren aber trotzdem nicht mehr, wenn heute mal ein Hund beim Vorbeigehen sie anpisst.

Laurenz

27. Mai 2020 16:54

@zeitschnur

egal ob wir von RMHs Affen abstammen oder von Außerirdischen, so kann ich, im Gegensatz zu Ihnen, archäologische Beweise auf den Tisch legen, die nichts mit Glauben zu tun haben. Schauen Sie einfach in das Spieglein an der Wand. Das Gesicht, daß Ihnen zurücklächelt, ist zu 2-4% ein weibliches Neanderthaler-Gesicht. Den Rest dieser Troll-Bande haben wir vor 27k - 30k Jahren (um die 1.000 Generationen) erledigt, ausgerottet, auch einer von HBs brutalen (Schuld-belasteten?) Schicksals-Faktoren. Auch Ausrottung ist Evolution. Da muß ich meinem Freund, @Franz Bettinger, Recht lassen. Wenn Sie Lust haben, lade ich Sie in die Grube Messel ein und Sie dürfen/können dann Evolution tatsächlich, in Schiefer-Gestein gebettet, in die Hand nehmen. Was können wir bei Ihrem (ignoranten) Glauben in die Hand nehmen, außer .... Dominus dedit Dominus abstulit? 

Sie, zeitschnur, legen hier eine unwürdige Haltung an den Tag und Sie fertigen uns mit Plattitüden ab.

Zum Glück muß hier keiner in Reli für eine 1 buckeln und 3 Vaterunser beten, aber es reicht eben auch kein "Vergelt's Gott". 

Laurenz

27. Mai 2020 16:56

@zeitschnur

https://www.senckenberg.de/de/

Nordlicht

27. Mai 2020 17:07

Zuerst: Kindermund, Öko-Variante:

„Opa, warst Du damals traurig, als die Dinosaurier ausgestorben sind wegen der Menschen?“

——-

In den 80er Jahren lernte ich im ländlichen Pennsylvania das Oberhaupt einer Mennoniten-Familie kennen (- die Familie dann auch); der Mann war Farmer, dazu erfolgreicher Händler mit „Spray Materials“, also chemischen Herbiziden und Pestiziden. Für die Mennoniten wie für die (-"fortschrittsfeindlicheren" Amish) war „Bio-Landwirtschaft“ eine skurrile Idee aus Deutschland. GOtt gab dem Menschen auf, sich die Erde untertan zu machen, und an dem Umstand, dass sich die Menschen reichlich vermehrt und dabei ihre Lebenserwartung und ihre Kenntnisse von der Welt erweitert hätten, könne man ersehen, dass dieser Auftrag erfüllt wurde.

Allerdings hätten sich viele Menschen von Gott entfernt. Aber das war nicht sein Thema, er wollte nicht bekehren, sondern war interessiert an vielem. (Gastfreundlich und hilfsbereit war die ganze Familie auch.) 

Nordlicht

27. Mai 2020 17:07

(Ausnahmsweise ein 2. Teil)

Was die Dinosaurier anging: Natürlich glaubte dieser Mann an die wörtliche biblische Wahrheit von der Erschaffung der Welt in sechs Tagen; meinen protestierenden Hinweisen auf C14-Altersanalysen begegnete er mit dem Argument, dass ein allmächtiger Gott, der die Welt erschaffen habe, auch den C14-Zerfall flexibel handhaben könne.

In seiner freien Zeit sammelte er Versteinerungen, also „fossiles“ und träumte, eines Tages den Fußabdruck eines Dinosauriers und eines Menschen in der gleichen Schicht zu finden, also ihre Zeitgenossenschaft nachweisen zu können. (PA hat reichlich Fossilien, siehe zB http://www.docs.dcnr.pa.gov/cs/groups/public/documents/document/dcnr_014599.pdf)

Andreas Walter

27. Mai 2020 17:10

Hihihi, jetzt wird's wieder albern und gleich prügeln sie sich, so wie bei Asterix. Oder wie bei Blake Edwards legendärer Tortenschlacht im Film Das große Rennen rund um die Welt:

https://youtu.be/1BIAT28dEBY

Der_Juergen

27. Mai 2020 18:30

@laurenz

In Ihrem für Halbgebildete charakteristischen schnoddrigen und anmassenden Ton greifen Sie @Zeitschnur und mich wegen unserer Ablehnung der Evolutionslehre an. Obgleich Sie für mich nicht sanktionsfähig sind, will ich Ihre Frage beantworten, weil das Thema auch für etliche andere Foristen von Interesse sein dürfte. Ich beanspruche wohlverstanden nicht, auf diesem Gebiet selbst etwas Neues entdeckt zu haben, aber ich habe einiges dazu gelesen, darunter Darwins Hauptwerk und "The Blind Watchmaker" seines berühmten Jüngers Richard Dawkins, und eindeutige Schlussfolgerungen daraus gezogen. Hier einige zentrale Punkte:

a) Würde ich Sie, Laurenz, fragen, ob Ihr Opel Manta, der aus knapp 10.000 Einzelteilen besteht, sich durch eine Kette von Zufällen aus einem Felsen entwickelt haben könnte, würden Sie nur müde lächeln. Aber ein Lebewesen, das um ein Vielfaches komplexer ist als ihr Manta, soll als Ergebnis einer undenklich langen Kette zufälliger Mutationen aus toter Materie entstanden sein! Die Absurdität ist schreiend.

b) Woher kommt überhaupt die tote Materie, wenn es keinen Schöpfer gab? Aus nichts entsteht nichts, nicht einmal ein Staubkörnchen.

c) Gesetzt, durch eine unendlich lange Kette spontaner Mutationen hat sich eine fortpflanzungsfähige Löwenpopulation entwickelt. Wovon ernährt sie sich? Von Zebras und Antilopen, werden Sie sagen, Ja, aber diese müssen sich ebenfalls durch eine Kette von Zufällen entwickelt haben. 

ff.

 

 

Der_Juergen

27. Mai 2020 18:45

@laurenz 3

Während wir uns zur Not noch vorstellen können, dass ein geschaffenes Ding oder Lebewesen ewig existieren wird, reicht unsere Phantasie nicht aus, um uns einen Schöpfer vorzustellen, der seit Ewigkeit besteht und folglich unerschaffen ist. Unser Unvermögen, sich ihn vorzustellen, beweist jedoch nicht, dass es einen solchen Schöpfer nicht gibt. Folglich ist der Kreationismus logisch nicht zu widerlegen. Logisch sehr wohl widerlegbar ist hingegen die einzige Alternative zu ihm, die Evolutionstheorie, deren eklatante Schwächen ich eben kurz umrissen habe. - Damit ist ein weiteres, von @Zeitschnur erwähntes zentrales Argument, nämlich das Fehlen von als Zwischenstufen erkennbaren Fossilien, noch gar nicht angesprochen. Man kann durch Züchtung fast beliebig viele neue Hunderassen schaffen, aber das Ergebnis wird stets ein Hund sein und niemals eine Katze. 

 

Monika

27. Mai 2020 19:15

Ein heiteres Forum. Sind wir gar bei den Krisentrinkern ? 

Als Kind stand ich ehrfürchtig vor dem großen Dinosaurier im Senckenbergmuseum. Da war alles dran. Die fehlenden Teile waren aus Gips eingefügt.

Und von der ägyptischen Sphinx weiß man nicht, ob sie ein Mann oder eine Frau war. 🤔 Die Wahrheit liegt, wie immer, in der Mitte. Doch nun zum Thema !

Ich komm, ich weiß nicht woher, Ich bin, ich weiß nicht wer,

Ich leb, ich weiß nicht wie lang, Ich sterb  und weiß nicht wann,

Ich fahr, ich weiß nicht wohin, mich wundert, dass ich fröhlich bin.

Quizfrage : Wer hat‘s geschrieben? Ohne gucken 😜

 

Der_Juergen

27. Mai 2020 19:59

@laurenz 2 (ging offenbar verloren, ist der mittlere Teil meiner Ausführungen)

Die Tatsache, dass die Natur ein System des Gleichgewichts ist, in dem ein Lebewesen vom anderen abhängt, zeigt die ordnende Hand eines Schöpfers.

Ein weiteres schlüssiges Argument gegen die Evolutionslehre ist, dass ein Lebewesen, um überleben und sich fortpflanzen zu können, von Anfang an perfekt sein, d. a. alle seine Organe besitzen muss. Die darwinistische These, wonach Lebewesen Organe "entwickeln", weil ihnen diese Nutzen bringen, ist völlig absurd. Ein oft zitiertes Beispiel ist die chemische Waffe des Bombardierkäfers, der sich gegen Fressfeinde durch Ausspritzen einer ätzenden Substanz schützt. Dieses chemische System, sagen die Darwinisten, habe der Käfer über X Generationen hindurch langsam entwickelt. Doch wenn es für ihn lebenswichtig war, muss er es von Beginn an besessen haben, ansonsten wäre er gleich ausgestorben. Käfer, die kein chemisches Abwehrsystem benötigen, "entwickeln" auch kein solches.

 

Der_Juergen

27. Mai 2020 21:07

http://www.omniology.com/3-Ceramic-Dinos.html

Für diese Keramik-Dinosaurier gibt es drei mögliche Erklärungen:

1) Sie wurden von Fälschern, welche die Evolutionslehre diskreditieren wollten, hergestellt und vergraben, in der Hoffnung, dass sie einst jemand finden werde.

2) Sie wurden von den Indianern hergestellt, nachdem ihnen Ausserirdische, die die Erde viele Millionen Jahre zuvor besucht hatten, Fotos und Filme der Dinosaurier gezeigt hatten.

3) Sie beweisen, dass Menschen und Dinosaurier die Erde zugleich bewohnten und die herkömmlichen Datieren dementsprechend grundfalsch sind. In diesem Fall liefern sie eine einleuchtende Erklärung für die bei fast allen Völkern existierenden Legenden über Drachen sowie für die griechischen Amphoren, auf denen kleine Saurier abgebildet sind.

Da die Varianten 1 und 2 völlig schwachsinnig sind, bleibt nur Variante 3 übrig. Oder hat unser Bloggenie Laurenz eine andere Erklärung?

 

Gracchus

27. Mai 2020 21:49

@Laurenz: Sie gehen doch auch mit Castaneda hausieren, der sicherlich nicht zu Ihren Vorfahren gehört. Was regen Sie sich da über andere auf? Zur Evolutionstheorie hat @der_juergen das Richtige gesagt. 

Das:

"Wer tatsächlich einen Übergang zur Anderwelt erleben will, geht im November in der Morgenstunde aus dem Haus um den flachen Nebel auf den Wiesen zu sehen, der Atem des (lokalen) Drachens für jedermann wahrnehmbar. In der Anderwelt leben sie noch, zeitschnurs Geschöpfe." 

haben Sie schön gesagt und zeigt, dass Sie an eine spirituelle Welt glauben und kein reiner Materialist sind.

P. S.: Der Auftritt von Madonna bei dem prinzipiell geschmacklosen Eurovision-Dingsbums, der dieses Jahr dank Corona nicht stattfindet, wurde seinerzeit ziemlich durch den Kakao gezogen. Sicher, ich fand Madonna einst nicht ganz schlecht, aber: In Würde altern? Der ganze Pop-Zirkus ist doch für die Katz.

 

Augustinus

27. Mai 2020 22:22

@Der_Juergen 

Es heißt nicht sanktionsfähig sondern satisfaktionsfähig

de.wikipedia.org/wiki/Satisfaktion 

"Woher kommt überhaupt die tote Materie, wenn es keinen Schöpfer gab? Aus nichts entsteht nichts, nicht einmal ein Staubkörnchen."

Tja, das ist eine Frage mit der sich Philosophen nicht erst seit gestern beschäftigen.

Ich kann die Frage nicht beantworten. Aber wenn man Jaspers gelesen hat, weiß man, dass Kausalität nur innerhalb unseres Erfahrungshorizont Sinn ergibt. Außerhalb desselben (Jaspers nennt die Transzendenz: das Umgreifende) bringt es nix.

Just my two cents

27. Mai 2020 22:51

@Der_Jürgen  vielleicht ist Ihnen auch Bruno Vollmerts "Das Molekül und das Leben" bekannt, in dem er wissenschaftlich sauber die Evolutionstheorie auf der Ebene der Makromolekularchemie falsifiziert?

Falls nicht - und für neugierige Naturen: Das Molekül und das Leben. Vom makromolekularen Ursprung des Lebens und der Arten: Was Darwin nicht wissen konnte und Darwinisten nicht wissen wollen. Autor Bruno Vollmert  (bei Rowohlt erschienen)

pirol

27. Mai 2020 23:42

Am Mittwoch vor Pfingsten (!) zum Thema Glaube vs Wissen. Wie kann man glauben, was man sieht (Paulus). Der ewige Gott ist mit Mitteln der Schöpfung (Wissenschaft) nicht zu erreichen. Darum sendet er seinen Sohn (Weihnachten), damit 'die an ihn glauben nicht verloren sind' (Ostern). Beweise Pro oder Kontra sind da sinnlos.
Die Freiheit, seine Überzeugung kundzutun, begründet die Diskussion. (Danke dem Bademeister dafür) Man kann auch mit Nichtglauben 'hausierengehen'. Das wäre der Versuch einer Kommunikation, aber der Erfolg ist (s.o.) unwahrscheinlich wie das Leben. Da wir aber (gegen alle Wahrscheinlichkeit) leben ist der Versuch nicht sinnlos.

Just my two cents

27. Mai 2020 23:51

Kleiner Nachtrag zur obigen Buchempfehlung: Weil es nur noch antiquarisch erhältlich ist können Interessierte auch folgende wissenschaftliche Ausführungen von kathpedia.com herunterladen: unter Suchwort Bruno Vollmert, dann unter Veröffentlichungen die zweite Anführung wählen( Die Entstehung der Lebewesen in naturwissenschaftlicher Sicht ...)

Fakten, Fakten, Fakten und kein Geschwurbel!

Laurenz

27. Mai 2020 23:58

@Der_Juergen (1)

Warum werden Sie persönlich? Hab ich Ihnen Ihre Handkarre vorgeworfen? Lassen Sie mich doch Manta fahren. Und Sie haben vollkommen Recht, ich bin ein halb-wissender Generalist. 15 Jahre Aneignung von Spezial-Kenntnissen im Kapital-Markt waren schon zu lange für ein Leben und desweiteren bin ich zufrieden damit, allemal besser, als wie Sie Selbst zugeben, wie Sie, gar nichts zur Debatte beitragen zu können. Ich kritisierte zeitschnurs und Ihr Verhalten, weil Sie bis jetzt noch nichts auf den Tisch gelegt haben. Nur weil Sie Sich keine Veränderung (Mutation) in wenigen Generationen vorstellen können, ist dies noch lange nicht falsch, sondern am Galapagos-Finken relativ gut nachgewiesen. Auch ich hab Dawkins gelesen, the God delusion, aber bis auf sein Spezial-Gebiet, der Evolutions-Biologie, ist das Buch im historischen Bezug auf Religionen, die er angreift, miserabel recherchiert und ausgeführt. Das ist das Problem der Fachidioten, die sonst noch nie etwas anderes gesehen haben. Das hätten wir beide besser hinbekommen.

Laurenz

28. Mai 2020 00:11

@Der_Juergen (2)

Das Problem in Ihrer Weltsicht, ist der große Zampano, der alle Zebras an einem Tag einfärbt. Wie auch desöfteren zeitschnur, unterscheide ich mehrere Erklärungs-Ebenen, weil sich ab die und an die andere besser zum Verständnis eignet. Im Europäischen Heidentum gibt es sehr wohl eine "Göttliche Allmacht", die im Weltall (der Welten alle) alles macht. Aber Sie kreiert nicht, Sie beabsichtigt. Auch jede Menschen-Frau, die Kinder gebärt, kann Evolution beabsichtigen. Vergleichen Sie einfach die Schöpfungs-Geschichte der EDDA, mit der der Bibel. Dann wissen Sie vielleicht, was uns in unseren Sichtweisen unterscheidet. Die Edda steht nicht im Widerspruch zur rationalen Wissenschaft, ebenso, wie Sie Einblick in den damaligen rationalen Wissensstand vermittelt. Nur die Darstellung ist spirituell. Auch die Bezeichnung unserer eigenen Galaxie, die Milchstraße, geht nicht auf einen Wüstenräuber-Hauptmann zurück, sondern auf die Ur-Kuh Audhumbla, viel sympathischer und heimeliger als Ihr Schöpfungs-Faker.

Andreas Walter

28. Mai 2020 07:22

Ist Gott eine Schöpfung des Menschen oder ist der Mensch eine Schöpfung Gottes?

Die Antwort liegt womöglich in der Frage: Was ist Schöpfung?

Was war zuerst? Die Henne - oder das Ei, das Eine - oder die Zwei?

Oder gehört beides zusammen, ist beides das (fast) Gleiche, ist beides darum untrennbar miteinander Verbunden, ausser durch Zeit und Variation.

Woher kommen diese Variationen und was ist Zeit? 

Zeit ist lediglich Veränderung. Ohne Bewegung gäbe es keine Zeit. Zumindest wäre sie nicht messbar, erkennbar, weil ohne Anfang und ohne Ende. Zeit braucht daher auch Raum. Raum für Bewegung, Raum für Veränderung, Raum für Variation. Für Varianten und Mutanten, Dissidenten, Konkurrenten, für Konzentration und Fluktuation, für Anziehung und Abstossung, Gravitation und Expansion (Strahlung).

Am Äquator wäre Stonehenge daher sinnlos - oder auch Intihuatana. Darum findet man so etwas dort auch nicht, sondern nur südlich und nördlich davon:

https://www.spiegel.de/reise/fernweh/machu-picchu-die-verlorene-stadt-der-inka-a-176208.html

https://www.handelsblatt.com/arts_und_style/aus-aller-welt/neuer-sensationsfund-aeltestes-sonnenobservatorium-europas-entdeckt/2262212.html?ticket=ST-3871065-CU5VsaNuABEVLzmV1Rng-ap4

Auch in Goseck war/ist/bedeutete und bedeutet ein Sonnenobservatorium einen Evolutionsvorteil. In diesem Fall einen Vorsprung durch Technik.

Monika

28. Mai 2020 08:46

Die Menschen und die Dinosaurier haben die Erde gleichzeitig bewohnt. 

Beweis: Noah hat ein Paar Dinosaurier mit auf seine Arche genommen. Traurig, aber wahr.

https://duckduckgo.com/?q=die+dinosaurier+werden+immer+trauriger&t=ipad&iax=videos&ia=videos&iai=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DEBk0CA0bhb0

Ich plädiere für Badeschluss, da Thema mal wieder verfehlt.😭😭😭

 

Götz Kubitschek

28. Mai 2020 09:11

machen wir schluß.

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