10. September 2020

Neu-Sozialismus

Heino Bosselmann / 63 Kommentare

Die deutsche Marktwirtschaft funktioniert noch immer und sorgt dank potenter Unternehmen und fitter Arbeiter und Ingenieure für Steuereinnahmen.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

  • Sezession

Denoch wurde das Menschenbild der Gesellschaft kraft hegemonialer linksgrüner Neu-Bourgeoisie immer quasisozialistischer. Dies geschah und geschieht mit der Tendenz, möglichst alle Bedürfnisse, neuerdings als „Bedarfe“ beschrieben, zu befriedigen, ohne daß dafür, begonnen mit der Schule, persönliche Leistungsbereitschaft und Selbstüberwindung erwartet werden. Ergebnis ist eine Art Adipositas im erweiterten Sinne.

Die Corona-Maßnahmen verstärken diesen Effekt: Um einerseits zunehmend irre Corona-Zwänge aufrecht erhalten, andererseits aber in Wahlen bestehen zu können, wird in staatsozialistischer Manier das Kurzarbeitergeld verlängert und werden Kredite und Hilfen gewährt, die in die Pleite getriebenen Firmen eine Weiterexistenz finanzieren.

Wo rein physisch immer weniger gearbeitet wird, mag der Wert von Arbeit konkret kaum erfahrbar sein. Wer irgendwas macht, oft ausgehalten von der "öffentlichen Hand", hält dies bereits für wertig, angefangen beim bloßen Existieren, insofern bereits dem Auf-der-Welt-sein Würde beigemessen wird.

Arbeiter, die die Gattung der fettgesessenen Büromenschen beargwöhnen, in Relation zu dem, was sie leisten, allzu komfortabel ausgestattet zu sein, liegen grundsätzlich ja richtig, insbesondere dann, wenn der "öffentliche Dienst" das Büro betreibt.

In den Parlamenten und in den Regierungen tummelt sich zudem eine neue höfische Gesellschaft, die, versorgt aus den Töpfen "öffentlicher Gelder", eine Dekadenz entwickelt, die auf neue Weise an das Ancien Regime erinnert. Sich dem Volksvermögen anzuwanzen erscheint den neuen Hofschranzen nur recht und billig, weil sie sich selbst für unverzichtbar in ihrer vermeintlichen Kompetenz halten. Einmal auf eine Stimmung aufzuschwimmen und irgendwie eine Wahl gewonnen zu haben oder über eine Liste in die Legislative gerutscht zu sein, das reicht gerade Kleingeistern und Lebensverlierern für die Überzeugung von der eigenen Bedeutsamkeit aus. Die dicken Diäten passen zum gewonnenen Selbstbild und dem neu erworbenen Satz weißer Hemden.

Es gibt eine Menge Entscheidungsträger, die selbst nie Leistungsträger waren. Man sollte das wissen, wenn man sich als "aufrechten Demokraten" sieht.

Daß indessen dem Prekariat und der Zuwandererschaft aus dem islamischen Süden Miete und und Heizung zuzüglich eines Taschengeldes gezahlt werden, soll wohl als Errungenschaft im Sinne eines Minimal-Bürgergeldes gelten. Wer das als Gerechtigkeit verstehen will, zieht gern John Rawls herbei,  nach dem sich der vermeintlich schlimme Kapitalismus legitimieren läßt, wenn die von ihm erwirtschafteten Gewinne eine soziale Politik finanzieren, die wiederum auf so hohem Niveau ohne kapitalistische Basis-Effizienz nicht zu haben wäre. Das gesellschaftliche Bedürfnis, die düster böse Ausbeutungswirtschaft durch einen sozialistischen Überbau-Himmel aufzuhellen, ist gegenwärtig fatalerweise allumfassend. -

Die marxistische Linke im 19. Jahrhundert entstand mit der Kritik an den sicht- und spürbaren Folgen der Ausbeutung in den Zentren der Industrialisierung, die die aufgeklärten und liberalen Beobachter schockierte und nach Alternativen suchen ließen. Andererseits sind die Grundlagen des gegenwärtigen Wohlstands der Industrieländer ohne Proletarisierung, Pauperismus, Kolonialismus und neuzeitliche Sklaverei nicht vorstellbar.

Der erfolgreiche Kapitalismus basierte global, also imperialistisch auf dem, was heute Rassismus genannt wird. Ohne diesen Rassismus gäbe es den Westen in heutiger Gestalt nicht. Seine Deklarationen zur Freiheit, Humanität und Gerechtigkeit waren früher so doppelmoralisch wie heute neurotisch.

Aus der Gegenwart heraus fehlt uns Heutigen die Vorstellung von früheren, längst historischen Härten, denen wir unseren Lebenskomfort verdanken. Marx jedenfalls faszinierte die grundstürzende Kraft der Bourgeoisie und des Kapitals sowie die davon ausgehende technische und soziale Mobilisierung. Im "Kommunistischen Manifest" schreibt er bereits 1848:

Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört. Sie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen natürlichen Vorgesetzten knüpften, unbarmherzig zerrissen und kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übriggelassen als das nackte Interesse, als die gefühllose „bare Zahlung“. Sie hat die heiligen Schauer der frommen Schwärmerei, der ritterlichen Begeisterung, der spießbürgerlichen Wehmut in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertränkt. Sie hat die persönliche Würde in den Tauschwert aufgelöst und an die Stelle der zahllosen verbrieften und wohlerworbenen Freiheiten die eine gewissenlose Handelsfreiheit gesetzt. Sie hat, mit einem Wort, an die Stelle der mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutung die offene, unverschämte, direkte, dürre Ausbeutung gesetzt.

Die Bourgeoisie hat alle bisher ehrwürdigen und mit frommer Scheu betrachteten Tätigkeiten ihres Heiligenscheins entkleidet. Sie hat den Arzt, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten, den Mann der Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwandelt.

Die Bourgeoisie hat dem Familienverhältnis seinen rührend-sentimentalen Schleier abgerissen und es auf ein reines Geldverhältnis zurückgeführt.

Die Bourgeoisie hat enthüllt, wie die brutale Kraftäußerung, die die Reaktion so sehr am Mittelalter bewundert, in der trägsten Bärenhäuterei ihre passende Ergänzung fand. Erst sie hat bewiesen, was die Tätigkeit der Menschen zustande bringen kann. Sie hat ganz andere Wunderwerke vollbracht als ägyptische Pyramiden, römische Wasserleitungen und gotische Kathedralen, sie hat ganz andere Züge ausgeführt als Völkerwanderungen und Kreuzzüge.

Neben der gewerkschaftlichen und marxistischen Kritik entwickelte sich eine religiöse, die u. a. in Richtung katholischer Soziallehre fortgeschrieben wurde. Überhaupt keine Rolle in der heutigen Rezeption spielt hingegen eine philosophisch-anthropologische Interpretation, u. a. Arthur Schopenhauers, die desillusionierend klarstellt, der Mensch, der vermeintlich ausbeutende wie der daran leidende, handele eben gemäß seiner Natur, also egoistisch und böse. Wenn ausnahmsweise mal nicht, so müßten dafür starke Motive her.

Friedrich Nietzsche verstärkte dies:

Leben selbst ist wesentlich Aneignung, Verletzung, Überwältigung des Fremden und Schwächeren, Unterdrückung, Härte, Aufzwängung eigner Formen, Einverleibung und mindestens, mildestens, Ausbeutung.

Von den leistungsfähigeren Arbeitern wurden die sozialen Härten der Industrialisierung als individuelle Chance zur Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse angenommen. Sich regen bringt Segen. Ohne Fleiß kein Preis. Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Wer sich als fit erwies, körperlich wie geistig, der stieg auf, in die Arbeiteraristokratie oder gar selbst ins Unternehmertum. Bildung wurde nicht zugereicht, sondern errungen. Nicht wenige der großen Ingenieursnamen entstammen der Arbeit und dem Handwerk.

Insofern der Liberalismus juristisch Chancengleichheit verlangte, fungierte er als Pate der frühen Arbeiterbewegung, so wie die Arbeiterbildungsvereine von Liberalen inspiriert waren. Die Forderungen nach einerseits rechtlicher, andererseits sozialer Gleichheit liefen erst später auseinander.

Florian Meinel schrieb dazu jüngst klug und treffend: "Es ist, wie wir seit Hegel und Marx wissen, die Abstraktheit der Tauschbeziehung unter Gleichen selbst, durch die der Einbau aristotelischer Sozialvorbehalte in das Recht der Freiheit zum Scheitern verurteilt ist." Darüber sollte links öfter mal meditiert werden.

Was den sogenannten einfachen Leuten von jeher als Tugend galt, Leistungswille einerseits, Maßhalten andererseits, das sicherte auch in der Moderne die Existenz und verbesserte die Lebensumstände. Wer es nicht brachte, der blieb auf der Strecke – tragisch, wenn dies von Unfällen, Krankheit und Alter verursacht war, folgerichtig, wenn es an Impetus und Willen fehlte.

Bismarcks Politik von Zuckerbrot und Peitsche – einerseits Sozialistengesetz, andererseits Sozialgesetzgebung – hatte Erfolg. Wer etwas für sich und seine Familie erreichen wollte, der hatte spätestens ab 1890 sehr gute Möglichkeiten dazu, wenn er nur selbst angestrengt Arbeit zu leisten verstand und zudem Bildung erwarb. Der Begriff Wertschöpfung ist von schönem Klang. Und nicht mal ein Fremdwort, sondern offenbar sehr deutsch.

Extrem links verblieb das nach radikaler Umverteilung der Besitzstände rufende Lumpenproletariat, aus dem sich später die Anhängerschaft der kommunistischen und nationalsozialistischen Partei rekrutierte. Die gut Ausgebildeten und Leistungsorientierten hingegen, die sich selbstbewußt eine eigene proletarische Kultur zu schaffen verstanden, gingen in der Sozialdemokratie auf oder blieben, katholisch sozialisiert, dem Zentrum treu.

Friedrich Engels, Marx um zwölf Jahre überlebend und beinahe schon Zeitgenosse der vorletzten Jahrhundertwende, wehrte sich in seinen Altersbriefen gegen eine Vulgarisierung des Marxismus. Er sah offenbar, daß der Kapitalismus eben nicht fallen würde wie ein tönerner Riese, sondern daß er neben der Tragik, produktiver Vernichter zu sein, unermeßlichen Kräften und Chancen Raum gab, wirtschaftlich wie politisch und letztlich sogar sozial.

Das erkannten ebenso die Revisionisten in der deutschen Sozialdemokratie und wandelten sich zunächst von Revolutionären zu Opportunisten, dann aber, spätestens in der Weimarer Republik, sogar zu staatstragenden Bürgern, während der deutsche Kommunismus sich mit dem Thälmannschen ZK stalinisieren ließ und an die Kommunistische Internationale hielt. Ohne den Sieg der Roten Armee hätte er sich in Deutschland und im übrigen Ostblock nicht durchsetzen können. Letztlich führte noch jede Spielart des Kommunismus in die Pleite, zuletzt eindrucksvoll in verschiedenen südamerikanischen Experimenten.

Gegenwärtig erleben wir den Wandel des politischen Menschenbildes als einen Rückfall hinter die Grundvereinbarungen der klassischen deutschen Sozialdemokratie. Denn was von links bis in die Christdemokratie hinein gefordert wird, begonnen mit Gerechtigkeit um jeden Preis, das entspricht eher kommunistischem Denken. Das allenthalben erhobene Verlangen nach unbedingter „Teilhabe“ erfolgt, ohne daß es mit Leistungsbereitschaft verbunden wird. Und wie immer uniformiert ein so gleichmacherisches linkes Denken die Gesellschaft.

Gleiches gilt für die "Bildung“. In den Schulen sollen sehr gute Zeugnisse als Prognose bester Chancen schon seit Jahrzehnten nicht mehr durch gründliches Lernen erworben, sondern einfach zugereicht werden. Mit dem Effekt, daß im Sinne von immer mehr „Abi“ der höchste Schulabschluß nicht mehr wie früher einen so interessanten wie einträglichen Beruf garantiert, sondern nur noch die Grundbedingung dafür darstellt.

Forderungen nach mehr Lebenskomfort legitimieren sich simpel mit dem bloßen Vorhandensein von Bedürfnissen, die der Staat gefälligst zu befriedigen habe, nicht etwa als Honorar für hartes Arbeiten oder geistige Qualifizierung, sondern einfach per Dekret. Jeder Anspruch erscheint per se legitim; Leistung hingegen braucht es nicht, um „teilhaben“ zu können. Die Politik soll den Bedürfnissen umstandslos entsprechen, ohne daß sie dafür etwa noch Forderungen zu stellen hätte.

Wer die aufzuwendenden Mittel all der verlangten Ausgaben, Soforthilfen und Subventionen mit Anstrengung und Schöpferkraft errang, ist der Linken mittlerweile völlig egal. Fragte sie früher noch nach deren Erwirtschaftung oder verband ihre Vorschläge wenigstens mit Ideen, geht es ihr gegenwärtig nur um die Verteilung, so als wüchsen die Gelder von selbst in einem Schatzhaus nach, das nur geplündert werden müßte.

Daß die EU unter Leitung von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen 750 Milliarden Euro auskehren will, das meiste davon als reine Gabe, um damit zu "helfen", ohne die Verwendung der Mittel prüfen zu wollen oder zu können, steht für die gleiche sozialistische Verschwendungstendenz. Abgesehen davon, daß namentlich Frau von der Leyen der Wert öffentlicher Gelder schon einerlei war, als sie diese für dubiose Beraterhonorare in ihrer Zeit als deutsche Verteidigungsministerin versenkte.

Die basale Wirtschafts- und Finanzwelt, selbst zwar höchst problematisch voneinander entkoppelt, funktioniert grundsätzlich noch kapitalistisch, mindestens marktwirtschaftlich, aber die von ihr erarbeiteten Erlöse, zu denen die Steuern der gut ausgebildeten und passabel verdienenden Arbeiterschaft gehören, werden quasisozialistisch in der Finanzierung nicht nur illusionärer, sondern sogar dekadenter Gerechtigkeitsvorstellungen versenkt.

Wenn der Staat in dieser Weise fortfährt, die ihm von den Bürgern zwangsüberwiesenen Mittel zu verschwenden, wird ihm der Gedanke an Enteignungen immer wieder einschießen, weil er - je linker regiert, je mehr verteilend - immense Mittel vergeudet und Ausgaben vornimmt, die überhaupt nicht refinanzierbar sind. Für die rot-rot-grüne Regierung Berlins gelten Enteignungen daher bereits ein probates Beschaffungsmittel.

Die sogenannte Corona-Krise hat diese Tendenz forciert und einer bereits üblichen Umverteilung der Mittel zugunsten des sich heute kunterbunt gebenden Proletariats der Abkassierer Tür und Tor geöffnet, so daß das Wort vom Corona-Sozialismus zutreffend erscheint. Erst Krankschreibung per Telefon für jeden, jetzt Alimentierungen für viele. Nicht weil es das Erfordernis aus echter Notlage gäbe, schon gar nicht, weil ein Leistungsversprechen von den Alimentierten erwartet oder gar eingefordert wird, nein, einfach nur, weil Bedürftigkeit signalisiert wird.

Namentlich die Linke fordert gegenwärtig in den Parlamenten immer neue und umfassendere Mittel, um sie über jeden bejammerten Mangel zu verteilen. Ihren vor Wochen noch rigorosen Forderungen nach exekutiv durchregierender Beschränkungspolitik entspricht jetzt der Ruf nach großzügigem finanziellen Ausgleich für die von dieser Regelungswut Betroffenen. Und die Regierungen, teilweise längst pleite, haben das abzunicken und Bewilligungsbescheide auszustellen, anstatt mutig die mittlerweile völlig unsinnigen Beschränkungen aufzuheben, auf daß wieder Wertschöpfung betrieben werden kann.

Die Leistungsgesellschaft scheint sich jedoch eher in eine Transfergesellschaft zu wandeln, die immer weniger Werte schöpft, dafür aber um so mehr moralisiert. Die unbedingte Hilfsbereitschaft gegenüber dem von Flüchtlingen selbst in Brand gesteckten Lager Moria ist dafür ein Beispiel. Das ist der Eintritt in ein Endstadium, nicht nur ökonomisch und finanzpolitisch, sondern ebenso ethisch.


Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

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Kommentare (63)

Maiordomus

10. September 2020 10:41

"Bildung wurde nicht zugereicht, sondern errungen." Das ist genau der Punkt; fällt mir bereits für die Epoche des Humanismus auf, zumindest was Männerbildung betrifft. 

Der_Juergen

10. September 2020 10:47

Schon seit geraumer Zeit bewegen sich Bosselmanns Beiträge auf konstant hohem Niveau, und dieser ist einer der besten.

Als Inbegriff der vom Staat ausgehaltenen Parasiten erscheinen mir - obwohl der Beispiele natürlich Legion sind - die UniversitätsprofessorInnen für Gender Mainstreaming. Womit diese DenkerInnen ihr tägliches Brot verdienen, liefert folgender Meldung (www.zeit.de/2013/24/genderforschung-kulturelle unterschiede):

"Bei einem Versuch, Gender Mainstreaming im Nationalpark Eifel durchzusetzen, gelangen Genderforscherinnen zu der Forderung, Fotos von der Hirschbrunft müssten aus der Werbebroschüre des Naturparks entfernt werden. Die Bilder der Hirsche würden stereotype Geschlechterrollen fördern."

Eine Gesellschaft, die so etwas fördert, ist todkrank. Es bedarf einer radikalen Umkehr - und dass diese kommt, dafür sorgt das System selbst. 

 

 

Gustav Grambauer

10. September 2020 12:21

Ach, Herr Bosselmann, "Sozialismus versus Leistungsgesellschaft" - ich kann`s nicht mehr hören. Danisch hat gerade gestern dazu etwas geschrieben.

Gerade Sie müßten`s doch eigentlich viel, viel besser wissen.

Sie schreiben:

"Denn was von links bis in die Christdemokratie hinein gefordert wird, begonnen mit Gerechtigkeit um jeden Preis, das entspricht eher kommunistischem Denken."

Mache Sie darauf aufmerksam, daß Ihr Rekurrieren auf den Leistungswillen und die Arbeitmoral noch viel mehr dem kommunistischen, i. E. marxistischen Denken entspricht. Ich muß Ihnen nicht erklären, daß bei dem von Ihnen zitierten Engels der Affe erst durch Arbeit zum Menschen wird, und daß die Marxisten besessen davon sind, jeden """Affen""" - wie sie meinen - durch Arbeit zum """Menschen""" zu erziehen. Der Makarenko-Spruch an den Wänden aller Speisesäle aller Arbeitserziehungslager und Jugendhäuser der DDR war genau in diesem Sinne gemeint:

Was du nicht kannst, wirst du lernen.
Wenn du Schwierigkeiten hast, helfen wir dir.
Wenn du dich weigerst, zwingen wir dich." - Makarenko

- G. G.

Gustav Grambauer

10. September 2020 12:22

Wenn heute im Westen, und zwar nur im Westen, das (reduzierte) kulturmarxistische Programm gefahren wird, so ist das reine situativ-angepaßte Taktik der Internationalisten, während in China ganz andere, auch und gerade für den Westen vorgesehene Entwicklungen in der sogenannten Arbeitswelt vorbereitet werden. Bedenken Sie auch, daß die beiden Koreas transatlantische Experimentalprojekte der ultimativen Arbeitssklaverei mit Modellcharakter für die Gesamtzivilisation sind (Nordkorea allerdings erst seit Clinton / Albright). Spannend wird die koreanische Wiedervereinigung, wenn in Stufe 2 des Projekts die beiden getrennt gezüchteten Sklavenmentalitäten miteinander amalgamiert werden sollen.

Bin gespannt, ob Sie immer noch vom "Leistungswillen" schwärmen wenn im Zuge der 4. industriellen Revolution Ihr Social-Credit-Score auf Ihrem Smartphone, - und falls Sie noch keines haben, dann w-e-r-d-e-n Sie eines haben -, mal auf unter 75 sinkt und Sie darauf warten, vom Arbeitsproduktivitäts-SEK ins Arbeitsproduktivitäts-GULAG abgeholt zu werden.

- G. G.

Gustav Grambauer

10. September 2020 12:34

Ironie der Geschichte, Lafargue war der Schwiegersohn von Marx:

https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Recht_auf_Faulheit

- G. G.
 

Grobschlosser

10. September 2020 13:02

weshalb sollte ich den Asylforderer und seinen Kumpel von der cducsuspdgrünesedfdp mit Kaufkraft versorgen ? 

quarz

10. September 2020 13:04

"Andererseits sind die Grundlagen des gegenwärtigen Wohlstands der Industrieländer ohne ... Kolonialismus und neuzeitliche Sklaverei nicht vorstellbar."

Doch, denn das beliebte Narrativ, worauf unser Wohlstand auf der Ausbeutung von Kolonien beruhe, hält den nüchternen wirtschaftshistorischen Fakten nicht stand. Weder war Europa auf die Rohstoffe aus den Kolonien angewiesen noch brauchte es die Kolonien als Absatzmärkte. Kolonien waren vielfach mehr Belastung als Nutzen. Für das europäische Wirtschaftswachstum waren sie relativ unwichtig, dieses verdankt sich primär der höheren Produktivität. Kolonialisierung war auch keine (Mit-)Ursache der industriellen Revolution, sondern deren Folge.

Der Wirtschaftshistoriker Paul Bairoch hat sogar eine Negativkorrelation zwischen Kolonialbesitz und wirtschaftlichem Erfolg ermittelt: je mehr Kolonien ein Land hatte, umso schwächer war seine Wirtschaft.

Laurenz

10. September 2020 14:47

Finde den Artikel klasse & wieder im Format gewaltig. Vom Inhalt her, kann man vielen zustimmen, aber in der erzwungenen Kürze, die ein GK perfekt beherrscht, bieten sich zu viele Angriffspunkte. Der übliche HB-Liberalismus, auch eine Religion.

Hier muß ich tatsächlich @Gustav Grambauer kritiklos zustimmen.

1. Warte heute noch darauf, daß die Linke Karl-Marx-Denkmale abreißt, denn in der Zeit Ihres Zitats forderte er den Genozid an minderwertigen Rassen. 

2. Der Bolschewismus war/ist ein feudales Wirtschaftssystem und da jegliche Arbeit keinen Profit brachte, also nicht gearbeitet wurde, verordnete man Zwangsarbeit, jeder 10te Sowjet-Bürger lebte im Arbeitslager.

3. Aus 2. erfolgt die absehbare Gratwanderung des Lohn-/Brot-/Gewinn-Erwerbs im Blickwinkel der Politik. Wann hören die Werktätigen auf, freiwillig zu arbeiten? Weil wir Deutsch sind, konnte die DDR 40 Jahre überleben. Der gesamte Planet hatte verstanden. Wenn die Deutschen keinen Sozialismus umsetzen können, kann es niemand. 

4. Das heutige China oder sagen wir ganz Ostasien basiert ökonomisch auf dem Nationalsozialismus und nicht mehr auf dem Marxismus (der innere Widerspruch des KP Chinas), weil Deng Xiaoping klar war, daß wenn die Menschen freiwillig arbeiten, er die Überwacher einsparen und arbeiten lassen kann. Die Besten der Besten der DDR waren nicht in den Produktions-Prozeß eingegliedert, sondern mußten den Machterhalt gewährleisten.

Laurenz

10. September 2020 14:56

(2) noch 4. 

Wie die Deutschen Nationalsozialisten auch, investierte China vor allem in den Wohlstand und ließ die Rüstung schleifen. Nachwievor ist China zwar nicht besiegbar, aber zerstörbar, das wissen auch die Chinesen und erhöhen jedes Jahr ihr Rüstungs-Budget.

5. Frau von der Leyen ist intellektuell geradeso in der Lage 750 Milliarden vom Rede-Skript abzulesen. Aber die Zahl verstehen? Nie. VdL ist das Ergebnis einer hervorragenden Ausbildung, aber eines degenerierten Geistes. Wie die Bundestagswahl 2013 zeigte, sind über 95% der deutschen Wähler nicht in der Lage, solche Zahlen zu verstehen & die damit zusammenhängenden Prozesse wahrzunehmen. Solange die Junta dem Bürger etwas Eigentum läßt, akzeptiert er die Junta. 

Wollen wir Veränderung des Status Quo, müssen wir die Einheitsfront dazu bringen, dem Bürger alles wegzunehmen, nicht das erste Mal in unserer Geschichte. Das in den guten Artikel eingewebte HB-liberalistische Gequatsche trägt sicher seinen Teil dazu bei.

So betrachtet, sind wie bei der Einheitsfront auch, falsche Schlußfolgerungen zweckdienlich.

Laurenz

10. September 2020 15:13

@quarz

Darf ich Sie korrigieren?

Kolonien Deutschen Strickmusters waren nicht ertragreich. Deswegen war Bismarck dagegen. 

Belgier, Niederländer, Briten, Franzosen, Amis hatten keine Problem, Mio. für den Ertrag drauf gehen zu lassen. 

Kolonien dienten vor allem als Militär-Basen. Nur über die weltweite Präsenz der Seemacht Britannien ließ Britannien die Regeln des Welthandels bestimmen & dem Britischen Pfund den Status der Welt-Leit-Währung zukommen, über den die meisten britischen Erträge generiert wurden.

Die Royal Navy jagte zwischen 1803 und 1865 Sklavenhändler, meist in London, beheimatet, so ähnlich, wie der War on Drugs, weil sich in demselben Zeitraum keine Mehrheiten mehr für die Promotion des Sklavenhandels fanden. Aber es fanden sich Mehrheiten dafür, den Sklavenhandel mit dem Opiumhandel zu ersetzen, so wurden die Londoner Sklavenhändler Opiumhändler. Mit dem Verlust der Schlachtschiffe Prince of Wales und Repulse in der Chinesischen See, Ende 41, war die Geschichte der Britischen Vorherrschaft vorbei, das Empire Geschichte. Britannien hatte gegen sich selbst Krieg geführt. Denn die meisten Kolonien nahmen die Gelegenheit der Weltkriege wahr, sich von unseren Befreiern, zumindest formal, zu befreien.

Fritz

10. September 2020 15:23

In jedem Fall überrascht es, wie sehr die Geschichte des 20. Jahrhunderts mit ihren zahllosen gescheiterten Versuchen, den Kapitalismus durch etwas besseres zu ersetzen, gescheitert ist.

Ich dachte, das Ende des Kommunismus würde noch Jahrhunderte nachhallen, aber nein, es geht immer nur ums verteilen. Wie das zu verteilende erwirtschaftet wird, darum kümmert man sich nicht. Alles wird durch das Geld finanziert, das man den Reichen wegnimmt.

Was  passiert wenn dieses Gel dalle ist, wird nicht bedacht.

starhemberg

10. September 2020 16:17

Wieder ein sehr guter Bosselmann.... 

Und in meinen Augen eine wichtige Klarstellung in Richtung unserer Sozialismus-Freunde von Rechts. 

Auf der einen Seite ständig die Waffengesetze nachschärfen, auf der anderen Seite das Thema "Enteignungen" Stück für Stück moralisch aufwerten. So beginnen neulinke Diktaturen. Das traurige Ende solcher Entwicklungen ist bekannt. Zumindest den Älteren.

 

 

quarz

10. September 2020 16:39

@Laurenz

Einspruch!

Beispiel Belgien: Belgien war im 19. Jahrhundert zunächst ein wirtschaftlich äußerst erfolgreiches Land. Nachdem es Kolonien in Afrika erworben hatte, fiel es stark zurück.

Beispiel Niederlande: seine große wirtschaftliche Erfolgsgeschichte begann, nachdem es die indonesischen Kolonien losgeworden war.

Und dass Deutschland nach dem Verlust seiner Kolonien die traditionellen Kolonialmächte England und Frankreich wirtschaftlich in den Schatten stellte, ist auch bekannt.

Aber wie geschrieben: diese Beispiele illustrieren nur, was Wirtschaftshistoriker als allgemeine Tendenz nachgewiesen haben.

heinrichbrueck

10. September 2020 16:45

Die Querfront steht: Linke für mehr Schulden und höhere Steuern, Rechte für mehr Arbeit. Auch wenn diese Querfront niemals regieren wird, sie will es schlichtweg nicht.

Das Land für Deutsche angenehm zu gestalten, dürfte nicht das Ziel der Machthaber sein. Es muß schon viel schlimmer kommen, bevor es noch schlimmer wird. Auch dann wird man eine Lösung finden, die paßt; das 20. Jh. ist verlogen genug, eine Herleitung schnell gefunden. Die Masse schluckt alles, Hauptsache es läuft in den wichtigsten Medien.

Grambauer, viel zu optimistisch. Kein GULAG, dafür New Eden. The Humanity Bureau wäre zuständig. Wer Menschenrechte sagt, muß auch Weltstaat sagen.

Was störend reinhaut, sind diese bildungsbeflissenen Überlieferungen, die überhaupt keinen Sinn mehr ergeben. Den fremden Einfluß ausschalten, bevor der Wert eigener Zukunftssicherheit umgesetzt werden kann, bedarf einer Lösung.

Monika

10. September 2020 17:01

Bester Beitrag auf SiN seit langem !!! Werde den Text ausdrucken. Diese Art Neu-Sozialismus ist mir zutiefst fremd und zuwider. Meine Eltern und Großeltern waren einfache Leute, die hart gearbeitet haben, damit es - ja, die Kinder einmal besser haben. Und, die Kinder hatten es besser. Dafür bin ich dankbar. Die Enkel werden es schwerer haben. Aber, das ist wohl der Lauf der Welt.

„Spare, lerne, leiste was. So hast du, kannst du, bist du was.“ Das stand auf dem Holzlineal, welches ich als Kind zum Weltspartag von der Sparkasse geschenkt bekam, als ich mein angespartes Taschengeld stolz einzahlte. Das gilt nicht mehr. Verkehrte Welt.

Deshalb: Verteilt euer Erbe rechtzeitig  selbst um, bevor es andere tun. Für gute Zwecke, die ihr bestimmt.  Steigt aus diesem System aus. Werdet kreativ und verweigert euch den neuen Sozialisten. Ein paar Tipps gibt es in dem Büchlein „WAS TUN“ von David Engels. ( 5. Verantwortungsvolles Investieren).

links ist wo der daumen rechts ist

10. September 2020 19:18

Ich wiederhole es gern nocheinmal:

Der große Vereinfacher der letzten Jahrzehnte heißt nicht Sozialismus, sondern Neoliberalismus (und der wußte als Liberalismus eben alles links von sich zu vereinnahmen – s. die Thesen von Schrenck-Notzing).

Es herrschen keine Genossen eines Politbüros mehr, sondern die Gesinnungsgenossen einer Bertelsmann-Stiftung.

Die totalitären kontinentalen Totalitarismen sind besiegt, der angelsächsische lebt (s. unsere Thesen ad Orwell).

Und: es gab schon einmal eine deutsche Querfront, nämlich die „Ideen von 1914“ (s. Sieferles Buch über die KR).

Liest man etwa die „Betrachtungen eines Unpolitischen“, erkannt man erst die heutige rechte Dünnbrettbohrerei. (...)

Weit und breit niemand, der mit seinem Geschreibe der o.a. Schrift das Wasser reichen könnte. Und sogar ein brillanter Stilist wie Klonovsky klingt dann nur wie ein quäkend-besserwisserischer Pennäler aus der DDR (der er auch ist).

Aber macht nur weiter so, die Fische in der Predigt des Hl. Antonius wird es freuen.

Laurenz

10. September 2020 19:22

@quarz

Belgien hat schätzungsweise 14 Mio. ermordete oder infizierte Kongolesen (im weiteren Sinne) zu verantworten. Bismarck war dagegen, konnte aber die europäischen Mächte nicht dazu bewegen, aktiv zu werden und den weiteren Völkermord zu unterbinden. Bei den Belgiern und ihrem irren König ging es mehr um Lebensstil und Großmanns Gehabe. Belgien, im kulturellen Kielwasser der katholischen Spanier trat nie, im Gegensatz zu den Niederländern, als Groß- oder Seemacht auf.

Auch in deutschen Kolonien gingen ein paar Indigene drauf, aber im Vergleich sind das lächerliche Zahlen. Ehemals Deutsche Kolonien leben teils heute noch von der von uns geschaffenen Infrastruktur. Und wir gaben den Schwarz-Afrikanern die einzige schwarze Schrift-Sprache. Sowas wäre unsere europäischen Freunden nie eingefallen.

Nochmals, quarz, es geht um die Dominanz des weltweiten Handels, und dazu braucht man Seemacht, auch heute noch.

Beowulf

10. September 2020 20:01

Dieser Artikel bestärkt mich einmal mehr in meiner Meinung, dass sich Libertarismus und Konservatismus gegenseitig ausschließen.

Hier werden tatsächliche Entwicklung des deutschen Wohlfahrtsstaates völlig ausgeblendet und einzelne Aspekte anekdotenhaft zu einem angeblich vorherrschenden Sozialismus zusammengefügt.
Der in Deutschland seit Bismarck vorherrschende konservative Wohlfahrtsstaat wurde in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich in Richtung eines liberalen Wohlfahrtsstaat umgebaut. Der Autor begeht den Fehlschluss von der reinen Anzahl an Empfängern von Sozialleistungen auf das System zu schließen. Nur weil das Land mit Leistungsempfängern geflutet wird bzw. immer mehr Menschen auf Sozialleistungen angewiesen sind, leben wir noch lange nicht in einem sozialistischen Staat.

Das hochhalten von "persönliche Leistungsbereitschaft und Selbstüberwindung" klingt für mich wie Hohn vor dem Hintergrund einer kollektiven Entwertung von Bildungsabschlüssen und fragmentierten Erwerbsbiografien. Und hier beziehe ich  noch nicht mal die zu erwartenden Folgen der voranschreitenden Digitalisierung mit ein.

Vor diesem Hintergrund wird mir die Notwendigkeit an Arbeiten wie "Solidarischer Patriotismus" von Benedikt Kaiser umso deutlicher aufgezeigt.

Balvenie

10. September 2020 20:03

Laurenz. "2. Der Bolschewismus ...  und da jedwede Arbeit keinen Profit brachte, also nicht gearbeitet wurde ... . Widerspruch: Natürlich wurde in den "volkseigenen Betrieben" Gewinn erzielt, nicht so viel wie in vergleichbaren kapitalistischen Unternehmen (es lag am falschen Arbeitsanreiz und unwirksamen Stimulierungen), aber es gab Gewinn. Dieser wurde sofort zum Großteil über s.g. Gewinnabführung der VEB vom Staatshaushalt absorbiert und wurde dann ...,  aber das ist ein anderes Thema. Nur als sachliche Korrektur!

 

bb

10. September 2020 20:15

So ist es. Beamten an die Fließbänder!

Monika

10. September 2020 20:18

Dieser Beitrag in der NZZ geht in die gleiche Richtung 

https://www.nzz.ch/meinung/deutschland-gibt-sich-der-planwirtschaft-hin-ld.1575410

quarz

10. September 2020 20:29

@Laurenz

"Belgien hat schätzungsweise 14 Mio. ermordete oder infizierte Kongolesen (im weiteren Sinne) zu verantworten ... "

Das ist aber nicht das Thema. Es geht im Augenblick nicht um die Frage, wieviel Schaden europäische Länder ihre Kolonien zugefügt haben (bzw. wieviel Nutzen die Kolonien aus der Kolonisierung gezogen haben), sondern um die Frage, ob die Kolonien den Ländern, deren Kolonien sie waren, mehr genützt oder mehr geschadet haben und um die in diesem Zusammenhang oft vertretene These, dass unser europäischer Wohlstand zu einem großen Teil auf der Ausbeutung der Kolonien beruhe.

Selbst wenn die Kolonien durch die Kolonisierung mehr Schaden genommen als Nutzen aus ihr gezogen haben sollten (was zumindest in wirtschaftlicher und manch anderer Hinsicht mit guten Gründen bestritten werden kann), würde daraus nicht folgen, dass Europa aus ihnen überwiegend Nutzen gezogen hat. Kolonisierung ist keine Nullsummenspiel.

Der_Juergen

10. September 2020 21:46

@Monika

Sie erwähnen das eben erschienene Buch "Was tun?" von David Engels. Ich habe es eben gelesen, bin davon stark beeindruckt und empfehle es allen aufs wärmste. Hoffentlich erscheint auf "Sezession" bald eine Besprechung.

RMH

10. September 2020 21:50

Der Artikel wird eigentlich erst so richtig rund durch die Kommentare einschl. links von G.G.

Leichten Widerspruch möchte ich dahingehend einwenden, dass die Leistungsverdichtung nebst Überwachung der Arbeitsleistungen wohl noch nie so hoch war wie heute. 35 h Stunden in der Woche können (arbeitswissenschaftlich nachgewiesen) einen Menschen mehr verschleißen, als 50 h an 6 Tagen. Hinzukommt, dass die Leute in der Freizeit auch nicht mehr zur Ruhe kommen. Da muss Aktiv-Urlaub gemachten werden, 24/7 online, Sport, Engagement, ja selbst im Bett muss man "liefern", sonst läuft die Gabi von dannen ..

Das Abitur wird auch keinem geschenkt, zumindest nicht in Bayern (einziges Land, wo ich mitreden kann) - das die kleinen Stöckchenspringer und Bildungsbulimiker nach 12-13 Jahren "ungebildet" sind, schmälert nicht ihre faktisch erbrachte enorme Leistung.

Im Übrigen ist mir hier insgesamt zu viel Duft von Sklavenmoral (F.N.) in der Diskussion. Die Bedeutung des römischen Begriffes "Otium" (wird in heutigen Wörterbüchern nur noch verkürzt dargestellt) ist leider vielen fremd.

PS: Das Thema Kolonialismus und warum der weiße Europäer mit seiner Moral nur verlieren konnte, ist für mich literarisch hervorragend in Conrads "Herz der Finsternis" erfasst worden - adaptierend verfilmt in Apocalypse Now (nur in der Redux Fassung ansehen!).

Cugel

10. September 2020 22:14

@quarz, Laurenz

Laurenzens Anmerkung zur Bedeutung der Kolonien als Stützpunkte scheint mir stichhaltig zu sein. Daß Deutschland die europäischen Kolonialimperien nach dem Verlust seiner Kolonien wirtschaftlich überholt habe, dürfte nicht am Kolonialbesitz gelegen haben, denn zur Zeit des BRD-Wirtschaftswunders hatten auch Briten und Franzosen praktisch keine Kolonien mehr, und in der Zwischenkriegszeit war Deutschland keine ökonomische Großmacht. Bis zu WKII sollte die koloniale Bilanz aber doch positiv gewesen sein, vor allem für die Briten. Die deutschen Kolonien waren sicher defizitär, was meines Wissens einerseits am Charakter der Deutschen lag, denen die Inhumanität der Franzosen und Briten abging, andererseits an mangelnder Erfahrung des Reiches als junger Kolonialmacht und nicht zuletzt daran, daß das Reich für die Filetstücke zu spät kam.
Die Niederländer hatten mit der Geographie ihrer südostasiatischen Kolonie, der britischen Konkurrenz und den organisatorischen Unzulänglichkeiten ihrer Ostindien-Handelsgesellschaft zu kämpfen.
Von der belgischen Kolonie Kongo profitierte in erster Linie der belgische König; der belgische Staat möglicherweise weniger.

Cugel

10. September 2020 23:21

@links ist wo der daumen rechts ist

Als Musterschöler stimme ich Ihnen zu, wenn mir auch Ihre Rechtenschelte ungerecht erscheint. Die Ideen von 1914 waren der wohl einzige sinnvolle Ansatz zur Lösung der Probleme der Moderne, damals vielleicht noch mit Erfolgsaussicht. Diese Chance verworfen zu haben, erscheint mir als die eigentliche Tragik, Schuld und Katastrophe des NS. In der Folge verheerte der Liberalismus die Bestände, erodierte die Basis, ent-eignete gewissermaßen den Menschen. Sieferle sah in in den Ideen von 1914 allerdings keine Lösung, schon zu ihrer Zeit nicht. Er sah überhaupt keinen Ausweg.

Cugel

10. September 2020 23:48

@GG

Danisch ist, bei aller Genialität, mit Blindheit geschlagen.

Die Forderungen unserer sogenannten Linken aller Couleur und Parteien nach Vollversorgung aber orientieren sich, abgesehen vom in diesen Kreisen bestimmenden Prinzip der Pfründensicherung, sicher nicht am real existiert habenden Sozialismus, sondern am kommunistischen Endzustand, denn mit den Mühen der Ebene haben die es nicht so. Der Poststrukturalist springt ganz bequem direkt ins per Sprechakt geschaffene Schlaraffenland, zu dessen Beschaffenheit Marx bei sonstiger Beredsamkeit fein wortkarg geblieben ist. Er ging aber davon aus, daß nach dem Sieg der Arbeiterklasse, der erst im Zustand des Nullmehrwerts erreicht würde, also bei vollmechanisierter Produktion, die Technik jedermann (was ist eigentlichmit jederfrau?) eine sorgenfreie Existenz ermöglichen werde, bei minimaler Arbeit zwecks Selbstverwirklichung. Der Arbeiter würde seine Lebenszeit nurmehr zur sittlichen und moralischen Vervollkommnung verwenden, nur ein kleiner Teil davon Arbeit im eigentlichen Sinn. Ob Marx seinen eigenen Dünnpfiff wirklich geglaubt hat, würde ich zu gerne wissen. Er selbst hatte es jedenfalls nicht so sehr mit Tugenden wie geregelter Arbeit und  Sparsamkeit. Seine Verschwendungssucht ist wohlbekannt, mit Wasser jedoch  geizte er sehr, zumindest hinsichtlich der Körperpflege. Er muß gestunken haben wie ein iltis und war lange Zeit stark furunkulös. Engels war nicht ganz so abgehoben, wohl weil er die Produktionsverhältnisse nicht nur aus der Bibliothek kannte.

Marc_Aurel

11. September 2020 00:37

„In den Parlamenten und in den Regierungen tummelt sich zudem eine neue höfische Gesellschaft, die, versorgt aus den Töpfen "öffentlicher Gelder", eine Dekadenz entwickelt, die auf neue Weise an das Ancien Regime erinnert.“

Dieses Verhalten wundert mich nicht im Geringsten. Den Helleren unter den „Hofschranzen“ wird wohl klar sein, dass sie lediglich Statisten sind in einem großen Theaterstück, das jeden Tag aufs Neue aufgeführt wird und dessen einziger Sinn es ist, dem Volk Selbstbestimmung vorzugaukeln. Die großen Leitlinien und Kursanweisungen kommen indes hinter den Kulissen aus Übersee hereingeflogen. Dieses Begreifen der eigenen Bedeutungslosigkeit und die bittere Erkenntnis, dass man nicht an dieser Stelle säße, wenn es etwas zu entscheiden gäbe, und man dann Platz machen müsste für jemanden mit der entsprechenden Eignung, hat psychologische Auswirkungen. Die Symptome sind dann häufig prahlerische Selbstdarstellung, Ersatzbefriedigung durch Konsum und Zurschaustellung und natürlich aggressive Reaktionen, sobald jemand die wunden Punkte anspricht. Nahezu exemplarisch und in Reinform findet man dieses Verhalten etwa bei Sawsan Chebli.

Laurenz

11. September 2020 00:38

@quarz

nach dem Berliner Abkommen, https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Kongress .... war nach Sicht aller europäischen Mächte, Habsburg für das Entwicklungsland Bosnien zuständig. Bosnien war auch damals ein bodenloses Investitions-Faß, so extrem, daß bei Kriegsbeginn 1914 die österreichische Armee desaströs dastand. Alle einberufenen Einheiten wurden mit dem uralten, einschüssigen Werndl-Gewehr ausgerüstet,

Damit konnte man in 1914 keinen Krieg gewinnen, auch nicht gegen Serbien.

Wir sind da schon auf eine Linie, quarz. Bosnien ist bis heute kein rentables Geschäft.

 

@Beowulf & links ist wo der daumen rechts ist

Ob Sozialismus oder Neo-Liberalismus bleibt sich gleich, denn beide haben einerseits einen falsch verstandenen Freiheits-Begriff als Grundlage, den man im HB-Artikel auch klar erkennt, & andererseits dieselbe erst oligarche, dann im weiteren Verlauf, monopolistische politische Wirkung. Ob Macht sozialistisch, also durch ordre per mufti zentralisiert wird oder durch Anhäufung von Kapital auf wenige, bringt dasselbe Ergebnis. Die autoritären Systeme Asiens gewähren ökonomische Freiheit, kontrollieren aber die Wirtschaft & nicht umgelehrt. Sie sind deswegen allen anderen überlegen. Die HBs & Meuthens provozieren Weimarer Verhältnisse. Geo-politisch finde ich das gut, als Patriot nicht.

quarz

11. September 2020 08:54

@Cugel

Wie auch immer Sie die Gründe für den mangelnden Nutzen der Kolonien länderspezifisch aufschlüsseln, nachgerechnete Tatsache ist jedenfalls: in Summe waren die Kolonien für Europa nicht profitabel, schon gar nicht in dem Ausmaß, dass darauf "der Wohlstand Europas" gegründet sein könnte.

In der öffentlichen Wahrnehmung wird, getragen vom modischen Narrativ, einfach maßlos überschätzt, welchen wirtschaftlichen Einfluss der Kolonialhandel hatte. Selbst im britischen Weltreich, das diesbezüglich zu den überdehntesten Fantasien anregt, trug er in 18. Jahrhundert gerade mal 2% zum GDP bei. Und im 19. Jahrhundert war es die industrielle Revolution, die durch einen gigantischen Produktivitätsschub für den wirtschaftlichen Erfolg sorgte. Und diese ist erstens nicht durch Kolonialbesitz verursacht und zweitens waren die Kolonien als Absatzmärkte für die industrielle Produktion (bis auf wenige Spartenprodukte) weitgehend uninteressant.

Europas Wohlstand beruht auf Innovation und Produktivität, nicht auf Ausbeutung von Kolonien.

RMH

11. September 2020 08:58

@Laurenz,

Die Wirtschaft wird auch bei uns extrem reguliert, wenn auch vornehmlich durch eine Bürokratie. Internationale Firmen springen aber über diese Stöckchen nur so lange, so weit sie dennoch Gewinne machen können oder zumindest Knowhow in ihre eigenen Kerndomänen absaugen können. Letzteres erscheint mir vor allem der Hauptgrund für Investitionen von Staatschinesen in Deutschland zu sein. Erlebe gerade so einen Fall in Echtzeit. Da wird es nächstes Jahr ein böses Erwachen für einige hundert Arbeitnehmer geben.

RMH

11. September 2020 09:15

@quarz,

wenn man ausgiebig Groß Britannien bereist hat, sich all die prächtigen Herrenhäuser mit ihren indisch- orientalischen Salons etc. angesehen hat, dann muss man sich über bei uns regelmäßig stattfindende Diskussion über Raubkunst etc. keine großen Gedanken machen, da der Umfang bei uns im Vergleich zu  UK lächerlich klein ist. Englands imperialer Aufstieg begann, als sie sich wie Zecken an die Goldschiffe Spaniens u. Portugals hängten, ihr eigenes Land und die Flotte damit aufbauten. "Britannia rule the waves" ist aussagekräftig genug.

Aber im Kern haben Sie schon Recht, wenn Kolonialismus dauerhaft effizient gewesen wäre, hätte man ihn nie abgeschafft, selbiges gilt auch für die letztlich ineffiziente Sklaverei. 

Hartwig aus LG8

11. September 2020 09:29

Ich muss gestehen, dass ich aus ähnlichem Holz wie Bosselmann geschnitzt bin, und so ohne weiteres auch nicht davon los komme. Bin mit "ohne Fleiss kein Preis" aufgewachsen.

Ich fuhr kürzlich per Bahn dienstreisend durch Hessen und sah durchs Fenster an einem Dienstag gegen 10:30 Uhr ein junges Paar mit Hund über ein Feld spazieren. Unwillkürlich schoss es mir durch den Kopf, was die da gerade faulenzen ... Natürlich tadele ich mich wegen derer Gedanken binnen Sekunden selbst, aber dennoch ...

Rational gesehen hat eindeutig @Grambauer recht. Ich denke, dass er es wesentlich grundsätzlicher betrachtet, aber bei mir hat sich die Auffassung durchgesetzt, dass in einer auf dem Kopf stehenden Welt normale bzw. tradierte Maßstäbe deplatziert sind. Dem deutsche Sozialstaat (im Grund etwas höchst vernünftiges) gehört derzeit jede Unterstützung entzogen. Wer gegenüber dem deutschen Staat ganz generell keine Mitnahme-Mentalität entwickelt, ist momentan auf dem Holzweg.

 

nom de guerre

11. September 2020 09:58

@ Der Juergen

Zu "Was tun?" von David Engels: schließe mich an. Das Buch hat m.E. die eine oder andere Schwäche, die eine Rezension vielleicht aufdecken könnte, ist aber insgesamt sehr zu empfehlen.

Waldgaenger aus Schwaben

11. September 2020 10:01

Zeit mal wieder hinzuweisen auf:

Erscheinungsformen des Sozialismus

Der Sozialismus der DDR oder der UdSSR ist Geschichte und wird sich so nicht wiederholen.

Der Todestrieb (i.e. Satan (*) ) wird andere Erscheinungsormen finden in der Geschichte unheilvoll zu wirken. Der Autor ( Schafarewitsch )  nennt vier Komponenten:

 Zerstörung von Privateigentum,Tradition, Familie und Religion.

Diese können unterschiedlich stark ausgeprägt sein.Vollkommen gelingt die Zerstörung nie, weil die infizierte Gesellschaft vorher zusammenbricht oder von äußeren Feinden überrannt wird.

*) Es ist nur metaphysisch zu erklären, warum wieder und wieder der Sozialismus in der Geschichte auftaucht, obwohl das Ende des Experiments vorhersehbar ist: Stöme von Blut und Tränen, unermessliches Leid, Millionen von Toten.

 

 

tearjerker

11. September 2020 10:47

Neu-Sozialismus: Land und Leute waren und sind strukturell links und die unterstützten politischen Konzepte befassen sich über das gesamte Spektrum primär damit, welche Quellen anzuzapfen sind um die eigenen Parteigänger durchzufüttern. Rechts sein ist dabei meistens nur „rechts“ sein. Die Staatspraxis in Gesetzen und Verordnungen stellt die eigentliche Kontinuität dar. Ein Caprivi stützte sich auf denselben Apparat, der heute die Unaussprechliche bedient und er würde an ihrer Stelle vermutlich diesselbe Politik wie sie machen.  Die Situation ähnelt dabei mehr und mehr der vor 45. Man erhält die Strukturen und plündert sie mit den Instrumenten des demokratisch verfassten Staates aus. Ein Glück, dass die Bundesrepublik erhebliche Teile ihrer Ordnungsvorstellungen direkt übernommen hat, vom Meisterzwang im Handwerk über die allgemeine Ausweispflicht, Krankenversicherung für Rentner, Kindergeld, Verschärfung der Gesetzgebung zum Naturschutz, explodierenden Steuern und Abgaben, Mietpreisbremse etcetc. Das erleichtert die Anpassung. Ach ja, das Recht zum Bezug von Leistungen aus der verpflichtenden Krankenversicherung wurde seinerzeit durch eine Pflicht zu gesundheitsbewusstem Verhalten flankiert. Vorerst bleibt uns eine komplette Preis- und Mengensteuerung aller Märkte wie ab der 2. Hälfte der 30ger Jahre erspart. Wenn die kommt, hat das dann natürlich mit Sozialismus trotzdem nichts zu tun.

KlausD.

11. September 2020 11:03

@Marc_Aurel  11. September 2020 00:37

"Die großen Leitlinien und Kursanweisungen kommen indes hinter den Kulissen aus Übersee hereingeflogen."

Ja, so nimmt man gewöhnlich an, in Wirklichkeit sind die Verhältnisse jedoch ganz anders, wie man hier ganz deutlich sehen kann:

https://www.youtube.com/watch?v=WZG6oClrrXE

Gustav Grambauer

11. September 2020 11:48

cugel

"Mühen der Ebenen": die Betreffenden sehen sich ja nicht als Insassen sondern als bequeme Betreiber der kommenden Arbeitslager. Eine - im weitesten Sinne - kommunistische Mentalität ist gar nicht denkbar ohne den (meist) unterbewußten oder (selten) klar reflektierten Willen zu irgendeiner Art Endlösung im Verfahren mit den rudimentären reaktionären Elementen wie sie sagen würden, wobei "Arbeitslager" ja noch der mildeste Vorschlag ist. Daß sich die Kommunisten i. w. S. im Westen zu 99 % auf den Kulturmarxismus einlassen,

Marxismus
minus WissKomm
minus PolÖk
plus 10 % sentimentales Substrat aus der PolÖk 
minus 50 % Utopischer Sozialismus
-------
∑ Kulturmarxismus
=======

ist wie gesagt reine Taktik. Habe für mich lange gebraucht, um all die taktischen Wendungen der dortigen Schwarmintelligenz in ihrer Ungeheuerlichkeit fassen zu können. Und diese wird sich erneut wenden, wenn wenn der Kommunistengott die phasenweise Bunten wieder zum Zählappell antreten läßt. Da widerspreche ich auch Botho Strauss, wenn er jüngst sagt, das Endziel der Ideologie der "fortschreitenden Befreiungen" bleibe unbekannt.

- G. G.

Gustav Grambauer

11. September 2020 11:49

Hartwig aus LG8

"Wer gegenüber dem deutschen Staat ganz generell keine Mitnahme-Mentalität entwickelt, ist momentan auf dem Holzweg."

Wenn ich Kinder hätte, würde ich da aber vorsichtig sein, denn dies könnte ruiunös auf sie abfärben.

- G. G.

Gustav Grambauer

11. September 2020 12:03

Nachtrag:

"... das Endziel der Ideologie der 'fortschreitenden Befreiungen' bleibe unbekannt." (- Botho Strauss)

Hierzu die letzten öffentlichen Worte des megalomanisch-exterministischen Psychopathen pars pro toto Karl Liebknecht:

"Himmelhoch schlagen die Wogen der Ereignisse. Wir sind es gewohnt, vom Gipfel in die Tiefe geschleudert zu werden. Aber unser Schiff zieht seinen geraden Kurs fest und stolz dahin bis zum Ziel.

Und ob wir dann noch leben werden, wenn es erreicht wird - leben wird unser Programm; es wird die Welt der erlösten Menschheit beherrschen. Trotz alledem!

Unter dem Dröhnen des herangrollenden wirtschaftlichen Zusammenbruchs werden die noch schlafenden Scharen der Proletarier erwachen wie von den Posaunen des Jüngsten Gerichts, und die Leichen der hingemordeten Kämpfer werden auferstehen und Rechenschaft heischen von den Fluchbeladenen. Heute noch das unterirdische Grollen des Vulkans - morgen wird er ausbrechen und sie alle in glühender Asche und Lavaströmen begraben."

- G. G.

Laurenz

11. September 2020 12:12

@RMH @ quarz & Laurenz

Sie haben das gut beschrieben. China sieht/sah sich selbst schon immer nationalistisch als Reich der Mitte an. Und China agiert global-ökonomisch gleichsam dem III. Reich, nur in einem ganz anderen Maßstab oder Kaliber. Bei uns wirkt sich der Parteibuch-Einfluß auf die Ökonomie, wie nationale Interessen ungünstig aus. 

Spanisches Gold aus Mittel - & Südamerika heizte eine Inflation des Goldes in Europa für mindestens hundert Jahre an. Der mexikanische Staatspräsident war neulich der erste, der von einer Kolonialmacht Reparationen forderte. 

@Hartwig aus LG8

Noch in den 70ern reichte es, wenn einer in der Familie für das materielle Wohlergehen sorgte. Heute malochen 2 Trottel einer Familie für weniger materiellen Wohlerstand als damals. Der Neo-Liberalismus HBs & vieler Ökonomie-Professoren sorgt dafür, daß der Kuchen anders verteilt wird. Mit dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts gibt es auch keinen politischen Grund mehr, für ein Wohlstandsgefälle zu sorgen. Deswegen ist Neo-Liberalismus auch extrem links. Politisch betrachtet ist die bereits eingetretene Verarmung großer Bevölkerungsschichten extrem günstig für uns, weil nur des Exzess einer Verarmung einen Paradigmen-Wechsel im Bewußtsein der Bevölkerung bewirken wird. Patrioten können damit aber nur schlecht umgehen.

Laurenz

11. September 2020 12:38

@quarz

Zitat - in Summe waren die Kolonien für Europa nicht profitabel, schon gar nicht in dem Ausmaß, dass darauf "der Wohlstand Europas" gegründet sein könnte. - Zitatende

Die Satz ist natürlich paradox und so falsch, wie er nur sein kann.

Der ökonomische Nutzen einzelner Investoren ging im 19. Jahrhundert durch einen formalen Humanismus im britischen Parlament verloren, aber eben nicht das geo-strategische Momentum. Die Deutsche Bank war bis 1914 die größte Bank der Welt, aber das löste mit den I. Weltkrieg aus & Deutschland war militärisch nicht in der Lage seine geo-ökonomischen Interessen gegen die Entente zu schützen. Die USA unterhalten heute noch über 800 militärische Übersee-Basen & diese garantieren die Hegemonie über den Planeten. Die USA sind keine formale Kolonialmacht mehr. Die US-Botschaften haben diese Funktion übernommen & erzwingen mit 11 Flugzeugträgern im Rücken die weltweite Nutzung des US$s, was entscheidend ist. Das betrifft auch uns direkt, wenn Sie Sich die aktuelle Nordstream-Nummer anschauen. Wie sagte Frau Wagenknecht, die USA importieren Gas aus Rußland, wir sollen das nicht tun dürfen. quarz, Sie sind ein typischer Michel-Träumer, also quasi ein Linker, wie diese ganzen Liberalisten auch. Ich schrieb im ersten Beitrag über einen falsch verstandenen Freiheitsbegriff, das gilt immer noch.

quarz

11. September 2020 14:05

@Laurenz

Sie schreiben schon wieder am Punkt vorbei. Einerseits versuchen Sie Erklärungen dafür zu liefern, warum Europa aus den Kolonien in Summe keinen wohlstandsbegründenden Nutzen ziehen konnte (und tun dann so, als ob der Aufweis des warum das dass negiere oder relativiere). Andererseits versuchen Sie den Vorteil strategischer Militärstandpunkte in die Kosten-Nutzen-Rechnung einzubeziehen. Aber mit Ersterem widersprechen Sie mir nicht und Letzteres ist, wenn man es denn in die wirtschaftliche Rechnung einbeziehen will, nichts, das den Ländern vor Ort schadet, sondern in der Regel im Gegenteil einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor zugunsten des Standortes darstellt.

Nichts von dem, was Sie geschrieben haben, stützt die These, dass der Wohlstand Europas auf der Ausbeutung von Kolonien beruhe. Und diese These und nichts anderes habe ich zum Gegenstand meines Arguments gemacht.

RMH

11. September 2020 14:22

@Laurenz,

über den Begriff der Freiheit sollte an anderer Stelle einmal grundsätzlich diskutiert werden, da hier wohl in der Tat unterschiedliche Auffassungen bei den Autoren und im Kommentariat vorzuliegen scheinen.

heinrichbrueck

11. September 2020 14:25

„Schon im Alter von acht Jahren haßte ich den Konfuzius. In unserem Dorf befand sich ein Konfuziustempel. Ich wünschte mir von ganzem Herzen, ihn bis auf die Grundmauern zu zerstören.“ Mao Tse-tung

Der Marxismus braucht solche Leute. Zuallererst die eigene Religion vernichten, und danach den Abgrund füllen.

Und welcher Hand dienen die herrschenden Christdemokraten und die Amtskirchen der Christen?

bb

11. September 2020 14:36

@Laurenz

Ihr Vergleich mit den Siebzigerjahren hinkt. Es scheint mir sehr wohl gut möglich zu sein, als Familienoberhaupt alleine den Lebensstandard der damaligen Zeit zu erarbeiten. Jedoch möchte niemand mehr einen Lebensstandard, der den Siebzigerjahren entspricht. Seitdem hat sich die Qualität aller Produkte verbessert und das Sortiment ist um ein Vielfaches gewachsen, insbesondere im Bereich der Dienstleistungen. All dies erfordert Menschen, die arbeiten.

Richtig ist jedoch, dass in Deutschland falsche Anreize gesetzt werden und dass unser Wohlstand deutlich höher sein könnte, wenn mehr Menschen ihre Zeit mit sinnvollen Tätigkeiten verbringen würden, mehr Menschen einen Beitrag zum Allgemeinwohl leisten würden, Ressourcen in Wohlstand schaffende Bereiche gelenkt würden, die Währung nicht aufgeweicht würde (Handelsbilanz) und kein Lohndumping durch Migration stattfinden würde. Das erfordert nur die Rückkehr zu klassisch liberalen Prinzipien (bitte jetzt keinen Beißreflex bekommen, sondern gründlich nachdenken, wer die Probleme verursacht, die Sie immer diffus dem Neoliberalismus zuschreiben) und eine Kontrolle der Grenzen. 

Der_Juergen

11. September 2020 15:15

@quarz

Für Ihre These, wonach der frühere Besitz von Kolonien kein entscheidender Grund für den Wohlstand Europas ist, spricht, dass manche der reichsten Länder des Kontinents keine Kolonien hatten. Dies gilt z. B. für die Schweiz, Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark (letzteres nannte ein paar kleine Inseln in der Karibik sein eigen, siehe Thorkild Hansen, "Slavernes oeer", aber die fielen nicht gross ins Gewicht).

@Laurenz

Leopold von Belgien war ein Unhold und die belgische Herrschaft über den Kongo sicherlich das Übelste, was der weisse Mann in Afrika getan hat, aber warum denn übertreiben und von "14 Millionen Opfern" schreiben? Ich bin sicher, dass der Kongo damals nicht so viele Einwohner hatte, und der eine oder andere Kongolese muss ja überlebt haben, sonst wäre das Land nach dem Ende der Leopold-Terrorherrschaft leer gewesen.

 

 

Lotta Vorbeck

11. September 2020 15:30

@bb - 11. September 2020 - 02:36

"Seitdem hat sich die Qualität aller Produkte verbessert und das Sortiment ist um ein Vielfaches gewachsen, insbesondere im Bereich der Dienstleistungen."

---

Ja, das Sortiment ist gewachsen.

Einige Produkte waren während der 1970er Jahre noch überhaupt nicht verfügbar.

Aber hat sich die Qualität aller [sic!] Produkte wirklich verbessert?

Stichwort "eingebaute Obsoleszenz".

Eine andere Frage: Wer braucht 78 Sorten Käse?

Laurenz

11. September 2020 15:34

@quarz (1)

Die historische Entwicklung der Kolonial-Politik ist eindeutig, Eldorado. Und das funktionierte auch so lange, wie irgendjemand Nutzen daraus ziehen konnte, als Beispiel gebe ich Ihnen die europäische Besiedlung & Ausbeutung der Amerikas. Alleine die USA erzeugte durch Abholzung riesiger Wälder ein Angebot für den permanenten Holzbedarf über Jahrhunderte, den das abgeholzte Europa längst nicht mehr decken konnte. Der Pelzhandel der USA erstarb ab 1850, weil zu diesem Zeitpunkt die kleine Eiszeit, seit ca. 1500, endete. Die Zuckerrübe wurde um 1800 implementiert, https://de.wikipedia.org/wiki/Zuckerr%C3%BCbe 

brach das Monopol der Zucker-Importeure. Der degenerierten spanischen Verwaltung wurden, ganz billig, die wesentlichen Besitztümer in Südamerika entrissen, und zwar durch den besten See-Offizier alles Zeiten, dem Schotten, Admiral Lord Cochrane. Hier entstand der heute noch gültige Paradigmen-Wechsel, dessen Prozeß über viele Jahrzehnte andauerte. Die Briten ersetzten nicht die Kolonial-Macht Spanien, sondern bis heute herrschen anglo-amerikanische Konzerne über Südamerika. NGOs & Konzeren erschufen den Neo-Kolonialismus, das sollten Sie als SiN-Leser eigentlich wissen. 

Laurenz

11. September 2020 15:35

@quarz (2)

Als Salvador Allende in seiner kurzen Amtszeit den chilenischen Arm des Telefon-Giganten SEL verstaatlichen ließ, organisierte Henry Kissinger kurzerhand den Sturz Allendes. Dieser bis heute gültige Neo-Kolonialismus würde nicht existieren, wenn er nicht profitabel wäre. Die Neo-Konquistadoren haben nur die Inbesitznahme der Krone weggelassen. Im Kongo herrscht permanenter Stellvertreter-Bürgerkrieg, den u.a. Frankreich und die USA um die jeweiligen Minen-Rechte ausfechten. Der Libyen-Krieg mit dem Sturz al-Gaddafis wurde nur wegen der Herrschaft über die libyschen Öl-Quellen ausgefochten. In welcher Welt leben Sie, quarz? In unserer ganz sicher nicht.

Laurenz

11. September 2020 15:43

 

@bb

Widerspreche Ihnen. Sie passen den Zeitgeist falsch an & mißachten die Grundbedürfnisse, Essen, Kleidung, ein Dach über dem Kopfe, Mobilität. In den 50ern & 60ern wurde noch der Mehrwert der Deutschen Wirtschaft in die Goldreserven gesteckt. Die sozial-demokratische Beteiligung an der Bonner Regierung beendete diesen Prozeß & ein Facharbeiter konnte sich, Frau, 3 Kinder, ein Reihenhaus & einen Audi 80 leisten.

Heute ist das so nicht mehr möglich, obwohl meist 2 in der Familie arbeiten.

Übrigens die höchste Produktions-Qualität deutscher Autos wurde 1990 erreicht. Heute beschränkt die Industrie willentlich die Lebenszeit von Fahrzeugen.

Lotta Vorbeck

11. September 2020 17:02

@Der_Juergen - 11. September 2020 - 03:15 PM

"... und Dänemark (letzteres nannte ein paar kleine Inseln in der Karibik sein eigen, siehe Thorkild Hansen, "Slavernes oeer", aber die fielen nicht gross ins Gewicht)."

---

Kleine Beckmesserei:

Die flächenmäßig größte Kolonie Dänemarks firmiert aktuell als Autonome Region und nennt sich Grünland aka Grönland.

 

 

bb

11. September 2020 17:27

@Laurenz @Lotta Vorbek

Es mag sein, dass günstige Produkte sich heute schneller abnutzen und es mag auch sein, dass Sie persönlich nicht die volle Bandbreite von Produkten und Dienstleistungen am Markt benötigen. Dennoch ist die Behauptung absurd, ein Facharbeiter sei heute schlechter gestellt als in den Siebzigerjahren. Wo damals noch ein gammeliger Röhrenfernseher stand, steht heute ein Flatscreen mit 4k Auflösung. Selbst der billigste Dacia dürfte eine bessere Grundausstattung und einen besseren Motor als alle Autos der Siebziger haben. Neue und renovierte Wohnungen und Häuser dürften heute den Wohnstandard der Siebziger deutlich übertreffen. Studenten bekommen komfortable und bestens ausgestattete Wohnheime hinterhergeworfen. Arbeiterkinder können sich dank Bafög ein Studium locker leisten. Neben dem heutigen Supermarkt wirkt jeder Laden aus den Siebzigern lächerlich. Bei der Umweltverschmutzung hat sich seitdem einiges getan. Der Wohlstand ist insgesamt erheblich gestiegen und das trotz Wiedervereinigung, die man nicht außer Acht lassen darf. Die Frage ist, ob sich dieser Trend mit der heutigen Politik fortsetzt. Meine Prognose ist düster…

Laurenz

11. September 2020 18:15

@Der_Juergen

Für Sie wiederhole ich meinen Beitrag von letzter Woche. Deutschland konnte, laut Paul Kennedy (The Rise and Fall of the Great Powers), deswegen einer vielfachen Überlegenheit in 2 Weltkriegen so lange standhalten, weil Deutschlands Soldaten über die weltweit beste Berufsausbildung verfügten. Ein entsprechendes Bildungs-Programm fällt auch nur Staaten ein, die sonst über keine sonstigen Einnahmequellen verfügen. Das erkennt man gut an der Einführung der Schulpflicht in Britannien. Ab 1880 bis in das Alter von 10 Jahren und ab 1914 für das, was wir als Hauptschule bezeichnen würden. Die Briten hatten es bis dahin einfach nicht nötig für schlaue Untertanen zu sorgen.

https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/englisch-abitur/artikel/das-ausbildungssystem-grossbritannien#:~:text=Die%20Einf%C3%BChrung%20der%20Schulpflicht%20in,1918%20durch%20den%20Fisher's%20Act.

Lotta Vorbeck

11. September 2020 18:45

@bb - 11. September 2020 - 07:27 PM

"Es mag sein, dass günstige Produkte sich heute schneller abnutzen ..."

+++ Diese Produkte nutzen sich nicht einfach nur ab. Es sind Sollbruchstellen eingebaut, das rasche Verspröden und Brechen der in den Produkten verbauten Materialien ist beabsichtigt. Die Produkte sind absichtlich unreparierbar, als Wegwerfartikel konzipiert.

 

"Wo damals noch ein gammeliger Röhrenfernseher* stand ..."

+++ steht in meinem Haushalt seit annähernd 20 Jahren überhaupt kein Fernsehapparat mehr.

*Die gammligen Röhrengeräte kamen in poliertem Echtholzgehäuse daher.

 

"Selbst der billigste Dacia dürfte eine bessere Grundausstattung und einen besseren Motor als alle Autos der Siebziger haben."

+++ Auch die teuerste, mit sämtlichem, gegen Aufpreis verfügbaren Gedöns ausgestattete Kalesche kann nicht mehr als die "Autos der Siebziger", nämlich ihre Insassen von A nach B transportieren.

Laurenz

11. September 2020 19:47

@bb

Immer noch sind Sie nicht in der Lage zu abstrahieren. Der Röhren-Fernseher, zum Teil noch in Deutschland produziert, war im Verhältnis wesentlich teurer als heutige Flüssig-Kristall-Bildschirme, die in Billiglohn-Ländern produziert werden, Malaysia etc.

Auch hier zeigt Ihr Argument keine Grundlage. Ein Audi 100 kostete 1980 zwischen 17.000 und 28.000 Deutschmark, ein A6 heute ca. zwischen 55.000 und 85.000 Euro. Das Auto ist im Prinzip nicht teurer -, wenn auch moderner geworden. Die unterschiedlichen Kaufpreise zeigen einfach nur die Inflation an, einbegriffen der 45%igen Abwertung von der Deutschmark in den Euro. Und heute sind über 90% aller verkauften A6 Dienstwagen. Privat kann sich das kaum einer mehr leisten.

Marc_Aurel

11. September 2020 20:24

@KlausD

Ich verstehe, dass von ihrer Sicht auf die Dinge, also der Vorstellung, dass die Probleme des Landes primär durch eine unfähige politische Kaste verursacht werden, ein gewisser Reiz ausgeht, denn wenn das alles wäre, könnte man sich ja schon fast beruhigt zurücklehnen. Leider ist die reale Lage viel schlimmer – sich aus dem eisernen Griff anglo-amerikanischer Eliten zu befreien, die mit ihren transatlantischen Netzwerken, ihren Medien, ihren NGO‘s und Denkfabriken nahezu jeden politisch bzw.- metapolitisch relevanten Bereich des Gesellschaft durchdrungen haben und denen enorme Ressourcen zur Verfügung stehen, ist eine ganz andere Hausnummer. Das deutschen Beuteland ist zu wertvoll, um es kampflos aufzugeben, die Chance eine der führenden Volkswirtschaften der Welt über Jahrzehnte hinweg ungestraft ausplündern zu können, bietet sich auch diesen Kreisen nicht allzuoft.

limes

11. September 2020 22:11

@ bb »Neben dem heutigen Supermarkt wirkt jeder Laden aus den Siebzigern lächerlich«, schreiben Sie, schwärmen von »Flatscreen mit 4k Auflösung« und bezeichnen dergleichen technischen Tand als Wohlstand.

Ihr »Wohlstand« besteht aus seelenlosen Versatzstücken. Wahrer Wohlstand ist ein Leben in Sicherheit, Frieden und Freiheit und in guten familiären und freundschaftlichen Beziehungen, ein Leben im Einklang mit der Natur und mit tradierten Werten.

Unsere Geburtsrechte wurden nicht einmal für ein nahrhaftes Linsengericht aufgegeben, sondern für »Streetfood« und für ein eindimensionales, oberflächliches Konsumentenleben, in dem man täglichen Updates hinterherhechelt und eine hybride Existenz mit manipulierten Genen und künstlicher Intelligenz als Endlösung betrachtet.

Dem »Eintritt ins Endstadium« (Formulierung g von Heino Bosselmann im letzten Absatz seines Textes und in anderem Zusammenhang) dämmern viele mit Drogen entgegen, die politisch und medial nicht nur unzureichend bekämpft, sondern sogar begünstigt werden.

Da lob ich mir den »Neuen Deutschen Standard« des patriotischen Rappers Chris Ares:

»An jeden scheiß Drogenrapper, der unsre Jugend vergiftet
Wir sind der Neue Deutsche Standard«!

heinrichbrueck

11. September 2020 22:54

@ Marc_Aurel

Beuteland paßt nicht zu Umvolkungsland (bzw. weiße Umvolkungsländer). Anglo-amerikanische Eliten haben überhaupt keine Chance. 

Ein gemeinsames Wissen, was den Weißen bevorsteht, welcher globalen Agenda die Völker ausgesetzt sind, fehlt. Nationale Prozesse sind nur die halbe Miete. Dieser Informationskrieg läuft global. 

Marc_Aurel

12. September 2020 09:32

@heinrichbrueck

Ich sehe da keinen Widerspruch, eher den fließenden Übergang von einer Phase zur anderen. So lange es etwas zu holen gibt wird geplündert, ganz in der Art räuberischer Seemächte, parallel dazu wird umgevolkt. Die Umvolkung geschieht entweder um verbannte Erde zu hinterlassen, nach dem Motto „wenn wir es nicht halten können, soll auch kein anderer davon profitieren können“ oder aber um die Herrschaft dauerhaft zu machen, um den Preis der Prosperität, denn einen gewissen strategischen Restwert hat der Standort allein aufgrund seiner Lage allemal.

Glauben sie das es Zufall ist, das nahezu alle wichtigen Schlüsselfiguren in Politik, bei den Medien, in der Wirtschaft und in anderen relevanten Bereichen in mindestens einer, manche gar in einem halben Dutzend transatlantischer Organisationen Mitglied sind oder das Politiker europaweit offensichtlicher einer Agenda zu folgen scheinen und das immer wieder die selben Namen und Organisationen als Finanziers auftreten, egal ob es nun um FFF, farbige Revolutionen im Osten oder die Mittelmeer und Balkanrouten geht?

tearjerker

12. September 2020 09:51

„Als Salvador Allende in seiner kurzen Amtszeit den chilenischen Arm des Telefon-Giganten SEL verstaatlichen ließ, organisierte Henry Kissinger kurzerhand den Sturz Allendes.“ (Lrz). 
Das Beste, was in Südamerika in den letzten 50 Jahren passiert ist.

Lumi

12. September 2020 13:06

Kolonialismus heute, viel eleganter:

The Spider's Web: Großbritanniens zweites Empire

https://m.youtube.com/watch?v=np_ylvc8Zj8

Haben die Kolonien den Metropolen genutzt? Natürlich haben sie das! Vielleicht nicht immer den Massen, aber um die geht es ja auch nicht. Dafür aber den Oligarchen und Plutokraten. Ausbeutung lohnt sich halt.

Der Hinweis auf die Flugzeugträger ist richtig und wichtig. Eine glaubhafte Drohung braucht man schon.

Weitere wichtige Werkzeuge (auch gegen Vasallen wie die BRD) sind politischer Mord (z.B. Herrhausen, Rohwedder, Soleimani) und Terrorismus (z.B. 3/24/15 GermanWings 9525 fr. Alpen, 10/31/15=Halloween Metrojet/Kogalymavia 9268 Sinai, 8.1.20 UIA 752 Teheran).

speedloader

12. September 2020 15:55

@beowulf:

"Der in Deutschland seit Bismarck vorherrschende konservative Wohlfahrtsstaat wurde in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich in Richtung eines liberalen Wohlfahrtsstaat umgebaut."

Jein. Wir haben sozialstaatlich eine situation divergenter entwicklungen. einerseits eine deutliche liberalisierung (stichworte rente), andererseits aber auch eine sozialdemokratisierung (stichworte kindertagesbetreuung). abseits der harten fakten sprachen in den letzten jahren - man lese die aussagen in den wahlprogrammen zur bundestagswahl 2017 nach - bestimmte politische themensetzungen (grundrente, bürgerversicherung) für eine weitere sozialdemokratisierung des deutschen sozialstaats. diese divergenten entwicklungen könnten aber auch ein beleg dafür sein, dass die althergebrachte sozialstaatstypologien (hier vor allem die bekannteste nach esping-andersen: liberal, konservativ, sozialdemokratisch) zeitgeschichtlich schlicht überholt sind.

auch die hierzulande praktizierte alimentierung der massenmigration ist unvereinbar mit dem befund einer einseitigen liberalisierung des hiesigen sozialstaats. die praxis der zahlungen (in welcher höhe auch immer) für "alle" und diverse rechtliche weichenstellungen vorab unterminierten den konservativen Grundgedanken (Höhe der Einzahlungen = zu erwartende Leitungshöhe und -dauer) und öffneten die deutschen Sozialkassen im Sinne von Universalismus und Egalitarismus.

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