1. Oktober 2019

Josef Bordat: Ewiges im Provisorium: Das Grundgesetz im Lichte des christlichen Glaubens

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Eine Rezension von Felix Dirsch

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Josef Bordat: Ewiges im Provisorium: Das Grundgesetz im Lichte des christlichen Glaubens, Rückersdorf: Lepanto Verlag 2019. 212 S., 14,80 €

Josef Bordat fügt den vielen neuen Publikationen, die anläßlich des 70. Jahrestages des Inkrafttretens des Grundgesetzes erschienen sind, eine hinzu, die aus Sicht des christlichen Glaubens verfaßt ist. Dieser Blickwinkel ist überaus legitim. 1949 war nicht nur der Einfluß der Kirchen größer als heute; vielmehr prägte das geistesgeschichtliche Erbe des Christentums das wichtigste deutsche Gesetzeswerk nachhaltig. Da die ursprünglich als Provisorium gedachte De-factoVerfassung auf Dauer gestellt ist – wir wissen es spätestens seit den bloß marginalen Verfassungsreformen in den frühen 1990er Jahren nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten – ragt der lange Schatten des kulturell-religiösen Erbes bis in die unmittelbare Gegenwart. Die nichtsdestotrotz spürbare Verweltlichung der Gesellschaft ändert an diesem Tatbestand wenig.

Bordat widmet sich in sieben fundierten Kapiteln (»Grundlage«; »Gott«; »Würde«; »Leben«; »Freiheit«; »Kirche«; »Zukunft«) der Thematik. Bereits die spezifische Fundierung der Grundrechte, die anders gefaßt sind als in der Weimarer Reichsverfassung, ist nicht ohne katholisch-naturrechtliche Einflüsse denkbar. Daß die Menschenwürde eine unveränderbar-herausragende Stellung einnimmt und nicht nur als philosophischer Lehrsatz im Sinne Kants das Grundgesetz wirkmächtig einleitet, ist nicht zuletzt der christlichen Überlieferung geschuldet, ohne die auch der Erfolg des Königsberger Aufklärers nicht möglich gewesen wäre.

Es ist erfreulich, daß der Autor keinen wertfreien Traktat vorlegt; vielmehr unterstreicht er, daß das Grundgesetz als Vereinigung wertgebundener Fundamentalnormen zu rezipieren ist, auch im Sinne des heiß umstrittenen Lebensschutzes. Die nominatio dei in der Präambel behält bis heute ihre Bedeutung, weil sie sich – direkt wie indirekt – gegen eine etwaige Verabsolutierung des Menschen richtet. Diese existenzielle Dimension des Glaubens sich zu vergegenwärtigen ist besonders in Zeiten notwendig, in denen der Glauben weithin nur noch im Sinne einer hypermoralistischen Instrumentalisierung konsensfähig ist. Auch neuere Entwicklungen werden von Bordat nicht übergangen. Wie kirchenfreundlich die Rechtsprechung der deutschen Gerichte stets war, zeigt sich bereits daran, daß der übergeordnete Europäische Gerichtshof diese Perspektive nicht teilt. Christen werden sich in Zukunft wärmer anziehen müssen – nicht nur auf der juristischen Ebene. Auch diese Weisheit kann man mitnehmen, wenn man 70 Jahre zurückblickt.

Ewiges im Provisorium von Josef Bordat kann man hier bestellen.


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