1. Oktober 2019

Antonio Malo: Mann und Frau.

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Eine Rezension von Konrad Gill

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Antonio Malo: Mann und Frau. Eine anthropologische Betrachtung zur Differenz der Geschlechter. Mit einem Geleitwort von Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Berlin: Duncker & Humblot 2018. 155 S., 49,90 €

Bei diesem Buch eines Philosophieprofessors mit Priesterweihe handelt es sich nicht um eine weitere gutgemeinte Kritik der Auswüchse der Gender-Ideologie. Hier werden keine »UnisexToiletten« bejammert, hier wird ein dickes Brett gebohrt. Ist der Mensch, ohne Mann oder Frau zu sein, überhaupt noch ganzer Mensch? Sich auf einen anderen hin zu beziehen ist für Malo ein Grund für das Mittel der Sexualität und deren Aufgabe. Dieses Sein für den anderen und auf ihn hin ist aber gerade Spezifikum und besonderer Wesensinhalt des Menschen: »Das Mehr-sich-selbst-Sein ist eine Perfektion des Personseins«.

Dadurch kommt der Sexualität in der Entfaltung der Menschennatur und der Personwerdung eine Schlüsselrolle zu. Sie ist naturnotwendig mit der Liebe verschränkt, die noch mehr ist als Zuneigung, nämlich der Wille, dem Geliebten dazu zu verhelfen, »der zu werden, der er sein soll«. So kann denn die körperliche Sexualität zwar ohne liebevolle Hingabe gedacht und praktiziert werden, sie verfehlt dadurch aber ihren Zweck und ist dem Menschen in seiner – aus christlicher Sicht – ethischen Aufwärtsgeneigtheit und Verbesserungsfähigkeit hinderlich.

Da dieser hohe geistlich-geistige Anspruch an das Liebesleben von der Wahrnehmung der meisten (um nicht zu sagen: aller außerhalb streng religiöser Gemeinschaften lebenden) Zeitgenossen weit entfernt ist, fragt Malo, wie es so weit kommen konnte. Etwa ein Drittel seines Buches wird von einer Bestandsaufnahme eingenommen: wie drang die Philosophie in die Sexualität ein, wie wurde in nur wenigen Jahrzehnten statt einer auf eheliche Zweisamkeit ausgelegten christlichen Sexualmoral eine Ideologie radikaler Selbstkonstruktion und -bestimmung zur tonangebenden Sexualauffassung in den »westlichen« Nationen? Der Autor gräbt sich relativ leichthändig (und notgedrungen verdichtet) in die feministischen Theorien und Ideologeme seit »1968« hinein. Die »emanzipatorischen« Ideen wurden von Anfang an utopisch, fernab der Wirklichkeit, erdacht und dann über die Bildungsinstitutionen in die Hirne gebracht. Weil auch für die Politik das Individuum und seine Befindlichkeiten der Maßstab wurden, mußten folgerichtigerweise aus Wünschen Rechte werden.

Malo fördert Widersprüche der »Gender«Irrlehren als eines der neuesten Tentakel der politisierten Sexualität zutage: Sind die sexuellen Präferenzen nun angeboren (und damit nicht sozial konstruierbar) oder erworben (und damit nicht Teil des eigentlichen Humanum)? Soll »Gender«-Konstruktion Identität absichern (durch Herstellung von Authentizität) oder zerstören (weil Identität der kreativen Freiheit im Weg steht)? Warum werden eindeutig männliche Sexualverhaltensformen den Feministinnen zum Vorbild? Und was macht es aus dem Menschen, wenn Männer verweiblichen und Frauen vermännlichen? Es irritiert, daß viele von Malos Argumenten für die Rechtfertigung (nur) der Ehe für jede auf Dauer angelegte monogame MannFrau-Beziehung stimmen. Da kann er möglicherweise seine Soutane gedanklich nicht ablegen. Das schmälert aber den Wert dieses überzeugenden und anregenden Buches keineswegs. Es belegt philosophisch, ohne transzendente Gebote zu bemühen: Mann-Sein oder FrauSein ist kein beliebig konstruierbares Kulturphänomen, sondern eine Verfaßtheit, ohne die der Mensch nicht Mensch sein kann.

Mann und Frau von Antonio Malo kann man hier bestellen.


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