Antonio Malo: Mann und Frau.

Eine Rezension von Konrad Gill

 Gastbeitrag

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Anto­nio Malo: Mann und Frau. Eine anthro­po­lo­gi­sche Betrach­tung zur Dif­fe­renz der Geschlech­ter. Mit einem Geleit­wort von Han­na-Bar­ba­ra Gerl-Fal­ko­vitz, Ber­lin: Duncker & Hum­blot 2018. 155 S., 49,90 €

Bei die­sem Buch eines Phi­lo­so­phie­pro­fes­sors mit Pries­ter­wei­he han­delt es sich nicht um eine wei­te­re gut­ge­mein­te Kri­tik der Aus­wüch­se der Gen­der-Ideo­lo­gie. Hier wer­den kei­ne »Unis­ex­Toi­let­ten« bejam­mert, hier wird ein dickes Brett gebohrt. Ist der Mensch, ohne Mann oder Frau zu sein, über­haupt noch gan­zer Mensch? Sich auf einen ande­ren hin zu bezie­hen ist für Malo ein Grund für das Mit­tel der Sexua­li­tät und deren Auf­ga­be. Die­ses Sein für den ande­ren und auf ihn hin ist aber gera­de Spe­zi­fi­kum und beson­de­rer Wesens­in­halt des Men­schen: »Das Mehr-sich-selbst-Sein ist eine Per­fek­ti­on des Personseins«.

Dadurch kommt der Sexua­li­tät in der Ent­fal­tung der Men­schen­na­tur und der Per­son­wer­dung eine Schlüs­sel­rol­le zu. Sie ist natur­not­wen­dig mit der Lie­be ver­schränkt, die noch mehr ist als Zunei­gung, näm­lich der Wil­le, dem Gelieb­ten dazu zu ver­hel­fen, »der zu wer­den, der er sein soll«. So kann denn die kör­per­li­che Sexua­li­tät zwar ohne lie­be­vol­le Hin­ga­be gedacht und prak­ti­ziert wer­den, sie ver­fehlt dadurch aber ihren Zweck und ist dem Men­schen in sei­ner – aus christ­li­cher Sicht – ethi­schen Auf­wärts­ge­neigt­heit und Ver­bes­se­rungs­fä­hig­keit hinderlich. 

Da die­ser hohe geist­lich-geis­ti­ge Anspruch an das Lie­bes­le­ben von der Wahr­neh­mung der meis­ten (um nicht zu sagen: aller außer­halb streng reli­giö­ser Gemein­schaf­ten leben­den) Zeit­ge­nos­sen weit ent­fernt ist, fragt Malo, wie es so weit kom­men konn­te. Etwa ein Drit­tel sei­nes Buches wird von einer Bestands­auf­nah­me ein­ge­nom­men: wie drang die Phi­lo­so­phie in die Sexua­li­tät ein, wie wur­de in nur weni­gen Jahr­zehn­ten statt einer auf ehe­li­che Zwei­sam­keit aus­ge­leg­ten christ­li­chen Sexu­al­mo­ral eine Ideo­lo­gie radi­ka­ler Selbst­kon­struk­ti­on und ‑bestim­mung zur ton­an­ge­ben­den Sexu­al­auf­fas­sung in den »west­li­chen« Natio­nen? Der Autor gräbt sich rela­tiv leicht­hän­dig (und not­ge­drun­gen ver­dich­tet) in die femi­nis­ti­schen Theo­rien und Ideo­lo­ge­me seit »1968« hin­ein. Die »eman­zi­pa­to­ri­schen« Ideen wur­den von Anfang an uto­pisch, fern­ab der Wirk­lich­keit, erdacht und dann über die Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen in die Hir­ne gebracht. Weil auch für die Poli­tik das Indi­vi­du­um und sei­ne Befind­lich­kei­ten der Maß­stab wur­den, muß­ten fol­ge­rich­ti­ger­wei­se aus Wün­schen Rech­te werden. 

Malo för­dert Wider­sprü­che der »Gender«Irrlehren als eines der neu­es­ten Ten­ta­kel der poli­ti­sier­ten Sexua­li­tät zuta­ge: Sind die sexu­el­len Prä­fe­ren­zen nun ange­bo­ren (und damit nicht sozi­al kon­stru­ier­bar) oder erwor­ben (und damit nicht Teil des eigent­li­chen Huma­num)? Soll »Gender«-Konstruktion Iden­ti­tät absi­chern (durch Her­stel­lung von Authen­ti­zi­tät) oder zer­stö­ren (weil Iden­ti­tät der krea­ti­ven Frei­heit im Weg steht)? War­um wer­den ein­deu­tig männ­li­che Sexu­al­ver­hal­tens­for­men den Femi­nis­tin­nen zum Vor­bild? Und was macht es aus dem Men­schen, wenn Män­ner ver­weib­li­chen und Frau­en ver­männ­li­chen? Es irri­tiert, daß vie­le von Malos Argu­men­ten für die Recht­fer­ti­gung (nur) der Ehe für jede auf Dau­er ange­leg­te mono­ga­me Mann­Frau-Bezie­hung stim­men. Da kann er mög­li­cher­wei­se sei­ne Sou­ta­ne gedank­lich nicht able­gen. Das schmä­lert aber den Wert die­ses über­zeu­gen­den und anre­gen­den Buches kei­nes­wegs. Es belegt phi­lo­so­phisch, ohne tran­szen­den­te Gebo­te zu bemü­hen: Mann-Sein oder Frau­Sein ist kein belie­big kon­stru­ier­ba­res Kul­tur­phä­no­men, son­dern eine Ver­faßt­heit, ohne die der Mensch nicht Mensch sein kann. 

Mann und Frau von Anto­nio Malo kann man hier bestel­len.

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