Das ökologische Minimum

PDF der Druckfassung aus Sezession 92/Oktober 2019

Ähn­lich wie die Dampf­ma­schi­ne steht die tech­no­lo­gi­sche Fort­ent­wick­lung der Eisen­ver­hüt­tung sym­bo­lisch für das expan­si­ve Indus­trie­sys­tem, das für die bür­ger­li­chen Gesell­schaf­ten West- und Mit­tel­eu­ro­pas spä­tes­tens seit dem 19. Jahr­hun­dert kon­sti­tu­ie­rend ist und mitt­ler­wei­le in sei­nen Grund­zü­gen den gesam­ten Glo­bus umspannt.

Zwi­schen den Hoch­öfen und rau­chen­den Schlö­ten brei­te­te sich bei den Zeit­ge­nos­sen eine Ima­gi­na­ti­on des ste­ti­gen Pro­gres­ses und gren­zen­lo­ser Mach­bar­keit aus, der in der sozia­len und öko­no­mi­schen Theo­rie ton­an­ge­bend wur­de. Das Him­mel­reich war nicht mehr ein­zig auf das Jen­seits begrenzt, son­dern galt nun als ein tech­no­lo­gisch und pla­ne­risch umsetz­ba­res Pro­jekt für das Dies­seits – die Uto­pie wur­de zur schi­mä­ri­schen Norm proklamiert.

Ris­se in die­ser Illu­si­on bra­chen erst in der zwei­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts auf, als sich zeig­te, daß das für end­los per­zi­pier­te »Wachs­tum« mög­li­cher­wei­se natür­li­chen Gren­zen unter­liegt und die pro­gres­si­v­e­man­zi­pa­ti­ve Ent­fes­se­lung in einen unauf­lös­ba­ren, selbst­ver­zeh­ren­den Kon­flikt mit sei­ner beleb­ten Umwelt trat. Spe­zi­ell sei­ne – von man­chen Ver­tre­tern der sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Moder­ni­sie­rungs­theo­rie nach­drück­lich gewünsch­te – Expan­si­on auf die glo­ba­le Ebe­ne ver­schärft die Kri­se zunehmend.

Dabei hat­te schon die Ver­ar­bei­tung des Eisen­er­zes vor der Nutz­bar­ma­chung der Koh­le qua ihres enor­men Holz­ver­brauchs indi­ziert, daß irgend­wo jen­seits tech­no­lo­gi­scher Knif­fe die regu­lie­ren­de, restrin­gie­ren­de Begren­zung lau­ert. Indes­sen ermög­lich­te der Schritt von der solar­ener­ge­ti­schen Res­sour­ce Holz zur fos­silener­ge­ti­schen Koh­le eine schnel­le­re und weit­rei­chen­de­re Aus­beu­tung des nicht­er­neu­er­ba­ren Roh­stoffs Eisen.

Die­se gip­fel­te in einer welt­wei­ten Eisen­pro­duk­ti­on, die den gigan­ti­sche Ver­brauch an Bestän­den durch die indus­tri­el­le Zivi­li­sa­ti­on ver­deut­licht: Erreich­te sie 1950 mit 250 Mio. Ton­nen ihren vor­läu­fi­gen Höhe­punkt, so hat sie die­se Spit­ze laut »United Sta­tes Geo­lo­gi­cal Sur­vey« im Jahr 2015 mit rund 2,3 Mrd. Ton­nen mei­len­weit übertroffen.

Ein Ende der Mate­ri­al­über­schwem­mung zeich­net sich jedoch ab: Nach aktu­el­len Pro­jek­tio­nen wird die Eisen­pro­duk­ti­on um das Jahr 2100 zum Erlie­gen kom­men. Doch es endet nicht beim Eisen – Indi­um, Gal­li­um, Alu­mi­ni­um, Kup­fer; der auto­ma­ti­sier­te, sys­te­mi­sche Levia­than frißt sich durch den Boden, wäh­rend er die Umwelt mit den Aus­schei­dun­gen sei­nes Sys­tem­stoff­wech­sels überschwemmt.

Tra­di­tio­nell war es der Kon­ser­va­tis­mus, der sich der all­um­fas­sen­den Tech­ni­sie­rung und Indus­tria­li­sie­rung unse­rer Lebens­wel­ten ent­ge­gen­stemm­te – aus­ge­präg­te Hei­mat­ver­bun­den­heit und ein umfas­sen­der Sinn für Ein­he­gung sind Allein­stel­lungs­merk­ma­le der Rech­ten, die einer öko­lo­gi­schen Grund­hal­tung zuträg­lich sind.

Der­weil läßt sich der Ver­lust eben­je­ner natur­be­zo­ge­nen Grund­hal­tung im sel­ben Maß beob­ach­ten, wie der Neo­li­be­ra­lis­mus in den bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Kon­ser­va­tis­mus ein­si­cker­te – eine Bin­dung an den ver­zeh­ren­den Levia­than führt zwangs­wei­se zum Able­gen öko­lo­gi­scher Stand­punk­te, inso­fern als sie in deut­li­cher Dis­kre­panz zu wachs­tums­fi­xier­ten Öko­no­mie­kon­zep­ten und libe­ra­len Eman­zi­pa­ti­ons­pro­gram­men stehen.

Die­se ideo­lo­gi­sche Selbst­ver­ges­sen­heit bezahl­te man mit dem nach­hal­ti­gen Abbruch öko­lo­gi­scher Tra­di­ti­ons­li­ni­en im deut­schen Kon­ser­va­tis­mus – ein Miß­stand, dem eine For­mu­lie­rung des »öko­lo­gi­schen Mini­mums« aus neu­rech­ter Sicht Abhil­fe schaf­fen soll.

1. Der ent­schei­den­de Aspekt des kon­ser­va­ti­ven öko­lo­gi­schen Mini­mums, der alle fol­gen­den Stand­punk­te bedingt und unter­füt­tert, liegt in der dezi­dier­ten Ableh­nung des expan­si­ven Indus­trie­sys­tems und damit in letz­ter Kon­se­quenz in der Zurück­wei­sung der öko­no­mi­schen und eman­zi­pa­ti­ven Ver­hei­ßun­gen des Liberalismus.

Daß eine dau­er­haf­te Stei­ge­rung der Pro­duk­ti­on und des Kon­sums zur Meh­rung des »Glücks« der Bevöl­ke­rung bei­tra­ge, ent­pupp­te sich über die letz­ten Jahr­zehn­te als fol­gen­schwe­rer Irr­glau­be. Durch Wachs­tum um jeden Preis greift das Indus­trie­sys­tem in gewal­ti­ger Art und Wei­se in sei­ne natür­lich Umwelt ein, deren Trans­for­ma­ti­on auf die Gesell­schaft als Gan­zes nega­tiv rückkoppelt.

Dabei hat die fort­schrei­ten­de Arbeits­tei­lung der libe­ra­len, bür­ger­li­chen Gesell­schaf­ten – anders als inten­diert – uns nicht »glück­li­cher« wer­den las­sen, son­dern radi­kal von uns selbst ent­frem­det. In die­sem Kon­text ist es essen­ti­ell zu erken­nen, daß das öko­no­mi­sche Sys­tem nicht als iso­lier­te Sphä­re betrach­tet wer­den kann, son­dern inter­de­pen­dent mit der sozia­len Ord­nung ver­wo­ben ist.

Aus die­sem Grund reicht es nicht, aus­schließ­lich refor­mie­ren­de Modi­fi­ka­tio­nen an der Öko­no­mie vor­zu­neh­men, viel­mehr muß das kom­plet­te pro­gres­sis­tisch-eman­zi­pa­to­ri­sche Pro­jekt – das heißt sowohl in Wirt­schaft als auch Gesell­schaft – kon­se­quent in Fra­ge gestellt und auf­ge­kün­digt werden.

Kon­ser­va­ti­ve Öko­lo­gie bedeu­tet die Mar­kie­rung der Gren­ze, die Ein­he­gung des Män­gel­we­sens »Mensch« in sei­ne Schran­ken und damit ein Ende des zügel­lo­sen Wachstums.

2. Sta­bi­le sozio­öko­no­mi­sche Ord­nun­gen stel­len sich nicht durch eine »unsicht­ba­re Hand« ein, wie es libe­ra­le Theo­rien pos­tu­lie­ren, son­dern bedür­fen der insti­tu­tio­nel­len Steue­rung. Nor­men, Ver­bo­te und Zwän­ge, die sich in sozia­len Insti­tu­tio­nen mani­fes­tie­ren, sind fun­da­men­ta­le Grund­pfei­ler gesell­schaft­li­cher Struk­tu­ren, durch wel­che das Kol­lek­ti­ve gegen­über dem Indi­vi­du­el­len sei­ne Gel­tung beansprucht.

Spe­zi­ell in Bezug auf die Öko­lo­gie kommt die soge­nann­te »Tra­gik der All­men­de« zum Tra­gen. Läßt man das Indi­vi­du­um von der Lei­ne und defi­niert kei­ne restrik­ti­ven Ver­fü­gungs­rech­te über ein kol­lek­ti­ves Gut, wird es sei­nen indi­vi­du­el­len Nut­zen ste­tig zu maxi­mie­ren suchen, wäh­rend die dar­aus resul­tie­ren­de Über­nut­zung und die Kos­ten zuvor­derst von der Gemein­schaft getra­gen wer­den müs­sen (sie­he zum Bei­spiel die Über­fi­schung der Mee­re oder die Eutro­phie­rung von Böden).

Aus der Per­spek­ti­ve des Indi­vi­du­ums spricht man in die­sem Kon­text vom »Tritt­brett­fah­ren«, also der Nut­zung eines Gemein­gu­tes ohne Betei­li­gung an den Kos­ten. Aus der Posi­ti­on der neo­klas­si­schen Öko­no­mie, die das pri­mä­re Ziel in der Befrie­di­gung der mensch­li­chen Bedürf­nis­se über einen opti­ma­len Kon­sum aus­macht und in der rei­nen Aggre­ga­ti­on der indi­vi­du­el­len Hand­lun­gen das Ein­pen­deln eines Ide­al­zu­stands ver­mu­tet, wird kein nach­hal­ti­ger Zustand ent­ste­hen, unter dem sich ein öko­lo­gi­sches Gleich­ge­wicht eta­blie­ren könnte.

Dem­zu­fol­ge ver­kör­pert die kon­ser­va­ti­ve Öko­lo­gie die Anti­the­se zum libe­ra­len »Lais­ser-fai­re« – in ihr äußert sich die Über­zeu­gung, daß es der Auto­ri­tät und Herr­schaft bedarf, um das Cha­os zu ord­nen und sta­bi­le, einer funk­tio­nie­ren­den Gemein­schaft dien­li­che Ver­hält­nis­se herzustellen.

3. Als ein­zi­ge poli­ti­sche Strö­mung der Gegen­wart, die sich den eman­zi­pa­to­ri­schen Ideo­lo­ge­men der Auf­klä­rung ver­wehrt, obliegt es dem Kon­ser­va­tis­mus, die Pha­se »nach­hal­ti­ger Ent­wick­lung« ein­zu­läu­ten, die nach dem His­to­ri­ker und Uni­ver­sal­ge­lehr­ten Rolf Peter Sie­fer­le auf ein meta­bo­li­sches Niveau füh­ren wird, das unter dem liegt, was heu­te in den Indus­trie­län­dern ver­brei­tet ist.

Sie­fer­le erach­te­te die­sen Schritt in sei­nem Werk Epo­chen­wech­sel (1993, Neu­aus­ga­be 2017) als unum­gäng­lich, da »eine Kom­bi­na­ti­on von wach­sen­der Bevöl­ke­rung, wach­sen­dem Pro­Kopf-Ver­brauch von Res­sour­cen, wach­sen­den Umwelt­schä­den und knap­per wer­den­den Roh­stof­fen und Ener­gie­trä­gern die Poten­tia­le tech­ni­scher Inno­va­tio­nen über­for­dern wird«.

Ein Aspekt die­ser Pha­se wäre eine kon­ser­va­tiv-öko­lo­gisch ori­en­tier­te Bevöl­ke­rungs­po­li­tik, die sich von der Idea­li­sie­rung einer Bevöl­ke­rungs­struk­tur in der Form eines Tan­nen­baums (vie­le Jun­ge, wenig Alte) ver­ab­schie­det. Die­se Struk­tur kenn­zeich­net prä­in­dus­tri­el­le Agrar­ge­sell­schaf­ten mit einer hohen Kin­der­sterb­lich­keit und führ­te, auf unser Gesell­schafts­sys­tem über­tra­gen, zu einer kata­stro­pha­len Bevöl­ke­rungs­ex­plo­si­on – die aktu­ell nied­ri­ge Gebur­ten­ra­te ist prin­zi­pi­ell begrü­ßens­wert, inso­fern als sie der Ver­mas­sung und damit einem wesent­li­chen Fak­tor des Sys­te­mi­schen ent­ge­gen­wirkt, der wie­der­um das libe­ra­le Pro­duk­ti­ons­re­gime stützt.

Außer­dem liegt der der­zei­ti­ge Bevöl­ke­rungs­stand von 7,7 Mrd. weit über dem, was unter Ein­hal­tung »nach­hal­ti­ger« Prin­zi­pi­en trag­bar wäre. Sowohl in Asi­en als auch in Euro­pa hat also schon ein Pro­zeß ein­ge­setzt, der die Bewäl­ti­gung der sich zuspit­zen­den Umwelt­kri­se vereinfacht.

Aber selbst wenn der bis­he­ri­ge tech­no­lo­gi­sche Stan­dard schwin­det, hat das kon­ser­va­ti­ve Anlie­gen nicht in einer Kon­stan­t­hal­tung unse­rer hohen Bevöl­ke­rungs­dich­te und der völ­li­gen Zer­sie­de­lung, son­dern in einer auf lan­gen Zeit­raum ange­leg­ten Regres­si­on auf allen Ebe­nen zu lie­gen: Schrump­fung der Indus­trie, Ein­he­gung des Kon­sums, Abnah­me der Bevöl­ke­rung etc. Es geht nicht dar­um, die Ver­nut­zungs­ma­schi­ne­rie am Lau­fen zu hal­ten, son­dern ihr suk­zes­si­ve die Ener­gie zu ent­zie­hen (sie­he 1.).

4. In Anbe­tracht die­ser Posi­tio­nie­run­gen stellt sich die Fra­ge nach der Kon­zep­ti­on des Ener­gie­sys­tems. In sei­ner aktu­el­len Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur fun­giert es als obli­ga­to­ri­sche Lebens­ader des expan­si­ven Indus­trie­sys­tems – aller auf­wen­di­gen Wen­de­ver­su­che zum Trotz ist es im Kern ein zen­tra­li­sier­tes, auf fos­si­len Res­sour­cen basie­ren­des Sys­tem geblie­ben, inso­fern als die für das Indus­trie­sys­tem unab­ding­ba­re Ver­sor­gungs­si­cher­heit respek­ti­ve die Grund­last noch immer über die alten Ener­gie­trä­ger abge­si­chert wird.

Erneu­er­ba­re Ener­gien gera­ten unter die­sen Bedin­gun­gen zu kos­me­ti­schem Stück­werk, das in sei­ner ver­bau­ten und benö­tig­ten Grö­ßen­ord­nung selbst außer­halb jeg­li­cher »nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung« liegt. Solan­ge die sozi­öko­no­mi­sche Ord­nung in ihren ent­fes­sel­ten Bah­nen ver­läuft, wird sich an die­sen Gege­ben­hei­ten wei­ter­hin nichts ändern, ist jedes gegen­läu­fi­ge Vor­ha­ben zum Schei­tern verurteilt.

Geht man jedoch zu der anbe­raum­ten und ab einem gewis­sen Zeit­punkt not­wen­di­gen Regres­si­on über, öff­net sich der Kor­ri­dor für eine Orga­ni­sa­ti­on des Ener­gie­re­gimes nach öko­lo­gi­schen Maß­stä­ben, wel­che den Fak­tor »Ver­sor­gungs­si­cher­heit« in den Hin­ter­grund tre­ten läßt. Da es uns dar­an gele­gen sein soll­te, das Sys­tem lang­sam zurück­zu­bau­en, um eine sozia­le Ver­träg­lich­keit des Pro­zes­ses zu gewähr­leis­ten, der nicht von heu­te auf mor­gen die Vor­zei­chen umstellt, emp­fiehlt es sich, das der­zei­ti­ge Kon­kur­renz­cha­os zwi­schen kon­ven­tio­nel­len und erneu­er­ba­ren Ener­gien in ein koor­di­nier­tes Misch­sys­tem aus fos­si­len und erneu­er­ba­ren Erzeu­gern zu über­füh­ren, die ergän­zen­de Funk­tio­nen übernehmen.

Wenn der all­ge­mei­ne Ener­gie­kon­sum der indus­tri­el­len Gesell­schaf­ten nach­läßt, erge­ben sich neue Ver­sor­gungs­sze­na­ri­en, die an die Pfad­ab­hän­gig­kei­ten bestehen­der Tech­no­lo­gie­struk­tu­ren nicht in der glei­chen Wei­se gebun­den sind wie der um das Über­le­ben rin­gen­de Libe­ra­lis­mus. In bezug auf das Ener­gie­sys­tem erüb­rig­te sich bei einem abneh­men­den, auf ein Mini­mum redu­zier­ten Elek­tri­zi­täts­be­darf zum Bei­spiel die Not­wen­dig­keit der Sued­link-Strom­tras­se, um den an der Küs­te erzeug­ten Wind­strom in den Süden zu trans­por­tie­ren – die Ener­gie­ver­sor­gung lie­ße sich klein­tei­li­ger respek­ti­ve regio­na­ler orga­ni­sie­ren und wäre nur noch in gerin­gem bis gar kei­nem Maße von zen­tra­li­sier­ten Groß­struk­tu­ren abhängig.

5. »Ver­or­tung« stellt einen wesent­li­chen Bau­stein einer kon­ser­va­ti­ven Öko­lo­gie dar. Zum einen berei­tet sie die Grund­sub­stanz, um eine öko­lo­gi­sche Lebens­wei­se im Ein­klang mit sei­ner Umwelt zu füh­ren, zum ande­ren ent­schei­det sie dar­über, wie stark der »öko­lo­gi­sche Fuß­ab­druck« eines Men­schen aus­fällt. Zu ers­te­rem Aspekt: Diver­gie­ren­de Regio­nal­kul­tu­ren bil­den über die Jahr­hun­der­te ein auf ihr spe­zi­fi­sches, sie umge­ben­des Öko­sys­tem angepaß­te Prak­ti­ken der Bewirtschaftung/Bejagung aus.

Dies spie­gelt sich fer­ner im loka­len Brauch­tum und Fes­ten wider. Ein tief­grei­fen­des Ver­ständ­nis für die einen umge­ben­de Flo­ra und Fau­na und die eige­ne Ein­bet­tung in der­sel­bi­gen kann nur erfol­gen, wenn man über einen län­ge­ren Zeit­raum an einer Stel­le ver­or­tet bleibt, also sich inner­halb bestimm­ter Öko­sys­te­me auf­hält. Die­se Bezie­hung ist zwei­fels­oh­ne nicht immer »har­mo­nisch«, nichts­des­to­trotz legt die Ver­wur­ze­lung an einen bestimm­ten Ort das Fun­da­ment einer »nach­hal­ti­gen« Lebensart.

Auf die Moder­ne über­tra­gen wäre ein sol­che öko­lo­gi­sche Kul­tur­ei­gen­art der aus­ge­präg­te Hang der Deut­schen zur Müll­tren­nung und das all­ge­mein eta­blier­te Ver­ständ­nis dafür, daß für den eige­nen Kon­sum ein hoher Preis ent­rich­tet wer­den muß – also eine kon­sum­fer­ne, post-mate­ria­lis­ti­sche Grund­hal­tung. Der zwei­te Aspekt ist dem­ge­gen­über rela­tiv selbst­er­klä­rend: Unter­schied­li­che Kul­tu­ren üben eine unter­schied­li­che Belas­tung auf das loka­le bis über­re­gio­na­le Öko­sys­tem aus.

Ange­sichts der bei­den expli­zier­ten Aspek­te wird evi­dent, war­um die Mas­sen­mi­gra­ti­on in die­sem Zusam­men­hang ein schwer­wie­gen­der Nega­tiv­fak­tor ist: Einer­seits fehlt den Migran­ten jeg­li­cher Bezug zur regio­na­len Umwelt, ande­rer­seits wird ihr »Fuß­ab­druck« qua Orts­wech­sel außer­or­dent­lich ange­ho­ben, inso­fern als ihr Res­sour­cen­ver­brauch in einer euro­päi­schen Indus­trie­na­ti­on um etli­ches höher liegt als in ihren Herkunftsstaaten.

In die­sem Zusam­men­hang kommt erschwe­rend hin­zu, daß die Migran­ten vor allem an einer mate­ri­el­len Auf­wer­tung ihres Lebens­stan­dards inter­es­siert sind – der »Reich­tum« der libe­ra­len Gesell­schaf­ten hat sie ange­lockt, sie wer­den sich des­we­gen kaum in Ent­hal­tung üben. Bei einer ein­dring­li­che­ren Betrach­tung des Fak­tors »Ver­or­tung« wird das dar­in ent­hal­te­ne Ele­ment der Ungleich­heit unter öko­lo­gi­schen Gesichts­punk­ten offensichtlich.

Kon­ser­va­ti­ve Öko­lo­gie bedeu­tet Wahr­neh­mung von Ungleich­hei­ten als öko­lo­gi­sche Ein­fluß­grö­ßen und dar­an ange­glie­dert die Erkennt­nis, daß nur aus Ste­tig­keit öko­lo­gi­sche Ver­ant­wor­tung erwächst.


Die hier dar­ge­leg­ten fünf Aspek­te einer kon­ser­va­ti­ven Öko­lo­gie sind als kon­struk­ti­ver, zukunfts­ori­en­tier­ter Ansatz für eine Wie­der­auf­nah­me der ver­lo­ren­ge­gan­gen öko­lo­gi­schen Tra­di­ti­on der Rech­ten zu ver­ste­hen. In ihnen kom­men die wesent­li­chen kon­ser­va­ti­ven Grund­prin­zi­pi­en zum Aus­druck, die das tra­gen­de Gerüst einer neu­en Öko­lo­gie von rechts dar­stel­len. Zugleich beinhal­ten sie die dezi­dier­te Abgren­zung zum poli­ti­schen Geg­ner und zei­gen sei­ne ideo­lo­gisch beding­te öko­lo­gi­sche Impo­tenz auf, die ihn zum Schei­tern verurteilen.

Bis Ende der 1970er Jah­re lag die Öko­lo­gie fest in rech­ter Hand – Ernst Rudorffs Begriffs­prä­gung des »Hei­mat­schut­zes« im Jahr 1897, Paul Schult­ze-Naum­burgs Kul­tur­ar­bei­ten (1900), Fried­rich Georg Jün­gers Per­fek­ti­on der Tech­nik (1946) und die letz­te laut­star­ke öko­lo­gi­sche Wort­mel­dung von rechts durch Her­bert Gruhls Ein Pla­net wird geplün­dert: Die Schre­ckens­bi­lanz unse­rer Poli­tik (1975) legen Zeug­nis über die aus­ge­präg­te kon­ser­va­ti­ve Denk­tra­di­ti­on zu öko­lo­gi­schen Fra­gen ab.

Doch in einem Moment der Unacht­sam­keit, der gepaart mit poli­ti­scher Bedeu­tungs­lo­sig­keit und welt­an­schau­li­cher Zer­streu­ung an nach­hal­len­der Wucht gewann, ging unser urei­ge­nes The­ma ver­lo­ren. Der­weil liegt der drän­gends­te Hand­lungs­be­darf, um die Rück­ge­win­nung einer kon­ser­va­ti­ven Öko­lo­gie in Gang zu set­zen, in der Besei­ti­gung der Zer­streu­ung und dem­zu­fol­ge im Able­gen neo­li­be­ra­ler, öko­no­mi­scher Verirrungen.

Um eine bekann­te Sen­tenz in den öko­lo­gi­schen Kon­text ein­zu­pas­sen: Unser Ziel ist nicht die Auf­recht­erhal­tung des Pro­zes­ses aus­ufern­der Ver­nut­zung, son­dern sein Abbruch, um der Moder­ne den Boden unter den Füßen wegzuziehen.

Den Kon­ser­va­ti­ven soll­te bewußt wer­den, daß auch für die Umwelt Armin Moh­lers Schre­ckens­pro­gno­se der Wahl in bezug auf Libe­ra­lis­mus und Sozia­lis­mus zwi­schen »Mafia oder Gulag« aus­ge­spro­che­ne Gül­tig­keit zukommt.

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