Egon Flaig: Was nottut. Plädoyer für einen aufgeklärten Konservatismus

Eine Rezension von Erik Lommatzsch

 Gastbeitrag

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Egon Flaig: Was not­tut. Plä­doy­er für einen auf­ge­klär­ten Kon­ser­va­tis­mus, Lüding­hau­sen / Ber­lin: Manu­scrip­tum 2019. 173 S., 19.90 €

Poin­tier­te Lehr­sät­ze fin­den sich in Egon Flai­gs Plä­doy­er für einen auf­ge­klär­ten Kon­ser­va­tis­mus in gro­ßer Zahl. Neh­men wir die­sen: »Denn Wor­te sind Fens­ter­schei­ben des Intel­lekts; wenn sie ver­schmut­zen, wird es dun­kel im Hau­se des Geis­tes«, oder die­sen: »Nach dem Gemein­wohl zu fra­gen heißt, den Begriff des Bür­gers zu prü­fen«. The­sen­ar­ti­ge Zuspit­zun­gen bil­den Eck­punk­te in zwölf, auch ein­zeln les­ba­ren Essays.

Auf­ge­zeigt wer­den fata­le Ent­wick­lun­gen vor allem der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit, ver­bun­den mit dem Auf­ruf zum Ein­halt. Flai­gs Ide­al ist die säku­la­re Repu­blik. Demo­kra­tie, Iden­ti­tät, Gemein­sinn, Staats­volk, Bür­ger, Frei­heit, Wahr­heit, Öffent­lich­keit, Wer­te, Abgren­zung oder kul­tu­rel­les Erbe sind zen­tra­le Begrif­fe, um die sei­ne ein­zel­nen Abhand­lun­gen immer wie­der krei­sen. Grund­sätz­li­ches steht neben aktu­el­len Bezü­gen. Flaig unter­streicht die Not­wen­dig­keit von Opfer­be­reit­schaft als Vor­aus­set­zung für Demo­kra­tien. Das – unsäg­li­che – Kunst­werk »Der Bevöl­ke­rung« am Sitz des Bun­des­ta­ges dient ihm als illus­tra­ti­ver Hin­ter­grund, um auf den fun­da­men­ta­len Unter­schied zwi­schen Bevöl­ke­rung und Staats­volk hin­zu­wei­sen. Bei allem Scha­den, den die »Kri­ti­sche Theo­rie« in punc­to Demo­kra­tie ange­rich­tet hat, weist er dar­auf hin, daß selbst Jür­gen Haber­mas schrieb, poli­ti­sche Inte­gra­ti­on schlie­ße »fun­da­men­ta­lis­ti­sche Ein­wan­derer­kul­tu­ren« aus.
Alles Exis­tie­ren­de habe Gren­zen, die »glo­ba­lis­ti­sche Ideo­lo­gie« wir­ke staatz­er­stö­re­risch, was auch offen kom­mu­ni­ziert wer­de, etwa wenn ein ehe­ma­li­ger EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent aus­führ­te, man sol­le »den ein­zel­nen Natio­nal­staa­ten die Ein­wan­de­rungs­po­li­tik aus den Hän­den neh­men«, ein Höhe­punkt in die­ser Hin­sicht war dann der »UN-Migra­ti­ons­pakt« vom Dezem­ber 2018. Hart ins Gericht geht Flaig mit der Aus­sa­ge des Regie­rungs­prä­si­den­ten Wal­ter Lüb­cke, der 2015 Kri­ti­kern der Grenz­öff­nungs­po­li­tik beschie­den hat­te, sie könn­ten ja das Land ver­las­sen, wenn sie nicht ein­ver­stan­den sei­en. Die »öffent­li­che Mei­nung« sei heu­te mit­nich­ten die Mei­nung der Mehr­heit. Die Mas­sen­me­di­en sei­en gera­de­zu zum »Wider­sa­cher der Mei­nungs­frei­heit« geworden. 

Mehr­fach wird Han­nah Arendt zitiert: »Vom Stand­punkt der Poli­tik gese­hen ist die Wahr­heit des­po­tisch.« So lan­ge es Kul­tu­ren gebe, so Flaig, gebe es kul­tu­rel­le Unver­ein­bar­kei­ten, Feind­schaft sei eine fun­da­men­ta­le Tat­sa­che des Poli­ti­schen. Beklagt wird die beherr­schen­de »gut­mensch­li­che Leit­mo­ral«, nicht sel­ten mit Ten­denz zum Fana­tis­mus, ver­bun­den mit der mora­li­schen Dis­qua­li­fi­zie­rung von Gegen­ar­gu­men­ten. Her­mann Lüb­be habe dar­auf hin­ge­wie­sen, dass in tota­li­tä­ren Sys­te­men mora­li­sie­ren­de Argu­men­te eine »ungleich grö­ße­re Rol­le« spiel­ten als in libe­ra­len. Daß sich die Geis­tes­wis­sen­schaf­ten bereit­wil­lig in den Dienst der Poli­tik neh­men las­sen, wird an Bei­spie­len wie der Reso­lu­ti­on des deut­schen His­to­ri­ker­ver­ban­des von 2018 gezeigt. Dort heißt es unter ande­rem, Migra­ti­on sei eine his­to­ri­sche Kon­stan­te, die die betei­lig­ten Gesell­schaf­ten ins­ge­samt berei­chert habe. 

Den zwölf Essays vor­an­ge­stellt ist ein Mani­fest. In zwei­und­drei­ßig Posi­tio­nen wird auf­ge­lis­tet, was es hei­ße, »heu­te« kon­ser­va­tiv zu sein. Bei eini­gen der Stich­wor­te, etwa Eli­te, Frei­heit und Gerech­tig­keit ent­steht der Ein­druck, Flaig ver­su­che den Kon­ser­va­tis­mus von »Vor­ur­teils­bal­last« zu befrei­en und ihn ein Stück weit in die »Mit­te« zu schie­ben – was im Licht der nach­fol­gen­den Aus­füh­run­gen unnö­tig scheint.

Was not­tut. Plä­doy­er für einen auf­ge­klär­ten Kon­ser­va­tis­mus von Egon Flaig kann man hier bestel­len.

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