30. Juni 2020

Verhaltenslehren

Götz Kubitschek / 40 Kommentare

Seit ich die Bilder knieender Polizisten, Politiker, Fußballspieler und Passanten gesehen habe, weiß ich: Gegen diese Wucht ist kein Kraut gewachsen.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Vom Tod des kriminellen, schwarzen "sanften Riesen" George Floyd bis zum Beugeritual im Mittelkreis der großen Stadien dauerte es nur ein paar Flügelschläge lang, und niemand von "uns", wirklich niemand, konnte etwas gegen diese schnell abbindende Betonschicht machen, die (wie so viele Schichten zuvor) jede Differenzierung versiegelte und (wie so oft schon) die Bodenplatte für kleine Verhöre bildet:

Bist Du für oder gegen Rassismus? Bist Du Dir schon im Klaren darüber, daß Du als Nutznießer weißer Privilegien strukturell rassistisch bist? Begreifst Du die Geschichte endlich als Abfolge rassistischer, ausbeuterischer, weißer Übergriffigkeit und  Weltprägung?

Man kann solche Fragen und vor allem die Form der Fragestellung zurückweisen. Aber fast jeder akzeptiert sie, läßt sie sich stellen, läßt sich stellen. Unter unseren Autoren ist jedenfalls ein ernsthafter Streit darüber ausgebrochen, wie wir uns vor dem Hintergrund der jüngeren Ereignisse verhalten sollten. Es gibt drei Positionen:

1. Aufgreifen, kommentieren, wachrütteln, zu Protokoll geben: Mit jedem Artikel, jedem tweet, jedem youtube-Kommentar fiele es, so die Argumentation, neuen Lesern und Hörern wie Schuppen von den Augen, welcher Irrsinn uns hier als Realität verkauft werden soll. Vor der Entwicklung also warnen: Es gehe um die "Verteidigung des Eigenen", und wer den Angriff auf dieses "Eigene" nicht sehen wolle, sei als politischer Publizist nicht mehr ernst zu nehmen. Publizieren heißt, sich den Fragen zu stellen.

2. Wahrnehmen im Sinne eines "Sich-nicht-Verhaltens": Das ist die Weigerung, sich in jeden vor uns aufgebauten Gegensatz stellen zu lassen - und zu unterliegen. Stephan Siber hat das unter dem Titel "Unterlegenheit und Widerstand" in der Juni-Sezession mit seinem ersten Absatz aufgerissen:

Der Mensch, der sich in einer Situation gezwungen sieht, Widerstand zu leisten, ist jenen Kräften, die sich ihm in den Weg stellen, zunächst immer unterlegen. Unterlegenheit ist die Ausgangssituation des Widerstandskämpfers – Widerstand setzt Unterlegenheit voraus. Oder anders gesagt: Derjenige, der in die Lage gerät, Widerstand leisten zu müssen, ist zunächst gar nicht in der Lage, Widerstand zu leisten, und er ist es um so weniger, je mehr er sich durch seinen erzwungenen Aufenthalt im Zentrum der Zirkumvallation – auch den ringsum aufgestellten Truppenkranz einer Umschanzung nennt man »Corona« –, aus der es kein Entkommen zu geben scheint, dazu aufgerufen fühlt.

Siber kommt im Verlauf seines Nachdenkens natürlich nicht zu dem Schluß, daß wir das, was uns zusetzt, einfach an uns vorbeiplätschern lassen sollten. Aber er rät davon ab, in aller Öffentlichkeit die Hände zu ringen und dabei doch absehbar immer wieder den Kürzeren zu ziehen. Er rät eher dazu, das Mögliche zu tun, um dem Notwendigen und in der jetzigen Lage Unmöglichen ein Fundament zu bauen.

Über dieses "Mögliche" ist zu reden. Ich empfehle Sibers Text jedenfalls dringend der Lektüre, (Heft 96 ist hier erhältlich).

3. Ganz neu ansetzen: in die Sicherheit des Schweigens wechseln. Was das heißt, will ich nicht ausführen. Ich empfehle aber - wiederum aus Sezession 96 - den Beitrag "In Zeiten der Ermüdung" von Adolph Przybyszewski. Er deutet dieses Neu-Ansetzen an, weil er zu dem Schluß kommt, daß innersystemischer Widerstand, also Alternative gemäß den Spielregeln des Systems, immer systemstabilisierend wirkt.

Man wird über kurz oder lang eingebaut - sogar als willkommener Vorwand für diejenigen, die gerade gewinnen, aber jenen berühmten Anteil an noch nicht Belehrten und Umgedrehten brauchen, von denen Ernst Jünger in seinem Waldgang gleich zu Beginn spricht: Wo noch nicht hundert Prozent auf der Seite des "Guten" stehen, darf "das Gute" in seinen Anstrengungen nicht nachlassen und muß den Dreck aus der letzten Ritze fegen. Das geht mittlerweile sogar dann, wenn sich diese letzten paar Prozent nicht mehr nachweisen lassen.

Erik Lehnert berichtete in unserem Podcast ("Am Rande der Gesellschaft", hier hören) von einer Komission zum Rassismus-Problem in Thüringen, der er als Sachverständiger für die AfD-Fraktion beiwohnen mußte. Es sei, so Lehnert, für die linksgrünen Initiatoren der Komission kaum möglich gewesen, eine in irgendeiner Form relevante Zahl rassistisch Diskriminierter in Thüringen ausfindig zu machen. Selbst die befragten Leute von der Front - Polizisten, Erzieher, Lehrer usf. - hätten nur mit den Schultern zucken und nicht von Fällen berichten können.

Diese Bestandsaufnahme führte indes nicht zu Erleichterung, sondern zu einer Nachbesserung der Empörung: Denen, die da nichts zu berichten hatten, wurde flugs "struktureller Rassismus" vorgeworfen - eine Form der Blindheit für den längst zur zweiten Haut gewordenen Rassismus also.

Solchen Argumentationen ausgesetzt zu sein und weder von der CDU noch von den Liberalen in Schutz genommen zu werden, weil es der Alternative in die Hände spielen könnte, kennzeichnet unsere Lage. Sie ist übertragbar auf ungezählte andere Felder und belegt, daß wir uns gründlich geirrt haben:

Der übermächtige politisch-mediale Komplex formt sich aus uns seine Gegner wie aus einem Fertigteig. Weil der Bedarf an Nazis in diesem Land ungebrochen ist, sollen auch wir welche sein. Naiv war und ist die Annahme, daß diese Zuschreibung sich nicht halten lasse: daß sie einem erklecklichen Anteil des "politischen Feuilletons" zu billig, zu sehr an den Haaren herbeigezogen sein würde.

Naiv war also die Annahme, daß es die klügeren unserer Gegner beleidigen würde, sich von medialen und parlamentarischen Straßenkämpfern vorschreiben zu lassen, wer als Verfassungsfeind oder eindimensionaler Kopf zu brandmarken und auszugrenzen sei. Wir lebten in der falschen Hoffnung, daß der Mechanismus der unstatthaften Denunziation den Denunzianten selbst "zur Kenntlichkeit entstellen" würde und daß wir selbst im Umkehrschluß als diejenigen gelten könnten, mit deren Thesen, Analysen und Vorschlägen man die gängige Wirklichkeitswahrnehmung wenigstens korrigieren und ergänzen sollte.

Wir waren außerdem - und das ist wohl der schmerzhafteste Punkt - überzeugt davon, daß Distanzierung und Verleumdung im eigenen Lager angesichts des gemeinsamen, übermächtigen Gegners nicht zum Tragen kommen würden. Ich schrieb über die Gefahr der "Selbstverharmlosung" als dem bequemeren Weg des zu frühen Ausgleichs mit dem Establishment sogar einen warnenden Text. Nie zuvor und seither ist eine Vokabel gründlicher mißverstanden worden und selten lag ich mit einer Prognose näher an dem, was eintrat:

Die Selbstverharmlosung aus Angst vor dem echt politischen Gegensatz ist in Teilen der AfD und unseres publizistischen Milieus so weit gediehen, daß sie im Ergebnis zu Denkblockaden, Selbstzensur, Scheren im Kopf und planloser Distanzierung geführt hat. Nichts ist lähmender für das Denken als geistige Parteidisziplin, und die Umformung eines vor sechs, sieben Jahren mit dem Schwung eines Rammbocks aufgebrochenen Projekts in einen fröhlichen Türklopfer ist ein Lehrstück.

Erik Lehnert hat diese Ernüchterung mit der ernüchternden Formulierung auf den Punkt gebracht, wir alle hätten doch wider besseren Wissens gehofft und uns beteiligt. Und Benedikt Kaiser weist, mit Alain de Benoist an seiner Seite, mit wachsendem Recht darauf hin, daß nun eben der Mangel an rechter Theoriearbeit schwer ins Gewicht falle: Selbst in wesentlichen Debatten werde kein Standpunkt bezogen, sondern in der Hoffnung argumentiert, das Gegenüber verstünde und begrüße die Harmlosigkeitssignale oder vielmehr: das große, hastige, hilflose Durcheinander in weltanschaulichen Fragen, dieses kindische Chaos im Kopf.

Aber nein. Der Gegner begrüßt nur eines: daß es ihm gelungen ist, eine kurze Phase der Verunsicherung (2015 bis 2018) hinter sich zu wissen und nun wieder mit unterkomplexen Behauptungen und Parolen sicher auf der Seite des Guten stehen zu können. Das bißchen WerteUnion schreckt ihn nicht. Es klopft müde an der Tür. Er kann öffnen, wann er es für richtig hält, oder um Hilfe rufen, wenn ihm "der Nazi vor der Tür" besser in den Kram paßt.

Und wir? Wir sollten uns viel zu schade sein, um vor solchen Türen herumstehen - vor allem ohne Rammbock. Dies aus zwei Gründen: Zum einen ist dieses Herumstehen entwürdigend, denn man zeigt dabei doch, daß man auf Türöffner angewiesen sei. zum zweiten sollten wir die Zeit nutzen und nichts tun, was nicht geboten ist. Die nächste Unsicherheit derer, die sich allzu sicher sind, kommt, das steht außer Frage. Und dann müssen wir etwas aus der Schublade holen können.

Ab und an wird uns ja unangemessene Ratlosigkeit vorgeworfen. Ich habe den Eindruck, manche verwechseln Rat mit steilen Aktionen. Wir sollten nicht so tun, als strotzten wir derzeit vor Kraft. Mein Rat: Ich plädiere derzeit vehement für eine Mischung aus 2. und 3., siehe oben, und in Kurzfassung: Arbeit am Möglichen in der Sicherheit des Schweigens, oder - wie es Przybyszewski im Juni-Heft ausdrückte: "In Zeiten der Ermüdung müssen wir einkehren und über einen neuen Anlauf nachdenken - aus den Häusern der Seßhaften heraus."

Daß wir darüber die Arbeiten des Publizierens und Verlegens nicht liegenlassen (was könnten wir besser!), muß ich nicht extra erwähnen. Bloß: Wir lassen uns die Themen nicht aufzwingen. Aber das freilich müssen manche von uns erst wieder lernen.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.


Kommentare (40)

Laurenz

30. Juni 2020 10:40

Frage mich beim Lesen von Ihren Artikeln jedesmal, wer Ihnen das kurze, prägnante Schreiben beigebracht hat?

Mir gefiel die Gelassenheit HBs neulich sehr gut. Und HB kann Gelassenheit in meinen Augen deswegen, weil Er es in der Zone lernte. Ich würde die Situation als nicht so desperat ansehen. Daß die AfD gekauft würde, war doch klar, auch wenn dies etwas langsamer geschieht als bei den Grünen in den 90ern. Der Unterschied jetzt, zur Vor-AfD-Zeit ist, daß die echten Patrioten dieses Landes sich nun kennen, zumindest besser vernetzt sind als zuvor. Das ist eine andere Qualität. Wenn wir zurück blicken, eskalierten die Deutschen selten. Sie eskalierten 1931 erst, als das halbe Volk unter Hunger litt, ebenso 1918. Das Problem des konservativen Patrioten ist sein Herz fürs Vaterland, das hindert ihn & macht ihn unfrei, politisch destruktiv, wie die Kommunisten, zu agieren. Und ohne Eskalation wird es keine Veränderung geben, da bitte ich einfach um HBs Geduld. Im Augenblick der Eskalation, sollten es weder die Kommunisten, noch womögliche Nationalsozialisten (die es aktuell auch gar nicht in nennenswerter Anzahl gibt) sein, die als Sieger aus der Eskalation hervorgehen. Wir müssen in diesem Augenblick das Gewußt-wie aus dem Hut zaubern & wenn es erst in 50 Jahren ist.

Maiordomus

30. Juni 2020 11:19

@Laurenz. Was ist eigentlich HB? Verstehe diesen Geheimcode nicht.

Kommentar Sommerfeld: Bin zwar nicht Laurenz, und auch nicht HB, aber es bedeutet "Heino Bosselmann".

Franz Bettinger

30. Juni 2020 11:41

Den linken Antirassismus-Spuk muss man beharrlich als das bezeichnen, was er ist: Feigheit, Dummheit, Anbiederung und Wahn. Eine andere Haltung kann es gar nicht geben. Keinen Fußbreit dem linken Blöken! Das sind wir denen schuldig, die nicht mitblöken, den vielen normal Gebliebenen. Ja, die gibt es, und es ist die Mehrheit. Auch wenn sie kein Gehör findet in den Propaganda-Trompeten der Lügenpresse. Lasst euch nicht verunsichern. Wäre ja noch schöner!  

Heino Bosselmann

30. Juni 2020 11:45

Widerstand, wo er als notwendig und rettend erkannt wird, ist Pflicht.
Handelt man wirksam dort, wo man handeln kann, braucht es keine operettenhaft große Geste, wie sie Attentäter eignet, die narzißtischen Motiven folgen.
Adolph Przybyszewski ruft Robert Michels „ehernes Gesetz der Oligarchie“ auf, demzufolge eine „bürokratisch verfaßte Massenorganisation“ sogar den Gegner so in ihr System einspinnt, daß er es mit konstituiert und stärkt.
Stattdessen rät Przybyszewski mit Blick auf Sorokins „Telluria“ einen totalen Waldgang an:
„Will man aber ernsthaft ‚metapolitisch‘ (…) nachdenken, läßt man besser alle Hoffnung fahren, sonst betrügt man sich und die Seinen selbst.“ Diese Einstellung wird dann mit Jünger nachgerüstet, der gegenüber von Salomon beschreibt, wie er vom „erhöhten Standort“ zuschaut, wie sich die Wanzen gegenseitig auffressen.
Nachvollziehbar. Intellektuell gut handhabbarer Quasibuddhismus. Allerdings hat man diese Möglichkeit immer, und man mag das als Sezessionist mit Przybyszewski als „angemessen und legitim“ ansehen. – Nur muß man auf der luxuriösen hohen Warte dann wissen, daß man den anderen das Feld überläßt – und kapituliert. Jede Stimme, die dann schweigt, um sich im Abseits zu besinnen, fehlt dem notwendigen intellektuellen Immunsystem, das Gesellschaften in sich doch stets ausformen. Wir werden also den Kopf weiter hinzuhalten haben. Mutvoll, nicht heroisch.

Thomas70

30. Juni 2020 13:01

Eine wichtige Position möchte ich anfügen: Zustimmung und Überspitzung.

Habe ich selber mal gemacht - funktionierte super. Ist m. E. das einzig wirksame Gegenmittel, wenn der Wahnsinn grassiert. Bei uns in Leipzig sollen z. B. Gedenktafeln / Denkmäler für Opfer rechter Gewalt - seit 1990 - errichtet werden. Der AfD-Stadtrat hat sich natürlich dagegen ausgesprochen - patsch, in die Falle gelaufen. Genau das wollen die ja.

Warum nicht zustimmen: Ja super Idee. Bitte aus Bronze, in Lebensgrösse und Vollguss.

Aber dann wollen wir auch genau dieselben Denkmäler für die Opfer anderer Gewalt (linker, migrantischer... etc.) haben.

Effekt dieser Strategie: Man bleibt charmant - und die anderen müssen sich was Neues einfallen lassen.

Laurenz

30. Juni 2020 13:17

@Franz Bettinger

Wäre ja schon mal froh, die selten dämliche Linke (die Pseudo-Liberalen dürfen sich gerne dazu gesellen) würde sich mal ihrer eigenen Termini einig werden. Einerseits sind Rassen, Ethnien, Kulturen etc. ein Konstrukt der Reaktionären, gemeint sind mit letzterem wir & es existieren gar keine Germanen oder Deutsche, weder als Rasse, noch als Kultur, aber andererseits wird großzügig & freigiebig mit den Begriffen Rassismus, Anti-Semitismus, weißer Dominanz etc. hausieren gegangen, Begrifflichkeiten, wenn man ihnen denn sachlich auf den Grund geht, natürlich die Existenz von Rassen, Ethnien & Kulturen voraussetzen. Das müßte auch selbst einem Linken in einem ganzen Leben doch mal auffallen, oder übersehe ich da etwas? Oder unterscheidet der Linke sogar zwischen Kulturen, Rassen/Ethnien? Nur die einen dürfen sowas besitzen & die anderen nicht? Die Linken & die Liberalen haben einfach mal sowas von fertig & sind geistig nicht mal mehr der Schatten ihres einstigen selbst, wenn es das jemals gab. Und ich freue mich jedesmal über das links-linke gebescht-werden jener, die als Alt-Linke im Geiste immer noch ein Palästinensertuch tragen, wie zB die Corbyns & ihre Zöglinge. Immer feste druff....

Hartwig aus LG8

30. Juni 2020 13:28

"Stehst du noch oder kniest du schon?"

Auch ein Ikea-Slogan kann noch zu etwas taugen. Ich plädiere für mehr Humor oder Sarkasmus. Vor Jahren begann @Raskolnikow einen seiner seltenen Beiträge damit, dass er uns allen mitteilte, er sei jetzt ein Nazi. Und ein Freund von mir entwirft kleine Bildchen: Ein etwa 10 jähriger Junge in der Pose eines Musterschülers; nett lächelnd, adrett gekämmt und gekleidet, aufrecht an einem Schreibpult sitzend - und über ihn in der Schönschrift der 3.Klasse (also die Schreibschrift in einem einzigen Zug) steht: "Mich nennen sie Nazi"   -  und der Punkt auf dem Nazi-i ist ein kleines stilisiertes Herzchen. 

Bernd Zeller (zellerzeitung.de) ist ebenfalls ein Meister der Verballhornung des Irrsinns. Jedenfalls scheint mir die "ernsthafte Auseinandersetzung" oder das "Argumentieren" nur noch in den seltensten Fällen angemessen.

MARCEL

30. Juni 2020 13:30

Man fühlt sich an den Königspsalm 101 erinnert "Ich lebe in der Stille meines Hauses...", der auch auf dem Grabstein Helmuth James von Moltkes zitiert wird.

Fürwahr, das Spiel zu durchschauen ist Voraussetzung es auch eines Tages zu gewinnen. Die "gute Miene zum bösen Spiel" gehört jedenfalls nicht hierzu. Was aber hierzu gehört: Sich auch selbst zu durchschauen, in den Fallen, in die man getappt ist und die der Gegenspieler versteckt hat.

Nath

30. Juni 2020 13:34

TEIL 1

Das Hauptproblem der Rechten ist ihr "Anti-Progressismus". Allein durch das "Anti-" ist sie schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt, egal in welchem historischen Gewand sie auftritt. Selbst die Religionen – in ihrem doktrinären Geltungsanspruch fragwürdig genug – ergänzen ihr rückwärtiges durch ein vor-wärtiges „Einstmals“. Der Rechte aber kann weder diesseitige noch jenseitige frohe Hoffnung vermitteln. In sloterdijkschem Duktus könnte man beinahe sagen, die Rechte sei prinzipiell für existenziell schlechte Laune zuständig. Die fortschrittlichen Gutmenschen erweisen sind immer wieder als falsch und gemein, ja, aber daraus folgt noch nicht die Wahrheit des eigenen "Ideals". 

 

quarz

30. Juni 2020 13:38

Man muss wohl unterscheiden zwischen dem Verhalten gegenüber dem Kollektiv und dem Verhalten gegenüber dem Individuum. Das Kollektiv verfügt über die Macht, Mittel und Büttel, Widerstand bereits im Vorfeld zu neutralisieren, sodass es dann gar keine Rolle mehr spielt, mit welcher Überzeugungskraft er sich in Szene gesetzt hätte, wenn ihm denn der Durchmarsch bis zur Bühne gelungen wäre. Ganz anders verhält es sich mit dem einzelnen Eloi, dem sehr wohl und sehr effektiv begegnet werden kann.

Der gemeine Hashdepp gelangt ja zu seiner Meinung nicht durch räsonieren, sondern durch resonieren. In seinem akustisch vorteilhaft beschaffenen Halsfortsatz tönt wieder, was die Tonangeber vorblöken und die Herde im Cantus firmus repetiert. Entsprechend hilflos ist er, wenn er gelegentlich isoliert vom Herdenverband als Einzelner auf Widerrede trifft und an ihn der Anspruch herangetragen wird, sich argumentativ zu rechtfertigen.

Da muss dann unsereiner gar kein begnadeter Rhetor sein um zu reüssieren, denn mit dieser klaren Faktenlage im Rücken gilt hier ausnahmsweise die sonst allzu optimistische Faust-Regel: „Es trägt Verstand und rechter Sinn mit wenig Kunst sich selber vor“.

Pit

30. Juni 2020 13:56

Gegen Zensur: eine Liste öffentlich führen, was alles verboten ist zu sagen; was de facto zensiert wird durch Sanktionierung
Sammlungsbewegung aller, die an bürgerlicher Freiheit interessiert sind. Ich sehe da viel im Corona-Bereich, Bodo Schiffmann beeindruckt mich. Diese Freiheiten ultimativ einfordern.

Denn mit Redefreiheit fängt alles an. Ist ja bekanntlich militärische Strategie, die Kommunikation des Gegners zu stören: ohne Kommunikation kein organisiertes Handeln.

Mir ist bis heute unklar, inwieweit "rechts" eigentlich Freiheit bejaht. Mir scheint, "rechts" wird wahrgenommen als autoritär. Würde jemand, der für Bürgerliche Freiheit ist, meinen, daß "rechts" ein Verbündeter sein könnte? Ist "rechts" ein Verbündeter für Bürgerliche Freiheit? Wie glaubwürdig ist ein Eintreten von "rechts" für Redefreiheit? Es ist mir bis heute nicht klar. Falls es denn so wäre, so gäbe es m.E. Möglichkeiten für größere Sammlungsbewegungen für Bürgerliche Freiheit. Daß es solche Koalitionen für Bürgerliche Freiheit nicht gibt, liegt m.E. an der Unklarheit der Position von "rechts" gegenüber "Freiheit".

Der_Juergen

30. Juni 2020 14:08

Ich hätte ein Konzept, wie die patriotische Rechte in der gegenwärtigen Situation handeln könnte.

Mit dem primitiven Corona-Schwindel riskiert das System sehr viel. Das Experiment verläuft gegenwärtig ziemlich, aber nicht vollständig erfolgreich. Es gibt einfach zu viele, die schon Bescheid wissen, zumal man Informationen heute spielend leicht im Netz findet und bereits wissenschaftlich einwandfreie Bücher wie das von Sukharit Bakhti die offiziellen Lügen widerlegen. Auf dieser Front sollte man jetzt angreifen und auch mit Leuten zusammenarbeiten, mit denen man sonst weltanschaulich wenig am Hut hat. Der kritische Punkt dürfte bereits nächstes Jahr erreicht sein, weil der Betrug dann nicht mehr zu vertuschen sein wird. Ja, es gibt einen sehr hohen Prozentsatz an Unbelehrbaren, denen Totschlagvokabeln wie "Verschwörungstheoretiker" jede Lust am Denken austreiben, aber die Mehrheit wird rationalen Argumenten in dieser Frage schon noch zugänglich sein, wenn sie die nötigen Informationen erhält. Begreift der Durchschnittsbürger erst, dass das ganze System mit seiner ganzen Presse in einer so entscheidenden Frage unisono log und lügt, wird er sehr viel eher bereit sein, auch andere gigantische Lügen wie die vom "Rassismus" und vom "menschengemachten Klimawandel" zu hinterfragen. Dann reift rasch eine Umbruchstimmung heran. Der Feind schuf sich eine Achillesferse. Jagen wir einen Pfeil hinein!

GuntherManz

30. Juni 2020 14:26

Hartwig aus LG8

"Stehst du noch oder kniest du schon?"

"Auch ein Ikea-Slogan kann noch zu etwas taugen. Ich plädiere für mehr Humor oder Sarkasmus."

 

Das finde ich auch.

Für die BT Wahl möchte ich mir einige Schlder basteln und diese an vielbenutzten Stellen anbringen. Das kann dann im Stil von "die Partei" sein. Kurz, prägnant, schräg. Wenn man bestimmte Inhalte der Lächerlichkeit  preisgibt, ist das auch eine gute Reaktion. Warum nicht von diesen Demagogen  lernen, ohne ihre Begriffe zu benutzen.

 

 

Pferdefuss

30. Juni 2020 14:32

Was mich am Anfang der Begegnung mit Götz Kubitscheks mündlichen und schriftlichen Worten vor Jahren in den Bann gezogen hat, macht sich in bedrängenden, dringlichen und schütteren Zeiten wieder bemerkbar: Eindringlichkeit und Unterschütterlichkeit bei geradezu männlicher Sachbezogenheit.

Kein Aufgeben, sondern die Aufgabe der 'gesetzten' Worte gleich gesetzten Schritten des Vorankommens. Wohin? '...nach Hause' (Novalis) 

Sein  'Waldgang' kein Gang in der Idylle, am Kahlschlag vorbei, an wundersam überlebten uralten Bäumen mit Kronen, die das Wort 'Krone' verdienen, rasten  und im Heimgang frischen jungen Schonungen zuzwinkern: 'Wird schon! Es bedarf nur eines einigermaßen kundigen Försters, der weiß, daß Bäume nicht in den Himmel, aber gen Himmel wachsen und Generationen benötigen,  um erwachsen und schön zu werden. 

Apostat

30. Juni 2020 14:35

Meine Bitte an alle Rechtsintellektuelle:

Schaffen sie  ein zeitgemäßes, positives Framing konservativer Werte, welches auch den Unentschlossenen, aber vor allem die Jugend erreicht.

 

 

Nath

30. Juni 2020 14:52

 TEIL 2 (Bezogen auf Teil 1)

Hingegen ergibt sich eine ganz andere Perspektive, wenn man das "rechte" Zurückwollen zu einer wie auch immer angesetzten Ur-Ordnung ontologisch fasst, als indirekten Hinweis auf die Bezogenheit der Zukunft auf das Gewesene ( n i c h t das Vergangene). Aber dann steht nicht mehr das Seiende in seiner Geordnetheit, woran "die Rechte" ja festhält, sondern Sein als Zeitigung, als Zeit-Spiel-Raum selbst im Fokus. Dann erweist sich das progressive ebenso wie das konservative "Projekt" als gewogen und zu leicht befunden, als von der nihilistischen Frage "Wozu-das-alles-überhaupt" in die Ratlosigkeit getrieben. Der Nihilismus und das in ihm sich zeigende Nichts ist nichts "Negatives", vor allem nichts bloß "Menschliches", vielmehr bekundet sich in ihm das uns aufbehaltene, aller Stütze unbedürftige Ereignis selbst, dessen Verweigerung ihm wesensmäßig zugehört. Hegel konnte sagen: "Das Absolute w i l l bei uns sein." Mit dem Sein steht es anders. 

 

ALD

30. Juni 2020 15:45

1)

Die absolute Mehrheit der Deutschen will weder gewalttätige Ausländer beherbergen, noch, daß Deutschland ein islamisches Land wird, und sie will schon gar nicht zur Minderheit im eigenen Land werden.

Was die absolute Mehrheit allerdings auch nicht will, ist, fremde Volks- und Religionsgruppen als Feinde zu betrachten, die es zu bekämpfen gilt. Zu verwoben ist man auch mit Menschen aus fernen Ländern. Zu viele positive Erfahrungen hat man gemacht mit Maghrebinern und Anatolen, Afrikanern und Levantinern, als daß man auch nur im Entferntesten an Massendeportationen oder Zwangsrücksiedlungen denken könnte. Jede unlautere Pauschalisierung,  jede Verächtlichmachung seitens rechter Populisten führt prompt zu einem Abwehrreflex bei der absoluten Mehrheit. Die Differenzierung, die gegenüber Fremden vorgenommen wird, fällt für die rechten Volksgenossen dann weg. Der Deutsche ist streng. Besonders zu sich selbst.  Die Pöbler und Hetzer, die Islamhasser und Widerlinge dominieren  so die Wahrnehmung. Sie ziehen das ganze Lager in den Dreck. Die intellektuelle Rechte wird machtlos.

ALD

30. Juni 2020 15:45

2)

Obwohl genau in diesem Widerspruch doch der goldene Schlüssel für die Rechte liegt. Sie müsste globaler denken als die Globalisten. Sie müsste ausländerfreundlicher sein als die Multikulturalisten. Sie sollte verständnisvoll sein, nie überheblich, volksnah sein ohne pöbelhaft zu werden. Stets kampfbereit (im Geistigen versteht sich) sein, aber nie hetzerisch. Stärke und Attraktivität ausstrahlen eine klare Haltung und unverrückbare Prinzipien. Der Welt zugewandt, das Eigene fest umarmend.

Bis es soweit ist (falls überhaupt noch möglich) - Rückzug.

Niekisch

30. Juni 2020 16:29

"Unter unseren Autoren ist jedenfalls ein ernsthafter Streit darüber ausgebrochen, wie wir uns vor dem Hintergrund der jüngeren Ereignisse verhalten sollten."

Bitte den Streit schnell beilegen! Die Abiturienten 2020 der Käthe Kollwitz- Gesamtschule in Recklinghausen legen Euch das dringend nahe: Sümeyra Ahci, Anil Akar, Enes Yusuf Akbulut, Numan Akkaya, Yousef Al-Hussein, Noura Al-Tayar, Melisa Albas, Erkan Enes Albay, Ata Aydogan, Resul Bal, Mareile Beer, Merve-Nur Catal, Ajla Catic, Caner Celik, Ceylan Gürkan, Kerim Cinar. 

II folgt

Niekisch

30. Juni 2020 16:37

II.: Emre Can Demirsoy, Fatie Durmaz, Rabia Ermagan, Faruk Etyemez, Niklas Geldermann, Sevde Gemici, Eren Günes, Emre Icer, Yunus Icer, Ilhan Ipek, Mina Johar, Hasan Katirci, Lucas Kelle, Rangina Khalili, Tugberk Kirmizi, Ali Kobaissi, Emre Köse, Furkan Köylüoglu, Tuba Kurt, Feyza Kusakziz, Urban Toni Ngoreroh, Laura Paschenda, Amira Rassalan, Karzan Remi, Sevban Sagbilge, Melina Schalkowski, Merve Nezihe Cencilikarslan. 

III folgt.

Niekisch

30. Juni 2020 16:41

III.: Julia Strom, Juliana Sunjic, Habibe Tetik, Olivia- Patricia Thomys, Sedanur Tönen, Burak Türgoklu, Burcu Türkmen, Lilay Uzun, Miguel Valido Martin, Emir Vehabovic, Martin Wende, Ilayda Yavuz, Emin Yavuz, Merve Yilmaz, Annalena Zorle. 

"..über einen neuen Anlauf nachdenken - aus den Häusern der Seßhaften heraus." Nachdenken ja, aber aus welchen Häusern noch?

RMH

30. Juni 2020 17:03

"Ich will lieber stehend sterben, als kniend leben"

sangen die Onkelz - und auch die haben diese Zeile nicht erfunden. (Btw: Für mich persönlich eines der besten Lieder dieser Band überhaupt).

heinrichbrueck

30. Juni 2020 17:03

@ Franz Bettinger / Der_Juergen

Problem: Wenn Linke und Rechte sich im System kloppen, gewinnt das System in beiden Fällen. Das alte System ist erledigt.

@ ALD

Der BRD-Deutsche bewertet falsch. Er bewertet nicht das Kollektiv, stattdessen das genehme Individuum. Bewertung der guten Eigenschaften. Ergebnis: Ersetzung des Eigenen.

Minderheitenschutz für Weiße wird es nicht geben. Reservate auch nicht.

Maiordomus

30. Juni 2020 17:22

@Nath. Generationenlang war "schlechte Laune" noch Spezialität der Linken, während bei Konservativen Pessimismus durchaus mit Humor verbundenwerden konnte. Hier müsste man wohl über die Bücher gehen.

Volksdeutscher

30. Juni 2020 18:03

"Mit Lachen zerreißt man." (F. Nietzsche)

Warum wird in den Parlamenten nicht kämpferisch hart, um mit Nietzsche zu sprechen, mit einer fröhlichen Bosheit argumentiert, d.h. mit polemischen Unterstellungen und Anschuldigungen, die die politischen Gegner und Feinde nicht nur in Erklärungsnöte stürzt, sondern sie auch zum Schweigen bringt? Was ist denn beredter als schweigen, wo man antworten müßte? Daß die Liberalen in der AfD für die konfrontative Auseinandersetzung ungeeignet sind, haben sie schon oft bewiesen. Aber auf dem konservativen Flügel wünschte man sich mehr Entschlossenheit zur verbalen Härte in den Auseinandersetzungen. Bitte mehr Hohn, mehr Ironie, mehr Zynismus!

Wo sind die emotionalen Appelle von AfD-Politikern an das deutsche Volk? Wo sind die flammenden Reden der in Liebe zu ihrem Volk entbrannten Rednern? Wo ist der feierlich schöne, erhabene Pathos, der die Zuhörer erschaudern läßt und ihre Kehle verschnürt? Wo sind die Lobeshymnen, in denen die Größe und Schönheit der deutschen Nation besungen werden? Wo sind die Liebshymnen, in denen die Erhabenheit und Schicksalshaftigkeit der deutschen an die Nation bei öffentlichen Reden gerühmt werden? Wo sind die Beschwörungsformeln des Aushaltens, des Durchhaltens, des Nichtverzagens und der Zusammengehörigkeit, die wieder und wieder und immer wieder erklingen?

Phil

30. Juni 2020 18:13

Ich finde alle drei Varianten legitim.

Widerspruch (1) dient dabei der Erbauung (und Aufklärung) Gleichgesinnter. Es wäre ja naiv anzunehmen, man könne wachrütteln.

Volksdeutscher

30. Juni 2020 18:42

"Seit ich die Bilder knieender Polizisten, Politiker, Fußballspieler und Passanten gesehen habe, weiß ich: Gegen diese Wucht ist kein Kraut gewachsen."

Vielleicht sollte man gar nicht gegen diese Wucht wachsen. Vielleicht reichte es, an ihr vorbei seinen Weg zu suchen, an ihr einfach vorbeizuwachsen. Und links liegen zu lassen.

Laurenz

30. Juni 2020 18:57

@ALD

Nicht wirklich, ALD, die Mehrheit von der Sie schreiben mag sich das einbilden. Aber im Grunde führt diese Mehrheit ein Leben von Lohn-Sklaven-Haltern. Ist doch klasse, wenn Reinigungskräfte, Gemüsehändler, Gesundheitswesen, Klamotten, Schuhe, Elektronik usw. & sofort, so billig sind. Wenn wir gemäß Trump alles wieder selbst produzieren müßten, fände dieses virtuelle Sklavenhalter-Paradies sein Ende. 

Bei den Umfragen sind immer alle bereit, mehr zu bezahlen, soll der Mindestlohn erhöht werden. Aber das sieht jeder nur andere Bezahler betreffend. Sobald es den eigenen Geldbeutel angeht, hat jegliche Großzügigkeit ausgedient.

Die Artikulation dessen, das Aussprechen dieser Fakten ist deswegen so schwierig, weil die halbe AfD, die liberalen Weichspüler, ebenso dieses importierte Sklavenhalter-Dasein genießt.

Karl

30. Juni 2020 20:12

@ Apostat:..." Schaffen sie  ein zeitgemäßes, positives Framing konservativer Werte ..."

Norbert Borrmann hat hierfür eine gute Vorlage geschaffen: "Warum Rechts?" ReginVerlag, Kiel 2011. Leider findet diese Streitschrift keinen Eingang in die gegenwärtige Debatte. Er räumt darin mit Vorurteilen gegenüber rechtem Denken auf, indem er Links und Rechts in zwölf Punkten vergleicht: so z.B. der Unterpunkt VII: Linke "Toleranz" und rechte Freiheit.

Karl

30. Juni 2020 20:13

Dies auch als Antwort auf  @ Pit "Mir ist bis heute unklar, inwieweit "rechts" eigentlich Freiheit bejaht."

Norbert Borrmann schreibt zum Thema "Freiheit":

"Wie aber definiert die Rechte den Begriff "Freiheit"? Rechte Freiheit heißt Freiheit von Dogmen, Freiheit von lebensfernen linken Heilssystemen, Freiheit, ... des Geistes, der Forschung, Freiheit, die Welt zu sehen, wie sie ist, und nicht so sehen zu müssen, wie sie sich linke Apostel erträumen, wie sie aber niemals sein wird. Die Freiheit zur Wahrheit ist Kernpunkt  rechten Freiheitsbemühens, denn ohne Wahrheit gibt es keine wirkliche Freiheit. Die Welt der politischen Korrektheit, in der wir genötigt werden zu leben, ist aber eine Welt der Lüge und Heuchelei. Rechte Freiheit dient der Wahrheit und damit den Gesetzen des Lebens und keiner "frohen Botschaft"." (S.107f.)

In diesem engagierten Duktus ist das ganze Buch geschrieben. Für mich eine Offenbarung beim ersten Lesen, mitreißend und überzeugend. Eine überarbeitete, vielleicht erweiterte Auflage wäre zu empfehlen.

Hartwig aus LG8

30. Juni 2020 20:25

@ GunterManz

Tja, die Schilder, die man irgendwo hinhängt ... sind meistens nach 'nem halben Tag weg.

Dem Alter des Bekenntnis-TShirts bin ich längst entwachsen. Dennoch darf auch das eigene Erscheinen etwas mitteilen, ohne das man dabei plakativ oder lächerlich wirkt (was unbedingt zu vermeiden ist ... ) .  Die Gürtelschnalle mit einem dezenten Eisernen Kreuz ist bei mir allerdings fast obligatorisch. Als Sonnenschutz beim Wandern sollte man auf das omnipräsente amerikanische Basecap verzichten und auf die leichte Version der M43  zurückgreifen. Und wenn es casual sein soll, so die Farben schwarz-weiss-rot bevorzugen; z.B. bei bolf.de findet man nach einigem Suchen dezent gehaltene Kleidungsstücke.

Man sollte durchaus auch optisch ein paar Kontrapunkte setzen, insbesondere dann, wenn das Debattieren sinnlos ist. Und wenn Sie in einer so sehr polarisierten Stadt wie ich leben sollten, dann ist s-w-r oder die M43 oft schon eine handfeste nonverbale Provokation - gänzlich ohne Thor Steinar etc.

Alfran

30. Juni 2020 21:00

Die narrative Durchschlagskraft medialer Kampagnen wird überschätzt. Die einseitige Propaganda der Akteuere wird auch zunehmend von den einfachen Bürgern und jungen Leuten kritisch hinterfragt - von den Intellektuellen und Politikern freilich nicht; die wähnen sich im Endkampf gegen das Böse. Nie war es so einfach, Menschen ohne ideologische Verhärtung durch ein paar Fakten oder Fragen ins Grübeln zu bringen. Auf der anderen Seite vermögen diese primitiven, von Hass triefenden Aktionen und Statements nur noch wenig neue Menschen von Grund auf zu überzeugen. Das Ganze wird in ein paar Monaten, wenn der wirtschaftliche Niedergang richtig spürbar ist, vollends vergessen sein - genauso, wie durch Corona die Klimhysterie zum Erliegen kam. Die grosse Masse der Menschen orientiert sich langfristig an der faktischen Realität vor ihrer Haustür und nicht an irgendwelchen Märchenstunden der Medien - das gilt besonders in Zeiten der Krise. 

nom de guerre

30. Juni 2020 21:21

Dass man gegen diesen Irrsinn argumentieren kann, glaube ich auch nicht. Eben weil es Irrsinn ist, auf keiner rationalen Basis beruht.

Was das Aufrütteln derer angeht, die an dem Irrsinn nicht beteiligt sind, die, und das ist verbreitet, denken, es gehe um friedliche Proteste gegen eine tatsächliche Benachteiligung Schwarzer, würde ich die Chancen aber nicht ganz schlecht einschätzen. Was wäre z.B., wenn man die Antirassismus-Aktivisten einmal ungefiltert, unverfälscht und mit Bild zu Wort kommen ließe, dem deutschen Normalpublikum (also nicht dem Zeitleser, der es sich schon zurechtbiegen würde) etwa Zitate dieser Professorin aus Cambridge zugänglich machte, die kürzlich sinngemäß „white lives don‘t matter“, „abolish whiteness“ getwittert hat? Ich denke, die deutsche Öffentlichkeit fände das durchaus erschreckend (dass diese noch nicht völlig abgestumpft und nicht bereit ist, „white lives matter“ an sich rassistisch zu finden, sieht wohl auch das ZDF, s. den „Übersetzungsfehler“ bei dem Banner in England). Nach so einer Kampagne könnte zumindest niemand mehr behaupten, man habe von nichts gewusst. Ob sich das praktisch umsetzen ließe, steht natürlich auf einem anderen Blatt (Plakate würden abgerissen, Anzeigen gar nicht erst geschaltet, all das wissen Sie besser als ich).

ff

nom de guerre

30. Juni 2020 21:23

Fortsetzung:

Aus Beobachtungen auch in meinem eigenen Umfeld schließe ich i.Ü., dass ein wesentlich größeres Unzufriedenheitspotenzial als noch vor zwei Jahren existiert (v.a. in Bezug auf Corona, aber auch die Party- und Eventszene), plötzlich sagen Leute, es könne „doch so nicht weitergehen“, die vor nicht langer Zeit im Großen und Ganzen alles in Ordnung fanden bzw. denen jetzt langsam dämmert, dass sie von dem, was nicht in Ordnung ist, selber betroffen sind.

Karl

30. Juni 2020 21:38

 @ Pit "Mir ist bis heute unklar, inwieweit "rechts" eigentlich Freiheit bejaht."

Norbert Borrmann („Warum Rechts?" Regin Verlag, Kiel 2011) scheibt weiter zum Begriff „Freiheit“:

Teil 1

„Freiheit bedeutet auch, unserem innersten Wesen, unserer Natur gemäß leben zu können. Wir können nicht frei sein, wenn wir in einer Umwelt leben müssen, die uns verbiegt, weil sie uns keine Heimat mehr sein kann. …

Kein Mensch kann frei sein und seiner Natur gemäß leben, wenn ein Zwang zur Gleichheit besteht. Gleichheit als Dogma bedeutet die Zwangsherrschaft eines einebnenden Willens. …

Allein durch ihr Rechtssein verkörpert die Rechte in der Welt politischer Zwangskorrektheit das Fanal zur Freiheit. …

Die allgemeine Ruhigstellung des als „mündigen Bürger“ angesprochenen Untertanen erfolgt …über eine Form von Freiheitsgewährung, die schlichten Naturen schon immer als die große Freiheit erschien: Das Gewähren von Vulgärfreiheiten, die Verkündung von panem et circenses … die Installierung des Unterleibsliberalismus. …

Karl

30. Juni 2020 21:39

Teil 2

„Der Unterleibsliberalismus narkotisiert nicht nur den Geist, sondern lässt sich auch noch gut vermarkten. Die Einheit von Linkssein und Kapitalismus – der Linkskapitalismus –ist auch hier Markenzeichen bis heute. Das kommunistische Manifest erfuhr seine Ergänzung durch das „konsumistische Manifest“.

Linke „Toleranz“ ist Zwang, linke Freiheit ist unästhetisch. Der Rechte verachtet diese Form der Freiheit. Seine Freiheit ist nicht die des Konsums, der Geschmacklosigkeit, des Herabziehens, der Formauflösung, der Unterwerfung unter die Mächte der Gegenwart. Es ist die Freiheit des Geistes und die Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit.“ (S.108-110)

limes

30. Juni 2020 21:42

Mein Alltagshorizont in der südwestdeutschen Provinz vermittelt den Eindruck, dass es tatsächlich sehr viele »normal Gebliebene« gibt, wie Franz Bettinger sie nennt. Die hiesigen haben allerdings überwiegend noch gar nicht begriffen, wie unnormal die Umstände geworden sind.

Gewiss liegt dieses - Wahlen entscheidende - Missverständnis an (nur noch scheinbar vertrauten) Autoritäten und Medien, die es listenreich pflegen. Der plakativen Wahlaussage einer »Volkspartei« merkt man nicht an, welche politischen Hintertürchen das ausführliche Wahlprogramm eröffnet und was dies für unsere Lebensumstände – für Frieden, Freiheit, Sicherheit, Rechtsstaat und Wohlstand - bedeutet. Nicht umsonst werden politische Aussagen in »leichter Sprache« immer beliebter.

Eine Chance sehe ich unter diesen Umständen darin, dass als »Nebenwirkung« des vergleichsweise breiten Widerstandes gegen Corona-Maßnahmen das umfassende Tabu politischer Gespräche bröckelt, das um die »Flüchtlingspolitik« aufgebaut wurde, vorbereitet durch die Dämonisierung von PEGIDA. Und das Vertrauen der übertölpelten »normal Gebliebenen« bröckelt mit jedem Ereignis, das – wie in Stuttgart – Risse in der politischen und publizistischen Fassade erkennen lässt.

Simplicius Teutsch

30. Juni 2020 22:01

Die 4. Position. (- Leider keine Aufmunterung, die wir ja so nötig hätten.)

Jedenfalls außerhalb von sezession gibt es eine vierte deutsche Position, die gerade unter gebildeten, erfolgreichen, attraktiven, fleißigen, berufstätigen Frauen weithin eingenommen wird, aber auch von den Männern: Politisch resignieren und familiär kapitulieren.

Ansonsten gut leben, gut und viel arbeiten, politisch unauffällig, gut feiern, gut essen, ständig in alle Länder reisen, gut sporteln, guten Sex – und vor 38 keine Kinder! - Danach klappt es mit dem Nachwuchs ohnehin nicht mehr.

Die Substanz, die die verantwortungsvollen Eltern für die Zukunft dieser Kinder zur Verfügung gestellt, vermittelt und aufgebaut haben, z.B. die gute Bildung, Disziplin oder eine kleine Eigentumswohnung als Geschenk zum Studienbeginn, werden dankbar angenommen, aber es gibt keine identitäre und biologische Zukunft über diese Generation hinaus. Es sind End-Verbraucher.

DrW

30. Juni 2020 22:25

Das sind die relevanten Fragestellungen, anderer Rat :

1.) gelegentlich reagieren und Falschdarstellungen / Vorhalte zurückweisen, egal wie diffamierend sie sind, egal wie bewusst diese Darstellungen / Vorhalte vorgetragen werden

2.) sich Themen nicht vorgeben lassen, insofern (1) nur gelegentlich durchführen

--
Zurzeit scheint sich der Wahn in liberalen Demokratien besonders aktiv zu verbreiten bzw. wird der Wahn verbreitet und seine Verbreitung gesteuert.
Wenn das so weiter geht, wird es bald ganz mau aussehen...

Götz Kubitschek

30. Juni 2020 22:46

feierabend. danke.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.