28. Juni 2020

Sonntagsheld (151) – Flieger, grüß’ mir den Moloch

Till-Lucas Wessels / 7 Kommentare

“Apologise...to absolutely fucking nobody!”

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

Wissen Sie, werte Leser, manchmal bin ich es ein wenig Leid, jede Woche so lange in der großen Müllkippe des Internets zu wühlen, bis ich jemanden mit genügend Rückgrat finde, um ihn hier in meiner sonntäglichen Kolumne coram publico mit einer guten Din-A4-Seite zu bedenken.

Vor ein paar Tagen gab es da zum Beispiel einen Polizisten irgendwo in den Vereinigten Staaten, der, als seine Kollegen vor den kreischenden Demonstranten in die Knie gingen, einfach stehen blieb. Der Artikel war in meinem Kopf schon fast fertig - wie ein Fels in der Brandung usw. usf. - aber plötzlich verspürte ich einen inneren Unwillen und ich brach das Schreiben ab.

Sicher, es gehört eine große Portion Mumm dazu, sich dem Mob nicht zu beugen – in derselben Woche wurden in anderen Städten Polizisten erschossen. Der Beamte blieb stehen, obwohl ihn selbst seine Kollegen mehrfach aufforderten, um des lieben Friedens Willen das Knie zu beugen. Andererseits: Das ist doch auch etwas, was man von einem Polizisten erwarten muß. Als Teil der Exekutive verkörpert er das Rückgrat des Staates; er ist (um mit Jack Donovan zu sprechen) derjenige, der mit seinem Handeln den Wechselkurs für jenen “Goldstandard Gewalt” bestimmt, der nötig ist, um das Chaos in Form zu bringen.

Ich habe mich also dagegen entschlossen, diesem unbekannten Polizeibeamten hier mein bescheidenes Publizisten-Denkmal zu setzen. In einer anderen Zeit wäre das sicher eine gute Geschichte gewesen – vor der heiligen Unruhe, die sich nun durch die Metropolen des Westens zieht, muß dieser eine Standhafte verblassen hinter der Selbsterniedrigung seiner Kollegen.

Es sind andere Typen, die mir Hoffnung machen. Männer, für die Geradlinigkeit eben keine Berufsentscheidung war, sondern die für sich beschließen, daß es nun genug ist. Männer also, die etwas zu verlieren haben und die trotzdem – ohne äußere Not – Wider-Stand leisten. Am 22. Juni, kurz vor Beginn der Partie, hörten die Spieler der Fußballclubs FC Burnley und FC Manchester City das Brummen eines einmotorigen Flugzeugs, das direkt über das Spielfeld flog.

Am Heck der Maschine war ein langes Werbebanner befestigt, auf dem in großen roten Buchstaben zu lesen war: “WHITE LIVES MATTER BURNLEY”. Eine denkbar simple Parole, die jedoch weltweite Aufmerksamkeit erregte und den Verantwortlichen Jake Hepple in Rekordzeit seinen Job kostete. Auch seine Frau wurde gefeuert, nachdem sie sich geweigert hatte, im Nachgang der Aktion an einem antirassistischen Sensibilisierungskurs teilzunehmen.

Was mich an der Aktion berührte, das war nicht nur die Tatsache daß sie auf der ganzen Welt entlarvende Reaktionen hervorrief: Über den ganzen Globus verteilt schrieben Zeitungen von der "rassistischen Parole 'White Lives Matter'", das ZDF übersetzte das Banner sogar bewußt falsch mit “Nur weiße Leben zählen” - eine so offensichtliche Lüge, daß sie die Redaktion im Nachhinein korrigieren mußte.

Nein, mich begeisterte vor allem das instinktive Selbstbewußtsein, mit welchem Hepple und seine Freunde, die die Aktion organisiert hatten, den Erniedrigungstiraden der britischen Premier League und auch der nachfolgenden Repression begegneten. Hepple hatte das Video auf seinem eigenen Facebook-Konto veröffentlicht, kurze Zeit später schrieb er folgendes:

"'I’d like to take this time to apologise… to absolutely fucking nobody!' It's now apparently racist to say white lives matter (the day after 3 white people got murdered in a park in Reading, but all we've seen on the tele is black lives matter after George Floyd got murdered) what a mad world we live in"

Wir sehen: Nicht die abwägenden Kampagnen der Parteien, oder die selbstzufriedenen Analysen der Theoretiker sind es, an denen die Wellen der Zerstörung gebrochen werden können. Übrigens auch nicht die gewitzten “All Lives Matter”-Sprüche, mit denen man den politischen Gegner zu überlisten gedenkt und sich gleichzeitig jenen Menschenrechtsuniversalismus zu Eigen macht, welcher der Fragilität des Westens zugrundeliegt. Es sind diese intuitiven Immunreaktionen, an denen sich die Resilienz der europäischen Gesellschaften messen lassen muß.

Hepple und seine Jungs haben es begriffen: Wir müssen uns bei niemandem entschuldigen. Und denjenigen, die neben uns in die Knie fallen, müssen wir so begegnen, wie Männer der Schwäche in den eigenen Reihen seit Urzeiten begegnet sind: Mit Hohn, Spott und Verachtung.


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.


Kommentare (7)

Franz Bettinger

28. Juni 2020 14:06

Herr Wessels, wenn Sie keinen Sonntagshelden finden, dann lassen's Sie ihn halt mal weg. Aber die beiden von heute, die haben es wirklich verdient, herausgestellt zu werden. Hut ab! 

Laurenz

28. Juni 2020 14:41

Herr Wessels, Ihr Unmut ist nachvollziehbar.

Aber was wollen Sie von den Sklaven des Fußballs oder sonstiger Sportarten auch erwarten? Gladiatoren waren selten Freie.

Und bei der Polizei, dem Büttel der Herrschenden, sieht es nicht besser aus. Alte Bürgerrechtlerinnen abführen oder Alten Männern während der Demo Gewalt antun, das ist kein Problem. Aber sich in Stuttgart von Primaten durch die Straßen jagen lassen, da hält man lieber mit der "Party" still. Wie viel Angst um seine Beamten-Pension kann oder darf man haben? Ein Polizei-Präsident mit Rückgrat hätte beim Widerstand gegen die Staatsgewalt diesen Ausmaßes in Hamburg oder Stuttgart den Schießbefehl gegeben. Das will zwar im Grunde niemand, aber ihn nicht zu geben, bedeutet eine zunehmende Ohnmacht. Polizisten knien vollkommen zu Recht, denn diese Berufsbezeichnung hat keine Gültigkeit mehr. Wer kniet, ist eine Person, der kein Respekt gebührt. Man kann vielleicht vor Gott knien, aber doch nicht vor Menschen oder Tieren.

Ein gebuertiger Hesse

28. Juni 2020 14:42

Großartiger Eintrag, was den Helden selbst wie was das kreative Ungenügen Wessels angeht, dem eine Gestalt im Sinne Ray Bradburys zunächst einmal "brennen" muß, da erst dann - und vielleicht nur dann - der kostbare nötige Funke überspringen kann. Hoffen wir, daß er es tut. Auch der stolze Brite hat um diese wichtige "acuteness" in seinem Handeln gewußt. 

RMH

28. Juni 2020 14:44

In diesem Zusammenhang ist es ausdrücklich auch zu begrüßen, wenn endlich auch all die, die genug Geld haben, um sich eine eigene Meinung "leisten zu können", auch einmal den Mund aufmachen. Ja, sie sind im Gegenzug zu all den weißen Lohnsklaven mit sozialer Fallhöhe im schmerzhaften Umfang im ganz besonderen Maße aufgerufen, sich ihre Meinung etwas wert sein zu lassen.

In diesem Sinne, Grüße an Bernie Ecclestone.

I do believe ...

 

Niedersachse

28. Juni 2020 20:00

Duftende Blumen in Feldern voll Scheisse...mir fällt bei den oben genannten Beispielen die Textzeile einer bekannten Band ein. Ein Held ist wahrlich, wer in dieser aufgeheizten, emotionalisierten und verdummten westlichen Welt ein kühles "NEIN da mache ich nicht mit" entgegensetzt und - und im wahrsten Sinne des Wortes- Flagge zeigt. Hut ab!

LotNemez

29. Juni 2020 03:30

'I’d like to take this time to apologise… to absolutely fucking nobody!' 
 

Ein wichtiges Zitat. Vielen Dank. Wir sollten uns daraufhin prüfen, ob wir diese vorbildliche Haltung genug beherzigen. Man rutscht allzu leicht ins Herumdrucksen.

Phil

30. Juni 2020 17:36

Den Namen Jake Hepple habe ich mir gemerkt, an solchen Leuten kann man sich orientieren.

 

Und hier die Sonntagsheldin :)

https://mobile.twitter.com/dineshdsouza/status/1277386272512901120

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