Wenn Dietmar Dath wählen geht

Lenins Lieblingsbeschäftigung.Dietmar Dath ist Kommunist und geht wählen. Jedenfalls behauptet er das in einem aktuellen Interview mit der Welt. Dath sagt zwar nicht ausdrücklich, daß er Kommunist ist, aber er widerspricht der Anrede als "Marxist-Leninist" nicht. Und in der Anrede liegt schon die erste Fragwürdigkeit, über die man heute kaum noch stolpert.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

“Mar­xist-Leni­nist” ist hier nicht vor­wurfs­voll, nach dem Mot­to: “Was sagen Sie als Anhän­ger einer men­schen­ver­ach­ten­den Ideo­lo­gie und eines Mas­sen­mör­ders dazu”, gemeint, son­dern so, als ob das eben eine Welt­an­schau­ung wäre, die sich im FDGO-Rah­men bewegt. Ent­lar­vend ist, daß der “Mar­xist-Leni­nist” bekennt, die Links­par­tei und damit die lin­ke Spie­ßer­trup­pe schlecht­hin zu wählen.

Ich wür­de es mir ja noch gefal­len las­sen, wenn Dath die MLPD oder DKP (gibts die noch?) oder son­stei­ne “mar­xis­tisch-leni­nis­ti­sche” Split­ter­par­tei wäh­len wür­de. Aber Dath ist als “Mar­xist-Leni­nist” prag­ma­ti­scher Sozi­al­ro­man­ti­ker und als Intel­lek­tu­el­ler blickt mit Abscheu auf den Wahl­kampf, bei dem nicht das Popu­lä­re das Pro­blem sei:

Das wirk­lich Popu­lä­re ist ja viel weni­ger dumm als der lang­wei­li­ge Kleis­ter, den sich ein paar BWL-Dep­pen, Wahl­kampf­blog­ger und Absol­ven­ten von Medi­en­aka­de­mien oder Jour­na­lis­ten­schu­len aus­den­ken. Der gan­ze Wahl­kampf­dreck stammt von Idio­ten mit Abitur. Dage­gen ist jeder Por­no-Rap­per aus dem Plat­ten­bau­vier­tel Shakespeare.

Das ist natür­lich wahn­sin­nig pro­vo­ka­tiv und auch lus­tig, weil sich Dath weni­ge Zei­len spä­ter sowohl als gesell­schafts- als auch demo­kra­tiegläu­big outet:

Ich glau­be an Reprä­sen­ta­ti­on, selbst­ver­ständ­lich, Gesell­schaft heißt ja, dass nicht immer alle gleich­zei­tig reden kön­nen, son­dern Sachen dele­giert wer­den müs­sen. Bloß wür­de ich ger­ne sel­ber mit­re­den, an wen ich was dele­gie­re. Mei­ne Nach­fra­ge hält sich beim vor­han­de­nen Ange­bot in Grenzen.

Offen­bar ist es so, daß ihm die Wahl des­halb so leicht fällt, weil sich das Ange­bot in Gren­zen hält. Und weil er als “Mar­xist-Leni­nist” offen­bar Demo­krat sein kann, ist Dath eben auch noch gesell­schafts­fä­hig. – Mich wür­de, um der Infor­ma­ti­ons­ge­rech­tig­keit wil­len, inter­es­sie­ren, was so ein rich­ti­ger “Natio­nal­so­zia­list”, der ja per se Demo­krat ist und die es ja mas­sen­haft geben soll, auf die gestell­ten Fra­gen ant­wor­ten wür­de. Aber das wer­den wir in der Welt wohl nicht zu lesen bekommen.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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