Sezession
7. August 2009

Wenn Dietmar Dath wählen geht

Erik Lehnert

Lenins Lieblingsbeschäftigung.Dietmar Dath ist Kommunist und geht wählen. Jedenfalls behauptet er das in einem aktuellen Interview mit der Welt. Dath sagt zwar nicht ausdrücklich, daß er Kommunist ist, aber er widerspricht der Anrede als "Marxist-Leninist" nicht. Und in der Anrede liegt schon die erste Fragwürdigkeit, über die man heute kaum noch stolpert.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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"Marxist-Leninist" ist hier nicht vorwurfsvoll, nach dem Motto: "Was sagen Sie als Anhänger einer menschenverachtenden Ideologie und eines Massenmörders dazu", gemeint, sondern so, als ob das eben eine Weltanschauung wäre, die sich im FDGO-Rahmen bewegt. Entlarvend ist, daß der "Marxist-Leninist" bekennt, die Linkspartei und damit die linke Spießertruppe schlechthin zu wählen.

Ich würde es mir ja noch gefallen lassen, wenn Dath die MLPD oder DKP (gibts die noch?) oder sonsteine "marxistisch-leninistische" Splitterpartei wählen würde. Aber Dath ist als "Marxist-Leninist" pragmatischer Sozialromantiker und als Intellektueller blickt mit Abscheu auf den Wahlkampf, bei dem nicht das Populäre das Problem sei:

Das wirklich Populäre ist ja viel weniger dumm als der langweilige Kleister, den sich ein paar BWL-Deppen, Wahlkampfblogger und Absolventen von Medienakademien oder Journalistenschulen ausdenken. Der ganze Wahlkampfdreck stammt von Idioten mit Abitur. Dagegen ist jeder Porno-Rapper aus dem Plattenbauviertel Shakespeare.

Das ist natürlich wahnsinnig provokativ und auch lustig, weil sich Dath wenige Zeilen später sowohl als gesellschafts- als auch demokratiegläubig outet:

Ich glaube an Repräsentation, selbstverständlich, Gesellschaft heißt ja, dass nicht immer alle gleichzeitig reden können, sondern Sachen delegiert werden müssen. Bloß würde ich gerne selber mitreden, an wen ich was delegiere. Meine Nachfrage hält sich beim vorhandenen Angebot in Grenzen.

Offenbar ist es so, daß ihm die Wahl deshalb so leicht fällt, weil sich das Angebot in Grenzen hält. Und weil er als "Marxist-Leninist" offenbar Demokrat sein kann, ist Dath eben auch noch gesellschaftsfähig. - Mich würde, um der Informationsgerechtigkeit willen, interessieren, was so ein richtiger "Nationalsozialist", der ja per se Demokrat ist und die es ja massenhaft geben soll, auf die gestellten Fragen antworten würde. Aber das werden wir in der Welt wohl nicht zu lesen bekommen.


Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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