Sonntagsheld (153) – Über zwei verschiedene Arten des Gutseins

Unsere zwei Sonntagshelden sind es vermutlich nicht gewohnt, im selben Satz genannt zu werden...

 Gastbeitrag

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Unse­re zwei Sonn­tags­hel­den sind es ver­mut­lich nicht gewohnt, im sel­ben Satz genannt zu werden…

…und viel­leicht ist es ihnen auch gar nicht so recht. Ich kann das nicht wirk­lich beur­tei­len, denn ich ken­ne die Betref­fen­den nur flüch­tig, und doch fie­len mir bei­de fast zeit­gleich ein, als es an die Recher­che für den dies­wö­chi­gen Sonn­tags­hel­den ging.

Roger Beck­amp und Dubrav­ko Man­dic haben bei­de Jura stu­diert, arbei­ten jeweils als Rechts­an­wäl­te und sind Mit­glie­der der AfD. Da hören die Gemein­sam­kei­ten aber eigent­lich auch auf – wie unter­schied­lich die bei­den Män­ner sind, wird schon beim Blick auf ihr Äuße­res deutlich.

Wo Man­dic ein Bul­le von einem Mann ist, der inzwi­schen einen schwar­zen Voll­bart trägt und sich auf Insta­gram vor­zugs­wei­se beim Kraft­sport, oder bei der Pro­te­in­zu­fuhr (stets mit extra gro­ßer Por­ti­on) zeigt, da ist Beck­amp eher von der hage­ren Sor­te. Sein Gesicht hat etwas schalk­haf­tes, die Haa­re sind stets mit beton­ter Läs­sig­keit poma­diert und wäh­rend Man­dic zu den Leu­ten gehört, die man auch in einer Knei­pen­schlä­ge­rei ger­ne an sei­ner Sei­te wüß­te, spricht Beck­amps elo­quen­te Höf­lich­keit für die Stra­te­gie des „Kill them with kindness“.

War­um nun fin­den sich die bei­den heu­te Sei­te an Sei­te in mei­ner Kolum­ne wie­der? Es kommt häu­fig vor, daß man Poli­ti­ker einem bestimm­ten Typus zuord­nen kann, aber sowohl Man­dic, als auch Beck­amp fal­len durch die gän­gi­gen Ras­ter und sind jeweils für sich genom­men im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes „eigen­ar­tig“.

Was ich ver­gan­ge­ne Woche über die AfD schrieb, das gilt. Aber es gilt – ich habe das im letz­ten Absatz ja schon erläu­tert – eben nicht für alle. So hat sich bei­spiels­wei­se nicht nur der Kreis­ver­band Saa­le­kreis, son­dern auch Man­dic in zwei Vide­os klar zum The­ma posi­tio­niert und sich soli­da­risch mit der Grup­pe um Chris Ares gezeigt.

Seit Jah­ren gehört er zu jener (wach­sen­den) Grup­pe an AfD-Poli­ti­kern, die aktiv auf Tuch­füh­lung zum außer­par­la­men­ta­ri­schen Vor­feld der Par­tei geht, dort The­men auf­nimmt und sie nicht nur in die Rat­häu­ser und Land­ta­ge, son­dern auch ohne fal­sche Scheu auf die Stra­ße trägt (hier etwa Auge in Auge mit der Frei­bur­ger Anti­fa). Als es den Flü­gel noch gab, war Man­dic dort Mit­glied, wer sei­nen You­Tube-Kanal kennt, weiß, daß sei­ne über Posi­ti­on im par­tei­in­ter­nen Mei­nungs­spek­trum nicht groß spe­ku­liert wer­den muß.

Roger Beck­amp kommt aus einer ganz ande­ren Rich­tung. Ihn lern­te ich vor eini­ger Zeit in Hal­le ken­nen. Er hat­te sich dort zur Teil­nah­me an einem Streit­ge­spräch bereit­erklärt, in wel­chem er mit Hans-Tho­mas Till­schnei­der das Ver­hält­nis von AfD und Iden­ti­tä­rer Bewe­gung dis­ku­tie­ren soll­te. Die Dis­kus­si­on – bei der sich bei­de Sei­ten am Ende übri­gens rela­tiv einig waren – fand unter lin­ken Gegen­pro­tes­ten im Zen­trum in der Adam-Kuck­hoff-Stra­ße statt.

Inter­es­sant war bei die­ser Kon­stel­la­ti­on, daß Beck­amp sich zuvor immer klar für eine mög­lichst gro­ße Distanz zwi­schen Par­tei und Bewe­gung aus­ge­spro­chen hat­te und auch sonst vom poli­ti­schen Pro­fil her eigent­lich einen wei­ten Bogen um eine sol­che Ver­an­stal­tung hät­te machen müs­sen. Er kam trotz Kri­tik aus sei­nem Lan­des­ver­band, und zwar nicht im Gehei­men, son­dern mit eige­nem Kame­ra­mann und offe­nem Visier und das rech­ne ich ihm bis heu­te hoch an. Es gab für ihn in die­ser Sache kaum etwas zu gewin­nen hat­te, außer das Ver­ständ­nis der Zuhö­rer für sei­ne Position.

Daß er sich bei aller welt­an­schau­li­chen Distanz auch ein gesun­des Ver­ständ­nis von poli­ti­scher Medi­enst­ra­te­gie bewahrt hat, beweist Beck­amp – wie auch Man­dic – auf You­Tube. Auf sei­nem Kanal ver­öf­fent­licht er in regel­mä­ßi­gen Abstän­den Dia­log­ver­su­che mit all jenen, die es nor­ma­ler­wei­se nicht vor ein AfD-Mikro­fon schaf­fen wür­den: In sei­nem neu­es­ten Video ver­sucht er etwa mit Zigeu­nern ins Gespräch zu kom­men, die seit eini­ger Zeit im klei­nen Ört­chen Horn für Unru­he sor­gen, auch amü­san­te Kon­ver­sa­ti­ons­ver­su­che mit der Anti­fa fin­den sich unter sei­nen Bei­trä­gen; mehr als 600.000 mal wur­de sein Inter­view­vi­deo von einer gro­ßen Erdo­gan-Demons­tra­ti­on in Köln angeklickt.

Anfang Juni lob­te Beck­amp schließ­lich ein monat­li­ches 500-Euro-Sti­pen­di­um für patrio­ti­sche Medi­en­schaf­fen­de aus, hin­zu kamen zwei Ein­mal­sub­ven­tio­nen in Höhe von jeweils 1000 Euro. Sol­che Ansät­ze, wie man sie sonst vor allem aus dem bewe­gungs­ori­en­tier­ten Flü­gel der AfD gewohnt ist, sind nur einer von vie­len Bewei­sen dafür, daß es im media­len Wind­schat­ten der gro­ßen Rich­tungs­de­bat­ten nach wie vor unzäh­li­ge Macher mit Rück­grat in jedem Lager der Par­tei gibt.

Ich habe als Akti­vist den (nicht zu unter­schät­zen­den) Vor­teil, daß ich mir in den meis­ten Fäl­len recht genau aus­su­chen kann, an wes­sen Sei­te ich ein Dach bestei­ge, einen Info­stand abhal­te oder eine Ver­an­stal­tung pla­ne. Die­sen Luxus genie­ßen die Mit­glie­der der AfD nur sehr bedingt und so muß bei jeder Kri­tik am Ende abge­wo­gen wer­den, wie das Fehl­ver­hal­ten von Ein­zel­mit­glie­dern, Lan­des­ver­bän­den, oder Par­tei­vor­sit­zen­den kri­ti­siert wer­den kann, ohne damit die­je­ni­gen anzu­schie­ßen, die es wirk­lich nicht ver­dient haben. Wenn dann Kri­tik nicht zu ver­mei­den ist, ist es nur gerecht, neben der ange­mes­se­nen Mot­ze­rei, auch die­je­ni­gen her­vor­zu­he­ben, deren Fleiß und Krea­ti­vi­tät all­zu oft im gro­ßen Dra­ma untergeht.

Des­halb sen­de ich an die­ser Stel­le mei­ne herz­li­chen Sonn­tags­wün­sche an Dubrav­ko Man­dic und Roger Beck­amp – möge Allah ihren Zorn dar­über küh­len, sich den heu­ti­gen Lor­beer­kranz tei­len zu dürfen!

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Kommentare (4)

Der_Juergen

13. Juli 2020 09:04

Sicherlich zwei würdige Sonntagshelden, aber mein Sonntagsheld ist diesmal eindeutig das serbische Volk. Die Demonstranten in Belgrad haben das Regime zum Rückzug gezwungen und bewiesen, dass die Corona-Diktatur auf tönernen Füssen steht. Dergleichen ist auch in Deutschland möglich. Sobald einige Zehntausend auf die Strasse gehen und der Bande zeigen, was sie von deren Zwangsmassnahmen halten, kommt der berühmte Stein ins Rollen. Sehr erfreulich, dass mit Sukharit Bhakti/Karina Reiss, "Corona Fehlalarm", nun ein Buch erhältlich ist, das den gigantischen Schwindel auf nur 150 Seiten nach Strich und Faden demontiert. Das Buch scheint sich bereits sehr gut zu verkaufen. Und wenn diese Superlüge im Bewusstsein der Öffentlichkeit (oder eines grossen Teils davon, denn unbelehrbare Trottel gibt es immer zu Hauf) geplatzt ist, kommt als nächstes der Schwindel vom "menschengemachten Klimawandel" an die Reihe, und dann... Es sind, wie Sellner Ende 2015 schrieb, abenteuerliche Zeiten für abenteuerliche Herzen. Nichts scheint mehr unmöglich. In beiden Richtungen nicht.

Glast

13. Juli 2020 10:51

Das Video mit Mandic in Freiburg zeigt wofür die Antifa substanziell steht: ihr morsches, verfaultes tiefstes Inneres. 

Und für Männer wie Mandic wurde das berühmte Gedicht Benns verfasst. Mandic ist ein wahrer Mann! 

 

 

KlausD.

13. Juli 2020 13:23

@Der_Juergen  13. Juli 2020 09:04

Bei der Lagebeurteilung in Serbien sollte man beachten:

„Präsident Vucic hatte Corona genutzt, um Serbiens Abkehr von der EU zu begründen und seine Verbindung mit China und Russland zu besiegeln. Er bat Russland und China um Hilfe und empfing russische und chinesische Militärmaschinen als “Serbiens wahre Freunde”. Inzwischen wurde zwischen Russland und Serbien ein Vertrag zur Kooperation bei der Bekämpfung von Terrorismus unterzeichnet. Die serbische Nationalgarde nahm an der Siegesparade auf dem Roten Platz am 24.6. teil.“

Des weiteren:

„Was das “eigene Volk” und den total spontanen Protest angeht:
Dabei sind zwei junge israelische Staatsbürger, geboren 1999 in der Ukraine und 2002 in Kirgisistan, verhaftet worden, als sie eine Straßenbarrikade errichteten.
Daraufhin veröffentlichte die ukrainische Botschaft ein Statement, in dem sie Kenntnis ukrainischer Beteiligung an den Riots dementiert, russischen und pro-russischen Quellen Fakes über ein “ukrainisches Szenario” in Serbien vorwirft und die serbischen Medien bittet, diese nicht zu verbreiten.
Zuvor hatte die serbische Zeitung Alo behauptet, dass Söldner aus der Ukraine, von Blackwater und Serben, die im Donbass gegen die Separatisten gekämpft hatten, an den Riots teilnehmen.“

 

micfra

13. Juli 2020 22:44

Sehr geehrter Herr Wessels,

Diesen Luxus genießen die Mitglieder der AfD nur sehr bedingt und so muß bei jeder Kritik am Ende abgewogen werden, wie das Fehlverhalten von Einzelmitgliedern, Landesverbänden, oder Parteivorsitzenden kritisiert werden kann, ohne damit diejenigen anzuschießen, die es wirklich nicht verdient haben.

Als Mitglied kann ich das nur bestätigen. Es gäbe viele Gründe wieder aus der AfD auszutreten und ich bleibe vorerst, weil es auch gewichtige gibt, dabei zu bleiben.

Dass Sie am Ende Allah anrufen, auch wenn es witzig sein soll, entwertet Ihren Artikel leider und auch Ihr Ansehen.

Herzliche Grüße

Kositza: "Ansehen" ist relativ. Aus meiner Perspektive bspw. entwertet es sein Ansehen nicht.