13. Juli 2020

Digitalguerillas gegen das Empörium

Martin Sellner / 51 Kommentare

Ein Wochenende mit zahlreichen Accountsperrungen liegt hinter uns: Twitter hat mehr als 50 neurechte Nutzer und Organisationen gesperrt.

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Mein Konto befindet sich natürlich darunter. Getroffen hat es darüber hinaus alle offiziellen Konten der Identitären Bewegung in ganz Europa. Auslöser dieses digitalen Vernichtungsschlags war eine „Studie“ von Heidi Beirich, ihres Zeichens Leiterin der „Intelligence Project Director“ des „Southern Poverty Law Centers“ – eine Art US-amerikanischer Amadeu-Antonio-Stiftung, die noch mächtiger und finanzstärker ist.

Ein Verdikt des SPLC in den USA ist bei uns wohl nur mit einer verschärften Beobachtung durch den Verfassungsschutz vergleichbar. Anders als die Amadeu-Antonio-Stiftung hat das SPLC seine Finger direkt am Puls des digitalen Machtzentrums. Ihr Draht ins „Siliciumtal“ ist kurz. Dementsprechend führt ein „Bericht“ des SPLC in der Regel rasch zum digitalen Vaporisieren der darin enthaltenen Akteure.

Beirichs Konvolut über die IB als einem „Superspreader von Haß“ ist selbst nicht der Rede wert. Darin wird die altbackene Lüge, unser Aktivismus „bereitete den Boden“ für rechtsextremen Terror, stumpf wiederholt. Bezeichnend ist, daß Beirich von EinProzent bis zur Sezession alle und jeden als Teil dieses „hetzenden Terrornetzwerks“ verdächtigt. Dem Bericht folgte ein NBC-Artikel und dem wiederum folgten zahlreiche Twittersperrungen.

Das soziale Netzwerk übernahm dabei Beirichs Verschwörungstheorie. Die Konten der IBD und meine wurden gesperrt, weil wir „Terror und Gewalt verherrlicht“ hätten. Man gibt sich beim Erfinden der Vorwände gar keine Mühe mehr!

Beirich warf Twitter und YouTube vor, daß mit „zweierlei Maß gemessen“ würde. Inhalte des Islamischen Staats (IS) oder von Al-Kaida würden gelöscht, während Inhalte der IB seltener entfernt würden. Daß es sich hier tatsächlich um eine absurde Gleichsetzung handelt, ist offensichtlich. Es hält aber die globale Medienfront nicht von dieser dreisten Lüge ab.

Im Fokus steht dabei die sogenannte „mörderische Verschwörungstheorie des Bevölkerungsaustauschs“. Unser "Verbrechen" besteht darin, daß wir die derzeitige Bevölkerungspolitik benennen und kritisieren.

Ich bin, das möchte ich betonen, von den jüngsten Löschungen nicht überrascht. Ich bin eher überrascht, daß sie so spät eintraten. Jeder Tag, an dem ich noch auf großen Plattformen vertreten bin und ein Bankkonto besitze, überrascht mich. Ich verstehe jede Stunde, die ich solche Netzwerke noch (oder wieder) nutzen kann, als einen Ausnahme- und Glücksfall. Kurzum: Ich verstehe die Logik des digitalen Empöriums und seine Konsequenzen.

Alles andere würde bedeuten, die Lüge von „Meinungsfreiheit“ und „demokratischem Diskurs“ zu glauben. Beides ist bei uns in Teilen inexistent. Diskurs wird nur in bestimmten Bereichen zugelassen. In den entscheidenden Fragen, namentlich der Bevölkerungs- und Identitätspolitik, gibt es nur einen Meinungskorridor, dessen Endpunkt unser Ende als Volk ist. Die jüngste Entscheidung eines Gerichts, wonach der „Erhalt der ethnokulturellen Identität“ gegen die Menschenwürde verstieße, unterstreicht das.

Die großen Plattformen nun sind nahtlos mit dieser Agenda verwoben und stehen als „woke capital“ (politisch korrekter Kapitalismus) stets Gewehr bei Fuß, wenn es darum geht, „diversity“ zu erzwingen. Der sogenannte „Kampf gegen Haß“ ist in Wirklichkeit ein Kampf gegen den rechten Diskurs über Ersetzungsmigraiton. Ein geleaktes internes Schulungsdokument von PayPal machte das jüngst überdeutlich. Darin wurde „Anti-Immigration“ als Kennzeichen für „mißbräuchliches Verhalten“ und Grund für Kontosperrungen benannt.

In einer vernetzen und digitalisierten Welt, die von medialen und finanziellen Monopolen dominiert wird, hat das "Empörium" die Macht, jeden vom Wirtschaftsleben und aus der öffentlichen Debatte auszuschließen. Naive Libertäre, welche die Freiheit von Twitter „als Privatunternehmen“ verteidigen, verstehen die Welt nicht, in der sie leben.

Twitter, Facebook, Youtube und Co. haben in ihrer Sparte der sozialen Dienstleistung eine Monopolstellung erreicht. Reichweite läßt sich in relevanten Größen nur über diese Dienste generieren. Und Reichweite ist die universale Währung, die allein politische und wirtschaftliche Ziele erreichbar macht. Egal, ob man eine Wahl gewinnen oder ein Buch verkaufen will – ohne Reichweite geht es nicht.

Besagte Plattformen sind dabei so zentral und übermächtig geworden, daß das, was auf ihnen nicht mehr vorkommt, im Bewußtsein einer überwältigenden Mehrheit gar nicht existiert. Je mehr Menschen diese Dienste nutzen, desto unausweichlicher und mächtiger werden sie. Man mag Amazon nicht mögen. Man mag es boykottieren. Doch wenn man sich in einer Konkurrenzsituation zu einem anderen Verlag, Produzenten und Politiker befindet (und das ist immer der Fall) und der Konkurrent Amazon nutzt, kommt man selbst nicht mehr daran vorbei, sofern man nicht verdrängt werden will.

Das führt zu einer negativen Auslese der Standhaften und einer weiteren Stärkung der Plattformen und der trägen Gewohnheitstiere. Über das „Deplatformen“ von Parteien und Bewegungen gewinnen US-Konzerne eine totale und undemokratische Macht über den globalen politischen Diskurs und das Erwerbsleben. Wird man „deplatformed“, hat das auf die eigene mediale Reichweite eine ähnliche Wirkung wie ein Verbot der Nutzung von Autobahnen, Zügen und Flugzeugen auf die Reisereichweite.

Wem die entscheidenden Transportmittel verboten sind, der kommt nicht mehr weit. Die Plattformen sind wichtig, und jeder, der das leugnet, lügt sich in die Tasche. Die Existenz jedes Dissidenten auf ihnen ist prekär. Wenn sich die globalistische Öffentlichkeit auf eine bestimmte Bewegung, eine Person, oder einen Verlag einschießt, zerfällt dessen digitale Existenz zu Staub.

Ist der Druck hoch genug, steht nicht nur das „Deplatforming“ an. Wenn die Attacke stark ist, fallen Bankkonten weg, Webhoster kündigen und Google setzt die Seite auf den Index. Ich bin überzeugt: Würde der Druck gegen die IB und mich weiter aufrechterhalten, würden wir auch Telegram, Bitchute und alle derzeitigen digitalen Alternativen verlieren.

Die Herrschaft des Gegners ist total. Es gibt in ihr keinen echten eigenständigen Raum, sondern nur unterschiedliche Grade der Repression und der Duldung. Die Wirkung dieser feindlichen Öffentlichkeit ist allen Rechten bewußt. Man hofft auf möglichst langes Überleben in der geschützten Nische. Jeder Dissident, der heute noch  ein öffentliches PayPal-Konto oder Bankkonto besitzt, auf Amazon verkauft oder auf Twitter und YouTube ist, wird bloß geduldet. Ein Recht darauf hat er nicht.

Wir sind in der digitalen Welt unseren Gegnern restlos ausgeliefert. Das Empörium sieht oft jahrelang zu, bevor es urplötzlich zum digitalen Vernichtungsschlag ausholt. Regelmäßig werden zu groß und einflußreich gewordenen Dissidenten vernichtet. In das Vakuum, das sie hinterlassen, stoßen dann kleinere Nachwuchs-Infokrieger vor, denen man eine gewisse Zeit zum Wachsen gibt, bis auch sie wieder zerdrückt werden. Das tut man, damit sich als Reaktion auf einen „Zensurschock“ keine starke alternative Plattform für Dissidenten bildet, die einen eigenen Netzwerkeffekt erzeugen könnte.

Stattdessen freut sich jeder über die Nutzung der Mainstreamplattformen, die immer nutzerfreundlicher , ausgefeilter, besser und schneller „getweaked“ werden, so daß der Maßstab für alternative Projekte im Grunde unerreichbar geworden ist. Jeder hofft, möglichst lange nicht in den Fokus zu geraten. Egoismus und Konkurrenzdruck unterbinden so eine Solidarität der Gegenöffentlichkeit gegen die Zensur.

Sollte sich jedoch tatsächlich eines Tages eine starke und nutzerfreundliche dissidente Plattform bilden, könnte das Empörium sie mit Leichtigkeit zerschlagen. Die Serverinfrastruktur, die Verfügbarkeit in Appstores, die Finanzierung über Zahldienstleister und die Sichtbarkeit auf Google sind offene Flanken. Die totale Vernetzung des Internets erzeugt eine totale Herrschaft seiner Machteliten.

Insbesondere die Dominanz über den Bereich der „Fintech“, also PayPal, AmazonPay, Stripe, Kreditkartenunternehmen und andere „Payment-gateways“ unterbindet das Wachstum alternativer Plattformen bisher konsequent. Ein technologischer Ausweg scheint in der Blockchain zu liegen. Doch noch sind diese Technologien nicht nutzerfreundlich und verbreitet genug, daher bleibt mittelfristig nur eine Lösung: der digitale Guerillakampf und das Wirken aus den Katakomben der Informationsgesellschaft.

Ein Guerillero unterscheidet sich vom regulären Soldaten unter anderem dadurch, daß er kein dauerhaftes Hauptquartier hat, und weder Räume erobern und halten kann noch will. Er muß immer in Bewegung bleiben. Jedes getarnte Lager und jede konspirative Wohnung ist rein provisorisch. Seine Nachschublieferungen sind verdeckt und jederzeit angreifbar. Er muß seinen Nachteil durch ständige Improvisation und ein Mehr an Flexibilität, Geschwindigkeit und Disziplin ausgleichen.

Die Parolen lauteten Redundanz und Resilienz. Für jeden Ausfall muß es einen Ersatz geben, der bereits bereitsteht. Eine Kette an Lösungen und Improvisationen erzeugt so, verbunden mit ständiger Dynamik, eine Permanenz des Widerstands. Ebenso wie in der DDR eine antikommunistische Gruppe kein "Vereinslokal" hätte führen oder einen Radiosender hätte betreiben können, so läßt das Empörium tendenziell keinen Kritik an seiner Bevölkerungspolitik zu.

Was bedeutet dieser „Guerillazustand“ konkret? Der Dissident kann kein Bankkonto dauerhaft halten. Er braucht immer 3-4 Bankkonten als „Reserve“. Er muß mit Blick auf alternative Technologien ständig die neuesten Entwicklungen integrieren und auf ihre Tauglichkeit im Infokrieg testen. Er muß sich darauf einstellen, regelmäßig seine Plattform und seine aufgebauten „Follower“ zu verlieren. Er muß sich daran gewöhnen und darf sich nirgends allzu häuslich einrichten.

Jede Alternative, von Telegram bis Bitchute, kann ebenfalls immer nur als temporär betrachtet werden. Man darf sich an sie nicht binden. Man nutzt etwas, solange es geht. Wenn es nicht mehr möglich ist und man „entdeckt“ wird, zieht man weiter. Das Leben als Digitalguerilla ist notwendig unbequem und nicht „nutzerfreundlich“. Ein Zelt ist kein Appartment.

Auch für die Zuseher bedeutet das eine fordernde Mehrleistung. Jemandem auf zahlreichen verstreuten und ständig wechselnden Plattformen zu folgen ist anstrengend und erfordert aktive und bewußte Medienkonsumenten. Besagte Plattformen sind aufgrund des Mangels an Geld und Personal in der Regel langsam, reizlos und voller Bugs.

Wozu das Ganze? Um Leute hinauszulocken aus der Bequemlichkeit, die der Mainstream bietet. Eine andere Möglichkeit haben wir nicht mehr. Der Mangel an Ressourcen, die Angreifbarkeit der eigenen Struktur und die Wirkung des „Deplatforming“ werden dafür sorgen, daß die Alternativen der Gegenöffentlichkeit den Mainstreamplattformen immer um Jahre hinterherhinken und von Nutzern als unkomfortabel, langsam und unsicher empfunden werden.

In diesem Dilemma zeigt sich die Grenze des Infokrieges. Die mediale und digitale Macht des Gegners ist total. Jede dissidente Daseinsform in „seinem Reich“ ist eine Duldung, der jederzeit die Grundlage entzogen werden kann.

Der „Infokrieg“ der Gegenöffentlichkeit, der seit einigen Jahren im Netz floriert, suggeriert, er könne durch alternative Nachrichten auf einem imaginierten „freien Markt der Ideen“ langfristig stärker werden. Das ist eine naive Illusion.

Die Wirkung der Mainstreammedien beruht nicht auf ihrer Rationalität und Wahrheit, sondern auf ihrer materiellen Omnipräsenz und Intensität. Sie schaffen damit eine gesellschaftliche Norm und „setzen“ eine künstliche Wahrheit. Selbst wenn man selbst nicht daran glaubt und vermutet, daß eine schweigende Mehrheit die Mainstreamlügen kritisch sieht, ändert das nichts an der Wirkung von „Big Other“.

Die „Normeinstellung“ der öffentlichen Meinung ist die „Werkseinstellung“ des Normbürgers. In jedem Gespräch muß man von dieser Grundhaltung ausgehen. Jeder, der auf Normbürger trifft, muß davon ausgehen, daß für sie die Identitären eine Terrorbewegung und die AfD eine Partei mit Nazi-Problem ist. Selbst ein Restaurantbesitzer, der AfD-Sympathisant oder einfach ein professioneller Unternehmer ist, muß sich "Big Other" beugen, der gesellschaftlichen Norm entsprechen und die Verfemten ausladen.

Diese normsetzende Kraft der Mainstreampresse, die zu Kündigungen von Beruf, Bank- und Twitterkonto führt, kann von uns niemals erreicht werden. Dazu fehlen schlicht und ergreifend die Ressourcen. Die schwarmfinanzierte Gegenöffentlichkeit kann aufgrund ihrer Instabilität und Dynamik kaum langfristige Anstellungsverhältnisse bieten, geschweige denn große Redaktionen mit professioneller Arbeitsteilung aufbauen.

Die typischen Journalisten der Gegenöffentlichkeit sind Tausendsassas, die als Digitalguerilleros keine langfristigen Großprojekte aufbauen können. Sie sind hyperdynamische Ein-Mann-Unternehmen, die jederzeit bereit sein müssen, von einem gut aufgebauten Projekt wieder auf ein Existenzminimum zu stürzen, oder während einer Livesendung mit einer Razzia aus dem Verkehr gezogen zu werden.

Persönlicher Idealismus, der den Ressourcenmangel wettmachen kann, reicht auf Dauer nicht aus, um dem Mainstream Paroli zu bieten. Die Hoffnung auf das Auftauchen patriotischer Milliardäre, die aus einer Laune heraus eine rechte BILD- oder Kronenzeitung finanzieren, hat sich bisher nicht erfüllt. Der Einfluß von Servus TV etwa, das der RedBull-Gründer Mateschitz finanziert, ist eher gering.

Der soziale und politische Druck auf Großspender der AfD und kleinere Unterstützer der Identitären zeigt, wie angreifbar auch solche Finanzierungsmodelle sind. Kurz: Die mediale Macht des Gegners, die eine normsetzende Wirkung erreicht hat und gesellschaftliche Wahrheiten setzen kann, ist ein Nebenprodukt seiner totalen finanziellen und technischen Herrschaft.

Ohne grundlegende Änderung des Status Quo durch eine Krise und formative Ereignisse kann eine echte Wende nur im Bereich der Bewegung, also der Aktion, nicht aber in der Berichterstattung erwirkt werden. Die einzige Chance und zentrale Aufgabe der Gegenöffentlichkeit ist es daher, eine kritische Masse ihrer Konsumenten zur Mitwirkung zu motivieren und für organisierte und politische Widerstandsarbeit zu mobilisieren.

Genau das habe ich in den Jahren meiner digitalen Duldung gezielt und ununterbrochen getan, und das werde ich weiter tun.

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Wer mich auf diesem Weg begleiten will kann mir hier auf meine vorläufigen Außenposten im Infokrieg folgen:

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Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.


Kommentare (51)

Der_Juergen

13. Juli 2020 13:14

Meine Hochachtung gilt Sellner und seinen Mitstreitern, die sich angesichts des Terrors nicht kleinkriegen lassen, sondern die Nerven bewahren und den Widerstand mit den noch verbliebenden Mitteln weiterführen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch Schnellroda unter direkten Druck geraten wird, mit Kontosperrungen und dergleichen streng demokratischen Mitteln mehr. Meiner Überzeugung nach gibt es allerdings Grund für - sehr vorsichtigen - Optimismus. Er liegt im Corona-Hype. Hier hat das System den Bogen dermassen überspannt, dass eine massive Reaktion fast unvermeidlich scheint, und zwar schon Ende dieses Jahres oder ansonsten spätestens nächstes Jahr. Und dann werden die Karten neu gemischt. Bis dann gilt: Unermüdlich aufklären; der Kreis der Ansprechbaren erweitert sich rasch.

norgallen

13. Juli 2020 14:49

Ich versuche durch gesellschaftlichen Entzug und gelegentliches Mitspielen von der Seitenlinie aus zu überwintern; das war schon zu DDR-Zeiten ein probates Mittel. Meine LK in "Staatsbürgerkunde" trieben meine knallrote Lehrerin auf die Palme ("Dort sitzt die Konterrevolution!"), die aber formal-inhaltlich "auf Linie" waren ("Im Lehrbuch steht, daß..."). Im "Wehrlager" Frühling 89 fiel ich durch Umdichtungen von Marschliedern auf ("Chinas Himmel breitet seine Sterne über unsre Schützengräben aus"). In der Coronakratur halte ich es so: Ich ziehe mir die "Alltagsmaske" (sic!) über und frage dann die Umstehenden, ob mein Pionierhalstuch vorschriftsmäßig sitze, das ich zu Honeckers Zeiten nicht umzubinden brauchte. Und da ist das DDR-Gefühl wieder und ein erleichtert-verschmitztes Lächeln huscht über die Gesichter. Mehr als dieses Lächeln, zuweilen auch "galliges Gelächter" ist noch nicht oder nicht mehr drin. Sind die technischen Zugriffsmöglichkeiten des Komplexes doch bedrohlicher und der mediale Lügenäther undurchdringlicher als damals. Mußte sich früher die Stasi in grauen Anzügen an grauen Hauswänden geduckt schlängeln, wenn sie jemanden auskundschaftete, kann anno 2020 Mielke redivivus die "demokratieverteidigenden" Spitzeldienste seiner Behörde kerzengerade und seelenruhig auf Pressekonferenzen abkündigen.

ebertus

13. Juli 2020 15:29

@norgallen

Bin zwar "Wessi", aber damals mit vielen Kontakten in die DDR. Dieser (schlußendlich staatszersetzende) passive Widerstand eben dort, den Machthabern nur das zu geben, was unter Vermeidung größerer Repressionen unbedingt nötig war, das hat mit durchaus beeindruckt und gar ein Stück weit geprägt. Und alles noch ganz ohne Internet ...

Die heutige gesamtdeutsche DDR 2.0 mag nicht eins zu eins vergleichbar sein, wiederholt sich Geschichte nicht; und wenn, dann vorerst als Farce (aka Pioniertuch); es darüberhinaus vielleicht noch zur Tragödie werden könnte.

Mit Martin Sellner mag ich nicht immer konform gehen, ebensowenig wie mit allen Beiträgen hier auf Sezession; oder gar anderen sog. alternativen Medien. Allerdings habe ich eine gewissen intellektuellen Anspruch; und lese genau deswegen hier mit.

RMH

13. Juli 2020 16:12

Die Links funktionieren schon Mal nicht auf meinem Android Smartphone.

Grundsätzlich sollte jeder jetzt seinerseits einfach Anbieter wie WhatsApp boykottieren, wenn möglich. Bis dann irgendwann eben Telegram so groß wird, dass es in die Zange genommen wird und "beschränkt."

Usw usw.

Und bitte: Macht auch regelmäßig Tech-Tutorials für den Konservativen, der eben nicht so schnell die Kanäle wechseln kann, wie es geboten ist, damit er dann auch wechselt.

Laurenz

13. Juli 2020 16:54

Werter Herr Sellner, nehme Ihren Bericht zur Kenntnis, wie er ist. Viel zu kommentieren gibt es da nicht.

In einem Punkt mag ich Ihnen widersprechen. Was die von Ihnen genannten digitalen Informations-Plattformen angeht, so gilt dies auch andererseits, für die großen Handelsplattformen, wie zB Amazon, Ebay etc.. Die Macht dieser großen US-Konzerne reicht also nicht nur in den politischen Bereich, sondern auch in den ökonomischen -.

Der Druck, der dort entsteht, wird automatisch zu neuen us-exterritorialen Mitbewerbern führen. Die Einfluß-Möglichkeiten der USA in Asien schwinden. Ob wir dann auf chinesischen - oder russischen Plattformen glücklicher sein werden, mag dahin gestellt bleiben. Leider haben die Briten im letzten Jahrhundert die Möglichkeiten für Europa mitzumischen, zumindest für die nächsten 50 Jahre, liquidiert.

heinrichbrueck

13. Juli 2020 17:35

Die Herrschenden steuern den Informationsprozeß. Es ist ein Widerspruch, den Feind als Gegner zu markieren und zu denken, daß das System funktionieren könnte, und zwar im Sinne Europas. Wie konnte diese Abschaumideologie aufsteigen? Innerhalb dieser Ideologie, deren Herrscher den Informationsprozeß steuern, gibt es keine demokratische Lösung, die nicht im Sinne der Herrscher Anwendung fände. Im Informationskrieg werden Informationsfelder geschaffen, wobei dem Volk ein Informationsumfeld jeweils thematisch zur Verfügung gestellt wird. Das Volk soll handeln; mittels Informationen im Entscheidungsfindungsprozeß, steuert der Handelnde im Rahmen seines Wissens und Unwissens. Der Liberalismus stellt die Norm, was das Normale zu einer Perversion werden läßt, womit die Unterwerfung möglich gemacht wird. Es soll keine positive Entwicklung diskutiert werden können. Wie kann die europäische Degeneration der Politik beseitigt werden? Der Gegner versteht die Lage nicht. Seine Beseitigung ist beschlossene Sache, daran ist nicht zu zweifeln. Satanismus: „Ihr werdet sein wie Gott und wissen, was liberal und nicht liberal ist“. Alle huldigen der liberalen Normlosigkeit, die Normalen werden bekämpft; verlieren tun beide. Der Kampf lohnt nicht, wenn der Weg nur die Niederlage sein kann, und ein Sieg weltanschaulich nicht formuliert werden soll. Das Eigene existiert nicht, solange der Feind herrscht.

Niekisch

13. Juli 2020 17:54

 Sehr guter Text Martin Sellners.

"der Kreis der Ansprechbaren erweitert sich rasch."

@ Der_Juergen 13:14: Schon, allerdings m.E. weniger wegen Corona, sondern wegen dieser unseligen Rassismus- Kampagnen, die immer mehr Menschen unglaublich auf den Senkel gehen. Und warum? Das auaszuführen verkneife ich mir jetzt. 

Phil

13. Juli 2020 18:18

Gibt es Indizien, dass Aktion etwas nützt?

Hat Jake Hepples Flug irgendwelche positiven Folgen außer, dass er von uns gefeiert wird? Hat das Banner am DGB-Haus zu einer Berichterstattung über Andreas Zieglers Schicksal geführt? Ich mag dich, Martin, und will kein Ketzer sein. Aber diese Frage beschäftigt mich.

Dass die Quasi-Monopolisten des Internets nicht neutral sind, ist ein ernstes Problem, mit dem sich eigentlich nicht nur wir Rechten, sondern die Weltöffentlichkeit beschäftigen müsste. Sie müssten zur Neutralität verpflichtet werden.

Waldgaenger aus Schwaben

13. Juli 2020 19:01

Die  Frage, die einer ernsten Erörtung bedarf: Was werden die Zensur-Algorithmen mit dem Schreiben im Internet machen? Seit ungefähr zwanzig Jahren können Internet-Benutzer ihre Meinung zum Zeitgeschehen kund tun, viele, auch Ältere mit mehr Freizeit und höherer Bildung machen rege Gebrauch davon.

Die Algorithmen werden auf absehbare Zeit nicht die notwendige Trennschärfe besitzen Unbedenkliches von Kritischem zu unterscheiden (aus Sicht der Zensoren). Eine Heerschar von abgebrochenen Geschwätzwissenschaftlern, die per Hand (nach-)zensieren, werden die Betreiber auf Dauer nicht alimentieren können, selbst bei  prekären Löhnen.

Abgesehen von als politisch zuverlässig eingestuften hauptberuflichen Schreibern werden Kommentare zum Zeitgeschehen willkürlich gelöscht oder durchgehen. Der Verlust der Freiheit zur Meinungsäußerung im Internet wird zunehmend alle treffen nicht nur Rechte. Die meisten Hobby-Schreiber werden aus Ärger verstummen, übrig bleiben werden wir!

Den digitalen Kriegern auf unserer Seite empfehle ich an einer Verfeinerung des Stils zu arbeiten. Wer noch einen facebook / twitter - account hat möge zum Beispiel diese Sätze posten:

Die identitäre Bewegung sagt Seehofer sei eine Gefahr für Deutschland. Setzen Sie Kommas, wo sie es für richtig halten.

Mal sehen, was die Algorithmen damit anfangen.

 

Elvis Pressluft

13. Juli 2020 19:23

Mich beunruhigte auch die ungewohnte (relative) Ruhe in der vergangenen Woche, was neue Beiträge und Kommentare betraf, bei der Sezession. Kein gutes Zeichen (ich erwarte aber an dieser Stelle keine Stellungnahme zu den Ursachen). Widerruflich geduldet sind wir alle. Die AfD ist ein wenig zu groß geworden, um sie über Nacht zu verbieten – abgesehen davon spielt sie für das System eine nützliche Rolle als sichtbares Feindbild. IB und Schnellroda hätten im Fall des Falles offensichtlich so gut wie keine potenten Fürsprecher, und über Recht und Gesetz sind VS et al. längst hinaus; es ist nicht einmal mehr einen Witz wert. Die Argumentation, „uns“ noch zu tolerieren, läuft sicherlich in den Diensten analog zur NPD: „Sonst weichen die in den Untergrund aus, wo sie schwerer zu beobachten sind.“

Vielleicht (!) bietet der ganze Covid-Kontext indirekt eine gewisse Chance, aber ich bleibe skeptisch. Nicht ohne Grund vergeht kein Tag, ohne daß irgendwelche Knechte von der Gefahr einer „zweiten Welle“ schwadronieren. Falls die Untertanen aufbegehren sollten, wird man auf diese Option zurückgreifen – Söder wird dann 50 % holen, und (so gut wie) niemand wird mehr unbequeme Fragen stellen. Düstere Zeiten, und die Freiheitsgrade nehmen sukzessive ab. Man kann sich „nur“ die innere Freiheit bewahren. Vielleicht kommt der Tag, an dem davon alles abhängt.

Andreas Walter

13. Juli 2020 20:17

Hahaha, ungelogen. Folgende Information, es sind sogar mehrere, liefert mir die KI von Google auf die Suchanfrage heidi beirich wiki:

Ähnliche Suchanfragen zu heidi beirich wiki

volksfront deutschland

volksfront von judäa

(Steht so ganz unten bei mir auf Seite 1. Bei euch auch?)

Ein Schelm, der überhaupt was dabei denkt.

(Ich dacht', ich fall' vom Stuhl. Welch ein "glitch" in der Matrix. LOL)

 

 

 

 

Das blaue Quadrat

13. Juli 2020 21:04

Eine technische Frage in die Runde, die von netzaffineren Leuten vielleicht beantwortet werden kann: Ist "gab" eine Alternative? Gibt es Erfahrungen in die Richtung, daß es Sinn macht, sich dort zu registrieren? 

RMH

13. Juli 2020 22:00

Diejenigen, die nicht mehr unbedingt Facebook, Twitter etc. brauchen, wie pi-news, werden regelmäßig mit unterschwelligen Mitteln des Cyber-Wars zeitweise außer Gefecht gesetzt. Aktuell wohl mal wieder eine DDoS Attacke ...

Interessiert aber alles offenbar niemanden. Daraus lernt man, dass es der Masse der Menschen absolut egal ist, wenn die Meinungsfreiheit beschränkt wird, so lange es sie nicht direkt betrifft.

Das Video von "2Pac featuring Dr. Dre - California Love" beginnt mit dem Einleitungssatz, übersetzt, wer den dancefloor kontrolliert, kontrolliert die Leute (oder gar das Volk - people). Da ist wohl was dran ...

micfra

13. Juli 2020 22:29

Lieber Martin Sellner,

Sie könnten mein Sohn sein und sind mir ein Vorbild! Sie ermutigen mich immer wieder, dass zu tun, dass ich in meinem Leben tun kann. Ich bin dankbar, dass Sie trotz allem nicht resignieren. 

Herzliche Grüße

Fredy

13. Juli 2020 22:47

Durchhalten, Leute.

Der BRD wird das Geld ausgeben. Also nicht ihres, halt das der Unternehmen und Untertanen. Auf Corona ist Verlass. Die zweite Welle kommt, weil sie kommen muss. Dabei hätte die erste Welle schon gereicht. Aber man müsste eben länger warten.

Massive Arbeitslosigkeit und Existenzängste verbunden mit BLM und Migration und allgemein Neo-kommunistischer Bestrebungen versprechen einen warmen Winter.

Volksdeutscher

14. Juli 2020 00:11

"Die jüngste Entscheidung eines Gerichts, wonach der „Erhalt der ethnokulturellen Identität“ gegen die Menschenwürde verstieße, unterstreicht das."

Man kommt aus der Verwunderung nicht heraus, daß ein Gericht 1. im Namen des Menschen/Menschlichen, d.h. im Namen einer theoretischen Größe, die weder Subjekt der Jura, noch Subjekt der Politik, sondern lediglich das Subjekt der Antropologie ist, Urteile zu verfassen und zu verkünden. Verstößt auch die ethnokulturelle Identität der Polen, Russen, Ungarn, Chinesen, Japaner, Italiener usw. ebenfalls gegen die "menschliche Würde"? Ist ein "deutsches" Gericht kompetent, darüber ein Urteil zu fällen? Man könnte gerade den Juristen dieses Gerichts Inkompetenz und Menschenverachtung vorwerfen.

Abstraktionen haben keine Würde.

"Der Mensch", sei es der der Philosophie oder der der Theologie oder der der Soziologie existiert nur als Begriff, daher kann kein Gericht sich auf ihn berufen. Woher nimmt sich ein Gericht das Recht, was hat es dazu befähigt, im Namen einer theoretischen Größe aufzutreten? Warum wird solchen Kompetenzüberschreitungen nicht der Riegel vorgeschoben? Warum werden sie geduldet? Warum wird gegen solche anmaßenden Gerichtsurteile nicht juristisch vorgegangen? Wenn Würde existiert, dann nur als ein etwas wirklich Existierendes, das an konkrete physische Erscheinungen von Menschen gebunden ist. "Der Mensch" hat jedoch keine physische Existenz.

eike

14. Juli 2020 05:24

Ich bewundere zwar Ihre Arbeit, Herr Sellner, konnte mich aber in den Rundbrief nicht eintragen. Nachdem ich eine halbe Stunde erfolglos unscharfe Bildchen anklicken mußte, gab ich auf. Bin offenbar für diese Spielchen nicht talentiert.

Dann kam:

"Your computer or network may be sending automated queries. To protect our users, we can't process your request right now. For more details visit our help page"

Lassen Sie mir über sezession eine mail zukommen, wenn Sie ein Spendenkonto haben.

 

 

RMH

14. Juli 2020 07:04

"Der BRD wird das Geld ausgeben."

Im Verbund mit der EU ist es unter normalen Umständen eigentlich schon längst ausgegangen, daher wird es eben einfach unbegrenzt neu erzeugt (im Volksmund: gedruckt). 

Nicht ohne Grund wird die mmt (= modern monetary theory) aktuell wieder nach vorne geschoben. Jede Zeit schafft sich eben ihren ganz eigenen "wissenschaftlichen" Unterbau.

norgallen

14. Juli 2020 08:56

@Fredy Sehe ich ähnlich. Der Massenwahn nahm heute vor 231 Jahren Fahrt auf mit der Befreiung einiger Kleinkrimineller und der Ermordung ihrer Wärter durch einen geschickten Fleischergesellen in der Bastille zu Paris. Die Tötungen unter der Parole "Freiheit, Gleichheit & Brüderlichkeit" liefen humanistisch-technokratisch über die Bühne; Goethe verschenkte Spielzeugguillotinen. In der "DDR" hatte man übrigens eine echte Wahlmöglichkeit, weil man entweder am Eingang den Wahlzettel mit den "Kandidaten der Nationalen Front" faltete und in die Wahlurne warf oder in die im hinteren Teil des Wahllokals liegende Wahlkabine ging, Lineal & Kugelschreiber zückte und die zu Wählenden einzeln durchstrich, wie meine Eltern das taten - immer kurz vor Wahlschluß, um den Genossen das Wahlvergnügen zu verlängern. Selbstverständlich notierten Wahlbeobachter die Namen der Wahlkabinengänger . Abends feierten wir diese "subersive Wahlaktion" bei einem (widerlich lieblichen) Fläschen "Muscat Ottonel" und/oder "Rosenthaler Kadarka". Man hatte auch in Konsum kaum eine Wahl, woran die DDR eigentlich zugrundeging. 

norgallen

14. Juli 2020 08:57

Heutzutage hat man bloß eine Scheinalternative, denn insofern man nicht ungültig abstimmt, wählt man immer die "BRD", da ausnahmslos alle Parteien, ohne es darüber immer im Klaren zu sein, mehr oder minder systemstabilisierend wirken.

"Wer sich respektiert, kann nur in den Zwischenräumen der Gesellschaft leben"(Gomez Davila). Das war im Grunde immer schon so, und das wird auch immer so bleiben.

Laurenz

14. Juli 2020 11:32

@norgallen

Sie hätten nach Wandlitz ziehen müssen, da gab es alles. Kleiner Scherz.

 

@Waldgaenger aus Schwaben

"Was werden die Zensur-Algorithmen mit dem Schreiben im Internet machen?"

Solange Sie einer Person schreiben, ist es keine Veröffentlichung. Sobald 2 Personen im Adressfeld stehen, wird das schon grenzwertiger. 

Die Woche gab es bei Frau Kosubek (RT) ein Interview mit Dirk Müller, "Auf dem Weg zum sozialistischen Kapitalismus". Erinnert mich wieder an die neueren Buchvorstellungen GKs.

https://www.youtube.com/watch?v=AyDR422548w

Wir DDRisieren, ob eine Mehrheit will oder nicht. 

Denkmäler, historische Namen & die dazugehörigen Personen, Begrifflichkeiten werden gelöscht. Das ist Stalinismus pur. Die Umschreibung von Geschichte. Bei RT & Sputnik ist das auf sowjetische Geschichte bezogen, schon immer so, aber nun eskaliert es überall. Aber um die Massen von Der_Juergen vom Sofa zu locken, reicht es noch nicht. Auch in der historischen DDR hat es 3 Jahrzehnte gebraucht.

Erst haben wir in der Liberalisierungs-Ära das Kabelnetz der Telekom zerschlagen, und jetzt wurden Unitymedia und Kabel Deutschland an Vodafone verkauft. Wir, das Volk, sitzen als ehemalige Eigentümer dieses Kabelnetzes quasi im falschen Film, Jetzt gehört das Kabelnetz irgendwelchen Aktionären. 

Das Kartellamt ist genauso nutzlos wie der Verfassungsschutz. Beide Ämter schreien quasi nach ihrer Abschaffung.

norgallen

14. Juli 2020 11:58

Zwei Binsenweisheiten helfen mir in der gegenwärtigen Zeit:

Carl Schmitt: "Der Feind ist die Frage an mich in Gestalt. Das bedeutet in concreto: nur mein Bruder kann mich in Frage stellen und nur mein Bruder kann mein Feind sein“ (mit Verweis auf Kain und Abel).

Und das Wort Jesu Christi: "Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst (und liebe deine Feinde)." D.h. auch der Feind kann mein Nächster werden, in meine Nähe gelangen. Jesus sagt ja nicht, daß der Feind mein Freund werden solle. Die Liebe hilft mir, ihn als den gleichen durch die Sünde verletzten, willensverdrehten Adam zu erkennen, als den "homo incurvatus in se", den es aufzurichten gilt.

Wenn ich Schmitt richtig verstanden habe, dient das Freund-Feind-Schema gerade der Vermeidung des Bürgerkrieges. In Zeiten des ubiquitären Verdachts aller gegen jeden (Alltagsmaske ja/nein) schwillt der Vulkan der Gewalt an; vorerst bleibt das Magma unsichtbar, allfällige "Partyszenen" ausgenommen. Man achte auf behutsame Sprache und discretio spirituum. Es gehe uns um "Hege und Pflege" unserer Beziehungen, also um Einhegung der Gesellschaft nicht um die Ausweitung der Kampfzone, wie naive Zauberlehrlinge spintisieren. Denn die Geister, die da gerufen werden, wären nicht zu bannen.

Als jahrelanger stiller Mitleser der Sezession.de ziehe ich mich nun wieder aus dem wohllöblichen Kommentariat zurück. Persönlicher Badeschluß sozusagen. "Nostra conversatio in coelis est." Amen.

 

Elvis Pressluft

14. Juli 2020 13:48

@norgallen: Als bekenntnistreuer Christ möchte ich Ihnen antworten – auch falls Sie am hiesigen Diskurs nicht mehr teilnehmen, scheint es von allgemeiner Bedeutung. Das Gebot der Feindesliebe (das auch schon im AT an etlichen Stellen auftritt) ist sicherlich einer der forderndsten; Heinz Zahrnt spricht sinngemäß von einer gewollten, maßlosen Überforderung. Die Worte Christi in der Bergpredigt zielen auf das Unmögliche: Sie verwirren alle Maßstäbe. Wie schwer kann es fallen, auch nur sich selbst zu lieben (nicht jeder ist zum Narzissten geboren)!

Zugleich brauchte es keinen H. Schmidt, um zu erkennen, daß man aus diesem Geist keine Realpolitik betreiben kann. Ich gehe weiter: In der heutigen Situation wäre schon der Versuch (mindestens) potentiell verbrecherisch. Der politisch denkende Christ hat mit dem Prinzip des Bösen zu rechnen. Sein Ursprung und sein „Wesen“ lassen sich theologisch niemals klären. Im Vaterunser bitten wir um Befreiung vom Bösen; als Mitmenschen sind wir nicht nur berechtigt, sondern aufgefordert, ihm zu widerstehen. Hier entstehen viele tiefe Konflikte, bis hin zum Problem des Tyrannenmordes. Mich irritiert die bei Ihnen anklingende Vorstellung, in diesem Feld mit so etwas wie „Achtsamkeit“ operieren zu können.

Langsax

14. Juli 2020 13:59

Sehr geehrter Herr Sellner,

Sie beschreiben die heutigen Gegebenheiten in der "westlichen Welt" sehr präzise, dafür Dank! Andererseits möchte ich Sie auf etwas hinweisen: Es brodelt - noch nicht hörbar - in der Gesellschaft. Leute, die mich noch vor 4 Jahren maßlos verbal angegriffen haben, weil ich bei einer Geburtstagsfeier laut verkündete, dass ich PEGIDA-Mitspaziergänger bin, die sind inzwischen zwar verstummt aber unter 4 Augen erzählen sie von ihrer Zukunftsangst, Angst um ihrere Kinder und Enkel, Angst Abends auf die Straße zu gehen. 

Die Gärung in der Mittelschicht ist noch nicht sichtbar, aber sie ist da. Die gegenwärtige Situation erinnert mich an das ausgehende Jahr 1988 in der DDR. Offiziell stand die Bevölkerung wie ein monolithischer Block - dieses Bild zeichneten damals die DDR-Medien, aber der Zerfall wurde immer offensichtlicher. 

bb

14. Juli 2020 14:08

Die Marktmacht der Plattformen wird überschätzt. Letztendlich ist es technisch nicht schwer, ein Twitter oder Facebook nachzubauen oder eine Streamingplattform für patriotische Inhalte zu schaffen. Die meiste Arbeit bei diesen Plattformen liegt im Schalten von Werbung und der Zuschneidung der Inhalte auf die Nutzer. Weiterer Aufwand wird durch die Zensur generiert. Dies alles kann man sich bei einer alternativen Plattform weitgehend sparen.

Meines Erachtens brauchen Patrioten eine Online-Gegenöffentlichkeit, inklusive Schattenwirtschaft, vorzugsweise im Darknet, wo eben nicht alles zentralistisch aufgebaut ist und nach belieben abgeschaltet werden kann.

Doch das ist nur die technische Lösung. Wichtig ist, diese Themen nun auch organisatorisch anzugehen, Leute zusammenzutrommeln, Projekte zu planen und sich an die Arbeit zu machen. Dazu muss jetzt endlich der Widerstand vernetzt werden. Ein wichtiger Beitrag dazu wäre Patriot Peer. Doch davon hört man komischerweise in der letzten Zeit gar nichts in den Videos von Sellner. Braucht ihr dabei Unterstützung in Form von Arbeitskraft oder Geld? Ist doch kein Problem, dann ladet die Leute ein, daran mitzuwirken! Jeder wie er kann und will.

 

brueckenbauer

14. Juli 2020 14:17

Hallo norgallen,

es ist immer schön, einen Mitchristen zu treffen. Ich denke, wir haben unseren nichtchristlichen Freunden noch etwas auf den Weg zu geben.

Die frühen Christen wurden periodisch massivst verfolgt. Man sollte auf den öffentlichen Altären opfern - wie heute. Was hat uns durch diese Zeit hindurch geführt? Ein neues Buch sagt: Geduld (inkl. Beständigkeit und einer Orientierung an langen Zeiträumen).

Gehen wir weniger weit zurück! Die Katholiken in England hatten sich unter der "blutigen Maria" schon unbeliebt gemacht und nach dem Gunpowder-Anschlag waren sie ganz unten durch. Sogar der alte Adel musste in seinen Schlössern Verstecke für Priester einbauen! "Man" war kein Katholik - Leute, die mal sympathisiert hatten, "retracted" und wurden die allergründlichsten Katholikenverdammer (wie Gibbon). Trotzdem: seit dem späten 18. Jh. ließ der Druck nach, irgendwann kam die Gleichstellung, im frühen 20. Jh. wurden die Anti-Rom-Fanatiker belächelt und es wurde sogar in manchen Kreisen schick, zum Katholizismus überzutreten.

brueckenbauer

14. Juli 2020 14:18

Was wir brauchen ist ein Denken in sehr langen Zeiträumen (wesentlich länger als ein Menschenleben) oder, wenn man so will, sub specie aeternitatis. Wenn man das so sieht, wird einem klar: Das große Problem besteht immer noch darin, dass die meisten Rechten auf kurzfristige Erfolge hoffen und sofort aufgeben, wenn der schnelle Erfolg ausbleibt. Genau deshalb sind alle rechten Parteigründungen der letzten Jahrzehnte gescheitert (und nicht, weil die Partei zu rechts oder zu links oder zu unterwandert war).

Franz Bettinger

14. Juli 2020 14:20

@Norgallen's @Coronakratur: „Am Maulkorb sollt ihr sie erkennen!" Wie konnte sich 1934 der Römischen Gruß, der uns heute so aufgesetzt, ja lächerlich erscheint, in kürzester Zeit durchsetzen? Genau wie heute der Maskenzwang! Man setzt die größten Widerwärtigkeiten durch: mittels Mobbing, Benachteiligen, Bußgelder und Bestrafung. Die Methoden haben sich nicht geändert. Es herrscht wieder Maskenball, es herrscht der Faschismus. Damals wie heute bereits äußerlich leicht zu erkennen: Der Maulkorb zeigt, wer du bist. 

Laurenz

14. Juli 2020 15:09

Boahh, alter Schwede, jetzt kommen schon wieder die Antik-Marxisten aus ihren Löchern gekrochen. "Liebet Eure Feinde" ist was für Idioten. Ich liebe meine Feinde dann, wenn sie tot sind, nämlich dann, wenn sie ehrenhaft in der Schlacht gefallen sind.

Können wir uns hier nicht endlich auf den Konsens einigen, daß wir Mission jeglicher Art weglassen? 

Und ob Carl Schmitt hier ins Schwarze traf, bleibt fragwürdig, immerhin benutzte er wissentlich oder unwissentlich DIE biblische Metapher für den Jahrtausende - und bis heute andauernden Kulturkampf zwischen Seßhaften und Nomaden. Die Konsequenz ihres geistigen Schrotts, meine christlichen Herrschaften auf SiN, erleben wir gerade in der Massen-Übervölkerung unseres Heimatlandes mit Menschen nomadischer Kultur.

Ich krieg gerade mit Ihnen echt zuviel. Mit solch nächst-geliebten Freunden braucht man keine Feinde mehr.

Fritz

14. Juli 2020 15:19

@Elvis Pressluft:

Habe da aus Interesse mal im griechischen Text des Matthäus-Evangeliums nachgeschlagen. Der Evangelist gebraucht da das Wort "plesios", was nach Gemolls Griechisch-deutschen Handwörterbuch bedeutet: "Der, der in der Nähe lebt". Von einer allgemeinen Liebespflicht für alle Menschen ist da also nicht die Rede.

 

heinrichbrueck

14. Juli 2020 16:43

„Wir DDRisieren“. - Nachschub aus der DDR: https://a9p9n2x2.stackpathcdn.com/wp-content/blogs.dir/1/files/2018/03/DPFhdWfWkAEHWcu-e1520366149204.jpg

„Stalinismus“. - Trump in Moskau: https://www.tagesspiegel.de/images/tagesspiegel/19840278/4-format43.jpg Auch zerstörte Denkmäler können heilig sein.

„... es herrscht der Faschismus“. Ist der Faschismus ein Mensch? Hat er einen Willen? Wer will das? Und wer hat die Macht, seinen Willen durchzusetzen?

nom de guerre

14. Juli 2020 17:18

@ Langsax

„Die Gärung in der Mittelschicht ist noch nicht sichtbar, aber sie ist da.“

Scheint mir auch so. Ich hatte es kürzlich in einem anderen Strang schon einmal geschrieben, die Unzufriedenheit wird nach meiner Wahrnehmung größer bzw. kommt in einem breiteren gesellschaftlichen Spektrum an. Ob dieses Potenzial ausreicht, um in absehbarer Zeit etwas zu verändern, oder ob unsere einzige Chance darin besteht, wie andere sagen, in sehr langen Zeiträumen zu denken, wird man sehen.

Nemo Obligatur

14. Juli 2020 18:13

Inzwischen hat das Thema die FAZ erreicht. Sie hat den Artikel von einer Volontärin schreiben lassen, und da fehlt auch der Terrorist aus Christchurch nicht. Ein Trost sind die Leserkommentare, sofern noch vorhanden.

Es ist in vielleicht auch interessant, worüber bei FAZ&Co. nicht berichtet wird: Es wird nicht berichtet über die Ermordung von Jessica Doty Whitaker. Ihr Vergehen war, dass sie aussprach, dass alle Leben zählen, nicht nur schwarze. Jessica Doty Whitaker hinterlässt einen dreijährigen Sohn.

Ich könnte jetzt zum Thema YT noch schreiben, dass die Löschung wurscht ist, weil Herr Sellner mit seinen langatmigen Kommentaren, die alle irgendwie gleich waren ("wir werden immer stärker, und sie werden immer schwächer") sein Potential ausgeschöpft hatte. Aber ich möchte lieber erwähnen, dass Herr Sellner in jedem dritten Video darauf hinwies, dass Gewalt verwerflich sei und Leute, die solches täten oder damit drohten, ihm wegbleiben mögen. Das ist löblich, stößt aber im Medienestablishment auf taube Ohren. In der FAZ lesen wir: "Am vergangenen Freitag hatte Twitter Profile aus dem Umfeld der IB gelöscht. Als Grund gab die Plattform an, die Accounts würden Terrorismus und Gewalt verherrlichen." Die Begründung von YT dürfte ähnlich lauten.

Wir leben in einer Zeit, in der jeder die Wahrheit herausfinden kann, aber niemand mag zuhören, denn das Urteil haben schon andere gefällt, denen nicht einmal mehr peinlich ist, dass man sie in aller Öffentlichkeit beim Lügen ertappt.

Der_Juergen

14. Juli 2020 18:28

@Norgallen @Elvis Pressluft

Die Feindesliebe ist das am schwierigsten zu erfüllende Gebot Christi. Man muss fast schon ein Heiliger sein, um es befolgen zu können. Ich kann es nicht, aber unter Umständen kann ich den Feind immerhin achten. Er muss mit offener Maske kämpfen, und er darf kein Verräter sein. Auf dem Schlachtfeld, wo jede Armee für ihr Land oder ihren Regenten kämpft, kann man den Mann auf der Gegenseite sehr wohl respektieren. Auch er riskiert ja Kopf und Kragen. 

ff.

Der_Juergen

14. Juli 2020 18:31

2. Teil

Doch wie kann man jene Unholde respektieren, die ihrem eigenen Volk den Untergang wünschen? Wie kann ich der grünen Jugend mit Respekt begegnen, die mit dem Slogan "Analsex für Volkstod" hausiert? Wie kann ich die abscheuliche Gestalt Angela Merkel achten und ihre ganzen Mitverräter aus dem Parteienkartell? Ich komme nicht umhin, diese Leute zu hassen. Allerdings, und das scheint mir wichtig, ginge mein Hass nie in Sadismus über. Ich würde keinem von ihnen einen qualvollen Tod wünschen, geschweige denn ewige Höllenstrafen. Ab einem gewissen Punkt hat der Hass für einen anständigen Menschen ein Ende. Für jene, die einen 93-jährigen nach dem Jugendstrafrecht verurteilen, weil er als Siebzehnjähriger zum Dienst in ein Lager abkommandiert wurde (dass er dort Verbrechen begangen habe, behauptet keiner; er ist nicht desertiert und hat sich damit schuldig gemacht), existieren solche Limiten nicht. Ihr Hass ist grenzenlos und somit teuflisch.

limes

14. Juli 2020 21:20

So viele gute Gedanken zu einem wieder einmal hervorragenden Sellner-Beitrag!

@ micfra schließe ich mich als Sellner-Bewunderin der älteren Generation ebenso gerne an wie der Bitte von @ RMH an die Digital Natives nach Tech-Tutorials für die Eingeborenen des analogen Zeitalters.

@ bb brachte den Begriff »Patriot Peer« ein, zu dem Google nach einigem Zögern einen Internetlink produziert. Doch über die Idee dahinter kann man sich nicht mehr informieren, da das YouTube-Konto von Patriot Peer gekündigt wurde …

Die politische und gesellschaftliche Lage spitzt sich in atemberaubendem Tempo zu, und die daraus resultierende Verzweiflung führt bei mir dazu, dass ich nicht mehr nach Erfolgen oder Möglichkeiten des Widerstands frage, sondern Widerstand allein schon deshalb übe, weil es einfach nur Pflicht ist: Weil Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat in Gefahr sind, weil Unrecht als Recht ausgegeben wird.

Was die technischen Möglichkeiten des Empöriums angeht, so frage ich mich, ob nicht letztendlich gar die allmächtigen Betriebssysteme von Microsoft und Apple eingesetzt werden, um Kritik zum Schweigen zu bringen. Ich hoffe, die widerständigen Eingeborenen des digitalen Zeitalters bereiten sich - und rechtzeitig auch uns Ältere - darauf vor.

limes

14. Juli 2020 21:54

Das offensichtlich schwierige Gebot der »Feindesliebe« wird vom Establishment dazu ge- und missbraucht, jeglichen Selbstbehauptungswillen zu exorzieren.

Auf die Spitze getrieben sah ich dieses Prinzip am Sonntag in einem katholischen Kurzbeitrag des SWR-Rundfunks: »Aber ich persönlich finde es schwierig, die einen – also die Honigbienen – zu pflegen und die anderen umzubringen, nur weil sie aus Versehen den falschen Nistplatz ausgesucht haben oder weil die Ameise mit dem Salat ins Haus gekommen ist. … Und mir kommt es nicht zu, darüber zu urteilen, wer leben darf und wer nicht.«

Am politisch vermeintlich unverdächtigen Beispiel von Wespen und Ameisen wird der Feldzug gegen den Selbstbehauptungswillen auf die Spitze getrieben. Es wird vorausgesetzt, dass Milch und Honig ohne menschliches Zutun fließen und es unsere größte Sorge sein soll, dass keine Ameise zu Schaden kommt. Nicht einmal Veganer aber können ohne Schuld und Selbstbehauptung leben!

Kahlenberg

15. Juli 2020 00:14

Parteigründung ?

Lotta Vorbeck

15. Juli 2020 00:18

@limes - 14. Juli 2020 - 09:20 PM

... den Begriff »Patriot Peer« ... zu dem Google nach einigem Zögern einen Internetlink produziert. Doch über die Idee dahinter kann man sich nicht mehr informieren, da das YouTube-Konto von Patriot Peer gekündigt wurde …

---

Das liegt etwa drei Jahre zurück: Unter der Bezeichnung »Patriot Peer« hatte Martin Sellner eine Smartphone-Applikation entwickeln (lassen) wollen.

Volksdeutscher

15. Juli 2020 02:38

"Die jüngste Entscheidung eines Gerichts, wonach der „Erhalt der ethnokulturellen Identität“ gegen die Menschenwürde verstieße, unterstreicht das."

Wo es das Ziel ist, das deutsche Volk/die europäische weiße Zivilisation auszulöschen, da werden alle Kräfte, alle politischen und wirtschaftlichen Resourcen auf die Erreichung dieses Zieles ausgerichtet. So gesehen sind Kontolöschungen in sozialen Medien oder bei Banken, Unterwanderung durch den Geheimdienste, mediale Hetze, Ausgrenzung, Duldung physischer Attacken gegen ihre Mitglieder und Sympatisanten kein Wunder. Und was unternimmt die "Alternative" für Deutschland dagegen? Mit dem Geheimdienst zusammenarbeiten, indem man die für das System Merkel gefährlichen und erfolgreichen Politiker auf Bestellung ausliefert? Ich kann mir den Eindruck nicht verwehren, daß der höchste Wunsch ihrer tonangebenden liberalen Politiker es ist, so schnell wie möglich in der CDU aufzugehen. Sollte das Wort "Alternative" dieses Bestreben zum Ausdruck bringen? Warum wird gegen solche schicksalsentscheindenden Urteile, wie das obige, nicht juristisch vorgegangen? Besitzt ein deutsches Gericht die Befugnis, allen Ethnien der Erde die Würde abzusprechen? Denn die ethnokulturelle Identität ist kein Staatseigentum, sondern Volkseigentum, über das der Staat nicht verfügt, nicht verfügen kann und nicht verfügen darf.

Jan

15. Juli 2020 10:55

Auf Twitter verkündete ein Linker, dass er sich über die Sperrung von Sellner freue, gleichzeitig ist ihm aber auch mulmig geworden. Denn sollten irgendwann mal seine politischen Interessen gegen die Interessen der etablierten Macht verstoßen, würde ihm dasselbe Schicksal blühen. Ich denke, die inneren Widersprüche des Systems werden für viele Menschen immer sichtbarer: einerseits wird so lautstark wie nie beschworen, die liberale Demokratie zu verteidigen, andererseits wird so stark wie nie zuvor gegen politische Meinungen vorgegangen, die gegen die Interessen der Bundesregierung und der mit ihr verbündeten Opposition laufen. In der Corona-Krise sind nun auch Bürger vom Diskurs ausgeschlossen worden, die in der Migrationskrise noch auf Seiten der Etablierten standen. So geht das jetzt von Krise zu Krise Stück für Stück. 

Demokratie in Deutschland, vielleicht sogar im ganzen Westen, bedeutet eigentlich, dass die Bürger zwar über den Kapitän bestimmen dürfen, nicht aber darüber, welchen Kurs dieser Kapitän fahren soll. Egal welchen Kapitän sie mehrheitlich wählen, diese fahren alle nur in eine bestimmte vorgegebene Richtung. Wer es wagt, das Steuer rumreißen zu wollen, fliegt einfach über Bord. Das werden immer mehr Menschen zu spüren bekommen, die jetzt noch Beifall klatschen.    

Pferdefuss

15. Juli 2020 12:08

@ Der_Juergen

Die Gleichnisse in AT und NT über Feind und Feindesliebe bieten auch andere Konklusionen als die gängigen an: 

A: 'Auge um Auge, Zahn um Zahn' Aus! 'Beide Seiten tun sich Gewalt an. Danach 'gut is! Schluss! Ende! Keine Eskalation. 

 

NT: 'auch die andere Wange hinhalten':

1. Akt: Feind/Gegner haut mir eine rein.

2. Akt: Ich halte die andere Wange hin und schreie nicht, sondern rufe ihm zu : 'Schlag doch zu! Mach doch'!

3. Akt: Der Wüterich stutzt, hält inne.

4. Akt: Stoßseufzer der Erleichterung auf der einen, zusammengebissene Zähne des fairen Kämpfers auf der anderen Seite. Die Luft is raus. Nicht versöhnt, aber die eskalierende Show wird buchstäblich abgeblasen. 

Infantil: Raserei, Keilerei, Rauferei - lass es laufen... beide Seiten brauchen das Spiel, nicht selten mit tödlichem Ausgang. Boxen, Kon Fu, Wrestling reicht nicht aus. 

 

Stichwort: 'Verräter'. Das NT führt zwei Typen vor:

1) Judas, der Jesus mit dem Judaskuss für 13 Schillinge verhökert und sich danach selbst richtet. Gerichtet!

2) Petrus, der Jesus, bevor der Hahn kräht, dreimal verleugnet: 'Ich kenne den Menschen nicht!, packt danach das große Grausen: 'Und er ging hinaus und weinte bitterlich.' Gerettet!

 

norgallen

15. Juli 2020 15:15

Selbstbehauptungswille ist das sich halten wollen in der Schöpfungsordnung, also kreatürliche Pflicht! Widerspricht nicht der Feindesliebe in christlich-katholischer Auslegung.

Ich bin Anhänger des thomasischen Gedankens des appetitum irascibile, d.h. zornmütiges Strebeverhalten, um das Gute, Wahre und Schöne zu verteidigen. 

Die Zeit des Waldgangs ist vorüber und die des Anarchen gekommen, der nur gelegentlich die "Alltagsmaske" im öffentlichen Raum absetzt, denn er läßt sich nur ungern durch dieses Schibboleth markieren. Gelegentlich fährt er mit in der Kutsche nach Herrenchiemsee. Wir müssen die Nerven bewahren und "die Spatzen pfeifen lassen". Ich bin grosso modo nicht pessimistisch. Gott mit uns!

Alexis

15. Juli 2020 23:04

@ Volksdeutscher

"Der Mensch", sei es der der Philosophie oder der der Theologie oder der der Soziologie existiert nur als Begriff, daher kann kein Gericht sich auf ihn berufen. Woher nimmt sich ein Gericht das Recht, was hat es dazu befähigt, im Namen einer theoretischen Größe aufzutreten? Warum wird solchen Kompetenzüberschreitungen nicht der Riegel vorgeschoben? Warum werden sie geduldet? Warum wird gegen solche anmaßenden Gerichtsurteile nicht juristisch vorgegangen?

 

Nun ja. Die Menschenwürde findet sich schon im Grundgesetz in Artikel 1. (Siehe: https://dejure.org/gesetze/GG/1.html)

Deshalb können sich Gerichte schon auf diese berufen.

 

Mit der Menschenwürde ist aber nicht die Würde des Menschen im Sinne des gesamten Menschenheitskollektiv gemeint sondern die Würde des Menschen im Sinne des einzelnen Menschen.

 

Marc_Aurel

15. Juli 2020 23:50

Sellner zeigt anschaulich die Situation auf und blickt der bitteren Realität nüchtern ins Auge. Zum ersten Mal in der Geschichte droht hier tatsächlich die Gefahr einer (fast) totalen Informationskontrolle durch wenige Interessengruppen, zumindest in der westlichen Hemisphäre, damit einher bzw. parallel dazu, gehen auch radikale Änderungen im Gefüge der Gesellschaften. Mit einem gewissen Gruseln muss man zur Kenntis nehmen, das Distopien, wie sie in diversen Filmen bzw. Büchern aufgezeigt wurden, die man noch vor 1-2 Jahrzehnten für „sehr weit hergeholt“ hielt, in nicht mehr allzuferner Zukunft mit dem Anwaschen der technischen Möglichkeiten und der zunehmenden Monopolisierung des Informationsmarktes tatsächlich in dieser Schärfe eintreten könnten. Hoffnung macht, das bislang fast immer erstmalig auftretende Probleme, gegen die im ersten Moment kein Kraut gewachsen schien, nach eingier Zeit von einer erstmals praktzierten Lösung überascht und bereinigt wurden.

Alexis

16. Juli 2020 00:24

Persönlicher Idealismus, der den Ressourcenmangel wettmachen kann, reicht auf Dauer nicht aus, um dem Mainstream Paroli zu bieten. Die Hoffnung auf das Auftauchen patriotischer Milliardäre, die aus einer Laune heraus eine rechte BILD- oder Kronenzeitung finanzieren, hat sich bisher nicht erfüllt.

 

Das ist korrekt. Aber müssen es wirklich Milliardäre sein? Können es nicht auch Staaten sein? Was ist mit den patriotisch regierten Ländern wie Polen oder Ungarn. Warum richten die Regierungen dieser Länder keinen deutschsprachigen Nachrichtensender sein, der der rechten Opposition ein Podium bietet und die "künstlichen Wahrheit" (Sellner), den die MSM alltäglich in die Köpfe hämmern, entlarvt und die echte Wahrheit entgegenstellt. 

Die PiS-Führung und Orban muss noch begreifen, dass den Kampf, den wir hier in Westeuropa führen auch der ihre ist. Und dass für das Schicksal aller europäischer Völker wohl kaum ein Land bedeutsamer ist als Deutschland - als größte Volkswirtschaft Europas.

 

 

 

Volksdeutscher

16. Juli 2020 01:04

@Alexis

"Mit der Menschenwürde ist aber nicht die Würde des Menschen im Sinne des gesamten Menschenheitskollektiv gemeint sondern die Würde des Menschen im Sinne des einzelnen Menschen."

Sie zitieren sogar das Grundgesetz, aber ich befürchte, Sie irren sich. Hören Sie denn nicht den Unterschied zwischen dem Allgemeinen und dem Besonderen? DER MENSCH steht nicht für einen einzelnen Menschen. Dafür steht EIN MENSCH. "Der Mensch" hat keine Würde, kann keine Würde haben, weil er nicht wirklich existiert, daraus folgt, daß etwas nicht Existierendes nicht etwas Existierendes haben kann (wie z.B. eine Würde)! Es grenzt an einem Verbrechen, im Namen dieser blutlosen Abstraktion Menschen aus Fleisch und Blut zu richten. Jede Berufung auf ihn ist verfehlt, jedes von ihm abgeleitete Urteil ist ein Justizirrtum. Würde kann nur "EIN MENSCH" haben, davon steht jedoch nichts im Grundgesetz. Da steht nur "DIE WÜRDE DES MENSCHEN", das ist jedoch noch lange keine Garantie für dessen Richtigkeit. Im Grundgesetz steht auch etwas Hübsches von "Recht auf Arbeit", was ebenfalls ein Unfug ist, da nutzlos, weil niemand dieses "Recht" im Ernstfall einklagen kann. Wozu ist es dann da? Aus diesem Grunde ist es ebenfalls unsinnig, vor solchen unnützen "Gesetzen" niederzuknieen und sie zu verteidigen. Sie sollten abgeschafft werden. Der menschenrechtliche Universalismus ist der Tod der Nationen.

 

 

Alexis

16. Juli 2020 01:08

Letzendlich kann man die Macht der herrschenden Eliten in der BRD und anderen Ländern des Westens auf einen Begriff zusammenbrechen: Massentäuschung. Eine Massentäuschung, die dank einer absoluten Diskurshoheit funktioniert, die wie Sellner es korrekt darstellt, wiederum vorallem eine rein strukturelle ist -  im Klartext also auf einer vollständigen Herrschaft über die Massenmedien beruht.

Die im Besitz der links-globalistischen Eliten befindlichen Massenmedien hämmern ihre linksgrüne Scheinversion der Realität- ihre "künstliche Wahrheit" wie Sellner sie treffend nennt - unablässig in die Köpfe der Menschen.

In Kommentarspalten wird immer wieder die Frage stellt, warum die Deutschen denn nicht endlich "aufwachen", und ob Sie nicht sehen, was in ihrem Land passiert. Die Antwort ist: Sie sehen es nicht.

Die überwiegende Mehrheit der Deutschen lebt wortwörtlich in einer Schein oder Traumwelt. Sie können, was in diesem Land geschieht, gar nicht mehr wirklich wahrnehmen und erst recht nicht mehr richtig einordnen.

Sie bekommen vielleicht noch mit, dass Migration stattfindet und vielleicht noch wie sich die Bevölkerungszusammensetzung in ihrem Lebensumfeld verändert, begreifen aber auch dank dieser Massentäuschung nicht, dass sie zur Minderheit im eigenen Land werden, und erst recht nicht, was diese Zukunft als Minderheit für ihr Leben und das ihrer Kinder bedeutet.

 

 

Alexis

16. Juli 2020 02:38

Fortsetzung

Erste Aufgabe der Opposition ist es daher, diese Massentäuschung, – soweit dies möglich ist – aufzubrechen. Sellner hat in seinem Text die Hindernisse und die Grenzen der Möglichkeiten der politischen Rechten aufgezeigt.

Solange die Mehrheit der Deutschen in dieser Traumwelt lebt und denkt wird sich nichts ändern. Und ich bin mir auch nicht sicher, ob eine dramatische Verschlechterung der Lage viel verändern würde.

Eine Schlüsselrolle kommt dabei der AfD zu, die - wie ich hier auf SIN schon schrieb die wirkmächtigste und "Reichweitenstärkste" rechte Kraft ist und auch derzeit die größten Möglichkeiten hätte, diese Massentäuschung aufzubrechen und die "künstliche Wahrheit" aus den Köpfen zu verbannen.

Aber leider bleibt die AfD mit ihrem derzeitigen Bundesvorstand weit, weit hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Laurenz

16. Juli 2020 05:20

@Marc_Aurel

Zitat- Zum ersten Mal in der Geschichte droht hier tatsächlich die Gefahr einer (fast) totalen Informationskontrolle durch wenige Interessengruppen, zumindest in der westlichen Hemisphäre -Zitatende

Das ist im gesamten Osten von uns nicht anders, solange es den Osten selbst betrifft. Nur wenn es um den Westen geht, sind die Nachrichten aus dem Osten gut.

Auch ein Herr Röper und sein Anti-Relotius beleuchtet exakt nur diese Perspektive. Würde er in den Osten schauen, wäre seine redaktionelle Existenz in St. Petersburg schnell Geschichte.

Götz Kubitschek

16. Juli 2020 13:27

Feierabend, Dank an alle. Martin: Kopf hoch!

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