26. Juli 2020

Netzfundstücke (57) – Wagner, Hartwig, Tee

Jonas Schick

Mit den 57. Netzfundstücken verabschiedet sich die Sezession im Netz bis einschließlich den 2. August in die Sommerpause.

Und wie ließe sich die SiN-Sommerpause besser nutzen als mit Büchern? Wer nach Das Buch im Haus nebenan immer noch nicht mit Lesematerial gesättigt ist, für den haben Sezession-Literaturredakteurin Ellen Kositza und Buchhändlerin Susanne Dagen – seit neustem auch Verlegerin der edition buchhaus loschwitz (hier einsehbar) –, weitere Empfehlungen parat, die sie in einer neuen Folge ihres beliebten literarischen Trios, »Aufgeblättert. Zugeschlagen – Mit Rechten lesen«, ausgiebig vorstellen.

Das Trio komplettiert diesmal ein Überraschungsgast aus Österreich: niemand geringeres als »Robert Wagner«. Mit Marco Balzanos Ich bleibe hier (hier bestellbar) hat Wagner einen Südtiroler Heimatroman im Gepäck, der die Geschichte einer Frau erzählt, die trotz aller politischen Zumutungen der Jahre 1939-1943 die Stellung in ihrem Dorf hält – Weichen ist keine Option. Aber sehen Sie selbst:

Kositzas Wie ich meine Zeitung verlor des ehemaligen Süddeutsche-Journalisten Birk Meinhardt, das sie als komplementäres Werk zu Juan Morenos Tausend Zeilen Lügen betrachtet, kann hier bestellt werden. Dagens belletristischer Höhepunkt des ersten Halbjahres, Stern 111 von Lutz Seiler, der gekonnt das Gefühl der unbegrenzten Möglichkeiten der Wendejahre einfängt, kann hier bestellt werden.


Alle drei Bücher kreisen im Kern um das Thema »Heimat«. Die Frau in Balzanos Ich bleibe hier verteidigt ihre Heimat stoisch; Birk Meinhardt beklagt in Wie ich meine Zeitung verlor den Verlust seiner Heimat »Süddeutsche Zeitung« und der Hauptprotagonist Carl in Lutz Seilers Stern 111 versucht, in den Wirren der Wendejahre seinen Platz zu finden.

Ein Akteur, dem wir ähnlich wie Balzanos Frau aus Südtirol zu trotzen haben, ist der Verfassungsschutz, der mittlerweile als unverblümter Gehilfe der politischen Kräfte agitiert, denen »Heimat« ein Dorn im Auge ist. Der Innlandgeheimdienst als Immunsystem der »wehrhaften Demokratie« mutiert zur systemischen Autoimmunerkrankung, wobei er das qua seiner Konstituierung schon immer gewesen war. Er wußte es nur besser zu kaschieren.

Für die AfD, die im Gegensatz zu uns schon etwas länger von der Behörde beobachtet wird, beschäftigt sich Dr. Roland Hartwig als Leiter der parteiinternen Arbeitsgruppe »Verfassungsschutz« ausgiebig mit den Anmaßungen des Geheimdienstes. Der ehemalige Chefsyndikus des Bayer-Konzerns referierte zu der Problematik unter dem Titel »Wer schützt uns vor dem Verfassungsschutz?« bereits 2019 auf dem Staatspolitischen Kongreß des IfS in Magdeburg.

Den Vortrag sehen Sie hier:

Nun hatte ich außerdem die Gelegenheit, im Gespräch mit Dr. Hartwig im Rahmen des Podcasts des Bürgernetzwerks Ein Prozent e.V. »Lagebesprechung« der Behörde unter der Leitung von Thomas Haldenwang auf den Zahn zu fühlen.

Die Podcastfolge können Sie hier anhören: podcast.einprozent.de.


Das ausgefallene Fundstück kommt diesmal aus Japan. Die Rede ist von Tee, genauer Grünem Tee. Das erste Mal, daß ich mit dieser Spezialität aus Ostasien in Kontakt kam, war während meiner Studienzeit in Bremen. Wenn die alte Hansestadt mit etwas aufwarten kann, dann ist es ihr traditionelles Angebot an Kolonialwaren.

Herausragende Tees und formidabler Kaffee gehören zum festen kulturellen Repertoire der Stadt an der Weser. In Süddeutschland muß man schon gezielt suchen, um vergleichbares zu finden. Tee existierte für mich vorher nur im Beutel und gab es im Supermarkt – von wirklicher Teekultur hatte ich bis dato keinen blassen Schimmer. Doch mit dem ersten losen Tee im Sieb sollte sich das ändern.

Im Vergleich dazu war jeder Grüne Tee in der Supermarktauslage eine völlig überteuerte Beleidigung – eine absolute Schwundstufe sowohl kultureller als auch geschmacklicher Art und meilenweit davon entfernt, wie man die Blätter der Teepflanze im Fernen Osten zubereitet. In Japan ist Grüner Tee zentraler Bestandteil der Kultur – in der traditionellen Teezeremonie erfährt seine Zubereitung ihren Höhepunkt und fungiert simultan als Ritual der seelischen Reinigung und bewußten Einkehr. Außerdem wird er als Naturheilmittel geschätzt.

Eine Dokumentation des GEO-Magazins gibt einen ausführlichen Einblick in die japanische Teewelt und bringt die kulturelle Bedeutung der grünen Blätter im Untertitel auf den Punkt:

Grüner Tee ist in Japan viel mehr als ein Getränk. Er ist der Schlüssel zur japanischen Kultur - Genuss, Philosophie und Lebenskunst in einem. Grünen Tee zu trinken, gilt in Japan als Kunst.

An diesem Punkt wird es Zeit für eine Tasse und eine kurze Einkehr vor den Zumutungen unserer zerfallenden Zivilisation. Wir gehen nun für eine Woche auf Tauchstation, ich wünsche Ihnen schöne Sommertage.



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