Netzfundstücke (57) – Wagner, Hartwig, Tee

Mit den 57. Netzfundstücken verabschiedet sich die Sezession im Netz bis einschließlich den 2. August in die Sommerpause.

Und wie lie­ße sich die SiN-Som­mer­pau­se bes­ser nut­zen als mit Büchern? Wer nach Das Buch im Haus neben­an immer noch nicht mit Lese­ma­te­ri­al gesät­tigt ist, für den haben Sezes­si­on-Lite­ra­tur­re­dak­teu­rin Ellen Kositza und Buch­händ­le­rin Susan­ne Dagen – seit neus­tem auch Ver­le­ge­rin der edi­ti­on buch­haus losch­witz (hier ein­seh­bar) –, wei­te­re Emp­feh­lun­gen parat, die sie in einer neu­en Fol­ge ihres belieb­ten lite­ra­ri­schen Tri­os, »Auf­ge­blät­tert. Zuge­schla­gen – Mit Rech­ten lesen«, aus­gie­big vorstellen.

Das Trio kom­plet­tiert dies­mal ein Über­ra­schungs­gast aus Öster­reich: nie­mand gerin­ge­res als »Robert Wag­ner«. Mit Mar­co Balza­nos Ich blei­be hier (hier bestell­bar) hat Wag­ner einen Süd­ti­ro­ler Hei­mat­ro­man im Gepäck, der die Geschich­te einer Frau erzählt, die trotz aller poli­ti­schen Zumu­tun­gen der Jah­re 1939–1943 die Stel­lung in ihrem Dorf hält – Wei­chen ist kei­ne Opti­on. Aber sehen Sie selbst:

Kositz­as Wie ich mei­ne Zei­tung ver­lor des ehe­ma­li­gen Süd­deut­sche-Jour­na­lis­ten Birk Mein­hardt, das sie als kom­ple­men­tä­res Werk zu Juan More­nos Tau­send Zei­len Lügen betrach­tet, kann hier bestellt wer­den. Dagens bel­le­tris­ti­scher Höhe­punkt des ers­ten Halb­jah­res, Stern 111 von Lutz Sei­ler, der gekonnt das Gefühl der unbe­grenz­ten Mög­lich­kei­ten der Wen­de­jah­re ein­fängt, kann hier bestellt werden.


Alle drei Bücher krei­sen im Kern um das The­ma »Hei­mat«. Die Frau in Balza­nos Ich blei­be hier ver­tei­digt ihre Hei­mat sto­isch; Birk Mein­hardt beklagt in Wie ich mei­ne Zei­tung ver­lor den Ver­lust sei­ner Hei­mat »Süd­deut­sche Zei­tung« und der Haupt­prot­ago­nist Carl in Lutz Sei­lers Stern 111 ver­sucht, in den Wir­ren der Wen­de­jah­re sei­nen Platz zu finden.

Ein Akteur, dem wir ähn­lich wie Balza­nos Frau aus Süd­ti­rol zu trot­zen haben, ist der Ver­fas­sungs­schutz, der mitt­ler­wei­le als unver­blüm­ter Gehil­fe der poli­ti­schen Kräf­te agi­tiert, denen »Hei­mat« ein Dorn im Auge ist. Der Inn­land­ge­heim­dienst als Immun­sys­tem der »wehr­haf­ten Demo­kra­tie« mutiert zur sys­te­mi­schen Auto­im­mun­erkran­kung, wobei er das qua sei­ner Kon­sti­tu­ie­rung schon immer gewe­sen war. Er wuß­te es nur bes­ser zu kaschieren.

Für die AfD, die im Gegen­satz zu uns schon etwas län­ger von der Behör­de beob­ach­tet wird, beschäf­tigt sich Dr. Roland Hart­wig als Lei­ter der par­tei­in­ter­nen Arbeits­grup­pe »Ver­fas­sungs­schutz« aus­gie­big mit den Anma­ßun­gen des Geheim­diens­tes. Der ehe­ma­li­ge Chef­syn­di­kus des Bay­er-Kon­zerns refe­rier­te zu der Pro­ble­ma­tik unter dem Titel »Wer schützt uns vor dem Ver­fas­sungs­schutz?« bereits 2019 auf dem Staats­po­li­ti­schen Kon­greß des IfS in Magdeburg.

Den Vor­trag sehen Sie hier:

Nun hat­te ich außer­dem die Gele­gen­heit, im Gespräch mit Dr. Hart­wig im Rah­men des Pod­casts des Bür­ger­netz­werks Ein Pro­zent e.V. »Lage­be­spre­chung« der Behör­de unter der Lei­tung von Tho­mas Hal­den­wang auf den Zahn zu fühlen.

Die Pod­cast­fol­ge kön­nen Sie hier anhö­ren: podcast.einprozent.de.


Das aus­ge­fal­le­ne Fund­stück kommt dies­mal aus Japan. Die Rede ist von Tee, genau­er Grü­nem Tee. Das ers­te Mal, daß ich mit die­ser Spe­zia­li­tät aus Ost­asi­en in Kon­takt kam, war wäh­rend mei­ner Stu­di­en­zeit in Bre­men. Wenn die alte Han­se­stadt mit etwas auf­war­ten kann, dann ist es ihr tra­di­tio­nel­les Ange­bot an Kolonialwaren.

Her­aus­ra­gen­de Tees und for­mi­da­bler Kaf­fee gehö­ren zum fes­ten kul­tu­rel­len Reper­toire der Stadt an der Weser. In Süd­deutsch­land muß man schon gezielt suchen, um ver­gleich­ba­res zu fin­den. Tee exis­tier­te für mich vor­her nur im Beu­tel und gab es im Super­markt – von wirk­li­cher Tee­kul­tur hat­te ich bis dato kei­nen blas­sen Schim­mer. Doch mit dem ers­ten losen Tee im Sieb soll­te sich das ändern.

Im Ver­gleich dazu war jeder Grü­ne Tee in der Super­markt­aus­la­ge eine völ­lig über­teu­er­te Belei­di­gung – eine abso­lu­te Schwund­stu­fe sowohl kul­tu­rel­ler als auch geschmack­li­cher Art und mei­len­weit davon ent­fernt, wie man die Blät­ter der Tee­pflan­ze im Fer­nen Osten zube­rei­tet. In Japan ist Grü­ner Tee zen­tra­ler Bestand­teil der Kul­tur – in der tra­di­tio­nel­len Tee­ze­re­mo­nie erfährt sei­ne Zube­rei­tung ihren Höhe­punkt und fun­giert simul­tan als Ritu­al der see­li­schen Rei­ni­gung und bewuß­ten Ein­kehr. Außer­dem wird er als Natur­heil­mit­tel geschätzt.

Eine Doku­men­ta­ti­on des GEO-Maga­zins gibt einen aus­führ­li­chen Ein­blick in die japa­ni­sche Tee­welt und bringt die kul­tu­rel­le Bedeu­tung der grü­nen Blät­ter im Unter­ti­tel auf den Punkt:

Grü­ner Tee ist in Japan viel mehr als ein Getränk. Er ist der Schlüs­sel zur japa­ni­schen Kul­tur – Genuss, Phi­lo­so­phie und Lebens­kunst in einem. Grü­nen Tee zu trin­ken, gilt in Japan als Kunst.

An die­sem Punkt wird es Zeit für eine Tas­se und eine kur­ze Ein­kehr vor den Zumu­tun­gen unse­rer zer­fal­len­den Zivi­li­sa­ti­on. Wir gehen nun für eine Woche auf Tauch­sta­ti­on, ich wün­sche Ihnen schö­ne Sommertage.

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