(Anti-)Fragiler Widerstand I

Ein ereignisreiches Jahr ist zur Hälfte vorbei. Eine Jahreshälfte voll neuer Chancen, neuer Repressalien und neuer Rückschläge.

 Gastbeitrag

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Wir erle­ben gleich­zei­tig die Ver­wer­fun­gen durch Coro­na und Black Lives Mat­ter, stei­gen­de Zen­sur auf Online­platt­for­men und bit­te­re inter­ne Kämp­fe inner­halb der AfD. Eini­ge die­ser Schocks, wie der Coro­na­vi­rus, kamen völ­lig uner­war­tet. Ande­re, wie das Deplat­forming, waren prin­zi­pi­ell erwar­tet, aber kei­ner wuß­te, wann sie jeweils wo in wel­chem Aus­maß ein­tref­fen würden.

Seit­dem zer­bre­chen wir uns den Kopf dar­über, wie wir weni­ger fra­gil auf die­se Schocks reagie­ren kön­nen, denn daß das rech­te Lager hier erheb­li­che Anfäl­lig­kei­ten offen­bart hat, wird kei­ner mehr bestreiten.

Was ist eigent­lich das Gegen­teil von “fra­gil”? “Robust” wür­den die meis­ten sagen. Ein ver­ständ­li­cher Feh­ler, denn es gibt weder in der deut­schen, noch in einer ande­ren euro­päi­schen Spra­che ein Wort für das Gegen­teil von fragil.

Fra­gil ist etwas, das emp­find­lich auf Ver­än­de­run­gen reagiert. Ein Glas etwa reagiert emp­find­lich auf Ver­än­de­run­gen der auf es ein­wir­ken­den phy­si­ka­li­schen Kraft. Bleibt es auf einem Regal ste­hen, so geschieht ihm nichts, wird es aber hin und her gewor­fen wie ein Ball, so wird es mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit zerbrechen.

Wich­tig ist fol­gen­des: Das Glas kann vie­le Male hin und her gewor­fen wer­den, ohne daß ihm Scha­den zustößt. Durch hin und her wer­fen zer­bricht das Glas des­halb, weil dabei irgend­wann ein­mal, wenn das Glas her­un­ter­fällt, eine Kraft­ein­wir­kung erreicht wird, die aus­reicht, es zu zer­bre­chen. Die gro­ßen Ver­än­de­run­gen, die Vola­ti­li­tät der ein­wir­ken­den Kraft, ist des­halb schlecht für das Glas, weil inner­halb der Band­brei­te die­ser Vola­ti­li­tät auch der Punkt liegt, an dem es zer­stört wird. Der Rest ist Zufall und Zeit.

Als robust bezeich­nen wir etwas, in die­sem Bei­spiel etwa einen Stein, das nicht auf Vola­ti­li­tät reagiert. Das ist nicht das eigent­li­che Gegen­teil von fra­gil. Gibt es auch etwas, dem Vola­ti­li­tät nützt?

Der Risi­ko­theo­re­ti­ker Nicho­las Nas­sim Tal­eb hat den Begriff „Anti­fra­gi­li­tät“ ein­ge­führt, um eben die­ses Gegen­teil von Fra­gi­li­tät zu beschrei­ben. Anti­fra­gil ist etwas, das, zumin­dest inner­halb gewis­ser Gren­zen, von Vola­ti­li­tät pro­fi­tiert. Bei toten Objek­ten, wie einem Glas, oder einem Stein gibt es so etwas so gut wie gar nicht. Selbst Stahl, der durch schnel­le Ver­än­de­run­gen in Druck und Tem­pe­ra­tur gehär­tet wird, ist nicht anti­fra­gil. Denn die­se Ver­än­de­run­gen müs­sen plan­mä­ßig auf­ein­an­der abge­stimmt wer­den und dür­fen kei­nes­wegs zufäl­lig erfolgen.

Im Reich des Lebens ist hin­ge­gen fast alles erfolg­rei­che anti­fra­gil, denn das Leben ist unge­wiß. Wer nur erfolg­reich ist, solan­ge er die Zukunft rich­tig vor­aus­sagt, wird eher frü­her als spä­ter schei­tern, auch wenn die Erfolg­rei­chen oft so aus­se­hen, als hät­ten sie den Gang der Ereig­nis­se im Vor­aus gewußt.

In sei­nem Buch Anti­fra­gil illus­triert Tal­eb dies an einer Epi­so­de aus dem Leben des Phi­lo­so­phen Tha­les von Milet: Tha­les stamm­te aus der Ober­schicht die­ser Händ­ler­stadt. Sei­ne Stan­des­ge­nos­sen pfleg­ten ihn mit der Bemer­kung auf­zu­zie­hen, daß Phi­lo­so­phie eine Beschäf­ti­gung für Leu­te sei, die es im Geschäfts­le­ben zu nichts gebracht hätten.

Eines Win­ters mach­te Tha­les den Besit­zern der Ölpres­sen im Umkreis von Milet fol­gen­des Ange­bot: Gegen eine klei­ne Anzah­lung sicher­te er sich das Vor­recht dar­auf, nach der nächs­ten Oli­ven­ern­te die Pres­sen mie­ten zu dür­fen. Die Ern­te fiel gut aus und Tha­les konn­te die­ses Recht für eine gro­ße Sum­me weiterverkaufen.

Nach­dem er sei­nen Stan­des­ge­nos­sen die­sen Beweis sei­ner Geschäfts­tüch­tig­keit gelie­fert hat­te, wand­te er sich wie­der der Phi­lo­so­phie zu.

Aris­to­te­les, der uns die­se Epi­so­de über­lie­fert hat, miß­in­ter­pre­tier­te sie auf eine sehr bezeich­nen­de Wei­se. Er schrieb Tha­les Spe­ku­la­ti­ons­er­folg sei­nen gro­ßen astro­no­mi­schen Kennt­nis­sen zu. Der Phi­lo­soph habe durch sie bereits im Win­ter gewußt, daß die Ern­te gut aus­fal­len würde.

Doch Ster­ne und Pla­ne­ten haben kei­nen Ein­fluß auf das Wet­ter. Tha­les Genie­streich lag in etwas ganz ande­rem. Er begriff, daß er das Vor­recht auf die Mie­tung der Ölpres­sen für eine Sum­me bekom­men konn­te, die im Ver­gleich zum mög­li­chen Gewinn bei einer guten Ern­te unver­hält­nis­mä­ßig gering war. Da ihn der mög­li­che Ver­lust auch nicht rui­niert hät­te, konn­te er es ruhig auf den Zufall ankom­men las­sen. Tha­les kann­te das Aus­maß der nächs­ten Oli­ven­ern­te genau­so­we­nig, wie irgend­je­mand sonst in Milet. Doch er wuß­te bes­ser als jeder ande­re, wie er bei gerin­gem Risi­ko eine gro­ße Gewinn­chan­ce erzie­len konnte.

Das ist Anti­fra­gi­li­tät. Anti­fra­gil, nach Nicho­las Nas­sim Tal­eb, ist jemand, der die Unge­wiß­hei­ten des Lebens zu nut­zen weiß, wäh­rend er die Schä­den die­ser Unge­wiß­hei­ten vermeidet.

Die theo­re­ti­sche Beschrei­bung von Fra­gi­li­tät und Anti­fra­gi­li­tät lie­fert die soge­nann­te Jensensche Unglei­chung über kon­ve­xe Funk­tio­nen. Eine kon­ve­xe Funk­ti­on ist bild­lich gespro­chen eine Funk­ti­on, die in der gra­phi­schen Dar­stel­lung nach rechtsoben gewölbt ist, wie etwa die Expo­nen­ti­al­funk­ti­on f (x) = x².

Der däni­sche Mathe­ma­ti­ker Johan Lud­wig Jen­sen konn­te im Jahr 1905 bewei­sen, daß bei einer kon­ve­xen Funk­ti­on einer Varia­ble x, das gewich­te­te arith­me­ti­sche Mit­tel, also der Erwar­tungs­wert, der Funk­ti­on von x immer grö­ßer oder gleich dem Funk­ti­ons­wert des gewich­te­ten arith­me­ti­schen Mit­tels von x ist.

An die­ser Stel­le zur Ver­ständ­lich­keit eine ver­ba­le und gra­phi­sche Erklärung.

Ein ein­fa­ches Bei­spiel: Gege­ben sei eine Funk­ti­on f (x), wobei x eine Zufalls­va­ria­ble der Zah­len­rei­he 1, 2, 3, 4 und 5 sei. Den mög­li­chen Beträ­gen von x sei­en fol­gen­de Wer­te zugewiesen:

1 → 10

2 → 11

3 → 13

4 → 17

5 → 25

Der Durch­schnitt der Funk­ti­ons­wer­te beträgt 15,2. Der Durch­schnitt der Funk­ti­ons­va­ria­ble ist 3. Der 3 zuge­ord­ne­te Funk­ti­ons­wert beträgt in die­sem Bei­spiel 13. Der Durch­schnitt von f (x) ist also grö­ßer, als der Funk­ti­ons­wert des Durch­schnitts von x.

Gra­phisch läßt sich das sehr schön dar­stel­len. Legt man eine Gera­de durch zwei Punk­te einer kon­ve­xen Funk­ti­on, so liegt die­se Gera­de auf der Stre­cke zwi­schen den bei­den Schnitt­punk­ten ober­halb der Funktion:

 

Gra­phik 1: Nicho­las Nas­sim Tal­eb (2018): (Anti)Fragility and Con­vex Respon­ses in Medi­ci­ne. S. 2.

Die Senk­rech­te H auf der x‑Achse, in der Mit­te zwi­schen den bei­den Schnitt­punk­ten, schnei­det sowohl die Funk­ti­on f (x), als auch die Gera­de durch die bei­den Schnitt­punk­te. Der Schnitt­punkt mit der Funk­ti­on f (x) ist der Funk­ti­ons­wert der Mit­te zwi­schen bei­den Schnitt­punk­ten. Der Schnitt­punkt mit der Gera­den ist der durch­schnitt­li­che Funk­ti­ons­wert bei­der Schnittpunkte.

Der durch­schnitt­li­che Funk­ti­ons­wert bei­der Schnitt­punk­te ist ersicht­lich grö­ßer, als der Funk­ti­ons­wert der Mit­te zwi­schen bei­den Schnitt­punk­ten. Ein Wech­sel zwi­schen den bei­den Schnitt­punk­ten ergibt also einen höhe­ren Durch­schnitts­wert, als der kon­stan­te Funk­ti­ons­wert der Mit­te zwi­schen den Schnittpunkten.

Das ist die Jen­sen­sche Unglei­chung, die in einer ein­fa­chen Vari­an­te lautet:

1. E (f (x)) ≥ f (E (x)), wenn f(x) konvex

Der Erwar­tungs­wert E der Funk­ti­on f(x) ist bei einer kon­ve­xen Funk­ti­on immer grö­ßer oder gleich dem Funk­ti­ons­wert des Erwar­tungs­wer­tes von x.

Nas­sim Tal­eb kam nun auf den Gedan­ken, die­se seit dem Jahr 1905 bekann­te Unglei­chung zur prä­zi­sen Defi­ni­ti­on des Begrif­fes „Fra­gi­li­tät“ zu ver­wen­den. Von daher kam er auch auf „Anti­fra­gi­li­tät“, als Gegen­be­griff zur Fragilität.

Tal­eb inter­pre­tiert die Funk­ti­on f (x) als Aus­druck des Scha­dens oder Nut­zens, der bei je einer bestimm­ten Men­ge x von irgend­et­was (das kann wirk­lich alles sein) ein­tritt. Eben­so inter­pre­tiert er die Gewich­tung des arith­me­ti­sche Mit­tel von x als Ver­tei­lung der Ein­tritts­wahr­schein­lich­keit ver­schie­de­ner Wer­te der Zufalls­va­ria­blen x. Dies bedeu­tet dann, daß bei einer kon­ve­xen Funk­ti­on der zu erwar­ten­de Scha­den oder Nut­zen steigt, je vola­ti­ler die Zufalls­va­ria­ble x ist, also je wahr­schein­li­cher ein extre­mer Wert von x ist, auch wenn dies glei­cher­ma­ßen für einen hohen, wie für einen nied­ri­gen Wert von x gilt.

Fra­gil in Bezug auf die Sache, deren Men­ge durch x ange­ge­ben wird, ist dem­nach etwas, für das eine Funk­ti­on f (x) kon­vex ist und f das Aus­maß einer nega­ti­ven Aus­wir­kung angibt.

Anti­fra­gil in Bezug auf die Sache, deren Men­ge durch x ange­ge­ben wird, ist dem­nach etwas, für das eine Funk­ti­on f (x) kon­vex ist und f das Aus­maß einer posi­ti­ven Aus­wir­kung angibt.

Tal­eb faßt für gewöhn­lich bei­des in Eines, indem er für nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen ein­fach das Vor­zei­chen ver­tauscht. Somit tre­ten in ein und der­sel­ben Funk­ti­on Anti­fra­gi­li­tät als Kon­ve­xi­tät und Fra­gi­li­tät als Kon­ka­vi­tät (Krüm­mung der Funk­ti­on nach links­oben) in Erscheinung.

Selbst­ver­ständ­lich las­sen sich die Eigen­schaf­ten der Kon­ve­xi­tät und Kon­ka­vi­tät auch auf ein Inter­vall [a,b] zwi­schen den bei­den Punk­ten a und b begren­zen. An der Logik ändert das nichts. Es ermög­licht vor allem den häu­fi­gen Sach­ver­halt dar­zu­stel­len, daß eine Sache inner­halb einer bestimm­ten Band­brei­te anti­fra­gil, dar­über hin­aus jedoch fra­gil ist.

Wozu aber das Gan­ze und was kann es uns zei­gen? Tal­ebs Defi­ni­ti­on von Fra­gi­li­tät und Anti­fra­gi­li­tät durch die Jen­sen­sche Unglei­chung prä­zi­siert nicht nur die Begrif­fe und führt uns zum Gegen­teil des­sen, was her­kömm­lich als Fra­gi­li­tät bezeich­net wird: Anti­fra­gi­li­tät. Sie ermög­licht vor allem Fra­gi­li­tät und Anti­fra­gi­li­tät auch dort fest­zu­stel­len, wo die mög­li­chen Aus­wir­kun­gen nicht bloß in weni­gen über­schau­ba­ren, dis­kre­ten Zustän­den bestehen.

Das Glas aus dem Bei­spiel am Anfang bleibt ent­we­der ganz, oder zer­bricht. Jeder kann intui­tiv begrei­fen, was Fra­gi­li­tät in die­sem Zusam­men­hang bedeu­tet. Bei der Fra­gi­li­tät oder Anti­fra­gi­li­tät des Wer­tes eines Akti­en­port­fo­li­os, der Zustim­mungs­wer­te einer poli­ti­schen Par­tei, oder dem all­ge­mei­nen Ver­trau­en in die Regie­rung oder das poli­ti­sche Sys­tem als Gan­zes ist dies nicht so ohne wei­te­res klar.

Sehen wir unter dem Blick­win­kel der von Tal­eb defi­nier­ten Fra­gi­li­tät und Anti­fra­gi­li­tät auf das ver­gan­ge­ne Jahr­zehnt zurück, dann wird jedoch schnell deut­lich, daß die bei­den gro­ßen Erfolgs­mo­men­te des rech­ten Lagers auf Fra­gi­li­tä­ten des herr­schen­den Sys­tems beruhten.

Mas­sen­ein­wan­de­rung gab es bereits vor der Flücht­lings­kri­se. Es stell­te sich aller­dings (wenig ver­wun­der­lich) her­aus, daß ein Spit­zen­wert von über einer Mil­li­on Ein­wan­de­rer in einem Jahr zu wesent­lich grö­ße­rem Wider­stand in der Bevöl­ke­rung führt, als regel­mä­ßi­ge Mas­sen­ein­wan­de­rung von zwei­hun­dert- bis dreihunderttausend.

Obwohl die etwa andert­halb Mil­lio­nen des Jah­res 2015 eben nicht die neue Nor­ma­li­tät waren, son­dern ein plötz­li­cher Spit­zen­wert, war die Reak­ti­on eine ganz ande­re, als wenn die­se andert­halb Mil­lio­nen gleich­mä­ßig über einen Zeit­raum von einem Jahr­zehnt ver­teilt wor­den wären. Wider­stand gegen den gro­ßen Aus­tausch wächst nicht ein­fach bei stär­ke­ren Ein­wan­de­rungs­zah­len, son­dern vor allem bei grö­ße­rer Vola­ti­li­tät der Ein­wan­de­rung. Hier besteht eine Fra­gi­li­tät des Sys­tems und dem­entspre­chend eine Anti­fra­gi­li­tät der rech­ten Opposition.

Das­sel­be Prin­zip gilt für den Euro. Die bestän­dig not­wen­di­ge Finan­zie­rung der Süd­län­der auf die eine oder ande­re Wei­se ruft kaum Wider­stand her­vor. Nur wenn plötz­lich außer­ge­wöhn­lich gro­ße Sum­men im Raum ste­hen, dann wird die Gemein­schafts­wäh­rung infra­ge gestellt.

In bei­den Fäl­len war es weni­ger die abso­lu­te Schä­di­gung des deut­schen Vol­kes, wel­che die poli­ti­sche Land­schaft ver­än­dert hat. Es gab kei­nen Effekt von wegen: „Wenn es erst es schlimm genug ist, wachen die Leu­te auf“. Wenn dies der Fall wäh­re, dann müß­te man bei den ver­schie­de­nen west­li­chen Län­dern eine kla­re Abstu­fung des Wider­stan­des pro­por­tio­nal zu den Belas­tun­gen der jewei­li­gen Bevöl­ke­rung fest­stel­len kön­nen. Eine sol­che ist heu­te aber genau­so­we­nig nach­weis­bar, wie zur Zeit der fran­zö­si­schen Revolution.

Statt­des­sen spiel­te die unglei­che Ver­tei­lung die­ser Schä­di­gung die ent­schei­den­de Rol­le. Die intui­tiv rich­ti­ge Stra­te­gie des Estab­lish­ments besteht des­halb auch in Fra­gen des Euro, wie der Migra­ti­on dar­in, auf die nicht zu besei­ti­gen­de struk­tu­rel­le Fra­gi­li­tät zu reagie­ren, indem man sich nach Kräf­ten bemüht, die Schä­di­gun­gen gleich­mä­ßi­ger zu verteilen.

Mas­sen­wein­wan­de­rung ja, aber gere­gelt und mit Fron­tex und eini­gen abschre­cken­den Lagern wie Moria an der EU Außen­gren­ze. Umver­tei­lung im Euro­raum ja, aber über die EZB oder ande­re fes­te Insti­tu­tio­nen, nicht über Ret­tungs­schir­me, die nach einer Nacht­sit­zung um vier Uhr mor­gens beschlos­sen werden.

Die Rech­te muß sich hin­ge­gen im Kla­ren wer­den, wie sehr ihre Erfol­ge im letz­ten Jahr­zehnt von die­sen Fra­gi­li­tä­ten des Sys­tems abhin­gen, die zu Anti­fra­gi­li­tä­ten der Rech­ten wurden.

In letz­ter Zeit sind wir mit The­men und Kri­sen kon­fron­tiert, bei denen es frag­lich ist, ob sol­che Fra­gi­li­tä­ten des Sys­tems bestehen. Es ist an der Zeit selbst aktiv anti­fra­gil zu wer­den. Davon han­delt der zwei­te Teil.

 Gastbeitrag

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Kommentare (14)

Monika

20. August 2020 19:47

Etwas abstrakt für meine Begriffe.

Das Gegenteil von fragil ist  DURALEX 

https://www.faz.net/aktuell/stil/mode-design/das-harte-geschaeft-des-glasherstellers-duralex-in-frankreich-16455012.html

Das Härteste, was Frankreich derzeit noch hervorbringt. Darüber kann man philosophische, physikalische, wirtschaftliche, ästhetische und kulturelle Betrachtungen anstellen ...

 

Monika

20. August 2020 20:12

Teil 2 Werde antifragil ! Prost ! Ich liebe diese Gläser.

Geeignet insbesondere auch für große Familien .:)

https://duckduckgo.com/?q=duralex+glas&t=ipad&ia=videos&iax=videos&iai=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DYIIC6hPqG9w

Sandstein

20. August 2020 20:46

Sehe es wie Monika, viele Absätze über Taleb und dann der unsanfte Übergang zu Migration und Fluchtbewegungen. Echt jetzt? 
 

..und das Gegenteil von fragil (zerbrechlich, zart) ist meiner Auffassung nach stabil (in sich fest gefügt, unbeweglich). 

Und das sollten wir auch sein: unbeweglich und fest. Also konservativ im besten Sinn. Dafür brauche ich aber keine (Un)Gleichung.

Gruss 
 

tearjerker

20. August 2020 21:26

Die von Herrn Poensgen beschworenen Erfolge der Rechten der letzten 10 Jahre sind bisher auch nichts Anderes als offen die Angst vor dem Versagen der linken Gesellschaftskonzepte artikulieren zu wollen, die man gern weiter in Funktion halten möchte. Der ‚Widerstand‘, besteht vor Allem darin zu fordern, dass einem doch bitte die Superspreader der Gesellschaftsdoktrin endlich zuhören sollen. Weil ja das bessere Argument quasi den Zwang zur Besserung der allgemeinen Umstände in sich trägt. Noch so ein linkes Konzept, an dem die „Rechte“ sich abarbeitet, während die Gegenseite den Ring immer enger zieht. Die Rechte indes hat gar nichts erreicht, Rechte Positionen haben null Repräsentation in den Institutionen und bleiben deshalb ohne Wirkung. Und auch die Dynamik um die selbsterzeugte ökonomische Megakrise wird das Loch, in dem alle sitzen nur noch vertiefen. Ihr müsst tiefer grabrn, Genossen!

Volksdeutscher

20. August 2020 21:58

"Ein verständlicher Fehler, denn es gibt weder in der deutschen, noch in einer anderen europäischen Sprache ein Wort für das Gegenteil von fragil."

Nun, wenn ich das aus dem Lateinischen kommende Wort fragil(feingliedrig, zerbrechlich) ins Ungarische als törékeny übersetze, kann ich es gleich mit drei sinnverwandten Wörtern übersetzen: hajlékony/biegsam, hajlítható/(ver)biegbar, rugalmas/federnd. Ich kann es aber auch mit zwei lateinischen Fremdwörtern übersetzen wie elasztikus/elastisch, flexibilis/flexibel. Ob man diese Wörter als Gegenteile akzeptiert, ist nicht nur eine Frage der Assoziationsfähigkeit.

Was dem rechten Lager hierzulande mangelt, ist, auf so genannte Schocks blasiert oder entspannt zu reagieren. Statt dessen ergehen sich viele in melancholischen, ja lethargischen Gedanken, und der dreuende Ernst bricht aus. Und hat er geholfen? Wenn die Lage eh schon als prekär beschrieben wird, sollte man diese Haltung ablegen und sich eine andere, geeignetere anlegen. Falls vorhanden. Wenn nicht, dann kultivieren. Wie wäre mit Nietzsches "fröhlicher Bosheit"?

Lotta Vorbeck

20. August 2020 23:18

@tearjerker - 20. August 2020 - 09:26 PM
Die Rechte indes hat gar nichts erreicht, Rechte Positionen haben null Repräsentation in den Institutionen und bleiben deshalb ohne Wirkung. Und auch die Dynamik um die selbsterzeugte ökonomische Megakrise wird das Loch, in dem alle sitzen nur noch vertiefen. Ihr müsst tiefer graben, Genossen!

@Volksdeutscher - 20. August 2020 - 09:58 PM
Wenn die Lage eh schon als prekär beschrieben wird, sollte man diese Haltung ablegen und sich eine andere, geeignetere anlegen. Falls vorhanden. Wenn nicht, dann kultivieren. Wie wäre mit Nietzsches "fröhlicher Bosheit"?

---

Wer zählt all die versandeten Projekte?

Wer zählt all die buchstäblich für NICHTS "verbrannten", eigenen Leute?

E (f (x)) ≥ f (E (x)), braucht's eine Jensensche Ungleichung?

Oder wäre es nicht eher an der Zeit, für eine nach außen hin lautlos durchgeführte Inventur?

Wer immer wieder dasselbe macht, wird auch immer wieder dasselbe Ergebnis erreichen.

Ja @tearjerker, es verhält sich wohl so, wie beim Goldsuchen in Alaska: Nicht im imaginierten Glory Hole tief graben, sondern an der richtigen Stelle graben und - nicht minder wichtig - bei Instandhaltung und Betrieb der Waschanlage miteinander kooperieren.

Franz Bettinger

21. August 2020 02:22

"Die intuitiv richtige Strategie des Establishments auf die Fragilität des Systems…“ Intuitiv richtig? Echt? Ich meine eher, die Elitioten haben alles falsch gemacht. Die horrenden Rettungsschirme für GR. Das Hereinwinken von über 1 Mio. Kindersoldaten und deren bedingungsloses Alimentieren ad infinitum. Die durchsichtige Corona-Propaganda wie die maßlosen Maßnahmen des Lockdowns. Der BLM-Terror, vor dem Polizisten, Politiker niederknien. Die Kriminslaisierung von friedlichen Demonstranten, Masken- und Impf-Gegner. Was kann man mehr falsch machen? Und doch kommen die dummen Gauner damit durch. Wieso? Weil sie viel (genug?) Macht haben. Und wir fast keine. (Okay, wir holen gerade Anlauf, und je mehr Anlauf man holt, desto weiter springt man.)

Grobmotoriker

21. August 2020 05:35

Für einen Chinesen symbolisiert der Bambus einen erfolgreichen Widerstand - äußerst biegsam, widersteht er auch dem stärksten Sturm, indem er nachgibt. Nachdem all die harten Bäume gebrochen am Boden liegen, richtet sich der Bambus auf als ob nichts geschehen wäre. Die für uns harte Eiche gilt in der chinesischen Tradition als weich, ungeeignet, starken Stürmen zu widerstehen. Die Eiche bricht irgendwann, unter ausreichend starkem Druck, den einzelnen Bambus muß  man durchsägen, aber auch dann stehen noch Hunderte seiner Nachbarn zusammen - ein Bambus steht nie alleine, immer in großen Verbänden. 

In der westlichen Literatur verkörpert der brave Soldat Schwejk die Rolle des Bambus. Mit Witz und Phantasie trotzt er der Übermacht. Und hat noch dazu die Zuneigung der Massen auf seiner Seite. Das sollte man nicht unterschätzen. 

RMH

21. August 2020 09:20

Bevor wir über Fragen der Haltung diskutieren, warten wir doch besser erst einmal Teil 2 ab. Das "die Rechte" als amorpher Haufen, der erst in den letzten Jahren wieder über eine gewisse Reizschwelle hinaus kam und prompt in eine Art billigen E. Goldstein seitens des Systems umfunktioniert wurde, fragil ist, gehe ich mit. Warum aber das System Fragilitäten gezeigt haben soll, erschließt sich mir noch nicht so recht. Alles, was in den letzten Jahren passiert ist, füllte noch nicht einmal die Flutpolder des Systems, geschweige denn, dass es die Dämme ernsthaft in Gefahr gebracht hätte. Das Gerede von einem drohenden "Dammbruch" von rechts ist Affektheischerei bestimmter Kreise, um so Fördermittel für ihre Programme gegen Rechts zu bekommen.

MARCEL

21. August 2020 10:24

Wer das aushält, was IB, IfS, Teilen der AfD u.a. angetan wird, ist alles andere als fragil. Verfolgungserfahrung stärkt Nehmerqualitäten, Zusammenhalt und hat fast schon "Trainings-Charakter". Gleichzeitig offenbart Verfolgung immer auch die Fragilität des Systems.

Während des Kriegsrechts in Polen diskutierte die Solidarnosc im Untergrund, ob man zu Aktionen nach Vorbild der Résistance übergehen solle (z.B. Attentate). Man entschied sich dagegen und optierte für einen psychologischen Verschleiß des Systems, das man immer wieder zur Brechung eigener Gesetze und moralischer Normen provozieren wollte. Ein System, das offiziell so viel auf Moral hielt, wurde beständig der krassen Unmoral überführt und so von innen zermürbt. Jedes Attentat hätte das Gegenteil bewirkt.

Die bei uns anhebende Verbots-Kultur böte genug Hebel für ein ähnliches Vorgehen.

Und doch stellt sich vor dem Hintergrund einer grassierenden Multi-Kulti-Gesellschaft, die in ihrem Kern immer gewalttätig sein wird, die Frage, ob das Beispiel von 1981 in der Art durchzuhalten wäre. A. Merkel hat da wohl klug strategische Weichen gestellt.

Volksdeutscher

21. August 2020 10:29

@ Lotta Vorbeck

Ich verstehe nicht, was von dem Geschriebenen sich auf mich bezieht und was Sie überhaupt sagen wollen. Könnten Sie Ihre Gedanken in einer realistischen Form ausdrücken? Danke.

quarz

21. August 2020 10:48

Die Kernaussage des Beitrags kommt im Bild vom Frosch im Kochtopf zum Ausdruck, der bei jäher Erhöhung der Umgebungstemperatur zum rettenden Sprung nach außen angeregt wird, während er bei schleichener Erhöhung im Topf bleibt und stirbt. Für die gezielte Nutzung der zweiten Variante haben wir das Wort "Salamitaktik". Inwiefern eine mathematische Schärfung der Begrifflichkeit hier einen Erkenntnismehrwert mit sich bringt, bleibt offen, regt mich aber jedenfalls zum weiteren Nachdenken an.

Laurenz

21. August 2020 11:26

Das mathematische Erklärungs-Model von Herrn Poensgen ist sicher interessant, allerdings nicht für viele. Für mich war Mathe in der Schule wohl zu traumatisch. Hilfreicher wäre es, wenn alle Rechten, wie ich, den Zinseszins berechnen könnten.

Alternative Medien, rechts oder links, gehen betteln, bis auf etwas Werbung/Monetarisierung, haben sie kein Geschäftsmodell. Die SiN ist eine Ausnahme und finanziert durch ein anderes Geschäftsmodell quer & befindet sich in einer sogenannten Nische. Das ist allerdings noch nicht so schlimm. Alles, was mit Veranstaltungen zu tun hat, wurde aktuell kurzerhand gelyncht.

Uns Rechten fehlen die reichen Trumps, die Milliardäre, auch wenn Trump als Geschäftsmann kein Genius, sondern ein Linker ist, was seine Anpassungsfähigkeit bezeugt. Auch eine Liz Mohn hatte vor allem horizontale Fähigkeiten, um an ihr Vermögen zu kommen, eine Fähigkeit, die der Moral rechter Frauen anscheinend widerspricht. Herrn Poensgens Fragilität der AufRechten basiert wohl auf mangelnder Anpassungsfähigkeit in einer uns lebensfremden Umwelt.

Lotta Vorbeck

21. August 2020 11:35

@Volksdeutscher - 21. August 2020 - 10:29 AM

Ein Imperativ mit angeklebtem "Danke"?

Antwort: Nein, Danke!

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