23. August 2020

Sonntagsheld (156) – Und sie sägen munter weiter…

Till-Lucas Wessels / 26 Kommentare

Nicht nur Kalbitz musste gehen

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

Immer mal wieder habe ich in dieser Kolumne versucht, auch jene zu würdigen, die aus verschiedenen  Gründen nicht auf die Art und Weise in den Vordergrund treten, wie es etwa ein Björn Höcke, oder ein Martin Sellner tut.

Ab und an, besonders wenn es dabei um solide Macher im Hintergrund ging, habe ich auch an Frank Pasemann gedacht. Obgleich nicht kamerascheu, so strahlt der große, schlanke 60-jährige Bundestagsabgeordnete doch zuviel Contenance, zuviel herrische Kälte aus, als dass er jemals eine politische Rampensau hätte werden können. Vielleicht ist ihm das jetzt zum Verhängnis geworden.

Im Windschatten der Causa Kalbitz musste nun auch Pasemann nach einer Entscheidung des Landesschiedsgerichtes in Sachsen-Anhalt seinen Hut nehmen. Inwiefern das Verfahren rechtlich abgeschlossen ist, ist noch unklar, schon jetzt war allerdings jemand so fleißig, zwei kleine Worte in Pasemanns Wikipedia-Biographie zu ändern: Nun steht dort „Frank Pasemann ist ein deutscher Politiker (parteilos, früher AfD).“

Ich bin nicht wirklich mit Pasemann bekannt, aber irgendwie habe ich es trotzdem geschafft, auf ebendieser seiner Wikipedia-Seite als einer jener politischer Haftmagneten aufzutauchen, welche man den guten Leuten anbappt, um sie durch das versammelte Gewicht der kleinen Vorwürfe zu verlangsamen und schließlich zu Fall zu bringen.

Dort heißt es Pasemann sei maßgeblich dafür verantwortlich gewesen, dass ich gemeinsam mit einer anderen Aktivistin auf einer AfD-Demo in Magdeburg auftreten durfte. Woher diese Information stammt, weiß ich nicht. Die Einladung in die Landeshauptstadt kam damals jedenfalls nicht von ihm.

Wofür Pasemann verantwortlich gezeichnet hat, das war einer der (für unser Milieu) denkwürdigeren Machtmarker, den die AfD im Bundestag gesetzt hat: Die Veranstaltung eines kritischen Vortrags über die Förderung linksextremer Strukturen durch den Bund unter Beteiligung maßgeblicher Akteure unseres Lagers in den Räumlichkeiten des Bundestages. 

Die Schlagzeile von der „Neuen Rechten im Bundestag“ ließ bei den roten Gesinnungsschnüfflern sämtliche Alarmglocken schrillen, und das nicht zu Unrecht: Pasemann hatte einen Nachmittag lang gezeigt, dass sich durch eine Zusammenarbeit von außerparlamentarischer und parlamentarischer Opposition nicht nur das Fenster des Sagbaren, sondern auch der Rahmen des Machbaren verschieben lässt. 

Dass die Räume der Macht jenen offenstehen, die sich trauen, nach der Klinke zu greifen, zeigte auch eine andere staatsmännische Mission, der sich Pasemann verschrieben hatte: Gemeinsam mit anderen Abgeordneten reiste er nach Syrien, um für eine Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zur Assad-Regierung und eine gemeinsame Anstrengung bei der Schaffung von Heimkehrperspektiven für syrische Flüchtling zu werben.

Eigentlich gibt es an Frank Pasemann so gar nichts, was irgendwie links ist. Und doch hat der 60-jährige in seinen drei Jahren als Bundesabgeordneter eindrücklich gezeigt, was möglich wäre, wenn eine selbstbewusste AfD sich der Vorfeldstrategien des politischen Gegners bedienen würde.   

Sie wäre in der Lage das zu tun, was sich alle von den teilweise hervorragenden blauen Wahlergebnissen der vergangenen Jahre erhofft hatten: Ohne zu zögern auf jeder neuen Treppenstufe der politischen Macht sofort in die Breite zu wuchern und um sich herum ein Geflecht wachsen zu lassen, das stark genug ist, die Form zu halten, falls das Gebälk im Inneren mal morsch werden sollte.

Nun hat man Pasemann also auch geschasst, und wenn man sich die wachsende Reihe der Geächteten ansieht, kommt man nicht umhin zu bemerken, dass hier ein dritter Weg der Parteienpolitik einen Rückschlag erleidet.

Nämlich jener, der weder auf den volkstribunenanfälligen Basisdemokratiefetisch, noch auf eine Handvoll abgeklärter Berufspolitiker setzt, sondern auf ein stabiles Wurzelwerk, das die weltanschaulichen, subkulturellen und strategischen Kreativstoffe aus dem außerparlamentarischen Mosaik aufnimmt, formiert und in die Abgeordnetenhäuser, Landtage und den Bundestag trägt

Bleibt nur zu hoffen, dass sich bewahrheitet, was ich in einer Kurznachricht über Pasemann las: Gute Männer brauchen keine Partei.


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.


Kommentare (26)

Franz Bettinger

24. August 2020 05:04

"Gute Männer brauchen keine Partei.“ Ha, großartiger Satz! Cetero censeo, Meuthen et altera sunt chassendam - und mit ihnen die Unvereinbarkeits-Liste.  Was für eine angserfüllte Kindergarten-Mentalität sich darin widerspiegelt!

Ein gebuertiger Hesse

24. August 2020 08:47

Man muß sich noch einmal die windelweiche Begründung für den Pasemann-Rauswurf ansehen: https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2020/pasemann-aus-afd-ausgeschlossen/ Der "Raum des Sagbaren" - die Partei macht ihn immer weiter zu. Wozu brauchen wir sie dann noch?

Der_Juergen

24. August 2020 10:14

Guter Artikel, aber warum zieht Wessels nicht die sich aufdrängende Konsequenz und schreibt deutlich, dass das Experiment AFD, wie zuvor das Experiment Republikaner, gescheitert ist, weil sich dieses System mit zuverlässigen Mechanismen davor schützt, eine starke parlamentarische Opposition hochkommen zu lassen? Dr. Curio soll ruhig weiter gute Reden halten, aber verändern wird er damit nichts. Wäre ich Höcke, so wüsste ich, was ich täte, aber ich bin nicht Höcke, und er bedarf meines Rates schwerlich. Er muss selber entscheiden, wie er sich künftig optimal für Deutschland einsetzen kann. Gewiss nicht als Oberhaupt der AFD Thüringen. 

RMH

24. August 2020 10:36

@Der_Juergen,

das Experiment AFD ist nicht gescheitert, noch sitzen sie in den Parlamenten und haben m.M.n. auch gute Chancen, dort länger zu bleiben.

Was aus rechter Sicht "gescheitert" sein könnte, ist der Versuch, eine echte deutsch-patriotische Kraft parlamentarisch zu etablieren, für die deutsch sein immer auch bedeutet, deutscher Abstammung zu sein.

Letztlich ist dieser spezifische Inhalt rechtlich nur noch für unerfolgreiche Parteien möglich (siehe BVerfG-Urteil zum NPD-Verbot). Insofern ist die Zurückschälung der AfD zu einer republikanisch-liberalen Partei konsequent und folgerichtig. Für mich vergleichbar mit dem Schritt, den die Grünen bei ihrer Hinwendung zur Realpolitik gemacht haben. Übrigens war das die AfD eigentlich schon bei ihrer Gründung.

Ich persönlich werde die AfD weiterhin wählen, da ich nicht automatisch die anderen wählen mag, wenn ich gar nicht wähle. Zudem ist für mich "deutsch" in erster Linie etwas spezifisch Kulturelles, was man zuallererst selber zu leben und zu lehren hat, damit es erst gar keine parlamentarische Hilfe zur Wiederbelebung nötig hat.

Glast

24. August 2020 11:10

Zwei verfeindete Parteien in einer - das wird nicht gelingen. Kraft welchen Talents will man diesen 'Laden' noch zusammenhalten?! Vielleicht wäre doch eine "Alternative für Mitteldeutschland"sinnvoll. Allerdings wurde Pasemann ja in Sachsen-Anhalt rausgeworfen. Da würde mich jetzt wirklich die Verzweiflung an der Kehle packen, wenn ich die AFD nicht schon vorher abgeschrieben hätte - zumindest als gesamtdeutsche Partei. 

Koch

24. August 2020 11:17

@ein gebuertiger Hesse:

Danke für den Hinweis zu den Hintergründen des Ausschlusses. Da muss man ehrlicherweise sagen: Am eigenen Unvermögen gescheitert.

Ein gebuertiger Hesse

24. August 2020 11:22

Allerdings, was die ansonsten guten Männer angeht: Auch sie gehören zusammen mit der Gesamtpartei zu den historischen Chancenauslassern. Keiner von ihnen, weder Höcke, Kalbitz oder Pasemann, hat in den letzten fünf Monaten öffentlich das Corona-Lügennarrativ grundsätzlich in Frage und an den Pranger gestellt. Sie hätten dabei bloß auf die Expertisen der Herren Bhakdi und Wodarg verweisen müssen. Aber das wollten sie offenbar nicht. Warum nicht?

MartinHimstedt

24. August 2020 13:16

Alleine die Tatsache, dass (die Mutter) Melanie eine denunziatorische Wikipedia-Seite hat, welche einem Indymedia-Artikel gleicht, sagt schon alles aus, was man über diese Republik wissen muss.   

heinrichbrueck

24. August 2020 13:25

@ Der_Juergen

Wir alle sind nicht frei, zu glauben, was wir wollen. Warum die AfD gebraucht wird? Sieht man doch. Unter „System“, wie es verstanden wird, scheiden sich die Geister. Der demokratische Wähler gibt seine Stimme ab, dafür bekommt er Freiheit, Grundrechte und institutionalisierte Verantwortungslosigkeit, mit einem Lebensrecht ohne Zukunft des eigenen Volkes, und mehr ist nicht drin. Was der Typ sonst noch glaubt, bezüglich seiner Freiheit, ist kein Beweis. Die Nummer mit der Opposition: Demokratische Ideologievermittler sind nicht eingeplant, der Systemkrise jemals gewachsen sein zu können. Ideologievermittlung ist programmierte geistige Kontrolle. Und warum jemand freiwillig Macht abgeben sollte, da müßte schon ein guter Grund vorhanden sein. Die AfD noch ein Weilchen zu brauchen, ist nicht weiter schlimm. Mit der Internetfreigabe scheint dem System ein gravierenderer Fehler unterlaufen zu sein. Das „System“ muß umfassender verstanden werden, jedenfalls nicht aus der Sicht eines Reparateurs.

@ RMH

Kultur = Ethnie = Rasse. Sie wählen immer die anderen.

RMH

24. August 2020 16:55

"Keiner von ihnen, weder Höcke, Kalbitz oder Pasemann, hat in den letzten fünf Monaten öffentlich das Corona-Lügennarrativ grundsätzlich in Frage und an den Pranger gestellt. ... Aber das wollten sie offenbar nicht. Warum nicht?"

@Gebürtiger Hesse,

wieso sollten Sie auch? Das sind Politiker, die ganz andere Themen bespielen und als Herzensangelegenheit haben und daher sich nicht Zugfahrkarten für jeden sich anbahnenden populistischen Zug lösen, sonst hätte sie bereits den jugend-affinen Klimaschutz-Zug besteigen müssen etc. Gerade deshalb sind es ja - entgegen dem Medien-Label - eigentlich keine Populisten, weil sie im Grunde genommen unmoderne und unpopuläre Themen haben.

Solution

24. August 2020 17:16

@ Der_Juergen

Ja, da kann man nur zustimmen: Die AfD ist gescheitert. Sie ist schon eine ganze Zeit auf dem Weg zur Systempartei. Für mich definitiv keine "Alternative" mehr. Was tun? Die Kräfte außerhalb sammeln, vernetzen und ein starkes Machtzentrum aus Verlagen, Zeitschriften, Youtubern, usw. aufbauen. Dann werden sich - zumal im Angesicht der Corona-Folgen - neue Optionen ergeben. 

Ottokar Vondrejc

24. August 2020 17:52

Pasemann in allen Ehren und Sie in allen Ehren. Aber warum muss ein Philip Stein zwei JN-Männer als Linksextremismus-Experten ankarren?

Das erinnert an LINKEN-Politiker als Rechtsextremismus-Experten, oder eher noch DKP-Politiker. Das stetige Sich-Distanzieren ist freilich eine Krankheit, aber das offene Zusammenarbeiten mit ehemaligen NPD-Kadern schlicht nur noch eine politische Dummheit sondergleichen. 

Fehlt es Ein Prozent - deren Arbeit ich an sich ja schätze - wirklich so sehr an Referenten?

Laurenz

24. August 2020 19:23

 

@RMH

Die politische Frage stellt sich für den individuellen Wähler zu mehr als 90% immer nur materiell.

Solange die eigene Existenz akzeptabel gesichert ist, gönnt man der grünen Ablaß-Schickeria der Ex-Republik alle astronomisch teuren Luxus-Probleme auf Steuerzahlers Rücken. Und den meisten sind auch die eigenen Kinder exkremental egal, und deren zukünftige Probleme unsere Staatsschulden zurück zu zahlen, es bleibt einfach wumpe. Denn jeder hat verstanden, im Bedarfsfall druckt die EZB, was bisher nur in der Abstraktion nicht funktionierte. Bei den Veranstaltern, der Touristik-Branche, den Krankenhäusern, etc.pp. ist es gar nicht mehr möglich, ohne Verluste ein weiteres Loch in den Gürtel zu stanzen, um ihn enger zu schnallen. Wenn also in den kommenden 12 Monaten die ökonomische Lage fataler wird, schaut auch jeder sonst Ignorante, wer denn hier mit Staatsknete gefördert wird und wer nicht. Und dann wird offensichtlich werden, daß die eigene ethnische Identität in die Röhre schaut. Es hat doch auch schon angefangen. Die Subventionen für E-Autos wurden massiv zurück gedreht, trotz des ganzen Dumm-Gequatsches der Staatsratsvorsitzenden.

limes

24. August 2020 20:49

@ RMH schreibt, für ihn sei »"deutsch" in erster Linie etwas spezifisch Kulturelles, was man zuallererst selber zu leben und zu lehren hat, damit es erst gar keine parlamentarische Hilfe zur Wiederbelebung nötig hat.«

Und ob wir Deutsche parlamentarische Hilfe nötig haben! Wer soll denn sonst unsere Lobby im politischen Betrieb sein, so wie die Tibeter selbstverständlich eine habe, deren Fahne alljährlich von deutschen Behörden am Jahrestag des tibetischen Volksaufstands von 1959 gehisst wird? Wo ist unsere Lobby in der Regierung? Ich sehe da nur die »Deutschland-verrecke-Lobby« des Establishments.

Wie widersinnig ist es doch, dass man uns vorwirft »völkisch« zu denken, wenn wir nur das erhalten wollen, was uns lieb ist. Während andere uns im eigenen Land ungestraft rassistisch beleidigen dürfen, als »Köterrasse« zum Beispiel: Die Hamburger Staatsanwaltschaft sah keine Volksverhetzung in der Bezeichnung. Die rassistische Begründung: »„Es muss sich um eine Gruppe handeln, die sich durch irgendein festes äußeres oder inneres Unterscheidungsmerkmal als äußerlich erkennbare Einheit heraushebt.“ Für die Bezeichnung „Deutsche“ treffe das nicht zu, …«. (WELT am 28.02.2017)

Feste äußere oder innere Unterscheidungsmerkmale der Einheit waren uns 1989 noch gestattet. Welchen Sinn hätte die an Freudentränen reiche Wiedervereinigung sonst gemacht? Heute ist es angeblich verfassungsfeindlich, darüber nachzudenken.

limes

24. August 2020 21:13

@ Ein gebuertiger Hesse schreibt: »Keiner von ihnen, weder Höcke, Kalbitz oder Pasemann, hat in den letzten fünf Monaten öffentlich das Corona-Lügennarrativ grundsätzlich in Frage und an den Pranger gestellt. Sie hätten dabei bloß auf die Expertisen der Herren Bhakdi und Wodarg verweisen müssen. Aber das wollten sie offenbar nicht. Warum nicht?«

Ganz im Gegenteil springt die AfD anscheinend auf den Pandemie-Zug auf, wenn sie auf der Startseite ihres »Fan-Shops« einen bedruckten »Mund-Nase-Schutz«, eine ebensolche Kaffeetasse und einen Zollstock anbietet mit der perfekt angepassten Begründung: »Passend zu Corona-Zeiten – Atemschutz, viel Kaffee im Home-Office und Heimwerker-Projekte«.

Wie widersinnig, auf einen Maulkorb den Leitspruch »FREIHEIT AfD« zu drucken. Wie unkritisch, angesichts der von @ Ein gebuertiger Hesse dargelegten Faktenlage von »Corona-Zeiten« auszugehen, in denen Atemschutz benötigt wird, und von der Tendenz zu Heimwerker-Projekten, für die man mangels Werktätigkeit Muße hat ... Und natürlich schön denglisch der Begriff »Home-Office«.

Alternative? Für Deutschland?

Niedersachse

24. August 2020 22:40

@gebürtiger Hesse @ andere

"Sie hätten dabei bloß auf die Expertisen der Herren Bhakdi und Wodarg verweisen müssen."

 

Das hat Björn Höcke getan. Auf seiner Facebook- Seite vom 17.08.2020 stellt er das Buch "Corona Fehlalarm" von Professor Bhakdi vor.

Sandstein

25. August 2020 08:35

"wieso sollten Sie auch? Das sind Politiker, die ganz andere Themen bespielen und als Herzensangelegenheit haben und daher sich nicht Zugfahrkarten für jeden sich anbahnenden populistischen Zug lösen, sonst hätte sie bereits den jugend-affinen Klimaschutz-Zug besteigen müssen etc. Gerade deshalb sind es ja - entgegen dem Medien-Label - eigentlich keine Populisten, weil sie im Grunde genommen unmoderne und unpopuläre Themen haben."

ich lache jetzt grade wirklich herzhaft! Haben Sie eventuell auch nur eine Sekunde darauf verwendet, das Gegenteil anzunehmen? Also, dass beide Politiker sind und in dieser undurchsichtigen Lage bezüglich Corona eben genau diesen populistischen Zug abwarten wollten? Und das hat nichts mit dem "Klima-Zug" zu tun, hier hat man sich ja auch gegen die Mehrheitsmeinung gestellt. Was eine Logik...echt genial! 

Manchmal habe ich das Gefühl hier auf der Sezession bricht das Niveau weg. Mit jedem vermeintlichen Schlag gegen das Lager wird mehr und mehr verkrampft und sich Schaum vor den Mund geredet - mit immer wieder der selben Brühe. Franz Bettinger, G G und die anderen: ihr habt keinen Durchblick! 

RMH

25. August 2020 10:28

@limes,

im Sinne des alten Wahlspruches "Hilf Dir selbst,..." sollte man grundsätzlich parlamentarische Hilfe immer eher als "nice to have" ansehen (ja, ich spreche von deutscher Kultur und verwende Anglizismen) und grundsätzlich aber auch ohne zurechtkommen. Ich persönlich fände vieles auch sehr nett und hilfreich, wenn es das aber nicht gibt, darf man auch nicht jammern, sondern muss weiter machen.

@Laurenz,

Sie haben Recht. Unsere Wirtschaft und insbesondere der Wohlstand sind Kolosse, die auf nicht nur tönernen Füßen stehen - diese Füße werden auch noch rissig und brüchig.

@all,

wenn es etwas grundsätzlich Richtiges, da vernünftig (auch im kantschen Sinne), bei der  AfD gab, dann ist es ihre Unvereinbarkeitsliste und insbesondere die scharfe Abgrenzung zu allem, was NPD oder NPD-Umfeld war und ist. Zum einen hat man dadurch in der Breite die Diskussion um eine NPD im neuen Kleid verhindert und zum anderen, dass sich die NPD Funktionäre wie die Goldfasane selig aus dem Staub machen können und unter anderem Label reüssieren können (kennen wir alles von der Union, SPD, FDP). AfDler, die diesen Markenkern nicht tragen wollen oder aus persönlichen Verstrickungen nicht tragen können, sollten so ehrlich zu sich und allen anderen sein und eingestehen, dass die AfD eben nicht ihre Partei sein kann. Es gibt dennoch viele gute und sinnvolle politische und kulturelle Betätigungsmöglichkeiten - nur dann eben nicht in der AfD, was ja auch kein Drama sein sollte.

Uwe Lay

25. August 2020 10:30

Drei Strömungen in der AfD

Grob vereinfacht kann die AfD als Einheit dreier Richtungen erfaßt werden: die liberal-conservative, ihr Repräsentant: Meuthen, die conservative, ihr Repräsenttant:Gauland und die national-conservative Richtung:Höcke. Diese  Einheit hat nun der Meuthen-Flügel aufgekündigt, man will die national-conservative Richtung ausschließen. Als das Konzept Meuthens, die Partei in zwei aufzuspalten, sich als nicht durchsetzbar erwies,wurde eben Plan b aktiviert mit großen Erfolgen: Nachdem sich schon die "Patriotische Plattform" auf Druck des Bundesvorstandes auflöste, mußte der "Flügel" sich auflösen   und  jetzt wird der national-conservative Flügel Schritt für Schritt  aus der Partei ausgeschlossen, um so nun doch noch das Ziel einer Säuberung der Partei von allem, was rechts ist, zu erreichen. Neu sind jetzt die Angriffe auf Gauland, da er für die Einheit der Partei eintritt, die der Meuthenflügel nun beseitigt. Der Meuthen-Flügel ist aber so  erfolgreich, weil die innerparteiliche Oppositon  mit ihren Selbstauflösungen faktisch den Kampf aufgab. Nun gilt: je  besser jemand ist, desto eher wird er ausgeschlossen, wenn er irgendwie "rechts" ist.

Uwe Lay

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

RMH

25. August 2020 12:17

@Sandstein,

ich weiß nicht, in welchem Forum Sie lesen, aber ich habe hier eigentlich noch nie Leute mit Schaum vor dem Mund wahrnehmen können. Aber Sie sollten evtl. einmal in den Spiegel schauen, sie könnten ggf. noch etwas Sabber an der Backe haben.

Es tut mir Leid, aber ich hätte nicht gedacht, dass ich mit Ü 50 mir schon wie der Opa vorkommen muss, der darauf hinweist, dass das meiste im Ergebnis noch lange nicht so heiß gekocht wird, wie es sich im Internet so schön liest. Beispiel: Piraten - nach der damaligen Stimmung im Internet hätten die locker bei ihrem ersten BT-Wahl Antritt 8- 10% bekommen müssen, Realität: waren es 2 oder gar 3%? Ähnlich beim ersten Antritt der AfD - immerhin, da waren es knapp unter 5%, was auf die kommende Substanz hingewiesen hat. Und jetzt wird für eine Demo getrommelt und schon wird jeder, der die alte Lebensweisheit hat, dass eine Schwalbe noch lange keinen Sommer macht, gleich als quasi Defätist, Bremser, Spalter, Ahnungsloser dargestellt.

Am Samstag ist "Rhodus" in Berlin, jetzt darf der Internet-Fünfkämpfer gerne zeigen, ob und wie weit er springt. Ich werde stattdessen im Reinhardswald wandern gehen ... wünsche dennoch gutes Gelingen und sehr weites Springen.

Gotlandfahrer

25. August 2020 12:25

Es wäre ja auch zu schön gewesen, liesse sich der Verfall mit den Mitteln heilen, die ihn herbeigeführt haben.

Volksdeutscher

25. August 2020 13:39

Davon, daß alle fähigen Frauen und Männer vom Flügel hinausgeschmmissen werden, könnten der AfD zum Untergang gereichen. Wenn das so weiter geht, wird es mit ihr in kurzer Zeit vorbei sein, weil niemand eine FDP-2 oder CDU-2 braucht, die FDP und die CDU mit eingeschlossen. Die einzige Chance, Deutschland vor dem Untergang zu retten könnte somit verspielt werden durch politische Dillettanten. Die noch verbliebenen Flügel-Leute müßten sich zusammentun und sich Taktik und Strategie gegen die freiwiligen Helfern des Verfassungsschutzes ausarbeiten. Sie sollten damit aufhören, die feinen Kerle zu spielen, die die Nase rümpfen und jeglichen Machenschaften hold sind. Sie werden nur dann erfolgreich sein, wenn sie sich mit der gleichen Härte und Entschlossenheit zur Wehr setzen, ja, vielleicht auch mit der gleichen Bosheit, ganz genau  wie ihre innerparteilichen Feinde, denn Gegner sind aus einem ganz anderem Stoff. Alles geschehe freilich für Deutschland, versteht sich. Oder wollen sie lieber schweigen und warten, bis sie allesamt zur Schafott geführt werden?

Laurenz

25. August 2020 18:09

@Uwe Lay

Natürlich wurden die Kanalarbeiter aus der SPD raus gekegelt und die Konservativen der CDU kaltgestellt. Im Westen also nichts Neues. 

Aber die These der liberalen Weichspüler der AfD, die Patriotisch-Konservativen im Osten würden im Westen Stimmen kosten, ist durch nichts bewiesen. Als ob die AfD-Hanswurste im Saarland und Hamburg mit ihren 6% an Höcke gescheitert wären, das glauben noch nicht einmal unsere dicksten intellektuellen Polit-Granaten Esken & Baerbock. Mutmaßlich ist es eher umgekehrt. Die FDP/Werte-Union-Kopie existiert schon. Da wählt der Wähler lieber das Original. Und da das im Grunde jeder weiß, ist eher davon auszugehen, daß diese Meuthen-Bande in einem Trojanischen Pferd steckt.

Gelddrucker

25. August 2020 23:48

Jeder, der die AfD aus IRGENDEINEM Grund nicht mehr wählt (Systempartei etc.) spielt dem Gegner in die Hände. Es ist vollkommen irrelevant wohin die AfD mehr tendiert, Flügel oder liberal, die hohe Wahlergebnisse geben massiv Rückenwind für sämtliche anderen patriotischen Bewegungen inklusive mentaler Stärke. Wer also Elitist ist und glaubt, der "Cuckservativen" Partei die Stimme entziehen müssen, schadet nur dem Großen und Ganzen.

Nordlicht

26. August 2020 21:56

Natürlich ist es schade, dass die AfD sich zerlegt und den wichtigen Flügel abschneidet.

DENNOCH werde ich sie wählen. Wen sonst?

starhemberg

27. August 2020 13:47

Die AfD ist zu wählen, vollkommen egal, was tagtäglich an Kampf, Krampf und Händel passieren mag. Es gibt nur diese eine Alternative. Wichtig erscheint mir, dass man sich bis Sommer 2021 soweit zusammenrauft, dass ein scharfer und straffer Wahlkampf erlebbar wird.

Bis dahin ist es noch ein knappes Jahr. Ich denke, der Zeitraum ist ausreichend, um sich "wahlkampffest" zu machen. Alles was vorher passiert, braucht einen nicht weiter aus der Ruhe zu bringen.