3. September 2020

Wachsende Ringe – Tagebuch (4)

Götz Kubitschek / 50 Kommentare

Nicht in Berlin! (Damit ist schon viel gesagt, denn es gab viele Leser und Leute, die von Kositza und mir erwarteten, daß wir uns aufmachten.)

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Stattdessen am Schreibtisch, wie angekündigt. Post, Lektüre, Lektorat, vor allem aber Aufräumarbeiten, also Ablage der Korrespondenzstöße und Aussortieren der viel zu vielen neuen Bücher, die sich deshalb in größerem Umfang als früher ansammeln, weil der Druck on Demand der Pest des Selbstverlags die Ausbreitung erleichterte. Wieder also: ein Paradigma. Wir schätzen die Freiheit, begrüßen die Umgehung der gekaperten und gleichgeschalteten Instanzen, diese Barrieren vor der veröffentlichten Meinung - und bekommen vor allem das Nicht-Ausgesiebte vor die Augen gekippt, das, was kein an Qualitätsmaßstäben ausgerichteter Lektor oder Verleger hätte durchgehen lassen.

Wie gründlich an einem Buch gearbeitet werden kann, zeigt mein Austausch mit Martin Lichtmesz, der an sein neues Buch Ethnopluralismus. Eine Verteidigung letzte Hand legt, bevor am Montag der Setzer setzen und Caroline Sommerfeld Endkorrekturen zusammentragen wird. Die Diskussionen mit ihm über die letzten Verteidigungslinien, die wir für den ethnischen Anteil am Volksbegriff einrichten können, müßten im Grunde als Anhang in sein Buch aufgenommen werden.

Wissenschaftlichkeit, politische Strategie, verbale Selbstzensur, Gewichtungsunterschiede - alles das würde deutlich, und darüber hinaus eben vor allem eines: Wie genau wir es nehmen mit der Verlagslinie und mit dem Anspruch, die für unsere Denkrichtung wichtigen Bausteine gründlich bearbeitet zu vermauern.

Inhaltlich ist das Ganze ein Schock: Wie rasant das ius sanquinis von seiner Verankerung im Grundgesetz (und im gesunden Menschenverstand) abgerutscht ist zu einer nur noch von vermeintlichen Rassisten vorgetragenen Überzeugung. Die Frage ist: Kann man aufgrund "realpolitischer Erwägungen" von der Herkunft des Volkes, also von seiner Wirklichkeit als Abstammungs- und Fortpflanzungsgemeinschaft absehen? Muß man, weil er zum verfassungsgerichtlich angesetzten Hebel geworden ist, den ethnischen Volksbegriff aufgeben? Muß den Sieg eines höchstrichterlich festgezurrten politischen Willens akzeptieren, wenn man weiterhin mitspielen will?

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Fließender Übergang: Es wäre ungerecht, die Bilder und die zentralen Reden aus Berln unter dem Eindruck der Vermutung Jürgen Elsässers zu beurteilen, es handelte sich beim 29. August um den wohl wichtigsten Tag der deutschen Geschichte seit 1945. Solche absurden Aufladungen sind entweder der Ausfluß von Geschäftssinn oder der fahrlässige und durch nichts gedeckten Wunsch nach einem Putsch. Oder glaubte da jemand im Ernst, die bloße Anwesenheit und das bloße Gewicht von "Millionen auf der Straße" reiche in einem so flexiblen System wie dem unseren aus, daß sich die Kanzlerin leise weinend in einen Hubschrauber begebe, um außer Landes zu fliehen?

Man sollte sich davor hüten, von sich selbst eine Karikatur zu zeichnen - und von allen anderen gleich mit, die sich aufmachten und nun wieder zuhause sind und weiterhin unter derselben Regierung, in derselben Gängelung, vor denselben Problemen, demselben Bankrott, derselben toxischen Atmosphäre stehen wie vor Berlin, trotz des vermeintlichen 1945er-Moments ...

Wo war der gemeinsame Nenner in Berlin, und zwar nicht der kleinste, also dieses grundsätzliche Mißtrauen in die redlichen Absichten der politischen Führung und der von ihr gefütterten Medien, sondern der größte: Worauf können sich alle einigen, die dort waren, um zu demonstrieren, Flagge zu zeigen? Es ging gegen die Corona-Maßnahmen, gut, aber war es das? Dann wäre das Ziel ja bloß dieser Zustand "davor": Alles bestens, hätte die Regierung nicht durchgedreht und den Virus ernst genommen.

Nein: Jede Gruppe, jedes Projekt, das antritt, um das System Merkel niederzukämpfen, muß eine Antwort auf die Frage geben, wie es nach dem "Day after" mit unserem Land, unserem Staat weitergehen sollte.

Im Deutschlandfunkinterview äußerte der Soziologe Professor Dieter Rucht, daß man vermutlich keinen gemeinsamen Nenner über dieses grundsätzliche Mißtrauen hinaus finden könne. Vielmehr speise sich die Demonstration aus sehr vielen Einzelanliegen, die tatsächlich Gruppierungen von ganz links und ganz rechts neben monothematischen Bewegungen (Impfgegner, Chemtrailer, solche, die für Deutschland einen Friedensvertrag fordern oder noch auf ganz andere historische Fragen zu sprechen kommen wollen) für einen Tag in einer Querfront vereine und nebeneinander auf die Straße bringe.

"Rechtsoffen" hat Martin Sellner die Stimmung dort genannt, und das ist zugleich viel und nichts: viel, weil es etlichen Leuten das Erlebnis bescherte, für ihr "Anliegen" nicht gleich in die Nazi-Ecke abgeschoben zu werden; akzeptiert zu werden ist aber zugleich nichts, denn es bedeutet, daß man vor allem selbst etwas zu akzeptieren hat, das weit hinter dem zurückbleibt, was man zuvor für unverhandelbar hielt.

Aus Sicht der "Querdenker" war und ist es ganz und gar das Richtige, so wenig festgelegt, so wenig vereinnahmt wie möglich zu agieren und tatsächlich quer über den Lagern zu liegen. Wir selbst sind ja nicht mehr weitergekommen mit unseren Methoden und Versuchsanordnungen in den vergangenen Monaten. Die Konfrontation auf eine neue, noch unberechenbare, noch nicht festgestellte Art zu suchen, ist notwendig und sollte von uns nicht gestört werden. Die Festlegungs- und Denunziationsversuche laufen sowieso schon, diese Posse eines dynamischen Gruppenfotos auf den Reichstagstreppen paßt den Wichtigtuern in Politik und Medien, diesen bestbesoldeten Hausbesetzern unserer "Herzkammer" so richtig in den Kram.

Von einer Vereinnahmung der "Querdenker" durch rechte Gruppen oder Strukturen konnte, das ist mein Eindruck, in Berlin keine Rede sein. Dazu sind die Beweggründe für die Anreisen eben viel zu individuell, zu verschieden, zu disparat, und das Ausgrenzende, Abgrenzende, Exklusive, das jeden rechten Politikentwurf zwingend prägt, stieße tatsächlich gleich auf Ablehnung, würde es in seiner ganzen Härte und Tragweite auf die Bühne gebracht.

Als ich zum Auftakt der Veranstaltung an der Siegessäule auf einen Live-Stream schaltete, ließ sich dort gerade eine Gruppe auf dieser zentralen Bühne nieder, die von einem Mann mit orangenem Turban angeführt wurde. Diese Gruppe trat an, um mit einem gesungenen und getrommelten Mantra eine Atmosphäre kräftiger, toleranter, friedfertiger Herzen wo nicht herzustellen, so doch wenigstens herbeizusehnen ...

Man muß nicht alles rekapitulieren, was davor und danach noch alles im Live-Stream zu besichtigen war: welche Leute, Botschaften, Anliegen, Vermutungen, Schlüsselbegriffe, und welche Hoffnung auf die Losungen Toleranz, Liebe, Freiheit, Wahrheit und Menschheit, auf Nähe, Seele, Glück, Graswurzel und Basisdemokratie gesetzt wurden.

Jedenfalls: Das alles ist ebenso entgrenzt wie unpolitisch. Machtlos waren und sind immer diese Forderungen nach Friedensvertrag und verfassungsgebender Nationalversammlung: Wer erinnert sich noch an Alfred Mechtersheimers Friedenskomitee, in dem sich vor rund fünfundzwanzig Jahren eine nationale Querfront sammelte, in der Urgrüne, Linksnationale um das Projekt "Wir selbst", Völkische, Bündische, Neue Rechte, Friedensbewegte, Atomkraftgegner sich sammelten und einige große Friedensfeste veranstalteten, mit tausenden Teilnehmern?

Schon damals diskutierten wir uns den Mund fusselig und bekamen mit Mechtersheimer Ärger, weil wir an eines nicht glaubten: an das eine erlösende Thema, den einen erlösenden Schritt durch die Mauer, an eine geistige Grenzöffnung, einen historischen Befreiungsschlag, einen epochalen Schritt hinauf in ein schöneres, selbstbewußteres, fruchtbareres, fleißigeres, wieder mehr deutsches, wieder weniger fremdbestimmtes Leben. Man darf Heilserwartungen einfach nicht mit Politik verwechseln und das gute Gefühl, unter Gleichgesinnten zu sein, nicht mit Macht.

Also: Nach Berlin zu fahren und sich anzuschließen, war für zigtausende Aufgebrachte, Verzweifelte, Entschlossene, Entrüstete sicherlich das beste, was sie tun konnten. Jedoch: Dort zu sein und nach aller Erfahrung, Lektüre, Beteiligung, Forderung aus den letzten dreißig Jahren nun der Formierung des allerkleinsten Nenners zuzustimmen (Freiheit, Menschheit, Liebe, Frieden)  - mir hätte das kein Mensch abgenommen.

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Vielleicht auch deshalb: Las eben im Tagesspiegel einen Artikel über die Einweihung eines Denkmals für die polnischen "Befreier" Berlins, die "wir" gestern vor 81 Jahren ja zunächst einfach so überfallen und selbst im April 45 nicht freudig begrüßt hätten. Der kleinste gemeinsame Nenner wäre für mich, diesen Artikel für abgründig zu halten, für ein so ahnungsloses und ahistorisches Gelaber, für einen solchen Nationalmasochismus, daß es einem den Atem verschlagen sollte.

Diese Befreier hatten - so der Autor - nach der Kapitulation Deutschlands "vorübergehend eine eigene Besatzungszone im Emsland". Man reibt sich die Augen und weiß nicht mehr, was man sagen soll. Vielleicht dies: Diese Befreier entrechteten, vertrieben, enteigneten, internierten, folterten, vergewaltigten und ermordeten die Deutschen aus Ost- und Westpreußen, Pommern, Schlesien und Ostbrandenburg und behielten diese Gebiete ein.

Und weiter: Wir kommen heute gut mit den Polen aus und sind froh darum, daß sie das deutsche Erbe zu pflegen begannen. Wir wissen, daß sie aus Ostpolen selbst vertrieben wurden und daß dort für sie nach 1945 der Krieg ebensowenig zu Ende war wie für unsere Landsleute in den Besatzungszonen. Aber niemals sollte das dazu führen, daß wir ihrer Armee und ihren Vertreibungsverbrechern Denkmäler setzen.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.


Kommentare (50)

MARCEL

3. September 2020 11:24

Es gibt eine Revolution der Sichtbarkeit, wenn berechtigte Anliegen, überhaupt Grundrechte, aus der Verborgenheit heraustreten, das ist schon revolutionär. 

Ja, es gibt keine Rezepte, vielleicht nicht einmal unbedingten Glauben, dafür reichlich Skepsis durch die Hypothek vieler gescheiterter Versuche.

Aber, es gibt uns in unserem "Weinberg". Lasst uns die "Talente" nicht vergraben aus Angst vor dem "Gott der Geschichte" Das allein sollte die Mächtigen beunruhigen. Ihre Fehler "machen" letztlich die Revolution...

Ein gebuertiger Hesse

3. September 2020 11:31

"Die Konfrontation auf eine neue, noch unberechenbare, noch nicht festgestellte Art zu suchen, ist notwendig und sollte von uns nicht gestört werden."

Das noch ungeschlacht Vitale, das vor aller Formfindung sich einen WEG zu bahnen sucht, nicht durch die eigene Präsenz zu stören, das ist wahre metapolitische Klugheit und hoher Anstand. Bravo für diese Geste.

Mboko Lumumbe

3. September 2020 11:43

Paradigma? Meiner bescheidenen Ansicht nach wäre Paradoxon das treffendere Wort, denn es wird ja eine Widersprüchlichkeit dargestellt.

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Einen, wenn man so will, großen gemeinsamen Nenner habe ich aus meiner Sicht wahrnehmen können:

Der Wunsch zur Abkehr vom politischem Lagerdenken.

Mir wurde das erst gestern im Nachgang so richtig deutlich und zwar durch eine 6-teilige Videoreportage des Relotius. Welch Ironie, haben sie doch verbissen versucht alles schlecht zu filmen und mit suggestiven Unterstellungsfragen ihre Vorurteile bestätigt zu bekommen. Ging gründlich in die Hose für den Relotius. Denn es wurden immer wieder verschiedene Menschen gezeigt, die ihren Wunsch zur Abkehr vom politischem Lagerdenken zum Ausdruck brachten. Das ließ sich einfach nicht unter den Teppich kehren. Dazu passt auch das weitgehende ich-nenn-es-mal Schweigen zu Rechts.

Das sehe ich als Hoffnungsschimmer. Viele Menschen aller Couleur haben die Spaltungen und Lügen satt und artikulieren dies endlich auch offen. Das kann ein Weg sein zur politischen Wende, es stellt mMn zumindest eine kleine Wende bei Meinungsäußerungen der sog. Zivilgesellschaft dar.

Lotta Vorbeck

3. September 2020 12:02

@Götz Kubitschek

"... die sich aufmachten und nun wieder zuhause sind und weiterhin unter derselben Regierung, in derselben Gängelung, vor denselben Problemen, demselben Bankrott, derselben toxischen Atmosphäre stehen wie vor Berlin, trotz des vermeintlichen 1945er-Moments ..."

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Wer kennt es nicht aus Jugendtagen, die paralysierende Katerstimmung nach einer rauschenden Party, die viel länger anhält als die Party selbst dauerte?

Die Einen kurieren den Kater mit "Nachtrinken" ... machen ergo damit weiter, womit sie am Vortage aufhörten, können von dem auf der Massenparty ausgeschenkten, gepanschten billigen Fusel nicht lassen und drehen sich immerfort im Kreise.

Die Anderen besuchen künftig kleinere Veranstaltungen, auf denen bessere, reinere Getränke gereicht werden, die "am Morgen danach" gar nicht erst einen Kater aufkommen lassen.

Mboko Lumumbe

3. September 2020 12:06

(2)

An diesen Wunsch zur Abkehr vom politischen Lagerdenken kann man nun von Rechts anknüpfen.

Man kann bei Querdenken dabei sein ohne groß mitzumischen, doch präsent sein und mit den Menschen reden, ohne Reden zu halten. Ohne großen Auftritt und ohne jeglichen Pomp und Getöse. Keine Flaggen oder Fahnen außer Schwarz-Rot-Gold, doch die in rauhen Mengen. Man kann die deutsche Nationalhymne anstimmen mit max. 2 Strophen. Keine groben Provokationen, auch bei Transparenten und Schildern. Kein in den Vordergrund drängen, doch ohne sich hinten anzustellen. Kein Verbergen, doch Bescheidenheit im Auftreten und Wortwahl.

Und dann mal sehen wie es sich entwickelt.

Das sind nur meine 2 Pfennig.

starhemberg

3. September 2020 12:08

"Solche absurden Aufladungen sind entweder der Ausfluß von Geschäftssinn oder der fahrlässige und durch nichts gedeckte Wunsch nach einem Putsch."

Ich vermute eher den Geschäftssinn, wogegen auch nichts zu sagen ist, und bedanke mich für diese hervorragende und vor allem nüchterne Einschätzung. Da sind viele Menschen unterwegs um ihren Unmut auszudrücken, und das ist grundsätzlich eine gute Sache. Hat es aber auch mit unserer Sache zu tun? Eher weniger, und darüber braucht man nicht zu hadern. Danke, Herr Kubitschek, für das immer wieder gelassene Einordnen der Dinge. 

Adler und Drache

3. September 2020 12:23

Das wird dem Herrn Elsässer aber nicht besonders gut gefallen. 

Eldor

3. September 2020 12:36

(Teil 1) Nach meinen Eindrücken von vier Stuttgarter Querdenken-Kundgebungen mit bis zu 20 Tsd. Teilnehmern und der letzten in Berlin mit wohl an die 100 Tsd. Anwesenden ist das dort vertretene Milieu mit einem Körnchen Salz  zu etwa der Hälfte ein "grünes" gewesen, allerdings momentan ohne die Chance auf Anschluß zur "eigenen" Partei. Nach der jahrzehntelangen Konditionierung in der BRD konnte das in diesem Umfang auch kaum anders sein, ähnlich wie für 1989 davon auszugehen ist, daß die meisten damals gegen das SED-Regime Protestierenden zuvor nicht auf Maximalabstand zu ihm gewesen waren.

Gekippt ist die DDR dann aber m.E. nicht in Leipzig, sondern in Prag und am Plattensee. Die danach in ihr noch ein Jahr lang gelaufenen und eigentlich grundlinken Auffangversuche von den Runden Tischen und aus den stasidurchwirkten Kirchen sind dann zum Glück gescheitert. Wesentlich dafür war eben das Vorhandensein des als Wirtschaftsmagnet wirkenden BRD-Systems.

Hier aber hören die Analogien auf; denn eine solche systemische Anschlußoption ist heute zumindest in West- und Mitteleuropa nicht gegeben, es sei denn, daß sich der wirtschaftliche Niedergang der BRD gegenüber anderen Ländern einst beschleunigt anließe, wofür zwar ihre irrwitzige Selbstabschaffungspolitik spricht, dem aber die nicht wirklich höheren demographischen und ökonomischen Gewichte aller anderen europäischen Länder entgegenstehen.

Eldor

3. September 2020 12:37

(Teil 2) Dies erklärt umgekehrt die fast anrührende Hoffnung auf Führung einer europäischen "Change"-Bewegung durch die deutschen Querdenker, wie sie einem aus den eher kleinen ausländischen Delegationen in Berlin entgegen schlug.

Die von den Einheitsparteien befürchtete "Übernahme" der Querdenker von rechts ist jedenfalls illusorisch. Bestenfalls gehe ich von der Herausbildung einer weiteren eher bürgerlich-hedonistischen Basispartei mit ökologisch-subsidiärer Tendenz aus, welche den politisch belanglosen Status der BRD im Weltmaßstab weiter zementieren wird.  

heinrichbrueck

3. September 2020 13:20

Wenn die Mehrheit unserer Landsleute das gegenwärtige System nicht mehr verteidigen, kann eine Abwicklung stattfinden. Gorbatschow hat die DDR abgewickelt, und nicht das demonstrierende Volk. Der Schluß lag nahe, es in einer sanften Demokratie leichter zu haben, die Dinge zu tun, deren Gegenwart wir sehen. Also wurde die Form wohlgesonnener, die Leute folgsamer. Eine Volksmasse kann machtpolitisch gewisse Dinge nicht, aber sie kann lernen. Die DDR wurde 1989 mehrheitlich nicht mehr verteidigt, im Gegensatz zur heutigen BRD, und dann wurde die Sache von oben beendet.

Die BRD sitzt viel tiefer im Schlamassel. Noch stimmt eine Mehrheit zu, erkennbar an der hohen Wahlbeteiligung, der ablaufenden Politik und der Abwicklung ihrer Volksdemographie. Ob diese Leute wissen, was sie tun; das Ergebnis ihrer Handlungsweise kann erschlossen, gleichzeitig ihre Handhabung zielgerichtet verteidigt werden.

Macht ist nur dann vorhanden, wenn sie durchgesetzt werden kann. Was sich hinter Friedensparolen immer verbirgt, ist die nackte Gewalt eines Gewehrlaufs. Damit sind die meisten Zeitgenossen überfordert, weil eine falsche Indoktrination eine Brandmauer aufrichtet, und in die Sackgasse einer Demonstration läuft. Es gibt aber keinen einzigen Grund, einer friedlichen Demonstration nachzugeben, es sei denn, die Forderungen sollen umgesetzt werden, aber vom Volk gewollt. Die Machthaber sind nicht blöd (und ein System Merkel läuft auch ohne Merkel).

Frieda Helbig

3. September 2020 13:42

Vielen Dank für den letzten Absatz!

Schlesierland Dich will ich preisen, bis mein Herz in Dir einst ruht! (Philo vom Walde)

Elvis Pressluft

3. September 2020 13:49

Noch ad Berlin: Frau Sommerfeld hat, stilistisch einmal mehr brillant, Martin Sellner widersprochen, und mir scheint weiterhin, daß sie eine Fehleinschätzung vorgetragen hat. Ein gewisser Wladimir Ilitsch Ulianow (sinngemäß, ich finde das Zitat ad hoc nicht): Wer nicht durch den Dreck kriechen mag, darf sich nicht Revolutionär nennen. Da das Stichwort „Revolution“ nun einmal gefallen und im Schwange ist! – Lenin hat alles gewagt; er hat auch auf die Gefahr hin gehandelt, von den eigenen Genossen als Kollaborateur oder gekaufter Agent des verhaßten deutschen Kaiserreichs behandelt zu werden. Man, d.h. Bolschewiki oder Menschewiki, hätte ihn bei seiner Rückkehr auch an die nächste Wand stellen können. Stattdessen hat er eine Welt aus den Angeln gehoben. Keine Fraternisierung mit den Linken, aber von dieser Konsequenz lernen – das scheint mir das Gebot, wenn noch irgendetwas zu retten sein soll.

nigromontanus

3. September 2020 13:50

Entscheidende Frage ist meines Erachtens nicht, ob der Begriff des Volkes ethnisch bestimmt wird, sondern vielmehr, ob der Begriff der Ethnie rassisch bestimmt wird. Reine Abstammungsgesellschaften waren die meisten Völker dieses Planeten nie, wie auch unsere europäischen Völker Amalgame diverser, teilweise einander feindselig gesonnener Schichten sind. Die normannische Oberschicht Großbritanniens zog ihren Stolz eher daraus, gerade NICHT mit dem eroberten keltisch-angelsächsischen Pöbel verwandt zu sein. Wie sind also die Briten ein Volk geworden? Offenkundig stehen langfristig ablaufende historische und soziokulturelle Prozesse dahinter. (Die es umgekehrt wiederum denkbar machen, daß beispielsweise aus Schwarzen, Weißen und Hispanics in den USA eine Ethnogenese stattfindet, die am Ende ein gemeinsames Volk mit einer gemeinsamen Ursprungs- und Abstammungsmythe erzeugt.)

Sofern man es ernsthaft abhandelt, bleibt es ein anspruchsvolles Thema, bei dem es gilt, sich sowohl den postmodernen als auch den biologischen Reduktionismen zu verweigern, ich bin also auf das Buch von Martin Lichtmesz sehr gespannt. 

Volksdeutscher

3. September 2020 13:52

"Verbale Selbstzensur"

Dagegen hätte ich im ästhetisch-stilistischen Sinn auch nichts einzuwenden, es sei denn es steht für etwas Anderes wie z.B. für "verbale Angepaßtheit" oder "verbale Leisetreterei" oder verbales Duckmäusertum".... also für Zensur von bestimmten Inhalten, für verbotene Themen.

starhemberg

3. September 2020 15:03

@ Elvis Pressluft

Die zweite russische Revolution und der nachfolgende Bürgerkrieg, ausgelöst durch eine an Zahl winzige Schar vollkommen Durchgedrehter, ist seit vielen Jahren ein "Leibthema" für mich, und ich habe wahrscheinlich mehr als 100 Bücher dazu gelesen. Glauben Sie mir eines - bevor wir uns solche Vorbilder nehmen, sollten wir uns besser alle im Waldgang für immer von den Verhältnissen verabschieden. Im Übrigen taugt der Deutsche nicht zum Revolutionär, auch das wusste Wladimir Iljitsch Uljanow sehr genau. 

Nath

3. September 2020 15:03

TEIL 1

Ich glaube, Götz Kubitschek hat Elsässers Anliegen nicht recht verstanden (diesbezüglich sind des letzteren Ausführungen in folgendem Video erhellend: youtube.com/watch?v=9UAF84nwct8). Elsässer sieht die eigentliche Chance und den eigentlichen Sinn solcher Veranstaltungen im „emotiven“ oder erlebnismäßigen Bereich.  Wichtiger als Reden, Vorträge usw., bei denen Tausende die Rolle von „Belehrten“ einnähmen, sei die gemeinsame Erfahrung, bei welcher man sich mehr und mehr als handelndes Subjekt erfahre. Deswegen sei laut Elsässer die Veranstaltung am 1.August auch gelungener als die am 29. gewesen, weil sich die Staatsmacht seinerzeit durch den unrechtmäßigen Abbruch mehr entlarvt und den (gewaltlosen) Widerstand der Teilnehmer provoziert habe. Indem der Gegner sich mehr und mehr als bösartiger, lügnerischer Usurpator von Macht enthülle, gleichzeitig aber auch seine Furcht vor „denen da unten“ offenbare, könne es zu einem Bewusstwerdungsprozess bei den Teilnehmern kommen, der mit einem wachsenden Selbstvertrauen einhergehe. (Die große Zahl von über 500000 Menschen sei hier mehr als nur eine quantitative Kategorie.) Es komme darauf an, dass der Querdenker-Widerstand sich verstetige und immer weiter anwachse. Der ideologisch weitgehend amorphe Charakter der Bewegung sei gerade kein Ausdruck von Schwäche sondern von Stärke, einer noch nicht klar artikulierten Einsicht, dass sich alle weltanschaulichen Zementierungen sowohl auf der theoretischen wie der praktischen Ebene als Sackgassen erwiesen hätten.

Laurenz

3. September 2020 15:17

Ergänzung zur Polen.

Unsere polnischen Befreier wurden durch eine rechts-nationalistische Militär-Diktatur geführt, der gesellschaftliche Lebenstraum unserer linken Freunde quasi.

Daß Stalin diese dann ersetzte, hatte außer personellen Umbesetzungen nichts weiter zur Folge.

In der Polnischen Frage kann man GK zustimmen, daß wir uns mit dem polnischen Volk gut verstehen, mit der polnischen Regierung, wie üblich, weniger. Historisch stammt die stalinistische Abtretung der polnischen Ostgebiete aus dem polnisch-sowjetischen Krieg ca. 1920-22, die polnischen Ostgebiete waren nach der Schlacht von Warschau nur 25 Jahre alt. Da standen die polnischen Aggressoren, von Warschau aus betrachtet, auch schon mal weit hinter Kiew. Auch heute würde die polnische Regierung da wieder gerne stehen. Insofern war die historische Aussage zu Polen im Artikel inkorrekt.

Marc_Aurel

3. September 2020 15:30

Was die 45‘er Äusserung von Jürgen Elsässer betrifft: hier ist er sicherlich deutlich über das Ziel hinausgeschossen, eine realistische Wertung wäre es, würde man etwas sagen wie: „es handelt sich um eine der bedeutensten regimekritischen Demonstrationen der letzen Jahre“, meinetwegen auch „seit 89“, wobei mir das schon wieder etwas weit ausgeholt scheint.

Elsässer jedenfalls ist nunmal ein Volksredner, der emotionale, starke Bilder erzeugen kann, wenn er vor der Menge spricht und damit die Menschen mitreißt. Das polarisiert, das gefällt nicht immer, es ist auch nicht unbedingt präzise oder historisch korrekt, aber es rüttelt wach, so als würde man laut in die Hände klatschen, damit der Zuhörer den Bierkrug auf den Tisch stellt und nach vorn schaut…würde man den Leuten sagen „das ist die bedeutenste kritische Demonstration der letzten 8 Jahre“ oder so etwas, würde das niemanden vom Hocker reißen.

Ich verstehe die Kritik, aber ich würde das Ganze nicht überbewerten. Außerdem: das Anbringen von Spaltkeilen sollte man dem VS überlassen, der macht das gut genug (siehe AfD) und benötigt keine Hilfe. Ohne anmaßend sein zu wollen, aber wieso habe ich in letzter Zeit das Gefühl ständig Mitstreiter in der Sache gegen Beschuss von innen verteidigen zu müssen?

Gotlandfahrer

3. September 2020 15:55

Querdenker denken nicht patriotisch quer, sonst würden sie es patriotisch nennen, nicht quer. Dennoch helfen sie uns, ohne dass Sie Ihre Arbeit hierfür unterbrechen müssten.

Denn die Entwicklung ist positiv: Es gibt mehr Abkehr.  Mich erinnert das an Vietnam, wo es eine Regierung gibt, die so tut, als ob sie regiert, und ein Volk, dass so tut, als ob es sich regieren lässt. Wenn man dort Maske aufsetzen muss, setzt man Maske auf um sich ungestört um seine Angelegenheiten zu kümmern – einen „Bürgersinn“ gibt es dort nicht, aber auch keine „Treue“ gegenüber dem Regime.   Abbau der „inneren Obrigkeitstreue“ ist aber der erste Schritt zur Erneuerung.  Die Gebete werden zwar weiter nachgesprochen, aber aus „Werten“ werden „Floskeln“. Auch der letzte wird irgendwann wissen, dass gelogen wird.  Ob er dann an Chemtrails glaubt oder an den Osterhasen ist egal, Hauptsache nicht mehr an das System.  Das ist unser notwendiger Etappensieg: Nicht der Umsturz oder die Wiederherstellung von Zuständen, sondern die Entbergung des Wesens der herrschenden Macht.  Und dem Punkt sind wir näher als jemals zuvor (noch nicht nahe genug, aber hier rollt tatsächlich das Rad der Geschichte geradewegs drauf zu).   Darüber hinaus in die Zukunft zu blicken ist ohnehin wohl nicht möglich.

Solution

3. September 2020 16:00

Diesmal allerdings haben wir es mit einer Krise zu tun, die alles bisherige in den Schatten stellt. Die Dimensionen dieser Krise lassen keinen Vergleich mit irgendeiner Bewegung der vergangenen 70 Jahre zu. Die Corona-Bewegung ist vielleicht nur ein Vorbeben.

Vergessen wir jedoch nicht, daß wir erst am Anfang von epochalen Verwerfungen stehen. Da kann noch so manche Überraschung herauskommen. Meiner Ansicht nach ist es verkehrt, abseits zu stehen.

Es mag auch sein, daß der rechte Einfluß auf die Corona-Bewegung (zu) gering ist. Indes rekrutieren wir an der Basis neue Leute. Ein Magazin hat 10.000 Exemplare verteilt. Man wird sehen, was es gebracht hat. Gar nichts tun bringt jedenfalls gar nichts. Man muß ja dafür nicht auf die übliche und zugegebenermaßen wichtigere andere Arbeit verzichten.

Natürlich leistet ein Kubitschek schon als Verleger erstaunlich viel. Gefragt ist hier vielmehr das Umfeld der Leser, die noch genug Zeit und Geld investieren können. Es schadet niemandem, einen Tag auf die Lektüre eines Buches zu verzichten und sich dafür unter das "Volk" zu mischen und zu diskutieren. Wer es probiert, wird feststellen, wie gut das funktioniert. Mit einem Stapel gelesener Zeitschriften und Prospekten im Rucksack kann jeder den Versuch starten.

Ich stelle mir theoretisch vor, 4000 Abonnenten wären vor Ort gewesen und jeder hätte nur mit 3 Leuten gesprochen (Es gab bei den Demos genug Stillstand, bei dem viele dankbar für Gespräche und Anregungen waren). Wäre das sinnlos gewesen? 

Volksdeutscher

3. September 2020 16:59

@Elvis Pressluft

"Man, d.h. Bolschewiki oder Menschewiki, hätte ihn bei seiner Rückkehr auch an die nächste Wand stellen können. Stattdessen hat er eine Welt aus den Angeln gehoben."

Das ist eine rührende Geschichte, da bleibt wirklich kein Auge trocken. Aber war das wirklich so? Das Geld beschafften sie von Jacob Henry Schiff, einem jüdischen Banker von der Wall Street, einem Rotschild-Banker. Ohne dieses Geld hätten sie den legitimen Herrscher Russlands niemals beseitigen können. Zusätzlich sorgte Schiff dafür, daß Russland keine internationalen Kredite bekam, was zu Russlands finanzieller Ausblutung mit beigetragen hat. Da weiß man gleich, wer die Welt beinahe aus den Angeln gehoben hätte, denn gleich Lenin war die überwiegende Mehrheit der Revolutionäre eben kein Russe, um es milde zu formulieren. Die politische Maulwurfarbeit war schon damals nicht ohne Geld möglich gewesen. Auch "Majdan" nicht. Schaue mal einer an, und da stolpert György Schwarcz, besser bekannt unter dem Namen George Soros (sprich: schorosch) ins Bild! Welch eine "zufällige" Ähnlichkeit mit Akteuren und Ereignissen im damaligen Russland, nicht?

 

Elvis Pressluft

3. September 2020 18:07

@starhemberg

„bevor wir uns solche Vorbilder nehmen, sollten wir uns […] für immer von den Verhältnissen verabschieden.“ – Von welchen Verhältnissen? Von der pax merkeliana, die nichts anderes als einen kalten Bürgerkrieg gegen das eigene Volk bedeutet? Mit Schreckensbildern aufgestapelter Leichen zu operieren ist ein Mittel der Gegenseite (beachten Sie, wie ich zu formulieren vermeide: „des Feindes“). Wir müssen uns schon zutrauen, es besser zu machen; sonst können wir in der Tat den Abschied nehmen.

starhemberg

3. September 2020 20:36

@ Elvis Pressluft

Da habe ich Sie wohl etwas missverstanden. Mit dieser Ihrer Einstellung kann ich gut mitgehen, wir MÜSSEN es besser machen, und ich glaube, wir werden das auch können. Aber nicht vor 2030, meiner unmaßgeblichen Meinung nach. Bis dahin haben wir sehr, sehr dicke Bretter zu bohren und uns Millimeter um Millimeter gegen die kaum zu überschätzende Macht unserer Gegner (ich vermeide zu formulieren: "des Feindes") vorzuarbeiten. Klassischer Stellungskrieg sozusagen, zwei Schritte vor, einen Schritt zurück. Es ist mühsam.

 

Seneca

3. September 2020 22:33

Vielen Dank für das sachlich nüchterne Zurechtrücken. Dachte schon, dass es nur noch quere Querdenker bei uns gibt.

Beowulf

3. September 2020 22:40

Das Erfreulichste an Querdenken ist für mich, dass in unserem Lager eine Debatte über den Umgang mit einer solchen Bewegung angestoßen wurden, die sich z.B. in den Artikeln von Martin Sellner und Caroline Sommerfeld zeigt.

Meiner Meinung nach sind die Hauptgründe welche die Teilnehmer mobilisieren einerseits die Angst vor materiellen Einschnitten und andererseits die Auswirkungen auf (die eigenen) Kinder. Wie Sellner in seinem Artikel schreibt, wollen die Menschen in Ruhe ihr Sandwich essen. Genau das ist seit Corona bzw. den Corona Maßnahmen nicht mehr gegeben. Die Offenheit gegenüber rechts ist m. E. darauf zurückzuführen, dass sich im Moment auf die eigenen Probleme konzentriert wird und alles außen herum ausgeblendet wird.

Ich finde die abwartende Haltung von GK zum jetzigen Zeitpunkt richtig, weil eine Prognose für die weitere Entwicklung der aktuellen Bewegung und ihrem Verhältnis zu unserem Lager nicht gegeben werden kann. Am Ende ist es entscheidend ob wir Positionen mittragen können oder nicht.

 

Pit

3. September 2020 22:45

Ich möchte diesen Gedanken wieder mal vorstellen:
wir haben keine Probleme. 150 Jahre technischer Fortschritt hat alle Probleme gelöst.

Man gleiche dies ab mit der Weltsituation: als ob wir vor kosmischen Katastrophen stünden

  -> ALL das ist KÜNSTLICH ! Künstliche Probleme, die die Oligarchen erfunden haben, um sich UNS vom Leib zu halten! Fake-Pandemie, Fake-Klimaproblem, Fake-Migrationsproblem, usw.

Und was mögliche ideologische Konflikte angeht: jeder möge sein eigenes Land haben.

Ich finde, es ist ganz gut, sich das immer wieder bewußt zu machen. M.E. zeigt es, daß fast alle heutigen Konflikte rein künstlich sind, rein inszeniert, und daher im Prinzip auch äußerst leicht zu lösen: werde die Oligarchen los!

Ich finde, das ist ein sehr hilfreicher Ansatz.

HomoFaber

3. September 2020 23:06

Wie ja richtig bemerkt wird, besteht der gemeinsame Nenner der Demonstranten aus der Ablehnung der Corona-Maßnahmen. Diese Maßnahmen waren aber nur durch eine manipulative und selektive Information möglich. Es gab hierzu keine offene wissenschaftliche und entsprechend gesellschaftliche Diskussion. Daher eint die Demonstranten auch das gemeinsame Misstrauen gegen Politik und Medien. Beeindruckend ist die Konsequenz, die sich in einer radikalen Toleranz ausdrückt: Wir brauchen das freie Gespräch miteinander, um die besten Argumente zu bekommen. Also gerade nicht den Zustand vor Corona.

Laurenz

4. September 2020 02:55

 

@Volksdeutscher

Lenin bekam Gold von der Deutschen Reichsregierung, nicht von Jakob Schiff. Trotzki bekam den Schotter (von Schiff), mit dem Trotzki die Rote Armee reorganisierte, ausrüstete, zum Erfolg führte und seine Machtposition unter den Bolschewiki festigte. Die Bolschewiki (und die Rote Armee) führte unter der Führung Trotzkis Krieg gegen die Weißen und die Polen. 1922 war Lenin schon quasi im Betreuten Wohnen.

Die Entente-Mächte änderten aufgrund des Verhaltens der USA zu/r Rußland/Sowjetunion ihre Haltung in der Außen-Einwirkung, entzogen den Weißen immer mehr die Unterstützung.

Der_Juergen

4. September 2020 07:47

Zur Kontroverse zwischen Kubitschek und Elsässer, die ich beide sehr hoch schätze: Als Elsässer das "wichtigste Ereignis der deutschen Geschichte seit 45" ankündigte, war ich auch verstimmt, denn solche Siegesfanfaren sind stets gefährlich; die Enttäuschung ist um so grösser, wenn sie sich nachträglich als blosser Schall entpuppen. Dennoch, das Ereignis war enorm wichtig. Wie etliche Foristen betonen, waren alle Teilnehmer der Demo trotz ihrer sonstigen Meinungsverschiedenheiten radikal gegen das System und werden von diesem nicht mehr zurückzugewinnen sein. Da sich die Lage bald radikal zuspitzen wird (nein, @Starhemberg, bis 2030 haben wir definitiv nicht mehr Zeit) und eine Opposition nicht von links kommen KANN, wird die nationale Rechte rasch an Kraft gewinnen. Es müsste jedem klar sein, was im Spätherbst und Winter auf Deutschland (und Europa( zukommt. Um Abstandsregeln und Maskenpflicht wird sich keiner mehr kümmern, wenn x Millionen vor dem Nichts stehen und die importierten Kulturbereicherer zu plündern anfangen. Ob es dem System dann noch gelingt, die Lage zu seinen Gunsten zu nutzen, Merkel durch eine andere Marionette zu ersetzen und, um "Recht und Ordnung" wiederherzustellen, eine koscher-faschistische Diktatur einzuführen, werden wir sehen. Unsere Feinde sind Dämonen, sie sind von einer Verworfenheit,  die das menschliche Vorstellungsvermögen übersteigt.

Lumi

4. September 2020 07:53

Sehe es wie Beowulf und HomoFaber. Im Volk rückt man ein wenig zusammen gegen das Übel der Bevormundung durch den autoritären und nun auch gewaltbereiten Lügenstaat. Haß und Hetze der systemischen Lügenpropaganda verlieren an Wirkung. Das ist neu und gut.

Heißt ja nicht, daß nun jeder einfach mitziehen muß. Was GK schreibt, finde ich ehrlich und glaubwürdig.

Aber manch einer, ich zum Beispiel, ist nicht aufgrund konservativer Werte nach "rechts" gerückt, sondern weil er sich von der BRD systematisch belogen und betrogen und vergiftet und im innersten beleidigt fühlt.

Lumi

4. September 2020 08:19

Ostgebiete, Katyn, Stalin: Was für ein gewaltiger strategischer Fehler von Stalin. Er ließ sich von blinder Wut auf Hitler und Deutschland leiten. Und zementierte damit Polens Feindschaft gegen seine beiden großen Nachbarn und seine Orientierung nach F/UK/US.

clint68

4. September 2020 08:35

Auf den ersten Blick war der Übergang des Artikels von Demo/Queer/Elsässer zu polnisch/deutsches Verhältnis bzw. Geschichte doch sehr abrupt. Auf den zweiten Blick schon nicht mehr. Das deutsche Volk ist ein Patient. Psychisch hingerichtet und kasteit sich „mit Freude“ selber. Ein Kainsmal ist auf unsere Stirn gebrannt und wird unseren Kindern immer und immer wieder aufgezeigt. Damit werden wir nicht gesund, nicht souverän, nicht selbstbestimmt. Corona ist die Spitze, das Problem liegt tiefer. Ich Zweifel langsam, dass wir dort herauskommen. Finis Germania?

Valjean72

4. September 2020 09:55

@Lumi:

Das von den Siegermächten  (US/UK/F) 1919 neu erschaffene Polen war mE bewusst gegen Deutschland gerichtet und dementsprechend fiel und fällt auch die Orientierung Polens aus.

Das alte imperiale Prinzip „divide et impera“ (teile und herrsche), auf welches sich die antiken Römer, sowie die Briten jener Zeit meisterhaft verstanden, wurde auch in Versailles umgesetzt. Wie in den ehemaligen Kolonialgebieten in Afrika und Arabien, wo Grenzen mit dem Lineal mitten durch Stammesgebiete gezogen wurden, wurde auch die deutsch-polnische Grenze bewusst so gelegt, dass es zwangsläufig zu Spannungen führen musste. Spannungen, die man bei Bedarf anschüren konnte.

Die von den Westalliierten eingegangenen Beistandsverpflichtungen in Bezug auf Polen waren im Kern weniger pro-polnisch, sondern in erster Linie anti-deutsch. Daher auch keine Kriegserklärung an die UdSSR nach deren Einmarsch in Polen.

 

HomoFaber

4. September 2020 10:29

Nochmal zur Haltung: Bei dieser Demo in einen Lifestream zu schalten, um dort einen Mann mit Turban und Trommeln zu sehen und sich das dann ausgerechnet von einem Soziologen im Deutschlandfunk erklären zu lassen, ist für die “Wahrnehmungselite” vielleicht auch eine eher “eigenwillige” Vorgehensweise.

HomoFaber

4. September 2020 10:33

“… denn es bedeutet, daß man vor allem selbst etwas zu akzeptieren hat, das weit hinter dem zurückbleibt, was man zuvor für unverhandelbar hielt.”

Umgekehrt wird auch ein Schuh draus: Es wird nicht mehr zurückgehalten, was man für umverhandelbar hält.

starhemberg

4. September 2020 10:41

@ Der_Juergen

Ich teile Ihre Ansicht, wir hätten nicht mehr die Zeit bis 2030. Die Realität schert sich allerdings bedauerlicherweise nicht um unsere Ansichten. Und realistisch sehe ich kaum ein anderes Volk auf dieser Welt, welches sich als so leidensfähig, so schaumgebremst, so lau und so gehirngewaschen darstellt, wie nun eben mal das Deutsche. Wir alle wissen woran das liegt, aber wir können das unbarmherzige Rad der Geschichte nicht mehr zurückdrehen. Wir haben uns mit den tatsächlichen Gegebenheiten zu befassen. Und dies bedeutet - alle sogenannten "Altparteien", inklusive der Mauermörderspitzbuben, stehen geschlossen gegen das unbedingt Notwendige. Daher glaube ich, dass der Druck im Kessel noch bedeutend höher werden muss, und ich glaube weiter, diese Entwicklung wird noch ein Jahrzehnt verbrauchen. Sollte ich mich täuschen, wäre es mir durchaus recht. 

Franz Bettinger

4. September 2020 11:12

Warum so pessimistisch? War denn 1832 auf dem Hambacher Schloss auch alles umsonst? In gewisser Weise ja, unmittelbar nach dem Fest schien alles beim Alten. Schlimmer noch: Die Initiatoren des Festes saßen im Gefängnis. Und doch war es nicht umsonst.

Dem Aufruf folgten sagenhafte 30.000 Menschen aus ganz Deutschland. Viele Redner trugen ihre Vorstellungen vor. Neben einer Einigung Deutschlands, das in viele Territorien zersplittert war, stand der Wunsch nach einer Verfassung und sogar nach Demokratie. Siebenpfeiffer rief, die Deutschen sollten sich nicht mehr wie Knechte unter das Fürsten-Joch beugen. Das Wort Nation hatte nichts Anstößiges, ganz im Gegenteil. Das Wort hatte einen himmlischen Klang, ob bei Italienern, Polen + Deutschen. Es klang nach Überwindung von Fremdherrschaft - die der eigenen Eliten und die fremder Herren. Es klang nicht rechts und nicht links, Nation klang nach frischer Luft, nach Freiheit.

Als Reaktion ließ der bayerische König Truppen in die Pfalz einrücken, denen es in kurzer Zeit gelang, die nationalen Bestrebungen zu unterdrücken. Viele Beteiligte flohen ins Ausland. Siebenpfeif­fer und Wirth wurden wegen Umsturz-Versuchs vor Gericht gestellt. Zur Überraschung wurden sie zunächst freigesprochen, im 2. Prozess aber wegen Beamten-Belei­digung zu 2 Jahren Haft verurteilt, finanziell ruiniert und mundtot gemacht. Wie heute.  Und? Hat es sich gelohnt? Für die zwei Anführer kann ich nicht sprechen. Für Deutschland aber hat es sich gelohnt. 

Lotta Vorbeck

4. September 2020 11:38

@Der_Juergen - 4. September 2020 - 07:47 AM

"... Es müsste jedem klar sein, was im Spätherbst und Winter auf Deutschland (und Europa( zukommt. Um Abstandsregeln und Maskenpflicht wird sich keiner mehr kümmern, wenn x Millionen vor dem Nichts stehen und die importierten Kulturbereicherer zu plündern anfangen. Ob es dem System dann noch gelingt, die Lage zu seinen Gunsten zu nutzen, Merkel durch eine andere Marionette zu ersetzen und, um "Recht und Ordnung" wiederherzustellen, eine koscher-faschistische Diktatur einzuführen, werden wir sehen. Unsere Feinde sind Dämonen, sie sind von einer Verworfenheit,  die das menschliche Vorstellungsvermögen übersteigt."

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Nunja, etliche paar Pfeile stecken noch im Köcher.

Zwei davon sind mit "Währungsreform" & "Lastenausgleich" beschriftet.

Möglicherweise soll's auch in Richtung "Ordo Ab Chao" gehen.

Und wenn's dann schlicht auf pures "Chao" hinausläuft, dürfte es denen, an deren Fäden die Marionetten hängen, auch recht sein.

Volksdeutscher

4. September 2020 12:36

@Lotte Vorbeck - "... eine koscher-faschistische Diktatur ...."

Je mehr alte kommunistische Kader in der Regierung und deren Nähe auftauchen, umso "faschistischer" wir alles, nicht? Ja, wie könnte es in Deutschland auch anders sein: wenn schon Diktatur, dann immer faschistisch, immer rechts, bis in alle Ewigkeit, das kann ja niemals anders kommen, gleich der ewigen Mahnung "Nie wieder  Faschismus, nie wieder Krieg!", unter deren Deckmantel vor unseren Augen eine neobolschewistische Diktatur installiert wird.... Der edle Demokrat muß mit der  Frage aufstehen und zu Bett gehen: "Wie rette ich meine Demokratie vom bösen Faschismus?"

 

Volksdeutscher

4. September 2020 12:41

@Laurenz - Da irren Sie sich, Ihre Kenntnisse der Geschichte sind lückenhaft. Jacob Henry Schiff war einer der Mitfinancierer der Bolschewiken. Daran ist nichts zu beschönigen. Dies ist auch kein Schulwissen. Es gibt auch nichts daran zu beschönigen, am allerwenigsten zu zensieren, nur, weil das einer bestimmten Minderheit nicht gefällt.

Gustav Grambauer

4. September 2020 12:56

"... ließ sich dort gerade eine Gruppe auf dieser zentralen Bühne nieder, die von einem Mann mit orangenem Turban angeführt wurde."

War das der hier sozusagen von Raspails Kahn bzw. war das meine "Lieblingssekte"?

Von denen werden wir noch viel hören.

- G. G.

Sandstein

4. September 2020 13:31

Frieda Helbig

"Vielen Dank für den letzten Absatz!

Schlesierland Dich will ich preisen, bis mein Herz in Dir einst ruht! (Philo vom Walde)"

 

Kann mich dem nur anschließen. So wie man nicht Glieder von einem Rumpf abtrennen kann, und gleichzeitig behaupten, dass das irgendwie ein intakter Körper sei, so kann man nicht ganze Länder abtrennen, und von einem intakten Staat reden. Was wir mit den Ostgebieten verloren haben ist nicht aufzuwiegen. Als Nachfahre einer (urspr. niedersächsischen) niederschlesischen Familie weiß ich, dass das nicht graue Geschichte ist, sondern Trauma so greifbar (und ungreifbar) wie ein abtrennter Arm. Ich hatte in Polen übrigens eines meiner besten bisherigen Lebensjahre und habe heute noch viele schöne Erinnerungen an meine Zeit dort. 

heinrichbrueck

4. September 2020 14:09

2030. Leute, solche Dinge können wir nicht wissen. Es könnte schon längst vorbei sein, 1970 oder so, was auch unbekannt wäre. Lagebeschreibungen und Zielvorstellungen divergieren, und die einzusetzenden Mittel bezeugen auch keine Klarheit.

Hambacher Fest. Schwarz-Rot-Gold hat gesiegt. Gut für Deutschland? Es gibt Schulklassen, in denen diese Flagge geschwenkt wird, aber nicht von den Nachfahren des Hambacher Festes.

Es gibt nicht nur Innen- und Außenpolitik, sondern auch Globale Politik. Wahlberechtigungen machen keine globale Politik. Alle Parteien sind gesteuert. Wird Nord Stream 2 vergiftet, entscheidet nicht der deutsche Wähler. Entdeckt Erdogan die griechischen Bodenschätze, entscheidet nicht der deutsche Wähler usw.

Es wird global entschieden, langfristig gesehen. Die Bedingungen eines ideologischen Durchgreifens sind nicht gegeben. Ein Systemkollaps wird nicht weltweit überall gleichzeitig eintreten. Eine Revolution paßt auch nicht ins Bild. Ein wirksamer Abwehrkampf bedarf der richtigen Informationen. Mit Wählen wird nichts mehr entschieden, lediglich das Unvermeidliche hinausgezögert. (Haider wurde ermordet, die FPÖ...) Die weißen Länder, schon jetzt Minderheiten, stehen sich im Weg, wo sie eigentlich zusammenstehen müßten.

„150 Jahre technischer Fortschritt hat alle Probleme gelöst.“ Bis auf das Geldproblem, immer noch global unterwegs, machtversessen und antiweiß. Ein willensstarkes Kerlchen, verständlich, denn so läßt man seine Nachkommen am Leben.

RMH

4. September 2020 15:10

Ich jedenfalls warte jetzt auf das Buch von Lichtmesz. Rein persönlich war ich bislang zur Auffassung gelangt, dass der ethnische Volksbegriff in einer politischen Partei nach dem zweiten NPD-Verbotsurteil des BVerfG keine tragende Rolle mehr spielen kann, wenn diese in den Bereich des Erfolgs kommt bzw. dauerhaft als erfolgreiche Partei existieren will, ohne dass dann ständig ein Verbot über ihr schwebt. Insofern bin ich - wie man ggf. auch an meine Beiträgen in der letzten Zeit erkennen konnte - zur Auffassung gekommen, das Deutsche sei am besten überstaatlich oder außerstaatlich zu bewahren, zu pflegen und zu entwickeln, so wie die deutsche Kulturnation einige seiner größten Höhepunkte auch zu einer Zeit hatte, als es keine geeinte deutsche Staatlichkeit gab (wenn auch nur kleindeutsch). Ich spreche hier von der Zeit des 18. Jhdt bis zur Reichsgründung 1871. Ein Schiller, ein Goethe, ein Kant, ein Hegel, ein Beethoven etc. haben völlig ohne Existenz eines einheitlichen deutschen Staates Grundlegendes und bis heute Relevantes geschaffen. Der Erfolg Deutschlands ab 1871 beruht auch auf dieser immensen, geistesgeschichtlichen aber auch technischen Vorarbeit aus den Jahren zuvor. Bin gespannt, ob und wie ich meine Parameter nach dem neuen Buch von Lichtmesz neu einstellen kann bzw. darf.

Gustav

4. September 2020 15:24

Dort draußen gibt es Spieler, die weder auf der Seite der Liberalen noch der der Sozialisten stehen. Es gibt Eliten, die mit ihrem Handeln ausschließlich den eigenen Interessen dienen und die sich weder für eine pluralistische Welt der verschiedenen Kulturen und Nationen begeistern können, noch für ein universalistisches menschliches Erblühen. Diese Erkenntnis kann, sofern sie richtig kommuniziert wird, ihren Teil dazu beitragen, dass wir die Spaltungen, die unsere Gesellschaft, unsere Freundeskreise und unsere Familien in einem immer stärkeren Maße durchziehen, überbrücken und erkennen, dass uns in Wahrheit sehr viel weniger trennt, als uns jene abgehobenen Strippenzieher einzureden versuchen.

Nemo Obligatur

4. September 2020 17:45

Das neue Buch von Lichtmesz ist vorgemerkt. In letzter Zeit hat sich einiges bei mir angehäuft. Der neue Sarrazin will gelesen werden, dazu der Essay von Benedikt Kaiser zum "Solidarischen Patriotismus", nicht zu vergessen Literatur zu Hölderlin und Hegel (250 Jahre!). Ich lasse lieber andere ihre Familienfotos auf Gebäudetreppen schießen, mein Weg geht übers Nachdenken, Sortieren, Aufschreiben. Der/die treffliche RMH hat es gesagt: Nie war Deutschland mehr Kulturnation als in der Zeit seiner größten Zersplitterung. Vielleicht muss man da mal ganz neu denken. Der Rückzugsraum nicht als 1-Mann-Kaserne sondern als Gelehrtenstube, Möchszelle oder Heimwerkstatt.

Laurenz

4. September 2020 18:35

 

@Volksdeutscher

Der war gut. Trotzki war führender Bolschewik und reiste nicht nur, wie Lenin mit Genehmigung des Reichsregierung, sondern kam aus Kanada durch 5 Staaten ohne Paß in die Sowjetunion. Jakob Schiff verschenkte auch kein Geld, sondern lieh den Bolschewiken die Kohle, über 600 Mio. US$. Was glauben Sie denn, was ein Krieg kostet?

Und Sie glauben doch nicht im Ernst, daß sich Trotzki die Budget-Hoheit abnehmen ließ. In dieser Zeit war Trotzki der führende Funktionär des Bolschewiken. Als das Polizei-Genie Stalin es anging, die Machtverhältnisse in der Sowjetunion zu verändern, nutzte er die Zeit einer langwierigen Krankheit (etwa 3 Monate) Trotzkis, seine Pläne umzusetzen. Das erste Mal bemerkte Trotzki das Problem, als seine Einladung zu Beerdigung Lenins falsch datiert war und er bei dieser "fehlte". Aber da war es zu spät.

Jan

4. September 2020 21:25

"Die politische Maulwurfarbeit war schon damals nicht ohne Geld möglich gewesen".

Ein Umstand, der zu wenig beachtet wird. Revolutionen erfolgen meistens von oben und werden von finanzstarken Akteuren gestützt. Man denke aktuell an den Islamismus. Es gibt im Westen übrigens mächtige Fondsgesellschaften, die Fonds auflegen, in denen bei Unternehmen Kriterien wie Ethik, Diversity oder Nachhaltigkeit (Green Economy) besonders gewichtet werden. Wer sich als Unternehmen solchen Dingen verschließt, steht bei bestimmten Investoren auf der Bannliste. Über solche Schienen kann man auch starken Druck ausüben. Die Sperrungen diverser rechter Protagonisten in den sozialen Medien läuft sicherlich auch über Drohungen, dort nicht mehr Werbung schalten zu wollen, wenn solche Akteure nicht gesperrt werden. Also vor allem über ökonomischen Druck.

Das Problem der Rechten ist auch, dass sie zu finanzschwach ist und am Kapitalmarkt keinen Druck ausüben kann. Vielleicht liegt diese Schwäche auch gar nicht an mangelndem potentiellen Kapital, sondern an der völligen Unorganisiertheit von potentiellen Akteuren. Geld schafft Zugänge (z.B. Medien), Einfluss und Möglichkeiten aus denen sich Macht entwickelt. Ohne Unterstützung aus solcher Richtung wird jede Graswurzelbewegung aus dem Volk bzw. Bürgertum verdorren. Erst der Geldregen von oben ist das Wasser, was solche Bewegungen gedeihen und wachsen lässt.  

Laurenz

5. September 2020 05:36

@Jan

Absolut korrekt analysiert. Natürlich gibt es reiche Spender und Gönner bei den Rechten, aber im Milliarden-Spektakel sind diese Leute, relativ besehen, arm. Auch der Milliardär Donald Trump war weniger ein guter Geschäftsmann, sondern wurde im wesentlichen durch staatliche Bauförder-Programme reich, was eher an Linke erinnert oder Neue Heimat.

Für Rechte dient Geld nur als Mittel zum Zweck, den Alltag zu bewältigen, Geld ist nicht elementarer Lebensinhalt. Das wichtigste in Schnellroda, wo man auch Geld braucht, sind Bücher. Hier liegt der Hund begraben. Zu Milliarden kommt man, wenn, nur, wenn man in dem einen irdischen Leben, welches man zur Verfügung hat, zB die Bücher oder andere Leidenschaften mit der reinen Passion für das Geld ersetzt. Und wer von uns ist bereit dazu? Das ist übrigens ein Volks-charakterliches Problem, welches auch die deutsche oder europäische Linke betrifft. Briten oder Niederländer nutzen historisch Arbitragen unterschiedlicher Gesellschaftssysteme, was nichts wirklich mit einer brillanten, kreativen Geschäftsidee zu tun hatte.

Götz Kubitschek

5. September 2020 09:05

feierabend.

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