15. September 2020

Kritik des Parlamentspatriotismus

Martin Sellner / 58 Kommentare

Das Jahr 2019 war ein Wendepunkt des "Parlamentspatriotismus".

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Seine Vertreter, namentlich die AfD und die FPÖ, tun jedoch so als hätten sie den „Knall von Ibiza“ nicht gehört. Die Regierungsbeteiligung, die inszenierte Affäre und der "Medienputsch" gegen die FPÖ waren ein grausames Lehrstück für den Vorrang der Metapolitik. Ibiza war der „empirische Beweis“ für die strategische These der Neuen Rechten.

Der Rechtspopulismus und seine Strategie, die ich „Parlamentspatriotismus“ nenne, sind damit in einer tiefen Rechtfertigungskrise, die ihnen erst langsam bewußt wird. Vorbei ist die Begeisterungsstimmung. Schal und phrasenhaft klingen die Ansagen in Reihen der FPÖ, man „müsse wiederholen was man bei der Wahl 2017 geschafft habe“. Noch verzweifelter mutet heute der ewige Traum der AfD an, in Deutschland das zu erreichen was ihr Vorbild in Österreich „geschafft hat“.

Seit seinem Aufstieg mit Jörg Haider in den 90er Jahren hat der rechtspopulistische Parlamentspatriotismus wenig Gutes bewirkt und kaum Schlechtes verhindert. Blicken wir auf die Zahlen, so sehen wir: Er hat den Bevölkerungsaustausch nicht einmal verlangsamt, geschweige denn gestoppt oder umgekehrt. Er hat das gesellschaftliche Tabu über dieses Thema kaum erschüttert, und war machtlos gegen die Linksdrift des Overtonfensters. Die letzten 30 Jahren waren ein einziger Rückzug, demographisch wie gesellschaftspolitisch.

Der Parlamentspatriotismus hatte keine Strategie gegen diesen Trend. Ja, er begriff ihn nicht einmal! Sein Geschäft wurde die politische Bespielung eines demographisch schrumpfenden Wählerblocks aus Wutbürgern. Aus wahltaktischen Gründen mied man jede radikale Kernfrage. Stattdessen arbeitet er sich an den offensichtlichsten Symptomen des Bevölkerungsaustauschs ab. Dabei bediente sich schamlos aus dem ideologischen Bauchladen des Gegners. Man brachte den Feminismus gegen die Islamisierung, die Pride Parade gegen die Parallelgesellschaft, Tinder gegen die Burka und den Hedonismus gegen den Öko-Kommunismus in Stellung.

Sogar die inhaltsleeren Feindbegriffe des Gegners wurden nicht kritisiert sondern übernommen. Bald erklärte man diesen als „wahren Faschisten“ und sich als Verteidiger des „Fortschritts“, und des Status quo. Der Erfolg, den man sich über diese freiwillige ideologische Selbst-Lobotomie erhoffte, blieb jedoch aus. Nichtsdestoweniger wurde und wird mittels routinierter Phrasenmaschinerie vor jeder Wahl kurz die Hoffnung hochgeschraubt, man könne „Multikulti abwählen“. So weit, so tragisch.

Die Strategie des Parlamentspatriotismus kann man wie folgt zusammenfassen: politische Macht findet sich nur in Parlamenten und Gremien. Sie wird über Wahlen gewonnen und akkumuliert. Daher ist alles der Partei, ihrer Anschlußfähigkeit und ihren Wahlkämpfen unterzuordnen. Vorpolitische Projekte werden toleriert, solange sie dem Parlamentspatriotismus nicht „schaden“, also die Partei medial in Bedrängnis bringen. Dann sind diese Projekte zum Wohl der Sache abzuschalten, während alle finanziellen und personellen Ressourcen von der Partei aufgesogen werden.Diese Strategie hat sich als Fehlschlag und als Verschwendung von Zeit und Mitteln erwiesen.

Fakt ist: es gibt derzeit kein realistisches Szenario, in dem eine rechtspolitische Partei genügend politische Macht gewinnen könnte, um eine andere Bevölkerungs- und Migrationspolitik zu ermöglichen. Das alleine wäre noch kein ausreichender Einwand. Die jüngste Geschichte zeigt, daß sich Stimmungslagen rasch ändern können.

Fakt ist aber auch: als die FPÖ nach langer Arbeit und durch den geschichtlichen Zufall von 2015 an die politische Macht kam, wurde diese nach kürzester Zeit von den wahren “metapolitischen Machthabern“ zerschlagen. Die schwarz-blaue Regierung war beliebt, stabil und erfolgreich. Gezielt und geduldig entflocht die FPÖ das absurde Gewirr aus Asylgesetzen, nutzte dabei geschickt Stimmungswellen und bediente regelmäßig die Basis mit wichtigen symbolischen Siegen, wie z.B. dem Nein zum UN-Migrationspakt. Doch diese gute Sacharbeit half nichts.

Die Macht, welche die FPÖ im Parlament besaß, das einzige und langersehnte Ziel ihrer Strategie, ist nicht das wahre Machtzentrum in einer westlichen Demokratie. Ihren größten, nämlich bleibenden metapolitischen Erfolge erzielte die FPÖ gleichsam unfreiwillig und unbeabsichtigt über die Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch ihre politische Medienarbeit. Dass Sebastian Kurz widerwillig FPÖ-Positionen übernehmen mußte und den UN-Migrationspakt immer noch nicht unterschrieben hat, liegt nicht an einer parlamentarischen Mehrheit, sondern an der metapolitischen Arbeit der letzten Jahre.

Es stimmt: heute findet realer Machtgewinn über Wahlen, und und Machtausübung über parlamentarische Mandate statt. Wahlen sind jedoch kein mythischer Akt, in dem sich ein „geheimnisvoller Volkswille“ manifestiert. Die Methoden der Diskurskontrolle, von Meinungskorridoren, nudging, emotionalem Design bis hin zu Zersetzung, Repression und Terror werden seit Jahrzehnten in allen westlichen Demokratien angewandt. Sie führten überall zu einer nahezu einheitlichen soziopolitischen Entwicklung.

Mittels gezielter Sozialtechnik läßt sich das Politprodukt der Gesellschaftsmaschine relativ paßgenau designen. Einzelne populistische „Ausschläge“, änderten nichts am politischen Trend des versammelten Westens in Richtung linker Gesellschaftspolitik, Multikulturalismus, Ersetzungsmigration und Entnationalisierung. Rechte Parteien waren dagegen machtlos. Denn diese Entwicklung war der Wunsch jener Instanzen, welche mittels Sozialtechnik das Meinungsklima kontrollieren.

Ihre „Meinungsklimaanlage“ setzt - auch gegen das temporäre Auf und Ab der "Außentemperatur“ in Form unkontrollierbarer Ereignisse wie der Migrationswelle 2015 - langfristig das mittlere "Raumklima" unserer Gesellschaft fest. Diese Stimmungstemperatur wird dann periodisch in Wahlen „gemessen“ und als „Wille des Volkes“ präsentiert.

Findet sich eine politische Bewegung in einem feindlichen Raumklima vor, ist ihre erste und einzige Aufgabe, diese Klimaanlage zu sabotieren und die Meinungskontrolle des Gegners zu brechen. Das ist der Weg des metapolitischen Widerstands. Versucht man jedoch nur als Partei „mitzuspielen“, sich weitgehend anzupassen um kurzfristig auf positiven Stimmungswellen mitzureiten, um Sitze im Parlament zu erhaschen, folgt man einem Irrweg. Die gewonnene politische Macht hat keine vorpolitische Fundierungen, sie ist damit schwach und brüchig. Sie kann sich im feindlichen Klima nicht halten und wird in einer Welle von inszenierten „Skandalen“ gelähmt, zermürbt und schließlich aus dem Amt „geputscht“.

Bleibt man im starren Denken dieser Verlierer-Strategie, endet man im totalen Opportunismus. Um diese Verfolgung zu vermeiden und dem Gegner "jede Angriffsfläche" zu nehmen, demontiert man sich selbst. Man amputiert, um ein drastisches Bild zu zeichnen, den eigenen Arm, damit ihn der Gegner nicht fassen kann.

Das endgültige Schicksal des Parlamentspatriotismus führt langfristig zu einer völligen Anpassung an das feindliche Raumklima und damit einer ideologischen Angleichung an den Gegner. Das Problem des Bevölkerungsaustauschs verschwindet dabei scheinbar, indem es einfach nicht mehr als Problem betrachtet, sondern als neuer Status quo hingenommen wird. Das beliebte Meme des „Cuckservativen“, der sich täglich neu an der scheinbaren „Mitte“ orientiert und damit dem Linksdrift des Overtonfensters folgt, bringt das auf den Punkt.

Als die 68er gegen die ihnen tendenziell feindselige Struktur der Nachkriegs-BRD aufbegehrten, versuchten sie auch nicht, Springer, Franz Josef Strauß und Co. zu gefallen und ihre Ideen dem Zeitgeist anzupassen. Zielstrebig und instinktiv fokussierten sie sich auf die Räume metapolitischer Macht. Unversöhnlich trugen sie ihre radikalen Ideen aktivistisch auf die Straße. Sie wollten kein Produkt ihrer Umgebung werden. Sie wollten ihre Umgebung zum Produkt ihrer Ideen machen.

In diesem Geist eroberten sie erst die Straße und die Hörsäle, dann die Medien und die Universität. Die wirtschaftswunderselige konservative Intelligenz brach, überrumpelt von diesem Vorstoß, in sich zusammen. In kurzer Zeit sackte z.B. der Wählerstimmenanteil des „RFS“ (Ring freiheitlicher Studenten) an der Universität von 1967 mit 30% auf erst 15% im Jahr 1975 und dann 3 % im Jahr 1983 ab.

Linke und Grüne schielten nicht auf rasche Mehrheiten und kurzfristige Siege, sondern nahmen es bewußt in Kauf, eine zeitlang aus einer radikalen Minderheitenposition zu wirken. Als radikale Flanke hefteten sie sich an den Mainstream und zogen ihn nach links.  Während Konservative sich in Sicherheit wiegten und auf ihre parlamentarischen Mehrheiten verwiesen, akkumulierte die Linke kulturelle Macht und besetzte den vorpolitischen Raum. Sie okkupierte den geistigen Raum der Nation, während die Rechten sich über die Kontrolle seiner „Gliedmaßen“, die Wirtschafts- und Bauernbünde, die Armee, die Unternehmervereinigungen, Stimmungen etc. freuten.

Rechte Politik fuhrwerkte munter und mittig im Bereich der pragmatischen Realpolitik, während die linke Metapolitik ihren geistigen Rahmen immer weiter verschob. Nach wenigen Jahrzehnten der Wühlarbeit waren Denken und Sprache derart verändert, daß die CDU, um „Partei der Mitte“ zu bleiben, linksliberale Positionen einnehmen muß.

Folgerichtig drohen die Grünen nun zur neuen Volkspartei zu werden. Die verlachten Revoluzzer von einst fahren heute die Ernte ihrer metapolitischen Strategie ein. Ihre Herrschaft über den „ideologischen Staatsapparat“ (Louis Althusser) überdauert jede parlamentarische Regierungsperiode. Auch wenn FPÖ und AfD in Regierungen kommen, bleiben die Uni-Professoren, Fernsehredaktuere, Autoren, Lehrer, RichterInnen, Experten und Gewerkschaftspräsidenten im Amt. Und das nutzen sie in ihrem Sinne.

Die kulturelle Hegemonie des Gegners läßt Rechtspopulisten wie Salvini, Trump, Kickl, Johnson und Höcke, obwohl sie völlig demokratisch an politische Macht gekommen sind, wie Usurpatoren und „Betriebsunfälle der Demokratie“ erscheinen. Bis zu deren „Behebung“ geht der gesamte ideologische Staatsapparat in den Widerstandsmodus und bildet einen „tiefen linken Staat“.

Eine Partei, die sich in Opposition zur herrschenden Metapolitik befindet, aber versucht in einer oberflächlichen und populistischen Strategie „an die Masse“ zu appellieren, kann daher nur scheitern. Sie hofft im Grunde auf ein dauerhaft positives „Außenklima“ also eine permanente Themenkonjunktur. Das ist nichts anderes als die Hoffnung auf „Q“, oder die Reichsflugsscheibe, also auf ein vom Hoffenden nicht beeinflußbares Wunder. Währenddessen arbeiten die gegnerischen Sozialtechnokraten eisern und unerbittlich ihre Machtstellung aus. Der Marsch durch die Institutionen hat nie aufgehört. Immer weiter und tiefer dringen unsere Gegner ins Nervensystem des Staates ein.

Wir haben die gesamte Führung fast aller Berliner Sicherheitsbehörden ausgetauscht und dort ziemlich gute Leute reingebracht. Bei der Feuerwehr, der Polizei, der Generalstaatsanwaltschaft und auch beim Verfassungsschutz. Ich hoffe sehr, dass sich das in Zukunft bemerkbar macht,

verkündet Bernhard Lux von den Berliner Grünen im „Neuen Deutschland“ am 15. 8. 2020 stolz.

Die Alternative zum Parlamentspatriotismus ist die Kulturrevolution von Rechts. Es ist die vielfältige und gemeinsame Arbeit von Gegenkultur, Theoriebildung, Aktivismus und Bewegung einer „Mosaikrechten“, die nicht auf einen kurzfristigen Wahlsieg, sondern auf eine langfristige Überwindung des ideologischen Staatsapparats abzielt. In meinem nächsten Artikel will ich Vorschläge bringen, wie eine Bewegungspartei dieser Strategie dienen, sich in die Mosaikrechte einfügen und damit die parlamentspatriotische Verschwendung von Zeit und Ressourcen beenden kann.

Hier will ich abschließend in einigen Punkten festhalten, wie die derzeitige Strategie dem vorpolitischen Raum schadet:

  • Indem der Parlamentspatriotismus die „heißen Eisen“ nicht anspricht um die Massentauglichkeit und den „anstehenden wichtigen Wahlkampf in Hintertupfingen“ nicht zu gefährden, stabilisiert er diese feindliche Macht.
  • Indem der Parlamentspatriotismus junge Talente aus Aktivismus, Gegenkultur, Theoriebildung und Gegenöffentlichkeit abzieht und für eine verlorene Strategie einsetzt, schwächt er deren Reihen und mißbraucht die Mosaikrechte als Rekrutierungsbeutezone.
  • Indem der Parlamentspatriot sich, „zum Wohl der Partei“ von jeder Bewegung und jedem Akteur distanziert, den die öffentliche Meinung als distanzierungswürdig markiert, verschiebt er den Rahmen des Sagbaren nach links. Er gibt Dissidenten der Repression preis und dient als Kollaborateur der Zensur.
  • Indem der Parlamentspatriotismus die Anschlußfähigkeit fetischisiert, kippt er in den Opportunismus und befördert die ideologische Verwässerung. Sein Pragmatismus führt zur Übernahme der Begriffe und des Denkens des Gegners und zu einem Verlust der eigenen weltanschaulichen Mitte. Er schadet damit und durch das erwähnte Abziehen rechter Intelligenz aus der Metapolitik einer neurechten Theoriebildung und befördert so paradoxerweise im vorpolitischen Raum die Entwicklung altrechter, orientierungsloser Rückfälle ins Extrem.
  • Indem der Parlamentspatriotismus bei jeder Wahl die „Begeisterungsmaschine“ anwirft und deren Wirkung und Bedeutung übertreibt, erzeugt er bei der rechten Zielgruppe eine Abfolge von Hoffnung und Enttäuschung, die langfristig desillusionierend wirkt.
  • Indem der Parlamamentspatriot sich und den Wählern vorgaukelt, daß sie den eigentlichen Kampf um die Macht führen, verführt er diese zu Passivität und Tatenlosigkeit. Die Abgabe der Stimme oder die alle paar Jahre wiederkehrenden Hilfseinsätze im Wahlkampf ersetzen die nachhaltige Aufbauarbeit einer echten politischen Bewegung. Der Parlamentspatriotismus befriedet und entmündigt das rechte Lager, indem er es zu Zusehern oder Wahlhelfern degradiert. Er macht aus einem Mobilisierungspotential ein Wählerpotential, dessen Stimmen er will, deren Aktivismus und Protest er jedoch indifferent bis kritisch gegenübersteht.

Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen (weitere Punkte können gerne in der Kommentarspalte vorgeschlagen werden).  Zusammenfassend ist der Parlamentspatriotismus eine falsche Strategie, die umso tragischer ist, als ihre Vertreter in der Regel das richtige Ziel haben. Sie ist damit eine Verschwendung von Zeit und Ressourcen, da sie diese zur Eroberung eines Raumes einsetzt, der nachweislich nicht das Zentrum der Macht ist.

Eine rechtspopulistische Partei, die behauptet, in der Jagd nach parlamentarischen „Mehrheiten,“ Bewegung, Gegenöffentlichkeit und Gegenkultur opfern zu müssen, zerstört die einzige Chance auf einen echten Sieg. Selbst wenn sie, bevor ihr autochthones Wählerpotential weggestorben ist, eines Tages durch einen Zufall der Geschichte und von einer Themenkonjunktur an die Macht gespült wird, ist sie gegen die feindliche Metapolitik machtlos.

Rechte Realpolitik ist nur auf der Basis rechter Metapolitik machbar. Der Gewinn politischer Macht ist ohne metapolitische Schützenhilfe nicht möglich. Der empirische Beweis für diese These ist nach meiner Ansicht 2019 auf Ibiza erbracht worden. Es liegt nun an uns, diese Erkenntnisse bewußtzumachen, falsche Hoffnungen zu enttäuschen und neue Perspektiven zu ermöglichen. Denn augenblicklich versuchen unbelehrbare Teile der AfD störrisch den parlamentspatriotischen Trampelpfad der alten FPÖ nachzugehen, während dort sogar schon partiell ein Umdenken anfängt.

Der Irrweg des Parlamentspatriotismus, also der Aufbau politischer Macht anstelle von und zulasten der Metapolitik führt nach Ibiza. Er vergeudet Zeit, die wir nicht haben und Ressourcen, an denen es uns mangelt. Die Parlamentspatrioten gleichen, machtstrategisch betrachtet, einer Fußballmannschaft, deren Stürmer den Ball bei jeder guten Gelegenheit statt in das gegnerische Tor auf die Tribüne in Richtung der Trainerbank kickt.

Selbst wenn er trifft, verfehlt er das eigentliche Ziel.


Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.


Kommentare (58)

Maiordomus

15. September 2020 09:52

Am "schlimmsten" scheint mir der angebliche Extremist Sellner dort, wo er wirklich recht hat, wobei die illusionäre Chance auf einen "echten Sieg" schon länger und wohl schon vor Ibiza flächendeckend vertan zu sein schien. Es ist heute kaum mehr zu bestreiten, dass in jener Sache schlicht alles erlaubt war, um mit dem Zweck die Mittel zu heiligen. 

Ein desillusionierter wahrer Befund.  Wenn man bedenkt, dass in der Schweiz 2014 die Masseneinwanderungsinitiative angenommen wurde, jedoch bewusst parlamentarisch mit Vollunterstützung der Kartellmedien nicht umgesetzt, auch wegen den von Sellner durchaus richtig beschriebenen metapolitischen Realitäten. Ein exemplarisches Beispiel für die Nichtakzeptanz der direkten Demokratie, die mit Populismus und indirekt schon fast mit "Faschismus" gleichgesetzt wird. Kommt dazu, dass zumal in Sachen Islam regelmässig mit falschen Argumenten gefochten wird, worauf ich freilich schon vor 30 Jahren vergeblich aufmerksam zu machen versuchte. Gut, dass es in dieser Sache Sellner allmählich dämmert.  

MARCEL

15. September 2020 09:57

Der Ernst des Widerstandes muss sich am Ernst der Lage orientieren.

Der Sozialismus und seine linksradikalen Verzweigungen sind historisch im Untergrund großgeworden. Die Reflexe aus dieser "Kampfzeit" haben sie stets beibehalten. Nicht nur die kühle Effizienz östlicher Geheimdienste spricht hier Bände, sondern auch die Art wie Antifa etc. bis heute agieren. Die Ibiza-Affäre ist nur ein schlagendes Beispiel, dass diese Reflexe heute noch funktionieren bzw. tradiert wurden. Die Rechte hat wenig Untergrund-Tradition.

Vielleicht liegt das Problem auch darin, dass eine Parlamentspartei immer nach Integration strebt. Klar, sie will ja gewählt werden. Doch Integration, also Assimilation (nicht zu verwechseln mit Anerkennung!), ist genauso wie die amoklaufende Ethik zu einer "Vernichtungswaffe" des Systems geworden.

Nicht Integration, sondern konsequente Segregation könnte weiterbringen, was in Formen der Gegenkultur ja schon geschieht. Diese müsste man allerdings gut abdichten. Nicht nur, um sich vor "Ibiza-Fallen" zukünftig zu schützen, sondern auch um den kommenden Sturm unbeschadet überstehen zu können.

 

 

marcus

15. September 2020 10:02

Danke für die Analyse Herr Sellner,

schon Ihr Beitrag vom Autobahnparkplatz hat mich sehr beeindruckt.

neben vielem vielem Richtigen fehlt mir ein Aspekt: Die Abwendung Deutschlands/Österreichs vom Christentum. Sie begann spätestens und langsam im 19.Jh und war Anfang des 20.Jh vollzogen. Ich sehe die Ideologien, durch die im 20 Jh etliche Diktaturen und Kriege entstanden als Ergebnis davon, ebenso die Kulturrevolution 68. Rechtes/konservatives/patriotisches Denken ist mit dem Christentum aber eng verbunden. Solange keine Rechristianisierung in Europa stattfindet wird die Rechte ihre Samen nur auf steinigen und dornigen Boden ausstreuen. 

Beste Grüße

marcus

Niekisch

15. September 2020 10:37

"Immer weiter und tiefer dringen unsere Gegner ins Nervensystem des Staates ein."

Aber nicht nur da sind sie tätig. Die neuen Praktikanten des "Klinikum Vest" in Recklinghausen: Serpil Atsan, Alhman Gbne, Delgjin Mohammed Ismail, Carine Kabanga Mwamba, Imad Al Sallouum, Lovise Kambarami, Maher Abazed. 

Martin Sellner ist Punkt für Punkt zuzustimmen. 

Laurenz

15. September 2020 11:51

@MS

Erachte Ihre Analyse als falsch, weil zu ungeduldig. Die von Ihnen geführte APO, wie Pegida, Querdenken, was auch immer, macht nicht anderes als der Parlaments-Patriot auch, man beweist seine Existenz, bewegt aber wenig. Und Sie haben selbst exakt formuliert, wie die Linke die kulturelle Hoheit errungen hat, über 30 Jahre Unterwanderung der Institutionen, wie die historischen Buren im Britischen Südafrika. Uns bleibt auch nichts anderes übrig. Sie, MS, werden über 60 Jahre alt sein, wenn Sie durchhalten, um den Erfolg Ihrer Arbeit zu sehen.

Parlamentarismus ist immer der Kompromiß des Machbaren.

Nachwievor ist es so, daß die FPÖ vor der AfD das Zündnadelgewehr erfunden hat, die Sacher-Torten mal vor den Krauts. Und es geht auch gar nicht darum, die Massen-Einwanderung aufzuhalten. Das ist nur etwas für die Empörten, Engstirnigen. Daran brauchen wir uns ohne Macht-Option nicht! aufzuhalten. Die Indigenen brauchen & wollen den Status einer Minderheit. Dazu muß man wissen, für wen man sich engagiert. Der mittel-europäische Bürger ist nun mal ein charakterlicher Schließmuskel & ihn interessiert nur persönliche Betroffenheit. Die hausgemachte Grippe-Krise zeigt es überdeutlich. Mehr sind betroffen, mehr gehen auf die Straße. Sie, MS, werden nur dann zum Volks-Tribun, wenn im Ösiland mehr als die Hälfte aller Wähler betroffen sein werden.

Mindestrentner

15. September 2020 12:06

Um den Ball aufzufangen, soll auch ganz dringend auf die bei den parlamentspatriotischen Parteien mangelnde Basisarbeit hingewiesen werden. Bei der FPÖ sowieso und bei der AfD vermutlich.

Die Vergangenheit bietet doch Hinweise wie erfolgreich vorpolitisches Milieu erarbeitet und in politische Wirksamkeit überführt werden kann. Ich weise nur auf die Geschichte der sogenannten Arbeiterheime der  jungen Sozialdemokratie in jedem besseren  „Kuhdorf“ Österreichs hin. Orte der Organisation, der Diskussion, der Vorträge, der eigenen Zeitung, der politischen Filmabende, der Arbeiterkultur  und natürlich auch der Geselligkeit  mit einer meist umfangreichen Bibliothek und Materialiensammlung. Selbstverständlich stieß das so (meta-)politisierte Milieu an eine gläserne Decke, konnte dieser  jedoch durch permanenten Druck erhebliche Kratzer und Risse zufügen.

Mindestrentner

15. September 2020 12:08

(Fortsetzung)

Was ich damit sagen will: Es besteht m.E. ein hoher Bedarf an physischen Orten um dem interessierten Mensch eben eine Verortung zu bieten und wo diese Orte bestehen sind diese mit Leben zu befüllen. Versammlung, Debatte, Jugendarbeit und eine zeitgemäße  multimediale Ausstattung sollen den Besuchern einen echten politischen Mehrwert bieten.

Das können Rentnerausflüge, Kaffeekränzchen mit monologisierenden Referenten,  Mieterberatungen und geselliges Spanferkelessen nicht leisten. Genau so wenig und noch weniger leisten Parteiakademien und Kaderschulungen für die Ausgestaltung des metapolitischen Raumes. Die Mittel für den Unterhalt diese dissidenten Orte müssen ob ihrer Bedeutung aufgebracht werden, denn jeder dort Verortete tritt letztlich als metapolitischer  Multiplikator in seinem jeweiligen Umfeld auf. Und der Rest ist ohnehin Tubenfleisch.

Fritigern

15. September 2020 12:23

Sehr gut geschrieben aber dieses simple ein mal eins der westlichen Demokratie wird man einem Meuthen nie erklären können, dafür ist der Mann zu liberal und möchte weiter in dieser klitzekleinen Blase aus Tichys Einblick, NZZ, Werteunion, Junge Freiheit und Broder mitschwimmen. Immerhin bewahrt diese Blase das Gefühl, dass er doch irgendwie dazu gehört und das ist natürlich das Wichtigste für einen Liberalen.

Die IB hatte für eine kurze Zeitspanne, so ungefähr zwischen 2014 und 2018, tatsächlich die Chance zu einer richtig großen Sache anzuwachsen aber auch hier hat die metapolitische Macht unserer Gegner akribisch dagegen gehalten und dies verhindert. 

Diese Neu-Linken Aktionen laufen fast wie durchgeplante militärische Schläge ab. Erst machen Antifas die Vorabrecherchen und spielen ihr Wissen auf Twitter größeren linken Influencern zu und dann wird eine riesige Lawine ausgelöst, welche dann durch ARD, ZDF, Spiegel, Zeit, Süddeutsche, Welt und Co medial unterstützt wird und schon war's das mit einer patriotischen Bewegung. 

Adler und Drache

15. September 2020 12:32

Wie zumeist habe ich auch diesen Artikel von Herrn Sellner gern und mit Gewinn gelesen. Man könnte ihn gar dem vorletzten Artikel von Herrn Kaiser als Einspruch entgegenhalten. - Dennoch regen sich Zweifel.

Wir Rechten sind ja sehr gut darin, unsere Hoffnungen auf irgendwas oder irgendwen zu setzen: Trump, die Partei, QAnon, einen Umschwung in der öffentlichen Meinung, ein auslösendes Ereignis ... Das sind letztlich alles Nuancen in einer Skala. Auch die hier so häufig beschworene Metapolitik möchte ich dazu zählen. Wie muss man sich die eigentlich genau vorstellen? Die metapolitischen Ereignisse, an denen ich teilgenommen habe, waren (stark vereinfachend und ziemlich grob gesagt) gesellige Runden, in denen man sich gegenseitig auf die Schulter klopfte und versicherte, auf der richtigen Seite zu stehen. Das ist keineswegs verkehrt, zuweilen braucht man sowas zur Auferbauung, aber wie es dadurch zu einer Wende kommen soll, sehe ich nicht ein.      

Adler und Drache

15. September 2020 12:32

Ich halte es auch nicht für einen gangbaren Weg, die Mittel und Methoden der Linken zu kopieren, weil wir ganz andere Voraussetzungen haben als die 68er. Es ist leichter, eine konservative Gesellschaft zu infiltrieren und zu ideologisieren, als eine ideologisierte Gesellschaft zu befreien. Der Ideologe ist im Vorteil, und entweder akzeptiert man den Nachteil, oder man tut es ihm gleich, womit man sich in sein Ebenbild verwandelt.

Wir werden lernen müssen, in einer feindlichen Mehrheitsgesellschaft zu überleben. Jeder von uns sollte zuerst und zuvörderst am Auf- und Ausbau seiner eigenen Basis arbeiten (Haus, Land, Familie, Nachbarschaft), statt viel von Politik und Gesellschaft zu erwarten oder darauf zu hoffen, den Laden irgendwann durch irgendwas umkrempeln zu können.

Laurenz

15. September 2020 12:45

@Fritigern

Zitat - , welche dann durch ARD, ZDF, Spiegel, Zeit, Süddeutsche, Welt und Co medial unterstützt wird und schon war's das mit einer patriotischen Bewegung. - Zitatende

 

Das stimmt so nicht. Die Medien-Walze wirkt zwar, wird aber für den Konsumenten immer langweiliger, was dazu führt, daß die Auflagen weiter sinken, und der Staat die Bertelsmänner & die Relotius-Imitate immer weiter subventionieren muß. Das ist ein beachtlicher Erfolg.

nachdenken

15. September 2020 13:12

Das mit der Metapolitik stimmt. Die Linken werden aber ihrerseits ebenfalls mißbraucht, denn die Machteliten interessieren sich einen Schmarrn für linke Ideale, sondern nur für die Erhaltung und den Ausbau der Macht, zurzeit nach dem Vorbild Chinas. Da werden noch so manche linken Tränen fließen. Es ist nicht nur der Parlamentspatriotismus am Ende, sondern das Modell der repräsentativen Demokratie, ganz einfach, weil Repräsentanten im Grunde keine Macht haben UND sie käuflich und/oder erpreßbar sind. Vielleicht ist eine direkte Demokratie, in der der sog. Staat nur mehr administrative Aufgaben hat, die Lösung.  Let’s try.

Lotta Vorbeck

15. September 2020 13:18

@Martin Sellner

"Die letzten 30 Jahren waren ein einziger Rückzug, demographisch wie gesellschaftspolitisch."

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So ist es. Was haben FPÖ & AfD über all die Jahre hinweg konkret erreicht, außer ihren Vollzeitfunktionären und Parlamentariern gute Einkommen zu generieren und dabei gleichzeitig die eigenen Wasserträger zu verschleißen?

Man kann sich verbissen an die Hoffnung klammern, vielleicht, eventuell, möglicherweise doch noch einen Cameo-Auftritt auf der Bühne des Bord-Theaters der bereits Schlagseite zeigenden "Titanic" gewährt zu bekommen.

Oder man läßt dieses Bord-Theater eben Theater sein und schaut stattdessen wie es um die seit Jahrzehnten vernachlässigten, nicht mehr gewarteten Rettungsboote steht, schaut nach Material, welches sich zum Bau eines Rettungsfloßes eignet.

 

MARCEL

15. September 2020 13:29

@Adler und Drache

sehe ich genauso. 1968 war die Gesellschaft noch einigermaßen homogen (und im Durchschnitt jünger), das ist vorbei! Das Risiko von Gewalt nimmt durch Zuzug gewaltgewohnter Kulturen zu.

Der Umschwung, die Revolution oder wie man es auch immer nennen will, wird nicht von uns kommen, das sehe ich auch so. Aber es wird kommen! Einerlei ob durch die Dynamik der Situation oder durch Fehler des Systems. Das Ereignis/die Revolution/die Katastrophe  dann zu gewinnen und zu beherrschen ist das, was die Konservative Revolution immer propagiert hat. Bereit stehen und sich weder überraschen noch entmutigen lassen!

 

Elvis Pressluft

15. September 2020 13:43

Gehe vollkommen mit dem ersten Kommentar (MARCEL) konform. Die parlamentarische Option wird zu keiner politischen Revision führen, weder in diesem noch im nächsten Jahr oder überhaupt absehbar. Das muß man vollkommen nüchtern sehen; alles andere ist Selbstbetrug. Auch eine breite „Querfront“ wird das Regime nicht stürzen – das ist noch so ein erbauliches Hirngespinst.

Metapolitik, sofern sie überhaupt wirksam stattfinden kann, muß streng subversiv-konspirativ entworfen sein. Hierin allerdings (repetitio non placet, aber ich sage es immer wieder) haben wir von der Linken viel zu lernen. Das Weitere liegt nur bedingt in unserem Kontrollradius. Dem Vernehmen nach – siehe NRW! – gehen bürgerlich-konservative Kreise teils dazu über, grün zu wählen, um die Verhältnisse zuzuspitzen … eine halsbrecherische Analogie: In der Weimar-Schlußphase waren etliche SA-Verbände bis zu einem Drittel oder mehr kommunistisch durchsetzt, weil die Rotfrontler der Maxime folgten „Dort geht es schneller!“

Wie auch immer, das derzeitige System wird sein Selbstzerstörungsrasen bald abgeschlossen haben. Dann wird es „interessant“, für uns wie auch für die nützlichen Idioten von heute.

Koch

15. September 2020 13:51

Vielleicht müsste man mal klar machen, was unter Metapolitik verstanden wird. Mein Verständnis: Angebote und Antworten rechts der Mitte für möglichst alle gesellschaftlichen Bereiche. Etwa (Brainstorming):

  • Informationsmedien (Nachrichten, Reportagen, Podcasts, Zeitungen, Radio)
  • Unterhaltung (Musik, Youtube, Gaming, Filme, Boulevard, Kabarett, Literatur, Kunst, Theater)
  • Politisches (grundlegende politische Theorie, aktuelle politische Themen, eine Partei, eine Gewerkschaft)
  • Sport (Angebote für junge Leute: Kraftsport, Kampfsport, Mannschaftssport)
  • gesellschaftliche Trends bedienen (Trend zum Kauf regionaler Produkte, Nachhaltigkeit)

In all diesen Bereichen braucht es idealerweise ein vielfältiges, nicht-linkes Angebot - überall in Deutschland/Österreich erreichbar. Für alle gesellschaftlichen Schichten, vom dümmsten bis zum klügsten Bürger. D.h.es braucht in jedem Bereich diverse Angebote. Die einen erreicht man mit ausführlichen und sachlichen, wissenschaftlichen Texten, die anderen mit kurzen Videoschnipseln oder Musikvideos.

tearjerker

15. September 2020 13:52

„Ich halte es auch nicht für einen gangbaren Weg, die Mittel und Methoden der Linken zu kopieren, weil wir ganz andere Voraussetzungen haben als die 68er.“ (A+D).

Die Linke konnte ihre Leute und ihre Themen anbringen, wel sie machte, was schon immer funktioniert hat und auch für jeden Anderen funktioniert, nämlich eine Gewaltfraktion zu mustern, diese zu unterstützen und deren Ziele und Absichten innerhalb des Apparates zu repräsentieren. Das fehlt der angeblich so rechten Opposition, die sich im wahrsten Sinne des Wortes zahnlos einem Gegner gegenübersieht, dessen Erfolge auf Brutalität und kriminellem Denken basieren.

Fritigern

15. September 2020 13:56

@Laurenz 

 

Die Medien Walze verliert an Wirkungskraft, das stimmt aber ich denke, dass die Kraft noch gereicht hat um die IB tot zu schreiben und sie klein zu halten. 

Nur alleine die Sender von BRD-today haben in den letzten Jahren Dutzende Dokus produziert und alle paar Wochen läuft eines dieser Machwerke zur besten Sendezeit. 

Der Dauerbeschuss von den öffentlich rechtlichen ist nach wie vor nicht zu unterschätzen. 

heinrichbrueck

15. September 2020 14:21

@ Laurenz

Sie meinen also, die Indianer wollten den Status einer Minderheit? Sind die Hälfte aller Österreicher betroffen, gibt es die Hälfte nicht mehr. Und was passiert dann? Krieg gegen die fremde Hälfte? Exponentielles Bevölkerungswachstum (Ausländerseite) gegen Träumereien der Gleichheit (Demokraturkompromißler)?

Demokratie ist nur eine Täuschung, mit deren Hilfe Krieg geführt wird. Die indigenen Europäer, keine großen Meister der Täuschung, schon das Konzept bleibt ihnen fremd, verstehen diesen Krieg überhaupt nicht. Sie müssen die Kriegspolitik erklären.

Warum sollte ein Volk an seiner Ausrottung arbeiten? Weil es die Vernichtung nicht als Ausrottung begreift! In jedem Volk gibt es Verräter, deren Mitläuferschaft die Bankenmafia bezahlen kann; wie auch die Demokratie mit Bomben kam, und die Ideologie im idealistischen Gewande Zielverschleierung betreiben konnte. Hervorragende Analysen – im falschen System, nutzen der feindlichen Absicht.

Laurenz

15. September 2020 14:47

@heinrichbrueck

Zitat - Warum sollte ein Volk an seiner Ausrottung arbeiten? - Zitatende

Wir alle hier brauchen doch nicht über Sinn oder Unsinn debattieren. Wüßten wir nicht Bescheid, wären wir nicht hier auf der SiN.

Aber WIR sollten es vermeiden uns mit dem Volk zu verwechseln! Wir sind nur ein extrem kleiner Teil dieses Volkes.

Die Historie läßt verschiedene Szenarien zu und Sie haben die Indianer ausgewählt, nicht schlecht. Sie können auch die Babylonische Gefangenschaft wählen. Dann folgen irgendwann 2.000 Jahre Reisezeit, was auch immer Sie wünschen. 

Vielleicht haben Sie Lust meinen späten Beitrag im BK-Artikel @Valjean72 zu lesen. Wir sollten es tunlichst vermeiden, gegen den Mehrheitswillen zu agieren. Wenn die Mehrheit sich umbringen will, können Sie das nicht verhindern.

Was wir aber tun können, wie schon oft wiederholt, ist mehrheitsfähige Programmatik anzubieten.

@Lotta Vorbeck

APOs haben bisher auch nichts erreicht. Genau deswegen ging die frühe 68er APO spät durch die Instanzen.

Adler und Drache

15. September 2020 14:47

heinrichbrueck: Warum sollte ein Volk an seiner Ausrottung arbeiten? 

 

Ich bin mir nicht sicher, ob es das "Volk" im echten Sinn überhaupt noch gibt, oder ob es nicht längst zur "Gesellschaft" abgesunken und darin aufgegangen ist. 

starhemberg

15. September 2020 15:05

Selbst wenn jemals "alles" optimal laufen sollte, eine gut geölte, finanzkräftige, rechte Diskurs-Maschine, selbst dann wären Wahlerfolge jenseits der 30% für eine FPÖ oder AfD mehr als unrealistisch. Solange der restliche "Block", trotz aller Schmierenkomödien, letztendlich zusammenhält, ist daher eine klare "Wende" über das parlamentarische System eher unwahrscheinlich. Nur der Druck der äußeren Verhältnisse könnte dies drastisch verändern,  andererseits aber auch das demokratische Gebäude zum Einsturz bringen.

Was tun?

Eigentlich mehr Migration fordern, ungebremst, so viel wie möglich, egal woher. Dies wäre der direkteste und schnellste Weg zur Veränderung. Aber es würde schlimm werden.

Ansonsten meiner unmaßgeblichen Meinung nach - stur weiterhin nur rechts wählen, egal wer dort auch immer gerade welchen Unsinn treibt. Sich selbst und sein Umfeld geistig und körperlich tüchtig halten, niemals den Kopf hängen lassen. Die falschen Menschen meiden, mit den Richtigen Kontakte ausbauen, wenn machbar Großstädte verlassen. Wann immer möglich bar bezahlen, rechte Medien und Organisationen finanziell unterstützen, mit Menschen ruhig und freundlich über unsere Anliegen sprechen. Niemals den Humor verlieren - und - keinesfalls auf alte Rezepte setzen. 

 

Gotlandfahrer

15. September 2020 15:37

Den Respekt für den linken Marsch durch die Institutionen teile ich nicht, auch sehe ich dort keine metapolitischen Vorbilder für uns.  Der linke Erfolg beruht weder auf Elitekadern noch auf „Strategie“.  Dieses Bild entsteht nur ex-post aufgrund des vorgezeichneten – nicht deswegen vorhersehbaren - Ergebnisses und der von den belohnten Mitläufern zelebrierten Verklärung ihrer Gier oder Gutgläubigkeit als „Humanismus“.

Der Mensch ist Schwarmwesen und reagiert auf Signale des kürzesten Wegs zur Nahrung bzw. Rangsicherung. Wie Ameisen markieren auch menschliche Kundschafter ihren „Erfolgsweg“, so dass „automatisch“ der Schwarm auf den kürzesten Weg einschwenkt.  Eine dämlich-grüne Schwafelschranze, die mit Diäten zugeschissen wird, zieht weitere dämlich-grüne Schwafelschranzen nach sich.  Arbeitgeberpräsidenten, die tot im Kofferraum liegen, haben vergleichsweise wenig anzubieten.

Entscheidend sind die Belohnungen und Wege dorthin, das galt schon in der Steinzeit.  Der zivilisatorische Mehrwert der Rechten besteht darin, ein Kalkül über die „Erfolgswegmarkierungen“ hinaus anstellen zu können.  Ob dies aus anthropologischer Sicht ein Bug oder Feature ist, bleibt unklar, denn darwinistisch betrachtet ist das, was geschieht, sinnvoll. Womöglich bleibt uns nur abzuwarten, wie sich das Belohnungswegesystem durch das Getrampel von selbst neu anordnet.  Wem gebührt die Macht über die Belohnungen, das ist hier die Frage, wenn wir über Politik reden!

Lotta Vorbeck

15. September 2020 15:53

@Laurenz - 15. September 2020 - 02:47 PM

"Was wir aber tun können, wie schon oft wiederholt, ist mehrheitsfähige Programmatik anzubieten.

APOs haben bisher auch nichts erreicht. Genau deswegen ging die frühe 68er APO spät durch die Instanzen."

---

"Mehrheitsfähige Programmatik anbieten", die, von der Kundschaft verschmäht, wie Blei in den Regalen des BRD-Krämerladens liegen bleibt?

Die tatsächlich Mächtigen treten in den Schaufensterdemokratien des Werte-Westens weder im Capitol noch im Reichstag öffentlich in Erscheinung.

Laurenz

15. September 2020 16:02

@Lotta Vorbeck

quod erat demonstrandum

Das ist und bleibt bisher alles nur Vermutung. Das AfD-Programm ist nicht! solidar-patriotisch!

Lotta Vorbeck

15. September 2020 16:44

@Laurenz - 15. September 2020 - 04:02 PM

Sich innerhalb der Matrix mit den Rezepten von vorgestern im Kreise zu drehen, weist keinen Weg hinaus aus der Matrix.

Wer immer wieder dasselbe versucht, wird auch immer wieder dasselbe Ergebnis erreichen.

 

Solution

15. September 2020 17:51

Sellner kann ich zwar überwiegend zustimmen, doch die "Metapolitik" von rechts hat auch noch keinen durchschlagenden Sieg errungen. Wir brauchen sowohl eine Partei, als auch eine metapolitische Bewegung. 

Die AfD ist leider auf dem Weg zu einer Splitterpartei. Ob sie eine Zukunft hat, muß bezweifelt werden. Soeben habe ich z.B. lesen müssen, daß eine Gruppe von Mandatsträgern für die Aufnahme von illegalen Moria-Einwanderern gestimmt hat.

https://www.info-direkt.eu/2020/09/15/voellig-irre-afd-kreisverband-fuer-aufnahme-von-moria-migranten/

So wird das nichts. Es wird Zeit, der AfD die gelbe Karte zu zeigen.

Maiordomus

15. September 2020 17:59

@Laurenz u. Co. Leute wie Sellner werden auch in 30 Jahren keine Bildungs- und Kulturinstitutionen nicht unterwandert haben, weil es dazu, was die Linken immer gemacht haben, über gute und sehr gute Abschlüsse hinaus quasi Basislager in diesen Institutionen braucht, und solche waren für die Linken nun mal  seit über 50 Jahren stets reichlich vorhanden. CDU und CSU hatten schon einen sehr kleinen metapolitischen Einfluss, als sie im Vergleich zu heute noch eher konservativ waren; damals waren sie metapolitisch noch mehr am Rande als heute. Parlamentarische Mehrheiten sind immer noch leichter machbar als metapolitische Dominanz. 

Niekisch

15. September 2020 18:59

"Parlamentarische Mehrheiten sind immer noch leichter machbar als metapolitische Dominanz."

@ Maiordomus: Diese Aussage halte ich für gewagt. Wenn sich alle anderen Parteien gegen die Aufmüpfigen zusammen schliessen, dann kommt es in unserer Lage nie und nimmer zu Mehrheiten. Für realistischer halte ich es, 70 % der Ressourcen in eine radikale, lange und beharrlich durchhaltende APO zu stecken, 30 % in einen parlamentarischen Arm. Eine bundesweit agierende APO gab es zuletzt 1970 mit der "Aktion Widerstand". Diese hatte zum Thema allerdings nur das Verschenken der deutschen Ostgebiete an Polen und die Sowjetunion. Seitdem gab es nichts Wirksames mehr. 

JohannThury

15. September 2020 19:10

Projekte wie Freilich, Info-Direkt, Wochenblick und linke-gewalt.info in Ö sind nur möglich, weil Akteure aus den Gebietskörperschaften die Mittel dazu zur Verfügung stellen. Insofern ist der Parlamentspatriotismus notwendig, um überhaupt ein politsches Vorfeld zu schaffen. Dazu wurde in Ö viel getan, man denke an den WKR(Akademiker-)-Ball, den Freiheitlichen Akademikerverband oder die Förerdungen für Studentenverbindungen. 

Ibiza war weniger eine metapolitsche Auswirkung als ein charakterliches und moralisches Systemversagen der FPÖ-Spitze und ihrer Organe. Ressourcen und Strukturen sind hier immer noch reichlich vorhanden. Gerade deshalb sollten junge Leute ihre Wertvorstellungen und politschen Ideen in die Partei tragen und sie auf Kurs bringen. Das gilt mM nach auch in großen Teilen für die BRD/AFD. 

Der_Juergen

15. September 2020 19:41

Ich stimme allem, was Sellner hier schreibt, zu; persönlich vertrete ich seit langem solche Ansichten. Völlig unbegreiflich sind mir jene Kommentare, die von einer langfristigen Unterwanderung der Institutionen sprechen oder im Gegenteil behaupten, eine solche werde "auch in dreissig Jahren" noch nicht gelungen sein. Wer nicht spürt, dass wir uns in einer beispiellosen Umbruchssituation befinden und dass schon bald kaum noch ein Stein auf dem anderen stehen wird, dem ist kaum noch zu helfen. Es gibt - neben den immer denkbaren Zwischenstufen - zwei Hauptszenarien: Die baldige Errichtung eines gigantischen, (fast) die ganze Welt umfassenden elektronischen Konzentrationslagers, flankiert von der Schleifung (fast) aller Grenzen und der Zerstörung des Mittelstandes (damit es nur noch eine winzige Minderheit von Superreichen und eine Masse rechtloser Proletarier gibt), oder eine Revolte gegen diese Sklaverei und der Sturz des globalistischen Blutsaugersystems. Für den zweiten Fall hat die Rechte in vielen Ländern schon beachtliche metapolitische Vorbereitungsarboneit geleistet, und sie sollte die kommende stürmische Zeit nutzen, um weiter aufzuklären. Voraussetzung dafür ist, dass sie sich aller parlamentarischer Illusionen entledigt und aufhört, die Stühle auf der Titanic zurechtzurücken.

Lotta Vorbeck

15. September 2020 19:46

@Laurenz - 15. September 2020 - 06:44 PM

"Deswegen gibt es Debatten aktuell nur in den Parlamenten, etwas, das @Lotta Vorbeck bis heute nicht verstanden hat."

---

Nur in den Parlamenten?

"Wochenblatt für Debatte" lautet der Untertitel einer vom Dieter Stein herausgegebenen Wochenzeitung.

Eine andere Frage: Zu welchem Ergebnis führen die "Debatten, die es aktuell nur in den Parlamenten gibt?"

Mboko Lumumbe

15. September 2020 19:52

Mboko Lumumbe kann beim rechtsintellektuellen Palaver nicht mithalten und zockt stattdessen Heimat Defender und fühlt sich dabei wie ´ne schwarze Rose.

Rosen, wollt ihr ewig blühen?

Simplicius Teutsch

15. September 2020 21:36

Zunächst habe ich Martin Sellner beim Lesen vollumfänglich zugestimmt, seine Analyse ist ja auch super geschrieben, und ich muss mir nur die parlamentarische AfD-Realität im Münchner Maximilianeum anschauen, um Sellner recht zu geben.

Ist die AFD-Fraktion im Bayerischen Landtag, immerhin über 20 Abgeordnete, 2018 gewählt, von 666.000 (=10,2 %), samt und sonders an Corona gestorben? Man hört eigentlich gar nichts. Totgeschwiegen? Nicht mal mehr interne Streitigkeiten und gegenseitiges Fertigmachen hallt einem ins Ohr. Ach doch, da war was. Im Juni war mal eine AfD-Schlagzeile in den Medien: Bei einem Besuch im bayerischen Landtag ist Thüringens AfD-Chef Höcke der Einlass verwehrt worden. Ein Faschist sei hier nicht willkommen, sagte CSU-Landtagspräsidentin Aigner.

Aber dann denke ich - allzu pessimistisch? - Außerhalb der Parlamente bringen wir ja auch kaum einen Fuß auf den Boden, um vorwärts zu kommen. Pegida und die Identitären sind kriminalisiert und verbrannt. Die Querdenker wird man auch fertig machen. Wo ist der metapolitische Bodengewinn? Eigentlich geht’s doch nur rückwärts. Verteidigungsschlachten. Sind wir bald an den Seelower Höhen?

Laurenz

15. September 2020 22:27

@Lotta Vorbeck

zB zu einer Öffentlichkeit auf Phoenix.

 

Lotta Vorbeck

15. September 2020 23:01

@Laurenz - 15. September 2020 - 10:27 PM

"zB zu einer Öffentlichkeit auf Phoenix."

---

Na dann, wohlan!

Gelddrucker

15. September 2020 23:06

AfD muss gewählt werden, egal wer dort gerade dummes Zeug redet und egal wie die Zerwürfnisse sind. Der AfD "die gelbe Karte zeigen" ist ein Riesenfehler.

Gute Wahlergebnisse fördern Optimismus und Motivation und das brauchen wir mehr als alles andere.

100% überzeugte Defätisten, die nichts mehr beizutragen haben als Defätismus, sollten sich anderweitig beschäftigen aber nicht zum Klotz am Bein werden.

Im übrigen, 30% für die AfD = annäherend 50% der männlichen Bevölkerung zwischen 30 und 50 Jahren: Ein Block, der eine Gesellschaft ohne weiteres umkrempeln kann.

 

honkler

15. September 2020 23:29

Bruh. 

Der parlamentarische Patriotismus war schon immer ein Produkt der Bourgeoisie und der rein raffgierigen, bürgerlich Rechten - welche überhaupt nie an das weiter gedacht hat, sondern nur an den Aufbau wirtschaftlicher Vorteile für sich und angewandten Nepotismus. Auch einer der Gründe, warum das achso jeimatliebende Verbindungswesen, eher wie der halbschwule SM-Club wirkt.

Das tatsächliche Problem der Rechten, ist der Rechte selbst; Martin ist im Grund ein verkappter Bürgerlicher, der per Zufall mal bei Kali Yuga gelandet ist. Mein Beileid. Aber tatsächlich ist die Problematik folgende, der Rechten fällt es schwer Grund zu halten, sie hat keinen Boden und keinerlei reele Beziehung zu den Themen, welche IRL tragend sind.

Tl;dr Es fehlt eine Antwort auf Soziales, Menschenrechte und eine Brandrede gegen den selbstzerstörerischen Feminismus. :pepe:

Franz Bettinger

16. September 2020 02:31

Danke @Lau, du unermüdliches Eichhörnchen, dass du uns (mich) immer wieder aus dem Loch der Hoffnungslosigkeit herausholst.

Auch was @Adler+Drache vorbrachte, fand ich gut, trotz der pessimistischen Perspektive.

 

Venator

16. September 2020 08:14

@Gelddrucker usw

Wir können es alle kaum erwarten, daß Du uns zum verdienten Endsieg führst!

Wie ich diesen ganzen, verlogenen Zweckoptimismus nicht mehr hören kann. Seit Ewigkeiten das Geschwätz von den Defätisten und Wehrkraftzersetzern, aber selbst keinen (KEINEN) einzigen Sieg eingefahren. Irgdendwann wird es einfach lächerlich. Keine Ahnung in welcher Welt ihr lebt, aber wenn ich bei mir zum Fenster raus schaue, ist es sicher nicht meine!

Glast

16. September 2020 09:02

Die Deutung @Venators ist zugleich die Deutung des politischen Gegners (zumindest des klugen Anteils). Natürlich gibt es diejenigen Feinde in Alarmstimmung, die einem 1933 entgegenfiebern und nicht müde werden, davor zu warnen - allein schon um Steuergelder zu abzuschöpfen.

Aber der gescheite Teil des linksliberalen Establishments weiß, dass er gewonnen hat. Habe mit einem meiner ehemaligen Hochschullehrer gesprochen, ein Sozialdemokrat. Da kam hinsichtlich der AFD und der Neuen Rechten gerade mal 0,0 % Alarmstimmung auf. "Die Rechte führe seit 20 Jahren nur noch Rückzuggefechte. Die haben ihre Chance in den 90er Jahren vertan". Da wurden die Seelower Höhen bereits überrannt...

Laurenz

16. September 2020 10:46

@Glast

Zitat - Die haben ihre Chance in den 90er Jahren vertan". - Zitatende

Das ist insofern richtig, als daß die Konservativen sich die Butter vom Brot nehmen ließen, einer nach dem anderen wurde mit der Machtergreifung von Merkel & Konsorten innerhalb der CDU abserviert. Bis zu einem gewissen Grade gilt das auch für die SPD. Die Kanalarbeiter gibt es schon lange nicht mehr. Allerdings läuft Ihr Sozialdemokrat als solcher auch bald unter ferner liefen.

Allerdings, das läßt sich schwerlich leugnen, setzte schon vor der Finanzkrise mit der Einführung des Euros eine sehr langsame Weimarisierung ein, nicht systemisch, aber ökonomisch. Wenn Sie heute die Analysten von Vermögensverwaltungen fragen, ob der Euro in absehbarer Zeit zusammenbrechen wird, werden Sie meist die Antwort "JA" erhalten, aber keiner kann Ihnen sagen, wann. Bis zur Grippe-Krise war es den Euroland-Regierungen gelungen, das gedruckte Luft-Geld weitestgehend aus dem Konsum-Kreislauf, der die Inflationsrate bestimmt, herauszuhalten. Dem ist mit den ungeheuren Summen des Kurzarbeiter-Geldes der Grippe-Krise nicht mehr so. 

Und Sie, Glast, sehen ja, daß die Betroffenheit von Bürgern in 2020 wächst. Kein gutes Zeichen für jeden Potentaten.

Waldgaenger aus Schwaben

16. September 2020 12:09

Gegen die Analyse, oder besser: Kampfschrift, Sellners zwei Einwände:

1. Eine starke parlamentarische Vertretung der deutschen Rechten ist Voraussetzung jeder metapolitischen Arbeit. Im Gegensatz zum immer wieder bemühten Vergelich zu 1968ff haben wir die Hauptstrom-Medien gegen uns. Jeder der sich rechts der CDU/CSU sieht, würde sich als "letzer Mohikaner" fühlen, weil doch alle anderen fortschrittlicher denken. Bei jeder Wahl sehe ich zum Beispiel. dass im 200 Meter Umkreis meines Wahllokales, etwa 12% oder absolut hundert Menschen AfD wählen (Zahlen fiktiv), also ähnlich denken wie ich. Ein nicht unterschätzendes psychologisches Moment, das jene, die Vollzeit politisch engagiert sind, anscheinend kaum verstehen können.

2. Das nicht auszurottende Narrativ (sic!), dass 1968ff ein Rudel Wölfe in eine Schafsherde einbgebrochen sind, ein Unfall sozusagen. Es war anders, die 68er handelten eher nach dem Nietzsche Wort: "Was  stürzt, soll man noch stoßen!"

Damit können (Zitat:

"Als die 68er gegen die ihnen tendenziell feindselige Struktur der Nachkriegs-BRD aufbegehrten ..." )

die 68er nicht als Vorbild dienen. Die Wende muss  viel tiefer ansetzen. Wenn zum Beispiel die Biodeutschen im Schnitt drei Kinder bekämen, wäre die Umvolkung kein Thema.

1/2

 

Waldgaenger aus Schwaben

16. September 2020 12:10

2/2

3. Der Verweis auf die Unmöglichkeit parlamentarischer Mehrheiten oder Koalitionen für die AfD / FPÖ . Ich gebe zu, dass ich auch hoffte, dass die CDU/CSU sich angesichts des Aufstiegs der AfD spalten würde. Es sollte aber nicht sein. In Deutschland und noch mehr in Österreich gibt es das Instrument der Volksabstimmungen, welches kaum genützt wird.

Konkret hätte die AfD in einem östlichen Bundesland die organisatorische Basis ein Volksabstimmung eiuzuleiten, das die Bewahrung der Identität des Staatsvolkes als Staatsziel in die Verfassung schreibt. Aus der Richtung "Volksabstimmungen" hört man nichts von der AfD.

Glast

16. September 2020 12:26

@Laurenz

Mit einem Argument haben Sie jedenfalls recht wie kaum ein anderer hier und Ihre Formulierungen treffen da auch leider regelmäßig genau zwischen die Augen: das deutsche Restvölkchen von 60.000.000 bekommt man nur noch durch NOT, NOT und nochmals NOT. Der eine oder andere wacht früher auf, wenn sein Enkelkind von Fachkräften belästigt wird oder es keinen Mercedes mehr gibt, den man samstags hingebungsvoll einseifen kann. 

Aber diese Masse juckt leider nur ein massiver Wohlstandsverlust. Das gute ist: der kommt wie das Amen in der Kirche. 

Niklaus

16. September 2020 13:21

In Ergänzung zum Beitrag von @marcus und als Vertiefung desselben empfehle ich die Beschäftigung mit Theodor Haecker (1879–1945). Als Einstieg biografische Notizen zu Haecker von Klaus Gerd Kaltenbrunner: Wir sind Hierarchisten: https://gloria.tv/post/eLkTcE8Y6orM3C87hDq21E8zw und dann vielleicht: Das Reich – 5. Kapitel aus «Betrachtungen über Vergil, Vater des Abendlandes» (ca. 1930): https://gloria.tv/post/4HqteXXKYMHV2RGJr7XgCaEWf

Laurenz

16. September 2020 14:14

@Glast

Danke, daß, wenigstens Sie meine sich häufig wiederholenden Beiträge gelesen haben.

Es ist nicht so, daß ich einen Niedergang unseres Volkes, unseres Staates, unserer Nation, anders empfinden würde, als jeder andere Patriot, mitnichten. 

Aber das nutzt nichts. Ich widerspreche damit meinem eigenen Landesvorstand, der unser Land und unsere Lebensart gerne retten würde.

Selbst die Nationalsozialisten adaptierten linke Strategien zur Machtergreifung. Das ist also nichts ungewöhnliches. Und die Linke, @Franz Bettinger würde sagen, der Tiefe Staat, nutzt diese Mechanismen bis heute zum Machterhalt. Goebbels war ein Linker und überholte die Hotel-Lux-Fraktion der KPD wohl weit links außen.

Was wir also meinen und als richtig erachten, tut nichts zu den politischen-, wie ökonomischen Gegebenheiten. Also können wir vordergründig extern, nicht intern, die Einheitsfront aus Linken und Liberalisten darin unterstützen, den Karren in den Dreck zu fahren, um diesen nachher die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben, lieber früher als später. Und BK beschreibt plausibler als MS, wie wir in die Lage versetzt werden, unseren politischen Gegner bei der Bevölkerung haftbar zu machen. Denn ohne, daß wir im Bewußtsein der Mittel-Europäer als Alternative präsent sind, funktioniert es nicht, wie man bis 2013 feststellen konnte.

heinrichbrueck

16. September 2020 15:19

Frosch- und Vogelperspektive. Der Frosch sieht nationale Prozesse, der Vogel sieht einen globalen Prozeß unterschiedlicher Geschwindigkeiten. Zwei Systeme in einem, beide gesteuert.

Die Weißen sind schon in der Minderheit. Und die AfD, der kleine Knochen Fake Opposition, war noch nie überzeugend weiß. Aus der Vogelperspektive, ein Witz der Globalisten. Der Drang, wählen zu gehen, der Ausgang einer letzten Illusion. Die AfD soll die Wahrheit sagen, ohne Rücksicht. Den sogenannzen „Altparteien“ geht es auch nicht erstrangig um Wählerstimmen allein; könnte eine AfD in „Regierungsposition“ beweisen, aber dafür wurde sie nicht konzipiert.

Laurenz

16. September 2020 16:05

@heinrichbrueck

Ihr Anspruch auf politisches "Reinheitsgebot" bei Menschen ist unmenschlich. Ihre rechten Vorstellungen von Widerstand, Opposition, etc. sind schlicht nicht realistisch, ja geradezu absurd. 

Denn, wenn Sie ehrlich zu sich selbst wären, würden Sie erkennen, daß Sie Selbst Ihrem Eigenen Reinheitsgebot nicht entsprechen. Auch Sie, heinrichbrueck, sind nicht perfekt, ebenso wenig wie die AfD. Und letztere muß das auch gar nicht sein und solch einen unsinnigen Anspruch an sich selbst stellen.

Waldgaenger aus Schwaben

16. September 2020 16:06

Sellner erwähnt Trump nur beiläufig. Dabei war seine Wahl ein entscheidendes Ereignis. Der Geist ist aus der Flasche! Selbst wenn Trump abgewählt wird. Selbst wenn jetzt verliert, Biden und diese Harris werden den Karren noch tiefer in den Dreck fahren und dann wird sich in der GOP einer durchsetzen, der noch radikaler als Trump ist.

Die aktuellen Vorgänge in den USA verfolge ich mit regem Interesse. In vielen Staaten werden wegen Coroan vor der Wahl an alle registierten Wähler Wahlunterlagen verschickt  ( mail-in ballot ). Da es in den USA kein Meldewesen gibt werden Millionen von Verstorbenen und Weggezogenen Wahlunterlagen erhalten. Normalerweise müssen sich die Wähler im Wahllokal mit dem Führerschein ausweisen, aber nun kann irgendjemand die Unterlagen ausfüllen und zurückschicken. 

Wenn es dann noch in den swing-states knapp wird, kann es spannend werden. Heute las ich im Spiegel über rechte bewaffnete  Milizen, die Trump nahe stehen. Jedenfalls einen Putsch von oben wird in den USA nicht so einfach sein, wie in Europa.  

Millenius

16. September 2020 16:47

Der Kurs von Meuthen und Co. stärkt die linksglobalistische Diskurshoheit!

Sellner ist zuzustimmen. Sellners Kritik spricht vieles an, was auch ich in meinem wenigen Kommentaren hier auf SiN zu Benedikt Kaisers letzten zwei Artikeln schrieb. 

Die kulturmarxistisch-globalistische Meinungshoheit/Diskurshoheit muss gebrochen werden - das ist die zuvörderste Aufgabe der rechten Opposition.

Das ist auch das zentrale Problem von AfD-Politikern wie Meuthen, von Storch, Lucassen und Co und ihrem Kurs - dass dieser die linksglobalistische Diskurshoheit stärkt.

Dass die Überwindung der linken Diskurshoheit die alles entscheidende Hürde darstellt, ist auch jedem klar, der das in Deutschland und weiten Teilen des Westens herrschende Machtkartell analysiert und die Grundlagen seiner Macht verstanden hat.  Nur halt Meuthen irgendwie nicht. 

"Kulturelle Hegemonie","vorpolitischen Raum", "geistiger Raum" usw. - damit beschäftigt sich ein Meuthen doch überhaupt nicht. Metapolitik ist vermutlich ein Fremdwort für ihn. Meuthens ganze "Strategie" - ein halbherzige programmatische Positionen auf Werteunion-Niveau, dann seine  "patentierten" Guten-Morgen-Deutschland-Facebook-Beiträge, und schließlich die wenigen öffentlichen Reden, bei denen er dann seine typische "Meuthen-Rhetorik" anstimmt - seine inhaltlich angepassten, betont sanften, und noch dazu in leidenschaftsloser Monotonie abgelesenen Reden. 

Millenius

16. September 2020 17:15

Wir können die Sache drehen und wenden wie wir wollen, und hier auf Sezession können noch 100 solcher Artikel erscheinen, der die metapolitische Situation im Land messerscharf analysiert, solange Meuthen und Co die AfD dominieren wird dieser falsche Kurs des "Parlamentspatriotismus" auf Bundesebene unverändert fortgesetzt. Gleiches gilt für die Landesebene überall dort, wo das Meuthen-Lager die AfD-Landesvorstände beherrscht.

Die Frage lautet also: Wie wird die AfD Meuthen und alle seine Gesinnungsgenossen schnellstmöglich los?

Dazu mehr in der Fortsetzung

Millenius

16. September 2020 17:21

Fortsetzung...

Ich denke, wir sollten einen Blick auf die vergangenen Ereignisse in der AfD-Niedersachsen werfen.

Ich vermute, ein gewichtiger Grund, warum Jens Kestner das gelang, woran andere Flügel-nahe AfD-Politiker im Westen bisher gescheitert sind, ist einfach, dass Kestner  eine inhaltliche Debatte über den richtigen Kurs der Partei führte.

Kestner hat den Kurs der Landesvorsitzenden Dana Guth, welcher nichts anderes als eine Reinversion des Meuthen'schen Kurs darstellt, inhaltlich kritisiert. Er hat in gewisser Hinsicht die Debatte, die Sellner und wir alle hier führen, in die Partei geholt. Er erklärte gegenüber der Parteibasis, was falsch ist am bisherigen Kurs - unter anderem auch die fehlende Präsenz auf der Straße und die fehlende Aufmerksamkeit - und was besser gemacht werden kann.

Das haben Höcke oder Kalbitz - so zumindest mein Eindruck - in den letzten Monaten gar nicht getan. Höcke kritisierte wenn überhaupt die neoliberale Ausrichtung am Meuthen-Kurs und beschwörte wieder und wieder die Einheit der Partei, die es schon lange nicht gibt und nie mehr geben wird, solange Meuthen und Co in der Partei sind. Obschon diese marktradikale Schlagseite ebenfalls problematisch ist, ist diese wahrscheinlich sogar noch das kleinste Problem an Meuthens Kurs. 

Gelddrucker

16. September 2020 18:06

@Glast

Die 60 Mio "Restdeutschen" sind mehr Deutsche als zu gewissen Zeiten im Kaiserreich.

Glast

16. September 2020 20:40

@Gelddrucker

Ich weiß das - sie haben recht. Aber die Zahl der Unsrigen schwindet. Überfliegen Sie mal die Totenanzeigen von Regionalblättern oder spazieren Sie über Friedhöfe und schauen Sie sich die Namen auf den frisch ausgehobenen Gräbern an. Nur Deutsche Brüder und Schwestern. 

Manchmal hat man das Gefühl, dass Ausländer unsterblich sind - ist natürlich Quatsch. 

Simplicius Teutsch

16. September 2020 21:39

Sorry, kaum zu glauben, gestern Abend schrieb ich in diesem Strang noch über die AfD-Landtagsfraktion in Bayern: „Nicht mal mehr interne Streitigkeiten und gegenseitiges Fertigmachen hallt einem ins Ohr.“

Und vorhin musste ich im Radio hören: „Zerstrittene AfD-Fraktion bricht im Streit Herbstklausur ab.“ - Wahnsinn. Die machen doch nicht nur sich, sondern auch ihre Wähler, alle rechten Wähler zum Gespött des Landes. Man schämt sich doch für diese AfD.

Was sind da für Idioten am Zerstörungswerk? Gesteuerte Idioten? Ich kenne mich ja nicht  aus, was wie innerhalb der Fraktion tatsächlich abläuft, aber da ist von außen betrachtet irgendein Drahtzieher namens Franz Bergmüller von Anfang an am Werk, der mit Unterstützung der Medien - ohne aber irgendein politisches Programm erkennen zu lassen - nur destruktiv gegen die Fraktionsvorsitzende Ebner-Steiner arbeitet. 

marcus

17. September 2020 09:36

 

Ergänzung zu meinem Beitrag oben:

Woran liegt es, dass es in USA, Brasilien, Polen und Ungarn "Rechtspopulisten" an die Macht und nicht nur ins Parlament geschafft haben? Kann es an der noch intensiven christlich-religiösen Bindung großer Bevölkerungsschichten liegen? Ich denke schon, auch wenn ich keinerlei empirische Belege für einen direkten Zusammenhang vorbringen kann. 

@Simplicius Teutsch

Die Bayern-AfD war für mich bei der letzten Landtagswahl schon nicht mehr wählbar. Ich hoffte, dass Corinna Miatzga durch hartes Durchgreifen Ruhe reinbringt...scheint bisher nicht so.

 

BG

marcus

eike

18. September 2020 01:32

"...  Es war anders, die 68er handelten eher nach dem Nietzsche Wort: "Was  stürzt, soll man noch stoßen!"

Das ist natürlich völliger Quatsch, da stürzte gar nichts. Die Vor-68er BRD war eine - verglichen mit heute - höchst stabile Gesellschaft, basierend auf relativ breitem Konsens.

Auch das "Narrativ", daß der Marsch durch die Institutionen von den 68ern erfunden und begonnen wurde, stimmt nicht. Dieser Marsch begann viel früher, konnte aber, als die Kriegsgeneration noch an den Hebeln saß, weder Ausmaß noch Wirkung entfalten. Dazu mußte auf den Abgang derer gewartet werden, die die Zeit vor 1945 erlebt hatten.

Ein Musterbeispiel für den frühen Marsch durch die Institutionen ist die 'Frankfurter Schule', Horkheimer, Adorno and the gang, als Entnazifizierungs-Nachbrenner in den 50er Jahren von unseren amerikanischen Befreiern re-exportiert, aber trotz vieler Professuren und professionellen Agitatoren vor 68 ziemlich wirkungslos .

 

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