21. September 2020

Dystopische Zeiten

Heino Bosselmann / 71 Kommentare

Jede Epoche findet zu den symbolischen Ausdrücken ihrer Zeit und zu ihren besonderen Symptomen.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

  • Sezession

Egon Friedell hat genau diesen Zeichen nachgespürt und dafür in seiner 1927 erschienenen „Kulturgeschichte der Neuzeit“ Ausdrücke gefunden. „Corona“ paßt zu einer Gegenwart, die den Tod nicht als zum Leben gehörig akzeptieren kann und ihn in pathologischer Angst zu verdrängen trachtet.

Gerade noch ging es um Selbstoptimierung, Effizienz, algorithmisch bestimmte Taktung der Arbeit. Die Lebenswelt wurde entkeimt, die Natur kraft perfektionierter Technologie ausgebeutet und verschlissen, alle Welt informationstechnisch eingescannt und gerastert, Ressourcen in Containereinheiten umgerechnet und zur Verbrauchsmasse geschrumpft.

Das Natürliche hatte gegenüber dem Künstlichen vollends verloren. Nicht nur waren seit den Siebzigern Dreiviertel aller Tierarten vernichtet, es waren überhaupt Umwelt und Landschaft industriell und landwirtschaftlich so auf- und ausgeräumt worden, daß daraus zwar gigantische Wertschöpfungen erfolgen konnten, allerdings mephistophelisch um den Preis der Erschöpfung des Lebens.

Selbst die Architektur kannte nur noch ein Ziel: Sterilität der Wohn- und Lebensverhältnisse. Fast verwundert es, daß noch Erdbestattungen statthaft sind und nicht selbst der tote Leib keimfrei entsorgt werden muß. Überhaupt: „Entsorgung“ ist gleichfalls ein beredter Ausdruck unserer Zeit.

Pest, Cholera, Pocken, Typhus – längst besiegt. Ab und an ein Ausbruch von Killerviren, aber sehr fern und exotisch, Ebola-, Dengue- und Marburg-Viren, ganz spannend für Nachrichten und tolles Ideenmaterial für Katastrophenfilme, aber noch weit, weit weg und ungefährlich für den modernen „urbanen“ Menschen, der seine Nahrung aus Plastefolie zieht und gesundheitsamtlich geprüftes Wasser sogar für die Klospülung benutzt. Selbst AIDS, immerhin ein echter Jahrhundertschreck und die sexuelle Freifahrt gefährdend, konnte mit Medikamente niedergerungen werden.

Und doch lag etwas in der Luft, so scheint es. Die Hybris des menschlichen Verbrauchens der eigenen Lebensgrundlagen bedingte zum einen zwar kritisches Umweltbewußtsein, dies aber führte halbbewußt zu der Ahnung, den globalen Verlust allen Maßes letztlich doch nicht mehr ausgleichen zu können, zumal die Menschen sich selbst „viral“ vermehrten und die Biosphäre okkupierten.

Man wünschte sich Änderung, ja, man rief aufklärerisch nach Erziehung, klar, konnte die gewonnene Einsicht aber individuell nicht mit den Konsequenzen verbinden, die man lautstark von jeweils anderen erwartete. Selbst die allergrünsten Bekenner blieben doch Geschöpfe des weltweiten Marktes, sind touristisch mit gewaltigen ökologischen Fußabdrücken unterwegs und wollen von ihrem hippen Hedonismus nicht lassen.

Den Menschen mag allerlei zu vermitteln sein, nicht aber das Einzige, was Rettung verhieße – Maß und Verzicht. Abgesehen davon, daß dies der Marktlogik widerspricht.

Wirken unbewußt doch alte Mythen von Schuld und Verworfenheit weiter, die Sehnsucht nach einer Erlösung, die es mindestens hienieden nicht geben wird? Die Religionen kündeten davon, alle. Die säkularisierte Gesellschaft aber setzte die gefährliche Illusion allumfassender Machbarkeit dagegen; alles schien möglich, zumal der Mensch ja vernünftig wäre und ihm Würde zukäme. Alle Widrigkeiten waren offenbar zu besiegen. Außer der Tod. Als er sich mit dem Wuhan-Virus wieder eindrucksvoll zeigte, regierte alle Welt hysterisch und rief nach Medizin und Pharmazie. Die Technik sollte es richten; sie richtete doch alles!

Woher aber bereits lange vorher diese neue Empfindsamkeit, die Vorliebe für endzeitliche, apokalyptische und dystopische Stoffe? Woher der innere Utopieverlust? Selbst Science-Fiction-Epen, früher so optimistisch und fortschrittsfixiert, gerieten nur noch düster, ebenso die Computer-Games, vor denen der Nachwuchs verblödete.

Selbstverständlich will man Krankheiten heilen. Aber es erscheint würdelos, eine natürliche Erkrankung mehr, eine normale Infektionswelle durch ein neues Virus nicht als Tatsache hinnehmen zu können. Was für eine Panik! Vermutlich werden tatsächlich noch eigens Lüftungs- und Filtersysteme installiert, nachdem wir einander schon lange nicht mehr berühren und uns nur noch mit den Augen begegnen.

Für die Politik sind das famose Zeiten. Sie nutzt die „Pandemie“ für ihren Wir-tun-was-Gestus. Eine Idee nach der anderen, ein Heilsversprechen nachdrücklicher als das vorige. Zudem kann endlich durchadministriert werden: Vorschriften, Verbote und eingeschränkte Erlaubnisse, Durchführungsbestimmungen und Verordnungen, Limitierungen, Belehrungen, Gesetze, Listen, Quarantänen, Selektionen. Das alles mag da und dort helfen.

Das Virus und seine Mutationen kann es ebensowenig besiegen wie den Tod. Glücklicherweise, möchte man denken.


Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

  • Sezession

Kommentare (71)

Ein gebuertiger Hesse

21. September 2020 10:55

Gute und wichtige Gedanken, die aber angesichts einer Epidemie, die es gar nicht gibt, ein wenig freischweben.

Maiordomus

21. September 2020 11:05

Was Sie über Erdbestattungen andeuten, ist durch eine hervorragende wissenschaftliche Arbeit  (Umweltwissenschaften ETG Zürichg) eines ehemaligen Schülers von mir, "Die Leiche im Erdgrab", vor 20 Jahren sogar im SPIEGEL zu dessen noch eher glaubwürdigen Zeiten positiv besprochen, ein für allemal widerlegt worden. Am jahrhundertealten Mythos vom "Leichengift" ist buchstäblich nichts dran. Das kann ich hier natürlich nicht näher ausführen. Noch interessant ist, dass sich der bekannte Religionskritiker, Vegetarier und "Humanitarier" Karl Heinz Deschner aufgrund auch dieser Arbeit noch mit einem Erdgrab beisetzen liess.  

Franz Bettinger

21. September 2020 12:12

Herr Bosselmann schreibt "Selbst AIDS, ein echter Jahr-hundertschreck, konnte mit Medikamente niedergerungen werden.“ AIDS wurde nicht mit Medizin niedergerungen, sondern mit Medikamenten verschlimmert und befördert. AIDS wurde in aller erster Linie durch die fast 100%-ige Eliminierung von Hunger zurückgedrängt. Hunger war DIE Geisel der Menschheit. An Stelle des historisch größten Stressfaktors Hunger sind heute andere Stress-Arten getreten, u.a. Designer-Drogen (die viel billiger sind als das klassische Heroin, LSD etc.), die die wahren Ursachen der oft tödlichen Immunschwäche darstellen. Ein erworbene Immunschwäche, nichts anderes ist AIDS und dies nicht erst seit 1982, sondern seit Beginn des Lebens auf der Erde. AIDS war und ist also nichts Neues und keineswegs durch HIV verursacht.

 

Franz Bettinger

21. September 2020 12:15

ff. Übrigens bestehen augenfällige Parallelen zwischen dem AIDS- und dem Corona-Zirkus:  Beides sind aufgebauschte Pseudo-Seuchen. (Von AIDS hört man nichts mehr. Warum eigentlich? Weil die Lügen nicht mehr haltbar waren. Weil's massiv peinlich geworden war.) Und beiden wurde der Weg zum Jahrhundertschreck durch untaugliche Tests gebahnt. In beiden Plagegeistern, vor allem aber in AIDS, sah man das Potential zur Menschheit-Vernichtung, zumindest aber zur Auslöschung Afrikas.  Aber:

Warum gab es bei AIDS keine Forderung nach Quarantäne? Oder Sexverbot?  Weil die Betroffenen (anfangs) männliche Homosexuelle waren, und damit eine geschützte, wenn auch nicht aussterbende Spezies?  

Franz Bettinger

21. September 2020 12:27

Bosselmann schreibt, das Einzige, was Rettung verheißt, das seinen Maß und Verzicht. So sagten die Herren immer schon, wenn etwas schief lief im Leben. Sie sagten es bei der Pest, der Syphilis und bei den Blattern. Maß und Verzicht! Immer dieselbe Anklage, immer von oben nach unten gerichtet. Das Sündigen einstellen!

Nee, auch das sehe ich nicht so. Es wurde nicht gesündigt, weder damals noch heute. Es wurde immer nur geirrt und gesponnen und das Fußvolk für dumm verkauft. Die Welt, in der wir leben, einschließlich der Natur, ist herrlich und besser als jemals zuvor. Und sie ist sogar dabei, zu schrumpfen, und das von ganz alleine, wie es scheint. (Nur Afrika vermehrt sich mit Faktor >4.) Goldene Zeiten könnten vor den Völkern liegen, wenn der tiefe Staat, der Teufel oder welches perfide System auch immer es zuließe.

Franz Bettinger

21. September 2020 12:31

@MD hat recht: Am Mythos vom "Leichengift" ist nichts dran. Man kann (mit gesunden Tier- oder Menschenleichen; ja, hört sich komisch an) nicht mal einen Brunnen vergiften. Allerdings schon mit Pest- und Pockenleichen. Aber das ist ein anderes Thema.

Sandstein

21. September 2020 13:04

@Franz Bettinger 

..was ein Unsinn. Hyänen, Geier, bestimmte Haiarten, kurzum alle Aasfresser übernehmen die Rolle der Hygiene Wächter in der Natur, sonst würden Kadaver ganze Landstriche verpesten. Zeigen Sie mir den Brunnen mit Leichen/Kadavern, aus dem Sie bereit sind zu trinken. Franz - unfassbar.

zum Thema: hatte schon vor einigen Wichen geschrieben dass ich in Sachen Corona keine richtige Position einnehmen kann - zu wenig Informationen. Schrieb aber, dass ich es für ein Designervirus halte: zu spezifisch!

Scheint sich mittlerweile bestätigt zu haben (chinesische Forscherin, mittlerweile in die USA geflüchtet). Links reiche ich gern nach - bin jetzt am Handy. Hat auch großen Einfluss auf die ganzen kruden Theorien zum „Qui bono“ , die auch hier laufen. Insofern ist das Virus eben nicht „natürlich“, wie HB schreibt. Die anderen Punkte bleiben davon unberührt - stimme dem Artikel weitgehend zu.

Lotta Vorbeck

21. September 2020 13:12

@Sandstein - 21. September 2020 - 01:04 PM

18. September 2020

Die in die USA übergelaufene Hongkong-Chinesin Li-Meng Yan berichtet über die künstliche Erschaffung und vorsätzlich Freilassung des Corona-Virus in Wuhan. Das kann man glauben, oder es bleiben lassen. Es gibt kaum einen besseren Ernsthaftigkeitsbeleg für die Virologin als die sofortige Sperrung ihres Twitter-Accounts und die Schmückung der einschlägigen Facebook-Seite mit einem Falschmeldungs-Banner. So funktioniert Meinungsmache im freiesten Land der Welt.

Helmut Roewer - Schilda an der Ilm - Sudelbuch

Franz Bettinger

21. September 2020 13:26

@Sandstein: Ihre Kritik, lieber Sandstein, trifft dann wohl auch den ehrenwerten Vielwisser, Maiordomus. Mit ihm an der Seite fühle ich mich in guter Gesellschaft. Also:

Ich trinke täglich Wasser, das voller Kadaver ist. Ich trinke Regenwasser und, seit ich meine Regenrinnen mal genauer inspiziert habe, neuerdings (also seit 3 Jahren) sogar lieber Bachwasser - nicht wegen der Leichen in den Regenrinnen (Mäusen, Ratten, Vögel, Spinnen,  Bienen, einmal sogar ein Igel …), sondern weil Bachwasser (nicht Quellwasser) besser schmeckt. Im Bach liegen übrigens oft tote (totgeschossene) wilde Ziegen, manchmal auch ein kleines Wildschwein. Ach, wenn Sie wüssten! Vermutlich enthält Bachwasser noch mehr Leichen (+organische Stoffe) und sicher mehr Mineralien als Regenrinnen. Auch unsere Katze bevorzugt Bachwasser über Regenwasser, am liebsten aber trinkt sie aus braunen Pfützen. Auch das tue ich gelegentlich beim Wandern, oder ich lecke Wasser von der Felswand ab, und natürlich immer aus den Wildflüssen, in denen ich gerade paddele. (n diesen Flüssen liegen noch ganz andere, wirklich extreme und unappetitliche Sachen. Und auch die tun mir nix. Eine Wasserflasche habe ich nie bei mir. Und wissen Sie was? Ich und meine Frau sind sehr gesund - und alle meine Gäste bleiben es auch, die alle unwissend von meinem Leichenwasser trinken. Schade, dass Sie, Sandstein, kein Bild von sich geschickt haben. Ich wüsste gern, wie gesund Sie ausgehen. (Späßchen.) 

Maiordomus

21. September 2020 13:26

@Bettinger. Danke für die Rückmeldung. Natürlich können Leichen auch radioaktiv usw. verseucht sein, was aber nichts mit deren natürlicher Beschaffenheit zu tun hat. Es bleibt kulturhistorisch überlegenswert, dass der Triumphzug der Feuerbestattung seit rund 100 Jahren, ursprünglich von der Kirche als Leugnung der Auferstehung bekämpft, noch bis Ende des letzten Jahrhunderts mit "Umwelt-Argumenten" unterfüttert und als Aufklärung verkauft wurde. Natürlich gibt es das Problem der geeigneten und ungeeigneten Böden für angemessene, sozusagen naturnahe Verwesung der Leiche im Erdgrab, was in der besagten oben erwähnten  Arbeit des Umweltwissenschaftlers auch mit thematisiert war. Die Studie wurde n der ETHZ (Eidgenössische Technische Hochschule Zürich) erbracht. Dies war oben aufgrund von Verschrieb leider falsch vermerkt. 

 

 

Franz Bettinger

21. September 2020 13:30

Ach, noch eine kleine Nachfrage, @Sandstein: Vergiften sich die Tiere und Aasfresser, wenn sie Leichen fressen? - Ja, die Welt ist voller Wunder.

Maiordomus

21. September 2020 13:37

@Sandstein; wer fordert schon, z.B, Jauche oder im Prinzip gesunden Mist  mit Brunnenwasser zu vermengen? Dies änderte aber nichts daran, dass zum Beispiel "Kleinjogg der Musterbauer" im 18. Jahrhundert in seinem Hof beim Katzensee die Güllenfuhr als Düngemassnahme propagierte als Bestandteil der landwirtschaftlichen Aufklärung. 

bb

21. September 2020 13:43

Den Menschen mag allerlei zu vermitteln sein, nicht aber das Einzige, was Rettung verhieße – Maß und Verzicht. Abgesehen davon, daß dies der Marktlogik widerspricht.

Leider wertet diese Passage wieder den ganzen Artikel ab. Die „Marktlogik“ ist nichts anderes als die gerechte und effiziente Verteilung knapper Güter. Ein informationseffizienter Markt sorgt wie kein anderes bekanntes System über den Preis dafür, dass sich die Konsumenten ressourcen- oder arbeitsintensiver Produkte und Dienstleistungen sich in Maß und Verzicht üben müssen.

Ich halte es für richtig, dass die Marktpreise Umweltschäden besser reflektieren sollten. Falls das gemeint war, liegen Sie richtig. Doch belassen Sie es dann bitte nicht bei populistischer Agitation gegen den Markt an sich, sondern legen Sie Lösungsvorschläge für dieses spezifische Problem auf den Tisch. Dann kann man diskutieren und Fortschritte machen. Mit plumper Agitation gegen den Markt sichern Sie sich höchstens die Zustimmung einiger Geisteswissenschaftsstudenten.

limes

21. September 2020 15:08

»„Corona“ paßt zu einer Gegenwart, die den Tod nicht als zum Leben gehörig akzeptieren kann und ihn in pathologischer Angst zu verdrängen trachtet.«

Dass »die Gegenwart« eine festgefügte Beziehung zum Tode hat, meine ich nicht. Vielmehr sehe ich entsprechend der »Hierarchie der Opfer« frei nach Lichtmesz einen unterschiedlichen Umgang mit der Sterblichkeit: Während der »Corona«-Tod möglichst grauenvoll dargestellt wird und seiner Vermeidung unsere Rechte und unsere Freiheit geopfert werden, wird tödlichen Kollateralschäden des großen Gesellschaftsexperimentes wenig Bedeutung beigemessen.

Doppelzüngiger Umgang mit dem Tod betrifft auch, wenn es um die Gewinnung von »Spenderorganen« geht. Wie das Ausschlachten von sterbenden Menschen konkret aussieht, mit dem immense Erlöse im Medizinbetrieb und in der Pharmabranche erzielt werden, wird verschwiegen. Noch drastischer als durch die Schweizer Fachleute wird die Organentnahme von einem gewissen Werner Hanne dargestellt. Gleich wird Franz Bettinger dazwischengrätschen mit der berechtigten Anmerkung, dass der Verfasser nicht Mediziner ist, sondern ein pensionierter Postoberamtsrat.

Auch bei der Abtreibung gilt der Tod als reine Formsache.

Es kommt immer darauf an, ob es mit dem Ausschlachten Geld oder Macht zu gewinnen gibt, oder mit der Angst vor dem Tode.

Laurenz

21. September 2020 15:08

@Maiordomus

Erdbestattungen kamen im wesentlichen mit der gewaltsamen Christianisierung aus dem Orient nach Europa. Natürlich haben wir auch aus der Zeit zuvor Moor-Leichen,  Fürstengräber & Schlachtfelder, aber in der der Regel verbrannten wir uns. Das ging natürlich nur dort, wo auch genug Feuerholz verfügbar war. Bilder von halb verbrannten Leichen im Ganges sind nicht so prickelnd. Hintergrund, neben all den Umwelt-gegebenen Notwendigkeiten, ist aber ein spiritueller Unterschied.

Ein weiterer Hintergrund kann ein persönlicher sein. Mein Vater ließ sich erdbestatten, weil er als junger Mann mal eine Leichen-Verbrennung im Krematorium miterlebte. Die Reaktionen der Leichen beim Verbrennen waren ihm zu "lebendig".

Ansonsten habe ich nichts gegen Dr. Franz Bettingers Regenwasser, wobei ich am liebsten der Vernunft entsagen und meinen Durst mit Schampus löschen würde. Nur dann wären die Tage noch früher vorbei. Allerdings muß man @Franz Bettinger entgegnen, daß diese Lebensart nur beim Steinzeit-Menschen, wie Ihm funktioniert. Die ersten Seßhaften erlebten eine kürzere Lebensspanne als die letzten Jäger und Sammler. Menschliche Ansammlungen, also Dörfer und Kleinstädte, förderten die Verbreitung von Krankheiten, wie HB es beschreibt. Und man trank in mittelalterlichen Städten Leicht-Bier um das dreckige Brunnenwasser zu vermeiden.

limes

21. September 2020 15:27

@ bb »Ein informationseffizienter Markt sorgt wie kein anderes bekanntes System über den Preis dafür, dass sich die Konsumenten ressourcen- oder arbeitsintensiver Produkte und Dienstleistungen sich in Maß und Verzicht üben müssen.«

Was macht einen »informationseffizienten« Markt aus? Die Realität kann es wohl nicht sein, denn da kann man sich fettige »Snacks« und Süßigkeiten schnell und billig einverleiben, während gesundes Kochen viel Arbeit macht und nicht unbedingt preiswert sein muss. Klar, Ihnen und mir schmecken die Snacks und Zuckerbomben gar nicht, aber anderen geht es da halt anders.

Wussten Sie, dass sogenannte Seifenblasenmaschinen (auch: »Seifenblasenbomben«) als Kinderspielzeug angeboten werden? Für einen Zwanziger erhältlich, erzeugen die knallbunten fiesen Dinger 800 Seifenblasen in der Minute und zerstören so Kinderseelen, denen die Fähigkeit zu staunen (und gesundes Maß zu halten!) gestohlen wird.

Ich sehe weit und breit keine Marktkräfte, die Mensch und Umwelt vor zerstörerischen Exzessen schützen.

Laurenz

21. September 2020 15:29

@HB

Teile nur bedingt Ihre "Fortschritts-Kritik", einfach deswegen, weil ein Einfluß darauf so gering ist.

Was mich eher nervt, sind die Details. Juni vor einem Jahr kaufte ich mit meinem Vater zusammen nochmals einen Rechner für ihn, einen HP-Omen. Was den recht teuren Rechner vordergründig ausmacht, ist nur sein nettes Gehäuse, welches meinen Vater veranlaßte Sich für diesen zu entscheiden. Unsere Politik versäumt es, wieder verwendbare, haltbare Standards und Normen zu implementieren. Das gilt grundsätzlich für Verpackungen.

Desweiteren nervt das falsche Versprechen der Technik. Moderne Kassen fallen öfters aus als alte mechanische Kassen.

Beispielhaft mag hier die Mond-Lande-Religion sein. Die Mehrheit der SiN-Leser wird ihr verfallen sein, nur eine kleine Minderheit erkennt den offensichtlichen Schwachsinn eines Märchens aus 1001er Nacht.

Sie, HB und ich, gehören zu den letzteren. Ihren Fleiß im Kampf gegen den Schwachsinn weiß ich zumindest zu schätzen.

Nordlicht

21. September 2020 16:45

"Nicht nur waren seit den Siebzigern Dreiviertel aller Tierarten vernichtet ..."

Warum werden hier die technik- und industriefeindlichen Parolen der Linken und Grünen wiedergekäut? Der aktuelle Bericht des WWF (- einer NGO, die wie alle anderen vom Alarmismus lebt) behauptet lt. Tagesspiegel vom 10.09.2020)

"Die Population von rund 21.000 Tierarten ist seit 1970 dramatisch zurückgegangen."

sowie

"Um mehr als zwei Drittel sind laut einer Untersuchung zahlreiche Tierbestände weltweit in den vergangenen 50 Jahren geschrumpft."

Unser Sezessionsautor setzt nun nochmals einiges drauf, indem er aus "zahlreichen" "alle" macht. Weshalb? Besonders bizarr ist hier die Idealisierung der 70er Jahre, als man im Ruhrgebiet schwere Luftverschmutzung hatte, als in zahlreiche Flüssen die meisten Fische verschwunden waren oder die gewässer "umgekippt" waren. Das hat sich seither erheblich verbessert.

Wer sich in Entwicklungsländern auskennt weiss, dass vielerorts die Umweltverschmutzung und die Lebensbedingungen so schlecht sind wie die Zustände im Manchesterkapitalismus. Ohne den durch die Indsutrialisierung ermöglichten Wohlstand gibt es keinen Umweltschutz, keinen Artenschutz und keine gesunden Lebensbedingungen für die Millarden-Bevölkerung auf der Erde.

 

 

 

Sandstein

21. September 2020 17:26

..meine erste Antwort ging nicht durch die Redaktion - da ist wohl mein germanisches Temperament mit mir durchgegangen. Ich versuche es sachlich: 

@Franz Bettinger

"Ach, noch eine kleine Nachfrage, @Sandstein: Vergiften sich die Tiere und Aasfresser, wenn sie Leichen fressen? - Ja, die Welt ist voller Wunder."

Ja, in der Tat ist die Natur voller Wunder. Aasfresser können Knochen, Horn und Hufe und verfaultes Fleisch verdauen, das schafft kein Mensch. Stichwörter: Immunsystem, aggressive Magensäure, Stoffwechsel. Und daran werden Sie nichts ändern, egal wie oft Sie Wasser von Felswänden lecken (die nun meilenweit von mit Leichen verseuchtem Brunnen liegen). Aber gut - ich gebe es an dieser Stelle auf. Gegen Ihre zoologischen Kenntnisse komme ich nicht an. 

Den Witz mit dem Bildvergleich bekomme ich nicht, liegt vielleicht daran, dass ich Ihn nicht scheue. Und Sie wissen ja, wer zuletzt lacht, lacht am... Bin jederzeit dazu bereit, sagen Sie wann, wie, und wo. Mein Urgroßvater hätte noch Satisfaktion gefordert, ich drücke da mal ein Auge zu. 

@Lotta Vorbeck danke für die Meldung.

Ergänzung: https://www.merkur.de/welt/coronavirus-china-ursprung-wuhan-labor-forscherin-aktuell-these-zahlen-tote-virologin-reaktion-zr-90042594.html

 

 

Laurenz

21. September 2020 18:13

@Nordlicht

Natürlich, auch in Bitterfeld stehen wieder Bäume. Aber, wie in Afrika, waren die Kinder, die eine Kindheit dort überlebt hatten, besonders gesund und abgehärtet.

Die 70er waren der Umbruch, welcher Klär-Anlagen (im Westen) baute. 

Allerdings beziehen sich die Aussagen HBs auch auf die "virale" Ausbreitung des Menschen, die bis heute Wirtschaftswachstum notwendig macht, was in einer Bewertung des Artikels beachtet werden sollte. Solange die Erdbevölkerung pro Jahr um 1x Deutschland wächst, bleibt alles Prechtsche und Indsetsche Gequatsche sinnentleert, weil beide und andere des Pudels Kern eben nicht ansprechen. Diesen Mut hat HB schlicht, der Mann ist tapfer.

Beowulf

21. September 2020 18:16

Zudem kann endlich durchadministriert werden: Vorschriften, Verbote und eingeschränkte Erlaubnisse, Durchführungsbestimmungen und Verordnungen, Limitierungen, Belehrungen, Gesetze, Listen, Quarantänen, Selektionen.

Für mich als Konservativen hört sich das super an. Endlich wieder mal ein handelnder Staat und nicht nur leere Phrasen.

Maiordomus

21. September 2020 18:19

@Laurenz. Noch vor 50 Jahren erlebte ich in Italien, Griechenland und in Portugal, dass man "aus Gesundheitsgründen" Wein trank anstelle z.B. von Brunnenwasser. Die Leichenverbrennung wäre bei den alpinen Völkern auch wegen der Holzverschwendung früher unverantwortlich gewesen. Was mich heute stört an unserer Friedhof-Unkultur, ist die immer frühere Aufhebung der Grabruhe, sodass z.B. Witwen noch regelmässig die Aufhebung der von ihnen liebevoll gepflegten Grabstätten erleben. Wenn das keine Unkultur ist!

Maiordomus

21. September 2020 18:31

@Beowulf. Lächerlich, so etwas als "konservativ" zu bezeichnen. Bei diesem Begriff kam es immer auf die Prinzipien, Werte und Wertungen an, auch Traditionen und Kultur. 

Laurenz

21. September 2020 18:41

@Beowulf

Was HB vergessen hat zu erwähnen, ist, Vorschriften, Verbote und eingeschränkte Erlaubnisse, Durchführungsbestimmungen und Verordnungen, Limitierungen, Belehrungen, Gesetze, Listen, Quarantänen, Selektionen, gelten in aller Regel nur für indigene, konservative Europäer. 

Als Linker kann man bedenkenlos Autos abfackeln, Polizisten verprügeln und als Goldstück Messerchen zücken, weibliche Familien-Angehörige in Selbst-Justiz züchtigen oder gar beseitigen.

Beowulf

21. September 2020 18:58

@Maiordomus

Mir geht es ja gerade um die Werte dabei. Das Primat der Gemeinschaft vor dem Einzelnen, Staat vor Wirtschaft und Gesundheit vor Gewinn.

Oder mit den Worten von Moeller van den Bruck: "Konservativ ist, Dinge zu schaffen, die zu erhalten sich lohnt."

Und dazu zähle ich bestimmt nicht das Diktat einer liberalen Marktwirtschaft.

bb

21. September 2020 19:29

Ich sehe weit und breit keine Marktkräfte, die Mensch und Umwelt vor zerstörerischen Exzessen schützen.

@limes, wenn bei Ihnen der zerstörerische Exzess schon bei einer Seifenblasenmaschine anfängt, dann wundert mich das nicht. Ich denke beim Thema „zerstörerischer Exzess“ eher an einen, durch die Notenbanken stimulierten, extremen Bauboom in einem Land mit schrumpfender Bevölkerung. Ebenfalls fallen mir da Exzesse wie Umweltplaketten ein, die zur Verschrottung noch funktionstüchtiger Fahrzeuge führen. Exzessiv finde ich auch die Vernichtung von Nahrung durch Mindesthaltbarkeitsdaten und Subvention von Massentierhaltung.

Ich bin der Meinung, mit einer harten Währung und weniger Markteingriffen à la Generationenvertrag würden viele eben doch ihre individuellen Konsumentscheidungen deutlich genauer prüfen. Weil es bedeutet, dass der Ruhestand sich verzögert, wenn alle fünf Jahre ein neuer Wagen vor der Tür steht. Weil der Zins auf den Eigenheimkredit plötzlich wirklich dem Ausfallrisiko entspricht (vielleicht muss es doch nicht so groß sein). Weil da für harte Zeiten oder plötzlichen Verlust der Arbeit ein Polster sein muss. Weil es eben doch nicht egal ist, ob man Familie hat.

Wo ich Ihnen recht gebe: Die Umweltschäden, besonders bei Importprodukten, sehe ich unzureichend eingepreist.

Wo ich ihnen ebenfalls Recht gebe: Der Markt befriedigt lediglich Bedürfnisse. Den Sinn müssen Sie Ihrem Leben selbst geben.

Maiordomus

21. September 2020 19:33

@Beowulf. Was diktiert eine Marktwirtschaft im Vergleich zu einem Fünfjahresplan? 

limes

21. September 2020 21:01

@ bb Den Aussagen im ersten Absatz Ihres an mich gerichteten Kommentares stimme ich vollkommen zu. Was den folgenden Absatz angeht, so ist es doch heute nicht die Neuwagenentscheidung alle fünf Jahre, die den Ruhestand verzögert, sondern es sind die Kosten der Massenmigration und Energiewende, das freihändige Verschleudern von Milliarden Euro ins Ausland, was alles dem deutschen Rentner und Steuerzahler und seinen Kindeskindern aufgebürdet wird.

Die Zerstörung der deutschen Industrie macht zudem bei denjenigen, die nicht mit Gendergaga und Kampf gegen Rechts ihr Geld verdienen, sondern mit Wertschöpfung, die Lebensplanung zum Glücksspiel. Sparsamkeit (»das Polster für harte Zeiten«) wird ad Absurdum geführt durch Negativzinsen. Man wird darauf verwiesen, mit »Anlageprodukten« zu zocken, wobei die Zehn- oder Hunderttausende der Kleinanleger ein nettes Beifutter für die Haie sind.

Es ist wohl schon mehr als zehn Jahre her, als mir unangenehm auffiel, wie Politik, Medien und Marketing das Konsumieren auf Pump propagierten. Doch offensichtlich waren auch daraus nicht »genug« Profite für die Gierschlunde am oberen Ende der Futterkette zu generieren. Als nächstes kam unter anderem die Massenmigration, die den Konsum kräftig aufpumpte. Dabei war und ist der Staat in der Rolle desjenigen, der auf Pump finanziert. Und zwar im richtig großen Stil.

starhemberg

21. September 2020 21:01

Bin großer Freund der HB-Texte, finde selbige oftmals ungemein bereichernd. Diesmal allerdings nicht. Apokalyptische Gemeinplätze und vernichtete Tierarten. Im Zweifelsfall ist irgendwie "der Markt" schuld. Und dann krähen hier wieder manche nach mehr Staat. Es ist aber genau dieser Staat, der die meisten der Probleme überhaupt erst verursacht hat. Ich möchte daher mal wieder Joachim Fernau in Erinnerung rufen - ihm war der Staat stets ein Ungeheuer gewesen, "ein von der Sauftour heimkehrender Vater, der mich entdeckte und verprügelte."

Ein treffendere Beschreibung des besten Deutschland, das es jemals gab, habe ich noch nirgends gefunden.  

 

Lotta Vorbeck

21. September 2020 21:23

@bb - 21. September 2020 - 07:29 PM

an @limes

... wenn bei Ihnen der zerstörerische Exzess schon bei einer Seifenblasenmaschine anfängt, dann wundert mich das nicht. Ich denke beim Thema „zerstörerischer Exzess“ eher an einen, durch die Notenbanken stimulierten, extremen Bauboom in einem Land mit schrumpfender Bevölkerung.

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Erinnern Sie sich noch daran, welche Fülle an Kreativität stiftendem Spielzeug es hierzulande einst gab? - Nun gibt's in den Spielwarenabteilungen eben Seifenblasenmaschinen und stupiden Merchandise-Plunder. Modelleisenbahner sterben aus. Geflügel- und Kaninchenzüchtervereine finden keinen Nachwuchs mehr.

Gebaut wird, als ob's kein morgen gäbe. Vorzugsweise auf einstigem Ackerland. Gleichzeitig sind landauf, landab bereits bebaute Flächen dem Verfall preisgegeben.

Kleine Beckmesserei: Es ist nicht die Bevölkerung/Population die schrumpft. Das dem Land namensgebende Staatsvolk ist dabei aus der Weltgeschichte zu verdunsten. 

Beowulf

21. September 2020 21:28

@Maiordomus
Was diktiert eine Marktwirtschaft im Vergleich zu einem Fünfjahresplan? 

Die Frage ist aber ein durchschaubarer Versuch einen Strohmann aufzubauen. Nur weil in System Y mehr diktiert wird als in X, ist das kein Beweis dafür dass in X nichts diktiert.

Das marktwirtschaftliche System enthält einen immanenten Wachstumszwang, der dazu führt, dass dem wirtschaftlichen Wachstum alle anderen politischen Ziele untergeordnet werden.

PS: Die Welt besteht nicht nur schwarz oder weiß, Kapitalismus oder Kommunismus. Die Aufgabe der neuen Rechten sollte es gerade sein dritte Wege zu denken.

Lotta Vorbeck

21. September 2020 22:26

@Beowulf - 21. September 2020 - 09:28 PM

Die Welt besteht nicht nur schwarz oder weiß, Kapitalismus oder Kommunismus. Die Aufgabe der neuen Rechten sollte es gerade sein dritte Wege zu denken.

 

"Zudem kann endlich durchadministriert werden: Vorschriften, Verbote und eingeschränkte Erlaubnisse, Durchführungsbestimmungen und Verordnungen, Limitierungen, Belehrungen, Gesetze, Listen, Quarantänen, Selektionen." 

 

"Für mich als Konservativen hört sich das super an. Endlich wieder mal ein handelnder Staat und nicht nur leere Phrasen."

[Beowulf - 21. September 2020 - 18:58]

 

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Und das werter @Beowulf ist dann wohl Ihr dritter Weg - oder?

Franz Bettinger

21. September 2020 22:56

@Sandstein's Leichengift: Kennen sie den Weg der org. Degradation von Lebewesen, einschließen der Verwesung eines Menschen oder einer Papaya? Nein? Da kommen so Sachen vor wie Füchse, Ratten, Maden, Würmer, Pilze und Bakterien, nur um die bekanntesten zu nennen. Alle diese Leichen-Verweser haben denselben Stoffwechsel (Neurine, Alkaloide und, ja, auch Alkohol) und keineswegs spezielle Entgiftungsorgane, die wir Menschen nicht auch hätten. Der Magen (da haben Sie recht) übernimmt schon mal eine große Aufgabe (innerhalb der unspezifischen Abwehr; und da sind wir noch längst nicht bei der spezifischen = Immun-System). Googeln Sie’s doch einfach: Wiki / Leichengift. Manchmal wird man da fündig. Ich sage nicht, dass man vom ‚Leichen-Genuss' nicht auch mal krank werden kann (vom Aufessen einer ganzen Bärenleber rate ich auch bei großem Hunger ab), aber es ist doch verdammt selten und dann meistens harmlos und temporär. (Die Anekdoten dazu dann am Lagerfeuer, wo wir uns dann im Armdrücken messen können.) 

Marc_Aurel

21. September 2020 23:10

@starhemberg

„Es ist aber genau dieser Staat, der die meisten der Probleme überhaupt erst verursacht hat. “

Ist das denn wirklich so? Ich bin mir da nicht so sicher. In der Plutokratie in der wir leben, ist der Staat doch eher Handlanger des Marktes, jedenfalls der Marktbeherrscher. Wer anderes als der Staat, die richtigen Steuermänner am Ruder vorrausgesetzt, könnte denn das Volk vor den wild und übermächtig gewordenen Akteuren des Marktes schützen?

bb

21. September 2020 23:24

@limes, Ihrer Analyse kann ich nur zustimmen.

@Lotta Vorbeck, natürlich haben Sie Recht: Die absolute Populationsgröße wächst. Das hat allerdings ebenfalls nichts mit marktwirtschaftlichen Prozessen zu tun. Wäre die Aufnahme von sog. Flüchtlingen nicht vom Staat organisert und finanziert worden, so wäre nicht ein Einziger in dieses Land der Heuchler eingewandert. Den wahren Grund für das Verschwinden von physischem Spielzeug sehe ich übrigens darin, dass die Kinder heute lieber virtuell spielen, da sie in simulierten Welten wesentlich mehr Handlungsspielraum haben. Ein Kaninchen ist zwar sehr süß, jedoch nur etwa 15 Minuten lang spannend, während man vor modernen Spielen etliche Stunden verbringen kann, ohne dass jemals Langeweile aufkommt. Ich persönlich finde, dass Kinder möglichst schnell von jeglichem Spielzeug entwöhnt und in die Gesellschaft eingegliedert werden sollten, statt nur nachzuahmen. Früher war es ganz normal und selbstverständlich, dass Kinder am Erwerbsleben (beispielsweise in der Landwirtschaft) teilnahmen. Ich kann nicht verstehen, was daran schlimm sein soll, wenn es nicht dazu führt, dass die Bildung vernachlässigt wird (momentan wird sie ohnehin maßlos überschätzt).

@Beowulf: Das marktwirtschaftliche System hat keinen Wachstumszwang. Der Wachstumszwang wird von der Politik propagiert, um die Ausweitung der Geldmenge mit Produktivitätszuwächsen auszugleichen.

starhemberg

21. September 2020 23:41

@Marc_Aurel

Ja, das ist wirklich so. Ich bin mir sicher. 

Und schützen kann sich, um es mit den Worten eines ganz Großen zu zitieren, "nur der Familienvater, der, von seinen Söhnen begleitet, mit der Axt in der Tür erscheint."

Komarow

22. September 2020 00:07

Wer muß da nicht an die ,Sex'-Szene in dem überhaupt sehr unterschätzten und derzeit ja hochaktuellen Film "Demolition Man" denken?

https://www.youtube.com/watch?v=jae38H1_j-E

Franz Bettinger

22. September 2020 02:57

@Poliomyelitis. Unser Virologe Prof. Christian René Marie Joseph, Vicomte de Duve,(Nobelpreis für Medizin 1974) erzählte uns an der UCL damals, dass es in Afrika keine Kinderlähmung gäbe. Er habe eine Hypothese für dieses Wunder: Die schwarzen Babys würden sich in den ersten Monaten ihres Lebens, in denen sie noch von mütterlichen IgG-Antikörpern geschützt seien, im Dreck des Kontinents sozusagen auto-immunisieren und deshalb auch später kaum Kinderkrankheiten kriegen, jedenfalls nicht Kinderlähmung. So des Rätsels Lösung. Wir Studenten nahmen es fasziniert hin, wie einen Spruch Gottes. Seltsamerweise gab's in Afrika auch keine weißen Babys mit Polio. Nun kommt die Pointe: Die WHO verkündete vor kurzem, man hätte in Afrika die Kinderlähmung ausgerottet, durch Impfen wurde unterstellt. Es war immer schon von Erfolg gekrönt, die Menschen vor Gefahren zu schützen oder Krankheiten zu therapieren oder gar auszurotten, die es gar nicht gibt.

Laurenz

22. September 2020 05:17

@bb

FED-Notenbanker sind Keyneseaner, also Sozialisten. Das konnten sie sich nach Bretton Woods (1944) auch leicht erlauben, da man als Inhaber der Weltleitwährung zumindest in Höhe des Landes-fremden Welthandels US$ einfach drucken kann, ohne dafür arbeiten zu müssen. Das tun/taten die Trottel, die US$ kaufen müssen/,ußten. Im weiteren Sinne war der II. Weltkrieg schon ein Währungs-Krieg. Alle nachfolgenden militärischen Konflikte der USA, nach 1945 so an die 300, bezogen sich meist auf ungenügendem Währungs-Gehorsam irgendwelcher Phantasten, die irgendwo an die Macht kamen, wie Mossadegh, Allende, Castro, die Sandinistas etc.pp.

Die Bundesbank ließ man gewähren, weil Deutschland im Kalten Krieg wichtig war.

Und außerdem lagerten die Trottel von der Bundesbank die meisten Deutschen Gold-Reserven in den USA ein.

Heute ist die Situation eine andere. Heute brauchen wir keine Kuhtreiber von der FED mehr dazu, um uns auszulutschen, heute haben wir unsere europäischen Freunde, die den Job freiwillig machen.

Lumi

22. September 2020 08:07

Vielleicht bin ich ja zu verkrampft und verbiestert, aber mir mißfällt es stets, wenn an sich kritische Autoren sich zu einer (vielleicht nur resignativen) Akzeptanz gewisser Grundlügen hinreißen lassen.

So ist in diesem HB Artikel von einem tödlichen Wuhan-Virus die Rede, für dessen Existenz es zwar keinerlei Beweis gibt, das dann aber gleichwohl dem Autor als thematischer Nährboden für die Entwicklung diverser Gedanken dient.

Ich bin der Meinung, daß es immer und ausnahmslos ein Fehler ist, eine Grundlüge zu akzeptieren.

Dies geschieht meiner Meinung nach einfach durch Erlahmen der Widerstandskraft, weil die Grundlüge quasi in jeder Systemnachricht anrollt, unermüdlich wie die Wellen des Meeres.

Dazu passend der aktuelle kurze Artikel von Peter Haisenko:

Framing extrem – Die Grundlüge erlaubt zu lügen ohne zu lügen

18.09.2020

https://www.anderweltonline.com/klartext/klartext-20202/framing-extrem-die-grundluege-erlaubt-zu-luegen-ohne-zu-luegen/

Übrigens ... was für eine gelungene Wortschöpfung ... Grundlage, Grundlüge.

Lumi

22. September 2020 09:04

URL: Das Virus, das keines ist (www.Beobachter.CH)

Eine beliebte Masche: Betrüger behaupten, dass sie den Computer kontrollieren – und verlangen Geld.

Analog:

Eine beliebte Masche: Betrüger behaupten, dass sie die Gesundheit kontrollieren – und verlangen Gehorsam (und nehmen sich Geld).

Oder vor 500 Jahren:

Eine beliebte Masche: Betrüger behaupten, dass sie das Seelenheil kontrollieren – und verlangen Gehorsam und Geld.

starhemberg

22. September 2020 09:16

@Laurenz

Absolute Zustimmung - auch wenn ich kaum glauben kann, dass Sie soviel Wahrheit schon um 05:17 in das Forum meißeln.

Maiordomus

22. September 2020 09:31

Der Ausdruck "Grundlüge" scheint mir neu zu sein; im akademisch-philologischen Zusammenhang spricht man von "Lebenslügen", was sich jedoch stärker auf den Einzelnen bezieht. Ja, es gibt Grundlügen und Basislügen; längerfristig kann man damit rechnen, dass diese auch gesetzlich vorgeschrieben werden und auch schon der Zweifel strafbar gemacht wird. 

Lotta Vorbeck

22. September 2020 09:56

@bb - 21. September 2020 - 11:24 PM

+ Offensichtlich ist es so, daß das Schlüsselland Europas (---> Heartlandtheorie) von der BRD-Regierung bewußt und gewollt als Magnet zur Invadierung zunächst des eigenen Landes, anschließend zur Invadierung des Kontinents vorgesehen und bereitgehalten wird.

+ Eine andere Frage: Erinnern Sie sich an Spielzeuge wie Stabilbaukasten, Dampfmaschine und Ritterburg?

Aquaristik war einst ein ebenso verbreitetes wie beliebtes Hobby.

Hier um die Ecke gibt's ein Grundstück dessen Besitzer über die Jahre eine faszinierende LGB*-Welt erschuf. Über einen am Zaun installierten Klingelknopf ließ sich der Zugverkehr und das um die Gleise herum drapierte Beiwerk aktivieren. Der Mann hat Kinder und Enkelkinder. Mal wieder am Zaun des Grundstückes stehend, erzählte er, vielleicht noch zwei Mal könne er im Frühling die Gleise für die neue Saison präparieren, mehr gäben seine lädierten Kniee nicht her. Nun ist der Zugverkehr eingestellt. Die Enkel des Mannes sind und waren nie draußen im Garten zu sehen.

* Lehmanns-Garten-Bahn

 

 

 

 

Monika

22. September 2020 11:11

Thema: Jede Epoche findet zu den symbolischen Ausdrücken ihrer Zeit/der Tod gehört nicht mehr zum Leben. Am 20. September war übrigens der Tag des Friedhofs. Im Frühjahr wurden die historischen Friedhöfe Deutschlands zum immateriellen Welterbe erklärt. Die Bedeutung der Friedhofskultur wurde hervorgehoben.

https://www.ekd.de/frauenhilfe/friedhoefe-werben-als-immaterielles-kulturerbe-59024.htm

Das ist schön, aber die heutige Bestattungskultur in Deutschland hat sich drastisch verändert. Friedwald und   Urnenhaine nehmen zu. Ebenso anonyme Bestattungen. Christliche Beerdigungen ? Ein Trauerspiel im wahrsten Sinne des Wortes.  Auch im kulturellen Sinn verschwindet der Tod aus dem Leben. Wer keine Nachkommen mehr hat, verschwindet auch in der Erinnerung. Der Verdrängung des Todes geht eigentlich eine Verdrängung des Lebens voraus. Schnitt. Beerdigungen von Clan-Müttern in Berlin ( Abou-Chaker) Schöneberg erfolgen mit großem Pomp, Hunderten  Menschen, LuxusAutos, Polizeischutz. Eine große Inszenierung vorbei an einer Backsteinkirche  mit ( noch) Kreuz. Hier wird der Tod kultiviert. Wo eine Sippe, da auch Kult. Wo Kult, da Kultur...

Monika

22. September 2020 11:43

HB „Das Einzige, was Rettung verhieße - Maß und Verzicht“.

Hier ist ganz sicher keine von außen aufoktroyierte Sparmaßnahme gemeint ! Nach Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit ist Maß die vierte Kardinaltugend. ( siehe Josef Pieper: „Zucht und Maß“) . Im Unterschied zu den anderen Tugenden ist die sog, temperantia ausschließlich auf den Wirkenden selbst bezogen. Es geht um eine selbstlose Hinkehr zu sich selbst, nicht um eine selbstische. „Zielsinn der temperantia ist die innere Ordnung des Menschen, aus der die Ruhe des Gemütes“ erfliesst.“( J.P.) Beschrieben ist ein solches Leben etwa in Ernst Wiecherts „Das einfache Leben“. Ich kann mir vorstellen, dass Herr Bosselmann ein Leben in diese Richtung meint und es selbst auch lebt. Der Marktlogik widerspricht es m.E. nicht per se. Auf sein Konsumverhalten hat man durchaus Einfluss. Und in Corona-Zeiten kann aus der Not eine Tugend gemacht werden. 😀

Brettenbacher

22. September 2020 12:44

für @Monika

Russisch Lernen mit Achmatowa's Gedicht

Tatiana Ley

Wir lesen ein Gedicht von Anna Achmatowa (Ich hab gelernt, einfach und klug zu leben…) und versuchen sein Wortschatz und ...

Lumi

22. September 2020 12:53

@Laurenz und andere Wirtschaftsnörds, à propos FED und US$ - folgendes habe ich mal aufgeschnappt, weiß aber nicht mehr wo:

Im klassischen Handelsbilanzausgleich mußte das Defizitland das Defizit zeitnah (täglich, wöchentlich) mit Gold ausgleichen. Zudem wurde die Währung des Defizitlandes abgewertet. Beides zielte auf die Vermeidung der Wiederholung des Ungleichgewichtes und den Ausgleich der Handelsbilanz.

Im Eurosystem nun wurden die Kurse eingefroren. Statt Gold werden nun TARGET2 Salden verschoben, also bloße Forderungen gegen das Eurosystem, die nicht einlösbar sind. (Siehe dazu die Bücher von Hans Werner Sinn und Thilo Sarrazin.)

Damit ist den Defizitländern vordergründig ein Coup gelungen. Der Bundesmichel steht als Depp vom Dienst da, weil er in diese offensichtliche Falle getappt ist, die keiner vorher gesehen haben will.

(1/2)

Lumi

22. September 2020 12:53

(2/2)

Die Olivenländer haben damit aber nichts anderes erreicht, als was die USA seit Bretton Woods und verstärkt seit 1973 als Vorteil hatten, nämlich den Export ihrer Inflation: ihr arbeitet und liefert, wir drucken euch Dollar.

Und jetzt das Ungeklärte: Die BRD erwirtschaftet Jahr für Jahr einen sehr großen Handelsbilanzüberschuß gegen die USA. Und dieser wird angeblich jedes Jahr einfach geschreddert. Man erhält nichts dafür, nicht einmal wertlose TARGET2 Salden.

Stimmt das?

Wie kann es überhaupt sein, daß ein Staat, dessen Außenhandel derart prosperiert, solch gewaltige Schuldenberge anhäuft? Und nicht stattdessen mal mindestens jede Mittelstadt mit dem Transrapid angeschlossen hat? Der Staatshaushalt müßte doch satt positiv sein und innovative Großprojekte überall an den Start gebracht werden.

Laurenz

22. September 2020 13:27

@Lotta Vorbeck @bb  (1)

Der Spieltrieb von Kindern ist eminent für ihre Entwicklung und Talentförderung. Die Früh-Sexualisierung soll genau diesen Prozeß aufhalten, und wer poppt, dessen Kindheit ist vorbei, damit auch die Talent-Förderung. Zu elektronischen Spielen gibt es nur wenige Studien. Bisher bekam ich nur eine mit. Reaktionszeiten von Berufsgruppen zur Entscheidungsfindung wurden gegen Zocker (Gamer) gemessen. Die einzigen, die mithalten konnten, waren die Physiker. Unser heutiges Verhältnis zu Kindern ist einerseits durch die Brüder Grimm geprägt (Sterntaler) und andererseits durch den preußischen General-Stab (Soldatenkönig), der bb vehement widersprechen würde. Als Preußen, wie andere Staaten auch, sich von der Landsknechtschaft abwendeten, um stehende Berufs-Heere aufzubauen (Derfflinger), stellte man fest, daß es nicht genügend gesunde junge Rekruten gab. Die Gesundheit, der Körper der Jungen oder jungen Männer war bereits durch Kinderarbeit ruiniert. Also verbot man Kinderarbeit. Die Gebrüder Grimm sorgten für die Wahrnehmung der Kinder als Kinder und nicht als kleine Erwachsene. Kinder haben keine eigene Meinung, sie kopieren nur Meinungen oder lehnen in Opposition Meinungen ab. Interessant hierbei ist, festzustellen, wie schnell eine rationale Maßnahme, wie das Verbot von Kinderarbeit, in die hoch-emotionale, moralische Welt des Menschen Einzug hält und die historische Erinnerung an die rationale Entscheidung verblaßt. 

Laurenz

22. September 2020 13:32

@Lotta Vorbeck @bb (2)

Beim Sex wurde dies bewußt durch orientalische Religion gesteuert, denn Verbote schaffen, wie bei Drogen, illegale Nachfrage. Man degradiert vom Menschen zum Sünder. Wir Europäer wurden durch die Eiszeiten geschaffen. Das unterscheidet uns in allen Lebensbereichen von anderen Ethnien. In den Eiszeiten brauchte man komplexe Überlebens-Fähigkeiten, die man sich erst aneignen mußte. In Afrika gab es nie eine Eiszeit in Menschengedenken, also keine dementsprechende Evolution. Was MRPGs (interaktive Online-Spiele) in meinen Augen so so attraktiv macht, ist die gesellschaftliche Welt dort. Sie basiert weitestgehend auf freiwilliger Gefolgschaft und Führung, wie einer visualisierten spirituellen Magie. Das ist die Welt aus der wir ursprünglich kommen und nach der wir uns zurücksehnen. Hier sieht HB die Dinge aus einer falschen Perspektive und 1% verkauft dafür Heimat-Defender, ein Anfang. Anpassung ist eben eine wichtige Überlebensfähigkeit.

Monika

22. September 2020 13:39

@ Brettenbacher 

Danke, das ist sehr schön.

Lotta Vorbeck

22. September 2020 13:41

@Lumi - 22. September 2020 - 12:53 PM

Wie kann es überhaupt sein, daß ein Staat, dessen Außenhandel derart prosperiert, solch gewaltige Schuldenberge anhäuft? Und nicht stattdessen mal mindestens jede Mittelstadt mit dem Transrapid angeschlossen hat? Der Staatshaushalt müßte doch satt positiv sein und innovative Großprojekte überall an den Start gebracht werden.

---

Wenn ein Staat, besser gesagt desssen Regierung meint, sich als Sozialamt der Welt aufspielen zu müssen, den EU-Club fast im Alleingang finnaziert und gleichzeitig eine florierende Exportwirtschaft betreibt, die exportierten Waren aber quasi an ausländische Kunden verschenkt, dann verfällt die eigene Infrastruktur, schauen die, die die exportierten Waren produzieren, so sie denn das Rentenalter erreichen in die Röhre, bekommen die Empfänger für lau Waren geliefert und ihre Infrastruktur saniert, während der Exporteur selbst in einer Abwärtsspirale gefangen einen Schuldenberg auftürmt und niemals und nimmer einbringbare Schuldscheine sammelt.

Laurenz

22. September 2020 13:54

@Lumi

Gold ist, wie Geld, nur funktionierende Religion. Es basiert auf Glauben. Aus Gold kann man gut Ersatz-Zähne machen, und da es nicht rostet, ist das recht weiche Metall auch für manche Industriezweige von Eminenz. Wie die Hebräer zum Leidwesen Mose' um das Goldene Kalb tanzten, so sind die Asen der EDDA dem Golde erlegen, eine psychische Krankheit. Gold reichte in der gesamten Menschheits-Geschichte nie aus, um einen Wirtschaftskreislauf zu hinterlegen. Es existiert auf dem Planeten nur ein Goldwürfel in der Größe von etwa 20 x 20 x 21 Metern. Auch wenn die Russen, wie die Bekloppten fördern, werden "wir" nicht mal einen Zentimeter mehr, mehr erleben.

Der bewußt - oder unbewußt gemachte Fehler bei den Target-Salden basiert auf dem Fakt, daß es keine Endfälligkeit, keinen Rückzahlungstermin für diese Target-Schulden gibt. Und Pfändung von Staaten geht nur über eine militärische Option oder daß niemand mehr Ihren Oliven-Staaten Geld leiht, was ja auch der Fall ist. Deswegen tut es, ganz keyneseanisch-marxistisch die EZB, mit dem Unterschied zur USA, daß Euro-Land nur einen funktionierenden Flugzeugträger besitzt, die Briten 2 ohne Flugzeuge, und die USA 11. Solange die vielen Schulden nicht in den Konsum-Kreislauf kommen, kann man sich mit Schulden Zeit kaufen. Lesen Sie Dirk Müller (C(r)ashkurs). Er erklärt es auch für den Normal-Bürger recht verständlich. 

heinrichbrueck

22. September 2020 14:33

Was es nicht gibt: einen eigenen Staat, eine eigene Regierung, ein eigenes Geldsystem.

Hartwig aus LG8

22. September 2020 15:13

@Lumi

Der deutsche Staat ist zwar hoch verschuldet. Aber Deutschland ist in weit höherem Maße Gläubiger. Und wer sein Geld anderen verleiht, der finanziert halt die "innovativen Großprojekte" anderswo.

@Laurenz

Gold ist gewiss eine Religion. Es basiert auf Glauben. Aber an irgend etwas glauben Menschen immer. Und an Gold glauben sie seit ein paar tausend Jahren - quasi ohne Unterbrechung. Man könnte so etwas als anthropologische Konstante bezeichnen.

 

Caroline Sommerfeld

22. September 2020 17:46

Paßt doch primstens zur Dystopie:

Kind erhält neuerdings ein Schülermagazin namens "Jung Österreich". Das heutige Arbeitsblatt sieht so aus:

https://www.jungoesterreich.at/fileadmin/user_upload/Schuelerzeitschriften/5_Joe/Materialien/pdf/joe-sep20-arbeitsblatt1.pdf

Es bezieht sich zum Teil auf ein Interview in dieser Zeitschrift mit dem Sohn des "Zukunftsforschers" Horx. Auf die orwelleske Frage:
"Hat die Welt die Krise gebraucht, um wieder normaler zu werden?" antwortet dieser: "Vielleicht ist das nicht die Krise, die wir wollten, aber wahrscheinlich ist es die Krise, die wir brauchten, weil sie die Probleme unserer Welt auf eine noch erträgliche Weise enthüllt hat. Im Vergleich zu dem, was den Menschen im Zweiten Weltkrieg passiert ist, sind wir nämlich noch gut davongekommen."

Sein Schlußstatement: "Wenn man sich die Entwicklung der Welt anschaut, dann wird sie immer besser. Die Menschen leben länger und gesünder. Sie haben mehr Möglichkeiten, sich weiterzubilden und müssen weniger Angst vor Kriegen haben. Es gibt eigentlich nichts zu meckern."

Lotta Vorbeck

22. September 2020 18:07

@Caroline Sommerfeld - 22. September 2020 - 05:46 PM

Allerliebst, die dieses Mal grün bemoost auf dem Arbeitsblatt daherkommenden Ankertauminen!

zu 1.c: Infolge des WK2 löste sich das British Empire auf. Wenn die Ausbreitung der C-Mikrobe mit den Folgen des WK2 vergleichbar ist, wäre zu fragen: Wessen Imperium steht nun zur Disposition?

---> Der italienische Maler Walter Molina schuf 1962 dieses Bild: "Leben im Jahre 2022"

 

Marc_Aurel

22. September 2020 18:50

@starhemberg

Und schützen kann sich, um es mit den Worten eines ganz Großen zu zitieren, "nur der Familienvater, der, von seinen Söhnen begleitet, mit der Axt in der Tür erscheint."

Der selbe große Mann hat aber auch gesagt, dass man den Leuten nur einen Gefallen tut, wenn man sich zu erkennen gibt. So wird es dann auch dem Vater in ihrer Geschichte ergehen, der sich schneller als ihm lieb ist, auf dem Boden wiederfindet, während Beamte ihm die Hände auf den Rücken binden. Die einzige Option des Privatmannes bleibt am Ende nur der Gang ins Exil, wenn es denn noch eines gibt, das heißt er begibt sich unter den Schutz eines anderen Staates.

Gustav Grambauer

22. September 2020 19:08

Im BordTreff (Schreibweise übernommen) eines ICE der Deutschen Bahn, die Metatrend-Meta-Ikone im Alter Ego über den "Trendforscher":

"Er guckt aus seinen traurigen Wanderpredigeraugen zu mir herüber, zieht ein bißchen die Brauen zusammen und kommt dann an meinen Tisch. Ich frage ihn, wohin er denn fährt, und da sagt er allen Ernstes, er fahre zu einem Trendkongreß nach Karlsruhe. Eigentlich habe er ja mit dem Auto fahren wollen, aber das könne er irgendwie nicht mehr reinen Gewissens tun, Autofahren, meine ich. Ob ich auch nach Karlsruhe fahren würde? Vor mir auf dem Tisch liegt so ein Faltblatt der Bundesbahn, und ich schaue schnell drauf, und die nächste Station ist Heidelberg, und da ich mir nichts Schlimmeres auf der ganzen Welt vorstellen kann, als mit Matthias Horx bis Karlsruhe über den dortigen Trendkongreß zu plaudern, sage ich schnell, ich würde nur bis Heidelberg fahren." Christian Kracht: "Faserland", S. Fischer 1995, Seite 86

- G. G.

limes

22. September 2020 19:28

@ bb Danke für Ihre Zustimmung, obgleich ich im Eifer des Gefechtes bei Ihnen offene Türen eingerannt habe!

Ihre Forderung, Kinder möglichst schnell von jeglichem Spielzeug zu entwöhnen, hört sich hart an. Ist das auch so gemeint? Entwöhnen würde ich nie forcieren, aber immer die Freiheit dazu geben.

Viel Spielzeug ist tatsächlich schlecht. Für unseren Nachwuchs kam kein »Spiel-Computer« ins Haus, obwohl die Omas unbedingt so ein Ding schenken wollten. Stattdessen habe ich recht früh die Benutzung meines eigenen Rechners gestattet und bei Interesse den Gebrauch der verschiedenen Programme gezeigt.

Mütter und Väter sollten Kinder mit Begeisterung in ihre jeweils eigenen Fähigkeiten »einweihen«, sei es musizieren, zeichnen, kochen, heimwerken, gärtnern, Sport … was immer. Bei mir gehörte es auch dazu, den Nachwuchs im artgerechten Umgang mit Hunden zu unterweisen, der es ermöglicht, selbst einen Trumm von Hund gewaltfrei und sicher zu führen. Ein Hund ist gewiss kein Spielzeug, kann aber einem Kind dazu verhelfen, Verantwortungsbereitschaft, Körpersprache und Führungsfähigkeit zu formen.

In bester Erinnerung an meine eigene Kindheit bleibt ein Ausflug mit einer befreundeten Familie, bei dem die Väter mit uns Kindern aus aufgesammeltem Holz und Rinde ein Mühlrad bauten, das sich im Gebirgsbach drehte und Wasserkraft begreifbar machte.

starhemberg

22. September 2020 19:49

@ Marc-Aurel

 

"...die richtigen Steuermänner am Ruder vorausgesetzt..."

Und? Wo sollen die sein? Haben Sie welche davon zuhause? Der letzte war Bismarck. 

Daher: lieber weniger Staat, um den Schaden zumindest zu begrenzen. Denn es gibt viele Millionen von "Privatmännern". Und ich glaube nicht, dass mir Amazon Beamte nach Hause schickt, die mir die Hände auf den Rücken binden.

Marc_Aurel

22. September 2020 21:02

@ Marc-Aurel

„Und? Wo sollen die sein? Haben Sie welche davon zuhause? Der letzte war Bismarck. „

Nein, leider nicht und mit Bismarck haben sie Recht. So lange wie Meuthen & Co. in der AfD ihr Unwesen treiben, sind aus der Ecke auch keine zu erwarten.

 

„Daher: lieber weniger Staat, um den Schaden zumindest zu begrenzen. Denn es gibt viele Millionen von "Privatmännern". Und ich glaube nicht, dass mir Amazon Beamte nach Hause schickt, die mir die Hände auf den Rücken binden. „

Was macht sie so sicher, dass sich Bezos und seine Freunde nicht auch irgendwann Prätorianer zulegen, die die Lücke füllen, die der Staat hinterlassen hat? Ob es sich nun um Söldner oder Beamte handelt, bleibt sich am Ende gleich.

starhemberg

22. September 2020 21:41

@ Marc-Aurel

 

Weil Konzerne profitorientiert denken (müssen), und freien Menschen gewaltsam einen fremden Willen aufzuzwingen, ist sehr teuer und unproduktiv. Und was Söldner betrifft - immer mehr europäische Berufsheere nehmen solche in Dienst. 

 

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch - ich lege trotzdem Wert auf den politischen Kampf nach demokratischen Regeln. Selbst wenn selbige ständig von der anderen Seite gebrochen werden. Aber - ich halte unseren verbürokratisierten, schamlosen und vollkommen enthemmten Parteienstaat für das eigentliche Grundproblem. Und ganz sicher nicht die freie Wirtschaft, den Kapitalismus oder die Konzerne. 

Marc_Aurel

22. September 2020 22:59

@starhemberg
In Ihrer Einschätzung des Wesens des Parteienstaates stimme ich Ihnen zu, sehe die von Ihnen beschriebenen Symptome aber eher als Folge einer Korrumpierung des deutschen Staates, der von den westlichen Siegermächten des 2. Weltkrieges von vorn herein als Vasallenstaat gestrickt wurde, anders ist die selbstzerstörerische Politik der BRD, die ja mittlerweile regelrecht deutschfeindlich ist, aus meiner Sicht auch gar nicht erklärbar. Spätestens mit dem Wegfall der statischen Situation des kalten Krieges, hat man die Zügel wieder deutlich angezogen.

In den Siegerstaaten nun selbst, allen voran in den USA, dominieren Oligarchenclans mit ihren Konzernnetzwerken, Medien, Nichtregierungsorganisationen und Denkfabriken, die sich im Laufe der Zeit herausbildeten, seit langer Zeit die Politik, dabei wird auch der bis ins Mark mit deren Interessenvertretern durchsetzte amerikanische Staat benutzt.  Der Staat ist bei so einer Konstellation der erste Opfer und wird in Folge zum Werkzeug, so zumindest stellt es sich für mich dar und die Abläufe, die man täglich so beobachten kann, scheinen dieser Sicht auf die Dinge Recht zu geben, würde ich jedenfalls behaupten wollen.

starhemberg

23. September 2020 09:05

@Marc_Aurel

Ich stimme Ihnen in manchen Punkten zu. Es würde wohl aber zu weit führen, wenn ich im Detail zu allen Ihren Behauptungen Stellung nehme. Es erinnert mich an die alte Frage nach Henne und Ei. Wogegen ich mich aber verwehre, ist die armen, unschuldigen "getriebenen" Berufspolitiker als Opfer ansehen zu wollen, die von ominösen dunklen Mächten vor sich her "getrieben" werden. So einfach sollten wir es "unseren Volksvertretern" nicht machen. In diesen Sinne, bis zum nächsten Austausch unserer Meinungen.

Marc_Aurel

23. September 2020 11:46

@starhemberg
Getriebene Opfer sind es nicht, da haben sie schon Recht, zumindest die führenden Figuren wissen schon sehr genau was sie tun. Es gehören ja immer zwei dazu: einer der festlegt welches Stück aufgeführt wird und ein paar Spießgesellen, die sich nicht zu schade sind, dabei mitzuspielen.

Bei einigen mag ideologische Verblendung hinzukommen, bei anderen ist es nackte Gier. Ich kann mich nicht in die Rolle eines Menschen versetzen, der jeden Tag sein Land verkauft und dann vor die Mikrophone tritt und seinen Landsleuten erzählt, dass alles gut wird. Wie tief muss man dafür fallen, wie leer muss man sich dabei fühlen? Gibt es so etwas wie eine Lust am Verrat? Kann der Judaslohn, den es ja immer in irgendeiner Form gibt, das wieder aufwiegen? Was den Meinungsaustausch betrifft: gerne wieder.

Lotta Vorbeck

23. September 2020 14:51

@limes - 22. September 2020 - 07:28 PM

"... Viel Spielzeug ist tatsächlich schlecht ... "

---

Hier noch ein Fundstück zum Thema Spielzeug & Spielen, das Sie liebe @limes begeistern wird:

 

---> Vater & Sohn

 

Originaltitel: Ein guter Vater ist einer der unbesungensten, ungepriesensten, unbemerktesten und dennoch eines der wertvollsten Güter in unserer Gesellschaft.

 

limes

23. September 2020 21:24

@ Lotta Vorbeck

Herzlichen Dank! Ja, das Fundstück begeistert mich tatsächlich.

Eine amerikanische Freundin schickte mir ein Buch mit dem Titel »What a difference a daddy makes«, dessen Titel auf ein Lied anspielt, das unter anderem von Dinah Washington interpretiert wurde.

Laurenz

24. September 2020 05:30

Wenn die Redaktion es erlaubt, poste ich für @Lotta Vorbeck, wie für alle Väter und Söhne nochmals ein Gedicht Bert Hellingers mit dem Titel :

Der goldene Ball

Was auch an Liebe mir vom Vater ward,
Ich hab's ihm nicht vergolten, denn ich habe
als Kind noch nicht erkannt den Wert der Gabe
und ward als Mann dem Manne gleich und hart.
Nun wächst ein Sohn mir auf, so heiß geliebt
wie keiner, dran ein Vaterherz gehangen,
und ich vergelte, was ich einst empfangen,
an dem, der mir's nicht gab - noch wiedergibt.
Denn wenn er Mann ist und wie Männer denkt,
wird er, wie ich die eignen Wege gehen,
sehnsüchtig werde ich, doch neidlos sehen,
wenn er, was mir gebührt, dem Enkel schenkt. -
Weithin im Saal der Zeiten sieht mein Blick
dem Spiel des Lebens zu, gefasst und heiter,
den goldnen Ball wirft jeder lächelnd weiter,
- und keiner gab den goldnen Ball zurück!

links ist wo der daumen rechts ist

24. September 2020 11:02

@ LV

Da ich FB, Twitter, „Insta“, Telegram und den ganzen Schmafu als Teil einer totalitären Umerziehung weitgehend verweigere (YT nehme ich aus), entgeht einem natürlich ein Schmankerl wie das von Ihnen angeführte…

Doch ach, hört man etwas genauer auf die „Hintergrundmusik:

https://www.youtube.com/watch?v=EUNZMiYo_4s

Lamentiert da nicht jemand über einen ewig abwesend gewesenen Vater, während der Sohn so wird wie sein Vater?

Und wenn man dann - um es besser zu machen - so jemanden als verbitterten, lebensunfähigen, uneinsichtigen Alt-68er pflegen darf: es gibt wahrlich Erfüllenderes.

Aber der arme gute Harry Chapin wußte durch seinen frühen Unfalltod zumindest das seinen Kindern zu ersparen.

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