23. September 2020

AfD-Landtagsfraktion in Niedersachsen gesprengt

Benedikt Kaiser / 53 Kommentare

Die AfD-Landtagsfraktion in Niedersachsen ist Geschichte. Ein kurzer Einwurf.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Zum Hintergrund: Fraktionschefin Dana Guth (MdL) verlor in Niedersachsen vor zehn Tagen ihr Amt als Landessprecherin an ihren Herausforderer Jens Kestner (MdB).

Guth gilt als »Meuthen-nah«, Kestner wird nachgesagt, daß er, wo es notwendig erschien, sehr gut mit dem aufgelösten »Flügel« konnte. Die Sprengkraft in dieser Abstimmung rührt nicht zuletzt auch (!) in dieser parteiinternen Dichotomie.

Der Ablauf des Parteitages war letztlich banal:

Kestner gewann, Guth verlor, Kestner ging auf Guth zu, versprach Gräben zu überwinden, damit – angesichts des gemeinsamen Gegners – trotz vorhandener Differenzen zusammen die 6,2 Prozent der letzten Landtagswahl aus dem Jahr 2017 beim kommenden Urnengang 2022 in diesem bei Wahlen für eine Rechtspartei schwierigen Flächenland verbessert werden können.

Was nun folgte, sprengt jedoch die Vorstellungskraft selbst jener, die AfD-Querelen seit vielen Jahren beobachten: Guths engster Kreis (neben ihr selbst sind dies Stefan Wirtz und Jens Ahrends) akzeptierte die demokratische Entscheidung der AfD-Delegierten nicht. Besagtes Trio trug daher die als Egokränkung wahrgenommene Schmach in der Landespartei in die Landtagsfraktion hinein. Bereits dies – eine illegitime Vorgehensweise.

Der NDR, bemerkenswert schnell zugegen und informiert, zitiert Guth wie folgt:

Wir drei haben uns heute nach den Vorkommnissen der letzten zehn Tage entschlossen, die Fraktion zu verlassen", sagte Guth. Das müsse aber nicht das Ende der AfD im Landtag sein. Die drei Politiker wollen offenbar in der Partei bleiben. Guth will zudem versuchen, eine neue AfD-Fraktion zu gründen - eine bürgerlich-konservative, wie sie sagte. Sie habe vier Abgeordneten ein entsprechendes Angebot gemacht.

Das Angebot wurde – entsprechend des politischen Wahnsinns, der sich darin verdichtet – zurückgewiesen. Stephan Bothe (MdL) hat in einer persönlichen Stellungnahme das Wesentliche zusammengefaßt (hier in voller Länge):

Diese drei Personen haben heute eine erfolgreich arbeitende Landtagsfraktion zerstört, sie haben 20 Fraktionsmitarbeiter arbeitslos gemacht und die politische Arbeit auf Landesebene, also das, wofür sie in den Landtag gewählt worden waren, plattgemacht.

Dieses Verhalten verurteile ich auf das schärfste, diese Personen sind für mich nicht AfD, sondern das Gegenteil. Die AfD steht für Rechtsstaatlichkeit, sie steht für Patriotismus und Integrität. Dies alles haben die drei Personen heute vermissen lassen! Wir sechs, Peer Lilienthal, Stefan Henze, Christopher Emden, Harm Rykena, Klaus Wichmann und ich werden weiter kämpfen!

Auch Alexander Gauland, der Ehrenvorsitzende der AfD, meldet sich zu Wort. Die Süddeutsche zitiert ihn via dpa wie folgt:

Die AfD ist durch die sinnlose Sprengung der Fraktion durch Frau Guth nun in einem wichtigen Bundesland parlamentarisch quasi handlungsunfähig", sagte Gauland der dpa. "Wer nach einer innerparteilichen Niederlage gleich alles hinschmeißt, mit dem kann man nicht zusammen politisch kämpfen und der hat das Wesen einer demokratischen Partei nicht verstanden.

Dennoch alles ein ganz »normaler« Vorgang einer Partei im Dauerstreit? Mitnichten. Selbst, wenn berücksichtigt wird, daß unterschiedliche Parteilager der Alternative unterschiedliche Ansichten vertreten, wie ebenjene Alternative ihre Standpunkte zu formulieren hat, und daß dies in barschen Richtungskämpfen mündet, kann hier eine vollkommen neuartige Eskalation festgestellt werden.

Denn mit dem Vorgang in Hannover wurde eine Grenze jeder denkbaren und verkraftbaren parteiinternen Auseinandersetzung nicht nur überschritten; sie wurde gesprengt.

Daher drei Anmerkungen:

1. Guth und die anderen beiden Anhänger des Minderheitskurses in Niedersachsen haben nicht nur parteischädigend gehandelt und dem Gegner einen kolossalen Erfolg ohne eigenes Zutun ermöglicht, sondern sich auch explizit antidemokratisch verhalten.

Richtungs- und Personalwechsel, die aus einer fairen und legalen Abstimmung hervorgehen, müssen anerkannt werden, wenn man sich unter den herrschenden Verhältnissen parteipolitisch betätigen möchte.

Ehemalige »Flügler« haben dutzendfach Abstimmungen oder gar Parteiausschlußverfahren verloren, ohne deshalb Fraktionen, Fraktionsmittel, Fraktionsangestellte zu riskieren. Keine Fraktion darf aufgrund persönlicher Befindlichkeiten (und nachrangig ideologischer Volten) gesprengt werden. Vor allem aber berechtigt die Niederlage bei einer landesparteiinternen Wahl niemanden, die vom Wähler »beauftragte« Arbeit der Landtagsfraktion mit einem Schlag zu verwerfen.

Guth beweist, daß sie in Kategorien denkt, die einer jeden Alternative unwürdig sind. Ihr unentschuldbares Verhalten ist ein Schlag ins Gesicht nicht nur für alle anderen gewählten AfD-Abgeordneten in Niedersachsen, sondern explizit auch für die über 20 (!) festen Mitarbeiter in Hannover, die nun über Nacht – freilich ohne eigenes Verschulden – aufgrund gekränkter Eitelkeit einer Meuthen-nahen Abgeordneten arbeitslos wurden.

Vor allem aber ist Guths Verhalten ein unverzeihlicher Affront gegenüber den 230.000 Wählern der Alternative zwischen Wilhelmshaven und Goslar und der eigenen Basis in den Kommunen. Wie sollen künftige Kreis- und Ortsverbände ihren Mitbürgern zu verstehen geben, daß man sein Kreuz bei einer Landespartei machen soll, die ein noch absonderlicheres Verhalten an den Tag legt als die kritisierten »Altparteien«?

2. Guth und ihre beiden Adepten müssen die Partei umgehend verlassen und ihre Mandate zurückgeben. Der Bundesvorstand muß handeln.

Jörg Meuthen, Beatrix von Storch und deren Netzwerk haben die Gelegenheit, vor der Basis darzulegen, daß sie mit Dana Guths Handeln weder charakterlich noch inhaltlich übereinstimmen. Das sind sie vielen tausend Mitgliedern in Niedersachsen und anderswo schuldig.

Ansonsten entstünde ein Eindruck, den Meuthen und Storch sicherlich vermeiden wollen: Verlieren sogenannte »Meuthenianer« auch nur eine einzige Abstimmung bei einem Landesparteitag, wird in der unmittelbaren Folge eine gegen alle externen Widerstände konstruktiv arbeitende und leidenschaftlich kämpfende Fraktion gesprengt und damit die gesamte (!) Arbeit der Alternative für Deutschland in Niedersachsen erschwert und nachhaltig beschädigt. Ist das im Sinne der AfD?

Denn einmal mehr, aber in völlig neuer Intensität, profitiert der (eigentlich gemeinsame) Gegner: die Altparteien. Das entsprechende Verhalten von Dana Guth und Co. ist apolitisch und würdelos.

Weltanschauliche Richtungskämpfe sind dabei ein Teil des Streites, aber nicht der ausschlaggebende: Einigen Kräften geht es ja nicht »nur« um eine sog. »bürgerlich-konservative« Neuausrichtung der gesamten Partei mit dem Ziel einer Re-Luckisierung der Alternative, sondern vor allem um das eigene Selbst. Dieser banale wie höchst gefährliche Umstand muß auf die Tagesordnung, im Ortsverband wie auf Bundesebene.

Die Basis sollte etwa Antworten von »ihrem« Bundesvorstand fordern: Wie denken beispielsweise die regelmäßig »abtauchenden« Carsten Hütter, Joachim Paul, Joachim Kuhs, Sylvia Limmer, Jochen Haug oder Alexander Wolf über die Farce von Niedersachsen? Wollen sie eine einheitliche AfD mit verschiedenen Flügeln oder wollen sie die Säuberung weiterführen?

Wenn einem Akteur wie Carsten Hütter, der seit Jahren in Schlüsselfragen gegen die Interessen der eigenen Ostverbände handelt, zu Hannover nur einfällt, daß »einzelne« Landtagsabgeordnete »unprofessionell« handeln würden, muß man ihn (und alle anderen genannten Akteure) nun endlich zu einer klaren Positionierung drängen: Für oder gegen die Einheit der AfD, für oder gegen das »Modell Guth«? Die Karten müssen auf den Tisch.

3. Weil inhaltlich widerstreitende Aspekte zwar auftreten, den charakterlichen Mißständen aber in der Bedeutung einmal mehr untergeordnet sind, sollten nun alle gutmeinenden Kräfte in der Partei zusammenarbeiten, um den spaltenden Kräften wie Guth die Tür zu weisen oder ihnen strikte parteipolitische Disziplin aufzuerlegen.

Ob »ordoliberal«, »solidarisch-patriotisch«, »nationalkonservativ« oder von allem ein bißchen, ob Ost oder West – es geht nun um die Einheit der Partei bei anzustrebender Isolation der Destruktiven, die, im großen Ganzen gesehen, maximal ein Viertel der Parteimitgliedschaft ausmachen, aber über Schlüsselfunktionen verfügen.

Als Meuthen lächelnd kundtat, sein jungfreiheitlicher Vorschlag, die Partei zu spalten, wäre nicht so gemeint, hat er viele aufrichtige Menschen an der Basis wiederum beruhigen können. Nach »Hannover« hat er es erneut in der Hand. Ruft er seine Getreuen nicht zurück, drängte sich unwidersprochen der Eindruck auf: Gewisse Kreise wollen das Ende der bisherigen AfD, koste es, was es wolle – einen Landesvorsitz, eine Fraktion oder mehr. Setzte sich diese Deutung durch, wäre dies ein Offenbarungseid des Co-Bundessprechers.

Aus dem Blickwinkel einer Person, die an der Einheit der AfD interessiert ist, könnte sich dieser Fall dann aber trotz allem womöglich in Teilen positiv deuten lassen: Die zahllosen Unentschlossenen unter den Mitgliedern sehen in aller Klarheit die apolitische Charakterlosigkeit einiger Spaltungsakteure und beginnen zu begreifen, daß es einer reinigenden Selbstvergewisserung der AfD als Alternative vor dem so bedeutsamen Krisen- und Superwahljahr 2021 bedarf.

Vollzöge sich dieser Erkenntnisprozeß samt personeller Konsequenzen, erwiese er sich in der Causa Guth zumindest mittelfristig als eine Form spezieller, AfD-immanenter Dialektik.

Daß neben den Landtagsfraktionen aus Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen auch der Bundessprecher Tino Chrupalla bekannt gab, daß er und seine Bundestagsfraktion arbeitslos gewordene Mitarbeiter aus Hannover »auffangen« werden, bietet jedenfalls ersten Anlaß zur Hoffnung, daß die Zeichen der Zeit verstanden wurden.

Nach »Hannover« ist vor dem Neubeginn. Die Basis und ihre gewählten Funktionsträger haben die Zukunft der Alternative für Deutschland selbst in der Hand – noch.


Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.


Kommentare (53)

t.gygax

23. September 2020 15:20

J. Kuhs ist ganz groß bei "Christen in der AFD". Ich kann aus langer und leidvoller Erfahrung sagen, dass es unter den Christen ganz fiese Methoden gibt, um Leute zu erledigen. Kuhs war in der Verwaltungshierarchie ganz oben, ohne jede Probleme; ich kenne Leute im Öffentlichen Dienst, denen die Kündigung angedroht wurde, wenn sie sich für die AFD einsetzen. Welcher Familienvater kann da noch etwas riskieren? Hatte Kuhs je Probleme??

Ich war einmal im Europäischen Parlament auf Einladung eines AFD Abgeordneten. Mir hat es für den Rest meines Lebens gereicht, was ich dort geboten bekam: ein Feudalsystem mit einer -ich zitiere Kubitschek- " verfetteten Fresse" , ein Luxus, eine Verschwendung ohnegleichen, dass man geradezu aggressiv wird, wenn man daran denkt, wie normale Menschen "in diesem unserem Land" sich durchs Leben kämpfen müssen. Nur ganz starke Persönlichkeiten können da widerstehen, aber Meuthen ist weder stark noch eine Persönlichkeit.Ein Verwaltungsbeamter , der nach oben kam.

In BW wird die AFD einstellig werden, nachdem alle engagierten Leute erfolgreich rausgedrängt wurden; gut, manche hatten schon Ecken und Kanten, aber lieber noch solche Leute als diese angepassten Typen, die nur versorgt werden wollen. Die Wasser der AFD fließen ab, und da kommt keine Welle mehr zurück.

 

Solution

23. September 2020 15:28

Mir fällt zur AfD kaum noch was ein. Sie ist aus eigenem Verschulden auf dem Weg zur Splitterpartei.

Benedikt Kaiser hat in seinem jüngsten Buch "Solidarischer Patriotismus" einen in einem wichtigen Teilbereich programmatischen Ausweg gewiesen. Bei der derzeit in der AfD versammelten Ignoranz wird das wohl nichts werden. Man sollte überlegen, jedem der vielen hundert AfD-Abgeordneten in Bund und Land ein spendenfinanziertes Exemplar zusammen mit Manfred Kleine-Hartlages "Ansage" zukommen zu lassen. Wäre vielleicht einen Versuch wert.

Die AfD hat sich überall beklagt, sie würde nicht genug fähige Bewerber für ausgeschriebene Stellen bekommen. Wer kann es sich denn leisten, eine solche berufliche Sackgasse zu wählen, die zudem immer kürzer wird oder gar eine Vollsperrung darstellt?

Da braucht man nicht einmal den sog. "Verfassungsschutz", um die Zahl und Qualität von Mitarbeitern und Wahlkandidaten immer weiter abzusenken.

Ein gebuertiger Hesse

23. September 2020 15:44

"Apolitische Charakterlosigkeit einiger Spaltungsakteure" - sehr gut gesagt. Eine solche trifft inzwischen auf - wie viele AfDler zu, die man alle mit Namen kennt? Zeit, ein "Worst of" zu erstellen.

Und was Namen angeht: Dana Guth - ist das nicht eigentlich ein Mann?

 

Sandstein

23. September 2020 16:06

@tygax und @solution

Zustimmung! Ein großes Problem dürfte sein, dass die Partei sehr schnell gewachsen ist und bestimmte Mandate sehr leicht zu erringen waren. Das zieht Karrieristen an, und ich hätte gerne mal eine Übersicht der "Spalter" und ihrer jeweiligen Eintrittsdaten. Da dürfte man ins Schmunzeln kommen. 

Da die AfD aber prinzipiell eh schon lange systemstabilisierend wirkt, ob jetzt gewollt (Meuthenlager) oder ungewollt (Patrioten), kann es eigentlich egal sein, was mit dieser Partei passiert. Zudem ist an Positionen innerhalb der Partei wirklich alles vertreten, von ehem. Sozis zu beinharten Holocaustleugnern und polit. Spinnern. Die AfD suggeriert eine "Alternative", ohne eine anbieten zu können (das sog. Rentenkonzept aus Thüringen ist ein Versuch, juristisch leider ein schlechter Scherz bzw. Wunschdenken), und sie nimmt enorm viel Druck vom Kessel. Man beachte die zähen Diskussionen in allen möglichen Foren, und die Leute merken gar nicht, wie viel Zeit verloren geht. 

Ich sehe das mittlerweile "apolitisch", ein Wandel geht nur im Kleinen, in der Nachbarschaft, im Zusammenleben. Der große Wurf wird ausbleiben, dann lieber auf das Vorbereiten, was kommen wird. 

 

Mboko Lumumbe

23. September 2020 17:08

Meuthen mit seinen unsäglichen Spaltungsversuchen und seinen nach wie vor fehlenden Bemühungen und mangelnder Einsicht zur Einigkeit und Zusammenarbeit in der Partei, hat Guth und Co. geradezu ermuntert und ermutigt zu deren unsäglichem Fehlverhalten.

Dafür muss und wird Meuthen gerade stehen müssen, er muss nicht rausfliegen, doch klare öffentliche Massregelung und Rüge, Amtsenthebung als Co-Parteivorsitzender und Ämtersperre für mehrere Jahre ist angemessen.

Dana Guth hat sich persönlich und politisch disqualifiziert und muss raus aus der AfD.

Dafür ist Meuthen mitverantwortlich:
"Der Verlust des Status als Fraktion hat für die AfD erhebliche Folgen. Bereits vom kommenden Monat an erhält die Partei damit nicht mehr die ihr bislang zustehende Förderung von monatlich rund 100.000 Euro. Außerdem sind dem Landtag die nicht für die Fraktionsarbeit verwendeten Zuschüsse zurückzuzahlen und alle aus Zuschüssen beschaffte Gegenstände wie etwa Computer zurückzugeben. Von Mitarbeitern der Fraktion genutzte Zimmer im Landtag müssen geräumt werden; lediglich die Abgeordneten dürfen ihre Räume behalten."

Mboko Lumumbe

23. September 2020 17:19

Nur noch die bedingungslose und demütige Rückgängigmachung der Fraktionsspaltung durch Guth und Co. könnte evtl. noch helfen. Doch ob man solche Spalter überhaupt noch in der Partei haben möchte…?!

Guth, Wirtz und Ahrends sollen Sie sich wieder einkriegen und der Fraktion bedingungslos wieder beitreten, ansonsten muss diese Aktion zwangsläufig und zu recht mit dem Parteiausschluss geahndet werden.
Die Drei haben mit der öffentlichen Fraktionsspaltung einen Riesenfehler gemacht und müssen diesen nun in Demut wieder korrigieren oder sie müssen gehen und in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

Hier kann auch Meuthen zeigen, ob ihm etwas an Einigkeit liegt oder ob er weiter spalten möchte.

Und es wird spannend sein zu sehen, wie die Meutherer im BuVo reagieren werden.

Niedersachse

23. September 2020 17:28

Das die AfD Leute wie Meuthen, Guth oder Junge - stellvertretend für alle anderen dieses Schlages - anziehen würde, war doch von vornherein klar. Das ist eben der soziologische "Webfehler" einer jeden Partei: Sie zieht Leute an, die es nicht ehrlich meinen, die einfach nur Geld verdienen wollen, oder sogar als "U- Boot" fungieren. Und die Vermutung liegt schon recht nahe, das diese Beschreibung auf die oben Genannten zumindest teilweise zutrifft. Gerade ich als Niedersachse sehe den Austritt der drei Fraktionsmitglieder trotzdem eher mit einem lachenden Auge. Denn nun spaltet sich endlich ab, was im Grunde nie zusammengehört hat: Drei charakterliche Lumpen zeigen der gesamten Öffentlichkeit und allen noch unentschlossenen Parteimitgliedern, das die, die sich als die selbsternannten "Gemäßigten"darstellen und jeden vermeintlichen "Extremismus" der Parteifreunde im Keim ersticken wollen, im Ernstfall über Leichen gehen. Gutversorgte Politschranzen, denen es scheißegal ist, das der Fraktionsstatus futsch ist, dass Fraktionsmitarbeiter von Jobverlust bedroht sind und dass damit zumindest kurzfristig das Vertrauen vieler Wähler verspielt wird. Gerade die letzten zwei Wochen in Niedersachsen könnten der Beginn eines lange überfälligen, reinigenden Gewitters sein.

Jan

23. September 2020 19:33

Jetzt soll mal der Bundesvorstand und besonders ein gewisser Herr M. aus BaWü zeigen, wie sie das wieder einrenken wollen. Eines ist klar: Die Strategie der Anpassung und Duckmäuserei ist gescheitert. Vor genau 24 Monaten erreichte die AfD in den Umfragen bundesweit ihren Höchststand mit 18%. Seitdem geht es kontinuierlich abwärts, u.a. weil man sich vor dem VS in die Hosen machte. In dieser Zeit begannen auch die großen Säuberungen in der Hoffnung, im bürgerlichen Lager gesellschaftsfähig zu werden und den VS auf Abstand zu halten. Letztendlich aber kamen die ganzen Rauswürfe der AfD teuer zu stehen. Statt Stimmenzuwachs sackte man immer weiter ab, weil man Schwäche und mangelnde Geschlossenheit offenbarte. Es gibt kaum wirksameres Wahlkabinengift. Die Altparteien klopfen sich auf die Schenkel vor Lachen, brauchen nur das Stöckchen hinhalten ("Der und die da müssen auch noch weg") und Professor M. bekommt kalt Füße und springt.

So geht es nicht mehr weiter, sondern nur noch bergab. Das muss jetzt auch der Flügel um Professor M. einsehen und seine Spaltereien sein lassen, die unterm Strich parteischädlicher sind als jede verbale Entgleisung auf Twitter oder was diverse AfD-Mitglieder vor Gründung der AfD getrieben oder geschrieben haben.      

RMH

23. September 2020 19:36

@Niedersachse,

wer einfach nur Geld verdienen will, sprengt keine Fraktion. Da ist offenbar schon eine gehörige Portion mit dem Kopf durch die Wand im Spiel - ob mit oder ohne Rückendeckung von wem auch immer (darüber kann man nur spekulieren).

Zur Abwechslung könnte man (Vorstand?) dafür ja in der Tat auch einmal ein Parteiausschlussverfahren einleiten - denn die Mandate kann man ja nicht wegnehmen.

Die AfD sollte mal so langsam die Kurve bekommen - es gibt nach wie vor genug gute Leute dort.

Fenris

23. September 2020 20:35

Der Parteitag war keineswegs banal. Im Gegenteil war er durchaus spannend und außerdem ein Vorzeichen für die späteren, desaströsen Fraktionsstreitigkeiten. Kestner kam aus eigener Kraft nicht über 39,02% Zustimmung, ebenso Guth, die bei 38,46% landete. Beiden Lagern fehlte es reichlich an Stimmen und diejenigen, welche darüber verfügten, waren durchaus nicht geneigt, den Vorsitz allein in eines der Lager zu geben. Das Problem schon hier: Guth wollte mit dem Kopf durch die Wand und stand für eine solche Verständigung schlicht nicht zur Verfügung. Sie nannte es Kungelei. Ich halte es für Politikunfähigkeit.

Bei der angeblich ausgestreckten Hand Kestners handelt es sich natürlich um reine Parteitagsphraseologie. Das Gegenteil war in einem hart geführten Wahlkampf angekündigt und es gab auch deshalb kein solches Angebot, weil Guth den Parteitag direkt nach ihrer Niederlage verlassen hat – mitsamt ihren Unterstützern. Diejenigen, die Kestner ermöglicht und den Parteitag in ihrer Hand hatten, haben ab Platz 3 (Bothe) konsequent gegen dessen Lager gestimmt. Für einen ausgewogenen Vorstand aus beiden Gruppen hätte es gereicht, wenn sich Guths Anhänger nicht beleidigt in Mithaftung begeben hätten. Wer jedoch bei 0:1 vom Platz geht, hat das Spiel nicht verstanden und den Sieg auch nicht verdient.

Jeder in der Partei hätte nun wissen können, wie prekär und hochemotional die Situation in der 9köpfigen Fraktion sein würde, in der Guth bisher mit einer Mehrstimme den Vorsitz innehatte

Fenris

23. September 2020 20:36

Auch und gerade MdL Bothe, dem sie hier unhinterfragt viel Raum für Gesagtes aber leider nicht für Ungesagtes geben. Die Wahrheit ist: Bothe und MdL Lilienthal, wohlgemerkt mit 39,02% Zustimmung im Rücken, sind zehn Tage mit brennenden Forderungen durch die Fraktionsflure gerannt: Die Alte mußte weg! Und hier ist es wahr: „Koste es, was es wolle!“.

So dauerte es nicht lange und sie stießen frontal auf die innerparteilichen Geisterfahrer bekannten MdL Wirtz und Ahrends. Der Rest ist Geschichte. Vier weitere Abgeordnete waren offenkundig nicht in der Lage, die anderen vier einzufangen und so tat Guth, was seit dem „banalen“ Parteitag für jedermann voraussehbar war: Sie reagierte emotional.

Man kann sich nun, wie Sie das hier tun, auf demokratische Pflichten, Regeln und Gepflogenheiten zurückziehen und ja, Sie hätten völlig recht: Sich gegenüber der demokratisch legitimierten Mehrheitsforderung der eigenen Absetzung im Fall des Unterliegens nicht unterzuordnen sondern zu gehen, ist zwar ebenso demokratisch aber natürlich weder der Sache dienlich noch anständig gegenüber den Wählern, Mitgliedern und Angestellten. Es ist insofern unentschuldbar.

Aber: Wem nützt es, hinterher sagen zu können, „theoretisch waren wir im Recht!“, wenn Sie auf drei erkennbar Irre schießen, die andere Menschen mit entsicherten Handgranaten bedrohen? Jetzt liegt der ganze Laden zersprengt am Boden, weil zwei aufrechte Patrioten es nicht aushalten wollen, ein weiteres Jahr Guth zu ertragen.

Zachmann

23. September 2020 21:31

@ Fenris

nein.

Und nun laß' guth sein.

Hartwig aus LG8

23. September 2020 21:58

Ich wäre froh, wenn die AfD auf SiN eine geringere Rolle spielte. Gut das es die AfD gibt. Die AfD ist eine junge Partei; meiner Wählerstimme kann sie sich sicher sein; fast egal, wie stümperhaft sie sich anstellt.

Die Schnellrodaer Flankierung war und ist mir allerdings seit langem suspekt. Klar, "wir" unterstützen den Flügel, und Männer wie Höcke sind uns näher als Meuthen ...

Aber grundsätzlich gebe ich den Ausführungen von @RMH der vergangenen Monate recht: Die AfD gründete sich als wirtschaftsliberale Partei des "gesunden Menschenverstandes in Währungsfragen". Man durfte nicht erwarten, dass sich daraus ohne Federlesen eine rechte Partei entwickelt. Und das Federlesen setzt sich gerade fort. Darüber sollte man sich nicht wundern ... Unterwanderung, Flügelkämpfe, persönliche Feden ... das ganze unappetitliche Programm.

 

Niedersachse

23. September 2020 22:27

@RMH

 

Wer Geld verdienen will, sprengt nicht zwangsläufig eine Fraktion, aber Geld ist - vielleicht auch neben der Eitelkeit - mit Sicherheit auch ein Grund dafür, warum einige überhaupt in die Politik gehen. Als Aussenstehender vermute ich im Falle von Frau Guth und Anhang gekränkte Eitelkeit und "Vergeltungsgelüste" für ihre nicht stattgefundene Wiederwahl. Wirkt auf mich wie ein abgekartetes Spiel. Die Presse stand wie bestellt vor dem niedersächsischen Landtag, kaum dass die drei ihren Austritt aus der Fraktion bekannt gegeben haben.

Mit Ihrem letzten Satz haben Sie vollkommen Recht! Natürlich gibt es in der AfD sogar in der großen Mehrheit vernünftige Leute, unabhängig von der persönlichen Selbstverortung. Und dass die nun arbeitslos gewordenen Fraktionsmitarbeiter von anderen Landesverbänden "aufgefangen" werden, ist zumindest ein Trost.

Niedersachse

23. September 2020 23:29

@Fenris

" Jetzt liegt der ganze Laden zersprengt am Boden, weil zwei aufrechte Patrioten es nicht aushalten wollen, ein weiteres Jahr Guth zu ertragen. "

 

Nein mein lieber Fenris, die drei Abgeordneten hätten sich unabhängig von ihrer Entäuschung und persönlicher Befindlichkeiten in Parteidisziplin üben müssen, alleine schon um Schaden von der Gesamtpartei abzuwenden. Monatlich 100.000 Euro, Tagungsräume und andere Privilegien die eine Fraktion nunmal hat, gehen jetzt erstmal über den Jordan

Franz Bettinger

24. September 2020 02:41

Auch im Saarland tut sich Ungeheuerliches. Vielleicht endet es auch hier mit einer Spaltung der AfD. Nachdem der BuVo zurecht den gesamten Landesvorstand um J. Dörr abgesetzt hat, hat er einen Notvorstand eingesetzt, bestehend aus den Herren Carsten Hütter, Stephan Protschka und Joachim Paul. Dieser Not-V hatte u.a. die skandalösen Vorgänge um Dörr weiter aufzudecken. Das ist geschehen. Es liegt jetzt ein Untersuchungsbericht-Bericht vor. Der Skandal: Der Bericht soll nicht veröffentlicht werden (oder wenn doch, dann erst nach dem anstehenden Landesparteitag vom 4. Oktober. 

Das ist Verschleierung! Das ist bewusste Blindhaltung der demnächst einen neuen Vorstand wählenden Mitglieder. Wem soll das Spiel mit verdeckten Karten dienen? Gewiss nicht der Reputation der AfD. Wenn erst nach dem LPT, d.h. nach der Wahl des neuen Vorstandes bekannt wird, dass Kannibalen (setzen Sie ein anderes Wort ein) gewählt worden sind, wäre das für alle Beteiligten höchst unangenehm. Mehr als peinlich aber wäre es für den Not-Vorstand, der diesen Skandal dann zu verantworten hätte. Denn ihm liegen ja die Verfehlungen gewisser Personen vor, die sich jetzt erneut zur Wahl stellen, als seien sie unbescholten. Das darf nicht sein. Die Mitglieder müssen wissen, wen sie wählen (können). Dazu brauchen die Saarländer den U-Bericht. Theoretisch könnte dieser Bericht Beschuldigte ja auch entlasten. Also her mit ihm! 

Einen entsprechenden Brief habe ich an Mitglieder des BuVo geschrieben. Antwort: (bisher) keine. 

alter weisser Mann

24. September 2020 07:30

Der Niedergang der AFD setzt sich mehr und mehr beschleunigt fort. Da wird wohl nichts mehr aufzuhalten sein. Benedikt Kaiser tritt wie ein Prophet auf den niemand hören will. Die Quittung wird die AFD in wenigen Monaten schon zu bezahlen haben. Auch die Schreier, „wenn wir die Flügel Leute nicht hätten...“ werden Tribut zu zahlen haben. Einige werden ihre Mandate verlieren, mal sehen was sie dann machen werden. Alle die in der AFD auf Veränderungen in diesem Land hofften werden dann wieder neu anfangen müssen. Da das Potential im Volk vorhanden ist geht das Spiel oder soll ich sagen geht der Kampf weiter. 

Gotlandfahrer

24. September 2020 11:32

Alle Systeme, auch parlamentarische, streben nach Homöostase, also Abgrenzung zur Außenwelt bei innerem Gleichgewicht.  Erst Systemtot ist Ruhe.  Wer in einen System-Zirkus eintritt, gerät in wallende Homöodynamik.  Es ist eine Illusion, Demokratie ließe „Opposition“ zu, denn ihr inneres Streben ist gegenläufig.  Der „Flügel“ bildet sein System, während die AfD-Nichtflügler an der Systemgrenze „BRD-Zirkus“ zu „Flügel“ zerrieben werden.  Wie wenig Regeln oder beiderseitige Akzeptanz an sich, also auch außerhalb von Gleichgewichten – und zwischen zweien befinden sich die Nichtflügler – zählen, sieht man an diesen Grenzgängern.  Falsch wäre es, anzunehmen, der Zirkus müsse, da er sich mit „Rechtstaatlichkeit“ schmückt, ein Mindestmaß gegenüber dem Flügel walten lassen.  Mitnichten. Der Zirkus gibt einen feuchten Kehricht auf die nie offiziell abgeschafften Regeln, weil er ein anderes Gleichgewicht angenommen hat.  Wenn „Rechtsstaat“ „Opposition zulassen“ bedeutet, muss jedes System den „Rechtsstaat“ im Sinne seines angestrebten Gleichgewichtes umfunktionieren.  Das System, in dem der Flügel mitspielen will, gibt es so nicht mehr.  Er agiert in einer Phantomumgebung, einer ihm vom Zirkus zwar wortreich bestätigten, tatsächlich aber unwirklich gewordenen Projektion seines eigenen Wunsches nach Recht und Ordnung. Soll man das wollen?

Laurenz

24. September 2020 12:18

@alter weisser Mann

Das, was BK schreibt, diskutieren wir hier auf der SiN schon seit längerer Zeit, im Westen nichts Neues. BK schreibt es eben gekonnt, kurz und bündig auf. Wenn BK ein Prophet wäre, hätte es tatsächlich nie Propheten gegeben. Denn, die Analyse ist "offensichtlich" korrekt.

Das Phänomen eines bedingten Niedergangs interessiert weder in der SPD noch in der CDU irgendwen, der noch ein Mandat besitzt. Das ist also nichts, was nur der AfD eigen ist. Daher ist es auch falsch, nicht wählen zu gehen, da Nicht-Wähler durch vorhandene Wähler repräsentiert werden.

Uwe Lay

24. September 2020 13:00

Spaltung der AfD

Hat Meuthen nicht mit seinem Spaltungsversuch klar gestellt, daß er und sein Flügel lieber die Einheit der Partei aufgeben als daß sie weiter ein nationalconservatives Lager in der Partei tolerieren wollen! Ist das nicht nun in Niedersachsen praktiziert worden? Ob so eine gewichtige Aktion ohne eine Absprache mit "Oben" vollzogen worden ist, ist doch schwer vorstellbar.

Fenris

24. September 2020 13:15

@ Niedersachse: "die drei Abgeordneten hätten sich unabhängig von ihrer Entäuschung und persönlicher Befindlichkeiten in Parteidisziplin üben müssen, alleine schon um Schaden von der Gesamtpartei abzuwenden"

Hätten sie, haben sie aber nicht. Das ist unverzeihlich, war aber vorauszusehen.

Sie können als vernunftgesteuerter Verkehrsteilnehmer nur dort die zulässige Höchstgeschwindigkeit vornehmen, wo erkennbar keine kleinen Kinder, gebrechliche Alte oder drei Verrückte mit entsichertem Verhaltensmuster über die Straße torkeln. Entweder bremsen Sie rechtzeitig oder Sie umfahren das Hindernis. Jeder erwartet das von Ihnen.

Erzählen sie das mal einem Richter, wenn sie auf Ihr Recht bestanden und es zum folgenreichen Unfall gekommen ist.

Maxx

24. September 2020 14:42

Ist der Fall Guth nicht eher auf eine typisch weibl. Trotzreaktion zurückzuführen, ähnlich wie damals bei F. Petrys Rückzug? In Bedrängnis reagieren Frauen oft übertrieben emotional und neigen dazu, eine Niederlage als persönliche Ablehnung aufzufassen. Sie haben oft eine verzerrte Selbstwahrnehmung und überschätzen sich, neigen zur Rachsucht und wollen ein missglücktes Engagement mit einem Paukenschlag beenden, verbrannte Erde hinterlassen: "Was erlauben die sich? Wenn die mich als Chefin nicht anerkennen, soll doch gleich alles zum Teufel gehen."
Sachliche Konstellationen werden eher an persönlichen Sympathien und Antipathien festgemacht (vgl. Petry, bei der jeder in ein naives Freund-Feind-Schema eingeordnet wurde), nicht an Parteizielen o. nüchternen Bewertungen. Frauen handeln stärker aus dem Herzen heraus, um Machthunger zu befriedigen und suchen sich zu diesem Zwecke schwache, beeinflussbare männl. Unterstützer. Man schaue sich Merkel an, die in all den Jahren nur schwache Männer um sich geschart hat; sinngemäß erklärte sie trotzig: "Nun sind sie halt da. Mir doch egal, wenn ich daran (Grenzöffnung) schuld bin/sein soll."
Und kaum jemand wird leugnen, dass die bevorzugte innerparteiliche Wahl oder Listensetzung von Frauen ursächlich meist dazu dient, eine junge Partei als progressiv und modern darzustellen. Solch ein Schuss geht zuweilen nach hinten los. Dennoch ist kaum zu leugnen, dass der Fisch vom Kopf her stinkt.

tearjerker

24. September 2020 15:16

„Sie ist aus eigenem Verschulden auf dem Weg zur Splitterpartei.“ Bälle flach halten. Augenblicklich wird gesellschaftlicher Notstand gelarpt. Da ist es schwierig Gehör zu finden, wenn gleichzeitig die Mitglieder einer Partei durch den Apparat und seine Schläger bedroht werden, der Laden von diversen Diensten unterwandert ist und hinter der Kulisse Angebote an die schwächsten Personen gemacht werden. Ein guter Augenblick um sich zu streiten. Die grossen Themen und das Kartenhaus, das um den Zusammenbruch geradezu bettelt, bleiben ja erhalten.

Mboko Lumumbe

24. September 2020 15:32

Meuthen war mir mal sympathisch und ich habe gedacht „der kann Kanzler“. Doch das ist vollständig aus und vorbei, er ist der Falsche an der Spitze der AfD. Er kann gerne weiter gewöhnliche Parlamentsarbeit leisten, so wie viele andere in der Partei auch. Und er darf auch gerne seine radikal-liberalen Vorstellungen einbringen und zur Diskussion stellen, man muss sie ja nicht umsetzen. Doch andere sollen eben auch deren konservative und sozialpatriotische Vorstellungen einbringen können, ohne deswegen Anfeindungen bis hin zum Parteiausschluss befürchten zu müssen.

Wenn Meuthen keine innerparteiliche Demokratie aushalten und zulassen kann (ähnlich wie Lucke), so muss er woanders sein Politglück suchen. Er hat es ja vorgemacht und das wär ja nichts neues: Lucke – Petry – Meuthen?

Und der Name Meuthen steht hier auch quasi symbolisch für den Flügel der selbsternannten „Alternative Mitte“. Von wegen „Mitte“, deren Radikalität und Extremismus wurde wieder mal offensichtlich durch die Fraktionsspaltung.

Slentz

24. September 2020 21:13

@Maxx

Naja, ich möchte hier nicht rumsimpen, aber Ihre Argumentation überzeugt mich nicht wirklich, zumindest nicht in dem allgemeinen Geltungsanspruch, in dem Sie sie formulieren.  Männer können ziemlich ähnlich emotional reagieren (ein Beispiel wäre Kalbitz' Schlag). Und wenn sie einige Zeit in einer Partei verbracht haben, werden sie sehen, dass es unter den Männern auch diese seltsamen Animositäten, Rachegelüste und "wenn ich erstmal am Ruder bin dann..."-Mentalität gibt. Ich glaube das Parteiwesen an sich zieht einfach einen gewissen Typus Mensch an und formt diesen auch aus. Kleine Anekdote: Ich wollte einem jungen AfD-Funktionär das Kaplaken "Blick nach links" von Kaiser schenken und er hat es mit den Worten "diesen Schnellroda Kram lese ich aus Prinzip nicht" abgelehnt. 

Zachmann

24. September 2020 21:52

@ Slentz

So kenne ich uns seit sieben Jahren:

Kleinstbürgerhabitus, Intellektuellen-/Theorie-/Strategiefeindlichkeit, "Aber eins sind wir nicht: links!" (Paul Hampel), "BÜRGERLICH! Nicht mit dem Kampfschuh ins Parlament eingezogen...sondern pragmatische Politik für Zahnärzte und Versicherungsvertreter!" (Dana Guth, bisschen...verdichtet), etc., etc.

Die Arbeiten von Kaiser zeigen m.E. die einzige Erfolgsperspektive auf.

 

Maxx

24. September 2020 22:04

@Slentz, ja, stimmt auch wieder. Fällt mir schwer, Ihnen da zu widersprechen.
Vielleicht ist es ja auch gerade der "effeminierte" Männertyp, der im Parteienspiel ohne Ball reüssiert ...

Slentz

24. September 2020 23:31

@Zachmann

Ja, Kleinstbürgerhabitus trifft es ganz gut. Am meisten stört mich ja nicht mal, dass so viele intellektuelle und persönliche Defizite vorliegen, daran könnten die Mitglieder/Funktionäre ja arbeiten (seltsam übrigens, dass man innerhalb der AfD die Transformation zur Kaderpartei nicht mal als Option sieht), sondern die Tatsache, dass überhaupt keine Versuche unternommen werden, diese anzugehen. Im Gegenteil, man verwechselt sie mit Tugenden und betrachtet sie als Ausweis einer besonderen "Bodenständigkeit" und Distanz zum "Politikbetrieb". Wozu das führt, kann man eigentlich seit der Parteigründung immer wieder neu beobachten. 

Ist letztlich aber auch schon hundertmal beschrieben, kritisiert und beklagt worden.

Laurenz

25. September 2020 09:16

@Maxx

Das haben Sie recht gut erfaßt, obwohl wir sicherlich auf bei Frauen Ausnahmen finden werden, wie überall. Aber grundsätzlich läßt sich feststellen, das Frauenwahlrecht, existent seit ca. 100 Jahren, hat 0 gebracht, eher läßt sich weniger Ratio feststellen. Wenn Frauen ehrlich zu sich selbst wären, sollten sie für die Abschaffung stimmen. Außerdem haben Frauen Macht über Männer, insofern sind sie auch ohne Wahlrecht am Entscheidungs-Prozeß beteiligt.

Frauke Petry kam bei Veranstaltungen nie mit den lokalen Organisatoren der AfD in Kontakt. Sie hielt ihren Vortrag und verschwand dann wieder. Das ist zwar legitim, aber für einen Politiker kein günstiges Verhalten. Unterstützer wollen auch Beachtung finden, das ist einfach menschlich. Schon im März 2016 zu Stuttgart, hatte die Hybris bereits von Frau Petry Besitz ergriffen, quasi die Merkelianisierung eines früher normalen Menschen.

RMH

25. September 2020 13:03

Gerade meldet SPON, dass jetzt auch die Fraktion im Landtag von Schleswig Holstein geplatzt ist, weil ein AfD Abgeordneter diese verlässt ...

Was ist nur mit der AfD los ...

tearjerker

25. September 2020 14:04

„Was ist nur mit der AfD los ...“

Nochmal: Drohungen, Gewaltausübung, Zersetzungsmassnahmen, Unterwanderung, Angebote. Am Ball bleiben.

Lotta Vorbeck

25. September 2020 14:56

@RMH - 25. September 2020 - 01:03 PM

Was ist nur mit der AfD los ...

---

Der "gärige Haufen" geht auf Abschiedstournee.

Finale am 24. Oktober 2021.

Eintrittskarten gibt's an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

RWDS

25. September 2020 15:01

AfD ist für mich mittlerweile so gut wie gestorben. Das sind eindeutig zuviele U-Boote. Die Unterstützung einer Cuckservative-Partei kann ich mit meinem Gewissen jedenfalls schwer vereinbaren. Hier in der Hood (43,9% Stimmen zur Bundestagswahl 2017) ist mittlerweile wieder NPD-Werbung im Briefkasten.

Der Aufbruch ist vorbei, wie es scheint. In Zukunft werden NPD, Rechte, III. Weg ein paar Stimmen abgraben und die AfD bleibt bedeutungslos.

Millenius

25. September 2020 15:29

Jetzt berichtet der NDR, dass der Landesvorstand der AfD-Niedersachsen Guth und ihre zwei Getreuen zu einem Versöhnungsgespräch geladen haben soll.

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/AfD-Vorstand-laedt-Guth-zu-Versoehnungsgespraech-ein,afd2624.html

Ich halte das für fatal. Nicht nur weil Guth die Fraktion gesprengt hat -ein Akt von kaum mehr übertreffbarer Rücksichtslosigkeit, sondern auch aus anderen Gründen.

Guth ist einfach keine Rechte oder Konservative.

Sie scheint keine weltanschaulich-gefestigte politische Gesinnung zu haben; keine weltanschaulich gefestigte Vision für Deutschland, für das Sie kämpft und hinarbeitet.

Ich habe bis jetzt noch keine tiefgründige Rede von Guth gehört. Keine Rede, in der sie Entwicklungen zugespitzt auf den Punkt gebracht hätte. Keine Rede, in der sie das Machtkartell, dessen Ziele oder Machterhaltungsmechanismen analysiert hätte.

Fortsetzung folgt...

Millenius

25. September 2020 15:30

Fortsetzung .... 

Frau Guth scheint gar nicht begriffen zu haben, in welcher existenziellen, existenzbedrohenden Lage wir uns befinden, dass es heute um nichts weniger geht als um alles oder nichts, um Leben oder Vergehen, um Sein oder Nichtsein. Dass es mittlerweile um die Frage geht, ob es auch noch in Zukunft Deutsche gibt, oder ob die Deutschen von der Bühne der Weltgeschichte abtreten werden.  Und weil sie es nicht begriffen hat, kann es sie es natürlich auch nicht gegenüber den Massen vermitteln.

Es gibt ein erhellendes Zitat von Guth, das von einem ihren Unterstützern verbreitet wurde, und vielleicht mehr über ihre politisches Denken aussagt als längere, tieferen Analysen.

Laut Klaus Kelle antwortete Frau Guth ihm auf seine Frage, was sie politisch erreichen wolle:  „Ich will in Ruhe meine Arbeit und etwas (sic!) für mein Land tun.“ (Quelle) 

– Guth will also "etwas" für ihr Land tun - "Etwas". Deutschland wird in wenigen Jahren schon Geschichte sein und die Deutschen nur noch Minderheit im eigenen Land und Frau Guth gedenkt, "etwas" für das Land zu tun. 

Gelddrucker

25. September 2020 17:29

@RWDS:

Sie spielen dem Gegner in die Hände. AfD muss gewählt werden, es spielt keine Rolle was passiert. Wenn die Wahl 2021 nicht mindestens stabil wird, werden wieder einige Widerständler abwandern. Wer nicht AfD wählt, weil "cuckservativ" oder weil er sich zu elitär vorkommt, oder aus sonstigen Gründen, spielt dem Gegner in die Hände.

Gracchus

25. September 2020 20:24

Ich hatte nach Hören des letzten Podcasts angenommen, SiN wollte sich aus parteipolitischen Zänkereien heraushalten. Nun ja ... Wäre ich grundsätzlich von der AfD überzeugt, würde ich solche zwar überflüssige, aber nie ausbleibende Querelen mit Gleichmut hinnehmen - und nicht irgendetwas mit "letzte Chance" hyperventilieren. Es wäre traurig und eigentlich ein Kondolenzanlass, wenn die Existenz des deutschen Volks und der deutschen Kultur von der AfD abhingen. 

Dietrichs Bern

25. September 2020 21:13

Naja, Meuthen oder nicht, die Auftritte von Herrn Höcke, Herrn Gauland oder Herrn Kalbitz, waren auch nicht dazu angetan, Otto Normalwähler zu überzeugen, hier nicht doch fiese Rechte vor sich zu haben, wie ihm die Presse den ganzen Tag erzählt.

Und Leute, die angesichts wirklich dramatischer Verhältnisse, nicht mal eine Fraktion zusammenhalten wollen, was ist an denen bitte patriotischer als Herr Habeck? Letztlich wird Politik niemanden retten.

limes

25. September 2020 21:16

@ Laurenz: »Wenn Frauen ehrlich zu sich selbst wären, sollten sie für die Abschaffung [des Frauenwahlrechtes] stimmen.«

Ihre goldenen Worte schreibe ich mir nicht auf, jedoch erwecken Sie den Eindruck, ein aktives Mitglied der AfD zu sein. Jener AfD, die möglicherweise ein Problem mit mir hätte, wenn ich Sympathien für Standpunkte der IB äußere; jener AfD, die ein ellenlanges Register von Unvereinbarkeiten vor sich herträgt.

Und da hauen Sie solche Steinzeitsprüche raus? Hm …

Sicher bin ich das Gegenteil von einer »Emanze«, aber eine solche Wortmeldung befremdet mich sehr und ist mit meinem Rollenverständnis, mit meiner Identität als deutsche Frau unvereinbar.

Hartwig aus LG8

25. September 2020 22:13

@Gelddrucker

"" AfD muss gewählt werden, es spielt keine Rolle was passiert. ""

 

Sehe ich 100 Prozent genau so!

Ich gehöre eigentlich sogar zu denen, die Andreas Popps oder Alexander Wagandts Argumentation des "Nichtwählens", des "sich Nicht-Beteiligens" intellektuell folgen können. Aber rein gefühlsmäßig muss ich wählen; ... Selbstverständlich AfD!

Gegen Dritter Weg, NPD etc, aber auch gegen AfD kann man inhaltlich viele Vorbehalte äußern. Aber letztere ist einfach aus arithmetischen Gründen vorzuziehen.

Die AfD ist zwar keine echte Alternative, aber wahltechnisch dann doch alternativlos (sic).

Stand: September 2020; vielleicht muss man ja doch irgendwann umdenken.

Gotlandfahrer

25. September 2020 23:04

@Gelddrucker

Ihren Ansatz verstehe ich. Aber er unterstellt, dass im Parlament noch alles gut werden kann. Dass man nur auf 29% kommen müsse, um endlich nicht mehr ausgegrenzt werden zu können. Aber wenn die AfD auf 29% kommen könnte, wären wir nicht da, wo wir sind. Bzw wenn sie auf 29% kommt, wäre die AfD auch keine Hilfe mehr. Das Problem ist doch das kaputte Bewusstsein der Menschen.  Die AfD muss national auftreten oder sie ist sinnlos. Dort wo sie sinnlos ist, braucht man sie nicht wählen. Wenn Sie sie dort wählen, wo sie nicht explizit national ist, schwächen Sie die nationale Selbstbestimmung. Geben Sie der AfD die richtigen Belohnungssignale: National = Wahl, Nicht national = Keine Wahl. 

Lotta Vorbeck

25. September 2020 23:21

@Hartwig aus LG8 - 25. September 2020 - 10:13 PM

"Ich gehöre eigentlich sogar zu denen, die Andreas Popps oder Alexander Wagandts Argumentation des "Nichtwählens", des "sich Nicht-Beteiligens" intellektuell folgen können."

---

Ja dann spinnen Sie den Faden doch mal weiter: Wäre es wirklich undenkbar, daß die AfD installiert worden ist, damit Sie @Hartwig aus LG8, getriggert von diesem völlig wirkungs- und seelenlosen Pappkameraden, sich weiterhin "beteiligen"?

GuntherManz

26. September 2020 06:54

Ich werde die AfD weiterhin wählen, da alternativlos (Merkel). Wenn einige unsichere Kantonisten die Partei verlassen, ist das nur gut.

Arrow

26. September 2020 09:55

@limes

25. September 2020 21:16

@ Laurenz: »Wenn Frauen ehrlich zu sich selbst wären, sollten sie für die Abschaffung [des Frauenwahlrechtes] stimmen.«

Bedenken Sie doch bitte, wie ungerecht es wäre, wenn Frauen die Männer kraft ihrer Stimmabgabe in einen Krieg schicken könnten, ohne selbst kriegsdienstpflichtig zu sein. Wehrpflicht für Männer und Frauenwahlrecht passen nicht zusammen.

Lotta Vorbeck

26. September 2020 11:57

@limes - 25. September 2020 - 09:16 PM

an @Laurenz: "Ihre goldenen Worte schreibe ich mir nicht auf, jedoch erwecken Sie den Eindruck, ein aktives Mitglied der AfD zu sein. Jener AfD, die möglicherweise ein Problem mit mir hätte, wenn ich Sympathien für Standpunkte der IB äußere; jener AfD, die ein ellenlanges Register von Unvereinbarkeiten vor sich herträgt."

---

"Sie kann sich warm anziehen. Wir werden sie jagen, wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen."

---> Alexander Gauland am 24.09.2017

Der Ball lag auf dem Elfmeterpunkt ...

... für den Ball interessierten sie sich nicht, begannen damit, sich gegenseitig zu jagen.

Laurenz

26. September 2020 12:31

@limes

Ich stehe vom Denken her den Identitären wohl näher als der AfD, ich bin nur zu alt, um ein Identitärer zu sein. Und machen Sie mich schlau, gibt es Alt-Identitäre, wo kann ich mich anmelden? Und wenn ich steinzeitlich schreibe, befremdet mich das ebenso, wie Sie. Ich, persönlich, habe auch nichts gegen Frauen als Vorgesetzte, mehrfach erlebt, alles gut.

Nur, auch Sie, limes, haben gekniffen, den wesentlichen Punkt meines Beitrags zu beantworten, eben weil Sie Sich nicht! mit dem politischen Wesen der Frau historisch und zeitgeistig auseinander gesetzt haben. Sie wissen also selbst nicht, was Sie sind. Und dann wollen Sie mit mir debattieren? Aber gerne doch.

Beantworten Sie doch die Frage, "was haben uns 100 Jahre Frauenwahlrecht gebracht?"

Die Antwort gebe ich Ihnen jetzt schon, nämlich: Weimarer Verhältnisse, Nazi-Deutschland, besetzte "deutsche Republiken", und Frauen in deutscher Politik weisen nicht gerade eine Erfolgs-Geschichte auf. Mit Verlaub, man könnte auch kurz & bündig formulieren,

Frauenwahlrecht hat uns einen Scheiß' gebracht.

Und Ihr Ausdruck meines ewig gestrigen Ansatzes oder eines womöglichen Macho-Daseins stimmt also nicht. Aktuell sind Frauenrechtler*innen ewig gestrig, steinzeitlich, gähnende Langeweile, die Frustration eines unnatürlichen Daseins. Männerrechtler sind, wenn, die Avantgarde des Neuen.

Gelddrucker

26. September 2020 13:55

@Gotland fahrer

 

Und die psychologische Komponente?

Sie sehen doch hier am Forum, welche Effekte einzelne Wahlen auf die Psyche der Leute haben.

Nach den erfolgreichen Wahlen im Osten Aufbruchstimmung

Nach einer schlechten Hamburgwahl oder unbedeutenden Kommunalwahl in NRW Defätismus.

 

Darum egal wie die AfD gerade drauf ist, sie muss gewählt werden. Wenn sie bei 30% ist und cuckservativ muss sie von innen verändert werden.

Gotlandfahrer

26. September 2020 16:43

@ Gelddrucker:

Stützen Sie nicht eher mein Argument? Euphorie brach aus, weil im Osten mit nationaler Ausrichtung gepunktet wurde. In Hamburg habe auch ich nicht AfD gewählt, weil die AfD dort nicht national und somit unerheblich ist. Wenn eine Wischiwaschi AfD 30% holte - was sie nie könnte - wäre es kein Grund zur Euphorie. Unsere Euphorie hängt zuerst daran, ob da überhaupt jemand ist, der noch deutsche Interessen vertritt. Eine erstmal durchgecuckte AfD dreht man nicht mehr.

heinrichbrueck

26. September 2020 16:52

@ Laurenz

Die Mediendemokratie funktioniert auch ohne Frauenwahlrecht. Das Wahlrecht ist das Problem, nicht die Geschlechter. Warum sollte ein demokratisches System, Frauen vom Wahlritual abhalten? Das Prinzip der Demokratie, ungestört die Politik machen zu können, die man durchführen will, während man sich von demokratischen Wählern dafür die Legitimation holt und sagen kann: Wie bestellt, so geliefert. Eine Minderheit kann das demokratische System nicht aushebeln, auch die Demokratieregeln nicht ändern. Sie erkennen, daß die durchgeführte Politik bösartig ist, uns Deutschen gegenüber (also auch den Frauen + Männern); ohne sich selber einzugestehen, daß die ganze Demokratie wütend macht. 

limes

26. September 2020 17:11

@ Arrow »Bedenken Sie doch bitte, wie ungerecht es wäre, wenn Frauen die Männer kraft ihrer Stimmabgabe in einen Krieg schicken könnten, ohne selbst kriegsdienstpflichtig zu sein …«

Das gilt es gewiss zu bedenken. Jedoch betreffen politische Entscheidungen immer das ganze Volk: Frauen und Männer, alt und jung. So zum Beispiel das Eherecht, das Erbrecht und vieles mehr. Darüber hinaus findet – heute mehr denn je – ein Krieg nicht nur an der Front statt.

Und vor allem: Sollten Frauen für einen Krieg stimmen, so schicken sie ja auch ihre Söhne in den Krieg! Wenn Sie wissen, was ein Mutterherz ausmacht, so mag Sie dieses Argument noch mehr überzeugen als der Umstand, dass der Geliebte oder der Familienvater und Ehemann und der Bruder einer Frau in den Krieg ziehen muss.

Auch an meinem verstorbenen Vater hing ich sehr, so dass die Vorstellung, den alten Mann womöglich in einen Opfergang zu schicken, ebenfalls herzzerreißend gewesen wäre.

Könnte es sein, dass in einem Winkel Ihres Herzens die moderne Vorstellung sich eingenistet hat, wonach Frauen und Männer angeblich gegeneinander wirken und nicht in inniger Verbundenheit?

limes

26. September 2020 17:18

@ Lotta Vorbeck

Ja, das ist der Punkt, um den sich die ganze Debatte hier dreht.

Dabei ist das Establishment gerade dabei, sich ein Eigentor zu schießen.

Und die Bürger, die jetzt merken, dass »da etwas faul« (gerade heute so gehört von einer bis zu Corona sehr erfolgreich Selbstständigen, deren Existenz nun bedroht ist) ist, brauchen doch so dringend die Alternative für ihre Wahlentscheidung!

limes

26. September 2020 17:35

@ Laurenz

Ach nee, und vor dem Frauenwahlrecht herrschten Friede, Freude und Gerechtigkeit?

An allem nur die Weiber schuld?

Und bevor wir Frauen wählen durften, konnte man – wenn etwas schief ging - immerhin fündig werden, indem man dem Ratschlag folgte: »Cherchez la femme«?

Und wenn Sie argumentativ schwach auf der Brust sind, stopfen Sie mich einfach in die Blaustrumpf-Schublade, in die ich definitiv nicht gehöre … Weshalb Frauen in Führungspositionen nicht gerade mein Lieblingsthema sind; sehr komplex jedenfalls, das Thema, und es sollte an Bedeutung kräftig verlieren, wenn in besseren Zeiten die zwanghafte Ökonomisierung aller Lebensphasen einer Frau und die unsäglichen Quoten Geschichte sind.

Niedersachse

26. September 2020 19:39

@Laurenz   @Limes

Das Debattieren über das Frauenwahlrecht ist bei Lichte betrachtet total überflüssig. Sicher ist es unstreitig, dass Frauen - im Großen und Ganzen - eher emotional und gefühlsbetont Entscheidungen treffen und ganz allgemein anfälliger sind für politische Propaganda, als Männer. Das sieht man ganz deutlich an den Klima- und Pro- Asyldemonstrationen, wo der Mädchen und Frauenanteil überproportional stark ist. Nur, das gilt aber bei weitem nicht für alle Frauen wie man hier im Forum feststellen kann. Und selbst wenn es theorethisch  belegbar wäre, dass das Frauenwahlrecht unserem Land nicht guttäte, gibt es überhaupt keine Möglichkeit, dies politisch umzusetzen. Nein, das ist im Grunde "Schwall ins All", das zu gar nichts führt. Viel wichtiger wäre es, einen gesellschaftlichen Stimmungsumschwung, einen Mentalitätswechsel zu forcieren. Die bedrückende Schicht aus Phrasen, politischer Korrektheit und Denkschablonen muss im Volk Stück für Stück abgetragen werden - und zwar bei Mann und Frau! Eigenständiges Denken und "Mut zur Wahrheit" müssen gefördert werden. Dieser Prozeß ist in Mitteldeutschland leichter realisierbar und weiter fortgeschritten, als im Westen. Ich hoffe jetzt natürlich das Jens Kestner - den ich auch gewählt habe - die AfD Nds vorantreibt und ein Signal des Aufbruchs gibt. Denn den brauchen wir dringender als je zuvor...

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