13. Oktober 2020

Erfolglose Belagerer, Selbstretter, Akzeleration

Martin Sellner / 60 Kommentare

In Götz Kubitschek Buch „Provokation“, das für viele meiner Generation prägend war, findet sich eine einprägsame Metapher.

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Die Rede ist von der „Rolle des erfolglosen Belagerers.“ Kubitschek führte sie in einem Vortrag folgendermaßen aus:

Man kann in der Rolle des erfolglosen Belagerers heimisch werden, und ich möchte sagen: Diese Rolle ernährt seltsamerweise ihren Mann, und das ist verlockend und hat furchtbare Konsequenzen (…)

Sich in einer rentablen Protestsimulation einzurichten und an der imaginären Front primär die Nachschublieferungen zu verwalten, ist tatsächlich die äußerst mögliche Verfallsform des Widerstands. Auch Sieferle beschreibt in seinem „Epochenwechsel“ (zu dem gerade ein digitaler Lesekreis stattfindet) eine ähnliche Dynamik. Nach ihm weist die „systemische Gesellschaft“ eine absolute Revolutionstoleranz auf, die jeden aktiven Widerstand gegen sie zur eigenen Stabilisierung nutzt.

Das hat Konsequenzen für die Aktivisten:

Sie werden bald lernen, daß sie mit solchen Programmen grundsätzlich zu kurz greifen und sich nur noch in Nischen des politischen Narrentums und der Sektiererei, des Terrorismus und der Phantastik ansiedeln können. Wenn sie aber bemerkt haben werden, daß ihre Aktionen die Systeme nicht mehr erreichen, sondern lediglich Störungen anrichten, die von diesen abgepuffert und verarbeitet werden können, so werden sie sich vielleicht daraufbeschränken, von vornherein nur noch zu stören, ohne diese Störung als Politikversuch im traditionellen Sinne mißzuverstehen. (Sieferle: Epochenwechsel, S. 236)

Diese tragikkomischen Widerständler werden

noch ganze Serien der Erfolglosigkeit, der Verbitterung und der Verzweiflung zu durchlaufen haben, bis sie dorthin gelangen, wo das dionysische Individuum, das sich die Ohren mit dem Walkman verstopft und zugleich öffnet, heute schon steht: zur Anerkennung der Tatsache, daß in der systemischen Welt eine gelungene philosophische Letztbegründung, eine elegante Diskursethik, ein umfassendes Weltrettungsprojekt oder eine Bibliothek offenbarter Wahrheiten nicht mehr wert sind als ein gut gemachter Videoclip. Vielleicht wird man sich aber damit trösten können, daß sie auch nicht weniger wert sind. (Sieferle: Epochenwechsel, S. 237)

Die „vitalen Rebellionen“ werden nach Sieferle zu machtlosen, maximal störenden Gesten des Widerstands. Es geht nur darum, einen Zipfel an Aufmerksamkeit zu erhalten, die einem die eigene Existenz bestätigt. Tatsächlich stabilisiert dieser ziellose Pseudo-Widerstand, ob in Form des ohnmächtigen Terrors oder des folgenlosen Protests, die systemische Welt, gerade durch seinen scheinbaren Störfaktor:

Ihr Wunsch, die Systeme zu verflüssigen, schlägt in sein Gegenteil um. Den Systemen werden neue Ebenen eingezogen, ihre Komplexität wird gesteigert, was ihnen eine Zähigkeit verleiht, welche weit über das hinausgeht, was zuvor der Fall war. (Sieferle: Epochenwechsel, S. 236f)

Tatsächlich können wir nicht umhin eine gewaltige Fähigkeit des westlich-liberalen Wohlfahrtsstaates zur Einbindung, Kommerzialisierung und Nutzbarmachung extremistischer Bewegungen feststellen. Während die fragile DDR jede Form einer offenen Rebellion (vom Rocker  über Hippies bis zu Skinheads) unterdrücken mußte, konnte es sich die BRD „leisten“, all diesen Gruppen einen unterschiedlich großen Spielraum zu gewähren. Ja sogar der bewaffnete marxistische Aufstand der RAF in der BRD und der „weathermen“ in den USA änderte nichts an dieser Permissivität.

Der westliche Liberalismus duldete mit mütterlicher Langmut die extremistischen Bocksprünge politischer und kultureller Randgruppen. Am Ende wurden sie gar zu Garanten und Beweismaterial seines Meinungspluralismus und seiner „Buntheit“. Jede westliche Großstadt, die etwas auf sich hält „leistet“ sich heute ein linkes Hausprojekt, wie ein feudaler Schloßherr eine Schmuck-Eremitage. Das Erfolgsrezept der systemischen „Antifragilität“  lautet: maximale Duldung durch ideologische Indifferenz bei gleichzeitig maximaler Wohlstandssteigerung, Vermarktung und Kommerzialisierung.

Diese Strategie rottete extreme Ideologien gründlicher aus als die offene Repression des Kommunismus. Die Binsenweisheit, daß die postsowjetischen Länder viel patriotischer, konservativer und religiöser sind, als der liberale Westen, beruht auf der Fragilität und der damit verbundenen offfenen Repression des Sozialismus.

Die Frage für uns als „Metapolitiker“ lautet: Inwieweit betreffen Sieferles Analysen den neurechten Widerstand. Trifft zu, was er sagt, so wäre eine Rolle als erfolgloser Belagerer nicht nur erbärmlich und parasitär, sondern sogar schädlich und systemstabilisierend.

Nehmen wir Kubitschek Metapher beim Wort und überlegen uns, welchen Nutzen ein offensichtlich harmloses, feindliches Feldlager vor der Stadt für deren Herrscher haben könnte. Die nackte Präsenz des Feindes „ante Portas“ wäre der ständige Grund, die Stadt im Belagerungszustand zu halten. Sie wäre die Rechtfertigung für die innere Überwachung und ebenso für den Erhalt des äußeren Schutzwalls.

Rasch wird uns klar, was diese metaphorische Ebene in der Realität bedeutet könnte. Die hysterisch übertriebene „Gefahr“ von Rechts, der „brown scare“, die als das extrem Andere, Äußere und Barbarische stilisiert wird, dient der „Friedensvolksgemeinschaft gegen Rechts“ als ideologischer Kitt. Die Bewältigungsindustrie braucht ihre rechtsextremen Schmuckeremiten als Anschauungsmaterial, ebenso wie die das Politkartell sie als Abschreckungsobjekte benötigt.

Gerade da, wo Rechte sich über übergroßes, unverhältnismäßig lautes Medienecho ihrer kleinen Aktionen freuen, dienen sie, nach dieser Interpretation, eigentlich den herrschenden Verhältnissen. Sie leben in einem gut umzäunten, überwachten und von V-Männern durchseuchten „Szenetierpark", den sich der ideologische Staatsapparat als Reservoir hält.

„Wandelnde Mahnmahle gegen Rechts“, nannte ein Nachrichtensprecher einmal rechte Skinheads und verriet damit mehr als er ahnte und wollte. In ritualisierten, periodisch wiederkehrenden „Schlägen gegen die rechte Szene“ wird ein unglückliches Opfer aus dem Gehege gezogen und öffentlichkeitswirksam hingerichtet, um gleichsam für die Erbschuld der ganzen Gesellschaft zu büßen.

Nils Wegner, der hierzulande bekannteste Vertreter und Erklärer des Akzelerationismus (den er klar von Gewalt und Terror abgrenzt), pflichtete Sieferele bei. Die „Crux der Sache für die Dissidenz – ob nun »neurechter« oder sonstwelcher Art“, sieht er darin, daß

alle versuchte Einflußnahme auf »den Diskurs«, aller Aktionismus und jede »Provokation« unter den gegenwärtigen, gänzlich marktbestimmten Bedingungen öffentlicher Kommunikation nur in eine »Simulation«

münden könne. Sein Ratschlag, sich von Medienmechanismen zu „entkoppeln“ und "positive Feedbackschleifen“ zur Steigerung der Widersprüche im bestehenden System zu schaffen, bleiben jedoch abstrakt. Konkret empfiehlt Wegner:

Das System ist darauf ausgelegt und entsprechend gehärtet, um solchen Angriffen zu widerstehen. Wenn ihr versucht, es umzustürzen, dann wird es euch töten. Ob nun mittelbar oder unmittelbar. Und sehr wahrscheinlich auch eine ganze Menge Leute, mit denen ihr zu tun habt. Findet euch damit ab. Konzentriert euch besser auf eure eigenen Familien und Gemeinschaften, um selbst eine gewisse Resilienz aufzubauen.

Dieser Ratschlag ähnelt Caroline Sommerfelds Strategem der Selbstrettung. Auch das neueste Buch von David Engels Was Tun weist eine Schlagseite in diese Richtung auf. Zusammengefaßt könnte man diese Haltung so beschreiben: Im Rahmen des Bestehenden ist es absolut unmöglich, mittels Tat und Organisation Wesentliches zu verändern. Im Gegenteil: Offene widerständige Akte stärken das System. Sie setzen das eigene Potential der Repression aus und geben es der Vernichtung preis. Stattdessen sei möglichst schonender, latenter Aufbau von Kräften, Strukturen, und Ressourcen das Gebot der Stunde. Die eigene Position soll strukturell untermauert und ideologisch verfeinert werden, um die derzeitige Phase möglichst schadlos zu „überwintern“.

Ich selbst stimme weder der Analyse unseres Systems als total antifragil noch der Konsequenz daraus zu.

Die oben skizzierte wirkungslose bis kontraproduktive Rolle des erfolglosen Belagerers ist in meinen Augen eine ständig drohende, aber nicht unausweichliche Verfallsform des rechten Lagers. Wenn es sich als Szene versteht und statt auf Strategie, Disziplin und Kampf um Macht, auf Ästhetik, Exzess und "Kontrolle des eigenen Kiez“, setzt, kurz zu einer existenzialistischen Erlebniswelt wird, wird es zum systemstabilisierende Erlebnispark.

Eine andere mehr als nur störende Form, die Johannes Poensgen als „antifragiler Widerstand“ beschreibt, ist meiner Meinung nach möglich. Ich will hier primär ihre Möglichkeitsbedingungen beschreiben und darlegen, warum ich das System für durchaus fragil halte. Meine Vermutung ist, daß die Analyse der Antifragilität und repressiven Toleranz des westlichen Liberalismus vor allem eine Erfahrung neomarxistischer Denker ist. Sie entstammt einer Erfahrung des realpolitischen Scheiterns trotz maximaler Mobilisierung und Kraftanstrengung.

Tatsächlich war das Ergebnis der Mobilisierung der gigantischen revolutionären Widerstandmasse der Linken (von dem Nachkriegsrechte nur träumen konnten) nicht viel mehr als der Kulturbruch hin zum "dionysischen Individuum“, das Sieferle beschreibt. Dieses wollte alles, nur keinen marxistischen Arbeiterstaat.

Das Ergebnis von SDS, RAF und APO sind institutionalisierte Demorituale, staatlich subventionierte „autonome“ Jugendzentren und von Cola und Flixbus finanzierte Konzerte. Die Ernte von Dutschke, Marcuse, Adorno sind ein Conni-Leipzig, das Neo-Magazin Royale und ein Audiolith-Shirt.

Diese Verschmelzung der Linken mit System und Konsum ist kein dummer Fehlschlag, sondern eine unausweichliche Notwendigkeit. Linke Ideologie und liberale Wirtschaftsform bilden einen existenzfähigen, dynamischen Aggregatszustand, der in seiner Bezogenheit und Widersprüchlichkeit gerade die Antifragilität des Systems ausmacht.

Für das rechte Lager sieht die Lage jedoch ganz anders aus, weswegen die Analysen neomarxistischer Denker hier nicht einfach übertragbar sind. Die linksterroristische Antifa ist etwa auf eine ganz andere Weise in die systemische Gesellschaft eingebunden als rechte Jugendgruppen. Die eine Seite ist eine staatlich subventionierte, Schlägergruppe, über die unterdrückte Haß- und Gewaltphantasien ("punch nazis in the face“) der linksliberalen Bourgeoisie ausgelebt und ventiliert werden. Das rechte Lager dient, in seiner ohnmächtigen, desorganisierten Verfallsform, als Objekt der Abschreckung und Triebabfuhr, als politisches Freiwild und Material für die Kontaktschuld.

Es gibt hier keinen lebensfähigen Aggregatszustand. Rechte Subkulturen konnten niemals in der Form kommerzialisiert werden, wie das mit linken Pendants der Fall war. Während „Wizo“ auf MTV läuft und „Feine Sahne Fischfilet“ von Heiko Maaß gelobt wird, wurden „Landser“ und „Stahlgewitter“ solche zweifelhaften Ehren nie zuteil. Auch das derzeit beliebte Deplatforming trifft ausschließlich rechte Akteure.

Während die Linke Rebellion tatsächlich von der systemischen Gesellschaft eingebunden und bis hin zum RAF Terror (siehe das Buch „Die RAF hat euch lieb“) verharmlost und toleriert wurde, antwortete man auf rechte Bewegungen immer schon mit Repression und „Containment“. Um sie systemstabilisierend zu nutzen, wurden, wie unter anderem Holger Apfels Buch „Irrtum NPD“ zeigt, gezielt einzelne  positive Akteure ausgeschaltet und irre Provokateure subventioniert.

Diese offene Repression, die beim linken Lager nicht im Ansatz nötig war, zeigt die Fragilität des Systems an seiner rechten Flanke. Die Linken haben sich mit dem Status Quo verbündet. Die Rechten werden von ihm unterdrückt, hingehalten und eingehegt. Die Linken sind ins System eingefügt, die Rechten werden von ihm eingesperrt. Der Grund dafür ist die Unverdaulichkeit der (neu)rechten Ideen für die herrschende linksliberale Ideologie. 

Die entscheidende Frage ist daher, ob das rechte Lager „ausbrechen“, also sich aus eigener Kraft in eine Form bringen kann, die der Rolle des „nützlichen Idioten“ nicht entspricht. Anders als im marxistischen Lager, für das tatsächlich die Fruchtlosigkeit jeglichen Aktivismus, jeder Gegenkultur und jeglicher „Organistaion“, offenkundig ist, gibt es im rechten Lager zahlreiche mögliche Strategien und Handlungsoptionen.

Kurz gesagt: „Antifragil“ verhält sich das Systems nur gegenüber "revolutionären" linken Kräften, denn hier sieht es große ideologische Schnittmengen. Gegen rechte und insbesondere neurechte Kritik verhält und erweist sich das System stets als potentiell fragil und daher sehr repressiv. Sein Erfolg beruhte und beruht einerseits auf einer klugen Strategie der Überwachung, Unterwanderung, Radikalisierung und des Containements. Andererseits tragen das organisatorische Chaos, der subkulturelle Existenzialismus und der resignative Defätismus im rechten Lager ihren Teil dazu bei.

Stimmt meine Vermutung, wäre das eine gute Nachricht. Denn die letzten drei Hinternisse für eine effektive Rechte liegen allesamt in unserem Handlungsbereich und können von uns nach und nach abgebaut und verändert werden. Die Rolle des erfolglosen Belagerers wäre kein Schicksal, sondern ein Verschulden. Schlüssel dazu sind eben die Fragilität des Systems und - angesichts dessen - die realistische Einschätzung der Handlungsspielräume des rechten Lagers. In meinem nächsten Beitrag skizziere ich sie.


Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.


Kommentare (60)

Laurenz

13. Oktober 2020 22:34

@MS

Welches linke System hat sich noch nicht selbst ruiniert? Ob Zentralbank-Politik oder unsere Sozial-Mafia, welche immer neue Bedürfnisse erfindet, die in der Welt betreut werden müssen, allerdings nicht von der Welt bezahlt werden, ist auf Dauer nicht finanzierbar.

Und welche politischen Inhalte, außer einem fingierten Anti-Faschismus, hat denn die Linke noch? Nur phantastischen Irrsinn, wie Klima und Heuschnupfen. Im Prinzip werden alle weißen Nicht-Linken zu "Rechten" stigmatisiert, weil es gar keine Rechten gibt. Das, was HB mehr oder weniger in Seinem Artikel ausdrückte, so belegen doch heutige "Rechte" ganz normale politische Inhalte der einstigen Mitte.

Die tatsächliche Gefahr, und das belegen viele Aufnahmen von Grippe-Demos mit einem unvorstellbaren Ausmaß an körperlicher Staatsgewalt, sind unsere Neo-Volkspolizei und unsere Neo-Staatssicherheit.

Der_Juergen

14. Oktober 2020 00:14

Brillanter Text, auch sprachlich herausragend. Werde ihn morgen nochmals in Ruhe lesen und mich vermutlich nochmals melden.

links ist wo der daumen rechts ist

14. Oktober 2020 00:16

Rechte Mobilisierung ist zwischenzeitlich ein Widerspruch in sich. Es kann beim Stichwort Konservativismus nur mehr um Stil und Haltung eines jeden einzelnen gehen.

Die herrschende neoliberale Ideologie schafft ja erst die überholten Kampffronten rechts vs. links und gefällt sich in deren gegenseitiger Aufreibung. Und es sind nicht nur die dümmsten Neurechten, die sich in "Sozialismus"-Bashing ereifern und bei jeder Gelegenheit auf einen toten Gegner hintreten. Wie oft muß man das noch wiederholen?

Ebenso die Front "Abendland" vs. Islam. Hier müßte es doch heißen: eine neu zu begründende transzendente Abwehrhaltung gegen den westlichen konsumistischen Terror der Immanenz. Allianzen sind denkbar. Sollte dabei die spirituelle Rettung aus dem Osten kommen (Orthodoxie), wäre es mir auch recht.

Weiter: Betonung eines respektvollen Nebeneinander gegen den jederzeit ersetzbaren neoliberalen (nicht: sozialistischen) Einheitsmenschen in seiner wahllos durchmischten Umwelt.

Die kategorialen Denkfehler (nicht nur) MS' liegen darin, daß die meisten Rechten immer noch auf den Neoliberalismus als Bündnispartner hoffen (damit sind schon FPÖ/BZÖ bei zwei bzw. drei rechten Regierungskoaltionen auf die Nase gefallen), weil man halt besinnungslos auf "links" einschlägt. Und niemand lernt dazu.
Es gibt inzwischen sehr viele "Linke" oder Grüne, die unbewußt wertkonservativ denken; diese gelte es zu erreichen.

RMH

14. Oktober 2020 08:04

Grundsätzlich gute Analyse, die aber letztlich auch keine echten Handlungsempfehlungen bringt (was evtl. auch gut so ist). Ich bin der Meinung, dass die bunten, linken Nischen, die aktuell noch toleriert bis z.T. aktiv gefördert werden, ihre Ursache auch im rechten Widerstand haben. Man will dazu eine Alternative und einen Gegner haben, man will teilen, um zu herrschen. Lieber junge Leute kiffend bei der Antifa, als mit Seitenscheitel beim Kolleg in Schnellroda. Man darf sich aber nicht täuschen lassen: Die Linke ist mindestens genau so unterwandert, überwacht, gesteuert, wie die Rechte, wenn nicht noch deutlich mehr - ein Freiraum ist immer ein zugelassener, fast nie ein erkämpfter. Im Moment sind die Linken ein Stück weit nützliche Idioten. Wenn es das rechte Thema nicht gäbe, bräuchte man sie in diesen Ausformungen und Ausmaß nicht und wenn rechte und linke einfach einpacken würden, dann sucht man sich eine andere Zielgruppe zur Feindprojektion, dann sind es vielleicht eben die Kleingärtner, mit ihrem spießigen, kleinen Traum vom Dosenbier und Grillen im Grünen.

Last Exit Bürgerlichkeit: Schließt Eure Studiengänge ab. Geht in gute Berufe, kommt an die Stellen mit Verantwortung, sucht Euch eine weiße Frau/einen weißen Mann, zeugt mindestens 3 Kinder. Und wer schwarz ist, sucht sich eine/n schwarzen Partner/in (will hier keinen ausschließen).

 

Stefanie

14. Oktober 2020 08:20

"Erfolglose Belagerer" klingt wenigstens netter, als "nützliche Idioten"- und in diese Kategorie lassen sich zweifellos leicht die diversen "rechten Attentäter" einordnen, die in den den letzten Jahren ihre Ballerspiele in der Wirklichkeit austragen wollten. Ob nun in irgendeiner  Form gesteuert oder auf eigene Rechnung unterwegs, liefern sie den Vorwand für die Verschärfung von Repressalien (z.B. Löschorgien in den sozialen Medien), die dann auch leicht in einen anderen Kontext (z.B. Corona) übertragen werden können.

Eine Stufe höher, frage ich mich schon länger, ob die mediale Inszenierung von AfD, PEGIDA etc. als Wiedergänger des 3.Reichs, Dresden als "Hauptsstadt der Bewegung" nicht einen Nerv im Puplikum zum klingen gebracht haben, auf dem man nun die Klaviatur der Propagande spielen konnte: Wir führen eine Abwehrschlacht gegen die Nazis, wehret den Anfängen, indem wir unserer Weltoffenheit zeigen und eine Willkommenskultur pflegen. Ob also der innere Impuls, die Bereitschaft zur Aufnahme der Flüchtlinge 2015ff, nicht die Angst vor den neuen Bewegungen als Treibstoff brauchte um richtig zu zünden. - Und noch weiter gedacht, ob das Hochkommen dieser Bewegungen, ihre mediale Präsenz, nicht auch schon Teil der Manipulation war. Dialektisches über-dieBande-spielen, könnte man es vielleicht nennen.

Skeptiker

14. Oktober 2020 08:36

@links ist wo der daumen rechts ist

Danke für Ihren Beitrag. Ich befürchte nur, er wird hier nicht gehört werden. Und das liegt auch in einer Diskussionkultur begründet, wie sie sich seit der Dominanz des Internets im politischen Diskurs immer weiter entwickelt. Leider wird dabei kaum wahrgenommen, welchen Einfluss die geheimgehaltenen Algorithmen der amerikanischen Internetgiganten wie Facebook, Youtube, Google usw. nehmen. Wer nur leise Kritik an doch teilweise recht fragwürdigen Positionen nimmt, ist hier ein "Troll", ein "Linker" usw. So überzeugt man niemanden, sondern verharrt in seinen Kreisen. Dieser liegt in West-Deutschland deutlich unter 5 % und in Ost-Deutschland wird sich die Zustimmung zur AfD generationbedingt vermindern, weil es so nicht gelingt, jüngere Wähler in größerer Anzahl anzusprechen!

quarz

14. Oktober 2020 08:45

Dass "das System" den Widerstand von wenigen offen auftretenden Akteuren verdaut, integriert und zur Selbststabilisierung ausbeutet, ist eine Sache. Erstaunlicher aber erscheint mir der Umstand, dass es das auch mit der großen Menge der zwar nicht Widerständigen, aber Widerwilligen tut. Seit langem weiß man aus Untersuchungen in verschiedenen europäischen Ländern, dass die deutliche Mehrheit der Einwohner dieser Länder die über die Köpfe der Leute hinweg politisch beschlossene und betriebene Massenimmigration nicht will. Und dennoch werden die Politiker, die dermaßen gegen den Willen der Mehrheit agieren, andauernd wiedergewählt. Das System hat die Leute so im Griff, dass diese ihren Unwillen bei der Stimmabgabe nicht zum Ausdruck bringen.

Franz Bettinger

14. Oktober 2020 09:39

Lieber Herr Sellner, was wäre die Alternative zur Belagerung der feindlichen Stadt? Der Rückzug, ja. (Die Frage nach dem Wohin lasse ich einmal offen.) Was würde unser Rückzug für das Lügensystem bedeuten? Der Beginn seines Niedergangs? Das glauben Sie doch selbst nicht. Nein. Wir belagern weiter, wir beschießen die Stadt mit Pfeilen der Sehnsucht nach dem Recht und der Wahrheit. Die eine und andere Schneise haben wir in die Propaganda-Mauern geschossen. Unsere Wahrheit sickert in die Stadt der Lügen ein, und sie wird diese am Ende zerstören. Kein Stragtegie-Wechsel; weiter so!

Der_Juergen

14. Oktober 2020 09:47

@links, wo der Daumen rechts ist

Weitgehende Zustimmung.  Zu dem von Ihnen angeschnittenen und hier schon oft diskutierten Thema "Abendland versus Islam" spreche ich wohl die Ansicht der meisten Leser aus, wenn ich festhalte, dass der Islam für eine kluge Rechte kein Feind per se ist. Wir haben uns nicht in die inneren Angelegenheiten der muslimischen Staaten einzumischen und keine Kreuzzüge zu betreiben. Hingegen wollen wir den Islam nicht als Machtfaktor im eigenen Land und wollen die islamische Masseneinwanderung nicht nur stoppen, sondern durch massive Repatriierung weitgehend rückgängig machen, weil wir keine Parallelgesellschaften wünschen. Dass wir uns in Fragen wie Abtreibung, Gender und Schwulenehe mit den Muslimen einig sind, ändert nichts daran, dass der Islam mit der europäischen Zivilisation in entscheidenden Punkten unvereinbar ist. Ganz abgesehen von der überbordenden Kriminalität durch mehrheitlich muslimische Landnehmer aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie aus Afrika und den immensen Kosten, welche die Einwanderung mit sich bringen.

 

MARCEL

14. Oktober 2020 09:54

Treffende, geradezu erfrischende Lagebeurteilung. An zwei Strängen würde ich das Problemgeflecht aufzulösen versuchen:

Strategie: Die Schnittmenge von NR zur Moderne als Auflösungsbewegung ist zu klein, wenn überhaupt vorhanden, daher ist man stets identifizierbar. Unsere Frontstellung ist zu klar. Daher "hilft" uns nur die kommende Katastrophe (man mag sie auch Revolution nennen) einer Multi-Kulti-Gesellschaft mit angeschlossenen Verteilunsgkämpfen, kurz: die Aporie der Moderne. Klassische Strategie der Konservativen Revolution seit O.C. in den 20igern. Wir erwarten den Rückstoß und versuchen, diese (destruktive) Energie für unser Projekt zu nutzen.

Taktik: Aktives Zuwarten, Wiedergewinnung von Handlungsfreiheit im Verborgenen, keine starre Wagenburg, kein Iglu, kein Schmollwinkel, sondern eher Jüngers "Stoßtrupp-Modell", aufgestellt hinter allem Sichtbaren, dem Gegner entwischen und ihm allenfalls die "sichtbare Wange" hinhalten. 

Klar, alles schöne Theorie. Doch wer in Zukunft noch leben will, sollte vorausschauend handeln. Sonst empfehle ich nur noch Philipp Mainländers (1841-1876) Suizid-Philosophie als Abgang mit Würde...

 

Der_Juergen

14. Oktober 2020 09:55

Sellners Analyse der Lage ist sehr tiefschürfend; dieser Beitrag ist sein bester seit Jahren. Er berücksichtigt die Entwicklungen des Jahres 2020 jedoch nicht, und darunter ist natürlich vor allem der grösste Schwindel der Weltgeschichte zu verstehen, der Corona-Schwindel. Das System pokert sehr hoch. Es hat gute Siegeschancen, aber es wandelt auf dünnem Eis. Auch weiterhin glaubt die gehirngewaschene Mehrheit den Lügenmedien, aber diese Mehrheit bröckelt jetzt schon kräftig, weil die Fakten einfach zu niederschmetternd sind. Auf dem vorigen Strang meinte eine Forist, es sei ein Irrtum der Rechten, sich auf Corona zu fixieren. Welch ein Irrtum des Foristen! Ein kluger Kämpfer sucht stets nach der Achillesferse seines Feindes, und Corona ist die Achillesferse des Systems schlechthin. Bricht das offizielle Narrativ zusammen, ist das System unrettbar angeschlagen, und die Karten können über Nacht neu gemischt werden. Leider ist keine gut organisierte Opposition in Sicht, die bereit steht, um Macht zu übernehmen, aber es fehlt der Rechten nicht an gescheiten und teils (z. B. Elsässer und Höcke) charismatischen Persönlichkeiten, um die sich rasch ein sehr, sehr grosser Kreis scharen könnte. Vor allem wenn Trump sich in den USA durchsetzt und, da er nicht mehr an seine Wiederwahl zu denken braucht, endlich einige Rücksichten fallen lässt.

Loki

14. Oktober 2020 10:22

Die These der Unverdaulichkeit der Neuen Rechten ist interessant, aber trifft sie auch zu und wenn ja, kann die Rechte dann einen Nutzen ziehen? Ist es ausgeschlossen das auch der Neuen Rechten, oder der sozusagen gesunden Rechten, nicht auch ein Verdauungsprozess des Systems droht? Sind nicht vielleicht schon mit Werteunion oder Teilen der West AfD Verdauungsorgane im entstehen? Es wird die Frage sein wie man sowohl das eine, die Unverdaulichkeit, als auch das andere, die Verdaulichkeit nutzt. Dafür sollten dann die Taktgeber der Bewegung ihren Sun Tsu gelesen. haben. 

Ein gebuertiger Hesse

14. Oktober 2020 11:34

@ Jürgen

"Ein kluger Kämpfer sucht stets nach der Achillesferse seines Feindes, und Corona ist die Achillesferse des Systems schlechthin."

Goldrichtig. Das Ausblenden oder Falschsehen der größten Lüge, die der Menschheit jemals aufgetischt wurde (es gibt keinen Grund zur Untertreibung), ist eine tiefe Enttäuschung seitens der Rechten und in meinen Augen unentschuldbar.

Dietrichs Bern

14. Oktober 2020 12:11

Immer wenn ich solche Texte lese - die in solch frappierender Weise den endlosen Schwurbeltexten der Linken ähneln, mit all der Begeisterung für  - ja für was eigentlich - frage ich mich wie stark diese , genau wie Menschen wie Martin Sellner, eigentlich Mitschuld tragen, an dem was mit diesem Land, meiner Heimat geschieht.

Man meint fast einen gewissen Dünkel vor den Sorgen des Familienvaters zu spüren, der seinen Kindern einfach die besten Grundlagen für ein freies und friedliches Leben erhalten möchte, dass sie selbst das Beste daraus machen können, ein ruhmreiches dahinscheiden an neuen Termphylen mit "ahu, ahu" gegen einen überlegenen Gegner ist nicht mein Traum.

Das Grundlegende Erfolgsrezept der Linken war der Marsch durch die Institutionen, dass scheint mir von konservativ, bis rechts bis heute nicht verstanden worden zu sein.

Maiordomus

14. Oktober 2020 13:13

Im Vergleich zu Sellners täglichen, unterdessen vielfach unterdrückten  Politkommentaren noch vor weniger als Jahresfrist geht diese Analyse in der Tat tiefer nicht nur im Sinne der Vertiefung des Schon-immer-Gesagten sondern im Sinne eines wirklichen analytischen Fortschritts. Schonungslosigkeit gehört dazu. Sellner nähert sich einem wissenschaftlichen Niveau, nachgerade dem, was dem oft bloss auf "Konsensobjektivität" bauenden Gegner abgeht. Noch gut auch, wie hier zitiert wird, und zwar nicht nur Sieferle, aber dieser nicht zuletzt und vor allem. 

Franz Bettinger

14. Oktober 2020 13:37

@Dietrich: Ach, hätten Sie nur recht! Aber die Zeit für einen Marsch durch die Institutionen (selbst wenn dieser gelänge) haben wir nicht mehr; das ist sicher. Denn in Kürze wird die Demographie in unserem Heimatland irreversible Zustände geschaffen haben. Darin liegt eine Tragik, die alle Zeiten der Vergangenheit als unvergleichlich erscheinen lässt. Von einem Krieg, auch einem furchtbaren, kann sich ein Volk über die Jahrzehnte erholen. Von Überfremdung nicht. Also seien Sie nachsichtig mit unseren Totengesängen. Es bleibt uns ja sonst nichts.

Der_Juergen

14. Oktober 2020 13:54

@Dietrich Bern

Ihre Angriffe auf den mutigen Aktivisten Sellner sind vollkommen deplaziert. Natürlich braucht es patriotische Führungsgestalten, die bereit sein müssen, sich notfalls zu opfern, und Sellner gehört dazu.

Dass für einen "langen Marsch durch die Institutionen" keine Zeit mehr bleibt, müsste auch Ihnen einleuchten. Die Institutionen hätten eine solche Unterwanderung auch nie zugelassen. Den Linksextremisten wurde er erlaubt, weil viele ihrer Sympathisanten in führenden Positionen hockten und sie einfach nicht des "Nazismus" verdächtigt werden konnten, was in der BRD von Anfang an einem Todesurteil gleichkam. Immerhin war dieser Staat ja von den angelsächsischen Siegern geschafften worden, und diese sorgten dafür, dass keiner hochkam, der ihre ideologischen Vorgaben missachtete. Der Kommunismus, wiewohl Gegner im Kalten Krieg, war niemals so stark stigmatisiert wie der Nationalsozialismus. Dies hatte wenig mit historischen Fakten, um so mehr aber mit den handfesten Interessen der US-Besatzungsmacht zu tun. 

MARCEL

14. Oktober 2020 15:23

@Dietrichs Bern

Im Gegenteil, es ist verstanden worden.

Die NR imitiert aber nicht, zumal der Kollaps der Institutionen ruhig abgewartet werden kann.

Ein "freies und friedliches Leben" wird es wohl nicht mehr geben, darum ermannen wir uns einmal und werfen unsere alte "Krämer-Mentalität" aus der BRD fort!

Ruheständler und solche, die es werden wollen bzw. im Geiste immer schon waren, gehen besser zu Werteunion und AfD.

Hartwig aus LG8

14. Oktober 2020 15:25

M.S., Wegner zitierend: ""Konzentriert euch besser auf eure eigenen Familien und Gemeinschaften, um selbst eine gewisse Resilienz aufzubauen.""  ... Und weiter: ""... schonender, latenter Aufbau von Kräften, Strukturen, und Ressourcen (ist) das Gebot der Stunde.  ... ""

Das wäre das Primat! Es wäre schon sehr viel gewonnen, wenn man die Kraft hat, diesen Weg konsequent zu gehen. Ich sehe das auch nicht als Rückzug. Während der Aktivist dem System wie ein lästiger Ausschlag zusetzt, wirkt die Abschottung gegen das System wohl eher wie ein Tumor.

Damit will ich nichts gegen Aktivisten gesagt haben ... die es übrigens nicht nur bei den NEUrechten gibt ...

RMH

14. Oktober 2020 15:47

Marsch durch die Institutionen bedeutet doch nicht, dass diesen gerade die sog. "Aktivisten" oder andere, die ihre Überzeugungen wie ein Krämer offen vor sich her tragen, antreten. Er bedeutet, dass normale Menschen mit bestimmten Werten und Überzeugungen an ihren jeweiligen Plätzen sind und Handeln. Der "Marsch" bewirkt auch ad hoc etwas, wie jeder, der in den 70er Jahren zur Schule und in die Kirche gegangen ist, bezeugen kann. Wir haben die Zeit.

PS: Aber ohne Familien zu gründen, nützt auch er rein gar nichts.

Gotlandfahrer

14. Oktober 2020 16:23

Statt einer Belagerung vor den Mauern, die die innerstädtische Repression erst so richtig antreiben hilft, wie wäre es mit einem Zirkus vor der Stadt? 

Im Ernst: Der Streit geht ja um Herrschaft. Diesen Streit führen die Herrschenden nicht mit Links, denn die kulturelle Erzählung ist ja auf die jetzt vollzogene Vollendung des Linken gerichtet. Lasst uns doch ein Leben führen, dass das System nimmt wie den Tod, dem wir nicht entkommen können, den wir nur durch Leben eine zeitlang von uns weghalten können. Lacht sie aus, nehmt ihren Irsinn hin und kümmert Euch um Eure Nächsten und um uns gegenseitig. Machen wir unsere Parallelwelt auf ganz ohne eigene Reisepässe, dh ohne Aggression gegen die Herrschenden. Regen kommt, Regen geht, die Zeiten ändern sich immer.

quarz

14. Oktober 2020 16:26

@Jürgen

"Die Institutionen hätten eine solche Unterwanderung auch nie zugelassen."

Sie haben Recht, dass die Furcht, als Nazi zu gelten, der Bereitschaft förderlich war, den Marsch zuzulassen. Aber ich glaube, die waren damals einfach auch weniger argwöhnisch. Man hat von den damaligen Chefpositionen aus die jungen linken Wilden mit einer launig-gönnerhaften Liberalität betrachtet, sie mit einer gewissen Narrenfreiheit auf die Bühne gelassen und damit gerechnet, dass sie sich die ideologischen Hörner schon abstoßen würden, sobald sie "erwachsen" sind.

Heute hingegen ist das Geflecht der Institutionen ein Festungsverbund mit Mauern, Wassergräben und Zugbrücken, in den nur Zutritt erhält, wer nach genauer Prüfung als Nichtrisiko eingestuft wurde und aus dem sofort rausfliegt, wer sich der Häresie verdächtig macht.

Marc_Aurel

14. Oktober 2020 16:44

Durch diesen Artikel von Sellner muss man mehrfach durch, weil man es in einem Gang nicht schafft sämtliche Früchte vom Feld zu tragen - dass Thema bewegt ihn, das spürt man.

Was die Abschlussfrage betrifft, so ist wohl die Rechte sicherlich der schwerer zu verdauende Brocken und nicht so leicht aufzusaugen, denn dort wo die Rechte aufschichten möchte, wollen die Globalisten abschleifen und umgekehrt.

Andererseits kann man so gut wie jede Bewegung durch einen kernlosen Doppelgänger ersetzen, wie man an den einst rechten Parteien CDU/CSU sehen kann und auch die meuthifizierte AfD bewegt sich langsam in diese Richtung. Eine harte Linke, die nicht entkernt ist, was auch immer man von ihr halten mag, würde vermutlich die Turbokapitalisten aus Übersee auch ganz oben auf die „Abschussliste“ setzen, denn formal betrachtet sind die ja eigentlich ihr Todfeind.

Das bringt mich zum Punkt: die Idee selbst kann gut oder schlecht sein, aber viel wichtiger sind die führenden Köpfe und deren Ziele und Handlungen: meinen sie es ehrlich oder sind es Heuchler, stärken sie die Sache oder verraten sie diese. In zweiter Linie dann „Umsetzungskompetenz“, „taktische und strategische Fähigkeiten“ usw. Es sind Menschen, die man bedroht, verführt oder manipuliert, wenn man den Widerstand brechen will. Die Frage ob ich jemandem bis in die Hölle folge oder keinen Meter weit, mache ich daran fest, ob ich dem Typen traue, egal was der mir erzählt.

Laurenz

14. Oktober 2020 17:07

@Skeptiker

@links ist wo der daumen rechts ist

schreibt " Es kann beim Stichwort Konservativismus nur mehr um Stil und Haltung eines jeden einzelnen gehen."

Das war 1929, 30, 31 dann vorbei, als 30 Mio. Deutsche, vor allem Kinder, Hunger litten.

Aktuell leidet niemand Hunger in Buntland. Aber trotzdem hat sich eine Deutsche Mehrheit faktisch (fast in konservativer Marnier) wieder für eine Links-Diktatur an der Urne entschieden.

Bin der Ansicht, das Volk muß seine Allüren auch mal ausleben und die bittere Neige kosten.

Laurenz

14. Oktober 2020 17:12

 

@Ein gebuertiger Hesse

An die Mond(f)lüge oder den guten Jesus glauben mehr Menschen als an Corona. Letzterer Unsinn ist nur leichter nachzuweisen.

Laurenz

14. Oktober 2020 17:31

@Dietrichs Bern

Würde es nicht so hart, wie Sie, ausdrücken. Natürlich beschreiben Sie einen wahren Kern, der von MS ja selbst mit Kubitschek-Zitat angeführt wird. 

In der Analyse gibt es mehreres zu bedenken, was im MS-, wie im letzten HB-Artikel zu wenig Berücksichtigung fand.

Selbst, wenn es keine "Belagerer" gäbe, würde unsere Neo-Einheitsfront, wie bei Orwell nachzulesen und bei Stalin zu finden, Belagerer erschaffen, und wenn es in den eigenen Reihen wäre. Totalitäre Systeme arbeiten immer durch Ausgrenzung, weil sie nichts anderes zu bieten haben.

Gustav Grambauer

14. Oktober 2020 17:31

Wer denkt bei der Belagerungs-Metapher nicht an den Dreißigjährigen Krieg. Tipp von mir (der ich einen sein Œuvre zusammenfassenden exzellenten Vortrag von David Engels mit viel Interesse gehört habe, in dem aber folgender Gedanke fehlte):

Es lohnt sich, den kometenhaften Aufstieg der Renaissance aus dem Dreißigjährigen Krieg zu studieren. Es wäre nur erstaunlich, wenn sich das damalige Muster nicht mit unserem heutigen Hundertjährigen Krieg (Hobsbawm) wiederholen würde. Wer seine Aufmerksamkeit allzusehr in den Niederungen der Endzeit verschleißt, wer angesichts des Zivilisationsabsturzes allzu depressiv wird oder wer Neigungen hin zu den vielen grassierdenden Endzeitsekten bei sich vorfindet, kann und sollte vielleicht aus diesem Studium die Schlußfolgerung ziehen, heute schon Renaissance-Mensch zu werden.

Hatte zuletzt schon auf einen neuen, im selben Grundton etwas anders akzentuierten scharf-angespitzten Pfeil hingewiesen, den Botho Strauss nach längerer Zeit wieder mal aus seinem Köcher verschossen hat; es tut mir leid, das sagen zu müssen - er denkt dynamischer als Sieferle.

- G. G.

Maiordomus

14. Oktober 2020 17:43

@Laurenz. Niemand, der an Jesus glaubt, kann im Verständnis seiner Worte glauben, dass es an der Welt etwas zu retten gäbe; insofern ist weltrettenwollende Gutmenschenpolitik also sicher nicht das, was Jesus verkündet hat oder hätte.  

Dietrichs Bern

14. Oktober 2020 17:45

@Der Jürgen

Angriffe, ach Gottchen. 

Und Zeit für ausschweifende Selbstbespiegelungen und Tonnen vollgeschriebener Seiten für die eigene Echoblase ist da? Damit ändert sich genau was? 

Worin besteht der Mut, wenn das eigene Handeln nur der Eitelkeit dient, aber niemandem hilft?

Dietrichs Bern

14. Oktober 2020 17:49

@Marcel , nein er ist nicht verstanden und schon gar nicht versucht worden und ich habe das Gefühl das liegt daran, dass dieser Weg zu wenig spektakulär ist, zu wenig öffentlichkeitswirksam und letztlich mit zu viel langweiliger  Arbeit verbunden ist.

Gracchus

14. Oktober 2020 17:52

Veränderungen des Systems halte ich für etwas hoch gegriffen, wobei es darauf ankommt, wie man System definiert (ich gehe dabei von Luhmann aus). Veränderungen innerhalb des Systems: ja. Im Sinne von: Gewichte verlagern. Da bin ich inhaltlich ganz bei @links, zumal ich mich am ehesten noch als wertkonservativ bezeichnen würde.

Die Corona-Politik bildet m. E. etliche Angriffspunkte. Hier könnte die AfD punkten. Will man von Politikern regiert werden, die angesichts von in ihrer Aussagekraft fragwürdigen Testzahlen in hysterische, zwänglerische Raserei verfallen? Besonders unangenehm fällt hierbei ein Herr Söder auf, den man dem "konservativen Spektrum" zuordnet. 

 

 

Dietrichs Bern

14. Oktober 2020 18:07

@Laurenz: Zustimmung in der Beurteilung totalitärer Systeme, deren neuerliches Update wir gerade besichtigen.

Hart finde ich meine Beurteilung nicht, sie ist von trauriger Erkenntnis geprägt.

Dietrichs Bern

14. Oktober 2020 18:23

@Franz Bettinger: Nun ja, ob wirklich nichts zu ändern wäre, auch aktuell nicht, bliebe herauszufinden. Ansonsten haben Sie natürlich recht.

heinrichbrueck

14. Oktober 2020 18:56

"Heute hingegen ist das Geflecht der Institutionen ein Festungsverbund mit Mauern, Wassergräben und Zugbrücken, in den nur Zutritt erhält, wer nach genauer Prüfung als Nichtrisiko eingestuft wurde und aus dem sofort rausfliegt, wer sich der Häresie verdächtig macht."

So war es schon immer. 

anatol broder

14. Oktober 2020 19:25

der erfolglose belagerer (einer burg) ist genau die metapher, die mich an der sezession interessiert. ich lese die artikel hier als szenen eines dramas.

ist der belagerer erfolglos, weil (a) er nicht genug mitbringt; oder (b) die burg unmöglich eingenommen werden kann?

bei (a) gibt es wiederum zwei fälle: (a1) er kann nicht genug mitbringen; oder (a2) er will nicht genug mitbringen.

auch bei (b) gibt es zwei fälle: (b1) die eingenommene burg wäre keine burg mehr; oder (b2) die burg verweigert einen kampf, weil sie für alle frei zugänglich ist.

bei (a1) und (b1) wird es eher traurig, bei (a2) und (b2) eher lustig.

anatol broder

14. Oktober 2020 20:26

bei sponge bob wird der erfolglose belagerer auch verdaut.

mr krebs: betreibt das esslokal krosse krabbe.
plankton: widersacher vom mr krebs.
karen: roboter, der plankton berät.

aufgrund früherer misserfolge empfielt karen plankton, sich verbündete zu suchen. da normale leute nicht mit ihm zusammenarbeiten wollen, holt sich plankton seine familie herbei, um mr krebs die krabbenburgerformel zu klauen. seine familie entpuppt sich aber als unterbelichtete bauerntruppe, die grossteils nicht mal lesen kann. allerdings ist planktons familie zahlreich, sodass er eine menge einzeller um sich versammelt, mit deren hilfe er nun den entscheidenden klauversuch unternehmen will. dazu erklärt er seiner verwandtschaft den plan. nachdem plankton seinen verwandten viel malzbier versprochen hat, sind sie bereit, ihn zu unterstützen. alle einzeller umringen dann die krosse krabbe und fordern, dass mr krebs sich ergibt. da dieser das nicht macht, stürmen plankton und seine verwandtschaft die krosse krabbe. sie stopfen mr krebs in die toilette und holen die formel aus dem tresor. als plankton endlich die formel durchliest, ist er bestürzt: eine zutat darin ist eine portion frisch geerntetes plankton. plankton und seine verwandtschaft ergreifen daraufhin die flucht.

Nath

14. Oktober 2020 20:34

 

@Gustav Grambauer

"Es lohnt sich, den kometenhaften Aufstieg der Renaissance aus dem Dreißigjährigen Krieg zu studieren."

Entschuldigen Sie vielmals, aber was Sie hier schreiben ist Unsinn. Die Renaissance ist kulturhistorisch im 15. und 16. Jahrhundert anzusiedeln, der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) fällt in die Zeit des Barock. Wie soll man bitte den Aufstieg einer Epoche aus einem Krieg studieren, der später stattgefunden hat? Hätten Sie geschrieben, "Der Dreißigjährige Krieg setzt die entscheidenden soziokulturellen historischen Veränderungen voraus, die wir mit der Epoche der Renaissance verbinden", wäre das noch angegangen. So aber, wie es dasteht, ist es absolut widersinnig.

Gelddrucker

14. Oktober 2020 20:35

Wo sehen eigentlich manche einen Linksdrift der Gesellschaft ?

 

Ist eigentlich irgendjemand hier auf Facebook angemeldet und hat mal beobachtet, wie sich dort nur innerhalb des letzten Jahres der Ton und die Verteilung der Einschätzungen (likes) zu gewissen Themen geändert hat? In unsere Richtung. Ist die Gesellschaft rechter geworden und es schlägt sich nur nicht in Wahlergebnissen nieder oder sind einfach nur Rechte dort viel aktiver geworden? Beides wäre vorteilhaft.

 

Generell sollte die Aktivierung von Mitstreitern eine primäre Aufgabe eines jeden von uns sein. Belagern können wir nur, wenn wir viele sind. Jeder, der Gesinnungsgenossen kennt, die nichts weiter tun als sich irgendwo im Netz zu beklagen oder zuhause im kleinen Kreis, sollte diesen klarmachen, dass sich nichts verändern wird, wenn die Menge der Aktiven weiter so bleibt wie sie ist.

 

Repression MUSS dabei in Kauf genommen werden, solange es nicht die Existenz gefährdet. Das sind wir Deutschland schuldig.

Gelddrucker

14. Oktober 2020 20:38

Nachtrag: Was man als Linksdrift natürlich werten kann, sind all diese Versuche, Straßen umzubennenen, die Schulbücher mit Volkstausch-Propaganda vollzustopfen, die Werbespots mit allerlei Schwarzen etc. Allerdings sehe ich das als Schüsse ins eigene Bein. Je mehr Absurditäten, desto mehr riskiert man, dass das Bumerang zurückkommt. Wir sollten die Wurfbahn möglichst beeinflussen.

limes

14. Oktober 2020 21:28

@ Skeptiker (» […] Wer nur leise Kritik an doch teilweise recht fragwürdigen Positionen nimmt, ist hier ein "Troll", ein "Linker" usw. So überzeugt man niemanden, sondern verharrt in seinen Kreisen. […]«)

Trollerei ist real, sie äußert sich jedoch vor allem quantitativ und ist in wenig regulierten Foren wie bei Epoch Times gelegentlich zu erkennen, wo Diskussionsstränge in offensichtlich destruktiver Absicht gekapert werden. Hier im SiN-Forum schützt wohl die Moderation vor solchen Attacken und ist dabei um die Aufgabe der Abwägung nicht zu beneiden.

Wenn es jedoch um andere (»linke«) Meinungen geht, so begrüße ich diese, denn sie bieten beiden Seiten Gelegenheit, die eigenen Standpunkte und Argumente zu überprüfen. Wer beim Gegner Diskursverweigerung beklagt, sollte diese nicht selbst praktizieren.

Ich selbst kam in jahrelangem Prozess durch überzeugende Argumente zu rechten Positionen, nachdem mir klar geworden war, dass die Linke keine Antwort auf die »soziale Frage« hat, diese sogar durch Dienstleistungen für den Neoliberalismus noch verschärft und totalitären politischen Bestrebungen handfest den Weg bereitet. Ganz wichtig auch: Das zunehmende Bewusstsein des vielschichtigen Heimatverlustes wird politisch nur rechts aufgefangen.

So gesehen bin ich zu den Belagerern übergelaufen, weil sie mich überzeugt haben, und bin ganz bei @ Gelddrucker: »Belagern können wir nur, wenn wir viele sind.«

Franz Bettinger

14. Oktober 2020 21:28

@Gotlandfahrer:  Ihre Idee gefällt mir gut: der Zirkus der Selbstbewussten. Wir sehen, es gibt viele Wege nach Rom. Und @Dietrich: Wir beschreiten alle. 

@Laurenz meint "Bin der Ansicht, das Volk muss seine Allüren auch mal ausleben und die bittere Neige kosten.“ Ha, wie erfrischend!  Ein typischer Lau! 

@Grambauer: Es macht Hoffnung, ihre Anspielung an die Renaissance, die sich wie ein Phoenix aus der Asche des 30-jährigen Kriegs erhob. Lass uns also an den Phoenix glauben, und tanzen wir auf dem Vulkan! 

@Dietrich: Aber unser Schreiben und Handeln hilft ja! Es hilft den Lesern von SiN und ganz konkret den Menschen vor Ort, mit denen wir zu tun haben. Ich merke es andauernd. Sie nicht? Ginge es Ihnen besser ohne SiN? Und ohne die AfD? Echt jetzt? Und wenn Sie Martin Sellner und anderen an der Front Mut absprechen, dann weiß ich nicht, welche mutigen Taten ihnen vorschweben und welche Sie selbst begehen oder begangen haben. Mir fällt da nur ein: Kinder kriegen. Okay.

Volksdeutscher

14. Oktober 2020 22:27

Was hält Martin Sellner von dem Spruch "Langsames Wasser wäscht das Ufer weg"? Wie lange kann ein System der beharrlichen Kraft einer Bewegung standhalten, ohne diese ins Leere laufen lassen zu können?

Sandstein

14. Oktober 2020 23:16

@linksdaumenrechts

kann mich dem @skeptiker nur anschließen. Knappe Worte, allesamt auf den Punkt!

@Jürgen

ich weiß, dass Sie und Laurenz sich hier gern gegenseitig beflügeln. Wer aber solche Sätze tippt:

"An die Mond(f)lüge oder den guten Jesus glauben mehr Menschen als an Corona. Letzterer Unsinn ist nur leichter nachzuweisen." 

ist nicht ernst zu nehmen. Auf so Sätze muss man erstmal kommen. Die Medizin die seiner Auffassung nach "Die Deutschen" schlucken sollen, wird er noch selber bitterlich schmecken. Da hilft auch kein Aufpäppeln mehr mit pathetischen Europavideos auf youtube. 

@Laurenz , wünsche Ihnen alles Gute auf Ihrem Weg zu Gott - und das ist ganz ehrlich gemeint. 

Gustav Grambauer

15. Oktober 2020 00:15

I

Nath

"Renaissance"

Habe den Begriff i. w. S., damit auch i. S. der Wortbedeutung als "Wiedergeburt" verwendet, nicht im engeren Sinne als Periode der Betrachtung des Kulturhistorikers. Allerdings ist der Aufwärtssog vergleichbar mit demjenigen der Renaissance i. e. S. (nach dem MA), speist sich auch ebenso aus dem Strom des Universalismus der Antike.

Habe dabei immer das Beispiel der Ernestiner vor Augen, die nach dem Dreißigjährigen Krieg aufgrund ihrer speziellen Erbteilung miteinander im Wettstreit standen, in ihren jeweiligen Hztm. qua Reformen das perfekteste Abbild der göttlichen Ordnung zu erschaffen, und die damit alle sehr weit gekommen sind; in jedem Hztm. wurde nicht nur rapide das Kriegschaos überwunden sondern sie alle wurden rasch als "fromme Musterstaaten" zu kleinen Paradiesen sui generis emporgehoben. Alle brachten auch Hochblüten verschiedenster Lebensbereiche hervor. Die spätere Weimarer Klassik wäre ohne diese Periode gar nicht vorstellbar.

Hätte (hat?) man den besten Geistern während des vormaligen Krieges von der Aussicht auf diese Epoche berichtet, hätten sie sich noch allzusehr in das Klein-Klein-Hack-Hack der Belagerungszustände vertieft - oder hätten (haben?) sie in ihrer geistigen Orientierung und Lebensführung entschieden der "Renaissance" vorgegriffen?        

- G. G.

Gustav Grambauer

15. Oktober 2020 00:17

II

Weil M. S. die Belagerung so sehr in den Vordergrund stellt: das wichtigste Instrument dieser Herzöge neben dem Aufbau hochambitionierter SchulsystemeBibliotheken, Sternwarten und z. B. Theater, auch Verwaltungen und Münzen usw., war der Festungsbau - nicht nur zur ausdrücklichen Stiftung des Friedens (für heutige Gutis wohl unvorstellbar) und zum Schutze aller, sondern auch zur Festigung und Dynamisierung des Gemeinwesens und als Motor für die Naturwissenschaften, die Baukunst usw. konzipiert.

- G. G.

Laurenz

15. Oktober 2020 00:24

@Dietrichs Bern

Totalitäre Systeme haben meist eine geringe Halbwertszeit. Zu viele gute Leute werden zur Kontrolle der anderen eingesetzt, was nicht produktiv ist, selbst im virtuellen Zeitalter, siehe 16 oder 17 teure Cowboy-Geheimdienste. Natürlich wehrt sich jedes System bis zum letzten Mann. Trumps Drohung aus der NATO auszutreten & alle Truppen aus Buntland abzuziehen, waren ein Schuß vor den Bug. Was ist denn, wenn nach Trump weitere Trumpisten in den USA an die Macht kommen? Buntland-Volkspolizei & Multi-Nationale Volksarmee bekommen dann eine ganz andere machtpolitische Bedeutung & werden deswegen jetzt, aus purer Angst, radikal gesäubert.

@limes

schön & sinnig geschrieben.

Cugel

15. Oktober 2020 00:51

@Skeptiker + links ist, wo der daumen rechts ist

Überzeugt man den Gegner, indem man seine Positionen übernimmt?

Troll hin oder her, Skeptiker ist nicht auf der Höhe der Zeit. Daß die Endlagerung als politische Waffe, die sie immer gewesen ist, auch heute noch als solche wirkt. ändert nichts daran, daß sie vorgestriger Unsinn ist. Der AfD vorzuwerfen, daß sie dem Wähler die Wahrheit zumutet, statt  sich ihm durch Übernahme verlogener Konzepte anzubiedern, ist keine ernstzunehmende Kritik (an der hier im Forum nicht gespart wird).

Laurenz

15. Oktober 2020 08:23

 

@Gustav Grambauer

Ihr Aufwärts-Sog der Renaissance entstand durch die vom Adel und Kirche emanzipierten bürgerlichen Kaufleute einhergehend mit der Entwicklung der trans-kontinentalen Seefahrt. Und Kaufmanns-Familien in den nord-italienischen Stadtstaaten belagerten sich sogar gegenseitig in derselben Stadt, lebten quasi in Burgen. Daß Kirche und Adel dann hinterher mit zogen, lag an der Machtfülle der Kaufleute, welche dann Kaiser und Papst in ihren Posten bestimmten.

Gustav Grambauer

15. Oktober 2020 11:06

Laurenz

"Ihr Aufwärts-Sog der Renaissance entstand durch die vom Adel und Kirche emanzipierten bürgerlichen Kaufleute ..."

Diese insbesondere im Marxismus-Leninismus gepflegte klassenmäßige Sichtweise aus der Dialektik von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen heraus, die dort im Wesentlichen als Brimborium zur "wissenschaftlichen" Begründung des "Charakters unserer Epoche" bzw. der "Naturnotwendigkeit" (Marx) der proletarischen Revolution diente, ist nicht falsch, aber auch nicht hinreichend.

- G. G.

Skeptiker

15. Oktober 2020 11:59

Ich erlaube mir ja nur darauf hinzuweisen, dass die Haltung der AfD zur Kernenergie in einem diametralen Gegensatz zur Auffassung vieler meiner Weggefährten und Konservativen in Westdeutschland steht. Wir haben eine Herkunft in der Bündnischen Jugend und mit den "Ur-Grünen" haben wir durchaus Schnittmengen. Ich kenne viele für die die AfD deswegen unwählbar ist. Sie weichen auf Splitterparteien wie die ÖDP aus. Es ist müßig, hier noch einmal die Debatte um die Kernenergie zu wiederholen. Ich bin mir auch sicher, dass die Position zur Kernenergie innerhalb der AfD höchst umstritten ist.

Niekisch

15. Oktober 2020 12:20

"Repression MUSS dabei in Kauf genommen werden, solange es nicht die Existenz gefährdet. Das sind wir Deutschland schuldig."

@ Gelddrucker 14.10. 20:35: Ist Ihre ideale Aufgabe, werter Gelddrucker, dann nicht, in aller Heimlichkeit zum Systemdestabilisieren jede Menge Falschgeld zu drucken und unter Beachten aller Sicherheitsvorkehrungen unter die Leute zu bringen?

Beowulf

15. Oktober 2020 13:07

@RMH

Last Exit Bürgerlichkeit: Schließt Eure Studiengänge ab. ...

Hier musste ich dann doch lächeln. Ist ein wenig so, als wenn man einem Kommunisten empfiehlt als letzten Ausweg doch Kapitalist zu werden.

Insgesamt ein sehr guter Artikel von Sellner und ich freue mich vor allem auf den nächsten Teil, in dem es um die Handlungsspielräume von rechts geht. Diese sehe ich im Moment nämlich nicht klar vor mir. 

tearjerker

15. Oktober 2020 14:57

Dass die „Rechte“ irgendwas oder irgendwen belagern könnte, ist eine kuriose Einschätzung der Lage. Es scheint mir doch genau umgekehrt zu sein. Die Hkl in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung verläuft zwischen denen, denen man etwas wegnehmen möchte und denen, die gerne den Zugriff auf das Zeug der Anderen haben wollen: junge Weiber, Substanz und Substanzen, Waffen, Geld, Land. Sieferle und Kubitschek haben ohne Zweifel einen guten Punkt gemacht: Vordergründig mögen Kaiser, Kanzler, Führer, grosse und nicht so grosse Vorsitzende ganz Unterschiedliches vertreten haben: Die Kontinuität liegt in den Instrumenten der Verteilung und Verwaltung, die stets breiter und tiefer wurden und sich über die vermeintlichen Systembrüche retteten. So können wir heute z.B. immer noch auf so grandiose Einrichtungen wie die allgemeine Ausweispflicht, die Steuerklassen 1-4, Kindergeld, Krankenversicherung für Rentner oder die Mietpreisbremse bauen. Die Unaussprechlichen waren halt auch nur Sozis auf Speed und wo schon soviel Krempel rumliegt, kann man gleich in die Institutionen marschieren und einfach alles übernehmen. Die Linke hat hat so ihren Willen bekommen und die Leute halten die Ergebnisse für totalen Müll. Diesen Kontrollverlust wird sie nicht auffangen können, so dass Räume entstehen werden, die man für sich beanspruchen und als eigenen Beritt sichern muss.

Die Zeit ist auf unserer Seite.

Laurenz

15. Oktober 2020 15:25

@Gustav Grambauer

Was habe ich mit Marx und Lenin zu schaffen? Sie, Gustav Grambauer, haben Marx & Lenin im Kopfe und ignorieren die Weltliteratur von William Shakespeare. Lesen Sie einfach mal Seine Tragödie von Romeo und Julia.

Millenius

15. Oktober 2020 16:17

Ich ärgere mich ein wenig über die Kommentatoren, die hier pauschal die AfD abkanzlen - die AfD mit der Werteunion vergleichen oder von der Meuthenisierten AfD sprechen.

Ganz so als sei es ein Naturgesetz, dass Meuthen für alle Zeiten Bundesvorsitzender der AfD bleiben müsse.

Ich selbst habe den  Kurs der AfD - der vor allem auf die BuVo-Mehrheit um Meuthen und dessen Gefolgsleute vom sog. "gemäßigten" Flügel zurückgeht, immer wieder hier auf SiN kritisiert. Ich habe auch erklärt, warum dieser Kurs zum Scheitern verurteilt ist.

Jene, die die AfD abgeschrieben haben, sind nicht selten dieselben, die von der AfD ohnehin nichts wissen wollen und den innerparteilichen Vorgängen nicht befassen mögen.

Dabei ist, was die Zukunft der AfD betrifft, noch alles offen. Heute in einem Jahr können Meuthen und seine Gefolgsleute bereits Geschichte sein. 

Das linke Webseite "Blicknachrechts" veröffentlichte vor einigen Stunden einen meiner bescheidenen Meinung nach relativ sachlichen Bericht zum Machtkampf in der AfD, der darlegt, was alles auf dem Spiel steht. https://www.bnr.de/artikel/hintergrund/afd-kompromisse-nicht-in-sicht

Millenius

15. Oktober 2020 16:17

Fortsetzung:

Statt die AfD also für verloren zu erklären, während der Krieg noch nicht beendet ist, sollte man sich besser Gedanken machen, was getan werden muss und welche Strategien angewendet werden müssen, damit die richtige Seite sich endlich durchsetzt.

Die AfD ist die derzeit bedeutsamste rechte Kraft in der BRD und wahrscheinlich im ganzen deutschsprachigen Raum. 

Lotta Vorbeck

15. Oktober 2020 16:18

@Gelddrucker - 14. Oktober 2020 - 08:35 PM

Wo sehen eigentlich manche einen Linksdrift der Gesellschaft ?

Ist eigentlich irgendjemand hier auf Facebook angemeldet und hat mal beobachtet, wie sich dort nur innerhalb des letzten Jahres der Ton und die Verteilung der Einschätzungen (likes) zu gewissen Themen geändert hat?

---

"Bei Facebook ist etwas in Bewegung geraten, und jetzt sieht es aus wie eine Lawine. Der Verschwörungskult QAnon wird plötzlich mit Macht von der Plattform gedrängt, Holocaust-Leugnung global verboten und nun akzeptiert das Unternehmen auch keine Anzeigen von Impfgegnern mehr. All das wurde innerhalb einer Woche verkündet, die neuen Regeln zur Eindämmung von Wahlkampf-Desinformation kommen noch hinzu. Alles, was gefährlich ist, so sieht es aus, soll von der Bildfläche gefegt werden, von einer Lawine des Guten."

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Christian

15. Oktober 2020 19:19

Apropos Permissivität - von welchen Staaten und Zeitaltern die Rede ist, sei nicht verraten ...

Das Interessante an tatsächlich durchgesetzten, etablierten und herrschenden Ideologien ist, daß die Tatsache jahrelang eingesperrter Menschen, die die Dogmen des ideologischen Glaubenssystems infrage stellten, nicht das Gefühl der Permissivität stören - ebensowenig wie es den von einem herrschenden religiösen Glaubenssystem Überzeugten bei aller Kritik am Klerus nicht als mangelnde Meinungsfreiheit erscheint, wenn die Ketzer (aber wirklich nur die Ketzer) hinter Gittern sitzen - darüber schaut das Verständnis von Permissivität hinweg.

Denn schließlich darf der Andersdenke - solange er das eigentliche Glaubensfundament, bzw. Denk- und Gefühlsfundament der herrschenden Machtverhältnisse nicht infrage stellt - revolutionär reden - da vereinen sich Legislative, Exekutive und Judikative zu einem unglaublichen Maß von Permissivität - und auch der kritisch hinterfragende Philosoph freut sich, daß er im vorgegeben Meinungsgehege alles, aber wirklich alles infrage stellen darf - wenn man wirklich mutig ist, läßt man sich in eine "Ecke" stellen, aber drin bleibt man doch.

Laurenz

15. Oktober 2020 21:47

@Lotta Vorbeck  @Gelddrucker 

Absolut korrekt, was der Relotius schreibt. Nur so wird es notwendig, eine alternatives Medium aufbauen zu müssen.

Nur, ob der Cowboy-Staat unseren Freund Kandishügel retten wird, wie die Buntland-Junta den Relotius, bleibt zweifelhaft.

Götz Kubitschek

16. Oktober 2020 07:49

so, bevor hier der wortwitz eine führungsrolle übernimmt: badeschluß!

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