6. Oktober 2020

Sprachverfall in der Bildungsrepublik

Heino Bosselmann / 59 Kommentare

Der offizielle Verzicht darauf, eine Nation zu sein, spiegelt sich zuerst im Kulturellen und im retardierenden Sprachvermögen der Heranwachsenden.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

  • Sezession

Wo die Sprache schwindet, degeneriert mit dem Ausdrucksvermögen das Denken. Seine Diversität verarmt - so sehr, daß das negativ auf Wahrnehmungsvermögen und Sensibilität zurückwirkt.

Beinahe zwanzig Prozent aller Viertkläßler können gemäß Iglu-Studie nicht so lesen, daß sie den Text bei der Lektüre verstehen; folgerichtig weist nach Pisa-Erhebung ein noch etwas größerer Teil der Fünfzehnjährigen, einundzwanzig Prozent, nur ein geringes Textverständnis nach, während das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) – hier die Aufgaben – genau dies schon für dreiundzwanzig Prozent der Neunkläßler konstatieren muß.

Weiter mit Zahlen: Sechsundsechzig Prozent der Viertkläßler, immerhin noch zwei Drittel, erreichen beim Lesen gerade so Regelstandard, im Orthographischen sind es nur noch vierundfünfzig Prozent; „Optimalstandard“ erfüllen indessen beim Lesen und Zuhören nur zehn Prozent, im Rechtschreiblichen nurmehr knapp neun Prozent.

Untersuchungen offenbaren, daß der Wortschatz der Kinder stetig abnimmt. Darauf wies u. a. Simone Fleischmann hin, die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes. Sie beklagt insbesondere die fehlende Sprachgewandtheit der Kinder.

Letztlich: Wie die Leo-Studie zeigt, müssen mehr als sechs Millionen Deutsche als funktionale Analphabeten gelten; zweiundfünfzig Prozent dieser Gruppe sind Muttersprachler und haben die Schule durchlaufen. Etwas mehr, 6,2 Millionen zwischen fünfzehn und vierundsechzig Jahren, gelten als „gering literarisiert“; zwanzig Prozent der Altersgruppen können nur immens fehlerhaft schreiben.

Die benannten Studien konstatieren also basale sprachliche Defizite, wie es sie in Deutschland noch niemals gegeben hat. Schon das geschmähte Schulwesen des deutschen Kaiserreiches hatte nahezu alle Heranwachsenden zu alphabetisieren verstanden. Das gilt übrigens aus besonderen Gründen ebenso für die DDR, deren Deutsch-Lehrpläne im Muttersprachlichen wie Literarischen zwar ideologisch überfrachtet, aber didaktisch und methodisch durchdacht aufgebaut waren und enormen Wert auf sehr gute Rechtschreibung und Grammatik legten. Man verfuhr ganz rigoros: Bei strengsten Fehlerquoten durfte die Gesamtnoten in den Prüfungsaufsätzen nur eine Note besser sein als die Zensur für Rechtschreibung und Grammatik

Heute haben sich die meisten der gering literarisierten Menschen und die Millionen funktionalen Analphabeten mit ihrem Handicap abgefunden und lassen kaum den Impetus erkennen, es zu überwinden. Eine teure Alphabetisierungskampagne von Bund und Ländern, die „Alpha-Dekade“, stellte zwar hundertachtzig Millionen Euro bereit, erreichte aber nach eigener Einschätzung zu wenig, insofern lediglich 0,7 Prozent der gering literarisierten Bürger Bildungsangebote zur Alphabetisierung in Anspruch nahmen.

Die Verantwortlichen der Alpha-Dekade suchen die Gründe des Desasters nun kniefällig bei sich selbst. Das geschieht so auch im Schulischen. Schuld sind die Lehrer, die sich bemühen, während Eltern und Schüler gänzlich aus der Verantwortung entlassen werden. Man müsse vielmehr präventiv ansetzen, die Kita sollte mehr leisten, man sollte Kinder im frühen Alter professionell bei der Sprachentwicklung begleiten. Es wäre also bitte noch mehr Geld zu investieren und vorschulische Förderung müsse verbindlicher Teil der Erzieherausbildung werden. Von Pflichten, die der Kultur der Elternhäuser obliegen, ist nirgendwo die Rede; staatliche Institutionen sind gefordert - und handhaben dabei Entscheidendes sehr fragwürdig.

Von der Bedeutung der Schule und des einstigen Kernfaches Deutsch ist in Resümees zur Alpha-Dekade durchaus die Rede, aber lediglich pauschal. Es solle gezielt gefördert werden, so wie ja in Zeiten allumfassender Inklusion immer gefördert wird. Credo: Man müsse alle Unwilligen und Minderleister dort abholen, wo sie stehen. Bewegen bräuchten sie sich selbst also nicht.

Selbstverständlich haben die "neuen Medien" direkte neurologische Auswirkungen auf die Heranwachsenden, insofern es sogar reifen Erwachsenen schwerfällt, eine Resilienz gegenüber der von all den Screens ausgelösten Reizüberflutung zu entwickeln. Aber klarzustellen bleibt: Die Zahl der Analphabeten und „Geringliterarisierten“ wächst in Deutschland nicht trotz, sondern gerade wegen der Schule.

Das Fach Deutsch wurde von den Kultusbürokraten und „Bildungsforschern“ über Jahrzehnte hinweg immer weiter degradiert. Eine systematische, also konsequent morphologisch, lexikologisch, syntaktisch und stilistisch aufbauende Ausbildung in der Muttersprache gibt es nicht mehr. Lesebücher sind weitgehend abgeschafft, Rechtschreibung und Grammatik werden „integral“ oder dann und wann in gesonderten Stoffeinheiten unterrichtet, also beispielsweise mal die Schreibung von Wortstämmen, dann wieder ein paar Kommaregeln, schließlich irgendwas zum Themenbereich des Ausdrucks, manches auch gar nicht. Ein literarischer Kanon existiert nicht, es gibt lediglich zweifelhafte Empfehlungen.

Die Rahmenrichtlinien schreiben das Pensum recht ungenau vor, die Einhaltung des veranschlagten Minimums kontrolliert niemand; schulinterne Rahmenpläne sind oft völlig improvisiert und lückenhaft angelegt und verschwinden meist in der Ablage. Wie in anderen Fächern reicht es aus, wenn irgendwas gemacht wird. Vielfach wird übers Jahr an nichtgymnasialen Schulen nicht eine einzige literarische Ganzschrift gelesen.

Für das Schreiben gilt mehr oder weniger: Richtig ist, was verstanden wird. Zumal es Fehlerquoten in den Prüfungen längst nicht mehr gibt. Die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz treffen für die allgemeine Hochschulreife im Fach Deutsch zum Elementarsprachlichen keinerlei klare Aussagen und fordern in einem randständigen Unterpunkt lediglich die „Erfüllung standardsprachlicher Norm“. Im schriftlichen Deutsch-Abitur konnten in Mecklenburg-Vorpommern für agrammatische Prüfungsaufsätze, in denen das Verständnis gravierender elementarsprachlicher Mängel wegen entscheidend erschwert ist, lediglich zwei Notenpunkte abgezogen werden.

Was man hingegen in den Prüfungsanforderungen zur Interpretation oder zur Analyse von Texten liest, klingt wie die Handreichung zu einem germanistischen Oberseminar, während regelkonformes Schreiben als Forderung nirgendwo auch nur Erwähnung findet. Folgerichtig beklagen Professoren mangelnde Studierfähigkeit, ganz im Gegensatz zu dem, was sich laut KMK-Maßgaben schon mit dem Abitur längst erreicht und gesichert finden müßte.

Während in den KMK-Bildungsstandards also bereits für das Abitur alles an „Kompetenzen“ versprochen wird, was sich ein qualifizierter Akademiker nur für sich selbst wünschen könnte, sehen sich die Universitäten gezwungen, Sonderkurse einzurichten, um fehlende Kenntnisse in grundlegenden Kulturtechniken wie Lesen und Schreiben spät nachzubessern, was aus entwicklungs- und lernpsychologischer Sicht so verspätet den etwa Zwanzigjährigen schwerfallen dürfte. Der bildungspolitisch hochgerüstet herkommende Begriff der „Kompetenzen“ bzw. „Kernkompetenzen“ muß direkt als Ausdruck für Kompetenzvermeidung gelesen werden, mindestens was das richtige und stilbewußte Schreiben und das verstehende Lesen angeht.

Was wäre hilfreich? Mehr Redlichkeit! Durchaus im Sinne einer Reduktion: Weniger pseudoakademisches Gedöns, mit dem versprochen wird, was schon seit Jahrzehnten nicht gehalten werden kann, weniger Euphemismen, weniger Ventilation von politisch suggerierten Wunschausdrücken, sondern die Besinnung darauf, daß das Erlernen der Muttersprache einfach viel lautes, stilles und verstehendes Lesen erfordert, so wie das Schreibenlernen eben einer systematischen Ausbildung und des begleitenden Übens und Wiederholens bedarf.

Man kann dem durchaus moderne Gestalt geben, indem beispielsweise rechtschreibsichere und grammatisch richtige Sprache für Mails und Chats vermittelt wird und man regelkonformes und ausdrucksstarkes Schreiben mit Blick auf Beiträge und Kommentare in sozialen Medien übt.


Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

  • Sezession

Kommentare (59)

Laurenz

6. Oktober 2020 10:37

Werter HB, wieder erlebe ich Ihren Artikel als persönlichen Erfahrungsbericht, den Sie mit Zuhilfenahme von Studien ausweiten. Über Ihren Standpunkt gibt es aus meiner Sicht auch so gut wie nichts zu debattieren. Es wird genau so sein, wie Sie schreiben.

Ich hatte mir das auch nicht vorstellen können, habe aber auch in den letzten Jahren aus meiner Altersgruppe Deutsche kennengelernt, die nicht wirklich akzeptabel schreiben können.

Mir geht es wie allen: Da jeder tippt, kann ich auch nicht mehr wirklich gut mit der Hand schreiben. Das Tippen, mit der Eile, die fast jedem auferlegt ist, führt zu einer Verkürzung der Sprache. Auch der Hang, Epost zu schreiben, anstatt zu telefonieren, macht die Sache nicht besser. Die Tendenz, unsere Sprache immer weiter zu anglisieren, ist auch nicht dienlich. In Britannien wurde die Schulpflicht sehr spät eingeführt, und die vor allem militärische Notwenigkeit, Befehle in eine für Ungebildete verständliche Form zu packen, hat der primitivsten Sprache Europas nicht gut getan. Von Anglophilen wird gerne der ca. 26.000 Wörter umfassende Wortschatz Shakespeares angeführt. Hierbei wird aber gerne vergessen, daß Shakespeares Wortschatz aus 5 oder 6 europäischen Sprachen stammte.

Laurenz

6. Oktober 2020 10:37

(2)

Wir waren nicht umsonst das Volk der Dichter und Denker. Der Grund dafür ist unsere Sprache, die es erlaubt, schriftlich Emotionen und Standpunkte in einer vergleichsweise enormen Exaktheit darzulegen. Und da jeder Nicht-Taube oder Nicht-Stumme in Worten denkt, beschreibt der persönliche Wortschatz das Denk-Volumen eines jeden einzelnen. Für mich ist Deutsch eine Sprache, die man nie auslernt, es sei denn, man stirbt.

AndreasausE

6. Oktober 2020 11:12

1/4
"Darauf wies u. a. Simone Fleischmann hin, die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes. Sie beklagt insbesondere die fehlende Sprachgewandtheit der Kinder."
Es sind ja nicht allein Kinder, die eine eintönige, ausdrucksarme Primitivsprache nutzen. Es sind besonders Politiker und Journalisten, die zwar einerseits die Sprache sinnlos verkomplizieren (durch Gender-Gaga), andererseits die Mannigfaltigkeit der deutschen Sprache nicht nutzen (nicht kennen?). Die sind wegen Dauerpräsenz in gewisser Weise Vorbild, da wundert dann doch gar nichts mehr.
Nehmen wir als Beispiel das "beliebte" Wort Haß. 
 

AndreasausE

6. Oktober 2020 11:13

2/4
Jegliche Form von Unwillen, vorzugsweise, wenn von "rechts" geäußert, firmiert als Haß.
Ekel, Abscheu, Verachtung, Widerwillen, Ablehnung - alles aussterbende Art, für Journaille ist das alles "Haß", noch lieber dumpfdenglisch "Hate".
Auch jede denkbare Kombination mit "öko", "grün" bzw. "green" ist typisches Primitivdeutsch. Da wird gar nicht durch sinnvolle Formulierung erläutert, was zum Beispiel an Strom "grün" sein soll (ohnehin grotesker Schwachsinn), das Wort wird einfach hingepappt, fertig.
Man könnte da unzählige Beispiele bringen ("Leugner" ist auch gut), aber Lektüre einer Tageszeitung langt, noch einfacher einige Stunden "Deutschlandfunk" hören (bes. die Kommentare oder Interviews mit "Grünen"), da ist Rücksturz in Urwaldsprache zu erleben.
Denn das färbt erst auf Eltern, dann auf Kinder ab.

AndreasausE

6. Oktober 2020 11:13

3/4
"Man kann dem durchaus moderne Gestalt geben, indem beispielsweise rechtschreibsichere und grammatisch richtige Sprache für Mails und Chats vermittelt wird und man regelkonformes und ausdrucksstarkes Schreiben mit Blick auf Beiträge und Kommentare in sozialen Medien übt."
Kann man sicher machen. Man kann aber auch einfach zum Unterricht der Kaiserzeit zurückkehren, der sich als brauchbar erwiesen hat (Rohrstock lassen wir weg). Schule muß nicht modern sein, alldieweil jeglicher Unterricht für jeden ABC-Schützen immer Neuland ist, immer war und immer sein wird. Das war schon bei alten Sumerern so und wird so auch in der Raumfahrerkinderklasse auf der Enterprise nicht anders sein.
Dieser ganze Digitalkram, die Arbeitsbögen, all das dient mehr der Unterhaltung der Lehrer und der Mästung der Lieferanten, als daß es Neugier der Schüler weckt, ganz egal, ob Lehrstoff auf Tablet daherkommt oder als Wandtafelbild. Wobei Letzteres wohl die beste Methode ist.

AndreasausE

6. Oktober 2020 11:14

4/4
Im Übrigen ist das alles für die Katz', wenn ein Großteil der Schüler kein Deutsch kann. Für die Lösung hält die deutsche Sprache gleich mehrere Begriffe bereit: Abschiebung, Rückführung, Rausschmeißen, auf "schlau" Remigration, Repatriierung, besonders schön das schweizerische Ausschaffen.

Uwe Lay

6. Oktober 2020 11:24

Differenzierungen erwünscht!

Wäre hier nicht eine differenzierte Statistik von Nöten: wie viele der Untersuchten stammen aus Haushalten, in denen kein Deutsch gesprochen wird, wie viele haben einen Migrationshintergrund und wie viele sind schulpflichtige Kinder von hier weilenden Asylanten? Es ist doch wohl davon auszugehen, daß die Bereitschaft, die Fremdsprache Deutsch zu erlernen. abnimmt, wenn Fremdethnien in eigenen Subkulturen bzw. Parallelgesellschaften leben und da ganz ohne Deutschkenntnisse auskommen.

Uwe Lay

 

 

Glast

6. Oktober 2020 11:55

@Laurenz

"Für mich ist Deutsch eine Sprache, die man nie auslernt, es sei denn, man stirbt." 

Schöne, wahrhaftige Worte! Ich liebe meine deutsche Muttersprache. 

Franz Bettinger

6. Oktober 2020 12:31

Englisch ist wirklich eine vergleichsweise arme Sprache. Versuche mal einer das Wort 'Trompeterin' ins Englische zu übersetzen. Geht nicht. Immer kommt "the trompeter" raus.

Franz Bettinger

6. Oktober 2020 12:34

Weils um Sprache geht und echt lustig ist: Jacinda Ardern, the NZ super-woman:  https://twitter.com/MagicTalkRadio/status/1312919122116706305

Maiordomus

6. Oktober 2020 12:50

@HB. Zustimmung kommt weitgehend aus gleichen Kreisen, älter werdenden Bildungsbürgern, Rentnern, die zwar nur sehr zum Teil "rechts" ticken. In der Schweiz ist es so, dass bei Abituraarbeiten die Form bei massivem sprachlichem Ungenügen gegenüber dem angeblichen "Inhalt", wiewohl unlesbar, nicht für sich allein eine ungenügende Note rechtfertigt. Wiewohl die Arbeit schon deswegen in den Papierkorb gehören würde!  Beim Inhalt habe ich erlebt, dass bei Abituraufsätzen ein sog. Klimaleugner mit bäuerlicher Herkunft und Argumentation aufgrund  Herkunftserfahrung auf eine ungenügende Gesamtnote gesetzt wurde, während ein gleich schlechter Aufsatz eines sprachlich unbeholfenen Panikmädchens à la Greta (gab es schon vor 10 Jahren)  dank  politisch korrekter Einschätzung noch auf "genügend bis gut" kam. Sehr oft werden rechte Positionen als Abzug beim differenzierenden und auch logischen Denken gebucht und bestraft. Selber wollte ich es nicht so handhaben. Es war, bei kontroverser Behandlung eines Themas aber möglich, dass der Schüler mit "meiner " Meinung strenger beurteilt werden konnte als links Positionierte, denen ich keineswegs den ihre Haltung bestärkenden Eindruck von Bestrafung ihrer Perspektive vermitteln wollte. So wie ich mich umgekehrt - wie hier manchmal - über ein kontraproduktiv argumentierendes "rechtes" Lager ärgern kann.  

Loki

6. Oktober 2020 12:55

Wie immer eine Kolumne, die ins Schwarze trifft. Es ist leider davon auszugehen, dass ein Verfall der muttersprachlichen Fähigkeiten vom politischen Altparteienkartell gewünscht ist. Denn wer sich nicht auszudrücken vermag, wer Zusammenhänge in Wort oder Schrift nicht mehr erkennt oder herstellen kann, ist leicht zu lenken.

 

Fritz

6. Oktober 2020 12:58

Gebe zu bedenken, dass nicht alles Schlechte linken Pädagogen zuzuschieben ist. Dafür, dass Kinder und Jugendliche praktisch nur noch mit Kommunikations-Apparaten hantieren, anstatt zu schreiben oder (Bücher) zu lesen, sind die Produzenten dieser Apparate verantwortlich sowie die Politiker, die ihnen den Weg freigemacht haben (das waren idR. keine Linken).

Was bin ich froh, dass ich in der Schule keinen Taschenrechner und keinen Computer benutzen konnte, ich musste noch Kopfrechnen lernen.

 

Franz Bettinger

6. Oktober 2020 13:06

Der Link oben scheint nicht zu funktionieren. Der hier geht: https://thespinoff.co.nz/politics/06-10-2020/watch-the-spitting-image-jacinda-ardern-sketch-really-gets-nz-right/

Laurenz

6. Oktober 2020 13:55

@Fritz

Das Thema Schule ist bei uns im jeweiligen Kultus-Ministerium der Länder angesiedelt. Und hier ist es sehr wohl entscheidend, wen man eben wählt. Der Bürger bekommt das, was Wähler mehrheitlich wählen.

Elvis Pressluft

6. Oktober 2020 14:00

Habe seit einiger Zeit wieder Anlaß, mich auf dem Campus meiner alma mater zu bewegen und gewinne den Eindruck, daß der Unterschied im sprachlichen Ausdruck zwischen angehenden „Akademikern“ und den euphemistisch als bildungsfern (wunderbare Wortschöpfung!) Bezeichneten weitgehend nivelliert ist. Männliche Studenten apostrophieren einander ohne jeden Hauch von Ironie als „Digga“; man bildet Sätze wie „Ich freu‘ mich mega“. Universal anwendbares Attribut – mit wahlweise positiver oder negativer Valenz – ist „krass“. – Aus meiner Pubertät ist mir noch die Neigung erinnerlich, absichtlich flapsig bis gewollt falsch zu formulieren (nie allerdings in Prüfungskontexten). Nur nicht nach Bildung schmecken! Es ist/war wohl ein wenig wie mit dem Rauchen: Man kokettiert anfangs damit und ertappt sich dann immer häufiger dabei, bis man die richtige Anwendung zu verlernen droht. Hilfreiches Gegengift war die schulische Bewertung des Elementarbereichs: Eine Klausur im Fach Deutsch konnte insgesamt nicht besser benotet werden als Orthographie und Grammatik, abgeschwächt auch in Fremdsprachen. Die von HB andernorts geschilderte Möglichkeit, auf LRS (wie es damals hieß: Lese-Rechtschreibschwäche) zu plädieren, gab es kaum. Man hätte sich auch selbst ein Stigma angeheftet.

quarz

6. Oktober 2020 14:40

@Bettinger

"Versuche mal einer das Wort 'Trompeterin' ins Englische zu übersetzen. Geht nicht. Immer kommt "the trompeter" raus."

Wenn der Unfug anhält, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis an deutschen Musikhochschulen "Trompetende" ausgebildet werden und in Orchestern "Streichende" und "Blasende" musizieren.

Gotlandfahrer

6. Oktober 2020 15:03

Aus meiner Sicht erscheint mir das weniger absichtsvoll vonstatten zu gehen, als ein an Sprachgewandtheit Herangeführter vermuten muss, um seinem Entsetzen ob der  Lallopädie nicht auch noch die Würde dadurch zu nehmen, dass dahinter nicht eine böse Absicht steckte.

Wenn die Vielfalt der deutschen Sprache an deren Lernerwerb geknüpft ist, wird sie sich in der Breite (der Breite der Spitze, würden Fussballer sagen) ja erst durch die allgemeine Schulpflicht entfaltet haben können.  Einerseits wäre dann also zu prüfen, ob schlechtes Lernen niedrigere Sprachvermögen ausbildet als gar kein (schulisches) Lernen, ansonsten wäre nichts schlechter als vor der allgemeinen Schulpflicht. Andererseits gibt es aus systemischer Sicht einen optimalen Fertigkeitengrad hierarchisch abhängiger Elemente.  Während Leibeigene nur mündliche Anweisungen einfachen Inhalts verarbeiten können mussten, war der wilhelminische Untertan unter hohen Freiheitsgraden gefordert, eigenständige und komplexe Entscheidungen zu treffen, um dem einsetzenden Innovationshub gerecht zu werden.  Nun, da die Masse der "Fat Clients", also mit Autonomie ausgestattete Netzwerkteilnehmer, viel effektiver durch zentrale Cloudressourcen zur lokal noch notwendigen Restperformance gesteuert werden kann, erübrigt es sich, Energie in Form von Skill-Uploads zu verschwenden.  Wozu sollen die Nachwachsenden denn eigenständige Entscheidungen treffen können? Im besten Land, das es je gab, ist das nicht nur nicht mehr nötig, sondern geradezu systemgefährdend.

Wahrheitssucher

6. Oktober 2020 16:11

„Die Sprache ist der Körper des Geistes“ (Hegel)

Wahrheitssucher

6. Oktober 2020 16:13

@ AndreasausE

„Ausschaffen“ - Dank für diesen sprachlichen Hinweis aus dem Schweizer Deutsch!

Brandolf

6. Oktober 2020 17:02

Die sinkende literalische Kompetenz des autochthonen deutschen Bildungsnachwuchses ist ein schockierender Befund! Das durch die Implementierung verquerer didkatischer und pädagogischer Konzepte ohnehin für einen Industriestaat bedenklich geringe literalische Kompetenzniveau wird sich im Zuge der Absenkung der schulischen Lernanforderungen im Zusammenhang mit dem Versuch der Integration von Millionen bildungsschwachen Massenzuwanderern aus vormodern-religiös geprägten Ländern zusätzlich erheblich verringern.

 

limes

6. Oktober 2020 17:51

HB: »Der offizielle Verzicht darauf, eine Nation zu sein, spiegelt sich zuerst im Kulturellen und im retardierenden Sprachvermögen der Heranwachsenden.«

Im Gegensatz dazu wird in Frankreich die Freude an der Hochsprache noch gepflegt. Das Diktat ist dort ein Volkssport, der auch in Deutschland Anhänger hat, mutmaßlich mangels eigener nationaler Kulturpflege. Kulturell Asyl suchende in einem Land, in dem man den Nationalfeiertag ohne Nationalhymne feiern lässt.

limes

6. Oktober 2020 17:52

»Von Pflichten, die der Kultur der Elternhäuser obliegen, ist nirgendwo die Rede …« schreibt Heino Bosselmann mit Blick auf die sprachliche Bildung von Kindern.

Der Begriff »Pflichten« erscheint mir in diesem Zusammenhang zu hart. Im liebevollen familiären Alltagsumgang entwickeln Kinder von selbst sprachliches Können und Gefühl für die Muttersprache. Die Erfüllung dieser Pflicht fürs Vaterland ist also eine große Freude!

nom de guerre

6. Oktober 2020 18:59

@ Gotlandfahrer

„[…], ob schlechtes Lernen niedrigere Sprachvermögen ausbildet als gar kein (schulisches) Lernen, ansonsten wäre nichts schlechter als vor der allgemeinen Schulpflicht. […] Während Leibeigene nur mündliche Anweisungen einfachen Inhalts verarbeiten können mussten […]“

Hier gehen Sie m.E. zu sehr von den Gegebenheiten einer industrialisierten Arbeitswelt aus (so es darin in größerem Umfang Leibeigene gegeben hätte), wenn Sie daraus, dass jemand leibeigen war, auf seine sprachlichen Ausdrucksfähigkeiten schließen. Leibeigene waren Teil der traditionellen Agrargesellschaft, die sich durch einen reichen Schatz dessen, was man neudeutsch oral history nennt, auszeichnete. Die Leute haben einander viel erzählt, waren in Traditionen, Bräuche und vielfältige soziale Rollen eingebunden, die ein hohes sprachliches Ausdrucksvermögen mit sich brachten und auch erforderten. Das Erzählen und Zuhören, gerade bei vordergründig monotonen Arbeiten, wie Spinnen u.ä., ist heute fast völlig verschwunden, was sich m.E. nicht positiv auf die Ausbildung sprachlicher Fähigkeiten auswirkt.

Zum anderen kann, wer heute mit sehr alten, je nach Gegend und natürlich nur auf dem Land noch vollständig im Dialekt sozialisierten Menschen spricht, feststellen, dass Dialekte sogar einen sehr differenzierten Wortschatz und eine komplizierte Grammatik aufweisen (oft komplizierter als im Hochdeutschen) – was sich natürlich nicht erst mit der Einführung der allg. Schulpflicht entwickelt hat.

Werner

6. Oktober 2020 20:25

Durch die neuen Medien hat sich die Gesprächskultur verändert, was sich meiner Ansicht nach auf den Spracherwerb und die Sprachgewandtheit auswirkt.

Immer öfter sieht man Mütter, die schweigend mit einer Hand den Kinderwagen schieben, während die andere das Mobiltelefon hält.

Stellt man eine Frage, bekommt man immer häufiger als Antwort "Frag G**gle!"

Während man früher lange Diskussionen führte, schaut man heute schnell im Netz nach, was "richtig" ist.

Gotlandfahrer

6. Oktober 2020 20:33

@ nom de guerre

Sie haben völlig recht, Danke für die Korrektur. Mir stand nicht der Sinn danach, das einfache aber ehrenhafte und kulturell sicher deutlich reichere Leben der Menschen in mittelalterlicher Leibeigenschaft mit dem der heute sprachlich vorsätzlich Unterbelichteten qualitativ gleichzusetzen.  Mit meinem Einschub "(schulisches) Lernen" wollte ich eigentlich dies ausgedrückt haben, aber bei nicht einmal 1.500 Zeichen verdichtet's sich bei mir manchmal zu sehr.

Volksdeutscher

6. Oktober 2020 20:41

Sprachverfall? Treffender wäre es zu sagen: mentaler Verfall. Jeder Idiot entschuldigt sich inzwischen mit "sorry".... Wie gestelzt und überdreht sich das anhört, ist dem, der diesen blöden und überflüssigen Anglizismus benutzt, überhaupt nicht bewußt! Da wird mir speiübel, wenn ich das höre. Einer Bekannten konnte ich das abgewöhnen (zumindest im Schriftverkehr mit mir), indem ich sie fragte, warum sie das benutze. Sie konnte mir keine plausible Antwort geben. Dabei gibt es im Deutschen viele Möglichkeiten, sich je nach Situation und Anlaß adäquat zu entschuldigen: entschuldige / verzeihe / vergebe / ich bedauere / es tut mir leid. Die Flucht in fremdsprachliche Ausdrücke ist die Flucht vor sich selbst in der billigen trügerischen Hoffnung, sich seines Deutschseins für Bruchteile von Sekunden zu entledigen,um sich in das vermeintlich "bessere Andere" zu transformieren....

Tokugawa

6. Oktober 2020 20:51

Sie sprechen mir aus der Seele. Danke! Nur, wäre es nicht so, wie es ist, würde der Schwachsinn, der in diesem Lande abgeht, am Widerstand der Lesenden, Denkenden, Schreibenden zerbrechen. Die Gedanken sind frei, heißt es. Die Konsequenz: die Menschen dürfen keine eigenen Gedanken mehr haben. Und was ich in Sprache nicht mehr ausdrücken kann, das kann ich nicht mehr denken... Dabei ist meine Erfahrung, dass junge Menschen dankbar sind, wenn man sie in die Lage versetzt, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen, und dazu anleitet. Nur, um mal eine Schülerin zu zitieren, "schade, dass du nicht Lehrer bist, bei uns an der Schule müssen wir nur sagen, was der Lehrer erwartet - sonst bekommst du eine schlechte Note". Das ist nicht Deutschland 1904, auch nicht 1920 - das ist das "beste Deutschland aller Zeiten".

Volksdeutscher

6. Oktober 2020 21:16

@nom de guerre "....was man neudeutsch oral history nennt...." - In meinen Ohren klingt das gar nicht deutsch, weder altdeutsch noch neudeutsch, sondern englisch (selbst da kommen beide Bestandteile aus dem Altfranzösischen/Lateinischen). Kann man diesen primitiven Anglizismus, den Sie als "neudeutsch" preisen, nicht ins Deutsche übersetzen als mündliche Weitergabe oder mündliche Überlieferung oder mündliche Übermittlung? Was wäre Ihr Vorschlag?

Sowohl die deutsche Sprache als auch Deutschland wird von gewaltsam angesiedelten minderwertigen Fremden kolonnialisiert. Halten wir unsere Sprache möglichst rein.

RMH

6. Oktober 2020 21:20

Ich empfehle als Lektüre das Kapitel "Das Völkerchaos" in H. St. Chamberlains "Grundlagen des 19. Jhdts."

Dort geht es zwar primär nicht um Sprache, aber der dort genannte Grundsatz, dass auf eine Vermischung eine Phase des Abschlusses kommen muss, damit etwas Gescheites dabei raus kommt, kann meiner Meinung nach besser auf Sprachen angewendet werden, als auf das von Chamberlain behandelte Thema. Eine Sprache entwickelt sich, wenn sie aus einer Vermischung kommend eine Zeitlang ohne Zufuhr von neuen Wörtern von außen quasi "im eigenen Saft" schmoren kann. Aber ganz ohne Einflüsse von anderen Sprachen hat sich sicher kaum eine Kultursprache entwickelt. Das Verteufeln von Fremdeinflüssen ist der falsche Weg. Das ständige Bombardieren damit aber sicher auch nicht förderlich.

In der Schule wird in Bezug auf Rechtschreibung Vieles ganz eindeutig bereits in der Grundschule versaut. So hat eines meiner Kinder mit einer sog. "Anlauttabelle" Lesen und Schreiben gelernt und es machte bis tief in die gymnasiale Zeit Arbeit, diesen Pfusch wieder raus zu bekommen. Das andere Kind hatte in der Grundschule eine ältere Lehrerin, die diese Methode entgegen den Anweisungen nicht angewendet hat und dieses Kind hatte dann keine solchen Probleme.

Gelddrucker

6. Oktober 2020 22:25

@Volksdeutscher:

Sorry, aber könnten Sie solche Pieksereien in der Öffentlichkeit lassen, das ist exakt das, was Leute davon abhält, rechts zu werden. Aus der Zeit gefallen, ewiggestrig etc., das wären die Attribute für solche unnötigen Kleinigkeiten. Gibts nicht sonst genug Dinge, über die man sich aufregen kann? Wenn sich einer bei mir mit "ich bedaure" entschuldigt, würde ich ihn fragen, ob er es mit Gewalt darauf anlegt, wie ein Komiker zu wirken.

Gustav Grambauer

6. Oktober 2020 22:45

Volksdeutscher

"Jeder Idiot entschuldigt sich inzwischen mit "sorry".

Mit "sorry" drückt immerhin jemand sein Bedauern aus. Z. B. "Entschuldigung" oder "Ich entschuldige mich" ist noch viel banausiger als "sorry". Es kann sich gar niemand aus sich heraus enschuldigen, hier soll die Satisfaktionslast rotzfrech zu eigenen Gunsten umgekehrt werden, denn entschuldigen kann nur der Geschädigte. Sie sagen selbst, wie die Formel zu lauten hat:

"entschuldige / verzeihe / vergebe / ich bedauere / es tut mir leid". ("Bitte" wäre auch nicht schlecht.)

- G. G.

tearjerker

6. Oktober 2020 22:55

Die seit Jahrzehnten andauernde Reformierei der Schulen zielt nicht auf Bildung, sondern auf die vertiefende Einvernahmung des Schülers und die Herrschaft über seinen Kopf. Die Kritiker der Messung von Lernergebnissen sehen diese daher zurecht als irreführend an, denn Kompetenzen sind nur ein Schleier, der die die eigentliche Zielsetzung des Schulsystems verdeckt. Schulen sind die Brutstätten für die schlechtesten gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten 50 Jahre und ich sehe keinen Sinn darin, Debatten über die Verbesserung von Institutionen zu führen, die in dieser Form besser gar nicht existierten.

Cugel

6. Oktober 2020 23:17

Sind die Untersuchungsergebnisse eigentlich belastbar? Ein Verfall der sprachlichen Fähigkeiten findet gewiß statt, aber ist er wirklich so schlimm ist wie ihn die einschlägigen „Studien“ beschreiben? Ist hier neben Differenzierungsdefiziten (Kommentar Uwe Lay 6.10. 11:24) und übergeordneten Interessen nicht ein erhebliches Eigeninteresse des „Pädagogisch-Industriellen Komplexes“ an Dramatisierung der Lage wirksam? Die völlig nutzlose Akademisierung und Ideologisierung von Berufen wie z. B. der Erzieherin hat Gründe, die sicher nicht in der Steigerung der Qualifikation liegen. Die Ausgebildeten können nichts besser als die älteren Jahrgänge ihres Fachs. In einem Lehrbuch der Erzieherinnenausbildung habe ich durch zufälliges Aufschlagen eine Stelle gefunden, in der dargelegt wird, daß der Fokus staatlicher Erziehung bereits beim Anderthalbjährigen auf dem gefestigten Demokraten als ihrem Endprodukt zu liegen hat. Also malträtiert man die Lehrlinge mit Talcott Parsons und Konsorten...

Volksdeutscher

7. Oktober 2020 00:15

@Gelddrucker - Schade, daß Sie sich angesprochen fühlen von der mir unterstellten "Pieckserei".... Wissen Sie, ich bin nicht in dieser Welt, um mich dem primitiven linken Zeitgeist samt ihren destruktiven "Rechtsschreibreformen" und sonstigen Wortblödeleien  durch Übernahme irgendwelcher überflüssigen oder schlechten Anglizismen anzubiedern. Und ich kann nur mein Bedauern ausdrücken, wenn manche Leute sich den Zwang antun und diese unendlich schicken, aber geistlosen Anglizismen aneignen, um "modern" zu gelten, um "dazuzugehören". Ist schlechtes Deutsch wirklich der Eintrittspreis zum Rechts-Sein? Welch ein geringes kulturelles Bewußtsein mag dahinter stecken! Denn was Sie hier preisen, ist übelstes linkes Schickeriadenken. Um jene Leute, die erst solche modischen Wörter brauchen, ja, nach einem dermaßen schlechten Deutsch lechzen, um sich rechts zu wähnen, ist es nicht schade, wenn sie dem rechten Lager gestohlen bleiben. Rechts sein ist für mich keine Modefrage. Für Sie etwa?

Volksdeutscher

7. Oktober 2020 00:28

@Gustav Grambauer "....denn entschuldigen kann nur der Geschädigte..." Das ist richtig. Aber wer sich nicht entschuldigt, der kann nicht entschuldigt werden. Dem Schuldbekenntnis muß Entschuldigung vorangehen (ähnlich im Strafprozess: der (eventuellen) Strafminderung muß Reue vorangehen). Wer um Entschuldigung bittet, ist seiner Schuld bewußt. Das muß der Entschuldigende hören, bevor er sich entscheidet - und damit er sich entscheiden kann - ob er den um Entschuldigung Bittenden entschuldigt oder nicht.

Ich habe das Wort "bitte" absichtlich weggelassen. Darauf kommt es in der Wirklichkeit an, nicht hier in meinem Beispiel.

Laurenz

7. Oktober 2020 01:28

@Gotlandfahrer  @ nom de guerre

Mann sollte vielleicht das Militär nicht vergessen. Es hat etwas mit dem Ausmaß eines Krieges zu. Wenn ganz normale Gefreite einen Befehl lesen oder im Diktat aufnehmen können, ist eine solche Armee der Armee überlegen, deren Grenadiere nicht lesen und schreiben können, ganz ohne, daß auch nur ein Schuß Pulver abgegeben wird. 

Laurenz

7. Oktober 2020 01:43

@limes

Bei Frankreich ist es erwägenswert, die Geschichte zu berücksichtigen. Frankreich wurde seit ca. 500 nach 0 (Clodwig I) bis zu Napoleon III meist vom deutschen/fränkischen Adel geführt, der mit der Entscheidung Clodwigs, aus dem Heidentum und dem Arianismus zum Katholizismus zu konvertieren, geprägt war. Damit wandte man sich vor Ort im Lauf der Jahrhunderte vom Fränkischen ab und ging zum Volks-Latein, also Französisch, über. Aus dieser deutschen Herrschaft heraus und dem Fakt, daß Frankreich einen deutschen Namen trägt, hassen uns die intellektuellen Gallo-Römer bis heute, sie haben uns das nie verziehen. Französisch hat auch mit den ursprünglich Keltischen der Indigenen nichts mehr zu tun. Die geförderte Verfolgung eines Hoch-Französisch dient also der Erschaffung einer Identität, die es so, wie bis vor kurzem bei uns noch existent, in Frankreich schon über 1.000 Jahre gar nicht mehr gibt. Der Hund liegt einfach in der Niederlage des Vercingetorix bei Alesia - und dem Sieg des Armin im Teutoburger Wald begraben.

nom de guerre

7. Oktober 2020 10:57

@ Volksdeutscher

„Oral history“: Naja, meine Formulierung (neudeutsch) war als Seitenhieb auf den gegenwärtigen Zustand der deutschen Sprache mit den ungezählten Anglizismen gemeint. Es gehört in meinen Augen auch zu dem Verlust der mündlichen Überlieferung, das Phänomen zu verfremden/es uns zu entfremden, indem es mit einem englischen Fachbegriff bezeichnet wird. Man hat, so scheint es, nichts „Eigenes“ mehr.

@ Laurenz – Das mit dem Militär: Ihre These klingt zunächst einleuchtend, aber ist das wirklich so? Soweit ich weiß, gab es in England noch bis weit ins 19. Jahrhundert hinein eine hohe Analphabetenquote, dennoch waren die Engländer höchst erfolgreich bei ihren Eroberungen.

Der_Juergen

7. Oktober 2020 11:25

Ich habe diesen Beitrag mit äusserstem Widerwillen gelesen - nicht, weil er schlecht wäre, sondern weil ich, obgleich nicht sonderlich nervenschwach, diesen Wahnsinn einfach nicht mehr ertragen kann, so wie ich die Lügen über Corona, den Rassismus in den USA, den von Putin vergifteten Nowalny etc. nicht mehr ertragen kann. Es braucht eine Katharsis, eine Götterdämmerung, damit eine Welt entstehen kann, in der nicht "der Fürst des Geziefers" (George, "Der Widerchrist") regiert.

@Volksdeutscher

Ja, @Gelddrucker hat recht: Sie dürfen nicht von "minderwertigen" Fremden reden, und zwar nicht nur, weil das den hier eifrig mitlesenden Schnüfflern Munition gegen diesen Blog liefert. Um zu entscheiden, welches Volk "minderwertig" sei, müsste man ein objektives Kriterium besitzen, und das gibt es nicht. Sie urteilen von der deutschen Warte aus, so wie der Türke und der Chinese von der türkischen bzw. chinesischen Warte aus urteilen werden. Statt "minderwertig" sollte man Ausdrücke wie "kulturell und ethnisch fernstehend" oder "inkommensurabel" verwenden. - Sollte es Sie einmal in den afrikanischen Dschungel verschlagen, werden die Neger Sie als "minderwertig" verspotten, weil Sie ja nicht einmal einen Bogen basteln und damit einen Affen zum Mittagessen schiessen können. Ob Sie Benn und George zitieren können, interessiert die Neger keinen Deut, und es verhilft Ihnen auch nicht zu einem leckeren Mittagsschmaus.

tearjerker

7. Oktober 2020 11:27

„Cugel: Sind die Untersuchungsergebnisse eigentlich belastbar?“

Eine berechtigte Frage. Zudem fehlen langfristig gesehen auch die Daten um z.B. etwas wie Lesekompetenz zu vergleichen. War diese 1990 oder 1960 wirklich besser als heute? Sie war in der Breite vermutlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr hoch, da die Teilnahme an Öffentlichkeit und der Austausch über Entfernungen nur durch Geschriebenes erfolgte. Telefon, Rundfunk, Fernsehen, Internetz schliffen das wohl ab.

Trotzdem zeigt die Empirie seit Pisa gut einige der Entwicklungen auf. Vor 20 Jahren war Finnland hinsichtlich der Ergebnisse noch das Musterland, dass angeblich von den Schulreformen der 90iger profitierte. Eine Nebelkerze, denn die Reformen griffen erst mit zeitlicher Verzögerung und schickten Finnland folgerichtig in der Pisa-Liste ab 2000 abwärts. Bei den ersten Pisa-Wellen hatte man noch die grösstenteils im alten System geprägten und vom älteren Lehrkörper beschulten Schüler geprüft. Und deren Schule folgte den Konzepten, die Finnland mit trara in den 60igern aus der DDR übernommen hatte.

Laurenz

7. Oktober 2020 12:29

@nom de guerre

Exakt, Sie sagen es, ich selbst hatte neulich die späte Schulpflicht in Britannien gepostet. 

Die Landarmee Britanniens war, bis auf den Spanien-Feldzug Wellingtons ("We fought with the scum of the earth, but we are proud, what we made out of them") in den Napoleonischen Kriegen, meist recht klein und in Übersee dienten 2 Armeen, die Royals und die John-Company-Lobsters, mehr oder weniger Söldner. In kleinen Armeen sind die Befehlsketten kurz, da reicht es, wenn die Offiziere lesen und schreiben können. In Übersee kämpfte man meist gegen unterlegene Kulturen.

Entscheidend war die Royal Navy. Auf den Schiffen ihrer Majestät des/der Königs/Königin dienten Matrosen und Seesoldaten rein mit ihrer Muskelkraft zur Bedienung des Schiffes oder der Kanonen. Als Pulveräffchen, ab dem Alter von 8 Jahren, meist Waisen-Jungen, mußte man nicht lesen und schreiben können. Für den Drill waren Lesen und Schreiben eher hinderlich. Fähnriche wurden ab 12 Jahren ausgebildet und wie ganz normale Schüler unterrichtet. Ein Bootsmann nicht, aber ein Zahlmeister mußte natürlich lesen und schreiben können. Aber das war's. Die Briten waren auch die einzigen, die Bürger zum Dienst preßten, sprich versklavten. Die wenigsten Nicht-Offiziere/Nicht-Unteroffiziere dienten freiwillig in der Flotte. Das war mit ein Grund für die Überlegenheit der Briten, die anderen Seefahrer-Nationen hatten grundsätzlich Schwierigkeiten ihre Kriegsschiffe überhaupt zu bemannen.

Laurenz

7. Oktober 2020 12:30

 

@nom de guerre (2)

Preußen und Österreich führten, sicherlich auch aufgrund des Rohstoff-Mangels, am frühesten die Schulpflicht ein.

Der_Juergen

7. Oktober 2020 12:52

@Franz Bettinger

"Englisch ist eine vergleichsweise arme Sprache..." Da kann ich nur den Kopf schütteln. Es gibt zahlreiche englische Wörter, die man nicht deckungsgleich ins Deutsche übersetzen sein, weil ein genaues Äquivalent fehlt. Dasselbe gilt für wohl jede andere Sprache. In einer Kongo-Sprache soll es ein Wort für einen Menschen geben, der eine erste Beleidigung mit einem Achselzucken hinnimmt, die zweite eben noch hinnimmt, aber die dritte nie im Leben vergisst oder verzeiht. Im Nootka (Vancouver Island) gibt es ein Verb für "sich mit dem Handrücken den Schweiss von der Stirn wischen".  Könnte der betreffende Afrikaner oder Indianer nicht Deutsch oder Englisch als "vergleichsweise arme Sprachen" belächeln, weil sie einen ganzen Satz brauchen, um das auszudrücken, was er in einem Wort sagt?

Ein gebuertiger Hesse

7. Oktober 2020 14:01

@ Jürgen

"... nicht mehr ertragen kann. Es braucht eine Katharsis, eine Götterdämmerung, damit eine Welt entstehen kann, in der nicht "der Fürst des Geziefers" (George, "Der Widerchrist") regiert."

Sehr richtig. Und es stimmt auch für jede noch so gute Analyse der jeweils neuesten Schandtaten jenes "Fürsten". Anderes, Gesundes tut not, das all den überwältigenden Schmutz zwar kennt, aber den Blick davon abzuwenden versteht, auf die guten Bestände dieser Welt. 

tearjerker

7. Oktober 2020 16:12

„Preußen und Österreich führten, sicherlich auch aufgrund des Rohstoff-Mangels, am frühesten die Schulpflicht ein.“

Hier waren es die protestantischen Kirchen, die insbesondere in Preussen die Beschulung vorantrieben. Religiös begründet und politisch mit den Fürsten abgestimmt. Das Bildungsinstitut des Cesifo in München zeigte in einer umfangreichen Studie vor mehr als 10 Jahren am Beispiel Preussens, dass der gewonnene Alphabetisierungsgrad die Grundlage für den Boom des 19. Jahrhunderts darstellte. Zudem wurde ein Kompetenz-Vorsprung zu den katholischen Gegenden im deutschsprachigen Raum und auch in Europa begründet, der enorm wirtschaftlich und politisch wirkte. Auch die Auswandererschaft konnte dadurch in einer wirtschaftsmodernen Umgebung sofort aufgehen und verlor so schneller die ursprüngliche ethnische Prägung, während andere Gruppen (in den USA z.B die Italiener oder Iren) sich anders organisierten und viel länger mit der Herkunftsregion ihrer Ahnen identifiziert werden.

@Bettinger: Englisch ist, obwohl ursprünglich einfach ein schlecht gesprochenes Französisch, nach meiner Erinnerung die europäische Hochsprache mit dem weitaus grössten Wortschatz, da viele Begriffe in einer latinisierten, einer sächsich-fränkischen und einer skandinavischen Version verfügbar sind.

Marc_Aurel

7. Oktober 2020 16:54

Für den Sprachverfall gibt es eine Reihe von miteinander verwobenen Gründen.

Der Wichtigste ist meines Erachtens der fehlende politische Wille, die eigene Sprache hochzuhalten und zu pflegen. So wie Merkel die Nationalflagge der BRD wie ein Stück stinkenden Fisch, fast schon angeekelt, entsorgt, so wird die deutschen Sprache von ihresgleichen natürlich auch entsprechend stiefmütterlich behandelt. Durch Hörensagen habe ich mitbekommen, dass in vielen Schulen Rechtschreibung im Fach Deutsch gar nicht mehr benotet wird, von der Form ganz zu schweigen, während im Englisch-Unterricht sehr genau darauf geachtet wird. Ob das stimmt, weiß ich allerdings nicht.

Dazu kommt, dass durch groß angelegte Umvolkungsprozesse der Anteil jener wächst, die entweder gar nicht oder nur leidlich Deutsch sprechen und die meist auch keine große Motivation haben, es richtig zu lernen.

Als letzten großen Punkt möchte ich den in der bundesdeutschen Gesellschaft leider intensiv ausgelebten Anglizismen-Fetisch nennen, der bisweilen groteske Züge annimmt. Für wirklich jeden Pipifax werden, völlig ohne Not, englische Begriffe verwendet, auch wenn es dafür treffende deutsche Worte gib, einfach deshalb, weil man glaubt, dass es moderner klingt. So sagt man etwa „Big-Bang“ anstatt Stichtagsumstellung, „Step by Step“ anstatt stufenweiser Einführung, und das kommt oft auch noch von Leuten, die nur mit Mühe einen sauberen Satz im Englischen hinbekommen. Meist einfach peinliche Wichtigtuerei.

quarz

7. Oktober 2020 17:44

@Der Jürgen

Wenn es nur um den jeweiligen Umfang des Wortschatzes oder die Anzahl der Wörter ohne Entsprechung in anderen Sprachen ginge, dann ließe sich die relative "Armut" bzw. der relative "Reichtum" einer Sprache ebenso einfach wie unbestreitbar belegen.

Man kann aber beim Vergleich zwischen der englischen und er deutschen Sprache zum Beispiel auch auf den von Anglophonen oft bemerkten und bewunderten Umstand hinweisen, dass das Deutsche in viel größerem Maße die Möglichkeit der kreativen Wortbildung zulässt. Von dieser Möglichkeit machen wir so selbstverständlich Gebrauch, dass uns ihre Besonderheit im Vergleich mit anderen Sprachen gar nicht auffällt, wenn wir nicht auf sie hingewiesen werden.

Dennoch wäre es natürlich vermessen, der Sprache Shakespeares Armut zu attestieren.

Volksdeutscher

7. Oktober 2020 18:31

@tearjerker "Englisch ist, obwohl ursprünglich einfach ein schlecht gesprochenes Französisch..." Was nicht stimmt. Ursprünglich eine westgermanische Sprache der miteinander auch sprachlich nahverwandten Stämmen der Angeln und Sachsen, deren Sprache erst durch die Eroberung der britischen Insel durch die Normannen nach und nach frankoisiert/lateinisiert wurde. Die Normannen waren im Laufe der Jahrhunderte Sprache gewechselte Nordgermanen (Nord + Mann). In den folgenden Jahhunderten nach der Eroberung drangen unzählige Worte aus dem von den Normannen gesprochenen Altfranzösischen ins Altenglische.

Der_Juergen

7. Oktober 2020 19:36

@Volksdeutscher

Sie scheinen mich zu missverstehen. Ich bin Anhänger des Ethnopluralismus (den Lichtmesz in seinem neuen Buch ausgezeichnet beschreibt); dies bedeutet, dass ich jedem Volk das Recht zuerkenne, sein Überleben und seine Interessen zu verteidigen, indem es z. B. fremden Völkerschaften und Kulturen den Zutritt auf sein Territorium verwehrt, wenn es der Ansicht ist, sie passten nicht zu ihm. Dies heisst z. B., dass ich als Europäer keine nennenswerte Anzahl von Muslimen (aller Rassen) und Schwarzafrikanern in einem europäischen Land will, weil sie erfahrungsgemäss enorm viele Probleme schaffen und sich IN DER MASSE (im Einzelfall vielleicht sehr wohl) nicht integrieren lassen. Ich möchte auch nicht allzu viele Japaner, Koreaner und Chinesen in Europa, obwohl sie im Schnitt weitaus intelligenter, fleissiger und gesetzestreuer sind als Muslime und Schwarze, denn auch sie sind ethnisch und kulturell Fremde. Selbstverständlich hat jedes Volk das Recht, seine Kultur und seine Traditionen allen fremden vorzuziehen.

Cugel

7. Oktober 2020 22:24

Meinem Eindruck nach ist heute die globalisierte Ökonomie der größte Sprachzersetzer, dicht gefolgt vom vorwiegend angelsächsischen Kulturimport (vor 50 Jahren dürfte die Rangfolge noch umgekehrt gewesen sein). In den Konzernen werden Konferenzen weitgehend in Englisch gehalten, Dokumente wie z. B. Arbeitsanweisungen werden oftmals garnicht mehr in Deutsch abgefaßt. Die beschleunigte Verhausschweinung schlägt auf die Sprache durch, der Mensch fällt zwangsläufig zurück. Die Anarchistische POGO-Partei, eine Nonsens-Spaßpartei, hatte vor Jahren die „totale Rückverdummung“ in ihrem Programm. Früher konnte ich darüber noch lachen.

Cugel

7. Oktober 2020 22:42

@Der_Juergen

„Es braucht eine Katharsis, eine Götterdämmerung, damit eine Welt entstehen kann, in der nicht "der Fürst des Geziefers" (George, "Der Widerchrist") regiert.“

Ich glaube nicht daran, daß diese eintreten wird. Amerikanisierung und nachfolgende Brasilianisierung der hiesigen Lebensverhältnisse dürften ohne größeren Widerstand durchgehen. Der Mensch ist vergeßlich und vor allem anpassungsfähig, wobei die nachwachsenden Generationen naturgemäß am schnellsten adaptieren. Problematisch ist der Prozeß vor allem für die Älteren, die mit den früheren Zuständen vergleichen können. Gegenwärtig sind das vor allem die geburtenstarken Jahrgänge, die zudem noch die Hauptlast der „Verwerfungen“ tragen. Die werden scheibchenweise rasiert, ggf. auch mal in größerem Umfang, ohne daß eine kritische Masse zustandekommen wird. Die Rentner sind größtenteils abzuschreiben, viele von ihnen haben keinen Durchblick und/oder wollen keinen Streß mehr. Die Zeit arbeitet für die Treiber der Globalisierung, das Problem erledigt sich demographisch.

Skeptiker

7. Oktober 2020 23:07

Neben der globalisierten Ökonomie verändern die Sozialen Medien die Standardsprache. Besonders in den sog. Messangern dominiert bei vielen Nutzern eine am Mündlichen orientierte Sprache, die lediglich verschriftlicht wird. Mit Smartphones wird kaum noch telefoniert, sondern überwiegend mittels Kurznachrichtendiensten kommuniziert. Die hier genutzte Sprache zwischen Mündlichkeit und Schriftsprache erfindet ein eigenes Regelwerk und längst nicht alle Nutzer sind so sprachkompetent, wie es Linguisten mitunter vorgeben, um diese Varietäten unterscheiden zu können. Immer mehr junge Menschen wissen nicht mehr zu differenzieren zwischen den Sprachnormen in Chats, E-Mails, öffentlichen Schreiben oder wissenschaftlichen Arbeiten. Das Internet und der Überwachungskapitalismus der Sozialen Medien nehmen Einfluss auf alle Lebensbereiche. Es verwundert mich, warum in diesem Forum das Internet immer wieder nur als Instrument der Meinungsfreiheit und nicht als höchst manipulatives System, das auch unsere Sprache verändert, wahrgenommen wird.

RMH

8. Oktober 2020 09:38

@Skeptiker weißt auf zutreffende Umstände hin. Die Schriftverblödung geht einher mit Emojis, Gifs und "Memes" ...

Normale Webseiten, Diskussionsforen wie dieses hier, sind schon antiquiert.

Was neben der bereits genannten Schriftverblödung auffällt, ist die Zunahme der Logopädie-Praxen, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden gewachsen sind. Es findet also auch eine Verblödung im praktischen Gebrauch der Sprache statt. Klar schaffen die sich durch entsprechende Propaganda auch ein Stück weit eigenen Bedarf und für Eltern, die Erzieher in den Kitas und die Grundschullehrer ist es nett, die Arbeit der Sprecherziehung auf vermeintliche Profis abwälzen zu können, aber alleine die Vielzahl an solchen Praxen gibt einem schon zu denken.

Franz Bettinger

8. Oktober 2020 13:05

@zeitschnur hilf!  3:1 für @Jürgen. Ich ergebe mich. Der Jürgen hat den Sprachen-Krieg gewonnen und beim Zählen der englischen Überlegenheit noch ein so überlegenes Wort wie twerking vergessen. Mit dem Arsch wackeln trifft’s nicht ganz. Tja, da sieht man wieder, wie sehr man (ich) sich irren kann. No harm intended = nix für ungut. 

limes

8. Oktober 2020 17:49

@ Laurenz, der schreibt:

»… hassen uns die intellektuellen Gallo-Römer bis heute …Der Hund liegt einfach in der Niederlage des Vercingetorix bei Alesia - und dem Sieg des Armin im Teutoburger Wald begraben.«

Lassen Sie den Hund doch bitte in Frieden ruhen, und säen Sie nicht Zwietracht zwischen Europäern, die jetzt so dringend auf Zusammenstehen angewiesen sind!

Selbstverständlich muss die Geschichtsschreibung für sachliche (!) Wiederaufnahmeverfahren offen sein, aber das bedeutet ja gerade nicht, böse Gespenster aus der Vergangenheit zu beschwören.

Wenn heute Deutsche am Enthusiasmus für französische Diktate teilnehmen, so tun sie das ja nicht, weil sie das Gefühl haben, von Franzosen gehasst zu werden. Sondern weil sie – Nachkriegsgeborene wie ich – menschlich angenehme Begegnungen mit ebenfalls nachkriegsgeborenen Franzosen schätzen.

Dass die »Adoption« einer ausländischen nationalen Leidenschaft Ausdruck unseres eigenen nationalen Defizites ist, habe ich ja angedeutet. Und diejenigen, die federführend die Dekonstruktion des deutschen Nationalbewusstseins betreiben, sind keinesfalls Franzosen, sondern überwiegend (noch) Deutsche ohne MiHiGru. Gute Lektüre zu dem Thema dazu vom IfS.

herbstlicht

8. Oktober 2020 19:20

@Der_Juergen, @Franz Bettinger 8. Oktober 2020 13:05

In den Sechzigern stöhnten selbst gute Neuphilologen über den in der US-Zeitschrift National Geographic verwendeten, anscheinend unendlichen Wortschatz.

Aber der US-Linguist/Computerwissenschaftler Charles Yang vertritt in "The Infinite Gift --- How Children Learn and Unlearn the Languages of the World", daß sich in einer gleichberechtigten Mischpopulation aus Deutsch- und Englischsprechern das Deutsche durchsetzen würde; er widmet der Frage ein ganzes Kapitel.  Mit Vorbehalt --- ich bin nur über die Theorie Formaler Sprachen knapp mit Linguistik in Berührung gekommen --- begründet er die Überlegenheit des Deutschen mit der Freiheit in der Satzstellung, welche ermöglicht, das Wesentliche der Aussage an den Anfang zu stellen.  Folgende Sätze beschreiben den selben Vorgang, aber aus unterschiedlichem Blickwinkel:

Mein Freund gab dem Mann gestern das Buch.
Dem Mann gab mein Freund gestern das Buch.
Das Buch gab mein Freund gestern den Mann.
Gestern gab mein Freund dem Mann das Buch.

Wir können das "Thema" der Aussage --- was dies ist hängt vom Kontext ab --- unmittelbar gefolgt vom wesentlichen Verb, an den Anfang stellen.  Um den 2. und 3. Satz sinngemäß zu übersetzen müßte ich Passiv verwenden.  Auch nett zu sehen, was Google Translate mit den Sätzen macht.

 

Volksdeutscher

8. Oktober 2020 20:57

Der_Jürgen Ich versuche es ein drittes Mal und beschränke mich auf das Wesentliche meines vorangehenden Kommentars: es gibt keinen Rassismus, es gibt nur unbequeme Wahheiten, deren Thematisierung durch die vorwurfsvollen pejorativen Bezeichnungen Rassist/Rassismus verhindert und jene, die sie auszusprechen wagen, diskriminiert werden sollen. Es gölte, diese strategisch wirkungsvolle, aber verlogene linke Narrativa zu entschärfen. Eine dieser Wahrheiten hat Karheinz Weißmann in diesem Vortrag ausgesprochen: "der durchschnittliche IQ...."

https://www.youtube.com/watch?v=JvFV2gxKrOM&t=263s

 

Die andere Seite

9. Oktober 2020 09:45

@RMH
Die inflationäre Ausbreitung von Logopädie-Praxen ist wirklich unübersehbar.
In meiner Schulzeit galt "lispeln" beim Sprechen als Sprachfehler, der allerdings sehr selten war. Heute scheint das völlig normal, scheinbar jedes dritte Kind kann das "S" nicht richtig aussprechen.
Bei Ansagern im Fernsehen scheint ein Sprachfehler sogar Bedingung zu sein, mindestens aber wird falsch betont.