Sonntagsheld (162) – Prinz Eugens Rache

Imam geh‘ ham!

 Gastbeitrag

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Imam geh‘ ham!

Es war ein unver­kenn­ba­res Zei­chen der Unter­wer­fung, als Abdul­me­zid Sijamhod­zic am 26.10.2015 das ers­te Mal anläss­lich der Ange­lo­bung der neu­en Rekru­ten des öster­rei­chi­schen Bun­des­heers sprach. Die Ver­an­stal­tung fand am geschichts­träch­ti­gen Hel­den­platz statt – unter den Augen von Prinz Eugen wünsch­te der bos­ni­sche Imam den ange­hen­den Sol­da­ten „im Namen Allahs alles Gute für den Grund­wehr­dienst“. 

Es gab Pro­tes­te damals. Akti­vis­ten der IBÖ hiel­ten Schil­der mit der Paro­le „Imam geh‘ ham!“ hoch – die Rede des Geist­li­chen wur­de von Pfif­fen und Buh­ru­fen gestört. Ein paar Schlag­zei­len und Berich­te gab es, auf vie­len Fotos, die wäh­rend der Rede geschos­sen wur­den, waren die gelun­gen plat­zier­ten Schil­der zu erken­nen. 

2015 konn­te Sijamhod­zic „kei­ne isla­mis­ti­schen Ten­den­zen“ im Gespräch mit den Sol­da­ten des Bun­des­hee­res fest­stel­len; 2020 scheint das etwas anders zu sein. Am Mon­tag ist wie­der Natio­nal­fei­er­tag in Öster­reich, an dem tra­di­tio­nell die neu­en Rekru­ten ange­lobt wer­den. Ein Auf­tritt des Bos­ni­ers ist dies­mal aller­dings nicht geplant.

Tat­säch­lich wur­de am Don­ners­tag bekannt, dass ihm die Aus­übung sei­nes Amtes auf Grund von Infor­ma­tio­nen des Hee­res-Abwehr­am­tes bis auf wei­te­res ver­bo­ten sei. Grund dafür war das plötz­li­che und geball­te Auf­tre­ten von Bewei­sen, die Sijamhod­zic in die Nähe radi­ka­ler bos­ni­scher Isla­mis­ten rückten.

Ich mache mir nichts vor: Es ist kein gro­ßer poli­ti­scher Sieg, der hier ein­ge­fah­ren wird. In vor­aus­ei­len­dem Gehor­sam ließ das öster­rei­chi­sche Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um umge­hend mit­tei­len, dass es auch wei­ter Mili­tär-Ima­me geben wer­de. Nun, einst­wei­len, wenigs­tens einen weni­ger, will man ergänzen.

Es ist aller­dings ein durch­aus beacht­li­cher Erfolg alter­na­ti­ver Medi­en­ar­beit und das soll­te uns viel­leicht ein wenig hell­hö­rig wer­den las­sen. Den unfrei­will­li­gen Abschied des Mili­tär-Imams haben wir dem selbst­er­nann­ten „Isla­mis­ten­jä­ger“ Irfan Peci zu ver­dan­ken. In einem gut halb­stün­di­gen Video führt der Ser­be meh­re­re mehr oder weni­ger inves­ti­ga­tiv erlang­te Bewei­se dafür an, dass Abdul­me­zid Sijamhod­zic ein freund­schaft­li­ches Ver­hält­nis zur bos­ni­schen Isla­mis­ten­sze­ne pflegt. 

Vie­les von dem was Peci im Netz von sich gibt, hat durch­aus das Poten­zi­al Fremd­scham aus­zu­lö­sen. Irfan Peci war mal Dschi­ha­dist. Und dass er dann V‑Mann wur­de, macht die gan­ze Sache irgend­wie nicht bes­ser – eher im Gegen­teil. Aber das ist das schö­ne an die­ser Kolum­ne: Mei­ne Lor­beer­krän­ze wan­dern jede Woche wei­ter und ich mich muss mich nicht mit einem Men­schen ver­bün­den, um sei­nen Erfolg zu wertschätzen.

Die ent­schei­den­de Lek­ti­on aus dem gan­zen Vor­gang ist nicht, dass libe­ra­le Islam­kri­ti­ker nun plötz­lich wie­der unse­re bes­ten Freun­de sein müs­sen. Wich­tig ist aber: Die Skan­dal­ge­sell­schaft kennt kei­ne Loya­li­tät und wenn eine gute Sto­ry es schafft, ein bestimm­tes Aus­maß an Öffent­lich­keit zu errei­chen, dann muss sie sich auf die eine oder ande­re Art und Wei­se zu die­sen „News“ verhalten.

Wer will, der kann sich Pecis Video ein­mal anschau­en, der Groß­teil sei­ner Bewei­se – u.a. für die Ver­eh­rung, die Sijamhod­zic dem mut­maß­li­chen bos­ni­schen Kriegs­ver­bre­cher Atif Duda­ko­vic ent­ge­gen­bringt – stammt übri­gens vom offen­bar recht ein­fach zugäng­li­chen Pro­fil des nun Geschass­ten. Dass der „Inves­ti­ga­ti­vi­täts­grad“ einer Recher­che heu­te weni­ger von der Metho­de als von den Ergeb­nis­sen und ihrer Auf­ma­chung abhängt, muss also kein Nach­teil sein.

Und gera­de, weil man uns mit die­ser Art des Kon­takt­schuld­nach­wei­ses so häu­fig auf die Pel­le rückt, erlau­be ich mir und Ihnen, wer­te Leser, zum Sonn­tag­abend auch mal eine Sei­te lang Genug­tu­ung dar­über, dass ein Pen­del stets in zwei Rich­tun­gen schwingt.

 

____

Kur­zer Nachtrag:

Auch die zur Stun­de dahin­plät­schern­de dies­jäh­ri­ge Ange­lo­bung am Hel­den­platz wird offen­bar von eini­gen jun­gen Öster­rei­chern akti­vis­tisch begleitet: 

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Kommentare (12)

RMH

26. Oktober 2020 07:09

Felix Austria mal wieder, in dem Sachverhalte noch zu einem kleinen Skandal taugen, die bei uns in der "Nun sind sie halt da"- Gleichgültigkeit einfach hingenommen werden würden.

Seit Jahren ist - auch von den Mainstream-Medien dokumentiert - bspw. die enge Verflechtung des türkischen Staates mit den hier lebenden Auslandstürken bekannt und die Steuerung, die von Ankara aus erfolgt. Als kleines Schlagwort ist an dieser Stelle DITIB ausreichend. Das interessiert keinen ernsthaft mehr. Von wem und mit wem die neudeutsch so nett als "communities" bezeichneten Parallelgesellschaften (die Türken sind da ja nun wahrlich nicht die einzigen) verbandelt sind - egal, ist eben so, jetzt sind sie halt da.

anatol broder

26. Oktober 2020 10:54

Aber das ist das schöne an dieser Kolumne: Meine Lorbeerkränze wandern jede Woche weiter und ich mich muss mich nicht mit einem Menschen verbünden, um seinen Erfolg zu wertschätzen.

das ist wahr, gut und schön.

Laurenz

26. Oktober 2020 11:23

Die Islamophilen verweigern eben, wie immer, jegliche Realität um ideologisch eine Welt zu formen, die nie existieren kann. Im Grunde sind die Konformisten alle reif für die Klapse. 

Maiordomus

26. Oktober 2020 12:03

@Laurenz. Für Präs. Erdogan ist zum Ausgleich Präs.Macron "reif für die Klapse" - bei Trump gab es diese Ferndiagnosen nun fast vier Jahr lang. Solche Aussagen sind nur eine Information betr. den Absender. 

Laurenz

26. Oktober 2020 15:15

@Maiordomus

Das mag sein. Aber dann kann ich, im Gegensatz zu Ihnen, wenigstens mitreden.

anatol broder

26. Oktober 2020 16:40

hodzic und general. irgendwo am schwarzen meer.

general. wenn die welt falschkopfsteht, muss der krieger untendrunter, um den falschkopf abzuschlagen. hodzic, deine wahre heimat braucht dich. weil du als einziger von uns die angst vor beutelhunden überwunden hast, gehst du nun nach austereil, um deren armee zu übernehmen, so gott will.

hodzic. so gott will.

general. dein deckname ist sijamhodzic. das klingt nach thai, das gefällt den austereilischen fahischen. sie werden nichts merken, weil dumm wie almans. sobald du dort mit kühltransport ankommst, nimmt unser agent brüno kontakt mit dir auf. dem sieg steht nichts im weg, so gott will.

hodzic. so gott will.

general. und jetzt machen wir beide ein selfie.

***

anmerkungen

  • alman — deutscher (tr alman).
  • brüno — kunstfigur von sacha cohen.
  • fahische — hure (tr fahişe).
  • siam — thailand bis 1939.

heinrichbrueck

26. Oktober 2020 16:56

„Die Skandalgesellschaft kennt keine Loyalität und wenn eine gute Story es schafft, ein bestimmtes Ausmaß an Öffentlichkeit zu erreichen, dann muss sie sich auf die eine oder andere Art und Weise zu diesen „News“ verhalten.“

Das Framing ist interessant. Soldaten lernen das Töten. Ein Waldorfimam ersetzt einen Dschihadimam.

limes

26. Oktober 2020 21:05

»Felix Austria mal wieder …« (@ RMH) Bei uns wird derweil der Knüppel geschwungen.

Erinnert sei in diesem (für die Piefke /Biffke) blamablen Zusammenhang an die machtbewusste Protzerei der Links-Grünen Berliner Regierung in der linken Postille »Neues Deutschland«, die Martin Sellner publik machte:

»Wir haben die gesamte Führung fast aller Berliner Sicherheitsbehörden ausgetauscht und dort ziemlich gute Leute reingebracht. Bei der Feuerwehr, der Polizei, der Generalstaatsanwaltschaft und auch beim Verfassungsschutz. Ich hoffe sehr, dass sich das in Zukunft bemerkbar macht.«

links ist wo der daumen rechts ist

26. Oktober 2020 23:18

[korrigierte Fassung]

 

Könnte man endlich einmal mit dieser peinlichen Prinz-Eugen-Idolatrie aufhören; dem Linken sein Che-Guevara-Leiberl, dem Rechten sein ...? Ja was? Eugen-Degen?

Ein kleinwüchsiger, vermutlich schwuler, dem europäischen Hochadel (Achtung: Internationalismus!) entstammender Auslandslegionär, der zum bedeutendsten österr. Feldherrn wurde; das spricht v.a. gegen Austria. Die Liste der verlorenen Feldzüge im Lauf der habsburgischen Jahrhunderte ist nämlich lang. Zuletzt endete es mit einem Blutsäufer (Conrad von Hötzendorf) und einem Verräter (Kaiser Karl). Das Reich war fast über Nacht verspielt.

Und jetzt muß man auf den Edlen Ritter stolz sein?
Nein, eindeutig zu viel an kompensatorischer Nostalgie.

Das österr. Bundesheer ist eine derart traurige Angelegenheit ("Heereskommissionen" seit Jahrzehnten, geleitet meist von abgehalfterten Spitzenpolitikern), daß nicht einmal ein Imam als oberster Generalstäbler dieser Gaudi-Truppe noch etwas anhaben könnte.
Nebenbei: das Eurofighter-Debakel beschäftigt mich mehr als die feuchten Träume pueriler Abwehrkämpfer.

Vergeßt Ösi-Land, diesen Fliegenschiß auf der Landkarte.
Ich mache mir - als Österreicher - eher Gedanken, wie die deutsche Kulturnation wieder die Weltgeltung erlangen kann, die sie um 1900 hatte.

anatol broder

27. Oktober 2020 04:31

akt 2 (akt 1 erschien um 16:40)

(hodzic und general stehen nach dem selfie nebeneinander.)

general. du darfst mich etwas fragen.

hodzic. wenn general erlaubt: wer war mein vorgänger in wien?

general. es war kovic. er arbeitete unter dem namen dudakovic. das klingt nach polaken. zunächst merkten die austereilischen esel auch nichts. doch dann verfiel kovic mozart. weil er immer nur den trükischen marsch vor sich hin pfiff, flog seine tarnung auf. wir mussten ihn abziehen. dabei war mozart kein austereilman, sondern ein alman. (beide lachen.) jetzt frage ich dich auch etwas. wie hast du die angst vor dem beutelhund überwunden?

hodzic. ich denke den hund weg, dann ist nur noch der beutel übrig, und vor beuteln hat niemand angst.

general. du wirst grosse taten vollbringen, so gott will.

hodzic. so gott will.

Maiordomus

27. Oktober 2020 09:41

Die Frage ist, ob die Imam-Debatte wesentlich sei. Dabei wird klar, dass sich da einer etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt hat und zurückzupfeifen war. Mehr zu denken gibt mir die Forderung des unkritisierten Autors Abbas Khider in  "Deutsch für alle, das endgültige Lesebuch" (2019) für Abschaffung der "grammatikalischen Diktatur" des Deutschen, wie sie noch beim Integrationsunterricht betr. Deutschkenntnissen bestehe, übrigens auf  Linie der "leichten Sprache" sowie der "Gender-Diktatur", was der Sprachwissenschaftler Chr. Fackelmann in seinem Essay über den neuen Turmbau von Babel im Lepanto-Almanach, Bd. 1, 2020 zu den "Neusprech-Kamagnen" zählt,  "mächtige Herrschaftsinstrumente" von heute, an den Unis vielfach bedingungslos diktatorisch. Im Vergleich zum Lepanto-Almanach aus Rückersdorf bei Nürnberg, einer alternativen erzkonservativen Literaturreihe, kommt mir Schnellroda klar zu "links" vor, national gemäss dem "Ludergeruch der Revolution" (Bismarck). "Lepanto" ist indes eine Entdeckung wert. 

 

 

Laurenz

27. Oktober 2020 12:58

@Maiordomus

Haben Sie stalinistische Anwandlungen? Dem Haldenwang kann Schnellroda gar nicht rechts genug sein und Ihnen ist es zu links. Wenn man jedem Hinz und Kunz in Schnellroda gerecht werden wollte, könnte man dort den Bücherversand einstellen. 

Und damit Ihnen Hoffnung erwächst, hier ein Maiordomus-freundlicher Artikel auf Tichys .... 

https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/dax-unternehmen-drehen-den-sprachlichen-gender-unfug-zurueck/

Und unser aller Freund Bismarck müßte jetzt wohl selbst schauen, wie man Revolution oder zumindest Opposition macht, Ludergeruch hin oder her.

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