27. Oktober 2020

Monika Maron (3) – Lesen mit dem Stock im Hintern

Götz Kubitschek / 33 Kommentare

Vor mir aufgebaut steht das Gesamtwerk Christoph Ransmayrs. Es erscheint bei S.Fischer. Von Maron besitze ich im Vergleich dazu kaum etwas.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Von Christoph Ransmayr alles, wirklich alles, und alles ist gründlichst, mehrfach, zigfach gelesen, der letzte Schnipsel noch. Als Kositza und ich vor einem Jahr eine Idee Benedikt Kaisers aufgriffen und unseren Autoren und uns selbst die Frage nach lebensprägender Lektüre stellten, stand auf meiner Fünferliste ganz oben sofort der Name Ransmayr. Bloß welches Werk - das würde noch zu entscheiden sein.

Ich entschied mich dann für Die letzte Welt und schrieb den Beitrag über dieses Durchbruchswerk Ransmayrs in anderthalb Stunden herunter, weil seine Lebensstimmung und Welterschließungshaltung mir ins Blut übergegangen ist wie sonst kaum eine Lektüre.

Nachzulesen ist dieser Text in einem der schönsten Bücher, die wir je machten: Das Buch im Haus nebenan ist - an Bradburys Roman Fahrenheit 451 entlanggebaut - ein großartiger Beleg für die breitgefächerte Lektüre unserer Denk-Szene, die sich eben nicht auf einen Kanon oder einen schmalen Korridor festlegen ließe. Im Gegenteil: Es ist so, wie ein gestandener Rechter die Welt sowieso sieht - vielgestaltig, lebendig, schwer zu bändigen, voller Wege, von denen keiner weiß, warum sie, von irgendwoher kommend, aufeinandertreffen und eine Weile parallellaufen.

Warum ist Ransmayr, was er für mich, den Leser Götz Kubitschek, ist, und warum ist er das keineswegs für Ellen Kositza, wo wir doch beide auf derselben Spur durchs Leben gehen? Keine Ahnung. Bloß eines weiß ich: Daß Ransmayr nichts dafür kann. Er hat seine Manuskripte mit jedem neuen Bch wieder aus der Hand gegeben, hat getan, was er in Die letzte Welt am Beispiel Ovids und seiner Verse festschrieb: Keinem bleibt seine Gestalt - also auch dem Satz, dem Buch, dem Werk nicht. Denn der Leser greift danach.

Was für eine Zugriffsfreiheit! Was für eine Ausweitung des Raums! Bloß auf eines muß man achten: Von solchen wie Richard Kämmerlings Siv Bublitz muß man sich fernhalten, wenn's um diese inneren Räume geht: Diese Maron-Hinausbeförderer und Säuberungserklärer, diese Typen, die den moralischen Leberhaken zu schlagen wissen - die wollen der unsichtbaren und unerfindlichen Berührung durch genau dieses Buch oder diesen Autorenton nicht begeistert zusehen, sondern wollen bestimmen, bei wem und wie und wodurch das nicht geschehen darf. Sie haben eine so genaue Ahnung davon, daß sie besser zu wissen vermeinen als wir selbst, wie wir lesen und wir wir lesen sollten. Denn was kann alles furchtbares passieren, wenn man Autoren freien Lauf läßt und sie nicht verantwortlich dafür macht, wer ihre Bücher liest und vertreibt!

Wie ist das jetzt mit Ransmayr? Sein Werk erscheint seit 1995 im Verlag S.Fischer in Frankfurt/Main, ohne Ausnahme, und was davor erschienen war, ist bei Fischer neu aufgelegt worden. Ich kann ganze Passagen in Stimmung und Wort nacherzählen, und Kositza schenkte mir erst vor Monaten die von Ransmayr eingesprochenen Schrecken des Eises und der Finsternis als Hörbuch, weil ich seine Stimme mag, die ganz langsame und während der Rede den Gedanken noch einmal prüfende, vielleicht sogar erst zu Ende entwickelnde Art des Erzählens.

Das können sich die Kämmerlingse dieser Welt nicht vorstellen, oder vielleicht wollen sie es sich bloß nicht vorstellen: daß man so viel liest, daß man totale Lektüre treibt. Diese Leute denken wirklich, man hat einen Schuhkarton auf dem Schreibtisch stehen, darin Schmitt, Jünger, Gehlen, Mohler, sonst nichts und sonst auch nicht viel im Kopf.

Wir hatten ja leider über die letzten sechs Jahre eine ganze Menge blinder Blödmänner in unserer Bibliothek sitzen, die so ganz offen taten, dann aber nur die Edda stehen sahen, und eine Riefenstahl-Biographie, und die sich nicht schämten, hinterher in ihren Berichten unsere gefüllten Regale darauf zu reduzieren.

Diese Sorte Blödmänner wird ein paar Dinge nicht mehr kapieren: Erstens sind wir so frei, wie sie es gern wären. Wir lesen, was wir wollen, schreiben darüber, wenn wir wollen, denken darüber nach, wie wir wollen und lassen uns von niemandem vorschreiben, an welcher Stelle es besser wäre, so zu denken wie alle anderen. Unser Verhältnis zur Freiheit ist fundamental.

Niemals würden wir ein geistiges Eingesperrtsein von der Art akzeptieren, wie wir es bei unseren Streifzügen ins intellektuelle Deutschland unserer Tage wahrnehmen müssen. Das sind Besuche wie in Sanatorien, wie in Intensivstationen: aseptisch, irgendwie steril, so halt, daß man gleich wieder raus will, wenn man mental unangekränkelt ist, raus, aufatmen und ein Bier öffnen.

Diese Freiheit, diese mentale Unangegriffenheit und dieser Mißmut beim Anblick steriler Gehirne hängt (ich vermute, Susanne Dagen könnte das unterschreiben) zu einem nicht geringen Teil damit zusammen, daß wir unser eigenes Brot essen und deshalb unser je eigenes Lied singen können. Kositza und ich sind selbständig, seit wir uns kennen, und pfeifen auf die Noten, die uns irgendeiner hinhält, der denkt, er dürfe das.

Kultur, Buchkultur - das sind schützenswerte Bereiche, Gemeinschaftsaufgaben, und ich war immer ein strikter Befürworter von Schutzräumen, die den Kleinen vor der übermächtigen Konkurrenz mit den Großen abschirmte. Die Buchpreisbindung ist ein solcher Schutzraum, sie verbietet amazon und anderen Giganten, Bestseller zu Dumpingpreisen anzubieten und dadurch dem kleinen Buchhändler um die Ecke den letzten rest vom Umsatz abzusaugen.

Niemals hätte ich für möglich gehalten, daß es mit mir einmal soweit kommen würde, wie es jetzt gekommen ist. Ich bin doch auch ein Büchermensch und ein Buchhandlungskrabbler und finde es immer noch toll, eine Buchhandlung zu betreten oder auf der Buchmesse sauber ausgearbeitete Verlagsstände zu besuchen. Aber dennoch nun ein Kurswechsel: Ich plädiere für eine zehnjährige Aussetzung der Buchpreisbindung und des staatlichen Zuschuß- und Fördersystems in den Literaturbetrieb hinein. Wer nach diesen zehn Jahren noch aufrecht steht, kann meinethalben wieder gefördert werden.

Der ganze Rest ist dann zum Glück vor die Hunde gegangen, diese kleinen und größeren Versagerverlage, die nichts an den Mann bringen müssen, weil in jedem ihrer Bücher vornedrin so ein Zusatz steht wie "gefördert von", "mit freundlicher Unterstützung von", "Übersetzungszuschuß" undsoweiterundsofort.

Der ganze Literaturbetrieb ist vollgestopft mit Leuten, die in typischer Geisteswissenschaftlermanier um berufliche Bedeutung ringen und ausgerechnet aufs Verlegersein verfielen, obwohl sie weder Phantasie noch Mut noch Selbstsicherheit oder wenigstens irgendeine verlegerische Idee jenseits von Fördertöpfen mitbringen. Kraftlose Leute, innerlich herumsitzend, froh über jeden, der im langweiligsten aller Oberstübchen vorbeikommt und sich blöd dazusetzt. Eines aber haben sie drauf: den angesagten Slang, also dieses Themen- und Schlagwortgemisch, das einen auf die gute Seite der Moral spült, auch wenn man nichts anzubieten hat als das fünfhundertste Buch zur selben Rand-, Opfer-, Tätergruppe.

-- -- --

Kositza hat gerade quergelesen und sagt, ich solle jetzt aufhören, mich mit diesem Quark zu beschäftigen. Gebe es einen "Fall Kämmerlings" (der arme Kerl, Kositza nannte noch ein paar andere Namen, aber die kriege ich nicht mehr zusammen), habe es je einen "Fall Kämmerlings" gegeben? Habe je jemand ein Buch über das wahnsinnig spannende Denken dieser Feuilletonclowns geschrieben? Na eben. Außerdem: Das Thema sei Maron, jeder warte jetzt auf Marons nächstes Buch, warte darauf, was Suhrkamp mit Tellkamp anstelle, und ich müsse jetzt den Bogen kriegen.

Also gut, der Bogen: Ich bin der Überzeugung, daß "das Feuilleton", daß der Literaturbetrieb eine schematische, eine das Leben, Denken, Meinen völlig mißverstehende Wahrnehmungsweise ausgebildet hat. Man kann dort nicht verstehen, daß Monika Maron auf ihre alten Tage hin so schreibt wie sie jetzt eben schreibt, daß Susanne Dagen plötzlich Bücher verlegt, die in anderen Verlagen so nicht erscheinen würden und daß wir hier lesen und denken und meinen, verlegen und vertreiben, wie wir wollen.

Dieses Mißverständnis ist so grundlegend und seine Auflösung wäre so verstörend, daß es vermutlich besser ist, es bleibt alles beim alten. Es ist gut, wenn S.Fischer Maron nicht zurückholt, und zwar für beide Seiten. Klare Verhältnisse, Abnabelung: Hier die Lebendigen, dort die Hygieniker, hier der Mut, dort die Ansteckungsangst und die geistige Maske. Ich will nicht tauschen. "Wer mutig ist, den bestrafen die Feiglinge", schrieb Harald Martenstein zum Fall Maron. Recht hat er.

Reden will ich mit dem Betrieb sowieso nicht mehr. Das trägt nämlich nichts aus. Von dort loskommen wird einer bloß, indem er sich abkehrt und seine eingesperrte Wahrnehungsweise befreit.

Und damit kriege ich den Bogen: Bei Hoffmann und Campe ist jüngst der neue Roman von Matthias Politicky erschienen, Das kann uns keiner nehmen. Es ist eine ganze Weile her, daß ich so gern und versunken las. Es geht nämlich um einen Büchermensch, einen Autor, dem das Leben eine tiefe Wunde geschlagen hat. Nun muß er die Sache am Kilimandscharo abschließen. Dort trifft er auf den Tscharli, den es ebenfalls hart gebeutelt hat.

Der Tscharli ist einer, den man zuhause, in Deutschland, für einen Rechten hielte, für einen ungehobelten Pegida-Versteher, einen Sexisten oder Wutbürger, einen von Gestern. Aber er kommt in Afrika super zurecht, viel besser als der mit allen Sensibilisierungsvokabeln vollgestopfte Schriftsteller. Dem gehen so langsam die Lichter auf, was man so alles verpaßt, wenn man sich das Leben und das Denken von unberufenen Wächtern madig machen und entzaubern läßt. Schlüsselszene:

An der Bar in Stone Town auf Sansibar legt der Tscharli dem Ich-Erzähler "ganz vorsichtig" seine Hand auf den Unterarm: "Denkst' drüber nach, wia ma des als Roman verbratn könnt?" Ach, antwortet der Autor, "seit ein paar Jahren sei's schwierig geworden mit dem Schreiben. So viele Wörter, die man nicht mehr verwenden dürfe, so viele Themen, die einen verrückt machen würden beim Schreiben oder verbiestert… 'Die sind bei uns nicht so locker drauf wie du!'"

In der Tat, die sind hier gar nicht locker drauf, vielmehr verklemmt bis zur Selbstbestrafung. Wenn die Verklemmten ihren Stock im Hintern bloß nicht immer an alle weiterreichen wollten! Lesen wir also mal den Politicky, das ist dermaßen fulminant, daß er es bis zur nächsten Maron bringen könnte! (Hier bestellen).


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.


Kommentare (33)

Dietrichs Bern

27. Oktober 2020 13:38

Lieber Götz Kubitschek,

nun, ohne die Blödmänner hätte ich mir vermutlich nie Finis Germania bestellt (und manch anderes, u. a. gerade wirklich eines der "schönsten Bücher" die ihr da hinbekommen habt, werde noch einiges davon noch nachlesen).

Und warum ? Weil ich mir von niemandem diktieren lassen will, was ich zu lesen habe.

Bin ich jetzt rechts? Viel wichtiger ist doch, dass die Blödmänner sich so lustvoll gerne ins Knie schießen und Wirkungen erzielen, die sie selbst nicht verstehen. Das ist doch auch eine gute Nachricht.

Ein gebuertiger Hesse

27. Oktober 2020 13:44

"Es ist so, wie ein gestandener Rechter die Welt sowieso sieht - vielgestaltig, lebendig, schwer zu bändigen, voller Wege, von denen keiner weiß, warum sie, von irgendwoher kommend, aufeinandertreffen und eine Weile parallellaufen."

Wahre, toraufschließende Worte - runter wie Öl. Um sowas in sich aufzunehmen (sodaß es einen auf die eigenen Füße stellt), kommen die gescheiten Leute nach Schnellroda, klicken auf SiN.

Gotlandfahrer

27. Oktober 2020 14:42

Fuck all the perfect people

https://www.youtube.com/watch?v=dt9GBafFzjE

Freiburger Stimme

27. Oktober 2020 14:43

Einer der kraftvollsten Texte, die ich in den letzten Zeiten von Kubitschek gelesen habe. Er drückt das aus, was viele von uns in diesen ver-rückten Tagen denken und fühlen.

Eo

27. Oktober 2020 15:49

Die Angepaßten
werden die Angepißten sein --
dann nämlich, wenn der Wind sich dreht.

Seneca

27. Oktober 2020 16:40

Auf zahlreiche weitere „Marons“, lieber GK. Jede Woche sollten Sie einen oder eine „fressen“. Nur so zur unbändig freien Bücherlust. Chapeau! 

Nemo Obligatur

27. Oktober 2020 16:47

@ Freiburger Stimme

"Einer der kraftvollsten Texte, die ich in den letzten Zeiten von Kubitschek gelesen habe. ..."

Geht mir ähnlich. Dachte dabei an das Ernst-Jünger-Zitat (ich glaube, es war aus seiner Rede zum 100. Geburtstag): "Im Wesentlichen habe ich mein Leben als Leser verbracht." Nun kann Lesen nicht die einzige nennenswerte Tätigkeit im Leben eines klugen Menschen sein. Aber ein Buch ist in guten Zeiten Ansporn und Inspiration, in schwierigen Zeiten eine Zuflucht. Vielleicht ist es ja genau das, was die Bratenriecher in den Verlagen und Feuilletons so umtreibt.

Fuechsle

27. Oktober 2020 17:24

Großartig! Ein Text, geistreich und voll Saft und Kraft! Ich schreibe das nicht aus Lobhudelei, (im Schwäbischen ist sowieso "et gschompfa gnug globt!)  sondern weil ich zuletzt ein wenig das Gefühl hatte, daß sich unter uns   - durchaus verständlich -  eine gewisse melancholische Stimmung breitgemacht hat.  Um so mehr freut mich diese Ansage an die mit Subventionen gemästeten, verknöcherten Marionetten des Literaturbetriebs! Glück auf! 

 

RMH

27. Oktober 2020 17:54

Losgelöst vom Text von G.K.:

Grundsätzlich sollte man schon einmal darauf hinweisen, dass Verlage keine Horte der komplett freien Künste sind, sondern Tendenzbetriebe, bei denen die Autoren entsprechend auch eingebunden sind und eben oft nur deshalb bei dem konkreten Verlag sind, weil sie einst auf der entsprechende Linie des Vertrages waren. Es ist jetzt müßig darüber zu diskutieren, wer jetzt die Linie geändert hat, Verlag oder Autor.

Insofern kann ein Verlag schon sagen, mit dir und deiner Meinung nicht mehr, zumal, wenn du offenbar auch noch bei anderen Verlagen herum turnst (kommt bei letzterem Punkt aber auch darauf an, wie viel Exklusivität man sich vertraglich gesichert hat).

Im Fall Maron wird das sachliche "Mit Dir zukünftig nicht mehr" (warum auch immer) aber in dieser typisch Deutschland-im.21 Jhdt.-Art pseudo-moralisch aufgeladen, mit Abschreckungswirkung versehen, als Statement verkauft etc. und - das ist das beste daran - an dem "Skandal" dann letztlich auch noch verdient, weil jetzt sicher mehr M.M. Bücher verkauft werden, als bisher.

Saubere, sachliche Schnitte, bei der beide Parteien fair auseinandergehen, sehen also anders aus. Heuchelei und Empörung beherrschen stattdessen die Szenerie.

Skeptiker

27. Oktober 2020 18:21

@RMH

Ich sehe es ähnlich. Für mich ist es ein künstlich aufgeblähtes Getöse! Ich schätze Monika Maron und auch Judith Hermann als Autorinnen sehr. Ein Verlag steht für ein bestimmtest Programm. Das ist beim Fischer Verlag nicht anders als bei Antaios. Ich finde es geradezu positiv, dass ein Verlag Bücher und Äußerungen eines Autors dahingehend prüft, ob sie zueinander passen. Das unterscheidet Verlage u.a. von Social Media, auf deren Plattformen ungeprüft jeglicher Unsinn verbreitet werden. Fischer Verlag und Autorin haben sich in eine unterschiedliche Richtung weiterentwickelt, sodass eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr sinnvoll erschien. 

frdnkndr

27. Oktober 2020 18:32

@Dietrichs Bern

'nun, ohne die Blödmänner hätte... ' auch ich sicher nicht so umstandslos hierher und damit,  wenn auch nicht gleich eine geistige Heimat, so doch zumindest etwas dieser Nahestehendes gefunden - die aktuelle Textreihe von G. K. und hier insbesondere der obenstehende dritte Teil belegt dies erneut und klarer als je zuvor. 

Dietrichs Bern

27. Oktober 2020 19:11

@RMH: Man kann aber doch nicht die Banalität - Verleger und Autor entzweien sich (worüber  auch immer) und gehen deshalb getrennte Wege - als eben banal und normal beschreiben und die obwaltenden Umstände ignorieren.

Welche "Linie" des Verlages sollte denn hier wodurch genau verletzt worden sein?

Warum werden diese Trennungen einseitig als öffentliche Herabsetzungen inszeniert, folgen immer dem "öffentlichen Druck" - mit dem in diesem Lande ausschließlich die machtvollen Akteure von links und ihre Auxilien gemeint sind?

Wieso sollte Empörung (wenigstens die) nicht angebracht sein, wenn auf der einen Seite jede Bemerkung skandalisiert wird - und "Folgen hat,  während auf der anderen das Urteil "das Menschsein verwirkt zu haben" gefeiert wird?

RMH

27. Oktober 2020 20:54

@Dietrich Bern,

bitte nicht falsch verstehen:

Ich habe versucht, einen Normalzustand zu beschreiben, wie er früher einmal war. Verlag = Tendenzbetrieb = kein Raum völlig freier Kunst, sondern Kunst im weiten Sinne des Verlages, zumindest wenn es ein Verlag ist, dem es nicht komplett egal ist, mit was Geld verdient wird. Dass es zum Auseinanderfallen von Verlag und Autor kommen kann, sollte eigentlich ein möglicher und normaler Vorgang sein.

Und jetzt haben Sie wieder Recht: Warum wird sowas mit solchen Anlässen begründet?

Warum wird der Rauswurf mit Schuldzuweisungen inszeniert, obwohl man rein rechtlich und tatsächlich ja noch zusammen arbeitet (1 Buch soll ja noch erscheinen - liest sich nach: Vertrag läuft einfach aus und wird eben nicht verlängert = kein echter Rauswurf), zusammen Geld verdient, welches offenbar dann doch nicht so stinkt.

Für mich ist sowas reine Heuchelei mit dem Ziel, irgendwie eine Ausstrahlungswirkung zu erzeugen (bestrafe einen, erziehe hundert? Bin mir hier nicht schlüssig ...).

Zudem: So viele unabhängige Verlage mit unterschiedlichen Tendenzen gibt es ja nun auch wieder nicht in diesem Land, so dass eine gewisse Wirkung möglich ist.

Mboko Lumumbe

27. Oktober 2020 21:08

Satter Text voller Kraft und Stärke - so muss das!

"Diese Sorte Blödmänner wird ein paar Dinge nicht mehr kapieren: Erstens sind wir so frei, wie sie es gern wären. Wir lesen, was wir wollen, schreiben darüber, wenn wir wollen, denken darüber nach, wie wir wollen und lassen uns von niemandem vorschreiben, an welcher Stelle es besser wäre, so zu denken wie alle anderen. Unser Verhältnis zur Freiheit ist fundamental."

Dieses Wir steht für viel mehr als die Summe seiner Einzelteile, so wie ich mehr bin als die Summe meiner Zellen.

Lotta Vorbeck

27. Oktober 2020 21:43

@Götz Kubitschek: "Wir hatten ja leider über die letzten sechs Jahre eine ganze Menge blinder Blödmänner in unserer Bibliothek sitzen, die so ganz offen taten, dann aber nur die Edda stehen sahen, und eine Riefenstahl-Biographie, und die sich nicht schämten, hinterher in ihren Berichten unsere gefüllten Regale darauf zu reduzieren."

---

Es begann, vor vielen Jahren mit 3sat ... die "blinden Blödmänner" leisteten (unbeabsichtigt) ganze Arbeit, halfen (ungewollt) mit, den Acker zu düngen. Der Verlag mit der Schlange als Firmensymbol und dessen Vertrieb steht, auch ohne das Versandhaus des Jeff Bezos im Rücken.

Und Maron? 

Vielleicht markiert die Causa Maron für die späte Merkel-BRD das, was in der TäTäRä im November 1988 mit dem "SPUTNIK"-Verbot begann ...

 

 

Der_Juergen

27. Oktober 2020 21:47

Ich teile Kubitscheks Bewunderung für die beiden ersten Romane von Christoph Ransmayr, die durch ihr kraftvolle Sprache bestechen. (Die späteren habe ich dann nicht gelesen, da ich damals einfach keine Zeit für Literatur mehr hatte, kann dies aber immer noch nachholen.) Auf "Die letzte Welt" war ich durch eine enthusiastische Rezension im "Spiegel" aufmerksam geworden, verfasst von einem jungen Schnösel, dessen Name mir nicht mehr erinnerlich ist und der sonst vorwiegend durch seine Hetze gegen die Kriegsgeneration auffiel. Mit dieser Buchbesprechung hat er aber den Nagel auf den Kopf getroffen; Ransmayr, schrieb er, habe sich mit "Die letzte Welt" einen Logenplatz in der deutschen Literatur gesichert. 

Simplicius Teutsch

27. Oktober 2020 22:11

Frage: War es nicht @Elvis Pressluft, der vor einiger Zeit an anderer Stelle den Foristen @Skeptiker sinngemäß als Agenten der Gegenseite, der hier im Kommentariat immer wieder Nebelkerzen wirft, bezeichnet hat?

Ich halte das Geschwafel von @Skeptiker für eine FRECHHEIT in diesem Blog, wenn er uns erzählen will: „Für mich ist es ein künstlich aufgeblähtes Getöse! Ich schätze Monika Maron und auch Judith Hermann als Autorinnen sehr...“

Ein „künstlich aufgeblähtes Getöse“ also. Und @RMH, der ach so Objektive und Abwägende, liefert die bräsige Vorlage, um die eliminatorische Energie, die dahinter steckt, herunterzureden als ganz normalen Verlags-Vorgang, - was aber in Wirklichkeit einem existenzvernichtenden >Kauft nicht bei Nazis-Etikett< entspricht (Thor Kunkel in der JF/44 vom 23.10.2020).

Zur Erinnerung, der freiheitlich-demokratische S. Fischer Verlag hat die kalte Trennung mit Fußtritt in die rechte A-Backe von seiner langjährigen, erfolgreichen 79jährigen Autorin damit begründet, dass auch der Verleger Götz Kubitschek ein Buch von Monika Maron vertreibt. Vertreibt! - Sieht man außerdem nicht, dass das viel größere Kaliber diskriminierend und vernichtend auf G. K. und antaios zielt?

@Götz Kubitschek, Monika Maron (2): „... Es steckt dahinter tatsächlich ein Wahn, etwas Wahnhaftes, eine eliminatorische Energie, von der wir aus der Geschichte wissen und die sich stets moralisch und ins beste Gewissen zu kleiden wußte.“

Gracchus

28. Oktober 2020 00:08

Natürlich finde ich, das ist ein starkes Stück, das sich S. Fischer da geleistet hat, und ich verstehe anders als der Skeptiker oder RMH nicht, wieso ein Verlag irgendeine politische Linie vorgeben sollte. Zählen ästhetische Kriterien gar nicht mehr? Siv Bublitz habe ich bei einem Seminar mal referieren gehört, ich glaube über Marketing, ich habe sofort abgeschaltet, und würde Siv Bublitz Hanna Müller heißen, würde ich mich gar nicht mehr daran erinnern. Jedenfalls kommt mir das wie Marketing-Moral vor. 

Trotzdem: Meine Empörung hält sich in Grenzen. Entweder weil ich schon zu abgestumpft bin oder weil ich keine Lust habe, in den Empörungs-Modus zu schalten. Maron wird bestimmt einen neuen Verlag. Auf lange Sicht schadet es eher S. Fischer. Große Verlagshäuser zeichnen sich dadurch aus, ganz unterschiedliche Geister unter einem Dach zu vereinen.

Gracchus

28. Oktober 2020 01:09

Zu blöd, was man so hört, zu blöd, um's zu kommentieren. Ist es Ironie, Parodie, Sarkasmus, dass Kubitschek nun die totale Lektüre ausruft - statt den totalen Krieg, wie man's ja aufgrund der denunziatorischen Zuschreibungen ("völkisch", "rassistisch") erwarten sollte? Mir will aber auch weder in Herz noch Kopf, weshalb man sich solche geistigen Scheuklappen anlegen lassen sollte. 

Von Monika Maron habe ich noch kein Buch gelesen, und ich habe es auch nicht vor. Für mich klingt das literarisch wenig aufregend. Wer anderer Meinung ist, bitte melden! Es kann sich da bei mir um ein Voruteil handeln. Ich fände es aber viel interessanter, darüber zu diskutieren. Was macht Ransmayr zu einem großen, herausragenden Autor? 

 

 

Gracchus

28. Oktober 2020 01:17

Für Kositza: Ransmayr ist vom Sternzeichen "Fische" (sogar in "Wels" geboren). Meine These: Die meisten guten Autoren findet man beim Sternzeichen "Fische" (z. B. Ransmayr, Hermann Lenz), "Krebs" (Proust, Kafka) und "Skorpion" (Dostojewski, Musil). 

RMH

28. Oktober 2020 07:21

@S. T.,

jetzt schieben Sie mir aber einiges unter - ich habe auf einen Normalzustand hingewiesen, der hier gerade nicht eingehalten wurde (siehe letzter Beitrag, siehe meine Beiträge zu den anderen Maron-Artikeln). Jede Zeitung hat einen Inhaber (A.H.), dass gilt gerade auch für Verlage. Und wer diese Tatsache nicht sehen will, der ist freiwillig blind. Den juristischen Fachbegriff "Tendenzträger oder -betrieb" mögen manche nicht kennen. Er ist aber sehr alter Teil der Rechtsordnung, insofern ist auch der Begriff von "freien Medien" (für die dann auch noch irgendwelche Kongresse abgehalten werden) falsch, da kein Medium frei oder gar beliebig ist. Es gibt staatsnahe und staatsferne Medien, aber alle haben Inhaber. Und damit 

RMH

28. Oktober 2020 07:21

@Gracchus

"wieso ein Verlag irgendeine politische Linie vorgeben sollte. Zählen ästhetische Kriterien gar nicht mehr?"

Ein Verlag MUSS oder SOLLTE gar nichts, er DARF aber und das ist das Entscheidende, was auch gut so ist. Nehmen Sie bspw. den Kopp-Verlag. Da ist eine klare Linie erkennbar, bei dem ästhetische Kriterien jedoch NULL zählen.

Nehmen Sie den Antaios Verlag, auch hier ist eine Linie zu erkennen, aber ästhetische Kriterien zählen eine große Rolle, da die Inhaber eben selber bekennende Literaturfans und keine reinen Geschäftemacher (wie Kopp) sind. Und es ist auch gut, das Inhaber von Verlagen etwas zu melden haben, Autoren lektorieren, sich ein Verlagsprogramm geben etc.

Und noch ein Punkt zu S. Fischer: Es hat noch nie genügt, Recht zu haben. Selbst im Recht kann man menschlich und politisch dennoch unter aller S... sein. Wünsche dem Verlag noch gute Geschäfte am Maron "Skandal", der keiner wäre, wenn man es nicht politisch durch den Fingerzeig auf Dagen/Antaios/Kubitschek aufgeladen hätte.

Monika

28. Oktober 2020 10:44

Der neue Roman von Monika Maron ist doch bereits geschrieben: 🤪😜

Die aparte Verlegerin eines renommierten Verlages, die Vierteljüdin Liv Bubis, ist angeödet von ihrer  aseptischen, verklemmten Dauerbeziehung zu Artur, einem veganen, frühpensionierten Geschichtslehrer und animal triste.  Auf der Suche nach literarischen Talenten begegnet sie auf der Frankfurter Buchmesse dem kernigen, mutigen Kleinverleger Ranz Götzmayr. Sie verliebt  sich Hals über Kopf in den völkischen Schöngeist. Dieser zeigt ihr auf einer Lesereise „Deutsche Orte“, bedeutende „Stätten, an denen die Deutschen zu einer Schicksalsgemeinschaft geformt wurden.“ Am Kyffhäuser kommt es zur schicksalhaften Begegnung mit dem sensiblen, blauäugigen Freund Ranz‘, genannt Bernd. Livs bisheriges Geistesleben gerät ins Wanken.  Zuviel sei hier aber nicht verraten. Erschienen ist das neue Buch Marons im Loki Verlag. 

Waldgaenger aus Schwaben

28. Oktober 2020 10:47

Texte laufen Gefahr durch zuviel Überarbeiten glatt poliert und damit langweilig zu werden. Dieser Gefahr ist dieser ausdrucksstarke Text, in dem die Emotionen des Autos sichtbar bleiben, entronnen. Rechtschreibfehler wie  "Wahrnehungsweise" können hier fast schon als Stilmittel durchgehen.

1/2

Waldgaenger aus Schwaben

28. Oktober 2020 10:48

2/2

Zum Inhalt:

in einem achgut Artikel wurde Trump als kreativer Zerstörer des Kartells aus Medien, Politik und Großindustrie gewürdigt, dem leider zwei massive Fehler unterlaufen sind: Sein Versagen in der Corona-Pandemie (selbst wenn seine Politik richtig sein sollte, verkaufen konnte er sie nicht) und der Verzicht auf Zerschlagung der (digitalen) Medienkonzerne. Vermutlich hat er sich letzteres für die zweite Amtszeit vorgenommen.

Mit Zerschlagung meine ich gewiss nicht die Verstaatlichung oder Zensur. Am Bespiel des S.Fischer-Verlags: der gehört zur Holzbrinck-Gruppe, die wiederum nur ein Drittel des Umsatzes aus dem Verlagsgeschäft erzielt, der Rest sind Wissenschaft und Bildung (Lehr- und Schulbücher!) . Zum Geschäftsbereich gehören Sachbuch, Zeitung (die Zeit!) und Belletristik. Die Vermutung, dass Belletristik und Zeitung aus den anderen Bereichen querfinanziert werden ist nahe liegend.

Und hier bin ich radikaler als G.K.:

Der Konzern gehört zerschlagen: Belletristik und Zeitung sollen sich als jeweils eigenständige wirtschaftliche Einheiten selbst finanzieren. Dann würden sie es sich nicht leisten können, Erfolgsautoren den Stuhl vor die Türe zu stellen und ein Heer unproduktiver Geisteswissenschaftler durchzufüttern.

Lumi

28. Oktober 2020 12:52

Vor 30 Jahren gab es einen Literaturstreit, von dem ich ein paar Jahre später erfuhr. Ein geistiges Blätterrauschen, ein Aufruhr im Feuilleton. Es ging erst nur um die Literatur der DDR, aber dann auch um jene der BRD. Ein Nachtreten gegen die Kultur der DDR und ihre Sympathisanten durch Besserwessis und ihre Mohren. Dabei schrieb ein Ulrich Greiner in der ZEIT diesen Artikel:

Die deutsche Gesinnungsästhetik - 2.11.1990

https://www.zeit.de/1990/45/die-deutsche-gesinnungsaesthetik

Das Wort verstand ich damals nicht. Zwar hielt ich mich für ästhetisch durchaus sensibel, wußte aber nicht genau, was unter einer Gesinnung zu verstehen sei. Mir war auch nicht bewußt, daß ich bereits eine hatte, geformt durch Schule und Massenmedien. Vielmehr wähnte ich mich frei von jeglicher Gesinnung, da ja das Wort keinen allzu guten Klang hatte.

Etliche Jahre später kollabierte die anerzogene Gesinnung, indem ich erkannte, daß sie fundamental auf Lügen beruhte - auf BRD Grundlügen. Erst durch ihren Kollaps offenbarte sich mir die bis dahin unreflektierte Gesinnung. Fast wie ein Erwachen aus der Matrix.

Da fiel mir auch das nie richtig verstandene Wort von der Gesinnungsästhetik wieder ein. Glasklar stand es im Raum und erklärte mir kaltweiß strahlend die eigenartig langweilige und dröge BRD Kulturwelt.

Gesinnungsästhetik war nicht nur bis zum Mauerfall quasi pandemisch. Sie ist es bis heute, nach dem, was ich mitkriege, politkorrekt wuchernd, jedes Jahr ärger und kränker.

Monika

28. Oktober 2020 13:04

Im Ernst 😑 

Von Monika Maron habe ich seinerzeit nur „Flugasche“ gelesen. Und dies als eher politischen Text mit seiner Kritik an der Umweltpolitik der DDR ( besser: Nichtumweltpolitik). Monika Maron als erste Grüne der DDR sozusagen. Ihr Buch „Animal triste“ fand ich dann eher triste und ich habe die folgenden Bücher nicht mehr gelesen. Von großen Verlagen erwarte ich eigentlich keine dissidente Literatur. Dafür gibt es kleine, feine Verlage. Die Reihe EXIL finde ich schon wieder interessant. Eine exilierte  Maron würde ich lesen. Nur selten wird dissidente Literatur zum großen Verkaufserfolg. Und doch stoßen auch große Verlage auf kleine Schätze, der Fischer Verlag brachte 1979 den ersten Lyrikband von Wolfgang Hilbig „Abwesenheit“ raus. Wer weiß, ob man von diesem Autor sonst je was gehört hätte.

http://www.planetlyrik.de/wolfgang-hilbig-abwesenheit/2010/12/

limes

28. Oktober 2020 13:58

@ Skeptiker findet es »geradezu positiv, dass ein Verlag Bücher und Äußerungen eines Autors dahingehend prüft, ob sie zueinander passen. Das unterscheidet Verlage u.a. von Social Media, auf deren Plattformen ungeprüft jeglicher Unsinn verbreitet werden.«

Diese Gegenüberstellung berücksichtigt nicht Verflechtungen von Verlagen, auf die @ Waldgänger hinweist, und auch nicht orchestrierten Einsatz von SM. Undurchsichtige Verflechtungen von Politik und Medien aber sind die schlimmsten Feinde der Demokratie!

Der unabhängige Publizist Roland Tichy (»Tichys Einblick«, kurz TE) schrieb beispielsweise 2019 über »Zeitungen, auf die die SPD heimlich und indirekt Einfluß nimmt« und sah sich umgehend genötigt, den Beitrag zu löschen: »TE verfügt nicht über die Ressourcen, um mit diesem machtvollen Gegner presserechtliche Auseinandersetzungen zu führen.« Tichys Fazit: »Pressefreiheit ist die Freiheit sehr reicher Organisationen und Personen.«

Auch bei den SM kann man Einflussnahme beobachten. »Influencer« wie »Rezo« entfalten ihre Wirksamkeit in einem verflochtenen System, das für Otto Normalrezipient ein Buch mit sieben Siegeln ist. Glauben Sie, dass politische Vlogs »ungeprüft« von Verlagen gepusht werden?

Simplicius Teutsch

28. Oktober 2020 20:29

@RMH

Ich habe überhaupt kein Problem mit der Tatsache, dass Publikationsorgane, wie Zeitschriften, Buchverlage bzw. deren Redaktionen, eine ideologische oder sonstige sachliche bzw. kulturelle Richtung vertreten und bevorzugen. Auch Tageszeitungen billige ich ihre Redaktionslinie zu. So wie ich grundsätzlich nichts gegen Parteizeitungen habe, außer dass sie vielleicht langweilig sind.

Aber der Fall Monika Maron zeigt mir – diese Vernichtungsabsicht muss man doch als Rechter geradezu spüren! - weit über eine „normale“ verlegerische Redaktionslinie hinausgehend in aller offenen Krassheit die „eliminatorische Energie“ der linken Zivilgesellschaft. Da ist der linke Hygienewahn am Werk; wozu diesmal auch der Fischer Verlag seinen Beitrag leistet.

Da wird ein lächerlicher Anlass (Vertrieb eines Buches bei antaios) hergenommen, um öffentliches Mobbing gegen M. Maron und gegen antaios zu betreiben. Es ist eine zivilgesellschaftliche Säuberung, bei der es darum geht, Gesinnungsabweichler, Leute des rechten Spektrums, zu benennen, zu stigmatisieren und auszuschalten.

Oder bin ich jetzt ein Verschwörungstheoretiker?

 

Gracchus

28. Oktober 2020 22:50

@RMH

Der S. Fischer-Verlag kann tun, was er will. Ich empöre mich ja nicht. Aber S. Fischer ist auch kein Nischen-Verlag oder Agit-Prop-Verlag, sondern hält sich ein gewisses intellektuelles Niveau zugute, das mit der jetzigen Begründung gnadenlos unterboten wird. Auch wenn nun Ingo ("Scheisshausliteratur", Peter Handke) Schulze Siv Bublitz sekundiert. Und im Bereich "Belletristik" sollten nun mal primär ästhetische Gründe zählen, ob man ein Buch bringt, wenn man einen Anspruch wie S. Fischer hat (natürlich zählen realiter auch monetäre - aber mit den Bestsellern werden dann schwere Brocken quersubventioniert). 

Nun scheinen die ästhetischen Gründe, Maron zu verlegen, überschaubar, wie auch @Monika bestätigt. Der erwähnte Wolfgang Hilbig ist wiederum ein ganz anderes Kaliber. Just der, erinnere ich mich, hat einem seiner Werke als Motto ein Davila-Zitat vorangestellt. Skandal! 

Waldgaenger aus Schwaben

29. Oktober 2020 08:32

Die Standard Oil Company hatte eine marktbeherrschende Stellung im Ölgeschäft. Sie wurde 1890 per Gesetz in 34 Einzelfirmen zerlegt. Der Bedarf an Erdöl stieg mit Beginn der Automobilisierung rapide an.

Eine ähnliche Zerschlagung der Big Five ( Google (Alphabet), Amazon, Facebook, Apple und Microsoft) ist schon lange überfällig. Diese haben u.a.  eine marktbeherrschende Stellung in der Berichterstattung, die maßgeblich der Meinungsbildung dient.

Möge Trump gewinnen und es angehen!

 

links ist wo der daumen rechts ist

4. November 2020 02:59

Bergsteiger und Waldgänger - Helden? 1

 

Noch knapp vor Torschluß und zu später Stunde (manche Nächte durchwacht man, wenn nebenan ein Familienangehöriger der Pflegestufe 3 liegt) ein paar Gedanken zu Ransmayr, ehe wir alle wieder gezwungenermaßen in die Schlacht gegen den "Islamismus" ziehen müssen...

Als Ransmayr und Reinhold Messner vor geraumer Zeit im Heeresgeschichtlichen Museum eine gemeinsame Lesung hatten, mußte ich die ganze Zeit daran denken, an wen mich diese Konstellation erinnerte. Dann war es klar: Ernst Jünger und Luis Trenker auf einem Podium. Über Trenkers Intellektualität kann man die Nase rümpfen (selbstverliebt sind beide Bergsteiger), aber zwischen der Doppelbödigkeit von "Morbus Kitahara" und "Marmorklippen" gäbe es mehr als eine Parallele.                                                                  Und Waldgänger und Bergsteiger haben auch nicht wenig gemeinsam.                                Dazu die relative Abgehobenheit Ransmayrs, der seine Karriere fast generalstabsmäßig plante und umsetzte.

 

links ist wo der daumen rechts ist

4. November 2020 03:01

Bergsteiger und Waldgänger - Helden? 2

 

Zudem erzählt Ransmayr als einer der letzten Schriftsteller von Rang Heldenepen, mögen sie auch das ganze Spektrum der Gebrochenheit von Ovid in seiner Verbannung bis zu Reinhold Messner in seinem Schmerz über den Tod seines Bruders durchlaufen.
Am gelungensten hat er das für mich in seinem Romanerstling vermocht.
Frauenliteratur scheint es jedenfalls nicht zu sein.

Zu all dem gäbe es noch viel zu sagen, aber die durch die maledetto Zeichenbeschränkung erzwungene Zerteilung der Texte ...