Und morgen die ganze Welt

Ich habe mir zum Kinostart und gerade noch vor dem "kleinen Lockdown" mit Kubitschek den Antifa-Film „Und morgen die ganze Welt“ angeschaut.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Spaß­fakt am Ran­de: Der gro­ße (unbe­heiz­te: gelobt sei, was hart macht! Das ist Osten!) Saal im „Dom­stadt­ki­no Mer­se­burg“ umfaßt geschätzt 150 Plät­ze. Wir waren acht Zuschau­er. Es gab im Vor­feld ein soge­nann­tes Rie­sen­dra­ma, weil sich man­che Leu­te (nein, nicht wir!) nicht exakt auf die per Ticket zuge­wie­se­nen Plät­ze gesetzt hat­ten. „Ich kotz. Ich könnt kot­zen. Ich kotz gleich“, mur­mel­te der ner­vö­se Kino­be­voll­mäch­tig­te, wäh­rend er das (bejahr­te) Publi­kum umdi­ri­gier­te. Immer wie­der lins­te er kurz in den Saal, um nöti­gen­falls Orgi­en zu verhindern.

Nun zum Film: Lui­sa beginnt ihr Stu­di­um, Jura. Zugleich bewirbt sie sich – eine enge Jugend­freun­din, Bat­te, der der Film auch nament­lich gewid­met ist, steht Pate –  auf einen Wohn­platz in einem links­ra­di­ka­len Haus­be­set­zer­pro­jekt. Lui­sa stammt aus einem groß­bür­ger­li­chen Haus. In ihrer Fami­lie spielt man Golf, jagt und wei­det die Beu­te aus. Lui­sa ist her­vor­ra­gend am Gewehr. Sie ist Vege­ta­rie­rin, aber kei­ne Zim­per­lie­se. Sie weiß, wie man das Wild zer­legt – und zuckt dabei nicht mit der Wim­per. Die Kame­ra zeigt in lan­gen Sequen­zen, wie blu­tig Lui­sa anpackt.

Wie man von dem nie ver­blas­sen­den Hin­ter­grund des warm­her­zi­gen Eltern­hau­ses – der Kon­takt zu Mama und Papa bleibt gut – zur radi­ka­len Anti­fa fin­det, dar­über ver­liert die­ser Film kein Wort. Das ist eine von vie­len Leer­stel­len, die Regis­seu­rin Julia von Heinz, die selbst zehn Jah­re lang akti­ve Anti­fa­schis­tin war, offenk­laf­fen läßt.

Im Jura-Hör­saal sit­zen Rech­te und Spie­ßer. (Regis­seu­rin von Heinz hat ihr eig­nes Stu­di­um, sie woll­te „lin­ke Anwäl­tin“ wer­den, abge­bro­chen.) Im sif­fi­gen Wohn­pro­jekt hin­ge­gen herrscht unter den bun­ten und quee­ren Sys­tem­geg­nern Dauerparty.

Es gibt dort eine „Hippie“-Fraktion, die in ihrem „Kampf gegen Rechts“ auf „Spaß­ak­tio­nen“ und brei­te Bünd­nis­se mit Par­tei­en, Gewerk­schaf­ten und Kir­chen setzt, und ein Extre­mis­ten­la­ger. Lui­sa zählt sich zu letz­te­rem. Ihr Anfüh­rer nennt sich „Alpha“, ein hüb­scher Kerl mit Mus­keln, mit dem unse­re Prot­ago­nis­tin bald in der Kis­te lan­den wird – obwohl auch der drit­te Prot­ago­nist mit dem spre­chen­den Namen „Lenor“ Inter­es­se hät­te. „Lenor“ hat kein schüt­zen­des Eltern­haus wie die bei­den ande­ren, daher ist er – so wird sug­ge­riert – etwas zurück­hal­ten­der in Rhe­to­rik und Tat.

Im Fokus des “Wider­stands­kamp­fes” steht die Par­tei „Lis­te 14“. Deren Far­ben und Logo sind exakt mit dem der AfD iden­tisch. „Lis­te 14“ kun­gelt mit Neo­na­zis. Die­se Leu­te in Par­tei und Umfeld nun sind frei­lich kein hete­ro­ge­ner Hau­fen, son­dern dicke, stier­na­cki­ge Mons­ter oder schmie­ri­ge Het­zer, die einen am Stra­ßen­rand ste­hen­den, äußerst freund­li­chen Sup­pen­kü­chen­asia­ten bei ihren „Bür­ger­spa­zier­gän­gen“ ein­fach mal zusammenschlagen.

Bei Lui­sas ers­ter Akti­on gegen eine Kund­ge­bung der Par­tei erbeu­tet sie ein Geg­ner-Han­dy. Die aus­les­ba­ren Daten füh­ren zu Man­fred Röh­ler – offen­kun­dig in Anleh­nung an den real­exis­tie­ren­den Geschichts­re­vi­sio­nis­ten und rechts­ter­ro­ris­tisch ambi­tio­nier­ten Man­fred Röder.

Schon bei der zwei­ten Akti­on darf Lui­sa bei der Anti­fa-Eli­te mit­mi­schen. Die Trup­pe beob­ach­tet, wie Rech­te ihre Autos auf einem Park­platz abstel­len, um eine Ver­an­stal­tung zu besu­chen. Mit sicht­ba­rer Freu­de an Gewalt, unter Joh­len und Wut­tän­zen, wer­den die Fahr­zeu­ge ent­glast, die Rei­fen abgestochen.

Berauscht von der eige­nen Aggres­si­on beschließt der Trupp, den Rech­ten auf­zu­lau­ern. (Natür­lich 12 Lin­ke gegen 13 Rech­te, sonst wäre es ja unfair.) Lui­sa opfert sich bei der fol­gen­den Schlä­ge­rei der­art auf, daß sie eine ordent­li­che Fleisch­wun­de zuge­fügt bekommt.

Unter­des­sen haben unse­re Wider­stands­kämp­fer beob­ach­tet, daß Man­fred Röh­ler Spreng­stoff lagert. Sie bre­chen ein und klau­en das Zeug. Eigent­lich wür­den sie es gern der Poli­zei über­ge­ben (klar!), aber das bräch­te sie ja in Erklä­rungs­nö­te. Also ver­gra­ben sie den Spreng­stoff im Wald.

Dem­nächst soll ein gro­ßes Patrio­ten­tref­fen statt­fin­den, einen neu­es Samm­lungs­zen­trum soll ein­ge­weiht wer­den. Unse­re Freun­de des Wider­stands wol­len dem eigent­lich einen gründ­li­chen Strich durch die Rech­nung machen, aber da wird das lin­ke Wohn­pro­jekt jäh und bru­tal von einem poli­zei­li­chen Ein­satz­kom­man­do gefilzt. Aus­ge­rech­net die „Hippie“-Fraktion wird fest­ge­nom­men. „Alpha“ und Lui­sa kön­nen sich aus dem Staub machen. Weil nun gegen die gesam­te Siff­schaft mit Aus­nah­me von Lui­sa (die noch nicht akten­kun­dig ist) auf­grund § 129 (Bil­dung kri­mi­nel­ler Ver­ei­ni­gung) ermit­telt wird, rät selbst „Alpha“ zur Mäßigung.

Allein Lui­sa – die­se Wen­dung durch­zieht genau wie die Voka­bel “Wider­stand” den Film – „meint es ernst“. Sie schnappt sie Jagd­ge­wehr und mas­sen­wei­se Muni­ti­on und legt sich auf die Lau­er, nimmt jeden Ein­zel­nen die­ser fie­sen Rech­ten ins Visier. Zunächst wird sie nicht abdrü­cken. Sie schmeißt die Flin­te ins Korn und begibt sich unbe­waff­net auf die Patrio­ten­par­ty. In gan­zer Län­ge und aus vol­ler Keh­le sin­gen die nun ein „Lied“, aus dem ich nur einen Teil zitie­ren mag:

Siehst du sei­ne Nase?
Sei­ne Nase siehst du nicht,
Nur ist sie krumm und hässlich,
Ja dann schlag ihm ins Gesicht.

Er ist kein Mensch,
Er ist ein Jud,
Drum denk nicht nach
Und schlag ihn tot!

(Die­ses Lied exi­si­tiert offen­bar wirk­lich. Aller­dings ist es als Hör­spur nicht ohne wei­te­res zugäng­lich. Ich hät­te ein Pro­be­abo bei ama­zon music unlimted abschlie­ßen müs­sen, um es anzuhören.)

Wer bis hier noch nicht wuß­te, um welch fie­sen Unter­men­schen es sich bei den Rech­ten han­delt, weiß es jetzt.

In der letz­ten Sze­ne wird nun auch den fried­fer­ti­ge­ren „Lenor“ und „Bat­te“ klar, daß nun Zeit für akti­ven Wider­stand ist: Sie las­sen das gesam­te, weit­läu­fi­ge „rech­te Zen­trum“ in die Luft gehen. Ob Men­schen dar­in umkom­men, bleibt unklar. Der Film hat­te auch deut­lich genug gezeigt, daß es um die­se kaum scf­ha­de wäre. Der Abspann läuft auf dem Hin­ter­grund eines Flam­men­meers. Nun erklärt sich auch der Film­ti­tel, der auf das in der NS-Zeit gern­ge­sun­ge­ne Lied „Es zit­tern die mor­schen Kno­chen“ anspielt. Das ist kei­ne Iro­nie, das ist blu­ti­ger Ernst.

Nun gut, das ist also der Film. Ja, er ist span­nend. Julia von Heinz möch­te damit

“die guten Sei­ten und das Wert­vol­le der Anti­fa beto­nen. Ich möch­te bei aller Kri­tik einen lie­be­vol­len und wert­schät­zen­den Blick auf sie wer­fen. Das ist kei­ne Pha­se, die hin­ter mir liegt. Ich bin mittendrin.”

Ein mei­net­we­gen legi­ti­mes Ansin­nen. Klar kann eine Antifa­frau einen Antifa­film dre­hen, was sprä­che dage­gen? Ver­stö­rend ist dies: Ers­tens, daß es an Jubel­ari­en in Funk, Fern­se­hen und Zei­tun­gen nicht man­gelt. In der (wei­ten Tei­len der Gesell­schaft als „kon­ser­va­tiv“ gel­ten­den) FAZ pala­vert Diet­mar Dath:

“Eines macht die­ser Film ange­sichts der all­täg­li­chen Gewalt der Rechts­ex­tre­mis­ten sehr klar: Kei­ne Gewalt ist auch kei­ne Lösung.“

Daß sogar die Jun­ge Frei­heit den Film lobt, möch­te ich hier nicht wei­ter kom­men­tie­ren. Nur so viel: Der Rezen­sent fin­det, die Regis­seu­rin lege den „lin­ken Sumpf“ gna­den­los frei. Und er geht ernst­haft davon aus, daß die Prot­ago­nis­tin Lui­sa heißt, weil dadurch dem Fri­days­for­Fu­ture-Fräu­lein Lui­sa Neu­bau­er eins mit­ge­ge­ben wer­den soll…

Zwei­tens: Soeben wur­de bekannt­ge­ge­ben, daß aus­ge­rech­net die­ser gewalt­ver­herr­li­chen­de Film von der deut­schen Jury für den OSCAR für den bes­ten inter­na­tio­na­len Spiel­film ins Ren­nen geschickt wird.

Drit­tens: Das ist kei­ne Low-Bud­get-Pro­duk­ti­on einer unab­hän­gi­gen Film­crew. Geför­dert wur­de kräf­tig aus vie­ler­lei öffent­li­chen Töp­fen. Nur als Bei­spie­le: 530.000 € gab der Film­för­der­fonds Bay­ern, 496.000 € der Deut­sche Film­för­der­fonds (obers­te Che­fin: Moni­ka Grüt­ters), 310.000 € die Film­för­de­rungs­an­stalt, 200.000 das medi­en­board Ber­lin-Bran­den­burg. Letz­te­res faßt den Inhalt auf sei­ner eige­nen Sei­te wie folgt zusammen:

Die 20-jäh­ri­ge Lui­sa beschließt, sich gemein­sam mit ihren Freun­den poli­tisch zu enga­gie­ren. Als sie die Auf­merk­sam­keit von anders gesinn­ten Grup­pen auf sich zie­hen, muss Lui­sa sich und ihre Freun­de verteidigen.

Daß in Tei­len schwer kri­mi­nel­le Orga­ni­sa­tio­nen wie die Anti­fa mit Staats­gel­dern beku­schelt wird, ist bekannt. Eine sol­che Mil­lio­nen­wucht mit Geschenk­ver­pa­ckung und Auf­schrift „Kunst“ aber: Das ist unglaublich.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (21)

Laurenz

30. Oktober 2020 17:39

Interessant wäre es, für mich zumindest, wofür die Antifa eigentlich steht? Ohne Rechte (wer bestimmt das eigentlich?), gäbe es keine Existenz-Berechtigung. Die terroristische RAF hatte wenigstens noch ein eigenes Anliegen. Antifa? Fehlanzeige. @EK, Danke für die Berichterstattung. 

Lotta Vorbeck

30. Oktober 2020 17:59

@Ellen Kositza:

"Der große (unbeheizte: gelobt sei, was hart macht! Das ist Osten!) Saal im „Domstadtkino Merseburg“ ..."

---

"Hart ist das Leben der Waldameise. Alles, was sie nicht umbringt, macht sie hart!" ... wurde in einem 35 km von Merseburg entfernt liegenden LVO-Areal seinerzeit auch immer wieder gern in der Langfassung, nämlich mit dem Appendix "Gas, Schutzanzug anlegen!" verwendet.

"Luisa" ließe sich unter Weglassung des ersten Vokals gewiß auch noch ein wenig andes, als vom Steinschen Wochenblatt für Debatte vorgenommen, dechiffrieren.

Monika

30. Oktober 2020 19:07

Ich frage mich inzwischen ernsthaft, ob man solchen Machwerken überhaupt noch Aufmerksamkeit schenken sollte und sei es in einer kritischen Besprechung. In seinem heutigen Kommentar in der FAZ „ Woher kommt dieser Hass“ zu den grausamen Morden in Nizza bemüht RainerHermann einmal mehr das Muster „ auf diese schreckliche Tat erfolgt der Reflex rechtsradikaler Kreise auf Vergeltung“. Ja, seit wann ist der Reflex auf Vergeltung rechtsradikal ? Keine Gewalt ist auch keine Lösung. Es wird höchste Zeit, aus ideologischen Blasen auszubrechen. Der Attentäter von Nizza, der Tunesier Brahin, 21 kam über Lampedusa nach Italien und dann nach Frankreich. Theoretisch hätte ihn Carola Rakete mit der „Sea Watch“ schippern können. Er enthauptet in Nizza den Küster Vicent und eine ältere Frau ( davon gibt es ein grausliches Foto) und ersticht Simone ( 44) eine Brasilianerin, Mutter dreier Kinder, die im Sterben noch die Liebe zu Ihren Kindern kundtut. Die Mutter des Attentäters in Tunesien bricht zusammen. Mehr Filmstoff geht nicht. Woher kommt die Gewalt ? ( keine Gewalt ist auch keine Lösung.) https://www.dailymail.co.uk/news/article-8896593/Nice-terror-attack-Jihadist-seen-smiling-photo-taken-entered-Europe.html

 

Niekisch

30. Oktober 2020 19:33

"offenkundig in Anlehnung an den realexistierenden Geschichtsrevisionisten und rechtsterroristisch ambitionierten Manfred Röder"

Manfred Roeder existiert nicht mehr real, denn er verstarb am 30.7.2014. Ich kannte ihn persönlich, als er noch nicht in diese mysteriöse Strafsache verwickelt war. Da wir Tote nicht beschimpfen sei erwähnt, dass er als 16-jähriger freiwillig an der Verteidigung der Reichshauptstadt beteiligt war und den Russen entkam, indem er die Spree durchschwamm.

bb

30. Oktober 2020 21:44

Das schmierige Lied kursiert in Form einer Vertonung durch Gottfried Küssel aus den neunziger Jahren in der Antifaszene. Es steht exemplarisch dafür, wie diese ganze Szene aus rechtsextremistischen Reliquien der Vergangenheit eine völlig absurde Scheinwelt aufgebaut hat, um ihr eigenes gewalttätiges, asoziales, totalitäres und parasitäres Verhalten zu rechtfertigen.

limes

30. Oktober 2020 22:25

In einem anderen Strang zitierte ich kürzlich den unabhängigen Publizisten Roland Tichy mit den Worten: »Pressefreiheit ist die Freiheit sehr reicher Organisationen und Personen«, niedergeschrieben, nachdem er sich genötigt sah, seine Dokumentation mit dem Titel »Zeitungen, auf die die SPD heimlich und indirekt Einfluß nimmt« zu löschen.

Ellen Kositzas Rezension und die dargelegte Finanzierung des cineastischen Antifa-Machwerks legen darüber hinaus nahe, dass die Freiheit zur Meinungsmache unter den herrschenden Verhältnissen Propaganda für gewalttätige und kriminelle Organisationen wie Antifa umfasst, und dass eine solche Organisation sogar mit »Staatsknete« bereichert und von Staatsmedien verharmlost wird.

Besonders interessant in diesem Zusammenhang ist die auf einem »Linken«-Parteitag publik gewordene Strategie »Staatsknete abgreifen« und »der Bewegung zuspielen«.

RMH

30. Oktober 2020 22:51

Eine "Antifa", die ernsthaft links sein will, macht sich im Abarbeiten an irgendwelchen Provinzrechten, Autos anzünden von AfDlern, kleine Leute verprügeln ungefähr so glaubhaft bzw. ist ungefähr so "heldenhaft" wie irgendwelche VS-gesteuerten Ausländerjager, -Killer, Wohnheimanzünder, die sich rechts oder gar deutsch schimpfen. Beides ist armseliger Käfig-Kampf von Sklaven, über den man oben doch nur lacht.

Folgende Passage aus der SPON Rezension des Filmes erscheint mir erhellend:

"Als das Trio ... beim Ex-Terroristen Dietmar ... Unterschlupf sucht, gibt sich der Altlinke abgeklärt: Nazis verkloppen, das sei doch wie die Fassade eines maroden Hauses immer wieder weiß überzutünchen, sagt er. Früher sei es noch ums große Ganze gegangen. Also um den Systemsturz, das falsche Leben im Kapitalismus, eine Reform der Lebensverhältnisse."

Tja, da ist durchaus was dran - aber selbst die RAF waren letztlich nur "Tüncher", die im Spiel der Strategie der Spannung gebraucht wurden und nun zum Dank dafür aufs Altenteil Banken ausrauben müssen. Da ist nun überall nun wahrlich recht wenig heroisches daran - aber sehr viel armseliges. Insofern erscheint mir der Film Kitsch zu sein (Das Lied wurde von Baumann übrigens für die katholische Jugend geschrieben und nicht für die HJ).

limes

30. Oktober 2020 23:20

@ Laurenz fragt sich, wofür die Antifa eigentlich steht.

Sicherlich gibt es fundiertere wissenschaftliche Antworten auf diese Frage. Zwei amerikanische Schnellschüsse bieten Epoch-Times-Beiträge. In einem (»Über 80 Jahre Antifa: Bis heute wirkt ihr kommunistisches Erbe«) wird dargelegt, »dass die Ideen des „Faschismus“ und des „Antifaschismus“ der KPD „undifferenziert“ waren und der Begriff „Faschismus“ nur ein rhetorischer war, um die eigene aggressiv-oppositionelle Rolle zu unterstreichen«, der andere geht der Frage nach, ob »Der deutsche Sozialist Herbert Marcuse – der Philosoph der Antifa« zu nennen ist.

brueckenbauer

31. Oktober 2020 00:48

Nun hatten wir diese ganze Dynamik - mit rechts-linker Eskalation, linkem Gewaltpathos samt bürgerlichen Sponsoren und fellow travellers - ja schon mal, kurz und knackig, zwischen 1925 und 1936. In der Sache ist da nicht viel Neues. Nur: Das ganze Drama wird heute doch zerdehnt und kommt nicht von der Stelle. Im Grunde ist ja keine Dynamik mehr drin: Leute leben jahrzehntelang davon, dass sie sich einbilden, sie befänden sich gerade im Spanischen Bürgerkrieg, ohne positives oder negatives Ende. Was macht das mit den Leuten und was mit den Ideen?

heinrichbrueck

31. Oktober 2020 01:40

@ Laurenz

Die ideologische Ausrichtung der Antifa ist bekannt, unter anderem die Flutung weißer Länder mit Drittweltvisagen. Antirassismus (Kahane: Der Osten ist zu weiß). Internationale NGOs, Medien. Wer gibt die Anweisungen? Wer dagegen ist, wird angegriffen.

Der Titel dieses Machwerks ist etwas ungenau, ich hätte eher auf „übermorgen“ getippt. Aber die Schlägertruppe Antifa scheint optimistischer zu agieren. Ein Kampfhund, aber nicht sehr helle.

Dann schon lieber mit Thusnelda Barbaren gucken. Die wäre auch nie auf die Idee gekommen, Varus als Germanen zu behandeln (bei Marcuse kein Ding). Ich sehe schon, im Teutoburger Wald wird mein Hamster zum Berserker.

Maiordomus

31. Oktober 2020 06:38

@Monika/Kositza. Die Auseinandersetzung mit "Antifaschismus" ist nötig, auch wissenschaftlich. Man muss aufzeigen, dass es beispielsweise bei der nach dem Zweiten Weltkrieg ansetzenden Hochschulkritik am Nationalsozialismus an Berlins Universitäten zwei Richtungen gab, die "antifaschistische", die sich zunächst nur in der DDR festsetzte und die antitotalitäre. Der Chefdenker der Antitotalitären, die von den "Antifaschisten" abgelehnt wurden, war der Schweizer Walther Hofer. Unbeschadet seiner umstrittenen Thesen zum Reichstagsbrand war sein kritischer Ansatz zumindest erkenntnistheoretisch ernst zu nehmen. Das Problem des "Antifaschismus" war immer, das Hitler u. Co. sich nun mal die "Falschen" zum Opfer gewählt hatten. Hätten sie die "Richtigen" massakriert, wäre es was anderes gewesen. Dabei hat AH um den 30.6. 1934 durchaus "antifaschistische" Morde angeordnet, was die Sache kompliziert macht.

@Niekisch. Was Sie über den jungen Verteidiger der Reichshauptstadt schreiben, nötigt mir historischen Respekt ab.

 

Der_Juergen

31. Oktober 2020 11:15

@Ellen Kositza

"Daß in Teilen schwer kriminelle Organisationen wie die Antifa mit Staatsgeldern bekuschelt werden, ist bekannt. Eine solche Millionenwucht mit Geschenkverpackung und Aufschrift „Kunst“ aber: Das ist unglaublich."

Nein, es ist nicht unglaublich. In der "Welt" vom 2. September 2014 wurde unter dem Titel "Mischa Badasyan will für ein Kunstprojekt ein Jahr lang jeden Tag mit einem anderen Mann schlafen" bekanntgegeben, dass ein aus Russland emigrierter "Künstler" von der Heinrich-Böll-Stiftung dafür ein Stipendium erhalten hat, dass er täglich mit einem anderen Mann geschlechtlich verkehrt und seine Eindrücke dann in einem erotischen Tagebuch festhält. Da die Heinrich-Böll-Stiftung fast zu 100% vom Staat finanziert wird, heisst dies, dass der deutsche Staaten den perversen Migranten für seine "Forschungen" bezahlt. Was ist von einem solchen Staat noch zu erwarten? Richtig, eine Verschärfung des Krieges gegen sein eigenes Volk. Umvolkung, Zerstörung der Auto-Industrie unter dem Vorwand des Klimaschutzes, Versklavung der Bürger und endgültige Vernichtung der Wirtschaft durch den Corona-Betrug - all das sind Etappen des Genozids an den Deutschen. Warum sollte da ein widerlicher Pro-Antifa-Propagandastreifen noch "unglaublich" sein?

Gotlandfahrer

31. Oktober 2020 12:02

Herzlichen Dank für die Informationen. Die entscheidende: "Wir waren acht Zuschauer". 

Als Hobby-Massenpsychologe versuche ich es mal wieder so, zunächst mit geistigem Diebstahl: Der Mensch ist wie ein blindes Kind das vorwärts kriecht, weil es seine Mutter riecht.

In diesen Menschen, die solche Filme machen oder auf der Darstellungsebene ernstnehmen, ringt verstandesbasiertes Verarbeiten von Umweltinformationen mit ihren Instinkten. Heraus kommen lustig bis verstörend bedrohliche Verdrehungen. Diese sind nicht mal mehr links, weil Linkssein im menschlichen Normalzustand (wenn es diese Kombi gibt) zumindest noch auf einer Mindeststimmigkeit zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein basiert.  Wir haben es aber derzeit mit multipler Überforderung der meisten ( selbstverständlich keinesfalls aller) "Gegner" zu tun. Die fahren ein Auto, in dem plötzlich alles anders ist: Man sitzt dort mit Blick nach hinten, sieht dabei spiegelverkehrt alles auf dem Kopf, das Lenkrad steuert nach links, wenn man rechts dreht, die Gänge sind wild angeordnet, das Radio geht nur noch lauter, man fährt unkontrollierbar seitwärts und ständig klatschen Zombies gegen die Scheiben. So denke ich fühlt es sich an, als Mensch der Mitte 2020.

Niekisch

31. Oktober 2020 12:57

@ Maiordomus 6:38: Weil viele der sog. Altrechten die gesamte Entwicklung zumindest seit den 60iger Jahren miterlebt haben, haben sie als Studenten vor Ort miterlebt, dass die Linke ideologisch dachte und handelte, an DDR, Sowjetunion, sogar China angebunden war, später erst Richtung heutige Antifa geschrumpft ist, eine kabarettistische Nachhut des Früheren. 

Wir Älteren sind weltanschaulich fester, gedanklich breiter aufgestellt und letztlich mit Sicherheit wagemutiger als die weitgehend hedonistische heutige sog. Neue Rechte, die gar nicht so rechts ist, wenn wir den sinnlosen Begriff einmal verwenden. 

Den Begriff Antifa hat m.W. zuerst die ADF Anfang der 70iger verwendet.

starhemberg

31. Oktober 2020 13:07

Obwohl ich wie immer den Stil von EK außerordentlich schätze, fühle ich mich jetzt irgendwie beschmutzt, versifft, verdreckt, von diesem mit Steuergeld geförderten Agitprop-Massaker. Weit ist es gekommen, im besten Deutschland das es jemals gab. Mir ist schlecht vor Wut und ich balle meine Fäuste. Vielleicht liegt es ja auch am Vollmond. Ja, das wird es sein. 

Andreas Walter

31. Oktober 2020 15:19

Ein anderes Werk der Dame wurde auch schon mal als klischeebeladen, als Werbung (Propaganda) und oberflächlich kritisiert:

https://www.yadvashem.org/de/education/educational-materials/interviews/julia-von-heinz.html

Was sicherlich dann kein Zufall, sondern allem Anschein nach die Stärke, das Talent oder die Neigung dieser Filmemacherin ist.

Fritz

31. Oktober 2020 15:47

Was mag wohl die Oscar-Jury von sowas denken?

Dietrichs Bern

31. Oktober 2020 18:07

Als Jungen aus einfachen Verhältnissen ist mir das zu kompliziert.

Der Staat zwingt mich mit meinen Steuergeldern Schläger und die umgebenden Strukturen zu finanzieren, mittels deren er Opposition bekämpfen lässt (nächtliche Steinwürfe in die Kinderzimmer von Uta Ogilvie).

Das nenne ich verbrecherisch und daran ist kein Faszinosum zu erörtern. Punkt.

Nemo Obligatur

1. November 2020 10:13

1/2

Obacht, Frau Kositza! Sonst tragen im nächsten Tatort Protagonisten der rechten Szene die Vornamen "Ellen" oder "Götz" und Teile spielen in "Schönroda"...

Die Inhaltsangabe liest sich wie ein durchschnittlicher Agitprop-Film. Aber wenn er gut gemacht ist, warum soll er nicht preiswürdig sein? Noch heute wird ja "Panzerkreuzer Potemkin" allenthalben gelobt.

Nemo Obligatur

1. November 2020 10:13

2/2

Vor vielen Jahren habe ich einmal zwei sogenannte Vorbehalts-Filme gesehen. D.h. solche Filme, die im Dritten Reich zu Propagandazwecken gedreht wurden und deren Aufführung heute nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt ist. Die Filme waren "Hitlerjunge Quex" und "Ich klage an". Vorab gab es - das war die Bedingung - einen einführender Vortrag eines Wissenschaftlers. Das war damals ein Herr vom NDR, dessen Name mir leider entfallen ist, der aber durchaus Tiefgang und Hintergrund hatte. Das ist keine schlechte Methode solche Filme vorzuführen, denn man sieht dadurch natürlich einige Szenen anders, sozusagen mit geschärftem Blick.

Vielleicht würde sich ein einführender Vortrag auch bei heutigen Filmen anbieten. Vielleicht genügt aber auch eine eigene schnelle Recherche. Bei Wikipedia kann man erfahren, dass Frau von Heinz anlässlich eines Überfalls von Neo-Nazis auf ihre Feier zum 15. Geburtstag in den Bonner Rheinauen zur Antifa kam. Jetzt warte ich natürlich auf einen preisgekrönten Regisseur, der nach einem Straßenraub durch eine Migrantengang zur "Islamophobie" oder wenigstens zur AfD fand. Frau von Heinz Filmografie ist übrigens durchaus eindrucksvoll. Wer erinnert sich nicht an ihre Meisterwerke "Hanni&Nanni 2" oder "Ich bin dann mal weg"?

links ist wo der daumen rechts ist

4. November 2020 02:28

Tiefer Brunnen

 

Ich habe das Machwerk noch nicht gesehen und kann also nur aus Reaktionen schlußfolgern, aber:

Um ein plumpes Agitprop-Werk scheint es sich nicht zu handeln, eher um den Beginn einer selbstzweiflerischen Auseinandersetzung innerhalb der Antifa-Szene - vergleichbar einer früheren selbstkritischen Betrachtung der Linken in Bezug auf die Geschichte der RAF.
Zumindest hoffe ich das.

Und diese beiden Aspekte verknüpfen sich ja in einer Schlüsselszene:
Als der frühere RAF-Kämpfer im Film sinngemäß meint, man wisse nicht mehr, wofür man gekämpft habe, heißt es zu dieser Szene in einer Besprechung (vermutlich sogar auf Spon), das Gesicht der Hauptdarstellerin wirke "wie ein Brunnen, in den man einen Stein wirft, ihn aber nicht auftreffen hört".
Deutsche Abgründe halt.

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