30. Oktober 2020

Und morgen die ganze Welt

Ellen Kositza / 21 Kommentare

Ich habe mir zum Kinostart und gerade noch vor dem "kleinen Lockdown" mit Kubitschek den Antifa-Film „Und morgen die ganze Welt“ angeschaut.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Spaßfakt am Rande: Der große (unbeheizte: gelobt sei, was hart macht! Das ist Osten!) Saal im „Domstadtkino Merseburg“ umfaßt geschätzt 150 Plätze. Wir waren acht Zuschauer. Es gab im Vorfeld ein sogenanntes Riesendrama, weil sich manche Leute (nein, nicht wir!) nicht exakt auf die per Ticket zugewiesenen Plätze gesetzt hatten. „Ich kotz. Ich könnt kotzen. Ich kotz gleich“, murmelte der nervöse Kinobevollmächtigte, während er das (bejahrte) Publikum umdirigierte. Immer wieder linste er kurz in den Saal, um nötigenfalls Orgien zu verhindern.

Nun zum Film: Luisa beginnt ihr Studium, Jura. Zugleich bewirbt sie sich – eine enge Jugendfreundin, Batte, der der Film auch namentlich gewidmet ist, steht Pate -  auf einen Wohnplatz in einem linksradikalen Hausbesetzerprojekt. Luisa stammt aus einem großbürgerlichen Haus. In ihrer Familie spielt man Golf, jagt und weidet die Beute aus. Luisa ist hervorragend am Gewehr. Sie ist Vegetarierin, aber keine Zimperliese. Sie weiß, wie man das Wild zerlegt – und zuckt dabei nicht mit der Wimper. Die Kamera zeigt in langen Sequenzen, wie blutig Luisa anpackt.

Wie man von dem nie verblassenden Hintergrund des warmherzigen Elternhauses - der Kontakt zu Mama und Papa bleibt gut - zur radikalen Antifa findet, darüber verliert dieser Film kein Wort. Das ist eine von vielen Leerstellen, die Regisseurin Julia von Heinz, die selbst zehn Jahre lang aktive Antifaschistin war, offenklaffen läßt.

Im Jura-Hörsaal sitzen Rechte und Spießer. (Regisseurin von Heinz hat ihr eignes Studium, sie wollte „linke Anwältin“ werden, abgebrochen.) Im siffigen Wohnprojekt hingegen herrscht unter den bunten und queeren Systemgegnern Dauerparty.

Es gibt dort eine „Hippie“-Fraktion, die in ihrem „Kampf gegen Rechts“ auf „Spaßaktionen“ und breite Bündnisse mit Parteien, Gewerkschaften und Kirchen setzt, und ein Extremistenlager. Luisa zählt sich zu letzterem. Ihr Anführer nennt sich „Alpha“, ein hübscher Kerl mit Muskeln, mit dem unsere Protagonistin bald in der Kiste landen wird – obwohl auch der dritte Protagonist mit dem sprechenden Namen „Lenor“ Interesse hätte. „Lenor“ hat kein schützendes Elternhaus wie die beiden anderen, daher ist er – so wird suggeriert – etwas zurückhaltender in Rhetorik und Tat.

Im Fokus des "Widerstandskampfes" steht die Partei „Liste 14“. Deren Farben und Logo sind exakt mit dem der AfD identisch. „Liste 14“ kungelt mit Neonazis. Diese Leute in Partei und Umfeld nun sind freilich kein heterogener Haufen, sondern dicke, stiernackige Monster oder schmierige Hetzer, die einen am Straßenrand stehenden, äußerst freundlichen Suppenküchenasiaten bei ihren „Bürgerspaziergängen“ einfach mal zusammenschlagen.

Bei Luisas erster Aktion gegen eine Kundgebung der Partei erbeutet sie ein Gegner-Handy. Die auslesbaren Daten führen zu Manfred Röhler – offenkundig in Anlehnung an den realexistierenden Geschichtsrevisionisten und rechtsterroristisch ambitionierten Manfred Röder.

Schon bei der zweiten Aktion darf Luisa bei der Antifa-Elite mitmischen. Die Truppe beobachtet, wie Rechte ihre Autos auf einem Parkplatz abstellen, um eine Veranstaltung zu besuchen. Mit sichtbarer Freude an Gewalt, unter Johlen und Wuttänzen, werden die Fahrzeuge entglast, die Reifen abgestochen.

Berauscht von der eigenen Aggression beschließt der Trupp, den Rechten aufzulauern. (Natürlich 12 Linke gegen 13 Rechte, sonst wäre es ja unfair.) Luisa opfert sich bei der folgenden Schlägerei derart auf, daß sie eine ordentliche Fleischwunde zugefügt bekommt.

Unterdessen haben unsere Widerstandskämpfer beobachtet, daß Manfred Röhler Sprengstoff lagert. Sie brechen ein und klauen das Zeug. Eigentlich würden sie es gern der Polizei übergeben (klar!), aber das brächte sie ja in Erklärungsnöte. Also vergraben sie den Sprengstoff im Wald.

Demnächst soll ein großes Patriotentreffen stattfinden, einen neues Sammlungszentrum soll eingeweiht werden. Unsere Freunde des Widerstands wollen dem eigentlich einen gründlichen Strich durch die Rechnung machen, aber da wird das linke Wohnprojekt jäh und brutal von einem polizeilichen Einsatzkommando gefilzt. Ausgerechnet die „Hippie“-Fraktion wird festgenommen. „Alpha“ und Luisa können sich aus dem Staub machen. Weil nun gegen die gesamte Siffschaft mit Ausnahme von Luisa (die noch nicht aktenkundig ist) aufgrund § 129 (Bildung krimineller Vereinigung) ermittelt wird, rät selbst „Alpha“ zur Mäßigung.

Allein Luisa – diese Wendung durchzieht genau wie die Vokabel "Widerstand" den Film – „meint es ernst“. Sie schnappt sie Jagdgewehr und massenweise Munition und legt sich auf die Lauer, nimmt jeden Einzelnen dieser fiesen Rechten ins Visier. Zunächst wird sie nicht abdrücken. Sie schmeißt die Flinte ins Korn und begibt sich unbewaffnet auf die Patriotenparty. In ganzer Länge und aus voller Kehle singen die nun ein „Lied“, aus dem ich nur einen Teil zitieren mag:

Siehst du seine Nase?
Seine Nase siehst du nicht,
Nur ist sie krumm und hässlich,
Ja dann schlag ihm ins Gesicht.

Er ist kein Mensch,
Er ist ein Jud,
Drum denk nicht nach
Und schlag ihn tot!

(Dieses Lied exisitiert offenbar wirklich. Allerdings ist es als Hörspur nicht ohne weiteres zugänglich. Ich hätte ein Probeabo bei amazon music unlimted abschließen müssen, um es anzuhören.)

Wer bis hier noch nicht wußte, um welch fiesen Untermenschen es sich bei den Rechten handelt, weiß es jetzt.

In der letzten Szene wird nun auch den friedfertigeren „Lenor“ und „Batte“ klar, daß nun Zeit für aktiven Widerstand ist: Sie lassen das gesamte, weitläufige „rechte Zentrum“ in die Luft gehen. Ob Menschen darin umkommen, bleibt unklar. Der Film hatte auch deutlich genug gezeigt, daß es um diese kaum scfhade wäre. Der Abspann läuft auf dem Hintergrund eines Flammenmeers. Nun erklärt sich auch der Filmtitel, der auf das in der NS-Zeit gerngesungene Lied „Es zittern die morschen Knochen“ anspielt. Das ist keine Ironie, das ist blutiger Ernst.

Nun gut, das ist also der Film. Ja, er ist spannend. Julia von Heinz möchte damit

"die guten Seiten und das Wertvolle der Antifa betonen. Ich möchte bei aller Kritik einen liebevollen und wertschätzenden Blick auf sie werfen. Das ist keine Phase, die hinter mir liegt. Ich bin mittendrin."

Ein meinetwegen legitimes Ansinnen. Klar kann eine Antifafrau einen Antifafilm drehen, was spräche dagegen? Verstörend ist dies: Erstens, daß es an Jubelarien in Funk, Fernsehen und Zeitungen nicht mangelt. In der (weiten Teilen der Gesellschaft als „konservativ“ geltenden) FAZ palavert Dietmar Dath:

"Eines macht dieser Film angesichts der alltäglichen Gewalt der Rechtsextremisten sehr klar: Keine Gewalt ist auch keine Lösung.“

Daß sogar die Junge Freiheit den Film lobt, möchte ich hier nicht weiter kommentieren. Nur so viel: Der Rezensent findet, die Regisseurin lege den „linken Sumpf“ gnadenlos frei. Und er geht ernsthaft davon aus, daß die Protagonistin Luisa heißt, weil dadurch dem FridaysforFuture-Fräulein Luisa Neubauer eins mitgegeben werden soll...

Zweitens: Soeben wurde bekanntgegeben, daß ausgerechnet dieser gewaltverherrlichende Film von der deutschen Jury für den OSCAR für den besten internationalen Spielfilm ins Rennen geschickt wird.

Drittens: Das ist keine Low-Budget-Produktion einer unabhängigen Filmcrew. Gefördert wurde kräftig aus vielerlei öffentlichen Töpfen. Nur als Beispiele: 530.000 € gab der Filmförderfonds Bayern, 496.000 € der Deutsche Filmförderfonds (oberste Chefin: Monika Grütters), 310.000 € die Filmförderungsanstalt, 200.000 das medienboard Berlin-Brandenburg. Letzteres faßt den Inhalt auf seiner eigenen Seite wie folgt zusammen:

Die 20-jährige Luisa beschließt, sich gemeinsam mit ihren Freunden politisch zu engagieren. Als sie die Aufmerksamkeit von anders gesinnten Gruppen auf sich ziehen, muss Luisa sich und ihre Freunde verteidigen.

Daß in Teilen schwer kriminelle Organisationen wie die Antifa mit Staatsgeldern bekuschelt wird, ist bekannt. Eine solche Millionenwucht mit Geschenkverpackung und Aufschrift „Kunst“ aber: Das ist unglaublich.


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.


Kommentare (21)

Laurenz

30. Oktober 2020 17:39

Interessant wäre es, für mich zumindest, wofür die Antifa eigentlich steht? Ohne Rechte (wer bestimmt das eigentlich?), gäbe es keine Existenz-Berechtigung. Die terroristische RAF hatte wenigstens noch ein eigenes Anliegen. Antifa? Fehlanzeige. @EK, Danke für die Berichterstattung. 

Lotta Vorbeck

30. Oktober 2020 17:59

@Ellen Kositza:

"Der große (unbeheizte: gelobt sei, was hart macht! Das ist Osten!) Saal im „Domstadtkino Merseburg“ ..."

---

"Hart ist das Leben der Waldameise. Alles, was sie nicht umbringt, macht sie hart!" ... wurde in einem 35 km von Merseburg entfernt liegenden LVO-Areal seinerzeit auch immer wieder gern in der Langfassung, nämlich mit dem Appendix "Gas, Schutzanzug anlegen!" verwendet.

"Luisa" ließe sich unter Weglassung des ersten Vokals gewiß auch noch ein wenig andes, als vom Steinschen Wochenblatt für Debatte vorgenommen, dechiffrieren.

Monika

30. Oktober 2020 19:07

Ich frage mich inzwischen ernsthaft, ob man solchen Machwerken überhaupt noch Aufmerksamkeit schenken sollte und sei es in einer kritischen Besprechung. In seinem heutigen Kommentar in der FAZ „ Woher kommt dieser Hass“ zu den grausamen Morden in Nizza bemüht RainerHermann einmal mehr das Muster „ auf diese schreckliche Tat erfolgt der Reflex rechtsradikaler Kreise auf Vergeltung“. Ja, seit wann ist der Reflex auf Vergeltung rechtsradikal ? Keine Gewalt ist auch keine Lösung. Es wird höchste Zeit, aus ideologischen Blasen auszubrechen. Der Attentäter von Nizza, der Tunesier Brahin, 21 kam über Lampedusa nach Italien und dann nach Frankreich. Theoretisch hätte ihn Carola Rakete mit der „Sea Watch“ schippern können. Er enthauptet in Nizza den Küster Vicent und eine ältere Frau ( davon gibt es ein grausliches Foto) und ersticht Simone ( 44) eine Brasilianerin, Mutter dreier Kinder, die im Sterben noch die Liebe zu Ihren Kindern kundtut. Die Mutter des Attentäters in Tunesien bricht zusammen. Mehr Filmstoff geht nicht. Woher kommt die Gewalt ? ( keine Gewalt ist auch keine Lösung.) https://www.dailymail.co.uk/news/article-8896593/Nice-terror-attack-Jihadist-seen-smiling-photo-taken-entered-Europe.html

 

Niekisch

30. Oktober 2020 19:33

"offenkundig in Anlehnung an den realexistierenden Geschichtsrevisionisten und rechtsterroristisch ambitionierten Manfred Röder"

Manfred Roeder existiert nicht mehr real, denn er verstarb am 30.7.2014. Ich kannte ihn persönlich, als er noch nicht in diese mysteriöse Strafsache verwickelt war. Da wir Tote nicht beschimpfen sei erwähnt, dass er als 16-jähriger freiwillig an der Verteidigung der Reichshauptstadt beteiligt war und den Russen entkam, indem er die Spree durchschwamm.

bb

30. Oktober 2020 21:44

Das schmierige Lied kursiert in Form einer Vertonung durch Gottfried Küssel aus den neunziger Jahren in der Antifaszene. Es steht exemplarisch dafür, wie diese ganze Szene aus rechtsextremistischen Reliquien der Vergangenheit eine völlig absurde Scheinwelt aufgebaut hat, um ihr eigenes gewalttätiges, asoziales, totalitäres und parasitäres Verhalten zu rechtfertigen.

limes

30. Oktober 2020 22:25

In einem anderen Strang zitierte ich kürzlich den unabhängigen Publizisten Roland Tichy mit den Worten: »Pressefreiheit ist die Freiheit sehr reicher Organisationen und Personen«, niedergeschrieben, nachdem er sich genötigt sah, seine Dokumentation mit dem Titel »Zeitungen, auf die die SPD heimlich und indirekt Einfluß nimmt« zu löschen.

Ellen Kositzas Rezension und die dargelegte Finanzierung des cineastischen Antifa-Machwerks legen darüber hinaus nahe, dass die Freiheit zur Meinungsmache unter den herrschenden Verhältnissen Propaganda für gewalttätige und kriminelle Organisationen wie Antifa umfasst, und dass eine solche Organisation sogar mit »Staatsknete« bereichert und von Staatsmedien verharmlost wird.

Besonders interessant in diesem Zusammenhang ist die auf einem »Linken«-Parteitag publik gewordene Strategie »Staatsknete abgreifen« und »der Bewegung zuspielen«.

RMH

30. Oktober 2020 22:51

Eine "Antifa", die ernsthaft links sein will, macht sich im Abarbeiten an irgendwelchen Provinzrechten, Autos anzünden von AfDlern, kleine Leute verprügeln ungefähr so glaubhaft bzw. ist ungefähr so "heldenhaft" wie irgendwelche VS-gesteuerten Ausländerjager, -Killer, Wohnheimanzünder, die sich rechts oder gar deutsch schimpfen. Beides ist armseliger Käfig-Kampf von Sklaven, über den man oben doch nur lacht.

Folgende Passage aus der SPON Rezension des Filmes erscheint mir erhellend:

"Als das Trio ... beim Ex-Terroristen Dietmar ... Unterschlupf sucht, gibt sich der Altlinke abgeklärt: Nazis verkloppen, das sei doch wie die Fassade eines maroden Hauses immer wieder weiß überzutünchen, sagt er. Früher sei es noch ums große Ganze gegangen. Also um den Systemsturz, das falsche Leben im Kapitalismus, eine Reform der Lebensverhältnisse."

Tja, da ist durchaus was dran - aber selbst die RAF waren letztlich nur "Tüncher", die im Spiel der Strategie der Spannung gebraucht wurden und nun zum Dank dafür aufs Altenteil Banken ausrauben müssen. Da ist nun überall nun wahrlich recht wenig heroisches daran - aber sehr viel armseliges. Insofern erscheint mir der Film Kitsch zu sein (Das Lied wurde von Baumann übrigens für die katholische Jugend geschrieben und nicht für die HJ).

limes

30. Oktober 2020 23:20

@ Laurenz fragt sich, wofür die Antifa eigentlich steht.

Sicherlich gibt es fundiertere wissenschaftliche Antworten auf diese Frage. Zwei amerikanische Schnellschüsse bieten Epoch-Times-Beiträge. In einem (»Über 80 Jahre Antifa: Bis heute wirkt ihr kommunistisches Erbe«) wird dargelegt, »dass die Ideen des „Faschismus“ und des „Antifaschismus“ der KPD „undifferenziert“ waren und der Begriff „Faschismus“ nur ein rhetorischer war, um die eigene aggressiv-oppositionelle Rolle zu unterstreichen«, der andere geht der Frage nach, ob »Der deutsche Sozialist Herbert Marcuse – der Philosoph der Antifa« zu nennen ist.

brueckenbauer

31. Oktober 2020 00:48

Nun hatten wir diese ganze Dynamik - mit rechts-linker Eskalation, linkem Gewaltpathos samt bürgerlichen Sponsoren und fellow travellers - ja schon mal, kurz und knackig, zwischen 1925 und 1936. In der Sache ist da nicht viel Neues. Nur: Das ganze Drama wird heute doch zerdehnt und kommt nicht von der Stelle. Im Grunde ist ja keine Dynamik mehr drin: Leute leben jahrzehntelang davon, dass sie sich einbilden, sie befänden sich gerade im Spanischen Bürgerkrieg, ohne positives oder negatives Ende. Was macht das mit den Leuten und was mit den Ideen?

heinrichbrueck

31. Oktober 2020 01:40

@ Laurenz

Die ideologische Ausrichtung der Antifa ist bekannt, unter anderem die Flutung weißer Länder mit Drittweltvisagen. Antirassismus (Kahane: Der Osten ist zu weiß). Internationale NGOs, Medien. Wer gibt die Anweisungen? Wer dagegen ist, wird angegriffen.

Der Titel dieses Machwerks ist etwas ungenau, ich hätte eher auf „übermorgen“ getippt. Aber die Schlägertruppe Antifa scheint optimistischer zu agieren. Ein Kampfhund, aber nicht sehr helle.

Dann schon lieber mit Thusnelda Barbaren gucken. Die wäre auch nie auf die Idee gekommen, Varus als Germanen zu behandeln (bei Marcuse kein Ding). Ich sehe schon, im Teutoburger Wald wird mein Hamster zum Berserker.

Maiordomus

31. Oktober 2020 06:38

@Monika/Kositza. Die Auseinandersetzung mit "Antifaschismus" ist nötig, auch wissenschaftlich. Man muss aufzeigen, dass es beispielsweise bei der nach dem Zweiten Weltkrieg ansetzenden Hochschulkritik am Nationalsozialismus an Berlins Universitäten zwei Richtungen gab, die "antifaschistische", die sich zunächst nur in der DDR festsetzte und die antitotalitäre. Der Chefdenker der Antitotalitären, die von den "Antifaschisten" abgelehnt wurden, war der Schweizer Walther Hofer. Unbeschadet seiner umstrittenen Thesen zum Reichstagsbrand war sein kritischer Ansatz zumindest erkenntnistheoretisch ernst zu nehmen. Das Problem des "Antifaschismus" war immer, das Hitler u. Co. sich nun mal die "Falschen" zum Opfer gewählt hatten. Hätten sie die "Richtigen" massakriert, wäre es was anderes gewesen. Dabei hat AH um den 30.6. 1934 durchaus "antifaschistische" Morde angeordnet, was die Sache kompliziert macht.

@Niekisch. Was Sie über den jungen Verteidiger der Reichshauptstadt schreiben, nötigt mir historischen Respekt ab.

 

Der_Juergen

31. Oktober 2020 11:15

@Ellen Kositza

"Daß in Teilen schwer kriminelle Organisationen wie die Antifa mit Staatsgeldern bekuschelt werden, ist bekannt. Eine solche Millionenwucht mit Geschenkverpackung und Aufschrift „Kunst“ aber: Das ist unglaublich."

Nein, es ist nicht unglaublich. In der "Welt" vom 2. September 2014 wurde unter dem Titel "Mischa Badasyan will für ein Kunstprojekt ein Jahr lang jeden Tag mit einem anderen Mann schlafen" bekanntgegeben, dass ein aus Russland emigrierter "Künstler" von der Heinrich-Böll-Stiftung dafür ein Stipendium erhalten hat, dass er täglich mit einem anderen Mann geschlechtlich verkehrt und seine Eindrücke dann in einem erotischen Tagebuch festhält. Da die Heinrich-Böll-Stiftung fast zu 100% vom Staat finanziert wird, heisst dies, dass der deutsche Staaten den perversen Migranten für seine "Forschungen" bezahlt. Was ist von einem solchen Staat noch zu erwarten? Richtig, eine Verschärfung des Krieges gegen sein eigenes Volk. Umvolkung, Zerstörung der Auto-Industrie unter dem Vorwand des Klimaschutzes, Versklavung der Bürger und endgültige Vernichtung der Wirtschaft durch den Corona-Betrug - all das sind Etappen des Genozids an den Deutschen. Warum sollte da ein widerlicher Pro-Antifa-Propagandastreifen noch "unglaublich" sein?

Gotlandfahrer

31. Oktober 2020 12:02

Herzlichen Dank für die Informationen. Die entscheidende: "Wir waren acht Zuschauer". 

Als Hobby-Massenpsychologe versuche ich es mal wieder so, zunächst mit geistigem Diebstahl: Der Mensch ist wie ein blindes Kind das vorwärts kriecht, weil es seine Mutter riecht.

In diesen Menschen, die solche Filme machen oder auf der Darstellungsebene ernstnehmen, ringt verstandesbasiertes Verarbeiten von Umweltinformationen mit ihren Instinkten. Heraus kommen lustig bis verstörend bedrohliche Verdrehungen. Diese sind nicht mal mehr links, weil Linkssein im menschlichen Normalzustand (wenn es diese Kombi gibt) zumindest noch auf einer Mindeststimmigkeit zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein basiert.  Wir haben es aber derzeit mit multipler Überforderung der meisten ( selbstverständlich keinesfalls aller) "Gegner" zu tun. Die fahren ein Auto, in dem plötzlich alles anders ist: Man sitzt dort mit Blick nach hinten, sieht dabei spiegelverkehrt alles auf dem Kopf, das Lenkrad steuert nach links, wenn man rechts dreht, die Gänge sind wild angeordnet, das Radio geht nur noch lauter, man fährt unkontrollierbar seitwärts und ständig klatschen Zombies gegen die Scheiben. So denke ich fühlt es sich an, als Mensch der Mitte 2020.

Niekisch

31. Oktober 2020 12:57

@ Maiordomus 6:38: Weil viele der sog. Altrechten die gesamte Entwicklung zumindest seit den 60iger Jahren miterlebt haben, haben sie als Studenten vor Ort miterlebt, dass die Linke ideologisch dachte und handelte, an DDR, Sowjetunion, sogar China angebunden war, später erst Richtung heutige Antifa geschrumpft ist, eine kabarettistische Nachhut des Früheren. 

Wir Älteren sind weltanschaulich fester, gedanklich breiter aufgestellt und letztlich mit Sicherheit wagemutiger als die weitgehend hedonistische heutige sog. Neue Rechte, die gar nicht so rechts ist, wenn wir den sinnlosen Begriff einmal verwenden. 

Den Begriff Antifa hat m.W. zuerst die ADF Anfang der 70iger verwendet.

starhemberg

31. Oktober 2020 13:07

Obwohl ich wie immer den Stil von EK außerordentlich schätze, fühle ich mich jetzt irgendwie beschmutzt, versifft, verdreckt, von diesem mit Steuergeld geförderten Agitprop-Massaker. Weit ist es gekommen, im besten Deutschland das es jemals gab. Mir ist schlecht vor Wut und ich balle meine Fäuste. Vielleicht liegt es ja auch am Vollmond. Ja, das wird es sein. 

Andreas Walter

31. Oktober 2020 15:19

Ein anderes Werk der Dame wurde auch schon mal als klischeebeladen, als Werbung (Propaganda) und oberflächlich kritisiert:

https://www.yadvashem.org/de/education/educational-materials/interviews/julia-von-heinz.html

Was sicherlich dann kein Zufall, sondern allem Anschein nach die Stärke, das Talent oder die Neigung dieser Filmemacherin ist.

Fritz

31. Oktober 2020 15:47

Was mag wohl die Oscar-Jury von sowas denken?

Dietrichs Bern

31. Oktober 2020 18:07

Als Jungen aus einfachen Verhältnissen ist mir das zu kompliziert.

Der Staat zwingt mich mit meinen Steuergeldern Schläger und die umgebenden Strukturen zu finanzieren, mittels deren er Opposition bekämpfen lässt (nächtliche Steinwürfe in die Kinderzimmer von Uta Ogilvie).

Das nenne ich verbrecherisch und daran ist kein Faszinosum zu erörtern. Punkt.

Nemo Obligatur

1. November 2020 10:13

1/2

Obacht, Frau Kositza! Sonst tragen im nächsten Tatort Protagonisten der rechten Szene die Vornamen "Ellen" oder "Götz" und Teile spielen in "Schönroda"...

Die Inhaltsangabe liest sich wie ein durchschnittlicher Agitprop-Film. Aber wenn er gut gemacht ist, warum soll er nicht preiswürdig sein? Noch heute wird ja "Panzerkreuzer Potemkin" allenthalben gelobt.

Nemo Obligatur

1. November 2020 10:13

2/2

Vor vielen Jahren habe ich einmal zwei sogenannte Vorbehalts-Filme gesehen. D.h. solche Filme, die im Dritten Reich zu Propagandazwecken gedreht wurden und deren Aufführung heute nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt ist. Die Filme waren "Hitlerjunge Quex" und "Ich klage an". Vorab gab es - das war die Bedingung - einen einführender Vortrag eines Wissenschaftlers. Das war damals ein Herr vom NDR, dessen Name mir leider entfallen ist, der aber durchaus Tiefgang und Hintergrund hatte. Das ist keine schlechte Methode solche Filme vorzuführen, denn man sieht dadurch natürlich einige Szenen anders, sozusagen mit geschärftem Blick.

Vielleicht würde sich ein einführender Vortrag auch bei heutigen Filmen anbieten. Vielleicht genügt aber auch eine eigene schnelle Recherche. Bei Wikipedia kann man erfahren, dass Frau von Heinz anlässlich eines Überfalls von Neo-Nazis auf ihre Feier zum 15. Geburtstag in den Bonner Rheinauen zur Antifa kam. Jetzt warte ich natürlich auf einen preisgekrönten Regisseur, der nach einem Straßenraub durch eine Migrantengang zur "Islamophobie" oder wenigstens zur AfD fand. Frau von Heinz Filmografie ist übrigens durchaus eindrucksvoll. Wer erinnert sich nicht an ihre Meisterwerke "Hanni&Nanni 2" oder "Ich bin dann mal weg"?

links ist wo der daumen rechts ist

4. November 2020 02:28

Tiefer Brunnen

 

Ich habe das Machwerk noch nicht gesehen und kann also nur aus Reaktionen schlußfolgern, aber:

Um ein plumpes Agitprop-Werk scheint es sich nicht zu handeln, eher um den Beginn einer selbstzweiflerischen Auseinandersetzung innerhalb der Antifa-Szene - vergleichbar einer früheren selbstkritischen Betrachtung der Linken in Bezug auf die Geschichte der RAF.
Zumindest hoffe ich das.

Und diese beiden Aspekte verknüpfen sich ja in einer Schlüsselszene:
Als der frühere RAF-Kämpfer im Film sinngemäß meint, man wisse nicht mehr, wofür man gekämpft habe, heißt es zu dieser Szene in einer Besprechung (vermutlich sogar auf Spon), das Gesicht der Hauptdarstellerin wirke "wie ein Brunnen, in den man einen Stein wirft, ihn aber nicht auftreffen hört".
Deutsche Abgründe halt.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.