2. November 2020

Sonntagsheld (163) – Who wants to live forever?

Till-Lucas Wessels / 11 Kommentare

Sean Connery ist tot 

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

Ich bin kein großer Cineast und auch kein großer Nachrufer, deshalb erspare ich Ihnen und mir den biographischen Abriss. Am 31. Oktober starb die schottische Schauspielerlegende Sean Connery mit 90 Jahren in seiner Wahlheimat auf den Bahamas.

Für mich gehört Connery bis heute zu jener Handvoll Schauspieler, deren Auftauchen einen Film sofort sympathisch macht. Sein Gesicht, vor Allem das ältere, steht sinnbildlich für viele Kindheitsabende, die bei der begeisterten Durchsicht mehr oder weniger alter Schinken vorbeiflogen (lief damals alles auf Kabel 1 - gibt es das noch?). 

Unvergessen geblieben sind mir dabei tatsächlich nicht so sehr die Bondfilme, sondern vor Allem jener berüchtigte dritte Indiana-Jones-Film in welchem Connery den Vater des nur 12 Jahre jüngeren Harrison Ford mimte.

Irgendwie habe ich den Schotten nie losgelöst von jenem uralten Gralsritter denken können, dessen Abschiedsgruß ihn inmitten der einstürzenden Ruinen von Khazne al-Firaun innehalten lässt - eine Szene, die für mich immer etwas zutiefst mittelalterliches hatte. Ähnlich ging es mir bei den Anfangsszenen von „Der Name der Rose“ - das hatte Connery drauf, diesen kargen, mystischen Stimmungen sein Charaktergesicht zu geben. 

Soviel also zum Schauspieler. Über die Person Sean Connery kann ich gar nicht so viel schreiben, aber das ist ja meistens so bei Schauspielern und um ehrlich zu sein fällt mir auf Anhieb auch gar keine Schauspielerbiographie ein, die mich wirklich interessieren würde. Wenn man ein bisschen sucht, trifft man hauptsächlich auf ein allenthalben aufgebrühtes Playboyinterview, in welchem Connery Ratschläge zum Umgang mit aufmüpfigen Ehefrauen gibt und seinen durchaus ehrenwerten Einsatz für die Unabhängigkeit Schottlands vom Vereinigten Königreich.

Es hat aber wohl schon seine Richtigkeit, dass Connery im 21. Jahrhundert doch relativ rasch von der Bildfläche verschwand und die Leute nur noch gelegentlich daran erinnerte, dass man auch jenseits der 80 noch wie ein Mann aussehen und sprechen kann. Man wird wohl besonders jene alteuropäische Hollywood-Männlichkeit, die Connery vielen seiner Rollen so intensiv eingeprägt hatte, dass auch seine Bond-Nachfolger kaum je davon wegkamen, ohne sich zu blamieren, für immer mit seinem Namen verbinden.

Ein Jammer ist es trotzdem um den hochgewachsenen Schotten, ein paar Rollen hätte ich ihm gerne noch zugemutet: Etwa den (von ihm leider abgelehnter) Gandalf, den er wohl wesentlich wodanischer gespielt hätte als Ian McKellen, oder aber - Apropos Gralsritter - die Hauptrolle in einer Filmbiographie „Das Leben des Jean Raspail“. Der weltenbummelnde Franzose verkörpert vom in die Jahre gekommenen und unbelehrbaren Schotten...

Lieber nicht? Es ist wahrscheinlich besser so - vielleicht ist es auch bloß der Bart, der mich auf die Idee brachte. Ruhe in Frieden, Sean Connery. 

 


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.


Kommentare (11)

Laurenz

2. November 2020 01:40

Sean Connery hatte vor allem, wie Sie schreiben, als älterer Herr Charme, verkörperte Ehrwürdigkeit. Man muß den Film "Highlander" nicht mögen, aber die Kamera-Einstellungen sind oft klasse. Der Film kostete seinerzeit nur 11 Mio. US$, alleine 1 Mio. für Sean Connery, auch Geld, was in die schottische Unabhängigkeit gesteckt wurde. Queen nahm für die Film-Musik kein Geld, behielt aber die Rechte an der Musik, auch ein Geschäft. Und was Schauspieler-Biographien angeht, so haben Sie, TLW, natürlich Recht. Aber immerhin wurde sogar mal ein Schauspieler Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Und wenn Sie heute Guido Reil fragen, so sitzen im EU-Parlament nur Schauspieler, die schlechtes Theater machen.

Ein gebuertiger Hesse

2. November 2020 07:49

"[Connery erinnerte] daran, daß man auch jenseits der 80 noch wie ein Mann aussehen und sprechen kann."

Gut gesehen, gut gesagt. Und gerade auch für wirklich betagte Männer sind Schauspieler wie Connery oder Eastwood (90 inzwischen auch er) probate Fixsterne, die ein wichtiges, erbauliches Licht aussenden. Auch im Alter gibt es noch einen Bedarf an Überlegenen - Typen, die einem vormachen, wie etwas geht und aussieht, wenn es gut werden soll.

Und was den jungen Connery angeht: "Marnie" wiedersehen, den letzten großen Hitchcock-Film. In der Rolle ist er die reine, abgebrühte Virilität. 

Der_Juergen

2. November 2020 08:45

Danke für diesen schönen Nachruf. Der Mann hatte Format.

Franz Bettinger

2. November 2020 09:30

Das waren noch Zeiten, in denen 007 (aber ich glaube nur er) Frauen (aber ich glaube nur feindliche Agentinnen) im Film mit einem Faustschlag niederstrecken durfte - ohne von der Journaille zerrissen zu werden. Schön auch Sir Sean's Tanz (und Rede) 2006 bei der Verleihung des Life Achievement (Academy) Award: https://www.youtube.com/watch?v=y4Z1BXALdwI

quarz

2. November 2020 09:40

@gebürtigerHesse

"Auch im Alter gibt es noch einen Bedarf an Überlegenen - Typen, die einem vormachen, wie etwas geht und aussieht, wenn es gut werden soll."

Vor nunmehr langer Zeit hatte ich die Fantasie, dass Platons Protagoras-Dialog mit Armin Müller-Stahl als Sokrates und Bernhard Minetti als Protagoras verfilmt wird. Gut gemacht hätte das an Virilität jeden Western in den Schatten gestellt.

Solution

2. November 2020 11:01

Connery hat auch in einigen "zeithistorischen" Filmen mit eindeutig antideutscher Schlagseite mitgespielt. Für mich aus deutscher Sicht kein "Held".

Niekisch

2. November 2020 11:34

Sohn einer Putzfrau und eines Arbeiters sowie Autodidakt - das alleine macht ihn partiell sympathisch.

Laurenz

2. November 2020 12:51

@Solution

Auf den Britannischen Inseln verstehen meist nur Iren Deutsche Befindlichkeiten.

Ich tummele mich gerne auf britischen Historien-Kanälen auf Jutjub,  (Mark Felton, Drachifinel etc.) ... was meinen Sie, was da immer abgeht, wenn ich da schreibe. Die Menschen dort sind immer noch auf Krieg gegen Zentral-Europa konditioniert und das Empire steht noch. Wer sich wegen der anti-Deutschen Filmwelt noch Gedanken macht, braucht keine Filme sehen. Ich fühle mich vielmehr geehrt, daß Hollywood & Co. meinen, diesen, viele Milliarden schweren, Aufwand, das "Deutsche" zu vernichten, betreiben zu müssen.

Ein gebuertiger Hesse

2. November 2020 14:11

@ Solution

"Connery hat auch in einigen 'zeithistorischen' Filmen mit eindeutig antideutscher Schlagseite mitgespielt."

Ja, wie diese Hollywooder praktisch alle. Man kommt dann nicht umhin, das Gute, Erbauliche, das sie einem in ihren besten Leistungen über Jahrzehnte zu geben vollbringen, von dem falschen Geschichtsbild zu scheiden, an dem sie - teils sogar durch eben diese Leistungen - mitgemeißelt haben. Das ist eine Fieselarbeit, von der man regelmäßig denken mag, daß sie die Mühe nicht lohnt, und dann macht man sie doch und hat etwas davon.

RMH

2. November 2020 16:25

Die James Bond Filme mit S.C. sind aus heutiger Sicht wohltuend politisch unkorrekt.

Wortwechsel und Aussagen wie bspw. nur einmal diese (allesamt aus "Goldfinger):

"Mein Name ist Pussy Galore." - "Das muss ein Traum sein ..." 

oder

"Hübsches Pferd, was?" "Sicher von besserem Blut als sein Besitzer." 

oder

"Mein liebes Kind, es gibt Dinge, die man einfach nicht tut. Man trinkt zum Beispiel nie einen 53er Dom Perignon, wenn er eine Temperatur von über 8° hat. Das wär genauso, als ob man den Beatles ohne Ohrenschützer zuhören würde."

sind einfach nur Legende.

 

Ruewald

4. November 2020 13:09

Don't try to live for ever -  you will not succeed.   (G. B. Shaw)

 

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.