9. November 2020

Neues vom Sport

Heino Bosselmann / 41 Kommentare

Wenn das dem Englischen entlehnte Wort Sport nicht nur Spiel bedeuten soll, läßt es sich einem sehr deutschen Begriff zuordnen: Selbstzucht.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

  • Sezession
Das ist antiquiert, ich weiß. Aber machen wir altmodisch weiter: Leibesübungen üben etwas Leibliches ein, nämlich Durchhaltevermögen, Kraft, Koordination und Geschicklichkeit. Sie verbessern die Haltung, im Wortsinne. Nie trainiert sich die Physis allein; die Seele hält mit. Richtiges Joggen, früher der "Waldlauf", ließe sich als eine westliche Form der Meditation verstehen und beschreiben. Selbst zur gedanklichen Widerständigkeit, zur psychischen Resilienz, einfach zum Scharfsinn bedarf es einer festen physischen Grundlage, die immer neu errungen werden muß.

Wir arbeiten, indem wir Sport treiben, überhaupt dem Verfall, der Entformung, gewissermaßen der Entropie entgegen und gewinnen oder behalten damit Kontur und entwickeln dabei Eleganz. Sport kommt somit ethische wie ästhetische Relevanz zu.

Je umfassender historisch die technisch-zivilisatorischen Entlastungen griffen, um so nötiger hatten wir Bewegung, Kraftübungen und Ausdauerprogramme, um nicht an oder dank der Maschinerie zu degenerieren. Sogenannte Industrienationen kranken in dem Maße an Bewegungsmangel, Übergewicht und damit verbundenen Folgeschäden, in dem einst natürlicherweise erforderte körperliche Aufwendungen technisch ersetzt sind, die Ernährung aber übersättigend stattfindet, so daß die Bürger vom Super-Markt in den medizinisch-pharmazeutischen Komplex übergehen und dort medikamentös „eingestellt“, also wiederum technisch behandelt werden. In Deutschland zählen wegen Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes 30 bis vierzig Prozent der Bevölkerung zur Corona-Risikogruppe.

Insbesondere die Arbeiterschaft erkannte in ihrer frühen, immens kulturbildenden Geschichte die Notwendigkeit des körperlichen Ausgleichs und wollte fit sein für Klassenkampf und Revolution. Mit den Arbeiterbildungsvereinen entstanden auch proletarische Sportvereine. Die bürgerliche Jugend trainierte in feinerem Zwirn ebenfalls, und die Lebensreformbewegung um 1900 nutzte u. a. Gymnastik als Beitrag für ganzheitliche Gesundung. Im Akte einer inneren Befreiung entwickelten die Enthusiasten ein neues, für ursprünglich gehaltenes Zutrauen gegenüber Natürlichkeit und Körperlichkeit, verbanden das mit dem Eros und bedienten damit den Jugendstil der Zeit. Diese Körperkultur folgte Nietzsches Impuls zur „großen Gesundheit“. Manches davon übernahmen die Ideologien der großen Diktaturen und schalteten es im Sinne ihrer Ziele der Staatsdoktrin gleich.

In unserer „Gesellschaft der Singularitäten“ ist sportliche Betätigung hingegen weder lebensreformerisch noch ideologisch angelegt, sondern eher Ausdruck des Narzißmus einer selbstbespiegelten Selfie-Generation in ihrer Ästhetik der Glätte. Man möchte „selbstoptimiert“ fit sein für den Job und sich überhaupt darwinistisch und platt sexuell weit vorn plaziert wissen. Dem „Freizeitsport“ heutiger „Leistungs- und Entscheidungsträger“ eignet daher ein zwangsneurotischer Zug von Verbissenheit. Man berauscht sich an den eigenen physischen Werten, die man permanent digital einmißt, so daß sich die Kurven zu Puls, Energieverbrauch und Belastungsdauer als vermeintliche Bilanz des eigenen Leistungsvermögen lesen lassen. Um Entspannung geht es nicht; Bewegung bleibt Hochspannung: Man will sich nicht ausgleichen, sondern vielmehr „auspowern“. Man qualifiziert sich innerlich kaum, man quantifiziert seine Parameter.

Während sich die Hochleister bis ins Rentenalter schinden, bleibt die Jugend zurück. Mindestens 45 Minuten körperliche Aktivität empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation als Tagesminimum für Kinder und Jugendliche. Für besser hält sie eine Stunde mit mindestens moderater Bewegungsintensität: Herumtoben, Laufen, Radfahren, Spiele oder das Training einer Sportart. Also in etwa das, was noch vor dreißig Jahren nahezu alle Kinder von selbst hinbekamen, indem sie einem natürlichen Bewegungsdrang folgten – beim Spielen, im Schwimmbad, auf dem Bolzplatz, in Vereinen.

In der DDR wurde der Sport wiederum aus politischen Gründen und mit dem Ziel vormilitärischer Ausbildung extrem gefördert, aber der Westen hielt aus eigenem Lifestyle-Verständnis mit, während Jogginghose, Sneaker und Sweatshirts heute längst nicht mehr ein Ausdruck von Fitneß, sondern eher Erfordernis der neuen jungen Bequemlichkeit sind. Man bedarf dieser Kleidung, um mit amorphem Körper noch einigermaßen locker durch den Tag zu kommen. Der Alltag selbst ist anstrengend genug, nicht nur wenn der Fahrstuhl streikt …

Gegenwärtig erfüllen 80 Prozent der Heranwachsenden das von der WHO veranschlagte Minimum einer täglichen Dreiviertelstunde Sport nicht mehr, und die Aktivität nimmt meßbar sogar weiter ab. So konstatiert es der 4. Bericht zum Kinder- und Jugendsport in Deutschland: Die meisten Schüler bewegen sich nicht genug, sie hätten, wird beklagt, keinen Zugang zu Bewegungs- und Vereinsangeboten, der Schulsport komme zu kurz, es gebe zu wenig Anreize dazu.

Anreize! Daß wieder mal jeder dort abzuholen wäre, wo er bewegungsarm, übergewichtig und frühbräsig steht, daß man ihm die Angebote gefälligst zu- und hinterhertragen müsse, daß man keinesfalls Eigenaktivität im Sinne einer Idee von eigenen Selbst fordern und mit Nachdruck anerziehen dürfe, ist Ausdruck der sozialdemokratischen oder eher schon sozialtherapeutischen Gesellschaft. Es gehe darum, „daß die Bewegungs- und Sportgelegenheiten zu den Kindern gebracht werden“, so Sportsoziologe Christoph Breuer wörtlich, ohne die unfreiwillige Komik dieser Äußerung zu bemerken, weil sich im Sport nun mal jeder noch selbst bewegen muß, selbst wenn man ihm die Fitneßgeräte schon hinterherträgt.

Wir Schüler der Siebziger und Achtziger achteten bei Radtouren im Tempo höflich darauf, daß unsere Lehrer bequem mithielten; heute ist es häufig umgekehrt: Die fitten älteren Kolleginnen und Kollegen nehmen sich im Tempo zurück, damit ihre Klassen dranbleiben, wenn der schulische Ausflug mal etwas länger gerät oder gar Anstiege zu bewältigen sind. Vorher pumpen sie ihren Schülern die plattgestandenen Reifen auf, stellen die Sattelhöhen richtig ein und erläutern geduldig die Logik und Funktion der Kettenschaltung ihrer an sich sehr sportiven High-Tech-Bikes. Überhaupt waren Fahrräder früher Vehikel ersten Freiheitserlebens. Man kam damit schnell aus den Zwangsvereinnahmungen und aus der Stadt heraus. Jetzt sitzt die Jugend mit Alltagsmaske in Nahverkehrsmitteln. Nicht wenige nutzen bereits E-Bikes, während die Großeltern-Generation es immer noch puristisch bevorzugt und auf Stahlrahmenrädern weißes in rotes Fleisch verwandelt.

Bildungspolitisch gilt allgemein: Nur keine Anstrengungsbereitschaft fordern, nur ja keine Selbstüberwindung anregen, sondern die Angebote zu den Betroffenen bringen, freundlich motivieren, bloß nicht überfordern – gemäß der politisch verqueren Logik: „Die Gesellschaft“ hat die Mißstände verursacht, also steht doch der Staat in der Pflicht, mit neuen Slogans eine Kampagnenpolitik zum Mangel- und Nachteilsausgleich zu beginnen, passend zum Inklusionsgedanken. Alles, was Mühe kostet, löst, heißt es, die Gefahr aus, die Kids zurückschrecken zu lassen. Die Erfahrung, daß erst die Anstrengung und das Überwinden eigener Grenzen Erfolg und Freude verheißen, sammeln die Kinder kaum mehr.

Die Unlust oder gar das Unvermögen zur Anstrengung korrespondiert mit einer zunehmenden Angst vorm Schmerz, der Agliophobie. Man will nichts mehr aushalten müssen. Das überfettete Amerika handelte sich mit der inflationierten ärztlichen Verschreibung von Schmerzmitteln, vor allem mit synthetischen Opiaten wie Oxycontin, ein medizinisch verursachtes Drogenproblem ein. Byung-Chul Han spricht auch mit Blick auf Europa und die Corona-Hysterie treffend von einer Palliativgesellschaft.

Die Alternative: Härter werden, wieder etwas aushalten lernen, Mühsal ertragen, Leid erleiden und daran nicht verzweifeln. Gerade der Sport würde nicht nur Muskeln und Kondition trainieren, sondern überhaupt das Vermögen, Impulskontrolle zu entwickeln und mit Niederlagen umgehen zu können. Er erzöge dazu, Augenblicksbedürfnisse zugunsten eines längerfristigen und umfassenderen Erfolgs zurückzustellen, sich für fernere Ziele geduldig anzustrengen und Lust und Frust zu regulieren. Im konkreten wie übertragenen Sinne gilt: Wer wirklich etwas erreichen will, muß lange Strecken gehen und Hindernisse überwinden können.

Der Bericht zum Kinder- und Jugendsport beklagt den Bewegungsmangel in einem Land, das, als es sich noch als Nation verstand, insbesondere im Turnen, in der Leichtathletik und im Handball weltweite Erfolge feierte. Damals mußte Schulsport nicht erst verordnet werden und sich einem für jugendlich gehaltenen Geschmack anbiedern („Sport in school is cool!“), denn die Kinder blieben von selbst gern in der Turnhalle und auf dem Sportplatz, wenn die frei waren. Irgendeiner hatte sowieso immer einen Ball dabei. Auf Pausenplätzen wurde gespielt; die Jungen rannten, die Mädchen probierten sich bei „Gummitwist“ aus. Nachmittags wurde gebolzt und dabei Mannschaftsgeist entwickelt. Auf dem Platz gab es öfter Streit, klar, aber so erlernte man das Regeln von Konflikten, ohne dazu der Moderatoren und Streitschlichter zu bedürfen. Heute, lernen wir, bedarf es dazu der Anregung, der Projekte und vor allem „mehr Mittel“. Dabei kann man Liegenstütze, Kniebeuge, Hock-Streck-Sprünge überall üben.

Vor allem bei weiblichen Jugendlichen und innerhalb dieser Gruppe insbesondere bei Mädchen mit Migrationshintergrund, so der Bericht, sei die Abnahme körperlicher Aktivität signifikant. Und gerade Kinder aus weniger vermögenden Haushalten sind seltener Mitglieder in einem Verein; sie kämen kaum in den Genuß von Bewegungsnageboten. – Darüber nachzudenken, weshalb früher gerade „Kinder aus weniger vermögenden Haushalten“ die fitteren waren, führte übrigens zu interessanten Einsichten. Ein Ansatz: Wenn man nicht viel mehr hatte als seinen Körper, dann bildete man diesen aus. Er war das einzige, worüber man verfügte.

Während im Verlauf der sogenannten Corona-Krise seitens der Bildungspolitik die angeblich mangelnde Computer-Ausstattung für das E-Learning der Schüler beklagt wurde, weist Sportpädagoge Werner Schmidt darauf hin, daß Jugendliche derzeit durchschnittlich 42,5 Stunden mit Medienkonsum verbringen, vorzugsweise am Handy und PC. Sie sind also mehr als eine erwachsene Wochenarbeitszeit von den Screens absorbiert! Das, so der zitierte Bericht, sei die Hauptursache des Bewegungsmangels. Genau so wird es durch die WHO bestätigt. Sie macht die elektronische Revolution dafür verantwortlich, daß Kinder sich zu wenig bewegen, allgemein mehr sitzen und zu viel gefahren werden, fest verschnallt auf dem Rücksitz des elterlichen Autos.

Die Fitneß der nachwachsenden Generation kann überhaupt als Indikator für die ideelle und physische Potenz einer Gesellschaft gelten. Und tatsächlich ist die Berliner Republik trotz ihrer noch andauernden ökonomischen Erfolgsgeschichte überaltert, übergewichtig und erschöpft. Mit einer Ausnahme: Die migrantische männliche Jugend, zahlreicher werdend, erscheint im Durchschnitt mindestens körperlich besser in Form als der biodeutsche Nachwuchs.

Als jahrelang „fachfremd“ unterrichtender Sportlehrer erlebte ich, dass namentlich die orientalischen und arabischen Jungen ausnehmend willig und motiviert auf Anforderungen in der Ausdauer- und Kraftausbildung ansprachen, sich gern herausfordern, motivieren und zu hohen Belastungen führen ließ, dabei eher überrascht als hämisch registrierend, wie die meisten Deutschen zurückfielen und kapitulierten. Begleitet wurde das von einem Phänomen: Diese Jungen waren – mit pädagogischem Wohlwollen – autoritär anzusprechen. Sie vertrugen gut gemeinte Derbheiten zur Anspornung und zogen tapfer und begeistert durch.

Zwar konnte ich noch in der Grundschule und Orientierungsstufe Kinder motivieren und selbst Gedichte in der Turnhalle schneller erlernen lassen, indem ich das wiederholte Sprechen im Chor mit Rhythmik verband. In der Sekundarstufe ließ das jedoch nach. Zu Krafteinheiten und zur Gymnastik waren dann in der neunten und zehnten Klasse und in der Abiturstufe sogar eher die Mädchen aufzurufen als die Jungen. Die wollten lieber spielen, dies allerdings weniger mannschaftlich zusammen als egoistisch posend. Krafttraining strengte sie trotz lauter Kraftmeierei sehr schnell an; mit Ausdauer ging gar nichts, schinden mochten sich nur wenige Individualisten, die erfahren hatten, wie sie an Anforderungen wuchsen.


Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

  • Sezession

Kommentare (41)

Ein gebuertiger Hesse

9. November 2020 16:03

Schöner und "am Riemen reißender" Beitrag gerade jetzt, in diesen Tristesse-droite-Tagen, wo wir eine um die andere Hiobsnachricht auf den Hintern sitzend am PC empfangen. Los also, ertüchtigen wir uns.

Maiordomus

9. November 2020 16:15

@Bosselmann. Die untere Hälfte Ihrer Ausführungen deutet an, was z.B. bei männlichen Jugendlichen in der Schweiz am Tage liegt: dass die Bereitschaft derjenigen etwa mit "Balkan-Hintergrund", nicht selten Muslime, zu Bewegung, Sport und Vereinstätigkeit klar überdurchschnittlich ist, mit Konsequenzen für die Zusammensetzung der Spitzenvereine und der Nationalmannschaft, siehe das Interview von Granit Xhaka in der neuesten Nummer der Weltwoche: Captain der Natonalmannschaft, zwar Nationalist seiner Urheimat trotz Stolz auf die Leistungen in der Schweiz, zu denen er massgeblich beiträgt. Ja, es stimmt, die männliche Jugend mit Migrationshintergrund und sog. schlechteren Bildungschancen, zumindest "akademisch", muss sich die von Ihnen geschilderte Verwöhnung klar weniger vorwerfen lassen. Auch ist deren Weltbild als Arbeiterkinder durchschnittlich  "rechter" als das der "moderner" erzogenen Kinder. Zu denken gibt, dass Trump i Swing States möglicherweise gerade von den weissen Ober- und Bildungsschichten abgewählt worden sein dürfte; die Latinos und von den Schwarzen die fleissigen Selbsternährer ärgerten sich über ihn weniger als diejenigen, die statt mit Latein wie einst Sie an höheren Schulen mit Gender und anderen Ideologismen gefüttert wurden.

Monika

9. November 2020 17:41

Schöner Beitrag.

Gummitwist muss man erklären, d.h.ich werde ( bin) alt. Ich liebte Gummitwist. Mein bestes Geburtstagsgeschenk waren 10 Meter Hosengummi von GoldZack. Neu! Nicht ausgeleiert zusammengestückelt. Und HulaHoop nicht vergessen. Und einmal pro Woche aufgeschlagene Knie. Verkrustungen sieht man auf heutigen Kinderknien nicht mehr.😢😢

Niekisch

9. November 2020 18:07

"Wer wirklich etwas erreichen will, muß lange Strecken gehen und Hindernisse überwinden können."...Ja, genau so ist es, Herr Bosselmann und deswegen gehe ich die politisch-geschichtliche Dissidenz seit September 1965 und lege jede Woche zu Fuß im Wald mindestens einen Halbmarathon ( 21km ) zurück, oft auch mehr. Tue ich es nicht, dann fehlt mir was.

anatol broder

9. November 2020 18:21

Bewegungsdran

da hat bosselmann unfreiwillig ins schwarze getroffen. der bewegungsdran klingt wie das entspannte gegenteil des bewegungsdranges. als kulturelle epoche sogar: sturr und dran. eine andere habe ich hierzulande nicht erlebt.

1995, gymnasium, turnhalle. ich mache einen klimmzug, dann drücke ich mich hoch. der rest der 10ten klasse sieht mir von unten zu. keiner meiner gleichaltrigen, biodeutschen mitschüler ist imstande das zu wiederholen.

2020, ezb, sportpark. ich mache einen klimmzug, dann ziehe ich meine beine hoch. an den benachbarten stangen arbeiten drei weitere südländer mit ihrem körpergewicht. der jüngste trägt eine kippa, somit sind wir juden mal nicht die minderheit. einen steinwurf entfernt spingen vier biodeutsche um ein kindertrampolin. dabei schlagen sie mit der einen hand einen kleinen ball aufs trampolin, was die mitspieler erwidern. in der anderen hand hält jeder ein bier.

Heino Bosselmann

9. November 2020 19:17

@anatol broder: Haben Sie erneut Dank für Ihre wache und aufmerksame Lektüre und ebenso für die Korrektur des fehlenden Buchstaben. Vor allem für Ihren Humor. Herzlicher Gruß. -

Niekisch

9. November 2020 19:22

"schlagen sie mit der einen hand einen kleinen ball aufs trampolin, was die mitspieler erwidern. in der anderen hand hält jeder ein bier."

anatol broder: Stellen Sie sich vor, sie schlügen die Bierflaschen aufs Trampolin und hielten die Bällchen in der Hand :-)

quarz

9. November 2020 19:33

Tendenziell gab es freilich immer schon diese Zweiteilung der physischen Beanspruchung: körperliche Arbeit zum Broterwerb für die Armen, Sport zum Vergnügen für die Aristokraten. Das zieht sich von den alten Griechen bis zu den modernen Briten.

heinrichbrueck

9. November 2020 19:40

Gegen „biodeutsche“ Propaganda: https://www.youtube.com/watch?v=i0K7A_V7XHQ Meine Theorie: Deutschland hat kein Rechts-Links-Problem.

RMH

9. November 2020 20:23

@quarz hat recht. Meine Großeltern, allesamt zwischen 1885 und 1900 in einfachen Verhältnissen geboren, kannten Sport in der Kindheit/Jugend nicht. Dafür Feldarbeit und Mithilfe im elterlichen Handwerksbetrieb, Lehre ab 14, Gesangbuch und Katechismus mussten konsequent auswendig gelernt werden. Nach der Lehre gings für die Knaben direkt zum Militär und nach der dortigen Ausbildung weiter an die Fronten des WK 1. Ging damals offenbar auch ohne Sport (haben es beide zum Glück, obwohl Infanteristen, überlebt).

Sport für breitere Schichten gabs erst später. Heute ist er in der Tat bitter nötig, darf aber auch nicht überbewertet werden (sterben tut letztlich jeder).

 

Nemo Obligatur

9. November 2020 20:58

Wir sind zu reich geworden. Das Maß der Dinge ist das Smartphone. Damit einhergehend der oberflächliche Schein, die Selbstdarstellung, permanente Erreichbarkeit, totale Kommunikation. Heute wieder gesehen: Ein kleines Mädchen, kaum älter als ein Jahr, mit ihrer jungen Mutter und der Oma beim Spazierengehen, ihre ersten eigenen Schritte in die Welt. Das Mädchen an der Hand der Oma, die freie Hand nach ihrer Mutter ausstreckend. Selbige pausenlos aufs Handy starrend, geistig abwesend. Man kann solche Szenen inzwischen überall und täglich sehen. Wenn Schlaffheit, Lustlosigkeit, falsch verstandener Individualismus, fehlender Ansporn zu Tüchtigkeit uns heute schon teuer zu stehen kommen: Smartphone&Co. werden uns den Rest geben. Ich sehe keinen Unterschied zwischen Deutschen und Migranten, das dürfte inzwischen ein globales Phänomen sein. Man sagt, dass die Tech-Elite Kaliforniens ihre Kinder bevorzugt auf Schulen unterrichten lässt, in denen internetfähige Endgeräte verboten sind. Das sollte einem zu denken geben. Die Welt wird dem gehören, der sich zu beherrschen weiß.

Skeptiker

9. November 2020 21:35

@ Nemo Obligatur

Ich danke Ihnen sehr für Ihren Beitrag. Ich sehe wie Sie in der zunehmenden Digitalisierung aller Lebensbereiche den wesentlichen Grund für alle negativen Entwicklungen der letzten Jahre. Letztendlich erklärt sie auch die Flüchtlingsströme. Wir können das Internet nicht wieder ausschalten. Auch ein Rückzug im Privaten nützt wenig. Er kann allenfalls dazu führen, dass man Muße dafür findet, um an einer Antwort auf die digitale Herausforderung mitzuwirken. Momentan gestalten die Internetgiganten die Welt nach ihren eigenenen Plänen. Sie haben sich einer gesellschafts-politischen Kontrolle längst entzogen. Sie freuen sich über den Streit zwischen Demokraten-Republikanern, Rechts-Links. Er kommt ihnen sehr gelegen und sie befeuern ihn, um nicht in den Fokus zu rücken. Müßig anzuführen, dass auch der veränderte Körperkult und daraus resultierend "Sport als Narzismus" eine Folge der Digitalisierung sind.

Volksdeutscher

9. November 2020 21:37

Selbstzucht ist nicht veraltet, genauso wenig wie die mit ihr nahverwandte Selbstdisziplin. Mit ihr ist man Aristokrat - ohne sie gehört man zum Plebs (sehr vereinfacht dargestellt). Zucht kommt von ziehen, folglich bedeutet Selbstzucht, sich selbst zu etwas erziehen (aus eigener Kraft, aus eigenem Antrieb). Und um beim Fünf–Kilometer–Lauf durchzuhalten, braucht der Mensch eben Selbstdisziplin, um den inneren Schweinehund niederzuhalten, wie der weise Militärjargon besagt.

Aber das englische Wort Sport würde ich eher mit unserem deutschen Wort Spurt vergesellen, mit dem er etymologisch urverwandt ist. Wer sich spurtet, bewegt sich nicht nur, sondern beeilt sich auch. Klar, das deutsche Wort beinhaltet nicht das gewohnheitsmäßig und/oder vereinsmäßig ausgeübte Leibesertüchtigung wie das englische. Doch damals, als man im Englischen nach dem richtigen Wort für eine bestimmte Tätigkeit suchte, bedeutete es auch nicht mehr, als was das deutsche Wort bis zum heutigen Tage bedeutet: sich schnell bewegen.

Franz Bettinger

10. November 2020 00:10

@Nemo schreibt "Die Welt wird dem gehören, der sich zu beherrschen weiß.“ Sehr schön. Ich habe weder Smartphone noch Handy. Andere tragen so etwas immer am Leib, auch beim MTBiking, was ja stört. Wenn mein Server mich (wie grad wieder) beim Email-Versenden blockiert (weil ihm per Algorithmus ein Tabuwort missfällt) macht das gar nichts. Es gibt Garten, Holz, Bücher, Wandern, Sport..., und das macht alles mehr Spaß als am PC Hocken.

@Bosselmann: Noch ein Schreibfehler: Sie meinten sicher nicht Corona- sondern Koronar-Risikogruppe (wie Koronar-Sportgruppe). Koronar leitet sich von den Koronar-Gefäßen, also den Herzkranz-Gefäßen ab. 

Laurenz

10. November 2020 02:31

Weiß nicht mehr, ob das bei den Zonis anders war, aber die originalen deutschen Worte sind Leibeserziehung und Körperertüchtigung. Und hier im Artikel vergessen, der von der Linken verfemte Turnvater Jahn und das Turnen.

Klar, in der Jugend formt die Bewegung Körper und Organe. Aber mal Hand auf's Herz. Müßten Spochtler ihre Spochtverletzungen selbst bezahlen, wäre diese Bevölkerungsgruppe pleite, denn Sport ist Mord.

Rennen muß derjenige, der Hunger hat, alle Satten müssen das nicht, dick sein ist das Synonym für Wohlstand. Auch alle zurückgebliebenen Ethnien machen im Sport Karriere, da es sonst keine Karriere gibt. Von daher regelt die Natur alles. 

@anatol broder

Ihr Beitrag ist wirklich interessant, denn Juden, mit ihren vielen Religions-Erfindungen, sorgten für die Abkoppelung des Körpers aus dem Alltag. In Deutschland sorgte nach 1.300 Jahren Turnvater Jahn für eine erneute Verbindung des Menschen zu seinem Körper.

Der Joseph

10. November 2020 06:52

Die Bosselmann Beiträge gehören zu meinen Heimarbeits-Höhepunkten. Danke auch für die Lektürehinweise. 
In meinem Heimatfussballverein(DDR) ist man ab 30-35 Jahren bei den „Alten Herren“ angetreten. An dem Begriff hat sich niemand gestört. Die Herren hatten auch noch ihre respektierten Auftritte. Allein daran erkennt man den Wandel der Zeiten.

Gustav Grambauer

10. November 2020 09:04

"In der DDR wurde der Sport wiederum aus politischen Gründen und mit dem Ziel vormilitärischer Ausbildung extrem gefördert"

Der Typus DDR-"Sportlehrer" (Trillerpfeifenidiot) war der schlimmstdeformierte Psychokrüppel, siehe bei 2:42

https://www.youtube.com/watch?v=mC2zcebUB18

Mit graut bitter davor, daß solche Grottengrüesel vielleicht bald wieder qua Trillerpfeife ihren Machtrausch über Kinder ausleben dürfen.

Und die ersten "Leistungssportler" machen heute in Selbsthilfegruppe

https://www.youtube.com/watch?v=iaHZ26yxVhM

, weil ihnen dämmert, wie sie systematisch mißbraucht, um ihre Kindheit und Jugend betrogen, charakterlich verdorben und körperlich wie seelisch und geistig ruiniert wurden (wobei die meisten dieser Tatsache gegenüber ja immer noch im Widerstand sind).

Auch hier wurde der Bogen überspannt und ist - wen wundert`s - gerissen. Er ist genau in dem Moment (im Sommer 1988) gerissen, in dem sich beim Springsteen-Konzert in Weißensee der ganze angestaute Haß der 160.000 auf das Dressursystem an Katarina Witt als dessen Symbolfigur entladen hat.

"Die musikliebenden Engel der christlichen Mythologie werden im Paradies der Forschrittlichen durch Sportlehrer ersetzt" - der Andenguru

Ubi athletus ibi asinus - Plutarch

"No Sports" - Winston Churchill (bringe das, weil hier "Sport" als Basis der Aristokratie bezeichnet wurde)

Mens Sana in Campari Soda - Gustav Grambauer

- G. G.

Suedburgunder

10. November 2020 09:55

@ Gustav Grambauer

Könnte Ihr Rundumschlag gegen den Sport in toto vielleicht mit gewissen morphologischen Parallelen namentlich zu Winston Churchill in Zusammenhang stehen? Der sauertöpfisch durchs Leben gegangene Thomas Bernhard, obwohl wenigstens körperlich etwas besser drauf, hat sich ähnlich abfällig über den Sport geäußert. Oft sind es ganz banale Erlebnisse, die dem Fuchs die Trauben sauer werden lassen. Und sehr oft führt dabei eine Spur in Richtung Damenwelt.

RMH

10. November 2020 11:23

@ Suedburgunder,

Thomas Bernhard war seit Kindestagen schwer lungenkrank und wird bereits auch aus diesem Grund sich eher dem Geistig-Feinstofflichen zugewandt haben.

Ohnehin kommt großer Geist in durchtrainiertem Körper nicht so oft vor. Jeder scheint seine Neigungen zu haben und das Zusammenfallen von beiden scheint nicht immer die Regel zu sein. Den Schluss vom dicken Schweinchen auf schlau und von schlank auf blöd kann man aber daraus auch nicht herleiten. Jeder Jeck ist anders ... Und zudem auch noch in jeder individuellen Lebensphase!

Bestes Beispiel ist der erwähnte Churchill, der in jungen und mittleren Jahren durchaus sehr sportlich war. Das Zitat "no Sports" konnte übrigens nie belegt werden.

Loki

10. November 2020 11:34

Alles, was der Artikel aufzeigt, ist ein Produkt des westlichen Feminismus.

Jungen werden ab dem Kindergarten gemaßregelt und in ihrer Entwicklung verbogen. Sie sollen nicht toben, rennen oder auch einmal "kampeln" dürfen. Sie sollen mit Puppen spielen und rosa Schleifchen tragen. In der Schule geht das Konzept der Verweichlichung weiter. Das "Zappelphillippsyndrom", ADHS genannt, wird gern "diagnostiziert" bei gesunden Jungen  mit einem gesunden Bewegungsdrang. Sportunterricht einmal die Woche, der dann auch noch allzu oft ausfällt. Der alltägliche  Umgang mit dem Computer bzw. mit der Spielkonsole oder dem allgegenwärtigen Handy formen dann den Bewegungslegastheniker. Am Ende steht der blasse Fleischklops, unfähig seinen Alltag zu gestalten, ganz zu schweigen von seiner Verteidigungsfähigkeit. 

Wie wünschte sich doch einst Churchill den Deutschen?

Der linke Feminismus hat ganze Arbeit geleistet. Bundeswehr und Polizei können ein Lied davon singen. Heute hat man da große Probleme, junge Männer zu finden, welche überhaupt in der Lage sind, den Sporttest erfolgreich zu absolvieren. 

Honi soit qui mal y pense.

Gustav Grambauer

10. November 2020 11:38

Suedburgunder

"Trauben sauer werden lassen ..."

Na, dafür habe ich doch den Campari!

Spaß beiseite. Wiege bei 1,74 Körpergröße und 52 Lenze zählend unter 70 Kilo. Machen Sie mit mir spontan eine Velo-Tour von, sagen wir, 80 Kilometern ohne größere Pause mit, straffes Tempo, gern in die Mittelgebirge rein? Mache ich mit einem Freund ab und zu, ohne "Trainingsplan", einfach so, aus Freude an der Landschaft, an der frischen Luft und am Fahren, ohne uns dabei als "Sportler" zu verstehen, d. h. uns oder wem sonst damit irgendetwas beweisen zu müssen. Sammle bzw. restauriere für mich 80er- / 90er-Jahre-Tourenräder wie Don Alphonso, interessiere mich dabei aber nicht für "Parameter" und "Rahmengeometrien", dafür wäre ein ungemufftes tief unter meiner Würde. We are British in this, in der Stasi-Akte meines Vaters stand von einem Spitzel zu lesen: "trägt am Wochenende bei Fahrradtouren seine alten Maßanzüge auf", das habe ich - teilweise - übernommen, nix High-Tech-Funktionskleidung, "The Art (!) of Cycling"! Laufe auch ab und zu als Abendspaziergang den Albiskamm in toto ab (zurück dann mit dem Postauto). Mit der Damenwelt steht alles zum Besten bei mir, wozu habe ich eine BeBo-Instruktorin geheiratet.

Und wenn es anders wäre, wenn ich so fett wie Churchill wäre und Frauenprobleme hätte? Was würde das an der Wahrheit in meinen Worten ändern?

- G. G.

tearjerker

10. November 2020 12:07

GG: „Und wenn es anders wäre, wenn ich so fett wie Churchill wäre und Frauenprobleme hätte? Was würde das an der Wahrheit in meinen Worten ändern?“

Ich kenne nicht wenige Männer, deren Abneigung gegen Sportler schlicht darauf zurückzuführen war, dass sie diesen den Zugang zur Damenwelt neideten. Alternativ Selbstertüchtigung oder Selbstzucht als Teil von Bildung im klassischen Sinne? Totale Fehlanzeige. Stattdessen ist diese Ablehnung kulturell in weiten Teilen der Gesellschaft eingewachsen und tritt lebenslang als Dünkel gegenüber körperlicher Betätigung aller Art ans Licht. „Hochschulreife“ oder „akademische Bildung“ reichen aus, um Millionen aufs hohe Ross zu befördern. Innerlich frohlocken diese Leute, wenn sie jetzt täglich feststellen, dass man dieser Plage aus fitten und beweglichen Konkurrenten die Trainingsplätze geschlossen hat. Das Elend hat viele Gesichter...

Volksdeutscher

10. November 2020 13:10

@Gustav Grambauer - Jenen verfetteten, wer weiß von wem gezeugten Bastard würde ich nicht als Aushängeschild der englischen Aristokratie nehmen. Tennis, Cricket, Baseball waren übrigens schon immer aristokratische Sportarten und das sind sie bis zum heutigen Tag geblieben. Oder stört Sie nur meine Aufteilung in selbstzüchtige Aristokratie/selbstzuchtloser Plebs?

RMH

10. November 2020 13:57

Ich habe den Bosselmannschen Artikel jetzt eher als Bericht über die fortschreitende Dekadenz verstanden und nicht als Beschreibung der Vor - und Nachteile einer mehr oder weniger ausgeprägten Brustpartie balzender Federvögel bei der Partnerfindung. Aber wovon das Herz voll ist, davon redet der Mund.

limes

10. November 2020 14:27

Das Vermeiden körperlicher Anstrengung ist ein Aspekt der dekadenten Kultur umfassender Bequemlichkeit, der die Gesellschaft in höchstem Maße anfällig für Totalitarismus macht. Schon die Bereitschaft, Widersprüche im Hauptstrom zu benennen, aktiv nach alternativen Quellen zu suchen und diese für sich auszuwerten ist anstrengend, von weitergehendem Widerstand ganz zu schweigen.

Der Bequemlichkeit kommt die Digitalisierung entgegen, indem sie das Leben in den virtuellen Raum umleitet, in dem man mit einer Bewegung der Fingerspitzen alles bekommen kann, und zwar sofort. Menschliche Beziehungen werden durch asoziale Medien ersetzt, und das »Corona«-Regime forciert diese Entwicklung.

Das »Smart Home« nimmt dem Fortschrittsberauschten sogar noch die alltäglichen Besorgungen ab: Die KI des Kühlschranks ordert selbständig »Convenience Food« übers Internet. Schließlich wird die KI die überflüssig gewordene Menschheit abschaffen, wenn wir die Entwicklung nicht aufhalten.

Deshalb ist parallel zur körperlichen und geistigen »Ertüchtigung« (ein Begriff, den die technische Welt auch schon übernommen hat), der persönlichen Wiederaufrüstung also, eine umfassende technische Abrüstung notwendig.

Gustav Grambauer

10. November 2020 14:31

Volksdeutscher

Sie haben sehr recht, das Beispiel Churchhill, eingeleitet mit meinem distinktiven "bringe das (nur) ...", war schlecht gewählt, nicht nur, weil, wie sich jetzt dank (!) RMH herausstellt, das Zitat gar nicht belegt ist. Neulich in einem Zigarrengeschäft mußte ich dem Verkäufer sagen, daß ich als Deutscher aus Prinzip keine Churchhill rauche, nicht mal das Format (sowieso nicht), erst recht nicht die Marke.

Die Selbstzucht des - wahren - Aristokraten ist, abgesehen davon, daß sie frei von Selbstquälertum ist, ihrer Natur nach an ihre Selbstverständlichkeit gebunden, so daß er sie durch aüßere Bekräftigung sogleich entwerten würde. Deutlicher: der wahre Aristokrat hat für die gesamte Motivationsindustrie nur kalte Verachtung übrig. Ein Goethe ("Ich ging im Walde / so für mich hin"), um ein besseres Beispiel zu wählen, hat sich sicher nicht morgens die Frage vorgelegt, wie er heute seinen "inneren Schweinehund überwinden" könne, erst recht hat er dazu anderen keine Schweinetreiberprogramme

https://www.zvab.com/buch-suchen/titel/milit%E4rpsychologie/autor/scheljag-glototschkin-platonow/

aufgenötigt oder auch nur suggeriert.

https://www.gabal-verlag.de/buch/guenter_der_innere_schweinehund/9783869365893

- G. G.

anatol broder

10. November 2020 14:40

@ loki 11:34

Alles, was der Artikel aufzeigt, ist ein Produkt des westlichen Feminismus.

[…]

Der alltägliche Umgang mit dem Computer bzw. mit der Spielkonsole oder dem allgegenwärtigen Handy formen dann den Bewegungslegastheniker.

wer hat nun den deutschen jungen dick gemacht: das dumme weib oder das smarte eifon?

limes

10. November 2020 14:40

@ Laurenz (10. November 2020 02:31)

Wenn Sie vor der Natur, die alles regelt, Respekt haben, sollten Sie auf Bewegung und Maßhalten nicht verzichten.

Ihren Seitenhieb @ anatol broder, der unter die Gürtellinie geht, hätten Sie sich verkneifen sollen. Denn was bedeutet Wohlstandsspeck, wenn nicht Abkoppelung des Körpers von dem harten Alltag, der unsere Vorfahren geformt hat?

anatol broder

10. November 2020 14:58

@ laurenz 02:31

[…] denn Juden, mit ihren vielen Religions-Erfindungen, sorgten für die Abkoppelung des Körpers aus dem Alltag.

du meinst sicherlich die astraljuden von aleph ciontauri. ich bin aber einer von der erde, wo schwerkraft und bissige nachbarn den alltag gestalten.

Suedburgunder

10. November 2020 15:23

@ Gustav Grambauer

Danke für Ihre Antwort. Beschämt nehme ich zur Kenntnis, mit meiner Vermutung hinsichtlich Ihrer körperlichen Beschaffenheit falsch gelegen zu haben. Was nun Ihre Aufforderung zu einem Fahrradduell anbelangt, so komme ich dieser nur nach, wenn Sie mir im Gegenzug Satisfaktion beim Zürich-Marathon gewähren (Berlin 2019 - 3:38' in meiner Altersklasse M65). Sollte Ihnen die Strecke doch etwas zu lang sein, können wir gern auf den St. Galler Auffahrtslauf ausweichen. In beiden Fällen hätten Sie Heimrecht! -

Dank Ihrer sehr persönlichen Antwort bin ich mir sicher, daß wir bei vorliegendem Thema weitgehend einer Meinung sind. Auch für mich ist der Sport vor allem Freude an körperlicher Betätigung gepaart mit einem Naturerlebnis. Leider ist das, was der Franzose "le goût de l'effort" nennt, unserer Jugend in ihrer Mehrheit heute abhanden gekommen.

Abschließend sei noch erwähnt, daß ich mit Ihrem Herrn Vater die zweifelhafte Ehre teile, in den Fokus der Stasi geraten zu sein.

Sans rancune,

Suedburgunder

Suedburgunder

10. November 2020 15:47

@ RMH

"Ohnehin kommt großer Geist in durchtrainiertem Körper nicht so oft vor."

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Da wäre ich mir gar nicht so sicher. Natürlich ließen sich zuhauf Beispiele anführen, aber eben in beide Richtungen. Von Nietzsche zum Beispiel ist überliefert, daß er ein ausgezeichneter Schwimmer war. Und wer einmal den nach ihm benannten Wanderpfad ins hoch in den Seealpen gelegene Dörfchen Eze bei Nizza abgeschritten ist, der weiß, daß er ein ebenso ausdauernder Wanderer war.

Eine wissenschaftliche Erklärung Ihrer These würde mich schon interessieren (F. Bettinger bitte melden!;-). Als längst erwiesen gilt doch zum Beispiel, daß Ausdauersportler wesentlich weniger von Alzheimer betroffen sind als Sportabstinenzler.

Laurenz

10. November 2020 17:23

@limes (& anatol broder)

Der Tiefschlag, den Sie, limes, meinen, befindet sich nur in Ihrem Kopf. Jemand, der sich selbst als Jude sieht, was vollkommen normal ist, wenn man das ist (im Gegensatz zB zu Gregor Gysi oder Gilad Atzmon), dann lebt man auch mit der den Juden eigenen Geschichte. Und diese Geschichte besteht nicht nur aus einem Opfer-Dasein. Auch die Zionisten und heutigen Israelis ließen sich vom Körper-Kult der historischen Moderne anstecken. Auch die schönen Damen am Strande von Haifa sehen die eigene Geschichte oft aus einem anderen Standpunkt und sind manchmal äußerst freundlich zu Goyim. Und wenn ich den Islam, das Christentum und den Marxismus als jüdische Erfindung nenne, dann ist das historisch einfach korrekt. Daran ändert sich auch nichts, limes, wenn Sie Ihre persönliche Problematik auf mich transferieren.

AndreasausE

10. November 2020 17:36

Loki 10. November 2020 11:34
"Alles, was der Artikel aufzeigt, ist ein Produkt des westlichen Feminismus."

Viel, aber nicht alles. Da haben auch Juristerei und Versicherungswirtschaft mit zu tun.
Wenn man schon mit einem Bein im Knast steht, weil man Garten nicht wie Fort Knox gegen Kinder absichert, damit die nicht eindringen und vom Kirschbaum oder gar in den Froschteich plumpsen, womöglich noch auf Flucht vor "Bello" hinschlagen und Knie aufschürfen, und man dafür dann die Schuld bekommt und schadensersatzpflichtig wird, verrammelt man eben, gehen eben Spiel- und Erlebens- (=Selbstertüchtigungs-)räume verloren.
Gilt ähnlich auch für Abrißhäuser, stillgelegte Fabriken usw. - waren immer spannendste Abenteuerspielplätze, aber wer Scherereien vermeiden will, sperrt alles hermetisch ab.

H. M. Richter

10. November 2020 18:52

@ Gustav Grambauer

"Auch hier wurde der Bogen überspannt und ist - wen wundert`s - gerissen. Er ist genau in dem Moment (im Sommer 1988) gerissen, in dem sich beim Springsteen-Konzert in Weißensee der ganze angestaute Haß der 160.000 auf das Dressursystem an Katarina Witt als dessen Symbolfigur entladen hat."

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Springsteen in Ost-Berlin. Magischer Moment, den Sie da erwähnen. Aber Sie täuschen sich diesmal, was selten bis nie passiert. Es war nicht das Springsteen-Konzert am 24. Juli 1988, sondern dasjenige von Bryan Adams am 19. Juni 1988. Dieses wurde damals live im Ost-Fernsehen übertragen. Witt kam, sprach einige Worte auf der Bühne, - ohrenbetäubendes Pfeifkonzert, hunderte Pappbecher, teilweise noch gefüllt, flogen in ihre Richtung. Untergangsstimmung ... Und als dann einige Wochen später aus fast 200.000 jungen Kehlen "Born in the USA" erklang, war es fast schon vorbei mit dem Staate DDR ...

RMH

10. November 2020 18:53

@Suedburgunder,

Hölderlin war auch ein Extremwanderer und selbst im Turm war er nicht bewegungsfaul.

Aber gewandert ist er nicht aus Luxus, sondern weil es seine Art (und wohl auch finanzielle Not) war, kostengünstig zu reisen (schon Schiller hat sich häufiger eine Kutsche leisten können. Von Schiller und Goethe ist jedenfalls keine besondere Sportlichkeit überliefert).

Ich habe ja in meinem Beitrag nicht umsonst geschrieben, dass ich das nicht als starre Regel halten will. Extrembeispiel für einen im Körper gefangenen Geist wäre Stephen Hawkin.

Ich denke nach wie vor, dass Sport in erster Linie ein Ergebnis von freier Zeit ist (siehe auch @quarz).

Die Körperübungen im antiken Griechenland hatten auch eher militärischen Zweck, als nette Vorlagen für Statuen zu bilden. Sokrates wirkt auf der bekanntesten Büste dabei nicht unbedingt schlank (wohl auch wieder eher altersbedingt). Und so lassen sich vermutlich pro und contra Beispiele endlos aufzählen.

Suedburgunder

10. November 2020 22:09

@ RMH

Sie führen da recht interessante Beispiele an. Von Goethe ist zu unserem Thema in der Tat wenig überliefert. Erwähnenswert scheint mir in diesem Zusammenhang allerdings folgendes Zitat: " Die frische Luft des freien Feldes ist der eigentliche Ort, wo wir hingehören; es ist, als ob der Geist Gottes dort den Menschen unmittelbar anwehte und eine göttliche Kraft ihren Einfluß ausübte. - Lord Byron, der täglich mehrere Stunden im Freien lebte, bald zu Pferd am Strande des Meeres reitend, bald im Boote seglend oder rudernd, dann sich im Meere badend und seine Körperkraft im Schwimmen übend, war einer der produktivsten Menschen, die je gelebt haben." (J.P. Eckermann, Gespräche mit Goethe, 11. März 1828).

Hartwig aus LG8

11. November 2020 10:56

Ich machte vor Tagen einen Ausflug mit Fahrrad und zu Fuße entlang des südlichen Ufers der Elbe zwischen Wörlitz und Wittenberg. Traf innerhalb von drei Stunden niemanden, keinen einzigen Menschen, null. Im Nachhinein war das die eigentliche Wohltat.

@gebürtiger Hesse

Koppeln Sie sich ab vom Nachrichtenstrom. Manchmal ist es geboten, mal zwei bis drei Monate nicht mehr zuzuhören. Danach fühlt man sich zwar nicht wie neu geboren, aber wie nach einer Grundreinigung oder einem Refreshing.

Gustav Grambauer

11. November 2020 13:38

Suedburgunder

Bei mir muß es rollen, Marathon wäre mir auch schon wieder zu ambitioniert-sportlich, kann Ihnen deshalb auch keine Referenzzeit nennen.

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H. M. Richter

"Katarina Witt"

Danke, hatte nur einen Mitschnitt in einer Reportage gesehen, daher die Verwechslung.

Grüße!

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tearjerker

"Stattdessen ist diese Ablehnung kulturell in weiten Teilen der Gesellschaft eingewachsen und tritt lebenslang als Dünkel gegenüber körperlicher Betätigung aller Art ans Licht."

Selektive Wahrnehmung? Beobachten Sie mal die tyrannische, gehässige, bornierte Arroganz der - teilweise schwerst-eßgestörten - Slim-Fast-Grammzähler- und Fitnesstreber-Milieus gegenüber Dicken. Deren Ressentiments möchte ich erst gar nicht tiefer auf den Grund gehen. Sie sagen es: das Elend hat viele Gesichter.

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Knappe Antworten, muß los, ganze Liste mit Wegen abzuarbeiten. Zu Fuß wie immer ...

- G. G.

Ralf der Schwarzwaelder

11. November 2020 16:03

Eine treffende Zustandsbeschreibung und Analyse, Herr Bosselmann. Sie sprechen damit in vielem einem 57-jährigen naturverbundenen Kraftsportler aus der Seele. Es mag ja sein, dass ich in diesem Alter zu den "alten Säcken" gezählt werde, kann aber behaupten, in meinem Alter mehr Fitness zu haben als ein großer Teil der jungen Generation. Wenn ich sehe, dass der größte Teil meiner jungen Mitarbeiter außer "E-Sport" (PC-Spiele) keiner sonstigen körperlichen Betätigung nachgeht, manche nach 3 Wochen Sommerurlaub so leichenblaß zurückkommen, wie sie in den Urlaub gingen, da sie die gesamte Urlaubszeit spielend vor dem PC verbracht haben, dann sehe ich eine körperlich wie geistig degenerierte Generation und eine entsprechende durch diese gestaltete Zukunft vor mir.

Schon Friedrich Ludwig Jahn (1778 - 1852) wusste: „Ein kernfester Leib ist notwendig zum Ringen mit dem kernfaulen Zeitalter. Ein tüchtiger, eingeturnter Knabe wird Kernfleisch haben, nicht mastigen Schwamm. Ein Kernknabe wird auch ein Kernmann; aus der Zierpuppe wird ein Zieräffchen, Zierbengel und zuletzt ein entmannter Zierhammel.“

In diesem Sinne vielen Dank für diesen guten und beachtenswerten Beitrag!

Lotta Vorbeck

11. November 2020 17:02

Neues vom Sport:

Dieser Tage in Mühlhausen (Thüringen):

---> Eine bestens trainierte eritreische Fachkraft inspiziert eine Immobilie.

Pferdefuss

13. November 2020 17:43

'Sport' in den Mittelpunkt einer Gesprächsrunde zu stellen, ist mehr als nur ein netter Einfall, durchdringt er doch das öffentliche wie private Leben als eine konstante Ausübung wie Essen, Trinken, Schlafen, Atmen.In der DDR hieß es: 'K ö r p e r k u l t u r  und Sport', im Zusammenspiel beider wurde das Natürliche gesellschaftlich und umgekehrt, also steuerbar.

Zur 'alten Begriffs-Welt' der Körperkultur gehörten: Leibesübungen seit Kindheit wie Kerze, Rad, Purzelbaum, Rolle, Kopfstand, 'Ferienspiele'. Später (Volks-)Tanz, Morgen-/Heil-Gymnastik/Frühsport, Wandern/Spazieren, Kneippen/Abhärten/Wassertreten/Bürsten, Barfußgehen, Klettern. Turnen an Reck, Bock, Balken, Kasten, Matte, Stange; Standardisierte Freiübungen im Stehen, Gehen, Kriechen, Beugen, Hüpfen, Springen, Laufen, Drehen unter Benutzung von Stäben, Ringen, Seilen, Gewichten, Kugeln, Bällen, Keulen). Ball-Spielen, FKK, Schwimmunterricht, Radfahrtouren, Sauna, Luft-/Sonnenbäder, Körperpflege, Ruhen. Wichtig: an frischer Luft, wetterfeste Kleidung.  

Viele dieser elementaren Betätigungen in Gruppen, Grüppchen,Vereinen oder einzeln waren nicht auf dem Mist der DDR gewachsen, sondern organisch gewachsene deutsche Kultur- und Lebensart, s. Ludwig Jahn, Turnvereine,Tanzschule, Wandervogel-Bewegung.     

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