10. November 2020

Live-Gespräch: Ernst v. Salomon

Götz Kubitschek / 60 Kommentare

Erik Lehnert und ich haben live aus der Bibliothek in Schnellroda eine gute Stunde lang über Ernst v. Salomon gesprochen. Hier ist die Sendung:

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Im Durchschnitt sahen uns 400 Leser zu, die Spitze zwischendurch bildeten 580 Leser. Wir haben damit an die erfolgreiche Premiere von vor zwei Wochen angeknüpft, als wir einen für Dresden geplanten Jünger-Abend absagen mußten und ihn ins Internet verlagerten. Wer diese erste Live-Schaltung verpaßte, kann sie auf dem kanal schnellroda abrufen.

Nun also Ernst v. Salomon. Er ist deutlich weniger bekannt als Ernst Jünger, hat aber in unseren Kreisen einen besonderen, mobilisierenden Ruf. Seine Bücher sind rechte Klassiker, erhältlich ist kaum mehr etwas, manches ist selbst antiquarisch nicht aufzutreiben.

Wer lesen möchte:

+ In unserem Buch im Haus nebenan (hier bestellen) haben Thorsten Hinz Der Fragebogen und Benedikt Kaiser Die Stadt zu Schlüssellektüren erklärt.

+ Im Staatspolitischen Handbuch ist v. Salomon als Vordenker gewürdigt und mit zwei Titeln in den Schlüsselwerken vertreten (hier und hier bestellen)

+ In einigermaßen vertretbarer Aufmachung ist Der Fragebogen lieferbar (hier bestellen), außerdem Das Buch vom deutschen Freikorpskämpfer (hier lieferbar).

+ Biographien: Gregor Fröhlichs Soldat ohne Befehl ist die beste Arbeit, aber sie ist leider nur noch als Druck on Demand lieferbar (Wartezeit: zwei Wochen, hier bestellen); Markus Klein hat schon vor dreißig Jahren eine Biographie vorgelegt, sie ist in 2. Auflage hier erhältlich.

+ Rund um die Weimarer Zeit ist in der Bergschen Quellentext-Sammlung einiges erschienen: v. Salmons Freund Heinz hat mit Sprengstoff ein Buch im Stile der Geächteten vorgelegt (hier bestellen), von Mann ist Mit Ehrhardt durch Deutschland zu empfehlen (hier bestellen) und über die Landvolkbewegung sollte man Luetgebrunes Neu-Preußens Bauernkrieg lesen und natürlich Hans Falladas Bauern, Bomben und Bonzen (hier und hier erhältlich).


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.


Kommentare (60)

Maiordomus

10. November 2020 13:01

Vor 50 Jahren, also etwa zur Geburtszeit von GK, kannte man als Rechtskonservativer "Der Fragebogen" von Salomon, weil dieses Buch einfach ein zeitgeschichtliches Muss war. Unterdessen wird das Buch noch weit stärker als damals aus der Perspektive derjenigen beurteilt, die sich für solche Fragebogenverhöre für legitimiert hielten und deren eigene Untaten kaum ein Thema werden konnten.

Es ist möglich, dass wir wieder einer neuen Fragebogenära entgegenblicken.

Der_Juergen

10. November 2020 13:45

Ernst von Salomon, dessen "Fragebogen" ich vor zwei Jahren mit Genuss las, war eine bemerkenswerte Gestalt. Ein eingefleischter Nationalist, der sich 1964 für die radikal linke Deutsche Friedensunion aussprach und auf deren Kongress auftrat, weil er den Sowjetkommunismus für das deutlich kleinere Übel hielt als den Amerikanismus. Das war damals keine populäre Ansicht, und die DFU scheiterte bei der Bundestagswahl kläglich mit ca. zwei Prozent der Stimmen. Es gab damals herzlich wenig Anlass, die östliche Unfreiheit der scheinbar sehr grossen (in Wirklichkeit schon damals starken Begrenzungen unterworfenen) westlichen Freiheit vorzuziehen, und die Mauer war eine tägliche Widerlegung des östlichen Sozialismus. Aus der heutigen Perspektive aus urteilend, halte ich fest, dass von Salomon recht hatte. Das damalige System der BRD barg bei all seiner äusseren Freiheit den Keim des Untergangs bereits in sich. Die Deutschen lebten in einem riesigen goldenen Käfig und durften goldene Nasenringe tragen. Der Blick auf den sehr viel engeren eisernen Käfig ihrer Landsleute in der DDR liess sie glauben, in der bestmöglichen Gesellschaft zu leben, die sie für ewig hielten. 

RMH

10. November 2020 14:05

@M.D.,

Wir alle füllen bereits heute freiwillig und ohne echte Not fortlaufend Fragebögen aus. Nennt sich Internet, Cookies, Tracker etc.

@G.K.,

Ist die Urheberrechtslage bei E.v.S. so verworren, dass an eine Neuauflage von bspw. "Die Stadt" nicht zu denken ist?

antwort kubitschek:
ja, davon werde ich im live-Gespräch berichten und einen Briefwechsel mit den Erben aufblättern.

micfra

10. November 2020 15:14

Gute Idee, das Format gefällt mir! Werde mir es später im Kanal ansehen. 

Gotlandfahrer

10. November 2020 17:04

Der Fragebogen - Danke für den Hinweis! Auf Amazon "ins Buch geblickt" und hier gleich bestellt. Allein die Seiten die ich dort las: Ein Genuss.

Fuechsle

10. November 2020 17:30

Bin sehr gespannt, hatte von Salomons "Fragebogen" immer wieder mal gehört, ihn aber erst nach Thorsten Hinz Beitrag im famosen "Buch im Haus nebenan" gelesen. Ich bedauere zutiefst, daß ich dies nicht schon mindestens 40 Jahre früher getan habe, das  Buch  schildert  das pralle Leben in dramatischen Zeiten, nicht weinerlich, durchaus (selbst-)kritisch  aber  ohne die moralisierende Überheblichkeit heutiger Tage. Man  hat  das Gefühl, daß im Erscheinungsjahr 1951(!) hierzulande  mehr Frischluft und unabhängiges Denken  herrschte. Viel Erfolg!

Heinrich Loewe

10. November 2020 18:49

Ich las vor Zeiten den Fragebogen, Die Geächteten und Die Kadetten. Letzteres hat mich am meisten beeindruckt - über ein 24/7 in die Notwendigkeit bzw. Ausweglosigkeit eingespanntes Leben und trotzdem (oder deswegen?) sehr positiv bewertet. Undenkbar heute!

Niekisch

10. November 2020 20:02

Bin sehr gespannt. Habe zwar den Fragebogen schon in den 60iger Jahren als Schüler antiquarisch gekauft und gelesen, aber es gibt sicher interessante Neuigkeiten. Vielleicht wird sogar der politisch neben Hans Dietrich Sander unabhängigste deutsche Mann Ernst Niekisch einmal in diesem Format besprochen.

Fredy

10. November 2020 22:54

"Der Fragebogen" vom Ernsti, ist das einzige Buch, das ich zweimal vorrätig habe. Alleine aus der Angst, weil oft verliehen, es nicht mehr zurück zu bekommen. Unter meinen Top Ten der Prägendsten (sowohl des Stils als auch der Geschichte) auf Platz 2. Aber nur lohnenswert zu verleihen, wenn derjenige eine grundsätzliche Geschichtsbasis der Zeit besitzt, d.h. an einem BRD-Jüngling perlt das ab ...

Marc_Aurel

11. November 2020 06:48

@Der_Juergen
Wenn das was Sie über von Salomon schreiben zutrifft, wovon ich ausgehe, dann war der Mann selbst für seine Zeit, in der es noch viele kluge Köpfe gab, außergewöhnlich scharfsinnig und auch sehr unabhängig in seinem Urteil und muss also mit auf die Liste derer, die man gelesen haben sollte - ein Schluss, zu dem ich, wenn ich mich richtig erinnere, in einem anderen Artikel über E.v.S. schon einmal kam.

Franz Bettinger

11. November 2020 09:42

Salomons Fragebogen habe ich mit Genuss gelesen. Darin schreibt E. S., der Schlag gegen Ernst Röhm (1934) sei ein Missverständnis gewesen. Die beabsichtigte Waffenabgabe der SA (so Salomon) sei von den Hitleristen als eine „Zu den Waffen gegen den Führer!“-Aktion missgedeutet und deshalb blutig niedergeschlagen worden. Weiß jemand mehr darüber? Die Sache mit seiner mitgefangenen (volljüdischen Schein-) Ehefrau Ille Gotthelft im DEF-Lager der Amis wurde (mir) im Buch auch nicht klar. Ist Ille von den Amis vergewaltigt worden (zerrissene Strümpfe) oder nur misshandelt wie alle anderen Gefangenen auch? Obwohl nicht so verbrecherich wie auf den Rheinwiesen kommen die US-amerikanischen DEF-Lager-Verwalter gar nicht gut weg im Fragebogen

Suedburgunder

11. November 2020 10:48

Freue mich auf heute abend und werde noch im November eine Buchbestellung Richtung Schnellroda versenden. Da alle Anzeichen dafür sprechen, daß uns die Ausgangssperre auch über Weihnachten und Neujahr erhalten bleibt (zumindest hier in Südburgund), sollte man für ausreichend gute Lektüre sorgen. Mit Ernst von Salomon bin ich durch mein Interesse an der Geschichte der Freikorpsverbände bisher nur indirekt in Berührung gekommen und kann in diesem Zusammenhang Dominique Venners "Histoire d'un fascisme allemand: les corps-francs du Baltikum") wärmstens empfehlen.

Maiordomus

11. November 2020 12:32

Ich weiss mehr darüber. Das mit dem Missverständnis von 1934, @Bettinger, grenzt an "rührend". Natürlich riefen einige bei der Hinrichtung "Heil Hitler!" oder ähnlich. Aber Leute wie Schleicher und andere aus dem Umfeld der Redenschreiber um den Marburger Appell Papens oder gar Erich Klausener, , Pfarrer Muhler, Pfarrer Stempfle, Fritz Beck, Adalbert Probst, auch Winkler, Generalsekretär der katholischen Gesellenbewegung wurden so wenig aufgrund eines "Missverständnisses" erschossen wie die 1937/38er Opfer Stalins, die zum Teil aufgrund schrecklicher politischer Illusionen sich ebenfalls verkannt fühlten.. Wahr ist aber, dass der Musikkritiker Willy Schmidt, München, wegen seinem häufig vorkommenden Namen aufgrund einer Verwechslung mit einem Gleichnamigen vom SS-Mordkommando  erschossen wurde,  echter Kollateralschaden zur Rettung Deutschlands. Mit diesen  Zusammenhängen befasse ich mich seit 1965, als ich begann, betr. katholischen und rechten Widerstand gegen jenes Regime zu recherchieren, u.a. Leopold Ziegler, der damals nach Kreuzlingen floh, als Repräsentant der kons. Revolution. Wer sich hier politisch naiv zeigt oder vorsätzlich nicht naiv, den halte ich in der Bundesrepublik in der Tat nun mal eher nicht politisch oppositionsfähig, tut mir leid. 

Einsiedler

11. November 2020 14:06

Eine sehr gute Idee, ich freue mich schon auf die Sendung.

PS: ich kann mich noch erinnern an die Kleinauflage "Die Stadt" Landvolk Verlag, wenn ich mich nicht täusche ;-)

 

Ein gebuertiger Hesse

11. November 2020 14:58

Irre, wo wir am Ende dieses Jahres angelangt sind:

- Dürfen alle nicht mehr unvermummt und ohne vorgeschriebenes Distanzhalten ins öffentliche Draußen, was mit einem enormen Weltverlust einhergeht.

- Werden wohl ab nächster Woche durch ein Ermächtigungsgesetz der Freiheit der Person wie der eigenen Wohnung beraubt (was hier durchaus einen Beitrag wert wäre; mag da nicht ein Jurist wie v. Waldstein ran?).

- Sind in unserem Volk einmal mehr zutiefst und aggressiv gespalten in Regierungshörige und Andersdenkende.

- Werden, jedenfalls als Katholiken, Weihnachten in arschkalten Kirchen verbringen.

(Ende Teil 1 des Kommentars)

Ein gebuertiger Hesse

11. November 2020 14:58

(Teil 2 des Kommentars)

- Haben eine windelweicher denn je gespülte AfD, die es sich hat entgehen lassen, die Corona-Verschwörung als solche zu inkriminieren und alternative, die echte Sachlage wasserklar darlegende Mediziner wie Bhakdi und Wodarg als Gewährsleute heranzuziehen.

- Haben seit einem Dreivierteljahr keine IfS-Veranstaltung mehr besuchen können (umso wichtiger, wenn auch kein leiblicher Ersatz, sind die guten Video-Gespräche aus Schnellroda).

Wahrlich, die Zeit des neu-rechten Biedermeiers ist geradezu kolossal vorbei. Für 2021 braucht es neue Kraft und Ideen.

Wahrheitssucher

11. November 2020 15:51

@ Fredy

Verraten Sie uns doch Ihre Nummer eins!

Niekisch

11. November 2020 16:11

 Franz Bettinger & Maiordomus: Beide Hinweise zur sog. Bartholomäusnacht sind m.E. zu kurz gegriffen: Die Medaille hat 2 Seiten: Erstens Abrechnung mit den Konservativen, durch die sich Hitler wegen Papens Marburger Rede provoziert sah und die er der Absicht zieh, die Monarchie wieder einführen zu wollen. Zweitens die lange schwelende Auseinandersetzung mit der SA, die schon 1923 begann, als der Röhm entließ, um nicht durch bewaffnete Hitzköpfe in die Illegalität getrieben zu werden. 1930 setzte sie sich mit der sog. Stennes-Affäre fort, die Rebellion drohte sich auf das Reich auszudehenen und er holte Röhm aus Südamerika zurück, löste Pfeffer ab. 1931 forderte die SA erneut Hitler heraus, Röhm entwickelte eigene außenpolitische Positionen, suchte diplomatische Kontakte zum Ausland. Es drohte die Gefahr eines revolutionären, gewaltsamen Aufstandes, Hitler stützte aber weiterhin Röhm und löste Stennes durch Göring ab.  II folgt

Niekisch

11. November 2020 16:29

II. Auch im März 1932, als eine sozialdemokratische Zeitung auf Röhms Homosexualität hinwies, warf Hitler, der insoweit eine starke Aversion empfand, Röhm nicht den Wölfen vor, stellt sich im April in einer öffentlichen Erklärung hinter ihn. Noch im März 1933 ließ Hitler seinen Ernst ein Ultimatum an die bayerische Landesregierung überbringen. Als dann das Problem drohender Überfälle Polens, der Tschechoslowakei oder Frankreichs Ende 1933 heraufzog, entschied sich Hitler für die Reichswehr als "alleinigen Waffenträger der Nation". Eine zweite Armee aus den Reihen der SA wollte er nicht zulassen, dieser nur Hilfsstatus gewähren. Während die "Braunhemden" Deutschland weiter nach links rücken wollten und eine "Zweite Revolution" anmahnten, wollte Hitler innenpolitisch Ruhe, um Wirtschaft und Rüstung ankurbeln zu können. Von Reichenau und Blombeg vor einem SA-Putsch gegen die Reichswehr und von Viktor Lutze vor Röhms Absichten sowie von Görings "Forschungsamt" gewarnt, stieg Hitler mit der Pistole in der Hand in Bad Wiessee die Treppen zu Röhms Schlafzimmer hoch und beaufsichtigte seines Freundes Verhaftung. 

So traf es beide Seiten: Erzkonservative und  NS-Revolutionäre zugleich. Carl Schmitt meinte dann später, "der Führer schützt das Recht"

B Traven

11. November 2020 17:37

Den Fragebogen las ich in den 90ern auf Empfehlung.

Habe mir dann antiquarisch Die Kadetten besorgt. Unvergessen die Szene, in der v. Salomon während der November-Revolution durch die Straßen irrt und auf einen Lehrer seiner Kadettenanstalt trifft und diesen bestürmt, man müsse etwas tun. Je länger der junge Ernst insistiert, desto ärgerlicher wird der Lehrer: Er wolle jetzt mit seiner Gattin in die Oper und v. Salomon solle endlich Ruhe geben.

Freue mich auf heute Abend. Bereits den Ernst Jünger-Abend fand ich sehr informativ und unterhaltsam. Bitte unbedingt fortsetzen!

GuntherManz

11. November 2020 18:44

Wenn ich heute durch Karlsruhe laufe und an Salomon denke, dann wird der Gegend um die alten Kaseren, und dem Cafe Endle noch einmal etwas Leben von damals eingehaucht.

Es ist gerade einmal hundertzehn Jahre her daß er hier als Kadett durchlief, aber es könnten auch 500 Jahre her sein, so wie sich alles verändert hat. Mn kann die Wege und manchmal die Gebaüde noch sehen, obwohl es immer weniger Zeugnisse dieser Zeit gibt. Das große 109er Denkmal vor der Hauptpost ist schon weg, obwohl auch der Leidensweg auf dem Rückmarsch von Rußland 1812 verzeichnet war.

Denkmal hier auf Sezession: Der jüngste Leutnat des alten Heeres fiel gleich zu Beginn des Krieges bei dem Versuch einen französischen Verwundeten zu bergen.

Was nicht mehr erwähnt wird, weil unbequem, hier soll's noch einmal stehen.

Gotlandfahrer

11. November 2020 19:06

Bin wahrscheinlich zu doof: Wo findet man jetzt den Live Stream?

Fredy

11. November 2020 19:11

@Wahrheitssucher

"Konservative Revolution" von Mohler. Kein Lesebuch, sondern ein Handbuch für Autoren und Bücher der konservativen Revolution. Von da an ging es los, mit Salomon, Jünger, Jung ... und Mohler selbst.

Nemo Obligatur

11. November 2020 20:43

Interessante Literatur. Das Format könnte irgendwann mal Legende sein. Aber ich würde empfehlen, weniger Alkohol zu konsumieren. Die beiden Herrschaften waren gegen Ende der Sendung schon kurz vor peinlich.

Mauerbluemchen

11. November 2020 21:06

@Nemo Oligatur

Nein, das waren sie nicht - im Gegenteil.

RMH

11. November 2020 21:09

Super, danke, schön war´s und vor allem: Interessant!

Muss mir aber die ersten Minuten nochmals ansehen, wenn das Gespräch hoffentlich auch online gestellt wird.

Fredy

11. November 2020 22:03

Es wurde nicht zuviel gesoffen. War grade richtig. Stimmung war gut, gerade zum Schluss immer besser. Genau so macht man das Format spannend. Da war nix peinlich.

nom de guerre

11. November 2020 22:08

Das war wieder sehr schön. Ein echter Lichtblick in dieser irren Zeit.

Joha

11. November 2020 22:22

@Gotlandfahrer, ich finde es auch nicht. Was nun? Nur die Ernst Jünger Sendung erscheint bei mir.

-- -- --
hier:
https://www.youtube.com/watch?v=4uU5P3q2vps

Beowulf

11. November 2020 22:40

Vielen Dank für die sehr interessanten 1,5 Stunden. Da ich zu den Menschen gehöre, die den "Fragebogen" von EvS noch nicht gelesen haben, hat mich der Vortrag angeregt dies nachzuholen.

Auch bin ich dankbar für den Hinweis auf "Bauern, Bonzen und Bomben" von Fallada. Habe schon "Wolf unter Wölfen", nach der Nennung von durch Erik Lehnert im "Das Buch im Haus nebenan", mit Genuss gelesen.

@Nemo Oligatur

Also peinlich war hier überhaupt nichts. Der Alkoholkonsum zeigt aber, dass es bei der neuen Rechten halt nicht stocksteif zugeht.

Seydlitz

12. November 2020 10:44

Wer mal in "Die Geächteten" reinhören will: es gibt drei kurze Stücke aus den Anfangskapiteln des Buches vorgelesen  auf youtube.

https://www.youtube.com/watch?v=b_gHRAU9dkE

Loki

12. November 2020 10:55

Eine Stunde gute Unterhaltung! Nach Jünger nun von Salomon. Freue mich auf Mohler. Was ich amüsant und daher als wohltuend empfinde, ist die Atmosphäre in welcher das Format daherkommt. Unaufgeregt und unterhaltend. Fühle mich, als würde ich mit in diesem gemütlichen Raum sitzen. Wenn die wichtigsten Köpfe des konservativen Denkens vorgestellt und  besprochen sind, wäre es doch schön den ein oder anderen konservativ-patriotisch gesinnten Denker unserer Tage mit an den Tisch zu holen. Ein Dugin, Lisson oder einen Tellkamp zu erleben, wäre doch für den Zuschauer ein ungemeiner Gewinn. Auch die Denkansätze oder Ideologien der konservativen Denker einmal der "Frankfurter Schule" gegenüber zu stellen ,wäre sicher eine lohnende Sache.  

Maiordomus

12. November 2020 11:33

@Fredy/Wahrheitssucher. Auch für die Konservative Revolution gilt, gelinde gesagt, nicht frei von Verirrungen:: Prüfet alles und das Beste behaltet. Für mich zum Beispiel, wie schon mal angesprochen, Hugo von Hofmannsthal, Rudolf Borchardt und zumal Leopold Ziegler, über den der Bundestagsabgeordnete Marc Jongen bei Peter Sloterdijk seinerzeit "Summa cum laude" doktoriert hat. Nach Michael Krüger wohl ein weiteres Beispiel für einen AfDler, der Hölderlin mit einer Seifenmarke verwechselt. Unter den politischen Aktivisten aus jenem einstigen Lager des "geistigen Nationalismus" (Reinhold Schneider 1930)  halte ich Edgar Julius Jung für denkmalfähig, für heutige Verhältnisse freilich wohl noch längst unter dem Verdikt "rechtsradikal" einstufbar, so man seinen Namen überhaupt noch kennt. In Richtung Oppositionsqualität immer noch eine andere Liga als etwa Rosa L., womit ich nicht Rosa Liechtenstein meine. 

Niekisch

12. November 2020 12:59

 "immer noch eine andere Liga als etwa Rosa L., womit ich nicht Rosa Liechtenstein meine."

Darf ich vermuten, @ Maiordomus, dass Sie Rosa Lübeck meinen?

Laurenz

12. November 2020 13:08

@Loki

Auf den Napolas der Nationalsozialisten mußten in Gruppen-Arbeit Schüler zB Edda gegen Bibel antreten. Was soll denn bei solch einem Vergleich gegen die Frankfurter Schule herauskommen? Daß Adorno gelogen hat?  Daß Schönberg und Webern musikalische Folter geschrieben haben, die gegen die Menschenrechte verstößt? Warum wollen Sie das jemandem zumuten?

@Maiordomus

Also bei Jünger und von Salomon können wir tatsächlich von bekannten historischen Persönlichkeiten unserer jüngeren Geschichte ausgehen, deswegen erachte ich diese beiden Herren auch als gute Wahl, die Video-Vorträge sind kurzweilig. Aber schon Romantiker wie Hölderlin sind bald aus einem kollektiven Gedächtnis entschwunden. Da nutzt es auch nichts, Schulen nach solchen Herren zu benennen. Herr Höcke hat schon Recht, wenn Er neue Figuren zur Identitätsfindung fordert. Künstler dienen vordergründig der Unterhaltung und werden nach dem Konsum wieder in den Schrank gestellt. Daß Antaios spannende Unterhaltung anbietet, ändert nichts am Tatbestand der Unterhaltung. Sie, Maiordomus, zaubern immer Namen aus dem Hut, die oft völlig belanglos sind und bleiben. Wenn Sie Spannung und Kurzweil erzeugen wollen, schreiben Sie uns lieber was Spannendes aus Ihrer eigenen Feder.

Ein gebuertiger Hesse

12. November 2020 13:31

Prächtiges Gespräch über Salomon, noch besser, weil haptisch-anekdotischer, gelassener, auch Nordhäuser-beschwingter als das Jünger-Pendant neulich. Weiter so, die Herren, wir gucken und hören Ihnen zu allzu gern zu - und wir werden mehr.

anatol broder

12. November 2020 14:53

@ rmh, kubitschek 14:05

ja, davon [Urheberrechtslage] werde ich im live-Gespräch berichten und einen Briefwechsel mit den Erben aufblättern.

bei welcher minute im video ist dieser bericht?

Der_Juergen

12. November 2020 15:17

@Niekisch

Danke für die nützlichen Hinweise zu den Hintergründen der "Nacht der langen Messer". Ich bin der Ansicht, dass die Erschiessungen erstens unmoralisch und zweitens politisch ein schwerer Fehler waren. Ja, den Röhm konnte man nicht mehr brauchen in Deutschland, aber man hätte ihn ja wieder nach Bolivien schicken können, wo er, wie bei seinem ersten Aufenthalt, erfolglos versucht hätte, junge bolivianische Offiziere zu verführen. - Bei aller Ablehnung der blutigen Säuberung halte ich fest, dass sie, verglichen mit dem Terror, der in der UdSSR zur gleichen Zeit vor sich ging, nur eine kleine, unappetitliche Episode war. Ich habe nie verstanden, warum der werte Maiordomus diesem Geschehnis eine so ungeheure Bedeutung beimisst. Dass Hitler besonders zartbesaitet gewesen sei, behaupten ja nicht einmal seine feurigsten Anhänger. Auch wer die Erschiessungen damals privat nicht guthiess, wird sie in aller Regel achselzuckend hingenommen haben. Ein Grund zur Erhebung gegen eine Regierung, die damals bereits enorme Erfolge bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit erzielt hatte, war sie bestimmt nicht.

Suedburgunder

12. November 2020 18:40

Großes Kino mit zwei Hauptdarstellern von echtem Schrot und (Doppel-) Korn.

Danke und gern mehr davon.

RMH

12. November 2020 18:57

@anatol broder,

die Anekdote wurde erzählt, Stichwort "Linzer Torte" - aber der Vertrag über 5 Bücher von Salomon wurde leider von den Erben nicht unterschrieben. Und so wartet der deutsche Buchmarkt immer noch auf eine echte retrospektive Edition.

Offenbar müssen wir noch 22 Jahre warten, bis die Werke gemeinfrei werden. Es tauchen aber immer wieder mal einzelne Werke bei kleinen, ausländischen Verlagen auf, so bspw. die Geächteten unter dem Titel "Freikorps" beim Unitall Verlag Schweiz (kann man auch in Deutschland bekommen, aber nicht über das ISBN System).

norgallen

12. November 2020 19:35

Das Gespräch sei eine consolatio mutua fratrum, schreibt Melanchthon. Mich trösten das Format in dieser immer dürftiger werdenden Zeit sehr. Bitte, bitte mehr davon!!! Bier trinkt man in geschlossenen Räumen nie aus der Flasche, belehrte uns weiland der Fuchsmajor,

Dietrichs Bern

12. November 2020 19:58

darf man eigentlich hoffen, dass die seltsamen Einstellungen von Der_Juergen selbst hier nicht allgemein anschlussfähig sind? 

Lotta Vorbeck

12. November 2020 20:27

@Dietrichs Bern - 12. November 2020 - 07:58 PM

darf man eigentlich hoffen, dass die seltsamen Einstellungen von Der_Juergen selbst hier nicht allgemein anschlussfähig sind? 

---

Verständnisfrage: 

Worin besteht das Seltsame an der Einstellung von Der_Juergen?

Fredy

12. November 2020 20:37

@Dietrichs Bern

Stubenreine "Diskussionen", besser Selbstbefleckungen, gibt's woanders. Hier herrscht Freiheit, sicher nicht grenzenlos, aber maximal. Man ist nicht nur von Zustimmern und der eigenen Meinung umgeben. Empfehlung: Klarkommen und profitieren, oder wegbleiben und dumm bleiben.

Wahrheitssucher

12. November 2020 21:03

@ Dietrichs Bern

Wenn Sie sich in Ihrer Kritik an dem werten Mit-Foristen vor allem auf dessen letzte Wortmeldung beziehen, dann nehmen Sie doch bitte zur Kenntnis,  dass dieser hier eine Position einnimmt, die eine absolut legitime ist: Diejenige der zeitgenössischen Perspektive, eine angenommene und nachvollziehbare Sicht aus der Wahrnehmung derer, die die Zeit erlebten. Dass sich da Unterschiede in der Rückschau von heute aus ergeben können, liegt doch auf der Hand. Nur welche Sichtweise wird den Ereignissen gerechter?

Dietrichs Bern

12. November 2020 21:37

@Lotta Vorbeck: Erschießungen als kleine "unappetitliche Episoden"  zu verniedlichen, dass geschilderte Unverständnis, dass dem so eine "ungeheure Bedeutung" beigemessen wird, eine "Regierung, die bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit enorme Erfolge" erzielt hatte?

Das so in etwa?

Sugus

12. November 2020 21:47

@ Der_Juergen

Ja, ein Staat der erfolgreich Arbeitslosigkeit bekämpft, darf schon mal massenweise Zivilisten erschiessen, gelle? Der Unterschied zu Stalin, den Sie hier anführen, war dann einfach nur graduell und nicht mehr qualitativ, da haben Sie vollkommen recht. 

Dietrichs Bern

12. November 2020 21:47

@Fredy, ich bin hier gelandet, weil ich mir selbst ein Bild mache und mir nicht ständig selbst irgendwelche Etiketten aufklebe. 

Das schließt für mich aber auch keine Relativierung ein. Wenn das hier allgemein unter "Selbstbefleckung" läuft, wäre ich tatsächlich falsch.

Dietrichs Bern

12. November 2020 21:57

@Wahrheitssucher, ich denke nicht, dass die Sicht auf Mord und Totschlag als "unappetitliche Episode" die zeitgenössische Perspektive ist, es sei denn, die der Täter.

Wahrheitssucher

12. November 2020 22:21

@ Dietrichs Bern

Sie könnten sich irren. Versetzen Sie sich in die Lage der allermeisten Menschen jener Zeit.

Maiordomus

12. November 2020 22:42

 "Reichsmordwoche" (Kuehnelt-Leddihn), in der dt. Justizgeschichte damals ohne Beispiel, war für "Hitlerversteher" wie meinen Lehrer Emil Staiger u. Freunde wie R. Mächler, Franz Keller, die ich noch persönlich kannte,  Fanal; in Deutschland für R. Schneider, in Österreich für rechtskonservative Habsburg-Freunde der "Reaktion" (Horst-Wessel-Lied), u. Kraus u. Friedell; es gab Weissbuch, eine Analyse von Willi Schlamm., die später mit "Die Diktatur der Lüge" treffliche Darstellung des Totalitarismus gab (1937 Zürich).O. Spengler, geistiger Rechter, sagte: "Wir sind vom Regen unter gänzlicher Umgehung der Traufe direkt in die Sch... gefallen." Erwiesen waren Leute, die damals dachten wie ich heute, von Kriminellen mit unter Null Geist (von denen sich Göring von der Intelligenz, aber leider nicht v. Charakter abhob) an Leib/Leben/Denken bedroht, vgl. Autoren der " Weissen Blätter". Adenauer kam zum Schluss, dass gegen Diktatur nur "blaue Bohnen" helfen würden, wiewohl er sich von Verschwörungen ferngehalten hat. C. Schmitt hat sich mit Gutachten um seinen Ruf gebracht, was der Rechten nebst anderem metapolitisch bleibenden Schaden zugefügt hat. 

Laurenz

13. November 2020 01:14

@Der_Juergen

Da mein erster Beitrag zur Akte Röhm nicht durch ging, lasse ich mich auf die historischen Unzulänglichkeiten hier im Forum nicht mehr ein. Ich möchte Ihnen nur mitgeben, daß Ihre Sicht der Dinge historisch falsch ist. Wenn Sie den (verfemten) Historiker David Irving lesen, welcher die Person Hitler (und Umgebung) am besten recherchiert hat, brauchen wir zukünftig solche Unzulänglichkeiten nicht mehr debattieren.

Laurenz

13. November 2020 01:37

@Maiordomus

Muß mich arg wundern. Niemand erwartet, daß man für die Nationalsozialisten in die Bresche springt, auch wenn viele elementare Überbleibsel der Nationalsozialisten auf dem Planeten gegenwärtig sind (Notenbank-Politik, Kirchenrecht, militärische Erkenntnisse etc.).

Aber die "Nacht der langen Messer" ist im Zeitgeist nichts ungewöhnliches. Zumindest von Ihnen, Maiordomus, hatte ich erwartet, daß Sie das wissen.

Bei @Der_Juergen liegen meine Erwartungen einfach niedriger. Aber Erwartungen werden meist enttäuscht.

Als Erich Mielke 1931 seinen berühmten Doppel-Polizisten-Mord beging, war auch das nichts besonderes. Wir zählen 1931, alleine in Berlin, über 8.000 politische Morde, mehrheitlich durch Kommunisten begangen. Was wir heute an Mordopfern in Deutschland zählen, sehen Sie hier  https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2229/umfrage/mordopfer-in-deutschland-entwicklung-seit-1987/ und hier

https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%B6tungsdelikt_(Deutschland)

Aber das ist alles nichts im Vergleich zur Weimarer Zeit. Gerade wir Rechten/Konservative sollten bei der historischen Betrachtung vorne & bei den Fakten liegen. Gerade uns sollte die Weimarer Republik immer gegenwärtig sein, damit auch jedem von uns klar ist, wie weit eine gesellschaftliche Polarisierung fortschreiten kann. Zugrunde liegt das ewige Versagen der Bürgerlichen.

Cugel

13. November 2020 02:47

@Dietrichs Bern
Der_Juergens hat den 30. Juni nicht gutgeheißen, sondern nüchtern bewertet.

Für Deutschland war in diesen Tagen, denen Männer wie Jung und v. Schleicher zum Opfer fielen, wohl der Punkt ohne Wiederkehr erreicht. Auch Ehrhardt hätte es beinahe erwischt, wie EvS im "Fragebogen" schildert. Er konnte in letzter Minute nur sich selbst, nicht aber seine Aufzeichungen in Sicherheit bringen, die, wiewohl im Fußboden seines Hauses versteckt, aufgefunden wurden. EvS beschreibt auch, wie Plaas beim Appell in Todesangst Blut und Wasser schwitzt, der Kelch aber für dieses Mal an ihm vorübergeht.
Was Carl Schmitt betrifft, so hätte er auf Jünger hören sollen, der ihn eindringlich davor gewarnt hat, sich mit dem NS einzulassen. Es waren offenbar Eitelkeit und  Selbstüberschätzung, die ihn dazu getrieben haben.

anatol broder

13. November 2020 03:37

@ rmh 18:57

 
danke für die zusammenfassung.

Maiordomus

13. November 2020 06:28

Zur Erklärung: Erik v. Kuehnelt-Leddihn (SiN Porträt), einer der international führenden Denker der österreichischen Rechten mit weltweiter Wirkung "Freiheit oder Gleichheit?"; Emil Staiger, bedeutendster Schweizer Germanist, u.a. Lehrer v. Peter von Matt, liess sich 1934 von dem nach Kreuzlingen geflohenen Leopold Ziegler über Lage in Deutschland belehren, äusserte sich bis 1966 nicht mehr politisch; Robert Mächler, Weggefährte u. Förderer des Religions- und Kirchenkritikers Karl Heinz Deschner, letzterer nicht das Gegenteil v. Johann v. Leers, glaubte bis 1934 wie andere v. Badener Tagblatt an Hitler; Schlamm wurde in USA extremer Kalter Krieger, seine stärkste Zeit waren mit Kraus u. Hch. Mann die Dreissigerjahre; Franz Keller sagte mir am Vorabend seines Todes: Meine 3 grössten Enttäuschungen waren A. Hitler, J. Stalin und M. Gorbatschew, galt  wie R. Farner als geistvoller marxistischer toleranter Gesprächspartner, lernte ihn in Bern mit A. Huber kennen, den nazifreundlichen nicht dummen Radikal-Islamisten. 

Der_Juergen

13. November 2020 06:53

Der Gradmesser, nach dem man eine Regierung beurteilen soll, ist in erster Linie ihr Erfolg. Anfang 1935, ein halbes Jahr nach der "Nacht der langen Messer", stimmten 90% der Saarländer für die Rückkehr zu Deutschland. Die NSDAP kann die Abstimmung unmöglich gefälscht haben, weil diese nicht unter ihrer Ägide stattfand; schliesslich war die Saar ja noch französisch kontrolliert. Da die Grenze offen war, konnten sich die Saarländer ohne weiteres selbst ein Bild von den Verhältnissen im Reich machen. Vielleicht geruhten die geschätzten Mitforisten zu begreifen, dass der beeindruckende wirtschaftliche und soziale Aufschwung, den Deutschland damals erlebte, sowie die Bannung der kommunistischen Gefahr für die überwältigende Mehrheit ungleich schwerer wogen als die - juristisch natürlich illegale - Erschiessung einer Gruppe von Männern, die durch ihr Rabaukentum die mühsam hergestellte Ordnung gefährdeten und zudem von einer moralisch anrüchigen Person geführt wurden? Ich bin, wie die meisten Foristen, auch ein "Intellektueller", versuche jedoch, mich in die Lage des einfachen Menschen von damals hineinzuversetzen. 

RMH

13. November 2020 07:06

"Versetzen Sie sich in die Lage der allermeisten Menschen jener Zeit."

Die fanden das Ganze in der großen Mehrheit auch nicht gut, waren aber so erzogen, dass man "die da oben" besser nicht lauthals und offen kritisiert, da man sonst selber in die Mühlen kommt (soweit sind wir heute übrigens auch fast wieder).

Verbrechen bleibt Verbrechen, da hat M.D. mit seinen Hinweisen recht und unter dem Strich haben es sich viele Nazis und Rechte mit der Ausflucht, hat ja überwiegend nur Schwule getroffen, schön geredet, was wiederum kein gutes Licht auf diese vermeintlichen Moralapostel (oder besser: Heuchler) wirft. Nein, es hat eben auch weite Teile der K. R. getroffen, siehe E. J. Jung. Ein Mann, der auch einmal eine Sendung auf K.S. wert wäre.

Die Leistung Mohlers, dem die nächste Sendung gewidmet werden soll, war deutlich weniger literarisch, als die eines E.v.S. oder gar E.J. sondern eben genau dahin gehend, dass er all diese Leute und vor allem deren Ideen, die der braune Schlamm gerne mit dem Tod durch Vergessen bestraft hätte, mit in die Nachkriegszeit hinüber gerettet hat.

Im Übrigen kann ich bei Salomon nur raten, nicht mit dem Fragebogen anzufangen, sondern mit Vorkriegswerken. Auch der Fragebogen atmet an zu vielen Stellen den Mief von 50er-Jahre Rechtfertigungsliteratur. Dann lieber das lesen, was ohne den großen "Zwischenfall" gedacht, gelebt und geschrieben wurde.

Maiordomus

13. November 2020 07:09

@Laurenz. Unbekannte Namen? Wer etwa Edgar Julius Jung, erschossen am 30. Juni 1934,  nicht kennt, hat als Nichtkenner der deutschen Rechten eigentlich nichts Wesentliches beizutragen bei rechtsintellektuellen Debatten; scheint mir denkerisch nicht podiumsfähig innerhalb des Konzepts von Sezession als ernst genommenes Theorieorgan der deutschen Rechten, dachte ich bis jetzt: dass mindestens jeder Autor des gedruckten Heftes diesen Namen kennt und womöglich über dessen Schicksal auch schon mal etwas nachgedacht hat. Leopold Ziegler hat eine Studie über ihn veröffentlicht, deren Neupublikaton mit entsprechend aktualisiertem Vor- oder Nachwort sich vielleicht mal lohnen würde.  

Götz Kubitschek

13. November 2020 08:15

feierabend. auf ein neues mit mohler in zwei wochen.

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